Die Vertreibung des Rönigs Konſtantin von Griechenland Dargeſtellt auf Grund amtlicher Urkunden Perausgegeben von der Deutſch⸗Griechiſchen Geſellſchaft — 7 1918 J. S. Tebmanns Verlag München By Die Vertreibung des Rönigs Ronſtantin von Griechenland iieeeeeeeeieeeeeeeneeeeeeeeeeeeen, eee ieeee NN * J Sadieoahe 5 + 3 König Konſtantin auf dem Schiff„Sphakteria“ bei der Abfahrt von Griechenland Juni 1917) Die Vertreibung des RKönigs Konſtantin von Griechenland Dargeſtellt auf Grund amtlicher Urkunden Berausgegeben von der Deutſch⸗Griechiſchen Geſellſchaft 1918 J. F. Cehmanns Verlag München By N S 1iiie nachfolgende Darſtellung der Begebenheiten bei Ent⸗ fernung des Königs Konſtantin von Griechenland durch 1.euni die Ententemächte iſt von einer Perſonlichkeit verfaßt, die als Augenzeuge in unmittelbarer Umgebung des Monarchen alles von Stunde zu Stunde mit erlebt hat und von allen diplo⸗ matiſchen Dokumenten und ſämtlichen Einzelheiten genaue Kennt⸗ nis beſitzt. Die Darſtellung reicht von der Ankunft des franzoͤſiſchen Miniſters Jonnart, der als Hoher Kommiſſar der drei Maͤchte England, Frankreich und Rußland unter bedeutender Machtentfaltung vor Athen erſchien, um die Abdankung des Königs zu verlangen, bis zur Abreiſe des Königs Konſtantin und der königlichen Familie, welche kurz darauf erfolgte“). Rein ſachlich gehalten, ſieht dieſe Schilderung von einer Kritik der Dinge ab und überläßt es dem )In der Form eines Athener Briefes ſind dieſe Aufzeichnungen von der „Union Hellénique de Suisse“ unter dem Titel„Le départ du Roi Constantin“ in Genf veröffentlicht und uns freundlich zur Verfügung geſtellt worden. 6 Leſer, ſich über dieſen ſtärkſten Gewaltſtreich der Entente gegen⸗ über Griechenland ein Urteil zu bilden. durch die zum Verſtändnis notwendigen, bisher zum Teil unver⸗ öffentlichten Schriftſtücke in wortgetreuer Übertragung. Sie wird vervollſtändigt Die europäiſche Preſſe wird bezüglich Griechenlands ausſchließ⸗ lich durch die Berichte der Ententeagenturen geſpe mehrfachen Kontrolle unterliegen. kaum mehr ins Ausland. So iſt der ganze Sachverhalt der Ver⸗ treibung des Königs Konſtantin ſehr unvollkommen geſchildert und in unglaublicher Weiſe entſtellt worden. Das deutſche Publikum war eben im letzten Jahre von Griechenland vollkommen abge⸗ ſchnitten und ausſchließlich auf die M gewieſen. iſt, die einer Griechiſche Zeitungen gelangen itteilungen der Entente an⸗ Die dramatiſchen Ereigniſſe, die ſich innerhalb weniger Stunden Die Entente rühmt ſich, abgeſpielt haben, werfen ein helles Licht auf die ganze letzte Leidens⸗ geſchichte Griechenlands. Sie bilden den Höhepunkt eines Marty⸗ riums, welches ein treues Volk und ein dulden mußten, politik durchdrungen waren. M geſchichte eine ſolche Kette von Leiden ſuchen, die ein neutrales Land über ſich ergehen laſſen mußte, einzig und allein um ſeine Neutrali⸗ tät zu bewahren. heldenhafter König er⸗ nur weil ſie von der Notwendigkeit der Neutralitäts⸗ an wird vergebens in der Welt— durch die Ausweiſung des Königs Konſtantin einen großen Sieg über die Mittelmächte und über Griechenland errungen zu haben. Es ſteht aber gerade im Gegen⸗ teil feſt, daß die drei Mächte bei dieſem Ultimatum eine Weigerung des Königs und offenen Widerſtand des durch die vorangegangenen Gewalttaten vollſtändig entwaffneten Volkes lieber geſehen hätten; denn Widerſtand hätte die Beſetzung des ganzen Landes gerecht⸗ fertigt und hätte außer der uneingeſchränkten Verfügung über ganz Griechenland zu kriegeriſchen Zwecken der Entente ein ſchönes Pfand und ein wertvolles Tauſchobjekt beim Ende des Krieges in die Hand gegeben, wenn ſie ſchon Griechenland nicht mit ſich in den Weltbrand reißen konnte. Der widerſpenſtige Griechenkönig, gegen den die Entente in der öffentlichen Meinung ſeit Beginn des Krieges eine künſtliche Feindſchaft nährte, und ſeine Gattin, die Schweſter des Deutſchen Kaiſers, wären gefangen genommen, Athen und griechiſche Küſtenſtädte wären beſchoſſen worden und große Sieges— meldungen hätten in die Welt hinauspoſaunt werden können. All dieſe Vorteile ſind der Entente durch den raſchen Entſchluß des Königs und die zielbewußte, diſziplinierte Haltung des griechi⸗ ſchen Volkes entgangen. Wieder einmal haben Liſt und Gewalt nicht vermocht, das kleine Land aus der eingeſchlagenen politiſchen Richtung herauszutreiben. Mit faſt unverſehrten Kräften ſteht es da, der Ubermacht der Großen zum Trotz. Um ſich ein Bild von der Sachlage bei Jonnarts Ankunft zu machen, muß man auf die Ereigniſſe der letzten Jahre zurück⸗ greifen. Nachdem Venizelos im Herbſt 1915 die Entente eingeladen hatte, in Saloniki zu landen, und den„Schutzmächten“ dadurch den Vorwand zu jeder Willkür gegeben hatte, waren dieſe auf dem Wege der Unterdrückung immer weiter Schritt für Schritt vor⸗ gegangen. Beſetzung der Kleinaſien vorgelagerten Inſeln, Landung der geſchlagenen ſerbiſchen Armee auf Korfu, Beſetzung der andern ioniſchen Inſeln; Einmiſchungen aller Art in die inneren An⸗ gelegenheiten Griechenlands, Feſthalten griechiſcher Schiffe, griechi— ſcher Poſtſäcke und Telegramme; Einſetzung einer engliſch⸗franzöſi⸗ ſchen Polizei, deren höchſt zweifelhafte Organe ſich jede Willkür erlaubten, ſogar Einheimiſche und Fremde auf offener Straße oder in ihren Wohnungen„verhafteten“ und auf franzöſiſche oder engliſche Kriegsſchiffe ſchleppten: ſo häuften ſich die unerhörteſten Verletzungen des Völkerrechts von Tag zu Tag. Kein Wunder, daß das urſprünglich eher ententefreundliche Volk ſeine„Be⸗ ſchützer“ immer mehr haßte, je näher es ſie kennen lernte, und daß beſonders die ſeit dem Oktober 1915 mobiliſierte Armee immer treuer zum König und ſeiner Politik hielt. Die Bedrückungen der Entente ſchienen ihren Höhepunkt er⸗— reicht zu haben, als die„Schutzmächte“ plötzlich am 21. Juni 1916 mit einer ſtarken Flotte vor dem Piräus erſchienen und ein Ulti⸗ matum überreichten, das geradezu die Freiheit Griechenlands aufhob: Beſeitigung des Miniſteriums Skuludis, Auflöſung der Kammer und Neuwahlen, Demobiliſierung des Heeres, Ver⸗ 8 bannung der Propaganda der Mittelmächte! Unter dem Druck der Schiffsgeſchütze, denen Athen wehrlos ausgeſetzt war, mußte dieſes unerhörte Ultimatum angenommen werden. Damit begann aber nur eine neue Kette von Demütigungen und Unterdrückungen, von denen hier nur die weſentlichſten er⸗ wähnt werden ſollen: Die zuerſt geforderte Auflöſung der Kammer wird wieder verboten, weil die Entente einſieht, daß ein neues Parlament gegen Venizelos noch feindlicher ſein würde, zugleich aber wird die Zuſammenberufung der beſtehenden Kammer nicht erlaubt und— es klingt unglaublich, iſt aber ſchlichte Wahrheit— werden neue Zwangsmaßregeln angewendet zur Strafe dafür, daß Griechen⸗ land dieſe Forderung des Ultimatums nicht ausgeführt habe! Nach der Demobiliſierung richtet ſich der Zorn der Entente gegen die königstreuen Reſerviſtenbünde. Die griechiſche Kriegsflotte wird eines Tages einfach weggenommen, und während das Volk, in richtiger Erkenntnis der Lage, auch dieſe unerhörte Vergewalti⸗ gung äußerlich ruhig hinnimmt und ſeine ſchmerzvolle Wut unter⸗ drückt, landet der Admiral Dartige du Fournet Truppen,„um die Unruhen zu unterdrücken“, die niemals ſtattgefunden hatten! Nachdem Agenten der Entente auf harmloſe Studenten, die dem König huldigen wollten, aus dem Hinterhalt geſchoſſen hatten, werden die franzöſiſchen Patrouillen in Athen verſtärkt„um die Ordnung wieder herzuſtellen“. Die Fabel vom Wolf und Lamm könnte keine beſſere Illuſtration finden. Dabei übergehen wir 9 zahlreiche andere Untaten, ſogar ſo große, wie den von der Entente ſelbſt eingefädelten und bezahlten„Überfall“ gegen die franzöſiſche Geſandtſchaft und den Brand des Parks und Schloſſes von Tatoi, der Sommerreſidenz, in der die königliche Familie weilte. Bei der Annahme des Ultimatums vom 21. Juni hatte die Entente feierlich verſprochen, daß den Geſandtſchaften der Mittel⸗ mächte kein Haar gekrümmt werden ſollte. Am 20. November hat ſie der franzöſiſche Admiral kurzerhand, über den Kopf der griechiſchen Regierung hinweg, des Landes verwieſen. Zugleich forderte ein neues Ultimatum die Übergabe des größten Teiles der griechiſchen Artillerie. Als dies abgelehnt wurde, rückten am 1. Dezember etwa 3500 Franzoſen, Engländer und Italiener gegen die Stadt vor; die aufs äußerſte erbitterte Garniſon von Athen widerſetzte ſich den Eindringlingen, auf der ganzen Linie entſpannen ſich Einzelkämpfe. Nach wenigen Stunden waren die Angreifer geſchlagen, der Admiral Fournet ſaß mit ſeinen Marineſoldaten im Zappeion— dem Ausſtellungsgebäude des Stadtparks— von griechiſchen Truppen umſtellt, und während die ſchweren Schiffs⸗ geſchütze der Franzoſen ſtundenlang auf das Schloß feuerten, erſchienen die Geſandten der„Schutzmächte“ ganz verſtört beim König und baten inſtändig uVm einen Waffenſtillſtand, der ihnen auch gewährt wurde. Tags darauf wurden Putſchverſuche be— waffneter Venizeliſten unterdrückt, die Neſter von Waffen und Munition in den Häuſern des Venizelos und ſeiner Getreuen 10 ausgehoben, die Rädelsführer und die Ententepolizei gefangen geſetzt, die Ordnung wieder hergeſtellt“). Von ſeinen„Beſchützern“ befreit, von den ärgſten Verrätern geſäubert, atmete Athen nach langen Monaten der Knechtſchaft wieder auf. Die Freiheit ſollte nur von kurzer Dauer ſein. Nach wenigen Tagen wird ohne jede weitere Verhandlung die Blockade über ganz Griechenland verhängt und bald darauf durch ein neues Ultimatum der„Schutzmächte“(vom 1./ 14. Dezember) die völlige Entwaffnung des griechiſchen Heeres und ſeine Verlegung in den Peloponnes gefordert. Die Ententegeſandten begeben ſich auf die Kriegsſchiffe und drohen von dort beſtändig mit der Beſchießung Athens, wenn ihre Forderungen nicht erfüllt werden. König und Regierung müſſen ſich der brutalen Gewalt beugen! Aber trotz⸗ dem