TECHNISCIIE BRREAAR UDBER DIE FEIEKR DE²R EINWEIIIUNG DER NEUBAUTEN UND DER AULA AM I7., 18. UND I9. MAI 1800. KRRLSRUHE. DRUCK DER G. BRAUN'SCHEN HOFBUCHDRUCKEREI. 1899. * eeeeeee ** .0.000P000000000000 · r TECHNISCHE HOCHSCHULE KARLSRLHE. BERICHT FEIEN DER EINWEIHUNG NEILRAUTEEN UND EBA AUAH 17., 18. UND T9. MXI 1899. KKRLSRUIHE. DRUCKR DER G. BRAUNSCHEN HOFBUCHERUCREREI, 1899. * 5 — 22 — 2*— — e. 4.— Schon lange hegte der Lehrkörper der Technischen Hochschule zu Karls- ruhe den Wunsch, die früheren Schüler am Sitze der Hochschule wieéeder einmal zu vereinigen, um die alten Beziehungen zu denselben aufzufrischen und neu zu beéleben. Als deshalb im Mai dieses Jahres die neuerrichteten Institutèe fuür Elektrotechnik und Botanik sowie der Aulabau, zu dessen würdiger innerer Ausstattung viele der ehemaligen Schüler beigetragen hatten, feier- lich eröffnet werden sollten, wurde dieser Anlass gerne benützt, um die Erfüllung jenes Wunsches zu béwirken. Die Einweihungsfeierlichkeiten wurden auf die Zeit vom 16. bis 19. Mai angesetzt und Einladungen ergingen an Ihre Königlichen Hoheiten den Grossherzog und die Grossherzogin, sowie an sämtliche Mitglieder des Grossherzoglichen Hauses, an die Spitzen der Civil- und Militärbehörden, die Mitglieder der technischen Mittelstellen des Grossherzogtums, an Gönner und Freunde, ehemalige Lehrer und alte Schüler der Technischen Hochschule. Dieser Einladung folgten Seine Königliche Hoheit der Gross- herzog und Ihre Königliche Hoheit die Grossherzogin, Ihre Kaiserliche Hoheit die Prinzessin Wilhelm, Seine Grossherzog- liche Hoheit der Prin: Karl und Höcehstdeéssen Géemahlin, Ihrs Grossherzogliche Hoheit die Fürstin zur Lippe sowie zahlreiche Hof- chargen, sämtliche Minister, an der Spitze seine Excellenz der Präsident des Staatsministèriums, Minister der Justiz, des Kultus und Unterrichtes, Dr. NORkk Vertreteér des Mülitärs, der königlich preussische und der kaiserlich russische Gesandte, der Oberbürgermeister der Stadt Karlsruhe mit einer Deputation des Stadtrates. Auch an die beiden Landesuniversitäten und an sämtliche Technische Hochschulen des Deutschen Reiches waren Einladungen ergangen, denen diese durch Entsendung von Deputationen Folge gaben. Es waren erschienen: von der Universität Heidelberg der derzeitige Prorektor, Pro- fessor Dr. Osthoff, von der Universität Freiburg Geh. Hofrat Professor Dr. Lüroth, von der Technischen Hochschule Kachen der Rektor Professor Dr. v. Mangoldt, von der Technischen Hochschule Zerlin, der Prorektor Geh. Regierungsfat FProfessor Dr. Witt, Lön der Technischen Hochschule Braunschweig Professor Dr. Möller, von der Technischen Hochschule Darmstadt der Rektor Geh. Baurat Dr. Koch, von der Technischen Hochschule Dresden der Rektor Professor Dr. v. Meéeyer, von der Technischen Hochschule Hannover Professor 13 e— Dr. Frank, von der Technischen Hochschule München der Direktor Ge- heimerat Professor Dr. v. Hoyer, von der Technischen Hochschule Stuttgart der Direktor Professor Dr. Hell. Von sämtlichen höheren Stellen und Lehranstalten der Residen? waren Vertreter erschienen und bésonders zahlreich hatten sich die alten Schüler der Hochschule eingefunden; darunter eine grosse Anzahl der hervorragendsten Vertreter der Industrie. Am Abend des 16. Mai versammelten sich die von auswärts einge- troffenen Gäste mit zahlreichen zu ihrer Begrüssung erschienenen ein- en Einladung der Stadt Karls- heimischen Festteilnehmern der liebenswürd ruhe folgend bei einem Konzertéè im Stadtgarten, in dessen reizenden Anlagen die vom Wetter begünstigte Feier einen sehr schönen Verlauf 8 8 8 nahm. Mittwoch der 17. Mai war der Tag des ersten Festaktes; an ihm fand die Einweihung der Aula statt. Um 11 Uhr erschienen Ihre Königlichen Hoheiten der Grossherzog und die Grossherzogin mit sämtlichen in oglichen Hauses, Karlsruhe anwesenden Mitgliedern des Grossh am Portal des von dem Rektor und Senat ehrfurchtsvoll be- grüsst und von da sofort zur Aula geleitet. Seine Königliche Hoheit der Grossherzog zeichnete auf diesem Wege zahlreiche Chargiertèe der gen V hier in vollem Wichs Spalier bildeten, durch Ansprachen aus. ereinigungen der Studentenschaft, welche Korporationen und sonsti 4 Nachdem die Fürstlichkeiten in der Aula Platz genommen hatten, be— ann der Festakt mit dem Chor von Mozart 888 Schutzgeist alles Schönenæ, 00 getragen unter Leitung des Herru Reinfurth von dem Akademischen f Sängerchor. Hierauf hielt der Rektor, Herr Geheimerat Dr. Engler, die folgende Begrüssungsrede: »An der Wende des Jahrhunderts weihen wir unseren Festsaal und Weihen wir unsere neuen Institute. Wenn schon von der hohen Warte dieser Zeitmarke aus unsere Gedanken teils nach abwärts schwärmen in die Vergangenheit, teils voraus eilen in die Zukunft, so geschicht dies nicht minder durch den Ort und die unmittelbare Umgebung, in denen wir uns befinden. Erblicken wir doch um uns herum die Bilder vergangener Zeiten, die Denk- Kulturepochen der Egypter, der Griechen und end der An- male und Zeichen gro Römer, der Jeiten des Mittelalters und der Renaissance, wö blick des Bildes in der Mitte unsere Gedanken in kommende Jahrhunderte hinüberlenkt. Doch nicht wie auf anderem Bilde als rauher Arm mit dem Hammer de hervor fast drohend gen in der Faust, die mit roher Gewalt aus der I Himmel sich reckt, tritt das Zukunftsbild uns hier entgegen; nein es sind edle Gestalten, die personifizierten Strebungen und S0 des in- dustriellen Lebens und kKünstlerischen Schaffens, die wir vor uns sehen und die uns sagen, dass sie nicht gekommen sind, um zu zerstören und zu ver- nichten, sondern um veiterzubauen und 3 erhabenen Schwestern, den Musen alter Zeit und vereint mit ihnen an der Vervollkommnung unseres Kulturlebens und an der Veredelung des menschlichen Geistes mitzuarbeiten. ——8———rrrr— Lrrrrrrrrrrrr rrr— D¹ Nicht ohne ernste und heisse Kämpfe führt das neue Zeitalter sich ein. Aber der Eintritt einer jeden nèeuen Kulturepoche bringt Erschütterungen und tiefgreifende Veränderungen mit sich. Von mancher alten schönen Vor—- stellung, von vielen liebgewonnenen Gewohnheiten haben wir uns schon trennen müssen, und werden wir uns noch trennen müssen, und viele haben deshalb schon diese neue Entwicklung, dieses Auftreten des industriellen Lebens mit allen seinen Konsequenzen, Begleiterscheinungen und Schatten- seiten auf der Arena unserer sozialen Verhältnisse nicht als ein Glück, sondern als ein Unglück, ja als ein Verhängnis für die menschliche Kultur bezeichnet.— Dann aber war es auch schon ein Verhängnis, als Nikolaus Kopernikus das System der Planeten ergründete und als Galileo Galilei seine Weltordnung erdachte und der Welt verkündete, war es ein Unglück, dass Luigi Galvani den Galvanismus entdeckte und dass Robert Meyer das Geèesetz von der Erhaltung der Kraft erkannte. Mit folgten aus solchen grossen Gedanken und Wahrheiten immer wieder neue Entdeckungen und Erfindungen, denn der menschliche Geist strebt an der Hand des schon erworbenen Besitzes unauf- haltsam weiter und weiter nach immer wieder neuen Errungenschaften! Für den Eingeweihten, zumal für den Naturforscher bietèt es einen besonderen Reiz, die vielen Kanäle zu verfolgen, durch welche von jenen grossen Gedanken und Wahrheiten aus die moderne Wissenschaft der Natur mit Notwendigkeit sich entwickeln musste. Aber dann die weitere Entwicklung, die Anwendung der Naturwissen- schaft auf das praktische Leben, in Gewerbe und Industrie, war auch sie notwendig? War es notwendig, dass James Watt die Dampfmaschinèe erfand, dass Gauss und Wilhelm Weber den Telegraphen erdachten, war es not—⸗ wendig, dass Krupp uns den Gusstahl gab und dass Werner Siemens und Edison die Welt mit elektrischem Licht versorgten? Auch diese Frage muss bejaht werden; denn die Welt braucht neue Mittel und Wege zur Erhaltung der immer mehr anwachsenden Millionen menschlicher Wesen: neue Transportwege mussten geschaffen, neue Mittel des Verkehrs erfunden werden, um einen unumgänglichen Ausgleich herbei- zuführen, um einerseits die menschliche Intelligenz in entfernte Gegenden zu tragen und dort zu verwerten, und andererseits aus fernen Ländern den Uberfluss der Produktèe des Bodens an die Stätten der Uberbevölkerung und des Mangels zu schaffen. Schon aber sieht man trotzdem die Zeit herannahen, in der die natürliche Kraft des Bodens zur Erhaltung jener Millionen überhaupt nicht mehr ausreicht und neue Produktionsweisen an Stelle der alten treten mũüssen. Nur mit Bangen könnte man sonst den Leiten entgegenschen, in denen im Kampf um das tägliche Brot der Stärkere den Schwächeren unterdrückt und vernichtet. Dem Jeitalter der Technik und der Industrie dürfte es vorbehalten sein, auch diese Schwierigkeiten zu überwinden und uns von solchen und ähnlichen Sorgen zu befreien. Bereits ist das Problem wissenschaftlich und experimentell wenigstens zum Teil gelöst, wertlose oder doch geringwertige Elemente, die uns im Uberfluss zur Verfügung stehen, so mit einander 2u verbinden, dass sie wertvolle Nährstoffe bilden, und gewiss ist es nur noch eine Frage der Jeit, dass die Technik auch die Frage der künstlichen Be- reitung von Nahrungsmitteln lösen und eine neèue Industrie auf diese Errungenschaft von Wissenschaft und Technik sich aufbauen wird. Geradèe in einer Frage wie in dieser zeigt sich aber auch wieder ein- mal so recht deutlich der innige Zusammenhang zwischen wissenschaftlicher Arbeit und praktischer Anwendung, zeigt es sich, wie ein technischer Fortschritt in weiterem Sinne ohne wissenschaftliche Vorarbeit nicht mög- lich ist. Auch eineè der neuesten Errungenschaften, die Telegraphie ohne Draht, die es ermöglicht, von Gestade zu Gestade über die Wellen des Méeres hinweg zu sprèchen, ist weiter nichts als eine praktische Ausnützung und Konsequenz einer wissenschaftlichen Entdeckung des genialen Hertz von dem Wesen der elektrischen Wellen, die derselbe in den Mauern unserer Hochschule gemacht hat. Es ist deshalb auch nicht zu verstehen, wie man in neuester Zeit von mancher Seitèe gemeint hat, die technischen Hochschulen müssten auf die eigentlich wissenschaftliche Forschungsarbeit verzichten und sich auf die praktische Nutzanwendung beschränken. Gewiss werden sich die technischen Hochschulen mit der praktischen Verwertung der Resultate der Wissenschaft zu bèefassen haben, géerade so gut, wie dies in den medizinischen Fakultäten und auch noch in anderen Fakultäten der Universität geschieht. Aber die technischen Hochschulen werden ausserdem auch Stätten wissenschaftlicher Arbeit sein, oder sièe werden aufhören, Hoch- schulen zu sein! Schon jetzt aber schen wir, dass eine Nation ohneè ernstè Gefährdung ihrer Existenz sich dem wirtschaftlichen Fortschritt im Sinne einer Aus- bildung der Technik und Förderung der Industrie nicht entziehen kann. Haben wir es doch gerade in unseren Tagen erlebt, wiée ein ritterliches Volk, das noch zu Anfang unseres Jahrhunderts den Heersäulen des ge- waltigen französischen Imperators mit Erfolg Trotz zu bièten im Stande War, am Ende des Jahrhunderts einem Handelsvoll, gegenüber unterliegen mussteè und seinem Untergange nahegebracht wurde dadurch, dass es, wirt- Schaftlich selbst 2zuri kgeblieben, den Kampf mit èeinem ihm auf technischem, industriellem und wirtschaftlichem Gebiete weit überlegenen Gegner auf— nahm. Wohl müssen wir unsere Schwerter scharf und unsere Kanonenrohrèe blank erhalten, muss unsere Jugend militärisch geschult und müssen wir wohlgerüstet sein zu Wasser und zu Land.