Kenzingen im Bauernkrieg. Nach grossenteils ungedruckten archivalischen Urkunden von Hermann Sus sann. 1 Beigabe zum Jahresbericht der Höheren Bürgerschule. zu Ker. 5 0 5 ee 5 1 D J 0 0 9 Kenzingen. Buchdruckerei von H. Pfeifer Sohn. 1889. Kenzingen im Bauernkrieg. Nach grossenteils ungedruckten archivalischen Urkunden von Hermann Sussann. Beigabe zum Jahresbericht der Höheren Bürgerschule zu Kenzingen. — Kenzingen. Buchdruckerei von H. Pfeifer Sohn. 1889. Vorspiele.“ Der Bauernstand zu Anfang des 15. und Ende des 16. Jahrhunderts. Erhebungen des gemei- nen Mannes und deren Motive. Der Pfeiferhänslein von Niklashausen im Taubergrund(4476). Namen und zeichen der Bewegung. ber Bundschuk im Elsass(1493). Hans Ulman, Bürger- meister von sSchlettstadt. Der Bundschuh im Bistum Speier(1502). Joss Fritz von Unter- grombach. ber Bundschuh zu Lehen bei Freiburg(1513) und der arme Konrad in Württem⸗ bers(1514). Verschwörung in der Markgrafschaft Baden(1517). Allgemeine Ursachen der sozialen Revolution. Einwirkung der Reformation. Beginn und Ausdehnung der Erhebung. Nie zwölf Artikel. Das sechzehnte Säculum kam herauf. Es fand den Bauer in Süddeutschland tief erbittert über den Druck, der auf ihm lag und geneigt, sich dagegen zu empören. In harter Leibeigenschaft gehalten, von Frondiensten, Zehnten und Abgaben gedrückt, in allen Kriegen hart mitgenommen, galt der Bauer als das eigentliche Lasttier der Gesellschaft. Dabei war er ohne Schutz und Ver- tretung im Reiche und bei den Gerichten, der Willkür des Adels und den Ubervorteilungen habgieriger Rechtsbeamten ausgesetzt. Die Lebenslust erstarb. Seitdem man an den Hussiten die Macht auch des gemeinen Armes wahrgenommen, begannen Groll und Hass, zuletzt geheime Verbindungen unter dem Bauernstande sich zu verbreiten. Erhebungen des„gemeinen Mannes“, bald mit mässigen, bald mit weitgehenden Forderungen, fanden während der letzten Jahrzehnte des fünfzehnten Jahrhunderts häufig statt. Diese popularen Aufstände sind aber keineswegs ganz gleich- artig. Abgesehen davon, dass mit der wachsenden Aufregung des deutschen Landvolks eine oft nicht genug beachtete Fortpflan- zung des revolutionären Geistes in den Städten zusammengeht, tragen die agrarischen Unruhen des 15. und des beginnenden 16. Jahrhunderts einen sehr verschiedenen Charakter. In manchen Fällen entstehen und verschwinden sie mit bestimmten lokalen Beschwerden, während anderwärts allgemeinere Ziele ins Auge gefasst, zuweilen sogar die Mischung socialer und religiöser Ele- mente bis zu theokratischen Ansätzen getrieben wird. Damit ist bereits jene Mannigfaltigkeit der Motive vorgezeichnet, die im gros- sen Bauernkriege wiederkehrt. * Solange die Einzelforschung sich auf das Aufsuchen oder allenfalls Zusammenstellen des Mate- rials beschränkt, mag sie sich selbst genügen. Soll aber das gefundene Material in einer lebendigen Wechselwirkung dargestellt werden, so ist die Beiziehung der allgemeinen Geschichte nicht zu umgehen. Wie das Leben eines einzelnen Gliedes nur in seiner Beziehung zum all- gemeinen Organismus richtig verstanden werden kann, so bedarf die Geschichte einer Stadt oder einer Landschaft zu ihrem Verständnis notwendig der Beleuchtung und Aufhellung durch die Lande chichte. Die ganze Anlage meiner Arbeit wird es daher überhaupt erk machen, dass ich bei dieser Einleitung und den folgenden Kapiteln die gleichzeitigen Zust und Ereignisse in der nächsten Umgebung sowohl, als auch auf der grossen Weltbühne wenig- stens soweit beiziehe, dass klare und verständliche Bilder möglich werden. 1 e Der Prophet und Reformator, auf den ganz Deutschland wartete, der Heiland der Kleinen und Armen schien in der Per- son eines schwärmerischen Jünglings gefunden zu sein. Hans Böhm,) ein armer, einfältiger Hirt und Musikant zu Niklashau- sen an der Tauber, verbrannte im Frühling 1476 seine Pauke, veranlasst durch Erscheinungen der Jungfrau Maria, die daselbst eine kleine Wallfahrtskirche hatte. Die Busspredigten des jugend- lichen Phantasten, hinter dem vielleicht einer jener umherschwei— fenden Begharden und Winkelprediger stand, verbanden mit einer feurigen Marienverehrung den apokalyptischen Pessimismus der Zeit und vor allem die wirksamste, weil schärfste, Verurteilung der bestehenden Verhältnisse. Hier war die Botschaft, wie sie die„armen Teufel“ nicht besser wünschen konnten:„Das Reich Gottes stehe bevor. Es werde fortan weder Kaiser noch Papst sein, weder weltliches noch geistliches Regiment; auch werde jeg- licher Unterschied der Stände aufhören und unter allen Menschen brüderliche Gleichheit herrschen. Die Güter der Geistlichen und Herron würden eingezogen und unter die Gemeinde verteilt, die Pfaffen aber totgeschlagen werden. Alle Abgaben, Zinsen, Zölle würden aufhören; Wald, Wasser, Waide und Wild werde jeder- mann zu unbeschränkter Benützung freistehn. Es werde bald da- hin kommen, dass Fürsten und Herren um einen Taglohn arbei- ten müssten.“ Die brüderliche Gleichheit, die Freiheit von allen Lasten und von jeder Herrschaft erschien dem gemeinen Mann als das „Währe Evangelium“, dessen Verkündiger als der„Mann Gottes“, der sich des Volkes erbarme.„Also war der tolle Pöbel bald auf,“ schreibt Sebastian Brant,„und schwärmte aus allen Gegen- den dahin zu diesem Pauker, seinem Heiligen.“ Aus Bayern, Schwaben, dem Elsass, dem Rheingau, der Wetterau, aus Hessen, Sachsen und Meissen erhielt der„heilige Jüngling“ einen so ge- Waltigen Zuzug, dass an einzelnen Tagen bis an dreissigtausend Menschen in dem kleinen Dorfe und der Umgegend lagerten. „Die Handwerksgesellen“, sagt der Chronist Conrad Stolle,„liefen aus den Werkstätten, die Bauernknechte vom Pflug, die Grasemägde mit ihren Sicheln, alle ohne Urlaub ihrer Meister und Herren, und wanderten in den Kleidern, darin sie die Tobsucht ergriffen hatte. Die wenigsten hatten Zehrung, aber die, bei welchen sie einkehr- ten, versahen sie mit Essen und Trinken, und war der Gruss unter ihnen nichts anderes denn Bruder und Schwester.“ Auf den 13. Juli sollten seine Anhänger ohne Weiber und Kinder bewaff- 1) Näheres über ihn bei Barack K. A., Hans Böhm und die Wallfahrt nach Niklashausen im Jahr 1476 im Archiv des historischen Vereins von Unterfranken und Aschaffenburg 14e, 1108. Wi Würzburg 1858, p. 6—97. Ullmann, Reformatoren vor der Reformation. 2 Bde. Hamburg 1841, 1 Bd. I. 421—446. Zöllner, R., Zur Vorgeschichte des Bauernkrieges. Programm des Vitzthum'schen Gymnasiums. Dresden 1872, p. 76—79. Boehm W., Friedrich Re's Refor- ch-Erfurter Chronik, p. ereins in Stuttgart 1854, mation des Kaisers Sigismund. Leipzig 1876. Stolle, K., Thüring 120—126, herausgegeben von L. F. Hesse, in der Bibliothek des lit. P. 33, ff. . —. net erscheinen. Aber der heilige Jüngling ward noch rechtzeitig von bischöflichen Reitern ergriffen, nach Würzburg geführt und dort verbrannt. Vergebens stürmten Tausende von Pilgern mit brennenden Kerzen durch die Nacht ihrem entführten Heiligen nach, vier würzburgische Adelige an der Spitze. Der Traum von einem kommunistischen Gottesreich auf Erden schien mit einem Schlag in nichts zerflossen, während er doch in vielen Herzen weiterlebte. Durch die heimkehrenden Volksmassen wurden die Lehren besonders über den schwäbisch- alemannischen Teil Deutsch- lands verbreitet. Die Bauern gaben Namen und Zeichen für eine Bewegung, die in den niederen Klassen gährte. Man hatte das Sprichwort: „er bindet die Schuhe mit Bast, der es gelten muss.“ S0 wurde der Bundschuh, als die Fussbekleidung des armen, rechtlosen ge- drückten Landvolks, zum Symbol der Revolution, nicht nur für die Bauern, sondern auch für die kleinen Leute in den Städten. Unter den Pilgern zu Niklashausen waren auch Handwerker, und ein Teil der Würzburger Zevölkerung hatte mit dem agrarischen Heiligen sympathisiert.) Unverkennbar tritt der Zusammenhang der bürgerlichen und bäuerlichen Revolutionsmänner in einer Reihe von Bewegungen hervor, die zu Anfang der neunziger Jahre ohne äussere Verbindung, aber innerlich verwandt hier und dort die herrschende Unruhe offenbarten. So in dem Aufstande der friesi- schen und holländischen Käsebröder?)(1491/92), in der Erhebung der Bauern des Stifts zu Kemptené) gegen ihren Abt(1491/2), und endlich in der gross angelegten elsässischen Verschwörung von 1493. Unter den Hauptleuten des Bundes, der auf dem Hunger- berg bei Schlettstadt geschlossen wurde, standen obenan der Bür- germeister dieser Stadt, Hans Ulman. Man plante die Abschaffung der kaiserlichen und geistlichen Gerichte, aller Abgaben bis auf eine niedrig angesetzte Steuer, Plünderung der Juden und Reduk- tion des geistlichen Besitzes. Schlettstadt sollte überrumpelt und in der Schweiz um Beistand geworben werden. Aber die Sache wurde verraten. Eine Reihe von nachfolgenden Bewegungen, die alle das gleiche Schicksal hatten, lieferte immer von neuem den Beweis, dass mit allen Exekutionen die einmal vorhandene Stim- mung nicht aus den Köpfen zu treiben sei.“) Es war ein prophe- tisches Wort, das man dem auf dem Schafott sterbenden Hans 1)„Wie soll's wohl anders sein,“ heisst es in einer Schrift aus dem Jahre 1524,„wo die reichen Herren prassen, hinwider der kleine Mann gar sehr in Not ist durch Misswachs, Teuerung, KReuterey, Räuberei, Advokaten, sunstige Schandbuben, da entsteht leichtlich Aufruhr, denn Ubermütige und Aufweger haben es nit schwer, diesen armen Pöbel in Aufruhr zu bringen, wobei sich dann Recht und Unrecht menget und man am liebsten ganz ledig wär aller Ober- keit, aller Lasten oder nur geringe, weniger denn die Vorfahrer leisten will.“ 2) Sie führten einen Käse und ein Brot in ihrer Fahne. 5 3) Haggenmüller, Geschichte von Kempten I, 415; Zimmermann, Geschichte des grossen Bauern- krieges I, 290302.. 8 4) Berler, Chronik im Code histor. de la ville de Strasbourg J, 104. vgl. Zimmermann 1, 141 bis 145. Uber eine Verschwörung von mehr als 500 Gottéshausleuten der Abtei Ochsenhausen vgl. Stälin, württ. Gesch. IV, 94. „ Ulman in den Mund legte,„der Bundschuh müsse einen Für- gang haben, es stünd lang oder kurz.