4 8 HOHERE SCHULE in der STAD BDERnN Ein Beitrug zur Gesthichte det Etziehung und des Untetrichts Vvon FR. X FRUHE Cmnasiums-Direclor. Beilage zum Programm des Gr. Gymnasiums in Baden. PADEN-RBADEx. Hofbuchdruckerei von J. Hohmann. 1871. Ouis est nostrum liberaliter educalus, cui non educatores, cui non magistri su atꝗque doctores, cui non locus illèe mutus, ubi ihse dltusẽ est, cu grald recordalione in mente versctur? CICGERO. Als im Jahre 1776 der edle Markgraf Karl Friedrich wünschte, dass in Baden die Stadtjugend beiderlei Ge- schlechtes nach vollendetem Schulunterrichte noch weiter im Rechnen und Schreiben geübt würde, da fand die Stadt kein passendes Local für diesen Zweck und wollte sich auch in keinerlei Unkosten dafür einlassen. Heute haben in Baden nicht nur alle Kinder, reiche und arme, ihre schönen, mit allen Bedürfnissen versehenen Schulhäuser, sondern es ist auch das alte Gymnasium, das vor 63 Jahren hier noch blühte, wie ein Phönix in schmuckerem Kleide wieder auferstanden und ladet die männliche Jugend der Stadt und Umgegend zum fleissigen Besuche ein. Es scheint ihr gleichsam zurufen zu wollen: tretet ein, ihr Knaben und Jünglinge, in meine heitern Hallen und sammelt euch Schätze des Geistes und Herzens, ohne welche das Wwahre Menschenglück nicht bestehen kann. Das neuerstandene Gymnasium weckt unwillkürlich die Erinnerung an jene alte Pflanzstätte der Humanität, deren Verlust die Stadt Baden einst so tief betrauerte. Und 80 wWollen wir denn diese Gelegenheit benützen und einen Blick in die nicht unrühmliche Vergangenheit des höhern Schulwesens der Stadt Baden werfen. Aus der Betrach- tung dieser alten Zeiten werden wir einen sichern Boden für die Gegenwart gewinnen und die tröstliche Ueber- zeugung in uns befestigen, dass auch auf dem Gebiete des Unterrichts und der Erziehung mannhafte Kusdauer, die der Einsicht nicht entbehrt, zum sichern Ziele führt. Die 4 Quellen, aus denen wir schöpfen, sind grösstentheils Schul- akten. Dem Grossherzoglichen Oberschulrathe, der hiesigen Gemeindebehörde und der Lyceumsdirection in Rastatt sind wir für die gütige Ueberlassung ihres Materials zu vielem Danke verpflichtet. Die Jesuitenschule. Seit dem Jahre 1453 bestand in Baden das von dem Markgrafen Jakob I. zur Beförderung der Religion, zum Wachsthum der Kirche und zum Heil der Seelen gegrün— dete Collegiatstift. Inwiefern dasselbe mit seinen auf 22 Geistliche berechneten Bewohnern für einen höhern Schul- unterricht besorgt war, können wir aus Mangel an Quellen nicht mehr nachweisen. Dass die Schule aber schon von der Gründung an unter die Pflichten der geistlichen Herren gehörte, schliessen wir aus den im Jahre 1746 wieder neu aufgestellten Stiftsstatuten, worin der Schulrector wörtlich So schwört: „Scholares in scholis et extra in scientiis et moribus et in actibus choralibus fideliter informabo, nec de choralibus hujus ecclesiae atque pauperibus advenis aliquod salarium petam vel requiram, sed gratis et propter deum eos docebo.“ Auch in den im Jahre 1788 wieder vereinbarten Statuten heisst es unter Anderm in den Pflichten des Scholasticus: „quodsi scholarum trivialium vel majorum in marchionatu curam sive directionem, quae origindrio hiL,jr officii insti- tuto apprime convenit, ipsi a Serenissimis Marchionibus quandoque committi contigerit, sollicite invigilabit, ut ju- ventus in pietate, moribus, doctrina christiana et disecipli- nis omnibus huic aetati convenientibus rite imbuatur.“ Aus diesen Stellen zu schliessen, haben wir also schon seit der Mitte des 15. Jahrhunderts Schulen in Baden ge- habt; und da man in jener Zeit von einem Volksschul- Unterricht in unserm Sinne noch nicht reden darf, so können das keine andern als höhere Schulen gewesen sein. Auf festeren Boden gelangen wir im Jahre 1642. Der Markgraf Wilhelm, ein gut katholischer Fürst, stiftete in diesem Jahre das Jesuitenkollegium und nahm die Mittel zu dieser Stiftung grösstentheils aus seinem Privateigenthum und aus seinem Ersparten, um, wie er selber sagt, seinen Erben keinen Abgang zu verursachen. Zu den Obliegenheiten der Jesuiten gehört nach dem Wort— laut des Stiftsbriefes auch,„dass im Collegio Professores bestellt werden, die Jugend in studiis Grammaticae, Hu— manitatis und Rhetoricae der Societät löblichem Brauch und Institut nach zu unterweissen: wann aber auch die lectiones casuum conscientiae und Dialecticae darzukommen mögten, würde unss es umb so viel lieber, wie dann alle andern der Societät gewöhnlich und dem gemeinen Wesen wohlgedeyliche Uebungen, sehr angenehm seyn.“ Nach diesem Wortlaut des Stiftungsbriefes haben wir es hier mit einer gewöhnlichen Jesuitenschule zu thun, wie sie in allen grössern katholischen Städten um diese Zeit schon errichtet waren. Da sie überall die gleiche Einrich- tung, den gleichen Lehrgang, das gleiche Ziel hatten, 8o kann dieser Umstand den Mangel an Quellen über die in Baden errichtete Jesuitenschule einigermassen ersetzen. Hier wollen wir nur bemerken, dass die Badener Schule zu den höhern gehörte; denn in dem Bestand des Lehrer- personals fanden sich bei der Aufhebung der Jesuitenschule auch zwei professores philosophiae und ein professor für die theologia moralis, welch' letztere jedoch aus Mangel an Studenten selten gelehrt worden ist. Es wäre demnach der Wunsch des Stifters der Schule in Erfüllung gegangen, und wir hätten in Baden eine vollständige Jesuitenschule gehabt. Nach ihrem Studienplan, ratio studiorum, zerflelen nämlich ihre Lehranstalten in einen höhern und niedern Curs, studia superiora und inferiora. Die studia inferiora, welchen noch eine so genannte Trivialschule für die An- fangsgründe des Lateinischen Vorausging, umfassen fünf Klassen. Die drei ersten: Rudimente, Grammatik und Syntax genannt, heissen die tres classes grammaticae. Die IV. Klasse hiess Poetik oder Humanitas, die V. Khetorik. Der ganze Gymnasialunterricht umfasste in der Regel 6 Jahreskurse; denn in der Rhetorik blieben die Schüler 2 Jahre. Daran schloss sich der philosophische Curs mit wWeiteren zwei Jahren. Im ersten Jahr wurde die theore- tische, im zweiten die praktische Philosophie(Ethik und Physik) gelehrt. Zu Baden unterrichteten die Jesuiten von 1760 bis 1773 nach Lehrplan Beilage J. Der Hauptlehrgegenstand ist, wie wir sehen, die la- teinische Sprache. Die griechische blieb weit hinter der lateinischen zurück. Die Muttersprache wurde entweder gar nicht, oder höchst mangelhaft gelehrt, und so erging es auch der Mathematik, der Geschichte und Geographie. Wohl uns, dass wir die Jesuitenschulen beseitigt haben. „Wurde der studirende Jüngling auch nicht dumm erhal- ten, wie das gemeine Volk, so leiteten ihn die Jesuiten in einseitige Ansichten der Sachen und blinde Verehrung ihrer geheimen Vollkommenheiten, um ihn aller Orten zu ihrer Maschine brauchen zu können.“ Brauer. Gelingt es unsern Gymnasiasten vielleicht nicht, so geläufig mit guten und schlechten lat. Phrasen um sich zu werfen, sind sie in einzelnen Xeusserlichkeiten auch nicht so zugerichtet und dressirt, wie die Jesuitenzöglinge, so ist ihre Bildung durchschnittlich eine viel gründlichere, umfassendere und menschenwürdigere. Das Studium der lateinischen Sprache nimmt zwar in unsern Gymnasien auch noch die meiste Zeit in Anspruch, aber unser Ziel ist ein anderes, als das der Jesuiten. Wenn sie das Ideal ihres klassischen Unterrichtes nur in der Fertigkeit erkannten, lateinisch zu sprechen und 2u schreiben, und sonst nichts weiter, nichts ande res verlang- ten; wenn sie in Anbetracht der Gefährlichkeit der alten Klassiker für die Orthodoxie ihre ganze Unterrichtsmethode darnach einrichteten: so rufen wir unsern Schülern zu: verachtet nicht die edle Form der Alten und bildet daran euern Geschmack und euern Stil, aber der Inhalt steht höher als die Form. Versenket euern Geist in jene alten Schritten, labet eure Seele an den darin gebotenen Urbil- dern des Ewigschönen, des Ewigwahren, des Ewigmensch- lichen. Mit der Aufhebung des Jesuitenordens durch Pabst Clemens XIV., 21. Juli 1773, fielen auch die Jesuiten- schulen und somit das Collegium in Baden. Das Vermögen der Jesuiten wurde trotz erhobener Einsprache von Seiten der Bischöfe in Speier und Strassburg selbständig vom Staat aufgenommen und vom Markgrafen Karl Friedrich (ad pios usus) zu frommen Zwecken bestimmt. Die elf Patres, darunter 6 Professoren, überliessen sich willig den Anordnungen der Regierung. Die Tauglichen unter ihnen bestimmto man zum Lehramt, die übrigen schickte man auf Pfarreien und Caplaneien, oder bedachte sie mit je 250 fl. Pension; auch für die 6 Diener wurde gesorgt. Durch diese tiefgreifende Kenderung waren die Badener um ihre höhere Lehranstalt gekommen. Das Gymnasium unter Stiftsprobst von Harrant 1775—1780. Jetzt wandte sich die Stadt mit einer Bittschrift an den Markgrafen Karl Friedrich, zu dessen Herrschaft sie seit dem Jahre 1774 gehörte, und stellte ihm vor, wie die Wiederherstellung einer höhern Schule in Baden und der Wiederanfang des Unterrichtes im November dringend nöthig sei. Als ersten Grund gab sie an, dass viele Be- wohner Badens von den fremden Studenten gelebt, folg- lich die Schule einen merklichen Einfluss auf den Nahr— ungsstand der Badener Bürgerschaft übe. Zum Zweiten besagt die Bittschrift, dass kaum ein einziger Inwohner zu Baden im Stande sei, seine Kinder zur Fortsetzung der Studien anderswo zu verköstigen. Der Bescheid des Markgrafen war mit Rücksicht auf die vielen vorerst zu beseitigenden Schwierigkeiten ein ausweichender, gab aber der Hoffnung auf die Zukunft Raum. In Baden tröstete man sich damit. Als aber zur Jeit des Schulanfangs im November noch keine Anstalten zur Erneuerung der Schule gemacht wurden, ja sogar das Gerücht sich verbreitete, die Regierung gehe mit der Ver- legung der Schule nach Rastatt um, beabsichtige auch den Jesuitenfond dahin zu bringen, so wandte sich die Stadt abermals an den Markgrafen, schilderte die dusserste Be- stürzung der Bürgerschaft und ihr unvermeidlichèes Ver— derben, ja ihre Vernichtung, wenn die Regierung diesen Plan ausführen sollte. Am Schlusse beruft sie sich auf ihr Recht, weil bei dem Anfall der Baden-Badischen Lande an den Markgrafen Karl Friedrich die verbindliche Ver— sicherung gegeben worden sei, dass die Lande bei ihren Schulen, wie sie in deren Besitz gewesen, ungestört belassen werden sollten. Die Schule blieb vorerst den Badenern gesichert; weil aber mehrere Exjesuiten pensionirt, auch ein bedeutender Posten des Jesuitenfonds in Ottersweier ausfiel, so fehlten anfänglich die hinreichenden Mittel zur Gründung einer andern. Da machte im Januar 1774 das Stiftskapitel in Baden den Vorschlag, sie wollten das Unterrichtswesen übernehmen, wenn man ihnen das Vermögen der Exjesuiten übergebe. Dieser Vorschlag wurde mit Stillschweigen übergangen. Für den Augenblick war man nämlich gesichert, da die Ixjesuiten Zwenger, Heun, Lambla und ein weiterer Lehrer Bless den Unterricht zur Nothdurft besorgten, und Hofrath Seubert während des Jahres 1774 an einem neuen Schul- plan für Baden arbeitete. Endlich war man über alle Schwierigkeiten Herr geworden; der Landesvater schaffte aus seiner eigenen Landeskasse das fehlende Geld bei, und den 14. Februar 1775 wurde der neue Schulplan verkündet. In der Einleitung dieses wichtigen Aktenstückes beurkundet der Markgraf seine genaue Fürsorge für die Bildung der Jugend und hebt namentlich hervor, wie gerechtfertigt die- selbe in den neuerworbenen katholischen Landen sei; dann folgt der neue Schulplan, dessen wesentlichste Bestimmungen folgende sind: Die Schule besteht aus 4 Klassen. In der ersten wird deutsches und lateinisches Lesen, auch Schreiben, Zahlen- machen, das Einmaleins und die Anfänge der lateinischen Sprache gelehrt. In der zweiten folgt Fortsetzung im Rech- nen, Schreiben und in der lateinischen Sprache(Auswendig— lernen des Vocabulars, Regeln, leichte Gespräche, schriftliche Exercitien), Anfangsgründe in der Historie und Geographie. Die dritte Klasse setzt das Begonnene fort, dazu kommt syntaxis pura cum explicatione autoris latini tam prosaici quam poetae, Uebersetzungen in's Deutsche, Anfangsgründe im Griechischen. In der vierten Klasse Fortsetzung des Begonnenen, dazu syntaxis ornata im Lateinischen. Aus- arbeitungen für Rhetorik und Poetik, Anfangsgründe der Geometrie und der hebräischen Sprache. Der Religions- unterricht fehlte in keiner Klasse. An diese 4 Klassen schloss sich die Schule der Philosophen oder Exemti an. Besonders geschickte Professores sollten für diese berufen werden zur Docirung der Logik und Metaphysik, Matheseos purae et applicatae, Historiae naturalis, Physik und orien- talischer Sprachen. Selbst das Studium der Theologie wurde in den neuen Lehrplan eingeschlossen und auf die Errich- tung eines Priesterseminars vorzüglicher Bedacht ge- nommen. Mit diesen Einrichtungen war jedoch der Schulplan nicht erschöpft. Die Regierung ging dazumal schon auf die Verbindung eines humanistischen und realistischen Gym- nasiums in Baden aus, ähnlich wie es jetzt in's Werk gesetat ist; denn für diejenigen, welche sich später einem Hand- Werk oder sonstigen Gewerbe widmen wollten, wurde durch Anstellung eines besonders wohlerfahrenen Schreib- und Rechnungsmeisters gesorgt, auch Gelegenheit zur Erlernung der französischen Sprache, des Zeichnens und der Musik geboten. Das Gymnasium sollte sogar noch eine Bildungs- stätte für Landschullehrer werden, die man besonders unter- stützen Wollte. Als Inspector des neu geordneten Lehr- instituts wurde der damalige Probst des Collegiatstifts, von Harrant, ernannt. Man hatte diese weitgehenden Schuleinrichtungen theil- weise in der Hoffnung gemacht, durch eine Stiftung der Frau Markgräfin Maria Viktoria, Wittwe des im Jahr verstorbenen letzten Baden-badischen Markgrafen August Georg, unterstützt zu werden. Diese Hoffnung wäar gegrün- det; denn die Wittwe hatte dem Bürgermeister und Magistrat der Stadt Baden im October 1774 eine Urkunde zustellen lassen, Worin der Stadt und dem gesammten badischen Lande die jährlichen Interessen eines Kapitals von 100,000fl. zur Beförderung der Religion und der guten Sitten unter gewissen Bedingungen geschenkt wurden Kaum war daher der Plan für das neue Schulinstitut veröffentlicht, als sich der Magistrat mit der Bitte an die Markgräfin wandte, dieser katholischen Schule ihre Stiftung zukommen zu lassen. Die Bitte hatte keinen Erfolg, weil einerseits die Regierung sich nicht durch unannehmbare Bedingungen die Hände binden wollte, anderseits die gut katholische Markgräfin aus Scheu vor dem evangelisch-lutherischen Regentenhause mit der Entscheidung zögerte. Später, den 16. Januar 1782, vermachte sie testamentarisch 100,000 fl. zu einer Stiftung in der Stadt Baden für eine Gesammt- anstalt(Seminar) mit dem dreifachen Zweck der Bildung von Geistlichen, Schullehrern, Landwirthen und Hand— werkern. Diese Stiftung ist nie in's Leben getreten, doch werden die jährlichen Zinsen im Sinne der hohen Stifterin verwendet. Trotz der Verzögerung der erwarteten Stiftung setate die Regierung ihren Schulplan mit sorgfältig ausgewählten Lehrmitteln in's Werk. Sie übertrug dem Instructor Bless die erste, dem Badener Exjesuiten Zwenger die zweite, dem von Würzburg berufenen Prof. P. Hofmann die dritte, dem Badener Exjesuiten Lambla die vierte Klasse. Für das Lehramt der orientalischen Sprachen, der Mathematik und Historie gewann sie den Professor P. Jagemann; für Philosophie und Physik den berühmten Exjesuiten Thein. In der Theologie sollten vorerst einige canonici des Collegiat- stikts aushelfen. Da die Professoren Hofmann und Jage- mann sich in Baden nicht halten konnten, trat der Badener Exjesuit Heun noch in das Lehrercollegium. Für Jagemann gewann die Regierung den Weltweisen Wallendorf von Mainz. Diesem Manne, der nicht Geistlicher war, ging ein grosser Ruf voraus, und die Regierung versprach sich viel Gutes von ihm. Jetzt erhob der Bischof von Speier, dem die eigenmächtige Aufstellung des neuen Schulplans schon gewurmt hatte, im Namen der katholischen Religion Pro— test gegen diese Anstellung. Nur ein vom Ordinariat approbirter Lehrer dürfe Philosophie an der katholischen Schule lehren, so hiess es. Die Regierung behauptete An— fangs ihr Recht, und Wallendorf blieb. Im Frähling 4776 wurde die Schule im alten Jesuitencollegium nach dem im Rescript vom 14. Februar 1775 mitgetheilten Plan eröffnet. Präparanden- und Priesterseminar fehlte noch aus Mangel an Mitteln. Der Stundenplan ist verzeichnet auf Beilage II. So hatte die Schule denn endlich begonnen, und wenn man dem im Spätjahr eingesandten Prüfungsbericht des Stiktsprobstes von Harrant glauben durfte, stand die Sache nicht schlecht; nur mit Wallendorf war er nicht zufrieden. Da kamen aber im Lauf des Schuljahres 4776/77 un- angenehme Briefe nach Karlsruhe über unbotmässige Auf⸗ führung der Schüler, über eigenmächtige Aenderungen des Schulplans von Seiten der Lehrer, zumeist aber Klagen über den weltlichen Lehrer Wallendorf,. Unter Anderm schrieb der Rechen- und Schreibmeister Heinisch:„Nur der halbe Theil lernt die Lectionen, der andere hat einen ganz ausserordentlichen Lerm mit Springen, Schlagen, Schelten, ja sogar üben sie, auf mein Abwehren gegen mich die abscheulichsten Grobheiten aus In denen Rechen- stunden sollten alle ein Schreibtäfelein oder wenigstens Feder und Dienten haben, aber, nichts ist zu machen, der Tumult ist von mir nicht abzuendern, derjenige, den ich Vorrufe, weiss kaum, ja ich selbsten, was nur rede, es mögte einem manchmal aus lauter Verwürrung in Mund kommen 2 und 5 ist 4. So sind der so gut gesittet, fromm und heilig-bigottisch auferzogenen 890 ihre Geberde.