jenes Ultimatum und ein weiteres vom 26. Dezember/ 8. Ja⸗ nuar 1917 feierlich die Aufhebung der Blockade verſprochen hatten, ſobald die Ausführung der Forderungen begonnen k(nicht voll⸗ zogen!) wäre, wurde die Aushungerung Griechenlands erbarmungs⸗ los bis zum 20. Juni fortgeſetzt. In dieſer ganzen Zeit wurde nur hie und da ein Kornſchiff durchgelaſſen, wenn die Not aufs äußerſte ſtieg. Mehrfach hat es tagelang, einmal eine volle Woche, kein Brot, auch keinen Erſatz, wie etwa Reis oder Hülſenfrüchte, in Athen gegeben. ) Die Entente und die Venzeniſten haben natürlich dieſe Ereigniſſe als Ver⸗ rat und furchtbares Blutbad darzuſtellen verſucht. Täglich ſtarben mehrere Menſchen am Hunger; das Volk litt unſäglich; aber es hielt an der Neutralitätspolitik feſt und wurde in ſeiner Königstreue nur noch beſtärkt. Die ententefeindliche Stimmung wuchs mit jedem Tag mehr und mehr. Die nach dem Ultimatum vom 8.1. Juni 1916 eingeleitete Einmiſchung in die innern griechiſchen Angelegenheiten und die ſchmachvolle Taͤtig⸗ keit der engliſch⸗franzöſiſchen Polizei hatten nach dem blutigen Zuſammenſtoß am 1. Oezember eingeſtellt werden müſſen. Die Entente merkte, daß das Spiel für ſie verloren ſei, um ſo mehr, als die Ausſicht auf eine gute Ernte in Theſſalien die Weiterführung der Blockade bald zwecklos machen mußte. Die Truppen des Generals Sarrail ſtanden untätig an der mazedoniſchen Front; als Erklärung dafür mußte immer wieder die angeblich von Seiten Griechenlands drohende Gefahr herhalten. Außerdem war die Verpflegung dieſer Truppen durch den Unterſeebootkrieg bedeutend erſchwert; um ſo mehr lockte die heranreifende theſſaliſche Ernte zu einer Beſetzung Griechenlands. Die mit fremder Waffengewalt unternommene venizeliſtiſche Revolution war vollſtändig miß⸗ lungen. Die proviſoriſche Regierung in Saloniki konnte ſich nur durch den Terrorismus der Ententetruppen behaupten, der Zufluß von Offizieren und Freiwilligen hatte aufgehört. Von den 6000 Offizieren der griechiſchen Armee waren kaum 300 zu Venizelos übergegangen. Selbſt die mit Feuer und Schwert in den von engliſch⸗franzöſiſchen Truppen beſetzten Gebieten erzwungene Re⸗ 12 krutierung hatte nur geringe Ergebniſſe gezeitigt. So ſtanden die Dinge, als die Entente in Verbindung mit Venizelos ſich zu einem letzten Gewaltſtreich entſchloß. Die Entthronung des Königs trat immer mehr in den Vorder— grund der Beratungen, und die Schutzmächte beſchloſſen, Jonnart nach Athen zu entſenden. Die Tätigkeit dieſes Mannes wird der Leſer ſpäter im einzelnen verfolgen können: die rückſichtsloſe Vergewaltigung der griechiſchen Verfaſſung und Dynaſtie, den Umſturz der beſtehenden inneren Rechtslage ſowie die Verletzung der elementarſten und verfaſſungs⸗ mäßig garantierten bürgerlichen Rechte durch die„Schutzmächte“, obwohl dieſe ausdrücklich und in feierlichſter Form erklärt hatten, ſich weiterhin von jeder innerpolitiſchen Einmiſchung fern⸗ halten zu wollen; die Drohungen gegen ein wehrloſes Volk zu dem Zwecke, ihm ſeinen König zu entreißen, nachdem man es durch Liſt und Gewalt entwaffnet hatte; die neuen Zuſicherungen, die im Namen derſelben„Schutzmächte“ abgegeben wurden und von denen ebenfalls keine gehalten werden ſollte. Der Leſer wird ſich dabei gewiß fragen, ob die ſo erreichte Ent⸗ fernung des Königs, abgeſehen von jedem Geſichtspunkt der Moral oder Nützlichkeit, einen haltbaren Zuſtand ſchaffen kann. Er wird gewiß zu einem negativen Ergebnis gelangen. Auch der neue Verſuch, Griechenland zur Beteiligung am Kriege zu noͤtigen, kann trotz fremder Waffengewalt und der zum Hohn der 13 ———————PP.˖PPCP rr — Zuſicherungen Jonnarts von der Entente unterſtützten Willkür⸗ herrſchaft Venizelos' nur mißlingen. Die Begeiſterung und Liebe des Volkes für ſeinen König wächſt tagtäglich mehr und mehr. Die Befreiung von den„Schutzmächten“ wird zum nationalen politiſchen Programm. Das griechiſche Volk erwartet mit Ungeduld das Ende des Krieges. Die Erkenntnis einer weitgehenden Intereſſengemein⸗ ſchaft mit den Mittelmächten iſt durch ſeine Leidensgeſchichte nur noch geſtärkt worden. Griechenland hofft in nicht mehr allzuferner Zeit von fremden Truppen befreit, innerlich wieder hergeſtellt, die Früchte ſeiner geraden und vernünftigen Haltung zu ernten. Und wenn die durch den Rieſenkampf angefachten Leidenſchaften ſich legen und die erdichteten Kriegsnotwendigkeiten einer Ver⸗ gangenheit angehören, von der man ungern ſpricht, wird die Stimme Griechenlands überall wieder frei ertönen können, um der Welt zu ſagen, daß trotz aller Ubermacht Recht vor Unrecht geht und daß es kein eitler Wahn iſt, an Wahrheiten zu glauben, die ſich durch die Arbeit vieler Jahrhunderte in der Menſchheit durchgerungen haben. Oer Mann aber, der die größten eigenen Opfer nicht geſcheut hat, damit ſein Land vor Verheerung und ſein Volk vor einer nutzloſen Kataſtrophe bewahrt werde, er wird in die dankbare Heimat zurückkehren und wieder ſeinen Thron beſteigen. Sein Volk hat nur dieſen einen ſehnlichſten Wunſch, ihn ſo bald wie 14 möglich im Triumph aus der Verbannung nach Athen zurückzu⸗ rufen. Dieſem Willen eines freien Volkes wird ſich dann niemand widerſetzen können. Deutſchland und ſeine Verbündeten ſind ſich gewiß deſſen bewußt und werden jede Beſtrebung zur Wiederherſtel⸗ lung der geſetzmäßigen Zuſtände in Griechenland und zur Be⸗ feſtigung der griechiſchen Unabhängigkeit mit voller Kraft unter⸗ ſtützen. Aber es ſteht zu erwarten, daß auch die Ententemächte wünſchen werden, Eindrücke und Erinnerungen zu verwiſchen, welche mit der modernen Auffaſſung einer Staatengemeinſchaft unvereinbar ſind. Haben ſie doch der Entente die Sympathien eines Volkes entfremdet, das eine beſſere Behandlung verdient hätte und ſeine ſchon drei Jahrtauſende lang im öſtlichen Mittel⸗ meerbecken und darüber hinaus erwieſene Bedeutung nicht leicht verlieren wird. NNN 1 ionntag, 28. Mai/ 10. Juni, traf Herr Jonnart an Bord des franzöſiſchen Panzerſchiffs„Juſtice“ von Salonik im 1.Ei Piräus ein. Am Montag vorher hatte er ſchon einmal Keratſini(bei Salamis) berührt, allerdings ohne den Miniſter⸗ praͤſidenten, Herrn Zaimis zu ſprechen. Dieſer hatte damals nur eine Unterredung mit dem franzöſiſchen Deputierten David, der Jonnart begleitete und den Miniſterpraͤſidenten aufſuchte. Dieſe erſte Beſprechung betraf im weſentlichen„den Ernſt der Lage“. Herr David betonte, daß die„Schutzmächte“ lediglich darauf bedacht ſeien, die Einheit des zerriſſenen Griechenlands wieder herzuſtellen; ſie hätten ſtets die gleichen freundſchaftlichen Gefühle für dieſes Land gehegt,„ohne je ſeine Verfaſſung oder ſeine Dynaſtie verletzen zu wollen“. Herr David fügte hinzu, daß die drei Mächte volles Vertrauen zu Herrn Zaimis hegten und hofften, er werde bereit ſein, die Regierung weiter zu führen. Schließlich bemerkte 16 — ⏑W er, Herr Jonnart wünſche ſehr bei ſeiner Rückkehr aus Saloniki mit Herrn Zaimis zuſammenzutreffen; er bäte dieſen, ihn dann zu beſuchen, da er ſelbſt kaum bis nach Athen fahren werde. Genau dasſelbe wiederholte am Tage vor Herrn Jonnarts Rückkehr nach Keratſini der franzöſiſche Geſandte in Athen, Herr Guillemin; er hatte den Miniſterpräſidenten aufgeſucht, um ihm mitzuteilen, daß die Regierungen der drei Großmächte völlig den Standpunkt Griechenlands in der Frage der theſſaliſchen Ernte teilten“). Herr Guillemin ſagte, er glaube nicht, daß Herr Jonnart als Vertreter der„Schutzmächte“ komme, noch auch, daß die Geſandt— ſchaften aufgehoben würden. Nur er, Guillemin, ſelbſt werde auf Urlaub gehen, weil ſeine Geſundheit noch einem Sommer in Athen nicht gewachſen ſei. So waren bei Herrn Jonnarts Ankunft im Piräus(Sonntag, 28. Mai/ 1o. Juni) der griechiſchen Regierung weder ſeine Pläne noch ſeine Machtbefugniſſe bekannt. Man wußte nur, daß Lloyd George und Ribot bei ihren letzten Zuſammenkünften die Ent⸗ thronung König Konſtantins oder wenigſtens ſeine vorübergehende ) Um die beim Heranreifen des Korns drohende Beſetzung Theſſaliens durch die verbündeten Truppen zu verhüten, hatte Herr Zaimis die Abtretung eines Teiles der Ernte vorgeſchlagen. Der franzöſiſche Standpunkt wird aus folgen⸗ der Bemerkung des„Matin“ vom 2. Juni klar:„Unſer Intereſſe an der neuen theſſaliſchen Ernte iſt nicht nur ein freundſchaftliches für das venizeliſtiſche Griechen⸗ land, ſondern auch ein militäriſches, zugunſten unſerer Orientarmee.“ 17 Entfernung beſprochen hätten. Einflußreiche politiſche Kreiſe in England mißbilligten dieſe Pläne, Italien wies ſie entſchieden ab. Ferner hatte man ſchon Samstagabend erfahren, daß ein ſtarkes franzöſiſches Geſchwader mit zahlreichen Truppen im Golf von Korinth kreuzte, daß am Sonntagmorgen eine Landung bei Itea erfolgt ſei“), und daß man an den vorhergehenden Tagen die bei Keratſini liegende Mittelmeerflotte der Alliierten weſentlich ver— ſtaͤrkt habe. Gleich nach ſeiner Ankunft richtete Herr Jonnart an Herrn Zaimis die Bitte, ihn an Bord der„Juſtice“ zu beſuchen; der Miniſterpräſident folgte ſofort, gegen 6 Uhr abends, dieſer Auf⸗ forderung. Herr Jonnart war ſehr zuvorkommend, aber zugleich ſehr entſchieden in ſeinen Forderungen. Er verſicherte, daß die drei„Schutzmächte“ ein großes, ſtarkes und völlig unabhängiges Griechenland wünſchten und deshalb ſeine Einheit wiederherſtellen müßten.„Die Mächte,“ fügte er hinzu,„wollen in keiner Weiſe Hand an die Verfaſſung oder die Oynaſtie legen“; doch ſeien ſie gerade dabei, über die Perſon König Konſtantins zu verhandeln. Abrigens ſolle das Ergebnis ihres Meinungsaustauſches Herrn ) Von Itea, dem Hafen des alten Delphi, führt die einzige Fahrſtraße heute wie im Altertum über die mittelgriechiſchen Hochgebirge vom Korinthiſchen Golf nach Theſſalien. Das gibt dem kleinen Ort ſtrategiſche Bedeutung. 