ANν — 5 ——— 25— — N eln 2 8 8 N— 8 8 R 8— *— 2— 8 55——— 0 4———— 8 — 5———— 2 8— ————— 8 2 8 f 7 8 1—— W—.—*— 8—* 82 2* 8 1 8— 8**————— 0 8— 2 8*— 5* K 7 8—— 8 2— 8 8——— 3— 8 8 8— 1 8 8 8———* 2 8— 32 8—— 8 8 8——* 8— —2 8 5 5 8— — 3 8——— SS.(.C.... 8 — 8 8 8—— 8—— 8.———— 8 8———— 1 f—— 8.— E—— 8 5 r— 82— 5 8 8 5—9 8————— 2 — 8—— 8 8— 25 — K 8—3— 2— —— 8————3—— 8——— 8. 2— 8 8——. K5— *— 8—*—— 40— RRRRSr EEECCC············· Wiſſenſchaftliche Beilage zum 37. Jahresbericht der Soͤheren Maͤdchenſchule und Lehrerinnenbildungsanſtalt zu Freiburg i. B. Hebel⸗Illuſtratoren. Prof. Dr. J. Dieffenbacher. Freiburg i. B., Juli 1910. rrreeeeeer ee Univerſttaͤtsdruckerei S. M. poppen& Sohn, Freiburg i. B. Rr—— FERERrRRUrmmne EE LW- Lehrerbücheret derd 3A 43 Richardghyznei D MPrFA 8 1AN berſchule für Rädche Hebel⸗Illuſtratoren. Zur 150. Wiederkehr von Sebels Geburtstag. Von Prof. Dr. J. Dieffenbacher. Freiburg i. B., Juli 1910. PPTT—...˖˙—iv 6 Vorwort. +—— 2 2 Die folgende Abhandlung bildet einen Sonderabdruck meines Aufſatzes, der anlaͤßlich der I50. wiederkehr von Hebels Geburtstag, am J0. Mai 1910, im 37. Jahrgang der meiner Schriftleitung unterſtehenden, von dem Breisgauverein Schauinsland herausgegebenen Seitſchrift Schau⸗ins Land“ erſchienen iſt. Durch die reiche Unterſtuüͤtzung, die dem Verein von dem Großh. Miniſterium der Juſtiz, des Rultus und des Unterrichts und von der Stadtgemeinde Freiburg zuteil wird, iſt dieſer in Stand geſetzt, ſeine Feit— ſchrift mit einem umfangreichen Illuſtrationsmaterial auszuſtatten, was auch der vorliegenden Arbeit ſehr zu ſtatten kam. Daß wir in der Lage ſind, den Schülerinnen der oberen und der Seminarklaſſen die unſeren heimatlichen Dichter verherrlichende Abhandlung als pProgrammbeilage ʒu uͤberreichen, verdanken wir dem Entgegenkommen der Stadtgemeinde und insbeſondere dem unſeres Gemeindeoberhauptes, Serrn Oberbürgermeiſter Dr. Winterer, wofuͤr wir an dieſer Stelle unſern beſten Dank zum Ausdruck bringen moͤchten. Seit dem Erſcheinen meiner Arbeit ſind mir von verſchiedener Seite ergaͤnzende Mitteilungen uͤber die Hebel⸗Illuſtratoren zugegangen; ſo wies Herr Bibliothekar Prof. Dr. Längin in Xarlsruhe mich in liebenswuͤrdiger Weiſe auf zwei mir unbekannte illuſtrierte Ausgaben Hebels hin und machte mir auch ein Exemplar des 1856 erſchienenen kleinen HBebelalbums(Anmerk. S. 6]) zugaͤnglich, das mir bei Abfaſſung nur aus literariſchem Nachweis bekannt war. Als Ergaͤnzung zu meiner Abhandlung moͤchte ich im Vorwort das mir inzwiſchen bekannt Gewordene nachtragen. Es duͤrfte ſich empfehlen, die folgenden Ausfuͤhrungen aber erſt nach der Lektuͤre der Abhandlung ſelbſt zu leſen; denn es handelt ſich nur um Vervollſtaͤndigung des dort entworfenen Bildes. Auch muß ich ausdrücklich hervorheben, daß ich das Urteil, das ich auf Grund des mir urſpruͤng⸗ lich ʒur Verfuͤgung ſtehenden Materials uͤber die Hebel-Illuſtratoren und die Einwirkung Sebels auf die deutſche Runſt des 19. Jahrhunderts gewonnen habe, in nichts zu modiftzieren brauche. Unter den neu zu erwaͤhnenden Hebel-Illuſtratoren kann der dem Straßburger Freundeskreiſe des Dichters naheſtehende Maler und Kadierer B. Fix(J772 18J) ein beſonderes Intereſſe beanſpruchen. Er hat die 1806 in der WMacklot'ſchen Buchhandlung erſchienene dritte Auflage der alemanniſchen Gedichte mit drei Rupferſtichen(Sum Rarfunkel, zum Schmelzofen und zu„Mutter am Chriſtabend“) geſchmuͤckt. Die Stiche ſind ganz im Geiſte jener vom Klaſſtzismus beherrſchten Zeit ausgefuͤhrt. G. Laͤngin in ſeiner Hebelbiographie urteilt mit Recht(S. 128)„geſchmacklos im Geiſte der Zeit, ohne Ausdruck und Natuͤrlichkeit“. Anzuerkennen iſt, daß Fix bemuͤht war, wenigſtens in Tracht und Schilderung der Umwelt dem alemanniſchen Weſen gerecht zu werden. Die Frauengeſtalten tragen jene kleidſame oͤltere MWarkgraͤfler tracht, die auch Eliſabeth Bauſtlicher auf dem S. 3 dargeſtellten Bilde von Agricola anhat. Six iſt als Rind armer Eltern in Straßburg am I5§. April 1772 geboren und war ein Schuͤler des Straßburger Graveurs Guerin. Er hat als Freiwilliger in der Rheinarmee gedient und hat eine Reihe von Stichen ge— ſchaffen, die ſich mit dem Soldatenleben beſchaͤftigen, beſonders Szenen aus Einquartierungen im Bauern— hauſe. Ein 1801 erſchienener Stich behandelt die Suſammenkunft des General Bonaparte mit einem oͤſterreichiſchen Offizier. Der Galeriedirektor der franzoͤſiſchen Muſeen Baron Denon hatte großes Intereſſe an dem jungen Ruͤnſtler genommen, auf ſeine Veranlaſſung wurde er als Maler dem großen Hauptquartier Napoleons eingereiht. Vom Militaͤrgenre hat, wie ſich dies auch ſonſt beobachten laͤßt, das moderne Genre auch in Deutſchland zum Teil ſeinen Ausgang genommen. welche Anerkennung der Ruͤnſtler gefunden hat, beweiſt die Tatſache, daß nach ſeinen Entwuͤrfen der Reliefſchmuck an der Vendomeſaͤule zu Paris angefertigt wurde. Von Six ruͤhren auch mehrere Illuſtrationen zu Kalendern und Gedicht— ſammlungen her. Wegen ſeiner ſcharf ſatiriſchen Art wurde er der„Hogarth de Straßbourg“ genannt Der Ruͤnſtler ſtarb am 7. November 1811 auf einer italieniſchen Reiſe zu perugia. Gerade das von ihm behandelte Militäͤrgenre mit der Vorliebe, den Schauplatz in ein Bauernhaus zu verlegen, befaͤhigte ihn, einen dem Geiſte der Hebel'ſchen Dichtungen ſich anpaſſenden Bildſchmuck zu liefern Freilich bleibt er zu ſehr in den Anſchauungen ſeiner Feit ſtecken. Als Hebel Illuſtrator iſt er der aͤlteren Generation zuzuweiſen, er gehoͤrt mit Sophie Reinhard, Julius Nisle und ſeinem Straßburger Runſtgenoſſen G hnmacht zu den Blaſſtziſten(ſiehe Abſchnitt Jund II) Von den Romantikern iſt auch Moritz v. Schwind, der Lehrer und Freund Lucian Reichs (S. 23) zu den Sebelilluſtratoren zu rechnen. Herr Feicheninſpektor Eyth in Karlsruhe machte mich auf eine Radierung Schwinds aufmerkſam, das„Haber⸗-Mueß“, die um das Jahr 1845 entſtanden iſt und in den„Deutſchen Dichtungen mit Randzeichnungen deutſcher Rünſtler“, Leipzig, Hermann Vogel, erſchien Vor uns oͤffnet ſich eine Bauernſtube, wo die Familie um den Topf mit dem dampfenden Habermus ver ſammelt iſt. Andaͤchtig lauſchen die Kinder der Erzaͤhlung des Großvaters von der Herkunft der Speiſe. Rings um das Haus erblicken wir die Landſchaft mit dem Kornfeld, und Englein bieten ihm den Will kommengruß, aͤhnlich wie L. Richter und R. Koͤgler(S. 45) das Thema behandelt haben. M. v. Schwind hat unſerm Hebel noch auf einem andern Werke ein Denkmal geſetzt. Auf dem 1844 vollendeten Olbild „Vater Rhein“ in der Nationalgalerie in Berlin, das urſpruͤnglich zur Ausſchmuͤckung der Baden Badener Trinkhalle beſtimmt war, ſind verſchiedene Nebenfluͤſſe des Rheins in allegoriſchen Geſtalten dargeſtellt, darunter die Dreiſam mit dem Freiburger wünſter und bei ihr die Wieſe, Hebels Gedichte in der Yand Beide Werke ſind Fruͤchte des Aufenthalts des Kuͤnſtlers in unſerer Heimat; von 1839 bis Oſtern 1844 war Woritz von Schwind, Ludwig Richters ebenbuͤrtiger Schilderer deutſchen Volkstums, in Rarlsruhe taͤtig. Das Intereſſe an Hebel war gerade in jener Zeit beſonders ſtark. 1832—1831 veroͤffentlichte die Muͤller'ſche Hofbuchhandlung die erſte Geſamtausgabe in acht Baͤnden, der im Jahre 1843 die zweite Auflage in füͤnf Baͤnden folgte. J1839 war in der Scheible'ſchen Buchhandlung zu Stuttgart von willibald Cornelius herausgegeben„Schwaͤnke des Sebel'ſchen Rheinlaͤndiſchen Hausfreundes mit allen ſpaßhaften Geſchichten vom Zundelfrieder, rothen Dieter und Heiner“, in den„Lieblingsbuͤchern in alten und neueren Geſchichten“ erſchienen. Die J20 Abbildungen, die der Ausgabe beigegeben ſind, haben wenig kuͤnſtleriſchen wWert, ſo daß es ſich nicht verlohnt, auf den Feichner naͤher ein zugehen. Bedeutend hoͤher ſtehen die ʒeichneriſchen Erſcheinungen, die anlaͤßlich der Hundertjahrfeier Hebels 1860 an die Gffentlichkeit traten. Ein fein durchdachtes Gedenkblatt hat der in Freiburg geborene Donau eſchinger Galerieinſpektor§. Frank(J805— 1890) herausgegeben. Es iſt von Lucian Reichs Schwager Heinemann in Suͤfingen(ſiehe S. 23) lithographiert und behandelt die Eingangsverſe der„Wieſe“d. Von dem Ruͤnſtler ruͤhren auch eine Reihe Feichnungen zu Bebel'ſchen Gedichten her, von denen ſich Abbildungen im Beſitze ſeines Neffen, Verrn Architekt XR. Lembke in Freiburg, erhalten haben. Die Originalblaͤtter befinden ſich im Beſitze des Berrn Profeſſor Reichelt in Pforzheim. Die RKuͤnſtler, die am Hebelalbum mitgewirkt haben, ſind Y. Dobmann, C. eilig und C. Kiefer. Die ſehr ſchoͤne ſtimmungsvolle Lithographie, Hebels Ruheſtaͤtte auf dem Friedhofe zu Schwetzingen, iſt ein werk C. Riefers. Ein Gedenkblatt zur Hebelfeier am 10. Mai 1872 hat&. Dobmann als Lithographie erſcheinen laſſen. In der Mitte ſieht man Hebels Bildnis, links oben Karlsruhe,„den Ort des Wirkens“, daneben Straßburg,„den Ort der Erholung“; unten iſt das Geburtshaus in Baſel und das Elternhaus in Hauſen wiedergegeben. Den Abſchluß unten bildet ein kleiner ſchreibender Genius. Gehoͤren auch die hier als Bebel-Illuſtratoren gewuͤrdigten Ruͤnſtler mit Ausnahme von Moritz v. Schwind nicht zu den Groͤßen erſten Ranges, ſo verdienen ſte doch in dieſem Zuſammenhang erwaͤhnt zu werden. Es wuͤrde mich freuen, wenn mir auch fernerhin Nachrichten uͤber Hebel-Illuſtratoren zugingen, ſo daß die große Einwirkung, die unſer unſterblicher Dichter auf die deutſche RKunſt ausgeübt hat, immer klarer und deutlicher zu überſehen waͤre. Freiburg i. B., Juli 1910. Der DVerfaſſer. Reiner zeichnung von Curt Liebich, Gutach. Hebel⸗Illuſtratoren. Zur 150. Wiederkehr von Bebels Seburtstag. Von Prof. Dr. J. Dieffenbacher. O ſich im badiſchen Lande alles unſern alemanniſchen Dichter zu eigenem Schaffen ruͤſtet, um die 150. Wiederkehr des angeregt wurden, ſei es, daß ſte aus ſeinen Dich —— —— Geburtstags des Verfaſſers vom„waͤlderbuͤebli“ zu tungen Stoff zu ihren Ge— maͤlden oder Stichen waͤhl— ten, ſei es, daß ſie Illuſtra— feiern, da darf auch der tionen zu ſeinen Werken „Schauinsland“, der ſich ſo lieferten. Man kann dieſe oft ſchon in den Dienſt der Kuͤnſtler unter dem Namen Heimatskunſt geſtellt hat,„Hebel⸗-Illuſtratoren“ nicht fehlen; und gern findet zuſammenfaſſen. Die An— er ſich mit einem Gedenk— regung, in dieſer Art Hebels blatt ein, um dem zu hul zu gedenken, geht von un— digen, der in ſo finniger ſerem unermuͤdlich taͤtigen Weiſe in ſeinem„Schwarz Schriftfuͤhrer Friedrich waͤlder im Breisgau“ das Fiegler aus. Als er mir liebe Freiburg beſungen hat. Ende Dezember 1909 nahe— legte, dem Gedanken Geſtalt zu verleihen, ging ich mit großer Begeiſterung und Aber nicht vom dichter ſelbſt ſei hier die Rede wer koͤnnte uͤber ihn heute noch Neues bringen? ſondern lebhafter Freude an die s ſoll erzaͤhlt werden von ſchoͤne Auf gabe heran; und 5 Abb. J. Ghnmacht: Hebel-Medaillon aus Alabaſter. den Ruͤnſtlern, die durch SDeſtge der Fräu Rreisſchulkat Eicien ich bedauerte nur eines, daß Dieffenbacher, Sebel⸗Illuſtratoren U mir nicht mehr Feit zur Ausarbeitung zur Ver fuͤgung ſtand. Wer ſchon einmal auf einem aͤhn lichen Gebiete wie auf dem vorliegenden gearbeitet hat, weiß, mit welchen Schwierigkeiten allein das Sammeln des Materials verbunden iſt, das in den verſchiedenſten Galerien, Privat-Samm lungen und Kupferſtich-Rabinetten zerſtreut iſt Ich bin mir deshalb wohl bewußt, daß die vor liegende Arbeit nur ein un vollkommenes Bild von der Taͤtigkeit der Hebel-Illuſtratoren geben kann; und nur langjaͤhrige eingehende Forſchungen koͤnnten hier Erſchoͤpfendes lie— fern. Wenn ich trotz dem die folgenden Blaͤtter als beſcheidene Jubilaͤumsgabe ver— oͤff entliche, ſo geſchieht dies, weil ich der überzeugung bin, daß immerhin einige in— tereſſante Reſultate zu Tage getreten ſind. Der Lebenslauf un— ſerer Hebel-Illuſtra— toren und ihre Taͤtig— keit geben mancherlei f I. Hebel⸗Portraͤtiſten: Landolin Ohnmacht, Feodor Iwano— witſch und K. J. Aloys Agricola. Bei der großen Verbreitung und den zahl— reichen Neuauflagen, die ſowohl die„Allemanni ſchen Gedichte“ als auch der„Kheinlaͤndiſche Haus— freund“ erlebt haben, iſt es natuͤrlich, daß viele Ruͤnſtler beſtrebt waren, Hebels Bildnis der Nachwelt zu uͤber— liefern. Die Hebelpor traͤts laſſen die kuͤnſt leriſchen Richtungen erkennen, von denen die erſte Feit des 19. Jahrhunderts er— füllt war. Den Klaſſt— zismus unter den Hebel⸗-Pportraͤtiſten ver keitt der aus einen Schwarʒwalddorfe in der Naͤhe von Kottweil als Sohn eines kleinen Bauern geborene Landolin Ghn— macht, deſſen Hebel— Medaillon ſich im Beſitz der Frau Alabaſter Kreisſchulrat Engler Aufſchluͤſſe uͤͤber die in Freiburg 2) befindet. allgemeine Entwick— Das Sebelbildnis zeigt lung der deutſchen ganz die Auffaſſung, Runſt des 19. Jahrhun— wie Canova und andere Abb. 2. J. P. Hebel Nach einer Kreidezeichnung im Beſitze des Serrn Sauptmann a. D. Soltz in Baden Baden Feodor IJwanodwitſch: derts. Jedenfalls laͤßt Klaſſt ʒiſten jener Tage ſich eines feſtſtellen, daß Hebel in vielerlei Sinſicht viel bedeutender, als dies bisher bekannt war, auf die Entfaltung der Genremalereiſeingewirkt hat. Doch dar— uͤber ſoll bei den einzelnen Ruͤnſtlern ſelbſt ein— Sollten durch die folgenden Ausfuͤhrungen andere zu eingehenderen gehender geſprochen werden. Studien uͤber dieſes Thema veranlaßt werden, ſo waͤre das der ſchoͤnſte Lohn, den mir meine Arbeit All denen aber, die mich durch ihre Mitteilungen unterſtützt haben, ſei an dieſer bringen koͤnnte. Stelle mein waͤrmſter Dank ausgeſprochen J). SDσ Dοοοσ οοοοσεοεν C berühmte pPerſoͤnlich— keiten wiederzugeben pflegten. Der Ruͤnſtler war zwei Jahre lang in Italien geweſen und hatte beſonders zu jenem Meiſter naͤhere Beziehungen. In allen ſeinen Werken, die in der Hauptſache in Straßburg entſtanden ſind, wo er ſich 1797 niedergelaſſen hatte, zeigt ſich die ſtarke Anlehnung an die Antike. Ohnmacht war ein liebenswuͤrdiger MWenſch von Weſen. Ji Jugend ſtand er in innigem Verkehr mit La— gewinnendem ſeiner vater, der eine ſehr hohe Auffaſſung von ihm hatte und ihm eine beſondere Schrift widmete. 8 Der große Fuͤricher Phyſiognomiker ſchrieb von ihm:„er ſei ein Mann, aus deſſen Blick von der ewigen Welt, was milde und groß, ſchimmere“. Dieſe Charakteriſtik paßt auch auf Hebel; und wir verſtehen, daß ſte ſich zu einander hingezogen fuüͤhlten. Im Hauſe des gemeinſamen Freundes Haufe zu Straßburg begegneten ſie ſich haͤufig. Trotz der innigen Geiſtesver wandtſchaft tritt in dieſem Hebel-Medaillon das ſpe zifiſch Alemanniſche im Weſen des Dichters zuruͤck, da durch die im NMR. ſtammt, aber zu dem Freundeskreiſe des Dichters in Beziehung ſtand, von dem RKarlsruher Maler Feodor JIwanowitſchs). Das Bild— eine Kreidezeichnung— befindet ſich heute im Beſitz des Herrn Sauptmann a. D. Holtz zu Baden— Baden, eines Enkels des Oberbaudirektors Fr. Weinbrenner, der mit Sebel innig be— freundet war. Dem Ruͤnſtler hatte Weinbrenner mancherlei Freundſchaftsdienſte er wieſen und aus Dankbarkeit erhielt er von ihm die ſchoͤne Feich— Abb. 3. Karl Joſeph Aloys Agricola: Hebel und Eliſabeth Bauſtlicher. „Stell die nit ſo naͤrſch, du Dingli! 's meint no, me wüß nit.“ Nach einer Lithographie im Reſitze des Großbh. Kupferſtichkab inetts zu Karlsruhe Geiſte des KXlaſſtzismus durchgefuͤhrte Haltung dem Ganzen etwas Gezwungenes und Feierliches auferlegt wird Das allgemeine Urteil, das man uͤber Ohnmacht gefaͤllt hat, daß er„in ſeinen Portraͤts den Haͤrten der Phyſiognomie aus dem Wege gegangen ſei“, trifft auch fuͤr das Sebel— bildnis zu, das ſtark idealiſtert iſt. Dasjenige Hebelportraͤt, das der Eigenart des Dichters viel mehr gerecht wird und als das beſte anzuſprechen iſt, ruͤhrt von einem Ruͤnſtler her, der zwar nicht der badiſchen Heimat ent— ι ο ναι nung des gemeinſamen Freundes. JIwanowitſch gehoͤrt zu den intereſſanteſten perſönlichkeiten, die zu Anfang des 19. Jahrhunderts in Xarlsruhe lebten. Ein eigenartiges Schickſal hat den Aus— laͤn der nach der badiſchen Hauptſtadt verſchlagen. Von Geburt war er Kalmuͤcke. Als Rnabe von fuͤnf Jahren war er im fernen Aſien, an der ruſſiſch⸗chineſtſchen Grenze von ruſſiſchen Sol— daten aufgegriffen worden, die ihn in peters— burg der Kaiſerin Ratharina uͤbergaben. Dieſe ſchenkte den begabten Jungen der Erbprinzeſſin ME 4 Amalie von Baden. Somit kam Jwanowitſch nach Karlsruhe. Seine Erziehung erhielt er ſin Karlsruhe und im Philanthropinum zu Marſch lins in Graubunden. Seine kuͤnſtleriſche Aus bildung vollzog ſich unter der Leitung des Galerie— direktors Th. J. Becker zu Karlsruhe, der ein vortrefflicher Zeichner und ausgezeichneter Land— ſchafter war und ſich ſeinerzeit in Rom an Raphael Mengs angeſchloſſen hatte, alſo zu den Klaſſt ʒiſten zu rechnen iſt. Sieben Jahre weilte dann Iwanowitſch in Rom. Nach groͤßeren Reiſen durch Italien und Griechenland kehrte er nach Karlsruhe zurück, wo ihn Narl Friedrich zum Hofmaler ernannte. Am 27. Januar 1832 iſt der RKünſtler zu Karlsruhe geſtorben. Wenn man nun ja auch ſagen muß, daß ſein kuͤnſtleriſches Schaffen keine große Originalitaͤt auf weiſt, wofuͤr beſonders ſeine im Rupferſtich-Rabinett zu RKarls— ruhe befindlichen, zahlreichen Hand zeichnungen religiöͤſen, klaſſiſchen und allegoriſchen Inhalts Feugnis ablegen, ſo hat er doch mit Sebels portraͤt einen großen Wurf getan. Gerade um die Wende des J9. Jahrhunderts war in der Portraͤtmalerei eine Wendung zum Natürlichen eingetreten. Man braucht hierbei nur an den großen Portraͤtmaler Anton Graff (J736—181z) zu erinnern. Dieſer Umſchwung vollzog ſich unter dem Einfluß der Schwetzer und vor allem unter dem Rouſſeaus.„Der Schweizer“, ſagt Cornelius Gurlitt daruͤber:„ſtand der wiege der Menſchheit, der goldenen Feit der Unverderbtheit naͤher, er ſah auch tiefer in die Augen der Menſchen, verſtand ſie beſſer. Nicht mehr wollten die Keichen, ſelbſt nicht die Fuͤrſten, ſich in der pPeruͤcke, im Staatsgewand vor dem prachtvoll gebauſchten Sammetvorhang ſehen, ſondern ſo, wie ſie waren, im Hausrock, im naturlichen Haar, uüͤber den Stuhl gelehnt, den Beſchauer wie im Geſpraͤch anſchauend, ſtatt wie fruͤher vor ihm in pParade geſtellt.“ Dieſen An— ſchauungen folgte auch Jwanowitſch, und mit glůͤcklicher Sand hat er den volkstůmlichen Dichter in ſchlichter Natͤͤrlichkeit und Urwuͤchſigkeit wieder— gegeben. Das gleiche gilt von dem Ruͤnſtler, der das auf Seite 3 abgebildete Bildnis Hebels und der Eliſabeth Bauſtlicher geſchaffen hat. ND SDο 2 οονννοονιινοοονννοννοε 2 2 Es iſt dies RKarl Joſeph Aloys Agricola), der zu Saͤckingen am 18. Oktober 1779 als Sohn eines fuͤrſtlichen Hofrats das Licht der Welt er blickte. Seine kuͤnſtleriſche Ausbildung hat er in Karlsruhe und ſpaͤter hauptſaͤchlich in Wien er langt, wohin er bereits 1798 uͤberſiedelte, um Fögers Schuͤler zu werden. Agricola hat ſeinen Ruf hauptſaͤchlich als Miniaturmaler, Rupfer ſtecher und Steinzeichner erworben; beſonders ſeine liebevoll behandelten Miniatärbilder, zum Teil in Waſſerfarben, zum Teil in Gl ausgefuͤhrt, haben ihm einen großen Ruf eingetragen und ihm eine glaͤnzende Lebensſtellung verſchafft. Manche ſeiner Werke ſtehen noch ganz unter dem Charakter der Runſt des ausgehenden J8. Jahr hunderts mit ihrer Vorliebe fuͤr Weichlichkeit und Suͤßlichkeit Er liebt Darſtellungen mit Amo retten, Genien und kann ſich nur ſelten zu groͤße— ren Vorwuͤrfen aufraffen. In der Akademie zu Wien befindet ſich ein intereſſantes Gemaͤlde von ihm, das Amor und Pſpyche darſtellt Seinerzeit ſehr beruͤhmt war ein Miniatur portraͤt des Herzogs von Keichſtadt, des Sohnes Napoleons I. Der Stich, Iymm hoch und IImm breit, war ſo klein, daß man ihn in Ringe, Knoͤpfe und Buſennadeln faſſen konnte, dabei aber ſo meiſterhaft geſtochen, daß er eine große Ver— breitung fand. Es iſt wohl der kleinſte Stich, der je ausgefuͤhrt wurde. Beſonders gern hat der Kuͤnſtler ſchoͤne Frauen gemalt. Auch dem Hebelbilde, das vielfach unter dem Namen„Hebel und Vreneli“ bekannt iſt, ſieht man die virtuoſen— hafte Behandlung der Frauenſchoͤnheit wohl an, und man kann ſich gut vorſtellen, wie der Ruͤnſt⸗ ler berühmte Wiener Schoͤnheiten, wie die Schau— ſpielerin Maria Amalie Foch und Maria preindl dargeſtellt haben mag. Die beruͤhmte Taͤn zerin Fanny Elßler hat er als Schweizer milchmaͤdchen gemalt. Auch die Schauſpielerin Betty Rooſe wurde von ihm verewigt. Unſere Lithographie, die Hebel und Eliſabeth Baunſt— licher als Wieſe, ein Gebetbuch in den Saͤnden, darſtellt, iſt inſofern ein ſehr gluͤckliches Werk, als des Dichters tiefer SHumor und wohltuende Schalkhaftigkeit im Geſichtsausdruck wie in der Geſte vortrefflich zum Ausdruck kommen. Als Unterſchrift finden ſich die Worte aus der„Wieſe“ Hans und Verene. Chumm, lüpf mer Hans! Was fehlt der echt? Abb. J. Sophie Reinhard: Kadierung im Großb. Kupferſtichkabinett zu Karlsruhe. „Stell di enit ſo närſch, du Dingli!'s meint no, me wüßt nit, Aß de verſproche biſch und aß der enander ſcho bſtellt hen?“ Ganz glüͤcklich hat der Ruͤnſtler die beiden als Bruſtbild gefaßten Geſtalten in die Landſchaft geſtellt. Im Sintergrund erblickt man ein Kirchlein, das wohl das von Hauſen ſein ſoll. Es gibt von unſerer! Litho— graphie mehrere Drucke. Unter den aͤlteren lieſt man links:„nach der Natur gemalt und auf Stein gez. v. C. Agricola“, rechts:„Lith. v. Mansfeld& Co.“; eine Ropie hiervon nennt die Namen der Dargeſtellten nicht, links ſteht nur:„gemalt von Agricola“, rechts:„gez. v. T. Hurter.