“ Ein artiges Schulbild! wird qeder Leser denken. Dass die Schüler sich auch andere Freiheiten herausnahmen, en die Exemten, die ihren Namen nicht umsonst trugen. W0rfle die Absenzen aufgezeichnet wurden, liessen diese, 80 oft es ihnen einfiel, eine Lehrstunde oder ganze Dis- ciplinen links liegen. Wallendorf konnte davon erzählen. Die kleinern Schüler hatten daran ein böses Beispiel, welches sie denn auch getreulich nachahmten. Als den Herren Studenten im Spätjahr die eingetretene Verkürzung der Ferien nicht gefiel, liefen sie vor der Prüfung davon. Bisher hatte man es mit den Ferien gehalten, wie zur Zeit der Jesuiten. Examen an Mariä Geburt, Schulanfang an Allerseelen. Von 1777 an waren 4 Wochen Ferien im Spätjahr, eine Woche an Weihnachten und zwei an Ostern. Wenn die Schüler sich um die Anordnungen nicht viel kümmerten, so thaten sie eigentlich nur, was ihnen die Lehrer vormachten. Von Karlsruhe hatten diese einen genauen und mit grossem Bedacht abgefassten Schulplan erhalten; sie wussten ihn aber in vielen Punkten, die ihnen nicht genehm waren, zu umgehen. Am unangenehmsten waren der Regierung die Klagen über Wallendorf. Dieser Mann hatte in Baden eine böse Stellung. Man arbeitete ihm allenthalben entgegen, untergrub seine Autorität bei der meisterlosen Jugend und hatte dann hinreichenden Grund gegen ihn aufzutreten. Der Ephorus kam der Re— gierung beständig mit unbegründeten Klagen und war auch der Ansicht des Bischofs, dass solche weltliche Lehrer vor ihrer Anstellung in ihren Glaubensgrundsätzen geprüft würden. Wollte die Regierung Frieden haben und das Gedeihen der dem Markgrafen ganz besonders am Herzen liegenden Schule nicht in Frage stellen, so musste sie auf seine Entfernung denken, obgleich sie ihn für einen guten Lehrer hielt. Um jedoch die Schulverhältnisse Badens aus eigener Anschauung kennen zu lernen, schickte die Re- gierung im October 1777 den geh. Referendär Seubert 14— und den geh. Rath Krieg als Kommissäre zur Vornahme der Prüfungen nach Baden. Da die Schüler ihre Ferien auf eigene Faust verlängert hatten, auch der an sie ergange- nen Mahnung nicht P nachgekommen waren, 80 fehlten viele bei der Prüfung. Die untern Klassen be- friedigten, die obern waren in solch verwahrlostem Zustand, dass die 8628108 Wallendorf's wegen ihres in ltehen Prüfungen an den Tag gelegten rohen Betragens getadelt Werden mussten. Auf den eingehenden Bericht der Kommissäre ordnete man, was man konnte, gab strenge Instruction zur Auf— rechthaltung der Disciplin und schärfte den Lehrern, die 2. B. wegen angeblicher Unreife der Schüler keine Geometrie gelehrt hatten, die genaue Befolgung des Lehrplans ein. Vermöglichen Eltern, die ihren Eindern die nöthigen Schulbücher nicht Ahnlen wollten, drohte man sogar mit Execution. Dem philosophischen Curs glaubte man nur durch die Entfernung Wallendorf's 3 zu können, die denn auch 1778 erfolgte. Seine Stelle nahm der Welt- Geistliche Wiehrl von Bruchsal ein. So war es dem jesuitischen Geist, der nach dem Ausspruch des Weih— bischofs Seelmann von Speier, Ruhe und Frieden in Baden nicht aufkommen und nichts nützliches geschehen liess, endlich gelungen, den weltlichen 0 von der An- stalt zu entfernen; die Regierung, die einen edlern Geist in die Jugend 55 155 Wollte, war mit ihrer guten Absicht nicht durchgedrungen. Die Zeit War noch zu sehr an die rein kirchliche Erziehung gewöhnt, als dass sie an einem Gymnasium Lehrer 0182 wollte, die nicht dem geistlichen Stande angehörten und die ihre Bildung aus andern, als geistlichen Quellen geschöpft hatten. Voch ein Räles Jahrhundert ging es bei uns, bis der Wahn verschwunden War, als könne mur der Geistliche Lehrer an einem Gym- nasium sein. Mit der Entfernung Wallendorf's war aber natürlich das Gymnasium noch nicht gebessert; der Schaden lag tiefer. Die Direction handelte nicht ganz im Sinne deR Regierung, klebte am alten Schlendrian, führte die Ver- ordnungen nicht pünktlich aus und konnte, angeblich aus Mangel eines Carcers, bei den paar Exemten keine krät— tige Diseiplin halten. Alles das übte einen nachtheiligen Einfluss auf Lehrer und Schüler, auf das ganze Gedeihen der Anstalt. Für die fürstlichen Kommissäre, die mit Um- sicht und Fleiss an der Hebung der Schule arbeiteten, waren diese Uebelstände eine leide Sache.„Wie bitter, ruft der fürstliche Kommissär Seubert aus, wird bei dieser Lehranstalt jeder Schritt, welcher nicht gerade auf den Leist der vormaligen jesuitischen Verfassung anpasset!“ Die Vorwürfe änderten an der Sache nichts, ja sie verbitterten nur die Stellung des Directors, der über Mangel an Ver— trauen klagte und sich hauptsächlich darüber beschwerte, dass man ihn nur zu einem Schreiber benutzen wolle. Die Regierung, welche jetzt schon an die Berufung eines tüchtigen Schulmannes für den Directorposten dachte, musste noch zuwarten, weil es schwer war, einen solchen zu bekommen. Die Besetzung der Lehrstellen machte da- mals überhaupt noch grosse Mühe; man musste bei der geringen Ausdehnung des Landes und bei der kleinen Auswahl oft nehmen, was man bekam. Diese Schwierig- keit zeigte sich deutlich, als im Herbst 1778 der Exjesuit Professor Heun seine Lehrstelle niederlegte. Es ging über Jahr und Tag, ehe die Lücke ausgefüllt war. Eigenen Nachwuchs, den man beabsichtigte, hatte man noch nicht. Eine solche Unordnung musste eine erst werdende Schule herunterbringen. Klagen blieben nicht aus. Wir haben oben den Schreib- und Rechenmeister gehört, vernehmen wir jetzt den Exjesuiten Professor Thein.„Die Schüler“, schreibt er,„setzen die hochfürstlichen Verordnungen hintan, Verabsäumen die Schullectionen nach Willkür, begegnen den Professoren mit niederträchtigsten Grobheiten und ver— üben fast nie gehörte Excesse.(Kartenspiel, Besuch der Wirthshäusser und Tanzböden, Nachtschwärmereien und Schlägereien.) Auf meine Anzeige beim Herrn Probst habe ich von den schuldig befundenen jungen Leuten die gröbsten Schmähungen ertragen müssen.“ Nota bene; jetzt hatten die Badener einen Carcer. Man suchte freilich durch monatliche Lehrerkonferenzen, durch strenge Promotionsverordnung, durch schriftliche Mittheilungen an die Eltern und durch Drohungen, dass faule und ungehorsame Schüler im Lande auf keine Be— dienstungen rechnen dürften, mehr Ordnung in den Unter— richt und Zucht unter die Schüler zu bringen. Aber wWas half's? Die Lehrer, die in Hinsicht auf ihre Capacität ge- lobt worden, liessen immer noch Lehrplan Lehrplan sein, kümmerten sich um die genaue Vertheilung des Lehrstoffes in den einzelnen Klassen nicht viel, ja sie liessen nach Wunsch der Schüler ganze Unterrichtszweige fallen und Wiegelten einander die Schüler auf, Diese setzten ihre Unbotmässigkeit fort und machten 1779 zur Abwechslung einmal dem Professor Thein in Gegenwart des Prüfungs- kommissärs Grobheiten. Um den argen Misständen abzuhelfen, trägt sich der Markgraf, an den sämmtliche Schulberichte gingen, mit dem Gedanken, die höhern Wissenschaften und den philo- sophischen Curs nach Ettlingen zu verlegen. Nur sein der Stadt Baden verpfändetes Wort hinderte ihn an der Aus— führung. Da man die Dinge aber so nicht mehr länger fortdauern lassen konnte, wird der Stittsprobst v. Harrant in Gnaden des Direèctoriums enthoben, ehe noch die Ver- handlungen mit dem künftigen Director zu Ende geführt Waren. Auch im Lehrerpersonal ging ein bedeutungsvoller Wechsel vor sich. Schon an Ostern 1780 war der Geist- liche Becker von Bruchsal für den im Herbst 1778 abge- gangenen Exjesuiten Heun eingetreten. Im Herbst entfernte man auch die Exjesuiten Lambla und Zwenger; es blieb von den frühern Jesuiten nur noch Pater Thein. Man muss diesen von der Schule scheidenden Männern das Jeugniss geben, dass sie gethan haben, was sie konnten. Die ge- ringen Fortschritte der Anstalt darf man wohl nicht einem Mangel an gutem Willen zuschreiben: ihre ganze Erziehung und Bildung, ihre eingelernte Unterrichtsweise hinderte sie sicherlich vielfach, den neuen Anforderungen des Staates und der aufgeklärten Regierung eines Karl Friedrich nach- zukommen. An ihre Stelle kamen die Weltgeistlichen Boden und Gros. So war also im Herbst 1780 aus der Jesuitenanstalt, als Wwelche wir sie der Mehrzahl der Lehrer nach immer noch beétrachten können, eine neue Schule geworden, und ein neuer Geist begann sich in ihr zu regen. Es fehlte jetat nur noch an einem tüchtigen Director. Bis dieser ernannt War, wurde die interimistische Leitung vier Lehrern unter dem Vorsitz des Professors Wiehrl übertragen. Amtlich unterschrieb er nicht, weil er gerade um diese Zeit wegen seines Glaubens in Bruchsal angeklagt, seines Lehramtes enthoben war. Die Herren zeigten sich des in sie gesetzten Vertrauens würdig; sie arbeiteten fleissig und hatten auch die Freude, ihre Schule am Schlusse des Jahres etwas besser zu sehen. Diese Prüfung im Spätjahr 1780 ist seit lange der einzige Sonnenblick an der Badener Anstalt. Man muss dieses Resultat den Lehrern um so höher an— rechnen, als ihre Stellung in Baden der Beschränktheit des gemeinen Volkes gegenüber eine sehr schwierige war. Ihre Rechtgläubigkeit kam dem grossen Haufen, bei dem nur Ordensgeistliche und Mönche Gnade fanden, verdächtig vor. Anders dachten sie freilich, diese in Baden angestellten Weltgeistlichen als die Jesuiten und die Mehrzahl unserer heutigen Weltgeistlichen. Da wurde 2z. B. im Frühjahr 1782 der Geistliche Hoffmann als Lehrer der Philosophie berufen. Dieser schlug der Regierung aus Ermangelung eines passenden katholischen Lehrbuches das des Protestanten Nettelbladt für Naturrecht vor, fürchtet aber anzustossen. Wie wunderbar! ruft er aus. In unseren aufgeklärten Tagen ist der Zusammenhang des Naturrechts mit den christlichen Religionslehrsätzen, mit der katholischen Theo- logie entfernt. Kber es ist nun einmal schon so. Vorurtheil, Unibissenſieit fürchiten unter qeden Blumé Cit. Menn Wahr— nieit mehit unter qedem Punſtte, nicht duf 3eder Seitè sicl. ynufen ldsSt, dann erbecltt siée gerechiten Verdacht wider 2 sich. Aber da predige man in die Länge und Breite: es wird nichts helfen. Ebenso sagt er, als er Achenwalbs Grundriss zur europäischen Staatengeschichte Vorschlägt: »er ist zwar ein Protestant. Aber da wird doch wohl der eitrigste Katholik keine Gefährde für seine Religion be— fürchten wollen. Geschieht es wider Vermuten, 80 lasse man ihn seine Ketlen schlerren und wandle seinen unver- dächtigen Pfad unbesorgt fort. Wer wird wohl dem grossen dummen Haufen allen Stoff des Missvergnügens benehmen können? So schreibt ein Weltgeistlicher 1782 an seine Regierung. Wir sehen, diese Männer hatten einen hellen Kopf; aber eine gute Schule konnten auch sie nicht um's Handumdrehen machen, da ja rohe Sitten, schlechte Ge— wohnheiten, überhaupt geistige Uebel schwerer zu heilen sind, als alle andern. Und wWo wir eine gute Schule finden, dürfen wir sicher sein, dass sie nicht das Produkt eines einzigen Jahres ist, sondern aus einer lünger dauernden, consequenten Durchführung vernünftiger Grundsätze in der Erzichung und im Unterricht hervorging. So verschwand denn auch der Sonnenblick am Schulhimmel in Baden bald wieder hinter dunkeln Wolken. Wundern darf man sich darüber nicht, wenn man hört, dass mehrere Unterrichts- zweige, wie Griechisch, Geschichte und Geographie in Folge von Lehrererkrankungen und der noch immer fortdauernden Suspendirung Wiehrl's vollständig darnieder lagen. Das Gymnasium unter dem Director Brand- meyer 1782— 1788. Mit der Berufung des neuen Schuldirectors Brandmeyer hofkte man auf eine durchgehende Besserung. Im Spätjahr 1782 kam dieser Mann, ein Schüler des speierschen Weih⸗ bischofs Seelmann, als Stadtpfarrer, Stiftscustos und Schul director nach Baden. Er hatte umfassende theologische Kenntnisse, die er auch in einer lateinisch geschriebenen Abhandlung beurkundete, und verband mit einer freiern Anschauung des Lebens eine ungemeine Thätigkeit. Voll Muth und Freude ging er an sein schweres Werk, die Schule aus dem Verfall, aus der Verwirrung, aus der allge- meinen Verachtung, wie er sagt, emporzuheben. Für das geeignetste Mittel hielt er mit Hintansetzung seiner eigenen Gemächlichkeit die gemeinschaftliche Oekonomie und das Jusammenwohnen der Professoren und des Directors. Diese Zinrichtung kam zu Stande und schien anfangs gut zu sein Unter den Lehrern, die theilweise beim Eintritt des neuen Dirèectors Wechselten(Wiehrl wurde reaktivirt, Hoff- mann ging auf eine Pfarrei) herrschte ein besseres Zu- sammenstimmen; es kam mehr Zusammenhang in den Unterricht, und die Schule nahm, wie man schon im Herbst 1783 erkannte, einen ordentlichen Fortgang. Als man festern Boden gefasst hatte, liess der Director im Herbst 1783 öflentlich bekannt machen, dass in diesem Jahre die theo- logischen Vorlesungen, wie es im ursprünglichen Schulplane lag, beginnen würden; er selbst würde Dogmatik und Moral- theologie, Canonicus Schwarz die orientalischen Sprachen lehren. Somit war jetzt der Ausbau der Schule vollendet, und sie war im Stande unter tüchtiger Leitung etwas zu leisten. An Mühe und Arbeit liess es der Director nicht fehlen. Unter Anderm versprach er sich einen be— deutenden Frfolg von zweimaligen, je vier Tage dauer den Prüfungen an Ostern und im Spätjahr. Bisher hatte man dieselben nur einmal im Spätjahr, meist unter Beisein eines fürstlichen Kommissärs vorgenommen. Etwa 14 Tage vor der bestimmten Zeit wurde dem bereits ernannten Prüfungs- Kommissär der Schematismus zugeschickt, in welchem die Namen und Noten der Schüler, sowie die Anträge der Lehrer auf Ascens enthalten waren. Zugleich waren die Professoren verpflichtet, ihr durchgenommenes Lehrpensum anzugeben. Hierauf kam der Prüfungskommissär(in dieser Zeit geh. Rath Krieg), prüfte im Beisein der Hauptlehrer meist in einem Tage alle Classen und schloss mit der Preisaus- theilung. Bücher wurden dazumal schon gegeben. Eine solche Prüfung war offenbar zu kurz, wie einsichtsvoll dieser Kommissär auch war, wie treffend und klar seine Berichte. 