Wilhelm Jordans Bedeutung“ für den qugend-Unterricht. Ein Vortrag VOIN DT. S D Professor. Beilage zum Programm des Gymnasiums in Baden. 1888. Nr. 566. BRADEN-BADEN. A. v. Hagen'sche Hof-Buchdruckerei Weber& Kölblin). 1888. Erklärung der Abkürzungen. Sigfr. Nibelungen, erstes Lied: Sigfridsage. H. H.=Nibelungen, zweites Lied: Hildebrants Heimkehr. St. u. St.= Strophen und Stäbe. And. Andachten. Erf., d. Chr. Die Erfüllung des Christentums. Die römischen Zahlen bei den Nibelungen bezeichen die Bücher(je IXXIV), da dieselben in zwei Ausgaben vorliegen. Orthographie und Interpunktion in den Jordan'schen Citaten sind beibehalten. ———————————, ˖——————— 5 es eine der vornehmsten Aufgaben der deutschen höheren Schule ist, der ihr anvertrauten Jugend das vaterländische Denken und Empfinden zu erwecken und zu erhalten, welches die Gereiften in den Stand setzt, aus eigener Erkenntnis und mit fühlender Seele teilzunehmen an der Entwicklung des Vaterlandes, in überzeugungstreuer Pflichterfüllung und freier Mitarbeit stete Fühlung zu suchen mit dem, was die vorwärtsstrebende Kraft unseres Volkes in Wort und Werk, mit Kopf und Herz, in Kunst und Wissenschaft Bedeut- sames hervorbringt, so wäre es übel gethan, der nachdrücklichen Hilfe eines Denkers und Dichters zu der wie kein anderer vom heiligen Feuer der Vaterlandsliebe durchglüht, ist, der unentwegt durch den Wechsel der Zeiten in ebenso beèsonnener wie freimütig entschlossener Weise den rein deutschen Standpunkt vertreten hat, bei dem der vaterländische Gedanken in höchster und reichster Entfaltung im Mittelpunkte alles seines Wirkens steht. Ein solcher ist Wilhelm Jordan. Und, was für die Aufgabe der Schule e 13 wichtiger, für eine Würdigung Jordans im erwähnten Sinne noch mehr bestimmend ist.— denn W deutsche Männer hat es fast zu allen Zeiten gegeben, die stets mit 3 85 Geiste, ihren Thaten erhebend und erfrischend auf die Nachgeborenen wirken werden— das ist jenes frische Gegenwartsbewustsein, jenes rüstige Vorwärtsschreiten, welches ihn, den Reisestaub grauen Wandersmann befähigt, noch hellen Auges ein Führer zu sein und werdender Geschlechter. Seine Werke sind der Spiegel seines Wollens. Vor allem verdankt das deutsche Volk W. Jordan die litterarische That der Nibelungen, des Werkes, welches nicht allein die grösste epische Leistung der modernen Litteratur ist, an welche weder Camoens Lusiaden noch Mickiewicz Herr Thaddaeus, die beiden am meisten vom Herzblut ihres Volkes durchwärmten Epen der Neuzeit, heranreichen, sondern das auch durch die Fülle und Tiefe des Inhaltes an rein deutschem Stoff, an deutschen Gedanken verdient ein nationales Epos der Deutschen zu werden,— wie es jene erwähnte Gesänge den Portugiesen und Polen geworden sind. Man wende nicht ein: wir haben ja ein nationales Epos, eben jenes grosse Nibelungen- lied des 12. Jahrhunderts, welches den Vergleich selbst mit Homers Iliade aushalte. Einmal ist trotz der besten und lobenswerthesten Bemühungen unserer Tage in Uber- setzungen und Anordnungen eine einfach natürliche Teilnahme an dieser Gestaltung der Dichtung, wie etwa an unseren volkvertrauten Lyrikern und Dramatikern, thatsächlich nicht 879 zu verspüren, und das hat seine guten Gründe: Was soll uns der Sigfrid? die Sorge des Tages Verleidet die Lust, zu lauschen auf Mähren, Dem Geiste der Gegenwart gänzlich entfremdet, Der Theilnahme todt seit tausend Jahren. I.% 305. ä Ja selbst für jene Zeit, welche der Dichtung die Gewandung gab, in der sie uns entgegentritt, ist eine allgemeine Teilnahme nicht anzunehmen, wie aus manchen absprechenden Stimmen zeitgenössischer Lieblingsdichter des gebildeten Publikums über die volkstümliche Dichtung erhellt; wieder aus anderen Gründen. Und zweitens— nun, es kann keinem bei- kommen, die hohen Schönheiten unseres mittelalterlichen Nibelungenliedes herabzuziehen, aber vor allem will Folgendes in Betracht gezogen sein: Der kunstmässige Bildner jenes Nibelungenliedes— denn von einem Volksdichter oder mehreren etwa für die einzelnen Teile der uns vorliegenden Dichtung kann man sich bei jener litterarisch bewegten Zeit, abgesehen von augenfälligen in der Dichtung selbst liegenden Zeichen, kaum eine genügende Vorstellung machen; die Unterschiede der Hand- Schriften schieben die Thatsache nur um eine halbe oder ganze Generation hinaus; die Einteilung in Lieder nach Lachmann'scher Weise ist ebenso willkürlich, wie es die falsche Vorstellung nährt, es handle sich blos um Einschaltungen, während doch die Annahme einer planmässigen Bearbeitung im Geschmacke der Zeit alles für sich hat— dieser Bearbeiter hat dem Geschmacke seiner Zeit Rechnung tragend, manches in Schil derung und Motivierung der älteren Fassung hinzugefügt, was heute der Wirkung der Dichtung nur im Wege steht; anderseits hat er aus lückenhafter und verworrener Kunde der Uberlieferung so manches in den Charakteren und in den ursächlichen Zusammenhängen so dunkel gelassen, dass hier oft nicht einmal die Zuhilfenahme der nordischen, wiederum unter sich vielfach auseinander- gehenden Gestaltung der Sage in Edda und. zur Aufklärung ausreicht. Wie jene Zeit sich damit abgefunden hat, ist nicht recht ersichtlich; uns bereéitet dieser Zustand für eine volle Erfassung und Würdigung der Charaktere erhebliche Schwierigkeiten; doch Man wollt' es nicht wagen, die Wände zu säubern, Denn den üppigen Epheu adelte sein Alter. Sigfn. Fongesang. Schliesslich wird man sagen können, dass der aufgenommene Teil des ursprünglichen Kernes der Dichtung widerstandsfähig genug gewesen ist, um einige der Hauptgestalten, wie Krimhildens, zu einem vollen Eindrucke zu bringen, und dass die freie Gestaltungskraft des Umdichters reich genug gewesen ist, um einzelnen lose mit dem Gange der Dichtung ver- bundenen Erscheinungen, wie Rüdigers, einen eigenartigen Reiz zu verleihen.— Werden wir nun nicht dem jüngeren. Dichter dasselbe Recht wie dem älteren, nicht dieselbe Freiheit Subjektiver Gestaltung eines überlieferten Ideenschatzes gewähren? Nahm es der Dichter des 12. Jahr— hunderts— ein viertel Jahrtausend etwa nach einer erstmaligen poetischen Gesamtgestaltung, ein halbes Jahrtausend nach dem Abschluss des epischen Materials als sein unbestreitbares Recht in Anspruch, jene Gestalten kampfeskräktiger, phantasievoller Vorzeit mit dem Brauche und den Anschauungen seiner Zeit in eine mitfühlende Verbindung zu setzen, so dürfen wir nach abermals 5—600 Jahren dem epischen Dichter unserer Tage, der nicht einen historischen Roman in gebundener Rede schreiben, sondern auf die Ges taltung der stammverwandten Mitwelt einwirken will, dasselbe Recht nicht versagen. „Nun zeige dich würdig des Zauberstabes! Hört' ich die Hüterin hoheitsvoll sagen. Was du geschaut hast sollst du nun schaffend Nochmals erneuen. Was einst graniten Formte der Väter vollere Rede, Das versuche zu modeln vom weicheren Marmor Der lebenden Sprache.“ Sigſn. Vorgesang. Aber der bedeutsame Unterschied bestellt darin, dass der ältère Dichter das Bestreben zeigt, jene ältere Zeit möglichst in die seine auſzulösen, während der Dichter des 19. Jahr- hunderts in der mächtig bewegten, sagenumwobenen Vergangenheit uns dieselben Kräfte im Widerspiel, dieselben Geister strebend und kämpfend, siegend und unterliegend sehen lässt, die noch heutigen Tages deutsches Wesen fördernd und hemmend bestimmen. „Ihr merktet es bald dass die Mären der Vorzeit Vom Muster der Mannheit und deutschen Gemüthes Das noch heut in euch pochende Herzblut durchpulse, Und zu raschem Verständniss der Riesengestalten In den heiligen Hallen des Heldenruhmes Wies euch den Pfad euer eignes Empfinden. St. /. St. 304. Durch die Jahrhunderte beständig Sind ihre Muster noch lebendig In Euch, dem heutigen Geschlecht. Unsterblich blieb im deutschen Muthe Sigfrid der Held,— und waltet Ute Nicht tausendfach noch treu und echt? So spürtet ihr, dass Offenbaren Die Dichtung sei des Ewigwahren, Das stets nur wird, nie fertig ward. Euff. d. Chn. J0. Die gewaltigen Gestalten der Vorzeit ringen bei ihm nach denselben hohen Zielen, die auch heute als würdige Aufgaben der Zeit sich darstellen, Wahrung und Bethätigung unver- kälschter Eigenart; sie sehen ihre eigenen hohen Bestrebungen mit ahnungsvollem Geiste über die Jahrhunderte hinaus von einem kommenden Geschlechte erfüllt, das in ihrem Geiste zu leben, zu denken und zu handeln gewillt ist. Wenn der Dichter so entfernte Zeiten und Gestalten näher rückt, in der Flucht der Zeiten das Bleibende, die unauslöschbaren Züge des deutschen Volkscharakters, suchen und finden lässt— denn Mit dem Zeichen der Zeit es preiswerth zu prägen, Ist der Dienst des Dichters, des Gedankenwardeines— Sigfn, FVongesang. 