Einige Gedanken aus Roger Ascham's „The Scholemaster“ über Erziehung, besonders ſiber Behandlung der Schiiler. Von Professor Karl Damm, Vorstand der höheren Bürgerschile in Karlsruhe. LVcEUV * ADr WX. XKLSRO 2 2 Karlsruhe. Druck von Malsch& Vogel. 1873. Aus der Literatur der Engländer über pädagogische Fragen ziehen die Schriften von drei ausgezeichneten Männern älterer Zeit unsere Aufmerksamkeit besonders auf sich. Sie haben, obwohl keine Lehrer an Volks- schulen oder an solchen Lehranstalten, die unseren Mit- telschulen entsprechen, die Behandlung der Jugend, die Eraæielnung, num Gegenstand ihres Nachdenkens gemacht und ihre Ansichten in Werken niedergelegt, die bei den Freunden und Lehrern der Jugend ein unvergüngliches Interesse behaupten. Es sind dies aus dem 16. Jahr- hundert: Hoger Aschium's: the Scholemaster, verfasst in den Jahren 1563 bis 1568 und nach des Verfassers Tode von seiner Frau herausgegeben im Jahre 1570; aus der Mitte des 17. Jahrhunderts John Milton's: Tractatè of Education, to M Samuel Hartlib, verfasst um das Jahr 1650, und aus dem Ende desselben Jahrhunderts: John Loclte's: Thoughts concerning Education, herausgegeben im Jahr 1693. Die zwei ersten Werke wurden in der ursprünglichen Form der grösseren Lesewelt wieder zugänglich durch das höchst verdienstvolle Unternehmen der English Re- prints, herausgegeben von Eduard Arber, welcher seit einigen Jahren eine Reihe interessanter Werke des 15. bis 18. Jahrhunderts erscheinen liess. John Locke's Werk fand eine Menge Bearbeiter und Herausgeber so- wohl in England als auch in Frankreich und Deutsch- land. Es erscheint jetzt auch im 26. und den folgenden Heften der»Pädagogischen Bibliothek von Carl Richteræ unter dem Titel:-John Locke. Einige Gedanken über 1 Erziehung. Uebersetzt und mit Einleitung und Anmer- kungen versehen von Dr. Moritz Schuster.c Die pädagogischen Ansichten so bedeutender Männer in Kürze zu betrachten, kann den Freunden unserer Schule nicht ganz unwillkommen sein. Der enge Raum eines Schulprogramms erlaubt uns jedoch nicht, alle drei in einem Aufsatze vorzuführen, wenn wir uns nicht in zu allgemeinen Ausdrücken bewegen wollen. Wir be⸗ handeln daher dieses Mal nur Roger Ascham, dessen Scholemaster das älteste pädagogische Werk der eng- lischen Literatur ist; und zwar wollen wir I. die Umrisse seines Lebens, 2. die Veranlassung zu seiner Schrift, 3. seine Ansichten über Behandlung der Schüler, und endlich 4. einige Proben seiner Sprache mittheilen. Seine didactischen Ansichten über Sprach- unterricht überlassen wir einer andern Gelegenheit. Einiges aus der Lebensgeschichte Roger Ascham's). Roger Ascham wurde im Jahr 1515 geboren zu Kirby Wiske, einem Dorf in der Nähe von Nord Allerton in der Grafschaft Vork. Sein Vater, Johann Ascham, war Verwalter in der Familie des Lord Scroop und soll sich ) Eine kurze Zusammenstellung der wichtigsten Punkte der Lebensgeschichte unseres Pädagogen finden wir in dem„Reprint of Roger Ascham's Toxophilus, edited by Edward Arber, London 1868“ unter der Ueberschrift: Chronicles of some of the principal events in the Life, Works and Times of Roger Ascham. Fellow of St. John's College, Cambridge; Author, Tutor to Princess, afterwards Queen Elizabeth; Secretary of Embassy under Ed- ward VI.; Latin Secretary to Queens Mary and Elizabeth; Friend of Queen Elizabeth etc. Die wichtigsten gleichzeitigen Quellen für Ascham's Leben sind seine eigenen Werke, besonders seine Briefe, und eine lateinische Rede„De vita et obitu Rogeri Aschami“, von Dr. Edward Grant, Vorstand der Westminster-Schule. eines tadellosen Rufes der Redlichkeit und Rechtschaffen- heit erfreut haben. Margaretha, Johann Ascham's Frau, War zwar mit vielen angesehenen Familien befreundet, aber ihren Geschlechtsnamen kennen wir nicht. Sie hatte drei Syhne: Thomas, Anton und Roger, und drei Töchter. Aus einem Briefe Roger's vom Jahre 1544 ersehen wir, dass seine Eltern 47 Jahre mit einander lebten und dann an demselben Tage und beinahe in der- selben Stunde starben. Roger's erste Jugendjahre wurden unter dem väter- lichen Dache zugebracht, allein schon sehr jung wurde er in die Familie von Sir Anton Wingfield aufgenommen, welcher das nöthige Geld für seine Erziehung gab und für ihn und seine eigenen Söhne einen Hauslehrer hielt, Herrn R. Bond. Der Knabe hatte von Natur Freude an Büchern und zeigte seinen guten Geschmack darin, dass er lieber Englisch las als Latein. Um das Jahr 1530 gab Herr Bond die Erziehung des jungen Roger auf, der jetzt 15 Jahre alt war. Durch den Rath und die Geldunterstützung seines freundlichen Gönners, des Sir Anton, wurde er in den Stand gesetat, in St. John's College, Cambridge, einzutreten, welches damals die berühmteste Gelehrtenschule in ganz Eng- land war. Sein Lehrer war Hugo Fitzherbert, Mitglied von St. John's, dessen ver trautester Freund, Georg Pember, das lebhafteste Interesse für den jungen Studenten zeigte. Georg Day, später Bischof von Chichester, Sir John Cheke, Sir Thomas Smith, Dr. Redmann, einer der Com- pilatoren des allgemeinen Gebetbuches, Nikolaus Ridley, der Märtyrer, J. Watson, Bischof von Lincoln, Pilking- ton, Bischof von Durham, Walter Haddon, Johann Christopherson, Thomas Wilson, Johann Seton und viele andere, waren die ausgezeichneten Zeitgenossen Ascham's zu Cambridge. Im Jahre 1534 wurde er Baccalaureus und Mitglied (tellow) von St. John's College. 1537 wurde er durch die Stimmen der ganzen Universität zum öffentlichen Lehrer der griechischen Sprache ernannt und eine an- ständige Besoldung für ihn ausgeworfen. Am 3. Juli des nämlichen Jahres wurde er als Artium Magister in- stallirt; und im folgenden Jahre besuchte er seine Eltern in Vorkshire, die er seit sieben Jahren nicht mehr ge- schen hatte. Er blieb nahezu 2 Jahre lang zu Hause, weil er fieberkrank war. Wahrscheinlich besuchte er während dieser Zeit die Versammlungen der Bogen- schützen zu Vork und Norwich. Im Jahre 1544 schrieb er seine ersteé grössere Abhandlung den Toxophilus, on the art of Shooting, welche er dem Könige widmete. Im folgenden Jahre überreichte er seine Schrift dem Könige in der Gallerie zu Greenwich. Es wurde ihm eine Pension von 10 Pfund Sterling dafür gewährt, eine Belohnung, die nicht so unbedeutend ist, als sie uns erscheint; denn der Geldwerth von damals beträgt etwa das Zwanzigfache des heutigen. Im Jahre 1546 wurde er Cheke's Nachfolger als öffentlicher Redner der Universität Cambridge; als solcher führte er auch die Correspondenz derselben. Mit Heinrich's VIII. Tode hörte Ascham's Pension auf, aber sie wurde auf's Neue bestätigt und erhöht durch Eduard VI., den er schreiben gelehrt hatte(1547). Im Februar des Jahres 1548 wurde er Hofmeister der Prinzessin Elisabeth zu Cheston; da sich aber im Jahre darauf der Hausmeister derselben eine feindselige Hand- lung gegen ihn erlaubte, kehrte Ascham zur Universität zurück. Während er 1550 zu Hause auf dem Lande war, wurde er auf Cheke's Empfehlung zum Secretär Sir Richard Morison's ernannt, welcher als Gesandter an Kaiser Karl V. geschickt wurde. Auf seinem Wege zur Stadt hatte er in Broadgate seine berühmte Zusammenkunft mit Lady Jane Grey, wovon wir weiter unten einiges Nähere mittheilen werden. Die Gesandtschaft schiffte sich den 21. September 1550 in Billingsgate ein und erreichte Augsburg den 28. October, wo sie über ein Jahr verweilt zu haben scheint. Zwei Jahre später schrieb er einen„Bericht dber die Verhiłiltnisse und den Justund Deutschlands auud deen Hof Kuiser Karls“. Dieser Bericht wurde im Jahre 1553 zu London heraus- gegeben. Im Jahre 1553 starb Eduard VI., Marid, die Katho- lische, bekannter jedoch unter dem Namen die Blutige, kam auf den Thron. Die edle unschuldige Jane Grey, die gegen ihren eigenen Wunsch durch die Intriguen ihres Schwiegervaters als Nachfolgerin Eduards erklärt worden war, endete im Tower ihr junges Leben auf dem Schaffote, und eine Zeit der blutdürstigsten Protestanten- verfolgung wüthete gegen das Leben der edelsten Männer. Roger Ascham jedoch, obwohl Protestant, entging der Verfolgung. Die Gesandtschaft, bei der er Secretär war, wurde zwar aus Deutschland zurückgerufen, aber seine Pension von L. St. 10 wurde erneuert und vermehrt. Die Er- haltung dieser Pension war fortwährend eine wichtige Angelegenheit seines Lebens, weil jeder Regent sie nur auf die Dauer seines eigenen Lebens bewilligte. Trat ein Thronwechsel ein, so war sie verfallen, und es hing von der Gnade des neuen Regenten ab, sie zu gewähren oder zu verweigern. Den Brief, welchen er an Bischof Gardiner schrieb, um seine Pension von der Königin Maria nicht nur neu bestätigt, sondern vergrössert zu er- halten, wollen wir mittheilen. „An Bischof Gardiner. April 1554. Beim Ausfertigen meines Patents habe ich einen Platz freigelassen, damit Eure Weisheit die Summe bestimme. Ich habe das Vertrauen, in dieser Sache auch jetzt wie- der Gnade zu finden, denn ich habe sowohl guten Grund darum zu bitten, als auch und zwar noch bessere Hoff- nung, sie zu erhalten, theils in Erwägung meiner unbe⸗ lohnten Mühe und unvergüteten Auslagen beim Unter- richte, den ich König Eduard ertheilte, theils für meinen dreijährigen Dienst am Hoſe des Kaisers, hauptsächlich aber wegen folgenden Umstandes. Als König Heinrich sie mir das erste Mal zu Greenwich gab, und Eure Herr- lichkeit mich dort in der Gallerie befragten, was mir der König gegeben habe, und als Sie die Wahrheit erfuhren, 80 sagten Eure Herrlichkeit, es sei zu wenig und boten mir höchst freundlich an, mit dem König für mich 2u sprechen. Aber damals ersuchte ich glücklicher Weise Eure Herrlichkeit, jene Güte auf eine andere Zeit au Versparen; diese Zeit hat nun Gott gerade in diesen Ta- gen gewährt, wo Eure Herrlichkeit ebensoviel aus Gnade gewähren können, als Sie damals aus gutem Willen zu thun wünschten. Ich ersuche, Eure Herrlichkeit Wolle sehen, welches Gute mir beim Schreiben des Patentes geboten wird: der Raum, welcher zufällig offen gelassen ist, scheint glücklicher Weise einige lange Wörter zu fordern, wie viginti oder triginta, ja mit Hilfe eines kleinen Striches würde quadraginta am besten dienen. Aber sicherlich decem gehört mit zu den kürzesten; dessen ungeachtet werde ich für meinen Theil nicht min- der zufrieden mit dem einen als froh über das andere sein, und mich für jedes von beiden Eurer Herrlichkeit mehr als dankbar verpflichtet fühlen. Und 80 möge Gott Eure Herrlichkeit segnen. Eurer Herrlichkeit ergebenster Diener. N. A. Die Pension wurde von L. St. 10 auf 20 erhöht. Schon im nächsten Monat(d. 7. Mai 1554) wurde er zum lateinischen Secretär der Königin befördert mit einem Gehalt von 40 Mark. Eine Mark beträgt in England 13 shill. 4 d.; sein Gehalt betrug also L. St. 26. 13. 4. nebst der Pension von L. St. 20. Er ͤ stand nun in so günstigen Verhältnissen, dass er seine Stellung als Mitglied der Universität, sowie sein Amt als öffent⸗ licher Redner aufgab und sich im Juni des nämlichen Jahres mit Margareth Hotbe verheirathete. Obwohl er seine academische Stellung aufgegeben hattte, wurde er dennoch dem Lehramte nicht untreu, denn er las bisweilen Griechisch mit Prinzessin Elisabeth. Die für die Protestanten 80 höchst unglückliche und gefahrvolle Regierungsperiode Maria's endete schon im Jahre 1558. Elisabeth bestieg den Thron, und unser Ascham hatte auf's neue um Wiederverleihung seiner Pension zu bitten. Doch scheint er dies erst mehrere Jahre nach ihrem Regierungsantritte gethan zu haben, denn der Brief, in welchem er um F ortbewilligung der von Königin Maria auf L. St. 20 erhöhten Pension bittet, ist vom Jahre 1567. Der humoristische Ton, in dem er geschrieben ist, möge die Mittheilung desselben entschul- digen. Er bittet seine Schülerin und Freundin Elisa- beth, sich bei Königin Elisabeth für ihn zu verwenden und ihn aus seinen schwierigen Verhältnissen zu befreien. Dabei erzählt er die Geschichte seiner Pension: »Ich schrieb einst ein Büchlein über das Schiessen; König Heinrich, Ew. allergnädigster Vater, fand soviel Gefallen daran, dass er mir einen Jahresgehalt dafür gab. Als er sein Leben verlor, verlor ich meinen Lebens- unterhalt); aber König Eduard erneuerte ihn zuerst wieder durch seine Güte, und dann vergrösserte er ihn durch seine Freigebigkeit; drittens bestätigte er ihn durch seine Autorität unter dem grossen Siegel von England, ein Patent, das diese ganze Zeit hindurch so- wohl eine grosse Freude als auch ein Vortheil für mich Waär, ausgenommen dass ein einziges unangenehmes Wort, nümlich»so lang es uns gefällt e, sich mir zu grossem Missfallen wandte; denn als König Eduard abging, ging auch sein Gefallen mit ihm, und mein ganzer Lebens- unterhalt ging ab mit beiden. Aber siehe da Gottes Güte gegen mich und seine Vorsehung über mir! Zur Zeit der Königin Maria, der Schwester Ihrer Hoheit, als )Das Naive des englischen Ausdruckes lässt sich in gleicher Kürze nicht wiedergeben in der Uebersetzung:„When he lost his life J lost my living.