“ Dieſe Ropie iſt in Karlsruhe erſchienen, ein ſchoͤnes Exemplar befindet ſich im Großh. Rupfer— ſtich⸗Kabinett. Auch die Staͤdt. Kupferſtichſammlung in Freiburg beſitzt einen Stich, der wie der vorige bei J. Velten in KXarlsruhe veroͤffentlicht, aber von S. Maier lithographiert iſt. Die Haͤufigkeit der Blaͤtter beweiſt die Beliebtheit, die dieſe Darſtellung des reizen— den Abſchnittes aus der„Wieſe“ gefunden hat. ν Von Agricola rührt auch ein nach der Natur gezeichnetes Portraͤt Sebels her. Der Stich ſelbſt iſt ſehr ſelten; eine von Nehrlich darnach angefertigte Lithographie findet ſich haͤufig den aͤlteren Hebel-Ausgaben beige— geben 5). Eines der aͤlteſten Portraͤts Hebels, das ihn in juͤngeren Jahren darſtellt, iſt von dem Soͤttinger Rupferſtecher Riepen— hauſen geſtochen. II. Im Feitalter des ausklingenden Klaſſizismus und der Romantik. J. Die erſten Anfaͤnge der Bauern— malerei. Die Rarlsruher Nuͤnſtlerin Sophie RXeinhard(1778—J873). Die Reihe der Hebel-Illuſtratoren, die Anſpruch auf kuͤnſtleriſche Bedeutung er— heben koͤnnen, eroͤffnet eine badiſche Ruͤnſt— lerin, Sophie Reinhard. In Folio— format hat ſie 12 Blaͤtter zu„Pebels Ale— manniſchen Gedichten“ radiert). Das Jahr, in dem dieſe Kadierungen erſchienen ſind, laͤßt ſich leider nicht feſtſtellen, da dieſe 55 Der Carfunkel Heſch echt's Eckſtei-As? es bidütet e rothe Carfunkel. Abb. 8s. Sophie Reinhard: Kadierung im Großh. Kupferſtich— kabinett zu Karlsruhe. nicht datiert und die Nachrichten uͤber die Ruͤnſt— lerin ſehr duͤrftig ſind 7). von Intereſſe; denn in dieſen Das waͤre immerhin Radierungen haben wir die erſten Anfaͤnge der deutſchen bez w. ſuͤddeutſchen Bauern- und Genre— malerei zu ſehen. Da es ſich um eine Ruͤnſt— lerin handelt, wird von dieſer Tatſache die Frauenbewegung mit berechtigtem Stolz Rennt— nis nehmen. In den kunſtgeſchichtlichen Werken uͤber unſere Epoche begegnet man durchweg der Anſchauung, als habe die Bauernmalerei viel ſpaͤter eingeſetzt und als ſei ſte durch andere Von Hebel Als Begruͤnder der deutſchen Literaturwerke angeregt worden. iſt nicht die Rede. Bauernmalerei nennt z. B Muther den Verliner Ruͤnſtler Eduard Meyerheim 808—1879), der 1836 mit ſeinem„Schuͤtzenkoͤnig“, noch bevor die Literatur dieſen Schritt getan habe, dieſes Senre eingefuͤhrt habe. Allgemeine Verbreitung habe das deutſche Bauerngenre erſt gefunden, nachdem ſeit den zoer Jahren der Dorfroman in Schwung gekommen. Immermann habe mit der Oberhof-Epiſode ſeines Muͤnchhauſens 1837 ſei Jeremias Gotthelf mit ſeinen Schilderungen dieſer Gattung Exiſtenz gegeben. aus dem Berner Volksleben aufgetreten und dieſem ſei Berthold Auerbach, Otto Lud— wig, Gottfried Keller und Fritz Reuter gefolgt, der für ſeine humoriſtiſchen Schilde— rungen im Dialekt die noch ſchaͤrfer zugeſchnittene Form gefunden habe.„Der Einfluß dieſer Schrift— ſteller auf die Malerei“, ſagt Muther,„war un— geheuer. Allenthalben beginnt ſie jetzt ins Volk zu gehen, ſich mit Luſt und Freude in die wirk— lichkeit zu verſenken.“ Bedeutung dieſer Schriftſteller fůͤr die Entfaltung des Bauerngenre nicht geleugnet werden ſoll, ſo muß doch feſtgeſtellt werden, daß in dem Maße als Fr. Keuter und Auerbach doch als Fortſetzer der in Hebel zu Tage getretenen literariſchen Richtung anzuſchauen ſind, der Be— ginn der Bauernmalerei eben doch viel fruͤher angeſetzt werden muß und daß unzweifelhaft unſer Hebel mit ſeinen urwuͤchſigen, im Volks— Wenn ja nun auch die tum wurzelnden Sedichten als der große literariſche Anreger auf dieſem Sebiet an— zuſprechen iſt. Unabhaͤngig von jedem literariſchen οοοσ Einfluß als natuͤrliche Gegenſtroͤmung zu dem weltabgekehrten Klaſſizismus iſt die Bauern— malerei um dieſelbe Zeit noch an einer andern Stelle als in KRarlsruhe hervorgetreten, naͤmlich in Muͤnchen, wo Johann Chriſtian Erhard (J793 1822) eine Keihe ſehr lebenswahrer Dar— ſtellungen aus dem Bauernleben radiert hat. In dieſem Ruͤnſtler, der mit ſeinem Freunde Johann Adam Rlein 0792-—1875) ein ſo treues Bild von dem Leben und Treiben des deutſchen Volkes zu Beginn des 19. Jahrhunderts gegeben hat, und in unſerer badiſchen Ruͤnſtlerin Sophie Reinhard haben wir die erſten, wenn auch beſcheidenen Anfaͤnge derjenigen Runſt— richtung zu ſehen, die berufen war, endguͤltig mit dem KRlaſſtzismus aufzuraͤumen: der Genre— malerei. Natuͤrlich ſind auch hier viele Über— gaͤnge vorhanden; und beſonders bei dem Feichner Julius Nisle, den wir im naͤchſten Abſchnitt behandeln, werden wir das unſichere Hin und Her zwiſchen den beiden Kichtungen feſtſtellen koͤnnen. Sophie Reinhard hat das neue Gebiet nicht wie die erwaͤhnten Muͤnchner Ruͤnſtler aus— ſchließlich gepflegt, ſondern es nur in den er— waͤhnten Kadierungen geſtreift. Ihr kuͤnſtle— riſches Schaffen bewegt ſich im großen und ganzen in der herrſchenden Feitrichtung. Die Ruͤnſtlerin iſt 1775 zu Rirchberg geboren und war mit Jwanowitſch Schuͤlerin des KXlaſſtziſten Galeriedirektor Becker. 1810 machte ſie eine Studienreiſe durch Italien, Gſterreich und Ungarn und ließ ſich dann dauernd in Xarlsruhe nieder, wo ſie 1835ü ſtarb. FJuerſt trat ſie als Ropiſtin hervor. Sie hat dann verſchiedene Gemaͤlde aus der badiſchen Geſchichte gemalt, unter andern die„Markgraͤfin Anna, wie ſie den Armen Speiſe und Arznei verteilt“. Außerdem ſchuf ſte recht huͤbſche Darſtellungen aus dem italieniſchen Volksleben. Wir werden noch einige Male zu beobachten Gelegenheit haben, wie ſich unſere Hebel-Runſtler zuerſt durch ihr Studium des italieniſchen Volkslebens ein Verſtaͤndnis fuͤr das heimiſche Volkstum erworben haben. Man ruͤhmt in allen Bildern unſerer Kuͤnſtlerin den feinen Sinn fuͤr Einfachheit und Natur;„ihre Werke ſeien als Schoͤpfungen eines zarten und tiefen Gemuͤts anzuſehen“. Das gilt auch un— PEPEPPPPPPPrrPrrrRrrrrrrrrrrrrE * * 818 5 N * Raeee iſt gut charakteriſtert, die Begegnung anm Brunnen noch beſonders dadurch begruͤndet, 5 7 R ρ* daß Hans ſeine Ruh zum Traͤnken herbei— fuͤhrt, ein ug, der im Gedicht nicht vor— handen iſt. Ganz gute Anſaͤtze zu realiſtiſcher Behandlung des Stoffes bietet auch das „Vexlein“, wo beſonders die Grtlichkeit eine liebevolle Beobachtung der Wirklichkeit er— kennen laͤßt. Derb, ja vierſchroͤtig iſt der am Schneidſtuhl ſitzende Burſch gefaßt, dem das voruͤberhuſchende Maͤdchen mit der Frage:„Saut's Meſſer guet?“ das Herz in Flammen ſetzt, ſo daß er es nimmer vergeſſen kann. Nur der Ropf mu dem lockigen Haar will nicht recht zur Geſtalt paſſen. Die zwei andern Radierungen be— handeln Szenen aus der von romantiſchem Geiſt erfuͤllten epiſchen Dichtung„Karfunkel“, die in hinreißenden Bildern das Schickſal des gutgearteten Bauernburſchen behandelt, der den Anfechtungen des Boͤſen erliegt und ſchließlich Gatten⸗ und Selbſtmoͤrder wird. Des„Stroßwirts“ Tochter Vaͤtterli hat dem Michel den Eltern ʒulieb das Das Hexlein. ſe chunntee Hexli wohlgimuth, und frogt no frey., Haut' Meſſer gut! Abb. C. Sophie Reinhard: Radierung im Sroßh. Kupferſtichkabinett zu Karlsruhe. eingeſchraͤnkt für die Hebel-Radierungen, von denen wir vier bringen. Mit„Fans und Verene“ und dem „Bexlein“ hat ſie zwei Motive gewaͤhlt, die auch ihre 1 LNachfolger am meiſten zur bildlichen Wiedergabe ge— U5 Wn lockt haben. Die beiden Lieder gehoͤren ja auch zu 8 1 dem Beſten und Innigſten, was der Dichter geſchaffen hat. Die Charaktere der handelnden Perſonen ſind in beiden Radierungen gut getroffen. In der Szene am Brunnen verraͤt die als kraͤftiges Bauernmaͤdchen ge— faßte Verene in der Haltung des Ropfes und in ihrer ganzen Stellung jene innige Singebung und weibliche Fein heit, die das Gedicht ſo gluͤcklich zum Ausdruck bringt. Hans, deſſen tiefe, voll Zweifel erfuͤllte Liebe Verene kennt und den ſtie durch ihre Frage:„Was fehlt der echt? Es iſch der naͤume(irgendwo) gar nit recht, nei, gar nit recht!“ im Innerſten trifft, will Der Carfunkel in ſeiner vielleicht etwas zu gezierten Haltung jene 0 Loß mi ungbeit iez! Beſcheidenheit und Faghaftigkeit verkoͤrpern, die den 6 945 2 Abb.. Sophie Reinhard: Radierung im Großh Rupferſtich Grundzug ſeines Weſens bilden. Das baͤuerliche Milien kabinett zu Karlsruhe. Jawort gegeben; und im Traum trifft ſie auf der Landſtraße einen Kapuziner, den ſte um ein Heiligenbild bittet. Sie langt in ſchmutzige Karten und zieht's Eckſtein⸗-Aß, das den roten Karfunkel bedeutet; mit einem ſolchen Stein naͤmlich iſt der Ungluͤcksring geſchmuͤckt, den Michel ſpaͤter vom„Gruͤnrock“ erhaͤlt und der ihn mit ſeiner truͤgeriſchen Gewalt ins Ungluͤck ſtoͤßt. Abb. 8. Julius Aus„z30 Umriſſe zu J. P. Ein elegiſcher Ton iſt über das Ganze ausge— breitet; in feinſinniger Weiſe iſt ſo die unheilvolle Grundſtunmung des Gedichtes verfinnlicht. Die Wirtshausſzene leidet unter der ſtark ausge— praͤgten ſentimentalen Neigung der Rünſtlerin. Wie ein Liebespaar ſchauen ſich hier Wichel und der„Knab mit lockiger Stirnen“ an, der vom Fenſter aus im Auftrag des Schwiegervaters den Unglucklichen vom Spiel nach Hauſe ruft. FEPFEFRRRRRRRRR dieſer Stelle ſo gut zum Ausdruck bringt, liegt der Ruͤnſtlerin nicht und gelangt nicht zur Darſtellung. Beſſer iſt der lauernde„Gruͤnrock“ und der zuſammengekauerte, beobachtende Bauer getroffen. Auch hier tritt in der Wieder gabe des Wirtszimmers ein liebevolles Verſenken in die wWirklichkeit zu Tage; man fuͤhlt ſich leiſe an Interieurs erinnert, wie ſie Dürer ſo un— Nisbe: Der Karfunkel. ebel's ellemanniſchen Gedichten“. uͤbertrefflich zu radieren wußte. Roͤnnen auch die Radierungen der Karlsruher RXuͤnſtlerin nicht als Meiſterwerke angeſehen werden— manches iſt ſtark verzeichnet, beſonders die Behandlung des menſchlichen Roͤrpers iſt nicht einwand— frei; man beachte, daß die Gliedmaßen meiſt äußerſt ſtark und kraͤftig, der Ropf aber im Ver— haͤltnis zum Roͤrper zu klein iſt— ſo haben wir doch auch vom kuͤnſtleriſchen Standpunkt ganz d Das eigenſinnig Trotzige, das die Dichtung an beachtenswerte Leiſtungen vor uns. In ſtoff⸗ ⏑ licher wie kuͤnſtleriſcher Hinſicht hat Sophie Rein— hard auf ihren unmittelbaren Nachfolger Julius Nisle ſtark eingewirkt. Bevor wir uns dieſem Illuſtrator zuwenden, ſei einiges uͤber die Ent— wicklung der Umrißzeichnung eingefuͤgt, da dies zur richtigen Wuͤrdigung ſeiner Jeichnungen wohl noͤtig iſt. 2. Julius Nisle, der Umrißzeichner. Wie ſchon bei der Betrachtung der portraͤts hervorgehoben wurde, ſteht die erſte Epoche der Runſt des 19. des Rlaſſizismus und des aus ihm hervorgegan— — fahrhunderts unter dem Banne genen Idealismus, es herrſcht auf dem Gebiet der MWalerei unangefochten Cornelius und ſeine Abb. 9. Julius Nisle: V. Blatt zum„Karfunkel“. Schule. Auch die Feichenkunſt iſt mit geringen Ausnahmen ganz in den Feſſeln der klaſſtziſtiſchen Schule und der traditionellen Form. Mit Recht ſagt Muthers):„Man durfte ebenſo wenig zeichnen, wie man wollte, als man etwa malen durfte, wie man es ſah“. Alles, was in dieſen Jahren entſtand, ſteht heute ſchwach und ſtumpf aus, gezwungen in der Rompofſition, dilettantiſch in den Feichnungen. Beſonders beliebt waren die ſogenannten Umrißzeichnungen. In dem WMaße, als man die Farbe vernachlaͤſſigte, wurde in der Linie das Ideal geſehen. 1795 hatte Carſtens; der beruͤhmte„Skizzierer“, ſeine Umrißzeichnun— gen ausgeſtellt, die antike Stoffe, meiſt aus Ho— mer, behandelten. Die Vorliebe hierfuͤr iſt be— ſonders durch Tiſchbein hervorgerufen worden, Dileffenbacher, Sebel⸗Illuſtratoren. der im Anſchluß an antike Vaſen derartige Um— riß zeichnungen gemacht hat. Außer ihm trat dann beſonders Friedrich Rehberg in Rom mit ſolchen Zeichnungen hervor. Dieſer ſchrieb auch ein Lehrbuch uͤber„Ausdrucksformen“ und legte die Prin zipien feſt, die man bei ſolchen Umrißzeichnungen zu beachten haͤtte. Angeregt durch deſſen Stiche zeigte ſich dann die beruͤhmte Schauſpielerin Haͤndel-Schͤͤtz auf der Buͤhne in den ſogenannten„Attituͤden“, in wortloſen Stellungen nach beruͤhmten Runſtwerken. Wir wiſſen, wie entzuͤckt Hebel anlaͤßlich ihres Gaſt— ſpiels im Oktober 1808 von der wunderſchoͤnen Frau war.„Ihr Umgang“, ſagte er,„iſt eine immer waͤhrende Sitzung der Akademie der Ruͤnſte, Abb. J10. Julius Nisle: VI. Blatt zum„Karfunkel“. der goldenen Lebens weisheit und des Frohſinns“. Von einer guten Umrißzeichnung wird verlangt, daß auf alles Nebenſaͤchliche, beſonders auf eine feinere Durchfuͤhrung des Muskelſpiels Verzicht geleiſtet werde. Die Feichnung muß plaſtiſch empfunden werden. Alle Linien ſind ſo zu ge— ſtalten, daß ſie ſich ein zeln nicht uͤberſchneiden, daß ſie alſo einen in ſich geſchloſſenen Umriß bilden. Unmittelbar ins moderne Leben griff Bona ventura Genelli 0798 1868) mit ſeinem„Leben einer Hexe“ und„Leben eines Wuͤſtlings“. Seine Schoͤpfungen heben ſich ſchon ſtoff lich vorteilhaft von den ůͤbrigen Werken dieſer Art ab, aber auch kuͤnſtleriſch, da er viel mehr auf die wirkliche Wiedergabe des betreffenden Gegenſtandes Wert legt, als ſich durch die ſchoͤne 8 W —— 55 * * 11 5 7 —4 f 5 5 — * Ai⸗ Abb. JJ. Julius Nisle: VII. Blatt zum„Karfunkel“ Form beeinfluſſen zu laſſen; aber auch er kommt noch nicht zur raͤumlichen Entwicklung und bleibt un Plaſtiſchen ſtecken— Allmaͤhlich ging Schraffierungen Schattenwirkungen rufen. Auf dieſer Stufe ſteht der 1812 in Stutt— gart geborene Feichner und Waler Julius Nisle, durch her vorzu— man dazu üͤͤber, deſſen Umrißzeichnungen zu Goethes, Schillers und Uhlands werken ſich großer Verbreitung erfreuten.„Die dreißig Umriſſe zu J. p. Hebels allemanniſchen Sedichten“ ſind in dem gleichen Verlag bei Becher und Muͤller in Stuttgart erſchienen wie ſeine andern Werke und haben mehrere Auflagen erlebt. Steht er auch formal auf dem Boden des Blaſſt— zismus, ſo betritt er inhaltlich das durch Sophie Reinhard eroberte Neuland. Fuͤr den Feitgeiſt der erſten Haͤlfte des 19. Jahr⸗ hunderts iſt die Auswahl der Gedichte, die er ſich zu ſeinen Illuſtrationen gewaͤhlt hat, aͤußerſt charakteriſtiſch: die romantiſchen Stoffe uͤberwiegen. Acht Blaͤtter ſind dem Gedichte„Der Karfunkel“, ſechs dem von Raͤuberromantik erfuͤlten„Statthalter von Schopfheim“ gewidmet. Je ein Blatt behandelt„Das Geſpenſt an der Kanderer Straße“, den „Rnaben im Erdbeerſchlag“, den„Geiſter— beſuch auf dem Feldberg“. Aus dem Ge— dichte„Riedligers Tochter“ waͤhlt er die Szene, wo das junge Waͤdchen im Feenreich iſt und ſich mit gluͤcklicher Hand aus all den eeeeeeeme ——— 10 angebotenen Schaͤtzen das Spinnrad ausſucht; in zwei Blaͤttern iſt die romantiſch gefaͤrbte Er— zaͤhlung vom„Bettler“ wiedergegeben. Von den dreißig Feichnungen behandeln alſo nur acht nicht— romantiſche Motive. Die Einfuͤhrungszeichnung zu den Illuſtra— tionen des wirkungsvollen Nachtſtuͤckes„Kar— funkel“ ſchildert im engen Anſchluß an das Ge— dicht den Augenblick, wo in der Spinnſtube ſich alles bereit macht, den Worten des erzaͤhlenden Vaters zu lauſchen; der hat ſein Pfeiflein ge— ſtopft und will eben zu erzaͤhlen anfangen. Oben auf dem Ofen liegt der„Fansjerg und lueget aben und denkt: Do obe hoͤr i's am beſte und bi niemes im Weg.“ Entſprechend den herrſchen— den Anſchauungen fuͤr die Rompoſition wird die Geſtalt des Vaters in den Mittelpunkt geruͤckt, dadurch erhaͤlt das ſonſt lebhaft empfundene Bild et was KXaltes. Anſpielungen auf den Inhalt des Gedichtes; ſo rechts unten die verhaͤngnisvollen Karten, der wuͤrfelbecher und das Weſſer, mit dem michel ſeine Frau erſtach. Oben grinſt in ganz gluͤck— licher Haltung der„Vitzli-butzli“ ſelbſt in den In der Umrahmung finden ſich Fuſchauerkreis herab. Der Engel ihm gegenüuͤber iſt wenig gegluüͤckt. Von den Karfunkel-Umriſſen geben wir noch das fuͤnfte, ſechſte und ſtebente Blatt. Unverkennbar ſteigert ſich der Kuͤnſtler in der Behandlung ſeines Themas. Das fuͤnfte Abb. 12. Julius Nisle: II. Blatt zum„Statthalter von Schopf heim““. Blatt, das die Ermordung des armen Raͤtterli durch ihren Mann darſtellt, bringt freilich die Tragik des Vorganges, wie ſie das Gedicht zu ſchildern wußte, nicht voͤllig zum Ausdruck; man hat nicht die Empfindung, daß Michel ſein Weib in der Wut erſchlagen hat. Auch iſt die Dar— ſtellung des Raumes, mit den recht unbaͤuerlichen rieſigen Vorhaͤngen, durchaus verfehlt. Die idea— liſtiſche Runſttheorie mit ihrer Vorliebe fuͤr ſchoͤne Formen zeigt ſich in aufdringlicher Weiſe. Wie maleriſch, wie ſchoͤn und doch, wie geziert, wie unnatürlich liegt das Xaͤtterli am Boden! Vedeutend beſſer iſt das naͤchſte Blatt: Michel fluͤchtet ſich, von dem Gruͤnrock gerettet, uͤber den Rhein. Der verzweifelte Geſichtsausdruck des ee Abb. 13. Julius Nisle: III. Blatt zum„Statthalter von Schopfheim“. Unglucklichen und ſeine ganze Haltung ſtehen in wirkungsvollem Gegenſatz zu dem triumphieren— den Gebaren des angeblichen Retters. Auch die Landſchaft mit dem verwetterten, blaͤtterloſen Baum paßt gut zur Grundſtimmung. Schade, daß der Kahn parallel mit dem Bildfelde ſteht! Am beſten gelungen erſcheint mir das ſiebente Blatt, wo Wichel zum letzten Male im Wirts— haus mit dem Boͤſen beim Spiel zuſammen— ſitzt. Das Bild atmet etwas vom SGeiſte nieder— laͤndiſcher Genremalerei; die Haltung der ein— zelnen Geſtalten iſt hier ſehr natuͤrlich, auch die wirtsſtube iſt gut geſchildert. Das Bild zeigt ſowohl in der Behandlung der Geſtalten als auch im Aufbau ſtarke Anlehnung an die oben 23220 I e e e ee ee e e ee e e e eeee. 11 S. 7 abgebildete wirtshausſzene von Sophie Reinhard. Von den Feichnungen zum„Statthalter von Schopfheim“ bringen wir das zweite und dritte Blatt. Die Raͤuberromantik, die einſt Geſtalten wie Karl Moor und Robin Hood ſchuf und aus der auch dieſes Gedicht emporſproß, durchzieht auch die bildliche Wiedergabe. Die mittlere Gruppe mutet am meiſten an; die Geſtalten im Vorder— grund links machen einen recht theatraliſchen Eindruck. Das naͤchſte Blatt zeigt die Szene, wo der rohe Statthalter mit dem„Fareſchwanz“ die drei Abgeſandten des Kaͤuberhauptmanns forttreibt. Die Feichnung grenzt dadurch, daß der wutſchnaubende Statthalter den anderen gegen— Abb. 14. Julius Nisle:„Der Bettler“. uͤber viel groͤßer dargeſtellt iſt, ſtark an eine Karikatur. Im SHintergrund ſieht man die RKnechte mit dem ungluͤcklichen Vreneli reden. Den Übergang vom romantiſchen zum rein genrehaften Stoff bilden gewiſſermaßen die beiden Blaͤtter zum Gedicht„Der Bettler“, in dem Hebel der Lebensſchickſale ſeines Vaters gedenkt; hier iſt das laͤndliche Kolorit ſchon beſſer getroffen, auch die Haltung des bangenden Maͤdchens iſt gluͤcklich erfaßt. Leiſe ſtuͤtzt ſie die Hand auf den pfoſten, um ſich zu halten; gerade hat der Bettler geſagt: „Was luegſch mi ſo biwegli a? Heſch öoͤbben auſe Schatz im zelt, mit Schwert und Roß im wite Feld?“ Ii eeeeeeeeee V 8 4 4 1 4 4 3 EA 4 Q⏑⏑⏑⏑⏑. ¹˖ +4++. Am freieſten in der Rompoſttion und am wahrſten in der Wiedergabe des gewaͤhlten Themas erſcheinen mir die Xegelſpieler, das zweite Bild zu dem SGedicht„Die Feldhüuͤter“. Unter der Linde ſitzt das Vreneli und ſchaut dem Fritz zu. Gerade ruft er ihr etwas zu, und Heiner ſteht dabei, im Begriff, im naͤchſten Augen— blick die Augel zu werfen. Iſt die Zaltung des Fritz auch etwas theatraliſch, ſo iſt die des andern durchaus natuͤrlich. Mit dieſer Feichnung iſt bereits der Schritt zum eigentlichen Bauerngenre vollzogen, das Bild ſpricht fuͤr ſich ſelbſt, iſt nicht nur Illuſtration Abb. J5. Julius WNisle: II. Blatt zu den„Feldbüuͤtern“. III. Von der Romantik zur deutſchen Volkskunſt. J. Der erſte Maler unter den Pebel⸗ Illuſtratoren, Johann Baptiſt KRirner (J806¹866. Das groͤßte Verdienſt, das die Romantik auf literariſchem Gebiet auf zuweiſen hat, beſteht in ihrem Verſtoͤndnis fuͤr das Volkstͤͤmliche. Die Romantik hat das deutſche Gewiſſen im nationalen, volkstůmlichen Sinne geſchaͤrft. wie ſie die Liebe zu den alten deutſchen MNaͤrchen und Sagen ge⸗ weckt hat, ſo hat ſie auch die Augen geoͤffnet fuͤr die Schoͤnheit der deutſchen Heimat, fuͤr den Fauber des deutſchen Waldes und fuͤr die Echt— heit und Rernhaftigkeit des deutſchen Volkes. Eine natůrliche Weiterentwickelung dieſer von der 8³ ieee e i ee e ee ee Romantik ausgehenden Ideen iſt auf dem Ge— biete der Malerei die„Volkskunſt“, die das Volk für das Volk darſtellen will. Echte Kraft des Wollens wie des Empfindens glaubt man nur in dem Volksteil zu finden, der fern von allem Ron ventionellen lebt, vor allem bei den Bauern. Und die Ruͤnſtler fuͤhlten ſich wie in einen Jung— brunnen verſetzt, wenn ſie die Bauern bei ihrer Arbeit, bei ihren Feſten, bei ihren Leiden und Freuden belanſchen durften. Von den 20er Jahren Abb. 16. Johann Baptiſt Kirner. Portraͤtkopf aus Duͤrr's„Kuͤnſtler in einer Karlsruher Ausſtellung“(1882). Beſitzer C. Ruf, Freiburg. ab wird dieſes Gefuͤhl immer ſtaͤrker. Der eng⸗ liſche Anaus Da vid wilkie machte 1825 durch Deutſchland ſeine beruͤhmte Runſtreiſe, und allent— halben bewunderte man ſeine Werke wie„Der Dorfpolitiker“,„Das Dorffeſt“,„Der Zinstag“. 1839 erſchienen Schnaaſes„wiederlaͤndiſche Briefe“, in denen auf die Niederlaͤnder Genre— maler hingewieſen war, an die ſich die moderne Malerei anſchließen muͤſſe. Ungefaͤhr um dieſe Feit trat der Furtwangner Bauernſohn Johann Baptiſt Kirner, der ein gluͤhender Verehrer Sebels war, mit ſeinen Sebelbildern hervor. Die erſte Genremalerei— und das haben wir auch ſchon bei den Feichnungen Visles be— obachtet— hat einen ſtarken Fug nach dem No— velliſtiſchen, dem Anekdotenhaften. Gerade die Anlehnung an die Literatur hat hier unguͤnſtig auf die Entwickelung eingewirkt, und bis in unſere Tage haftet dem Senre dieſer Hang zum Illu— Auch bei dem engliſchen Vorbilde war dieſes ſtark hervorgetreten; Wilkies beruͤhmte „Teſtamentseroͤffnung“ gab ausfüuhrliche Erzaͤh— ſtrativen an. lungen der Lebensgeſchichte jeder einzelnen der vielen auf dem Bilde vereinigten Perſonen. Und darin ſah man einſt eine große Tat! Auch Kirners Schaffen be⸗ wegt ſich in der Rich⸗ tung, auch er iſt gleichen „Anekdoten— mglers: Ri chard ſagt mit Recht Wuther von den aͤlteren Genremalern: „Sie brauchten eine Unterſchrift und wendeten ſich an ein Pu— blikum, das erſt leſen will und ſehen.