— Aber das unterliegt auch keinem Zweifel: ebenso sehr wie auf blutigem Schlachtfeld wird der Kampf um die Existenz, wird das Schicksal der Völker in Zukunft entschieèden auf dem Boden der Entfaltung industrieller Produktionskraft und wirtschaftlichen Gedeihens, ohne welche ja auch einè militärische Machtentfaltung im Sinne der modernen Kriegskunst technisch und finanziell nicht möglich ist. Vertrauensvoll können wir aber jetzt, an der Schwelle des neuen Jahr- hunderts, in die Zukunft blicken. Nach harten Kämpfen und blutigen Opfern 8 + hat ein glückliches Geschick die deutschen Stämme wieder geeinigt zu gemein- samer friedlicher Arbeit, aber auch zu gemeinsamer Abwehr. Auf festem 2 zoden steht neuaufgerichtet das Deutsche Reich und über dem Ganzen waltet, ein starker Schirmherr in Krieg und Frieden, unser deutscher Kaiser! Vertrauensvoll können wir aber auch der weiteren Entwicklung unseres engeren Heimatlandes und heute an unserem Festtage der Zukunft unserer technischen Hochschule entgegensehen. Auch über ihr waltet ein gütiges Geschick, hattè sie sich doch von der Zeit ihrer Begründung bis auf den heutigen Tag der treuen Fürsorge hochsinniger und weiser Fürsten, ein- sichtiger Regierungen 2zu erfreuen. Danl lichen Hoheit unserem allverehrten Landesherrn. Unter Euerer König- Kerfüllt nahen wir uns deshalb heute vor allem auch Euerer König- lichen Hoheit segensreicher Regierung haben sich Künste und Wissen- schaften, Handel und Industrie in unserem Lande zu nie dagewesener Blüte entfaltet, und ganz besonders auch die drei Hochschulen haben unter Euerer Königlichen Hoheit mächtigen und thatkräftigen Protektion eine glänzende Entwicklung genommen. Auch heute bezeugt die Anwesenheit Euerer Königlichen Hoheit im Verein mit der Anwesenheit Ihrer Königlichen Hoheit unserer aller— gnädigsten Grossherzogin und noch anderer hoher Anverwandten des Grossherzoglichen Hauses aufs Neue, Welch hohen und warmen Interesses sich unsere Hochschule an Allerhöchster Stelle stets erfreut. Wir danken hierfür aus tiefinnerstem Herzen und bitten Euere Königliche Hoheit, uns Allerhöchst Ihr Wohlwollen auch fernerhin zu bewahren. Wohl haben wir in den letzten Jahren viel erreicht, wir werden aber der hohen Huld Euerer Königlichen Hoheit auch in der nächsten Zeit nicht entraten können, wenn wir die ernste Mission, die uns in der Entwicklung unseres engeren und weiteren Vaterlandes und in dem grossen Wettkampf der Nationen übertragen ist, sollen erfüllen können. Warmen Dank habe ich namens der Technischen Hochschule auch der Grossherzoglichen Regierung auszusprechen, die in allen ihren Ministerien unseren Bestrebungen stets wohlwollende Förderung zu Teil werden liess. Vor allem aber gilt unser Dank heute dem Manne, der, jetzt an der Spitze der Grossherzoglichen Regierung stehend, nun schon seit einer langen Reihe von Jahren seine eminente Kraft dem badischen Unterrichtswesen gewidmet hat. In ihm hat eine glückliche Fügung den Hochschulen des Landes einen obersten Leiter und Berater gegeben, dem es nicht blos Pflicht, sondern Herzenssachè ist, an ihrem Emporblühen und Gedeihen 2u arbeiten und sie dem LZiel ihrer idealen Bestrebungen näher zu bringen. Aufrichtigen Dank nun aber auch den badischen Landständen, deren Vertreter des Landständischen Ausschusses wir heute hier begrüssen dürfen, für das wohlwollende Verständnis und hochherzige Interesse, das sie uns stets gerzeigt haben in der Bewilligung reicher Mittel zur Ausgestaltung unserer Lehreinrichtungen. Es ist gewiss eine gute Vorbedeutung für die Lösung der schwebenden sozialen Gegensätze und des daraus entbrannten 8 S 8 Kampfes, dass, wo es sich um Unterrichtswesen, um Kunst und Wissen- schaft handelte, auch die vorgeschrittensten politischen Parteien niemals geéekargt haben, dass sie vielmehr im Verein mit allen Parteien der Volks- vertretung zu den grössten Opfern stèéts bereit gewesen sind. Mit freudiger Dankbarkeit begrüsst die Technische Hochschule auch die Vertreter der Armee. Das deutsche Heer mit seiner ruhmbedeckten Vergangenheit, seiner wunderbaren Organisation und Schlagfertigkeit, der Tapferkeit und Disziplin seiner Mannschaften bildet mit Recht den Stolz unserer ganzen Nation. In Heer und Flotte besitzen wir Deutsche ein Palladium, an dem vir nicht rühren und nicht rütteln lassen wollen. Nur sie gewähren uns gegenüber neidischen Nachbarn und feindlich gesinnten Rivalen den Schutz und die Sicherheit, deren wir zur Erfüllung unseèrer friedlichen Mission bedürfen. Herzlichen Willkommengruss entbietet die Technische Hochschule heute an ihrem Festtage auch den Vertretern der Stadt Karlsruhe. Hier in Karlsruhe hat unsere Hochschule eine schöne und glückliche Heimstätte gefunden und aufs thatkräftigste hat die Verwaltung der Stadt die Ent- wickelung der Technischen Hochschule stets, und ganz besonders in den letzten Jahren, gefördert. Stadt und Hochschule sind zusammengewachsen, und unser Fest ist damit auch das ihrige geworden. In Anhänglichkeit und Liebe errinnern sich deshalb auch diejenigen, die einstens hier geweilt und an unserer Hochschule den Studien obgelegen haben, an das geistig angeregte Leben und an die gemütvollen Bewohner unserer Residenzstadt, und gewiss hat die Erinnerung daran viele unserer alten Schüler heute wieder hierhergeführt. Und nun unseren Willkommengruss den Vertretern unserer Schwester— anstalten, die aus der Ferne gekommen sind, um die heutige Feier mit uns zu begehen. Als besondere Freude und Genugthuung empfinden wir es, die beiden Landésuniversitäten Heidelberg und Freiburg bei uns begrüssen 2u können. Wir betrachten deren Erscheinen als eine Hindeutung darauf, dass wWir, wenn auch auf verschiedenen W egen, doch aber dem gleichen LZiel entgegenstreben: der Befreiung des menschlichen Geistes von den Fesseln der Unwissenheit und der Erziehung der uns anvertrauten Jugend àzu Männern nicht allein von geschärftem Verstand und von fachlicher Tüchtig- keit, sondern vor allem auch zu Männern von geschärftem Pflichtgefühl, von Charakter und von Gesittung. Mit Stolz können die deutschen Universitäten auf eine über Jahrhunderte sich erstreckende ruhmreiche Ver- gangenheit auf dem Felde dieser Thätigkeit zurückblicken. Möge uns gleiches beschieden sein, wenn einst nach Jahrhunderten die Patina ehr- würdigen Alters auch unsere Hochschulen schmücken wird. Ich glaube damit auch im Sinne unserer näheren Schweéstèeranstalten ge- Sprochen zu haben, der Technischen Hochschulen des deutschen Reiches, die sämtlich zu uns gekommen sind: aus Berlin und aus Mün chen, aus Dresden, Hannover und Aachen, aus Braunschweig, aus Darmstadt P...........r und Stuttgart, und die ich auf das herzlichste bei uns willkommen heisse. Wir arbeiten mit ihnen auf gleichem Boden und kämpfen mit ihnen den- selben Kampf. Von Etappe zu Etappe haben wir uns emporgearbeitet. Vieles ist schon erreicht, doch auch noch Vieles zu erringen. Möge das schöne aber schwere Werk, das wir unternommen haben, gelingen. Dabei ist es uns eine Beruhigung und eine Aufmunterung, dass wir heute auch die Vertreter der Vereine und Gesellschaften grosser fachlicher Berufskreise bei uns sehen; den mächtigen Verein deutscher Ingenieure, den Deutschen Architekten- und Ingenieurverein, den Verein der Männer des Gas- und Wasseèrfaches, den Badischen Forstverein, den Verband der deutschen Elektrotechniker, den Verein deutscher Che- miker und noch andere Vereinigungen, die ich alle hiermit herzlichst begrüssè. Unsern Gruss und Dank auch den Vertretern aller übrigen Anstalten und hohen Stellen, die unserer Einladung gefolgt sind, vor allem aber auch Euch, Ihr alten Schüler unserer Hochschule die Ihr aus dem ganzen deutschen Reiche und selbst aus fremdem Lande hierhergeeilt seid, um das Ehrenfest Eurer alten Lehrstätte mit uns zu begehen und die Ihr in den reichen Spenden zur Ausschmückung dieses Festsaales einen so schönen Beweis Eurer Liebe und Anhänglichkeit gegeben habt. Und endlich auch Euch unseren Gruss, Ihr jungen Kommilitonen, die Euch die schone Maiensonne nicht blos des heutigen Tages, sondern noch des Lebens scheint! Wir betrachten Euch als die Pioniere, die wir in das neue Jahrhundert und in die kommenden Zeiten entsenden. Euer Beruf wird es mit sich bringen, dass Ihr inmitten des Getriebes des industriellen Lebens in den ersten Reihen zu kämpfen haben werdet. Kämpfet tapfer, auf dass Ihr der Stätte Ehre macht, von der Ihr ausgegangen seid! Wenn dann aber einst der Erfolg Euch winkt, so denket daran, dass nicht Geld und Gut, nicht Ehre und Ruhm das höchste Glück des Lebens ausmachen, son- dern das Bewusstsein, die Wahrheit erstrebt, das Gute gefördert und seinen Mitmenschen geholfen zu haben.— Dass ein solcher Geist ausstrahlen möge aus diesem Festsaal, aus unseren Instituten und der ganzen Hochschule für alle Zeiten, das walte Gott! Und nun lassen Sie uns, durchlauchtigste und hochansehnliche Ver- sammlung, in Gedanken noch einmal zurückkehren zu denjenigen, denen Wir es Vor allem verdanken, dass wir heute zu diesem schönen Feste Versammelt sein können, auf deren Boden unsere Hochschule erwachsen ist, und unter deren mächtigem Schutze wir hoffen dürfen, unserer fried- lichen Arbeit auch in Zukunft erfolgreich obliegen zu können, und lassen Sie uns zu deren Ehren das erste Hoch durch diesen Saal erschallen, indem wir ausrufen: Seine Königliche Hoheit, der Beschützer von Kunst und Wissenschaft, der Vater des Vaterlandes, Grossherz0og Friedrich, Ihre Königliche Hoheit, unsere segenspendende Grossherzogin Luise und das ganze Grossherzogliche Haus; Seine Majestät, der höchste Schutz- und Schirmherr des deutschen Reiches, Kaiser Wilhelm II. sie leben hochle Sofort nachdem das Hoch verhallt war, ergrift Seine Königliche Hoheit der Grossherzog das Wort zu folgender Ansprache: „Die schönen Worte Meines Herrn Vorredners veranlassen Mich, nur wenige Worte der Begrüssung an Sie zu richten. Meine Begrüssung gilt vor allem dem Professorenkollegium der Technischen Hochschule. Ich ver- binde diese Begrüssung mit dem heissen Wunsche für das fernere Gedeihen dieser schönen Anstalt. Ich freue Mich, dass der hèutige Tag, an dem Sie das neue Gebäude zu benützen beginnen, ein bleibender historischer Gedächt- nistag für die Hochschule sein wird. Ich begrüsse es ferner, dass die Technischen Hochschulen des Reiches, und insbesondere auch die beiden Hochschulen des Landes hier vertreten sind. Das Alles erhöht die Bedeu- tung des heutigen Tages in wesentlicher Weise und Ich glaube, Sie stimmen mit Mir überein, Meine Herren, was Ich vorhin gesagt habe, es wird ein bleibender Gedächtnistag für die hiesige Hochschule sein. Ja, es wird noch mehr sein, es wird für Sie Alle eine schöne bleibende Erinnerung sein, für die lieben Schüler insbesondere. In diesem Sinne, Meine Herren, sage Ich Ihnen Meinen herzlichen Dank für die Begrüssung, die Sie Mir haben zu- teil werden lassen, sowie für das freudige Einstimmen in das Hoch des Herrn Rektors. Ich empfinde es um s0 dankbarer, als Ich den Beginn der Technischen Hochschule, wenn auch in jungen Jahren, erlebte und Ich gedenke hierbei besonders eines Mannes, des Gründers der Hochschule, Nebenius, dessen auch die Festschrift Erwähnung thut. Wir alle, Meine Herren, gedenken dankbar jenes Mannes, dem wir alleés dies verdanken. Und wenn Sie dankbar dessen gedachten, was von Seite der Regierung geschehen ist, die Dankbarkeit ist auch auf unserer Seite. Wir sehen, wie Sie alle Ihre Kräfte einsetzen zur Erziehung der Jugend, auf der die Zu- kunft unseres Vaterlandes beruht. In diesem Sinne, Meine Herren, begrüsse Ich Sie von ganzem Herzen und danke Ihnen für jedes freundliche Wort, welches Sie an uns gerichtet haben.