“ — 10 ich Alles verloren hatte, und weder irgend etwas vor mir sah noch hoffte, da alle meine Freunde niedergetreten Waren, wurde ich plötzlich, ohnée irgend eine Bemühung meinerseits, ohne Kenntniss von etwas zu haben, vor den Staatsrath berufen. Ich kam sehr gerne hin und ging sehr erfreut Weg, denn dort wurde ich als Secrétär für die lateinische Sprache beeidigt, weil einige der Räthe Wussten, dass König Eduard mir dieses Amt gegeben hatte, während ich in Deutschland war, auf die Verwen⸗ dung des gütigen Herrn Ministers, und auch weil Manche glaubten, ich sei geeigneter jene Stelle zu besorgen, als diejenigen, welche sie damals verwalteten. Da ich Andere s0o willig sah für mich zu Handeéln, so war ich um 80 kühner etwar für mich zu SHreclien. Ich sah, dass Win- chester“) meine Schreibweise gefiel; ich sah auch, dass er zu jener Zeit allein der Dominus regit me war; ich erzühlte ihm, dass mein Patent und mein Jahresgehalt für mein Buch über das Schiessen verloren sei. Gut, sagte er, lassen Sie es wieder schreiben und ich will thun was ich kann. Ich that es, und hier will ich Ew. Ma⸗ jestät eine artige Schlauheit erzählen, wie ich mir selbst auf glückliche Weise einen guten Dienst erwies, worüber Ew. Majestät vielleicht lächeln werden; denn sicherlich, ich habe zwanzigmal selbst darüber gelacht, und zwar mit gutem Grunde, denn ich habe seither da- durch etwas besser gelebt. Ich liess die nämliche Form des Patentes ausfertigen, aber absichtlich einen freien Raum für die Summe offen halten. Ich brachte dasselbe 80 geschrieben dem Bischofè; er fragte mich, warum die alte Summe nicht hineingesetzt sei. Mein Herr, sagte ich, der Fehler ist die Schuld des Schreibers, welcher ausserdem sehr übel daran gethan hat, dass er die freie Stelle so gross liess, denn das alte Wort„zehne wird den Raum nicht halb füllen, und desshalb werde ich gewiss, wenn es Ew. Herrlichkeit nicht beliebt behilflich ) Stephan Gardiner, Bischof von Winchester. zu sein, dass zwanzig Pfund hineingesetzt werden, wWas sowohl die freie Stelle jetzt gut ausfüllen, als auch in der Folge meine Börse besser füllen Würde, zu neuen Kosten kommen, weil ich das Patent wieder neu schrei- ben lassen muss. Der Bischof lachte und ging sofort zur Königin Maria und erzählte ihr, was ich gesagt hatte, worauf sie, ohne ein weiteres Wort zu sprechen, ehe ich ihr irgend einen Dienst geleistet, aus eigener grossmüthigen Güte mein Patent auf zwanzig Pfund jährlich für sie selbst und ihre Nachfolger erhöhtele Dass dieser Bericht nur theilweise richtig sei, sehen wir aus dem Briefe an Bischof Gardiner, den wir oben mit theilten. Im Jahre 1560 wurde er ohne sein Zuthun zum Dom- herrn von Wetwang in der Kathedrale von Vork er— nannt. Durch diese Pfründe nebst seiner Besoldung als Iateinischer Secretär und seinem Gnadengehalte war er nun im Besitze eines bedeutenden Einkommens, aber er soll es nicht ganz rulig genossen haben, denn er steht im Verdachte, ein zu grosser Freund des Hahnenkampfes gewesen zu sein, was ihm zu grossen Ausgaben Veran- lassung gab, oder richtiger, gegeben haben soll, denn seine Biographen sprechen sich fast immer nur andeutend darüber aus). Wie er 1563 veranlasst wurde, sein bekanntesteés und letztes Werk„den Sehnumbister“ au verfassen, wollen wir aus seiner eigenen Erzühlung später hören. Er erreichte kein hohes Alter, denn seine Gesundheit war durch häufige Fieberanfälle sehr schwach geworden. Im Dezember 1568 blieb er eines Abends unvorsichtiger Weise lang auf, theils um Briefe an einige Freunde zu schreiben, theils um einige lateinische Verse zu vollenden, welche er der Königin zum neuen Jahre überreichen ) Gana entschieden wird ihm seine Liebhaberei vorgeworfen von dem Historiker Camden(Complete Hist. of Engl. ed. 1719): „u sehr dem Würfelspiel und den Wetten beim Hahnenkampfe ergeben, lebte und starb er als ein armer Mann.“ wollte; er zog sich dadurch eine gefährliche Krankheit zu, während welcher er von seinem frommen Freunde Alexander Nowell, dem Dekane von St. Paul, und von Wilhelm Gravet, einem Domherrn dieser Kirche und Pfarrer von St. Sepulchre in London, besucht wurde. Den 30. Dezember 1568 starb er im Alter von 53 Jahren. Seine letzten Worte waren:»Ich wünsche abzuscheiden und bei Christus zu sein. Er wurde in St. Sepulchre begraben. Nowell hielt die Leichenrede, in welcher er sagte, er habe weder Jemanden gesehen, noch von Jemanden gehört, der sich eines Rufes grösserer Unbescholtenheit des Lebens erfreut oder den Segen eines christlicheren Todes gehabt habe. Als Königin Hlisabeth seinen Tod erfuhr, erklärte sie, dass sie lieber 10,000 Pfund Sterling als ihren Lehrer Ascham ver- loren hätte. Buchanan ehrte sein Andenken durch folgende Grab- schrift: Aschamum extinctum patriae, Graiaeque Camoenae, Et Latiae vera cum pietate dolent. Principibus vixit carus, jucundus amicis, Re modica, in mores dicere fama nequit. Die Erziehungsansichten und Grundsätze eines solchen Mannes näher kennen zu lernen, ist das Opfer einer Stunde werth. Was ihn aber veranlasste, über Erziehung und Untgg⸗ richt zu schreiben, finden wir in ckruy 4 AaHsRUU, 3 Roger Ascham's Vorrede an den Leser. „Als die grosse Pest in London war, im Jahre 1563, und Ihre Majestät Königin Elisabeth sich in ihrem Schlosse zu Windsor aufhielt, traf es sich, dass am 10. Dezember in Sir William Cecill's, des Staatssecretärs Ihrer Hoheit, Zimmer folgende Personen zusammen speisten, nämlich der Herr Staatssecretär selbst, Sir William Peter, Sir J. Mason, D. Wotton, Sir Richard Sackville, Lordschatzmeister, Sir Walter Mildmaye, Kanz- ler der Schatzkammer, H. Haddon, Berichterstatter über die Bittschriften, H. John Astley, Intendant der Kron- juwelen, H. Bernard Hampton, H. Nicosius und ich. Die grössere Zahl dieser Herren waren Mitglieder des geheimen Raths Ihrer Majestät, die andern dienten ihr in sehr hoher Stellung. Es freute mich damals, und ich freue mich heute noch der Erinnerung, dass ich 80 glücklich war, an jenem Tage dort anwesend au sein, in der Gesellschaft so vieler weiser und trefflicher Männer, wie man sie kaum noch einmal hätte zusammen finden können aus dem ganzen übrigen England. Der Herr Staatssecretär hat die Gewohnheit, wenn er seinen Kopf auch noch so voll hat von den wichtigsten Staatsge- schäften, dieselben zur Zeit der Tafel anscheinend bei Seite zu legen; er findet immer eine passende Gelegen- heit, auf angenehme Weise von andern Gegenständen zu sprechen, am liebsten über irgend eine wissenschaftliche Frage; dabei pflegt er freundlich die Ansicht auch des Geringsten an seiner Tafel zu hören. Nicht lange nachdem wir uns niedergesetzt hatten, sagte der Herr Staatssecretär:»Es kamen mir diesen Morgen sonderbare Nachrichten zu, dass verschiedene Schüler zu Eaton von der Schule weggelaufen seien aus Furcht vor Schlägen. Dabei nahm er Veranlassung, den Wunsch auszudrücken, dass viele Schulmeister in der Anwendung von Strafe etwas mehr Klugheit besüssen, als gewöhnlich der Fall sei, indem sie gar oft mehr die Schwäche der Natur, als den Fehler des Schülers be- straften. Dadurch würden viele Schüler, welche sonst gut ausfallen könnten, zum Hasse gegen die Wissenschaft getrieben, ehe sie wüssten, was Wissenschaft bedeute. Herr Peter, ein von Natur etwas strenger Mann, sagte geradezu, die Ruthe allein sei das Schwert, welche die Schule im Gehorsam und den Schüler in guter Ordnung halten müsse. Herr MNotton, ein Mann von milder Natur, mit sanfter Stimme und von wenig Worten, neigte sich zur Ansicht des Herrn Staatssecretärs und sagte:»Nach meiner Meinung sollte das Schulhaus in der That sein, Was es dem Namen nach heisst, ein Haus des Spieles und Vergnügens, nicht der Furcht und Knechtschaft; ich erinnere mich, dass Socrates in einer Stelle bei Plato s0 sagt. Und desshalb, wenn die Ruthe wie ein Schwert zu fürchten sei, könne man sich nicht wundern, wenn diejenigen, welche von Natur furchtsam seien, es vor- ziehen, das Spiel aufzugeben, als immer in Furcht vor einem Schwerte in der Handhabung eines thörichten Mannes zu stehen. Herr Mason war nach seiner Weise sehr lustig nach beiden Seiten hin, indem er munter scherzte sowohl über die verschmitzten Streiche vieler heilloser Jungen, als auch über die geringe Klugheit vieler unfähiger Schul- meister. Herr Haddon war ganz und gar der Meinung des Herrn Peter und behauptete, der beste Schulmeister unserer Zeit sei der grösste Prügler, und er nannte den Mann. Obgleich, sagte ich, es das gute Glück dieses Mannes sei, in der That einen der besten Schüler unserer ganzen Zeit von seiner Schule auf die Universität zu entlassen, 80 glauben doch weise Männer, dass dies mehr die Folge der grossen Gelehrigkeit des Schülers, als der Schläge des Lehrers war; ob dieses wahr sei oder nicht, sind Sie selbst der beste Zeuge. Ich sprach mich etwas weiter darüber aus, wie und warum junge Leute zu tüchtigem Lernen schneller durch Liebe angelockt als durch Schläge getrieben werden. Dabei war ich um so kühner, meine Meinung zu sagen, weil der Herr Staatssecretär mich höflich dazu aufforderte; denn sonst ist es in solcher Gesellschaft, und namentlich in seiner Gegenwart, meine Gewohnheit, lieber meine Ohren zu gebrauchen, als meine Zunge. Sir Walter Mildmage, Herr Astle und die Andern sagten schr wenig; nur Sir Richard Sackville sagte gar nichts. Nach dem Essen ging ich hinauf, um mit Ihrer Majestät der Königin zu lesen. Wir lasen damals in der griechischen Sprache, wie ich mich wohl erinnere, jene herrliche Rede des Demosthenes gegen Aeschines, wegen seiner falschen Handlungsweise in der Gesandtschaft an König Philipp von Macedonien. Sir Richard Sackville kam bald nachher herauf, und da er mich in dem Privat- zimmer Ihrer Majestät fand, so nahm er mich bei der Hand, führte mich zu einem Fenster und sagte:»Herr Ascham, nicht um viel Geld hätte ich heute bei dem Essen abwesend sein mögen, wo ich, obgleich ich nichts sagte, doch ebenso aufmerksam zuhörte und das Gespräch, das geführt Wurde, ebensowohl erwäge, als irgend einer der dabei Anwesenden. Der Herr Staatssecretär sagte Schr wWeise und höchst wahr, dass viele junge Talente dazu getrieben werden, die Wissenschaft zu hassen, ehe sie wissen, was Wissenschaft ist. Davon bin ich selbst ein guter Zeuge: denn ein thörichter Schulmeister trieb mich, ehe ich ganz vierzehn Jahre alt war, durch die Furcht vor Schlägen so sehr von aller Liebe zum Lernen, dass ich jetzt, wo ich weiss, was für ein Unterschied es ist, Kenntnisse zu haben, und nur wenig zu haben oder gar keine, es als meinen grössten Kummer fühle, und als meinen grössten Schaden erkenne, der mich j̃e betraf, dass ich das Unglück hatte, einem so elenden Schul- meister in die Hände zu gerathen. Weil ich aber sehe, dass es vergeblich ist, geschehene Dinge zu beklagen, und Weisheit, auf die Dinge zu schauen, welche kommen, so0 will ich gewiss, wenn Gott will und mir Gott das Leben schenkt, dies mein Unglück für meinen Enkel, den kleinen Robert Sackville, zum Guten wenden. Für seine Erziehung möchte ich gerne, wenn es Ihnen beliebt, besonders Ihren guten Rath benützen. Ich höre, Sie haben einen Sohn, 80 ziemlich von einem Alter mit meinem Enkel; wir wollen daher so mit einander verfahren. Be- zeichnen Sie einen Schulmeister, welcher nach Ihrer An- ordnung meinen und Ihren Sohn lehren soll; für Alles Uebrige will ich sorgen, selbst wenn die drei mich ein paar hundert Pfund jährlich kosten; und ausserdem sollen Sie in mir einen so treuen Freund für Sie und die Ihrigen finden, als Sie nur irgend einen haben. Und sicherlich der würdige Herr hielt mir sein Versprechen bis zum Tage seines Todes. Wir sprachen dann weiter mit einander über die Kinder- erziehung: von den Naturanlagen, von schnellen und langsamen Köpfen, von der rechten Wahl eines guten Lehrers, von Furcht und Liebe beim Unterrichten der Kinder. Wir gingen sodann von den Kindern über zu jungen Männern, namentlich jungen Herren; wir sprachen von ihrer zu grossen Freiheit zu leben, wie ihnen be⸗ liebte; davon, dass man sie zu bald frei lasse, von