“ Während der nächsten drei Decennien bildete sich nun im Süden und Südwesten des Reichs eine feste, revolutionäre Tra- dition, als deren bedeutsamstes Schlagwort die Gerechtigkeit Got- tes oder das göttliche Recht erscheint, mit andern Worten die Negation des historischen Rechts, die Anwendung eines frei ge- wählten idealen Masstabs auf alle bestehenden Verhältnisse. Die- ses Schlagwort setzte ein im Jahre 1502 organisiertes Bündnis, dessen Hauptsitz das speirische Dork Untergrombach bei Bruchsal war, auf seine blauweisse Fahne. Die sollte neben dem Bild des Gekreuzigten auf einer Seite den Bundschuh, auf der andern einen knienden Bauern zeigen, mit der Aufschrift: Nichts denn die Gerechtigkeit Gottes. 5 Der beabsichtigten Uberrumpelung Bruchsals kam der Ver- rat zuvor. Vierteilung bei lebendigem Leib und andere grausame Strafen waren das Los der Ergriffenen.!) Aber einer der gewieg- testen Demagogen wussste sich zu retten und begann mit uner- müdlicher Zähigkeit das Werk von vorne. Das war Joss Fritz,) „ein Führer und Verführer des Volkes durch und durch, mit süsser Rede angethan, wohl wissend, wo den armen Mann der Schuh drücket und wo selbiger von Juden und andern Wucherern, von Advokaten und andern Beutelschneidern, von Fürsten, von ade- ligen und geistlichen Herren allzu sehr mit Lasten und Fronden be- schwert worden.“ Er hatte als Landsknecht Feldzüge und Schlach- ten mitgemacht und trat mit der Würde eines Kriegsmannes auf. Jahre hindurch bearbeitete er im Schwarzwald, am See und im Breisgau die ärmeren Bauern und solche,„die ihre Gemüter auf viel Zehrung und wenig Arbeit gestellt hatten.“ In Lehen, einem Dorf des Breisgaus, liefen die Fäden einer neuen Verschwörung zusammen, die in Wirtshäusern und auf Kirchweihen weiter gesponnen wurden. Joss Fritz begleitete hier die Stelle eines Bannwarts. Er liebte mit einer gewissen Eleganz aufzutreten und brachte seine Reden von der Schlechtigkeit der Welt, von der Gerechtigkeit Gottes und vom Bundschuh so süss und einschmeichelnd an den Mann,„dass ihrer jeglicher gemeint, von Stund an selig und reich zu werden“. Herrenlose Landsknechte und starke junge Bettler mit anderem fahrenden Volk waren die rechten Agenten für solche Geschäfte. Der Pfarrer von Lehen selbst erklärte das Unternehmen für ein„göttlich Ding, durch das die Gerechtigkeit gefördert werde.“ Was aber Joss Fritz und sein Haupthelfer, der Bäckerknecht Hieronymus aus dem Etsch- land unter göttlich, ziemlich und billig verstanden und„aus der 1) Trithem. Chron. Hirsaug. a. d Reichskorrespondenz II, 666. 2) Jos Jodocus. So heisst das Rodel von St. Peter:„St. J Jos appellabant.“ badisches Archiv II, 168 u. 169. Frankfurts ol, der Kaiserdom 242—248 Josthal zwischen dem Hohler en und Neustadt in einem u Tha! i. e. vallis S. Jodoci, veteris enim Germani Jodocum Schreiber, Geschichte d. Stadt Freiburg, p. 258 Note. 5 heiligen Geschrift schriftlich zu verfassen“ versprachen, war im wesentlichen das frühere Programm mit einigen Zusätzen. Auch diesmal kam es nicht zu dem geplanten Handstreich auf Freiburg(1513). Die Verratenen wurden gevierteilt, geköpft, verstümmelt. Aber wiederum war qoss Fritz entronnen, samt dem Fähnlein, das er um den Leib gewickelt trug.“) a Freiburg sah sich aus Grund der bei jener Verschwörung gemachten Erfahrung zu dem Geständnis genötigt, dass der ge- gemeine Mann auf dem Lande den Bundschuh für nicht 80 böse achte, als er doch wirklich sei, und der Landvogt von Hochberg klagte dem Markgrafen Christoph am 16. November, dass ein von ihm vor das»landbruchig malefizgericht“ gestellter Teilnehmer am Bundschuh nur um 10 Pfund gestraft sei und zwar aus der Ursache,„er sihe(sei) ein nar.“ Ganz Baden und Elsass geriet in Aufregung. Strassburg fürchtete besonders für seine im Breis- gau gelegene Herrschaft Kenzingen?) und besorgte, dass auch Strassburger Unterthanen daran beteiligt wären.?) Hierüber konnte Markgraf Philipp von Baden den Raf zwar beruhigen, meldete aber zugleich, dass viele Teilnehmer der Verschwörung im Elsass sässen. Gleichzeitig fanden auch in der Gegend von Bühl, in der Schweiz, in den Kantonen Luzern, Solothurn und Bern Erhebungen der niedern Volksklassen statt. Am gefährlichsten wurde aber die im Jahre 1514 in Württemberg unter dem Namen des„Armen Kon- rad“ ausgebrochene Empörung. Dieselbe stand in Verbindung mit dem Bundschuh zu Lehen. Aber während an diesem fast aus- schliesslich ländliches und städtisches Proletariat sich beteiligte, 80 dass es Mühe gekostet hatte, unter den Teilnehmern auch nur das Geld für die Bundesfahne zusammenzubringen, nahmen an dem armen Konrad auch wohlhabende Städter und Bauern teil. Die allgemeine Abneigung der Herrschenden, von ihren be- rechtigten oder unberechtigten Ansprüchen irgend etwas nachzu- lassen, sorgte am besten dafür, dass die Ideen des Bundschuhs nicht ausstarben. Die schärfsten Repressivmassregeln verfingen nicht, solange der Glaube an die Unverbesserlichkeit der Herren und an die Zukunft der Revolution lebendig blieb. Immer wie- 1) Das Nähere siche bei Schreiber: Der Bundschuh von Lehen und der arme Conrad zu Bühl, zwei Vorboten des deutschen Bauernkrieges Freiburg 1824. Besonders wichtig sind die bei- gegebenen Entersuchungsakten. Schreibers Darstellung dieser Be 8 vegung wird indes dadurch last wertlos, dass er die Verschwörung des Jahres 1513 mit einer später im Jahr 1517 entdeck- ten vermengt. Das in den Beilagen unter Nr. 3 abgedruckte Aktenstück gehört nicht, wie er „ ins Jahr 13, sondern 17, wie unzweifelhaft aus einem im Str D. Archiv befindlichen ben des Markgrafen Ernst von Baden v. 7. Sept. hervorgeht. vgl. Vi H., Politische pondenz der Stadt Strassburg im Zeitalter der Reformation. Erster Band, 15171530. assburg 1882, p. 104. 2) 1424 gelangte die Pfandschaft von Conrad von Weinsberg an die Stadt Strassburg. 1515 er- hielt Wolf von Hürnheim zum Puttenstein von K Maximilian die Erlaubnis, die Stadt Stadt und Herrschaft Kenzingen von Strassburg einzulösen. Dies geschah, doch unter der Bedingung, dass Osterreich sich das Recht der Wiedereinlösung vorbehielt. Urkunde im Kenz. Archiv.. 3) Der Schultheiss Jacob Doppler an den Rat, Mittwochs nach Dionysii(12. Okt.). Virck, 1. 0. P. 104. 5 — 6 der zeigt sich die Gestalt des unfassbaren Joss Fritz, aller Ver- folgungen spottend. Schon im Jahr 1514 waren die Obrigkeiten im deutschen Südwesten aufsichtig auf die mannigfaltigen Mas- ken, unter denen sich die Apostel des Bundschuhs zu bergen wussten. Als Priester, Stationierer und Heiltumführer, Aussätzige, „und teils ihr Antlitz mit Larven gemalt oder Mummerei verdeckt und mit viel seltsamer Gestalt des Bettelordens“, so zogen sie umher.) Es war der Abschaum des heimatlichen Proletariats, dessen unreinen Händen damit die Teilnahme an dem grossen Spiel um die Volksfreiheit eröffnet wurde. Mit solchen Werk- zeugen arbeitete Joss Fritz an einer neuen Bewegung, die im Herbst 1517 das ganze Gebiet zwischen Vogesen und Schwarz- wald erschüttern und gleichzeitig im Badischen und im Elsass ausbrechen sollte.?) Wieder kam der Anschlag vorher ans Licht, aber der Einblick in die Zahl und Beschaffenheit der Verschwörer, der sich darbot, war ein erschreckender. Neben den Bauern, Handwerkern und Wirten erscheint die unübersehbare Horde der fahrenden Leute, der Hausierer und Musikanten, der alten Lands- knechte, Bettler und Landstreicher, eine höchst verdächtige Ge- sellschaft,„der lange Hans und der krumme Peter, Spielhenslin, Spitzdenwürfel, das alte Kunzlein und andere Helden der Winkel- kneipe und der Landstrasse.“ Solche Gesellen, deren Heiligen- bilder, offene Wunden und Bettelsäcke nur das Aushängeschild für Gaunereien jeder Art bildeten, waren gedungen, an vielen Orten Feuer anzulegen.“) Obwohl nun auch dieser Aufstandsversuch wie so viele vor- hergegangenen missglückt war, und bis zum Jahre 1524 von kei- ner neuen Erhebung berichtet wird, so beweist doch die angeführte Thatsache allein schon, dass die Bewegung keineswegs aufgehört hatte, sondern die geheimen Anstifter, durch die so oft misslunge- nen Versuche vorsichtiger gemacht, sich nur weniger offen hervor- wagten. Es bedurfte bloss eines Anstosses, um die Lawine in Be- wegung zu setzen, welche das Land mit dem Untergang bedrohte. In die vorhandene Gährung trug die Reformation neuen Zündstoff. Der allgemeine Ruf nach evangelischer Freiheit und Gleichheit wurde von den gedrückten Bauern in handgreiflicher Weise auf ihre eigenen Verhältnisse gedeutet. Man sah in Euther den Verbündeten des gemeinen Mannes. Es gab in den Ausse- rungen eines energischen Charakters und eines lebhaften Tempe- raments genug Worte, die den Mann am Pfluge, den niedern un- zünftigen Stadtbürger anheimelten und leicht missverstanden wer- 1) Schreiben des Ludwig Horneck v. Hornberg, Landvogt zu Hochberg, an die Stadt Freiburg vom 14. Februar 1514 bei Schreiber, der Bundschuh von Lehen ete. Beil. 26. 2) Drei überzwesch gemachte Sebnitte auf dem rechten Rockärmel und der Ruf„St. Georg“ dien- ten den Verschworenen als Kennzeichen. Drei Tage vor Michaelis sollten sie sich in einer Stärke von 2000 Mann am Kniebis sammeln und damit der Anfang des Aufstandes gemacht werden. vgl. Virek, I. c. p. 105. Hierher gehört auch das Aktenstück bei Schreiber, I. e. Beilage 3. 3) Bezold, Friedr. v., Geschichte der Reformation, p. 157. 8 den konnten.!) Jetzt verband sich die Magenfrage mit der Kraft religiöser Erregung. In Böhmen war das Beispiel gegeben worden, wie man im Namen Gottes alle Vorrechte und Ungleichheiten aus- tilgen müsse. Auch in Deutschland wurde während des 15. Jahr- hunderts die Verbrüderung der politisch-socialen und der reli- giösen Umsturzideen teils vollzogen, teils angebahnt, und der Bauern- krieg bildet nur den Abschluss einer längst eingeleiteten Bewe- gung, die unter religiösem Feldgeschrei mit der völligen Nivellie- rung der deutschen Gesellschaft Ernst machen wollte. Wenn man weiss, dass sich an das Auftreten der früheren Reformatoren wie Wickliff und Hus demokratisch-socialistische Erhebungen der unteren Stände schlossen, so wird man es 80 gar wundersam nicht finden, wenn auch jetzt der bedrückte Bauer verlangte, mit der neuen Lehre, die Freiheit und Brüderlichkeit zu verheissen schien, solle einmal Ernst gemacht werden. Es kam binnen wenigen Monaten zum allgemeinen Ausbruch. Vom Juli 1524 an lief die sociale Erhebung„wie ein Brandfeuer von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf.“ Anfangs auf den Raum längs der Schweizergrenze vom Schwarzwald bis an den Boden- see beschränkt, ergriff sie bald das ganze Gebiet zwischen Donau, Lech und Bodensee und erstreckte sich über das Elsass, die Pfalz, den Rheingau, Franken, Thüringen, Hessen, Sachsen und Braun- schweig; im Süden über Tirol, das Salzburger Erzstift, die Her- zogtümer Steiermark, Kärnten und Krain. Die gemeinsame Grund- lage, das eigentliche Manifest aller deutschen Bauernbünde bilde- ten die„zwölf Artikel“, 2) jene Grundrechte des neuen Reiches, die jedem Kämpfer der Bauernheere deutsch heraussagten, was er zu erwarten, wofür er die Waffen zu ergreifen habe. Drei Forderungen erhoben die seit Jahrhunderten rechtlos Geknechteten, massvolle, bei billiger Einsicht wohl erfüllbare Forderungen. Zu- vörderst die Freiheit der Jagd, des Fischfangs, der Holzung und Ab- stellung des Wildschadens; zweitens die Abschaffung einiger neu an- ossen und kleinen Sermon vom Wucher“(1519) hatte Luther den Grundsatz aufge- s man ohne Zinsen leihen müsse; in der Schrift„von weltlicher Obrigkei„Wie man chuldig ist“, fand sich der 2 5 n Wird nicht, man kann nicht, man will v vrannei und Mutwillen die Länge leiden, 1 Euch nach zu richten, Gott wills nicht r haben. vor Zeiten, da ihr die Leute wie das Wild, Gewalt und denkt, dass ihr mit Recht bandelt und 12 t Gotts Wort seinen Ge Man übersah, dass auch dieser Satz in der Forderung gipfelt, dem Worte Gottes Müsse all- wege nachgelebt werden. Man wusste nicht, dass Luther seiner innersten Natur nuch gewalt- ˖ einschlagen stets missbilligen de. h des Urspru von Ster ie zwölf Artikel der ern etc.“, der den Waldshuter Pr Hubmaier für den Verfasser hält, und die Scl von Baumann,„di ern im März 1525 und d Wölf Artikel“(Kempten 1870), der die gramm der oberschwäbischen Bauern zu erw n sucht, welches mer Sebastian Lotzer zu Ende Februar entworfenen Memmi 9 ikanten Christof Sebapler abge wurdo. Dagegen Stern in den Fo schichte XII, p. 477513, mit dem Resultat:„Eine völlige Lösung are nun doch nicht erf, Dunkelheiten, welche ich nicht aufzuhellen vermag, bleiben Im Anfange 513—519 giobt Stern aus dem Münchener Reichsarchiv einen Abdruck des ältesten bekannten Exemplars der zwölf Artikel. Weitere Quellenangaben über die Ent- stehung derselben bei Baumann, F. L., Akten zur Geschichte des deutschen Bauernkrieg es in Oberschwaben. Freiburg 1877, p. 285—287 Note. iebe Fürsten und Herren; das wisset 2s ist zt nicht mehr eine Welt wie ebet, Darum lasset Ewer Frevel und 7 1 1 gl. die Schrift n Balthasar bischen Bau- auf's neue als Pro- rund der von dem er Artikel von dem 8 gelegten Lasten, der neuen Rechtssatzungen und Strafen, die Wie- derherstellung der vielfach eingezogenen Gemeindegüter; endlich aber drittens die Aufhebung der Leibeigenschaft,„da Christus mit seinem kostbaren Blute auch den Bauersmann erlöst habe.“ Sie wollten den kleinen Zehnten nicht mehr zahlen, sondern nur den grossen, da diesen Gott im alten Testament gesetzt hat; haupt- sächlich aber wollten sie ihre Prediger wählen, um von ihnen im wahren Glauben unterwiesen zu werden. In den Artikeln der Bauern sind kurz und allen fasslich die Ideen, die Grundsätze ausgesprochen, nach denen unsere Väter ihre politische, sociale und religiöse Lage verbessert wissen woll- ten, und welche die deutsche Nation 1525 ebenso erfüllten und entflammten, wie 264 Jahre später die„Erklärung der Menschen- rechte“ das französische Volk.) Das waren die Grundzüge der neuen Gesellschaftsordnung, kurz, klar und wuchtig vorgetragen, das war das leuchtende Ziel, das Hunderttausende begeistern und zum Verzweiflungskampfe entflammen musste.) Es dürfte aus den bisherigen Andeutungen unschwer zu er- kennen sein, dass der Druck, der auf dem Volke lastete, schon lange vor der Reformation Erhebungen veranlasst hatte und eine allge- meine Empörung vorbereitete. Der Brennstoff war seit vielen Decen- nien angesammelt. Die Reformation trat nur hinzu als der elektrische Schlag, der ihn überall zugleich entzündete. Die Aufstände in früheren Jahren waren vereinzelt, durch Ort und Zeit von einander getrennt. Jetzt standen auf einen Schlag alle Länder von den Vo- gesen bis zu den Karpaten, von den Quellen der Donau und des Rheins bis zu der Ostsee in Flammen. Der Drang, worin sich das deutsche Volk befand, war seit lange gemeinsam und doch konnten jene einzelnen Erhebungen nicht gemeinsam werden. Sie wurden es erst durch das Medium der Religion. Das Evange- lium wurde das Panier, welches das gedrückte Volk, wenngleich nicht zur Einheit des Planes, so doch zur Einheit des Zweckes vereinigte. Ohne den lange bestandenen Druck hätte die Refor- mation diese Ausbrüche nicht veranlasst, aber ohne die Reforma- tion hätte aueh der schon lange bestandene Druck diese allge- meine Empörung nicht hervorgebracht. Am Oberrhein, wo der Druck des österreichischen Adels besonders fühlbar war, und wo der benachbarte Schweizer in sei- nen Kämpfen gegen die österreichische und burgundische Ritter- schaft ein ermutigendes Beispiel gegeben hatte, brach der Auf. stand zuerst los. Der erste Hauptherd der Empörung war zu- nächst die dem Grafen Sigmund von Lupfen als Reichslehen ge- hörige Grafschaft Stühlingen. 1) vgl. Baumann, F. L., Akten ete. p. 5 2)„In eini ihrer Artikel weht uns ehr praktischer Verstand, mehr Billigkeit, mehr Kenntr ren Landesnotdurf in ganzen Reg aturen, in manchen Rechtsbüchern und in vielen unbeschnittenen Herzen jener Zeit.“ v. Hormayr, Goldene Chronik von Hohenschwangau, p. 180. I. Erhebung auf dem Schwarzwald und im Hegau. Der erste Hauptherd der Empörung. Die Stühlinger Bauern. Der Bauernhauptmann Hans Müller von Bulgenbach. Gleichzeitige Empörung in St. Blasien, im Klettgau, Hegau und Thurgau. Schreiben des Freiburger Rats an Wolf v. Hürnheim. Die Waldshuter Kirchweihe. Evangelische Bruderschaft der Aufständischen. ber Agitator Thomas Münzer im Klettgau und Hegau. Herzog Ulrich von Württemberg und seine„Praktiken“ mit den Bauern. Vor- gär auf dem Hohentwiel. Brief Freiburgs an Wolf von Hürnheim. Schreiben Wolfs an Truchsess von Waldburg und an das Stuttgarter Regiment. Wolfs Abreise nach Stuttgart. Fruchtlose Verhandlungen des schwäbischen Bundes mit den Bauern. Vergeblicher Versuch der Bauern Villingen einzunehmen. Zug derselben nach Südwesten. Panik im Breisgau. Zustände in Kenzingen. Aufstand der Handwerksgesellen. Schreiben des Jakob Doppler aus Kenzingen an Strassburg. Einfall in das Münsterthal. Beteiligung Kenzingens an der Unter- drückung des Aufruhrs. Folgen dieser Teilnahme für die Stadt. Hans Müllers Triumphzug durch den Hegau, die Baar und den Schwarzwald nach dem Breisgau. Der Weltbann. Gräuelthaten der Aufständischen in St. Blasien. Wie der Schweizer seine Freiheit mit Vorliebe auf den märchenhaften Apfelschuss Tells zurückführt, so knüpft der Schwarzwälder den Bauernkrieg an einen rücksichtslosen Befehl der Gräfin von Lupfen. Es war die Zeit der Ernte. Die Bauern hatten auf dem Felde vollauf zu thun. Da liess sie die Gräfin Helena von der Arbeit hinwegrufen, um für ihr Gesinde leere Schneckenhäuschen zum Aufwinden des Garnes zusammenzulesen.“) Die guten Stüh- linger lachten anfangs des unsinnigen Begehrens. Als man aber dessen Befolgung erzwingen wollte, griffen die entschlossensten Männer zu den Waffen und zogen am St. Johannisabend, den 23. Juni, vor das Schloss des Grafen. Sie bätten sich, lautete ihre Erklärung, entschlossen,„hinfür die althergebrachten Fro- nungen und Dienste nicht mehr zu thun; sie wollten für sich selbst in den Wildbännen, Forsten und Fischwassern jagen, vogeln 1)„Die Bawern solten in der Erxnd und unrüewigen Zit der Gräfin Sehneckenhäusslin sammlen, das sie Garn daruf winden khinde.“ Villinger Chronik bei Mone, Quellensamm! ba- dischen Landesgeschichte II, 90 u.. das Schreiben des Erzherz rdinand vom 11. Juli 1 bei Schreib krieg, Nr. 3. Ist nun auch eine solche Zumutung durch Urkunden n bar, so zeigen d lass durch die „mutwillige Dienerse t ses“ den Unterthanen al und. en Lasten noch durch Ube t und Hohn erschwert wurden. auch örtgetrieben worden, während auf erhobene Klage der Herr nichts davon gewusst zu haben vorgab. Schreiber I. c., Nr. 57 u. 62. de 2 und fischen und das alles frei haben; auch die Gülten und Ab- gaben nicht mehr leisten, noch die, so Strafe verdient, mit Ge- fängnis strafen lassen.““) An der Spitze dieser Bauern, deren Zahl bald auf sechshun- dert anwuchs, stand Haus Müller von Bulgenbach, ein kühner und entschlossener Demagog. Er imponierte den Leuten durch Gestalt, Gewandtheit und Erfahrung.„Auch war er ganz wohl- beredt“, schreibt über ihn St. Blasiens Chronist, Andreas Letsch; „seinesgleichen Redner mocht man nit finden. Alle Menschen fürchteten denselben Hans Müller. Ich habe ihn auch wohl ge- kannt, er war ein ziemlicher Mann in rechter Mannes Länge, welcher hiervor lange Jahre in Frankreich gekriegt hatte.“) Zum Hauptmann eines Bauernheeres wie geschaffen, organisierte und leitete er den lupfischen Haufen 80 geschickt, dass sich demselben in der Folge auch der hegauische unter Hans Murer von Mühl- hausen und der hauensteinische unter Kunz Jehle von Niedermühle willig anschlossen. Denn gleichzeitig mit der Erhebung der Stüh- Iinger“) erfolgte eine Empörung der Bauern in St. Plasien), im Kleitgau') und im ganzen Hegau, wo der in früheren Bauernauf— ständen erprobte Joss Fritz das Volk aufwiegelte. Er erschien in„einem alten grauen Bart und liess sich allerwegen hören, er könne oder möge nit ersterben, der Bundschuh habe denn zuvor seinen Fürgang erlangt“. 6) Auch im Thurgau kam es im Juli 1524 zu einem wilden Auflauf. An fünftausend aus dem gemeinen Volk überfielen die 8 1) Brief des Grafen Sigmund von Li pfen vom 25. August 1524 bei Schreiber, Nr. 15—18. Während dem Erzherzog e Unruhen der Schwarzwälder vornherein als„Läufe und Empörung in der zutherischen Sache!“ dargestellt wurden(Schreiber„. Nr. 8), so erklärten ihrerseits die Bauern,„ihre Forderungen hätten mit dem Evangelium nichts zu thun. Sie seien nicht evangelisch und sie hätten des Evangeliums wegen nicht zusammenrottiert.