2* Der Director hatte sich in seiner Erwartung nicht ge— täuscht: die Leistungen der Schüler waren, im Spätjahr 1784 befriedigend. Auch die sieben Theologen machten ihre Sache zum grössten Theil brav. Das Französische, welches in diesem Jahr zum ersten Male in der Schule gelehrt wurde, wollte noch nicht viel heissen. Ebenso wenig befriedigte der Unterricht in der Mathematik und Physik, den Professor Thein ertheilte. Wunder darf les uns freilich nicht nehmen, wenn wir aus dem Bericht des Directors lesen, dass dieser Professor seine Schüler zuletzt mehr zur Arbeit in seinem gekauften Weinberg missbraucht, als in der Schule Mathematik und Physik gelehrt hat. Da konnte man es den Jungen nicht verdenken, wenn sie Mathematik und Physik für unnöthige Dinge hielten. Thein erhielt eine Pfarrei, und mit ihm war der letzte Jesuit von der Anstalt verschwunden. An seine Stelle kam der schon seit einem Jahre wieder an das Gymnasium berufene Pro— fessor Hoffmann, wWelcher von nun an der Schule, so lange sie in Baden blieb, in verschiedenen Stellungen angehörte. Er war ein heller Kopf, besass ein reiches Wissen und wurde der Anstalt nach und nach unentbehrlich. Seine Stelle in der vierten Klasse übernahm provisorisch der junge Clericus 400% Schireiben, der sich als Dichter und Schriftsteller später einen Namen gemacht hat. Was Wiehrl begonnen und Hoffmann unterstützt hatte, setzte er während seiner kurzen Thätigkeit in Baden 1784—4788 mit erfreu- licher Wirkung fort. Er that noch mehr, sagt Loreye, er führte nicht nur die Zöglinge der Anstalt an freundlicher Hand in das Heiligthum der Kunst und der deutschen Literatur, er machte auch durch seinen originellen, leben- digen Geist die Stadt und Umgegend zu seiner Schule. So war denn der Unterricht geregelt, und Alles ging eine Jeitlang in leidlichem Gang. Die Prüfungsberichte dieser Jahre lauten gerade nicht ausgezeichnet, im Allgemeinen durfte man jedoch zufrieden sein. Aber ein eigener Unstern waltete über der Anstalt in Baden. Zwischen dem Director und Professor Wiehrl herrschten Zwistigkeiten. Der Eine klagte über Mangel an Subordination, der Andere über die Verfolgungssucht des Direéctors. Der Zank verschärfte sich, störte im Jahr 1785 die gemeinschaftliche Oeconomie der Lehrer, spaltete endlich das Collegium in zwei Parteien, in welche auch die Schüler hineingezogen wurden. Professor Wiehrl nahm sich zuletzt Freiheiten heraus, die unmöglich gedul- det werden konnten. Wenn es ihm einfiel, nahm er an Schultagen seine Schüler auf Spaziergänge mit und lehrte sie nach Art der alten Peripatetiker. Dazu kam in den mittlern Klassen rohe und launenhafte Behandlung der Schüler von Seiten der Lehrer. Die üblen Folgen zeigten sich sofort bei den Schülern. Alte Rohheiten, die man für überwunden hielt, kamen wieder zum Vorschein; und da halfen auch die Vor- träge nichts dagegen, die Professor Hoffmann über Lebens- und Höflichkeitsregeln hielt. Das Davonlaufen vor Schluss des Schuljahrs wurde trotzæ Strafandrohung wieder Sitte. So0 waren 2 B. 1787 wieder sieben Schüler vor den Prüfungen davongegangen. Was kümmerten sich auch Hlsdsser, ja Lothiringer, wie sie damals hier in Baden studirten, oder andere Ausländer, etwa von Oberbtireh, um das Anschlagen an die schwarze Tafel oder um Androhung von Geldbussen! Auch auf den Besuch der Anstalt scheinen die Zerwürfnisse unter den Lehrern Einfluss ge- habt zu haben. Im Jahre 1787 waren es mit den Theologen nur 43 Schüler im Ganzen. Eine allerdings kleine Zahl; aber das Gymnasium, welches unter allen Umständen besser War, als die damals viel besuchten Klosterschulen, trug die Schuld nicht allein. Es war in Baden für einen jungen Menschen schwer, passende Kost und Wohnung zu be— kommen; zudem fehlte es an einer Polizei, die den Nacht- schwärmereien der Studenten, ihrem Wirthshausbesuche, dem anstössigen Tanzen im Promenadehaus, ihrem Eintritt in schlechte Häusser ein Ziel setzte. Bei so bewandten Umständen, ruft der Director aus, ist fürwahr keinem recht- schaflenen Vater anzurathen, dass er sein Kind nach Baden zum Studiren schicke, weil dasselbe im ersten Vierteljahr verdorben und verführt wird. Man muss sich bei dieser geringen Schülerzahl und bei den vielen Schwierigkeiten nur wundern, dass die Re— gierung diese Anstalt nicht fallen liess. Das that sie aber nicht, trotzdem im Schuljahr 1787—88 das Studium der Theologie aus Mangel an Studirenden eine Zeitlang sogar ganz aufhörte, in der vierten Klasse nur zwei, in der dritten nur 3 Schüler in Allem waren. Im Gegentheil, die Re— gierung suchte zu helfen, wie sie konnte. Der Präfekt Hoffmann, er hatte mit diesem Titel 4785 zugleich die engere Schulaufsicht erhalten, verlangte in seinem Bericht die Entfernung fast sämmtlicher Lehrer und Ersetzung durch andere, wenn sich die Schule heben solle. Sie taugen nichts, meint er, oder die noch was wären, die fügen sich nicht, verderben die Jugend und machen Schulden. Ganz besonders bezeichnet er damit den Professor Aloys Schreiber, von dem er ärgerlich sagt, er sei sich selbst Professor und Vorgesetzter. Aber wie man bei den schlechten Besoldungs- verhältnissen der Lehrer und bei dem Mangel an kenntniss— reichen jungen Männern bessere Lehrkräfte finden Sollte, dafür wusste auch er nur den einzigen Rath, die Lehrer recht zu bezahlen und tüchtige Kräfte nachzuziehen. Das- selbe Klagelied, welches unsere Lehrer jetzt noch, trot⸗ namhafter Aufbesserung in den letzten 10 Jahren, mit Recht anstimmen können, das ertönte damals schon in allen Variationen. Mit Rücksicht auf die traurigen Besoldungs- verhältnisse sagt Präfekt Hoffma un in seinem Bericht aus dem Jahr 1787: der Lehrer, der mit Nulzen urbeiten, Soll, muss nichit mit Hlend oder Sohulden oder Brodsorgen ⁊u lũmpfen haben, sondern lieber hesser beS¹d ſein, als nuνν οαοu 4)⁰ vu ⁰ ᷣlossen flirglichen Ausſtommen. Ein Mann, der sich verdient machet, soll quel. au, Belohinung seiner Verdienstèe Anspruchi machen durſen. Die Erfahrung lehret es, fuhr er fort, dass alle die Lehrer am hiesigen Gym- nasium Schulden gemacht haben, die sie nicht bezahlen konnten, und zum Theil noch machen. Damals schwankten die Besoldungen zwischen 250 und 500 fl. und das war begreiflich für Niemand verlockend, selbst nicht für einen ordentlichen Kaplan. Und doch fanden sich immer wieder neue Lehrkräfte! Der Grund liegt theilweise im Beruf selbst. Der Lehrstand hat für ein edles Menschenherz etwas Erhebendes und Begeisterndes. Der Jugend, dem dank- barsten Publikum, die Grossthaten der Vor- und Mitwelt verkünden zu dürfen, in das leuchtende Auge eines denken- den Schülers zu schauen, wenn ein neuer Funke des Lichts und der Wahrheit auf seinen empfänglichen Geist fällt, seine Seele mit den hohen Idealen einer schönern und bessern Welt zu füllen und so durch Menschenerziehung und Menschenbildung das hae Reich Gottes auf Erden zu gründen, ist eine Lust, die nur der kennt, welcher sie empfunden, ist, wie der Dichter sagt, des Schweisses der Edlen werth. So fand sich denn auch wieder Ersatz für die Lehrer, deren Abgang man wünschte, oder die aus freien Stücken den Schulstaub mit der frischen Luft auf einer ländlichen Pfarrei vertauschten. Die Kapläne Stephan und Maier füllten die entstandenen Lücken gut aus. Bedeutsamer, als dieser Lehrerwechseh war für die Anstalt im Herbst 1788 der Abgang des Directors Brandmeyer. Der Mann war kränklich und durch seine Pfarrgeschäfte zu sehr in Anspruch genommen. Er fühlte, dass es nicht länger mehr so gehen konnte, und zog sich zurück; nur bei den Theologen behielt er noch einigen Unterricht. Als Director hatte er einige Zucht und Ordnung in die Anstalt gebracht, auch das mechanische Lernen zu verdrängen gesucht; aber selbst seine schönen Kenntnisse und sonstigen guten Eigenschaften reichten bei der Theilung seiner Kraft nicht aus, die Anstalt wesentlich zu heben. Die Schluss- wWorte seines Berichtes lauten:„wenn für die Zukunft nicht Vorsorge geschieht, dass jeder Lehrer des Gymnasiums sich lediglich nach der Anweisung und dem Plan des Schuldirectors ohne weiteres fügt, so wird das hiesige Gymnasium nie aufblühen, vielweniger die schon lange gewünschten Früchte bringen können.“ Das Gymnasium unter dem Director Alth 1788 1798. Den 3. November 1788 trat Alth die Direction des Gymnasiums an. Er kam von Speier und hatte ausser der Direction noch zwei weitere Aemter zu verschen. Er sollte das im Schulplan vom 14. Februar 1775 angekündigte, bisher aber nicht organisirte SchulpräparandenInstitut in's Leben führen und war zugleich als herrschaftlicher Kommissär und Visitator sämmtlicher katholischer deutschen Schulen in der Markgrafschaft berufen. Der Mann wusste offenbar, was er galt; denn kurz nach seiner Ankunft schrieb er nach Karlsruhe:„Alles in Baden ist Aug; ich lese die Neugierde aus den hastigen Blicken, durchgängig bin ich als streng gemalet.“ Diese Strenge zeigte sich auch bald darin, dass einige ungezogene Studen- ten gejagt wurden; dass sämmtliche Gymnasiasten, um sie kennbarer vor andern Menschenkindern zu machen, Mäntel tragen mussten; dass die Studenten während der Fastnachts- zeit, um sie vom verbotenen Wirthshausbesuche abzuhalten, zum sogenannten 40stündigen Gebet kommandirt wurden, und dergleichen mehr. Er meinte dabei freilich, man werde ihn mit Tyrannenschwärze porträtiren, machte sich aber nichts daraus, wenn's nur half. Wie er's mit den Schülern machte, so wollte er auch die Lehrer reguliren. Sie fügten sich dem von der Regierung gestützten Director anfangs leidlich; nur Professor Wiehrl, der seit seinem Handel mit dem Bischof nicht mehr der alte gute Mensch zu sein schien, an Wissen den neuen Director jedenfalls überragte, kümmerte sich nicht stark um die neuen Anordnungen. Den literarischen Zustand fand der Director trostlos. Das Latein ist ganz ausser Werth gekommen, sagt er, die Verstandeskultur liegt brach; das Lernen ist bloss Gedächt- nissache, daher auch kein Trieb in der Jugend, daher die vielen Auswüchse. Was soll z. B. ein solches Examiniren in der Logik heissen, ruft er aus, wenn der Professor etwa fragt: quae sunt, species cognitionis humanae? Discipel schweigt. Professor also: conceptus jud.... Discipel: conceptus, judicium. Professor: ratioci.... Discipel: ratio- einium. Auf diese Weise wurde der logischen Maschine immer der Stoss gegeben, dass sie die paar letzten Schritte fortrannte und dann wieder still stand. Die Schüler waren, wenn man ihm glauben darf, um ein, ja um zwei Jahre zurück. Um den Unterricht zu heben, zeigt er den Schülern den ganzen Ernst, lässt 2. B. im Herbst 1789 nur praemia morum, keine praemia progressus literarii austheilen, be— stimmt viele Schüler, zumal aus der Logik, der wichtigsten Klasse, zum Repetiren, hält jährlich viermal Prüfungen (4794 wieder auf zwei beschränkt) und dergleichen mehr. Den Lehrern empfiehlt er dringend seine syllogistische Lehrmethode als vorzügliches Mittel zur Bildung des Ver— standes. Kurz, der energische und eifrige Schulmann lässt nichts unversucht, das Wohl der ihm anvertrauten Anstalt zu fördern. Die Schule besserte sich etwas, aber nicht in dem erwarteten Masse. Die Regierung erkennt zwar an, dass die Schüler jetzt mehr mit dem Verstand, als mit dem Gedächtniss arbeiten, dass sie die Schönheit des Ausdrucks und der Gedanken der Autoren zu erfassen wussten und eine gewisse Stärke in Extemporalaufsätzen erlangt hätten; sie stellt aber die Badener Lateiner hinter die Piaristen- zöglinge in Rastatt, tadelt den Mangel an Ordnung im Lehrplan, klagt über Sittenverderbniss und über das geringe Anschen, in welchem das Badener Gymnasium bei dem Volke steht. Hätte sie nicht in der Person des geheimen Hofraths Brauer einen ausgezeichneten Kommissär für das Badener Gymnasium aufgestellt, wer weiss, wie lange es sein Dasein noch gefristet! Dieser vortreffliche Mann wid- mete sich seit Ende 1790 mit unermüdlichem Eifer, mit grosser Sachkenntniss und mit ächter Humanität der Re- generirung der Anstalt. Schon im Spätjahr ist er im Stande einige zweckmässige Aenderungen anzuordnen, eine gründ- liche Umgestaltung behält er sich vor. Zum Beleg unseres obigen Urtheils über den Mann wollen wir hier die haupt- sächlichsten Anordnungen aus dem Jahr 4794 Kkurz anführen; einige derselben auch jetzt noch der Beherzigung W. 1. In untern Klassen halte man sich nicht zu lang mit der Erlernung der Schönheiten der Autoren auf, w el 68 hier auf Erlangung von Festigkeit 85 Rich- tigkeit in der Sprache* 2. Die Lehrer haben beim Beginne des Semesters ihr Lehrpensum genau zu bezeichnen und bei der Auswahl nach pädagogischen Grundsätzen zu verfahren. 3. Die Geschichte soll in jeder Klasse ihr abgegränztes Gebiet haben, so dass die Schüler am Schlusse ihrer Studien die merkw Ardissten 1 Epochen und Begebenheiten der allge- meinen kennen gelernt haben. Ein ähnliches Verfahren soll in der 33 stattfinden. 4. Die Philosophie und Physik soll während des zwei⸗ jährigen Curses nicht nacheinander, sondern in passender Aufeinanderfolge neben einander gelehrt wWerden. 5. Der——— und griechische Sprachunterricht soll während dieser zwei Jahre nicht ganz aufhören wie bisher, sondern in wöchentlich vier Stunflen zusammen fortgesetzt werden. 6. Die Exemten sollen zur Belebung ihres Privatfleisses einen kleinen Aufsatz in deutscher oder lateinischer Sprache als monatliche Hausarbeit verfertigen, und ihn nach der Correctur durch den Präfekten im dem Prüfungs- kommissär vorlegen. 7. Das Lehrpensum der vorhergehenden Klasse soll mit Beginn des neuen Schuljahrs in der folgenden kurz wieder- holt werden. 8. Zur Auffrischung der angespannten Geisteskräfte lasse man versuchsweise am Morgen und am Mittag eine Zwischen- pause(Respirirzeit) von je 10 Minuten eintreten. Die Unterrichtszeit belief sich durchschnittlich, Vacanztage aus- genommen, auf 5 Stunden täglich. 9. Die Lehrer haben sammt und sonders auch ausser der Schulzeit ein scharfes Auge auf die Schüler zu werfen. Wir sehen, der Mann liess sich sein Amt angelegen sein. Auch eine schärfere Diseiplin wurde auf seine Mah- nung hin vom Director gehandhabt. Es erfolgte jetzt die Erneuerung der Verbote über das Tanzen, den Wirthshaus- Besuch der eigentlichen Gymnasiasten, über das Nacht- schwärmen und das Maskiren. Besonders verboten ist den Schülern andere Geschlechtspersonen am Arm zu führen (Ausdruck des Directors). Die Klassenlehrer werden ange- Wiesen, die Schüler oft in ihren Wohnungen aufzusuchen.“ Drei Jahre darauf wurden diese Verordnungen und Ver- bote gesammelt, und an die Spitze derselben stellt der Director den Satz: Das erste Gesetz der lateinischen Schüler ist die Frömmigkeit. Obgleich so anscheinend Alles gethan wurde, um das Gymnasium in einen blühenden Zustand zu bringen, blieb die Blüthe doch aus, die Prüfungsberichte lauten nicht be⸗ sonders erbaulich. Den Grund, dass keine merklichen Fortschritte gemacht werden, schiebt der Director auf den veralteten Lehrplan, auf die Insubordination der Lehrer und auf ihre verkehrte Lehrmethode. Der Director hatte zum Theil Recht, aber den eigent- lichen Grund des mangelhaften Fortganges hatte er doch nicht genau erkannt. Der Prüfungskommissär wusste besser, woran es fehlte. Die Schuld liegt, wie er meint, in der geringen Schätzung der Wissenschaft und ihrer Vertreter in Baden, in der mangelhaften Besoldung der Lehrer, in ihrer Ueberbürdung mit Schulstunden, in der allzu kurzen Zeit des Unterrichtscurses(7 Jahre, bisweilen noch ein Principisten- jahr), in dem vorgerückten Alter der eintretenden Zöglinge (42 13 Jahre), in der Vertheilung der Lehrer nach Klassen statt nach wissenschaftlichen Fächern, in der Ueberhäufung mit Lehrgegenständen, im Mangel einer Abtheilung in der Schule in ein Gymnasium und eine Realschule. Auch erregt es schwere Bedenken in ihm, dass sämmtlliche Lehrer Geistliche sind.„Die katholischen Theologen, sagt dieser einsichtsvolle Staatsmann, sind mit zu wenig Fäden an den Staat gefesselt, um sie damit gehörig leiten zu können, und der Menschen die das Gute blos um des Guten willen thun, gibt es wenige.“ Den Hauptmangel erkannte er jedoch im Director selbst. Nach wenigen Jahren war die Regierung zur Ueber— zeugung gelangt, dass sie in seiner Wahl einen Missgriff gethan hatte. Er war in wissenschaftlicher Bexichung seiner Stelle nicht gewachsen, hatte Scheu vor allem Neuen, zumal vor der Kant'schen Philosophie, hielt seine SyIlogistische Unterrichtsmethode für die allein richtige, legte als Freund jesuitischer Einrichtungen zu grosses Gewicht auf Aeusser— lichkeiten bei der Gottesverehrung und verletzte die Lehrer oft unnöthiger Weise durch Mahnung zur Subordination. Die Insubordination der Lehrer War überhaupt die ständige Klage des Directors, obgleich ihm die Regierung den etwas eigenmächtigen Professor Wiehrl schon 1794 entfernt hatte. Er war auf die Pfarrei Mörsch bei Rastatt gekommen und dort schon im dritten Jahre während einer Epidemie das Opfer seiner christlichen Nächstenliebe geworden. Professor Stephan hatte sein Lehramt erhalten. Zu dieser Einsicht über die Badener Verhältnisse war die Regierung theils durch eigene Anschauung, theils durch die übereinstimmen— den Berichte zweier Professoren in Baden gekommen, an welche sie sich im Vertrauen gewendet hatte. An der Anstalt lehrte seit Januar 1790 der Kaplan und Professor Loree. Der Name des später so hochge- schätzten Rastatter Lyceumsdirectors ist S80 bekannt, dass wir gewiss manchem seiner Schüler und Verehrer eine Freude bereiten, wenn wir seine frische Persönlichkeit hier etwas in den Vordergrund treten lassen. Kaum War Loreye ein halbes Jahr Lehrer am Gymnasium, 80 berichtet sein Director unter Anderm Folgendes über ihn:„Bei seinem mittelmässigen Talent hätte er wohl mehr Fertigkeit im Lehrfache sich erwerben können, wenn er einen geringern Grad von Leichtsinn und von Gemächlichkeitsliebe gehabt hätte. Statt zu studiren geht er Spazieren, macht Besuche und hat grosse Neigung zum Spiel. An abstractes Denken ist er nicht gewöhnt; er hat einige Belletristen gelesen und weiss auch viele Stellen aus Salzmann. Bei diesem Bewusstsein traut er sich aber mehr zu, als er sollte, und ist ein wenig stolz darauf.“ Das Einzige, was der Director an ihm anerkennt, ist sein gutes Gemüth. In dem letzten Punkt hat er recht gesehen; denn wenn wir im Rastatter Lyceumsprogramm 1836 das massvolle und anerkennende Urtheil des Lyceumsdirectors Loreye über seinen ehemali— gen Vorgesetzten lesen, so rufen wir unwillkürlich aus: wWelch' edler Mensch! Dass die Regierung nicht gleicher Ansicht mit dem Director war, geht aus der kurzen Characteristik hervor, welche der Prüfungskommissär Brauer einige Jahre später von ihm gab. Sie lautet:„Loreye ist ein heller, ästhetischer Kopf, der aber etwas mehr auf den ästhetischen Zuschnitt seines Lebenswandels hält, als für die Badener engherzige Heiligkeit taugt, und dabei nicht immer die billige Klug- heit beobachtet, vielleicht manchmal wirklich zu frei ist, daher in üblem Geruch bei vielen in Baden steht. Seinem Amt ist er völlig gewachsen und versieht es gut.