7 So werden wir solches Bemühen dankbar begrüssen und ein wesentliches Moment für die nationale Erziehung der Jugend darin erblicken dürfen. Andererseits ist es W. Jordan erst gelungen, den ungeheuren Stoff der alten Sage, der in den verschiedensten Uberlièferungen, den seltsamsten Veränderungen und Verschie- bungen in Nord und Süd zerstreut war, unter den einheitlichen Gesichtspunkt gemeinsamen Deutschtums zu vereinigen und dichterisch zu verklären: Sie gleichet dem Rhein. Dem Gletscher entrieselt Ein schmales Bächlein; doch bald verbinden Sich viele Bäche zum reissenden Bergstrom. Das weite Gewässer, das Worms vorbeifliesst, Es nimmt seinen Anfang oben in den Alpen; Droben das Rinnsal, hunten der Riese Sind beide der Rhein mit bestem Rechte. S7αf. II. ä˖ ˖ppeereererrerrerrrrrrrrr —— Wie er das Herbe und Entsetzenvolle der nordischen Fassung zum natürlich Gross- artigen zu stimmen weiss— Denn so lieben's die Leute in diesen Landen; Sie bemessen den Lohn nach der Leistung des Liedes An Morden, Martern und Missethaten. Je besser der Barde das Bangemachen Und Lügen gelernt hat, je schamloser lästernd Er Scheusale schafft aus den Opfern des Schicksals, Desto voller nachher wann er fordernd herumgeht Von Geschenken und Schillingen wird ihm die Schüssel.— S0 entwickelt er Wahrheit und Würde aus den Mären in Schwämmels NManier, Den Mären, gemischt aus Mailuft, Mondschein, Minne, Martern und Mordvergnügen. XVIV. Unter seiner modelnden Meisterhand bekommt das alte Land deutscher Zunge ein unverkennbares Eigenangesicht; die Unsicherheit der örtlichen Bestimmung im Grossen wie im Kleinen, die wir sonst mit in Kauf nehmen mussten, verschwindet; wir fühlen uns heimisch auf vaterländischem Boden: die Götterversammlung auf dem Brocken, Sigfrids Siegesbahn von Holmgart über Gnitaheide zum Hinderberge, zu Helgis Eiland, Von seinen Fahrten in weite Fernen: Durch das neblige Nordmeer in's eisige Nachtland Wo kochende Sprudel dem Boden entspringen Und aus glänzenden Gletschern die inneren Gluthen Des düstern Hekla gen Himmel donnern; Von dort nach Winland im fernsten Westen Hinter mehrere Monate breitem Meere. Wo seltsam redende rothbraune Menschen, Mit Büscheln am Kopf und bartlosem Kinne, In unwegsamen Wäldern vom Waidwerk leben; Nach dem sonnigen Süden, durch Herkels Säulen In's Meer der Mitte, zum Morgenlande, Wo mit reicheren Gaben die gütigen Götter Die Menschen ernähren und anders genannt sind.. Sigfn. VII. bis zu seiner Ankunft in Worms, der zweiten Fahrt zu Brunhilde, dem Ritte vom Stedinger Lande bis Santen und von da weiter bis zu dem wunderbaren Waldgange mit Gisler im Odenwalde— erwecken in uns dasselbe Gefühl örtlicher Bestimmtheit, wie im kleinen Hagens und Mimes nächtliche Fahrten zum Rheinwerder. Schwanhilds Zug über das Dovregebirge nach Drontheim, Hildebrants Ritt von Etzels Burg nach Fiume und Hadubrants Ausfahrt nach der Wendelerstadt; Hoheneschburg unfern der Treysam, das Gotteseiland im Untersèee, der altehrwürdige, stattliche Bauernhof an der Schwelle der schwäbischen Alp, der Wülfinge Stammsitz, alles steht anschaulich vor unserem geistigen Auge: die phantastische Unbestimmtheit der Romantik wich dem gediegensten Realismus des 19. Jahrhunderts. Schon nach dieser Seite äusserer Schilderung entspricht unser Dichter den Anforderungen wahrer Kunst,„die Erscheinungen der Natur sicher zu erfassen und das der Natur entnommene durch seine eigene Empfindung hindurch zu führen, es zum Organ seiner höchsten Inspiration zu machen und ihm dadurch ein über alles Natürliche hinausgehendes Dasein zu verleihen“. Moltmanm, aus vie, Jahmnhunmdenten, Seitèe 152. So spiegelt sich die ganze Welt in der Séele des Sängers, um von seinem Geiste durchdrungen, in leuchtenden Farben vor dem inneren Auge des Hörenden schöner zu erstehlen. Was er von Horand sagt: ————— So hast du durch Töne Unsere Ohren in Augen verwandelt. Sigfn. II. Scſilutss. dürfen wir auch ihm nachrühmen. Wie kann es auch anders Sein bei einem Denker, der mit so warmer Liebe die Natur in den grössten wie in den kleinsten Offenbarungen begreift und sein Fühlen so zur höchsten Humanität erhebt? „Seit mitleidsvoll, o Mensch! Zerdrücke Dem Käfer nicbt die goldne Brust Und gönne selbst der kleinen Mücke Den Sonnentanz, die kurze Lust.“ S23. Hier hören wir schon den Quell rauschen, aus dem unseres Dichters Begeisterung mächtig strömt, um in der erhabenen vaterländischen Dichtung der Nibelungen als dem mächtigsten Strome sich zu offenbaren. Darum erheben sich Jordans Schilderungen zu einer überraschenden Naturwahrheit, zu einer Anschaulichkeit, wie sie selten auch die grössten Meister des Heldengesanges erreicht haben, so dass nicht grundlos der Dichter die Hoffnung ausspreéchen kann, Dass neidlos bezaubert die Zeitgenossen Dem Liede lauschen, und freundlich lächelnd Mir Beifall winken die Barden in Walhall. Die Dichter der Edda, der edle Firdusi Und Vater Homer, mein Führer und Meister. St. d/. St. 302. Der Untergang der Sommersonne Norwegens Wo verflochten in Eines Sind Untergang, Aufgang, Abend und Frühe Und die Mitternacht schmückt sich mit Morgenröthe. Nicht tiefer tauchend noch tagwärts steigend Rollt nur langsam der rothe Lichtball Etwas nach Osten. Alles was aufragt, Selbst die kleinste Klippe von Klafterhöhe, Reckt die Scheitel riesiger Schatten Meilenweit südwärts zum Saume der See; der Bericht der Sonnenfinsternis aus Schwämmels Munde, mit allen koinisch- umständlichen Einzelheiten, Fafner's Verwandlung in den Lintwurm: Sieh, da gewahrt' er Willkommene Früchte, köstliche Kirschen. Sie schmeckten ihm wonnig, da schmeichelnde Würzen Das gallige Bitter der Beeren verbargen. So verschlang er in Gier von der schleimigen Giftfrucht Mehrere Händevoll, bis er im Munde, Magen und Milz ein Brennen merkte. Da schüttelt er sich schaudernd. Er fühlt sich wie geschunden; Innere Schärfe umschorft ihn mit Schuppen Die Haut an den Händen; die Haare des Hauptes Steigen als Stacheln empor von der Stirne; Schon wird sein Nacken zum Natterhalse, Die Finger zum Fänger eines riesigen Falken; Die Nägel krümmen sich über zu Krallen, Aus den Armen bilden sich Eidechsbeine, Zum Kriechfuss der Kröte verkrummen die Beine, Zu Horn erharten und zum Habichtsschnabel Verlängern sich die Lippen; verkohlt vom Leibe Fallen die Kleider; statt ihrer umklappern Schildkrotschuppen ein widriges Scheusal; Mit schrecklichem Reissen reckt sich der Rückgrat, Zu sechsfacher Länge und sendet zuletzt noch Rückwärts geschwungen den ringelnden Schweif aus. Vor Schmerzen brüllt er und will sich erbrechen Des inneren Brandes, doch nur ein Brodem Von dichtem Dampf und stinkendem Dunste Wirbelt wie Rauch aus dem Rachen des Unthiers. Sigfn. II. der Untergang der Aldriansburg am Oberrhein, Odas Orakel über der dampfenden Kluft, das Totengericht bei Hela und vieles andere sind Schilderungen, die in der Jugend den Sinn für poetische Wahrheit und Schönheit zu erwecken und zu erhalten im stande sind; gar nicht zu gedenken der trefflichen Bilder, die in reicher Fülle die Rede schmücken. Uberschauen wir aber nunmehr die Fülle lebensvoller Gestalten, die er geschaffen hat, so darf er vorweg für seine Dichtung in Anspruch nehmen, dass Sie soll erlegen den Lindwurm der Lüge Mit der ein Jahrtausend uns Kinder getäuscht hat: Als ob unseère Väter, die furchtlosen Helden, Die Weltüberwinder durch Zucht und Weisheit, Die das Tiefste erdacht von des Daseins Bedeutung Was dichtender Geist noch auf Erden entdeckt hat, Nur