ihrer zu grossen Erfahrung im Schlimmen, entgegen der Ord- nung guter Staaten der alten Zeit, wie der Perser und Griechen; dass Manche ihren Verstand entwickeln und Vermögen erwerben nur durch Erfahrung, ohne Wissen- schaft. Und zuletzt forderte er von mir sehr ernstlich, zu sagen, was ich davon halte, dass Engländer so ge- wöhnlich nach Italien reisen. Aber, sagte er, weil dieser Ort und diese Zeit ein so langes Gespräch, als diese wichtigen Gegenstände erfordern, nicht erlauben, so bitte ich Sie, auf mein Verlangen und nach Ihrer freien Zeit die Hauptpunkte dieses unseres Gespräches in Betreff der richtigen Ordnung zu lehren und ehrenhaft zu leben für die gute Erziehung der Kinder und jungen Männer niederzuschreiben. Und sicherlich, ausserdem dass Sie mir einen Dienst erweisen, werden Sie sehr vielen Andern dadurch gefällig sein und nützen. Ich entschuldigte mich wegen meines Mangels an Fähigkeit und wegen körper- licher Schwäche.»Nun«, sagte er,»ich brauche nicht erst zu lernen, was Sie thun können. Unser Freund, der wackere Herr Goedricbe, dessen Urtheil ich wohl glauben konnte, hat mich ein- für allemal in diesem Punkte völlig beruhigt. Auch hörte ich Sie vor nicht langer Zeit sagen, dass Sie Sir John Cheke für alle Kenntnisse, die Sie haben, danken können; und ich weiss selbst sehr wohl, dass Sie Lehrer der Königin waren. Desshalb, weil ich sehe, dass Gott Sie so segnete, dass er Sie zum Schüler des besten Lehrers und auch zum Lehrer der besten Schülerin machte, die es je in unserer Zeit gab, so würden Sie gewiss Gott gefällig sein, hrem Vaterlande dienen und Ihren eigenen Namen ehren, wenn Sie sich die Mühe geben wollten, Andern mitzutheilen, was Sie von einem solchen Lehrer lernten, und wie Sie eine solche Schülerin lehrten. Und indem Sie den Lehrinhalt mittheilen, den Sie von dem Einen erhielten, und die Lehrweise erklären, die Sie bei der Andern beobachteten, so wird es Ihnen weder an Stoff noch an Form fehlen, was Sie bei dieser Art von Gegenstand schreiben oder wie Sie schreiben sollen. Wäbrend ich einige weitere Entschuldigungen anfing, wurde ich plötzlich zur Königin gerufen. Die folgende Nacht schlief ich nur wenig; mein Kopf war s0 voll von unserem Gespräche, und ich so darauf bedacht, wie ich einiger Maassen die ehrenvolle Bitte eines so theuern Freundes erfüllen könnte. Ich gedachte zuerst, eine kleine Abhandlung zu einem Neujahrs- geschenke an jenen Weihnachten auszuarbeiten; aber wie es geschäftigen Bauherren geht, so stieg, während ich mein armes Schulhaus baute, weil seine Form etwas neu und von andern verschieden ist, der Bau täglich höher und breiter, als ich anfangs dachte.« Wir übergehen hier einen grösseren Theil der Vorrede, obwohl ihre treuberzige Sprache sowohl als der Inhalt nicht ohne Interesse gelesen werden kann, und erwähnen nur noch, das der Veranlasser des Buches, Sir Hichard Sachille, starb, ehe es fertig war. Ascham warf die Schrift bei Seite und liess sie beinahe zwei Jahre lang liegen, ehe er an die weitere Ausarbeitung ging. Päda- gogische Schriften waren aber seiner Zeit etwas so Neues, dass er sich wegen seines Büchleins gegen Vorwürſe zu vertheidigen hatte.»Jedoch 6, sagt er,»manche Männer, 2 „ obwohl freundlich genug von Natur, aber von geringem Urtheil in der Wissenschaft, glauben, ich gebe mir au viele Mühe und verwende zu viele Zeit bei der Ausar- beitung dieser Kinderangelegenheiten. Aber diese guten Leute wurden nie gebildet in Sokrates“ Schule, welcher deutlich sagt, dass Niemand an ein göttlicheres Vor- haben gehe, als der, welcher darauf bedacht Sei, Sowohl seine eigenen als anderer Leute Kinder gut zu erziehen.“) Desshalb habe ich das V. ertrauen, dass gute und weise Männer über diese Arbeit wohlwollend urtheilen werden. Und von Andern, welche anders denken, will ich selbst denken, es sind eben nur Menschen, denen man ihre Thorheit verzeihen und die man wegen ihrer Unwissen- heit bemitleiden muss. 80 viel aus der Vorrede, und nun wollen wir zum ersten Buche, welches von der richtigen Lehrmethode und von der rechten Behandlung der Jugend handelt, übergehen. Da wir aber den letztern Punkt vorzugsweise im Auge haben, 80 wollen wir die Lehrmethode nur S0- weit berühren, als des Zusammenhanges wegen unum- gänglich nöthig ist; die nähere Betrachtung derselben legen wir für eine andere Gelegenheit zurück. Conrigire nichit æu ve. ASchν. spricht sich im Au- fange des ersten Buches sehr lebhaft gegen die alther- gebrachte Gewohnheit aus, lateinische Stile machen zu Iassen; denn der Schüler lerne dabei gewöhnlich eine üble Wahl der Wörter, dann eine unrichtige Stellung derselben und überhaupt einen schlechten Satzbau. Wenn diese Fehler einmal Wurzel gefasst hätten in der J ugend, s0 würden sie nie oder nur schwer ausgerottet im Alter. Nichts habe die Verstandeskräfte 80 abgestumpft oder den Schülern die Lust zum Lernen so sehr benommen, als die Sorge, ihren Lehrern bei der Ausarbeitung latei- nischer Stile zu genügen;„ denn der Schüler wird gewöhn- lich wegen des Machens geschlagen, wenn der Lehrer ) Plato im Anfange des Theages. mehr verdient hätte, für das Corrigiren oder vielmehr für das Verderben des Stiles geschlagen zu werden, da der Lehrer oft ebenso unwissend ist, als der Schüler, den geeigneten und passenden Ausdruck zu wählen 89. Lobe das RiclitigQe. Statt der gewöhnlichen Stilübungen empfiehlt Ascham tüchtiges Einstudiren irgend einer guten Schrift in der fremden Sprache, schriftliche Ueber- setzung der erklärten Stelle, und dann, nach einiger Zeit, Rückübersetzung. Legt der Schüler seine fertige Arbeit dem Lehrer vor, so vergleicht sie dieser mit dem Original, und wo der Schüler in Wahl und Stellung der Wörter das Richtige getroffen hat, soll ihn der Lehrer loben und sagen: Hier hast Du gut gearbeitet, denn ich versichere Sie, es giebt einen bessern Moetæstoin, einen geiten Verstund æe, Sclidren und den Millen ætium Lernen æu enmuithigen, als das Lob.«uνν LTadllè oline Hdrte. Macht der Schüler einen Fehler, indem er entweder ein Wort vergisst, oder statt eines richtigen ein unpassendes gebraucht, oder den rechten Satzbau verfehlt, so soll der Lehrer nicht zürnen oder schelten, wenn er sieht, dass der Schüler fleissig gear- ) Die Corrigirwuth beherrscht bis auf den heutigen Tag noch manchen Lehrer nicht blos der lateinischen, sondern auch der modernen Sprachen und namentlich der Muttersprache. Wenn der arme Schüler sich auch grammatisch richtig ausdrückt, aber das Unglück hat, den Ausdruck, welchen der Lehrer für den besten hält, nicht zu trefflen, so fliesst eben rothe Tinte über seine Arbeit. Die Folge davon ist Aengstlichkeit, Unlust des Schülers, etwas selbständig zu verfassen. Weil nie sicher vor dem Rothstift, verliert er das Vertrauen zu seinem eigenen Ur- theil und bemüht sich, nicht etwa einen richtigen Ausdruck zu finden, sondern einen, von dem er hofft, er werde dem Léhrer gefallen. *) Dieser Wetsstein ist an vielen Schulen verloren gegangen. Nur die Fehler werden gezählt, das Richtige kaum der Erwähnung gewürdigt. Hat ein Schüler von zwölf Sätzen sieben richtig und fünf unrichtig übersetzt, so werden ihm die sieben richtigen wenig nützen, die fünf unrichtigen dagegen mit harten Worten verwiesen werden. beitet und sich keine Nachlässigkeit zu Schulden kommen liess, denn ↄ dc% iveiss dis Hetter Erfalinauug, dass ein Solniiler melin geꝛbinnen ebird deis æibel Zehlern, vor denen man ihn mit Freundlichꝶoit ebν, als d vuοεν All&⁶- driichen, diè er vichtiq getroſten hat«, denn der Lehrer werde dann gute Gelegenheit haben zu ihm zu sagen, Cicero würde dieses Wort hier, nicht dort gesetzt, er würde diesen Fall, diese Zahl, diese Person, diesen Grad, dieses Genus gebraucht, er würde lieber diesen Modus, diese Zeit, dieses einfache, als dieses zusammengesetzte Wort gewählt, dieses Adverb hier, nicht dort gesetzt, er würde den Satz mit diesem Verbum, nicht mit jenem Nomen oder Participium geschlossen haben, u. s. w. In diesen wenigen Jeilen habe er den langweiligsten Theil der Grammatik, sowie den Grund fast aller Regeln zusammengetfasst, die von dem Lehrer so mühsam ge- lehrt, und von dem Schüler so schwer erlernt werden. Auf diese Weise werde der Lehrer ohne allen Irrthum lehren, und der Schüler ohne grosse Mühe lernen, da der Lehrer von einem so sicheren Führer geleitet und der Schüler auf einen so einfachen und leichten Weg gebracht werde. Er verachte desshalb die Regeln nicht, sondern er lehre sie mit V ergnügen, und er lehre sie ein- facher, verständlicher und in besserer Ordnung, als sie gewöhnlich in den öffentlichen Schulen gelehrt würden. Wenn der Lehrer Cicero's Buch mit der VUebersetzung des Schülers vergleiche, 80 möge er zuerst seinen Schüler anleiten, die Regeln seiner Grammatik mit den Beispielen der vorliegenden Aufgabe au verbinden, bis der Schüler selbst im Stande sei, aus seiner Gram- matik für jedes Beispiel jede Regel zu finden; so dass die Grammatik stets in der Hand des Schülers sei, und von ihm, wie ein Wörterbuch, für jeden augenblicklichen Gebrauch benützt werde. Dies sei ein lebhafter und voll- kommener Weg Regeln zu lehren, während der gewöhn⸗ liche Weg, der in den Schulen üblich sei, nämlich die Grammatik für sich allein zu lesen, langweilig sei für — den Lehrer, schwer für den Schüler, kalt und unbehag- lich für beide.“) Dein Scſilen flurohitè sich. nicht æni Fragen. Lasse Deinen Schüler nie sich fürchten, Dich über irgend einen Zweifel zu fragen, sondern gebrauche auf kluge Weise jedes Mittel, ihn dazu zu ermutlügen, damit Du ihn nicht dadurch, dass er Dich gar zu viel hört, dazu treibst, irgend ein ungehöriges Auskunftsmittel zu suchen, 2. B. dass er Hilfe suche in irgend einem andern Buche, oder dass er sich von einem andern Schüler helfen Iasse, und so darnach strebe, Dich viel, und sich selbst noch mehr zu betrügen.) ) Was hier von der lateinischen Grammatik gesagt wird, gilt auch, und ich möchte sagen, mit grösserem Rechte von den Grammatiken der neueren Sprachen. Aber gerade jetat wieder werden die Grammatiken immer dickleibiger, s0 dass die wenigen wöchentlichen Stunden, die bei der grossen Zahl von Lehrgegen- ständen einer Sprache gewidmet werden können, kaum hinreichen, auch nur die Grammatik gehörig durchzuarbeiten. Die Uebungs- beispiele vermehren sich in's Unendliche oft über Dinge, die sich von selbst verstehen. Nicht selten kommt man in Versuchung, zu glauben, es sei dem Grammatiker mehr darum zu thun ge- wWesen, viele Bogen zu füllen, als dem Schüler zu nützen. Wie viele Ausnahmen muss der vielgeplagte Knabe mühsam erlernen, denen er oft in jahrelanger Lectüre nicht begegnet! Sie sind todter Gedächtnisskram, die darauf verwandte Zeit und Mühe verloren. Die Grammatik gebe das Allernothwendigste, haupt- sächlich das Regelmässige: alles Uebrige überlasse man dem Studium der besten Schriftsteller. Freilich würde mancher er— fahrene Lehrer gerne nach diesen Grundsätzen verfahren, wenn nicht in den Prüfungen so oft das Steckenpferd der Ausnahmen geritten würde. Gar keine Grammatik zu haben, wie man nament⸗ lich für den Unterricht in der Muttersprache vorgeschlagen hat, ist das andere Extrem, das dem Lehrer den Unterricht erschwert, ihn zu endlosen Wiederholungen nöthigt und im Schüler sehr häufig nie einen klaren Veberblick des Sprachbaues aufkommen lässt. ) Der Schüler sei ehrlich und wolle nicht geschickter scheinen, als er wirklich ist. Ihm eine bescheidene Frage zu erlauben, ihn nicht hart anzufahren, noch, was auch vorkommt, ihn gar zu be- strafen, wenn er den Lehrer um die Lösung eines Zweifels bittet, ist das natürliche Mittel, ihn ehrlich zu erhalten. Aber es ist Milde beim Lehiren. Ascham wiederholt immer und immer die Regel: Sci milde beim Lehren. Da er auf diesen Punkt das grösste Gewicht legt, 80 wollen wir die Begründung seiner Regel ihrer ganzen Länge nach in seinen eigenen Worten hören. »Wenn Dein Schüler etwas nicht richtig trifft, so sei nicht eilig bereit ihn zu schelten, denn dies wird seinen Verstand abstumpfen und seinen Fleiss entmuthigen, sondern ermahne ihn mit sanften Worten: dies wird ihn sowohl bereitwillig machen zur Besserung als auch freu- dig, in der Liebe und Hoffnung zu lernen, vorwärts zu schreiten.