“ Dasselbe ergiebt sich auch aus den ältern 16 Bauernartikeln, die sich von den spätern 12 durch völli- ges Nichtvorbandensein religiöser Beweggründe unterscheiden. Mone, Quellens. II., 94, Zim- mermann, Allgemeine Geschichte d. gr Zauernkrieges. 3 Bde. Stuttg. 1854. B. II, 17, ff. 2) Andreas Letsch bei Mone II, 46 3) Uber die Frage, welchem Gau Stühline Alpegau, St„ die 12 Artikel p. 3 n zuzuteilen ist, vgl. Zimmermann II, 13; im alten im He 1 nach einem Ausdruck Erzherzog Ferdinands bei Schreiber, Urkunden 1524 elleus. II. 119;„zu Stielingen und im g. Hegau“, Schreiber p. 3, wo Ferdinand Stühlingen von dem Heg det. Nach Bader(Zeitschr. für Gesch. des Oberrh. XXII, p. Stühlingen in dieser Zeit dem Klettg gerechnet. Die Gleichzeitigkeit der Bewegung kennen frühere Darsteller nient, dagegen! anssen, Gesch, des deutschen Volkes II, 463; vgl. Kessler, Sabbata III, 1350(Mitteil. zur vaterl. Gesch. des hist. Ver. v. St. Gallen 1866): l entlich noch gewiss zu schriben, welche buren sich erstmals widerwillig gegen iren obri diten gestelt, dan es fast in ainem just, uffrustung und schier in ainem flammen angang Vie ich aber bericht bin, so ist es im Hegoy erstlich embrunnen und umb den Schwartzwald.“ Wie es um den Seè und in der Landgrafschaft Nellenburg jetzt schon gärte, beweist der bei Schreiber I. 5 von Raming an den Bischof von Konstanz be- richtete Anschlag auf den Abt von Reichenau und an die Versammlung der Bauern zu Then- gen. Vgl. Lina Beger in„Forschungenwmur deutschen Geschichte“. Bd. XXI, p. 575. 1)„Die Unterthanen des fürstlichen Stikts kündigten dem Kloster die Leistungen und Gefälle der Leibeigenschaft und wollten frei wie andere Landschaften gehalten werden.“ Schreiben des Abts Johann an den Prokurator des Hofgerichts zu Ensisheim vom 30 Mai 1524. Schreiber NI. 8 5) Die Klettgauer Bauern, Enterthanen des Grafen Rudolf von Sulz, erklärten:„Wir sind mit Beschwerden und Bürden dermassen übersetzt, dass wir dieselben füran nit gedulden noch tr n mö wir wollten dann uns und unsere arme Kindlein an den elenden Bettelstab richten.“ ber Nr. 4. 7 6) Mone II, 17, Mone's Badisches Archiv II, 116. Schreiber I. Vorrede, p. XXV. Oechsle, Beiträge zur Gesch. des Bauerukrieges, p. 38 ff. 11 Kartause Ittlingen bei Frauenfeld, raubten, plünderten und brann- ten.!)„Sie haben“, schrieb am 4. August der Rat von Freiburg an Wolf von Hürnheim, den Pfandherrn von Kenzingen,„in der Kartause so unchristlich gehandelt, dass es über die Massen sein soll. Sonderlich soll einer das heilige würdige Sakrament ausgeschüttet, mit Füssen darauf géetreten und geredet haben die Worte: Du bist der, von dem alle Ketzerei hei kommt.“ 2) Es bildete sich als„christlich-brüderliche Vereinigung“ ein Bundschuh von grossartigem Stil. Man sandte Boten und Herolde nach allen Enden des Reiches, um eine allgemeine Erhebung des gemeinen Mannes zu verkünden. Wie eine Lawine wälzte sich der Aufstand täglich anschwellend von den Höhen des Schwarz- waldes über die deutschen Gaue. In wenig Tagen hatte Hans Müller mit seinen hellen Hau- fen die dem Grafen Sigmund von Lupfen gehörige Landgrafschaft Stüblingen und den Klettgau, das Gebiet des Grafen Rudolf von Sulz,) erobert. Dann führte er am Bartholomäustag, den 24. August, zWölfhundert Bauern hinunter nach Waldshut zur Kirchweihe. Waldshut, die vierte Schwester der österreichischen soge- nannten Waldstädte, Laufenburgs, Säckingens und Rheinfeldens, am Hochgestade des Rheins und im Angesichte der Schweiz ge- legen, war zur Zeit die Hauptburg des Evangeliums am Oberrhein geworden. Der wunderliche, aber hochbegabte und feurige Doktor Balthasar Hubmaier hatte daselbst zwei Jahre des Predigtamtes gewaltet und die ganze Stadt zur neuen Lehre bekehrt.) Jetzt fing er an zu lehren,„wie das gemeine Volk eine Obrigkeit zu setzen und zu entsetzen habe und nicht schuldig sei, Zehnten, Zinse und Gefälle zu geben.“„Wasser, Fisch, Holz, Feld, Wein, Weide, Wildbret, Vögel sollten frei sein.“ Auch predigte er„wi der Papst, Kaiser und König“ und fragte,„wer sie geheissen habe, Fürsten zu sein.““) Vergeblich waren alle Mahnungen des kaiser- lichen Regiments,„diesen Hauptförderer des Aufruhrs“ zu entfernen und zur alten Lehre zurückzukehren. Da nahte Mitte August der Sekretär des Erzherzogs Ferdinand, Herr Veit Sutor, mit der Nachricht, wenn Waldshut den Doktor nicht fortweise, werde kai- serliches Regiment mit dem Schwerte eingreifen. Wie das ge- meint war, hatte eben erst die Stadt Kenzingen erfahren. Auch ihr Prediger Jakob Otter sah sich gewaltsam zur Flucht getrie— ben. Anderthalb hundert Bürger gaben ihm bei seinem Weg— 1) Brief des Veit Sutor vom 19. Juli 1521 bei Schreiber Nr. 4A—5, worin Näheres über die Ent- stehung des Auflaufes. 2) Schreiber Nr. 9. 3) R. v. Sulz war Erbhofrichter des Hofgerichts zu Rottweil und Statthalter der vorderöster- reichischen Regierung zu Innsbruck. Leber seine harte Gesinnung gegen Kenzingen vgl. „Sussann, Kenzingen in der Reformationszeit. Programmbeil. der Höh. Bürgerschule 1888, p. 31. 4) Uber Hubmaier und seine Thätigkeit in Waldshut, vgl. Schreiber, Taschenbuch für h. und Altertum Süddeutschlands. I. u. II. Jahrg. Freiburg, 1839 u. 1840. Stern A., Uber die zwölf Artikel der Bauern und einige Aktenstüeke aus der Bewegung von 1525. Leipzig 1868. p. 57 ff. Mone II, 46. 5) Stern, 1. c. p. 66— 70. 12 gang bis zur Grenze das Geleite. Als sie wieder heim wollten zu Weib und Kindern, fanden sie die Stadtthore verschlossen und wurden trotz aller Bitten nicht mehr eingelassen. Sie zogen nun rheinabwärts nach Strassburg, wo man sie gastlich aufnahm. Da- rauf wurde Kenzingen von Freiburg besetzt und die des E vange- liums Angeklagten gefangen genommen. Es fiel, weil er das Abendmahl unter beiderlei Gestalt empfangen, das Haupt des Stadtschreibers; es fielen noch fünfzehn andere Köpfe unter dem Schwerte des Nachrichters.“) Jetzt sollte Waldshut an die Reihe kommen. Die Axt lag an der Wurzel. Das wusste Hans Müller und sein Unterhaupt- mann Kunz qehle ganz genau. Deswegen waren sie hierherge- zogen mit keineswegs verächtlicher Heeresmacht, der das kaiser- liche Regiment vom Elsass bis zum Bodensee nicht entfernt ge- wachsen war. Sie wollten der ringenden Stadt zeigen, welche ungeahnt reichen Hilfskräfte ihr zur Seite standen. Aber sie such- ten an Waldshuts festen Mauern und reisigen Bürgern auch einen treuen Rückhalt in Freud und Leid.?) So war beiden gedient. Die Stadt liess sich in die christliche Brüderschaft aufnehmen. Der Eid ward von beiden Seiten feierlich geleistet. Dann zog Hans Müller nach freundlicher Bewirtung seiner Zwölkhundert ab. Die von Waldshut zahlten ihm von da ab die Bundessteuer, auf den Kopf einen halben Batzen die Woche. Damit wurden die Boten bezahlt, die der Bulgenbacher durchs ganze Reich aus- gehen liess.“) Nun nahte sich den Grenzen dieses ohnehin fieberhaft er- regten Landstrichs der Mann, der bei dieser Stimmung bei wei— tem der gefährlichste war, Thomas Münzer. Diesen ungestümsten, wildesten, beredtesten und tollkühnsten Schwärmer hatte sich der deutsche Norden eben vom Halse geschafft. Er war der Gefahr seiner Ergreifung in Thüringen durch die Flucht nach Süddeutsch- land entwichen. Durch mystische Schriften begeistert, eiferte er in seinen Predigten heftig gegen scholastische und päpstliche Theologie. Er bestritt aber nicht nur das Papsttum, sondern auch das„knechtische, buchstäbische und halbe“ Wesen der„leisetre- tenden“ Reformatoren. Selbst Luther war ihm zu unentschieden. Laut und frech predigte er gegen den„Dr. Lügner, gegen das geistlose, sanft lebende Fleisch zu Wittenberg“ und forderte mit Berufung auf sein„inneres Licht“ eine radikale Reformation in Kirche und Staat, Ausrottung aller Obrigkeit. Ein kommunisti- scher Gottesstaat war sein Ziel. Wohin er kam, predigte er blu- tigen Aufruhr und rief die Bauern zu einem Vernichtungskampfe 1) Sussanu, Kenzingen in der Reformationszeit, I. e. 2)„So haben sich die von Waldshut mit den aufrürischen Stülingischen und etlichen Schwartz. wüäldischen vermischt, hilf, rath und rücken, in ihrer ungehorsame, bei denselben gesucht.“ Vortrag der österreichen Kommissäre auf dem Bundestag zu Ulm am 28. Okt. 1524 bei Klüpfel, Urkunden zur Geschichte des Schwäbischen Bundes. 2 Bde. in der Bibliothek des literarischen Vereins in Stuttgart. Bd. 14 u. 15 Stuttg. 1846. II. Bd., p. 292. 3) Villinger Chronik bei Mone II, 90. 8 183— auf gegen die„gottlosen Fürsten und Pfaffen“. In Böhmen hatte er sich an den alten blutdürstigen Lehren der Taboriten mit wilde- ster, e Unduldsamkeit erfüllt. In seinen Briefen und Schriften unterzeichnete er sich stets:„Thomas Münzer mit dem Schwerte Gideonis- Denn die Ungläubigen sollten sämtlich mit dem Schwert ausgerottet werden, damit man ein Reich aus lauter Gläubigen aufrichten könne. Die Ungläubigen aber waren alle, welche der bestehenden Ordnung der Welt anhingen. In Nürnberg und Basel war er aufgetaucht und rasch wieder ver- ne Dann hatte er sich mit den Schweizer Wiedertäukfern in Verbindung gesetzt. Das Losungswort aller dieser Menschen, welche den R en der Beier tion ob ihres Ansehens und rer klugen Mässigung grollten, war die Wiedertaufe— eigentlich nur eine theologische Spitzfindigkeit, ein Ding, über das sich nie- mand erhitzt und verfeindet hätte, wenn nicht andere Absichten und Pläne dahinter versteckt gewesen wären. Jetzt war Münzer im Dorfe Griessen, zwischen Waldshut und Schaffhausen, angelangt. Auch„hier trieb er sein Wesen fleissig“ und pflanzte seinen giftigen Samen des Bauernaufruhrs in die Herzen der Empörer. Er verkündigte den Bauern das heilige Evangelium von der bevorstehenden Aufrichtung des tau- sendjährigen Reiches. Die Christenheit werde frei sein von allen Tyrannen und ein Volk von Brüdern bilden. Das Grosse müsse dem Kleinen weichen und vor ihm zu Schanden werden. „Ach wüssten das die armen verworfenen Bauern, es wäre ihnen gar nützlich“.) Die ganze Masse, die unter dem Bulgenbacher stand, strömte zu des neuen Propheten Füssen. Sie lauschte gläubig seinen wilden Offenbarungen und berauschte sich hier zu künftigen wilden und blutigen Thaten. Ganz anderen Standes als Joss Fritz und Hans Müller, Bal- thasar Hubmaier und Thomas Münzer war einer der 1 Aufwiegler des gemeinen Volkes Ulrich von Württemberg, 5 verloren Fürst, eine jener aufstrebenden Herrscherge stalte„ die in unruhiger Zeit gross zu werden hoffen Dieser Ulrich 1015 We- gen seiner eigentümlichen Geschichte einer der bekanntesten würt⸗ tembergischen Herzoge. Geschichtschreibung und Sage haben sieh viel mit ihm befasst. Schon als elfjähriger Knabe war er in den Besitz des Herzogtums gelangt. Mit 16 Jahren wurde 1) Zimmermann II. 86; 113—115. Stern, 35—37. Seidemann, Thomas Münzer. Leipaig 1842, p. 53. 