Wilde gewesen voll Wahn und Irrthum. Se St. 301. Das gewaltige Doppelepos ist mit der dramatisch zwingenden Kraft folgerichtiger Charaktere verklammert. Die Schuld aus dem Antwaranaut, Walvaters Strafgold, in der Sicfridsdge gesàt und geerntet, sühnt Hildehnants Heiniſtelin, Wechselt auch der Schauplatz der laufenden Handlung, so wirken die Thaten und ursprünglichen Gedanken unablässig weiter. Dass der Dichter von dem Berichte vergangener Thatsachen durch Horant, Mime, Nornegast-Hildebrant ausgiebig Gebrauch macht, ist im Wesen epischer Darstellung durchaus begründeét, kann nicht einmal als ein Nachahmen berühmter Muster angesehen und darf wegen der kunstvollen organischen Verflechtung dieser Berichte mit dem Gange des Ganzen als eine Musterleistung bezeichnet werden. Vollends welche Fülle lebensvoller Gestalten erheben sich vor der Seele staunender Knaben, erfüllen den Geist des sinnenden Jünglings? furchtbarer Ernst und sinnvoller Rätsel- scherz, zu Thränen rührende Wehmuth und unwiderstehliche Lachlust streiten sich um die Seele des Lauschenden. Der Muth der Mannheit und menschliche Milde, heisse Liebe und lodernde Rachsucht, unbeugsamer Wille und dienende Demut; Treue dem Freunde, dem Glauben neben schnödem Verrat und Abfall vom Väterbrauche, selbstbewusste Manneskraft und wachsender Jünglingsmut, Himmel und Hölle sind dem Dichter dienstbar, um die Fülle der lebenprangenden Gestalten mit allem Wesen der Wirklichkeit auszustatten. Sie sind auf sich selbst gegründete, in der ungeminderten Kraft ihres nur ihnen eigenen Willens schaffende Menschen grossartigen Stiles. +* Unzweideutig ist das Gepräge jedes einzelnen Charakters, doch niemals einseitig, nie- mals sind es Träger abstracter Ideen im pseudo-klassischen Geschmacke; Denn die Nornen, Die da walten des Werdens und Wachsens der Menschen, Die Töchter des Neides, der Nacht und der Noth, Sie gaben der Schönheit zum Schatten den Leichtsinn, Der Stärke die Sicherheit, welche sie stürzt, Den törichten Stolz dem tiefen Verstande, Dem Sieger den Glauben an Treue des Glücks. So spinnen sie Fehler aus Fäden des Vorzugs, E Aus Verdiensten und Tugend verderblichen Tadel Und weben im Schicksal vom Werthe die Schuld. Sigyn. I. Jetzt wird es der nach Erkenntnis dürstenden Seele des Jünglings klar, weshalb der fkurchtlose, herzenbezaubernde Held brechen musste Die heilige Fessel gelobter Treue; denn Ihn, den furchtlos festen, durchzuckt es fiebernd Da sie geschildert, wie sie beim Schopfe Mit den Mädchenhänden gehalten den Mörder Ihres Vaters Helgi und ihm vom Halse Das Haupt gehauen, es an den Haaren, Vom Blute triefend zur Mutter getragen, Ihr das Schauergeschenk in den Schooss zu werfen; Sigyn. IV. wie er sich unwiderstehlich hingezogen fühlen musste zu dem Schuinͥi⁰οιννi] Madehen: Wie ein Rausch des Entzückens Mit Himmelsgewalt die Herzen Krimhildens Und Sigfrids durchbebt und verbunden für immer Als die Gibichstochter dem wilden Gaste Im Willkommbecher den Wein geboten. 7 Welche Fülle folgenschwerer Bewegungen erwächst dem Dichter aus der einen Voraus- 1 setzung, dass Sigfrid Gunthers Vetter ist, den Dankrat durch Hagens Hand des Vaters und des Thrones beraubt und ihn als Findling hinausgestossen hat! Zu welchem grossartigen Gemälde weiss er im Helden zu verbinden die unbezwingliche Kraft— auch ohne Hornhaut— mit dem weichsten Gemüt, dem es ein reizvolles Bedürfnis ist Zu durchwandern die weglose Wildniss Wo des Hochwalds Rauschen geheimnissvoll rührend Die sorgenbefreite Seele besänftigt Mit heiligem Zauber.— ———— In allen Dingen, in allem Dasein Die gleiche Vernunft beglückt zu vernehmen, Hier mehr, dort minder dem Menschen genähert; In alle Sinne die Welt zu saugen, Ganz Ohr und Auge, doch ahnend, erinnernd, Noch einmal von vorn von der Vorzeit Schwelle Durch die wachsenden Zirkel endloser Zeiten Empor zu steigen die Stufenleiter II 100 Vom Moosfleck des Steins bis zur Menschengestalt: Das ergötzt mir den Geist auf solchen Gängen, Das beschäftigt ihn schön in den Schauern des Urwalds. Sigfn. XXIII. Der Held vereint in sich den unbeugsamen Stolz auf eigen erworbene Kraft gegenüber dem dünkelhaften Bewusstsein ererbten Besitzes— und den lenksamsten Sinn, Wo redlichen Herzens der Andre die Hand beut; Sigfn. V. er ist die Furcht und die Freude der Helden, der Stolz der Frauen, der Liebling der Kinder: Wie bist du so gross nur und doch nicht grausam Wie die andern all! Die verachten mich Aermsten Als kläglichen Wicht weil ich klein und so schwach bin. sagt freudebewegt der schwache Helgi, Du sagst, wenn man klug ist da darf man schon kloin sein. Ja, du hast ein Herz sogar für den Helgi, Den armen Helgi, den alle verachten. Nein, du bist nicht böse, du bist der Beste! Sifn. XXII. Jordans Darstellung macht es begreiflich, warum Brunhild, das Götterkind, ihr un- gemessenes Streben büssen muss; eine deutsche Prometheia, spricht sie, das Herz von stolzer Hoffnung geschwellt: Ach, Wellen und Wolken sind Wahngebilde Und Luft und Licht nur ein Lügenleben, Ein Schweben und Schwanken und Kraftverschwenden. Ihr flieget, ihr fluthet, ihr flammt vergebens; Ein ziellos Zerren und Zürnen seid ihr Weil immer Eines das Andere auf hält Und nichts erzeugt ihr im Zeitenzirkel Als immer und ewig die alte Erde. Nur Ich bin Ich und eigenes All. Ich weiss was ich will. Mein Werkzeug werdet, Ihr Wahngewalten, und Wunder wirk ich. Gib mir, o Meer, die zermalmenden Kräfte Und bald erbau' ich ein besseres Festland Als die geizigen Götter den Menschen gaben. Sigfn. XI. Der höllische Hagen, schon würdig gezeichnet in der mittelalterlichen Fassung, enthüllt hier erst die ganze Kraft seines Nibelungenwesens, in jenem furchtbaren aber charaktervollen Gespräche mit Brunhild: Auch so muss es gut sein. So gaben die Götter Mir anderen Auftrag: dies eilige Trachten Nach faulem Frieden ein wenig zu fristen. Was ist diese Arbeit im Ameisenhaufen Der Völker und Fürsten? In feste Bahnen Lenkt man das Leben; Verbot und Erlaubniss Umspannen die Welt wie ein Spinngewebe Man sargt sie hinein in Gesetz und Sitten, Man will das Dasein in dumpfer Demuth Durchaus umrahmen mit Recht und Regel: Was ist das Alles?— Wir haben die Einsicht. 33 Die Sehnsucht ist es des Sumpfgewürmes Den reichen Strom des rastlosen Strebens Einzudeichen und abzudämmen Um dann zu ruhen im Dunst des Morastes. Ein erbärmliches Buhlen und Betteln ist es Mit welchem die Schwachen, anstatt zu verschwinden Und als Dünger zu dienen, zur Daseinsfristung Die Starken umkriechen, um krumenweise Ihr Brod zu mausen und Mämmen zu brüten. Der Zuchtfleiss ist es des Ungeziefers, Das Ringen der Zwerge, die Riesen zu zwingen Und in's mittlere Maass des gemeinen Haufens Allmälig entmannt auch die Besten zu bannen. Das nennen dann Milde und Menschenliebe Die blöden Simpel und können's nicht sehen, Dass die siegende Sanftmuth zuletzt in ein Siechhaus Die Erde verkehrt, diesen lustigen Kampfplatz, Der ein gleiches Gewicht von Glück als von Wehe Und genau so viel Lust nur als Leiden erlaubt. Sigyr. XIX. Und auch diese grimme Natur, der Vernichten Lebensbedürfnis ist, diesen Veuntöter, hat der Dichter berührt mit einem leisen Hauch weicheren Fühlens in jenem ergreifenden Zwiegespräche zwischen ihm und dem Fidler von Alzey, dem einsigen Menschen, der's vendient lidt vοο ii Seαρuαννuννο e Sdgen. Die Gedanken wandern Und spielen müssig mit Möglichkeiten Die längst verspielt sind. Wenn Walter's Speer nicht Dies Auge geblendet, noch böse Blattern Den Leib mir umschorft wie mit Schildkrotschuppen Um, abgetrocknet, zu tausend Trichteln Verbohrt und zerbissen, dem Bimstein ähnlich, Mein Larvenleder zurückzulasssen; Wenn Wittkinns Tochter nicht tief erschrocken Und blass wie der Tod zurückgetaumelt, Als ich warb um sie Wer Weiss, wer weiss es Ob so düster dann meine Denkart wäre, Ob nicht Hagen auch hätte was man Herz nennt Oder mildes Gemüth! was meinst du, Volker? H. Wie wäre es aber möglich, in dem hier gebotenen engen Rahmen das Wesen Krim- hildens ganz zu fassen? Ihr reizendes Bild, vom Erkerfenster in stiller, ahnungsvoller Neigung Horands