« »Ich habe nun zwei- oder dreimal den Wunsch aus- gesprochen, dass ein Erzieher diese sanfte Natur habe, und um zu zeigen, dass ich dies weder zufällig noch ohne guten Grund gethan, so will ich jetzt umständlich er klären, warum nach meiner Meinung Liebe geeigneter sei als Furcht, Milde besser als Schläge, um einen Schüler beim Lernen richtig zu erziehen. »Mit dem allgemeinen Verfahren zu léhren und ⁊u schlagen in den Schulen Englands will ich mich in keinen Streit einlassen; würde ich es thun, so wäre es nur eine unbedeutende grammatische Streitsache, die weder zu einer Ketzerei noch zum Verrathe gehört, weder Gott noch den Regenten besonders berührt, obgleich recht eigentlich die gute oder schlimme Erziehung der Kinder Zzum guten oder schlimmen Dienste Gottes, unseres Fürsten und unseres ganzen Landes soviel beiträgt, als irgend etwas in der Welt. hiebei eine Klippe zu vermeiden. Ist ein Lehrer gar zu bereit- willig, des Schülers Fragen zu beantworten, so werden ihm muth- willige Jungen bald Fragen genug Vorlegen, die nicht mehr zur Sache gehören. Es sind mir Fälle bekannt, wo freche Buben den eitlen, antwortbereiten Lehrer durch alle Reiche der Natur und die ganze Weltgeschichte schleppten, bis die Unterrichtsstunde vorüber war. Erlaube eine Frage, aber sie gehöre zur Sache. —— »Ich bin gerne mit allen guten Schulmeistern in fol- genden Punkten einerlei Ansicht, dass man die Kinder zu rechter Tüchtigkeit im Lernen bringen müsse, zu aller Ehrbarkeit in den Sitten, zu richtiger Beseitigung aller Fehler, zu strenger Bestrafung jedes Lasters; aber in Bezug auf die Ordnung und den Weg, der auf richtige Weise zu diesen Punkten führt, sind wir etwas verschie- dener Ansicht. Denn viele Schulmeister, einige wie ich gesehen, mehr noch, wie ich sagen hörte, sind s8o ver- schrobener Natur, dass sie, wenn sie mit einem schwach- begabten Schüler zu thun haben, ihn lieber brechen als biegen, lieber verderben als verbessern. Denn wenn der Schulmeister wegen irgend einer andern Sache zornig ist, dann wird er am schnellsten geneigt sein, seinen Schüler zu hauen“), und obgleich er selbst für seine eigene Thor- heit gestraft werden sollte, so muss er doch irgend einen Schüler zu seinem Vergnügen durchprügeln, wenn er auch keine Ursache hat, dies zu thun, und der Schüler es durch keinen Fehler verdiente. Dieses, wird man sagen, sind thörichte Schulmeister, und es giebt nur wenige dieser Art. Ja, thöricht sind sie in der That, aber leider findet man nur zu viele derselben überall.« Oft abuο die Natir hestraft. Das will ich behaupten, dass selbst die weisesten der grossen Prügler ebenso oft die Natur bestrafen, als sie Fehler verbessern. Ja, viel- mals wird die bessere Natur um so schmerzlicher be- straft; denn wenn Einer durch schnelle Auffassung seine Lection leicht lernt, ein Anderer wegen schwächeren Verstandes sie nicht so schnell begreift, so wird der Erstere immer gelobt, der Andere gewöhnlich bestraft, während ein weiser Schulmeister lieber die richtige An- lage ihrer Naturen klug bedenken und nicht so sehr ) In einem mir wohl bekannten Orte war den Schülern eines Lehrers immer bange vor dem Markttage, denn wenn die Frau das nöthige Marktgeld forderte, kam der Herr Lehrer gewöhnlich so übelgelaunt zur Schule, dass er seine Schüler der Reihe nach durchprügelte. erwägen sollte, was jeder von beiden jetat zu thun im Stande ist, als vielmehr wWas jeder von ihnen wahr- scheinlich in der F. olge zu thun vermögen wird.e 9 Selmelle und lungsdumꝰe Lerner. Nicht allein aus Büchern, sondern auch aus Erfahrung im Leben weiss ich, dass diejenigen, welche die weisesten, die gelehrtesten und auch die besten Männer im Alter sind, gewöhnlich nicht die schnellsten Köpfe in ihrer Jugend waren. Die Gründe, deren es viele giebt, die mich unter andern bestimmen, 50 zu denken, sind folgende wenige, die ich aufzählen will. Schnelle Köpfe sind gewöhnlich zwar fähig, rasch aufzu- fassen, aber unfähig, fest zu behalten; bald heiss und begierig nach diesem und jenem, aber ebenso bald wieder kalt und des Gegenstandes müde, schneller eilig einzu- treten, als fähig weit vorzudringen: gleich%/0 scharfen Werkzeugen, deren Schneide sich sehr bald umlegt. Solche Köpfe haben ihr Vergnügen an leichten und an- genehmen Studien und schreiten nie weit vorwärts in hohen und schweren Wissenschaften. Desslialb können die schnellsten Köpfe sich gewöhnlich als die besten Dichter, aber nicht als die weisesten Redner bewähren, zungenfertig, ohne tiefes Urtheil Sei es zu gutem Rathe oder weiser Schrift. Auch hinsichtlich ihrer Sitte und Lebensweise sind die Scharfsinnigen in Wünschen nach Neuem strebend, im Vorsatze unbeständig, schnell Alles zu versprechen, bereit Alles zu vergessen, so Wohlthat als Beleidigung, und dabei weder einem Freunde treu er- ) Würde dieser weise Rath fleissiger befolgt, so würden die Urtheile der Schule und die des Lebens nicht häufig s0 weit auseinandergehen. Wie mancher Lehrer hat sich dadurch lächer- lich gemacht, dass er einem Schüler alle Fähigkeit absprach, der in der Folge sich durch geistige Kraft und Gediegenheit des Charakters auszeichnetè!— Wie mag sich jene Lehrerin, die dem jungen Walter Scott alle Fähigkeit abgesprochen und ihn einen „impenetrable dunce“ genannt hatte, geschämt haben über ihr verkehrtes Urtheil, als der Ruhm des angeblichen Dummkopfs ganz Europa erfüllte und seine geistreichen Werke in Aller Hände waren! geben, noch einem Feinde fürchterlich; neugierig in allen Kleinigkeiten, nicht verschwiegen in den wichtigsten Angelegenheiten; mit Jedermann gar frei, in Allem ge- schäftig; Anwesenden schmeicheln sie, Abwesende hecheln sie durch; von Natur stets geneigt, ihren Vorgesetzten zu schmeicheln, ihres Gleichen zu beneiden, ihre Unterge⸗ benen zu verachten; und bei aller Scharfsinnigkeit sehr schnell und bereit, Niemand so sehr zu lieben, als sich selbst.) Mathiematischhe Küpfe. Mit seinen Bemerkungen über die sogenannten matſhemæatisohen Kopfèe würde Noger Ascham in unserem mathematischen Zeitalter bei Vielen gar übel ankommen. Wenn wir dieselben in aller Kürze berühren, so möge man es unserem Bestreben, die An- sichten des alten Püdagogen über Schüler und Schülerbeur- theilung und deren Behandlung vollständig mitautheilen, zu Gute halten. Man darf nur nicht vergessen, dass Ascham durch und durch Philolog war, und Philologen und Ma- thematiker nicht blos im 16. Jahrhundert auf etwas gespanntem Fusse lebten. Die Schulbehörden, welche vor noch gar nicht langer Zeit forderten, dass der Phi- lolog auch im Stande sein müsse, den mathematischen Unterricht durch das ganze Gymnasium zu ertheilen, haben vielleicht nach der einen oder der andern Seite hin der Gründlichkeit geschadet, aber sie haben einer unheilvollen Einseitigkeit und übermässigen Anforderun- gen an die Schüler vorgebeugt. Der beste und mit glücklichstem Erfolg lehrende Professor der Mathematik, den ich in unserem Lande kennen lernte, war ein Phi- lolog. Aber auch die Mathematiker sind nicht mehr die einseitigen Leute, die sie früher waren. Wenn sie auch für das Studium der Klassiker keine Zeit aufwen⸗ den können, so wenden sich doch viele den modernen Sprachen azu, der vaterländischen Literatur und Geschichte; sie sind nicht mehr blos scharfe Ritter Minusplus. ) Diese Gedanken beleuchtet er noch in mehrfacher Hinsicht, ohne jedoch etwas wesentlich Neues beizufügen. Doch zurück zu unserer Sache. »Einige Köpfec, sagt Ascham,»die schon von Natur mittelmässig genug sind, werden oft verdorben durch übereifriges Studium mancher Wissenschaften(und Künste), nämlich der Musik, Arithmetik und Geometrie. Wie diese Wissenschaften den Verstand der Menschen allzu- sehr schärfen, so ändern sie auch die Sitten der Men- schen zu sehr, wenn sie nicht auf maassvolle Weise ge- mischt und zu einem guten Lebenszwecke angewandt werden. Beobachte alle mathematischen Köpfe, welche sich einzig und allein auf diese Wissenschaften verlegen, wie einsam sie selbst sind, wie unfähig mit Andern zu leben, und wie ungeschickt in der Welt etwas Nützliches zu leisten. Das hat man nicht erst jetat durch allge- meine Erfahrung kennen gelernt, sondern es wurde schon vor langer Zeit durch das Urtheil und den Ausspruch weiser Männer behauptet. Galemus sagt, viel Musik ver- dirbt die Sitten der Menschen, und Plato hat eine bemerkenswerthe Stelle über den nämlichen Gegenstand in seinen Büchern über die Republik, welche Cicero selbst wohl beachtet und vortrefflich übersetzt hat. Ueber diesen Gegenstand schrieb ich einst ausführlicher, vor 20 Jahren, in meinem Buche über das Schiessen: jetat Wollte ich ihn nur berühren, um zu beéweisen, dass über- grosse Verstandesschärfe, sei sie Gabe der Natur oder Folge des Studiums, nicht immer grösste Gelehrtheit, beste Sitten oder glücklichstes Leben bewirke. Langsamè Kòöpfe. Die grössten pädagogischen Miss- griffe werden begangen gegen diejenigen Schüler, die etwas schwer begreifen und langsam lernen. Obwohl die Natur uns in zahllosen Erscheinungen lehrt, dass das Beste und Dauerhafteste auf der Erde sich am lang- samsten bilde, dass Pilze, Schwämme und Wasserschöss- linge zwar über Nacht gross werden, die königliche Eiche aber Jahrhunderte zu ihrer völligen Entwickelung brauche, so fordern doch manche Lehrer in der Schule ein augenblickliches Begreifen, und haben die härtesten Ausdrücke im Munde gegen die armen Jungen, die ihre hohe Weisheit nicht augenblicklich zu fassen vermögen. Für die langsamen Lerner, von beschränkten Lehrern häufig Dummköpfe genannt oder mit allerlei Thiernamen, vom norddeutschen Schafskopf bis zum süddeutschen Esel und Rindvieh, beehrt, tritt Ascham in einer sehr beachtenswerthen Stelle vertheidigend auf. Wenn ein junger Kopf, der nicht allzu stumpf, schwer- fällig, knotig und plump ist, sondern nur hart, rauh, und wohl auch etwas stöckisch und steif, zuerst von der Mutter gut geleitet, und von dem Schulmeister richtig behandelt und gehörig nicht quer und gegen den Strich bearbeitet wird, so wird er sich immer, sowohl im Lernen als in seiner ganzen Lebensweise als den Besten erproben. In Holz und Stein sind nicht die weichsten, sondern die härtesten immer die geeignetsten für die Bildnerei, so- wohl am schönsten zum Vergnügen, als auch am dauer- haftesten für Gewinn. Langsame Köpfe nehmen lang- sam auf, aber sie behalten sicher; sie geben sich viele Mühe, ohne schnell zu ermüden; sie sind aufmerksam ohne Wanken, ausdauernd, ohne sich immer nach Ver- änderung zu sehnen; sie tragen Schweres, wenn auch nicht ohne Mühe, so doch willig; sie dringen in Schwie- riges ein, zwar nicht leicht, aber tief, und so kommen sie am Ende zu jener Vollkommenheit der Wissenschaft, welche schnelle Köpfe zwar in der Hoffnung, aber nicht in der That, oder wenigstens sehr selten, je erreichen.c „Auch in Sitten und im Leben werden langsame Köpfe kaum je fortgerissen, entweder jede Neuigkeit zu wünschen, oder jede Sonderbarkeit zu bewundern. Dess- halb sind sie sorgsam und eifrig in ihren eigenen Ange- legenheiten, nicht neugierig und geschäftig in anderer Leute Sachen; so werden sie weise für sich und sind als ehrenhafte Männer geachtet von Andern. Sie sind ernst, fest, schweigsam und verschwiegen; nicht hastig, irgend ein Versprechen zu machen; aber standhaft, es zu halten; nicht rasch in der Aeusserung, sondern vorsichtig über- HA — 28— legend; langsam im Sprechen, aber tief im Urtheil, ob sie schreiben oder Rath geben in allen wichtigen Ange⸗ legenheiten. Das sind die Männer, welche am Ende so- wohl für sich die glücklichsten, als auch immer die ge- achtetsten in der Welt sind.