“ Aber auch schon im Anfang der neunziger Jahre hatte Brauer den Werth des jungen Mannes erkannt und, wie wWir oben gesagt, ihn im Vertrauen zum Bericht über das Badener Gymnasium aufgefordert. Bescheiden, aber frei- müthig äusserte er seine Meinung. Weil sein Bericht auch jetzt noch allgemeines Interesse bietet und den Mann, wie die damaligen Zustände am Gymnasium characterisirt, 80 wollen wir die Hauptgedanken hier anführen. „»In Baden ist man einzig auf Beförderung des Denkens, d. h. eines steifen Formalismus bedacht, während doch alle Seelenkräfte stufenweise ausgebildet werden sollten. Die Direction will selbst in untern Klassen alles streng philo- sophisch bewiesen haben, erreicht aber damit nur das Ge— gentheil; denn so sehr sich die physische Welt gegen alle Bande sträubt, ebensosehr sträubt sich die moralische dagegen. Es thut demnach der Seele des Schülers sehr wehe, wenn sie sich in das enge Kleid eines Syllogismus zwängen soll, das ihr der Lehrer mit Gewalt anzieht, ehe sie durch die natürliche Stufenleiter ihrer Ideen selbst dazu 9 geführt worden ist. Das ganze Lernen geht so zuletzt auf Tabellenwerk hinaus. Wozu aber überall die lateinischen deutschen, griechischen und hebräischen grossen und kleinen A, B, C! Die Seele, so lange sie unverdorben ist, macht von Natur Tabellen, che sie nur das A, B, C verstelt. Mir kömmt es also natürlicher vor, nicht so streng auf den Buchstaben zu dringen, sondern die Seele nur unvermerkt im Gleise ihres ordentlichen Denkens zu erhalten und dem- selben aufzuhelfen. Ich habe dies schon mit bestem Er— tolg versucht; ich nahm mit meinen Schülern in der streng- sten Ordnung ganze Theorien durch, ohne ihnen zu sagen, das ist itzt Ordnung; dann waren sie am Ende im Stande, den Gegenstand ganz natürlich zu skeletisiren, und ich sagte ihnen noch nicht, das ist eine Tabelle.“ Nicht einverstanden ist er mit der Verkürzung der Muttersprache und mit der Behandlung des Lateinischen.„Der lateinische Sprachunter- richt geht auf Zungenfertigkeit nach Jesuitenart hinaus, Was ohne Barbarismen und ohne Schädigung des lateinischen Genius nicht möglich ist. Dabei muss die Sachkenntniss leiden, wenn schon in der zweiten Klasse lateinisch ge- sprochen werden soll. Unverantwortlich ist das Lateinische im Religionsunterricht, der ja das Herz zur Ausübung erwärmen soll. Fleissiges, studirtes Uebersetzen fördert in der ächten Latinität; Dialogisiren und Imitationen über— setzter Stellen dienen am Besten zu Redeéübungen.“ Nach einigen trefflichen Bemerkungen über Schulein- richtungen fährt er bezüglich der Direction fort:„Das Directorium roch bis dahin immer etwas nach Monarchie, die nirgend weniger krommt, als in den Schulen. Da kömmt's nicht bloss auf eine äussere Erfüllung der Gesetze an, sondern hauptsächlich auf's Denken, das ohnmöglich nach einem Kopf geformt werden kann. Ein jeder Lehrer denkt anders, und ein jeder hat andere Schüler. Lehrart und Disciplin müssen ihm in seiner Schule freistehen. Grobe Vergehen sind natürlich allemal der Andung des Directors unterworfen, und freundschaftliche Correctionen und Ermahnungen mögen auch unter dem Jahre nothwendig sein. Aber äusserer Zwang unterdrückt den Geist und der Schüler wird gegenseitig(entgegengesetzt) behandelt. Der Director hat nur den Primat, aber nicht wie Gregor VII. unter seinen Bischöfen, die er sich als Puppen gedacht haben mag. Die Lehrer machen mit dem Direc- torium ein Collegium aus, dessen Beschäftigung ist gemein- schaftlich an der Aufname der Schule zu arbeiten, also gemeinschaftlich und freimütig die Vota zu geben. Hier sieht der Director jeden Widerspruch als eine Läsion seiner Kuthorität an.“ Präfekt Hoffmann, gleichfalls um seine Meinung befragt, stimmt in der Hauptsache der Ansicht Loreye's bei, fügt nur noch hinzu, dass Alth ein amator antiqui- tatis sei und keine Kenntnisse in der neuern Literatur habe. Die Regierung wusste also ganz gut, warum das Badener Gymnasium nicht recht vorwärts kam; aber sie War jetzt noch nicht in der Lage gründliche Abhilfe ge- währen zu können. Der Director blieb aus verschiedenen Gründen; die erkannten Missstände wurden nach Kräften beseitigt. So wurde die Lehrmethode nach allen Seiten hin besprochen. Veraltete Schulbücher wurden abgeschafft und durch bessere ersetzt. Der allzu ausgedehnte theore- tische Vortrag von Regeln der Grammatik, Aesthetik u.s W. durch Hinweisung auf das Practische beschränkt, die aus- giebige Lekture der Klassiker statt der verschiedenartigen fasciculi empfohlen, und für Geographie, Geschichte und Geometrie Fachlehrer, sogenannte Freilehrer bestimmt. Die Promotion der Schüler wurde vom zweiten Jahrescurs an hauptsächlich an den deutschen Aufsatz und lateinischen Styl, der Abgang zur Universität auch an genügende Kennt- nisse in der Mathematik geknüpft. Zur Aufmunterung des Pleisses gab man ausser Jahresprämien auch Monatsprämien und hielt am Schlusse eines jeden Semesters sogenannte actus oratorii. Fleiss und Talent und der wöchentliche lateinische Styl pro loco sollen in den fünf ersten Jahres- cursen den Platz in der Schule bestimmen. Die Zahl der Unterrichtsgegenstände wird durch Entfernung der Natur— lehre und Naturgeschichte, mit denen man nichts anzufangen Wusste, verringert. Die halbstündigen Lehrstunden werden aufgehoben, und der Unterricht wird nach dem täglichen Gottesdienst im Winter von 8—44, im Sommer von 7-½0 und Mittags von 2—4 Uhr gehalten. Französisch wurde im Sommer von 10— 44, im Winter von 1— 2 gelehrt. Ueberdies verlangte man, dass die Schüler im Alter von 44 Jahren in die unterste Klasse eintreten sollten. Zur Vermeidung der Insubordinationsklagen bestimmte man die Rechte des Directors genauer(er darf jetzt noch die Wohnungen der Lehrer zu jeder Zeit visitiren) und über— gibt dem Präfekten die unmittelbare Aufsicht über die Schüler. Hauptsächlich suchte man durch Wiedereinführung der eingegangenen Monatsconferenzen der Schulmonarchie entgegen zu wirken. Die Hauptreform sollte mit der Ein- führung des neuen Lehrplanes erfolgen, an dem Brauer fleissig arbeitete. Etwas halfen diese zeitgemässen Anord- nungen schon, aber es war noch nicht das Rechte. Die Spannung zwischen Diréctor und Lehrer hörte nicht auf, die Monatsconferenzen hatten wenig Erfolg. So standen denn im Jahr 1793 die Dinge am Gym— nasium in Baden nicht zum Besten. Eine directe Anklage gegen die drei besten Lehrer machte das Mass des Un- erquicklichen voll. Der Markgraf hatté sich nämlich auch an einen Vertrauensmann in Baden gewendet, und dieser schrieb:„Der Verfall des Gymnasiums liegt an den Lehrern; sie denken, reden und handeln zu frei, haben Verkehr mit Frauenzimmern und tragen farbige Ueber— röcke; nur ein Mönchsorden kann das Gymnasium recht besorgen, war der Schluss des christlichen Berichtes. Ge- heimer Hofrath Brauer beleuchtete diese Anklage in Vortrefflicher Weise; ebenso gut war die an den Mark- grafen gesandte Rechtfertigung der angegriffenen Lehrer.“ Präfekt Hoffmann, hauptsächlich wegen des sogenannten Patriotismus angeklagt, lässt sich am Schluss seiner Ver— theidigung folgendes Zeugniss von seinen Schülern ausstellen: „Professor Hoffmann hat nicht nur die französische Con- stitution nicht angerühmt, sondern selbe bei jeder Gelegenheit 32 85 in das verdiente hässliche Licht gesetzt und seine Schüler von schwärmerischem Gleichheits- und Freiheitssinn abge- mahnt.“ Folgt die Unterschrift von 15 Logikern, 5 Physikern und 7 Theologen. Professor Stephan weist nach eingehender Rechtferti- gung auf die Quelle dieser Verdächtigungen hin und findet sie im Hause des Directors. Er stellt diesen als Freund von Betschwestern und boshaften Andächtlern hin, als leichtgläubigen Mann, der so ganz erztheologisch(ipsissima verba sacerdotis) jede Handlung, wenn sie immer von zwei Seiten betrachtet werden kann, allzeit von der schlechten Seite betrachtet. Professor Loreye sagt unter Anderm in seinem herrlichen Vertheidigungsbrief:„Auf die Anklage, ich gehe mit Frauen— zimmern um, erwiedre ich: Ja, ich gehe in Gesellschaft gesitteter und rechtschaffener Frauenzimmer und Herren, weil es Unsinn wäre zu verlangen, der Geistliche soll auch mit rechtschaffenen Frauenzimmern in keiner Art umgehen. Mein munteres, aber bisweilen zur tiefsten Melancholie geneigtes Gemüth braucht Gesellschaft. Ich will jedoch lieber mein Leben als Anachoret vertrauern, als den Zirkel meiner Confratres, in dem das Menschencensiren Hauptsache ist, zur Erholung wählen. Leider ist das Locale von Baden so, dass man vielleicht nicht wohl anders vom Tadel der Bösen sich entfernen kann, als wenn man die Rolle eines Pharisäers oder eines Jesuiten spielt; und welcher Ehrliche würde sich wohl dazu verstehen, wenn er anders nicht Gefahr laufen wollte, den Kredit bei seinem Gewissen und bei den guten Menschen zu verlieren? Auf den Vorwurf, ich trage gewöhnlich einen gefärbten Rock, habe ich zu antworten: Weil ich den Talar nur als eine Amtskleidung betrachte, so verwechsle ich meinen unbequemen langen Rock mit dem kurzen gefärbten, sobald ich aus der Kirche oder Schule komme. Ich glaubte hierin secundum con— scientiam omnino certissimam und nach dem Beispiel anderer Weltgeistlichen in Baden handeln zu dürfen. Euer Hoch- fürstliche Durchlaucht vergeben mir, wenn ich zu freimüthig 3 * bin, hierüber meine Gedanken zu äussern. Es däuchte mir klüger, die geistlichen Consistorien sähen weniger auf Kleidung, Tonsur, Beuge und Gang der Geistlichen und genauer darauf, dass sie nach dem wahren Geiste des Evangeliums immer bessere Menschen würden. Der Genius der Zeit und die Kultur der Humanität erfordern etwas Wichtigeres. Endlich hat auch die Oeconomie eine dringende Klage hier einzuwenden. Ich kann mich nicht dazu ver— stehen, mich wie mancher Landpfarrer, in schwarze Lumpen zu kleiden, und die Unterhaltung einer reinlichen schwarzen Kleidung ist immer mit doppelten Kosten ver— bunden.“ Er schliesst seinen Brief mit der nochmaligen Bitte, der Markgraf möchte ihm seine freimüthige Sprache nicht ver— übeln.„Wo darf ich mit mehr Zutrauen und Freiheit sprechen, als vor meinem mildesten Landesvater?“ Der mildeste Landesvater, als dessen gehorsamstes Landeskind sich Loreye unterschreibt, sah das Unrecht ein, welches man braven Männern zufügen wollte; sie wurden gegen alle Angriffe geschützt, und der Sturm, welcher auf nichts Ge- ringeres hinauslief, als das Lehrinstitut den Mönchen in die Hände zu spielen und den alten Mönchsgeist an die Stelle der edleren freiern Denkweise zu setzen, dieser ganze Sturm brach sich an der Weisheit und Milde des Fürsten. Iu den innern Schwierigkeiten der Schule kamen noch äussere. Der Krieg mit Frankreich brachte Kranke und Verwundete nach Baden, die aus Mangel an Raum im Gymnasium untergebracht wurden. Die Lehrer waren ge— nöthigt ihren Unterricht entweder in ihrem Hause oder in andern unzulänglichen Localen zu ertheilen, was natür— lich die Erfolge derselben auch nicht erhöhte. Endlich sollte aber für das Gymnasium in Baden nach langem Ringen und Kämpfen die Stunde des Sieges schlagen. Der längst entworfene und allseitig berathene neue Schul- plan wurde seiner Ausführung näher gebracht. Gestützt auf das Rescript vom 14. Februar 1775 hatte man darnach gestrebt eine sogenannte Realschule oder Bürgerschule zur Heranbildung eines besser geschulten höhern Bürgerstandes mit dem Gymnasium zu verbinden. Sie wurde im Jahr 1795 gegründet und hatte folgende Zinrichtung: Der Schulcurs dauert 4æ Jahre, beginnt nach vollendetem neunten und endet nach zurückgelegtem dreizehnten Jahre; mit diesem Lebensjahr war auch der Unterricht in der Volksschule zu Ende. Als Vorbedingnisse der Aufnahme gelten für Realisten und Studenten: Der Schüler muss Deutsch buchstabiren und lesen können, die lateinischen Buchstaben kennen, das Numeriren und die Formation der Buchstaben im Schreiben innehaben. Wer die Kennt- nisse der J. Realklasse nachgewiesen, kann auch gleich in die II. aufgenommen werden, aber in keine höhere mehr; zum Ascens in diese gehört der regelmässige Curs in den vorhergehenden Schulen. Die Lehrgegenstände sind kolgende: Religion, Deutsche Sprache, Französisch, Rechnen, Geometrie, Physik, Vernunftlehre, Geschichte, Geographie, Schreiben, Bau- und Modellzeichnen, Freihandzeichnen(frei- willig), Clavier und Gesang. In der Physik und Vernunft- lehre wurden den Schülern des vierten Jahres nur die Anfangsgründe mitgetheilt. Die Zinrichtung war so ge- troffen, dass die höhern Bürgerschüler in die passenden Klassen des Gymnasiums eingeschoben wurden, theilweise bis in die Klasse der Rhetoren; nur Bau- und Modell- zeichnen wurde von ihnen allein geübt. Ihre wöchentliche Unterrichtszeit belief sich, Musik, Gesang und Zeichnen nicht gerechnet, bei der I. Klasse auf 20, II. 23, III. 26 und IV. 28 Stunden. Vacanztage hatten sie wie die Gymnasiasten am Dienstag und Donnerstag Nachmittag. Die Promotion entscheiden die Fortschritte im Schreiben und Rechnen, als den Grundkenntnissen zur Brauchbarkeit im gemeinen Leben. Von dieser Einrichtung versprach man sich die besten Folgen sowohl für die Bildung im Allge- meinen, als auch ganz besonders für das Gymnasium, indem durch die gesteigerte Frequenz desselben die Theil- nahme des Publikums und der Eifer der Schüler ge- hoben werden sollte. Nachdem die Realschule geordnet 3* war, erfolgte mit dem Jahre 1796 auch die Einführung des neuen Schul- und Lehrplanes für das umgestaltete Gymnasium. Er war aus sorgfältigen Berathungen des Lehrercollegiums mit der Regierung und aus der Benützung auswärtiger Studienpläne hervorgegangen Die wesentlichsten Grundzüge desselben sind folgende: Das Gymnasium besteht fortan aus 4 Klassen mit je zweijährigem Cursus. Die Logiker und Physiker, welche früher die Ordnung der Exemten bildeéten, machen jetzt die IV. Klassé aus und heissen Novizen und Veteranen. Der Schematismus oder Stundenplan der Anstalt war etwas complicirt, weil die höhern Bürgerschüler an einzelnen Unterrichtsfächern An- theil nahmen. Die Unterrichtsgegenstände umfassten Re- ligion, deutsche, lateinische, griechische, hebräische und französische Sprache, Krithmetik, Mathematik, Physik, Ge- schichte, Philosophie, Musik, Gesang, Modell- und Frei— handzeichnen für Liebhaber, Schreiben. In den Religionsstunden der untern Klassen wird ein Hauptgewicht auf biblische Geschichte gelegt, in den mitt- lern und obern auf Katechismus, Glaubens- und Pflichten— lehre Im Deutschen müssen die zwei ersten Jahrescurse mit Ausdruck lesen und den Periodenbau sprachrichtig zusammensetzen, der dritte und vierte Curs auf die Regeln der Sprache in Absicht auf deren Reinheit wohl merken, dabei vorerzählte, ihrer Fassungskraft entsprechende Dinge zu Papier bringen lernen; der fünfte und sechste Jahres— curs muss eigene Aufsätze für das gemeine Leben, als Briefe, Conto und dergleichen richtig zu verfassen angeleitet werden. Im Latein sind die Stunden der beiden Abtheilungen jeweils theils getrennt, theils gemeinschaftlich. In den ge- trennten Stunden der vier obern Jahrescurse wird der theoretische Theil der Grammatik behandelt, und zur prac- tischen Anwendung werden aus Chrestomathien geeignete Stücke durchgegangen. Die gemeinschaftlichen Stunden müssen hauptsächlich der practischen Befähigung im Ver— stehen und Vertiren ganzer Autoren, wie Cornelius Nepos und Justin im dritten und vierten Jahrescurs, Tacitus de. moribus Germanorum und Plinii Briefe im fünften und sechsten, Horaz und Cicero de officiis bei den Exemten abwechselnd gewidmet sein. Im Griechischen wird die Separatstunde zunächst für die theoretische Befähigung, die gemeinschaftliche für Uebungen im Exponiren gebraucht. Im Französischen hat die I. Klasse die Formenlehre, die II. hauptsächlich Ueber— setzungen aus dem Französischen in's Deutsche, die III. endlich Uebersetzungen aus dem Deutschen in's Französi— sche zu üben. Im Rechnen soll der erste Curs die vier Species in unbenannten, der zweite in benannten, der dritte die Regel de Tri in ganzen Zahlen und die vier Species in Brüchen, der vierte endlich die Regel de Tri in gemischten Zahlen und Gesellschaftsrechnungen absolviren. Der fünfte Curs befasst sich mit den mathematischen Rechnungsprincipien und Arten. Die Physik wird in 2 Abtheilungen gelchrt,) in einem Vorbereitungscurs, der sich mit den hauptsächlichsten wirken- den Kräften in der Natur befasst mit Hinsicht für die daraus abzuleitende Vorsicht gegen abergläubische aus deren Unwissenheit entstehende Täuschungen, 2) in einem