Gesange lauschend; die liebeselige Braut, wie sie vertrauensvoll ihrem starken Helden in die strahlenden Augen schaut; das Sonnige Hrauchien beim Anblick des Brunhild ent- wundenen Antwaranaut; die Selbstbewusste, glückliche Gattin, Mutter und Königin bei dem verhängnisvollen Gespräche mit Brunhild; die erschütternde Begegnung mit ihrer Todfeindin an der Bahre Sigfrids, von der das Lied singt: An der Leiche des Helden Ward erkämpft von den Königinnen Ein Sieg wie die Sonne noch keinen gesehn. Nach der Eifersucht Hass, nach heilloser Unthat, Von der Einen verübt, von der Andern erlitten, Schlossen da Frieden die beiden Frauen Denn die Seele Sigfrids liebten sie selbstlos; Sigfn. XXIV. die trauernde Witwe in Lorsch, dem Angedenken Sigfrids und dem siechen Sohne ihrer tolen Nebenbuhlerin lebend; die entfesselte Furie, die ihre Getreuen, ihre Verwandten, ihr und Etzels Kind unbeugsamen Herzens als Opfer ihrer unersättlichen Rache in den Tod sinken sieht; das stille Weib, deren goldrothes Haar in einer Nacht schneeweiss geworden, die jetzt thränenlos an der Bahre ihres hochherzigen zweiten Gemahls und ihres Kindes sich zum kreiwilligen Tode rüstet, das sind lauter Züge von packender Kealistik. Keines der Versuche, diese Ideen- und Sagenwelt dramatisch zu gestalten, hat einen solchen Charakter darzustellen vermocht, weder Hebbel noch Geibel, noch Dahn noch Wilbrandt. Was braucht es besonderer Umschreibung Hildebrants? diese Persönlichkeit spriclit für sich selbst, muss die Teilnahme jedes fesseln: Thatkräftig und treu, jeder Zoll ein wackerer deutscher Mann, welcher die Urkraft des Volkes, aus der sein Geschlecht erwachsen ist, zum völkergebietenden Wülfinge veredelt, der Erbe des Balmung, der Retter Schwanhilds, den Mnder ibirſttè mit M'ijtæ un uffen, ein deutscher Odysseus, doch mehr Thäter als Dulder. Würdig dem edlen Wülfinge zur Seite tritt die stolze Staufin Ute, Hildebrants herr- liche Frau. In ihr hat der Dichter eine Gestalt geschaffen, die ohne Bedenken den Vergleich mit Penelope ausbhält, mit dem Vorzuge, dass der Wille, die That weit mehr hier zur Gel- tung kommt, dass ihre Erscheinung vielseitiger und reicher ist— das Bild einer willens- kräftigen, klugen, rührigen deutschen Hausfrau. Der Abschied wie das Wiedersehen der beiden Gatten, des treuesten Maumnmes umnd des trbcesten Weibes, nach langer, banger Zeit gehört zu dem durch Einfachheit Herrlichsten, was je gedacht und gedichtet ist. Endlich müssen wir des jugendlichen Paares gedenken, das mit Nausikaa und Dorothea, Telemach und Hermann leuchtende Vorbilder der Jugend zu sein bestimmt sind: Hadubrant und Schwanhild. Hier ist Jugendkraft und Jugendfeuer, nicht immer in reinem Maasse und in richtigem Geleise,— wie sollte es auch anders sein, wo das heisse Blut der Ahnen stürmend zu hohem Wollen, zu grossen Thaten drängt?— aber edelster Kern und reines Gemüth, unbewusst zum richtigen Ziele vorwärts strebender Wille und scharfer Sinn überwinden alle Wider- wärtigkeiten und bringen das Unglaubliche zu wege. Und wenn auch die erste Neigung kehlgeht— wie der greise Heribrant sagt— in Prüfungen geläutert, werden beide als echt erkannt, als wert die Träger zu werden eines neuen Geschlechtes, das frei von der Nibelungen- schuld der Ahnen bestimmt ist Krimhildens Ahnung zu verwirklichen: Heil Dir, o Herrscher, vom Himmel erkorner, Nicht nur der Burgunden, nein, aller Gaue Vom hunnischen Markland zum östlichen Meere, Vom rauschenden Rhein bis zum Reussenlande, Von Belten und Sund zu den südlichen Bergen, Von der Nordsee Schaum bis hinauf zu den Scheiteln Der obersten Alpen voll ewigen Eises. Nun weiss ich's gewiss, einst werden zur Wahrheit Krimhildens Träume in denen du thronest Auf erhabenem Hochsitz als mächtigster Herrscher Wie noch keinen bisher die Welt gekannt hat. Die Stufen des Thrones umstehen in Treue Und einiger Stärke die sämmtlichen Stämme Der deutschen Zunge. Sign. XVII. Schwanhild, die stolze Sigfridstochter, die letzte des Wölsungen- und Nibelungenstammes, die ihren unbezwinglichen Willen der Leidenschaft der Nordlandsrecken entgegensetzt, klärt als stumme Mechthild in Utes Heimwesen den lezten Rest von ihres Stammes wildem Sinn; Hadubrant, der jugendliche Brausekopf, verkennt Utes klugen Sinn,— um der bôsen, den hesten Mutten von Herzen seinen Unverstand abzubitten; er wähnt harmlos in seiner Neigung zur fränkischen Hildegund wahre Liebe zu verspüren— um gleich darauf dem würdigen Gross- vater aus voller Uberzeugung das schöne Geständnis abzulegen: Du gabst mir Wermuth, doch ich bin ein Wülfing Und weiss, der Wülfinge Wahlspruch lautet: Wer gebieten will, der lerne entbehren.— Zwar ewig murren Wird mein armes Herz— Ich— gehorchen; H II. er lässt widerstrebenden Herzens bei der Wendelerstadt von dem Forschen nach dem Vater,— um an der Treéysam ruhmvoll sein Vaterland gegen die Franken zu vertheidigen; im blinden Kampfeseifer verachtet er den wohlgemeinten Rat zum Frieden,— um in dem geschmähten, dann übel zugerichteten Widerpart den lange gesuchten, lieben Vater zu finden. Wie drängen sich des Vaters Empfindungen in die Worte zusammen: O du bitterböser und allerbester, Du wackerer Bub der du bald den Vater Zum Mörder gemacht oder ihn gemordet. H. H. XXIII. Neue Gestalten drängen sich heran, durchaus würdig diesen Haupterscheinungen sich anzureihen. Etzel! Gegen diesen ehrfurchtgebietenden Völkerfürsten erscheint der mittelalterliche Heune als ein fleisch- und markloser Schemen: Hunnisches Feuer vom Vater her und von der deutschen Mutter ererbter Hochsinn machen ihn hier zu einem würdigen Gemahl Krim- hildens, befähigen ihn zu dem hohen Gedanken, Vorkämpfer zu sein der deutschen Stämme, Seiner Kernvölker, gegen Rom und römisches Wesen. Selbst Hagen muss ihn loben: Der lichtet die Lande Zum Besten der Starken, gleichwie der Sturmwind Im Forste zum Fall bringt was dürr und faul ist, Doch gesunde Stämme gesäubert stehn lässt. Sigfn. XIX. Diese Mischung von selhst bewusster Offenheit und katzenartiger Verschlagenheit, kühlster Ruhe und jähstem Auflodern würde einem Charakterspieler ein dauerndes Studium gewähren, und alles höchst real, nichts karikirt; kurz er darf ein Meisterstück der Charakterisirung genannt werden. Stelle man dazu Jörmunrek, den König von Drontheim, der durch die geistige Uberlegenheit Hildebrants aus einem Menschen verachtenden Wüterich sich veredelt zu einem offenen und wohlwollenden Volkskönig; Bleda, den Bluthund, und den boshaften Bicki...., Ainte untadelig, als Ventrauuten ein Teuife un, Nieltenmeisten, so sind wieder neue Seiten des Lebensbuches aufgeschlagen. Weiter hat der Dichter in Mime aus trümmerhaften Andeutungen ein wahres Kabinetsstück geschaffen: Dieser zwerghafte Körper mit der Riesen- stärke, dieser kühle, schlau berechnende Verstand, der ebenso verhasst ist der stolzen Brunhild wie dem höllischen Hagen, treu bis in den Tod seinem Pflegekind, seinem Schüler, seiner Lebenssonne. — 111— Welch ein schönes Bekenntnis über ihn liegt in Sigfrids Worten: ————— Ich danke mein Dasein Ihm als Erhalter und dass ich ein Held ward Dem Schatze von schönen Geschichten und Mären Aus uralter Zeit, die er mir erzählte, In der sinnenden Seele des Knaben die Sehnsucht Nach rühmlicher That und tollkühnem Wagniss Mit dem Funken des Beispiels als Feuer bergend. Sigfn. V. Ein würdiges Seitenstück erscheint uns in Horant, dem gottbegnadeten Sänger, der das Ehiengesetèe im Ornden der Sdinger hochhält: Es muss der Sänger als Mund der Sage Alles und Nichts sein Eigen benennen. Er fühlt der Göttin befehlende Allmacht Als erbauliche Bildkraft in sich lebendig. Wen sie so gewürdigt in ihm zu wohnen, Dem ist es verpönt, der erpichten Frage: Wer Dieses erzählte, wer Das hinzuthat, Was alt sei, was neu, Genüge zu leisten. Das ist fruchtlose Mühe. Sigfu. I. Siltrun weiter, das thatkräftige Fischermädchen, der Hlelne AuuS⁶,vo Hluger— Vinfalt, mit dem muthigen Herzen, deren Feingefühle selbst die stolze Schwanbild sich beugt, die sich wert erweist den Thron Norwegens zu zieren, ist eine der gewinnendsten Erscheinungen der