« Hierauf betrat der Prorektor, Herr Geheime Hofrat Hart, die Rednerbühne und hielt die folgende Festrede: Königliche Hoheiten! Durchlauchtigste, hochansehnliche Versammlung! Meine lieben alten und jungen Freunde! Nichts Schöneres auf Erden kann's geben, Und höher erblüht uns kein Glück, Als wenn wir im späteren Leben Zur Jugendzeit kehren zurück. Sei es mir darum gestattet, zurückzukehren im Geiste 2zu jener Zeit, Wo unsere heute zu so herrlicher Blüte gelangte Anstalt, aus unscheinbarem Keime entwickelt, die ersten Sprossen trieb, um zu erkennen, wie sie unter 11 den fürsorgenden Bestrebungen einer erleuchteten Regierung und unter der Selbstlosen Mitwirkung vorausschauender tüchtiger Männer allmählich einer kraftvollen Gestaltung entgegenreifte. Lassen wir für eine kurze Spanne unseren Blick zurückschweifen in die Vergangenheit, um— die Gegenwart Passierend— ihn dann vorauszusenden in die Jukunft, uns Rechenschaft zu geben über das Verflossene, Vorsätze zu fassen für das Kommendé. Und wenn wir zurückkehren zum Kindesalter unserer Hochschule, dann liegt es so nahe, im Geistèe auch zu jenen Tagen zurückzukehren, wo 50 vielen von uns, deren Haare längst ergrauten, noch die freundliche Sonneè der sorgenlosen Jugend lachte, wo das Herz noch empfänglich für begeistertes Schwärmen war, wo es beim Becherkreisen und beim Lieder- Klang in Jubeltönen aufjauchzte, doch wo sich durch den Gesang von Frei- heit und Wanderlust, von Liebe und Eichenwald schon ein Sehnen und Träumen von des Reiches schlummernder Pracht hindurchzog— zurückzu- kehren in Gedanken zu unserer goldenen Jugendzeit. Nicht wie so manche Einrichtung heutiger Tage auf industriellem oder wissenschaftlichem Gebiete nach festem, fertigem Bauprojekt und Lehrplan gegründet wurde, ist unsere Hochschule einstens entstanden; nein, in lang- samer aber natürlicher Entwickelung ist sie von kleinsten Anfängen all⸗ mählich zu ihrer heutigen Grösse herausgewachsen, gleich einem Baume, der Jahrzehnte braucht, um vom jungen sprossenden Reis die einstige Höhe zu erreichen und eine schattenspendende Krone darzubieten. Die ersten Etappen in der Entstehung und Entwickelung unserer Anstalt fallen in den Anfang unseres Jahrhunderts. Wir begegnen einer Reihe Männer mit weitem, in die Zukunft gerichtetem Blick, von denen hier nur zwei als besonders hervorragend genannt werden mögen: Tulla und Weinbrenner. Wie von prophetischem Geiste durchweht, klingen deren Ausserungen aus jener lang vergangenen Zeit. Nach ihren mit umfassender Sachkenntnis erstatteten Darlegungen wurde von der Hohen Regierung die Errichtung eines polytechnischen Instituts beschlossen, und nachdem hierüber ausführlicher Vortrag an den Landesherrn erstattet war, erfolgte durch Grossherzog Ludwig mit Reskripst vom 7. Oktober 1825 die Aller- höchste Bestäͤtigung. Die polytechnische Schule in Karlsruhe war hiermit geschaffen, und so haben wir das Jahr 1825 als das Geburtsjahr unserer heutigen Hochschule zu betrachten. Die nächstfolgenden Jahre lassen bereits eine lebhafte Weiterentwick- lung und Ausgestaltung sowohl bezüglich der Organisation und des Unter- richts, wie der Lehrkräfte und der Räumlichkeiten erkennen; denn noch War die junge Anstalt sehr bescheiden in den Mitteln ausgestattet, beschränkt in den verfügbaren Räumen und verteilt mit ihren einzelnen Abteilungen in verschiedenen städtischen Gebäuden; noch hatte sie kein eigentliches eigenes Heim. Von dem Wunsche durchdrungen, diesen unzulänglichen Verhältnissen abzuhelfen, veranlasste die Grossh. Regierung im Jahre 1832 die erste 2* A 28— eeeeeee eeeeegeee en eee Reorganisation und Erweiterung der polytechnischen Schule. Insbesondere wurde der damalige Staatsrat Nebenius, der sich für die fernere Ent- wicklung der Anstalt ganz hervorragende Verdienste erworben hat, von hohem Ministerium beauftragt, die erforderlichen Anordnungen zu treffen. Neben den glänzenden Namen Tulla und Weinbrenner ist darum als dritter der von Nebenius zu nennen, wenn wir der Gründung und ersten Ausbildung unserer Hochschule gedenken. Nach seinem klaren und zweck- mässigen Plane wurden die Abteilungen vermehrt und erweitert, und erhielt die ganze Organisation einen mehr akademischen Charakter. Der gesamte Reæorganisationsplan fand am 6. September 1832 die Allerhõchste Bestätigung Seiner Königlichen Hoheit des Grossherzogs Leopold. Wurde auch über Raumgebilde aller Art schon lebhaft vorgetragen, S0 fehlte es aber immer noch am Raume selbst; doch auch für diese Raumnot schlug bald die Erlösungsstunde; denn am 20. Dezember des- Selben Jahres 1832 wurde mit Erlass Grossh. Ministeriums des Innern die Genehmigung eines Neubaues erteilt. Im Jahr 1833 fand die Grundstein- legung statt, und im Jahr 1836 wurdeé das von Hübsch erbaute, an der Langen Strasse— der heutigen Kaiserstrasse— gelegene Gebäude bezogen, das nunmehr sämtliche damalige Klassen und Abteilungen unter einem Dache vereinigte. Die dritte wichtige Etappe in der Entwickelung und Ausgestaltung, die für lange Zeit alle Wünsche zu erfüllen schien, war erreicht. Ohne wesentliche Anderungen in der Organisation brachten da- gegen die nachstfolgenden Jahre noch eine Reihe hervorragender Lehrer, deren Namen— obwohl sie längst dahingegangen— auch heute noch einen hohen Klang haben. So fanden wir Alteren, die zu Endè des 40er und zu Anfang des 50er Jahrzehnts als Studenten das hiesige Polytechnikum bezogen, die Räume und die Personen, die darin walteten, vor. Das Haus, in das wir mit ehr- furchtsvollem Sinne eintraten, war das zuletzt geschilderte, über dem alten Portal mit den Standbildern von Keppler und Steinbach geschmückte, der jetzige linke Flügel des vorderen Hauptbaues. Von den 21 Professoren, die wir hier antrafen, reichten 7 bis in das Gründungsjahr zurück. Wie leb- haft erinnern wir uns noch an die kräftige Figur Walchners und seinen anregenden, oft von Humor durchwürzten Vortrag, an den allezeit frohmutigen Guido Schreiber, an die eigenartige Erscheinung und Vortragsweise Kaysers, an den gründlichen aber gestrengen Klauprecht. Und wer, der sie gesehen und gehört, der andächtig zu ihren Füssen sass, könnte je die Koryphäen jener Zeit— Friedrich Eisenlohr, Wilhelm Eisenlohr und unsern Altmeister Redtenbacher— vergessen. Das treueste Gedenken an alle diese Männer ist bei uns unauslöschlich und wird erst mit uns selbst verschwinden. »Wir hatten gebauet ein stattliches Hausé; es schien für ferne Zeiten auszureichen und doch ging es wie mit dem Kleide, das man einem gesund und kräftig sich entwickelnden Kinde zu lange anlässt; es platzen am Ende die Nähte, um dem stärker gewordenen Körper Luft zu machen. Wie schön und zweckmässig der genannte Bau auch war, er genügte infolge stark angewachsener Frequenz nur bei ungewöhnlicher Einschränkung durch etwa 15 Jahre. Und von hier, von der Mitte unseres Jahrhunderts an, beginnt unter dem Zielbewussten Eingreifen der Regierung eine bauliche Weiter⸗ entwicklung, die heute noch nicht zu Ende ist und voraussichtlich zunächst noch bis zum Anfang des kommenden Jahrhunderts andauern wird. Der aussen aufgehängte Lageplan, auf welchem der damals einzige Bau durch dunklere Färbung kenntlich gemacht ist, giebt ein ungefähres Bild hiervon. Es folgten sich in kurzen Intervallen der geräumige hintere Anbau, das chemische Laboratorium, das Gebäude für die Maschinenbauschule, die beträchtliche Verlängerung des Hauptbaues in der Richtung der Kaiser- strasse, das Technologie-Gebaude, die Erweiterung der Bibliotheksräume, der Anbau für die chemisch-technische Prüfungs- und Versuchsanstalt, die Erstellung des neuen botanischen Instituts durch Baurat Schopfer, die Frrichtung des elektrotechnischen Instituts durch Oberbaurat Warth und die Aufführung des gross angelegten Aula- und Höérsaalbaues, in dem wir uns heute vereinigt finden, dessen vielgewandter Baumeister Oberbaudirektor Durm— der Schöpfer dieses herrlichen Festraumes— noch rüstig und schaffensfroh hier unter uns weilt. Aber schon sind neue Bauten geplant und bereits in Angriff genommen, so insbesondere ein in grossem Stile Projektiertes chemisches Institut und eine elektrische Centrale. Nicht allein war es die allmählich von zoo auf nahezu 1000 Studierende ansteigende Frequenz, welche diese ungewöhnlichen Erweiterungen bedingte; es fand in dieser Periode das Auswachsen aller Lehrgebiete, die Schaffung ganz neuer Disciplinen, die Vergrösserung und Vermehrung der Sammlungen, die Errichtung von Laboratorien— dieser für das lebendige verständnisvolle Erfassen und Vertiefen des theoretischen Unterrichts so wichtigen Institute — in nahezu allen hier vertretenen Fächern statt. Eingreifende Umge- staltungen in der Organisation, die mehr und mehr nach den bewährten Institutionen der Universitäten durchgeführt wurde, bilden ausserdem ein bedèeutsames Moment dieser wichtigen Epoche, rühmlichst gekennzeichnet durch die Erhebung unserer Anstalt zur Technischen Hochschule. Wir gedenken hier mancher tapferer Kämpen, die in dieser Zeit zu uns gekommen sind und redlich mitgerungen haben, um die lang erstrebte Höhe zu erreichen, mancher wackerer und tüchtiger Lehrer, die heute nicht mehr unter uns weilen. Vor unserem geistigen Auge schweben sie vorüber und in der FErinnerung bleiben sie die Unserigen. Welche Fülle von Forschungsarbeit, von geistigem Schaffen und bedeutsamen Ergebnissen begleiten die wissenschaftliche, technische und künstlerische Thätigkeit vieler dieser Männer. Mit inniger Verehrung geédenken wir der grundlegenden Arbeiten Redtenbachers, wièe er durch die klare und sachgemässe Behandlung seines Gegenstandes, durch die Lebendigkeit, die Voraussicht und Uberzeugung 14 welche aus jedem seiner Worte herausleuchtete, in so ungewöhnlichem Grade seine Zuhòörer fesselte und begeisterte. Mit Bewunderung erfüllt uns die Erinnerung an Grashofs vielseitige Wirksamkeit, an die nie versagende Sicherheit und Präzision seiner Dar— legungen, an die streng wissenschaftliche, erschöpfende Behandlung, die seine litterarischen Erzeugnisse bekunden. Mit berechtigtem Stolze erinnern wir uns an die glänzenden Resultate naturwissenschaftlicher Forschung, insbesondere auf dem Gebietèe der elekt- rischen Erscheinungen, die der geniale Heinrich Hertz in den Räumen unserer Hochschule erzielt hat; wie er durch seine scharfsinnigen Unter— suchungen und berühmten Experimente, deren Augenzeuge wir waren, den Jusammenhang zwischen