“ Das gilt auch dann von Rirners Hebelbild, das ſich in der Fuͤrſt— lich Fuͤrſtenber⸗ giſchen Galerie zu Donaueſchin— gen befindet). Abb. 17. Das 20 em hohe und Joembreite, auf Linden holz Bild⸗ chen iſt voͤllig doch nur zu verſtehen, wenn man den Katalog in der Hand hat und darin genau die Legende nachlieſt. Dargeſtellt iſt dieſelbe Szene, die auch Nisle behandelt hat. Aber welch einen gewaltigen Fortſchritt zeigt dieſes intereſſante Bildchen der Auffaſſung des Feichners gegenuͤber! Ganz vorzuͤglich iſt die niederlaͤndiſch anmutende Lichtwirkung des Bildes; auch Uhlis Vopf er— innert etwas an niederlaͤndiſche Typen. Recht lebenswahr ſind die beiden bittenden Burſchen gemalte Johann Baptiſt Kirner: Schopf heim“. Die Burſchen, welche Fridli abgeſendet, kommen zum Uhli, der gemetzget hat, um ſich Speck und Wuͤrſte fuͤr ihre Senoſſen zu erbitten, und werden mit harten Worten abgefertigt Nach dem ölgemaͤlde in der Fuͤrſtl. Fuͤrſtenberg. Gemaͤldeſammlung zu Donaueſchingen 8 ND 13 Epiſode aus Hebels„Statthalter von fein in ihren ʒerriſſenen Gewaͤndern; beſonders gluͤck— lich der juͤngſte mit ſeinen gefalteten Saͤndchen. Leider laͤßt ſich das Bild nicht genau datieren; wahrſcheinlich ruͤhrt es aus ſeinem erſten Muͤn— Niederlaͤnder Gelegenheit Die Donau— eſchinger Galerie beſitzt noch zwei andere Rir— Charakteriſtik Kuͤnſtlers ab— bilden. Der Holzhauer hat chener Aufenthalt her, wo er die zu Tſtudieren hatte. ner, die wir hier zur unſeres ſich am Finger ver wundet und laͤßt ſich von einem jungen Maͤdchen ein Heilpflaſter richten. Der derbe Geſelle kann kaum ſei— nen Schmerz verbeißen; mit innigem Mit— gefuͤhl, aber mit Wuͤhe den Ab— ſcheu vor dem Blute uͤberwin⸗ dend, beeilt ſich das liebliche Maͤdchen, ihm Lin derung zu bereiten. Dieſes durchge⸗ fuͤhrte Werk rührt aus der ſpaͤteren Schaf⸗ fenszeit des Ruͤnſtlers her; es iſt 1852 entſtanden und war vom Ruͤnſtler dem Donaueſchinger Arzt Emil Rehmann zum Danke fuͤr aͤrztliche Behandlung geſchenkt worden. Von beſonderem Reize, ſowohl was Kompoßtion als auch Durchfͤhrung angeht, iſt die 19,5 oem hohe und 26 em breite Stkizze „Abendgebet in der Familienſtube“, die uns wegen der impreſſtoniſtiſchen Wirkung ganz modern an— mutet 10). Kirner iſt ein echtes Schwarzwaͤlderkind, er bringt dem Seelenleben des Schwarzwaͤlders Abe is. J8h. Baßt, Kiener: Der verwundete Holzhauer. Olgemaͤlde in der Fuͤrſtl. Fuͤrſtenb. Gemaͤldeſammlung zu Donaueſchingen. ein tiefes Verſtaͤndnis entgegen. Am 25. Juni 1806 iſt er ʒu Furtwangen geboren, in dem Hauptſitz der Schwarzwaͤlder Uhren- und Spieldoſeninduſtrie. Das kunſtgewerbliche Treiben ſeiner abgelegenen Heimat hat einen gewaltigen Eindruck auf den empfaͤnglichen Anaben gemacht. Er trug ſich mit dem Sedanken, ſelbſt„Schildmaler“ zu werden; und es wird berichtet, daß der Knabe„bald die darauf angebrachten Blumen, Voͤgel, Kirchen mit uͤberraſchender Fertigkeit und vielem Geſchick nach— gebildet habe“. Meiſter Thoma, der auch zu den Hebel-Illuſtratoren zu rechnen iſt, hat ſich in ſeinen„Erinnerungen“ über die Be— deutung dieſer Schildmaler, denen er ja ſelbſt eine Feitlang angehoͤrte, ausgeſprochen; er ſagt:„Dieſe Uhrenſchilder und bemalten Tafeln, ſie moͤgen ſo ſchlecht geweſen ſein, wie ſie wollen, es war immerhin Runſtuͤbung und Handarbeit und hat den Fuſammien— hang mit der Vunſttaͤtigkeit im Volke wach— gehalten, den die fabrikmaͤßig hergeſtellten Farbendrucke niemals erſetzen koͤnnen.“ Als der kleine Kirner 14 Jahre alt war, wurde er nach Freiburg zu einem RAutſchenmaler und Lackierer in die Lehre geſchickt; bald darauf iſt er bei einem De— korationsmaler in Villingen. 1822 finden wir ihn auf der Augsburger Runſtſchule, WPD wo er Clemens zimmermanns Schuͤler wird. Dann ſiedelt er nach Muͤnchen uͤber. Er erhaͤlt auf drei Jahre ein Staatsſtipen— dium von je 300 fl. Anfangs will er ſich der Hiſtorienmalerei widmen, findet aber bald, daß ihm dieſer Runſtzweig nicht liegt. Schon hat ler waͤhrend ſeiner Ferienzeit Studien in ſeiner Heimat gemacht; und immermehr fuͤhlt er ſich zu dem kernigen Schwarzwaͤlder— volk hingezogen. Die erſte groͤßere Schöpfung auf dem volkstuͤmlichen Gebiet war ein werk, das eine Epiſode aus Hebels Gedicht„Der Nach der Allgem. deutſchen Biographie ſoll ſich dieſes Bild in Rarfunkel“ behandelt. der Freiherrl. Lotzbeck'ſchen Galerie in Weyhern befinden. Aber das Bild iſt verſchollen; und ich konnte keine Nachricht uͤber den Verbleib desſelben erhalten. Der A dminiſtrator der Lotzbeck'ſchen Galerie, die ſich jetzt in Muͤnchen(Karolinenplatz 3) befindet, Herr Schreiber, teilte mir mit, daß ein ſolches Bild ſich nicht mehr unter ſeinen Beſtaͤnden finde; unter ſeiner perſoͤnlichen Leitung ſei die Galerie von Weyhern nach Wuͤnchen gebracht worden. An einen Irrtum Eiſenharts, des Verfaſſers des Artikels uͤber Kirner, iſt natuͤrlich nicht zu denken. Vielleicht tragen dieſe Feilen dazu beiz etwas uͤber den Verbleib des Bildes zu erfahren. Auch uͤber ein anderes Bild Rirners, das in dieſer Abb. 19. Joh. Bapt. Kirner: Abendgebet in der Familienſtube. Skizze. Suͤrſtl. Fuͤrſtenbergiſche Cemaͤldeſammlung zu Donaueſchingen. Srereee Zeit entſtanden iſt und ſich an ein anderes Sebel— ſches Gedicht„Der Schmelzofen“ anſchließt, konnte ich keine Auskunft erhalten. Es iſt vom MNünchener Kunſtverein angekauft worden und iſt gleichfalls verſchollen. Wenn Wuther ſagt, daß ſich um die Hebung der Genre-bzw. Bauernmalerei beſonders der„Münchener RKunſtverein“ und der füddeutſche Adel verdient gemacht habe, ſo findet dies auch in NNNN er zoͤhlt ſeinen Landsleuten von der Pariſer Juli— revolution“. Er erhaͤlt ein Staatsſtipendium nach Italien; in Rom teilt er mit ſeinem beruͤhmten Landsmann, dem aus dem Albtal in der Naͤhe von St. Blaſien geböuͤrtigen Portraͤtiſten Winter— 1843 ſiedelt er nach Karls— ruhe ůͤber, nachdem er vorher wegen ſeines großen halter das Atelier. Genrebildes„Die Hauenſteiner, welche den Preis vom bad. land wirtſchaftl. Feſt heimgebracht“, zum Abb. 20. bezug auf Xirner ſeine volle Beſtaͤtigung. Sind es doch gerade außer dem Muͤnchener Runſtverein ʒwei ſůddeutſche Adelsgeſchlechter, die Lotz beck und Fürſtenberg, die wir als die erſten Foͤrderer Kirners zu verzeichnen haben. Rirners weiteres kuͤnſtleriſches Schaffen ſteht nun mit Hebel ſelbſt nicht mehr im Fuſammenhang; die Sebelbilder bilden gewiſſermaßen nur die Bruͤcke zu ſeiner Genremalerei. Den erſten großen Wurf macht er mit ſeinem in der Karlsruher Galerie befindlichen Gemaͤlde„Ein Schweizer Gardiſt Johann Bapftiſt Kirner: Die Kartenſchlaägerin. München. Hofmaler ernannt worden war. Aber nur zwer Jahre bleibt er in der badiſchen Hauptſtadt, er Sein beſtes Genrebild iſt die in der neuen Pinakothek befind— laͤßt ſich dann in Muͤnchen nieder. liche„Kartenſchlaͤgerin“, von der wir zur Charak— teriſterung des Ruͤnſtlers eine Abbildung als ein gutes Beiſpiel des ſogenannten„Anekdoten bildes“ dem Aufſatze beifuͤgen. Der kleine ſchlichte, wenig plaudernde Mann war ein ausgezeichneter Beobachter der Natur und hatte ein feines Ver— ſtaͤndnis fuͤr die Farbe. Man wird es immer —— FPFP——— R+ν4 Illuſtrationen beſchaͤftigen wuͤrden, beſon—⸗ ders in der Schweiz brachte man ja den weſens- und ſprachverwandten Dichtungen von Anfang an das groͤßte Intereſſe ent— gegen. 1849 gab die Steiner'ſche Buch— handlung zu Winterthur zwoͤlf aleman— niſche Gedichte von Hebel 12) heraus. Die Ausgabe beſorgte Rarl Ludwig Schuſter, er wollte„Allemanniens unſterblichem Saͤn⸗ ger eine ſeinen Volksdichtungen wuͤrdige Ausgabe“ verſchaffen. Dazu ſollte eine Iluſtration kommen,„welche mit kuͤnſt— leriſchem Werte den ebenſo hohen Wert lokaler und volkstüͤmlicher Wahrheit ver— baͤnde“. In dem damals in Muͤnchen leben— den Hans Sigmund Bendel fand ſich der geſuchte Illuſtrator. Ein Winterthurer Kunſtfreund J. M Fiegler ſtellte die noͤtigen Abb. 21J. Johann Baptiſt Kirner: Die Hauenſteiner. Nach einer Bleiſtiſtſkizze in dem Großh Kupferſtichkab'nett zu Karlsruhe. den Bauernmalern hoch anrechnen, daß ſie es waren 8 55 6 8 Mittel zur Verfuͤgung und ermoͤglichte dem Ruͤnſt— die zuerſt wieder das Verſtaͤndnis für die Farbe 2 1 f 8 ler, eingehende Studien zu ſeinen Bildern zu machen. geweckt haben, der man unter Cornelius' und Raul— bachs Einfluß als einem Nebenſaͤchlichen gefliſſentlich aus dem Wege gegangen war. In den Bildern liebt Auch Hebels damals hochbetagter Freund Kirchen— rat Hitzig in Loͤrrach, der 1849 ſtarb, foͤrderte er einen dunklen, braunen Ton. wie bei den aͤlteren Meiſtern triit auch bei ihm die Vorliebe hervor, moͤg— lichſt glatt zu malen. Woltmann Ii) ſagt:„In der Ausfuüͤhrung haben ſeine Arbeiten eine Glaͤtte, die ermüͤdet und die manche huͤbſche Motive um ihre Wirkung bringt.“ Rirner war ein ausgezeichneter Feichner, am unmittelbarſten gab er ſich in ſeinen Skizzen. Das Großh. Rupferſtichkabinett beſitzt als ein Vermaͤchtnis des Kuͤnſtlers vier Wappen ſeiner Feich— nungen, Studien ꝛc. Wir geben von dieſen eine aͤußerſt wohlgelungene Skizze„Die Sauenſteiner“, die ver— anſchaulichen kann, wie genau Xirner die Wirklichkeit zu beobachten wußte. Unſer Meiſter iſt in ſeinem Geburtsort am 14. November 1866 geſtorben. Dort lebte eine verheiratete Schweſter, bei der er ſeinen Lebensabend verbringen wollte.„Nun ruht er“, ſagt Eiſenhart,„in der Mitte derer, fur die ſein Herz ſo warm geſchlagen und die ſein pinſel ſo meiſterhaft verewigt hat.“ 2. Der oberalemanniſche Lithograph Sans Sigmund Bendel(1814- J8 53). Es war zu erwarten, daß ſich auch außerhalb 8 Abb. 22. Hans Sigmund Bendel: Hebelportraͤt. der en geren badiſchen Veimat Ruͤnſtler mit Bebel⸗ Lithographie aus„J2 allem. Sedichte“. Winterthur 1839. 8 233 83 FPFPPPRPPRRR Er S απ˙- · noch kurz vor Tode das Werkchen. Schuſter ſelbſt charakteriſtert Bendels ſeinem eigenartige Schoͤpfungen als„Erguß eines in Hebels Geiſte ſich erfreuenden Gemuͤts, als Spiegelbild aleman— niſcher Natur und Sitte, als ein Verſuch, den herrlichen Dichter dem Auge und dem Serzen womoͤglich noch unvergeßlicher ʒu machen“. Als das ſchlichte Werkchen entſtand, tobte in Baden gerade die Revolution. Wit einem warmen Be— Abb. 23. Hans Sigmund Bendel: Lithographie aus „J2 allemann. Gedichte“. Winterthur 1849. gleit wort ſandte Schuſter ſeine Hebelausgabe in die Welt. blicke, wo die Fluren um Hebels Grabſtaͤtte unter „So übergebe ich in einem Augen— dem Schrecken des Buͤrgerkrieges erzittern und verheert werden, dieſe Blaͤtter der Sffentlich— keit. Koͤnnte ich ſie als einen Olzweig in meine erſte Seimat hinuͤberreichen, und damit den Seiſt deſſen hervorrufen, der ein Apoſtel des Frie— dens, edler Freude, hochherziger Frei— heit war, daß er noch einmal uͤber ſeine Berge Die ffenbacher, Sebel⸗Illuſtratoren N 2XB ee e e e e eeee eee und Taͤler wandelte und ſie die Stunden wieder— ſaͤhen, die ihnen unvergeßlich + Feit! Gott erhalte und ſegne die Heimat ſind aus ſeiner Johann peter Sebels!“ So warm empfun— den wie das Geleitwort Schuſters ſind auch die F5eichnungen Bendels. Was der„Adjunkt“ Koölle, der Schwiegerſohn der Haͤndel, einmal Es mußte von Hebels Freunden geſagt hat:„E wenigſtens ein bischen Bodenerde an dem Menſchen haͤngen geblieben ſein, der ihn anmuten ſollte“, das gilt auch von den Ruͤnſtlern, die ihm illuſtrativ nahetreten wollten. In der Tat iſt Bendel derjenige von den aͤlteren Hebel-Illuſtratoren, der 5 Ir V *⁰Æ NN ll ——— Abb. 24. Cudwig Richter: Die wieſe“. Nach der Originalausgabe von 1851 im Beſitze von Prot. Dr. Sutter in Freiburg i. B. ʒuerſt das ſpezifiſch Alemanniſche am beſten erfaßt hat. Der leider mit 39 Jahren verſtorbene, wenig bekannt gewordene Ruͤnſtler ſtammt aus Schaff— hauſen, wo er am J18. Oktober 1814 geboren iſt!s). Unter Kaulbach widmete er ſich in Munchen der Biſtorienmalerei, trat dann aber mit Rartons zu Stoffen aus der Sage und Geſchichte ſeiner Heimat hervor. Sein Hauptwerk iſt ein Zyklus aus der ſchweizeriſchen Geſchichte in der Villa Charlottenfels in Schaffhauſen, der kurz vor ſeinem frühen Tode(am 28. November 1853) entſtanden iſt; die Kartons befinden ſich zum Teil im Wuſeum zu Solothurn. Außer Sebels **** Gedichten hat er noch Peſtalozzis„CLienhard und Gertrud“ illuſtriert; auch dieſe Feichnungen zeich⸗ nen ſich durch gemuͤtstiefe Auffaſſung aus. Im ganzen hat Bendel acht Lithographien geliefert. Das Hebelportraͤt ſtellt uns den Dichter auf einer Gartenbank ſitzend dar— der Ropf iſt gut ge— troffen. Im Hintergrund ſieht man die Hebels— höͤhe ůͤber dem Wieſental bei Schopfheim. In den Kandbildern ſind wenig verbuͤrgte Epiſoden aus Hebels Jugend dargeſtellt. Rechts zeichnet der mutwillige Anabe ſeinen Lehrer an die Tuͤr, links ſteht der Kleine auf dem„Laͤublein“ des vaͤterlichen Sauſes und haͤlt ſeinen Jugendgenoſſen Abb. 25. Hans Sigmund Bendel: Szene aus„Die wieſe“. Lithographie aus„12 allem. Gedichte“. Winterthur 1848. eine Predigt wie einſt Schiller ſeiner Schweſter. Recht ſchöͤne Leiſtungen vom kuͤnſtleriſchen Stand⸗ punkt ſind die beiden Feichnungen zu Hebels ſchoͤn— ſtem Gedicht„Die Wieſe“. Dieſe Feichnungen haben ſehr ſtark auf Lud wig Richter eingewirkt, wie ſich dies aus der Gegenuͤberſtellung leicht erſehen laͤßt. Bei Beſprechung dieſes Ruͤnſtlers wollen wir hierauf naͤher eingehen. Jene wunder— bare Perſonifikation der Wieſe, die in ſo ergrei— fender Naturwahrheit und Anſchaulichkeit durch— gefuͤhrt iſt, mußte geradezu zu bildlicher Dar— ſtellung auffordern, und wir wundern uns, daß erſt ſo ſpaͤt dieſes Thema aufgegriffen wurde; aber von dem Ruͤnſtler war ein Vertrautſein mit ii e e e e e e e e eee 18 der alemanniſchen Heimat vorauszuſetzen, ſollte er nicht in unverſtandene Allegorien verfallen. Das erſte Bild gibt oben einen Blick auf den Feldberg und die Kapelle zu Schoͤnenbuchen. Auf dem unteren Bildchen ſehen wir die kleine Wieſe„mit ſtillem Tritt us ſim chriſtalene Stuͤbli barfiß“ herauskommen und mit ſtillem Laͤcheln zum Himmel hinauflugen. Und ſte tritt in die Kapelle und„hoͤrt e heiligi Meß a. Guet er— zogen iſch's, und anderſt cha me nit ſage.“ Alter wird ſie, aus dem Meiddeli iſt's Meidli geworden. Der Toneli und Sepli lugen erſtaunt von dem Felſen herab, als ſtie es„mit vertieftem Blick Abb. 26. Ludwig Richter:„Die wieſe“. nieder an d' Stroß“ ſitzen ſehen beim„ſteinene Chrutzli“. Das ʒweite Bild ſtellt denſelben Augen— blick dar, den Agricola zu ſeinem bekannten Bilde„Hebel und Bauſtlicher“ gewaͤhlt hat. Die Tracht und Haltung des Bauern iſt eine vortreffliche Leiſtung; die Wieſe iſt in ihrer Ver—⸗ ſchoͤmung etwas geziert. Die Illuſtrationen zum Gedicht„Riedligers Tochter“ zeichnen ſich durch große Lebenswahrheit aus. In dem Ge— dicht hat Hebel ſeine eigenen Vorfahren beſungen; von dem Simmefritz und Eva Kiedlinger ſtammt Hebels Mutter Urſula&rtlin ab. Vom Gottesdienſt kehrt das Eveli nach Hauſe, voll Freude zu dem Geſchenk der Patin, zum Spinn— rad, das ihr ſo viel Gluͤck gebracht hat. Links unten ſehen wir, wie der Simmefritz ſeiner Mutter wie Hermann in Goethes„HSermann und Dorothea“ erklaͤrt, er werde zu den Wer— bern gehen, wenn er's Eveli nicht bekommt Der Rünſtler iſt bemüht, durch liebevoll behan— deltes Detail das Heimatliche zu charakteriſteren über der hinter dem Ofen ſitzenden Mutter haͤngt 3. B. ein Feſtkranz von der letzten Ernte her; er iſt mit Ahren und Baͤndern geſchmuͤckt, die einen Spruch einfaſſen. Die Tracht ſoll die Sauberkeit und Wohlhabenheit verkoͤrpern, als Illuſtration zu den Worten: wer het im ganze Dorf die ſuuferſte Chleider Sunntig und werchtig treit, die reinlichſten Armel am Hemd gha und die ſüüferſte Struͤmpf und allewiil freudigi Sinne? Schade, daß dem Vuͤnſtler kein laͤngeres Leben beſchieden war, manch ſchöͤnes Werk waͤre von ſeiner Hand zu erwarten geweſen! z3. Der Malerpoet Ludwig Kichter (1803—1884). zZwei Jahre nach der Veroͤffentlichung der Bendel'ſchen Lithographien erſchienen im Verlag von Georg wigand in Leipzig„Webels Alle— manniſche Gedichte, ins Hochdeutſche uͤbertragen von X. Reinick, mit 95 Seichnungen Lud wig KXichters“ J851). Damit wurde diejenige Aus— gabe unſeres Dichters publiziert, die von allen die gröoͤßte Verbreitung gefunden hat. Man kann mit Jean Paul der Meinung ſein,„mit der ſchwaͤbiſchen Mundart wuͤrde dieſem Muſenkind ſeine halbe KXindlichkeit und Anmut entzogen“; man kann mit Tied ge uͤbereinſtimmen, der uͤber⸗ zeugt war,„die wunderliebliche Einfalt und An— mut des Originals ſei unůͤbertragbard: man wird doch den großen wert der Reinick'ſchen Über— ſetzung anerkennen muͤſſen; denn vielen, denen das Alemanniſche immer ein Buch mit ſieben Siegeln geblieben waͤre, wurde unſer Hebel auf dieſe Weiſe nahegebracht. Nicht unweſentlich zur Beliebtheit der Überſetzung haben natuͤrlich auch die meiſterhaften Illuſtrationen Ludwig Richters beigetragen. Sie haben mit der überſetzung das gemein, daß auch ſie etwas von dem urſpruͤnglich Heimatlichen verloren, dafuͤr aber an allgemein CN deutſchem Weſen dem fruͤheren Bilderſchmuck gegenůͤber gewonnen haben. Von allen bisherigen Rünſtlern kann keiner den Anſpruch erheben, an kuͤnſtleriſcher Qualitaͤt dem Dichter⸗ ebenbůrtig geweſen zu ſein; hier fand ſich zum großen Dichter der große, gottbegnadete Malerpoet, und ein werk unſterblicher Groͤße entſtand. Aber außer der inneren Beſchaffenheit hat noch ein kußerer Umſtand die ungeahnte Verbreitung der Richter'ſchen Zeichnungen herbeigefuͤhrt. Und das Abb. 27. Hans Sigmund Bendel: Litbographie aus J2 allemann. Gedichte“. Winterthur 1849. liegt in einem techniſchen Momente. Die Růnſtler vor Richter hatten ihre Illuſtrationen entweder radiert, wie Sophie Reinhard und Nisle, litho⸗ graphiert wie Bendel oder im Olbild das Thema behandelt; mit Ludwig Richter, dem Duͤrer des 9. Jahrhunderts, tritt der erſte Meiſter auf den plan, der ſich des Bolzſchnittes bediente. Auch das iſt nicht zufaͤllig, ſondern iſt durch die Entwickelung der vervielfaͤltigenden Ruͤnſte in Deutſchland bedingt. Die Holzſchneidekunſt, die im I5. und 16. Jahrhundert ſo große Triumphe — gefeiert hatte, und von Albrecht Duͤrer auf eine bis dahin unbekannte Hoͤhe kuͤnſtleriſcher Vollen— dung gehoben worden war, war ſeit dem zoſjaͤhri— gen RKrieg nahezu in Vergeſſenheit geraten. Un— eingeſchraͤnkt herrſchte der Rupferſtich, und zu Beginn des 19. Jahrhunderts trat die Litho— graphie hinzu. Man kann ſagen, daß der künſt⸗ leriſche Solzſchnitt im J9. Jahrhundert erſt wieder neu entdeckt werden mußte, wie dies auch mit einer andern mittelalterlichen Runſt der Fall war, Die Anregung zum Holz— ſchnitt ging von England aus, wo der 1753 in London geborene Rupferſtecher Thomas Berwick mit der Glasmalerei. Abb. 28. Ludwig Richter:„Der Sommerabend“. Solzſchnitt von Richters Schwiegerſohn Gaber. als der Begruͤnder der wiedererweckten Runſt angeſehen werden kann. In London entwickelte ſich eine Holzſchneideſchule; und Georg Wigand, der Verleger der Richter'ſchen Zeichnungen, ließ von dort eine RKeihe von Holzſchneidern wie Nichols, Benworth, Allanſon u. a. nach Leipzig kommen, die fuͤr ſeinen Verlag arbeiteten 19). Der bedeutendſte der deutſchen Xylographen des wigand'ſchen Verlags war unzweifelhaft der zu Neiße 1823 geborene Auguſt Gaber, der 1851 Ludwig Richters Tochter Aimsée geheiratet hat. Die meiſten der Hebel-Illuſtrationen hat dieſer Holzſchneider geſchnitten, der nach Kichters Urteil ſeine Zeichnungen am treueſten und friſcheſten wiederzugeben wußte. Richter ſelbſt iſt auf einem WRREREEEEEE S D langen Umweg, wenn man ſo ſagen darf, auf ſein eigentliches Gebiet gekommen. Er war ſelbſt der Sohn eines Rupferſtechers, des Lehrers an der Dresdener Runſtakademie, dem er am 28. Sep⸗ tember 1803 geboren wurde, und hatte ſich von Jugend an auf dieſem Gebiet bewegt. Ja, ſein erſtes Werk, das er fuͤr ſeinen Goͤnner, den Buch⸗ haͤndler Chriſt oph Arnold mit ſeinem Vater ſchuf, waren Radierungen: An- und Ausſichten der Umgegend von Dresden(1820). Bei Philipp Veit, dem Nazarener, bei dem er in Rom wohnte, ſah er zum erſten Mal zwei Baͤnde Duͤrer'ſche Holzſchnitte, die einen unauslöoͤſchlichen Eindruck auf ihn machten. In dem fernen Rom alſo, wohin ihn die Freigebigkeit ſeines vaͤterlichen Freundes Arnold gefuͤhrt hatte; Schoͤnheit des deutſchen Holzſchnittes entgegen. Freilich vergehen noch Jahre, bis ihm Gelegenheit geboten wird, ſich in der gleichen Technik mit Duͤrer zu meſſen. Richter war nach Deutſchland geeilt; aber lange hielt ihn noch die E trat dem Rünſtler die rinnerung an Italien gefangen, nach dem er ſich immer von neuem ſehnte. Da, auf einer Wanderung nach dem nahen Boͤhmen von Meißen aus, wo er ſeit 1828 als Lehrer an der mit der Porzellanmanufaktur verbundenen Zeichenſchule angeſtellt iſt, im Elbtal, geht ihm die Schoͤnheit der heimiſchen Natur auf; und ſie hat ihn nie mehr verlaſſen. Ein geſchaͤft— licher Streit zwiſchen den beiden Buchhaͤndlern Arnold in Dresden und G. Wigand in Leipzig machte ihn mit letzterem bekannt, und wigand gibt ihm 1838 den Auftrag, zu den bei ihm ver— legten deutſchen Volksbuͤchern Feichnungen zu Holzſchnitten zu fertigen. wir ihn lange Jahre fuͤr Wigand taͤtig, in deſſen Verlag die ſchoͤnſten Werke Richters erſchienen ſind. Mittlerweile Lehrer an der Dresdener Akademie nachgefolgt.— Wie keiner ſeiner Vorlaͤufer unter den Hebel— Von nun an finden war er ſeinem Vater als Illuſtratoren war er dazu berufen, durch das Bild dem Dichter ergaͤnzend und vertiefend ʒur Seite zu treten. Er ſchrieb einmal das Ruͤnſtler— bekenntnis nieder:„Der Ruͤnſtler ſucht darzuſtellen in aller Sichtbarkeit der Menſchen Luſt und Leid und Seligkeit, der Menſchen Schwachheit und Torheit, in allem des großen Gottes Geiſt und Berrlichkeit“, Worte, die voll und ganz auch auf unſeren Hebel paſſen. Vieles hat er mit ihm gemein, die poetiſche Auffaſſung der Natur, einen un verwůͤſtlichen, koͤſtlichen Humor, die große Vor—⸗ liebe fuͤr die Tierwelt; gibt es doch faſt kein Bild, auf dem nicht ein Huͤndchen mit heiterem Treiben, ein ſchnurrendes Raͤtzchen, girrende Taͤubchen im Abendſonnenſchein auf dem Dache oder freche Sperlinge dargeſtellt waͤren— von den Rehlein im Walde ganz zu ſchweigen. Hebel und Richter fuͤhrt die Freude an der Natur zu Gott:„Die duftenden Blumen des Feldes“, ſagt einmal der Dichter,„verkünden uns deine Allmacht und Guͤte, die alle Morgen neu iſt. Dich preiſt der muntere Morgengeſang deiner Geſchoͤpfe.“ Und Ludwig Richter aͤußerte ſich aͤhnlich:„Als die beiden Pole aller geſunden Runſt kann man die irdiſche und die himmliſche Heimat bezeichnen. In die erſtere ſenkt ſie ihre wurzeln, nach der andern erhebt ſie ſich und gipfelt in derſelben.