18 kes bon tea bei er⸗ ute zolf Zaimis mitgeteilt werden, ſobald Herr Jonnart die erwarteten Depeſchen erhalte. Er ſprach mit„großer Sympathie“ vom König, den er als Vertreter Frankreichs bei dem Begräbnis des verſtorbenen Königs Georg J. kennen gelernt habe. Der Miniſterpräſident ver⸗ fehlte natürlich nicht, Einſpruch dagegen einzulegen, daß die Perſon des Monarchen in die Diskuſſion gezogen würde. Für den Augenblick forderte Jonnart ſchriftlich, Griechenland ſolle eine Verſtärkung der Ententetruppen auf dem Iſthmus von Korinth zulaſſen“), desgleichen die Beſetzung einiger Städte Theſſaliens,„damit man dort die Ernte kontrollieren könne“. Der Miniſterpräſident erhob keinen Einſpruch gegen dieſe Forde⸗ rungen, obwohl ſie den Tags zuvor gegebenen Verſicherungen Guillemins widerſprachen: dieſer hatte verſichert, daß die griechiſchen Vorſchläge durch die drei Mächte angenommen ſeien und jede Gefahr einer Beſetzung Theſſaliens durch die Alliierten abge⸗ wendet ſei. Herr Jonnart ſprach auch von der Entfernung einiger griechiſcher Perſönlichkeiten und nannte Herrn Gunaris, den früheren Miniſter⸗ präſidenten und Führer der Kammermehrheit, den Generalſtabs—⸗ chef Dusmanis, den ſtellvertretenden Generalſtabschef Metaxas und andere. Herr Zaimis antwortete, daß er eine ſolche Maß⸗ ) Da der 7 Kilometer lange Iſthmus die einzige Verbindung des Peloponnes mit dem Feſtlande bildet, war der im Peloponnes eingeſchloſſenen griechiſchen Armee jede Möglichkeit des Eingreifens genommen. 19 T˖CCDYNDNHDNNNNNNNe regel nicht ergreifen könne, da die Verfaſſung ausdrücklich eine Ver⸗ bannung griechiſcher Bürger ins Ausland verböte; außerdem legte er dar, wie wenig begründet dieſe Maßregel an ſich ſei. Herr Jonnart beſtand nicht weiter auf ſeiner Forderung und verfehlte nicht, das Vertrauen der Mächte zu Herrn Zaimis zu betonen:„Wenn er im Amte bleibe, ſei er der einzige zur Wiederherſtellung der Einheit des Landes fähige Staatsmann“. Die Mächte, fügte er hinzu, achten den Willen des griechiſchen Volkes, neutral zu bleiben, und wollen um keinen Preis Griechen⸗ land in den Weltkrieg hineinziehen oder ſich in ſeine innere Politik miſchen; das haben ſie ja mehrmals in der feierlichſten Weiſe ver⸗ ſprochen“). Nur müſſe man, um die Gemüter zu beruhigen und die Einheit wieder herzuſtellen, ſofort die Venizeliſten begnadigen, welche nach den Ereigniſſen des 1. Dezember wegen Hochverrats oder Aufruhrs angeklagt und nach dem Ultimatum vom 18./31. De⸗ zember r916 freigelaſſen ſeien. Ferner waͤre es angezeigt, die Frage einer Geſamtamneſtie für alle die zu erwägen, welche an dem Aufſtand teilgenommen hätten. Herr Zaimis antwortete, daß eine Forderung der Mächte über den erſten Punkt ſchon vorliege, obwohl es prinzipiell keinen Grund mehr für eine ausdrückliche ) Verngleiche die Note im Anhang Seite 53f. ſowie die öffentlichen Erklärungen Jonnarts unten Seite 26. Trotzdem hat Venizelos die Beziehungen zu den Mittelmächten abgebrochen, ſobald er von der Entente nach Griechenland zurück⸗ seführt war und die Macht in Händen hatte(16./29. Juni 1917). 20 Amneſtie gebe, da nach der Ausführung des Ultimatums vom 18./31. Oezember alle wegen der Ereigniſſe des 1. Dezember ver⸗ folgten Leute ſchon freigelaſſen und ſogar ihre Akten unterdrückt worden ſeien. Anderſeits wies der Miniſterpräſident Herrn Jonnart darauf hin, daß die zahlreichen Biſchöfe, Prieſter, Deputierten, Richter, Verwaltungsbeamten, Offiziere, Unteroffiziere und Sol⸗ daten, die durch das Triumvirat von Saloniki“) feſtgenommen worden ſeien, weil ſie, ihrem Eide treu, ſich dem Aufſtand nicht an⸗ geſchloſſen hätten, ſämtlich ſeit langen Monaten in den Gefäng⸗ niſſen ſchmachteten, obwohl die griechiſche Regierung ſchon längſt ihre Freilaſſung gefordert und dieſe Freilaſſung ihr verſprochen ſei gegen die Befreiung der Venizeliſten, die ſchon erfolgt ſei. Denn bei der Abergabe des Ultimatums vom 31. Dezember 1916 hatten die Geſandten der„Schutzmächte“ in Athen feierlich verſichert, daß die von Venizelos gefangen gehaltenen Perſonen ſofort nach der Ausführung des Ultimatums freigelaſſen werden ſollten. Was eine allgemeine Amneſtie der Venizeliſten betreffe, hat Herr Zaimis wohl geantwortet, daß man dieſe Frage unterſuchen werde. 5 Bekanntlich beſtand das ſogenannte Triumvirat von Saloniki aus Venizelos, dem General Danglis und dem Admiral Kunduriotis. 21 II. Wie verabredet, begab ſich der Miniſterpräſident Tags darauf 3(Nontag, 29. Mai/1r. Juni, um 9 Uhr morgens) von neuem zu Herrn Jonnart. Unterdeſſen war man in der Stadt die ganze Nacht hindurch ſehr unruhig geweſen. Gerüchte von einem Ultimatum von äußerſter Schaͤrfe liefen um. Schon zu früher Stunde bildeten ſich Gruppen, die ſtändig wuchſen und aufgeregt die Lage beſprachen, voll bitterer Kritik gegen die Regierung und Entrüſtung gegen Zaimis, der bereit ſei, wiederum neuen Forderungen der Mächte zu weichen. Da man Unruhen befürchtete, veröffentlichte die Regierung folgende Erklaͤrung, während Zaimis noch bei Jonnart war: Montag, 29. Mai, 9 Uhr früh. „Nach einer amtlichen Mitteilung ſind alle Gerüchte von neuen übertriebenen Forderungen der Mächte an den Miniſter⸗ praͤſidenten unbegründet. Der Miniſterpraͤſident hat in ſeiner geſtrigen Beſprechung mit dem Vertreter der drei Mächte nicht die geringſte Gefahr, ſei es für die Unabhängigkeit des Landes, ſei es für die Oynaſtie oder die Regierungsform, zu erkennen vermocht. Im Gegenteil, Herr Jonnart hat den Wunſch der Mächte, Griechenland groß, ſtark und vollkommen unabhängig iu ſehen, ausdrücklich betont. So darf das griechiſche Volk if u ruhig bleiben im Vertrauen auf ſeinen König und die Regie⸗ rung und in der Überzeugung, daß es den Erfolg ihrer Bemũ⸗ hungen durch ſeine friedliche Haltung ſichern wird.“ ** Die zweite Unterredung zwiſchen Zaimis und Jonnart dauerte ungefähr eine Stunde; um 11 èའUhr war der Miniſterpräſident ſchon aus dem Piräus zurückgekehrt und begab ſich ſofort ins Schloß. In dieſer Unterredung überreichte Herr Jonnart ohne viele Umſchweife dem Miniſterpräſidenten ein Ultimatum der drei „Schutzmächte“, welches nichts Geringeres als die Abdankung König Konſtantins forderte, weil er die von den Mächten garantierte Verfaſſung verletzt habe. Man forderte den König auf, im Ein⸗ vernehmen mit den drei Mächten einen Nachfolger unter ſeinen Leibeserben zu wählen; ausgeſchloſſen war dabei der Kronprinz, gegen welchen die Mächte ohne weitere Begründung dasſelbe Miß⸗ trauen hegten; der Kronprinz biete nicht die Garantien, die ſie zurzeit zu fordern gezwungen ſeien. Für die Annahme dieſes Ultimatums war eine Friſt von 24 Stunden zugeſtanden, welche Tags darauf um Mittag ablief“). Der Hohe Kommiſſar drohte im Falle eines Widerſpruches die Stadt zu beſchießen und Griechen⸗ land zu beſetzen. ) Siehe den Text des Ultimatums, Seite 55. 23 ELLel ο.u.uν.ν..νι — Herr Jonnart gab zu gleicher Zeit die feierliche Verſicherung, daß alle Repreſſalien gegen Griechen, welcher Partei ſie auch an⸗ gehörten, erbarmungslos unterdrückt werden ſolltenꝰ). Die Frage ) Wie die Entente dieſe feierlichen Verſprechungen gehalten hat, kann man aus folgenden Tatſachen entnehmen, die man mit dem im Anhang Nr. 3 abge⸗ druckten Ultimatum und der Denkſchrift vergleichen möge, ſowie mit den weiter unten angeführten Erklärungen Jonnarts. Nicht nur ſind ſeither alle Brüder des Königs mit ihren Familien aus Griechenland vertrieben worden, ſondern die weitgehendſten und geradezu unerhörten Repreſſalien faſt unmittelbar nach der Abreiſe des Königs durchgeführt worden. Wir erwähnen von dieſen nur folgende: Eine Liſte von dreißig Perſonen, deren Vertreibung Herr Jonnart forderte, wurde am 5./18. Juni veröffentlicht. Sie umfaßte vor allem die Herren Gunaris, früheren Miniſterpräſidenten und Führer der Kammermehrheit; Dragumis, den früheren Geſandten in Petersburg; General Dusmanis, Generalſtabschef; Oberſt Metaxas, ſtellbertretenden Generalſtabschef; von Hößlin, frühern Kammer⸗ praͤſidenten; Merkuris, frühern Bürgermeiſter von Athen; die Abgeordneten Merkuris(Sohn) und Pesmazoglu; Livieratos, Generalſtaatsanwalt; Sayas, Rechtsanwalt. Alle dieſe befinden ſich in Ajaccio auf Korſika, wohin man ſie mit Gewalt verſchleppt hat. Auch der frühere Miniſter des Außern, Profeſſor von Streit, ſtand auf der Liſte, hatte aber ſchon im Gefolge des Königs Athen verlaſſen. Alle andern frühern Miniſterpraͤſidenten, Dragumis, Skuludis, Lambros und andere hervorragende Zivil⸗ und Militärperſonen, im ganzen 103 an der Zahl, ſind unter Aufſicht geſtellt(ſiehe den„Temps“ vom 22. Juni). Die Preſſefreiheit iſt unterdrückt worden. Die Gefängniſſe ſind mit„politiſch Ver⸗ daͤchtigen“ angefüllt. Sobald Venizelos zur Macht gelangt war, hat er durch ein Dekret in voͤllig ungeſetzlicher Weiſe die von der Verfaſſung garantierte Unabſetzbarkeit der Richter und Beamten aufgehoben. Sämtliche Präfekten des Königreiches und mehrere tauſend Beamte wurden abgeſetzt. Die heilige Synode iſt gezwungen worden, ihre Tätigkeit einzuſtellen. Alle Biſchöfe des Königreichs bis auf fünf ſind in 24 . i⸗ e W einer allgemeinen Amneſtie ſollte ernſtlich erwogen werden. Wenn die öffentliche Ordnung geſtört würde, ſollte ſie mit Gewalt durch die alliierten Truppen wieder hergeſtellt werden“). Herr Jonnart wiederholte, daß die Mächte ſelbſtverſtändlich die „griechiſche Verfaſſung reſpektieren würden“. Den eigentlichen Inhalt der anſchließenden Unterredung zwiſchen Zaimis und Jonnart bidete die Erklärung des Hohen Kommiſſars der Mächte, daß dieſe durchaus nichts gegen eine Rückkehr König Konſtantins auf den griechiſchen Thron einzuwenden hätten, für den Fall, daß ſpäter das griechiſche Volk den Wunſch danach ausſpräche. Herr Jonnart ermächtigte Herrn Zaimis, dieſe Erklärung zu ver⸗ oͤffentlichen; er bemerkte zu gleicher Zeit, daß anderſeits, wenn das Anklagezuſtand verſetzt. Der Präſident, der Vizepräſident und ſechs Mitglieder des Kaſſationshofes ſowie zahlreiche Räte beim Appellgericht und andere richter⸗ liche Beamte ſind abgeſetzt. Faſt alle Generäle, faſt alle Admiräle, 127 hohe Offiziere, darunter 60 Oberſten, ſind ſofort außer Dienſt geſtellt. 