« »Ich bin in der Beschreibung der Natur, des guten oder schlimmen Erfolgs der schnellen und der langsamen Köpfe ausführlicher gewesen, als vielleicht Manche des Ortes und der Sache für angemessen halten werden. Allein mein Zweck hierbei war, deutlich zu sagen, welcher Nachtheil allem Lernen und auch dem Staate zugefügt wird zuerst durch den thörichten Vater bei der Wahl und dann hauptsächlich von dem ungeschickten Schul- meister durch Schlagen und dadurch, dass er die besten Naturen vom Lernen vertreibt. Ein Knabe, der still, schweigsam, ernsthaft und etwas langsam im Verstehen ist, wird entweder nie vom Vater gewählt, ein Gelehrter zu werden, oder aber, wenn er zur Schule kommt, wird er gering geachtet, wenig berücksichtigt, es fehlt ihm an Belehrung, es fehlt ihm an Ermuthigung, es fehlt ihm an Allem, nur fehlt es ihm nie an Schlägen, noch an irgend einem Worte, das ihn dazu bringen kann, das Lernen zu hassen, noch an irgend einer That, die ihn vom Studium zu einer andern Lebensbahn vertreiben kann. Und wenn dieser traurig begabte, hartköpfige Junge von seinem Buche durch Schläge vertrieben ist, und nachher entweder das gemeine Recht erlernt, oder ein Page bei Hof wird, oder ein Diener, oder sich als Lehrling bei einem Kaufmann aufdingt, oder bei irgend einem Handwerke, so erprobt er sich am Ende weiser, glücklicher und vielmals auch ehrenhafter, als viele jener schnellen Köpfe thun mit ihrem Lernen. Walil gecigneter Soſniler æum Hortstudiren.v Das Lernen wird sowohl gehindert als auch beeinträchtigt durch die üble Wahl derer, welche junge Studenten auf die Uni- versitäten schicken, aus deren Zahl nothwendiger Weise alle unsere Theologen, Rechtsgelehrten und Aerate kommen müssen. »Diese jungen Studenten werden gewöhnlich gewählt, wie frische Aepfel von Kindern in einem schönen Garten um Jakobi gewählt werden: ein Kind pflegt einen Johannisapfel“) zu wählen, weil er gerade jetzt schön und angenehm aussieht, und einen Renettenapfel zu ver- schmähen, weil er zu jener Zeit grün, hart und sauer ist, da doch der eine, wenn er gegessen wird, sowohl Würmer als auch schlechte Säfte erzeugt, der andere dagegen, wenn er die gehörige Zeit liegen bleibt und auf die rechte Weise gehalten wird, an und für sich gesund ist und zur guten Verdauung der übrigen Gerichte mitwirkt. Johannisäpfel pflegen Würmer zu bekommen, faulen und sterben auf dem Baume und kommen nie oder nur selten dazu, für einen guten und dauernden Vorrath ein- gesammelt zu werden. „Aus wahrem Herzenskummer will ich das Gleichniss nicht anwenden; aber hieraus sieht man klar, wie die Wissenschaft ihrer besten Köpfe beraubt wird, zuerst durch arges Schlagen und dann durch die üble Wahl der Schüler, die auf die Universitäten gehen sollen. Da- her kommt theilweise jenes elende und hämische Sprich- wort, das zum grossen Schaden der Wissenschaft und zur Schande gelehrter Männer lautet, dass die grössten Gelehrten nicht die weisesten Leute seien.«*) Das Mitgetheilte genügt, um die freundliche Absicht des humanen Pädagogen zu erkennen, nämlich die Lehrer in der Beurtheilung ihrer Schüler gegen Voreiligkeit zu wärnen und sie zu ermahnen, den langsamen und schwer- begreifenden Knaben nicht sofort für unfähig und zum Studium der Wissenschaften für unbegabt zu erklären. Er führt dieses Thema noch weiter aus und gibt zwar zu, dass auch schnelle Köpfe ausdauernd und von guten ) Süssapfel. *) Das deutsche Wort dafür ist derber:„Je gelehrter, desto verkehrter.“ — 30— Sitten sein können, dass diess jedoch eine höchst seltene und besondere Gabe Gottes sei. Ueberhaupt sei es merk- würdig, dass die Zahl derer, welche die andern weit übertreffen, sei es im Guten oder im Bösen, die kleinste sei, wie schon Socrates bei Plato zu seinem Freunde Krito sage. Merhmale, einen geiten Sclililen æu erbennen. Man müsse die ganz besondern Merkmale einer guten Anlage zum Lernen bei einem Kinde erklären nach der Weise und Gewohnheit eines guten Reiters, welcher geschickt sei zu erkennen, und fähig, Andern zu sagen, wie Jemand nach gewissen sichern Zeichen ein Füllen wählen könne, das sich wahrscheinlich einst ausgezeichnet für den Sattel erproben werde. Treitenechit und Lehirer.»Es ist bedauerlich, dass man gewöhnlich mehr Sorge trägt, und zwar geschieht dies in der That auch bei sehr klugen Leuten, eher einen ge- schickten Mann für das Pferd, als einen geschickten Mann für die Kinder zu finden. Man gibt dies zwar in Worten nicht zu, aber es geschieht in der That. Denn dem Einen Pflegt man gerne einen Gehalt von 200 Kronen jährlich zu geben, dem Andern bietet man ungern 200 Schillinge). Gott im Himmel verlacht ihre Wahl und belohnt ihre Grossmuth nach Verdienst, denn er lässt sie zahme und wohldressirte Pferde, aber wilde und unglückliche Kinder haben, und desshalb finden sie am Ende mehr Vergnü- gen an ihren Pferden als Trost bei ihren Kindern.e Wir sehen aus dem Bisherigen, dass AScham an den Lehrer die Anforderung stellt, mit Klarheit zu lehren, mit Sorgfalt zu verbessern, mit Sanftmuth zu leiten, mit Milde zu tadeln, und klug in der Beurtheilung seiner Schüler zu sein, nicht vorschnell den Leichtlernenden für den bessern, den Schwerbegreifenden für zum Studium unfähig zu halten. Er soll die Natur der Jugend 80 beobachten, dass er an gewissen Zeichen den für die *) Ein Schilling ist der fünfte Theil einer Krone. Dauer Tüchtigen unter seinen Schülern herausfindet. Bei dieser zuletzt genannten Forderung will er jedoch nicht seine eigene Ansicht geben, sondern das Urtheil des Mannes, welcher für den besten Lehrer und den weisesten Mann gehalten wird, dessen die Wissenschaft Erwähnung thut, nämlich des Socrates, der bei Plato“) folgende sieben Kennzeichen lehrt, an denen man die gute Anlage eines Kindes zum Studiren erkennen könne. Ein Kind soll sein: Hoqvijs. Miyijuchu Sνοννονß. Silαοοοe. Sulanοοg. Zuturinds. 7. Cuαάνοẽ2). 9— eeR Also zuerst Eucu⁰ẽ, von Natur wohlbegabt ist derjenige, welcher durch guten Verstand geeignet, und durch Bereitwilligkeit zum Lernen brauchbar ist, und dabei alle andern Eigenschaften des Geistes und Fühigkeiten des Körpers hat, die einst das Studiren unterstützen müssen, nicht verkümmert, ver- stümmelt, sondern gesund, ganz, vollständig und fähig, ihren Dienst zu thun, 2. B. eine Zunge, welche nicht stammelt, oder die Wörter gar zu schwer hervor- bringt, sondern deutlich ist, und fertig, den Gedanken des Geistes mitzutheilen; eine Stimme, nicht sanft, schwach, matt, weibisch, sondern vernehmlich, stark und männlich; ein Gesicht nicht ausdruckslos und gräm- lich, sondern schön und lieblich: das ganze Aeussere ) Plato in 7. de Rep. ) Zu diesem Worte bemerkt schon James Upton, der 1711 den Scholemaster mit Noten herausgab:„Ich bezweifle sehr, ob dieses Wort in der griechischen Sprache vorkommt“. nicht elend und missgestaltet, sondern hochgewachsen und anmuthig; denn sicherlich, ein liebliches Gesicht mit einer angenehmen Statur ehrt die Wissenschaft und gibt der Person Ansehen; im andern Falle schadet und hindert gewöhnlich entweder offene Verachtung oder gehei- mes Missfallen sowohl Person als Wissenschaft. Und ge- rade wie ein schöner Stein in das schönste Gold gefasst werden muss mit bester Arbeit, oder er verliert viel von seiner Schönheit und seinem Werthe, ebenso ist Vortreff. lichkeit in der Wissenschaft, und namentlich in der Theologie, verbunden mit einem anmuthigen Aeussern ein wunderbares Kleinod in der Welt. Und wie kann ein anmuthiger Körper besser angewandt werden, als der schönsten Uebung von Gottes grösster Gabe zu dienen, nämlich der Wissenschaft? Aber gewöhnlich werden die schönsten Körper den schlechtésten Zwecken gewidmet. Ich wollte, es wäre nicht 80; auf Beispiele will ich mich nicht einlassen.« »Wenn ein Vater vier Söhne hat, drei schön und wohlgestaltet an Leib und Seele, der vierte elend, lahm, und missgestaltet, so wird seine Wahl sein, den schlimm- sten für die Wissenschaft zu bestimmen, als einen, der noch gut genug ist, ein Gelehrter zu werden. Ich habe den grössten Theil meines Lebens auf der Universität zugebracht, und kann daher gut davon Zeugniss geben, dass viele Väter so thun, worüber ich viele Weise, ge- lehrte und vortreffliche Männer laut und oft klagen hörte. Ein guter Reitknecht wird kein solches Füllen wählen, weder für seinen eigenen noch für seines Herrn Sattel. 80o viel über das erste Kennzeichen.« Ascham's Deutung dieses ersten sokratischen Kenn- zeichens eines guten Schülers können wir nur in sehr beschränktem Maasse beistimmen. Er legt offenbar viel 2u grosses Gewicht auf körperliche Vorzüge und möchte die Gelehrten beinahe nach demselben Maassstabe wählen, wie der General seine Grenadiere. Wie viele unserer verdientesten Gelehrten hätten nicht für die Wissenschaft bestimmt werden dürfen, wäre Ascham's erstes Kenn- zeichen von entscheidender Bedeutung. Die Wissenschaft ist eine Sache des Geistes; geistige Eigenschaften sind daher allein maassgebend, wer für sie bestimmt werden soll, wer nicht. Freilich kommen zu den geistigen Vor- zügen auch noch die des Körpers, so ist es um so besser. 2. Myij ucon. Ein gutes Gedächtniss soll der Schüler haben. Diés ist ein Theil des ersten Merkmals und eine reine Natur- gabe; sie ist jedoch so nothwendig zum Lernen, dass Plato sie zu einem besondern und vollständigen Kenn- zeichen für sich macht, und zwar zu einem solchen Hauptkennzeichen, dass ohne dasselbe alle andern Gaben der Natur dem Lernen nur geringen Dienst erweisen. Aframieis, jener alte lateinische Dichter, macht das Ge- dächtniss zur Mutter der Wissenschaft und Weisheit, indem er sagt: „Usus me genuit, Mater peperit memoria Sophiam vocant me Graii, vos Sapientiam.“) Obgleich nun das gute Gedächtniss rein Gabe der Natur ist, so wird es doch gut erhalten durch Uebung und sehr gestürkt durch Ordnung. Bei einem Kinde erkennt man ein gutes Gedächtniss leicht an drei Eigen- schaften, nämlich wenn es schnell auffasst, sicher behält und fertig wiedergibt. 3. Pινονẽuοοον⁸&. Voll Liebe zum Lernen. Denn obgleich ein Kind alle Gaben der Natur nach Wunsch hat, ist aber ohne besondere Liebe zum Lernen, so wird es nie zu grosser Gelehrtheit gelangen. Desswegen liess Isokra- tes, einer der ausgezeichnetsten Lehrer, welcher Könige und Fürsten lehrte, wie der von Halicarnass schreibt, und aus dessen Schule, wie Tullius sagt, mehr ausge- zeichnete Feldherrn, mehr weise Räthe hervorgingen, ) A. Gell. XIII. 8. 3. 34— als aus dem Pferde des Epeius in Troja, desswegen, sage ich, liess Isokrates an dem Eingange seiner Schule in goldenen Buchstaben diesen goldenen Satz schreiben: Ear Iſs ꝙdolicid ijes, xon mοEſνν, d. h.:„Wenn du gern lernst, wirst du viel lernen«. 4. Suαοοg. Suαννονõ ist derjenige, weleher Lust zur Arbeit hat, und einen Willen, sich Mühe zu geben. Denn wenn ein Knabe auch alle Gaben der Natur besitzt, mit voll- kommen gutem Gedächtnisse, und das Lernen noch 80 sehr liebt und preist, sich jedoch nicht selbst anstrengen will, so wird er nie zu rechtem Lernen gelangen. Wo aber Liebe ist, fehlt die Arbeit selten, und dies nament- lich im Studium der Wissenschaft und in Sachen des Geistes. Isokrates urtheilte daher richtig, dass er, wenn sein Schüler ein Freund des Lernens sei, sich um weiter nichts zu kümmern habe. Aristoteles, der von Isokrates in Privatangelegenheiten des Lebens abweicht, aber in allgemeiner Beurtheilung des Lernens, in Betreff der Liebe und Arbeit beim Lernen mit ihm übereinstimmt, ist derselben Ansicht, wie er sie in folgenden Worten in seiner Rhetorik an Theodectes äussert: Freiheit entzün- det Liebe, Liebe weigert sich keiner Anstrengung, und Anstrengung erreicht, was sie auch immer suche. Jedoch kann nichts desto weniger Güte der Naturan- lagen wenig Gutes bewirken, Vollkommenheit des Gedächt- nisses zu geringem Nutzen dienen, alle Liebe vergebens angewandt, jede Anstrengung bald verhindert werden, wenn Jemand immer nur auf seinen eigenen Verstand vertraut und nicht bisweilen gern einen Andern hören, von einem Andern Rath annehmen und lernen will. Dess- halb fügt Sohrates sehr beachtenswerth das fünfte Kenn- zeichen hinzu: 5. Peανõοο. Das ist der, welcher gerne einen Andern hört und von ihm lernt; denn sonst wird er in grosser Mühe stecken bleiben, wo er leicht vorwärts gehen könnte, und auch durch seine eigene Anstrengung sehr wenig mit Mühe erhaschen, während er durch eines Andern Unterricht schnell Vieles einsammeln würde. Nun gibt es aber Manche, welche grosse Liebe zum Lernen haben, gute Lust zur Arbeit, auch willig sind, von Andern zu lernen, und doch entweder aus thörichter Verschämtheit oder auch stolzer Thorheit es nicht wagen, zu einem Andern zu gehen und von ihm zu lernen. Desswegen fügt Sokrates weislich das sechste Kenn- zeichen einer guten Anlage eines Kindes zum Lernen bei, nämlich: 6. Zurtαο. Nachforschend ist der, welcher von Natur den Muth hat, irgend eine und jede Frage zu stellen, begierig ist, jeden Zweifel zu lösen, sich nicht schämt, von dem Ge- ringsten zu lernen, sich nicht fürchtet, zu dem Grössten zu gehen, bis er vollkommen belehrt und völlig befrie- digt ist. Der siebente und letzte Punkt ist: 7. Pαννννοg. Der, welcher liebt, von seinem Vater oder seinem Lehrer gelobt zu werden, weil er seine Pflicht recht erfüllt. Ein Knabe dieser Art wird das Lernen ernstlich lieben, freudig arbeiten, um zu lernen, gerne von Andern lernen, freimüthig fragen bei jedem Zweifel. Auf solche Weise sollte also, nach dem Urtheile des Sokra- tes, ein guter Vater und ein weiser Lehrer einen Knaben wWählen, um einen Gelehrten aus ihm zu machen, welcher von Natur die vorgenannten guten Eigenschaften und die richtige Beschaffenheit sowohl des Geistes als des Körpers besitzt, der ein Gedächtniss hat, das schnell auffasst, sicher behält und fertig wiedergibt; der Liebe zum Lernen, Lust zur Arbeit, Verlangen, von Andern zu lernen, Freimüthigkeit, jede Frage zu stellen, und einen Geist hat, der dafür, dass er seine Pflicht recht erfüllt, Lob gewinnen will. Die zwei ersten Punkte sind besondere Gaben der Natur, welche jedoch durch gute Ordnung wohl erhalten und sehr vergrössert werden. Aber die fünf letzten be- treffend, nämlich Liebe, Arbeit, Freudigkeit, von Andern zu lernen, Muth, bei jedem Zweifel zu fragen, und ein Wille, Lob zu verdienen, so werden sie nur durch die Weisheit und Klugheit des Lehrers gewonnen und auf. recht erhalten.»Oονι mu diCse flinf Punlitè ein Loliner ehen beuirſe bei einem Mndben diureh fainolſiterliches Schilagen oder durol, freundlieſe Beſandlung, darlibor mchet iſin uurthigilen, die ihir ebeise Seid.