152. Falkenheiner, graf Philipp im Bauernkriege.„ P. 33. ff. Strobel, Thomas Münzer's Leben. Nürnberg und Altdorf 1795. zer acht Wochen lang au und Hegau als 8 des politisch en und s. a0 kalismus gewirkt, wandte oder nach Thüringen, blieb aber mit den süddeutschen Bauern in Verbindung,„hetzte ie unruhigen Leute wider ihre Herren und 1 an.“ Auch in Thüringen rief er die Bau.* te auf und stellte sich selbst an die Spitze eines Haufens. E n geschlagen, gefangen und enthauptet. Vgl. Kraus, F. 1525, in den Anna- len des V Bd. 12.(Separat- Abdruck. Wiesbaden 1874.) Heyd, zog Ulrich von Württembe Irich, Herzog zu Württemberg“(Stuttg. 2 u'sc 15 Altern e und Geschichtsforschu rg“(3 Bde. Tüb. 184143) II. 132135. Kugler, 1865). für volljährig erklärt. Ein glücklicher Krieg gegen die Pfalz (1504) verschaffte ihm Ruhm und ansehnliche Besitzungen, wäh- rend seine Verbindung mit Sabine von Bayern, der Schwester tochter des deutschen Kaisers Max I., ihm äusseres Ansehen er- warb. Aber Leichtsinn und schlechte Finanzmittel machten ihn bald verhasst. Seine verschwenderische Re gierung lastèete mit, gleicher Schwere auf dem Adel, den Städten, wie auf dem Bau- e Unter letzterem bildete sich schon 1514 eine Ver- schwörung, der arme Konrad genannt, der von bitterem Scherz 5 1 sich von Nirgendheim 1 hatten, wie sie sagten, ihre Güter auf dem Hungerberge zu furchtbarem Ernst des Auf— standes und der Verwüstung üͤberging Aber auch die anderen Stände erhoben sich, und 80 musste 5 8 Herzog das allgemeine Verl 8 nach einer gesetzlichen Ordnung. Im Täbin- ger Vertrag(im Juli 1514 erhielt die Landsc haft gegen Uber- nahme der bperzoglie hen Schulden viele Rechte, welche die Grund- lage der würt ttenpergischen Verfassung wurden. Bald jedoch ge- 1 8 der Herzog in 1 ärgere Verwicklungen. Durch den Urias— mord seines. und Vertrauten, Hans von Hutten, und die Misshandlung der Herzogin brachte Ulrich den süddeutschen Adel gegen sich auf. Und als er gar die freie Reichsstadt Reut— lingen überflel und besetzte, sprach der Kaiser Max die Acht über ihn aus. Das Heer des schwäbischen Bundes, dessen Mit- glied die Reichsstadt war, rückte in Württemberg ein und ver- trieb den Herzog von Land und Leuten. Der Bund verkaufte das Land an Osterreich(1520), und Karl V. belehnte damit sei- nen Bruder Ferdinand.!) Die Regierung führte ein Regimentsrat von 10 Mitgliedern. Unter diesen war auch Wolf von Hürnheim, der Pfandherr der Herrschaft Kenzingen Ulrich hatte sich nach seiner Verjagung nach der Schweiz gewandt, wo er zu Anfang Unterstützung bei Solothurn und später bei anderen Kantonen fand.?) Basel, das ihm, wie früher Solo- thurn, um Johanni 1524 das Bürgerrecht zugestand, Schaffhausen und Zürich schienen am günstigsten gesinnt zu sein. Sie zeigten sich auch nicht abgeneigt, Mömpelgard, sein überrheinisches Erb- land, zu kaufen und forderten Bern zur Teilnahme an dem Ge- schäft auf. In Zürich und Schaffhausen suchte der Herzog seine Sache persönlich zu fördern. Gleich nach seiner Vertreibung geberdete sich Ulrich als Freund der Bauern und unterschfieb sich in seinen Briefen an sie: „Uotz Bur“(Ulrich Bauer). Mit IIilfe des„Pöbels, an den er sich seit Jahren gehängt hatte,“ gedachte er sein Herzogtum wieder ein- 1) e ine, Ubergabe Tübingens an den Schwäbischen Bund und die Tübinger Klausel“ u. J. Wille,„die Ubergabe des Herzogtums Württemberg an Karl V. 1520“ in den Forschungen zur de utscllen Geschichte. Bd. 21,. 63—113 und pag. 521577. 2) Heyd II, 29 fl. Solothurn, Luzern, Zürich, Uri, Enterwalden, Zug und Schaffhausen erk 8 sich zur Verhandlung für ihn bereit. Solothurn und Luzern brachten bedeutende Summen für ihn auf, ersteres 34,000 fl. für Mömpelgard. * zunehmen.„Hätte er Württemberg einmal im Besitz, so wolle er alle reichen Pfaffen und Mönche der Last ihrer Güter so sehr entledigen, dass sie wie die Apostel mit dem Bettelsack umher- ziohen sollten“. Auch„die reichen Kaufleute, die Volksschinder, wollt' er schatzen, dass ihnen vor Schrecken und Not das Blut aus den Augen springen sollte.“ Seit dem 23. Mai 1522 hatte er mit französischem Gelde) von Heinrich von Klingenberg die Felsenburg Ilohentwiel2) er- worben. Diese versah er mit reichem Proviant, liess grosse Büchsen giessen und trieb seit September 1524 ununterbrochen „grosse Praktik mit den Bauern im Hegau, in Stühlingen und auf dem Schwarzwalde.“ Er forderte sie auf, sie sollten sich zu ihm schlagen und ihm dienen, er wolle ihnen„beraten, beiständig und beholfen sein.“ Es wurde ein Weisses damastenes Fähnlein aufgerichtet, bemali mit einer Strahlenkrone, einem goldenen Bund— schuh mit der Umschrift:„Welcher will frei sein, der ziehe her zu diesem Sonnenschein.) Diese Vorgänge wurden von Freiburg sofort an das Mitglied der Regierung, Wolk von Hürnheim, nach Kenzingen berichtet.„Wir haben durch etliche glaubwürdige Diener, die wir darum ausge- sandt, wahrlich vernommen, dass Herzog Ulrich gegen den Hohent- wiel gezogen und daselbst praktizieren soll, einen Bundschuh auf- zurichten, und dass etliche Bauern aus dem Hegau bis gegen tausend sich unter die nächsten Dörfer unter Twiel zusammen ge- schlagen haben. Was Fürnehmen diese haben, können wir nicht wissen, jedoch ist gut, dass alle Ehrbarkeit Fürsorge trage. Es haben auch die von Basel dem Herzog auf Mömpelgard zehn- tausend Gulden geliehen und steht der Herzog in Werbung, ein Haus zu Basel zu kaufen. Das haben wir Euch in Eile nicht vor enthalten wollen.)“ Der Leitpunkt zum Losbruche schien für Ulrich höchst gün- stig gewählt, indem der Kaiser im Winter 1524—1525 das beste Kriegevolk für den lombardischen Krieg gegen den französischen König verwenden musste. Dieser batte, um auch in Deutschland die Kriegsflamme zu entzünden, den Herzog schon lange ange- stachelt,„einen Aufstand der Bauern zu erregen und an deren Spitze zur Wiedereroberung seines Herzogtums in Württemberg einzubrechen.“ Auf seine Hilfe sich stützend hatte Ulrich angeblich viele Tausend Böhmen gewonnen, in die Länder des Erzherzogs einzukallen. Er selbst sammelte allmählich 32 Fähnlein von aller- 1) Laut Vertrag vom 2 2 1521 trat der Herzog in den Dienst des französischen Königs und räumte diesem d nungs- und Besatzungsrecht in allen Städten und Schlössern der ihm verbliebenen Grafschaft Mömpelgard ein. Zum Ankauf von Hohentwiel er! t dieser von Franz 2000 Sonnenkronen. Nach einer Angabe des Königs vom September 17 datte der Her- zog in den letzten 13 Monaten von ihm 8536 Sonnenkronen erhalten. Der Herzog klagte aber über Frankreichs kärgliche Almosen. Heyd II, 132135. 2) Walchner, Gesc ate von Radolfzell 16 3) Zimmermann 1. 39—43 4) Freiburg an Ritter Wolfg⸗ Francisci(7. Okt.) 1524. P Stälin 4, 25 55. 5 ig von Hürnheim, Pfandherr zu Kenzingen. Dat. uff Fritag nach reiburg Stadt-Arch. 16— lei Farben,„mit grossen, weissen Kreuzen auf französisch“) meist Schweizer. Schweickard von Sickingen und Hans Thomas von Absberg?) zogen mit einigen Hundert Reisigen zu. Von der grössten Tragweite wurde die Hilzinger Kirchweihe, deren Besuch man vergeblich verboten hatte. Hier erschien am 2. Oktober Hans Müller mit den Schwarzwäldern. Es kamen neue Scharen aus dem Hegau, der Höri, den Besitzungen des Abts von Reichenau und des Bischofs von Konstanz unter ihrem Hauptmann Hans Murer. Nun fand eine Konsolidation der Bewegung statt, die durch die Teilnahme des Herzogs Ulrich einen um so bedroh- licheren Charakter annahm. Schon am 11. Oktober standen gegen 5000 Mann unter der schwarz-weiss-roten Bundesfahne. Die Furcht der österreichischen Regierung erneuerte sich. Denn von überallher trafen die schlimmsten Nachrichten ein. Wilhelm Truchsess von Waldburg, der Hauptmann des schwäbischen Bundes, erhielt ein Schreiben des Pfandherrn von Kenzingen, des Ritters Wolf von Hürnheim, welches wichtig genug erschien, um sofort der Stutt— garter Regierung mitgeteilt zu werden.“) Darnach hat Wolf, als er am nächstvergangenen Zinstag mit dem Amtmann von Reichenweil und Herrn von Rapoltstein wegen des Todschlags Hans Junkhers vor dem Regiment(Unsisheim) er- schienen, durch einen glaubhaften Ritter allerlei jetzt nicht zu be- schreibende„ernstliche Handlung Herzog Ulrichs halb vernommen, er werd solang, so kurz gewislich kommen...„So pin ich also treffentlich gewarnt, das Hauptmann von Rosenberg und Ab- sperg pindisch ach pfaltzgrefisch veind umb mich in der Art pei der nachpaurschaft underschleipfeern, pfening zern, halten, strai— fen ungerechtfertigt vor aller Welt und dermassen, das ich an nidergelegen(Niederlagen) nit waiss hin auszukommen..„Es ist auch der Her von Erbach durch unser land und zu Prisach über die pruckh un alle rechtfertigung gefert pis gen Mümpelgart, alda er leit. In summa die lepf(Läufe) stand in unserem Land also piswerlich und sorgklich als nie uff erden gestanden sind.“ Dieses Schreiben enthält eine Einlage folgenden Inhalts: Wolf hat zu Ensisheim vernommen,„wie Stoffel Passenstein hin- weg und zu denen von Strospurg kummen soll“...„Wenn man in uff zwei pferd mee(dann) die von Strospurg pistellen 1) Kessler, Sabbata I, 364. 2) H. Th. v. Abs„der Hände- und Füsseabhacker“, trieb sein Unwesen und seine Scheuss- lichkeiten bis Jahre 155 chem er von einem quden,„seinem vertrautesten und 2„in wel besten Freund und Wirt,“ dem er gewöhnlich seinen Raub zuführte, ermordet wurde.