150 andere Offiziere ſind gleichzeitig feſtgenommen worden. Der beigeordnete Gouverneur der Nationalbank, Herr Zographis, und der Vizegouverneur, Herr Maximos, wurden zum Rücktritt gezwungen. Der Rektor ſowie mehrere andere Würden⸗ träger der Univerſität und verſchiedene Profeſſoren ſind abgeſetzt worden. Die „Reinigung“ dauert fort; zurzeit befinden ſich 1300 Offiziere als Internierte auf den Cycladen, 400 ſind im Gefängnis. Der Belagerungszuſtand wurde im ganzen Königreich verhängt. Eine„Generalamneſtie“ iſt bewilligt worden, aber nur für die Venizeliſten(ſiehe„Temps“ vom 28. Juni, r. und 2. Juli uſw.). *) Obwohl die öffentliche Ordnung nicht geſtört wurde, haben franzöſiſche Truppen ganz Theſſalien beſetzt und ſind bis Lamia vorgedrungen. 40000 Soldaten haben die Stadt Athen beſetzt. Für die Einzelheiten vergleiche man den„Temps“ vom 30. Juni und den„Secolo“ vom 29. Juli. —————— Ultimatum nicht ausgeführt werde, die ganze Dynaſtie abgeſetzt und die Republik in Griechenland mit Gewalt proklamiert werde. Die Mächte, fügte er hinzu, gedenken keineswegs Herrn Venizelos nach Athen zurückzuführen; ſobald die Einheit Griechenlands wieder hergeſtellt iſt, wird die vorläufige Regierung in Saloniki als auf⸗ geloſt angeſehen werden. Erſt ſpaͤter würde Herr Venizelos auf lega⸗ lem Wege und nach Neuwahlen die Macht wieder erlangen können. Indeſſen drohte Herr Jonnart mit der ſofortigen Rückkehr von Veni⸗ zelos für den Fall, daß ſein Ultimatum nicht angenommen würded“). Herr Jonnart vermied diesmal jede Anſpielung auf Maßnahmen gegen Politiker Griechenlands oder andere Perſonen, die in letzter Zeit ſich in die griechiſche Politik gemiſcht hätten. Nur Herr Gunaris müßte ſich vielleicht für ein paar Tage nach Patras begeben“). Endlich verſprach Herr Jonnart von neuem kategoriſch, daß Griechen⸗ land nicht gezwungen würde, in den Krieg einzutreten“). ** * ν Am 8./à1. Juni iſt Venizelos im Piräus augelangt, am 13./26. bildete er ſchon ſein Miniſterium, nachdem Zarmis hatte abdanken müſſen. Venizelos leiſtete ſeinen Eid unter dem Schutze fremder Truppen, die ihre Kanonen auf allen die Stadt beherrſchenden Hügeln und ihre Mitrailleuſen auf den Plätzen und den wichtigſten Straßen aufgeſtellt hatten. Siehe die Beſchreibung in „Daily Telegraph“ vom 27. Juni und im„Secolo“ vom 29. Juli. 9) Herr Gunaris iſt auf Befehl Jonnarts nach Ajaccio verſchleppt worden. Siehe oben die Liſte auch der andern wichtigſten vertriebenen oder unter Über⸗ wachung geſtellten Politiker. ν) Venizelos brach die Beziehungen zu den Mittelmächten am 16./29. Juni ab. 26 H Der Miniſterpräſident begab ſich bei ſeiner Rückkehr ſofort zu Seiner Majeſtät dem König und überreichte ihm das Ultimatum. Die Audienz dauerte kaum eine Viertelſtunde. Gleich darauf wurde in aller Eile der Kronrat zuſammenberufen, der aus allen geweſenen Miniſterpräſidenten und den Parteiführern der Kammer beſteht. Die Sitzung des Kronrates dauerte mehr als zwei Stunden. Der König erklärte, daß er entſchloſſen ſei, das Ultimatum der Mächte anzunehmen und Griechenland mit dem Kronprinzen zu verlaſſen. Seine Majeſtät betonte, daß er bei dieſem Entſchluß durch den Wunſch geleitet ſei, Griechenland noch größeres Unheil zu erſparen und einen Konflikt mit den drei Mächten zu vermeiden, welcher der ſeit Anfang des Weltkrieges von ihm befolgten Politik der Neutralität zuwiderlaufen würde. Der König blieb unerſchütter⸗ lich bei ſeinem Entſchluſſe, obwohl faſt alle ihm mit verſchiedenen Argumenten rieten, dieſer letzten Forderung der Mächte zu wider⸗ ſtehen. Einige Mitglieder des Kronrates waren ſogar der An⸗ ſicht, daß der König ſich lieber von den Mächten gefangen nehmen laſſen als nachgeben ſolle. Man wies darauf hin, wie ſchon durch die Landung der Entente⸗ truppen in Saloniki und die Beſetzung der griechiſchen Inſeln die Neutralität Griechenlands verletzt worden ſei, im Widerſpruch mit der Verfaſſung, welche die Anweſenheit eines fremden Heeres auf griechiſchem Boden ohne ein beſonderes Geſetz verbietet; wie ſpäter die Mächte durch alle die Forderungen der verſchiedenen an Griechen⸗ 27 land gerichteten Ultimaten, ſich ein Recht zur Einmiſchung in die inneren Angelegenheiten des Landes angemaßt hätten, welches in keiner Weiſe durch die Verträge begründet ſei; wie ſie die allgemeine Demobiliſierung und die Auflöſung der Kammer gefordert und die letztere Forderung dann aus Angſt vor Neuwahlen zurückgenommen hätten; wie ſie alle Zweige der Verwaltung unter Kontrolle geſtellt, ſich der griechiſchen Flotte bemächtigt, dann ohne die geringſte Berechtigung oder Begründung das Land mehr als ſechs Monate lang blockiert und der Hungersnot ausgeſetzt, wie ſie endlich ge⸗ fordert hätten, daß die geſamte Armee und das Kriegsmaterial im Peloponnes eingeſperrt würde, angeblich aus„Beſorgnis um die Sicherheit der Armee des Generals Sarrail“, aber anderſeits unter dem ausdrücklichen Verſprechen, daß ſie der Venizeliſten⸗ Bewegung nicht erlauben würden, ſich weiter auszudehnen, oder in den von ihnen beſetzten Gebieten venizeliſtiſche Beamte einzu⸗ ſetzen. Ebenſo hätten ſie verſprochen, den Wunſch Griechenlands, neutral zu bleiben, zu achten“). Alle dieſe Opfer und dieſe demütigenden Eingriffe habe Griechen⸗ land ertragen, ausſchließlich um dem Weltkrieg fernzubleiben und ſeine Kräfte für die Zukunft zu bewahren, aber ſelbſtverſtändlich im Vertrauen auf die feierlichen Verſprechungen der Mächte. Nun ) Was die Neutralitaͤt Griechenlands betrifft, vergleiche man die Ultimata Anhang Nr. 1 Seite 53, zu den Garantien für die innere Politik Griechen⸗ lands den Anhang Nr. 3, Seite 54. 28 wollten im ſchreienden Widerſpruch zu allen dieſen Verſprechungen dieſelben Mächte heute die Verfaſſung vollſtändig abſchaffen und ſogar die Abdankung eines Königs fordern, den unlösliche Bande mit der ganzen Nation verknüpften, von dem das griechiſche Volk ſich niemals trennen würde. Dieſe in der Geſchichte unerhöoͤrte Forderung ſei vollkommen unannehmbar.„Herr Jonnart,“ ſagten einige Mitglieder des Kronrates,„droht uns mit Gefahren und Unheil, falls Griechenland das Ultimatum ablehnt, aber es gibt keine Gefahr und kein Unglück das mehr zu fürchten wäre als die Folgen einer Annahme des Ultimatums. Wie kann man übrigens nach all den Verletzungen der feierlichſten Verſprechen, welche die Machte Griechenland gegeben haben, noch daran glauben, daß die Abdankung des Königs ſicher dem Lande ſchlimmeres Unheil er⸗ ſparen würde? Wenn nach dieſem ſchwerſten Opfer Seiner Majeſtät des Königs und der Nation die verbündeten Armeen auf ihrem Weg gegen das alte Griechenland weiter vorrücken, Venizelos mit der Gewalt ihrer Bajonette zur Macht bringen und Griechenland gegen ſeinen Willen und trotz aller Garantien der Entente in den Krieg gegen die Mittelmächte treiben wollen, wer könnte ſie daran hindern? Welche Garantien hat man, daß Jonnarts Verſprechen, Venizelos werde nicht wieder zur Macht gelangen, auch ausge⸗ führt wird? Allerdings könnte Griechenland, vollkommen ent⸗ waffnet, den Truppen und den Flotten der Verbündeten nicht widerſtehen, welche es von allen Seiten einſchließen, aber iſt es nicht 3 29 beſſer, untergehen als ſich entehren, indem man dieſen höchſten Beweis königlichen Opfermutes annimmt?“ J Das waren im weſentlichen die Gründe, welche im Kronrat vor 4 allem die Herren Gunaris, Dragumis, Lambros, Dimitrakopulos, Kalogeropulos und Skuludis vorbrachten. Nur Zaimis und Stratos erklärten ſich für die Fortſetzung einer weniger ſchroffen Politik. 0 Der König blieb unerſchütterlich. Er ſetzte kurz auseinander, welcher leitenden Idee Griechenland weiter folgen müſſe; ſie be⸗ t. ſtände darin, während des Krieges die Neutralität nicht aufzu⸗ 5 geben. d5 „Wir haben nicht das Recht,“ ſagte er,„die Aufrichtigkeit des ſt Herrn Jonnart in Zweifel zu ziehen“). Ich bin der An ſicht, daß 9 5 EERen meine Pflicht gegen das Vaterland mir dieſes Opfer auferlegt, durch welches ihm größeres Unglück erſpart und ein Konflikt mit den Mächten vermieden wird.“ Zum Schluß ließ ſich der König von den vereinigten Politikern i des Landes verſprechen, daß ſie alles Menſchenmögliche tun würden, damit ſein Entſchluß vom griechiſchen Volke ruhig angenommen und die öffentliche Ordnung nicht geſtört würde, da durch jede K Störung eine an ſich ſchon allzu drohende Lage noch verſchlimmert 0 würde. Alle verließen weinend den Saal des Kronrates; der ) Wie es mit der Aufrichtigkeit des Herrn Jonnart ſteht, erkennt der Leſer aus dem ganzen Verlauf dieſer Ausführungen. 5 30 Prinz Alexander, welcher an der Sitzung teilnahm, wiederholte immer wieder, daß er ſich für unfähig halte, die ſchwere Bürde des Königtums zu tragen, und konnte ſein Schluchzen nicht bemeiſtern. So wurde die Annahme des Ultimatums der Maͤchte beſchloſſen. War es nur ein Zufall, daß ſich dieſes Drama gerade an dem Tag abſpielte, an dem einſt der letzte Kaiſer von Byzanz, Konſtantin der Paläologe, auf den Wällen von Konſtantinopel fiel, daß die Entente für ihre letzte Forderung gerade dieſen traurigen Gedenk⸗ tag des Hellenismus gewählt hatte? Wir glauben es nicht und das griechiſche Volk hat es nicht geglaubt. So ſchlug es in Ge⸗ danken eine Brücke, welche die erzwungene Abdankung König Kon⸗ ſtantins und den Heldentod Kaiſer Konſtantins verband, deſſen Erinnerung in der Seele der Griechen nie verblaſſen wird, und die Verknüpfung dieſer beiden Daten aus den Leidenstagen des griechiſchen Volkes läßt den neu erworbenen Ruhmestitel König Konſtantins nur um ſo heller erſtrahlen. Nachdem er ſein Heer in zwei ſiegreichen Kriegen geführt und das Gebiet ſeines Vater⸗ landes verdoppelt hatte, zögerte er nicht, ſeine Krone zu opfern, um ſeinem Volke das Unheil eines mörderiſchen Kampfes und die ewige Feindſchaft der einen oder der andern großen Mächtegruppe Europas zu erſparen. 