wissen— schaftlichen Curs bei den Novizen und Veteranen. Die Vernunftlehre, welche im sechsten Jahrescurs und noch für Realisten des vierten Jahres gelehrt wird, befasst sich mit einer allgemeinern Darstellung der Hauptwahrheiten in populärem Vortrag; die streng wissenschaftliche Philo- sophie bleibt den Exemten. In der allgemeinen Weltge— schichte hat der erste Curs die Geschichte von Anfang bis vor Christus, der zweite bis Columbus, der dritte bis auf die neueste Zeit nebst Reflexionen über die Geschichte zu lernen. In einer Stunde wird aus der badischen Geschichte von Jakob's Zeiten an das Wichtigere gelernt. Von der Erdbeschreibung wird vom ersten Curs die Kenntniss der gemeinen geographischen Generalbegriffe, sodann die allgemeine Beschreibung von Europa und Deutsch- land mitgetheilt, der zweite Curs umfasst die naturhistorischen 8 Vorbegriffe der Geographie und die Spezialbeschreibung von Deutschland nach seinen 10 Kreisen, der dritte Curs die übrigen europäischen Reiche, der vierte endlich die mathe- matischen Vorbegriffe der Geographie und die übrigen Welt- theile ausser Europa; der Repetitionscurs dient zur zeitweisen Auffrischung des Gelernten. In der Messkunst lernt der erste Curs die Längenmasse, der zweite die Flächenmasse, der dritte die Körpermasse kennen. Der Vortrag muss fasslich und anschaulich sein, keine tieferen mathematischen Be— weise anstreben, welche erst die Exemten zu liefern haben. Bezüglich der Promotion der Studenten wurde Be— fähigung in der Sprache und im Ausdruck der Ge— danken als Haupterforderniss hingestellt. Zugleich wird testgesetzt, dass die Promotion von einer Abtheilung in die andere weniger streng genommen werden soll, als die von einer Klasse in die andere. Der Klassenlehrer, der in beiden Abtheilungen einer Klasse derselbe ist, entscheidet mit dem Schuldirector über die erstere; zu der letztern ist ausser diesen der Lehrer der folgenden Klasse, der die entsprechende Promotionsarbeit zu stellen hat, beizuziehen. Wer aus der obersten Klasse in die Ordnung der Exemten aufsteigen will, muss einen guten deutschen Aufsatz und eine kurze Erzählung in gutem Latein verfertigen können. Hat der Schüler in den übrigen Fächern keinen Fleiss und keine Aufmerksamkeit gezeigt, so ist das ein Hinde- rungsgrund zur Promotion. Die schriftlichen Promotions- Arbeiten müssen unter den Augen des Lehrers gefertigt und von diesem corrigirt dem Director eingehändigt werden. Ungeachtet der Fehler kann aber der Schüler promovirt werden, wenn er im Stande ist, die unterstrichenen Haupt- fehler als solche nachzuweisen. Kann er das nicht, besteht aber doch auf der Promotion, so hat er einen Revers zu unterschreiben, dass er das nächste Jahr repetiren müsse, Wenn er durch Privatstunden seine Aufgabe nicht gelöst hat. Die Aufnahmsbedingungen sind die gleichen wie bei den Realisten, nur soll es mit dem Alter der aufzunehmenden Studenten nicht so streng genommen werden. Unter dem „ Schuljahre soll keine Aufnahme stattfinden. Um einen Einblick in den Lehrplan zu gewähren, fügen wir noch die einem jeden Gegenstand wöchentlich gewidmete Stunden- zahl bei. Vergleiche Beilage III. Das sind ungefähr die Hauptbestimmungen des neuen Lehr- und Schulplan's für das Gymnasium; die Ordnung bei den Exemten blieb dieselbe, wie bisher. Der ganze Gymnasialcurs umfasste somit 8 Jahre. Das Lehrercollegium, dessen Besoldungen erhöht worden waren,(Loreye und Seiler wurden Stiftsvicare), sprach seine Zufriedenheit mit der neuen Einrichtung aus und War trotz 28 wöchentlichen Schulstunden für einen Professor und trotz Predigten bereit, alle seine Kraft zur Hebung des Gymnasiums aufubieten. Für den im Spätjahr 1795 als Pfarrer nach Muggensturm abgegangenen Präfekt Hoffmann übernahm Professor Maier die Mathematik und Physik bei den Philosophen. Das Amt eines Präfekten und das Studium der Theologen hörte mit 1796 in Baden auf; die letzten 3 Theologen gingen zur Vollendung ihrer Studien mit Hoffmann nach Muggen- sturm. Das Lehrerpersonal bestand 1796 aus folgenden Männern: Alth, Director, Stephan, Professor, Maier, 3 Loreye, 5 Reeber, 5 Seiler, 8 Bless, 5 Pascal, 5 für Französisch und Rechnen, Lump, Musikdirector in Baden. Dazu kam bald Schaffroth für Freihandzeichnen und Wagner für Modell- und Bauzeichnen. Jetzt waren Lehr- und Schulplan nach dem damaligen Bedürfniss der Schule geordnet, aber noch wollte der alte Director nicht weichen. Die Regierung zögerte mit seiner Entfernung, obgleich sein Verbleiben eigentlich ein Ana- chronismus war. Noch im Jahre 1796 machte er nämlich dem Markgrafen den Vorschlag, die ganze Schule mit dem neuen Lehrplan einer geistlichen Ordensgesellschaft zu übergeben, oder wenigstens die im Collegium wohnenden Lehrer unter Klösterliche Zucht und Aufsicht zu stellen. Um das Gymnasium möglichst zu sichern und Zerwürf— nissen der Lehrer mit dem Director vorzubeugen, wurde das gegenseitige Verhältniss genau festgestellt; namentlich wurden den Lehrern mehr Rechte in Beziehung auf ihre Schüler eingeräumt. Die Dinge waren jetzt so geordnet, die Lehrer 80 willig, dass man mit froher Hoffnung einer guten Zu— kunft hätte entgegensehen können, wenn nur die Zeitver— hältnisse nicht so ungünstig gewesen wären. Immer wurde das eigentliche Schulgebäude noch für die kaiserlichen Soldaten als Lazareth benützt,(4798 erst geräumt) und jetzt kam auch der Einfall der Franzosen dazu. Am 4. Juli 1796 kamen die Franzosen nach Baden, nachdem sie vorher bei Kebl über den Rhein gegangen, die Reichsarmee und Oestreicher gesprengt und zum Rück- zug gezwungen hatten. Die meisten grössern Studenten begaben sich aus Furcht, unter die französischen Soldaten gestéeckt zu werden, auf die Flucht. Etwa nach 3 oder 4 Wochen sammelten sich einige, mit denen man den Unterricht wieder anfing und Prüfung hielt. Sie fiel leid- lich aus, verdiente die nota mediocritatis, wie der Director meinte. Es waren von 50 Schülern nur 17 Lehrlinge und 11 Principisten anwesend. Die Regierung, unter den da- maligen Zeitumständen zufrieden, dass die Schule nicht ganz stille stand, begnügte sich mit dem Resultat und hoffte für die Zukunft. Sie täuschte sich nicht; schon der Bericht des Regierungskommissärs von 1797 sagt:„Mit dem Befund des Unterrichts und dem Bemühen der Lehrer hatte ich alle Ursache zufrieden zu sein; sie suchen jetzt harmonischer zusammen zu wirken, auch schicken sie sich mehr in den Director.“ Der Schüler waren freilich wenige, zusammen 34. In den zwei philosophischen Cursen je zwei, in den 4 obern Klassen nur 14, davon einer in der VI., einer in der V., zwei in der IV., sieben in der III. Klasse. Unter dieser geringen Anzahl fand man nur mit Mühe geeignete Leute, die 6 jährlichen Stipendien, 4 zu 25 fl. und 2 zu 15 fl. würdig anzubringen. So lange die Theologen dagewesen waren, bestanden noch 4 theologische Stipendien zu je 100fl Diese geringe Frequenz, welche auch im Jahr 1798 und 1799 sich nicht steigerte, war die Folge der unruhigen Jeitverhältnisse. War die Zahl übrigens auch klein, 80 konnte man in diesen Jahren doch mit Befriedigung auf den literarischen und sittlichen Fortschritt der Schüler sehen. Nicht die Quantität, sondern die Qualität macht die gute Schule aus. Eine wichtige Veränderung ging im Spätjahr 1798 an der Schule vor. Director Alth trat von seinem Posten zu— rück und Pfarrer Hoffmann von Muggensturm, den wir schon als Professor kennen gelernt haben, bekam auf den Wunsch der Lehrer die Leitung. Die Pfarrei Muggensturm und die von Alth verschene Landschuldirection übernahm Professor Reeber. Schon im Frühjahr 1799 starb Alth; sein Vorgänger im Amt, Director Brandmeyer, war 1796 gestorben. Alth war ein eifriger Schulmann gewesen und hat sich, abgeschen von seinen Verdiensten um die Hebung des Volksschulwesens, auch bleibende Anerkennung für seine Thätigkeit am Gymnasium erworben. Jedenfalls ver- dankt ihm die Schule mehr Zucht und Ordnung. Das Gymnasium unter dem Director Hoffmann 1798 1805. Wir sind bisher der Entwicklung des Gymnasiums ge— folgt, haben es auf seinen unsichern Wegen nach der Auf— hebung des Jesuitenordens begleitet, sahen, wie es den alten jesuitischen Geist nach und nach überwand und sich nach hartem Ringen eine dem Zeitgeist entsprechende Stellung erkämpfte. Jetzt steht es, Dank der unermüd- lichen Thätigkeit und Umsicht der Regierung, Dank der hingebenden Berufstreue der Lehrer, fest und sicher da; 8 es hat die gefährliche Jugendzeit hinter sich und tritt in's Mannesalter ein, in die Periode einer geregelten, nützlichen Thätigkeit. Der Wechsel im Directorium war für die An— stalt kein schlimmer. Hatte man auch im Collegiatstift, dessen Scholaster der neue Director wurde, Scheu vor seinem etwas finstern und unverträglichen Wesen, in der Schule schätzte man seine grossen Fähigkeiten, seine Ge- lehrsamkeit, seine unermüdliche Arbeitskraft. Die Lehrer thaten ihre Pflicht, die Schule gedieh und gewann Zutrauen. Zu dem innern Glück kam auch das äussere. Was man schon seit Jahren erstrebt und zum Theil angebahnt hatte, das trat q̃etat ein. Das Gymnasium wurde mit dem Collegiat- stift vereinigt. Ueberzeugt von der Richtigkeit des Satzes, dass es ſt'einèe guten Schulen gibt ohme rechtèe Besahlung der Lehrer, hatte sich die Regierung schon längst mit dem Gedanken getragen, durch eine Verschmelzung der armen Schulstellen mit den einträglichen Stiftspfründen einerseits der Schule aufzubelfen, anderseits den behaglich lebenden Stiftsherren ein schönes Feld der Thätigkeit zu eröffnen. Der Anfang dieser Vereinigung war schon gemacht worden, indem die bisherigen Directoren zugleich Stiftsämter be— kleidet, und einige Professoren anno 1797 Stiftsvicariate erhalten hatten. Die Gelegenheit zur völligen Ausführung des Planes bot sich nun durch rasch aufeinander folgende Todesfälle im Stift. Die Regierung liess diesen günstigen Zeitpunkt nicht unbenützt vorübergehen. Manche Schwierig- keiten mussten zwar überwunden werden, aber die Vereini- gung kam zu Stande: aus dem Collegiatstift wurde im Jahr 1800 ein Schulstift. Nach einigen Schwankungen wurde schliesslich der bis- herige Stiftsscholaster und Gymnasiumsdirector Hoffmann Probst und Gymnasiumsdirector, die Professoren Maier, Loreye und Werk wurden Canonici, die Professoren Kapp- ler sen., Seiler und Kappler jun. Stiftsvicare, die Professoren Lenz und Axtmann Supernumerarvicare. Nur die drei weltlichen Professoren Aloys Schreiber(von 1799—4805 wieder Lehrer am Gymnasium), Pascal und Bless blieben aus dem Verband, erhielten aber Aufbesserung. Durch diese Vereinigung war es möglich geworden die eingegangenen theologischen Studien wieder aufzunehmen, das Fachlehrer- System mehr auszubilden und den Lehrplan theilweise zu erweitern, ohne die Lehrer besonders zu überbürden. Das wöchentliche Stundendeputat eines Professors betrug jetzt 20 bis 24 Stunden. Kalligraphie und Rechnen wurde von nun an auch in der ersten Klasse gelehrt; die Reli— gions- und Lateinstunden wurden etwas vermindert. Ueber— haupt macht sich die Neuzeit mit ihren practischen An- forderungen schon mehr geltend; der rein kirchliche Character des Gymnasiums schwand trota geistlichen Lehrern zusehends; der übermässige Kirchenbesuch der Schüler hörte auf. Es wehte allenthalben ein neuer Geist, und der äusserte seine Wirkungen auch in der Schule. Die gemeldete Veränderung trug dem Gymnasium gute Früchte. War die Zahl der Schüler auch immer noch nicht bedeutend(1800 zusammen 47, 1801 mit 4 Theologen und 6 Realisten zusammen 62), so war ihre Qualität im Allge- meinen gut. Doch damit begnügte sich der Magistrat nicht, die Zahl sollte grösser werden. Im November 1802 bittet er den Markgrafen, auch noch das geistliche Seminar in die Stadt zu verlegen, was ihm aber abgeschlagen wird. Serenissimus versichert ihm nur, dass die Lehranstalt in Baden erhalten bliebe, was für sonstige Veränderungen der jüngst geschlossene Friede von Luneville auch mit sich bringen werde. Die Mediatisirungen und Säcularisir- ungen im grossartigen Styl blieben bekanntlich nicht aus. Manches Kloster und Stift in unserm Lande verfiel der eisernen Zeit, das Collegiatstift in Baden erhielt sich. Seine Rettung verdankte es hauptsächlich der seit zwei Jahren erfolgten Vereinigung mit dem Gymnasium. Es wurde jetzt ein wirkliches Schulstift und das Gym- nasium wurde seit 1803 Lyceum geheissen. Der Unter— richt wurde den Stiftsgeistlichen zur Hauptsache gemacht. „Nicht mehr im Chorsingen wie vorhin, so heisst es im vierten Organisationsedict, sondern in der Besorgung des Unterrichts am Gymnasium besteht von nun an die wesent— liche Bestimmung und Pflicht der Stiftsgeistlichen.“ Ver— säumniss oder ungenügende Erfüllung dieser Pflicht zieht Geldstrafe oder unter Umständen auch Entfernung der jüngern Lehrer von der Anstalt nach sich. Das lästige Chorsingen hört zur Freude der Professoren auf. Das grosse Publikum in Baden dagegen war ärgerlich über diese Neuerung, weil es eine Schädigung der Religion darin erblickte. Ebenso wurde das viele Kirchengehen den Stifts— herren erlassen; sie hatten nur noch die Verpflichtung, alle Fest- und Sonntage die Predigten zu halten und den Ly— ceumsgottesdienst zu besorgen. In demselben Organisationsedict wurde auch die Auf— hebung des Studiums der Theologie in Baden angekün— digt. Für den Lehrkörper brachte dieser Wegfall eine Erleichterung des wöchentlichen Stundendeputats(je 18 Stunden). Waren die bisher berichteten Veränderungen, welche in Folge des Friedens eingetreten, für die freie Entwick- lung der Schule nur erfreulicher Art gewesen, so haben wir jetzt eine zu melden, welche dem Lyceum einen harten Verlust brachte. Der seitherige Prüfungskommissär, Staats- rath Brauer, der Reformator und geistige Vater des Gym— nasiums, hatte die Organisation des bedeutend vergrösserten Landes übernommen und musste seine Thätigkeit für die Schule in Baden aufgeben. Was dieser edle und hochgebil- dete Mann dem Gymnasium in Baden war, hat unser vielge- nannter Loreye im Rastatter Lyceumsprogramm 1836 mit kindlicher Dankbarkeit und mit inniger Herzlichkeit ausge- sprochen. Wir verweisen auf seine schmucklosen und doch so ergreifenden Worte. Auch in seinem neuen Wirkungs— kreis vergass jedoch der treffliche Mann seine Kinder nicht, er sorgte für guten Ersatz durch Schulrath Brunner. Dieser wandelte die Wege seines Vorgängers, legte überall die bessernde Hand an und hob namentlich den griechischen, lateinischen und hebräischen Unterricht durch Berufung geeigneter Lehrer. Um die bisherige Eintracht und das freudige Zusammen- wirken der Lehrer zu erhalten, musste man sich im Jahr 4805 zur Entfernung des Directors Hoffmann entschliessen. Dieser Mann, der einmal den Markgrafen um die Gnade bat, nicht jedem Bösewicht, den er als Director strafen müsse, geneigtes Ohr zu leihen, war zu heftig, und zu eigenwillig. Er machte an sich selbst die grössten An- forderungen, stellte dieselben aber auch an die Lehrer; der segensreichen Thätigkeit des Lyceums drohte daher neues Unheil. Die Regierung beugte diesem vor durch Berufung des geistlichen Raths und Gymnasiumsdirectors Jüllich von Bruchsal. Die letzte Zeit des Lyceums in Baden unter Director Jüllich. Mit der Entfernung Hoffmann's erlitt die Anstalt keine wesentliche Veränderung Jüllich brachte durch seine Liebe und Freundlichkeit die gährenden Elemente bald Wieder in's rechte Geleise. Aber es begegnete jetzt der Regierung das Gleiche, was sie nach der Berufung Alth's schon ein- mal getroffen hatte. Der neue Direèctor war zwar ein ver— ständiger Mann und würdiger Geistlicher, zur Führung der Direction aber viel zu kränklich und mit der Literatur, zumal mit der klassischen, nicht vertraut genug. Die nach- theiligen Folgen blieben nicht aus. Die Regierung musste bald wieder an einen Wechsel denken, den sie jedoch auf eine gelegene Zeit verschob. Diese bot sich im Jahr 1868, als der schon seit längerer Zeit vorbereitete Plan der Ver- legung des Badener Lyceums nach Rastatt 2ur Ausführung kam. Die Gründe, welche die Regierung zu diesem wich- tigen Schritte veranlassten, mögen in Folgendem zu suchen sein: Die Zahl der Lyceisten war allmälig auf 80—90 ge- stiegen. Bei der zunehmenden Frequenz der Badgäste und bei der geringen Ausdehnung der Stadt(Baden zählte 1808 nur 2500 Einwohner) konnten die jungen Studenten, die nicht bei ihren Eltern wohnten, nur um schweres Geld Wohnung und Kost finden. Mit der Belebung des Badeortes stieg auch die Anstrengung der Regierung und der Bürger- schaft, den Gästen, die so viel zu verdienen gaben, den Aufenthalt angenehm zu machen. Es wurden mehr Fest- lichkeiten, Vergnügungen und Zerstreuungen geboten, als der studirenden Jugend gut that. Die täglich wechselnden Bilder, welche das Leben nur von der heitern, bisweilen auch von einer für das jugendliche Alter gefährlichen