Dichtung. Vergessen wir aber die Kinder nicht! den kleinen Jorek, Jormunreks Enkel, der in Hildebrant sofort jauchzend den Mann erkennt, den Kinderaugen im alten Kopf, hut, der so- tapker und herzig dem Grossvater die Hartherzigkeit gegen seine Tochter vorhalten kann: Vergib meinem Vater. Die Mama hat gesagt, er musste sie holen Und nur sie war schuld; denn weil er so schön ist, Sie so lieb gehabt und Du's nicht gelitten, So verleitete sie den Papa zu entlaufen. Sieh, dein Verbot, das war wirklich böse, Nun weisst du's doch selbst, denn Wo wäre Ich sonst? Besinne dich nur wie du selbst genannt wardst Als kleiner Junge: so heiss ich, Jorek. Sei gut, sei gut, dann geb ich dir gerne Einen herzigen Kuss, Herr König von Drontheim; Denn mein Grosspapa bist du, begreifst du's noch nicht? K Auch des kleinen Ortlieb sei gedacht, der seine Neugierde, die Kraft des Antwaranaut an Hagen zu erproben, mit seinem Leben bezahlen muss; endlich der welkenden Sonnen— blume, Helgis, Gunthers und Brunhilds siechen Sprössling, dessen durchdringender Verstand und ahnungsvolle Seele der Pflegemutter Krimhilde die Rache als ihre heilige Pflicht, als sein Vermächtnis hinterlässt. Ein reiches und bewegtes Leben eröffnet sich hier dem Knaben, der diese Helden- räume staunend betritt. Die ganze bunte Märchenwelt sogar spielt mit: Dornröschen, der treue Eckart, Wilant der Schmied, die Schwanenjungfrau, ja ein Lohengrin in Weihliehen Ge- Stalt 689 lieitten dem entzückten Ohr, nur dass diese Munder hier im Gange des. Ganzen fein säuberlich mitwirken helken. Doch Sünde wäre es nicht zu gedenken der treuen, klugen Thiere, die eine ganz bedeutende Rolle in der Entwicklung des Ganzen spielen, vor allem der muthigen Schimmelstute Malka und ihres Freundes, des Falken Feynald. Wessen Gemüt empfänglich ist für die Seele der Thiere, der findet in den sie betrefienden Partien reichen Genuss. Können diese lebensvollen Gestalten an sich schon dem jugendlichen Geiste ein inhalt- reiches Lebensbuch füllen, welches den Verstand anregt, das Gemüth bewegt und erhebt, die Phantasie mit naturwwahren und doch typischen Gebilden der Sinnenwelt bereichert, so ge- winnt diese bunte Welt dichterischer Einbildungskraft ungemein an bildendem Wert, wenn man sie betrachtet und sehen lässt als die Oftenbarungen einer einheitlichen und bedeutenden Weltanschauung. Hat erst der jugendliche Geist einmal die grossen Erscheinungen der epischen Erzählung fest erfasst nnd lieb gewonnen, so fliesst ihm nach und nach die Erkennt- nis dessen zu, was der grosse Denker und Wahrheitskämpfer an bedeutsamen und frucht- baren Idèen diesen Trägern bewegter Vorgänge eingepflanzt hat.— Das Gefühl, dass wir uns an einer neuen Wendung auf der Bahn der geistigen Ent- wicklung beflnden, dass wir zum Teil uns schon in bedeutsamen Krisen hefinden, bricht sich mehr und mehr Bahn und ist zu wiederholtenmalen eindringlich ausgesprochen worden In allen Teilen der Kunst, auf der ganzen Breite des litterarischen Lebens äussert sich dieser kritische Zustand in den extremsten Kundgebungen in Production und Kritik. Wir haben sicher das Recht, sogar die Pflicht das Facit zu ziehen aus der Kulturarbeit eines halben Jahrhunderts, welches so rasend schnell sämnitliche Kulturwerte vernichtend und neuschaffend verändert hat, dass eine höchst sonderbare Verzettelung so zu sagen hinsichtlich des historischen Standpunktes in der allgemeinen Bildung eingerissen ist. „Ein vollkommen verändertes Bild des Menschengetriebes nicht nur will sich gestalten, sondern anch die geistige innere Welt sieht sich vor eine Reihe von Fragen gestellt, deren Lösung einen ganz anderen Seelenzustand der modernen Menschheit ergehen muss, als wir ihn noch im vergangenen Jahrhundert finden.“(Molfq. Kinofbüchi, Nus funm dié Dieſitung flin diè moderne Melt nocl. hedeuten? S. 2%) Unter solchen Umständen erwächst auch für die Schule allgemach eine ernste Verpflichtung, den jungen Menschenkindern, die in das zwanzigste Jahrhundert hineinwachsen, nicht nur das Quantum des für nötig erachteten exakten Wissens zuzuführen, sondern auch einen besonnenen Führer mitzugeben, der ihnen die allgemeinen Humanitäts- güter, welche das klassische Alterthum und unsere klassischen Dichter geschaffen haben, ebenso treu bewahren hilft, wie er sie vor schmerzlichen Konflikten zwischen Denken und Fühlen, vor einem ästhetischen Nihilismus zu behüten Vermag. Als ein seltenes Geschenk wird des Liedes Gewalt erkor'nen Führern geboten, Wann im Völkergeschick sich Tod und Geburt von zwei Weltenaltern verknoten. i S, 0. Nicht ohne Grund sagt in diesem Sinne W. Kirchbach(in den eripdſiuten Seliift S. 279. „Nun sind schon vierhundert Jahre vergangen und noch ist nur ein geringer Teil der Menschheit poetisch versöhnt mit den Gedanken Newtons und Kants. Uberall gewahren wir, dass die Geister poetisch und praktisch noch unversöhnt sind mit dem, was sie als intellektuelle Wahr- heit erkennen müssen; ja, man hat einen Gegensatz zwischen intellektueller Wahrheit und Ppoetischer für notwenkig gekunden. Das ist das betrübendste Moment einer Solchen un- boetischen Epoche. Alte unwahre Anschauungen dünken uns schöner als die berichtigten.“ Wir werden heute den bedeèutenden Einfluss nicht Verkennen, den Dichter wie Fr. Gutzkow, G. Freitag, G. Keller, mit manchen wertvollen Schöpfungen auch A. Grün und A. F. V. Schack auf eine massvolle und gesunde Entwicklung unseres Volkes in dem Sinne aus- übten und noch ausüben, eine Versöhnung der wissenschaftlichen Erkenntnis mit der Dichtung zu ermöglichen. Sie treten damit das Erbe an, welches Goeèthe seinem Volke zur weiteren Bebauung und Fruchtbarmachung hinterlassen hat. Wenn Goethe mit so unentwegtem Bemühen dem Leben der Natur in allen ihren Ausserungen nachging, so war es jener unauslöschliche Zug nach Wahrheit, das, was sein grosser Geist weit vorausschauend ahnte, auch durch die Anschauung bestätigt zu finden. Durch alle diese wissenschaftlichen Bestrebungen zieht sich ein fast elegischer Zug, ein Be- dauern, dass, bei allem erfreulichen Weiterschreiten auf der Bahn naturwissenschaftlicher Er- kenntnis, die Sehnsucht des eigenen Geistes an der Unzulänglichkeit des Materials und der Hiltsmittel scheiterte, dass er bei den Zeitgenossen und gerade bei den Hütern der Wissen- schaft nicht die Teilnahme an seiner Wahrheitsforschung fand, absprechende Kathederurteile zu registriren hatte und den seltsamsten Missdeutungen ausgesetzt war. Die Menge der Mitlebenden konnte nicht fassen, wie der Dichter des Werther, der Iphigenie, des Faust an Steinen, Pflanzen und Schädeln Geschmack finden konnte, sie betrach- tete den dahin gehenden Sammelsinn als eine fast komische Wucherung seiner archäologischen und kunstgeschichtlichen Bestrebungen, sie verschrie als einen seine dichterische Aufgabe schädigenden Dilettantismus, was ihm, ,‚dem hartnäckigen Realisten“,(Tag- und Jalinesſiéftè LIgd, b, Besprecliuing stines Venliältnisses æi, Soſiillen) ein tiet empfundenes Bedürfnis war sein ganzes Dichten und Denken auf eine wissenschaftlich gesicherte Basis zu gründen. Und wenn die wenigen zustimmenden Ausserungen und teimehmenden Urteile ihn mit Freude erküllen, so ist es seines hohen, unabhängigen Geistes unwürdig, darin den Ausdruck befrie- digter Eitelkeit des Dilettanten zu erblicken, es ist vielmehr der Hoffnungsstrahl im Auge des mit schwierigen und dunkeln Fragen ringenden Denkers, dass der Weg, den er allein und im Finstern sich gesucht, doch der richtige sei, dass sein treues Bemühen nicht vergeblich Sein werde: „Wenn ich das Aufklären und Erweitern der Naturwissenschaften der neuesten Zeit betrachte, 2o komme ich mir vor wie ein Wanderer, der in der Morgendämmerung gegen Osten ging, die heranwachsende Helle mit Freuden aber ungeduldig anschaute und die An- kunft des entscheidenden Lichtes mit Sehnsucht erwartete, aber doch bei dem Hervortreéten desselben die Augen wegwenden musste, welche den so so sehr gewünschten und gehofften Glanz nicht ertragen konnten.