“ In den erſten Zeichnungen ſchloß ſich Kichter eng an Bendel an. Ein Vergleich der auf S. J7 nebeneinander abgebildeten Bilder zʒeigt, daß Richter bis in alle Einzelheiten ſeiner Vorlage gefolgt iſt, ſo in der Kapelle, dem Weihwaſſer—⸗ keſſel, dem Fenſter rechts, dem Baum mit dem Bildſtock links; ja ſelbſt der Felsblock an der wWurzel fehlt nicht. Die bei Bendel auf der Bank knieende Geſtalt hat Richter auf die Seite geruͤckt; ihr Ropf iſt kaum zu erkennen. Meiner Anſicht nach hat Bendel den Vorgang beſſer ge—⸗ troffen als Richter. Der Prieſter lieſt ſeine Meſſe, ohne ſich um die Anweſenheit der Kleinen zu bekümmern, und damit kommt das Heilige des Vorwurfes beſſer zum Ausdruck als bei ſeinem Nachzeichner, wo deſſen Haltung keine voͤllig klare Vorſtellung der Handlung erweckt. Wir wiſſen nicht genau, ob der Prieſter über die An—⸗ weſenheit des Meiddeli erſtaunt iſt oder ob er ſeine Amtshandlung fortſetzt. Auch das zweite Bild,„die zur Jungfrau herangewachſene Wieſe“ zeigt ſtarke Anlehnung an Bendel. Richter illu— ſtriert die Worte: „wie's ſii Choͤpfli hebt und alli Augeblick zruckſchielt. ob me's echt au bſchaut, und ͤͤb men em ordeli noluegt!“ wird auch dadurch die Haltung des Maͤd— chens etwas anders, ſo ſtimmt doch alles uͤbrige L NIN Nᷓ ENeeeeeN uͤberein, ſo die Geſte der linken Hand, die wie bei Bendel mit einem der Baͤnder ſpielt. Das andere Band flattert auch wie in der Vorlage zur Rechten; auch im Roſtüùm laͤßt ſich die Ahnlichkeit erkennen, man vergleiche die Hutform und Sutverzierung. Was in der Tracht z. B. anders erſcheint, iſt nur eine Folge der Verſchiedenartigkeit der angewand⸗ ten Technik. Der Holzſchnitt bedingt eine weniger detaillierte Ausfuͤhrung der Einzelheiten, als die Lithographie das ermoͤglicht. Auch in der Land⸗ ſchaft treten verwandte Zůge hervor; ſo fallen die Schleuſen ſofort ins Auge. Aus dem Bilde 23 Abb. 29. Ludwig Richter:„Der Wächter in der Mitternacht“. ſind Toneli und Sepli frei heruͤbergenommen.— In den ſpaͤteren Feichnungen verlieren ſich die ſtarken Anlehnungen, nur noch der„Waͤchter in der Mitternacht“ erinnert an Bendels Behand— lung des gleichen Themas. wie viel tiefer und inniger aber hat Kichter hier den Vorwurf gefaßt! Bei Bendel ſchaut der waͤchter ʒiemlich gleichguͤltig in die ſternenhelle Nacht hinaus; hier blickt er voll Wehmut in das neue Grab. Und eine perſoͤnliche Saite klingt in dem Bilde an. Auf dem Grabſtein leſen wir den Namen Marie. Hier lebt Kichter ſeinen eigenen Schmerz im Bild aus. Als er Hebels ergreifendes NR 8 4 1 7 — Gedicht geleſen hat, da mag ihn von neuem der Schmerz durchwuͤhlt haben uͤber den Verluſt ſeiner aͤlteſten Tochter Marie, die ihm wenige Jahre vorher, im April 1847, im jugendlichen Alter von I8 Jahren Gram entriſſen worden war. Der 8 uͤber den Verluſt des geliebten Kindes hatte den Vater ſo niedergeworfen, daß er mit den Worten: „Erſchuͤttert und tiefgebeugt knien die Eltern am Bett und begleiten die erloͤſte Seele unter Traͤnen mit ihren Gebeten ins Jenſeits“ ſeine Biographie ſchloß, zu deren Weiterfuüͤhrung er nicht mehr zu bewegen war. In Hebels Worten des Gedichtes mag er einen Troſt gefunden haben: Abb. 30.„Der Mann im Mond“. Ludwig Richter: „Wie iſch's ſo heimli do! Sie ſchlofe wohl, Doch wer emol ſii Bett im Chilchhof het, gottlob, er iſch zuem letztemol donieden uͤbernacht; und wenn es taget, und mer wachen ut und choͤmmen uuſe, hemmer nümme wit“, Loſet, was i euch will ſage! D' Glocke het zwoͤlfi gſchlage. Und dẽ und us der Heimet ſchimmert's ſo. und's iſch no um e chleini zit. Vom Chilchhof ſeyg's gwiß nümme wit.“ Dieſe ſchlichte Aufſchrift„Marie“ redet fuͤr denjenigen, der des Ruͤnſtlers Lebensſchickſale kennt, eine deutliche herzbewegende Sprache und erinnert ihn an das ergreifende Titelblatt zu Moritz von Schwinds H„Sieben Raben“; dort hat ſich der Kuͤnſtler in der Ecke des Blattes Sternli ſchiine no ſo froh, ſelber dargeſtellt, und in ſeinen Armen ruht, einen 2³˙νε ννιεενονννιννονσιιu‘ιονεννννοοινεεεν ννοονιιονννννινννε ννεν 22 Lilienſtengel in der Hand, ein ſchlafendes Kind— chen, es iſt ſein im zarteſten Alter verſtorbenes Toͤchterchen Louiſe. Daß Richter anfangs Bendel zu ſeinem Fuͤhrer in der Darſtellung gewaͤhlt hat, erſcheint mir durchaus natuͤrlich; auf dieſe Art machte er ſich mit dem ihm fremden alemanniſchen Weſen vertraut. Zudem mußte er das Poſitive der Bendel'ſchen Zeichnungen fuͤr authentiſche Wieder⸗ gabe der Wirklichkeit halten. Schuſter hatte in einer Anmerkung(S. 9) zu den Bildern geſchrieben:„Landſchaftlich getreu iſt im erſten Bilde die Ruppe des Feldbergs, der„Adler“, Der Herausgeber die Rapelle zu Schoͤnenbuchen, die Gegend beim Rreuze..., auf dem zweiten die Gegend der Umkleidung hinter Sauſen, der Juſammenfluß bei Guͤndenhauſen, Koͤtteln und die dem kultivierten Boden und den Rebgelaͤnden entſprechende Rand— ver zierung. Die Tracht im Hauptbilde iſt, beſonders auch im Ropfputze, gelungen.“ Immerhin bleibt die intereſſante Tatſache beſtehen, daß ſelbſt ein ſo großer, phantaſiebegabter Runſtler wie Richter die Schoͤpfungen eines anderen nachgezeichnet hat. Bendel muß für dieſe Bilder uneinge— ſchraͤnkt die Griginalitaäͤt zugeſprochen werden. Wenn man ſich durch einen Vergleich dieſes Verhaͤltnis Richters zu Bendel klarmachen will, ſo kann man vielleicht ſagen, daß er auf Bendel auf baut wie Beethoven auf Mozart und Auch hier haben wir es mit einer natuͤrlichen Weiterentwickelung zu tun. Von unůuͤbertroffener Poeſie iſt Richters Seich⸗ dieſer auf Haydn. nung zum„Sommerabend“: „O, lueg doch, wie iſch d'Sunn ſo muͤed, Lueg, wie ſie d'Heimet abezieht! O lueg. wie Strahl um Strahl verglimmt... Wie gluͤcklich ſind die einzelnen Familien— mitglieder wiedergegeben, von denen jedes in anderer Weiſe dem Vater lauſcht, in deſſen Mund die praͤchtige Schilderung des Sommerabends gelegt wird! Welch ein zufriedenes, ſtilles Gluͤck atmen hier Natur und Menſchen! Ein Bild von gleich entzuͤckender Innigkeit iſt die Zeichnung zum„Mann im Mond“. So mag Hebels Mutter, Frau Urſula, mit ihrem peterli vor dem Haͤuslein zu Sauſen geſeſſen haben und mag ihm die phantaſie angeregt und die Liebe zu Gott gelehrt haben. „Se huͤet di vor em boͤſe Ding, 's bringt numme weh und Ach! Am Sunntig rueih und bett und ſing; am Werchtig ſchaff dii Sach!“ Im Entwurf ſeiner„Antrittspredigt“ hat Hebel in warmen Worten ausgeſprochen, was ihm ſeine Mutter war:„Der Segen ihrer Froͤmmig— keit hat mich nie verlaſſen.— Die Liebe vieler menſchen, die an ihrem Grabe weinten und in der Ferne ſie ehrten, iſt mein beſtes Erbteil ge— worden, und ich bin wohl dabei gefahren.“ Auch Richter hatte den ſegensvollen Einfluß einer treu⸗ beſorgten Mutter erfahren, und beſonders innig weiß er in ſeinen Feichnungen gerade die Mutter— liebe darzuſtellen. die Zeichnungen zu den Gedichten Hebels, die auf Deswegen geraten ihm auch demſelben Untergrund der Mutterliebe aufſproßten, am beſten; ſo„Die Mutter am Chriſtabendd, „Der Abendſtern“. Die Schilderung des Familien— gluͤckes liegt ihm ganz beſonders. Leider erlaubt es der zur Verfůgung ſtehende Raum nicht, naͤher auf Kichter einzugehen. Daß auch er Neigung hat, romantiſche Stoffe zu behandeln, verſteht ſich bei ſeiner ganzen Entwickelung von ſelbſt. So illuſtriert er denn auch gern romantiſche Stoffe, wie den„Karfunkel“. wie viel gluͤcklicher er als Nisle das Problem der Eingangsſzene zu dieſem Gedichte geloͤſt hat, davon kann ſich ein jeder durch einen Vergleich der beiden Darſtellungen uͤberzeugen. J. Der Volksſchriftſteller und Runſtmaler Lucian RKeich aus der Baar(817—19o00)5. Zu der Gruppe unſerer Ruͤnſtler gehoͤrt auch der aus Huͤfingen ſtammende Volksſchriftſteller und Runſtmaler Lucian Keich; zu den Illu— ſtrationen, mit denen er ſein Volksbuch„Sierony—⸗ mus“ ſchmuͤckte, waͤhlte er vorzugsweiſe Stoffe aus Hebels Gedichten. Im gleichen Jahrlauf im Anſchluß an unſere Betrachtung findet ſich aus der Feder des 1903 verſtorbenen Hauptlehrers Adolf Welte ein Aufſatz uͤber unſeren Ruͤnſt— ler unter dem Titel:„Aus Lucian Reichs litera— riſchem Nachlaß“, in dem an der Hand ſeiner Auf zeichnungen ein Bild ſeines Lebens und ſeines kůͤnſtleriſchen Werdens entrollt wird. Reichs„Hie— ronymus“ iſt ein Volksbuch im beſten Sinne des wortes; die Aufgabe, die ſich der gemůuͤtvolle Schilderer heimatlichen Weſens geſtellt hatte, in Form einer Lebensgeſchichte ein Spiegelbild der Sitten und Gebraͤuche der Baar zu geben, iſt ihm glaͤn zend gelungen. wir haben hier nur auf die zeichneriſche Taͤtigkeit Reichs ein zugehen, der der Schuͤler Veits und vor allem des poeſtevollen Moritz von Schwind war; in ſeinen Illuſtra⸗ tionen verleugnet ſich der Einfluß der beiden Meiſter nicht. ſeines„Bieronymus“ war Reich mit Schwind Unmittelbar vor dem Erſcheinen Abb. 3J. Ludwig Richter:„Der Sperling am Fenſter“. Zolzſchnitt von Richters Tochter Aimée noch in Karlsruhe tätig geweſen, wo er von 1842 ab nach den Kartons des großen Meiſters in der Runſthalle einen Teil der Fresken aus— fuͤhrte. Dort hatte er ſich zwar in antikem Geiſte betaͤtigen muͤſſen; als er wieder in ſeine Heimat zurückkehrte, da war ihm dies wie eine Art Er— loͤſung. Am wohlſten fuͤhlte er ſich doch nur auf heimiſchem Boden. Seine Hebelzeichnungen, die ſein Schwager Heinemann lithographiert hat, fallen ihrer Entſtehungszeit nach mit denen Bendels zuſammen und liegen zeitlich alſo etwas fruͤher als die Ludwig Richters. Mit letzterem hat er gemein, daß auch er beſonders gerne das ſtille und zufriedene Gluͤck der Familie ſchildert; und damit tritt er würdig den beſten Schoͤpfun— — E..l.⏑⏑ EPER 44 gen ſeines groͤßeren norddeutſchen Rivalen zur Seite. Reichs Feichnungen haben denen Richters gegenuͤber den Vorzug, daß ſie viel mehr Erd geruch ausſtroͤmen; bei allen ſeinen Bildern haben wir die Empfindung, daß ſie aus unmittelbarer 8 8 geſchloſſener in der RKompoſttion wirkt das andere Bild, auf dem zʒwar auch viel Gegenſtaͤndliches geboten iſt, wo aber die Perſonen nicht unter dem Beiwerk erdruͤckt werden, wie dies bei dem erſten Bild zum Teil der Fall iſt. Zwei weitere Sebel Abb. 32. Cucian Reich: Lithographie. Illuſtration aus dem„Sieronymus“ zum Abſchnitt XXIV. nuͤckblicke. Neugeſtaltungen und Abſchied. Nach den Muͤhen des Tages. Beobachtung der wirklichkeit hervorgegangen ſind. Das Bild„Erhalt mer Gott mi Friedli“, eine Illuſtration zu dem Gedichte„Die glůckliche Frau“, leidet etwas unter der Haͤufung des im vintergrunde Dargeſtellten und durch die allzu peinliche Durchfuͤhrung der in der Tiefe des Raumes gedachten Gegenſtaͤnde. Einheitlicher und Sοοον Illuſtrationen findet der Leſer im Aufſatze uͤber L. Reich. Ein Blick auf die Bilder lehrt, daß dem Ruͤnſtler eine organiſche Verknuůͤpfung des Vintergrundes mit den Figuren im Vordergrunde nicht recht gegluͤckt iſt. In beiden Bildern ruͤckt die Landſchaft viel zu ſehr in die Tiefe, und da der Ruͤnſtler bemuͤht iſt, Überſchneidungen der Linien zu vermeiden, ſo tritt dieſe ſtoͤrende Er— Dichters aus Bronze auf eiſernem Unterbau, ver— dankt nicht ʒum wenigſten der Freigebigkeit Groß—⸗ herzog Leopolds ſeine Entſtehung, da die ſcheinung noch mehr hervor. „Die Einweihung des Hebeldenkmals 8 E U aradies Is iſch en Enatl uſem Name u Mnterliebi neitt l ſehou Abb. 33. Lucian Reich: Lithographie. Illuſtration aus dem„Sieronymus“ zum Abſchnitt II. Saͤusliches Stilleben. Sagen und Geiſtergeſchichten. Die Seimatloſen. im Rarlsruher Schloßgarten“ verewigt von Sebels Freunden geſammelten Beitraͤge nicht eine Lithographie unſeres Růͤnſtlers, von der ein ausreichten. Auf der Vorderſeite des Denkmals Exemplar im Großh. Kupferſtichkabinett zu Karls— lieſt man:„Dem vaterlaͤndiſchen Dichter errichtet C 8 5 ruhe erhalten iſt. Das Denkmal, eine Buͤſte des unter Großherzog Leopold von ſeinen Freunden Dieffenbacher: Sebel⸗Illuſtratoren 28 4 2 * 3* 2 E 7* — ———— r und Verehrern, 1835.“ Den Virgil'ſchen Ausſpruch, der ſich auf der Ruͤckſeite des Sockels befindet, hat Reich ſeiner Lithographie als Unterſchrift beigefügt. So wenig als das Denkmal ſelbſt An— ſpruch auf hervorragende kuͤnſtleriſche Leiſtung erheben kann, ſo wenig wird man der Lithogra— phie RKeichs einen großen Wert beilegen koͤnnen. Durch den zu konventionellen, akademiſchen Auf— „Immer bleibt dir Namen und Ehr Und ewiger Nachruhm.“ Abb. 34. Lucian Reich: Erinnerungsblatt an die Ein— weihung des Hebel-Denkmals im Karlsruher Schloßgarten. Nach einer Lithographie im Beſitze des Großh. Kupferſtichkabinetts zu RKarlsruhe. bau wirkt die Rompoſition trotz einzelner Schoͤn— heiten in der Behandlung des figuͤrlichen Teils, beſonders der Rinder, doch zopfig und lang— weilig. Die Unſchoͤnheit des uͤbermaͤßig ſchlanken Denkmals hat Keich dadurch zu verdecken geſucht, daß er rechts und links die zwei ſchmuͤckenden Schwarzwaͤlderinnen anbringt, aber die Rompo—⸗ In der Behandlung der Xinder verleugnet ſich aber auch hier nicht der Schuͤler Schwinds. ſition iſt dadurch in nichts beſſer geworden. NLNleeeed 857 IV. Die aͤlteren Schatzkaͤſtlein⸗ Illuſtratoren. rdinand Rothbart(1823—1J899). ls Sebel J807 die ganze Bearbeitung des vom Rarlsruher Gymnaſium herausgegebenen badi— ſchen„Landeskalenders“ uͤbernahm und ihn 1808 unter dem neuen Titel: „Der Rheinlaͤndiſche Hausfreund“ erſcheinen ließ, hatte das Volksbuch Abb. 35. Ferd. Rothbart: nicht nur innerlich, ſon— Initiale. dern auch in ſeiner Aus⸗ ſtattung gewonnen, in—⸗ dem ihm noch Solzſchnitte beigegeben wurden, die freilich nur einen geringen kuͤnſtleriſchen Wert haben. Das wurde auch nicht beſſer, als der Ka— lender in einem neuen Verlag„Geiger& Katz“ in Lahr und pforzheim herauskam. Hebel ſelbſt fand den Bilderſchmuck greulich. Wie wir oben S. 20 des naͤheren ausgefuͤhrt haben, befand ſich damals die Holzſchneidekunſt in einem recht klaͤglichen Fuſtand. Und das aͤnderte ſich erſt von den vierziger Jahren ab. Waͤhrenddeſſen hatten die gemuͤtstiefen und launigen, im echten Volkston gehaltenen Er— zaͤhlungen eine immer groͤßere Verbreitung ge— funden und den Namen des Volksdichters in immer weitere Kreiſe getragen. Hebel ſelbſt hatte ja ſchon die rieſige Verbreitung ſeines Kalenders erlebt, erreichte doch deſſen jaͤhrliche Auflage eine Hoͤhe von 140 o0 Exemplaren 15); unter dem Titel„Schatzkaͤſtlein des Rheinlaͤndiſchen Haus— freundes“ hatte er bei Cotta 1811 eine Samm— lung der beſten Stucke veroͤffentlicht. Der volks— tůmliche Ton dieſer Erzaͤhlungen mußte die Ruͤnſtler nicht minder zu zeichneriſchen Ergaͤn— zungen anregen als die alemanniſchen Gedichte. Aber eine Schwierigkeit ſtand einer einheitlichen ge⸗ ſchloſſenen Illuſtration im Wege; denn die Welt, die ſich dem Illuſtrator hier darbot, iſt ſelbſt in ſich nicht harmoniſch geſchloſſen. Im..Schatz⸗ kaͤſtlein“ iſt ja eine buntſcheckige Menge aller moͤglichen Erzaͤhlungen tiefernſter Geſchichten, Betrachtungen uͤber Weltall und weltgeſchichtliche Begebenheiten— vereinigt. Aber darin lag auch wieder ein gewiſſer Vorteil, launiger Humoresken, als dem Illuſtrator dadurch Gelegenheit geboten Abb. 36. Ferdinand Rothbart: Illuſtration zu Hebels Erzaͤhlung„Der Star von Segringen“. wurde, ſeine Illuſtrationskunſt abwechslungsreich zu entfalten. Ja, es war ſogar auch moͤglich, mehrere Ruͤnſtler mit der Illuſtration zu betrauen, von denen jeder derartige Stuͤcke auswaͤhlen konnte, die ſeiner künſtleriſchen Individualitaͤt Abb. 37. Ferdinand Rothbart: Illuſtration zu Hebels Erzählung„Kannitverſtan“. beſonders entſprachen. Freilich konnte dies nur auf Roſten einer harmoniſchen Ausgeſtaltung des Ganzen geſchehen. Der Stuttgarter Verleger Scheitlin, der in den fuͤnfziger Jahren„Ausgewaͤhlte Erzaͤhlungen Sebels“ erſcheinen ließ, betraute nur einen Ruͤnſt— ler mit der Illuſtration. Er hatte mit der Wahl iie e eeeeeeeeeee 27 Ferdinand Rothbarts einen guten Griff ge— tan; denn deſſen Feichnungen paſſen ſich aus— gezeichnet dem Charakter der Erzaͤhlungen an. Rothbart gehoͤrt zu den ſympathiſchſten Geſtalten unter den Hebel-Illuſtratoren. Wir geben ſein Bild nach einer Photographie, die ſich im Beſitz ſeines Freundes Profeſſor Philipp Roͤth in muͤnchen befindet und die wir der liebenswuͤrdi— gen Vermittlung des derzeitigen Direktors der Abb. 38. Ferdinand Rothbart. Nach einer Photographie im Beſitze von Prof. Philipp Roͤth in Muͤnchen. Roͤnigl. Bayer. Graph. Sammlung in Muͤnchen, Herrn Dr. F. Pallmann, verdanken. Rothbart iſt, wie die meiſten hier in Be— tracht kommenden Ruͤnſtler, aus einfachen Ver—⸗ haͤltniſſen hervorgegangen; ſein Vater war Draht⸗ flechter und lebte zu Roth am Sand in Franken, wo der Rünſtler am 3. Oktober 1823 geboren wurde. Anfangs wollte er Schneider werden; aber, wie er ſelbſt erzaͤhlt hat, haben„die vielen Traͤnen, welche auf das Naͤhzeug der Mutter und Schweſter fielen, ihn von dieſem Gedanken abgebracht“. Der liebevollen Fuͤrſorge eines Vor⸗ 1 12 48 3 3 + + * 4 2 9 4 — r rrrrrr mundes hatte er es zu verdanken, daß er ſich der Kunſt widmen durfte. Suerſt ſollte er Lithograph werden, dann erlernte er die Kunſt des Rupfer— ſtiches; und bald ſehen wir ihn als Illuſtrator in Stuttgart taͤtig, wo er an den„Denkmaͤlern der Kunſt“ mitarbeitete. Dadurch wurde der oben erwaͤhnte Verleger G. Scheitlin auf ihn auf— merkſam. Auch als Maler fand er bald Gelegen⸗ heit, ſich zu betaͤtigen; als eine gute Leiſtung wird das große Freskogemaͤlde im Laubgang des Ser— Abb. 30. Ferdinand Rothbart: Zeichnung im Beſitze des Koͤnigl. Kupferſtichkabinetts zu Muͤnchen. zoglichen Schloſſes zu Coburg angeſehen, das den„Brautzug des Herzogs Caſimir“ darſtellt. In München beteiligte er ſich an der Aus— malung des Nationalmuſeums; eine Reihe hiſtoriſcher Freskobilder daſelbſt ruͤhren von ſeiner Hand her. Es wurde ihm dann das von dem Bildhauer J. M. v. Wagner geſtiftete Stipendium zu teil;, das ihm einen dreijaͤhrigen Aufenthalt in Rom ermoͤglichte. Im Jahre J1871 wurde er zum Ronſervator des Roͤnigl. Aupferſtichkabinetts in Wünchen ernannt, welches Amt er bis 1885 be— FEFEEFEEEEE....... kleidete. Er zog ſich dann in den Ruheſtand zurüͤck. Er hat im Wuͤnchener Vunſtgenoſſen— ſchaftsleben eine hervorragende KRolle geſpielt, beſonders betaͤtigte er ſich in der Geſchaͤftsfuͤh⸗ rung des Unterſtuͤtzungsvereins; alle, die ihn ge— kannt haben, prieſen ihn als einen tief gemuͤt— vollen, edelmuͤtigen Charakter. Am 3J. Januar 1899 wurde er ſeinem Freundeskreiſe durch den Tod entriſſen 10. Seine ſchlichten Zeichnungen, die wir aus dem Hebelbuch auswaͤhlen, ſprechen fuͤr ſich und be— duͤrfen kaum einer Erklaͤrung. Der Anfangs— buchſtabe zeigt uns des Ruͤnſtlers gluͤckliche Sand bei der Wiedergabe von Kindern; auch die all— gemeine deutſche Biographie hebt hervor, daß er »in ſeinen Rinderbildern innige Verwandtſchaft mit Ludwig Kichter und vor allem mit Alb. Abb. 40. Ferdinand Rothbart: Illuſtration zu Hebels Erzaͤhlung„Die Beſatzung von Oggersheim“. Hendſchel, dem Kinderzeichner, habe“. Wir veroͤffentlichen zur Charakteriſtik des Kuͤnſtlers eine reizende Feichnung, die ſich im Rupferſtich⸗ kabinett in Muͤnchen befindet und die veranſchau— lichen kann, mit welcher Grazie und Anmut er Kin derakte zu ſkizzieren verſtand. In der Feich—⸗ nung zu Sebels Erzaͤhlung„Die Beſatzung von Oggersheim“ kündigt ſich der ſpaͤtere Hiſtorienmaler an. Es iſt der Augenblick dar— geſtellt, wo der ſpaniſche Feldhauptmann Don Gonſalvo in die menſchenleere Stadt einreitet und der herzhafte Buͤrgersmann ſich ihm als Rommandant, Buͤrgermeiſter und Beſatzung mit den Worten vorſtellt:„Gnaͤdiger Serr, ich bin der einzige, der ſich eurer Großmut an vertraut hat.“ Den„ausgewaͤhlten Erzaͤhlungen“ war auch der Sebel'ſche„wWaͤchterruf“ beigefuͤgt worden, den Kothbart ſinnig zu illuſtrieren ge— wußt hat. Abb 4J. Ferdinand Rothbart: Illuſtration zu Hebels Sedicht„waͤchterruf“. 2. wilhelm Claudius; ein holſteiniſcher, und Carl Bermann Schmolze und Karl Stauber, zwei pfaͤlziſche Illuſtratoren des Schatzkaͤſtleins. Im Jahr 1883 gab der Spamer'ſche Ver— lag in ſeiner Sammlung:„Illuſtrierte Jugend— und Hausbibliothek“ unter dem Titel:„Der Sohn des Schwarzwaldes J. P. Hebel und der Rhei— niſche Hausfreund“ eine mit 58 Illuſtrationen ge— ſchmuͤckte Lebensgeſchichte des Dichters und eine Auswahl der Erzaͤhlungen heraus. Die Feichner, die ſich hier zuſammenfanden, ſtammen alle nicht aus alemanniſchem Gebiet. Daraus erklaͤrt ſich auch, daß das Heimatliche in den Hebel'ſchen Erzaͤhlungen in den Feichnungen nicht zum Aus— druck kommt. Erſt bei dem jüngſten, aus dem wieſental ſtammenden Illuſtrator des Schatz⸗ kaͤſtleins, A. Glattacker, kommt dieſer Charakter des Volksbuches wieder zu ſeinem Rechte. Die beſten Beitraͤge hat meines Erachtens der am 2 2 — — 228 — 2 C N R 2 E 13. April 1854 in Altona geborene Genremaler wilhelm Claudius geliefert!7); er hat ſeine Ausbildung auf der Dresdener Akademie ge— wonnen und war dann in Berlin Schuͤler von Karl Guſſow, der bekanntlich auch Max Rlin— gers Lehrer war. Sein beſtes Vild iſt das Genregemaͤlde:„Kleinkinderſchule in einem holſtei— niſchen Fiſcherdorf 1s).“ Ein friſcher, kerniger Fug, wie durchweht von der kraͤftigenden Seeluft, geht durch ſeine Hebel zeichnungen; man merkt ihnen an, daß er ſich von Jugend auf in das weſen tatkraͤftiger Geſtalten aus dem Volke zu ver— tiefen gewußt hat. Die gelungenſte ſeiner Feich— nungen duͤrfte„Der Tod der Nutter Urſula“ ſein. Es iſt eine Illuſtration zu dem ergreifendſten Augenblick aus der Jugendgeſchichte des Dichters. Hebels Wutter war waͤhrend ihres Aufenthaltes in Baſel im Iſelin'ſchen Hauſe ſchwer erkrankt und ſehnte ſich nach Hauſe. Ein Bauer, Vogt Abb. 42. wilhelm Claudius:„Der Tod der Mutter Urſula“. Illuſtration aus Spamers: Der Sohn des Schwarzwaldes. 