2* 31 III. Unterdeſſen hatten die Mächte durch die Vermittlung der Agentur Radio folgende Mitteilung verbreitet: „Wir ſind amtlich ermächtigt, zu erklären, daß, wenn die Kriſis, welche gegenwärtig Griechenland durchmacht, friedlich gelöſt wird, die Schutzmächte ſich alsbald mit der Lebensmittel⸗ verſorgung des Landes befaſſen werden. Die Blockade wird aufgehoben werden. Die Mächte werden die perſönliche Freiheit und das Eigentum aller Griechen ohne Unterſchied garantieren; ſie werden keinerlei Repreſſalien dulden. Sie werden die Bedingungen einer allgemeinen Amneſtie erwägen. Die Mächte haben keineswegs die Abſicht, Griechenland zu zwingen, aus ſeiner Neutralität herauszutreten; ſie haben nur die Wiederherſtellung der Einheit des Landes und die Befeſti⸗ gung der verfaſſungsmäßigen Regierung im Auge. Sie ſtreben nur nach dem Glück Griechenlands, mit welchem ſie ſich durch altererbte Bande verknüpft fühlen“). Sie rechnen auf die Ver⸗ nunft des grieckiſchen Volkes und auf ſeine Vaterlandsliebe, und auf ſeine Mitwirkung zur Herſtellung eines einigen, ſtarken und unabhängigen Griechenlands. ) Wie dieſe feierlichen Verſprechungen gebrochen worden ſind und in wie unglaublich kurzer Friſt, beweiſen die auf Seite 42 angeführten Tatſachen. 32 entur mdie edlich ittel⸗ rden ohne lden. igen. d zu nur feſti⸗ eben urch Ver⸗ iebe, rken wie Sollten aber die edeln und liberalen Abſichten der Mächte von dem griechiſchen Volke mißverſtanden werden und der geringſte Zwiſchenfall eintreten, ſo würden die Schutzmächte energiſch mit allen Kräften, über die ſie verfügen, eingreifen. In dieſem Falle wäre Griechenland vor der Geſchichte für alles verantwort⸗ lich, was geſchehen könnte“).“ Die offizielle Mitteilung, welche die Regierung am Morgen ausgegeben hatte, beruhigte das Publikum während einiger Stun⸗ den, aber nach der Rückkehr des Miniſterpräſidenten ſickerte der Inhalt ſeiner Unterredung mit Jonnart durch, und die eilige Be⸗ rufung des Kronrates ließ die Unruhe von neuem wachſen. Die Maßregeln, welche Regierung, Gendarmerie und Polizei ergriffen, die Ermahnungen zur Ruhe, die von allen Seiten Behörden und Politiker gaben, die beſtürzten Geſichter aller derer, die aus dem Schloſſe kamen, ließen keinen Zweifel an dem ungeheuren Ernſt der Lage. Verſtärkte Patrouillen durchzogen die Straßen; die Offtziere verſammelten ſich in ihren Kaſernen. Prinz Andreas, der dritte In einer Unterredung mit dem Miniſterpräſidenten hatte Herr Jonnart mit charakteriſtiſcher Unverfrorenheit geſagt:„Ich bin in Arras geboren, Herr Zaimis, und ich habe meine Vaterſtadt durch eine erbarmungsloſe Beſchießung vollſtändig zerſtören ſehen. Ich wünſche nicht, daß Sie in Ihrem Vaterlande ein ähnliches Schauſpiel erleben. Ich wünſche, daß Griechenland dieſem Unglück entgehe.“ Zaimis erinnerte ihn daraufhin daran, daß Griechenland doch neu⸗ tral ſei! Bruder des Königs, begab ſich zur Amtsſtelle des erſten Armee⸗ korps und hatte eine lange Unterredung mit dem Kommandanten. Man erfuhr bald, daß er auf Befehl des Königs gekommen ſei, um die in Athen anweſenden Offiziere zu ermahnen, ſie moͤchten völlige Ruhe bewahren und jede Entſcheidung annehmen. Der Polizeipraͤſident berief alle einflußreichen Perſönlichkeiten der ein⸗ zelnen Stadtviertel zu ſich und beſchwor ſie, Ruhe zu halten. Das⸗ ſelbe tat der Vorſitzende der„heiligen Schar der Studenten“ in einem Aufruf. Unterdeſſen erfuhr man nicht nur einige Einzelheiten über die Unterredung zwiſchen Zaimis und Jonnart, ſowie die Beſetzung des Iſthmus von Korinth durch zahlreiche franzöſiſche Truppen und die Zerſtörung der Eiſenbahn zwiſchen dem Peloponnes und der Hauptſtadt, ſondern auch, daß die vor Keratſini liegende Flotte bedeutend verſtärkt ſei und daß die Vertreter der drei„Schutz⸗ mächte“ in Athen ſchon ihre Geſandtſchaften verlaſſen hätten, ohne daß man wußte, wo ſie die Nacht zugebracht hätten. Die Erregung des Volkes wuchs von Stunde zu Stunde. Uberall in der Stadt bildeten ſich Gruppen, und man ſagte ſich ſchon, daß es ſich um die Abdankung des Königs handle. ** X* Nachmittags gegen 4½ Uhr fand unter dem Vorſitz des Königs ein Miniſterrat ſtatt, in dem trotz den Einwürfen und dem Flehen 34 gs en der meiſten Miniſter der König auf ſeinem Entſchluß beharrte, der, wie er ſagte, kategoriſch und definitiv ſei. Man mußte ſich alſo mit der Antwort befaſſen, welche die Re⸗ gierung den Mächten geben ſollte, und man beauftragte Herrn Zaimis, dieſe Note abzufaſſen. Ihr Entwurf ſollte vom König gebilligt und dann Herrn Jonnart mitgeteilt werden. So geſchah es, und Jonnart erklärte dem Abgeordneten der Regierung, welcher ihm den Entwurf von Herrn Zaimis' Note mitteilte, daß er mit dem vorgeſchlagenen Text vollkommen einverſtanden ſei. Oer Text der Note lautete: Athen, 29./11. Junl 1917 Herr Hoher Kommiſſar! Oa Frankreich, Großbritannien und Rußland durch Ihre heutige Note die Abdankung Seiner Majeſtät des Königs Kon⸗ ſtantin und die Bezeichnung ſeines Nachfolgers gefordert haben, hat der unterzeichnete Miniſterpräſident und Miniſter des Außeren die Ehre, Euer Exzellenz bekannt zu geben, daß Seine Majeſtaͤt der König, wie immer ausſchließlich auf das Wohl des Landes bedacht, beſchloſſen hat, mit dem Kronprinzen das Land zu ver⸗ laſſen, und als ſeinen Nachfolger ſeinen Sohn, den Prinzen Alexander, beſtimmt. Genehmigen Sie, Herr Hoher Kommiſſar, die Verſicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung.(gez.) A. Zaimis. Dieſe Antwort wurde erſt tags darauf um 8 Uhr übergeben. 35 IV. Sobald die tragiſche Kunde von dieſen Entſchlũſſen ſich in der Stadt verbreitete, ſtürzte das Volk in Maſſen nach dem Schloſſe. Man war entſchloſſen, die Abreiſe des Königs zu verhindern. Die ganze Stadt war in tiefe Trauer verſenkt. Alle Glocken der Stadt läuteten wie zu einem Begräbnis. Das Schloß wurde von allen Seiten umringt. Das Schauſpiel erinnerte an die Tage der Krankheit des Königs, wo Tauſende von Menſchen ſich um das Schloß drängten, um die Berichte der Arzte zu erwarten. Gegen 4 Uhr nachmittags ſieht die Menge ein Automobil, welches vom Schloſſe her kommt. Man zwingt es anzuhalten und erkennt den General Gennadis, Kommandanten des erſten Armeekorps. „Sagen Sie dem König,“ ruft man ihm zu,„daß ſein Volk ihn anfleht, zu bleiben und es nicht zu verlaſſen.“ Der General will ſeinen Weg fortſetzen, er kann es nicht und muß ſich nach einigem Zögern wieder zum Schloſſe begeben. Die Menge folgt ihm unter Hochrufen auf den König. Alle Straßen um das Schloß ſind von Menſchen angefüllt, man hört nur den einen Ruf:„Wir werden ihn nicht gehen laſſen, wir werden die ganze Nacht Wache halten.“ Je ſpäter es wird, deſto dichter drängt ſich die Menge in den Straßen, die nach dem Schloſſe führen, vom Stadion bis ium Konſtitutionsplatz hin. Sie hindern jeden, ins Schloß zu 36 gehen oder es zu verlaſſen. Tiefe Trauer iſt auf allen Geſichtern zu leſen. Überall herrſcht trübes Schweigen, unterbrochen von Ausrufen des Schmerzes und dem Rufe:„Wir werden Oich nicht ziehen laſſen, wir werden Dich nicht verlaſſen.“ ** X Unterdeſſen füllt ſich der Hof und der Vorraum des Schloſſes mit Menſchen. Alle wünſchen Ihre Majeſtäten zu ſehen. Zahl⸗ reiche Abordnungen des Volkes melden ſich beim König und flehen ihn an, ſeinen Entſchluß zurückzunehmen. Als Antwort ermahnt ſie der König zur Ruhe und Diſziplin. Gegen Mitternacht läßt eine Abordnung der Manioten durch D. Voidi Mavromichalis“) dem König ſagen, daß ſie die Abreiſe Seiner Majeſtät verhindern und das königliche Schloß bewachen wollten. Sie meinten, man wolle ihren König mit Gewalt zur Abreiſe zwingen. Der König laͤßt ſie fragen, ob ſie Griechenland lieben, in dieſem Falle müßten ſie ſich unterwerfen. Andere Abordnungen drängen ſich in den Miniſterien. Alle wollen Herrn Zaimis ſprechen; man hofft, daß er den König über⸗ reden könne, ſeinen Entſchluß zu ändern. Herr Zaimis verſpricht ihnen, daß die Entfernung des Königs nur eine zeitweilige ſein *) Die Manioten ſind die kriegeriſche, niemals von den Türken beſiegte und ihrer Unabhängigkeit beraubte alte Bevölkerung der ſüdlichen Gebirge von Lakonien. Seit vielen Generationen ſind die Mitglieder der Familie Mavromichalis ihre natürlichen Häuptlinge und Führer. 37 würde, da es nach der Erklärung Jonnarts ſelbſt dem Volke zu⸗ ſtehe, nach dem Kriege von neuem den König auf den Thron zu rufen. Anderſeits würde jeder Widerſtand des Volkes gegen die Befehle der Schutzmächte die ſofortige Abſchaffung der Oynaſtie und die Aufrichtung einer Republik unter Venizelos zur Folge haben. Man würde auch vor einer Beſchießung der Hauptſtadt und ihrer Beſetzung durch die fremden Truppen nicht zurückſchrecken. Wenn aber Ruhe herrſche, würde keine militäriſche Beſetzung ſtattfinden, und das Volk brauche nicht beunruhigt zu ſein, wenn einige fremde Soldaten auf den Kais des Piräus landeten. Eine vernünftige und diſtiplinierte Haltung des Volkes ſichere end⸗ gültig das Beſtehen der Dynaſtie, bringe damit dem Lande eine ungeheure Wohltat und ſtelle die Einheit des Königreiches wieder her, da die vorläufige Regierung von Saloniki(die Re⸗ gierung von Venizelos und Konſorten) ſofort aufgelöſt werden ſolle. Darum beſchwöre die Regierung, dem ausdrücklichen Wunſche des Königs entſprechend, das Volk, ſeinen ungeheuren Schmerz zurückzudrängen, im Intereſſe des Staates, zur Erhaltung der Dynaſtie und um dem Lande unerhörtes Unheil zu erſparen). Unterdeſſen hatten die Offiziere der Garniſon von Athen eine zahlreiche Abordnung zum König geſchickt, um die Befehle Seiner ) Wie wenig Herr Zalmis die wahren Abſichten und die Zuverläſſigkeit der Schutzmächte und ihres Hohen Kommiſſars erkannte, das ſollten ſchon die naͤchſten Stunden lehren. 