„Der hatte ihn trunken gemacht, dass er auf dem Tisch entschlafen, und ihm mit einem Faustrohr einen Schuss ins Herz geben und mit Hilfe eines anderen quden ihm den Kopf mit Kolben lagen und ihn also, wie einen wütenden Hund, ehe er recht aufwachen können, in sei- en wurde eten, versti N wolt, acht ich yn noch zuo euch zuo vermegen.“ Auch andere Ritter und Edle haben mit ihm geredet, begern des ainer antwurt (über Anwerbung und Besoldung durch österr. Regierung?). Ein Jäger des Herzogs,„der Pfleming schleuft im land pei euch umb und macht dem Herzog sein prakticken.“ Nach einem weitern Schreiben ging dieser Brief am 30. Ok- tober vom Stuttgarter Regiment wieder an Wilhelm Truchsess zurück unter Bewilligung von sechs von Wolf erbetenen Reisigen. Dieser aber hatte, wie aus einem Schreiben des Vogts von Ri- chenwiler, Sebastian Linkh, an das Stuttgarter Regiment hervor- geht, Mornstag post omnium Sanctorum, 3. Nov.) Kenzingen ver- lassen und sich selbst auf den Weg nach Stuttgart gemacht. Hier trak er am 8. November mit den ernstesten Nachrichten ein. Die Stuttgarter Regierung berichtet darüber„Datum eito am 9. tag Novembris“ an die Herren zu Ulm:„Wolf von Hürnheim, auf gestern zinstag spät in Stuttgart angekommen, meldet: Wolf Diethrich von Pfyrt, von Basel kommend, erzählte ihm, wie ihn der Herzog zur Tafel geladen..„und als er mit ihme geessen, were der Hertzog ganz frölich und lychtsinnig gewesen und hat gesagt, man legte ihm zu, wie er sich mit dem pundschuh under- stèeen sölte, wider in sin Land zu kommen, darinn geschehe ihm onrecht, dann wiewohl er lyden möcht, wer ihm zu sinem vatter- land helpf durch stiffel oder schuh(Ritter oder Bauer), verhoffe er doch mit mer ern dazu zu komen. Ferner Berichte über seine Rüstungen, sein Geschütz„recht mauerbrecherin“, sei- nen Zulauf. Hans Imber von Gilgenberg lässt mitteilen, dass Ulrich und Jörg„by wenig tagen onver Enssisheim sich in einem schlöss- lin“ vereinbart. Wolf verlangt ernste Rüstung. Um Geld und Geschütz zu erlangen, sei Ufrich„genottdrengt Mümpelgart zu verkoffen“) und gang mit vil und allerlei grossen praticken umb, daran in wahrheit dem gantzen rych gelegen, und aller ober- und erbarkeit zu nidertruckung, sterben und verderben reichen mög, darum guts uffsehens hoch von nöten...„Daneben hab ich (W. v. II.) auch erkundiget, das der Hertzog taglichs zu Basel herus uff die hart zwu oder dry miyl wegs mit 16 oder etwan 20 pferden reyt in spatzierens wys und zu zyten Schwicker von Sickingen mit im. So ime etwas der zerung wert an die Hand stiess, ist wol zu gedenken, die wurden sich nit soumen..“ Dazu kommen Berichte Hug Wernhers?), welche an die Bundes- stände und Fl. Dl. gesandt werden sollen. Hürnheim findet auch, „dass es leyder in unserm land Elsas, Suntgöw und Bryssgöw ganz übel dermassen steet, das eleine gehorsame vorhanden Aber daneben tragen wir und nit onbillich alle erbarkeit dis lands, höhe beschwernus, Fl. Dl. jungsten schrybenss) neben anderm 1) Jörg, I. 168. Eidgenössische Abschiede Nr. 222 ff. 2) Hug N von E hingen, Vogt zu Balingen. 3) Baumann, Akten zur Geschichte des Bauernkriegs aus Oberschwaben. Freib. 1877. Nr. 32 u. 36. 3 anzögend, warum gegen Hertzog Ulrichen nichts thatlichs fürzu- nemmen 9199 r er niederzuwerffe— sey, dwil doch er als unser höch- ster und erschreckenlichster todfeind' alle zu verderben droht... Verlangen, dass Fl. Dl. sich selbst um ihre Erblande kümmere, und weisen darauf hin, dass man Ulrich bei einer seiner Spazier- ritte festnehme. Solchen Umtrieben gegenüber, die namentlich den Hegau tief aufregten, glaubten 1 55 N 15 n Regierungen genug zu thun, wenn sie die Eidgenosst n an ihre Zusage, 115 sie 5 1 en n Bunde gemacht latte n, und an ihre Erbeil nigun g mit 1 Hause Habs- burg erinnern liessen. Sie beschränkten sie 1 darauf, dermassen gegen U lieh zu handeln,„dass fürstliche Durchlaucht vor unvor hergese he- nem Ube fall, Nachteil und Schaden behütet würden.“ Hans Müller zog sich mit seinen Haufen in eine feste Stellung bei Ewatingen und Rietheim zurück. Die Herren hatten eine gewisse Scheu, ihn anzugreifen. Man schlug deshalb den Weg der Vermittlung ein. Aber die Verhandlungen, welche eine Zeitl' ang zwischen 4 Bau- ern und den Obern des schwäbischen Bundes gepflogen wurden Waren von beiden Seiten nicht ehrlich gemeint. Der Bund hatte die Bauern hinzuhalten gesucht, bis der Dun deste Idherr Georg Truch- sess von Waldburg hinfänglie lie Streitkräfte gesammelt und geord- net hätte!). Die Wälderbat ern ihrerseits hofften auf den Aufstand und Anschluss der Bauern 90 s flacheren Landes, der Markgraf- schaft und des Breisgaus, deren Gemüter bereits mit verhä äng⸗ nisvollem Zündstoff. beladen varen. Die Tage von Radolfzell und 1 Schaffhausen verliefen ohne Resultat.?) G ſeichwohl sehnte man 7 unterdessen zur Vgl. Zimme un, die Bauern mit, Worten auf, Wörtliche Ausserung des- r Baue Sieben 1 einen eigene en Zug von Pferden zu fronen; U not- oder Rinde rn besi wer keinen Wend 1 1 müssen und thanen Zins Bonndor den Welcher Bauer innt Antworten. W. davon den K werden. „die ibnen 8c Das Rot; 1 mögen sie un Hunden aus 0 92155 nit nden 5 ohne de 5 Von ihen ung Hoc s sich jemand fällt der Obr estohlenem Gute 1 an, wenn er B ür Recht gestel e ble iben nach 0 Die Urteilssprecher„sollen um ähr Sprechen, ob das der Obrigkeit miss- 19 sich beiderseits nach Ruhe. Der Winter war vor der Thüre. Es war für das Kriegsvolk nicht die Zeit, wo es gerne zu Felde lag. So kam ein Abkommen zustande, dass die beiderseitigen Scharen über den Winter beurlaubt werden sollten, ein Abkommen, das jede Partei gerne hielt. Unterdessen sollte das Landgericht zu Stockach die Beschwerden untersuchen. Als das Kriegsvolk der Herren abzog, gingen auch die Bauern auseinander. Sobald sie aber nach Hause kamen, forderten ihre Grundherren Fronen, Ab- gaben und alle angefochtenen Lasten wie bisher. Des weigerten sich die Bauern und glaubten sich nun auch nicht gebunden, das Versprechen,„ruhig zu sitzen“, ganz wörtlich zu halten.“) Es war im November. Die Unterthanen der Stadt Villingen und besonders die im Bregthale begannen unruhig zu werden. Um Tuttlingen und Spaichingen regte sich's Da sandte die öster- reichische Regierung eine Anzahl reisiger Knechte unter Rudolf von Ehingen in die Baar. Bald standen aber auch auf dem Schwarz- wald 6000 Bauern unter Hans Müllers Fahne. Er wollte Villingen und Hüfingen überfallen, aber sein Plan wurde verraten oder vorausgesehen. Die Gegner, zu denen starke Zurüge aus dem Breisgau, besonders aus Freiburg, Waldkirch und Endingen stiessen, besetzten beide Städte. Jetzt führte der Bulgenbacher seine Scharen nach Südwesten. Dieser Marsch verursachte grosse Panik im Breisgau. Im Volke tauchten Gerüchte auf, wie sie die durch geheimnisvolle Furcht erregte Phantasie des gemeinen Mannes in solchen Zeiten immer erzeugt. Das Herz war voll böser Abhnungen. Alles War in Auf- regung und Thätigkeit, auf alle Fälle sich vorzubereiten, die da kommen sollten. Es ist nicht zu verwundern, dass auch Ken- zingen sich bald unbehaglich fühlte und das Schlimmste zu fürch- ten anfing. Innerbalb seiner Mauern herrschte noch immer keine Ruhe. Worte und Lehre des Prädikanten Otter waren in Ken- zingen noch immer unvergessen und die Leiden während der feind- lichen Besatzung noch in frischem Gedächtnis. Die Ausgetretenen fiel, nicht vor amert oder gestraft werden. Findet sich der Unter- en er von dem Niedergericht der Grafschaft an das aten steht nach altem Brauch einem jeden frei, einen andern zu chten bietet die Herrschaft von jedem Hause einen Mann auf; im Falle der sio auch die ganze Landschaft, jung und alt, dazu entbieten. Schreiber Nr 50. Mit m so gün en Vertr sich die Herren um so mehr zufrieden geben, als sie sich selbst r ü d gesetzt zu haben. Desungeachtet wollten sie noch meh gleich den ganzen Sack aufbinden und vert ten.“ Sebreiber Nr. 25. Vergebens ſefallen und in Anschauung ihrer M rn denselben die Strafe zu erlassen; vergebens fanden diese in der 1 n und auf das unterth um Nach„sie hä nicht so üb d wollten hiefür ihren H fromme, arme und redliche U nen zu Diensten sein. Allein man verlangte,„die Bauern m wollenen Hemde und barfuss vor F. D. Räte und niederknien, ihr Unrecht bekennen, um Gottes- ht und Eid leisten, vor dem Niederknien aber ihres He u. F. D. Händen antworten“. Schreiber ichen Folgen eines solchen Begehrens stellten sich pur zu bald ein. II, 28 fl. ihren Herrn, Graf Sigmund, ziehen, da len um Gnade bitten und ne i ihr Fähnlein und alle Wehren zu D 28. Die schädli 1) Zimmermann, 1. 20 wurden zwar wieder aufgenommen, aber die Zurückgebliebenen waren mit schweren Auflage u belastet. Sie wurden bei Einnahme der Stadt vereidigt,„ihr Leib und Gut nicht zu verändern“, aller Freiheiten und Privilegien 155 aubt und als„unehr bare Leute und Banditen“ behandelt. Wi ie die Regierung der Stadt alle Freiheits- briefe, die gesamte e an die gemeinsam mit Osterreich verlebte Vergangenheit genommen hatte, so war nun auch in den Herzen der Bürger diese Erinnerung durchschnitten und aus- gelöscht. Erst neulich kam es wieder zu stürmischen Auftritten. Denn als vom Walde die Nachricht eintraf, die Unterthanen des Grafen Sigmund von Lupfen seien aufgestanden und vor Stüh- lingen gezogen, erregten die eee e einen Aufstand „zu Gunsten des Evangeliums“) und„zur Handhabung des gött- lichen Rechts“. Das„göttl iche Worte, das im heiligen Evange- lium ausgesprochene„göttliche Recht“, im Gegensatz zu dem be⸗ stehenden Rechte, wurde wie im 15. Jahrhundert bei den Hussiten in Böhmen, die allgemeine Losung, das Schlagwort der Revolution. Höchst ärgerlich und bedrohlich dünkten der Stadt Freiburg die über Kenzingen einlaufenden Nachrichten. Sie forderte in einem Schreiben vom 13 Juli umgehend eine„Botschaft vom Rat, und den Achtleuten“ nach Freiburg, um sich zu verantworten „der ungeschickten bübischen Sachen hal b“, die sie kürzlich 885 1 17„Unterdessen vermahnen Wir Euch, ruhig zu sein und die Handwerksknechte, die„zu Gunsten des Evangeliums“ so unbillig gehandelt haben, hinwegzuweisen und keinen in der Stadt zu behalten, auf dass es unserer gnädigsten Herrschaft und aller Ehrbarkeit nützlich sei.