“(Syrlichéè in Prosd ILV) Dass er auf dem richtigen Wege war, ist seither durch die bedeutendsten Vertreter der Naturwissenschaft anerkannt worden. So steht er schon 1807 in der Einleitung zur Morphologie dicht vor den Hauptsätzen der Entwicklungslehre eines Darwin und Häckel; besonders belehrend für die Fortbildung seiner wissenschaftlichen Uberzeugung ist die Bemerkung udtiunib. Ahſaaundlungen, HBrlefe dmt den Kanelen v. Mlllen, 24. Mai 1828), dass er in einem 50 Jahre vordem geschriebenen Aufsatze die Begrifle der Polarität und der Steigerung vermisse. Wie Göthe selbst(Morpliologie, Nüicl bliclt 1820 es beklagt, dass Poesie und Wissenschaft als die grössten Widersacher erscheinen, so hat er zu der Naturwahrheit seines Empfindens und Dichtens noch einen Sonderbeweis der Vereinbarkeit beider Gebiete gelièfert in dem chorischen Cyclus, welcher sich um die Metamorphose der Pflanzen(1790) und die Metamorphose der Tiere(1820) bewegt.(Gedichtè“ I. Cott unο Velt) Dieses Erbgut Goethischen Geistes war verkannt, lag Jahrzehnte brach. Aber auch kür diesen Fall hatte sein besonnener Sinn den richtigen Weg vorgezeichnet, wie beispiels- Weise erhellt aus jenen schönen Worten, die„der alte Goethe“ der Frau von Günderode, geb. v. Stein, als kleinem Mädchen mitgab, und die uns von W. Jordan in dem sinnvollen Gedichte:„Kastanien“ erhalten sind: Willig wird's der Baum ertragen Wenn die Frucht ich sänftlich löse; Aber ungestümes Schlagen Thut ihm weh und macht ihn böse. Lass Dir, was Du jetzt im Spiele Merkst, ein liebeführend Bild sein: Trachtend nach erwünschtem Ziele Darfst Du niemals hastig wild sein. Halb zerstörst Du's schon im Fassen Wenn Du springst nach einem Glücke; Lieber baue Dir gelassen Erst hinüber eine Brücke. Aund. 148. Besonnener, stetiger Forschung und durchgreifender ästheétischen Sichtung der jüngsten Jahre ist es vorbelialten geblieben, das Verdienst Goethes nach dieser Seite erst recht zu Würdigen. So sbielt sich vor unsern Augen der eigenartige Prozess ab, dass erst durch die von seinem Geiste getragenen Dichter, deren einige oben namhaft, gemacht sind, Goethe die Stel- lung errungen wird, die er für die Zukunft des deutschen Volkes einzunehmen berufen ist, die ihm mit seltsamer Symbolik der schädelkundige Gall allen Ernstes zugewiesen hatte(Jug- un Jalinespicftè I8αν, nämlich zum Volksredner geboren zu sein, ja gewaltig zu reden zu seinem ganzen Volke als ein Hort der Wahrheit, ein Fackelträger des Geistes, ein gottbegnadeèter Seher. An der Aufgabe, Goethe mehr und mehr eine Stätte zu bereiten im Herzen des deutschen Volkes, hat aber am eifrigsten und redlichsten mitgearbeitet gerade W. Jordan. Mit Stolz und mit gutem Recht konnte er von sich sagen: Auf der Bank die Prägung planend Unserm Nibelungenhorte, Hört ich aus der Krones) mahnend Oft des grossen Meisters Worte: „Auf dem Wege den Ich bahnte, Rief er, sollst du weiter dichten, Voll verkünden, was ich ahnte; Das sind deine Enkelpflichten. Aund. 156. Geleitet von der Ueberzeugung, dass„im Zeitalter der Wissenschaft keine andere Poeésie Daseinrecht und Mitwirkung an der Lösung unserer Aufgaben beanspruchen dürfe, als die Poesie der wissenschaftlichen Erkenntnis“(Urf. d. Chi. 212), fühlt er sich durch— aus in Ubereinstimmung mit dem, was an sicheren Ergebnissen und annehmbaren Hypothesen Astronomie und Spectralanalyse, Descendenzlehre und Biologie mit ernstem Bemühen zu Tage gefördert hat. Gleichwie im erfindungsarmen Altertume sidonischer und etrurischer Gewerb- fleiss und griechischer Formensinn die dichterische Anschauung mit bestimmen halfen; gleichwie Des aus Goethies Hand stammenden Kastanienbatunies. III aus Shakespeares Dramen uns der Geist der Renaissance entgegenweht, wie Schillers Muse dem Freiheits- und Humanitätsgedanken Weihe verliehen hat, so sind unserem Dichter die Resultate der Naturwissenschaft, die Fortschritte der Technik, die veränderten Lebens- und Bewegungsbedingungen durchaus notwendige Factoren, denen sich vor allem der Dichter nicht entziehen darf. Jordans unablässiges Streben nach Wahrheit und Klarheit hat ihn ge- trieben mit„der gegenwärtigen Summe der wissenschaktlichen Welterkenntnis die poetische, mythische, religiöse, theologische Weltanschauung zu vergleichen“. Aus solchem Bemühen sind jene gedankentiefen Dichtungen hervorgegangen, die unter dem Namen:„Andachten“ die grosse und die kleine Welt begreifen. Sie stellen sich würdig der schwungvollen Dar- stellung eines Parmenides und Lucretius an die Seite, ergänzen angemessen L. Schefers sinnige Naturbetrachtungen und haben in unserer Zeit nur in des Böhmen Nerudas„kosmischen Liedern“ ein würdiges Seitenstück gefunden. Die kleine Lichtschnuppe wie die volle Mond- scheibe, das unscheinbare Nesselblatt wie die stolze Schwertbanane lehren ihn auch mit dem Gemüte die ehernen Gesetze der Natur erfassen; Versöhnung, wahre Humanität, aufrichtige Er- hebung der Seele erspriessen ihm aus diesen Betrachtungen. Man redet ja soviel von Centralisation des Unterrichts. Hier ist ein Stück davon. Der Lehrer der Physik findet in diesen Dichtungen ein unschätzbares Mittel, bei wissenschaftlicher Sicherheit und Anschaulichkeit zugleich auf Gemüt und Phantasie zu wirken; ja manchem Jänglinge werden jetzt erst die alles durch- dringenden Gesetze der Natur anschaulich werden, dem Formeln und mathematische Beweise nur ein totes Kapital waren. Anderseits dürkte es für jede Form der philosophischen Be- trachtung kaum ein den jugendlichen Geist so anziehendes Hilfsmittel geben, um ergänzend und vergleichend die Ideen der bedeutenden Geister früherer Jahrhunderte mit unserem Stand- punkte zu vermitteln. Dabei muss zur richtigen Würdigung J. Jordans beachtet werden, dass er in seiner Naturauffassung und Naturdurchdringung durchaus selbstständig dastehlt, S0 dass er auf die tadeln sollende Bemerkung der Kritik, seine Dichtung sei darwinisch, mit Fug entgegnen konnte: „Also lösen Tod und Hunger Und der Wesen steéter Krieg Uns das höchste, schwerste Räthsel: Wie die Form des Lebens stieg.“ Damit schloss der grosse Forscher. Damit, lange vor ihm, hob An der Dichter, der sein Weltbild Aus demselben Faden wob. Der Gedanke und das Stichwort Stimmen freilich überein; Aber keiner von uns Beiden Hatt' es nöthig, zu entleihn. Seine Augen wie die meinen Waren eben scharf genug, Recht dieselbe Schrift zu lesen In demselben grossen Buch. St. d. St. 208. Vor allem aber darf er für sich das Verdienst in Anspruch nehmen, die Anschaungen welche die Meister der Naturwissenschaft für die ganze Breite des tierischen Lebens zur Anerkennung gebracht haben, auf das Menschenleben im besonderen, auf das Ethische übertragen und sodann durch die Weihe der Kunst geadelt zu haben. Wie dem Naturforscher die aus dem Daseins- kampfe sich ergebende Zuchtwahl allmählich die Arten veredelt, so ist auch dem Dichter die Aucht das Hochistè dern MWeisſioit, die Zucht des Leibes und des Charakters. Die reiz- volle Phantasie des Asträos zeigt uns den Weg, auf welchem aus den rohen Anfängen der Tierheit bis zur hellenischen Formenschönheit und Kraft die Menschheit sich entwickelt hat. Selten ist ein so herrlicher Preis hellenischen Lebens, hellenischer Kunst erklungen wie in den Worten, welche das Festspiel einleiten: Was von der Götter Gestalt, der den Augen ewig Verborgnen, Unsere Kunst offenbart und in Erz und in Marmor gestaltet, Rastlos schmeidigend dann und kräftigend unser Geturne, Unsere leibliche Zucht von Geschlecht zu Geschlechte bemüht war Auch in Fleisch und Blut lebendig zu bilden: das nehmt nun Prüfend und richtend dahin als schuldigen Dank und begnadet Uns mit gesteigerter Kraft, mit hellerem Sinne, noch klarer Ewige Schönheit zu schauen und irdischem Stoff zu vermählen. Euer nur ist was wir sind. Nun kommet und seht was wir können. A. Ebenso beézeichnend schliesst er diese Betrachtung, nachdem er unsere Zeit in ihren Leistungen wie in ihren Rückständen abgewogen, mit der Mahnung: Inr braucht dazu nichts Neues zu erfinden, Es gilt allein, Vorhandnes zu verbinden. Wem das gelingt, dem folgt es ohne Weigern Um bald zum Volk der Völker sich azu steigern. Was fragst du noch? Ein Vorbild war schon da. Ihr grabet aus den Ort Olympia: So lasset auch was weiland dort geschehn Erhöht, veredelt wieder auferstehn. Aund. 101. Uberhaupt ist der bewusste Anschluss an die Hauptideen des griechischen Alter- tums bei Jordan nicht zu verkennen. Tönt doch einer der Leitgedanken seines nationalen Epos uns in reicher Abwechslung aus dem griechischen Heldenliede entgegen: Leicht ist kennbar der Spross eines Mannes, welchem Kronion Glück spann bei der Geburt und bernach bei der Wahl der Gemahlin. Odiſssee III. 205. 