1—— Errrcbr„c Maurer von Hauſen, brachte die Schwerkranke auf einem Wagen nach der Heimat. Der kleine Peter begleitete ſie. Aber auf der Fahrt zwiſchen Abb. J3. Wilhelm Claudius: Illuſtration zu Hebels Erzählung„Geſchwinde Reiſe“. Brombach und Steinen ereilte ſie der Tod!s). Die Staͤtte iſt dem Dichter tief im Gedaͤchtnis geblieben; und dorthin hat er ſein Geſpraͤch uͤber die Vergaͤnglichkeit verlegt; damit hat er mit Abb. 44. C. H. Schmolze: Der Zundelheiner, der Zundel— frieder und der rote Dieter, die drei Hauptperſonen der Schnurten im rheiniſchen Hausfreund“. Illuſtration aus Spamers: Der Sohn des Schwarzwaldes. ſeiner„erhabenſten Dichtung, die durchweht iſt vom Geiſte tiefſter Froͤmmigkeit und zugleich alt— germaniſcher Gottesanſchauung, das Andenken ſeines Muͤtterleins geehrt 9)8. INRL 30 Die Illuſtration zur Erzaͤhlung„Geſchwinde Keiſe“ greift den entſcheidenden Moment der Geſchichte gluͤcklich heraus. Der Stuttgarter Poſtillon teilt gerade dem Ludwigsburger mit, wie ſchaͤbig ſich der Reiſende benommen habe, der ihm fuͤr ſein verlangtes Langſamfahren ein ganz miſerables Trinkgeld gegeben habe.„Fahr Abb. 45. C. H. Schmolze: Illuſtration zu„Der Barbier— junge von Segringen“. Aus Spamers: Der Sohn des Schwarzwaldes. den Retzer drauf los“, ſagt er, um ſich zu raͤchen, „daß die Raͤder davon fliegen“. Der Raufmann, der ſeine Krankheit nur geheuchelt hat, ſteht ab— ſeits und tut, als ob er das Geſpraͤch der beiden Poſtillone nicht hoͤre, im Innern voll Freude dar— uͤber, daß ihm ſeine Liſt gelingt; denn nun wird ihn der andere um billiges Geld ſo ſchnell er nur kann, nach Frankfurt fahren. Abb. 46. Rarl Stauber: Illuſtration zu„Der kann Deutſch“. Nach der humoriſtiſchen Seite wird W. Clau— dius ganz ausgezeichnet ergaͤnzt durch den pfaͤlzer Feichner und Waler Carl Hermann Schmolze. Es fließt echtes Pfaͤlzerblut in ſeinen Adern, und heiter blickt er in die wWelt. Daß der Sechzig— L-E 2 3— jaͤhrige nach ſeinen wechſelvollen Schickſalen noch ſo Ber zerquickendes zu ſchaffen wußte, ſpricht von der Unverwuͤſtlichkeit ſeines Temperaments. Er war 1823 in Zweibrüͤcken geboren, hatte ſich an dem Pfaͤlzer Aufſtand 1848 beteiligt und hatte dann nach Amerika fliehen muͤſſen. Er gehoͤrt zu den bekannteſten Feichnern der„Fliegenden Blaͤtter“; auch ſeine Sebelzeichnungen wecken die Erinnerung an die aͤlteren Jahrgaͤnge unſeres in der Weltliteratur ein— zig daſtehenden, echt deutſchen Witzblattes. Gerade die gaͤrenden Tage des Jahres 1878 haben in Deutſchland den Aufſchwungꝛl) der Xarikatur ge⸗— bracht; in Berlin er— ſchien damals der „Kladderadatſch“ und in Muͤnchen die „Fliegenden Blaͤtter“, denen ſich die„Muͤn— chener Bilderbogen“ zugeſellten, an denen unſere bedeutendſten deichner, wie Schwind, mitgear— beitet haben. Auch unſer Hebel-Illuſtra— tor Rothbart gehoͤrte zu ihnen; die meiſten der bekannten Ro— ſtůmbilder ſind von ihm gezeichnet. Mit Recht ſagt Muther: „Auf die„Fliegenden“ werden ſpaͤtere Generationen wohl in erſter Linie an gewieſen ſein, um ſich ein Bild vom deutſchen Leben des 19. Jahrhunderts zu entwerfen. Sier iſt niedergelegt, was die Maler jener Jahre zu uͤberliefern vergaßen, eine Geſchichte unſerer Sitte, wie ſie genauer und erſchoͤpfender nicht gedacht werden kann.“ zu den Mitarbeitern der„Fliegen— den“ gehoͤrt auch Rarl Stauber, der dritte der Illuſtratoren der Spamer'ſchen Ausgabe. Auch er iſt kein Alemanne, er ſtammt aus der eee ee Abb. 47. Hofmaler wilhelm Dürr. g. Ruf in Jreiburg i. B. wir uns in dieſem Nach einer Aufnahme von Soſphotograph DeR 31 bayeriſchen Gberpfalz und iſt 1815 in Amberg geboren. Außer an den„Fliegenden“ hat er ſich hauptſaͤchlich an der„Illuſtrierten Feitung“ und „üÜber Land und Meer“ als Illuſtrator verdient gemacht. Schmolzes und Staubers Feichnungen ſprudeln von einem geſunden Humor. Wie praͤch⸗ tig ſind z3. B. die drei Spitzbuben charakteriſtert! In der Zeichnung zum„Barbierjungen von Seg— ringen“ iſt Schmolze der Junge beſſer gelungen, als der„gar wun— derlich ausſehende Fremde mit ſeiner kitzlichen Haut“. Ge— rade denkt der Junge: „Ich wag's. Gera— tet's nicht, ſo weiß ich, was ich tue“, beißt entſchloſſen die Faͤhne zuſammen und guckt nach der Gurgel, die er dem Fremden durchſchneiden will, wenn dieſer zucken und er ihn ſchneiden wuͤrde. V. Zwei Frei⸗ burger Meiſter. J. Sofmaler Wil⸗ helm Duͤrr(1815 bis 1890). Die zwei Ruͤnſtler, Wiühelm Duͤrr und Sebaſtian Luz, denen C. Abſchnitt zuwenden, ſind zwar nicht in der Dreiſamſtadt ſelbſt ge— boren, haben aber den groͤßten Teil ihres Lebens hier zugebracht, und in unſeren Mauern ſind auch ihre Sebel-Illuſtrationen entſtanden. Da es am J0. Mai 1915 Joo Jahre ſein werden, daß Duͤrr das Licht der Welt erblickte, behaͤlt ſich die Schriftleitung vor, zu dieſem Feitpunkt des Ruͤnſtlers ausfuͤhrlicher zu gedenken, der mit dem Schauinsland-Verein ſo eng verknuͤpft war, vom zweiten Vereinsjahre ab, vom Jahre 1877 L 30 8 A — 7 4 * R K··e IEL * Abb. 48. Wilhelm Dürr:„Der Karfunkel“. Aquarellbild im Beſitze des Sroßh. Kupferſtichkabinetts zu Karlsruhe, nach Aufnahme von Sofphotograph C. Ruf in Freiburg i. B bis I880, als Gaugraf an der Spitze des Ver— eines ſtand und ſich um die Entwicklung des— ſelben ſo große Verdienſte erworben hat. Daß ſich der Schauinsland-Verein ſeiner nur mit den Gefuͤhlen waͤrmſten Dankes erinnern wird, ver— ſteht ſich von ſelbſt. Wir geben des Ruͤnſtlers portraͤt nach einer Photographie im Beſitze des Herrn Hofphotogr. C. Ruf. Im folgenden ſei nur auf ſeine mit Hebel in Beziehung ſtehenden Werke eingegangen und nur ganz kurz ſein kuͤnſtleriſcher Entwicklungsgang geſtreift. Dürr ſtammt aus Villingen, wo er als Sohn des Wuͤnſterchor— regenten und Muſiklehrers Fridolin Duͤrr zur Welt kam 22). Seine kuͤnſtleriſche Ausbildung erhielt er auf der Wiener Akademie, wo beſon— ders der Kirchenmaler Leopold Rupelwieſer (J1796-— J1862) mit ſeiner ſentimentalen Froͤmmig— keit großen Einfluß auf ihn gewann. Wehrere Jahre brachte Duͤrr dann in Rom zu, wo er zu den Nazarenern, wie Gverbeck, Ittenbach und anderen in enge Verbindung trat. Krankheits— halber ſah er ſich genoͤtigt, den italieniſchen Bo— den zu verlaſſen; er ſtedelte dann nach Freiburg uͤber, und hier entfaltete er alsbald eine reiche Taͤtigkeit als Airchenmaler. 1852 wurde er zunm Großh. Hofmaler ernannt In den achtziger Jah— ren entſtanden ſeine im Auftrag des Großher— zogs Friedrichel. ausgefuͤhrten Aquarelle zu den Hebel'ſchen Sedichten, die ſich im Großh. Kupferſtichkabinett in Karlsruhe befinden. Wie 2 25 2 bei den meiſten Schöͤpfungen des Ruͤnſtlers uͤber wiegt auch bei dieſem Bilderzyklus das Feichne— riſche über das Roloriſtiſche, ein Erbſtuͤck ſeiner Studien zeit, wo man der Farbe gefliſſentlich aus dem Wege ging. Auch zeigt ſich eine Neigung zu konventioneller, akademiſcher Gruppierung der Perſonen, die wir gleichfalls auf ſeinen Entwick— lungsgang zuruͤckfuͤhren muͤſſen.— Die Bilder behandeln meiſtens dieſelben Stoffe, die auch die aͤlteren Hebel-Illuſtratoren gewaͤhlt hatten, auch darin tritt gegenuͤber den zuletzt beſprochenen Meiſtern ein Furüͤckgreifen auf aͤltere Anſchauun— gen hervor, auch er bevorzugt die romantiſchen Stoffe. Dem„RKarfunkel“ ſind z. B. vier Bilder gewidmet; manche zeigen ſtarke Anlehnung an die vorausliegenden Meiſter, ſo das letzte Bild, das den Untergang des ungluͤcklichen Michel darſtellt und das ſich beſonders eng an ein Bild Ludwig KRichters anſchließt. Vom KXar— funkelbilder-Zyklus bringen wir die Szene, wo der Wichel nach Hauſe gerufen, aber vom Gruͤn— rock zuruͤckgehalten wird. Ein Vergleich mit der Darſtellung des gleichen Vorwurfes bei Sophie Rein hard S. 7) laͤßt erkennen, daß das Dra— matiſche des Augenblicks bei Düuͤrr viel beſſer zum Ausdruck kommt als dort. Der am Tiſch— ende ſitzende Wirt iſt eine ganz ausgezeichnete Figur, der wilde Trotz in Michel iſt ſinnfaͤllig und packend herausgearbeitet. Schade, daß die Frauengeſtalten ſich nicht auf der gleichen Hoͤhe kuͤnſtleriſcher Ronzeption halten! Kinen Abb. 49. wWwilhelm Dürr:„Die Haäͤfnet-Jungfrau“. Aquarellbild im Beſitze des Sroßh. Kupferſtichkabinetts zu Karlsruhe nach Aufnahme von Sofphotograph C. Ruf in Freiburg i. B. romantiſchen Stoff behandeln auch die beiden Gedichte: Die Saͤfnet-Jungfrau. Duͤrr muß auch die Lithographien Bendels ge— Bilder zum kannt haben, der den gleichen Vorwurf wie Im Aufbau wie in der Geſtalt des warnenden Moͤnches zeigt ſich eine ſtarke Verwandtſchaft. Beide Ruͤnſtler ſtellen den Augenblick dar, wo die eitle hochmuͤtige Fwing⸗ Durr illuſtriert hat. herrntochter„d' Haͤfnet-Jumpfere“ an der Rirch— hofstůre gewarnt wird, fernerhin nicht mehr uͤber das in eitler Überhebung auf den Boden ausgebreitete „Grliger Tuch“ zu ſchreiten. „Goht me ſo in d'Chilchen und uͤber die graſige Graber? Wie heißt's in der Bibel? Der wer⸗ det's jemerſt nit wüſſe: Erde ſollſt du wer— den, aus Erde biſt du genommen. Jumpferen, i foͤrch, i foͤrch!“ Das andere Bild, nach mei— nem Urteil die ori⸗ ginellſte Schoͤp⸗ fung des Ruͤnſt⸗ lers, zeigt dann die Strafe, die die Haͤfnet⸗-Jungfrau auf dem Haͤfnetbuck zu erleiden hat. Nach dem Tod ver— weigert ihr die verhöͤhnte Erde die letzte Ruhe— ſtaͤtte, und ſie hauſt zur Suͤhne in einem Brunnen. Abb. 50. Aquarellbild im Großh. Kupferſtichkabinett zu Karlsruhe. „Doch ſtigt ſie an ſunnige Tage menggmol uuſen ans Land, ſtrehlt in de goldige Hoore, und wenn naͤumer chunnt, wo ſelle Morge nit bettet oder d'Hoor nit gſtrehlt und wo ſi nit gwaͤſchen und putzt het oder jungi Baͤum verderbt und andere's Holz ſtiehlt, ſeit me: ſi nehm en in d'Arm und ziehn en aben in Brunne.“ So wird ſie ſelbſt zur Kaͤcherin. Freilich will das der Bauer dem Vetter nicht glauben:„Me ſeit ſo wege de Chinder“. Die ſitzende Geſtalt der Jungfrau, die gerade ihr Haar kaͤmmt, iſt ſowohl Dieffenbacher, Sebel⸗Illuſtratoren. wilhelm Dürr:„Die Haäͤfnet-Jungfrau“. S Deeee 33 was das Bewegungsmotiv als auch die Durch— fuͤhrung im einzelnen angeht, eine hervorragende Schöpfung, bei aller Natürlichkeit der Bewegung kommt das Geheimnisvolle des Vorgangs doch gut zur Darſtellung; daß die Seſtalt uns den Ruͤcken zukehrt, erhoͤht das Viſtonaͤre der Er⸗ ſcheinung. Die Figur iſt gut in den Raum hinein⸗ komponiert. Auch die beiden ſich uͤber die Er— ſcheinung unterhaltenden Bauern ſind vortrefflich charakteriſiert. Ein gluͤckliches Motiv iſt, daß er ſie von unten her in das Bild hineinlaufen laͤßt. Das Schmelz⸗ ofen⸗Gedicht hat von allem Anfang an die Ruͤnſtler angezo⸗ gen, ſowohl Ben⸗ del wie Richter haben dieſes The⸗ ma, das„Hohe⸗ lied auf die Ar⸗ beit“, behandelt. Es ſteckee i dem Gedicht viel Lebens wahrheit; war es doch ganz aus den perſoͤn⸗ lichen Erinnerun— gen des Dichters aus der Kindheit geſchaffen. Er hat ſelbſt als Junge an dem Schmelzofen in Hauſen mit— gearbeitet, wo er Steine zerſchlagen mußte. Ein dankbares Gefuͤhl fuͤr die Wiederbelebung des Bergbaues durch den unvergeßlichen Mark— grafen Karl Friedrich war dem Dichter im Gedaͤchtnis geblieben; deswegen gilt auch das erſte Hoch der nach der Arbeit vor dem Wirts— haus Verſammelten ihm: „Ziehnt d' Chappen ab, und trinket uus! Es leb der Margrov und ſii Zuus!“ Ein Beiſpiel fuͤr den akademiſchen Auf bau der Rompoſition bietet das Bild„Der zufriedene Landmann“. Die Grundſtimmung des Sedichtes, das das Gluͤck des Landmannes den uͤbrigen 0 A˙⏑ο⏑⏑uο⁰ο⏑d⁰ο. σο˙. Abb. 5J. Wilhelm Duͤrr:„Der zufriedene Landmann“. Aquarellbild im Beſitze des Großh. Kupferſtichkabinetts zu Karlsruhe. Berufsſtaͤnden gegenuͤber preiſt— ſelbſt mit dem Kaiſer moͤchte er nicht tauſchen: „Und wenn er hilft und ſorgt und wacht vom fruͤeihe Morge bis in d' Nacht und meint, jetz heig er alles to, ſe het er erſt kei Dank dervo.“ iſt ganz vortrefflich nachempfunden. Frohſinn und zufriedenheit ſtrahlen auf ſeinem Angeſicht, in einem behaglichen Gefuͤhl ſteht er vor uns und doch zugleich mit dem Ausdruck des echten baͤuer⸗ lichen Stolzes. Schade, daß der Bauer gerade ausgerechnet in der Mitte des Bildes ſtehen muß! zum Gluͤck hat der Ruͤnſtler links die Maſſen etwas anders verteilt als rechts, ſo daß wenigſtens dadurch eine wohltuende Abwechslung in die kon ventionelle Anordnung des Kaumes ge— kommen iſt. In der Behandlung der Landſchaft zeigt Duͤrr bei den meiſten Hebel⸗Aquarellen, daß ihm eine Verknuͤpfung des intergrundes mit den im Vordergrund ſtehenden Figuren nicht immer glüͤckte. Man hat manchmal den Eindruck, als ob die Figuren wie bei einer Photographie vor einen Hintergrund geſtellt ſeien. Hiervon abge— ſehen, muͤſſen ſeine Hebel-Illuſtrationen doch als recht beachtenswerte Leiſtungen angeſehen werden. Auch in ſeinen Hebelbildern charakteriſtert ſich Hofmaler Duͤrr als der feinfuͤhlige, gemuͤtstiefe Menſch, als der er im Gedaͤchtnis der aͤlteren Generation des„Schauinsland“ fortlebt. 2. Sebaſtian Luz(1836-—1898). Ein Schuͤler des Hofmalers Duͤrr iſt Sebaſtian Luz. Von allen unſeren Hebel— 3⁴ RKuͤnſtlern mag er wohl derjenige ſein, deſſen Schoͤpfung ſich des groͤßten Kreiſes von Be— ſchauern erfreuen darf. Alljaͤhrlich ſehen Tauſende von Verehrern unſeres Schwarzwaldes in der Sebelſtube des„Feldberger Hofes“ ſeine Bilder, in denen er ſich in gluͤcklicher Weiſe an den beſten Hebel-Illuſtrator, an Ludwig Richter, angeſchloſſen hat. Wenn ich in Fu— ſammenhang dieſer Betrachtung ausfuͤhrlicher auf Luz eingehe, ſo geſchieht das nicht deshalb, weil er etwa unter dieſen eine ganz hervor ragende Stelle einnimmt, ſondern weil es ſich um einen Freiburger Kuͤnſtler handelt, der wohl manchem Leſer dieſer Blaͤtter noch im lieben Gedaͤchtniſſe ſteht und eine ein gehendere wuͤrdi gung gewiß verdient. Sebaſtian Luz iſt ein Wuͤrttemberger. Am 7. Maͤrz 1836 wurde er zu Schelklingen bei Blaubeuren geboren. Schon als Knabe machte, wie er oft erzaͤhlt hat, das großartige Altar— werk des Ulmer Kuͤnſtlers Seitblom und ſeiner Schuͤler, das ſich in der Kloſterkirche zu Blau— beuren befindet und zu den bedeutendſten Wer— ken der ſuͤddeutſchen Malerei des ausgehenden I5. Jahrhunderts gehoͤrt, einen tiefen Eindruck auf ihn. noch verſtaͤrkt durch die reiche Gemaͤldeſamm— lung, die er im Hauſe ſeines großen Wohltaͤters hier in Freiburg, des Domdekans Johann Baptiſt von Sirſcher ſehen durfte. Bekannter— maßen enthielt die Hirſcher'ſche Sammlung die Dieſe kuͤnſtleriſche Anregung wurde Abb. 5s2. wilhelm Dürr:„Der Schmelzofen“. Aquarellbild im Sroßh. Rupferſtichkabinett zu Karlsruhe NN e eeeeeee beſten Stuͤcke der oberdeutſchen Schule, von denen ſich heute einige in der Großh. Runſthalle zu Karlsruhe und hier in der Staͤdtiſchen Sammlung befinden Eine Tante von Luz fuͤhrte das Haus— weſen dieſes Geiſtlichen, der ſelbſt aus Wuͤrttem— berg ſtammte und 1836 als Geiſtlicher Rat und ordentlicher Profeſſor der Moral und Religions— lehre von Tuͤbingen nach Freiburg berufen worden war. Luz beſuchte das hieſige Gymnaſtum. Sirſcher wurde auf ſeine zeichneriſche Begabung aufmerkſam und trug Sorge, daß ihm der Weg zur kuͤnſtleriſchen Laufbahn geebnet wurde. Fu— naͤchſt wurde Luz Schuͤler des Hofmalers Duͤrr, dann ſiedelte er auf die Stuttgarter Runſtſchule uͤber, wo er hauptſaͤchlich unter Profeſſor Neher arbeitete. Hirſcher verfolgte mit dem groͤßten Intereſſe die kuͤnſtleriſche Laufbahn ſeines Schuͤtz— lings, den er nicht nur mit Geld, ſondern auch durch kuͤnſtleriſche Anregung unterſtuͤtzte. Aus dem Nachlaß des Kuͤnſtlers liegen mir eine Reihe von Briefen vor, die einen ſchoͤnen Einblick in dieſes ideale Verhaͤltnis zwiſchen dem hochbetagten 5 1835 ſche ho hbetag Abb. s3. Sebaſtian Uuz: Portraͤt des Freiburger Domdekans Fei 8 7ꝛejaͤhrigen Geiſtlichen und dem aufſtrebenden Johann Baptiſt von Hirſcher. jungen Maler gewaͤhren. Die Briefe legen erneut Glgemaͤlde in der Staͤdtiſchen Sammlung zu Sreiburg im Breisgau. ein beredtes Feugnis ab von dem tiefen Runſt— verſtaͤndnis Zirſchers. So macht er in einem Brief vom 6. Januar 1860 den jungen Freund, der ihm einige Kompoſitionen einreichte, darauf aufmerkſam, daß die Figuren„zwar nach den Kegeln der Schule ſchoͤn gruppiert ſeien, aber daß eben darum das Sanze nicht nach ſeinem Geſchmack ſei, weil ihm die Akademie und ihr Mangel an Freiheit hervorzuleuchten ſcheine und alles ſo ganz geregelt daſtehe.“ In einem anderen Brief vom 27. Juli 1861 mahnt er den jungen Ruͤnſtler, an ſeinen Werken nicht allzu viel herumzuarbeiten. Er hat das richtige Verſtoͤndnis dafuͤr, daß auf dieſe Weiſe leicht die harmoniſche Stimmung verloren gehe, die bei der urſprüͤnglichen Faſſung vorhanden geweſen iſt. E ſchreibt:„Ich halte immer viel auf das, was man das Erſt⸗ geborene nennen kann.“ Mit dem groͤßten Verſtaͤndnis verfolgt er das Entſtehen der einzelnen Werke, die Luz damals in Stutt⸗ gart ausarbeitet, und gibt ihm beherzigenswerte Ratſchlaͤge So ſagt er einmal, er ſolle beim Gebrauch der Wodelle vorſichtig zu Werke gehen, damit man bei denſelben nicht die Empfin dung habe, er ſei von den Modellen abhaͤngig. Er ſolle ſie mehr orien⸗ tierend gebrauchen und ſich von ihnen nicht beherrſchen laſſen. Die Richtung, die Luz notwendigetweiſe einſchlagen mußte, war durch 1. 3—2 die Verhaͤltniſſe gegeben. Er ſollte ſich der Kirchenmalerei widmen. Freilich macht ſich in dem jungen Ruͤnſtler der Drang rege, die Sofphotograph C. Ruf. —2————— kirchliche RKunſt aufzugeben und ſich der Siſtorien— malerei zuzuwenden. Er plant ein großes Ge— maͤlde, welches die bekannte Begegnung Barba— roſſas mit Seinrich dem Loͤwen darſtellen ſollte. Hirſcher macht ihn auf die großen Schwierig— keiten aufmerkſam. So ſchreibt er ihm:„Du mußt Dich wohl pruͤfen, ob Du im Stande ſeieſt, zwei ſo große Heldengeſtalten zu bilden und das Publikum deshalb zu befriedigen. Daß Du Ddich SDDο — EPEEPrPrrrPrrrrPrrrrrrrrrrrE freimuͤtiger Sprache ſetzt der junge Ruͤnſtler ſei— nem Wohltaͤter auseinander, aus welchen Grun— den er ſich fuͤr die Profanmalerei entſchloſſen habe und worin die Fehler beſtehen, daß die Xirchen— malerei ſo wenig leiſte. Er ſchreibt:„Die religioſe Runſt iſt die ſchwierigſte und das iſt einmal un— widerleglich und fuͤhlt dieſe Wahrheit jeder, der entweder ſelbſt ihr obliegt oder ſich die Muͤhe genommen, ſie vom chriſtlichen Standpunkt aus Abb. 55. Sebaſtian Luz: Kohlenzeichnung. Studie zu einer Kreuzabnahme im Beſitze der witwe des Ruͤnſtlers. uͤbrigens auch in der profanen Geſchichte verſuchen willſt, tadle ich nicht, aber daß Du Dein Fort— kommen auf dieſem Felde eher als auf dem bib— liſchen finden wuͤrdeſt, bezweifle ich. Auf letzterem ſind der Beſteller und Abnehmer doch jedenfalls mehrere und es handelt ſich hauptſaͤchlich darum, einen RKuf zu erlangen. Ich ſchreibe ungern, wollte Dir aber das vorſtehende mitteilen, weil ich immer Teilnahme fuͤr Dich habe.“ Sehr in— tereſſant iſt die Antwort, die Luz auf dieſen Brief gibt. Sie iſt im Ronzept vorhanden. In Iiie eeeeeee zu ſtudieren. Deshalb gibt es eine ſo große Maſſe von ſchlechten Produzenten und Produkten und dies beſonders in unſerer Feit, in der man ſich kein Gewiſſen daraus gemacht, ſtie ʒum Hand⸗ werk herabzuwuͤrdigen. Daran liegt auch die Schuld des MWißkredits beim Gebildeten. Wer traͤgt aber die Schuld an dieſem Unheil, beſonders in erſter Linie die Unberufenen, die ſie gewaltſam in die Hand genommen haben.... Da ſind hier ein paar Serren, denen man gerade ein gruͤndlicheres Studium des Chriſtentums zutrauen moͤchte.... ⏑ Abb. 565. Sebaſtian Cuz: Selbſtbildnis. Elgemaͤlde im Beſitze der Witwe des Kuͤnſtlers. Dieſe wollen die freie Runſt in Syſtem bringen, indem ſie einſeitig auf die Fopfform des Mittel— alters hinaufſitzen. Verpönt und verkannt iſt alles, was nicht in jenem Typus gemacht iſt, und was nicht den Stempel jener Unbeholfenheit, Aengſt— lichkeit und leider auch haͤufigen Beſchraͤnktheit traͤgt. Wem eine zahlreiche Beſtellung oder das huldvolle Laͤcheln jener Runſtbeſchůͤtzer lieber iſt als die wahre Runſt, der wird ſich dem Swange beu⸗ gen und im untertaͤnigſten Gehorſam im Schweiße ſeines Angeſichtes ſein Brot eſſen. Wer aber ſeinen freien Gedanken keine Feſſeln anlegen kann, wird un verdroſſen weiter zu dringen ſuchen und ſich laben im Glanz und in der Hoheit der freien Runſt, ſei es auch mit weniger materiellem Gewinn; und dieſer Ueberzeugung bin auch ich. Vorderhand will ich und ſo Gott will werde ich es immer koͤnnen, unabhaͤngig von beſchraͤnkten einſeitigen Anſichten mich der einzig wahren RKunſt widmen. u dieſem zweck habe ich mich auf ein weiteres Feld geworfen, der profanen Geſchichte und gedenke ich, wenn ich mich in dieſelbe mit Gluͤck hineinfinden kann, noch mehreres zu leiſten, dabei ſei aber das Keligioͤſe keineswegs aufgegeben. Ich werde mich bei dar⸗ bietender Gelegenheit derſelben mit der alten Liebe hingeben.“ Auf dieſen Brief erwidert ſein Beſchůͤtzer unter anderm:„Die meiſten Deiner aus geſprochenen Anſichten teile ich“, woraus her⸗ vor geht, wie freimͤͤtig er ſich in den Gedanken— gang ſeines Schuͤtzlings zu verſetzen wußte. Es war Auz nicht beſchieden, ſeinen wunſch er fͤllt zu ſehen; ſein Hauptarbeitsfeld blieb die kirchliche Runſt. Erſt gegen Ende ſeines Lebens hat er ſich einem anderen Sebiete zuwenden koͤnnen; in einer Reihe von kleineren Bildern iſt er ein aus— gezeichneter Schilderer unſeres Schwarzwaldes und ſeiner lieblichen Taͤler geworden. Noch in Stuttgart entſtand das Portraͤt des Serrn von Hirſcher, das er dieſem zu ſeinem 70. Geburts— tage zuſandte. Über das gute Bild, das ſich jetzt in der Staͤdtiſchen Galerie zu Freiburg befindet, hatte ſich der Empfaͤnger ſo gefreut, daß er ſeinem Zoͤgling eine groͤßere Geldſumme ſchickte. In Stuttgart hatte ſich Luz mehrmals Stipendien erworben. Schließlich erhielt er ein größeres Reiſeſtipendium, das ihm einen laͤngeren Aufenthalt in Italien ermoͤglichte. Abb. 57. Sebaſtian Luz: Neapolitaner. Aquarellſtudie im Beſitze der Witwe des Kuͤnſtlers. RErreeee — Über ſeine italieniſche Reiſe liegen Briefe vor, liener ſei nichts zu bemerken. Freilich ſei das ge⸗ . 2 8 2 8 die er an ſeine Eltern gerichtet hat. Da dieſe ſehr woͤhnliche Volk ſehr faul, und er werde von einfache, ſchlichte Bauersleute waren, ſo hat Luz 8 Bettlern viel belaͤſtigt. Eifrig liegt er ſeinem in dieſen Briefen mehr ſeine perſoͤnlichen Erlebniſſe Studium ob; er bedauert nur, daß er nicht einige 2 2— 1 8 +„„ als die Eindruͤcke geſchildert, die er auf kuͤnſt—* Jahre hier bleiben kann. Er hat die Empfin— 9 leriſchem Gebiet erhielt. Die Reiſe wurde von 8 dung, daß er doch nur recht unvollkommen all 2 8 0 +— ö Freiburg aus am Aſchermittwoch 1865 angetreten. 