38 Majeſtät einzuholen. Der König ſagte ihnen:„Sie kennen meine Entſcheidung. Das Intereſſe des Vaterlandes fordert, daß alle ſich der Diſziplin unterwerfen, ob ſie Ziviliſten oder Militär ſeien. So müſſen alle handeln, die ihr Land lieben. Bleiben Sie ruhig und ſeien Sie vorſichtig.“ Einer Abordnung der Vorſitzenden ſämtlicher Innungen der Stadt, die in der Nacht dem König riet,„den Mächten Widerſtand zu leiſten, geſtützt auf die Kraft ſeines Rechtes und die unerſchütter⸗ liche Ergebenheit ſeines Volkes“, antwortete der König: „Meine Herren! Im Intereſſe des Staates bin ich gezwungen, das Land zu verlaſſen. Das Volk muß meinen Ratgebern ver⸗ trauen. Gott wird ſtets mit uns ſein und Griechenland wird wieder glücklich werden. „Ich beſchwöre Sie, meine Herren, im Namen des Allmächtigen. Es darf kein Widerſtand geleiſtet werden. Jede ſolche Rückwirkung würde im höchſten Maße für den Staat gefährlich ſein. Wenn ich, der ich in Athen geboren und erzogen und bis ins Mark meiner Knochen Grieche bin, mich entſchließe, abzureiſen, ſo tue ich es nur, das verſtehen Sie, um mein Volk und mein Land zu retten. „Ich bitte Sie, zu Ihren Verbänden zu gehen und ihnen und unſern Mitbürgern zu ſagen, ſie möchten ihre Verſammlungen aufgeben, ſie möchten ruhig und vernünftig ſein, weil der König in dieſem Augenblick eine heilige Pflicht erfüllt.“ * * Es iſt TUhr morgens. Man ſieht Herrn Skuludis, den greiſen frühern Miniſterpräſidenten, aus dem Schloſſe kommen. Er ſieht ſehr niedergeſchlagen aus. Man befrägt ihn, man ruft ihm zu, „ſie werden ihn uns nicht entreißen“! Herr Skuludis ſucht das erregte Volk zu beruhigen. Gegen 4½ Uhr morgens nähert ſich ein Automobil einem der kleinen Eingaͤnge zum Schloß. Man erkennt den Chauffeur des Königs und merkt, daß das Automobil den König und die könig⸗ liche Familie, die im ſelben Augenblick an der Türe erſcheinen, abholen will. Die Eozonen“), welche das Schloß bewachen, werfen ſich nieder, um zu zeigen, daß das Automobil über ihren Körper fahren müßte. Die Menge bildet eine undurchdringliche Schranke. Der König und die königliche Familie ziehen ſich zurück, das Auto iſt gezwungen, wieder wegzufahren. Die königliche Familie wachte ſo bis zum Morgen. Zwei andere Verſuche, das Palais zu verlaſſen, blieben ebenſo fruchtlos. Die Menge erlaubte nicht mehr, daß man irgendeine Tür öffne. Dicht geſchloſſen, ſchweigſam blieb ſie an ihrem Platze. Das Volk er⸗ laubt nicht, daß man ihm ſeinen König entreiße. ) Die Evzonen, eigentlich die Wohlgegürteten, bilden eine Elitetruppe in ein⸗ heimiſch griechiſcher Tracht. 4⁰ V. Die Sonne, welche an dieſem traurigen Tage aufging, fand dieſelbe Menge um das Schloß verſammelt. Gegen ro Uhr mor⸗ gens veröffentlichte eine Sonderausgabe des„Staatsanzeigers“ folgende Proklamation des Königs: „Der Notwendigkeit gehorchend und in Erfüllung einer Pflicht gegen Griechenland, auf deſſen Wohl ich allein bedacht bin, verlaſſe ich mein geliebtes Laterland mit dem Kron⸗ prinzen, indem ich meinen Sohn Alexander auf dem Thron zurücklaſſe. „Fern von Griechenland werden wir, die Königin und ich, dieſelbe Liebe zum helleniſchen Lolk bewahren. „Ich bitte alle, mit Ruhe und Kaltblütigkeit meinen Ent⸗ ſchluß anzunehmen, voll Vertrauen zu Gott, deſſen gnädigen Gegen ich auf die Nation herabrufe. Und auf daß dieſes Opfer für das Vaterland nicht umſonſt gebracht werde, beſchwöre ich euch alle, wenn ihr Gott liebt, wenn ihr euer Laterland liebt, wenn ihr endlich mich ſelbſt liebt, die öffentliche Ord⸗ nung nicht zu ſtören und euch zu unterwerfen. Die geringſte falſche Handlung, auch wenn ſie aus einem edlen Gefühl er⸗ wächſt, kann heute das furchtbarſte Unheil herbeiführen. „In dieſem Augenblick liegt der größte Troſt für die Königin und für mich in der Liebe und Hingabe, die ihr uns immer bewieſen habt, in glücklichen wie in unglücklichen Tagen. „Gott ſchütze Griechenland. Athen, den 30. Mai 1917.(gez.) Konſtantin R.“ 41 Anderſeits lautete eine offizielle Kundgebung, die Herr Jonnart ebenfalls an das griechiſche Volk gerichtet hatte, folgendermaßen: „Der Delegierte der Mächte(man vermied die Bezeichnung Hoher Kommiſſar) hat von dem Herrn Miniſterpräſidenten die Erlaubnis erbeten, einige verbündete Truppen im Piräus zu landen, denn es war aus den einfachſten hygieniſchen Gründen unmöglich, Menſchen und Tiere länger an Bord zu laſſen; was die Wahl des Hafens Piräus für dieſen Zweck betrifft, ſo war ſie gegeben, da dieſer Platz zwei wichtige Hilfsquellen, Trink⸗ waſſer und Lebensmittel, zu liefern vermag“).“ 5) Herr Jonnart hatte an Herrn Zaimis folgenden Brief gerichtet, der in den Zeitungen erſchien: „Wollen Sie bitte die Gründe erwägen, aus denen ich die Truppen, welche die Regierung zu meiner Verfügung geſtellt hat, nicht länger an Bord halten kann. Ich bin gezwungen, ſie zu landen. Eine ſorgfältige Erwägung der Um⸗ ſtände hat mich dazu geführt, den Plan einer Landung in Eleuſis oder in Salamis aufzugeben; der Piräus iſt der einzige günſtige Ort dafür. Ich hoffe, daß unſere Truppen dort die beſten Bedingungen finden werden, um die Nacht zu verbringen und neue Kräfte zu ſammeln, damit ſie morgen nach Mazedonien aufbrechen und den Kampf gegen die Erbfeinde Griechenlands, Türken und Bulgaren, fort⸗ ſetzen können. „Nach den Erklarungen, die Sie ſo freundlich waren, mir mitzuteilen, werden unſere Soldaten heute glücklich ſein, mit der griechiſchen Bevölkerung zu fraterni⸗ ſieren. Und wenn ſie in ihre Schützengräben zurückkehren in dem Bewußtſein, friedlich für die Einheit Griechenlands gearbeitet zu haben, werden ſie, deſſen bin ich ſicher, von ihrem kurzen Aufenthalt auf dem glorreichen Boden Attikas die dankbarſte Erinnerung bewahren. „Genehmigen Sie uſw.(gez.) Jonnart.“ 4² Unterdeſſen hatte der Prinz Alexander ohne irgendwelche Feier⸗ lichkeit vor dem Metropoliten von Athen ſeinen Eid geleiſtet. Einige Miniſter waren anweſend. Der neue Herrſcher erließ folgende Proklamation: „Im Augenblick, wo mein hochverehrter Vater dem Vater⸗ lande das höchſte Opfer bringt und mir die ſchwere Pflicht des helleniſchen Thrones anvertraut, flehe ich zu Gott, daß er meinen Wunſch erhöre, Griechenland beſchütze und uns erlaube, es wieder einig und ſtark zu ſehen. In meinem Schmerz über die Trennung von meinem geliebten Vater unter ſo traurigen Umſtänden iſt es mein einziger Troſt, ſeinen heiligen Auftrag auszuführen, und ich werde mich mit allen meinen Kräften bemühen, dieſe Aufgabe zu erfüllen auf den Spuren, die Seine Regierung ſo glänzend bezeichnet haben, mit der Hilfe des Volkes, auf deſſen Liebe ſich die griechiſche Dynaſtie ſtützt. Ich habe die Überzeugung, daß das Volk dem Wunſche meines Vaters ge⸗ horchen und ſo dazu beitragen wird, daß wir gemeinſam unſer Die Landung begann Dienstag gegen Mittag. Für jeden Kenner des Geländes iſt es Tatſache, daß ſowohl Salamis wie Eleuſis an ſich für eine Truppenlandung weſentlich beſſer geeignet waren. Ubrigens waren es dieſe ſelben„Kämpfer gegen die Erbfeinde Griechenlands“, die wenige Stunden ſpäter gegen Athen marſchierten und auf dieſe Weiſe ihre„friedliche Arbeit für die Einheit Griechenlands“ fortſetzten. Die ruſſiſche Abteilung wurde nach einigen Tagen zurückgezogen, vogl. unten S. 58. 43 geliebtes Vaterland aus der kritiſchen Lage befreien können, in der es ſich jetzt befindet. (gez.) Alexander. Der Miniſterpräſident:(gez.) A. Zaimis.“ Die königliche Proklamation wurde zu mehreren Tauſenden an das Volk verteilt und an den öffentlichen Gebäuden angeſchlagen. Zugleich erſchien in der Zeitung„Embros“ eine offenbar offizielle Mitteilung, deren Text zwiſchen der Regierung und Herrn Jonnart vereinbart worden war. Sie lautete: „Heute Mittag, nach der Eidesleiſtung des Königs Alexander, hat Herr Jonnart durch einen Spezialgeſandten der griechiſchen Regierung mitgeteilt, daß dieſe ſofort Behörden nach Saloniki ſchicken könne, weil die vorläufige Regierung nunmehr aufgelöſt ſei. Es iſt ebenſo offenkundig, daß Herr Venizelos unter keinen Umſtänden nach Athen kommen ſoll und daß die Mächte gar nicht den Hintergedanken haben, ihn wieder in die Macht einzu⸗ ſetzen; Griechenland ſoll keineswegs die Politik des Triumvirats befolgen und ſich als kriegführende Macht anſehen, ſondern es iſt frei, ſeine Neutralitätspolitik weiter zu befolgen. „In den verſchiedenen Miniſterien iſt man damit beſchäftigt, das nötige Perſonal in die neuen Provinzen zu ſchicken, welche, wenn möglich, ſchon morgen wieder beſetzt ſein werden. Man hofft, daß ſchon heute Abend ein königliches Dekret eine allgemeine 4 Amneſtie für alle Ausſchreitungen gewähren wird, die von beiden Seiten verübt worden ſind. Keine Repreſſalien ſollen geduldet werden. König Alexander hat im königlichen Schloß genau um 1 Uhr ſeinen Eid geleiſtet und ſofort darauf eine Botſchaft ans Volk erlaſſen.“ Die Proklamation König Konſtantins wirkte natürlich nieder⸗ ſchmetternd auf das atheniſche Volk. Durch die Ereigniſſe be⸗ ſtürzt, hatte es die Faſſung verloren. Es begann zu verzweifeln. Es begriff, daß es ſeine Pflicht ſei, zu gehorchen. Zu gleicher Zeit erfuhr man, daß die gelandeten franzöſiſchen Truppen auf die Hauptſtadt marſchierten; ſie befanden ſich nur noch eine halbe Stunde weit von Athen. Der Hohe Kommiſſar, der ſich mit Herrn Zaimis darüber ver— ſtändigt hatte, Ihren Majeſtäten einen engliſchen Kreuzer zur Fahrt nach Italien zur Verfügung zu ſtellen, teilte unerwartet dem Miniſterpräſidenten mit, daß die Anweſenheit des Königs in Athen Gefahren hervorrufen könne und es deshalb unerläßlich ſei, daß Ihre Majeſtäten augenblicklich die Stadt verließen. Für den Fall einer ablehnenden Antwort hätte er ſeine Truppen mit der Ausführung betraut. Daraufhin machte der König und die königliche Familie einen letzten Verſuch, das Schloß zu verlaſſen. Er gelang, dank einer Finte, indem man das Volk glauben ließ, daß Ihre Majeſtät durch das Hauptportal der Diocharesſtraße, wo man zu dieſem 45 Zwecke eine Wache aufgeſtellt hatte, das Schloß verlaſſen würde. Die Menge ſtürzte ſich auf das bewachte Tor, während die könig⸗ liche Familie, der König voran, die Herodesſtraße zu überſchreiten ver⸗ ſuchte, um in die königlichen Gärten dem Schloſſe gegenüber zu ge⸗ langen. Man merkte das ſehr bald und verſuchte von neuem, den Weg abzuſchneiden. Der König bot ſeinen ganzen Einfluß beim Volke auf, indem er es ermahnte und bat, ihn fortgehen zu laſſen.