Licht und Elektrizität überzeugend nachwies. Vielseitigster Art und von hohem dauerndem Wert sind die Leistungen anderer hervorragender ehemaliger Lehrer auf den Gebieten der Mathematik, der Physik und Chemie, der Botanik, der Geologie, des Ingenieurwesens, der Architektur, wie der Kunstgeschichte. Stèets werden die Namen von Alexander Braun, Heinrich Hübsch, Franz Keller, Morit: Seubert, Rudolf Clebsch, Fridolin Sandberger, Karl Weltzien, Lothar Meyer, Hermann Sternberg, Christian Wiener, Gustav Wiedemann, Lèeonhard Sohncke, Wilhelm Lübke als Marksteine und Träger erfolgreicher Forschungs- und Berufsthätigkeit, mit besonderer Hochachtung genannt werden. Dank und Nachruhm ihnen allen; wer im Schaffen und Wirken seine grösste Befriedigung findet, der hat den wahren Zweck des Lebens erkannt. Altèe sind gegangen, Neue sind gekommen. Von frischem Hauche durchweht waltet jetzt ein Lehrkörper, der heute auf über 100 Glieder ange- Wachsen ist, seines verantwortungsvollen Amtés. Die gesteigerte Rücksicht- nahme auf die Anforderungen der Gegenwart nach technisch und wirtschaftlich richtigem Schaffen, und die Voraussicht auf die Bedürfnisse der Zukunft haben ihren bestimmenden Einfſuss auf die heutige Lehrmethode ausgeübt. Unter harmonischem Jusammenwirken aller Lehrenden durchdringt ein gesunder Geist die Lernenden, bei deren Heranziechung zu selbständiger Arbeit der unmittelbare und mächtige Einfluss des Meisters auf den Schüler die sichersten Erfolge erzielt. Eingedenk der Thatsache, dass der harte Kampf des Kulturdaseins dringend eine Gegenbewegung herausfordert, war seit langem das Streben dahin gerichtet, zu den in hohem Grade überwiegenden mathematischen, naturwissenschaftlichen und technischen Unterrichtsgegenständen eine gegen- Sätzliche Ergänzung zu schaffen. Schon von Anfang wurde eine Reihe all- gemein bildender Fächer in den Lehrplan aufgenommen, und in dem Masse, wie der technische Unterricht an Ausdehnung gewann, wurden immer mehr Iweige der Geisteswissenschaften eingefügt. Immer mehr wurde darauf Bedacht genommen, die Studierenden unserer Hochschule zwar in erster Linie zu tüchtigen Männern ihres Berufsfaches zu machen, sie dabei aber auch in der anderen Richtung mit weiser Benützung der Zeit soweit heran- 15 zubilden, dass sie dermaleinst im praktischen Leben befähigt erscheinen, in den leitenden Gesellschaftsschichten als Männer von allgemeiner Bildung die ihnen gebührende Stelle würdig auszufüũllen, und für die Förderung der allgemein menschlichen, der sozialen und staatlichen Interessen erfolgreich thätig zu sein. So haben hier Geschichte und Litteratur, Volkswirtschaftslehre und Rechtskunde, Padagogik, Asthetik und Philosophie eine bleibende Stätte gefunden; und immer mehr wurde eine ganz besondere Pflege der Alles ver- edelnden Kunst dieser erstgeborenen Tochter der Civilisation— zugewendét. Die heutige auserlesene Festversammlung, welche so viele durch Er- fahrung gereifte Männer, so zahlreiche hervorragende Vertreter der Technik hier vereinigt, erscheint uns unwillkürlich wie eine Aufforderung, die Blicke zu richten auf die Bedeutung der Industrie im Völkerleben, insonderheit auf die Entwicklung der deutschen Industrie, und auf die hieraus sich unmittelbar ergebende Aufgabe, Richtung und Wirksamkeit der Technischen Hoch- schulen. Jiel und Streben dieser letzteren muss ja mit Naturnotwendigkeit dahin gerichtet sein, jener ersteren brauchbare Kräfte zuzuführen; beide bedingen sich, beide ergänzen sich, und in ihrem verständnisvollen Zusammen- wirken liegt die beste Gewähr für die fruchtbare Weiterentwicklung und den gedeihlichen, segensreichen, kulturellen Fortschritt. »Die grossen Schlagadern unseres Staatskörpers sind Landwirtschaft und Industrie.« Die Vervollkommnung diéeser bildet die Grundlage für die Zunahme des Wohlstandes, der Kraft und Macht unseres Vaterlandes. Leben wir doch in einer Zeit der gewaltigsten Fortschritte auf allen Gebieten des geistigen und materiellen Lebens, in einer Zeit, die sich der— nach langen Kämpfen endlich glanzvoll errungenen— nationalen Einheit, Macht und Grösse und einer Blüte erfreut, wie sie Deutschland seit Jahrhunderten nicht mehr geschen. Im Wettbewerbe um den wirtschaftlichen Sieg haben That- kraft und Ausdauer, haben die geistigen Waffen der Wissenschaft im Verein mit den Kräften des realen Wissens und Könnens dem Deutschen Reiche eine achtunggebietende Stellung errungen. Mit Bewunderung blickt heute die ganze civilisierte Welt auf den deutschen Gewerbfleiss, und Wo immer wir hinschauen, überall tragen die Erzeugnissèe der deutschen Industrie im friedlichen Kampfè den Sieg davon. Unter dem mit starker Hand bewahrten Frieden ist unser Vaterland gross und mächtig geworden, sind Kunst und Wissenschaft, Handel und Gewerbe kraftvoll gediehen. Hier im Kreisè erfahrener Techniker, die mitten im rasch pulsierenden wirtschaftlichen Leben stehen, erscheint es kaum nötig, die epochemachenden Erfolge auf den einzelnen Gebieten unserer heimischen Industrie ausführ- licher zu schildern. Mit Stolz erfüllen uns die Leistungen der Eisen und Stahl erzeugenden Riesenwerke, der Metallurgie und Metallotechnik, des gewaltig entwickelten Maschinenwesens, des grossartigen Kanal-, Brücken- und Eisenbahnbaues, des modernen Schiffbaues, der uns die besten und schnellsten Fahrzeuge liefert, die je den Ozean durchkreuzten, und der wie mit Geisterschwingen voraneilenden Elektrotechnik; und wem wäre nicht 16 die glanzvolle Entwickelung der chemischen Grossindustrie bekannt, mit der sich Deutschland an die Spitze der gesamten chemischen Industrièe empor- geschwungen hat. Uberall begegnen wir Leistungen ersten Ranges und Meisterwerken auf dem weiten Gebiet der kulturschaffenden, bahnbrèchenden Technik. An der Schwelle eines neuen Jahrhunderts überkommt uns angesichts S Gefühl, dass wir an einem für die dieser Errungenschaften unwillkürlich da gesamte Weltstellung des Reiches entscheidenden Wendepunkt stehen. Wie unsere hoch emporragenden Bauwerke nur auf tief gründendem Fundamente aufgeführt, standfest bleiben und den Stürmen der Zeit wider- stehen können, so muss unsere Industrie ihr zuverlässiges Fundament, ihre nährenden Wurzeln in der Wissenschaft, in der Schulè finden. Beide müssen sich verstéhen, jede muss befruchtend auf die andere einwirken. Immer mehr haben unsere Technischen Hochschulen ihre bedeutsamèe Aufgabe erkannt— das Auge unverwandt nach dem vorgezeichneten Ziel gerichtet — der Industrie auf gediegener wissenschaftlicher Grundlage vorgebildete junge Techniker zuzuführen. Gestehen doch selbst erfahrene Staatsmänner fremder Nationen ein, dass die Uberlegenheit der deutschen Industrie auf die vortreffliche Ausbildung unserer Techniker, auf die vorzüglichen Ein- richtungen unserer Schulen zurückzuführen sei. Ausserungen dieser Art kamen in den letzten Jahren vielfach aus den bedeutenden Industrieländern England und Amerika, zunächst nicht zum Jweéecke, uns Lob zu spenden, sondern in der Absicht, ihren eigenen Landsleuten unser Vorgehen im Spiegel zu zeigen. So schreibt u. a. ein amerikanischer Vollswirt im Jahre 1897:»Der Aufschwung im Deutschen Reiche ist aus der Pflege der Wissenschaften hervorgegangen; er ist die Folge glänzender Lehranstalten, die Männer hervorbringen, reich an achtunggebietenden Kenntnissen. Nicht die letzten 20 Jahre erst haben die Handelsmacht Deutschlands geschaffen, sondern der viele Jahrzehnte langen rastlosen Arbeit deutscher Gèelehrsamkeit und Gründlichkeit ist der Erfolg zu verdankens. Die Technischen Hochschulen sind dazu bérufen, die theoretischen Lehren der verschiedenen Wi Ssenschaften mit den praktischen Bedürfnissen des Volkslebens zu vermitteln, dabei beständig das Augenmerk darauf zu richten, das Lehrsystem den wachsenden Anforderun gen der Zeit entsprechend weiter durch- und auszubilden. Soll die Industrie schaffensfreudig, lebens- frisch und schöpferisch vorwärts streben, so muss ihr die Schule Pfadfindend Voranschreiten. Dabei soll sie zwar in beständiger Fühlung mit der Wirk- lichkeit, doch nicht blos im Schlepptau des Praktischen Bedürfnisses, sondern umgekehrt diesem mòõglichst voraus sein; die von ihr gewährte wissenschaft- liche Ausbildung soll nicht nur den Anforderungen der Technik in ihrer derzeitigen Entwickelungsphase, sondern möglichst bis zu dem Augenblicke noch genügen, in welchem die von ihr gebildeten Techniker nach einem Menschenalter von der Bühne ihrer Thätigkeit abtreten. Der schulgebildete, seiner Aufgabe gewachsene Ingenieur soll mehr wissen, als der Augenblick EE 0 von ihm verlangt; er soll einen, weiter gehenden Ansprüchen genügenden Fond von Wissen und Können besitzen, der ihn befähigt— falls neue Aufgaben an ihn herantreten— diesen gewappnet gegenüber zu stéehen, gesteigerten Anforderungen mit seinem wissenschaftlichen Rüstzeug mit Juversicht begegnen und gerecht werden zu können. Fasst die Hochschule ihre Aufgabe in diesem Sinne auf und hält sie ihre Leistungen auf der gekennzeichneten Höhe, dann wird aus dem befruchtenden Einklang der beiden mächtigen Faktoren— der Industrie und der Wissenschaft— reichster Segen entspringen; der deutsche Ingenieur und die deutsche Schule haben dann gleichen Anteil an dem Ruhme, der Menschheit genützt, dem Vaterlande gedient zu haben. Manche Technische Hochschule— und insbesondere die in unserem engeren Heimatlande— hat ihren Werdegang aus kleinen Anfängen genommen, bald aber, als ihre Entwickelung in ein rascheres Tempo kam, die Zustände der altehrwürdigen Universitäten teilweise als vorbildliches Muster angenommen. So kam es, dass schon in früherer und namentlich in neuerer Zeit mehrfach die Idèe einer Vereinigung beider lebhaft erörtert wurde. Bei aller Hochachtung und Wertschätzung unserer Universitäten können wir hierin keinen glücklichen, Fortschritt fördernden Gedanken erkennen. Unsere Technischen Hochschulen müssen sich in weit höherem Grade als jene den Forderungen der drangvollen Zeit anpassen, was ihnen am besten gelingt, wenn sie in freier Selbständigkeit wie bisher sich weiter entwickeln können. Dem Grundsatze huldigend, dass die Wissenschaft— unbeschadet ihrer eigenartigen Ansprüche— eine praktische Verwendung für das Leben anstreben könne und müsse, haben wir bei aller Fürsorge für eine gediegene wissenschaftliche Vorbildung immer das altèe wahre Wort au beherzigen: Ubung macht den Meister. Darum werden unserèe Studierenden in allen Fächern angeleitet, ihr Wissen in das Können und wirtschaftliche Wirken umzusetzen, wodurch der Ubergang aus der Schule in die Praxis, aus den Hörsälen und Ubungsräumen in das wirkliche Leben mit seinen gesteigerten Ansprüchen, mit seinem unablässigen Ringen und Schaffen s0 Wesentlich erleichtert wird. Wenn eĩes aber auch unser fester Glaube ist, dass es die technischen Wissenschaften sind, welche den umfassendsten Fortschritt hervorgerufen haben, den die Menschheit je erlebte, dass sie den gewaltigen, für das gesamteèe Kulturleben so bedèutungsvollen Aufschwung im Vordertreffen stehend mit erkämpft haben, so erkennen wir doch unumwunden auch die grosse Nulturaufgabe an, die unsere Universitäten auf der Höhe deutscher Wissenschaft und Bildung seit Jahrhunderten