25 das in ſich aufnehmen koͤnne,; was ihm Rom Über den Splugen ging es mit dem poſtſchlitten. 8 bietet. Er wohnt dem Rapuzinerkloſter gegen— Intereſſant ſchildert er die ſchwindelnde Fahrt uͤber uͤber, wo er, wie er ſich ausdruͤckt, Gelegenheit 98² AÆ⏑-Uοοο.ο⏑ο⏑⏑⏑V.. 2+ + die großen Schneefelder und hebt das praͤchtige hat, ſehr ſchoͤne Koͤpfe zu ſehen. Der Brief Wetter hervor, das er hier oben gehabt hat. 8 vom 3. Mai ſchildert die Oſterwoche in Rom, Dann gelangt die in großer er nach Chia⸗ venna, jenem Orte, wo ſich jene Barbaroſſa— ſzene abſpielte, die er bekannt— lich malen woll⸗ te. Einige Tage darauf tritt er von Genua auf dem„Prinzen Napoleon“, einem gewalti— gen Schrauben— dampfer, die Keiſe nach Suͤ— den an. Aus⸗ Pracht gefeiert werde.„Ich habe hier an den Abenden der Rarwoche Mi— ſerere gehoͤrt, daß einem ein heiliger Schauer uͤberkam, ſo er— haben und ſchoͤn, da zu noch in dieſer herrlichen Peterskirche, die ſo groß iſt, daß die groͤßte Men⸗ ſchenmenge dar— R in ga n3 Ver⸗ 2.—* fuͤhrlich be⸗ Abb. s8. Sebaſtian Luz: Italieniſche Landſchaft. ſchwindet. Da— ſchreeibt er die Nach einem ölgemaͤlde im Beſitze von Bofphotograph C. Ruf. bei ha ben hun⸗ Gefahren, die waͤhrend der Fahrt zu beſtehen waren, da ein ſehr heftiger Sturm ausgebrochen war; und tiefes Mitleid hat er mit den armen Matroſen, die dieſen Gefahren immer ausgeſetzt ſind. Er freut ſich, daß er ſeine Heimreiſe nicht mehr zu Schiff zu machen braucht. Am 12. Maͤrz 1865 iſt er gluͤcklich in Rom. Von Tag zu Tag ſtellt er Entdeckungsreiſen an, und bei jedem Schritt offenbaren ſich ihm neue Schoͤnheiten. „Bei uns draus iſt es freilich nur halb gelebt. Man hat gar keinen Begriff von all dem Großen und Erhabenen, was Menſchenhaͤnde ſchon hervorgebracht.“ Er beruhigt ſeine Eltern, die voll Sorge fuͤr ihn ſind, denn von dem von ihnen gefuͤrchteten gefaͤhrlichen Treiben der Ita— 8² Se E derte von Geiſt— lichen und Biſchoͤfen geſungen.“ Er urteilt, man ſehe es ihren Geſichtern an, daß ſie das ſchon ſehr oft gemacht haben und daß ſie wenig Andacht zeigten.„Alles gleicht mehr einem Pomp und hat keine Spur von jener Andacht, wie z. B. die Domherren im Freiburger Münſter an dieſen Abenden beten“ Die einfachen Dorf lamen— tationen haͤtten ihn zu Hauſe mehr erbaut. wir ſehen, wie ſein Herz an der Heimat haͤngt, und wie er uͤber all den Eindruͤcken in Rom Freiburg und ſeine Heimat nicht vergißt. Mit innig— ſter Teilnahme hoͤrt er von der Erkrankung des Herrn von Sirſcher; er iſt voll Sorge, ob er ſeinen Wohltaͤter bei ſeiner Růckkehr noch am Leben findet. Aber auch ſeine Eltern vergißt er nicht; er denkt daran, daß dieſe jetzt ihre ſchwere Feldarbeit be— ginnen, und wuͤnſcht ihnen, daß ihre Arbeit von Erfolg begleitet ſei. Er berichtet von ſeinen Stu— dien, die er im Vatikan macht. Einige von dieſen Skizzen nach Raphael haben ſich hier erhalten und legen den Beweis davon ab, mit welchem Fleiß und mit welcher Vertiefung in den Stoff er ſeine Aufgabe erfaßt hat. Von Rom aus macht er dann einen Abſtecher nach Unteritalien. In einem ſehr ſchoͤnen Brief, den ich in den An— merkungen zʒum Teil veroͤffentliche?s), ſchildert er den Eindruck NNI Aſſiſi nach Florenz geeilt. Nicht wie Goethe, der ſich nur fuͤr die Antike intereſſierte, faͤhrt er an dieſem Ort voruͤber, wo der hl. Franz gelebt hatz und mit Verſtaͤndnis be wundert er die Schoͤp⸗ fungen Giottos. Florenz haͤlt er fuͤr die ſchöͤnſte und reinlichſte Stadt, die ſich ſehr vorteilhaft gegen Rom abhebe. Sern haͤtte er ſeinen Auf— enthalt laͤnger ausgedehnt; aber ſein Verſuch, eine Verlaͤngerung ſeines Stipendiums zu er— halten, war fehlgeſchlagen. Zum Gluͤck hatte ihn die Tante mit weiteren Geldmitteln verſehen. Bitter beklagt von Neapel, das wie„in einem wahren paradies von Naturſchoͤnhei⸗ ten daliege“. Er beſucht das dortige Muſeum mit ſeinen rei— chen Schaͤtzen und dann Pom⸗ peji, das ihm einen unheim— lichen Eindruck macht, als er durch die leeren Gaſſen hin⸗ durchſchreitet. Abb. 59. Sebaſtian Luz: Italieniſche Landſchaft. Auch den Ve— ſuv beſteigt er und gibt eine feſſelnde Darſtellung des Aus— bruches, bei deren Lektuͤre man unwillkuͤrlich an Goethes Bericht uͤber ſeine Beſteigung des Veſuvs in der Italieniſchen Reiſe erinnert wird. Natürlich macht er auch einen Ausflug nach Sorrent und nach der Inſel Capri.„Neapel ſehen und ſterben, ſagte mein Fuͤhrer, als wir den Veſuv hinabſtiegen, und in der Tat, er hat recht, wenn er damit das Schoͤnſte bezeichnet, was die Erde bietet. Wer ſolche Schoͤnheiten nicht geſehen, kennt die Erde gar nicht.“ Den letzten Brief ſeiner Heimreiſe ſchreibt er aus Flo— renz, der damaligen Hauptſtadt des neuen italie— niſchen Koͤnigreichs. Vier Monate war er in RXom geweſen, dann war er zu Wagen uͤber Nach einem Olgemoͤlde im Beſitze von gofphotograph C. Ruf. N er ſich uͤber Ne⸗ her in Stutt— gart, der ihm nicht einmal auf ſeinen Brief ge— ant wortet habe; „wohl aus klein— licher Angſt, mir ſagen zu muͤſſen, daß er weiter nichts fuͤr mich tun koͤnne“. Froh iſt er, daß die Nachrichten uͤber das Be⸗ finden Hirſchers guͤnſtiger lau⸗ ten.„Wie freut es michꝰ ſchreibt er,„wenn ich ihn noch lebend finde, ihm meine Arbeiten zeigen und ihm erzaͤhlen koͤnnte von der Runſt, die ihm ſtets ſo hoch galt.“ Ob Luz ſeinen Wohltaͤter noch lebend antraf, ließ ſich an der Hand der Auf— zeichnungen nicht feſtſtellen. Am 5. September 1865 iſt von Hirſcher geſtorben. Daß der Studienaufenthalt in Italien fuͤr den Ruͤnſtler fruchtbringend geweſen, erhellt aus den zwei ſtimmungsvollen, als Gegenſtuͤcke kom— ponierten Landſchaften, die ſich im Beſitze des Herrn Sofphotograph C. RKuf befinden. Im Hintergrund der Bilder erblickt man Rom und die Campagna; der Ruͤnſtler hat das Charakteriſtiſche der italieniſchen Landſchaft vortrefflich erfaßt. Beſonders das Rombild hat etwas Majeſtaͤtiſch— Abb. 60. Die Hebelſtube im Feldberger Sof. Feierliches; dadurch, daß ſich rechts die maͤchtige Baumgruppe erhebt und der Horizont tief gedacht iſt, wird dieſer erhabene Eindruck beſonders her— vorgerufen. In dieſen Bildern kuͤndigt ſich ſchon der poeſtevolle Schilderer der heimiſchen Land— ſchaft an. Leider war es dem Ruͤnſtler nicht ver—⸗ goͤnnt, groͤßere Landſchaftsgemaͤlde zu ſchaffen. Seine in kleinem Format gehaltenen Schwarz— waldbilder zeugen von einer liebevollen Behand— lung der Natur, von einem ſicheren Blick fuͤr das Maleriſche und von einer guten Beherrſchung des Roloriſtiſchen. Die Staͤdtiſche Sammlung in Freiburg beſitzt ein ſehr ſchoͤnes Schwarzwald— bild; leider eignet es ſich wegen der Fartheit der Farbengebung weniger das hier veroͤffentlichte aus dem Beſttze des Herrn Hofphotograph C. Kuf. Nach ſeiner Kuͤckkehr aus Italien ließ ſich Luz Mitte der ſechziger Jahre hier in Freiburg nieder, wo er ſich 1866 verheiratete. Die Ehe blieb kinderlos und war zudem nicht gluͤcklich. 1879 ſtarb ſeine Frau. Erſt J0 Jahre ſpaͤter vermaͤhlte er ſich zum zweitenmal in ſehr gluͤck— zur Reproduktion als licher, aber leider nur kurzer Ehe mit Xaroline Meixel aus Buͤhl.— Am 2. Mai 1898 ſtarb der Ruͤnſtler an einer ſchweren Lungenentzuͤn— dung. Am 4. MWai fand die Einſegnung vor dem Bilde der„Auferſtehung“ in Leichenhalle ſtatt, das von des Kuͤnſtlers Hand herruͤhrte— ein ergreifender Moment fuͤr die damals an ſeiner Bahre Verſammelten! Den der alten REEERR eeee Mitteilungen der Witwe des Rünſtlers ver— danke ich dieſe Nachrichten uͤber ſein Leben. Luz entfaltete nach ſeiner Ruͤckkehr aus Italien eine reiche Taͤtigkeit als Kirchen— maler; zu ſeinen beſſeren Arbeiten gehoͤren das„Berz⸗Jeſu⸗Bild im Frauenchoͤrle, die Altartafel in der Rapelle der Edeln von Blumenegg ſorgfaͤltig aus⸗ gefuͤhrte Reſtaurierung der SHolbein'ſchen Gemaͤlde in unſerem Muͤnſter“. Ein genaues von der Witwe des Ruͤnſtlers aufgeſtelltes Verzeichnis ſeiner ſelbſtoͤndigen Werke wie ſeiner Reſtaurierungen findet der Leſer in und die den Anmerkungen 23). Cuz war auch Samm— ler; ſeine reichhaltige Rupferſtichſammlung (612 Stuͤck) hat er unſerer Stadt vermacht, die ihm ja zur eigentlichen Heimat geworden war. Des Ruͤnſtlers Hebelbilder in der Hebelſtube im Feldberger Hof, wo er ſich regelmaͤßig den Sommer uͤber auf⸗ zuhalten pflegte, verdanken ihre Ent⸗ ſtehung der gluͤck— lichſten Epoche aus ſeinem Leben; denn ſte ſtammen aus der Feit ſeiner zweiten Verheiratung. Ein Glanz jenes ſtillen, zufriedenen Gluͤk— kes, das der fuͤnf⸗ ʒig jaͤhrige Kuͤnſtler nach ſeinen ſchweren Schickſalsſchlaͤgen gefunden hatte, ſtrahlt aus den be—⸗ ſcheidenen Schoͤp— fungen hervor. üüber die Entſtehung dieſer Bilder teilt mir Fraͤulein Fanny Mayer, das ehr— wuͤrdige Feldberg⸗ 4. f muͤtterlein, in lie⸗ Abb. 6J. Sebaſtian Luz: „Die Wieſe“. Kohlenzeichnung zu dem Wandbild in der Sebelſtube. benswuͤrdiger Weiſe mit, daß der Gedanke dazu von EDUESrSreene ihr und ihrem verſtorbenen Bruder herruͤhre. Gemeinſam mit dem Ruͤnſtler haͤtten ſie dieſen Gedanken, Hebel zu ehren, beraten und gemein— ſam die zu den Darſtellungen paſſenden Strophen ausgeſucht. Im ganzen ſind es 12 Bilder 28). Cuz habe die Bilder in Freiburg in Xohlen— zeichnung ausgefuͤhrt, die maleriſchen Über— tragungen auf das Holz im Saale ſei dann zum Teil von ihm ſelbſt, zum Teil von dem Weber ausge⸗ Wir brin gen Abbildungen der Freiburger Dekorationsmaler fuͤhrt worden. Sdde ſtͤürmende Genietreiben hat zwar ſeine kuͤnſtle— riſche Darſtellung noch nicht gefunden. Da ſich die Sebelbilder an die idylliſchen Partien der Ge— dichte anſchließen, waltet dieſer Geiſt in ihnen vor. Luz' Schoͤpfungen beduͤrfen kaum einer ſie ſprechen fuͤr ſich ſelbſt. Wie lebens wahr und doch poeſteverklaͤrt iſt die Mutter im Bild vom„Mann im Wond“ gegeben! wie ſuͤß die Kleine, die ſich auf den Solzklotz geſtellt hat und ſich ein wenig ſtreckt, um beſſer Die Tracht der Erklaͤrung, hoͤren und ſehen zu koͤnnen! Abb. 62. Sebaſtian Luz: Schwarzwaldlandſchaft. ölgem aͤlde im Beſitze von Sofphotograph C. Ruf in Fre'burg i. Br. Bilder nach Lithographien, die auf Grundlage der Kohlenzeichnungen hergeſtellt wurden. Der Gedanke, auf dem Feldberg das Sedaͤchtnis Hebels lebendig zu erhalten, lag nahe; gehoͤrt doch der Dichter vor allem zu denen, die die landſchaftliche Schoͤnheit des Feldberggebietes erſchloſſen haben— auch der Hebelweg haͤlt das Gedaͤchtnis an den Saͤnger der„Wieſe“ aufrecht. Der Feldberg mit ſeinem Denglegeiſt und der Belchen: das war ja der Schauplatz des im„Belchismus“ ſich luftmachenden jugendlichen Übermutes des damaligen Dieſes und der„Proteuſerei“ „Praͤzeptoratsvikari“. wild⸗ Dieffenbacher, Sebel⸗Illuſtratoren RREREE 41 arbeitenden Frau iſt ebenſo gluͤcklich durchgefuͤhrt als die auf der anderen Idylle„Lueg Chind, der Storch iſt kleidſame Markgraͤflertracht erhoͤht den Reiz der lieblichen Frauengeſtalt, die ſich in gluͤcklichem Bewegungsmotiv dem nach dem Storch ſchau— wieder da“. Die ſo uͤberaus enden Kinde zuwendet. Voll Gluͤck meint die Wutter, daß der Storch ihr Buͤblein nicht mehr kenne; 's macht's, wil d' ſo groß und ſuufer biſch und's Ooͤckli chrüuſer worden iſch. Fern heſch no ſo ne Jüppli gha, iez heſch ſcho gſtreifti Hösli a“. — 7¹ 8 * ε 52 rrr DD Abb. 63. Sebaſtian Luz:„Lueg Chind, der Storch iſch wieder do“. Kohlen zeichnung zu dem Wandbild in der Sebelſtube auf dem Feldberg. Das Bild ruft in uns jenes ſtille, zufriedene Gluͤcksgefuͤhl hervor, das die Grundſtimmung des Gedichtes iſt; denn dem„Frieden nach ſchwerer RKriegsnot“ galt des Dichters Wort.— „Und wo me luegt und luege cha, ſe laͤchlet ein der Frieden a wie Morgeliecht.“— Beide Bilder laſſen erkennen, welch feiner Feichner Luz war. Leider ſtoͤrt der doch etwas zu ſteif wiedergegebene dahinfliegende Storch ein wenig den ſchoͤnen kuͤnſtleriſchen Eindruck. Bei den meiſten Bildern hat ſich der Kuͤnſtler ſelbſtaͤndig bewegt, nur die„Wieſe“ ſchließt ſich in der Rompoſttion ganz eng an Ludwig Richter an. Daß aber auch bei aller Selbſtaͤndigkeit etwas von Richter'ſchem Geiſte in den Luz'ſchen Bebelbildern zu verſpuͤren iſt, iſt das beſte Lob, das wir ihm ſpenden koͤnnen. S οοοοοοοοσοοοοοοοοιοοοο‚οο‚οο0οοοοοοο‚οοοοοοοιοοοοhοοοοο‚οοοοοοο VI. Woderne Hebel-Illuſtratoren. J. Aaſpar Koͤgler. In dieſem Abſchnitt betrachten wir noch lebende Sebel-Illuſtratoren, zunaͤchſt den aus dem Naſſauiſchen ſtammenden RKuͤnſtler Raſpar Aögler, Illuſtrator einer im Verlag von J. Lang erſchienenen Ausgabe der alemanniſchen Gedichte. In einem Briefe vom 16. Januar d. J. kommt Roͤgler auf die Entſtehung ſeiner Illuſtrationen mit den Worten zu ſprechen: „Als ſeinerzeit Herr J. Lang in Tauber— biſchofsheim, fuͤr den ich lange Feit Illuſtrationen ſeiner Ralender zeichnete, wie heute noch fuͤr ſeinen Sohn, mit dem Wunſche an mich herantrat, ihm Sebels Allemanniſche Gedichte zu illuſtrieren, ſtand ich dieſem Wunſche, ſo ſympathiſch mir die Arbeit an ſich war, doch mit gemiſchten Gefuͤhlen gegen— uͤber, und ich unterließ nicht, Berrn Lang meine Bedenken mitzuteilen. Abgeſehen davon, daß ich die Notwendigkeit nicht einſah, eine Aufgabe noch En arme Kerli binj arm bini,sel Löch wohr. Doch hani no nült Untechts 1 [Keod zuſer gwachse wati jo das ivãri jo, Mii Sellen ſãls wWr Cſohr Abb. 64. Sebaſtian Cuz:„Hans“. KRohlen zeichnung zu dem Wandbild in der Sebelſtube auf dem Seldberg. einmal an zufaſſen, die nach meiner Anſicht Ludwig Richter ſo durchaus dem Geiſte der Dichtungen entſprechend fuͤr alle Feiten muſterguͤltig geloͤſt hatte, kam es mir fuͤr meine eigene Perſon faſt wie eine Unverſchaͤmtheit vor, mich als Sebel— illuſtrator neben den genannten herrlichen Kuͤnſtler zu ſtellen, und als ich dann doch dem mit meinen Bedenken nicht beſiegten Willen des Herrn Lang folgte, und— man will ja auch leben die Arbeit dennoch uͤbernahm, geſchah das und die ganze Ausführung unter dem deprimierenden Ge— fůhl einer Ueber hebung meiner kunſtleriſchen Kraft. Das moͤchte ich vorausſchicken, um Ihnen fuͤr die Beſprechung meiner Bilder die noͤtige Baſis zu geben.“ wie die Auswahl der dem Aufſatze bei— gegebenen Illuſtrationen erkennen laͤßt, hat der Rünſtler ſeinem großen Vorbilde gegenuͤber doch noch Kigenartiges und Selbſtaͤndiges genug zu ſagen gehabt. unaͤchſt ein Wort uͤber die Technik der Bilder. Auf dem Gebiete der ver vielfaͤltigenden C5 gfallt mer nummen Cine und ſcll Nfalt ſnur gwis! 3 Owätdoch dasPKamdſihokt E e5 0S flacund Dundetsneft S0 dundtefSRet war im aradits!— Abb. 66. Sebaſtian Luz:„Vreneli“. Kohlenzeichnung zum Wandbild in der Sebelſtube auf dem Feldberg. Abb. 55. Sebaſtian Luz:„Der Mann im Mondd. Kohlenzeichnung zu dem Wandbild in der Sebelſtube auf dem Feldberg. Rüͤnſte war ſeit den ſiebziger Jahren des 19. Jahr— hunderts ein großer Umſchwung eingetreten, der das geſamte Illuſtrationsverfahren in andere Bahnen gelenkt hat. Wit Silfe der Chemi— graphie wurde es moͤglich, Feichnungen auf mechaniſchem Wege auf die Druckplatten zu uͤber⸗ tragen. Aus der Lithographie heraus hat ſich die neue Kunſt entwickelt; W. Eberhard ließ 1822 in Darmſtadt ſein Buch erſcheinen:„Die Anwendung des Zinks ſtatt der Stein- und Rupfer⸗ platten“; ihm gebůͤhrt vor dem Franzoſen Gillot, den man gewoͤhnlich als den Erfinder der Fink— aͤtʒung bezeichnet, das Verdienſt, die Anwendung der Hochaͤtzung auf Metall zuerſt fuͤr den Druck verwendet zu haben. Der eigentliche Aufſchwung der Chemigraphie geht auf den Wiener Rarl Angerer zuruͤck, der 1870 ein neues, viel prak— tiſcheres Verfahren als das des Franzoſen gefunden hatte. In dem Maße, als ſich die Photographie ver vollkommnete, entwickelte ſich auch das neue 4 1— 7+ + 4 * Lal * 22———,, GREGRGRGRGR üdenss——— * 2 feiner durchgefuͤhrt werden, als der gewoͤhnliche Solzſchnitt es geſtattete, wo es das Material mit ſich brachte, daß man durch kroͤftige Kinfachheit, durch breite und tiefe Schatten und ſtarke Rontraſte auf ſcharfe Charak— teriſtik des Darzuſtellenden hin— arbeitete In der neuen Technik kann ſich die Feichnung viel freier bewegen und die Ruͤnſtler brauchen nicht ſtets Ruͤckſicht auf das Vervielfaͤltigungsmittel Abb. 67. Zeichnung von zu nehmen. Darin liegt aber Reproduktionsverfahren, das ſchließlich in der Autotypie die unmittelbare Wie— dergabe jeder Photographie ermoͤglichte. Zu gleicher Feit trat eine weſentliche Verbilligung der Herſtellungskoſten der Druckplatten ein, ſodaß eine viel reichere Illuſtration als fruͤher moͤglich wurde?s). Das neue Verfahren wirkte natuͤrlich auch auf die Technik der Feich— ner ein. Sie geſtattete denſelben eine Strichmanier zu waͤhlen, die ſich der Wirkung mehr dem Rupferſtich 0 IlN GLe 2— J.W ꝗII YNÆ 2 naͤherte; die Feichnung konnte alſo viel e 88N 32 Abb. 68. Raſplar Kö zum„Habermuß“. auch andererſeits fuͤr die kuͤnſt— leriſche Wirkung eine Gefahr, da auf dieſe Weiſe viel Charak— teriſtiſches verſchwand, das dem Rupferſtich, der Lithographie und dem Holzſchnitt an und fuͤr ſich eigen war. Die Koͤgler'ſchen Feichnungen ſind, was ihre Tech— nik anbetrifft, aus dem Erwaͤhn⸗ ten leicht zu verſtehen. Sie ſind unmittelbar emp— funden, flott hingeworfen und halten ſich in ihrer Wirkung zwiſchen Holzſchnitt und Rupfer—⸗ Abb. 69. Kaſpar Koͤgler: zum„Habermuß“. ſtich. Eine ſehr ſchöne Illuſtration 4 . A e*— 1— 7 FF PP 90 zum„Sommerabend“ iſt die unten abgebildete FZeichnung. Es iſt die gleiche Auffaſſung, von der auch Kichter ausgegangen war. Aber ein Vergleich mit dem Richter'ſchen Bilde S. 20 lehrt doch, wie ſelbſtaͤndig Koͤgler an ſeine Arbeit herantrat. Es zeigt ſich nur eine inhaltliche und keine formale Anlehnung. Auch der kompoſitionelle Auf bau iſt ausgezeichnet. Wie fein wirkt das ſich links am Pfoſten anlehnende, traͤumeriſch in die Sonne blickende Maͤdchen, deſſen Haupt ſich ſo ſchoͤn vom hellen Horizont abhebt! Am charakteriſtiſchſten fuͤr den Kuͤnſtler erſcheinen mir von den zahlreichen Illuſtrationen die zum„Habermuß“. Das Zimmer macht freilich nicht den Eindruck einer alemanniſchen Bauernſtube; in dieſer Richtung ſprechen Roͤglers Feichnungen durchaus ebenſowenig an als die Ludwig Kichters. Aber nach der Gefuͤhlsſeite hat er den Inhalt der Sebel'ſchen Gedichte gut ausgeſchoͤpft. Abb. 71. Raſpar Koͤgler. Nach einem Selbſtporträt des Ruͤnſtlers. wie innerlich tief aufgefaßt iſt die zum Tiſchgebet vereinigte Familie! Entzuͤk— ½ kend ſind die„Engli“ dargeſtellt, wie 6 ſie dem Boͤrnlein„e Troͤpfli Tau“ bringen und ihm ein„fruͤndli Gott— wilche“ ſagen. Die Schnitterin, die ge— rade ihre Senſe ſchaͤrft, erinnert in der Haltung und Auffaſſung an den fran— ʒoͤſiſchen Bauernmaler Jules Breton. was man von ſeinen Baͤuerinnen ſagen kann27), daß ſie„zu ſchoͤn ſeien, um auf dem Lande zu leben“, daß ſie„ein wenig in ihren Kleidern affektiert ſeien“, gilt auch zum Teil von den Voͤgler'ſchen. Aber daneben finden ſich auch Illuſtra— tionen, die dem urwuͤchſigen Weſen der Alemannen beſſer gerecht werden. Eine ſchoͤne Leiſtung iſt die Illuſtration zum „Sperling am Fenſter“. Der Do0o0 Ich haͤtte gern in dieſem Fuſammen⸗ — ˖——— hang einige andere Werke des Ruͤnſtlers veroͤffentlicht, konnte aber außer einer Photographie nach einem Selbſtportraͤt von ihm nichts erhalten. Abb. 70. Kaſpar Kögler: Aus Hebels Allemanniſchen Gedichten. J. Langs Verlagsbuchhandluug, Karlsruhe. 45 — — 8 15 5 8 1 * 2 55 5 4 rrrrccr FREERRRRRRccccr Auf ein arbeitſames und zum Teil recht ſchweres Ruͤnſtlerleben kann der hochbetagte Kuͤnſtler blicken. Als einfacher Leute Xind iſt er 1838 im weſterwald geboren und hat in Muͤnchen einige, wie er ſchreibt,„kummerliche Studien jahre“ zugebracht und ſich notgedrungen mit Kirchenmalerei durchgerungen. Er hat ſich dann in Wiesbaden, wo er heute noch lebt, nieder—⸗ gelaſſen und ſich hier volle Anerkennung verſchafft. Der Ratskeller, Feſtſaal, Theaterplafond und die Decke im Foyer des Theaters ſind von ihm aus— Abb. 72. Kaſpar Köôgler:„Der Sperling am Fenſter“. J. Langs Verlagsbuchhandlung, Karlsruhe. gemalt. Das Gluͤck war ihm doch holder geſinnt als unſerem Sebaſtian Luz, der in ſpoͤteren Jahren zu ganz großen Aufgaben nicht mehr gekommen iſt und darunter ſchwer zu leiden hatte. Auch an Ehrungen hat es dem Ruͤnſtler nicht gefehlt. Eine ſchoͤne Waldſtraße in der Umgebung von Wiesbaden iſt nach ihm benannt. Daß ihm viel Sch weres auf ſeinem Lebens weg beſchieden war, laſſen ſeine Worte durchblicken, die er mir am 22. Februar d. J. ſchrieb:„Es kommen oft Feiten, in denen uns kein Stern mehr zu leuchten ſcheint, und eine ſolche iſt eben wieder einmal an mir Dee e eeeeene voruͤbergegangen“. Moͤge dem liebenswuͤrdigen Ruͤnſtler noch ein recht ſonniger Lebensabend Abb. 73. Curt Liebich: Bregenzerin. Bleiſtiftſkizze. April 1897. beſchieden ſein, ſo ſonnig und heiter, wie er unſeren Hebel zu illuſtrieren wußte! Abb. 74. Curt Liebich: Illuſtration zur„wieſe“. Aus Suͤtterlin: Alemanniſche Sedichte von J. P. Sebel. 