„Es iſt fürs Vaterland, es iſt für euch, daß ich es tue,“ bat er mit feſter und zugleich ſanfter Stimme.„Laßt mich, Kinder, verhindert mich nicht daran, meine Pflicht zu erfüllen.“ um 5 Uhr nachmittags konnte ſo der König, die Königin und die ganze Familie das Schloß verlaſſen und ſich nach Tatoi begeben. In dieſem Augenblick fielen große Regentropfen vom Himmel. Das niedergeſchlagene Volk zerſtreute ſich allmählich. Man ſah nur weinende, verzweifelte Geſichter. Am Abend blieben wiederum alle Theater und Vergnügungsſtätten geſchloſſen. VI. König Konſtantin verlebte den Mittwoch in Tatoi, das geradezu ein Wallfahrtsort für Leute aller Volksſtände wurde, die von Athen kamen, um noch einmal dem König und der Königin ihre Ergeben⸗ heit und Liebe auszudrücken. Eine große Anzahl von Offizieren 46 und höheren Beamten meldeten ſich, um Ihren Majeſtäten ihre Hingabe auszuſprechen und von ihnen Abſchied zu nehmen. Ruhig und tapfer fanden König und Königin für jeden ein Wort des Troſtes. „Ich gehe,“ ſagte der König wiederholt,„mit ruhigem Gewiſſen und der Sicherheit, daß ich meine Pflicht gegen das Vaterland erfüllt habe, wie es jeder gute Patriot getan haͤtte. Ich habe nie⸗ mals dynaſtiſchen Intereſſen gedient, ſondern ſtets nur dem Wohl der Nation.“ Einem der Miniſter, der noch Einwände machte, antwortete er:„Seien Sie überzeugt, daß der Weg, welchen ich eingeſchlagen habe, mir von meinem Gewiſſen vorgeſchrieben war. Indem ich mit blutendem Herzen mein geliebtes Vaterland ver⸗ laſſe, habe ich die Uberzeugung, die höchſte Pflicht zu erfüllen. Das Wohl der Nation zwingt, dieſen Entſchluß anzunehmen. Ich hege gegen niemanden Groll. Ich wünſche nur, daß das Volk ſich klare Rechenſchaft von der kritiſchen Lage und von den Gefahren gebe, welche meine Abreiſe aus Griechenland hat abwenden können.“ Abordnungen aller Klaſſen der Bevölkerung kamen im Laufe des Tages, ihre unwandelbare Hingabe zu ihrem geliebten König zu bezeugen und den Wunſch auszuſprechen, daß er und die Königin ſo bald wie möglich ins Vaterland zurückkehren möchten. Im gleichen Sinne äußerten ſich verſchiedene gelehrte Geſell⸗ ſchaften, ſowie die Arzte und Rechtsanwälte von Athen, in ein⸗ ſtimmigen Tagesordnungen, die den allgemeinen Schmerz über 47 des Königs Abreiſe und die Hoffnung auf ſeine baldige Wiederkehr ausdrückten. Im Laufe des Nachmittags richtete der König folgenden Brief an Herrn Zaimis: „Tatoi, 31. Mai 1917. Herr Präſident! „Am Tage, ehe ich mein geliebtes Vaterland verlaſſe, liegt es mir am Herzen, Ihnen noch einmal meine volle Dankbarkeit auszuſprechen für die Dienſte, welche Sie während meiner Regierung ſowohl Griechenland als mir ſelbſt erwieſen haben. Nachdem Sie unter kritiſchen Umſtänden und mit großem Scharf⸗ blick das nationale Werk ſowohl auf Kreta wie unter der Re— gierung meines hochſeligen Vaters zu gutem Ende geführt haben, befinden Sie ſich ſeit meiner Thronbeſteigung zum dritten Male im Amte, in dem Sie die Geſchicke des Landes zum Guten lenken. „Ich hoffe, daß Sie fortfahren werden, Ihre Dienſte unſerem Vaterlande und meinem Sohne Alexander zu weihen, und ich drücke Ihnen auch im Namen der Königin unſere Dankbarkeit für Ihre Hingabe an uns in dieſen tragiſchen Stunden aus. (gez.) Konſtantin R.“ EE A VIIl. Die kleine Jacht„Sphakteria“, das einzige Schiff, welches Grie⸗ chenland von der leichten helleniſchen Flotte verblieben war, nach⸗ dem die„Schutzmächte“ die ganze griechiſche Flotte weggenommen hatten, wurde in aller Eile notdürftig in Stand geſetzt und in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag nach Oropos geſchickt, um dort Ihre Majeſtäten und die königliche Familie aufzunehmen. Man hatte beſchloſſen, von dieſem kleinen entlegenen Hafen an der Nordküſte Attikas abzureiſen, um alle Kundgebungen des Volkes zu vermeiden. Herr Jonnart hatte gefordert, daß die Einſchiffung ſofort nach der Ankunft der„Sphakteria“ in Oropos um 2 Uhr morgens er⸗ folgen ſolle; ſonſt würden die feierlichen Verſprechungen, die er gegeben hatte, ungültig ſein. Man verſuchte Jonnart klar zu machen, daß die königliche Familie nicht mitten in der Nacht den Weg von Tatoi nach Dropos zurücklegen könne, vor allem wegen der kleinen Prinzeſſin Katharina, die kaum vier Jahre alt war; ſo einigte man ſich ſchließlich dahin, daß man in der Nacht mit dem Verladen des ſchweren Gepäcks beginnen ſolle, dann ſolle das Gefolge Ihrer Majeſtäten an Bord gehen und die königliche Familie ſelbſt ſich erſt Donnerstag Mittag einſchiffen, nachdem ſie Tatoi um 9 Uhr verlaſſen hätte. 409 Schon im Morgengrauen trafen zahlreiche Automobile und Wagen von Athen in Oropos ein; außer den Miniſtern und dem Miniſterpräſidenten ſah man zahlreiche politiſche Perſönlichkeiten, höhere Offiziere des Heeres und der Flotte ſowie Beamte aller Rangſtufen. Oer ganze Platz bis zu der kleinen Landungsbrücke war mit Menſchen angefüllt. Eine Menge von Bauern aus den umliegenden Dörfern erwarteten in ehrfürchtigem Schweigen die Ankunft Ihrer Majeſtäten, und die dreihundert kleinen Mädchen des Waiſenhauſes „Amaleion“, die ganz nahe bei Oropos in der Sommerfriſche waren, hatten ſich längs der Landungsbrücke aufgeſtellt, die mit Feldblumen beſtreut und mit Teppichen belegt war, welche die Bauern herzu gebracht hatten. Das Schauſpiel war rührend und großartig in ſeiner Einfachheit. Gegen 10/ Uhr kommt das Gefolge des Königs an, und einige Augenblicke ſpäter hört man lebhafte Huldigungsrufe beim Er⸗ ſcheinen der königlichen Automobile. Ihre eajeſtäten, umgeben von allen Prinzen und Prinzeſſinnen des königlichen Hauſes, ſteigen aus den Automobilen und begeben ſich in tiefer Bewegung mit langſamem, aber ſicherem Schritt nach der Landungsbrücke. König Konſtantin trägt Admiralsuniform. Gerührte Huldigungen, von 50 Schluchzen unterbrochen, ertönen von allen Seiten. Man drängt ſich der königlichen Familie entgegen und hindert ſie am Vor⸗ ſchreiten. Alle möchten die Hände des Königs und der Königin berühren; dieſe grüßen und danken unaufhörlich, reichen allen die Hand und bitten ſie, ſie weitergehen zu laſſen. Als hätte man es vorher beſprochen, knien alle wie ein einziger Mann nieder und erheben ihre Hände zu Ihren Majeſtäten, als dieſe ſich der Pinaſſe der„Sphakteria“ nähern und vom Miniſterpräſi⸗ denten Abſchied nehmen. Die Pinaſſe löſt ſich von dem griechiſchen Geſtade und fährt über das blaue Meer zur„Sphakteria“ hinüber. Das Gefolge des Königs war ſchon auf dem kleinen Poſtdampfer „Spetzai“ eingeſchifft, den die Regierung zu dieſem Zwecke ge⸗ mietet hatte. Die Menge fährt in ihren Hochrufen fort, und unter Schluchzen hört man Stimmen:„Auf Wiederſehen!“,„Du wirſt bald zu uns zurückkehren!“,„Warum haſt Du uns verlaſſen?“) Der Miniſterpräſident geht an Bord, um dem König ein letztes Mal ſeine Ehrerbietung zu bezeugen und kehrt bald tief bewegt an Land zurück. Prinz Alexander, begleitet von den Prinzen Nikolaos, Andreas und Chriſtophoros ſowie von den Prinzeſſinnen Helene und Alice, verläßt ebenfalls einige Augenblicke ſpäter das Schiff. Schmerzgebeugt beſteigen ſie ihre Automobile und kehren nach ) Bekanntlich iſt die alte Sitte, Monarchen mit Du anzureden, im griechiſchen Volke noch nicht verſchwunden. 51¹ FEE Athen zurück.„Sphakteria“ und„Spetzai“ lichten gegen Mittag die Anker; von zwei franzöſiſchen Torpedobooten begleitet, dampfen ſie nach Süden und entfernen ſich raſch. Starr bleibt die Menge am Strande ſtehen. König Konſtantin und Königin Sophie grüßen noch von der Brücke der„Sphakteria“ weither mit der Hand hinüber. Hoch und edel erhebt ſich die weiße Geſtalt des Königs bis zum Augenblicke, wo das Schiff am Horizont verſchwindet——— Gott ſchütze Griechenland! Anhang. 4 Die folgenden Dokumente bilden eine kleine Auswahl aus den offiziellen Schriftſtücken zur Vorgeſchichte und Geſchichte der oben geſchilderten Ereigniſſe. Die Zahl der von den„Schutzmächten“ mündlich und ſchriftlich gegebenen und früher oder ſpater gebrochenen feierlichen Verſprechungen ließe ſich beliebig vermehren. 1. Ultimatum der drei Schutzmächte vom 8./j21. Juni 1916. Die Geſandten Frankreichs, Großbritanniens und Rußlands, als Vertreter der Garantiemächte Griechenlands, haben die Ehre, der griechiſchen Regierung folgende Erklärung abzugeben, die ſie auf Befehl auch dem griechiſchen Volke bekannt geben ſollen: Wie ſie es ſchon feierlich und ſchriftlich erklärt haben, fordern die drei Garantiemächte von Griechenland nicht, daß es aus der 53 Neutralität trete. Dafür geben ſie einen einleuchtenden Beweis, indem ſie in die erſte Reihe ihrer Forderungen die vollſtändige Oemobiliſierung des griechiſchen Heeres ſtellen... 2. Ultimatum der drei Schutzmächte und Italiens vom 26. Dezember 1916/8. Januar 1917. .. Anderſeits erklaͤren die verbündeten Mächte ausdrücklich, daß ſie den Willen Griechenlands, endgültig dem europäiſchen Kriege fern zu bleiben, achten wollen... indem ſie Griechenland beſtimmte Zuſicherungen für ſeine Neutralität geben 3. Ultimatum Frankreichs, Großbritanniens, Italiens und Rußlands vom 26. Dezember 1916/8. Januar 1917. . Anderſeits verpflichten ſich die verbündeten Mächte, nicht zu erlauben, daß die Zurücknahme der griechiſchen Truppen in den Peloponnes von den Parteigängern der proviſoriſchen Regierung (Venizelos) zu Waſſer oder zu Lande ausgenutzt werde, um irgend⸗ einen Teil Griechenlands, der ſo aller Mittel des Widerſtandes beraubt wäre, zu beſetzen. Ebenſo verpflichten ſich die verbündeten 54 Mächte, nicht zuzulaſſen, daß die Behörden der proviſoriſchen Regierung ſich in irgendeinem Gebiet feſtſetzen, welches jetzt im Beſitz der königlichen Regierung iſt und das die Mächte ſelbſt zeitweilig aus militäriſchen Gründen zu beſetzen veranlaßt werden könnten. 