Seite zeigten, waren nach der Meinung der Regierung nicht dazu angethan, die für ernste Studien so nöthige Geistes- sammlung zu fördern, und in den weichen Jünglingsseelen jenes heilige Feuer für alles Grosse und Edle auf der Welt zu entzünden, das auch im spätern Mannesalter noch fort lodert und sich äussert im Kampf für das Gute, Wahre und Schöne. Aus pädagogischen und politischen Gründen, wie es in den Acten heisst, hielt man die Verlegung des Badener Lyceums für nützlich, ja für nothwendig. Rastatt war der erkorene Platz. Dort bestand schon seit dem Anfang des 18. Jahrhunderts das Gymnasium der Piaristen. Da das beginnende 19. Jahrhundert den Kloster- und Mönchsschulen nicht besonders huldigte, so musste auch die Rastatter Piaristenschule fallen, und an ihre Stelle sollte das Badener Lyceum kommen. That denn die Stadt Baden nichts zur Erhaltung ihrer Schule? Sie wehrte sich tapfer, aber umsonst. Schon im Jahr 1802, als das Gerücht von dieser Verlegung verbreitet wurde, rührte sich der Magistrat, um das drohende Uebel abzuwenden. Er hatte, wie wir oben gehört; auf seine Bittschrift die Versicherung erhalten, Serenissimus sei weit davon entfernt, die in Baden befindliche Gymnasiastische Anstalt von dort wegzuziehen. Mit diesem Bescheid begnügte man sich vorerst. Die Gerüchte tauchten aber immer wieder auf, und als sie end- lich im Jahr 1806 greifbarer wurden, und die Regierung mit der Verwirklichung derselben umging, da erfolgten von Badens Bürgerschaft die kräftigsten Schritte zur Erhaltung der Schule. Man erinnerte an die gegebene Versicherung, suchte den pädagogischen Grund, als ob der Badeort kein geeigneter Platz für eine höhere Studienanstalt sei, durch den Hinweis auf die gute Moralität der Studirenden zu entkräften, und machte aufmerksam auf die schöne Um- gebung, auf die Ruhe Badens, als wichtige Förderungs- mittel der Bildung. Ueberdiess betonte man namentlich den Mangel an sonstigen hinreichenden Erwerbsquellen, weil ja die Badezeit nur einige Monate daure, und der Besuch des Bades, als von der Mode und von Naturereig- nissen abhängig, ein unsicheres Brod gewähre. Die Badener Bürger betheuerten, dass ihnen die gute Erziehung der Kinder näher liege, als der blosse Geldgewinn durch die Bäder, und wiesen zuletzt auf die in Baden befindliche Ahnengruft der badischen Markgrafen und auf die von der Bürgerschaft stets bewiesene Treue hin. Wir flehen Eure Königliche Hoheit an, schliesst eine der vielen Bittschriften, unsere Treue aufzufordern in den Stunden der Gefahr, wir flehen aber auch mit gerechtem Vertrauen, uns das nicht zu entziehen, ohne welches jeder Vater mit einem schmerz- lichen Gefühl auf seinen neugeborenen Sohn hinblicken müsste. Vergebens. Es mochte dem guten Fürsten unendlich leid thun, selbst dann nein zu sagen, als die Bürgerschaft seine Barmherzigkeit anflehte, durch Entziehung der Schule doch nicht einen grossen Theil von ihnen an den Bettel- stab(sic) zu bringen. Allein die Regierung hielt die Ver- legung für eine Nothwendigkeit, und so musste des Fürsten Herzensgüte vor den Anforderungen der höhern Staats- weisheit schweigen. Die Verlegung wurde am 30. Mai 1808 beschlossen und im Spätjahr zur Ausführung gebracht. Das Stift wurde nicht zugleich mit der Schule verlegt Die ältesten Mit- glieder, die keine Lehrer waren, blieben als Pensionäre in Baden; die Stiftshäusser wurden mit Ausnahme dessen, welches für den Stiftspfarrer und seine Capläne bestimmt War, verkauft, und der Ertrag dem Rastatter Lyceumsfond zugewiesen. Dieser bildete sich aus dem Badener Schul“ oder alten Jesuitenfond, aus dem grössten Theil des Badener „ Collegiatstiftsvermögens und aus den Gütern und Einkünften der pensionirten Piaristen in Rastatt. Nachdem die baulichen Herstellungen im Piaristen-Gym- nasium in Rastatt beendigt waren, verliessen die Lehrer im November 1808 die ihnen befreundeten Auen und Wälder und Berge und Thäler nicht ohne Thränen, wie Loreye sagt. Mit dem Lyceum wanderte auch das bisher mit ihm verbundene, aber schwach besuchte Präparandeninstitut für katholische Volksschulen nach Rastatt aus und wurde der Direction des nach Rastatt berufenen Stadtpfarrers Demeter anvertraut. Zurück blieben nur die Professoren Bless und Pascal nebst dem Zeichnungslehrer Schaffroth. Am 15. November begann der Unterricht in Rastatt unter der Direction des geistlichen Rathes Jüllich, dem aber schon im Frühling des folgenden Jahres der bisherige Stiftscholaster Maier als Lyceumsdirector folgte. Die Schule entwickelte sich rasch zu einer der ersten Lehranstalten des badischen Landes, welchen Rang sie auch heute noch beanspruchen darf. Das Pädagogium in Baden von 1809—1836. So war denn das Lyceum, dessen schöne Wirksamkeit wWir im letzten Abschnitt behandelt haben, aus seiner ur— sprünglichen Heimath ausgewandert und wendete jetat seine Segnungen dem benachbarten Rastatt zu. Es hatte Alles, Was nicht niet- und nagelfest war, zum Behufe seiner häus- lichen Einrichtung in der Murgstadt mitgenommen, und den Badenern blieb nichts, als die Trauer um das Verlorene. Zum Trost und zur Beruhigung der Gemüther hatte man ihnen ein Pfarrstift und eine mit demselben in Verbindung stehende Schule zugesagt. Die Eröffnung dieser neuen Anstalt, welche Lateinschule oder Pädagogium genannt Wurde, erfolgte erst am 10. Kpril 1809, nachdem die Be- hörden in Baden wiederholt auf den traurigen Zustand ihres Schulwesens aufmerksam gemacht hatten. Nach höchstem Willen sollte die neue Schule eine bürgerliche Vollendungsschule werden, aus welcher der gebildete Bürger hervorgehe; sie sollte aber auch eine wissenschaftliche Vor- bereitungsschule für solche sein, die später an Lyceen oder Gymnasien ihre Studien fortsetzen wollten. Diesem doppelten Zwerk entsprechend wurde auch die Schule und der Unterricht eingerichtet. Das Pädagogium bestand aus 2 Klassen mit je 2 Abtheilungen oder Jahres- Cursen. Die Lehrgegenstände umfassten: Religion, deutsche, lateinische, griechische und französische Sprache, Geschichte, Naturgeschichte mit Technologie, Geometrie, Geographie, Rechenkunst, Schönschreiben, Zeichnen, Gesang und Musik. Auf den letzten Unterrichtszweig hatte man von jeher in Baden viel verwendet, und er wurde auch an dieser magern Schule noch besonders berũcksichtigt. Mit Selbstgefühl verkün⸗ det der Musikmeister im Verzeichniss der Prüfungsgegenstände Pro 1844: Jeder wird sich auf seinem Instrumente hören lassen. Die lateinische Sprache blieb auch am Pädagogium Hauptlehrgegenstand, wiewohl dasselbe zugleich eine bürger- liche Vollendungsschule sein sollte. Die Erlernung der neuern Sprachen und der Naturwissenschaften lag eben damals noch nicht im Zug der Zeit, und in Baden übte das Lyceum noch seine Nachwirkung. Folgender Stundenplan wird zeigen, wie sehr die übrigen Unterrichtsfächer gegenüber dem Lateinischen zurücktreten. I. Classe. II. Classe. 1. Abth. 2. Abth. I. Abth. 2. Abth. Wäöchentliche Stunden Wöchentliche Stunden. Lehrgegenstände: Getrennt. Gemeinschaftl. Getrennt Getrennt. Gemeinschaftl. Getr. Religion. 3—— 3— Deutsckhkhk. 2—— 2— Lateinisenk 8— 6— 6 Geichiesekk——— 1— 2 Französiscch 2—— 2— Geschichte 1— 1— 2— Geographie 2—— 1— Naturgeschichte— 1—— 2 Arithmetik— 2—— 2— Geometrie———— 1— Kalligraphie wahrscheinlich 2——ͤ— 2— Zeichnen Im Ganzen 4 Stunden. Gesang. 5 5 1 Stunde. Musik. 5 5 8 Stunden. — 303— Dieser Stundenplan wurde bis zum Jahr 1836 ohne merkliche Veränderungen beibehalten. Dem Griechischen räumte man z. B. im Jahr 1824 eine wöchentliche Unter- richtsstunde in der IJ. Klasse ein. Was den Lehrplan be- trifkt, so ist derselbe von unsern Einrichtungen bis in die sechziger Jahre nicht wesentlich verschieden. Nur bei der Behandlung der Geschichte legte man mehr Gewicht auf die specielle badische Geschichte, die in der J. Klasse beider Abtheilungen ausschliesslich gelehrt wurde. Ueber die rechten Anfangsgründe kam man übrigens unter den ge- gebenen Verhältnissen fast in keinem Lehrgegenstande hinaus, als im Lateinischen. Die Schule war durchaus ge- ring, von Hilfsmitteln fast gänzlich entblösst; sie war kaum ein Schatten von dem, was früher in Baden gewesen. Das Lehrpersonal bestand anfangs aus dem Professor Landherr, Expiarist von Rastatt und Präfekt der Anstalt. Ihm zur Seite standen die Professoren Bless und Pascal, frühere Lehrer des Lyceums. Der Zeichnungsunterricht wurde provisorisch dem Lehrer Schaffroth, der Musikunter— richt Herrn Zerr übertragen. Ihre Bezahlung erfolgte von Rastatt. Die Oberaufsicht hatte der Stiftspfarrer, geistlicher Rath Lorenz; den Prüfungen wohnte der jeweilige Amts- vorstand als Prüfungskommissär bei. Im Jahr 1813 verlor das Pädagogium den Professor Bless, 1845 die Professoren Landherr und Pascal. Bless(T 1848) und Pascal(F 1821) wurden pensionirt, Präfekt Landherr erhielt wegen Kränk— lichkeit die Pfarrei Kuppenheim. Bless war seit der Auf- hebung der Jesuitenschule Lehrer der I. Klasse gewesen, war unter allen Wandlungen der Schule in der Prima geblieben, und hatte seine Pflicht so treu erfüllt, dass er sämmtliche Directoren und Prüfungskommissäre allezeit durch seine Leistungen zufrieden gestellt hat. Gesegnet sei sein Andenken! Die Stellen der vom Lehramt Zurückgetretènen wurden folgendermassen besetzt: Die unmittelbare Leitung der Anstalt übernahm der Stiftspfarrer Lorenz; er behielt sie bis 1838 bei. An die Stelle des Professors Bless trat sein Sohn; für den wackern Franzosen und Rechenmeister Pascal wurde ein Stittscaplan gegen Vergütung beigezogen, und für Professor Landherr musste der zweite Stiftscaplan einrücken. Diese Stifts- capläne, die nachher wie vorher ihre Pastorationsgeschäfte zu besorgen hatten, wurden jetzt Hauptlehrer des Päda- gogiums und zwar gegen das Statut; denn dieses schreibt zwei Hauptlehrer vor, von denen der eine als Vorstand zwar Geistlicher, aber ausschliesslich Lehrer sein sollte. Der Schule war mit dieser Einrichtung sicherlich nicht gedient. Damit man sich nur einigermassen Verlässigen konnte, ob die Herren von ihren Lehrgegenständen auch etwas verstünden, mussten sie sich in der ersten Zeit vor Antritt ihres Lehramtes vom Lyceumsdirector in Rastatt prüfen lassen. Später hielt man auch diese Vorsicht für überflüssig; denn ob der Examinirte bestand oder nicht, er musste doch Lehrer am Pädagogium werden. Aber trotz diesen etwas bedenklichen Anzeichen war das Badener Pädagogium, wenn man den Prüfungsberichten trauen darf, doch gut daran. Diese hatte der Vorstand der Schule im Verein mit dem Grossherzoglichen Inspector, dem jeweiligen Amtsvorstand abzufassen. Kam die Disciplin unter den 20—40 Zöglingen(zwischen diesen Zahlen schwankt die Frequenz) hie und da aus dem Geleise, so musste unter Umständen die Ruthe nachhelfen. So erhielt sich das Pädagogium in ziemlich gleicher Art bis zur Gründung der höhern Bürgerschule. Die höhere Bürgerschule in Baden von 1836—-1870. Im Jahr 1834 war folgende höchste Verordnung erschie- nen: Diejenigen Pädagogien, welche nicht hinlänglich dotirt sind, um den Schulplan der gelehrten Schulen bis aus- schliesslich zu den 4 obersten Jahrescursen der Lyceen auszuführen, sollen in höhere Bürgerschulen umgewandelt werden. 4 4* 33 Das Pädagogium in Baden fiel in diese Kategorie und die Direction stellte schon im Spätjahr 1834 einen dahin- zielenden Antrag. Als Grund wird das äussere und innere Wachsthum der Stadt angeführt, welches für den Bürger eine höhere Erziehung erfordere. Neuere Sprachen, zumal Französisch und Naturwissenschaften sollen studirt werden; vom Lateinischen und Griechischen, dem Schüler wie Eltern gleich abhold sind, will man nichts wissen. Die Verhandlungen über die Umwandlung des bestehen- den Pädagogiums in eine höhere Bürgerschule wurden hin und her gepflogen, der Lehrplan, die Lehrkräfte und die Mittel erwogen, bis man endlich nach zweijährigem Ent- werfen und Verwerfen im Spätjahr 1836 eine Kommissions- Sitzung in Baden hielt, um die Sache endgültig zu erledigen. Die Umwandlung der Schule war höchst nothwendig. Wie wir im vorhergehenden Abschnitt gehört, hatte der Vorstand immer selbst die Prüfungsberichte abgefasst; ein eigentlicher Regierungskommissär, der das Schulwesen genau kannte, War nie zu den Prüfungen erschienen. Da kam im Jahr 1836 ein wirklicher Schulmann als Prüfungskommissär nach Baden, und dieser meldete sofort:„Der Unterricht bedarf einer dringend nothwendigen Verbesserung.“ Jetzt wird rasch Hand angelegt. Man ordnet vorläufig eine pro- visorische Schule mit 3 Klassen an und will nach und nach aus dem sich ergebenden Bedürfniss noch zwei weitere Klassen nachfolgen lassen. Zum Lernen des Lateinischen, das man aus Gnade für etwaige Humanisten so mitlaufen liess, waren die Schüler nicht verpflichtet. Das Griechische fiel bis zum Jahr 1840 ganz aus. In dem Lehrplan waren auch 5 Stunden für Landwirthschaft angesetzt. Aber was hat denn die Landwirthschaft mit diesem Lehrplan zu schaffen? wird mancher fragen. Mit dieser Landwirthschaft hatte es seine eigene Bewandtniss. Für die werdende höhere Bürgerschule war ihre Aufnahme in den Lehrplan geradezu eine Lebensfrage. Die Geldmittel des bisherigen Pädagogiums reichten für die vermehrten Bedürfnisse nicht aus. Die Stadt lieferte bloss das Local mit Heizung, und die Schüler hatten wie bisher unentgeltlichen Unterricht. Wollte man eine erweiterte Schule, so musste man die durch die Maria-Victoria-Stiftung gebotenen Geldmittel (1300 fl., später 1900 fl.) flüssig machen. Die Bewilligung derselben erfolgte nach dem Testament, wenn landwirth- schaftlicher und technischer Unterricht an der Anstalt ertheilt wurde. Die Erfüllung der letzten Bedingung löste man durch die Vereinigung der damals gegründeten Ge- werbschule mit der höhern Bürgerschule. Der Lehrer der Gewerbschule wurde nämlich verpflichtet einigen Unterricht an der höhern Bürgerschule zu ertheilen. Schwieriger war es, die Landwirthschaft gehörig unterzubringen. Da zeigte sich endlich ein Ausweg. Ein kleines Versuchsfeld sollte erworben werden, und Stiftscaplan Weingärtner, der Sohn eines begüterten Landwirths, erbot sich zu seinen Lehr- stunden noch den Unterricht in der Landwirthschaft zu übernehmen. Man war froh, diesen Ausweg gefunden azu haben. Leider hatte der muthige Lehrer keine Gelegenheit, seine Fähigkeiten auf diesem Gebiete zu erproben; denn als die provisorische Schule im Spätjahr 1836 ihren Anfang nahm, kam auch nicht ein Landwirth zum Vorschein. In der Folge überlies man die Landwirthschaft ihrem Schick- sal und fand sich durch eine vernünftige Auslegung mit dem Testamente ab. Ausser dem Stiftscaplan Weingärtner lehrten an der Anstalt noch Professor Bless, Stiftscaplan Fischinger, Gewerbschullehrer Hillert, Professor Schaffroth und Lehrer Hauck. Die Wahl des Lehrerpersonals stimmte nicht ganz mit der Verordnung überein, welche nur ge- Prüfte Lehrer von wissenschaftlicher Bildung für die Haupt- lehrstellen verlangte. Die Leitung behielt der geistliche Rath Lorenz noch bei bis zu seinem im Januar 1838 erfolgten Tod. Nach ihm erhielt der in Baden lebende Professor Göbel die In- spection über die Anstalt, ein rühriger Mann, welcher sich um die Hebung der neuen Schule namhafte Verdienste erwarb. Seiner energischen Thätigkeit verdankt sie bald eine erhöhte Frequenz. Die Schülerzahl, welche in den letzten Zeiten des Pädagogiums kaum 30 betrug, war 1839 40 schon auf 74 gestiegen, und zwar in Folge des 1839 bewirkten Anschlusses einer IV. Klasse. Jetzt, nach- dem einmal der Anfang zum Ausbau der höhern Bürger— schule gemacht war, und die Bürgerschaft Badens auf einem füntjährigen Curs bestand, überwand die Regierung die Bedenklichkeit, woher die weitern Mittel zu nehmen seien, und fügte im Herbste 1840 den fünften und letzten Jahres- curs ein. Was zu dem bisherigen Einkommen fehlte, lieferte der Rastatter Studienfond, das jährlich auf 12 fl. festgesetzte Schulgeld für einen Zögling und eine Beisteuer der Ge— meinde. Somit war die höhere Bürgerschule nach vier— jährigem Provisorium zu ihrem erstrebten Ziel gelangt. Am 10. Februar 1841 wurden die Statuten veröffentlicht. Ihre Hauptbestimmungen sind folgende: 1) Die höhere Bürgerschule zu Baden hat einen fünf⸗ jährigen Curs in 5 Klassen. 2) Es sollen 4 Hauptlehrer, wovon der eine ein Volks- schullehrer sein kann, angestellt werden; ausserdem hat der an der Gewerbschule angestellte Hauptlehrer Unter— richt an der höhern Bürgerschule zu ertheilen. Nebenlehrer sind beizuziehen. 3) Die Dotation der Schule beläuft sich jährlich auf 4100 fl., zu welcher der Rastatter Studienfond 1780 fl, die Domänenkasse 50 fl., die Maria-Victoria-Stiftung 270 fl., der Staat 400 fl, die Stadt Baden 800 fl., die Schüler durch Schulgeld 800 fl. liefern. 