2. Curt Liebich Derjenige unter den modernen Hebel-Illu— ſtratoren, der die Errungenſchaften der heutigen Reproduktions-Technik am beſten beherrſcht, iſt unzweifelhaft der in Gutach lebende, in den beſten Jahren ſtehende Runſtmaler Curt Liebich. Auf eeee—— Abb. 758. Curt Liebich: Taufgang. Glgemaͤlde. eine reiche Illuſtrationstaͤtigkeit kann Liebich zurůckblicken; und manches hervorragende Werk iſt auf dieſem Gebiete aus ſeiner Hand hervorgegangen. Was ihn beſonders zu ſeiner Taͤtigkeit be⸗ faͤhigt, beruht darauf, daß er mit ſeinem zeichneriſchen Koͤnnen ein feines Verſtaͤndnis fuͤr das lite— rariſche Schaffen verbindet, daß er ſich in fein ſinniger Weiſe dem Dichter an zupaſſen und in den Geiſt der Dichtungen ein zudringen weiß. Beſonders liegt ihm alles Volkstůmliche; das ſůd deutſche Volksleben weiß er gut zu ſchil— dern. Das Verſtaͤndnis fuͤr unſer ſůͤddeutſches Weſen iſt nicht die Folge ſeiner Herkunft— er iſt kein Suͤddeutſcher, ſondern am 17. November 1868 in der Feſtung Weſel am Rhein geboren— aber den groͤßten Teil ſeiner Jugend hat er im Elſaß in Kolmar zugebracht. Und hier hat er die Liebe zu Suͤddeutſchland gewonnen. In romantiſcher umgebung iſt er aufgewachſen; denn ſeine Wiege ſtand in einer zu einer Dienſtwohnung umgebauten alten Rloſterkirche— ſein Vater war hoͤherer Wilitaͤrbeamter. Die Verſetzungen ſeines Vaters fuͤhrten ihn in ver— ſchiedene Gegenden Deutſchlands, nach dem großen RKriege z3. B. an die pommeriſche Grenze, nach dem freund— lichen Schwedt a. d. Oder. In einem Lebensabriß, den mir der Ruͤnſtler zur Verfuͤgung ſtellte, ſchreibt er ůͤber ſeine Rolmarer Jugendzeit:„Bier wuchs ich unter dem Eindruck der uͤppigen, ſo ſehr an den Suͤden gemahnen— den Gegend, der alten ehrwuͤrdigen deutſchen Reichsſtadt mit den franzoͤſiſchen Anklaͤngen, angeſichts der die Stadt beherrſchenden ſchönen romantiſchen Vogeſen, der heruͤbergrůßenden blauen Schwarz⸗ waldberge und der bei klarem wetter herüͤberſchimmernden Schweizer Alpen auf. Schon fruͤh erwachte in mir die Neigung zum Zeichnen und malen, und meine Schulbuͤcher zeigten, daß mein Intereſſe mehr bei dieſen Kuüͤnſten weilte als bei dem Inhalt der Buͤcher. Doch die Lehrer hatten fuͤr dieſe Ausſtattung der Lehrbuͤcher, welche eher einem Armeemuſterbuch glichen, wenig Verſtaͤndnis, mit Aus⸗ nahme eines einzigen, der mein Talent ſehr foͤrderte und mich gewaͤhren ließ. Lebte ich mit den anderen Lehrern meiſt nicht im Einklang, ſo war ich bei dieſem einen einer der beſten Schuͤler. Da in den großen Garniſonen des Elſaß das Militaͤr den meiſten (maleriſchen) Stoff bot, das fuͤr einen Buben beſonders reizvoll iſt, ſo zeichnete ich meiſt Soldaten und beſchloß auch, mich der militaͤriſchen Karriere zu widmen“. Als ſein Vater nach Rathenow an der Havel verſetzt wurde, kam der Siebzehnjaͤhrige nach dem mit dem praͤchtigen Dome geſchmuͤckten Naumburg an der Saale aufs Gymnaſtum, kurze eit darauf nach Dresden. Dort trat er J1888 in die Akademie ein, 17 Abb. 76. Curt Lrebich. RR ERRRR.EC(„„„„„ cc RNRSS 2 obwohl es ſein Vater lieber geſehen haͤtte, wenn er ſeiner urſpruͤnglichen Wahl treu ge— blieben waͤre. Der köͤnſtleriſche Unterricht in Dresden befriedigte ihn nicht, und ſo ſiedelte er nach Berlin uͤber; dort hatte der Bild—⸗ hauer Prof. Ppaul Otto einen großen Einfluß auf ihn, und lange ſchwankte er zwiſchen der Malerei und Bildhauerei. Aber 1 das Leben in der Großſtadt ſagte ihm nicht zu; in dem idyl— liſch gelegenen Weimar ſetzte er dann unter Frithjof Smith bis Abb. 77. Curt Liebich:„Der Schmelzofen“. Herbſt 1890 ſeine Studien fort. Eine Studienreiſe fuührte ihn in das Land ſeiner 8 Haſemann vor, an den er von einem aͤlteren Jugend, nach dem Elſaß. Auch der Schwarz— Kollegen Gruͤße zu beſtellen hat. Der zauberhafte wald wird aufgeſucht, er ſpricht in Gutach bei 88 Reiz des Ortes nimmt ihn ſofort gefangen, und er waͤhlt ihn zu ſeinem Studienplatz. Bis nach Italien dehnt er ſeine Keiſe aus, und Weihnachten kehrt er wieder nach der Weimarer Runſtſchule zu— ruͤck. Er fuͤhlt, daß er ſeine Studien abgeſchloſſen habe, und ſehnt ſich von Weimar fort nach dem Schwarz— wald, nach Gutach. Aber es war nicht nur die Schoͤnheit der Gegend, die ihn lockte. waͤhrend ſeines Auf— enthaltes hatte er im Hauſe Haſe— manns deſſen Schwaͤgerin kennen gelernt; er kehrte nach Gutach zu— ruͤck, wo er ſich bald darauf ver⸗ lobte. Aber erſt nach Jjaͤhriger Ver⸗ lobungszeit kann er ſeine Braut heimfuͤhren; mittlerweile war er als Illuſtrator entdeckt worden; und ſo ſehr es ihn auch danach zog, große Gemaͤlde zu ſchaffen, in der Haupt— ſache war ſeine Taͤtigkeit dem Bilder— ſchmuck gewidmet.„Ich war ge— noͤtigt,“ ſchreibt er,„mir ſtaͤndige Einnahmen zu verſchaffen“. Die von HRR ihm illuſtrierten Werke findet der V 8 Leſer in den Anmerkungen verzeich— Abb. 78. Turt Liebich:Illuſtration zum„Morgenſtern“. netꝰ); bauptſaͤchlich ſind es ſolche Aus Suͤtterlin: Alemanniſche Sedichte von J. P. Sebel. von Hermine Villin ger, von —.....* 3 Abb. 79. Adolf Glattacker: Die Vierundneunzigjaͤhrige. Aquarellportraͤt im Beſitze des Serrn Prof. Dr. Ludin, Freiburg i. Br. 4 Nie AL AlIA& unſerem Freiburger Volksſchriftſteller Sans jakob und von Ludwig Ganghofer. Fu ſeinen Illu— ſtrationen machte er oft große Reiſen, ſo bis zum noͤrdlichen Eismeer, nach Suditalien, Ungarn und RKumaͤnien. Mit dem Verleger Alfred Bonz, mit dem er ſeit 13 Jahren zuſammenarbeitet, verbindet ihn perſoͤnliche Freundſchaft. Eine her⸗ vorragende Illuſtration ſchuf er zu der bei Bonz erſchienenen Prachtausgabe von Scheffels Ekke— hard. In den letzten Jahren hat ſich Liebich wieder mehr der Glmalerei widmen koͤnnen, die hieſige Staͤdtiſche Sammlung beſitzt zwei ſchöne werke ſeiner Sand. Seinem Wahlſpruch getreu: „Naturam si sequemur ducem, nunquam aberrabimus,“ hat er ſich ſtets zur Aufgabe gemacht, der Natur als Fuͤhrerin zu folgen. Eine Lieblingsidee des Ruͤnſtlers von Jugend her war, Sebel zu illuſtrieren, der„ſeinem Em— pfinden ſo nahe ſtehe“. Als ſein Verleger mit dem Auftrag hierzu an ihn herantrat, machte er ſich, wie er mir in einem Brief vom 19. Januar Dieffenbacher, Sebel⸗Illuſtratoren⸗ i eeeeeee, d. J. ſchrieb, mit großem Idealismus an die ſo geliebte Arbeit. Leider konnte ſich der Verleger waͤtzel nicht dazu entſchließen, das Werk ſo reich auszuſtatten, als es Liebich geplant hatte, der dasſelbe mit der doppelten Anzahl Illuſtra— tionen ſchmuͤcken wollte. Der Kuͤnſtler meint, „er haͤtte trotz ſeiner Jugend ein ganz anderes wWerk in die Welt gehen laſſen koͤnnen“. Eine Keihe von Skizzen, die mir der Kuͤnſtler zur Einſichtnahme eingeſandt hatte und von denen ich Seite 43 eine veroͤffentliche, zeigen, welche genauen RKoſtͤmſtudien Liebich zu ſeinen Werken macht; meiſtens finden ſich auf den ZJeichnungen die peinlich ſorgfaͤltigen Angaben uͤber Stoffe und Farben der Kleidung. Eine photographiſch treue Wiedergabe der wWirklichkeit ſtrebt der Kuͤnſtler an. Und er mag wohl auch den photo— graphiſchen Apparat hier und da in den Dienſt ſeiner Studien geſetzt haben. In ſeinen Sebel— Illuſtrationen kommt neben dem Figuͤrlichen auch das Landſchaftliche in hervorragender Weiſe zu ſeinem Rechte; je mehr in der modernen Walerei die Landſchaft in den Vordergrund tritt, deſto natůͤrlicher erſcheint, daß auch die Illuſtration dieſen Weg einſchlaͤgt. Die aͤlteren Meiſter, wie Bendel und Reich, die bereits auf die treue Wieder⸗ gabe der alemanniſchen Heimat Wert gelegt hatten, hatten dieſe doch nur als Sintergrund zu den Figuren verwendet. Die von jeder Staf— Abb. 80. Adolf Glaättacker: Aqauarellſkizze zu einem Gedenkblatt zum 70. Geburtstage Hansjakobs. Im Beſitze von Prof. Dr. Ludin, Sreiburg i. Br. — NAL 5 Abb. 8l. Sommerlied. fage voͤllig losgeloͤſte Candſchaft wird als Buch— ſchmuck erſt von den neueren Ruͤnſtlern ver⸗ wendet. So hat Liebich der Suͤtterlin'ſchen Aus— gabe mehrere Landſchaftsbilder beigegeben. Auch in den anderen Bildern wird das Landſchaftliche, wenn es der Stoff mit ſich bringt, ſtark betont. Dies iſt auch der Fall bei der Illuſtration zum „Worgenſtern“. Liebich greift aus dem reizenden Gedichte den gleichen Augenblick heraus, den auch Thoma in ſeinem auf Seite 55 abgebildeten öl⸗ gemaͤlde in ſo ſinniger Weiſe ſchildert. »Was wandlet doͤrt im Morgenſtrahl Mit Tuech und Chorb durs Mattetal? 's ſinn d'Meidli, jung und flink und froh, ſie bringe weger d'Supe ſcho; und's Anne-Meyli vornen a, es lacht mi ſcho vo witem a.“ wWaͤhrend Meiſter Thoma die Maͤdchengeſtalten, voran das hinuͤbergruͤßende Anne-Meyli, in den Mittelpunkt des figuͤrlichen Teiles ſtellt, ʒeigt uns Liebich die Schnitter ſelbſt. Der Vorderſte hat ſoeben den lieblichen Morgenſtern bemerkt. Die Illuſtration ʒum„Schmelzofen“ verkoͤrpert praͤch— tige Typen aus dem heutigen Bauernleben. Der Adolf Glattacker: Aus dem Schatzkaͤſtlein im Verlage des Großh. Bofbuchhaͤndlers Ernſt Ackermann, Konſtanz. FE Vorgang wird in eine heutige wirtsſtube ver—⸗ legt, und ſo wird in viel ſchlichterer Weiſe das Thema behandelt, als dies z3. B. bei Durr der Von dem Ruͤnſtler ruͤhren auch die reizende Titel- und Schlußvignette unſeres Auf— ſatzes her. Das auf Seite 47 veroͤffentlichte Bild ſoll des Ruͤnſtlers Schaffen auf dem Gebiete der Glmalerei veranſchaulichen. In ſtillem Gluͤck ſchreitet die junge Mutter nach der Rirche, und heiterer Sonnenglanz umſtrahlt ſie und die Alte, die den kleinen Taͤufling auf den Armen traͤgt. Die Berbſtſtimmung iſt ausgezeichnet herausgearbeitet. Fall war. 3. Adolf Glattacker, ein moderner Illuſtrator des Schatzkaͤſtleins. Der juͤngſte unter den Sebel-Illuſtratoren iſt der im 32. Lebensjahr ſtehende, aus wehr im wieſental gebuͤrtige Adolf Glattacker; er hat das von Ernſt Ackermann im Jahre 906 herausgegebene„Schatzkaͤſtlein“ illuſtriert. Nach den Mitteilungen ſeines Freundes, Prof. Dr. Fr. Ludin hier, ſtammt der Ruͤnſtler von einfachen Bauersleuten ab, die jetzt in Weil in der Naͤhe von Loͤrrach wohnen. Fuerſt beſuchte er die Volks⸗ ſchule in wehr, dann war er drei Jahre mit Staats ſtipendium in Karlsruhe bei einem Lithogra⸗ phen in der Lehre und beſuchte drei Jahre lang die Runſtgewerbe— ſchule daſelbſt. Ein Semeſter war er auf der RKarlsruher Aka⸗ demie, wo beſon⸗ ders Schmitt⸗ Reuthe einen großen Ein⸗ fluß auf ihn aus⸗ uͤbte. Seit zwei Jahren weilt Abb. 82. Adolf Glattacker: „Proſit Neujahr“. Skizze auf einer Poſtkarte an Prof. Dr. Ludin. er zu ſeiner wei⸗ teren Aus bildung in Paris. Daß der junge Ruͤnſt⸗ ler auch mit des CLebens Noͤten kaͤmpfen muß, deutet ein Neu— jahrsgruß an ſeinen Freund an, aus dem außer⸗ dem erſichtlich wird, mit welch praͤchtigem Su⸗ mor er ſeine Lage zu tragen weiß. Gerade aber dieſes Tempe— rament befaͤhigte Abb. 83. Adolf Glattacker: 7 1 ⸗ Guter Rat“. ihr zur Il uſtra Aus dem Schatzkaͤſtlein, E. Ackermann, tion des Schatz⸗ Ronſtanz. kaͤſtleins. Acker⸗ mann ſagt in ſeiner Vorrede von dem Ruͤnſtler,„er habe ihm getreulich geholfen, dem lauteren Gold der praͤch— tigen Gedanken ſchmůckende Faſſung zu geben; er habe es verſtanden, die Geſtalten und die Orte, die der rheiniſche Sausfreund ſo lebens wahr uns ſchil⸗ derte, ebenſo lebens wahr unſeren leiblichen Augen vorzufůͤhren.“ Glattacker, der ja aus der engſten Heimat des Dich⸗ ters ſtammt, ſtellt ſich mit ſeinen Schoͤpfungen auf heimiſchen Boden, und da— durch unterſchei⸗ det er ſich vor⸗ teilhaft von den außerbadiſchen Illuſtratoren des Schatzkaͤſtleins, die wir oben be⸗ handelt haben. Abb. 84. Adolf Glattacker: Man wird „Die Fiyſterne“. Aus dem Schatzkaͤſtlein, E. Ackermann, Konſtanz. ihn aber nicht als einen modernen EFFPrr Růͤnſtler im Sinne Thomas und Daurs anſehen koͤnnen, auf die wir im letzten Abſchnitt eingehen; er neigt doch mehr zur. Auffaſſung des Bilder⸗ ſchmuckes, wie ihn die aͤlteren Meiſter vertraten, die ſich inhaltlich eng an den gebotenen Stoff an⸗ ſchloſſen und die Aufgabe der Illuſtration nicht in Stimmungsmalerei ſahen. Nur in den Feichnungen zu den„Allgemeinen Betrachtungen uͤber das Weltgebaͤude“ beruͤhrt er ſich etwas mit den Abb. 85. Adolf Glattacker. Nach einer Photographie im Beſitze von Prof. Dr. Ludin, Freiburg i. Br. Modernen. Das auf S. 59 wiedergegebene Bild, das in der Rompoſition eine deutliche An— lehnung an Agricolas HSebel und Eliſabeth Bauſtlicher verraͤt, will den ſchoͤnen Gedanken Bebels veranſchaulichen:„Der Himmel iſt ein großes Buch uͤber die goͤttliche Allmacht und Gůte, und ſtehen viel bewaͤhrte Mittel darin gegen den Aberglauben und gegen die Suͤnde, und die Sterne ſind die goldenen Buchſtaben in dieſem Buch.“ Etwas vom Schwin d'ſchen Geiſte durchweht iſt die eichnung zum„Sommer⸗ lied; man wird an des Meiſters olbild in der Schackgalerie„Ein Wanderer blickt in eine Land— ſchaft“ erinnert. Da Glattacker mit hiſtoriſchem Empfinden an ſeinen Stoff heranging und uns abſichtlich in die Feit verſetzen will, in der Hebels Erzaͤhlungen entſtanden ſind, ſo lehnt er ſich auch an die Maler an, die gerade jene laͤngſt verklungenen Tage in ihren Bildern erſtehen Sowohl Ludwig KRichter als auch Moritz Schwind haben ja gern in ihren Bildern die Welt ihrer eigenen Jugend geſchildert. Eine flotte Feichnung Glattackers iſt das Bildchen zum„Guten Rat“, eine Illuſtrierung der Worte: „Manchem, der ſich vor dem Spiegel ein⸗ bildet, ein huͤbſcher Burſch zu ſein, geht es wie dem Pfau“. Glattacker hat auch eine poſtkartenſerie ließen. mit Illuſtrationen ʒu Hebels Gedichten er— ſcheinen laſſen. Ein fein durch⸗ gefuͤhrtes Aquarell⸗ portraͤt, das eine 92⸗ jaͤhrige Baͤuerin dar⸗ ſt ellt, und eine Aqua⸗ rellſkizʒze zu Jubilaͤumsblatt ʒum 70. Geburtstag un⸗ ſeres Hansjakob moͤ⸗ gen Feugnis ablegen von dem maleriſchen einem 0 A NI WI 7ö. 80 W Abb. 86. Aus:„J. P. Sebels ausgewaͤhlte Erzaͤhlungen und Gedichte“. Karlsruhe 1907. St. Koͤnnen unſeres jun—⸗ gen alemanniſchen Ruͤnſtlers. weiteres moͤge uͤber ſein guͤnſtigerer Stern leuchten, als es den meiſten ſeiner Vorgaͤnger unter den Hebelkuͤnſtlern beſchieden war! Fortkommen ein 4. Meiſter Hans' Thoma und ſein Schuͤler Vermann Daur. Auch unſer groͤßter heimatlicher Küͤnſtler Vans Thoma29) gehoͤrt dem Xreis der Hebel— Illuſtratoren an. Schon fruͤhzeitig hat man er⸗ kannt, daß in dieſem Maler alemanniſcher Her— kunft etwas von Sebel'ſchem Seiſte lebendig ſei. Als ſich 1864 der damals 25⁵jaͤhrige Ruͤnſt⸗ S=Dοσ Dοοοοο οοοο οο J. Langs Buchhandlung. 9οο DDDDDD ler in Karlsruhe mit einem kleinem Bildchen: „Das braune Bernauer Baͤchlein im moosgruͤnen Tannenwalde“ im Kunſtverein zum erſtenmal an die Gffentlichkeit wagte, da wurde dieſes heimat liche Werk, wie der Rüuͤnſtler ſelbſt erzaͤhlt, als Seele“ charakteriſtert. Was Thoma von ſich ſagte:„als geborener Kealiſt wollte ich nichts anderes malen, „ein Anklang an Hebel, voll als was ich ſelber geſehen, ja ſelbſt erlebt hatte wo ich hinſchaute, ſah ich auch Schoͤnes genug— Menſchen, Landſchaften in harmoniſchem Lichte vereinigt, ſchwebten mir Tiere, vor“, das gilt doch auch für den ſtamm— Dichter. Die gleiche Sehnſucht nach dem heimatlichen Boden durchzieht ihr künſtleriſches Schaf— fen. Uberblickt man die Thoma'ſchen ſchaften und Bauern— bilder, immer wieder verwandten Land⸗ tritt einem die Heimat des Rünſtlers ent⸗ gegen, jenes ſtillernſte, etwas ſchwermůtig Hochtal der Bernauer Alb, am ſtimmende Fuße des Herzogen— horns, weltverloren. Hans Tboma: Der Mann im Monde. unweit des Kurortes Blaſten. Aus allem ſpricht ein Und die Dichtungen Hebels ſind ja auch hervorgegangen aus dieſer Sehnſucht. „Was ſie darſtellen“, ſagt E. Reller 30)„iſt der goldlichtumfloſſene Wiederſchein der Erinnerungen des Dichters, die Verinnerlichung ſeines Jugend— lebens, nach Auerbachs feinem Ausdruck: die yerinnerten“ Geſtalten der Heimat: alles iſt ge— taucht in die Liebe, die da aufgeht in ihrem Gegenſtande.“ Mit dem Schwarzwaͤlder Maler iſt es zͤhnlich. Phantaſte in die Heimat, wie es den jungen ſtarkes Heimatgefuͤhl. Immer wieder ſchweift ſeine Ruͤnſtler auch immer wieder nach dem lieben Bernau zog. Mit jugendlich ſeligen Gefuͤhlen ſchreibt der Meiſter im hohen Alter in ſeinen Erinnerungsblaͤttern(MWuͤnchen J9o9ο„Im Herbſt des Lebens eilte ich immer von Freiburg aus in die Berge hinauf in mein liebes Tal: 8 D.T eeEe*.—— 2—** 8 ——— i ihrem peterli, Maͤrchen und Sagen erzäͤhlt. Zur Erlaͤuterung ſeines bekannten Bildes, der „Maͤrchenerzaͤhlerin“, jenes Stoffes, den der Meiſter mehrmals behandelt hat, zweimal als Abb. 87. Hans Thoma: Selbſtbildnis. Aus: Thoma. Des Meiſters Semaͤlde. Serausgegeben von 5. Thode. Deutſche Verlagsanſtalt, Stuttgart und Leipꝛig. voll von Plaͤnen, was ich malen wollte.“ Dort umgab ihn neben der heiligen Natur dieſelbe hehre Liebe, die auch Hebel genießen durfte, die Liebe ſeiner Mutter, der„immerguten“, wie er ſie in ſeinen Denkwuͤrdigkeiten nannte. Und dieſes möͤtterchen hat ihm, aͤhnlich wie Frau Urſula N J1880. Dresden, Xgl. Gemaͤldegalerie. bolgemaͤlde(einmal 1893 im Beſitze des Heidel⸗ berger Runſtvereins, dann Jooο im Beſitze von Adolf Benſinger in Mannheim), als Lithogra-⸗ phie bei Breitkopf& Haͤrtel in Leipzig erſchienen, und unter Weglaſſung des zweiten Kindes als Illuſtration zum„Mann im Monde“, fuͤhrt ————————.——— RRREERRRRRrrrcr 3 4 **2 — Ar Thoma aus:„Die uralte Frau Sage ſitzt noch hie und da in einer der Huͤtten auf der Ofen— bank und erzaͤhlt an den Winterabenden den Kindern Waͤrchen, daß die Kleinen bald mit Gruſeln, bald mit Lachen ſolchen luftigen Geſtalten ſich freuen. Und wenn dieſe Xinder im Sommer Waldbeerlein ſammeln an den ſon— nigen Halden oder das Vieh huͤten, ſo werden die Maͤrchen erſt recht lebendig... Ja Frau Sage verſteht es auch jetzt noch, aus den Faͤden alltaͤglichſter Vorgaͤnge ſchoͤne Geſpinſte zu weben IN οονεο zuſtedeln, wo er im Xreiſe gleichſtrebender Xuͤnſt— ler große Anregung fand— es ſei hier nur Arnold Boöͤcklin erwaͤhnt. Die Feichnungen, die Thoma den im Verlag von J. Lang in Karls⸗ ruhe herausgegebenen ausgewaͤhlten Erzaͤhlungen und Gedichten zuſammen mit ſeinem Schuͤler Her— mann Daur beigegeben hat, beruͤhren ſich mit aͤlteren Werken. Wer mit Thoma'ſcher Runſt ver⸗ traut iſt, weiß, daß der Kuͤnſtler gern denſelben Stoff oͤfters behandelt hat, und beſonders ſeine Lit hographien und Radierungen ſind vielfach WIe XVI Abb. 88. Hans Thoma: Aus:„J. P. Sebels ausgewaͤhlte Erzaͤhlungen und Sedichte“. — und noch ſtehen gar viele in ihrem Dienſte. ebels Dengelegeiſt geht immer noch um am Feldberg.“ Eines ſeiner erſten groͤßeren Gemaͤlde ſteht auch mit einem Sebel'ſchen Gedichte unmittelbar in Verbindung. Als es unſerem Ruͤnſtler gegen Ende der ſechziger Jahre recht herzlich ſchlecht ging, wurde ihm von der aus dem WMWark— graͤflerland ſtammenden Familie Xrafft-Grether in St. Blaſien der Auftrag zu teil, ein Bild zum„Morgenſtern“ zu malen. Durch dieſes werk wurden dem jungen Rüunſtler die Mittel verſchafft, im Herbſt 1870 nach Müuͤnchen über— Zeichnung zum„Morgenſtern“. R J. Lang, Karlsruhe. Wie der holungen ſeiner lgemaͤlde.„Was er von ſeinen Bildern am meiſten ſchaͤtzt“, ſagt Fritz v. Oſtini(S. 93),„das uͤberſetzt er, neuſchaffend, in die Darſtellungsweiſe der Lithographie.“ In liebens wuͤrdiger Weiſe hat ſich der hoch⸗ betagte Meiſter in einem an mich gerichteten Briefe vom J3. April d. J. uͤber die Entſtehung ſeines Bilderſchmuckes ausgeſprochen.„Im An— fang der ſechziger Jahre“, ſchreibt Thoma,„da ich Runſtſchuͤler war, ſind alle meine Sebel— Illuſtrationen entſtanden; da ſie aber von nie— mand beachtet wurden, ſo ſind die meiſten Feichnungen verloren gegangen oder auch halb fertig weggeworfen worden. Der Urſprung des Morgenſtern und alles, was in dem von Lang vor ein paar Jahren herausgegebenen Buͤchlein iſt, ſtammt aus dieſer fruͤhen Feit, indem ich es fuͤr dieſen Fweck neu zeichnete. Spaͤter habe ich wohl kaum mehr weder zu Hebel noch zu anderen Dichtern Illuſtrationen gemacht. D R Jugendzeit herruͤhrendes Skizzenbuch mit Hebel⸗ Illuſtrationen in Federzeichnungen, das der jugend⸗ liche Thoma vor Jahren ſeiner kůnſtleriſch veran⸗ lagten, jetzt verſtorbenen Freundin, Frau Suſanna wucherer, geſchenkt hat. Mein Rollege, Prof. Dr. Lamey hier, hat dieſe Feichnungen bei Frau wWucherer geſehens1). Das Skizzenbuch befindet ſich jetzt im Beſitze ihres Bruders, des Herrn Abb. 89. Hans Thoma: Heuernte(nach Sebels„Morgenſtern“). Glgemaͤlde im Beſitze von Frau Geheimerat Krafft-Grether in St. Blaſien. Aus: Thoma. Des Meiſters Gemaͤlde. Serausgegeben von 3. Thode. Deutſche Verlagsanſtalt, Stuttgart und Leipzig. Jedenfalls waͤre dies auch nicht meine Sache geweſen; und ſo war es gut, daß kein Verleger mich dazu verleitet hat. An Hebel und ſeiner Art bin ich immer ſehr anhaͤnglich geweſen und ſeine SGedichte haben gewiß manchen Einfluß auf meine Bilder ge— habt— wenn dieſelben auch keine Illuſtrationen zu den Gedichten waren.“ Daß ſich der Meiſter in der Tat viel mit Hebel beſchaͤftigt hat, beweiſt auch ein aus der Ingenieurs Carl Muͤller(Campina, Rumaͤnien). Leider war es mir nicht mehr moͤglich, vor Drucklegung des Aufſatzes das Skizzenbuch ein⸗ ʒuſehen. Vielleicht bietet ſich in naͤchſter Zeit die Gelegenheit dar, auf dieſe Sebel⸗Illuſtrationen zuruͤckzukommen. Vergleicht man die uns vorliegenden Thoma⸗ ſchen Bilder untereinander, ſo laͤßt ſich feſtſtellen, daß in ſeinem in der Jugend entſtandenen„Morgen— ſtern“ das Koſtüͤmliche noch ſtark betont wird. „„„„„„„.„„„„„....... RPSrrrr 222 8 33—— E7 * *„ * A rrrrrrrees I In den ſpaͤteren Bauernbildern tritt dieſes Außer— liche immer mehr hinter das Rein-Menſch— liche zuruͤͤck. Das iſt fuͤr den Meiſter aͤußerſt charakteriſtiſch.„Aus der Natur heraus“, ſagt Henry Thode in der Einleitung zu ſeinem Thoma— werke,„innig mit ihr verbunden, tritt uns bei Thoma der Menſch entgegen... Der natuͤr⸗ liche Menſch, d. h. der von hiſtoriſchen Bedingt— heiten und Ron ventionen freie, kann aber nur in zweierlei Art vorgeſtellt werden: als Bauer; Abb. 90. Hans Thoma: Das Spinnlein. Aus:„J. P. Sebels ausgewaͤhlte Erzaͤhlungen und Gedichte“. J. Langs Buchhandlung. Karlsruhe 1907. deſſen Leben und Taͤtigkeit ſich ganz in der Na— tur vollzieht und unmittelbar auf ſite ſich bezieht, oder als ertraͤumtes, ideales, mythiſches Weſen. Die geſamte buͤrgerliche und vornehme Geſell— ſchaft, aber auch der Fabrikarbeiter wurde, weil der Natur entfremdet, von Thoma aus dem Be— reiche ſeiner Darſtellungen ausgeſchieden, aber nicht etwa aus einem Verſtandesprin zip, ſondern aus dem Fwange ſeines tiefen kuͤnſtleriſchen Be— wußtſeins. Und aus dieſem heraus auch wurden die Motive beſtimmt, die er waͤhlte,— naͤmlich diejenigen, die man als die ewig natͤͤrlichen bezeichnen kann.. Solche Beſchraͤnkung RE 56 auf die einfachſten und unmittelbar ver⸗ ſtͤn dlichen Lebensmomente brachte es mit ſich, daß alle anekdotiſchen und novelliſtiſchen Vorgaͤnge, welche immer zum Nachteil der reinen Gefuͤhlsauffaſſung, d. h. der kuͤnſtleriſchen, den Verſtand aufrufen, ausgeſchloſſen blieben, wie nicht minder alle Kurioſa in Trachten und Sitten.