ruhmvoll erfüllen. Mit Dank- barkeit, Hochachtung und Stolz blicken wir zu ihnen, als zu unseren älteren Schwestern hinüber, und von einem höheren Standpunkt werden wir nie den Zusammenhang alles Wissens und Forschens aus dem Auge verlieren; die einheitliche Auffassung vom menschlichen Wissen wird die Errichtung hemmender Schranken zwischen ihnen und uns niemals zulassen. Bei aller 2 18 Selbständigkeit bleiben wir mit unseéren Universitäten in stéèter Fühlung, Sodass einem Zusammenschluss in idealem Sinne, beim Erkämpfen und Ver- teidigen unserer hõchsten Güter— vor allem unter dem deutsch-nationalen Gesichtspunkte— keinerlei Hindernis im Wege steht, und man uns immer Seite an Seite finden wird, um so sicherer und segensreicher für alle, je gleichmässiger Licht und Luft unter beide verteilt, je mehr den technischen Wissenschaften die Bahn frei gemacht wird. Mit sichtlicher Freude aber wird Jeder, der von dieser Stelle aus zu sprechen die Ehre hat, unserem gesegneten Lande Baden einen besonderen Ruhmestitel dafür zuerkennen, dass es die nicht geringen Opfer für drei bedeutende Hochschulen in so freigiebiger Weise gewährt, und gehobenen Sinnes schweift dann sein Auge durch diesen festlichen Raum nach jener Saalwand, um mit Wohlgefallen auf den Bildern der beiden denkwürdigen Städte zu ruhen, die unsere berühmten Schwesteèranstalten als ihre kost- barsten Perlen umschliessen— auf Alt-Heidelberg und Freiburg. Wenn Eingangs versucht wurde, in knappem Rahmen einen Rückblick über das Werden und Wachsen, über die gedeihliche Entwickelung und das unaufhaltsame Vorwärtsschreiten der hiesigen Technischen Hochschule zu geben, so erscheint es als eine Ehrenpflicht, auch der bei dieser gross- artigen Ausgestaltung immer hilfbereiten Förderer und Beschützer zu gedenken. Jede auf gesunder Grundlage aufgebaute Einrichtung muss aus ihrem innersten Leben herauswachsen, und wird sich schliesslich— wovon unseère hochent- wickelte deutsche Industrie ein glänzendes Jeugnis abgiebt— aus eigener Kraft zur angestrebten Höhe durcharbeiten. Doch wird ein solches Ziel um so früher und um so sicherer erreicht, je verständnisvoller alle übergeord- neten Kräfte zur Mitarbeit, zur Beihilfe sich bereit zeigen. Gilt dies von jedem grösseren wirtschaftlichen Unternehmen, wie viel mehr von unseren modernen Hochschulen, die mit ihren zahlreichen Bauten und vielverzweigten Einrichtungen ungewöhnliche Anforderungen an die Leistungen der staat- lichen Organe stellen. Und muss auch das Bewusstsein gewissenhafter Pflichterfüllung und rastlosen Strebens die hõchste Befriedigung gewähren, S0 wird doch Anerkennung und Wohlwollen von autoritativer Seite immer anregend, aufmunternd und befruchtend auf die Thätigkeit der zur leitenden Geistesarbeit Berufenen zurückwirken. Mit hoher Freude wurde es darum als ein bedeutsames Jeichen der steigenden Anerkennung vernommen, und lauter Jubel ging durch die Reihen der Technischen Hochschullehrer und die weiten Kreise der deut- schen Ingenieurwelt, als im Laufe des vergangenen Jahres unser auf hoher Warte stehende Kaiser in so vernehmlicher Weise Seine Hochschätzung für die Entwickelung der modernen exakten Wissenschaften in ihrem grossen Wert für die Hebung unseres gesamten Volkslebens aussprach. Sehen wir uns aber in unserer engeren Heimat, in unserem lieben Badenerlande um und halten wir dann, durch die Pforten unserer alma mater schreitend, Einkehr in diesen nur ernsten Zwecken gewidmeten aus- 19 gedehnten Räumen, so erinnert uns jeder Schritt an das warme Interesse und die väterliche Fürsorge des erlauchten Schirmherrn unserer Hochschule, unseres allsorgenden geliebten Landesfürsten. Unter Seiner gesegneten Regierung sind nahezu alle Bauten, die heutè diesen weiten Plan bedecken, entstanden. Und ganz- besonders wissen wir es zu schätzen, wie Seine FCönigliche Hoheit in vergangener und jüngster Jeit mit weit ausschauen- dem Hlicke stets unsere Bestrebungen stützte, und wie oft es nur durch Seinè huldvolle Teilnahme möglich war, die unserer Hochschule obliegenden Aufgaben in vollem Umfange zu erfüllen. Wir werden es Ihm danken in aller Zeit. Nun aber Willkomm und Handschlag Ihnen, hochgeehrte Gönner und Freunde, die Sie aus der Nähe und Ferneé herbeigeeilt kamen, um an unserem feierlichen Einweihungsakte thätigen Anteil zu nehmen. Ihnen gilt ganz béesonders das heutige Fest, Ihnen, die Sie vor Jahrzehnten als fröhliche Studenten hier weilten und zu den Füssen der Lehrer sassen, deren Bild- nisse diese Halle schmücken. Sie haben durch Ihre erfolgreiche Thätigkeit im In- und Auslande dazu beigetragen, dass die Ehreée des deutschen Namens gehoben nnd getragen wurde von der Güte und Tüchtigkeit der Leistungen unserer Industrie. Aus allen Weltgegenden trafen zahlreiche Nachrichten ein, die uns in hundert verschièedenen Lesarten melden, wie der rechte Mann, dessen Kraft im Kampfe mit Hindernissen nur gestählt wird — ausgerüstét mit den geistigen und moralischen Waffen aus seinen Lehr- und Wanderjahren— ungebeugten Mutes das hohe Ziel, das seinem Geiste vorschwebt, zu erreichen trachtéèt. Mehr als ein Menschenalter ist darüber hingegangen, seit viele der hier Versammelten sich nicht mehr sahen; und sind auch die Locken gebleicht, so ist doch das Herz jung geblieben. In treuem Gedenken haben Sie Ihrer ehemaligen Heimstätte eine Geburtstagsgabe beschèert, ein Kleinod gewidmet, von hohem künstlerischem und ethischem Wert, welches noch in fernen Zeiten den späteren Ge- schlechtern Zeugnis ablegen wird von jenem unzerstörbaren Bande, das unser Leben überdauert. Mit goldenen Lettern haben wir es darum auf jene Ehrentafel geschrieben, auf dass es der jüngeren Generation als leuchtendes Vorbild fortan verkündet werde: »Ein Denkmal der Anhänglichkeit, Liebe und Dankbarkeit gegen die alte Hochschule und Jene, die einstens hier gelehrt, ist die Ausschmückung dieses Raumes gestiftet von Freunden und Gönnern, als Weihegeschenk von zahlreichen ehemaligen Studierenden, die vor Jahren hier an der Wissen- schaft heimischer Stätte geweilt«. Und nun zum Schlusse noch ein Wort an die unserer Leitung und Obhut anvertrauten Studierenden. Welche Freude muss es für Sie— meine lieben Kommilitonen— sein, wenn Sie heute im Kreise Ihrer zahlreichen zalten Herren« so überzeugend vernehmen können, wie die Erinnerung an die glückliche Studienzeit bis in das höhere Alter in ungeschwächter Frische 3* fortlebt, und welch' ein Ansporn, die flüchtig verrinnenden Jahre allhier aufs bèstè auszunützen, wenn Ihnen aus deren Munde die in der Schule des Lebens gesammelten Erfahrungen in so unmittelbarer Weise erschlossen werden. Wohl werden sich auch Ihrem ferneren Wirken und Streben zu- weilen Hindernisse entgegenstellen, die Keinem erspart bleiben; doch— dohne Kampf kein Lebenée; darum halten Sie an dem Glauben fest, dass unbeugsame Willensstärke und beharrliche Ausdauer alle Schwierigkeiten überwinden, und die endliche Erreichung des gestèckten Zieles um 50 grõssere Befriedigung gewähren wird. Bewahren Sièe aber auch im Strudel des materiellen Weltgetriebes jenes kostbare Gut als festen Ankergrund, das gerade hier in so herrlicher Weise gepflanzt und gepflegt wird, den Sinn für alles Schöne, Edle und Erhabene, das Streben nach dem Idèealen, das dem wissenschaftlichen und geselligen Leben der Hochschule erst seinè eigenartige Signatur verleiht. Und wenn es Ihnen einmal beschieden ist, als Besitzer oder Vor- gesetztè in leitende Stellung zu kommen, dann seien Sie eingedenk der Wortè des bekanntesten und grössten Vertreters deutschen Gewerbfleisses, dessen Bild wir in diesem Raume angebracht haben,— der Worte, welche Alfred Krupp als immer sorgender, vaterlicher Freund seiner Untergebenen nach 25jähriger Führung seiner grossartigen Werke in pietätvoller Erinner— ung im väterlichen Hause anbringen liess: »Der weck der Arbeit soll das Gemeinwohl sein, dann bringt Arbeit Segen, dann ist Arbeit Gebet«. Nach dieser mit grossem Beifalle aufgenommenen Festrede brachten die Vertreter der Universitäten und Technischen Hochschulen ihre Glück- wünsche dar. Im Namen der Universitäten Heidelberg und Freiburg Sprach der Prorektor der ersteren Hochschule, Herr Professor Dr. Ost- Agff. Er führte aus:“ Königliche Hoheiten! Hochzuvèerehrender Herr Reéktorl! Es ist mir der ehrenvolle Auftrag geworden, im Namen der beiden Landesuniversitäten des Grossherzogtums, Heidelberg und Hreibürg,(e FKarlsruher Schwesterhochschule Gruss und Glückwunsch darzubringen, ihr unsere aufrichtige Mitfreude auszudrücken, dass sie durch festliche Tage in schòner Maienzeit die Fertigstellung stattlicher Neubauten inaugurieren, somit eine ansehnliche Vervollkommnung ihrer Lehrmittel und gesamten Einrich- tungen von heute datieren darf. Der Schwesterhochschule, sage ich. Es könnte wohl sein, dass ein weniger moderner Mann unserer Zunft, hier an meiner Stelle redend, etwa das Gefühl hätte, sich reservierter ausdrücken zu müssen, dass er eher an eine Stiefschwester zu denken versucht Wäre, Wenn auch vielleicht des Sängers Höflichkeit gerade dies Wort nicht dem Gehege der Jähne entflichen lassen würde. Denn scheint es nicht noch eine Doktorfra e, und zwar eine N5 D brennende, zu sein, ob den näheren oder aber den entfernteren Blutverwandt- schaftsgrad bildlich anzudeuten das Richtigere wäre, dann, wenn man eben das Verhältnis von Polytechnikum und Universität zu berühren hat? Mir kehrte in den letzten Tagen, als ich mich vor die Aufgabe gestellt sah, hier heute das Sprachrohr der Universität sein zu müssen, unwillkürlich ein alter Gedankengang wieder, zu dem ich vor jetzt einem Jahrzehnt bei einer ganz bestimmten Gelegenheit angeregt wurde. Es war dazumal, als in der Entwicklung unserer Heidelberger Hochschule die Umwälzung vor sich ging, dass die alte philosophische Gesamtfakultät bei uns sich spaltete, um hinfort in einer Iweiheit, als philosophische Fakultät im engeren Sinne und als naturwissenschaftlich- mathemathische weiter zu leben. Da sagte ich mir: Hie Geistes-, hie Naturwissenschaftenl Ist nicht diese zeitlich letzte Fakultätenteilung diejenige, welche der Idee nach die allererste hätte sein mũssen, welche a priori als die einzig rationelle gegeben War? Ja, bei Aufrechterhaltung des starren logischen Einteilungsprinzips hätte es überhaupt, so scheint es, nicht zu mehr, als eben dieser Zweizahl der Fakultäten kommen dürfen. Da sind die sogenannten drei»oberen« Fakul- täten, historisch ebenso alt oder gar älter als die philosophische, vollends ehrwürdige Jubelgreisinnen im Vergleich mit dem Kind unserer Tage, dem modernen auf Naturforschung gerichteten Ableger der ehemaligen Philosophen- oder Artistenfakultät. Meint man nicht, dass, wiederum beim Walten des streng logischen Prinzips, die theologische und die juristische Fakultät von der jetzigen, aus der Verbindung mit der Naturwissenschaft losgelösten Philosophischen, die medizinische aber von der jungen und aufstrebenden naturwissenschaftlichen Schwester aufgesogen werden müsste? Was recht⸗ fertigt es logisch, dass heuteè der Lehrer und Vertreter des römischen Rechts nicht mit dem Professor der römischen Geschichte in einer und derselben Fakultät sitzt? Ist nicht der