4) Das Holz liefert die Domänenkasse und die Stadt, welch letztere auch das Schullocal zu stellen und zu unter— halten hat. 5) Das Schulgeld beträgt jährlich 12 fl. und kann ohne Zustimmung der Gemeindebehörde nicht unter den Betrag herabgesetzt werden. 6) Die Verwaltung des Fonds der Anstalt wird einem Verwaltungsrath übertragen, welcher unter seinen Mit- gliedern jeweils ein Mitglied des Gemeinderaths und ein Mitglied des Bürgerausschusses der Stadt Baden zählen muss. Der Lehrplan lautete: 15J 11·fIIE III IV. V. 5.. V Classe Classe Classe Classe Classe Classe Classe Lehr⸗—.— 2 Gegenstände. Wöchentliche Stunden. Ge⸗- Ge- Gemein- Ge- Ge- Gemein- Ge- trennt. trennt. chafti trennt. trennt. schaftl. trennt. f Religion iii 2—. Deutsch 4 3— 3— 3 ee Französisch 4 1 5.. Lateinisch 6 6 6 6—— Arithmetik 4 3 3 3 3— 2Klgbr. Geometrie———— 3 4 Geographie 2 2— 2— Geschichte—— 2 8 Naturgeschichte 2— 2—— ⏑ Natürlehre—— 4 Schönschreiben 2 3 2———— Zeichnen: Freihand-Z. 2 8 2— 2— Geometrisch.Z./— 888 2— 2— Gesang 2—— 2— Der englische Unterricht mit wöchentlich 5 Stunden war für freiwillige Theilnehmer, ebensg der griechische mit je 3 Stunden für die IV. und V. und der lateinische mit 6 Stunden für die V. Klasse. Uebrigens wurde auch vom Lateinischen in den untern Klassen dispensirt. Im Jahr 1870 lernte z. B. nur die Hälfte der Schüler Latein. Wer den griechischen und lateinischen Unterricht besuchte, wurde durch beschränkten Unterricht im Zeichnen und schen vor Ueberbürdung bewahrt. Dieser Lehrplan wurde im Wesentlichen bis zur Grün— dung des Gymnasiums beibehalten, wenn man auch hie und da mit Rücksicht auf Zeit und Bedürfniss etwas daran änderte. Eine Erweiterung fand er im Jahr 1844 durch Einführung des Turnunterrichts. Nicht möglich war die ständige Erweiterung durch Hinzufügung einer VI. Klasse, welche die Badener 1846 verlangten. Die Mittel dazu fehlten; denn Rastatt, welches nach seiner Aeusserung die bisherigen Zuschüsse nur aus Liebe und Humanität zum Trost für das verlorene Lyceum gab, wollte nicht zahlen, die Stadt Baden gleichfalls nicht, und so unterblieb die Sache. Die Lehrer halfen sich, wenn das wirkliche Be- dürfniss nach einer VI. Klasse vorhanden war, durch Steigerung ihrer Arbeitskraft, indem sie etwaigen Schülern ein weiteres Jahr die geeignete Beschäftigung gaben. Gar zu oft kam das jedoch nicht vor; denn auch in Baden herrschte, wie an andern Orten mit höhern Bürgerschulen, die Sitte, die meisten Knaben schon nach dem ersten Em- pfang des Abendmahles oder nach ihrer Confirmation aus der Schule zu einem Gewerbe wegzunehmen. Daher kam es, dass in der Regel die obern Klassen, welche doch für die eigentliche Erwerbung von Kenntnissen und Bildung ungleich wichtiger sind, als die untern, meistens nur wenige Schüler hatten. Das Lehrerpersonal, mit welchem die vol- lendete höhere Bürgerschule ihre Aufgabe lösen sollte, be- stand aus folgenden Kräften: Die Capläne Fischinger und Stumpf, Professor Bless, Sprachlehrer Kuntzmann, Gewerbschullehrer Hillert, Lehrer Korn, Schaffroth für Freihandzeichnen, Volksschullehrer Hauck für Gesang und Schreiben. Fischinger und Stumpf hatten sich von ihren sonstigen Verbindlichkeiten gelöst und gehörten jetzt als Lehrer des Deutschen, Lateinischen, Griechischen und der Geschichte in den 4 obern Klassen ganz der Schule an. Bless war Hauptlehrer der I. Klasse, wie das sein Vater in früherer Zeit auch gewesen war. Caplan Fischinger bekam die provisorische Vorstandsstelle, welche ihm unter Verleihung des Professortitels schon 1842 definitiv übertragen wurde; die Inspection behielt der thätige Professor Göbel. „„ Jetzt war die Schule geordnet und ging ihren guten Gang; sie kam in Credit und die Zahl der Zöglinge stieg rasch auf 100. Auf dieser Höhe erhielt sie sich längere Zeit, stieg dann allmälig, bis sie im Jahr 1870 die Zahl 160 erreicht hatte. Stürme und Anfechtungen hatte die Schule keine besonderen durchzumachen; die kleinen Un- annehmlichkeiten, die aus dem Zusammenwohnen mit der Gewerb- und Volksschule hervorgingen, können hier nicht in Rechnung kommen. Die Jahre schwanden dahin, Schüler, Lehrer und Inspectoren wechselten. So ging im Jahr 1853 die Inspection an Regierungsrath Barack über, von diesem 1859 an Stadtdirector Kuntz, welchen 1862 Stadtdirector Freiherr v. Göler ablöste. Im Jahr 1856 erlitt die Schule durch den Tod des Vorstandes, Professor Fischinger, einen schweren Verlust. Seit 1835 war er an der Anstalt thätig gewesen und hatte sich als guter Lehrer und trefflicher Vorstand allgemeine Anerkennung erworben. Schaffroth und Bless, zwei andere pflichttreue Lehrer, die über ein Menschenalter an der Schule gewirkt hatten, waren ihm in die Ewigkeit vorangegangen. Da wir nun in unserer Darstellung bis in die Gegen- wart gelangt sind, so wird man uns entschuldigen, wenn wir derselben nur noch mit wenig Worten gedenken; die Mitlebenden sind ja selbst Zeugen. An die Stelle des verstorbenen Fischinger kam im Spätjahr 1856 Professor Gruber, der bis dahin die Vor- standsstelle an der höhern Bürgerschule in Ettenheim be— kleidet hatte. Der gute Erfolg in der Badener Schule entsprach den Hoffnungen, die man an diese Berufung geknüpft hatte. Sein Streben ging nicht nur dahin, den Schülern tüchtige Kenntnisse für das bürgerliche Berufs- leben mitzugeben, sondern er legte auch ein Hauptgewicht auf die erzieherische Aufgabe der Schule. Ihm verdankt die Anstalt auch die Gründung einer Schülerbibliothek. Als er im Jahr 1862 zum Nitglied des neuerrichteten Ober- schulrathes ernannt worden war, versah bis 1863 Professor Gehr und von 1863—68 Professor Müller die Stelle eines Vorstandes. In diesem Jahre übernahm Herr Oberschulrath Gruber wieder sein früheres Amt an der höhern Bürger— schule und bekleidete es, bis im Spätjahr 1870 das Gym- nasium an ihre Stelle trat. Das Gymnasium in Baden ist ein Kind seiner Zeit, wie es die höhere Bürgerschule auch gewesen ist. Die ge— steigerten Anforderungen an den gebildeteren Bürgerstand haben in den grössern Städten seit mehreren Jahren das Bedürfniss nach Erweiterung der höhern Bürgerschulen hervorgerufen. Realgymnasium war das Loosungswort der Jeit. Die Bürgersöhne sollten einerseits Gelegenheit haben mehr zu lernen, anderseits aber auch damit grössere Rechte und Befugnisse für ihr späteres Fortkommen erhalten. Da kam das Jahr 1866 mit seinen tiefgreifenden Veränderungen. Wie so vieles Andere in Folge davon umgestaltet wurde, Ss0 wirkten die äussern Verhältnisse auch auf die Schulen, zumeist auf die höhern Bürgerschulen. Um der Vortheile theilhaftig zu werden, welche die allgemeine Wehrpflicht den gebildeteren Jünglingen zukommen lässt, drängten jetat die grössern Städte mit Macht auf die Umwandlung ihrer Bürgerschulen in Realgymnasien. Auch in Baden, wo durch das zunehmende Wachsthum der Stadt und durch den längern Aufenthalt vieler Fremden der Besuch der höhern Bürgerschule sich von Jahr zu Jahr gesteigert hatte, war das Bedürfniss nach einer solchen erweiterten Schule vor— handen, und die Gemeindebehörde zß6gerte jetat nicht länger mit der Ausführung des Werkes. Bisher hatte man immer noch gehofft, das verlorene Lyceum wieder zu erhalten, und auch keine Schritte versäumt, die zur Verwirklichung der Hoffnung führen konnten. Schon im Jahr 1810, als der Schmerz über den Verlust der Anstalt noch frisch war, und sich das Gerücht verbreitete, die Verlegung des Lyceums sei nur eine vorübergehende, wandte sich die Stadt an den Grossherzog mit der Bitte um Rückverlegung. Das Gerücht war ein falsches gewesen. Ganz besondere Mühe hat sich die Stadt in den vierziger Jahren gegeben, als Rastatt eine Festung geworden, und man allen Ernstes in Karlsruhe an die Verlegung dachte. In wiederholten Bitt- schriften aus den Jahren 1848, 1849, 1850, in längern Rechtsausführungen und in öffentlichen Blättern bemühte sich Baden wieder zu seinem alten Besitz zu kommen; es war umsonst. Auch die Eingaben in den Jahren 1859, 1863 und 1866 hatten nicht den gewünschten Erfolg. Da entschloss sich im Jahr 1867 die Stadt, mit richtiger Würdi- gung ihrer eigenthümlichen Verhältnisse, zur Errichtung eines eigenen Gymnasiums. Das grosse stattliche Haus, gegenwärtig eine Zierde der Stadt Baden, wurde so ange- legt, dass das Rastatter Lyceum, sollte ihm der Aufenthalt hinter den Wällen doch einmal zu eng werden und es sich nach seinen verlassenen Wäldern sehnen, darin Aufnahme finden könnte. Während der Bau unter der kunstver— ständigen Leitung des Herrn Architecten Lang voranschritt, wurden die Statuten und der Lehrplan des neuen Gymna— siums zwischen der Regierung und der Stadt Baden ver— einbart. Die wesentlichsten Punkte der Statuten lauten: 9. 1. Das Gymnasium in Baden ist eine nach Massgabe des §. 6 der landesherrlichen Verordnung über die Organisation der Gelehrtenschulen vom 1. October 1869 mit einer höhern Bürgerschule beziehungsweise einem Realgymnasium ver— bundene Gelehrtenschule. Diese besteht aus 5 Klassen mit 7 Jahrescursen. Das Lateinische ist obligatorisch und wird in den 4 untern Klassen beiderlei Schülern gemeinsam ertheilt. In der fünften Klasse tritt eine Beschränkung des lateinischen Unterrichts für die Realschüler ein. Statt des Griechischen erhalten die realistischen Abtheilungen der IV. und V. Klasse gesonderten Unterricht im Französischen, Englischen, in der Mathematik und den Naturwissenschaften, wodurch sie befähigt werden, in die entsprechenden Klassen der Realgymnasien überzugehen, beziehungsweise die an jenen Anstalten zu dem einjährigen Heeresdienst berechti- gende Bildung zu erwerben. Nur vorübergehend werden diejenigen Schüler der 4 obern Klassen, welche bisher keinen Antheil am lateinischen Unterricht genommen haben, auch fernerhin davon ent- bunden. Doch soll ihnen durch eine besondere Einrichtung des Lehrplans Gelegenheit gegeben werden, sich nachträg- lich dafür zu befähigen. 9.2.1 Lehrplan und Schulordnung richten sich nach den all- gemeinen Bestimmungen, welche für die Gelehrtenschulen gegeben sind. § 3. Das Lehrerpersonal besteht vorerst aus 8 Hauptlehrern und einigen Nebenlehrern. Ueberdies hat der Gewerb— Schullehrer wie bisher noch die Verpflichtung, so lange es ihm wegen seines andern Dienstes möglich ist, ein Deputat von 12-—14 Stunden zu übernehmen. 883845 Das Gymnasium ist Erbe der höhern Bürgerschule. 8.05 Das Schulgebäude bleibt unbestritten Eigenthum der Gemeinde Baden; sie hat es bauen und einrichten lassen und übernimmt ausser andern Verbindlichkeiten die Pflicht, einen jährlichen Beitrag von 5200 fl. zur Erhaltung der Schule zu geben. 9. 6. Die sonstige Dotation der Anstalt besteht: in einem jährlichen Beitrag des Studienfonds Rastatt mit 7000 fl., der unter Umständen auf 6000 fl. vermindert werden kann; im Ertrag des Schulgeldes, welches vorderhand für die drei untern Klassen auf 18 fl, für die Quarta auf 24 fl. und kür die Quinta auf 30 fl. jährlich festgesetzt ist; in jährlichen Beiträgen aus der Staatskasse mit 400 fl. der Maria-Victoria- Stiftung mit 250 fl. und des Domänenfiscus mit 50 fl. 97 80 Zur Verwaltung des Schulfonds wird ein Verwaltungs- rath eingesetzt, bestehend aus dem vom Oberschulrath zu ernennenden Regierungskommissär, welcher den Vorsitz führt, aus dem Director, dem Bürgermeister der Stadt Baden, einem Lehrer der Anstalt und aus zwei von der Gemeinde Baden zu wählenden Mitgliedern. Lehrplan siehe Beilage IV. Im Spätjahr 1870 war das Gebäude vollendet und die innere Einrichtung soweit vorangeschritten, dass nach er— folgter Ernennung der Lehrer die feierliche Eröffnung des Gymnasiums am 24. October in der geräumigen Aula statt- finden konnte. Zur Erhöhung der Feierlichkeiten waren auf ergangene Einladung hin die nächsten Schwesteran— stalten Rastatt und Karlsruhe durch Abgeordnete vertreten; Offenburg brachte seine Glückwünsche schriftlich dar. Als Regierungskommissär war Herr Oberschulrath Dr. Deimling erschienen. Die Behörden und Einwohner der Stadt Baden hatten sich trotz der Ungunst der Witterung zahlreich eingefunden. Nach einem geeigneten Gesang übergab Herr Bürgermeister Gaus mit einer würdigen Ansprache das Gymnasium dem Vertreter des Staates. Jetzt erhob sich der Vertreter der Regierung und behandelte in lichtvollem Vortrage die Vergangenheit und Gegenwart des Schulwesens im Allgemeinen, sowie die Geschichte der Schule in Baden insbesondere. Er legte nach diesem interessanten historischen Rückblick den Lehrern das einträchtige Zusammenwirken an's Herz und begleitete die neue Anstalt mit seinen besten Segenswünschen. IIierauf ergriff der Director der Anstalt das Wort. Wir lassen seine Rede am Schlusse unserer historischen Abhandlung folgen. Professor Stösser schloss den Reigen der Redner mit warmen Worten des Dankes und der Anerkennung für den bisherigen Vorstand der höhern Bürgerschule, Herrn Oberschulrath Gruber. Nach dem Schlussgesang vereinigte ein heiteres Mahl im Sternen, das durch sinnige Trinksprüche und herzliche Glückwünsche für die neue Anstalt belebt war, einen grossen Theil der Festgenossen. Die Rede des Directors lautete: Hochgeehrter Herr Regierungs-Kommissär! Hoch- geschätzte Herren Abgeordnete der Schwester- anstalten Karlsruhe und Rastatt! Liebe Collegen und Schüler! Hochzuehrende Versammlung! Welch wunderbarer Gegensatz! Während unsere Söhne und Brüder vom Schlachtendonner in Feindesland umtost, den ehren— vollen Kampf für's Vaterland kämpfen; während der schreckliche Krieg mit allen erdenldlichen Mitteln der Vernichtung miihsam Aufgebautes zerstört und erbarmungslos so manche schöne Blüthe, die der Stolz der Eltern und die Hoffnung des Vaterlandes War, Vorzeitig in's Grab bringt: begehen wir hier in engerm Kreise ein Fest des Friedens, suchen im Kleinen wieder zu bauen und Zu pflanzen, was der Krieg im Grossen zerstört, bereiten das Ackerfeld, aus dem neue Blüthen, und, 80 Gott will, auch segens- reiche Früchte erwachsen sollen: wir eröfflnen heute das Gymnasium in der Stadt Baden. Der herrliche Bau, welchen die Stadt unter der kunstsinnigen Leitung des Herrn Gemeinderaths und Architekten Lang ihrer gereifteren männlichen Jugend zur Bildungsstätte mit 80 viel Kosten und Opfern aufgeführt hat, ist uns ein deutlicher Beweis, Welch hohen Werth sie auf die Bildung ihrer Söhne legt; die zahlreiche Versammlung, welche sich heute zu der feierlichen Eröffnung unseres Gymnasiums eingefunden, und in der wir die Vertreter unserer Schwesteranstalten in Karlsruhe, Herrn Direktor Wendt, und die Herren Collegen von Kastatt ganz besonders begrüssen, dient uns als sprechender Beleg, welchen Antheil man aus nah und fern an unserer Anstalt nimmt. Wir Lehrer müssen uns ganz besonders erfreut fühlen, bei dem Gedanken, dass man trotz der Stürme, die gegenwärtig über unser Vater- land dahinbrausen, noch S80 viel Interesse für unsere friedlichen Arbeiten hegt. Aber Warum sollte man auch nicht? Wodurch geht unser Vaterland jetzt so hoch vor vielen Landen einher? Warum ist es uns möglich, mitten im männermordenden Kriege den Geschäften des Friedens 80 ruhig nachgehen zu können? Desswegen, wWeil unsere dem Feinde gegenüber stehende Jugend ausser der genauen Kenntniss des Waffenhandwerkes eine geistige und moralische Kraft besitzt, die, von fremden Nationen bewundert und angestaunt, uns mit gerechtem Stolze erfüllen darf. Der Grund zu den staunens- Werthen Siegen unseres Volkes liegt ja, wie wir wissen, nicht nur in seiner numerischen und militärischen Leberlegenheit, Sondern zumeist in seiner Bildung und Erziehung. Und eine solche Stätte der Erziehung und Bildung weihen Wir heute ein, wir eröffnen ein Gymnasium. Was liegt uns nun im gegenwärtigen Augenblicke näher, als die Beantwortung der Frage: Was ist denn ein Gymnasium? Es ist im engeren Sinne eine Vorbereitungsschule für das Studium der Wissenschaften auf der Universität, im weiteren aber ein Uebungsplatz der geistigen Kräfte, eine Stätte all- gemeiner menschlicher Bildung. Lassen Sie mich, geehrte Anwesende, einige Augenblicke bei diesem Gedanken verweilen, um in Kürze zu betrachten, in welcher Weise das Gymnasium diese doppelte Aufgabe lösen will. Unsere Universitäten sind unsere Freude, sind unser Stolz. Sie liefern dem Vaterlande jene geistig gereiften, jene charakter- vollen Männer, welche wieder berufen sind, die Wissenschaft und Kunst zu fördern und in den verschiedensten Stellungen und Aemtern des Staates zum Segen Aller zu wirken. Vorzügliche Lehrer führen hier die wissbegierigen Jünglinge in die innerste Werkstätte des menschlichen Geistes ein; sie lassen sie trinken am Urauell alles geistigen Lebens, sie erötlnen ihnen das Heilig- thum der Wissenschaft. Zu diesem tiefern Erfassen derselben, zum Eindringen in ihr eigentliches Wesen muss aber der Jüngling durch eine strenge Schule der geistigen Zucht und Ordnung hindurchgehen, er muss seine Geisteskrätte entwickeln, sie zur Aufnahme der Wissenschaft fähig machen, er muss, mit einem Worte, dazu vorbereitet