“ Damit tritt die Hebel-Illuſtration in eine neue Phaſe ein, und es iſt zu bedauern, daß der urdeutſche Meiſter, der„Mann mit dem reichen und reinen Kinderherzen, der Ruͤnſtler, der ſo ganz im Menſchlichen, der Menſch, der ſo ganz in der Kunſt aufgeht“, wie ihn Fr. v. Oſtini ſo fein charakteriſiert hat, nicht mehr Hebel-Illuſtra⸗ tionen veroͤffentlicht hat wWie kein anderer iſt er berufen, einen Bildſchmuck im hoͤchſten Sinne des wortes zu geſtalten, der ſich zur Aufgabe macht, in der Seele des Beſchauers eine aͤhnliche Stimmung hervorzuzaubern, wie ſie das Gedicht in uns erwecken will. Von aͤhnlichen Ideen iſt Thomas Schuͤler, Hermann Daur, bei ſeinem Buchſchmuck er— fuͤlt. Er geht in ſeiner Auffaſſung inſofern noch üͤber Thoma hinaus, daß er ſich unter Um— ſtaͤnden von dem Figuͤrlichen ganz loslöſt und nur durch ein reines Stimmungsbild zu wirken ſucht. Auch Daur iſt ein Sohn des Wieſentals; er iſt am 21J. Februar 1870 zu Stetten bei Cörrach geboren. In Baſel und Karlsruhe beſuchte er die Gewerbeſchule und wurde dann als Lehrer an die Schnitzereiſchule nach Furt— wangen berufen. So ſehr er ſich auch in dem Schwarzwaldſtaͤdtchen wohlfuͤhlte, ſo trieb es ihn doch von dort fort, da er ſich zum Runſt⸗ maler weiterbilden wollte. Funaͤchſt trat er in die Karlsruher Akademie ein, wo er Grethes und Graf Kalkreuths Schuͤler wurde. Auch in Dachau bei Soͤlzel hielt er ſich einen Sommer auf. Studienreiſen fuͤhrten ihn dann nach der Nordſee; gerade das Studium der norddeutſchen Landſchaft fuͤhrte ihn zur Heimat zuruͤck. Er wurde ans Thomas Schuͤler. Ein Aufenthalt in Holland, wo er beſonders die alten Sollaͤnder ſtudierte, und im hohen Engadin, der Heimat Segantinis, den er beſonders ſchaͤtzt und ver⸗ ehrt, hat ihn weſentlich gefoͤrdert. Seit drei Jahren lebt er auf dem Berge der Heimat, wo er„verſuchen will, das Gelernte in Ruhe zu ver— arbeiten“. figur, und hier das Landſchaftsbild, auf dem der Bauer als winzig kleine Geſtalt erſcheint; und doch beherrſcht er, ſich mit ſeinen pferden ſcharf Abb. 91. Bermann D Aus: Als Schüler Hoͤlzels kann man Daur zu den„dekorativen Landſchaftern“ rechnen. Von dieſen ſagt J. Strzygowskis2):„Sie leiten hart an die Grenze der Landſchaft als Mittel des Ausdrucks von Stimmungen, wobei die Natur nur das Echo der Gefuͤhle des Malenden iſt, die ſich dann auch dem Beſchauer mit⸗ teilen“. So wird die Landſchaft zum Ausdrucksmittel menſchlicher Stimmungen, zum„Inſtrument, mit dem der Waler ſein ſubjektives Empfinden in Farben geſtaltet.“ Wan ſich wohl groͤßeren Abſtand denken in der Runſtauffaſſung der fruͤheren Ge⸗ neration von der der Modernen, kann keinen als wenn man z3. B. Daurs Feich⸗ nung mit dem Aquarell von Duͤrr (S. 34) vergleicht, die beide das gleiche Gedicht Hebels illuſtrieren wollen. Dort der zufriedene, be⸗ haglich ſein Pfeifchen ſchmauchende Bauer nach der Arbeit als Haupt— Abb. 92. Dieffenbacher, Sebel-Illuſtratoren. aur:„Der zufriedene Landmann““. Hermann Daur. N —1 „J. P. Sebels ausgewaͤhlte Erzaͤhlungen und Gedichte“. 8 8 J. Lang. Karlsruhe 1907. am Sorizont abhebend, inhaltlich das Bild. Die Hauptwirkung der Feichnung wird— wie das den Japanern in ihren dekorativen Landſchafts— bildern abgelauſcht wird— durch Maſſenver⸗ teilungen erreicht. Kieſig dehnt ſich das weite Ackerland aus, und in breiter Maſſe zieht daruͤber eine maͤchtige wolkenſchicht dahin, durch die in breiten Strahlen die Abendſonne flutet. Das Gefuͤhl der Erhabenheit und Freiheit, das den Hebel'ſchen Bauer durchgluͤht und das ihn ſingen laͤßt: „Zuem frohe Sinn, zuem freye Muet und heimetzue ſchmeckt alles guet.“ kommt auch in dem Bilde zum Ausdruck, zugleich jener Gedanke des Dichters, der in dem Verſe liegt: „Und mit ſiim Odem ſegnet's Gott.“ Das Bild„Das Gewitter“ will den Gedanken verſinnlichen, 1 L. ι⏑νιιιει⏑¹ν 444 den Sebel in der Strophe zum Ausdruck bringt: „O geb is Gott e Chinderſinn! 's iſch große Troſt und Sege drin. Sie ſchlofe wohl und traue Gott, wenn's Spieß und Naͤgel regne wott.“ Der Gegenſatz zwiſchen dem unheimlich wůtenden Gewitter und dem ſtillen Frieden im Zimmer, wo die geaͤng⸗ ſtigte Mutter ſich am Anblick des ſchlafenden Kindes aufrichtet, iſt mit impreſſtoniſtiſchen Mit⸗ teln packend wiederge⸗ geben. Ludwig Richter hatte in ſeiner bekannten Feichnung nur den Augenblick zur Darſtel— lung gebracht, wo nach dem Abzug des Ge— witters die Eltern voll Gluck das auf wachende, laͤchelnde Kind betrach⸗ ten. unʒweifelhaft ſteckt viel Kraft in dieſem Thoma⸗Schuͤler; und wir duͤrfen wohl noch recht Kigenartiges von ihm erwarten. Seine Illuſtrationen entfernen ſich weit von dem bis dahin Üblichen und gehen in Auffaſſung wie S —— ⏑ Ausdrucksmitteln ihren Abb. 93. Hermann Aus:„J. P. Sebels ausgewaͤhlte Erzaͤhlungen und Gedichte“. J. Lang. Karlsruhe 1907. eigenen Weg, der viel⸗ leicht manchen nicht zu— ſagen mag; aber hoͤchſte Originalitaͤt wird doch auch der ſeinen Hebel⸗ Illuſtrationen ʒuerkennen muͤſſen, der ſeine Auffaſſung nicht billigt. Jeden— falls liegt kein Grund vor, ſeine Leiſtungen als eine Verſündigung am Sebel'ſchen Geiſte aufzu— faſſen, wie ich dies gelegentlich gehoͤrt habe. Es ſpricht echt alemanniſches Weſen auch aus dieſem Küͤnſtler. * — Daur: NNN Hebel ſagt einmal:„Es iſt ſchoͤn, wenn man das Andenken der Vorfahren ehrt und die Eltern den Kindern ſagen, wo ſie gelebt und was ſie geſtiftet haben. Der heimatliche Boden wird ſozuſagen geheiligt dadurch.“ Dieſe goldenen, von warmem Seimatsgefuͤhl ge— tragenen Worte des Dichters duͤrften das beſte Schluß wort unſerer Betrachtung ſein. Als ſchlichte Gabe zur Hebel⸗ feier haben wir die Lebensabriſſe jener Kuͤnſtler zu entwerfen geſucht, die, von gluůͤhen⸗ der Liebe und Verehrung zu unſerem großen hei⸗ matlichen Dichter erfullt, durch ihren Bilder— ſchmuck immer von neuem wieder die un— vergaͤnglichen Schoͤn⸗ heiten ſeiner Dichtungen erſtehen ließen. In dem Geleitwort zu einer Hebelausgabe ſpricht X. KReinick inbe⸗ zug auf die Kichter'ſchen Feichnungen einen Ge— danken aus, der in ge⸗ wiſſem Sinne fuͤr alle Hebel⸗I lluſtrationen gultig iſt.„Wer einen friſchen geſunden Stamm in den Boden I At pflanzt und mit Liebe und Treue ſeiner wartet, der kann gewiß ſein, daß dieſer Stamm auch noch lange nach ſeinem Tode immer neue Bluͤten treibt. Solche Bluůten ſind dieſe Bilder. Wohl jeder, der ſich daran erquickt, wird mit mir uͤberein⸗ ſtimmen, wenn ich beklage, daß Hebels freund— liches Dichterauge nicht dieſe fruͤhlingsduftige Nachblüůte ſeiner Setzlinge hat ſehen und ſich daran hat erfreuen koͤnnen.“ Durch nichts wohl wird die unſterbliche Gröͤße unſeres Sebel deutlicher bewieſen als „Das SGewitter“. durch die Tatſache, daß ſeine Werke durch lange hin durch fort⸗ wirkende Kraft gezeigt habenz ein Jahr— hundert hindurch haben ſie befruchtend auf das kuͤnſtleriſche Genie eingewirkt. Mehr oder weniger ſelbſtaͤndig ſind unſere Hebel-Illuſtra— ihre Aufgabe herangetreten. Bald waren ſie getragen von den kuͤnſtleriſchen An— ſchauungen ihrer Feit, bald ſind ſie uͤber dieſe hinausgewachſen und haben der Runſtentwick— lung ſelbſt neue Bahnen gewieſen. Mit Stolz ůberblicken wir die Reihe dieſer Kuͤnſtler, von denen die meiſten in Baden oder in ſtammver— Zeitrͤume eine toren an wandten Landen geboren ſind; moͤgen ſie auch ihre Ausbildung fern der Heimat erlangt haben, den beſten Teil ihres Seins verdanken ſte doch der alemanniſchen Erde. Unſere loſe aneinander— gereihten Lebensſkizzen entwarfen im beſcheidenen Sinne einen Abriß der KRunſtentwicklung Deutſch— lands vom Beginn des J9. Jahrhunderts bis zur Gegenwart; zugleich gaben ſte auch ein kleines Bild der badiſchen RKunſt waͤhrend dieſer Feit. In der Sauptſache waren es Meiſter der „Griffelkunſték, um dieſes von Max Rlinger gepraͤgte Wort zu gebrauchen, die wir als Sebel— Illuſtratoren zu wuͤrdigen hatten. Wer aber weiß, welch große, erzieheriſche, volksbildende Aufgabe eee eee2 gerade dieſer Runſtzweig ausuͤbt, wird das ſo ſegensreiche Schaffen dieſer Ruͤnſtler nur um ſo hoͤher einſchaͤtzen. Wie Sebel ſind die meiſten unſerer Meiſter aus duͤrftigen Verhaͤltniſſen her⸗ vorgegangen; die Wiege der meiſten unter ihnen ſtand in ſchlichter Bauernſtube. Auch die Sebel— kuͤnſtler legen ſomit erneut Feugnis ab von der unerſchoͤpflichen, im Bauernvolk ſchlummernden RKraft. Aber noch ein anderes lehrt uns unſere Betrachtung. Das Genie braucht einen Foͤrderer; ein Helfer muß ihm zu ſeiner Entfaltung zur Seite ſtehen; der Kuͤnſtler bedarf der Gunſt der Großen. Mit Stolz und Genugtuung koͤnnen wir feſtſtellen, daß es ſowohl das Faͤhringer Verrſchergeſchlecht als auch die badiſche RKegierung nicht an materieller wie ideeller Foͤrderung unſerer Hebelkuͤnſtler hat fehlen laſſen; allezeit hat ja das SGroßherzogliche Haus das Gedaͤchtnis Hebels wachzuhalten geſucht. Aber neben den Großen dieſer Welt haben auch die Kleinen ihren Hebel nicht vergeſſen; und mit dem Schweizer, Albert Geßler koͤnnen wir ſagen: „Es wird kein Dichter von ſeinem Volke, d. h. von ſeinen treueſten Heimatgenoſſen ſo treu ge— liebt und geehrt, wie Joh. Peter Hebel. Wie Er im Böltte geleb bei ſe eie beüte noch ſein Volk in ihm.“ Adolf Glattacker: Titelvignette aus dem„Schatzkaͤſtlein“, Ackermann, Konſtanz. 59 — K r EEEEEEEE· 2 Anmerkungen. J Beſonders den folgenden Herren fuͤhle ich mich dankbar verpflichtet: Hauptmann a. D. Holtz, Baden— Baden; Dr. Koelitz, Großh. Galerie-Inſpektor, Karls— ruhe; Prof. Dr. Fr. Leonhard, hier; Prof. Dr. Fr. Ludin, hier; Dr. H. Pallmann, Direktor der Koͤnigl. Bayer. Graphiſchen Sammlung, Muͤnchen; Profeſſor Dr. Karl Sutter, hier; E. Wagner, Fuͤrſtlich Fürſtenbergiſcher Galerie-Inſpektor, Donaueſchingen; Profeſſor Dr. Marx Wingenroth, Bonſervator der Staͤdtiſchen Samm— lungen, hier. 2) L. Ohnmacht, geb. 6. Nov. 1760, geſt. 31. Maͤrz 1834 in Straßburg. Naͤheres: Allgem. Deutſche Biogra— phie. Das Bild iſt veroͤffentlicht als Lichtdruck in„Briefe von J. P. Hebel“ von Dr. G. Behaghel, Karlsruhe 1883, und in„Johann Peter Hebels ſaͤmtliche poetiſche Werke nebſt einer Auswahl ſeiner Predigten, Aufſaͤtze und Briefe in 6 Baͤnden. Herausgegeben und erlaͤutert von Ernſt Keller. Leipzig. Max Heſſes Verlag.“ Die Zitate der Hebel'ſchen Gedichte ſind dieſer Ausgabe entnommen.— Frau Kreisſchulrat Engler iſt eine Tochter Haufes, der zu Hebels beſten Freunden gehoͤrte. 3) Siehe A. Woltmann, Badiſche Biographie I.— Die auf S. J zitierte Stelle von Cornelius Gurlitt findet ſich in„Die deutſche Kunſt des 19. Jahrhunderts, ihre Ziele und Taten. Berlin 1899, S. 105“. 4) Andreas Andreſen: Die deutſchen Maler-Radierer Peintres-graveurs) des J9. Jahrhunderts nach ihren Leben und werken. IV. Band, S. I—29. Leipzig 1878. Allgem. Kuͤnſtlerlexikon von H. A. Müller und H. w. Singer. Frankfurt 1894. 5) Über die Hebel-Portraͤtiſten vergleiche G. Langin: J. P. Hebel. Ein Lebensbild. Karlsruhe 1875, S. 216 bis 217; Laͤngin nennt den Namen anders, doch ſcheint mir Bauſchlicher ein Leſefehler zu ſein. wer eigentlich Eliſabeth Bauſtlicher war, habe ich bis jetzt noch nicht feſtſtellen koͤnnen. Laͤngin ſagt nur:„Das Maͤdchen war ihm zur Aufſicht empfohlen.“ Aber auch er konnte nichts Huͤber die aͤußere Veranlaſſung zu dieſer uſammenſtellung Hebels mit dem Maͤdchen erfahren“. 6) Dieſe Radierungen befinden ſich im Großh. Rupfer— ſtichkabinett zu Karlsruhe. Von einer Karlsruher Rünſt— iie e eeeeeeeeeeeee. lerin Anna Barth rührt ein ziemlich großes ölgemaͤlde, das„Heylein“, her, das ſich im Beſitze von Herrn Fabri— kant Ernſt Majer-Kym in Schopfheim befindet und 1862 gemalt iſt. 7) Siehe„Neues Allgem. Kunſtlerlexikon oder Nach— richten aus dem Leben und den werken der Maler, Bildhauer, Baumeiſter ꝛc. Bearb. v. Dr. G. R. wagler, Muͤnchen 1842˙ und„Die Künſtler aller Jeiten und Voͤlker oder Leben und werke ꝛc., herausgegeben von Muͤller, Klunzinger und Seubert. Stuttgart 1864.“ Schon die dritte Ausgabe der„Allem. Gedichte“, die ISos erſchien, war mit drei Kupferſtichen(zum Karfunkel, zum Schmelzofen und zur Mutter am Chriſtabend) ver— ſehen; nach G. Laͤngin, a. a. O., S. 128:„geſchmacklos im Geiſte der zeit, ohne Ausdruck und Natuüͤrlichkeit.“ 8) Muther: Geſchichte der Malerei des 19. Jahr— hunderts. München 1893, Bd. II., S. 29. N) Dr. G. Tumbült: Fuürſtl. Fuͤrſtenbergiſche: Samm⸗ lungen. Verzeichnis der Semaͤlde, S. 68—69. J0) Siehe A. Woltmanns Artikel uͤber Kirner in der „Bad. Biographie“ und den Eiſenharts in der„Allgem. Deutſchen Biographie“.“ Dort findet ſich auchenoch weitere Literatur uͤber ihn angegeben. II) In dem Artikel in der Bad. Biographie. I2) Zwoͤlf Allemanniſche Gedichte von Johann Peter Hebel, ſorgfaͤltig revidiert und vollſtaͤndig erlaͤutert, mit neun Federzeichnungen, komponiert und auf Stein ge— zeichnet von Hans Bendel, nebſt fuͤnf ausgewaͤhlten Melo— dien mit Klavierbegleitung und dem Bildnis und Fakſi⸗ mile des Dichters. Winterthur. Steiner'ſche Buchhand— lung. J3) Siehe Allgem. Rünſtlerlexikon, herausgegeben von Müller und Singer und Allgem. Lexikon der bildenden Künſtler von Thieme und Becker. I4) V. Paul Mohn: Audwig Richter. Kuͤnſtler⸗ monographien, herausgeg. von H. Knackfuß, XIV., Biele⸗ feld und Leipzig, 1896, S. 50. I5S) G. Laͤngin a. a. O., S. 148. 16) Siehe die Artikel uͤber ihn in der Allgem. Deut⸗ ſchen Biographie, wo auch naͤhere Literaturangaben zu finden ſind, und im Allgem. Ruͤnſtlerlexikon. 17) über Claudius, Schmolze und Stauber ſiehe die betreffenden Artikel im Allgem. Künſtlerlexikon von H. A. Müller und H. W. Singer. J8) Siehe Allgem. Kuͤnſtlerlexikon von H. A. Muͤller und H. W. Singer. 19) G. Laͤngin a. a. O., S. I5. 20) Ernſt Keller a. a. O., S. II. 21) Muther: Geſchichte der Malerei, II, S. 37. 22) Siehe die Artikel in der Bad. Biographie und in der Allgem. Deutſchen Biographie. Dürr zeichnete auch die Titelvignette zu der beſcheidenen in der Wag— ner'ſchen Buchhandlung hier 1860 erſchienenen Feſtſchrift zu„J. P. Hebels hundertjaͤhriger Geburtsfeier“.— Einige Jahre vorher entſtand das„Hebelalbum“. Es war an— laͤßlich der Errichtung des Hebeldenkmals an des Dichters Grabſtaͤtte in Schwetzingen(1858) vom Karlsruher Liederkranz herausgegeben worden und enthielt Hebels Bildnis, eine Abbildung ſeines elterlichen Hauſes in Hauſen, ſeiner Grabſtaͤtte in Schwetzingen und Randzeichnungen zu einigen Gedichten. Leider war es mir nicht moͤglich, ein Exemplar des Albums zu erhalten, ſo daß ich auf die Kuͤnſtler, die ſich hier verewigt hatten, nicht eingehen kann. G. Längin a. a. O., S. 223. 23) Brief des Sebaſtian Luz. Rom, d. 2. Juli 1865: Einen weiteren Ausflug machten wir auch auf den Veſuv hinauf, um einmal in ſeinen Soͤllenſchlund hinab— zugucken, und koſte es auch dem rothen Deutſchen ſeinen Bart! Von Reſina aus, das gerade uͤber dem alten Herculanum hingebaut iſt, reitet man zwei Stunden lang den Berg hinan, zuerſt durch weinberge, die den be rühmten dunkelrothen Lacrymae Chriſti(Thraͤnen Chriſti) liefern, ſodann uͤber die Graͤuel der Verwuͤſtung, uͤber ſchwarze verkruſtete Lavaſtröͤme, die ſich zu kleinen Huͤgeln gethürmt. Es ſieht genau aus wie verhaͤrtete Pechſtroͤme. uͤbereinander hingefloſſen; ſind aber jetzt haͤrter als Stein. Endlich kommt man an den eigentlichen Kegel, der un— geheuer ſteil von Sand, Aſche und ausgeworfenem Stein— geroͤll ſich gebildet hat. Er iſt ſo ſteil und hoch, daß man eine Stunde zu thun hat, bis man oben am Hauptkrater ankommt. Dieſer iſt trichterfoͤrmig und ungefäaͤhr eine Viertelſtunde im Umkreis. In dieſem hat ſich nun ein kleinerer gebildet, der in letzter zeit beſtaͤndig Feuer und fluͤſſige Steine auswirft. Sieht man ſo von oben in den Hauptkrater hinab, ſo wird es Einem ſchon ein bischen anders. Gewaltige Stein- und Schwefelfelſen, zerriſſen, aus allen Ecken daͤmpfend, mit ſcharfem Schwefelgeſtank, mit allen moͤglichen Farben gefaͤrbt,— ein wahrer Hoͤllen— rachen! Von zwei zu zwei Minuten kommt immer mit einem kanonenaͤhnlichen Schuß eine Ladung heraus, dann wieder eine Rauchwolke, ziſchend wie das Rohr einer Lokomotive. Als wir droben waren, war er gerade be— ſonders unruhig und warf fluͤſſige Steine uͤber die Haupt— ffnung heraus; einer, ein ziemlich großer, fiel in unſere unmittelbare Naͤhe. wir druͤckten mit dem Stock Muͤnzen in dieſe Teigmaſſe, welche ploͤtzlich ſchmolzen. Unſer Fuͤhrer trug ihn nun auf einem kalten Stein mit und be— wahren wir ihn als Andenken; jetzt iſt er ganz ſchwarz und hart wie Gußeiſen.— Nicht minder lohnend iſt auch die Ausſicht auf dem— ſelben. Man hat ein ungeheures Panorama auf das Feſtland und die Gebirge, aufs Meer und die ſchoͤnen Inſeln. Als wir wieder herabſtiegen., hatte ſich gerade uͤber dem Krater ein kleines Gewitter gebildet, das immer blizte und donnerte. Eine Stunde von Neapel liegt auf einem Bergvor— ſprung ein Carmeliterkloſter, und man haͤlt dieſes fuͤr den ſchoͤnſten Punkt der Erde, und es iſt in der That wohl nicht moͤglich, daß es anderswo ſchoͤner ſein kann. Be⸗ ſchreibung kann man daruͤber keine geben, wo nicht ein mal ein ſterblicher Pinſel im Stande iſt, es zu malen. Bevor man zum Kloſter kommt, hat man von Neapel aus zwei gute Stuͤndchen zu gehen zwiſchen uͤppigen Kaſtanienwaͤldern. Man kommt endlich vors Kloſter— pfoͤrtchen, das ein beſcheidener Pater aufs Pochen oöͤffnet und Einen hinaus in den Garten fuͤhrt, von wo aus man ins Paradies ſchauen kann. Hier moͤchte man unwillkuͤr— lich bleiben und Kloſterbruder werden der ſchoͤnen Natur zu lieb; hier finde ich auch ein Kloſter ganz am Platz, abgeſchloſſen von aller welt, verſunken in Gott und ſeine herrlichen werke. Man ſieht es dieſen Leuten aber auch ſchon im Geſicht an, daß ſie uͤber das gewoͤhnliche Menſchengetriebe erhaben ſind; ſie haben alle etwas un— geheuer Liebliches, zufriedenes, faſt Überirdiſches in ihren Geſichtern. Als wir nemlich uns von dem ſchoͤnen Natur— anblick trennten und zuruͤck ans Kloſterkirchlein kamen, traten ſie gerade, die ernſten, langen Geſtalten in weißen Kutten, vom Mittagsave heraus, und der Reihe nach an uns voruͤber. 24) Verzeichnis der Arbeiten von Sebaſtian Luz, aufgeſtellt von der Witwe. Gemaͤlde: J Portraͤt des verſtorbenen Domkapitulars v. Hirſcher zu ſeinem 70. Geburtstag, 1865. Ausſchmuͤckung der Kirche in Loͤrrach, 1868; J Bild Bonifazius, 1870, Löͤrrach; J Chriſtus am Muttergottesaltar im Muͤnſter, 1870; 2 Altarbilder nach Rippoldsau: Schlüſſeluͤbergabe, der zwoͤlfjaͤhrige Jeſus im Tempel, 1870; Herz Jeſu und Herz Mariens in die Kapelle des Vinzentiushauſes, 1874; 2 Altarbilder nach Reiſelfingen b. Coffingen, J875; Geburt Chriſti und Tod Joſephs; 3 weitere Gemaͤlde, 1882; illu— ſtriertes Diplom für General v. Werder, Ehrenbuͤrgerrecht vom Gemeinderat Freiburg, 1876; 2 Bilder in der alten Totenhalle des neuen Friedhofes, 1872; J Herz Jeſu nach Villingen, 1878; J Herz Jeſu ins Münſter, 1880; Herz Jeſu und Herz Mariens ins Waiſenhaus, I880; Herz Jeſu nach wolfach, Waiſenhaus, J880; Herz Jeſu nach Merz— hauſen, 1882; Herz Jeſu nach Kloſterwald, J1883; 2Altar— bilder nach Pforzheim, 1885; J Portraͤt des verſtorbenen Domkapitulars Marmon dahier, J885; J Entwurf zur Wanddekoration des Kornhauſes, die Minne- und Meiſter— ſinger Freiburgs und des Breisgaues, 1886; die Kirche in Todtnau, 1887, 4 Evangeliſten, 12 Bruſtbilder ver⸗ ſchiedener Heiligen, 4 ſymboliſche Dekorationen; 2 Bilder nach Eſchbach, 1887; J Chriſtus in die Feldbergkapelle, 1889; Hebelbilder auf dem Feldberg, 1889; einen Ehren— bürgerbrief für Seneral von Gluͤmer fuͤr die Stadt Frei⸗ burg, 1892; Ausſchmückung der Kirche in Sellwangen, J883. Reſtauriert: J Altarbild im Münſter(von Holbein), 1866; Jaltdeutſches Altarbild im Taufchoͤrle im Muͤnſter, 1867; das Freskogemaͤlde am noͤrdlichen Seitenportal im muͤnſter, 1867; ein altes Bild in der St. Martinskirche hier, Auferſtehung Chriſti, 1886; 2 Altarbilder in Riegel, 1882; ſämtliche Altargemaͤlde in der Kirche in Waldkirch, 1892; den Totentanz in der Vorhalle der alten Friedhof— kapelle, 1893; die Decken- und wandgemaͤlde in der alten Friedhofkapelle 1894. 25) Die zwoͤlf Hebelbilder von Sebaſtian LCuz. e Trunk in Ehre, wer will's verwehre! C 28) Paul Heyſe:„Das Gluück von Rothenburg“. Hermine Villinger:„Aus unſerer Zeit“,„Aus dem Badener Land“,„Kleine Lebensbilder“,„Allerlei Liebe“, „Binchen Bimber“,„Das dritte Pferd“,„'s Tantele und anderes“,„Die Talkonigin“,„Der weg der Schmerzen““. Heinrich Bansjakob:„Der ſteinerne Mann von Hasle“,„Abendläuten“,„In der Karthauſe“,„Letzte Fahrten“,„Verlaſſene Wege“,„Stille Stunden“e, „Sommerfahrtends,„Alpenroſen mit Dornen“,„Aus— gewaͤhlte Schriften“(Buchſchmuck),„Leutnant von Haslesd. Richard Bredtenbrücker:„Liebeswirren“. Richard Voß:„Amata“,„Die Leute von Valdare“, „Michael Cibula“,„Sigurd Eckdals Braut“. Ludwig Ganghofer:„Der Mann im Salz“,„Waldrauſch“, „Geſammelte Schriften“(Einband und Buchſchmuck). — 2 9—*9* * 32 Ne CTChuß in Ehre, wer will's verwehre! .Hans und Vreneli: Es gfallt mer nummen eini, und ſelli gfallt mer gwiß. . Hans und Vreneli: En arme Kerli bin i, arm bin i, ſell iſch wohr. Sag', weiſch denn ſelber au, du liebi Seel, was 's Wienachtschindli iſch ꝛc. Woni lueg, ſe ſitzt e Chnab mit goldne Fegge ꝛc. Denn ſo bald de chaſt uf eigene Füeßlene furtcho ꝛc. .Lueg, Muͤetterli, was iſch im Mo? . Lueg, Chind, d'r Storch iſch wieder do. D'r Fliß bringt heimlige Sege. .He, ißiſch nuͤt, du grobe Burſcht. Me mueß vor fremde Luͤte fründli ſi. 26) Jakob Husnik: Die zinkaͤtzung, wien 1896, und wilhelm F. Toifel: Handbuch der Chemigraphie, Wien 1886. 27) Muther: II., S. 239 nennt Bretons Kunſt„eine wohlerzogene idylliſche Malerei, mit Goldſchnitt verſehen“. E 29) Fritz von Oſtini: Thoma. KRuͤnſtlermono— graphien. Herausgegeben von Knackfuß. Benry Thode: Thoma. Des Meiſters Gemaͤlde in 874 Abbildungen. Klaſſiker der Kunſt. XV. Bd. Deutſche VerlagsaFnſtalt, Stuttgart. 30) E. Keller a. a. G., S. I3I. 3J) Frau Wucherer hatte hier laͤngere Zeit die Pen— ſion„Roſeneck“ inne. 32) J. Strzygowski: Die bildende Kunſt der Gegen— wart. Guelle u. Meyer. Leipzig 1907, S. 204. DEEE SSESS........... f—7 4 — — — —— 2 —— 8 0 3 5—— 25 0 E 8 RRRRCRGGGGGGRGRGGRERGRGEREGEbEE 0 8 —— —** — 8 2* 8— — N. — 8— * 8 8 2—* 8——— 8——— 10**— 1— 3—*. 8— 2—* — 4 2— 8—— 4— 8 —— 8—— 8 8 8 8 8—————— *νν RER sruhe 5än 0077 0 031 3 n 8