Mediziner nur ein Zoologe, und zwar ein auf ganz eng begrenztem Gebiet der Zoologie thätiger Forscher, er der es lediglich mit der einzigen Tiergattung des homo sapiens, ja im Grunde sogar nur mit dem homo sapiens aegrotus zu thun hat? Aber die Not ist die Erzeugerin und Lehrmeisterin der Künste und der Wissenschaften, nicht die verstandesmässige und schematisierende Berechnung. Indem die lebhaftesten Interessen der Menschen zu frühest auf ihr ewiges, ihr bürgerliches und ihr leibliches Wohl gehen, entspringt das Bedürfnis, für Ausbildung des Priesters und Geistlichen, des Rechts- erfahrenen, des Arztes Sorge zu tragen. Darnach wird erst sehr viel später gefragt, wie diese einzelnen Wissens- und Lehrzweige, im gemeinsamen Rahmen der Hochschulwissenschaften, in dem Fachwerk der universitas litterarum nebeneinander geordnet und durch etwa nachgewachsene Disziplinen vermehrt, sich gegenseitig für die zusammenfassende Gesamtbetrachtung gruppieren. Auch die Wissenschaften und Künste, die mit der modernen Technik in Beziehung stehen, sind ihrer historischen Entwickelung gemäss nicht dort eingegliedert, wo sie logischer Weise ihren Platz haben würden. Bei unseren naturwissenschaftlichen Fakultäten können sie allein schon aus dem einfachen Grunde nicht untergebracht sein, weil das ein Anachronismus ein Soreoo- οονοονονο ,wäre. Scheint es doch gerade im Gegenteil, als ob die relativ späte Selbständigwerdung der Naturwissenschaften an den Universitäten erst im Gefolge des mächtigen Aufblühens der ihr geistig nahe verwandten Be- strebungen an den technischen Hochschulen stünde. Vielleicht aber wird man doch eine Wesensverschiedenheit zwischen dem Betrieb der naturwissenschaftlichen Studien hier und dort, an den Polytechniken und an unseren Universitäten, in einem anderen Punkte er- kennen wollen. Pflegt denn nicht, könnte man fragen, die Universität die Naturwissenschaften doch im Grossen und Ganzen mehr ohne Rücksicht auf die praktischen Iwecke des Lebens, im allgemeinen streng theoretisch, mehr dem reinen und selbstlosen Trieb der abstrakten, von Nebeninteèressen und Sonderabsichten freien Naturerkenntnis hingegeben? Und betont nicht demgegenüber die technische Hochschule schärfer den Gesichtspunkt der Naturbeherrschung, mit dem Ausbreiten und Befestigen des natur- kundlichen Wissens einer besseren praktischen Ausbeutung der Naturkrafte die Wege bahnend, hierin entschiedener die Erbin Bacon's und des von ihm ausgehenden Grundsatzes, dass Wissen Macht ist? Ich vermag, hochansehnliche Festversammlung, auch nach dieser Seite hin einen prinzipiellen Unterschied nicht zu erkennen. Das Praktische, die αν, wovon das Technikum seinen Namen hat, ist ja doch durchaus nicht von der Universität und ihrer Art und W eise, die Wissenschaft zu lehren und zu pflegen, ausgeschlossen. So abstrakt, so vornehm aristokratisch war die deutsche Universität, trot: ihres hohen hinaufreichenden Adels, niemals, dass sie, mit ihrem Wissenschaftsbetriebe sich in ein Wolkenkuckucksbeim Verlierend, die Ziele und Bedürfnisse des Praktischen Lebens zu irgend einer Zeit aus den Augen gesetzt hätte. Ist denn nicht die Theologie an unseren Hochschulen technisch und praktisch angewandte Religionswissenschaft? Und die Medizin, sie stellt ja doch die wissenschaftliche Erforschung des Organismus deés menschlichen Körpers und seiner Lebensbedingungen be- wusster Weise in den Dienst einer Kunst, der Heilkunst, will also auch ihrerseits Kunstfertigkeit, πu sein. Kurzum, durchlauchtigste und hochgeehrteste Anwesende, wie ich die Sache auch drehen und wenden mag: ich finde immer, mõgen auch andere meiner Universitätskollegen anders darüber denken, dass die Technische Hochschule entschieden und zweifellos Fleisch von unserem Fleische und Blut von unserem Blute ist. Das spricht sich, meinèe ich, auch darin aus, dass die neue Welt, Nordamerika, in der günstigen Lage, sich unsere Er- fahrungen, die mühsam und in jahrhundertlanger E Kulturergebnisse der alten Hemisphäre ohnèe Umschweif zu Nutze zu machen, bei ihren Neugründungen höherer Bildungsanstalten die technischen Disziplinen vielfach schlankweg dem Körper ihrer Universitäten Verleibt. ntwickelung errungenen angliedert und ein- Hat es also bei uns die Geschichtsentwickelung nicht so gefügt, dass die teéchnische hohe Schule auf unserem, dem Universitätsholze erwachsen Sollte, was wollen wir uns vermessen, mit der Geschichte zu rechten, ihr nachträglich ihren Lauf zu korrigieren? Es war der Thor, der Besserwisser im Lehrgedicht, dem es einfiel, dass er»solchen Kürbis hätte wollen lassen prangen hoch am stolzen Eichenbaume.« Gerade mit dieser Technischen Hochschule aber, deren Fest wir heute feiern, verknüpft uns, die zwei Universitäten, noch ein anderes und ganz besonderes Band. Wir erfreuen uns gemeinsam der fördernden landes- Väterlichen Huld des erlauchten Fürsten aus dem Zähringerstamm, sowie der Opferwilligkeit des für seine Kulturaufgaben immer Herz und Verständnis zeigenden badischen Volkes. Wir wollen— das sei dafür zum Danke unsere Losung— selbander gehen in edlem Wettstreit, Universität und Technische Hochschule, um eine jede an dem Platze, an den uns die Ge- schichte gestellt hat, Kultur, Wissenschaft und Kunst sorglich zu hegen und kräftiglich zu fördern, zu Badens Wohl, zum Segen des deutschen Volkes, zum Heil der gesamten Menschheit. Das walte Gott! Der Rektor der Technischen Hochschule Karlsruhe gab dem Gefühle des Dankes und der freudigen Genugthuung über die Ausführ- ungen des Vorredners Ausdruck, vor allem betonend, Welch' hohe Bedeut- ung es für die Technischen Hochschulen habe, aus so kompetentem Munde die Gleichartigkeit geistiger Arbeit und geistigen Strebens der beiderseitigen Hochschulen anerkannt zu sehen, dass man es aber an den Technischen Hochschulen auch niemals vergessen werde, wie gerade diejenigen Wissens- zweige, auf denen die technischen Wissenschaften sich aufbauen, die Mathe- matik und die Naturwissenschaften, nachdem sie sich von der Scholastik und dem Autoritätsglauben des Mittelalters freigemacht hatten, an den Universitäten treue Pflege und Förderung fanden. Darauf überbrachte der Vertreter der Technichen Hochschule Berlin, Herr Geh. Regierungsrat Dr. Witt, die Grüsse und Glückwünsche der Technischen Hochschulen des deutschen Reiches in folgender Ansprache: Königliche Hoheiten! Hochzuverehrender Herr Rektor! Mit Stolz und mit Freude sind auch die gesamten Technischen Hoch- schulen des Deutschen Reiches dem Rufe gefolgt, der aus Karlsruhe an sie erging. Sie wollten nicht fehlen an dem Tage, der Kunde giebt von der herrlichen Entwickelung und dem steten Wachstum einer der ältesten und blühendsten unter ihnen. Die Liebe zur Wissenschaft, das Bewusstsein unserer Verpflichtung, ihr zu dienen und sie zu pflegen, ist so alt, wie die menschliche Kultur überhaupt. Aber der Gedanke, dass auch die Wissenschaft ihrerseits berufen und verpflichtet ist, das Empfangene zu vergelten, den ringenden Menschen bei seiner Arbeit zu fördern und zu unterstützen, ist eine —.— Errungenschaft des neunzehnten Jahrhunderts. Wie das Kind, zum Manne gereift, den Eltern in überreichem Masse die Liebe wiedergiebt, die es einst erfuhr, so fühlt sich heute die Wissenschaft stark genug, den Fürsten und den Völkern zu danken für die Pflege, welche sie ihr um ihrer selbst willen angedeihen liessen. Aber wie Elternliebe nimmermehr erlischt, 80 wird auch der Wissenschaft immer neue Pflege, neue Förderung zuteil. So erwuchs jene wunderbare Wechselwirkung von Wissenschaft und Technik, welche zur Quelle wurde der grossartigsten geistigen und wirtschaftlichen Entwickelung, welche die Geschichte kennt. Die Technischen Hochschulen haben den grossen modernen Gedanken von der Zusammengehörigkeit idealen und realen Strebens als Deviseè auf ihre Fahne geschrieben. Sie wollen die Pflanzstätten sein der Wissenschaft, die sich in den Dienst des arbeitenden Volkes stellt. Sie blühen da, wo man die Wissenschaft ehrt und wo sie blühen, da wachsen Wohlstand und Geésittung. In Eurer Königlichen Hoheit gepriesenem Lande hat zu allen Zeiten die Wissenschaft treue Pflege gefunden. Beschirmt vor manchem Ungemach kriegerischer Zeiten, neu erstarkt in besseren, friedlichen Tagen, immer getragen von dem unmittelbaren Interessèe der Herrscher hat hier in Baden die Wissenschaft stets reiche Früchte gezeitigt. Und früher als in manchem anderen Lande ist sie hier in den direkten Dienst der Industrie gestellt worden. Wer könnte die lachenden Fluren dieses glücklichen Landes durch- wandern, ohne sich des Segens bewusst zu werden, den das Zusammen- wirken von Wissenschaft und Gewerbfleiss geschaffen hat? So musste hier auch die Pflegerin der technischen Wissenschaften, die Grossh. Technische Hochschule zu Karlsruhe, kräftig emporblühen. Aus weiter Ferne strömt ihr heutèe die lernbegierige Jugend zu. Immer heller erstrahlt der Ruhm der ausgezeichneten Männer, welche an ihr wirken. Aber immer reicher wird auch die Förderung, welche Eure Königliche Hoheit dieser Pflanzstätte nützlicher Bildung angedeihen lassen, davon legt der heutige Tag beredtes Jeugnis abl Jubelnd legen die Technischen Hochschulen Deutschlands der reich- beglückten Schwester ihren Glückwunsch zu Füssen! Möge der heutige Tag eine gute Vorbedeutung sein für uns alle, die wir uns eins wissen in unserem Streben und unseren Zielen! Möge es uns niemals fehlen an dem richtigen Verständnis für die Forderungen unserer Zeit, niemals an der Huld und Gnade der Fürsten, die uns Grosses Verleihen, weil sie ein Recht haben, Grosses von uns zu fordern. Nachdem der Rektor auch für diesen Glückwunsch in herzlichen Worten gedankt und dabei hervorgehoben hatte, welche wichtigen Aufgaben sowohl in der inneren Entwicklung der Technischen Hochschulen, als auch ihrer Einwirkung auf das öffentliche Leben und allgemeine Wohl schon in der nächsten Zeit gemeinsamer Arbeit und Anstrengungen der Tech- nischen Hochschulen harren, begrüsste der Oberbürgermeister Schnetzler die Hochschule namens der Stadt Karlsruhe mit folgenden Worten: Durchlauchtigster Grossherzog, gnädigster Fürst und Herr! Hochgeehrte Versammlung! Mir liegt es ob, der Technischen Hochschule zu dem schönen Feste, das sie heute begeht, den Gruss und Glückwunsch der Stadtgemeinde entgegenzubringen. Es handelt sich nicht nur um die feierliche Eröffnung eines neuen Hauses, das, aus irdischen Materialien kunstvoll gefügt, in Schõnheit und Iweckmässigkeit sinnfällig vor unseren Kugen steht, es handelt sich vielmehr auch, wie wir gehört haben, um die Würdigung eines geistigen Bauwerks, das die moderne Zeit mit erstaunlicher Schaffenskraft auf Grundlagen, die anfänglich nur ganz unbedeutend schienen, zu gewaltiger Grõsse und Hòõhe getürmt. Die Stadtgemeinde nimmt an der ruhmvollen Entwickelung ihrer Technischen Hochschuleè den innigsten Anteil. Sie muss es schon thun wegen des wirtschaftlichen Nutzens, der ihr daraus erwächst, des Judugs wertvoller Elementèe zu ihrer Bevõôlkerung, der Mehrung ihrer Steuerkraft, der zahlreichen und mannigfaltigen Quellen des Verdienstes, die eine solche Entwickelung erschliesst und über die Stätte, Wo sie sich Vollzieht, befruchtend ausströmen