“) Kenzingen leistete der Aufforde- rung Freiburgs Eolge, und die äusserliche Ruhe kehrte zurück. Die Erbitterung und Unzufriedenheit aber gärten im stillen fort. Jetzt hiess es plötzlich, Hans Müller, der gefürchtete Schwarz- wälder, sei mit seinen Haufen im Anzug auf Freiburg. Am späten Abend des Nikolauste ages war beim Bürgermeister in Kenzingen nach- folgendes Schre diben 8 Freiburger R185 eingegangen:„Ines 1188 In diser Stund ist uns 8 Warnung und Kundschaft kommen, dass die Puren uff der Fa Ikensteiner Steig zusammenlauf- fen. Uff was Anschicks mögen wir nit wissen, wollens üch aber nit verhalten.““?) Neuer 8 Schrecken und Waben liene Angst be- mächtigte sich ger Bevölkerung. Die Wälle wurden aimiert, eine nächtliche Bereitschaft angeordnet, 15 Wachen und Runden ver- 1) Bange Gevitt erschwüle lag über der Stadt. Dieser schen reden hört,“ schrieb der Zeitgenosse Clemens Endres,„so geschieht lium und göttlich Wort. Das füren verloren Edelleut, Bauern und Schwyz, in oberen Lane auf dem Schwarzwald, Schwaben, Franken, wohin wan Kor„ hört man nichts, denn Evangelium, Evangelium.“ 2) Missivenbuch der Stadt Freiburg,(Orig im städt. Archiv.) 3) P. Konrad Burger, Chronik des Klosters Wonnethal S. 111. General-Landesarchiyv Karlsruhe. Uber Burger und seine Schriften vgl. Sussann, 155 12 en im 30jähr. Krieg. Programmbeil. der Höh. Bü: hule 1886 und 188 II. Teil, 1)„Wo man die Empö Alles für's heilig Eyangel 1 Pöbel allweg im Munde. So in der J) Freiburg an Kenzingen. Dat. uff Nicolai umb die 0 Stund Nachmittags. Missivenbuch der Stadt Freiburg.(Freib. Stadtarchiv.) — 21 Stimmung giebt ein Schreiben des Altschultheissen Jakob Doppler von Strassburg an den Rat daselbst bezeichnenden Ausdruck: »Als ich auf Sankt Nikolaus Tag und Nacht auf dem Jahr- markt zu Kenzingen lieg, da ist bei der Versammlung des Volkes eine grosse Sag, wie sich ein gross Volk von der Geburschaft um Villingen zusammenhalt und stetigs mehr zuziehen soll, auch et- lich Flecklein eingenommen haben und jetzo gen Friburg ziehen. Und auf dem obgenannten gegen Nacht hat uns der Burgermeister zu Kenzingen gesagt, wie Friburg, Waldkirch, Endingen und an- dere ihrer Verwandten diese Nacht eilen und gen Villingen zu- ziehen müssen, allda in Besatzung, und sonst auf das höchst ge- mahnt, sich anheimbsch und stetigs gerüst in Weren“, durch welche Wort sich ein grosser Schreck und unbeschreibliche Angst der zusammenlaufenden Leut bemächtigt. Und wird herunter an- gezeigt, wie die Eidgenossen sich auch versammeln und den Ge- burschaften zuziehen und also den von Württemberg hiemit wie- der einsetzten. Sonst vil andrer Red, nit all' glaubwürdig, als ob die Eidgenossen und die Waldversammlung ein Sonderbündnis zusammen gemacht haben sollten, mit viel mehr Anzeigens, lass ich sein. Aber glaubwürdig ist dies, dass auf heut Nacht die von Freiburg und audere haben müssen ausziehen, wie vor angezeigt ist. Dies hab ich E. G., als meinen gnädigen Herren, für Neues nicht verhalten wollen. Datum in Il auf St. Nikolausnacht. Ew. Gn. unterthäniger Jakob Doppler im Kaufhaus, jetzt zu Kenzingen.“) Während nun alle Blicke voll ängstlicher Besorgnis auf den Wald gerichtet waren, und man dem Herabsteigen der Bauern durch das Höllenthal entgegensah, wandten sich die Gotteshaus- leute von St. Blasien, namentlich aus Todtnau und Schönau, dem unbesetzten Münsterthale zu. Hier lag die uralte Benediktiner- abtei St. Trudpert'), deren Plünderung gefahrlos schien und reiche Beute versprach. Auch war der grössere Teil der Unterthanen des Abtes längst unzufrieden und geneigt, gemeinsame Sache mit den Schwarzwäldern zu machen. Die Unzufriedenen zogen ihnen mit Pfeifen und Trommeln entgegen und riefen ihnen ein„Gott Willkomm“ zu. Als ihnen der Deutschordens- Komtur zu Frei- burg, Wilhelm v. Weiler— damals Vormund der jungen Herren von Staufen, denen der Schutz des Klosters oblag— schrieb,„sie möchten stillestehn, er selbst werde mit andern Amtleuten am folgenden Tage kommen“, liess man in der versammelten Gemeinde nicht einmal seinen Brief auslesen. Peter Ganzenberg, einer der 1) Schreiber Nr. 2) St. Trudpert gründet und 90 der Habsburger den Schutz des mit seinen Un. 0„denen von 8 sale mitzumachen. ach der Säkula Buch des Klosters St. T. in Zeitsch bei Kolb, Les zerstörte Bere ne. Nr n Benediktinerklos von dem hören sollen, tlichen Stuhle ageblich 605 von dem Dynasten Otbert ge- ed und dess Söhnen, welche wie zj zu den Ahnen ert. 1144 wurde das Kloster von Papst Lueius 1 nommen. Das Kloste ufen. Auch im 30jäh eg hatte da tion wurden die meisten Gebäude abgebrochen Erk. kt f. Gesch. d. Oberrh. Bd. Die Abtreihe siehe III, 292 fr. In der Nähe des Klosters lag auch das 1337 von den Freiburgern tädtlein Münster. harte Schick- 22— Unzufriedensten, rief dazwischen:„Nein, was wollen wir mit die- sen Fledermäusen, man will uns wieder das Hälmlein durchs Maul ziehen.“) Rasch erfolgte eine Vereinigung der Münsterthäler mit den Schwarzwäldern. Sie sagten dem Abte den Eid auf und fle- len dann ins Kloster. Wie gründlich diese Plünderung vorgenom- men wurde, exgiebt sich aus dem Umstande, dass sogar die Eisen- stangen im Kamin nicht vergessen und vom„Teufelschmied“ herabgeholt wurden. Die Herrschaften beeilten sich, den bedrohten Breisgau vor weiterer Heimsuchung zu bewahren. Den 12. Dezember schrieb Freiburg an die österreichische Regierung im Elsass, dass das Kloster St. Trudpert überfallen worden, und die Bauern beabsich- tigten, in den Breisgau herunterzufallen. Am gleichen Tag gingen auch Schreiben an den Markgrafen Ernst von Baden, die Städte Breisach und Kenzingen mit der dringenden Aufforderung um Rat und Hilfe. Das an Kenzingen lautet:„Lieben und guten Fründ und Napuren! Es sind die vom Wald nächt in das Gotz- hus von St. Trupert gefallen und sind, als wie berichtet worden, Willens, fürther in das Pryssgow zu ziehen. Darumb so wWollent vlentz Ewer Knecht uff St. Trupert ziehen lassen und sunst mit Macht gerüstet sein, und Ew. Stadt auch wol bewarn. Gott der Herr well's wenden, es werd unter dem gemeinen Mann eine schröckliche Empörung.“) Diese Nachricht versetzte die österreichische Regierung in Ensisheim, an deren Spitze der Landvogt Wilhelm von Rappolt— stein stand, in grosse Aufregung. Es wurden Kundschafter aus- geschickt, um die Stärke der Haufen im Münsterthal zu erforschen. Was die Regierung an bewaffneter Macht aufbringen konnte, liess sie alsbald nach Neuenburg aufbrechen. Die Herren von Falken- stein, Konrad Stürzel, der Ritter Martin von Rechberg und Wen- del zum Wiger erhielten Befehl, ihre Rüstung nach Kräften zu beschleunigen und sich mit ihren Fähnlein in Neuenburg einzu- finden. Markgraf Ernst von Baden schrieb von Schloss Hoch- berg, er sei bereit, 200300 Knechte zu schicken. Minder tröstlich lauteten die Nachrichten aus Breisach, um so erfreulicher aber die aus Kenzingen, welches der Stadt Freiburg unter dem Hauptmann Antoni Beckh 50 Knechte zuschiekte.„Wir senden Euch“, heisst es in dem Schreiben,„in der Eile auf Euere Erforderung fünfzig Knechte und habent dabei dem Hauptmann Befehl gegeben, mit Euch allerlei zu reden. Wir achten, ihr werdent ab demselben Genüge und Wohlgefallen haben. Bitten, Ihr wollet bedächtig und mit gutem Rate hierin handeln, damit es unserm gn. Herrn und Landesfürsten, auch diesen Landen und Leuten erspriesslich „dat. Montag vor Lucie(12. Dez.) An. 24. Missivenbuch der Ste 2) Kenzingen an Freib (Freib. Stadtarchiv.) vor Eusebius An. 24. Missivenbuch der Stadt Freiburg. sei. Wir haben auch vei gangener Nacht Euer nächst Schreiben eilends unserem Pf andherrn gen Stuttgart geschickt und ihn ge- beten, dass man uns nicht n ole Was kommt, werden Wir Huch nicht verhalten und Tag und Nacht sollt Ihr uns Ge legenheit der Sachen wissen lassen, uns darnach ferner haben zu halten.“) Als die. ler die stattliche Schar gewahrten, zogen sie ohne Kampf in ihre Berge zurück. Das. 920 5 ausgeplünderte 8 wurden besetzt, den Rädelsführern die Häu- ser angezündet, und viel Vieh weggetrieben.2) Die Abgefallenen mussten zu Staufen dem Abt neuerdings schwören und auch den Herren von Staufen, als Kasten) ögten, geloben, alle Steuern, Zin- sen, Gülten und Dienste, gar nichts ausg zenommen, wie seither zu entrichten. Damit hatte es den Anschein, als ob die drohende Gefal 5 für den Breisgau beseitigt wäre. Vür Kenzingen aber hatte seine rasche und entschlossene Hil 191 stung zur Abwehr der Gefahr noch weitere h Die Regierung glaubte die Ruhe und Ordnung in der durch de en Otter- schen Hand- gewaltig aufgeregten und durch ihr strenges Einschrei- ten schwergeprüften Stadt endlich hergestellt. Daher wurden die Bürger, die nicht abgefallen waren und sich bisher wohl gehalten hatten, endlich vollends von den drückenden 1 Auflagen befreit. Der Hofrat zu Innsbruck berichtet darüber an das Regiment zu Ensisheim: „Die Prälaten und der Adel samt den Ratsbotschaften von Städten, Amtern und Landschaften 197 vorderen Lande, Elsass, Sundgau und Breisgau, so jüngst zu Freiburg versammelt, haben auf Anlangen von Schultlieiss, Bürgermeister und Rat unserer Stadt Kenzingen, auch die von. selbst uns ersucht. Und als wir daraus befun 5 n, dass sich verschiener Zeit in dem Ab— fall etlicher Bürger und Hintersassen daselbst, auch sonst je und allwegen am Haus Gst. erreich wohl gehalten und sonderlich in jüngstem Aufruhr und Ungehorsam der Bauerschaft in Sant Trud— pertsthal ihre Hilfe dargethan, und des noch weiter zu thun er— bötig, sind wir der gnädigen Meinul ug, sie aus denselben Ursachen, auc 8 in Ansehung solcher unserer Lané schaft in vorderen Landen beschehenen F pürbitt e und dass sich die Läufe an vielen Orten beschwerlich erzeigen, ihrer getha men Pflicht wieder zu ent tledigen, und empfehlen E noh Aarauk mit Ernst, sofern solches in anderw eg Nicht Irrung haben möcht, dass ihr jen nand aus Euch gen Kenzin agen verordnet mit Befehl, dieselben von Kenzingen solcher ihrer Pf licht, soviel dieselbe sie verst rickt, ihr Leib und Gut obne unsere Gunst ind Willen nicht zu verändern, wieder ledig zu zählen.“s) 1) B aum ann, Quellen zur Geschichte des B 8 in i Tübingen 1876.(Bd. 129 der Bibliothe t. Ver. in Stutt Nr, 127 f. 2) Später wurde das K ster St. Trudpert nochmals n Bauern aus der Markgrafschaft ge- plündert. Schreiber Nr. 138. 