206(upens. d. W. Jordan). Gelten bei Homer solche Anschauungen ganz besonders für die edeln Geschlechter der Zeus entsprossenen Fürsten, so erweitert sich bei Jordan zeitgemäss der Gedanke zu einem allgemeinen Naturgeseétz, Welches ositiv und negativ mit der gleichen Stetigkeit wirkt: Du kannst nicht schuldlos auf der Faulbank liegen, Es macht ein Theilchen Menschenkraft Versiegen. Du kannst kaum Dir vergebens ohne Lohn Dich nie bemühn: Dein Ringen stärkt den Sohn; Ayid. 211 denn JNie fällt aus den Wolken durch irgend ein Wunder Die Tugend und Thatkraft dem nächtlichen Thau gleich, Der wahllos benetzt die Wisenndlüter Dor fleissigsten Pflege bedarf ein PB11 Dauernder Zucht, geraumer Zeiten Und des besten Bodens, um ein Baum zu werden Der schirmend und schattend die Welt beschenke Mit erfreulichen Blüthen, erfrischender Frucht. Sigfur. V. 2 Dieses Gesetz verleiht auch dem Kleinen, in der Masse Mitwirkenden seinen Wert, und wird so ein wichtiger Hebel der Kultur. „So geziemt es jedem Handwerker, einerseits seine Fertigkeit anzuerkennen als nicht aus eignem, sondern aus dem von den Vorfahren überlieferten Schatz erworben; andrerseits aber hat er auch, wenn ihm ein Fortschritt gelingt, gutes Recht zu dem stolzen Gedanken, etwas von sich in alle Zukunft unverlierbar gemacht und eine Masche mehr aAngewoben zu haben an den Gewandstoff, mit dem unser Geschlecht seinem sterblichen Theil Unsterblich— keit anzieht. Erf. d. Chn. 254. Dieses Gesetz gilt ebensowohl vom Einzelwesen und seinem Jusammenhange nach oben und unten, wie von der Entwicklung der Gesamtheit: »Erzücht' ein Kraut, verbesser' ein Geräth, Du hebst damit der Menschheit Majestät; Um ein Geringes mehre was wir haben, Du hilfst sie steigern, göttlicher begaben.“ Aund. 21l/. und ebenso ist umgekehrt das Erbteil der Gesamtheit in jedem Einzelnen lebendig und wirksam: Der ganzen Gattung Auszug lebt in Dir, Du bist kein Einzelwesen wie das Thier. In Dir sind heut noch was Du Bestes bist Homer und Plato, Moses, Buddha, Christ. And. 215. Durch dieses Bewusstsein wächst die Kraft des Wollens und des Könnens; doch Nicht oben zu stehen damit man staune, Nein, stolz und still von Stufe zu Stufe Zu steigen und au steigern die eigene Stärke, Das ist volles Empfinden, ist göttliches Fühlen. Sigfr. III. Erst solchem Bemühen ist vergönnt, was der Dichter in seinem Heldenideale dar— Sstellen will: ————— Beständig hoffend Höher zu steigen, mit standhaftem Herzen Sich selbst vertrauend, lässt er sich tragen Von wilder Gewalten scheinbarer Willkür. Er weiss es gewiss, die Lenkung gewinnt er; Denn seinen Gedanken dienen die dunkel Strebenden Mächte der Elemente Und günstig begegnet, in ihm erst vergeistigt, Seinem Wollen der Wille der Welt. Sigfn. III. Aus solchem Geiste heraus ist das ganze nationale Epos geschaffen, solche Geistes- träger sind alle jene Gestalten der Helden und Heldinnen, die in ihrer naturtreuen Unmittel- barkeit eine grossartige Ideenwelt uns offenbaren und mit dem Fühlen und Denken unserer Tage verbinden sollen. Auf diesem Wege erkennen wir in den mit allem Reiz der lebendigen Wirklichkeit ausgestatteten Gestalten des Heldenliedes die unv ergänglichen Ideale des nationalen Wesens; die volkgestaltenden Kräfte im Guten wie im Bösen sind zum Typus zusammen- begriflen und mit ewiger Dauer begabt worden. Die Sage ist es, die diesem bleibenden, alle Wechsel überdauernden Gehalte, der überhaupt das einzige Wirkliche an den historischen Vorgängen bildet, aus der Flucht des Zufälligen rettet, erhält und kommenden Geschlechtern, Mitarbeitern an der gleichen Aufgabe, übermittelt. Sie, die eibig nnind, nie fortiq inand, wirkt heute wie zu jeder Zeit unentwegt weiter an der Veredelung, an der Unsterblichkeit des Volksorganismus, dessen Genius sie ist. Zu dieser Erkenntnis Seines ureigenen Wesens durch den Zauberspiegel der Vergangenheit allmählich sein Volk hinzuführen, erscheint dem Dichter als die höchste und würdigste Aufgabe; und mit Stolz und Bescheidenheit zugleich kann er von seiner Dichtung sagen: Nun will mich's bedünken dass meine Dichtung In Demuth diene des deutschen Volkes Ewiger Seele, die zukunftsorgend Sich versucht zu entsinnen des alten Besitzes Und, vorwärts strebend nach strahlender Fülle Des Rechtes, des Ruhms und des einigen Reiches, Zugleich ihr Auge mit gläubiger Andacht Rückwärts richtet zum alten Reichthum An tiefer Weisheit und Wunderthatkraft, Der, als es der Wiege noch kaum entwachsen, Ihm schon die Gewalt gab die Welt zu besiegen. Ja, sie bemächtigt sich meines Mundes Und ruft nun: Rüstet zum heiligsten Ringen! Das Ziel ist erreichbar; doch auch aus dem Rückblick Schöpfet die Kraft zur Krönung des Werks. St. 2d6. St. 913. Je kräftiger aber das Gefühl des Zusammenhanges den Einzelnen wie die grössere Gemeinschaft durchdringt, um so mächtiger wird auch das Gefühl der Verantwortlichkeit der Zukunft gegenüber werden, um so heiliger die Achtung vor dem, was die Ahnen an ihrem Teile zum Schatze der Erkenntnis und der Errungenschaften, zum Unsterblichkeitsbegriffe der Nation, beigetragen haben. Diese Zwei polaren Bestrebungen bestimmen aber wesentlich das Wesen der Nationalität; und je sicherer in diesem doppelten Gefühle die Mehrheit, vor allem die qugend, erzogen ist, um so besser wird die nationale Eigenart nach jeder Seite gewahrt sein. Von wannen aber kommt diesem Poèten das Recht, sich als ein Mahner, Berater, Führer von 40 Millionen aufzuwerfen? Wir lassen uns ja recht gern vom Dichter erfreuen, unterhalten durch anmutige oder ergreifende Sagen, aber dass das alles uns gelten und für uns massgebend sein soll, das wollen wir uns doch noch überlegen. Vielleicht sind diese 8. g. Ideen von Entwicklung u. s. w. auch nur Hirngespinnste eines überschwänglichen Geistes, in den Modemantel der Naturwissenschaftlichkeit gehüllt. Einsichtige, willensstarke Staats- männer brauchen wir, findige Socialreformer, um die schwierigen Fragen der Zeit zu lösen, und die Aufgaben vorzubereiten, an denen unsere qugend im 20. Jahrhundert sich versuchen soll. Was will da der Dichter? So sprechen die Zweifler. Darauf ist zu entgegnen, dass, wenn einem Dichter unserer Zeit, so W. Jordan, das Zeugnis der positiven Mitarbeit am patriotischen Werke ausgestellt werden muss. Welche Grundsätze er im Frankfurter Parlament vertrat, lehrt uns, wenn wir es nicht aus seiner Thätigkeit sonst wüssten, jenes interessante Zwiegespräch(1849), in welchem er, der Sekretär der deutschen Flotte, dem da- maligen Prinzen von Preussen, dem die Zukunft das Höchste und Hehrste vorbehalten hatte, die Hoffnungen seiner Gesinnungsgenossen darlegte. ———— Wie vir, an der Gegenwart Verzweifelnd, dennoch unverzagt Zuletzt den grossen Wurf gewagt, Mit dem wir auf die Zukunft zählten Und auf des Rechten Werdemacht, Als Wir, selbst hoffnungslos, verlacht, Zum Kaiser Preussens König wählten. St. u. St. 184. Und wenn auch der weitblickende Fürst Recht hatte zu sagen: Erst Schiffe bau'n, hernach das Reich, Das war und bleibt ein Jugendstreich; S0 beégegnete er sich mit den Gedanken des wackeren Patrioten in dem hoffnungsreichen Worte: Einst kommt das Reich, doch nur durch Thaten. In ahnungsvoller Stimmung konnte damals der Dichter schreiben: Dort seh ich meinen König reiten Mit aller Stämme Heeresmacht. Dort fliesst der Rhein— Ha, welch' ein Streiten! Sieg! Sieg! Gewonnen ist die Schlacht! Vom Dome tönt die Krönungsstunde, Der Kaiserzug zum Römer geht— Der Münster steht auf deutschem Grunde— Der Hansa Meereésbanner weht— St. 1d. St. 185. Demiungos 289(im Jahne 