lässt. Sie muss es aber auch thun aus Gründen höherer Art. Wo immer eine neue Leuchte sich entzündet, da glänzt sie nicht nur selbst, sondern erhellt und verklärt auch die Gegen- stände ihrer Umgebung. Die Technische Hochschule hat durch die bedeutenden Männer, die an ihr wirkten und noch wirken, das geistige Leben unserer Stadt aufs wohlthätigste bereichert, sie erweckt in der Bevòlkerung vielfache edle Interessen, die ohne sie in Schlummer versunken blieben und eine Fülle von nützlichen und förderlichen Anregungen geht von ihr aus, nicht nur für die Studenten in den Hörsälen, sondern auch für den Bürger draussen. Der Gemeindeverwaltung haben sich Männer D= D der Hochschule bei bedeutungsvollen und schwierigen Unternehmungen stèts als treffliche Ratgeber erwiesen und wenn man auch den Worten des Dichters, dass»von des Lebens Gütern allen« der Ruhm das böchste sei, nicht unbedingt zustimmen mag, so weiss es doch jeder Karlsruher wohl zu würdigen, dass der Name seiner Vaterstadt wesentlich mit durch die Leistungen der Hochschule einen weithin vernehmlichen guten Klang in der Welt erhalten hat. Wir haben also allen Anlass, mit dankbaren Gefühlen an dem heutigen Feste teilzunehmen. Den innigsten Dank schulden auch wir Seiner Königlichen Hoheit unserem geliebten Gross- herzog, der, wie er alles Gute mit starker hingebender Kraft von jeher in seinem Lande gefördert hat, auch unserer Hochschule die Bahn ebnete zu segensreichem Fortschritt. Wir danken nicht minder der Grossh. Regierung und der Volksvertretung für das verständnisvolle, werkthätige Interesse, das sie dieser modernen Pflegestätte leuchtender Erkenntnis und wirkungs- vollen Könnens zugewendet haben, und den Lehrern der Anstalt, auf deren Persòönlichkeit, auf deren Wissen und Streben der geistige und sittliche Wert des schönen Ganzen fest und sicher gegründet ist. Möge unsere Technische Hochschule auch fürder gedeihen und wachsen und in edlem 4 Wettlaufe mit ihren älteren Schwestern, den Universitäten, den krönenden Jielen, die ihr in den Fernen der Zukunft noch gesteckt sind, schaffens- freudig und mit sieghaftem Mute entgegeneilen zur Ehre und zum Wohle des Vaterlandes und unserer Stadt. Der Rektor, Geheimerat Dr. Engler, sprach auch hiefür den leb- haften Dank der Hochschule aus, hob die innige Wechselwirkung zwichen Verwaltung und Bevòlkerung der Stadt Karlsruhe und der Hochschule hervor, damit die sichere Hoffnung verbindend, dass die geistigen Bande nach Schaffung der neuen und reich ausgestatteten Institute und Hörsäle durch Heranziehung der Bewohner der Stadt zu öffentlichen Vorträgen sich zu noch regeren als bisher gestalten mögen, worauf der eigentliche Festakt mit dem Vortrag des Beethoven'schen Chores:»Die Himmel rühmen des Evwigen Ehrèe« schloss. Ihre Königlichen Hoheiten der Grossherzog und die Gross— herzogin liessen sich darauf eine grosse Anzahl Ehrengäste und Mitglieder der Deputationen vorstellen und unterhielten sich längere Zeit auf das huld- Vollste mit denselben, sodann eröffneten Höchstdieselben die Reihe der Einzeichnungen in ein prachtvoll eingebundenes grosses Gedenkbuch, das Ihre Königliche Hoheit die Grossherzogin der Technischen Hoch- schule aus diesem Anlasse zum Geschenk zu machen geruht hatte. Das Buch enthält ein von Direktor Götz gefertigtes Titelblatt mit der eigen- händigen Unterschrift der Grossherzogin. Die beabsichtigte Besichtigung der Räumeè des neuen Aulagebäudes musste wegen der vorgerückten Zeit auf den folgenden Tag verschoben werden. Doch auch so löste sich die festliche Versammlung erst nach J/zꝛ2 Uhr auf. Um 3 Uhr vereinigte ein gemeinsames Festessen mehrere Hundert der Festgäste in dem reich geschmückten kleinen Festhallensaale. Aus der grossen Reihe der Ansprachen, welche dieses Mahl verschönten, können hier nur wenige ausführlicher erwähnt werden.— Der erste Redner war der Rektor Geheimerat Dr. Engler. Er ging aus von der Ahnlichkeit der äusseren Umstände, unter denen die Begründung der ersten deutschen Universitäten und der ersten Technischen Hochschulen erfolgte, jeweils in Zeiten des Niederganges unserer politischen Macht, und davon dass sie beide rade darum zu Trägern der geistigen D* Gemeinschaft des deutschen Volkes geworden sind. Dass aber nicht, wie nach der Entstehung der ersten Universitäten, der Verfall des Reiches nach der Gründung der Technischen Hochschulen weiterging,»das haben wir,“« führte der Redner aus,»vor Allem dem Eingreifen einer mächtigen und starken Hand, und eines ebenso mächtigen und grossen Geistes zu danken, welche der Himmel dem deutschen Volke in dem Heldenkaiser Wilhelm und in seinem unsterblichen Kanzler Bismarck geschenkt hat. AAus dem Hause, das zerfallen war, haben sie eine feste Burg geschaffen und haben sie das Reich neu aufgerichtet. — Die grossen Helden der grossen Zeit sind fast alle von dem irdischen Schauplatz abgetrèeten und in Walhalla eingezogen; aber das Werk, das sie geèschaffen, bleibt bestehen und trotzt allen Stürmen. Ein junger Kaiser hat das Steuer ergriffen und wiederholt schon hat er bewiesen, dass er das- selbe im Geisteèe seiner Ahnen mit energischer, kräftiger Hand zu führen Versteht. Gewiss wird er auch die schwere Aufgabe, die er übernommen hat, wenn nur das deutsche Volk sich um ihn schaart, zur Ehreée und zum Ruhme des Deutschen Reiches erfüllen. Gott segne unseren Kaiser! Unter den deutschen Fürsten aber, welche auch schon in schwerer Zeit den Einheitsgedanken hochgehalten haben, ist keiner, der mit mehr Treue und Hingebung, aber auch mit mehr Festigkeit und Scharfblick für Kaiser und Reich gearbeitet hat, als unser allverehrter Landesfürst Grossherzog Friedrich. Seiner Mitwirkung im entscheidenden kritischen Momente ist es vor Allem auch zu danken, dass endlich die schreckliche, die kaiserlose Jeit ihr Endè erreichtée und dass dem deutschen Volke für die grossen und blutigen Opfer, die es gebracht hatte, auch der höchstèe und ersehnteste Lohn, das deutsche Kaiserreich, geschenkt wurde. So hat dieser wahrhaft Kkönigliche Fürst ein ganzes langes Leben und während einer jetzt schon bald 50jährigen Regierung zum Wohle unseres engeren und weitèeren Vaterlandes gearbeitet, und so steht er da im Herzen des deutschen Volkes und wird er fortleben in der Geschichte unseres Volkes als ein Beispiel edelster, hochsinnigster und opferfreudigster Vater- landsliebe! Lassen Sie uns deshalb unserer Verehrung für den Kaiser und unserer Liebe für den Landesherrn lauten Ausdruck verleihen, indem wir ausrufen:»Seine Majestät Kaiser Wilhelm II. und Seine König- liche Hoheit Grossherzog Friedrich, sie leben hoch!« zegeistert stimmtèe die Versammlung in das Hoch ein, worauf dann seine Excellenz der Herr Staatsminister Dr. Nokk das Wort ergriff. Sein Trinkspruch lautete: Hochansehnliche Festversammmlung! Goethe sagt: Es ist nicht genug, zu wissen, man muss auch anwenden«. Mit diesem Spruche des grossen Dichters und Naturforschers darf ich wohl beginnen, wenn ich die Technische Hochschule Karlsruhe mit ihren scharf- sinnigen Forschern und hervorragenden Künstlern in schlichtem Wort feiere. Diese der Entstehung nach erste hohe technische Anstalt im heutigen Reiche hat eine stolze Bahn zurückgelegt. Stolz sind die Resultate, ernst und unverdrossen war das Thun. Die Devise blieb immer: Laboremus. Zzescheiden und eng, wièe das deutsche Leben jener Tage, war der Beginn. Wie haben die Verhältnisse sich geändert, seit man Jahre hindurch verhandelte über die Anschaffung einiger Drehbänke bis zu unsèeren Tagen, da durch einen für Wissenschaft und Kunst begeisterten hochsinnigen Fürsten 4* 22 22— eee eeeeeeeeeeeeeee eeee, und das warme Verständnis der Volksvertretung die grossartigen Institute, deren Kreis noch nicht abgeschlossen ist, für die wissenschaftliche und Kkünst- lerische Arbeit der Hochschule ins Leben gerufen werden konnten! Und doch, wie rasch hat sich die grosse Korporation entfaltet, seit Ferdinand Redtenbacher 1841 sein geniales Schaffen hier begonnen. Schon Tausende und Abertausende von Schülern haben dankbar das hier gewonnene Wissen und Können in der weiten Welt zur Anwendung gebracht. Aber nicht nur reiches Wissen ist von Karlsruhe ausg angen, auch der Charakter der jungen Männer ist gestählt worden in der Luft der akademischen Freiheit. Sie haben hier den deutschen Wahrheitssinn in sich gefestigt und durch Lehre und Vorbild gelernt, dass es auch in der Welt der Maschinen, des Dampfes und der Elektrizität nicht genügt, Werke zu schaffen und Güter zu häufen, dass die Technische Hochschule in gleicher Weiseèe wie die Universität das Wort Goethe's nie vergessen darf: Humanitãt sei ewig unser Liel«. In dieser grossen wissenschaftlichen Körperschaft hängt alles innig zusammen, jede kleinste wissenschaftliche Arbeit wird gewürdigt und ein- gereiht in den gemeinsamen Schatz des Wissens. So ist auch in dem Praktischen Leben der Technik das Zusammenwirken der beteiligten Kräfte unerlässlich. Jeder muss wissen, dass er nur im Jusammenhange mit den Anderen das Werk zu fördern im Standeèe ist. Dann wird diese neue Welt auf dem Boden der glänzenden Entdeckungen und Erfindungen einen Fort- schritt der Menschheit bringen. Deutsche Wissenschaft und Lehre, an der unsere Technische Hoch- schule eines s0 edlen Anteils sich rühmen darf, hat uns in der Industrie eine Weltstellung gebracht, herrliche Werke hat die deutsche Technik und Kunst geschaffen, und noch stehen wir am Anfang einer hoffnungsreichen, mächtigen Entwickelung! 3 Darum wollen wir aus tiefstem Herzen allen den Männern danken, die hier das heilige Feuer der Wissenschaft unterhalten, die Kunst pflegen und durch Wort und Darstellung die Jugend heranbilden, allen, die sich hier gemüht haben in treuester Hingebung, in uneigennützigster Arbeit. Rufen Sie, die freudig herbeigeeilt sind zum Festeé der alma mater mit uns: Die Technische Hochschule Karlsruhe, ein Kleinod unseres schönen Landes, ein würdiges Glied der Hochschulen des Reiches, eine ruhmreiche Stätte deutscher Wissenschaft und Kunst, lebe hoch! Die Rede fand in der Versammlung begeisterten Widerhall. Es sprachen weiter, der älteste Professor der Technischen Hochschule, Herr Oberbaurat Baum eister, auf die Gäste, Geheimerat Dr. von Hoyer aus München auf das Badener Land, Baurat Büsing aus Berlin auf die Stadt Karlsruhe. Diesem erwiderte der Oberbürgermeist er Schnetzler mit folgender Ansprache: 29 Meine hochverehrten Herren! Das Erblühen und das Wachstum der technischen Hochschulen unseres deutschen Vaterlandes ist von einem erstaunlichen Aufschwung der deutschen Industrie begleitet gewesen und es kann keinem Jweifel unterliegen, dass beide Entwickelungen nicht nur in einem zeitlichen, sondern auch in einem ursächlichen Zusammenhange mit einander stehen, dass sie sich gegenseitig bedingten und förderten und dass keine ohne die andere denkbar gewesen wäre. Nur wenn man sich vergegenwärtigt, was das praktische Leben auf den Gebieten gewirkt und geschaffen hat, auf welchen die technische Hoch- schule die Lehrmeisterin ist, kann man für die Bedeutung dieser einen zulänglichen Masstab finden. Da zeigt nun aber schon ein flüchtiger Blick über die nähere und die ferner liegende Vergangenheit, dass