4. Ultimatum Jonnarts an die griechiſche Regierung. An Bord der„Juſtice“, 11. Juni 1917. Herr Miniſterpraͤſident! Die Schutzmächte Griechenlands haben ſich entſchloſſen, die Einheit des Königreiches wieder herzuſtellen ohne den monarchi⸗ ſchen konſtitutionellen Einrichtungen Abbruch zu tun, die ſie Griechenland garantiert haben. Da Seine Majeſtät König Konſtantin offenkundig die Ver⸗ faſſung verletzt hat, deren Bürgen Frankreich, Großbritannien und Rußland ſind, habe ich die Ehre, Euer Exzellenz zu erklären, daß der König das Vertrauen der Schutzmächte verloren hat und daß dieſe ſich ihm gegenüber der Verpflichtungen ledig anſehen, welche aus ihren Schutzrechten entſpringen. Infolgedeſſen habe ich den Auftrag, zur Wiederherſtellung der konſtitutionellen Wahrheit die Abdankung Seiner Majeſtät König Konſtantins zu fordern, der ſelbſt im Einvernehmen mit den 85 Schutzmächten einen Nachfolger unter ſeinen Leibeserben be⸗ zeichnen wird. Ich ſehe mich gezwungen, eine Antwort innerhalb einer Friſt von 24 Stunden von Ihnen zu fordern. Genehmigen Sie, Herr Präſident, die Verſicherung meiner aus⸗ gezeichneten Hochachtung. (gez.) Jonnart. Memorandum. Der Hohe Kommiſſar der Schutzmächte Griechenlands beehrt ſich Seiner Exzellenz dem Herrn Miniſterpräſidenten zur Kenntnis zu bringen, daß der Kronprinz nicht die Bürgſchaft bietet, welche Frankreich, Großbritannien und Rußland zur Zeit von dem kon⸗ ſtitutionellen Herrſcher der Hellenen zu fordern ſich gezwungen ſehen; ſie könnten daher ihre Zuſtimmung nur zur Wahl eines anderen Leibeserben des Königs geben. Der Hohe Kommiſſar iſt ferner beauftragt, im Namen der Schutz⸗ mächte zu erklären, daß König Konſtantin nach ſeiner Abdankung und nachdem er Griechenland verlaſſen hat, in den Beſitz einer perſönlichen Leibrente im Werte von/ Million Franken ein⸗ treten wird. Der Hohe Kommiſſar fügt hinzu, daß keine Repreſſalien geübt werden ſollen und daß man ſofort die Proklamation einer General⸗ amneſtie ins Auge faſſen wird; er muß aber den Herrn Miniſter⸗ 56 0 1 4 .+ präſidenten von dem Entſchluß der Schutzmächte in Kenntnis ſetzen, weder in Athen noch in irgendeiner Stadt des Königreiches Unruhen zu dulden, welche das Leben und die Intereſſen ihrer Untertanen, die eng mit denen des griechiſchen Volkes verknüpft ſind, gefährden könnten. Wenn die Hoffnung, daß dank der Weisheit der helleniſchen Regierung und der Griechen aller Parteien die Ordnung ſtreng aufrecht erhalten bleibt, getäuſcht werden ſollte, iſt der Hohe Kommiſſar befugt, energiſch mit den Streitkräften, über welche die Schutzmächte verfügen, einzuſchreiten, um ſofort die Wiederherſtellung der Ordnung durchtuſetzen. 11. Juni 1917. 5. Mitteilung der Lorläufigen ruſſiſchen Regierung. Juli 1917. Eine Konferenz der Verbündeten wird gegen Mitte Juli in Paris einberufen werden, um ſich mit den die Balkanangelegenheiten betreffenden Fragen zu beſchäftigen. Die Notwendigkeit der Einberufung dieſer Konferenz entſpringt aus der außerordentlichen Verwicklung der politiſchen und ſtrategi⸗ ſchen kage im Balkan und aus dem Wunſche, die Auffaſſungen der Alliierten über dieſe Fragen in Einklang zu bringen und auf dieſem Gebiete eine einheitliche Richtſchnur herzuſtellen. 57 Abgeſehen von Angaben, die ſich auf rein militäriſche Fragen beziehen, haben unſere Vertreter bei dieſer Konferenz den Auf⸗ trag erhalten, bei der Löſung der im Balkan erwachſenen politiſchen Fragen die Auffaſſung der Vorläufigen Regierung zu vertreten, und ganz beſonders auf der Anwendung der allgemeinen Grund⸗ ſätze zu beſtehen, welche die ruſſiſche Demokratie für die auswärtige Politik proklamiert hat. Im beſonderen beziehen ſich dieſe Auf⸗ träge auf die letzten Ereigniſſe in Griechenland. In dieſer Frage mußten wir die Mittel mißbilligen, durch welche mit Gewalt ein König durch einen anderen erſetzt worden iſt. Gewiß waren wir in dieſer Sache nicht von dem Wunſch beſeelt, den König Konſtantin zu ſtützen, deſſen perſönliche Politik wir miß⸗ billigt haben und fortfahren zu mißbilligen, ſondern durch die Unzuläſſigkeit einer Einmiſchung in die inneren Angelegenheiten des griechiſchen Volkes. Das hat uns dahin geführt, einen ent⸗ ſprechenden Einſpruch zu erheben und auf die Teilnahme unſerer Truppen an der Expedition nach dem ſüdlichen Griechenland zu verzichten“). In unſeren Beſprechungen mit den Alliierten haben wir uns auf den Standpunkt geſtellt, daß die Beſtimmung der Re⸗ gierungsform in Griechenland und ſeine Verwaltungsorganiſation ausſchließlich dem griechiſchen Volke gehören, und wir haben erklärt, daß die Sympathien des ruſſiſchen Volkes, das ſich eben von dem ) Die ausgeſchifften ruſſiſchen Truppen wurden denn auch ein paar Tage ſpäter wieder zurückgezogen. 58 dynaſtiſchen Joch befreit hat, ausſchließlich einer entſprechenden freien Löſung von Seiten des griechiſchen Volkes ſelbſt gelten. Es iſt unerläßlich, zu betonen, daß die militäriſchen Maßnahmen unſerer Truppen unſere Stimme in den internationalen Angelegen⸗ heiten ſtärken und daß das Wort der ruſſiſchen Demokratie, auf die Taten der revolutionären Armee geſtützt, ein beſonderes Gewicht gewinnt. Dies iſt ſehr wichtig im Hinblick auf die geplante Kon⸗ ferenz in Paris, deren Vorarbeiten ſicherlich zu den Arbeiten der allgemeinen Konferenz der Alliierten in Beziehung ſtehen werden, die bald ſtattfinden wird und an deren Vorbereitung die Vorläufige Regierung ſchon arbeitet. 30 Oruck: R. Oldenbourg, München. Rönig Luòdwig III. im Weltkrieg Briefe, Erlaſſe, Reden und Telegramme des Rönigs aus großer Feit Mit zwei Bildniſſen in Tiefdruck Geſammelt und herausgegeben von W. Zils⸗München Preis geheftet M. 2. 50, gebunden M. 3.50 Als ein Volksbuch wendet ſich das mit trefflichen Kupferdrucken nach einer unveröffentlichten Photographie und einer Kreideieichnung des geſchätzten Mänchener Känſtlers Profeſſor Leo Samberger hübſch ausgeſtattete Werk nicht nur an die offiziellen Kreiſe der militäriſchen, ſtaatlichen, kirchlichen und ge⸗ meindlichen Behörden, ſondern auch an Haus und Schule, an unſere Tapferen im Felde und in den Kaſernen. Aus den zahlreichen Preſſeurteilen: „Schleſiſche Zeitung“:„... Oas Buch gibt einen Aberblick über die vielſeitige Herrſcher⸗ eätigkeit des Bayernkönigs in ſorgenſchwerer Zeit, von ſeiner Fürſorge für alle Stände ſeines ſchönen Landes. In der guten Ausſtattung, zu der auch zwei vortreffliche Kupfertlefdrucke, Bildniſſe des Königs, kommen, ſtellt es einen wertvollen Beitrag zu dem Quellenmatertal für Bayerns Geſchichte dar.“ „Die Oberpfalz“:„In vorliegendem Buche ſind die Außerungen bes Landesdaters, well ſie die Offentlichkeit betreffen und mit dem Kriege in den Jahren 1914—16 im Zuſammenbang ſtehen, zu einem urkundlichen Quellenwerk geſammelt, das beſonders für jeden Bayern ein eigen⸗ artiges patriotiſches Gedenkbuch aus eiſerner Zeit ift. „Münchener Poſt“:„So iſt's ein echtes rechtes Bayernbuch, in dem das lnnige Verhältnis zwiſchen Hertſcher und Volk in ſchwerer unb ſchwerſter Zeit ſich widerſpiegelt; ſo iſt's ein Buch für alle Bayern, nicht iuletzt für die Schulen. Uber die gegenwärtige Zeit hinaus wird es aber auch durch die Fülle und überſichtliche Anordnung des Stoffes einen Beitrag zur bayeriſchen Geſchichte bilden.“ J. F. Lehmanns Verl ag, Nünchen, Paul Heyfe⸗Str. 36 Dr. K. Kramarſch, der Anſtiſter des Weltkriegs Auf aktenmäßiger Grundlage dargeſtellt von Dr. Fr. wichtl Mitglied des öſterreichiſchen Reichsrates 2. Auflage Preis geheftet M. 3.40 6.— 10. Tauſend Auf Grund der Akten des Kriegsgerichts wird hier in einwandfreier Weiſe nachgewieſen wie Dr. Kramarſch neben König Eduard von England de Dauptanſtifter des Krieges iſt, wie er mit den leitenden Staatsmännern unſerer Feinde Bez tat, ſein Vaterland zu vernichten, um dem tſchechiſchen B Siege zu verhelfen Das Buch, das in das hochverräteriſche Treiben des tſchechiſchen Volkes hineinleuchtet, lieſt ſich infolge der Fülle hochintereſſanter Einzelbeiſpiele wie ein ſpannender Roman Lelder iſt es kein Roman, ſondern furchtbare Wirklichkeit, mit der ſich das deutſche Volk und ſeine Staats⸗ männer unbedingt vertraut machen müſſen. en unterhielt und wie er alles Der Eindruck dieſes Buches iſt geradezu überwältigend 0 Die klare, leidenſchaftslofe Beweisführung zwingt einem die Übereinſtimmung mit der Anſicht des Verfaſſers aunf Generaldirektor Guſtav K. Das Buch bat bei meinen Kameraden wie eine Bombe eingeſchlagen und geht von Hand zu Hand Möge dieſes aufklärende Werk von vielen Tauſenden geleſen werden! Dr. Adolf St., k. u. k. Sberleutnant. Der Treubruch Italiens Mit Benützung amtlicher Quellen Von Ferod. Gruner, Stadtrat in Trautenau Preis geheftet M. 1.20 Das geſamte Aktenmaterial, aus dem der ſchamloſe Treubruch Italiens einwandfrei hervorgeht, iſt hier überſichtlich zuſammen⸗ geſtellt. Das Buch iſt beſonders zeitgemäß. „Schwäbiſcher Merkur“, Stuttgart:„Ferd. Gruner ſchildert in eindringlicher, durchweg auf den amtlichen Urkunden aufgebauter Darſtellung Italiens unerhörten Verrat am Dreibund Die Geſchichte dieſes Verrates liegt ſa ſo offen zutage, daß auch die Forſchung der Zukunft kaum mehr weſentlich neue, das Geſamturteil beeinfluſſende Züge wird hinzufuͤgen können. Die Männer, die das Verbrechen am Dreibund, vor allem an ihrem eigenen Lande begangen haben, bleiben gerichtet.“ J. F. Lehmanns Verlag, München, Paul Heyſe-Str. 26 eeeeee eeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeee eeeeeeeeeeeeeeeeeee