185400 Kein Teil seiner Werke entbehrt solcher hoflnungsfreudigen Hinweise, solcher pro- phetischen Offenbarungen, und wenn ihm auch niemand glaubte, dass unserem Geslchitsheneis die Sonmè des Siecſes schion glanævoll naliée, so verzagte ihm doch das deutsche Herz nicht, und jubelnd konntèe er in den ersten qulitagen des Jahres 1870 ausrufen: So werden wir, ob sich die Welt Entgegenstellt, Das deutsche Reich erzwingen. St. d. St. 180. Darf jetzt der Dichter, der so wunderbar den grossen Gedanken von Deutschlands Einigkeit gehegt und gepflegt hat, bis er zur That wurde, nicht sein Fühlen und denken zur Geltung bringen, wenn es die Zukunft seines Volkes gilt? Denn dämmernd wirft in des Dichters Bewusstsein Was erst künftig geschieht erkennbare Schatten Und aus leisen Lauten im Luftreich spürt er Das ferne Gewitter, die werdende Windsbraut. Je wüthender heut schon verworrener Eifer Das Führeramt fortlügt des deutschen Volkes, Um desto fester in furchtloser Stärke Am Steuer zu stehen ist Eure Bestimmung; Denn der haltbarste Kitt für Königreiche Ist die markige Mannheit germanischen Geistes. St. 2d. St. 308. — 23 Darf er nicht als ein treuer Eckart warnend denen, die er liebt, zur Seite treten, wenn der Nibelungen Macht béethörend sie antritt? denn: Auch aus der vergiftenden gierigen Goldlust, Aus dem ruchlosen Ringen nach raschem Reichthum Ist ein Sturm im Entstehen von zerstörender Stärke Und Vieles wird fallen was heéute noch feststeht. St. et. St. 309. darf er nicht mit dem Balmung des Geistes dem kriechenden Ungeziefer entgegentreten, das im widrigen Chore von sich singt: Wir begeifern den Guten, denn wir sind giftig; Wir beissen erbosst nach allem Besten Und lassen es büssen den lauten Beifall. Wir verwünschen den Weisen, denn wir sind Wichte Und lautere Wahrheit erwürgt uns wie Wurmtrank; Wir bedürfen zum Gedeihen des lichtlosen Dunkels———2 Sigfr. II. Jetzt, wo des Dichters Traum erfüllt ist, Dass endlich entfesselt das erste der Völker Vom tiefen Schlummer zur Schlachtenthatkraft Vereinigt aufsteht, auch gegen den Erdkreis Sich den Thron zu ertrotzen um den es beétrogen ward; Sigfn. Fongesdng Cim, ο ⁴1S86υν. jetzt, wo das Vaterland durch schwere Krisen geläutert, alle seine Kräfte entfalten will, um den inneren Ausbau des Reiches zu vollenden und die Kraft seines Geistes in Industrie und Technik an der Hand des weltgebietenden Einflusses in den entferntesten Teilen der Erde zur Geltung zu bringen, jetzt soll auch des Dichters Hoffen wahr werden: Im Kommen ist des deutschen Volkes Blüthe Und sie erst bringt der Dichtung Sommerfalter. Dass schon gewesen unser goldnes Alter— Nicht länger lass dich irren diese Mythe. St. 1d. St. 143. Jetzt wird es eine Dankespflicht für uns, die Lebenden, wie für die Nachgeborenen, dafür zu sorgen, dass in dem Füllhorn der Gaben eine nicht fehle, Das Herz und der Sinn für die heimische Sage Dass zu künttigen Siegen die Kunst des Sängers Den Wunsch und die Macht erweckt im Gemüthe Sie erleben es oft— und belächeln es immer, Bewähren es glänzend— und glauben es nie. H, XXII. Vor allem aber darf seine Mahnung denen gelten, die zu Hütern und Pflegern des geistigen Eigenthums im Volke, in der Jugend berufen 01 dass sie kräftig seien ————— Im Weisthum Das unsere Ahnen, vom Urland im Osten Gen Westen wandernd, getreulich bewahrten Und als edelstes Erbteil den Enkeln vermachten. Unter Bildern verborgen erbaut es die Menge Die ja nirgend und niemals das Nährmark der Wahrheit 2 Auf andere Art sich anzueignen Und geniessen vermag als in Wundern und Märchen. Doch die Führer des Volks, die Fürsten und Helden Sollen durchschauen die schimmerde Schaale Und das heilige Geheimniss heiter enthüllt sehn.— Sigfn. XV. Fassen wir nun kurz zusammen, was W. Jordan der Jugend bieten kann, so liessen sich folgende Punkte herausheben: Er führt die Jugend am vollständigsten und am anschaulichsten ein in die reiche Gestalten- und Ideenwelt des deutschen Altertums, der deutschen Sage. Dieser Inhalt ist in hervorragendem Masse geèeignet, den sittlichen Charakter der Jugend nach der nationalen wie allgemeinen menschlichen Seite zu fördern. Wie weit die Schule in der Lage ist, W. Jordans Gipfelideen, die er in den Andachten und in der Erfüllung des Christentums niederlegt hat, zu fördern, wird noch dahin gestellt und von äusseren Umständen vielfach abhängig bleiben müssen; auf jeden Fall erfährt der allgemeine Humanitäts- und Toleranz- gedanke gerade von dieser Seite die wesentlichste Unterstützung. Weiter ist der Inhalt seiner Dichtungen geeignet, das Denken und das Fühlen unserer Tage mit sich und mit den geistigen Errungenschaften der Vergangenheit zu einer wohlthätigen, ja notwendigen Harmonie zu vereinen. Endlich tritt seine Hauptdichtung, auf welche es für unseren Zweck in erster Linie ankommt, in einer Form auf, die durch ebenso eigenartige wie kräftig schöne Sprache und durch ungemein besonnene und feinsinnige Verwendung der altdeutschen Kunstmittel in Stabreim und Vokalharmonie auf die Bildung des Sprachgefühles wie des poetischen Geschmackes in unserer Jugend wohlthätig einwirken wird. Dass ausserdem noch eine reiche Fülle anregender Gedanken in origineller Fassung durch seine ganze Dichtung verstreut sind, ist bei der Selbst- ständigkeit und Vielseitigkeit unseres Dichters von vornherein begreiflich. Wenn er warm eintritt für eine möglichst reiche und vielseitige körperliche Ausbildung, wenn er warnt vor dem übermässigen Kultus der Musik, die zur Zeit alle andern geistigen Bestrebungen zu ersticken drohe, wenn er zu Gunsten einer Erziehung des Auges klagt und mahnt: Umrahmt von Bildern Bilder zu beschaun— Das mag ein Wilder kopfschmerzfrei verdaun! Wer Andacht sucht muss eure Gallerie'n Als hirnbetäubende Marterkammer fliehn. Wo spar't ihr ab dies alberne Verschwenden? In euern Schulen, wWo von kahlen Wänden Auf eure Jugend Schein der Kerkerhaft Herniederschaut! s'ist schmachvoll frevelhakt! Just gut genug nur wären erste Meister Zum Schöngedeihn der jugendlichen Geister Die Wachsthumstätte würdig auszuschmücken Mit ihren schönsten, besten Meisterstüsken; And. 93. 50 berührt er damit Fragen, die zum Teil gerade in allerneuster Zeit Gegenstand lebhaftester Erörterungen geworden sind, und zu denen ein jeder Gebildete früher oder später auch einmal Stellung nehmen muss. Bei der Frage wie nun eigentlich W. Jordans Dichtung in der Schule verwendet werden soll, ist zuerst die Thatsache festzustellen, dass Sigfridsdee wie Hildebrants Heim- 2 lellin vorgelesen stets einen unverkennbaren Eindruck auf die Schüler jeder Altersstufe aus- üben. Man hat das Gefühl, als ob sie sich mit Hochgefühl einer neuen, ersehnten Welt gegenübersehen, die sie verlangt in ihrem ganzen Wunderreize zu erschauen. Wer nun zu— giebt, dass die Jordan'sche Gestaltung der deutschen Sage die reichste und vollkommenste ist, wird gern bereit sein, den mündlichen Bericht darüber, deutsche Sagengeschichte gewöhnlich genannt, durchaus nach Jordans Nibelungen zu geben, und ihn durch auserlesene Partien des Werkes zu unterstützen. Dann wird auf einer höheren Stufe die Gesamtbehandlung und Durchdringung des Werkes eine ebenso genuss- wie erfolgreiche Lektüre bilden. Dabei ist es ja nicht ausge- schlossen, das die mittelalterliche Form zur vergleichenden Charakteristik und aus litteratur— geschichtlichen Gründen herangezogen werde. Hoffen wir endlich, dass aus dem herrschen- den Meinungsstreite, der wieder die Schule umtobt, sich die Ansicht abkläre, dass dem deutschen Unterrichte ein grösserer Raum vergönnt werde, als es bisher der Fall ist; dann wird neben manchen andern verdienten Geistern unseres Jahrhunderts auch W. Jordan, dem Dichter der Nibelungen, eine Stätte in der Schule bereitét sein. Nicht ohne Grund haben Wir oftmals dem Dichter selbst das Wort gegeben; es wäre ja möglich, dass diese Finger- zeige und Winke dem Dichter neue Freunde gewinnen, und so ihm allmählig die Stellung im Denken und Fühlen des gesamten Volkes geschaffen werde, die er einzunehmen verdient, der Sänger zu sein des deutschen Heldenliedes.