werden. Ohne diese Vorbereitung ginge es ihm, wie einem Blinden, der vor das schönste Gemälde gestellt, von dessen Herrlichkeit nichts sähe, oder wie einem Tauben, an dessen Ohren die lieblichsten Melodien ungehört vorübertönten. Diese Vorbeéreitung zum eigentlichen Studium der Wissenschaft auf der Universität fanden unsere Väter hauptsächlich in der Erlernung der griechischen und lateinischen Sprache, den beiden Augen jedes Gymnasialunterrichts, und in der Beschäftigung mit der Mathematik. Sie gewahrten nämlich in diesen beiden Sprachen einen Sso reich gegliederten und feinen Organismus, eine solche Schärfe und Präcision der einzelnen Begrifle, Bestimmungen und Regeln, eine solch genaue Unterscheidung auch der feinsten Gedankenschattirungen, einen solch logisch systematischen Bau der Grammatik, dass sie das Studium derselben als die beste Geisteszucht der Jugend betrachteten, als das vorzüglichste Mittel ansahen, um die schlummernden Geisteskräfte zu wecken, den Verstand zu schärfen und die Klarheit des Denkens zu erzielen. Neben dieser geistentwickelnden oder formalen Kraft der alten Sprachen gibt uns aber das Gymnasium durch das Ver- ständniss derselben gewissermassen auch den Schlüssel in die Hand, mit dem wir die Pforte der Wissenschaft erschliessen Kkönnen; denn ohne Kenntniss des Griechischen und Lateinischen dürfte das tiefere Eindringen in die schönsten Gebiete der Wissen- schaft kaum möglich sein. Ich gehöre zwar, geehrte Anwesende, nicht zu Jenen, welche sagen: ohne Griechisch und Lateinisch ist absolut keine ächte Bildung möglich, weil ich sehr wohl Weiss, dass schon manche tüchtige Männer in unserm Vaterlande gelebt haben, welche ohne Kenntniss des Griechischen und Lateinischen Grosses wirkten und vollbrachten, und dass umgekehrt schon Manche Griechisch und Lateinisch gelernt haben, ohne namhafte Erfolge aufweisen zu können. Das beweisst aber nichts gegen den Vorzug und die Güte dieser Bildungsmittel; es zeigt nur, dass eine eminente geistige Kraft sich eben allezeit, wenn auch manchmal unter harten Kämpfen, durchringt und Bahn bricht. Wer Weiss, ob nicht auch ihr Geistesflug leichter geworden wäre, Wenn sie die Kklassischen Sprachen als sichere Führerinnen in ihrer Entwickelung zur Seite gehabt hätten? Und wie Viele gehören zu diesen bevorzugten Sterblichen? Für uns gewöhnliche Menschen ist es immerhin das Beste, wir wählen solche Bildungsmittel, die nach dem Urtheile unserer bewährtesten Schulmänner und ausgezeichneten Schriftsteller als die vorzüglichsten anerkannt sind. Warum sollten wir auch zum Silber greifen, wenn das Gold vor uns liegt? Den alten Sprachen steht ein weiterer Hauptgegenstand des Gymnasiums zur Seite, ich meine die Mathematik, welche ihre formale Bildungskraft noch jederzeit bewährt hat. Denn nicht nur, dass sie die Grundlage der wissenschaftlichen Erkenntuiss der Natur bildet, ist sie auch durch ihre strenge Consequenz, durch ihren systematischen Zusammenhang und durch die Klarheit ihrer Resultate eine vorzigliche Uebungsschule des Geistes. Diese Unterrichtsmittel sind also die Hauptfactoren der formalen Geistesbildung und fast unerlässlich für ein nutz- bringendes Universitätsstudium. Wenn aber das Gymnasium unserer Zeit seine Aufgabe richtig lösen will, so darf es nicht blos eine Vorbereitung zum eigentlichen Studium der Wissenschaft Werden, es muss, wie ich oben schon andeutete, eine Stätte allgxemein menschlicher Bildung sein. Jener Verständige, welcher auf die Frage, warum er in die Schule gehe, die Autwort gab, damit ich ein Mensch werde, hat Ssicherlich das einzig Richtige getroflen. Ja, geehrte Anwesende, auf dass wir Menchen Werden, gehen wir in die Schule, gehen Wir vor Allem in's Gymnasium. Aul welch niedriger Stufe der Menschheit stehen nicht jene Wilden Völker fremder Erdtheile, die das Licht der Wissenschaft und der mit ihr in Verbindung stehenden Kultur entbehren! Doch Was brauchen wir zu den Hottentotten und Südseensulanern zu gehen, haben wir ja im jetzigen Augenblicke an unserm Nachbar- volke das schlagendste Beispiel, wie tief eine sonst grosse Nation durch Vernachlässigung der Erziehung und Bildung herunter- kommen Kkann. Selbst unsere eigene Geschichte gibt uns traurige Belege von der Wahrheit des Wortes an die Hand, dass in der Schule erst der Grund zum wahren Menschen gelegt wird. Unsere trübsten Zeiten in der Geschichte fallen mit denen Zusammen, in welchen die Schule im Argen lag. Das wussten unsere edelsten Geister, und darum drangen sie als wahre Menschenfreunde auf die Hebung der Schulen, auf die eigentliche Menschwerdung der Menschen. Denn der unterrichtete Mensch lernt urtheilen und selbständig Sein, ist nicht das blinde Werkzeug ehrgeiziger oder schlechter Menschen; er unterscheidet, wählet und richtet, wie der grosse Dichter sagt. Wenn schon unsere geordnete Volksschule ein unschätzbarer Segen für die grosse Masse ist, indem sie ihr die allernoth- wendigsten Mittel an die Hand gibt, sich im Leben zurecht Zu linden, ja den Intelligenteren mitunter zu einem richtigen Ver- ständniss der Dinge verhilkt, welch höhern Nutzen muss nicht das Gymnasium gewähren, das durch die eingehende Beschäftigung mit den tretllichsten Schriften des Alterthums und der Neuzeit die im menschlichen Geiste ruhenden Keime des Guten, Wahren und Schönen entwickelt, nährt und kräftigt, das uns in der Betrachtung des Idealen und im Hinblick auf alles Grosse und Edle, Wahrheit 0 und Tugend hochschätzen, Gemeinheit und Lüge verachten lehrt! Welch höhern Nutzen muss nicht das Gymnasium gewähren, das uns eine genauere Erkenntpiss Gottes erschliesst, und uns, wenn auch nur in weiten Umrissen, die ewigen grossen Gesetze der Natur und die Wunder der Schöpfung kennen lehrt! Ja, geehrte Anwesende, das Gymnasium ist eine Stätte allgemein humaner Bildung, und diese wird jedem Gymnasiasten, er mag sbäter einen Beruf ergreifen, welchen er wolle, überall zu Statten kommen. Bereut hat gewiss noch keiner diesen Bildungsgang, Wenn er mit Verständniss und Liebe dem Unterrichte folgte, wenn er mit einem Wort ein wahrer Gynmasiast, d. i. ein geistig Ringender War. Wohl der Stadt, die viele solche geistig Ringende zu den Ihrigen zählt! Sie werden einst als Sauerteig unter ihren Mit- bürgern wirken, sie sind die Hoflnung und Stütze der Zukunkt. Aber eine Stadt wie Baden, die mitten im Weltverkehr stellt und durch denselben zu Wohlstand und Ansehen gekommen ist, hat auch noch andere Bedürfnisse durch ihre höhere Schule 2zu befriedigen: sie will einen intelligenten, tüchtigen Bürgerstand aus dieser Schule herauswachsen sehen, der einerseits 80 viel Kenntnisse erwürbe, sein bürgerliches Geschält einmal mit Umsicht und Einsicht zu betreiben, anderseits aber auch mit Gemein— nützigkeit und Vaterlandsliebe erfüllt würde, um einst als braver Bürger sich der öffentlichen Angelegenheiten seiner Vaterstadt, Wie des Vaterlandes annehmen zu wollen und zu können. Auch dieser Anforderung kann und wird unsere Schule Rechnung tragen, und zwar auf folgende Weise: Die wissenschaftliche Grundlage ist bei allen Schülern der Anstalt bis zum vierten Jahreskurse gemeinschaftlich. Mit dem vierten Jahreskurse, wann in der humanistischen Abtheilung des Gymnasiums der Unterricht im Griechischen beginnt, tritt für die Kealschüler, d. i. für solche, die später keine Universitätsstudien machen wollen, schon eine merkliche Sonderung ein. Der lateinische Unterricht ist für den vierten und fünften Jahreskurs für beide Abtheilungen zwar der gleiche, aber für den Ausfall des Griechischen haben die Real- Schüler Unterricht im Englischen, einen erweiterten Unterricht im Französischen, das wir schon in der zweiten Klasse anfangen, in der Mathematik und in den Naturwissenschaſten. Im sechsten und siebenten Jahreskurs wird bei den Realschülern der Unter- richt im Late inischen auf wöchentlich drei Stunden beschränkt; dafür tritt eine nochmalige Erweiterung der Mathematik und Naturwissenschaften ein, so dass sie dadurch befähigt werden, in die entspreéchenden Klassen der Realgymnasien einzutreten oder auch als einjährige Freiwillige dienen zu können. Um unsere Schüler mit einem einheitlichen Geiste zu erfüllen, wWerden manche Lehrfächer, wie Geschichte, deutsche Sprache, Geographie, Zeichnen, Singen und Turnen jeweils beiden Ab- theilungen gemeinschafllich ertheilt; neuere Sprachen, Mathematik und Naturwissenschaften, soviel wie möglich. Sie schen, geehrte Anwesende, die hohe Oberschulbehörde hat bei Aufstellung dieses Lehrplanes, der vorübergehend auch auf die bisherigen höheren Bürgerschüler, die kein Latein lernen, Bedacht ninunt, sie hat, sage ich, für alle Unterrichtsbedürfnisse, Welche sich gegenwärtig in der Stadt Baden fühlbar machen, Sorge getragen. An uns Lehrenden und Lernenden und an den Eltern liegt es nun, diese mit reichen Mitteln versehene Anstalt zu einer wahren Pllanzschule der Humanität und eines tüchtigen Bürgerthums zu machen. Wir Lehrer werden all unsere Kraft einsetzen müssen, um der uns anvertrauten Jugend die nöthigen Kenntnisse bei⸗ Zzubringen, sie für alles Grosse und Schöne zu begeisteru, den Grund zu tüchtigen Charakteren in ihnen zu legen. Wir werden das am sichersten erreichen, wenn wir das, was wir von der Jugend verlangen, selbst besitzen und üben. Ihr Schüler werdet zur Blüthe der mit so grossen Opfern in's Leben gerufenen Austalt beitragen, wenn jeder seine ihm von Gott verliehenen Gaben nach bester Kraft gebraucht, wenn er, mit einem Worte, seine Pflicht erfüllt. In dieser Pflichterfüllung liegt für euch und für uns das sicherste Gewährsmittel, dass wir den vom Staate, von der Familie an uns gestellten Anforderungen entsprechen werden. Ist es auch nicht möglich, das jeder Aus- gezeichnetes leistet, so kann er doch, wenn er sich der Bildung nicht thörichten Sinnes verschliesst, das Möglichste vollbringen und einst eine passende Stellung in der Welt finden und gehörig ausfüllen. Aber die Schule kann nicht Alles leisten, was wir von ihr erwarten, wenn die Familie, wenn die Eltern nicht Hand in Hand mit ihr gehen. Wenn die Schule Pflichttreue, Zucht und Ordnung von ihren Zöglingen verlangt, zu Haus aber keine Uuterstützung findet; wenn die Schule die Erziehung und Bildung der Jugend als etwas 9 8 Heiliges betrachtet, in der Familie aber andere Ausichten darüber herrschen; so ist es unmöglich, unser gemeinsames Ziel zu erreichen, wWelches kein anderes ist, als das leibliche und geistige Wohl unserer Kinder zu fördern, der Wissenschaft begeisterte Jünger, dem Vaterlande tüchtige Bürger zu erziehen. Darum lasst uns Alle in Einmüthigkeit zusammenwirken und unser schönes Werk mit Gott, dem Geber alles Guten, beginnen! Er stärke mich, der ich durch die Gnade Seiner Königlichen Hoheit unseres allgeliebten Grossherzogs zum Leiter und Führer dieser Anstalt berufen worden bin, dass es mir unter Mithülfe Pllichtgetreuer, bewährter Lehrer, strebsamer Schüler und wohl- Wollender Eltern gelinge, dieses Gymnasium, über dem des Höchsten Segen walten möge, zu einer wahren geistigen Ring- schule, zu einer Pflanzstätte der Humanität zu machen. P4S 08 P4S 08 P78 08 P4S 60 P48 2⸗⁰ —.——.— 5P48 5— 0 00 0„FEEVVVVV onu¶ꝗñadnfeNI 60 + 00 5—. 558 8 PIS 8 olUden80 00 0 8— 3.——.—5 ‚à˙ 1999899 60 + 6 8 0C 8 6 6 AIAOUIIIUIAV 8 PIS 8 PIS 348 86 PIS n 3 15 88 15 Wee oofαu¹νά 35 P)8 I 5—„ Neeee 598 oqlvuj 0 0 0—.— 3.— EVVVVVVVVVE NIAOοιnNꝗ 04 81 548 oqlvu 3 38—.——.—„„%%%b IIOf S 8 6 5 1 964 oslu99110 P7S FI PI8 PIS OT P!1S 97 /„/))àà·· · RR ——— p4S 8 oοidqrg PIS oꝗluuνꝗ p oquuννẽH 318 qlvu ꝗ P9S8 Ydluuνꝗ,οοφ’ p8̃ ouοννν,?h FBuges 125 0900 ienn eenee eenn eeee— upꝛs8 1 upig ueuνοεM S8 0IIPuU“5 pupsue809-4 ee eeeec“f Deuloudno 57ο 5˙ùſ/ J 39tf Beilage II. CONSPECTUS LECTIONUM. 1776. I. Classe. II. Classe. III. Classe. IV. Classe. 128/29 1729—1/210 1011 1—2 Instructio catechetica et Vocabu- larium. Decliniren oder Conjugiren. Teutschschreiben. Teutschlesen, Decliniren, oder Con- jugiren; Ein-mal-Eins. Correcetio pensi, Vocabularium. Colloquium et Grammatica. Kleine Exereitia und Uebersetzun“- gen aus dem Latein in's Deutsche und vice versa. Historie. Schreibstunde. Correctio pensi et Vocabularium. Expositio Autoris prosaici mit An- wendung der Syntax-Regeln. Exercitia aus dem Peutschen in's Latein et v. v. nebst Syntaxi. Geographie. Correctio pensi, phrases et adagia. Autor prosaicus cum Syntaxi or“ nata. Schreibstunde. Graeca cum Analysi et Regulis grammaticae. Rhetorica. Historie. Dienstag. 78—72 9 79— 210 10—11 1—4 Mie Monlags. Vacanz. Mie Montags. Rechenstunde. Vacanz. Mie Montags. Graeca. Geometrie. Vacanz. Me Montags. Geometrie. Vacanz. Mittwoch. ½8/½210 10- 11 1—2 2— 3 3—4 Mie Montags. Lateinisch-Schreiben. — Lat. Lesen, Decliniren od. Conjug. Mie Monlags. Expositio eines leicht, lat. Autoris. SGeographie. II Mie Monlags. Rechenstunde. Mie Montags. Historie. Schreibstunde. Mie Montags. Rechenstunde. Hebraica. Prosodia et Poesis. Geographbie. Don- nerstag. 77—2 8—.210 10—-11 1— 4 Mie Montags. Vacanz. Mie Monlags. Schreibstunde. Vacanz. Mie Dienstags. Vacanz. Mie Monlags. Vacanz. 17½ 8— 9 72 9—.210 10-11 1—2 2—3 3—4 Mie Montags. Me Montags. Instructio catechetica. Mie Montags. Geographie. Mie Monlags. Instruetio catechetica. Rechenstunde. Autor Poeta. Geographie. Schreibstunde. Mie Montags. Instructio catechetica. Rechenstunde. Mie Monlags. ½ 8—10 10—11 1—2 Mie Mittwochs. 2—3 Mie Montags. Rechenstunde. Mie Mittwochs. Mie Montags. Geometrie. Expositio Autoris in ligata. Historie. Me Montags. Geometrie. ui Mittwochs. 155 Schema derer Vorlesungen für die Exemtos. II. Professor Matheseos P. Thein docirt abwechselnd a) in dem einten halben Jahre: 1) Latina, in specie stilum cultiorem, wöchentl. 4 St. 2) Mathesin puram, täglich 1 St. 3) Physicam, täglich 1 St. b) in dem andern halben Jahre: 1) Stilum latinum cultiorem, wöchentl. 4 St. 2) Mathesin applicatam, täglich 1 St. 3) Historiam naturalem in specie botanicam, wö— chentlich 4 St. In Classe Tertia et Quarta lehrt er die An- fangsgründe der Geometrie, wöchentl. 2 St. Professor philosophiae Wallendorf tradirt abwechselnd a) in dem einten Semestri: 1) Logicam, täglich 1 St. 2) Philosophische Moral, wöchentlich 5 St. 3) Geographie, wöchentlich 4 St. 4) Universal-Historie, wöchentlich 5 St. b) in dem andern Semestri: 1) Metaphysicam, täglich 1 St. 2) Jus naturae, wöchentlich 5 St. 3) Geographie, wöchentlich 4 St. 4) Reichshistorie, wöchentlich 5 St. III. Von dem P. Lambla wird den Exemten in graecis et hebraicis Unterricht gegeben, in jedem wöchentl. 2 St. IV. Von dem Stiftsprediger P. Fritz wird die Theologie Denjenigen, welche diesem Studio sich widmen wollen, vorgelesen in wöchentlich 6 St. Alle Schüler der Anstalt haben täglich von ½10—10 die heil. Messe anzuhören und jeden Samstag von 3— ½/24 Vorbereitung auf den Sonntag, sodann von ½4 Uhr an Abendgottesdienst. 73 JeAu[O n Sursog9 (In e) meuee usqfendog aonfudea80e9 onföolu⁰,,˙eseg OUHeunuleR AISXU 991449¹0ο⁰9 UoduuoeN AUodsksgzuvaꝗ HAosfüudenp9 AHloslufese Aosgned uofHHeN 8*3. 75 5 3 1— 8 2 7 8 3 8 1——— 6— 5 6 3 1— „5„18— 5 8 9 9 5 f 8 bund8 hοο uopungg bunjs: moh(pungs 4409 ouorſhjeuos F ̃ uο I UV II ufoulog SSsUIDO'III 9 75 18 9 3 25 6 6 7— 5 6 755 6— 5 8 755—— — 1I ö 1 8 32 9 9 3 61 9 1I*— 6— — 8— 9— 85 uopungg bunig 49 bunzs Aονρ Uopunzs bpung8 1 I5f15188. E uöfthouos ufm¹ονε Aᷓ Q IEUNVII eeee dV I ossUöO II ossuId 1 opupjsub809 A9 III o82IIN 3 Beilage f I. kealis. J. kealss. lehrgegenstände. I. II. IIl. 8 aauinn 35 Religion 2— F 10•42 Deutsch 0 2¹ 14(bezw. 18) 3„ 696 . 13-45(1923) 2 0 131 4 19(2⁴) 8 9(l2) Lel 3⸗4 28.29(35-37) 1(Geom. Zchn.) Loasenn 5„„ 14 022 Naturwissenschaften. I(Chem 9 8 Phys. u. Chem) Geschichte 12 1(620 Geographie 2 1 E 1 Kalligraphie 3 7 Zeichnen 2 10 22— 88— 0. 10 Bumen 2— 0 Summe der obligatori- schen Stunden Gesammtsumme 32 26 26— 29-30—— 29-80 30 171475 3⁴34— 65•36—— 63•34 36. 209.2ʃ(4 53 3 Bemerkungen. 1) Die in[] eingeschlossenen Zahlen bedeuten soleheLectionen, welche den Realklassen gemeinschaftlich mit den entsprechenden Gymnasialklassen ertheilt werden, oder umgekehrt. Die in() eingeschlossenen lern bedeuten facultati ven Unterricht. 2) Die französischen Extrastunden in den beiden Realklassen haben hauptsächlich die Aufgabe, diejenige grössere Fettigkeit in der Handhabung der Sprache, namentlich auch in der Conversation zu erzielen, welche in dem Realgymnasium gefordert wird. 3) Die 3—4 mathemaischen Extrastunden in IV und WRealis sollen dazu dienen, das mathematische Pensum der Gymnasialklassen zu dem Umfang der entsprechenden Klassen des Realgymnasiums zu erweitern. 4) Ebenso sind in IV und WRealis besondère naturwissenschaftliche Lektionen angesetzt, durch welche die Schüler genau auf lie Stufe der entsprechenden Klassen des Realgymnasiums in der Physik und Chemie gebracht werden sollen.