das Leben der Menschheit, soweit die Geschichte von ihm zu erzählen weiss, noch niemals eine so tiefe und s0 umfassende Umgestaltung erfahren hat als in den letzten Jahrzehnten durch die technischen Wissenschaften und deren Anwendung in der Industrie. Wenn wir uns vorstellen, wie dié Zeit heller geworden ist von der flackernden Unschlittkerze bis zur elektrischen Bogenlampe, wie sie schneller geworden ist von dem humpelnden Postwagen bis zu dem brausenden Blitz- zug, von dem keuchenden Depeschenreiter auf dem abgejagten Pferde bis zu der unermũdlichen, jeden Raumes spottenden Kraft, die der dünne Faden des telegraphischen Drahtes leitet, wenn wir uns Vorstellen, wie die Chemie die Stoffe in ihren geheimsten Eigenschaften erforscht hat, und die Atome zu zwingen vermag, sich im Dienste der Menschheit behufs ungezählter neuer Bildungen zu lösen und zu verbinden; wenn Wir uns weiter vor— stellen, wie der moderne Verkehr mit wunderbar wirksamen Mitteln die Güter der Erde bewegt, die entlegensten Völker einander nähert und über ungcheuere Entfernungen auch geistige Bande schlingt, wenn wir das alles vor unserem inneren Auge vorüberziehen lassen, dann dürfen wir uns doch Wahrlich sagen: wir haben in einem Jahrhundert gelebt, dergleichen der Menschheit noch niemals eines geblüht hat. Nichts scheint mehr unmöglich und ein moderner Archimedes könnte mit berechtigtem Stolze behaupten: da mihi pecuniam et terram movebos, gieb mir das erforderliche Geld und ich kann die Welt aus ihren Angeln heben. In einem unerhörten Triumphzug haben wir die Industrie über die Lande schreiten sehen. Wie einem jeden Triumphator blieb es freilich auch ihr versagt, nur zu schaffen ohne zu zerstören, nur zu geben ohne azu nehmen. Unter ihren sieghaften Schritten ist manche bescheidene, in ihrer Beschränkung zufriedene Existenz grausam zu Boden getreten worden oder musstèe sich aus einem Zustand verhältnismässiger Freiheit und Selbst- bestimmung als fast willenlos getriebenes Rad einem übergewaltigen Mechanismus einfügen lassen. Das allgemeine Menschenlos, dass nichts Vollkommenes hienieden gelingt, dass überall wW ⁰o ein Licht strahlt, auch der zugehõrige Schatten dunkelt, hat sich auch an der neuesten Entwickelung 30 des Menschengeschlechtes erfüllt. Aber ich glaube, das Grosse und Schöne überwiegt doch bei weitem. Die Nächstenliebe ist von den gewaltigen Werdestürmen der Neuzeit nicht getilgt worden und hat es— besonders in unserem Vaterlande— unternommen, durch bedeèutsame soziale Reform- Werke die geschlagenen Wunden zu heilen und die Niedergeworfenen wieder aufzurichten. Nur ein Blinder kann leugnen, dass nicht auch heute noch dem Begabten, Strebsamen und Tüchtigen, wenn er gleich in tiefer Niederung geboren, auf tausend verheissungsvollen Höhen goldene Ziele winken. Schiller sagt einmal: Euch, Ihr Götter, gehöreèt der Kaufmann, nach Gütern zu suchen Geht er, doch an sein Schiff knüpfet das Gutèe sich an. Nach Gütern zu suchen geht auch die Industrie. Wir aber wollen ihr Wünschen, dass sie und dass namentlich unsere vaterländische Industrie neben den Gütern in immer wachsender Fülle das Guteé unserem Volke bringen möge. Jur Bekräftigung dieses Wunsches bittèé ich Sie, mit mir einzustimmen in den Ruf: die deutsche Industrie, sie lebe hoch! Reicher Beifall dankte dem Redner für seinèe geistvollen Ausführungen. Es sprachen dann noch der Vorsitzende des studentischen Ausschusses, Herr stud. Specht, auf den Reéktor und die Professoren, Kommer— zienrat Stahl Stettin) auf die akademische Jugend, Professor Möller auf die Damen. Einer Einladung Seiner Königlichen Hoheit des Grossherzogs esttèilnehmer um 7½ Uhr in das Hoftheater zur Aufführung der bei festlicher Beleuchtung des Hauses unter Mott!ls folgend, verfügten sich die E S 2 Leitung gegebenen Zauberflöte. Ihre Königlichen Hoheiten der Gross- herzog und die Grossherzogin wohnten der Festvorstellung bei, sie wurden beim Kommen und Weggehen mit einem vom Vorsitzenden der Studentenschaft ausgebrachten Hoche begrüsst und liessen sich während der Pause im Foyer eine grosse Anzahl der Festteilnehmer vorstéllen. Der Juschauerraum, dessen vorderste Sperrsitzreihen von sämtlichen Chargierten der Studentenschaft in reichem Wichs angefüllt waren, bot ein selten farben- Prächtiges Bild. Am folgenden Tage begann der Festakt der Einweihung der beiden neuen Institute um 10 Uhr, zu dem sich wieder eine illustre Versammlung hiesiger und auswärtiger Festteilnehmer in der Aula einfand. Auch Ihre Königlichen Hobeiten der Grossherzog und die Grossherzogin, sowie seine Grossherzogliche Hoheit der Prinz Karl wohnten dieser Feier bei. Die Fürstlichkeiten wurden wie am ersten Tage von Rektor und Senat am Portal empfangen und in die Aula geleitet. Nachdem Höchstdieselben Platz genommen hatten, bestieg der Rektor, Geheimèerat Dr. Engler, die Rednerbühne und eröffnete den Festakt mit einer An- SPrache, in der er allen dankte, welche am Bau und bei der Ausstattung der neuen Institute mitgewirkt haben. Dieser Dank galt in erster Reihe dem genialen Künstler, der die Pläne zum Aulabau zu der schönen Aula entworfen und die Ausführung des so wohlgelungenen Baues geleitet hat, dem Herrn Oberbaudirektor Dr. Purm, des Weiteren den Erbauern des elektro- technischen und des botanischen Institutes, den Herren Oberbaurat Dr. Warth und Baurath Schopfer. Dankend gedachte der Rektor weiter noch der unermüdlichen Thätigkeit des Prorektors Herrn Geh. Hof— lit kfür(lie Ausschmückung der Aula und der Opferwilligkeit, mit der die alten Schũüler hiezu beigetragen haben. Darauf hielt der Direktor des Elektrotèechnischen Institutes, Herr Hof- rat Arnold einen Vortrag über»Die Entwickelung der elektrotech- nischen Industrie in Deutschlandæ. Diese Rede, sowie der darauf- folgende Vortrag des Herrn Professors Dr. Klein über»Die Ph ysiogno— mie der mitteleuropäischen Waldbäume« sind bereits für sich im Druck erschienen, weshalb hier die Titelangabe genügen möge. Ihre Königlichen Hoheiten der Grossherzog und die Gross— herzogin zeichneten die beiden Redner, sowie mehreèrèe der übrigen Fest- teilnehmer durch Ansprachen aus und liessen sich dann durch Herrn Ober— baudirektor Dr. Durm die Einzelheiten der Aula und ihrer Ausschmũückung erlãutern. Darauf besichtigten die Fürstlichkeiten von einem Fenster des Aulagebãudes aus die Auffahrt der Chargierten der studentischen Corpora- tionen, welche sich von der Aula durch die Stadt nach dem Stadtgarten bewegte und dort mit einem solennen Frühschoppen schloss. Die Höchsten Herrschaften aber sowie ein grosser Teil der in der Aula versammelten Festteilnehmer besichtigten, nachdem die Auffahrt vor der KAula beendet war, unter Führung der Architekten und der Institutsvorstände die einzelnen Räumlichkeiten und Sammlungen des Aulabaues, des elektrotèchnischen und des botanischen Institutes, sowie den botanischen Garten. Zum Mittagessen verteilten sich an diesem Tage die Festteilnehmer auf verschiedene Lokale der Stadt, zumeist in Gruppen alter Freunde und Bekannten, während die Vertreter der Universitäten und téchnischen Hoch- schulen einer Einladung des Rektors der Karlsruher Hochschule zum Diner in dessen Behausung Folge leisteten. Auf 5 Uhr Nachmittag hatten Ihre Königlichen Hoheiten der Grossherzog und die Grossherzogin die Vertreter der auswärtigen Hoch- schulen, die Professoren und Dozenten der hiesigen Technischen Hochschule und eine grosse Zahl hervorragender Festteilnehmer, sowie auch die Ver- treter der Studentenschaft zum Empfang in das Grossherzogliche Schloss eingeladen. Die Grossherzoglehen Herrschaften empfingen Aller- höchstihre Gästè in den oberen Sälen und führten dieselben sodann in die Schlossgärten, Wwo bei Musik Thee und Erfrischungen gereicht wurden. Der Empfang, bei welchem alle Anwesenden in huldvollster Weise durch Heranziehung zu längeren und kürzeren Gesprächen ausgezeichnet wurden, dauerte bis um 8 Uhr. Sämtliche Gäste trugen ihre Namen in ein im Parterre-Festsaale des Schlosses aufgelegtes Album ein. „ e ueeeere d eeeeee eeeee eeeeere eee eeeeee eeeeeeeeeeee 32 Um 9 Uhr begann im grossen Festhallensaale, dessen Galerien ein reicher Damenflor zierte, der Festkommers. Der Vorsitzende der Studenten- schaft, stud. Specht, begrüsste die grosse, über 1000 Personen umfassende Festversammlung, in der sich die Minister mit dem Staatsminister Dr. NokK und die Generalität, an ihrer Spitze der Kommandierende des XIV. Armèée- korps General der Kavallerie von Bülow, zahlreiche Deputationen, auch eine solche der Heidelberger Studentenschaft. Der erstèe Trinkspruch, aus- gebracht von stud. Distelhorst, galt dem Schirmherrn des Reiches, Kaiser Wilhelm II. und dem allverehrten Landesvater Grossherzog Friedrich. An beide entsandte die Festversammlung Huldigungstelegrammè. Sodann toastetèe stud. Specht auf die Technische Hochschule und ihr Pro- fessorenkollegium, worauf im Namen dieser der Rektor Geheimerat Dr. Engler dankte. Er wies darauf hin, wie Lehr- und Lernfreiheit, Freiheit der Wissenschaft und Freiheit des Studiums sich gegenseitig bedingen, wie aber der Genuss dieser hohen Güter den deutschen Studenten auch Pflichten auferlege, vor allem auch solche nationaler Art, darum forderte er die studentische Jugend, der sein Trinkspruch galt, auf, stets dem Wahlspruch zu folgen: Tolerant und frei gegen die ganze Welt und ihre Meinungen, arbeit- sam, tapfer und treu für das Vaterland. Es sprachen weiter der Vertreter der Technischen Hochschule Hannover, Professor Frank, auf die Technische Hochschule Karlsruhe, stud. Dorner auf die Alten Herren, Professor Dr. Osthoff auf die Verbrüderung der Studentenschaft an den Universitäten und Technischen Hochschulen. Die Reihe der offiziellen Trinksprüche schloss der auf die Damen, ausgebracht in sinnigen Versen von stud. Toost. Auch sonst nahm der Festkommers einen sehr schönen Verlauf; erst in den frühen Morgenstunden trennten sich die letzten Gäste. Am Freitag den 19. schlossen die Feierlichkeiten mit einem Ausflug nach Baden- Baden, zu dem die Generaldirektion der Grossherzoglichen Staats- eisenbahnen in liebenswürdigster Weise 2 Extrazüge zur Verfügung gestellt hatte. Mit diesen trafen über 1000 Festteilnehmer um 12 Uhr in Baden ein, wo sie von dein Oberbürgermeister Gönner und einer Deputation des Stadtrates begrũsst wurden. Ein festes Programm war für diesen Tag nicht aufgestellt worden, in zwanglosen Gruppen vertheilten sich die Festteilnehmer in der Bäderstadt und deren schöner Umgebung. Etwa 150 Personen ver- einigten sich zu einem Festessen im Konversationshause, das durch manche launige Rede gewürzt einen schr fröhlichen Verlauf nahm. Am Nachmittage machten die verschiedenen Gruppen, b instigt wie das ganze Fest vom schönsten Sonnenschein, Ausflüge in die nähere Umgebung und abends sammelte sich alles in und vor dem Konversationshause, dessen schöne Räume von der Stadt den Festteilnehmern zur Verfügung gestellt worden Waren, während es von aussen glänzend illumniert war. Um 11JöUhr führten die Extrazüge die Teilnehmer wieder nach Karlsruhe zurück. Die Festtage Waren beendet, aber allen Beteiligten wird ihr schöner Verlauf immer in bester Erinnerung bleiben. 3 — EDrr Aenęswös.