« 3 »Jedoch manche Männer, in der That verständige, lachen in dieser Angelegenheit, mehr aus Strenge ihrer Natur als aus Weisheit, über Uns, wenn wir so wünschen und urtheilen, dass junge Leute eher zum Lernen ange- lockt werden sollten durch Sanftmuth und Liebe, als zum Lernen getrieben durch Schläge und Furcht. Sie behaupten, unsere Gründe dienten nur dazu, Geschwütz zu erzeugen und die Zeit zu vorgeuden; aber wir sahen nie einen guten Schulmann, der das that, noch lasen wir von einem weisen Manne, der so dachte.« Astſium legt auf seinen Satz, dass man durch Milde lehren müsse, so grosses Gewicht, er möchte 80 gerne ) Diese sokratischen Forderungen können natürlich nicht für alle Schüler gelten. An Gelehrten- und Technikerschulen Wohl, nicht aber an der Volksschule und ihrer Fortsetzung, der höheren Bürgerschule. Dort ist die Aufgabe, für Wissenschaft und Technik die besten Köpfe zu gewinnen und die ungeeigneten auszuschei- den, die Volks- und höheren Bürgerschulen dagegen, welche gemeinschaftlich die Aufgabe haben, die Massen zu unterrichten und zu erziehen, zu bilden, müssen gerade da, wo die sokrati- schen Merkmale nur schwach vorhanden sind oder theilweise fehlen, ihre bildende Kraft und ihren Berufseifer zeigen. Lehrer, welche nur ganz reichbegabte Schüler unterrichten Lönnen, oder nur ganz feine Herrchen erziehen wollen, eignen sich weder für Volks- noch höhere Bürgerschulen. —— seine Deberzeugung Andern mittheilen, dass er denselben Gedanken immer und immer in neuer Form wieder bringt, und, da gerade in unseren Tagen in den Schulzeitschriften von allen Seiten her Zeter und Weh geschrieen wird, weil man dem Pädagogen seinen geliebten Stock entwinden möchte, so verweilen wir gerne bei dem milden Philo- sophen, der vor 300 Jahren im Geiste ächter Humani⸗ tät und cChristlicher Liebe dachte, lehrte und wirkte, ohne des Stockes zu bedürfen. Zwar gibt man jetat ziem- lich allgemein zu, dass wegen Nichtlernens oder geringer Fortschritte kein Schüler geschlagen werden dürfe, dass Schläge nur für die unartigen, rohen oder boshaften Schüler seien; aber dieses Zugeständniss hilft dem armen, schwachbegabten Jungen nur wenig, denn wie schnell baut sich Meister Schlaghart vom Nichtlernen eine Brücke zum Nichtlernenwollen, zur Unaufmerksamkeit, Faulheit, Widersetzlichkeit des Schülers! Ehe man sich versieht, hat der Herr Präceptor Röhrle aus dem schwach- begabten Schüler sich einen vollendeten Bösewicht zu- recht gemacht, den man nicht oft und hart genug treffen könne, um ihm die Bosheit und Faulheit, die ihn nicht zum Lernen kommen lassen, auszutreiben. Selbst an un- sern Mittelschulen, wo der Stock durch die weise Hu- manität der Oberbehörden gänzlich verbannt ist, wo auch jene Ausnahme der mässigen Züchtigung mit der Ruthe auf die Hand, aus der nur zu oft eine unmässige wurde, nicht mehr gilt, kann man béei der Notenerthei- lung die Beobachtung machen, dass gar oft mangelhafte Begabung und in Folge davon geringe Fortschritte für mangelnden Fleiss und schlechtes Betragen erklärt wer⸗ den. Doch kehren wir zu Ascham zurück. Gegen jene Schulmänner, welche die Abschaffung der Schläge in der Schule lächerlich finden, fährt er fort zu eifern: Solerates liben eraibungenes Lernen.»qa fürwahr, 80 weise sie sein mögen, entweder nach der Meinung An- derer oder in ihrer eigenen Einbildung, ich will das entgegengesetzte Urtheil des Mannes bringen, der, wie sie selbst gestehen werden, so weise war, als sie selbst sind, oder man darf mit Recht von ihnen glauben, dass sie überhaupt nur wenig Verstand haben: nämlich des Solerdtes, dessen Ansicht bei Nato klar in diesen Worten ausgesprochen ist: Keine Wissenschaft sollte erlernt werden mit Zwang; denn körperliche Arbeiten durch Zwang bewirkt schädigen zwar den Körper nicht, aber alles Lernen durch Zwang dauert nicht lange im Geiste. Und warum? Was auch immer der Geist unwillig er- lernt in Furcht, das vergisst er schnell, ohne sich darum zu kümmern. Damit aber nicht stolze Köpfe, welche keinen Widerspruch lieben, sondern ihre Freude daran haben, zu streiten und die Wahrheit herunter zu setzen, sagen, Sohrates meine das nicht vom Lehren der Kinder, sondern von anderm höheren Lernen, so höre man, was Soſerates an derselben Stelle noch deutlicher sagt:»Mein Nieber FHreund, ergieliée deine Ninder beim Lernen michit. dduurolh Jubang uin Fuurolit, Sondern mit Spielen und Ver— gmigen.« Und ihr, die ihr den Plato nicht leset, merkt wohl, dass dies nicht von Sokrates aufgestellte Fragen sind als Zweifel, sondern Aussprüche, zuerst von ihm als Wahrheiten behauptet, und nachher als richtige Regeln gelehrt, die sehr zu beachten und geeignet sind, befolgt zu werden von Allen, welche ihre Kin- der auf gehörige Weise unterrichten lassen wollen. Und bei diesem Rathe, Urtheile und der Autorität des Sokrates will ich mich beruhigen, bis ich einen Mann von entgegengesetzter Ansicht treffe, den ich mit Recht für weiser halten kann, als, wie ich glaube, So- krates war.« Scſnulmeistor und Stallmeister. Thörichte Schulmeister können diesen guten Rath des Sokrates weder verstehen, noch wollen sie ihn befolgen, aber verständige Stall- meister können und wollen in ihrem Amte beides thun, und dieses ist die einzige Ursache, dass gewöhnlich die jungen Herren in England so ungern in die Schule gehen und so schnell in den Stall laufen; denn wahrlich, thö- — richte Schulmeister schlagen durch Furcht Hass gegen das Lernen in sie und gute Stallmeister erwecken durch freundliche Anlockungen die Liebe zum Reiten in ihnen. Sie finden Furcht und Zwang in den Schulen, sie kühlen Freiheit und Ungebundenheit in den Ställen, und dies veranlasst sie, jene auf's Aeusserste àu verabscheuen, diese dagegen sehr gerne zu besuchen. Ich schreibe dieses nicht, als ob ich, indem ich zu dem Einen rathe, junge Herren von dem Andern abwendig machen wollte; im Gegentheil, es thut mir von ganzem Herzen leid, dass sie dem Reiten nicht mehr ergeben sind, als sie es sind; denn von allen äusserlichen Eigenschaften ist schön und gut zu reiten die anständigste für den Knaben selbst, eine höchst nothwendige für das Land, und je höher der Knabe seiner Abkunft nach ist, desto grösser ist sein Lob, je mehr er alle Andern darin übertrifft. ES war eine von den drei ausgezeichneten preiswürdigen Dingen unter den edeln Herren der alten Perser: Immer die Wahrheit zu sagen, schön zu reiten und gut zu schiessen. Desswegen war auf dem Grabsteine des Darius, wie Strabo) be- zeugt, die Inschrift: Darius, der König, hier begraben liegt, Den im Reiten und Schiessen Keiner je besiegt. Aber, um zu unserem Gegenstande zurückzukehren, wenn junge Leute, welche die Liebe zum Lernen verlieren, mit der Jeit selbständig werden, 80 tragen sie jeden- falls von der Schule einen beständigen Hass gegen ihren Lehrer und eine fortdauernde Verachtung des Lernens mit sich weg. Wenn zehn Herren gefragt werden, warum sie am Hofe so bald vergessen, Woran sie so lange lern- ten in der Schule, so dürft ihr mich Alles heissen, wenn nicht acht von ihnen der schlechten Behandlung von Seiten ihrer Schulmeister die Schuld geben. Cuspinian erzüählt, dass der berühmte Kaiser Maxi- ) Strabo 15. —— milian sein Unglück in dieser Sache sehr oft au beklagen Pflegte.) Lernen und&pielen. Jedoch Manche werden sagen, dass Kinder von Natur Zeitvertreib lieben und dem Lernen abgeneigt sind, weil das Eine leicht und ange- nehm, das Andere schwer und langweilig ist. Das ist eine Ansicht, die nicht S0 wahr ist, als Manche wähnen. Die Sache beruht nämlich nicht so sehr in der natür- lichen Vorliebe derer, die jung sind, als vielmehr in der Ordnung und Art und Weise, sie zu erziehen durch die, welche alt sind, noch auch in der Verschiedenheit von Lernen und Leitvertreib; denn schlage ein Kind, wenn es nicht gut tanzt, und ermuntere es, obgleich es nicht gut lernt, so wirst du finden, dass es ungern zum Tanzen und gerne zu seinem Buche geht. Schlage den Knaben immer, wenn er den Pfeil schlecht abschiesst, und behandle ihn freundlich, obgleich er bei seinem Buche einen Fehler macht, so wird er sehr un- gern im Felde und sehr willig in der Schule sein. Ja, ich behaupte noch mehr, und zwar nicht aus meiner eigenen Ansicht, sondern nach dem Urtheile von Leuten, mit denen wenige verständige Männer nicht überein- ) Cuspinian erzählt(in De Caesaribus atque Imperatoribus Romanis, Francof. 1601, 485), dass Maximilian zu Meister Peter, später Priester zu Neustadt, geschickt worden sei, um Latein gelehrt zu werden. Meister Peter, der nichts verstand als Logik, suchte dem Knaben die„Sophismen“ aufzuzwingen, und bestrafte seine Langsamkeit mit grausamen Schlägen. Der Erfolg war, dass Maximilian das Lernen hasste. Selbst als er schon römi. scher König war, behielt er eine S0 lebhafte Erinnerung an seine Leiden, dass er bei Tische sagte:„Wenn mein Schulmeister Peter jetzt noch lebte, so würde ich ihn, ungeachtet unserer Pflicht gegen unsere Lehrer, die Zeit bereuen machen, in der er mich lehrte; denn s0 sehr wir für den rechten Unterricht guter Lehrer zu Dank verpflichtet sind, ebensosehr verdienen unwissende Püdagogen die Ruthe, welche den Frühling des Lebens der Jugend dadurch verderben, dass sie lehren, was dann viele Mühe kostet, wieder zu verlernen.“ — stimmen wollen, dass, wenn je die menschliche Natur zu irgend einer Zeit mehr als zu einer andern bereit ist, Gutes aufzunehmen, dies in der Unschuld der jungen Jahre ist, ehe die Erfahrung des Bösen Wurzel ge- fasst hat. Der reine Geist eines lieblichen Kindes ist, wie das frischeste Wachs, am fähigsten, den besten und schönsten Eindruck anzunehmen, und wie eine neue glänzende Silberschüssel, die nie gebraucht wurde, irgend etwas Gutes, das man hinein thut, aufzunehmen und rein zu halten. Auf solche Weise kann bei Kindern der Wille, wenn er verständig behandelt wird, leicht gewonnen werden, recht willig zum Lernen zu sein. Und der Ver- stand ist bei Kindern von Natur und insbesondere das Gedächtniss, jener einzige Schlüssel und Bewahrer alles Lernens, am bereitesten, jeden Gegenstand, der in der Jugend gelernt wird, aufzunehmen und am sichersten zu behalten. Wie wahr dies sei, weiss Gelehrt und Ungelehrt aus allgemeiner Erfahrung; denn wir erinnern uns an nichts so gut, wenn wir alt sind, als an jene Dinge, die wir lernten, als wir jung waren. Und das ist nichts Sonder- bares, sondern allgemein bei allen Werken der Natur. Jedermann sieht, wie ich vorhin sagte, frisches Wachs ist am besten für einen Eindruck, frischer Lehm am geeignetsten zur Bearbeitung, frisch geschorene Wolle am passendsten für baldiges und sicherstes Färben, junges frisches Fleisch zu gutem und dauerndem Ein- salzen. Und dieses Gleichniss ist nicht roh, noch von der Speisekammer erborgt, sondern aus dem Schulhause dessen, von dem zu lernen die Weisesten sich nicht zu schämen brauchen. Junge Pfropfreiser wachsen nicht allein am schnellsten, sondern auch am schönsten, und bringen immer die beste und lieblichste Frucht; junge Hunde lernen leicht apportiren, junge Papageie lernen bald sprechen. Und so ist es auch beim Menschen. Wenn daher zu der Tüchtigkeit der natürlichen An- lage die Weisheit des Lehrers kommt, welche die jungen Talente auf einen richtigen und einfachen Weg des Ler- nens leitet, so können Kinder sicherlich, wenn sie in der Furcht Gottes aufrecht erhalten und durch seine Gnade regiert sind, sehr leicht dahin gebracht werden, dass sie Gott und dem Lande recht dienen sowohl durch Tugend als Weisheit. Aber wenn Wille und Verstand in vorgerückterem Alter einmal von der Unschuld weggelockt sind, an eiteln Dingen Gefallen finden, von schlechtem Geschwätze voll, durch Eigensinn verdorben, durch Hartnäckigkeit ver- knöchert, in Ungehorsam ausgelassen sind, so ist es gewiss schwer, sie mit Milde, aber unmöglich, sie mit strenger Grausamkeit wieder in eine gute Richtung zu- rückzurufen. Denn wo sie die eine vielleicht biegen kann, wird sie die andere sicherlich brechen, und so anstatt einiger Hoffnung, eine unbezweifelt gewisse Verzweiflung und schamlose Verachtung alles Guten zurücklassen, die höchste Spitze alles Unheils, wie Xenophon sehr wahr und geistreich bemerkt.) Zu lieben oder zu hassen, gerne zu haben oder zu verachten, sich diesen oder jenen Weg zum Guten oder zum Bösen zu wenden, wie ihr ein Kind in seiner Jugend behandelt, so werdet ihr es haben. Ladi/ dqane Gre. Fin Beispiel, ob Liebe oder Furcht bei einem Kinde hinsichtlich der Tugend und des Ler- nens mehr wirke, will ich gerne erzühlen, ein Beispiel, das man mit Vergnügen hören und mit grösserem Nutzen befolgen kann. Ehe ich nach Deutschland ging, kam ich nach Broadgate in Leicestershire, um von jener edeln Dame, Johannad Grey, der ich in hohem Grade ver- Pflichtet war, Abschied zu nehmen. Ihre Eltern, der Herzog und die Herzogin, mit der ganzen Hausgesell- schaft, Herren und Damen, waren auf der J agd im Parke; ich fand sie in ihrem Zimmer, Plato's Phaedon in grie- ) Xenophon Cyropäd. I. chischer Sprache lesend, und zwar mit so viel Vergnügen, als manche Herren haben, wenn sie eine lustige Erzäh- lung in Boccacio lesen. Nachdem ich sie begrüsst und ihr meine schuldige Ehrerbietung erwiesen hatte, fragte ich sie, warum sie solchen Zeitvertreib im Parke verlieren wolle. Lächelnd antwortete sie mir: Ich weiss, all ihre Unterhaltung in dem Parke ist ein Schatten gegen das Vergnügen, welches ich in Plato finde: Ach, die guten Leute, sie fühlen nie, was wahres Vergnügen bedeute. Und wWie, sagte ich, kamen Sie zu dieser tiefen Kenntniss des Vergnügens, und was z20g Sie hauptsächlich dazu, da ich doch sehe, dass nicht viele Frauen, sondern nur sehr wenige Männer dazu gelangten? Das will ich Ihnen sagen, erwiderte sie, und Ihnen eine Wahrheit sagen, über die Sie sich vielleicht wundern werden. Eine der grössten Wohlthaten, die mir Gott je gegeben, ist, dass er mir 80 scharfe und strenge Eltern und einen so freundlichen Lehrer gab. Denn wenn ich in Gesellschaft des Vaters oder der Mutter bin, so muss ich, ob ich spreche oder schweige, sitze, stehe oder gehe, esse, trinke, lustig oder traurig bin, nähe, spiele, tanze oder irgend etwas Anderes thue, es so thun, gleichsam in solchem Gleichgewichte, Ebenmaasse und Tacte, gerade so vollkommen, wie Gott die Welt erschuf, sonst werde ich so scharf getadelt, 80 grausam bedroht, ja sogar manchmal augenblicklich durch Kneifen, Zwicken und Püffe und auf andere Weise, die ich wegen der Ehrfurcht, die ich für sie hege, nicht nennen will, so maasslos misshandelt, dass ich glaube, ich sei in der Hölle, bis die Zeit kommt, wo ich au Herrn Elmer gehen muss, der mich so freundlich lehrt auf eine so angenehme Weise, mit so gefälliger Ermun- terung zum Lernen, dass mir die ganze Zeit, die ich bei ihm zubringe, wie nichts entschwindet. Und wenn ich von ihm weggerufen werde, so fange ich an zu weinen, wWeil, was ich auch immer ausser dem Lernen thue, voll Kummer, Unruhe, Verdruss und lauter Widerwärtigkeiten für mich ist. So ist mein Buch so sehr mein Vergnügen gewesen und bringt mir noch täglich mehr und mehr Vergnügen, dass in Vergleich damit alle andern Ver- gnügen nur Tand und Sorgen für mich sind. Ich erin- nere mich gerne an dieses Gespräch, einmal, weil es der Erinnerung so werth ist, und dann, weil es das letzte Gespräch war, das ich mit jener edeln und würdigen Dame hatte, und ich sie damals zum letzten Male sah. 88 Moer die Huithe Sdrt, Hasst den Sojmnt. Räthe Salomo's und Jesus', des Sohnes Sirach, die qugend scharf zu halten und zu zügeln, sind mehr für väter- liche Züchtigung als Schlagen durch den Lehrer ge- meint, mehr für Betragen als für Lernen: für andere Orte als für Schulen. Denn Gott verhüte, dass nicht alle schlimmen Streiche, Muthwille, Lügen, Stehlen, Trägheit, Eigenwille, Hartnäckigkeit und Ungehorsam mit scharfer Lüchtigung täglich beseitigt werden sollten.“) Wir haben nun Teoger Ascham's Ansicht, Die guten dass man mit ) Die oben erzählte Begegnung fand im Sommer 1550 statt, wie wir aus einem Briefe Ascham's ersehen, den er im Dezember 1550 von Augsburg aus an Sturm nach Strassburg schrieb, in welchem er in den stärksten Lobeserhebungen von der jungen Dame spricht:„On my journey hither, on my way I turned aside to Leicester, where she wWas residing wish her father. On being admitted into her room, I found the highborn girl, di! Bont! rea- ding Plato's Phaedon in Greek, which she understands to admi- ration. Her skill in writing and speaking Greek is almost past belief etc. In einem Briefe vom Jänner 1551 erinnert er Lady Jane Grey, wie er fand„divinam virginem divinum divini Platonis Phaedonem Graece sedulo perlegentem«. 8. John Mayor, pag. 213. % Wer die Ruthe spart, hasst den Sohn, geht zunächst die Eltern, nicht die Lehrer an. Hätten die genannten Weisen vom Lehrer gesprochen, so hätten sie sich anders ausgedrückt, und gesagt: Wer die Ruthe spart, hasst den Schüler. Aber, belehrt man uns, der Lehrer vertritt ja Elternstelle und muss daher auch das elterliche Züchtigungsrecht ansprechen! Sonderbar, dass man an das Vertreten der Elternstelle nur denkt, wenn die Hosen angespannt und ausgeklopft werden sollen, nie jedoch, wenn sie gekauft oder auch nur ausgebessert werden müssen. Freundlichkeit lehren, mit milder Nachsicht die Fehler, die der Schüler in seinen Schularbeiten macht, beur- theilen und nicht mit harten Worten tadeln oder gar mit Schlägen bestrafen soll, in geeigneter Ausführlich- keit gehört. Was er aber über Zucht, über Bestrafung von Unarten und sittlichen Fehlern sagt, dürfen wir nicht übergehen, um nicht der Meinung Raum zu geben, als huldige unser Pädagog einer schlaffen, verweichlich- enden Erziehungsweise. Sitilichie Holiler sollen mit scharfer Alichitiquumg tliglich. Heselbigſt ꝛberden. Diese Zucht, fährt Ascham fort, war wohl erkannt und fleissig angewandt bei den Griechen und alten Römern, wie wir bei Aristophanes, Isokrates und Plato und auch in den Lustspielen des Plautus finden. Da sehen wir, dass die Kinder unter der Leitung von drei Personen standen, dem Lehren, dem Eræiehen, dem Vater: der Lehrer lehrte den Schüler die Wissenschaft mit aller Milde, der Erzieher verbesserte sein Betragen mit grosser Strenge; der Vater hielt die Leitung seines ganzen Ge- horsams, so dass der Mann, welcher lehrte, gewöhnlich nicht zu schlagen pflegte, sondern dieses Geschäft einem Andern überliess. Aber was sollen wir sagen, wenn nun in unsern Tagen der Schulmeister sowohl als Lehrer beim Lernen als auch in der Leitung des Betragens als Erzieher gebraucht wird? Sicherlich, ich wünschte, dass er ihre Aemter nicht vermischte, sondern dass er auf verständige Weise die Pflicht beider so erfüllte, dass weder schlimme Streiche unbestraft blieben, noch die Milde beim Lehren irgend- wie vernachlässigt würde. Und er wird beides recht thun, wenn er weislich verschiedene Zeit und besondern Ort für jeden der beiden Zwecke bestimmt, indem er immer solche kluge Mässigung übt, dass das Schulhaus für eine Freistätte gegen Furcht gehalten wird, und sehr gutes Lernen für Verzeihung bei üblem Benehmen, wenn der Fehler an und für sich nicht allzu abscheulich ist. — So würden junge Leute, wenn sie, in der Furcht Gottes erhalten und durch seine Gnade geschützt, Schmerz finden bei üblem Betragen und Vergnügen bei gutem Lernen, leicht zu Ehrbarkeit des Lebens und Tüchtigkeit des Lernens gebracht werden, dem einzigen Ziele, nach dem, wie gute und weise Väter wünschen, junge Leute auf's Eifrigste und Sorgsamste streben sollten. Hier könnten wir schliessen. Was unser Pädagog noch weiter behandelt, geht nicht mehr die Schule und die strenge oder milde Behandlung des Schülers an, sondern das Leben der jungen Leute, nachdem sie der Schule ent- wachsen sind. Obwohl uns als Schulmänner weniger oder gar nicht berührend, möchte ich seine Ansichten über das Leben und Treiben der Jugend, wenn sie nicht mehr unter der Zucht des Lehrers steht, schon desswegen nicht ganz übergehen, weil auch in unsern Tagen ganz ähn- liche Klagen gehört werden, wie damals. Doch wollen wir uns möglichst kurz fassen. Leitung der dquꝗgend nacſ, der Scinulecit. Schadet in der Schule, sagt er, sehr oft zu grosse Strenge des Lehrers, so schadet nach der Schulzeit der entgegenge- setzte Fehler nicht minder, nämlich die zu grosse Frei- heit, der man die Jugend überlasse. Die alten Perser hätten richtiger gehandelt, sie hätten den jungen Mann unter die strenge Leitung eines pädagogischen Führers gestellt, bis er verheirathet oder zu einem Amte im Staats- dienste berufen worden sei. Auch habeè kein Sohn, wie alt oder wie vornehm er auch gewesen, ohne die Zu- stimmung der Eltern geheirathet. Nachdem Cyrus der Grosse Babylon erobert, den rei- chen König Crösus nebst ganz Kleinasien besiegt hatte und triumphirend nach Hause gekommen sei, habe ihm sein OCheim Kyaxares seine Tochter zur Frau angeboten; Cyrus aber habe geantwortet, obwohl er mit der Familie, dem Mädchen und der Mitgift zufrieden sei, s0 könne er doch erst auf den Rath und mit Einwilligung von Vater und Mutter sich entscheiden. Auch der starke Samson habe, nachdem er ein Mädchen gesehen, das ihm gefiel, zuerst Vater und Mutter gebeten, die Hoch- zeit für ihn zu Stande zu bringen. Jetzt sei das ganz anders, denn gerade zur Zeit, wo die Jugend am meisten der Aufsicht bedürfe, schaue man am vwenigsten nach ihr. Dieses Uebel finde sich nicht sowohl bei armen Leuten, als vielmehr bei den Kindern der Reichen und Grossen. Von sieben bis siebenzehn würden die jungen Herren sorg- fältig genug erzogen; aber von siebenzehn bis sieben- undzwanzig, in der gefährlichsten Zeit des ganzen Lebens, seien sie ihrer eigenen Willkür überlassen. Und was das Sonderbarste dabei sei, gerade die weisesten und besten Männer zeigten sich in diesem Punkte als die thörichtesten Väter. Die Vornehmen seien selbst schuld, dass in den wichtigsten Geschäften des Staates gewöhn⸗ lich die Söhne geringerer Leute im Rathe die weisesten, im Handeln die grössten würden. Dieses Thema führt er weitläufig aus und beklagt insbesondere auch, dass schlechte Diener einen so ver- derblichen Einfluss auf die Jugend ausübten. Die Getae und Davi, die Gnatos und Phormios führten noch überall das Wort, während die ehrlichen Parmenos kaum gehört würden. Nun bricht aber unser Ascham in eine Flut von Kla- gen aus, wie sie eben dem grämlichen Alter und gar oft auch klagesüchtigen jungen Weltverbesserern zu allen Zeiten geläufig waren und jetzat mit besonderer Vorliebe von den Verehrern des alten Prügelsystems gepflegt werden.»Aber«, sagt er,»ich wundere mich um 80 weniger, dass solche Unsitten bei manchen Leuten am Hofe stattfinden, denn allgemein ist auch auf dem Lande überall die Unschuld dahin. Sittsamkeit ist verbannt; die Jugend voll Anmassung, das Alter ohne Ansehen u. S. W., kurz, Ungehorsam überströmt die Ufer guter Ordnung fast an jedem Orte, fast in jeder Menschen- klasse.( Alle diese Uebel seien eine gerechte Strafe Gottes für die Sünden der Nation, besonders für die — Verachtung des Wortes Gottes und die Liebäugelei mit der Lehre Babylons. Innerhalb weniger Jahre sei die Kerze des Gotteswortes so oft angezündet, so oft wieder ausgelöscht worden, und dennoch Setze man sich durch Undankbarkeit in der Lehre und durch sündiges Leben der Gefahr aus, Licht, Kerze, Leuchter und Alles wieder Zzu verlieren. Das Heilmittel gegen alle diese Uebel 1 und allein in guten Gesetzen für da sondern darin, dass Jedermann in seinem Hause scharfe Zucht halte und darin, dass man die Jugend nicht nur lehre, was gut, sondern auch vο de übel sei. Nachdem er diese Sätze durch Beispiele aus dem Leben der Perser, Griechen und Römer näher beleuchtet, wendet er sich gegen jene, welche sich zwar nicht ab- solut gegen die Wissenschaft aussprechen, aber die Be- hauptung aufstellen, dass allgemeine Erfahrung, Kennt- nisse jeder Art und Besuch aller Gesellschaften junge Leute weise und fähig machen, irgend ein wichtiges Geschäft zu besorgen. Studiren, entgegnet Ascham, lehrt mehr in einem Jahre, als Erfahrung in zwanzig; und Studiren lehrt sicher, während Erfahrung mehr elend als weise macht. Der wagt viel, welcher weise wird durch Erfahrung. Ein unglücklicher Schiffer ist der, welcher durch viele Schiffbrüche geschickt gemacht, ein elender Kaufmann, der erst nach einigen Bankerotten reich oder weise wird. Es ist eine theure Weisheit, die man durch Erſahrung erkauft.— Es würde unsere kleine Arbeit zu wenn wir die Beispiele, womit er dieses und den aufgestellten Satz zu beweise ganzen Umfange aufnehmen wollten. über die Sitte seiner iege nicht einzig s ganze Reich, n heον“,, waS sehr ausdehnen, Thema ausführt n sucht, in ihrem Auch das, was er Leitgenossen sagt, junge Leute nach )„Experientia stultorum magistra“ und„Malo accepto stultus sapit“, sagt Erasmus. Italien zu schicken, dürfen wir nur berühren. Nachdem er das Verderbliche dieser Sitte gezeigt und sich in immer stärkeren Ausdrücken gleichsam selbst zu überbieten suchte, schliesst er mit folgenden Kernsätzen:» Ja, ich könnte auf Manche mit meinem Finger deuten, die nie- mals aus England weggegangen, ausser um in Italien der Circe zu dienen. Eitelkeit und Laster und jegliche Willkür schlechten Lebens in England galt ihnen für schal und roh. Maulthiere und Rosse, ehe sie gingen, kehrten sie als wahre Schweine und Esel wieder nach Hause zurück, und dabei doch überall wahre Füchse mit verschmitzten und geschäftigen Köpfen und, wo sie können, wahre Wölfe mit grausamen, boshaften Herzen. Ein wunderbares Ungeheuer, das wegen seines Schmutzes der Lebensweise, wegen seiner Dummheit im Lernen, wegen seiner Arglist im Verkehr mit Andern, wegen seiner Bosheit im Beschädigen ohne Ursache, zugleich in einem Körper den Bauch eines Schweines, den Kopf eines Esels, das Hirn eines Fuchses, den Leib eines Wolfs tragen sollte. Wenn ihr glaubt, wir urtheilen falsch und schreiben zu scharf gegen euch, so hört, was der Italiener von dem Engländer sagt, was der Lehrer über den Schüler berichtet; er spricht sich deutlich dar- über aus, was von ihm gelehrt und was von euch ge- lernt wird, indem er sagt: Englese Italianato è un diabolo incarnato e), das heisst, ihr bleibt Menschen in Gestalt und Aussehen, aber werdet Teufel in Leben und Beschaffenheit. Dies ist nicht die Meinung eines Einzelnen wegen irgend eines Privatgrolls, sondern das Urtheil Aller, in einem allgemeinen Sprüch- ) Dieses„ill-favoured saying“ findet sich öfters bei englischen Schriftstellern; so bei Parlier: De Antiquit. Brit. Eccl. ange- wandt auf Cardinal Reginald Pole; in Howell's Briefen:„An Englishman Italianate is a Devil incarnate“, und bei Sir Phil. Siduey:„An Englishman that is Italianate doeth lightly prove a devil incarnate.“ 4 11 worte, welches aus jenem Lernen und jenen Sitten her- vorgeht, die ihr in Italien annehmt. Und nun wählt, ihr italienischen Engländer, ob ihr zornig sein wollt über uns, weil wir euch Ungeheuer nennen, oder über die Italiener, weil sie euch Teufel heissen, oder aber über euch selbst, die ihr euch so viele Mühe gebt und so weit gehet, um euch zu Beiden zu machen. Mit gleicher Heftigkeit eifert er gegen die italienische Lite- ratur und deren Uebersetzung in's Englische.„Diese italienischen Bücher werden in's Englische übertragen, um allen Ständen, hohen wie niedern, jungen und alten Leuten, überall offen und frech Unheil zu bringen. Aber dies liegt unserem Zwecke, Roger Ascham's An- sichten über Behandlung und Erziehung der Jugend möglichst in seinen eigenen Worten mitzutheilen, schon zu ferne und wir wollen nur noch einen Satz anführen, der unserem lieben Vaterlande zur besonderen Ehre ge- reicht. »Ihr sehet, was für Sitten unsere Engländer aus Italien holen; denn da sie keine andern dort finden, so können sie keine andern zurückbringen.“) Desshalb trafen viele tromme und ausgezeichnete englische Gelehrten vor nicht vielen Jahren, als offene Grausamkeit sie aus diesem Lande vertrieb, eine bessere Wahl, um sich dort nieder- zulassen,„1οο die Lehre Ohristi, die Gottesfurchit, die Bestrafung der Stinde und eſirbarè“ Juclit in hesonderem Auselien stunden, nümlic),(wie er am Rande bemerlet) Deutschland!e Da Ascham sich mehrere Jahre in Deutschland auf- gehalten hatte, so beruhte sein Lob nicht etwa auf Gele- senem oder Hörensagen, sondern auf eigener Anschauung und ist daher von hohem Werthe. Möge sich das theure Vaterland desselben Lobes immer würdiger erweisen! )„Vivere qui sancte cupitis, discedite: Romae Omnia cum liceant: non licet esse bonum.“ Ascham's Sprache. Obwohl in der Geschichte der englischen Sprache und Literatur die Schriftsteller eine manchfach von einander abweichende Eintheilung der Perioden befolgen, so stim- men die mir bekannten doch alle darin überein, dass sie mit dem Regierungsantritte der Königin Elisabeth den Anfang einer neuen Aera bezeichnen, die bis zum Tode Karl's I. geht, also von 1558 bis 1649. Ascham, dessen erste grössere Schrift»the Toxophilus⸗ im Jahre 1544, die zweite»the Scholemaster von 1563 bis 1568 verfasst wurde, steht also am Ende einen und im Anfange einer andern Periode. Die Sprache dieser zweiten wird gewöhnlich the Elizabethan English genannt und hat, ausser andern, in E. A. Abbott, Headmaster of the City of London School, formerly Fellow of St. John's College, Cambridge, einen gründlichen Bearbeiter gefun- den in dessen Buche: A Shakespearian Grammar; an attempt to illustrate some of the differences between Elizabethan and Modern English. Abbott zog ausser den Werken Shakespeare's auch Ben Jonson, Beaumont and Fletcher, Bacon's Essays und Ascham's Scholemaster in den Kreis seiner Untersuchungen, so dass Vieles von dem, was wir über die Sprache unseres Pädagogen zu sagen hätten, dort schon gesagt ist. Zwischen dem An- fange der schriftstellerischen Thätigkeit von R. A. und dem Jahre 1649 liegt ein Jahrhundert, das nicht ohne grosse Einwirkung auf die Sprache blieb. Sowohl in den Anlauten als Auslauten, sowohl in den Beugungssilben des Nomens als des Verbums fuhr die Zeit fort, ihre zerstörende, abschleifende Kraft zu üben und die jetzige Gestalt der Sprache zu schaffen, in der sie beinahe flexionslos nur in Stammsilben, aber mit einer Kraft und Energie spricht, welche die Bewunderung der Sprach- forscher erregt. Nach den Vocalendungen des Nomens und des Ver- 1 bums theilt George L. Craib die Bildungsgeschichte der englischen Sprache in drei grosse Perioden: 1. die Periode der ursprünglichen Form, in welcher die drei Vocalendungen a, e, bei der Declination und Conjugation gebraucht werden; 2. die der zweiten Form, in welcher die einzige En- dung e ohne Unterschied die drei alten Vocalendungen darstellt, aber noch eine deutlich ausgesprochene Silbe bildet; und 3. die der dritten F orm, in welcher diese Endung e des Nomens und Verbums zwar noch geschrieben, aber nicht mehr als besondere Silbe ausgesprochen wird. Jetzt sind wir mitten in einer 4. Periode. Die Zeit, welche das auslautende seines Tones beraubt hat, will es günzlich vernichten. In zahllosen Fällen gelang es ihr schon. Nur wo das eine Einwirkung auf die Aus⸗- sprache der vorangehenden Silbe ausübt, hat sie es nicht getilgt; freilich steht es auch noch in manchen Wörtern, Wo es ohne Lautänderung entbehrt werden könnte. Wie vielfach seit Ascham das stumme“abgeschliffen wurde, sehen wir beinahe in jeder Zeile seiner Schriften. Er schreibt noch: a.(Nomina) Adoe, bargaine, booke, childe, deale, deede, eare, feare, forme, trende, fructe, gowne, grei fe, houre, kinde, lacke, minde, nowne, playe, quèene, realme, rodde, stuffe, sworde, schole, trothe, witte, worke, yeare. b.(Adjectiva) Afraide, blacke, colde, Englishe, fewe, ſonde, iuste, milde, olde, poore, quicke, shrewde. c. Verba) Aske, beare, finde, goe, he basse, speake, thinke, wishe etc. Alle diese Wörter schreibt er aber stumme e. Die Auslaute y und Iy sind bei ihm fast immer ie und lie, 2. B. Countrie, honestie, folie, studie, iniurie, cum- panie, geometrie.— Angry und angrie, busie, heavie, Privie, happie etc. Im Gebrauche von i und y macht er keinen Unterschied; neben einander stehen his und hys, him are, knowe, learne, auch ohne das und hym, thing und thyng, time und tyme, will und Wyll. Ueberhaupt die ganze Orthographie scheint noch eine chaotische Willkür. Manches Wort erscheint in mehr- facher Form, 2. B. did, dyd, didde und dydde; capitayne, captayne, captaine und captane; togather, togayther, together und togither, und ähnlich in vielen Fällen. Wir sehen, die Orthographie ist bei Ascham noch kein feststehendes System; er schreibt nicht sowohl für das Auge, als für das Ohr. Das Orthoepische ist ihm die Hauptsache. Zum Schlusse einige Stellen aus beiden Schriften. à) Aus dem Toxophilus. I. Warum er michit Iateinisch oder griechischh, Sondern in englischer Spracſie Schrieb. „Althoughe to have written this boke either in latin or Greke had bene more easier and fit for mi trade in study, yet neverthelesse, I supposinge it no point otf honestie, that mi commodite should stop and hinder ani parte either of the pleasure or profite of manie, have written this Englishe matter in the Englishe tongue, for Englishe men: where in this Itrust that your Grace (tit shall please your Highnesse to rede it) shal per- ceave it to be a thinge Honeste for me to write, plea- saunt ſor some to rede, and profitable for manie to folow, contening aà pastime, honest for the minde, hol- some for the body, fit for everi man, vile for no man, using the day and open place for Honestie to rule it, not lurking in corners for misorder to abuse it.« 2. Bias und Crösus. Bias the wyse man came to Cresus the ryche kyng, on aà tyme, when he was makynge new shyppes, pur- posyng to have subdued by water the out yles lying betwixt Grece and Asia minor: What newes now in Grece, saith the king to Bias? None other newes, but these, sayth Bias: that the Yles of Grece have Prepa- red aà wonderful Companye of horsemen, to overrun Lydia withal. There is nothyng under heaven, sayth the kynge, that J woulde so soone wisshe, as that they durst be 80 bolde, to mete us on the lande with horse. And thinke You, sayeth Bias, that there is anye thyng which they wolde sooner wisshe, then that you shulde be 80 fonde, to mete them on the water wish shyppes? And 80 Cresus hearyng not the true newes, but perceyvyng the wise mannes mynde and counsell, both gave then over makyng of his shippes, and leſt also behynde him aà wonderful example for all commune wealthes to folowe: that is evermore to regarde and set most by that thing where vnto nature hath made them moost apt, and use hath made them moost fitte.e 3 b) Aus dem Scholemaster. I. Gegen den Gebrauoſi von Auuseligen auis Schhriftstellern. HEypitome. This is a Way of studie, belonging rather to matter, than to wordes: to memorie, than to utterance: to those that be learned alreadie, and hath small Place at all amonges yong scholers in Grammer scholes. It may proffet privately some learned men, but it hath hurt generallie learning it selfe, very moch. For by it have we lost whole Trogus, the best part of T. Livius, the goodlie dictionarie of Pompejus Festus, à great deal of the Civill lawe, and other many notable bookes, for the which cause, I do more mislike this exercise, both in old and yong. Epitome is good Privatelie for himselfe that doth worke it, but ill commonlie for all other that use other mens labour therein: à silie Poore kinde of studie, not unlike to the doing of those Poore folke, which neyther till, nor sowe, nor reape themselves, but gleane by stelth, upon other mens growndes. Soch have emptie barnes, for deare Yeares. 2. Cuesar. »Caesar for that litle of him, that is left vnto vs, is like the halfe face of a Venus, the other part of the head beyng hidden, the bodie and the rest of the members unbegon, yet so excellentlie done by Apelles, as all men may stand still to mase and muse upon it, and no man step forth with any hope to performe the like. His seven bookes de bello Gallico, and three de bello Civili be written so wiselie for the matter, so eloquent- lie for the tong, that neither his greatest enemies could ever finde the least note of parcialitie in him(à mer- velous wisdome of a man, namely writyng of his owne doynges) nor yet the best judgers of the Latin tong, nor the most envious lookers upon other mens writynges, can say any other, but all things be most perfitelie done by him. Diese wenigen Zeilen genügen, nicht nur den Unter- schied zwischen dem Englischen aus der Zeit der Kö— nigin⸗Elisabeth und dem unserer Tage zu veranschau— lichen, sondern auch den Fortschritt in Ascham's eigener Sprache vom Jahre 1544 bis 1568 zu zeigen.