3) Se hwabonbücher I, 45 fl. im Staatsfilialarchiy Ludwigsburg. Diesem Archiv verdankt der Ver- 24 Der Frühling nahte. Stärker als zuvor liess die evangelische Brüderschaft unter Hans Müller ihre Fähnlein fliegen vom Boden- see bis zum Schwarzwald, bis zum Breisgau und Oberrhein. An der Spitze von 4000 Mann begann jetzt der Bulgenbacher am Palmsonntag, den 9. April, einen Rundzug durch den Hegau), die Baar?) und den Schwarzwald. Es waren fast lauter grosse, schöne Leute, freiheitliebend, leidenschaftlich und trotzig dreinblickend. Die meisten waren gut bewaffnet, mit Hakenbüchsen, Handroh- ren, auch einigen Falkonettlein und Schlangen; die Mehrzahl mit Spiessen, Hellebarden und Schwertern, einige auch nur mit gerade aufgerichteten Sensen, eisernen Gabeln und keulenartigen Dresch- flegeln. Um des Anführers stattliche Gestalt war ein roter Man- tel geworfen, seinen Kopf bedeckte ein Barett von gleicher Farbe. Seine Faust umspannte ein Feuerrohr, dessen Kugel ihr Ziel nie- mals verfehlte. Vor Hans Müller her ritt der Zierhold mit dem gedruckten Artikelbrief, hinter ihm folgte der Zierwagen mit Laub und Bändern geschmückt. Auf diesem wurde die schwarz-rot- gelbe“) Haupt- und Sturmfahne einhergefahren,„zum Wahrzeichen der Freiung des Volkes.“ Uberall liess Hans Müller den Städten, Orten und Herren nur die Wahl zwischen Brüderschaft oder Weltbann.„Wo H schrieben beispielsweise die„Hauptleute und Räte des Schwarz- wälder Haufens“ an die Stadt Villingen,„in unsere christliche Vereinigung und Bruderschaft eintretet, so beschieht daran der Wille Gottes in Erfüllung seines Gebotes von brüderlicher Lieb- habung. Wo ihr aber solches würdet abschlagen, thun wir euch in den weltlichen Bann und erkennen euch hiebei darin kraft die- ses Briefes.“ Der Weltbann hatte die Bedeutung: dass alle, welche in der christlichen Vereinigung sind, bei ihren Ehren und höchsten Pflichten, mit denen, so sich sperren und weigern, ganz und gar keine Gemeinschaft haben, weder mit Essen, Trinken, Baden, Mahlen, Backen, Ackern, Mähen, noch mit Zuführen von Speise, Korn, Trank, Holz, Fleisch, Salz und anderem; dass sie von den- selben nichts kaufen und ihnen nichts verkaufen, sondern man sie bleiben lasse als abgeschnittene und abgestorbene Glieder. Den- selben sollen auch alle Märkte, Holz, Wunn, Weid und Wasser, 80 nicht in ihren Zwingen und Bännen liegen, abgeschlagen sein. Wer von denen, so zu dieser Vereinigung gehören, solches über- sieht, der soll fernerhin auch ausgeschlossen, mit gleichem Bann fasser wertvolles ungedrucktes Material über die Geschichte Kenzingens in dieser Periode. Die Bände„Vorlande 15231534“ der vorderösterreichischen Kopialbücher enthalten alle Ver- ordnungen und e des Innsbrucker H tes und geben Auskunft über alle, selbst un- bedeutende Vor. n den vorderösterreicl nen Landen. 1) Im Hegau waren alle Dörfer mit Ausnahme von Bodmann abgefallen, Schreiber Nr. 184. 2) In der Baar war kein Bauer mehr„anheimbsch“(zu Hause); alle waren dem Haufen zugezogen. Villingen an Freiburg Schreibe 3) Die Villinger Chronik nennt zw. sier Chronik gelb für weiss. Die arz, rot und weiss. Doch hat die St. Bla- 8 richtigere zu sein, denn schon beim ersten Auftreten er rten diese Bauern,„sie könnten ihre Frondienste und andere täglichen Be- schwerden nicht länger erleiden und wollten keinen andern Herrn als den Kaiser anerkennen.“ vgl. Schreiber, Gesch. der Stadt Freiburg, p. 272 Note. ** . belegt und mit Weib und Kind den Widerwärtigen zugeschickt werden.“) Schon am grünen Donnerstag und Karfreitag öffneten Hüfingen und Bräunlingen ihre Thore. Die Städte des Breisgaus wurden von diesem glänzenden Erfolge des Bulgenbachers unverzüglich in Kenntnis gesetzt.„In diser Stund,“ schrieb Freiburg an Breisach,„sind uns ilende Mär zukommen von den von Vil- lingen, dass die Puren Hüfingen und Brünlingen ingenommen und Willen haben, für Villingen zu ziehen. Desshalben begern sie, dass wir und ander sie nit verlassen und Euch und andern von Stetten sollichs ylentz zuschrieben sollen. Das thund wir Euch hiermit zu wissen, fründlich Vliss bittende, den von Kentzingen, Endingen und Burkheim sollichs zu verkünden.“) In rascher Folge wurden Donaueschingen, Fürstenbergs), War- tenberg), Geisingen, Möhringen, Engen und Aach eingenommen und dann Radolfzell belagert, hinter dessen feste Mauern der verhasste Regierungsausschuss sich von Engen geflüchtet hatte. Hier kam auch Herzog Ulrich von Württemberg vom Hohentwiel herab und schloss mit den Bauern„christliche Bruderschaft.“ Die kaiserliche Regierung war ohnmächtiger als je. Das meiste und beste Kriegsvolk kämpfte in Italien gegen den fran- zösischen König Franz I. Der Feldherr des schwäbischen Bun- des, Georg Truchsess von Waldburg, der schon im Anzuge auf Radolfzell war, musste eilig nach Schwaben zurück, da auch hier aller Orten die Flammen des Aufruhrs emporloderten. In einem wahren Triumphzug zog der Bulgenbacher den Schwarzwald ent- lang von Norden und Osten her nach Süden und Westen. Schon zählte sein Heer über achttausend. Auch sie hatte Münzers Geist ergriffen, auch in ibnen war die giftige Saat seines Wortes auf geschossen zu böser Frucht. Durch Feuer, Blut und Trümmer zeichneten sie ihre Bahn über den Schwarzwald, während jeder dritte Mann zu den Fahnen gezogen wurde. In den Tagen vom 1) Schreiber Nr. digt und totg . Bauern, die ihren Herrschaften„wieder Gehorsam thaten“, wurden beschä- Schlagen, Vgl. die Urgicht Peter Ganzenbergs von St. Trudpert bei Schreiber Nr. 136. 2) Freiburg an Breisach. Datum) uff den Oster-Awbendt(15. April) by Nacht um die Iite Stund vor Mittnacht Anno 1525. Missivenbuch der St. Freib.(Städt. Archiv.) 3) Fürstenberg war ursp ie ch und wurde 1175 von Herzog Berthold von Zähringen erobert. Mit der 4 Als diese sich in ei Linien spalteten, na in der Baar erhielt, den Namen eines Grafe behalten haben. Als Hauptburg des Hauses wurde die Feste lichen Ehren gehalten und erst nach dem Schwedenkri in dem sie eine Belagerung tapfer ausgehalten hatte. Das Städtchen, das seiner h nie eine besondere Bedeutung erlangen konnte, brannte 1841 ab. Die Bewohner siedelten sich darauf nicht mehr auf dem Gipfel des Berges an, sondern an dessen Fusse. 4) Hauptburg der gleichnamigen Freiherrn, welche sich anfänglich von Geisingen nannten und 1140 W. erbauten. Im 1 Jahrhundert teilten sich dieselben in zwei Linien, die zu W., die früh erlosch und deren Be 21 an Fürstenberg kam, und die zu Tuttlingen, welche in dem Wildensteiner Zweig kortlebte. W. selbst, noch im 14. Jahrhundert ein Rei- chenauer Lehen, blieb isch. 1780 es an Freiherr von Lassolaye, aber schon 1783 wieder an F zurück. Im Mitt ter standen auf W. zwei Burgen, Ober- und Unter-W. Die letztere ze schon frühe, während die erstere bis 1700 in wehr haftem Zustande erhalten, aber wiederholt eingenommen wurde. Dieselbe wurde 1780 abge- tragen und an ihre Stelle das jet zustschloss erbaut. vgl. Freib. Diöe.-Arch. XI, 145 ff. ron ihren Herren stets in bau- 7. bis 11. Mai führte er seinen Haufen über Wolterdingen nach Vöhrenbach an Villingen!) vorüber, das in den Bann gethan ward, da es nicht öffnete, nach Triberg und Furtwangen. Auf dieser kurzen Strecke wurden die Schlösser Zindelstein?) und Neufürsten- berge) verbrannt und des letztern Obervogt durch die Spiesse gejagt. Der Vogt des gleichfalls verbrannten Seblosses Triberg entging nur auf die Bitte des Uracher Fähnleins demselben grau- samen Tode. Dem Kloster St. Georgen“) ward der Keller leer ge- trunken, Stall und Karpfenteich geleert. Die freundliche Gastlich- keit des Abtes und seiner Mönche rettete das Kloster vor Ein- äscherung. Ebenso ward zu St. Peter“) und St. Märgené) gehaust. Dann ging's hinunter ins Dreisamthal gegen Freiburg, das sämt- lichen Haufen des Waldes, des Breisgaus, der Markgrafschaft, des Kaiserstuhls und der Ortenau nun als gemeinsamer Zielpunkt diente. Denn nichts Geringeres als die Einnahme der Hauptstadt des Breisgaus war im Werke.“) Anfangs bielten die Bauern noch einige Manneszucht. Aber bald wurde die gemässigte Partei von der radikalen verd ängt. Statt des Geistes herrschte jetzt die wilde entfesselte Naturgewalt. Der Bürgerkrieg hatte zu allen Zeiten die abscheulichsten Exzesse 1)„In diesen Tagen fingen streifende Bauern einen Bürger von Villi Baume auf und zogen weiter. Der hängende Villinger aber gr in die Tasche, fand sein Messer, schnitt sich selbst ab und entwischte.“ Villinger Chronik bei Mone II, 94. 2) Zindelstein bei Wolterdingen kam mit d i schen Erbe an Fürstenberg. Im 15. und 16. Jahrhundert wurde es mehrmals verpfändet. Erst 1533 kam Z. wieder dauernd an Für- stenbe 3) Die Ru von Neufürstenberg liegen auf einem Hügel Wurde im 15. Jahrhundert zur Beherrschung der Landstr duroh die Grafen von Urach erbaut. 4) St. Georgen war ein von den. Edeln Hetzilo und Hesso im Königseckwald gestiftetes, 1085 aber an seine heutige Stelle in der Baar, Grafschaft Ascheim, verlegtes Benediktinerkloster. 526 von Herzog Ulrich von Württemberg aufgehoben, und die Mönche vertrieben worden waren, lebten diese zuerst zu Rottweil und seit 1649 zu Villingen. Hier„erbauten sie sich 1690 ein neues Kloster. In St. G. dagegen wurden bis 1791 lutherische Abte von Württemberg eingesetzt. Die Schirmvogtei gehörte anfänglich denen von Falkenstein und kam 1449 zur Hälfte an Württember Als 1806 St. G. an Baden kam, wurde das Kloster- amt aufgelzst und ein Teil der Orte zu dem Amte Hornber der andere zu Rottweil gezo- gen. 1865 ist die Kirche samt dem grössten Peil des Dorf niedergebrannt. vgl. Bader, Notitia fundationis etc. Zeitschr. f. G. d. Oberrh. IX, 193 fr, II, 338 fl.; Schönstein, kurze Geschichte, des ehemaligen K St. G. 1824; Mart Jesch. d. Kl. St. G. 1859; Reihenfolge der Abte. Diöc.-Arch. XV, 5) War ein 1091 von Herzog Berthold II. von hrin legtes Benediktinerkloster. Von seinem Stifter begabt, erwarb das Kloster nach und nach verschiedene Grundherrschaften nebst Patronaten und zerstreuten Gehöften. Durch das Aussterben der ringer kam das Kloster zur Reichs- unmittelbarkeit, begab sich aber 1567 freiwillig in österr. Schutz; 1644 und 1678 wurde das Kloster in Asche gelegt, 1806 aufgehoben. Die Gebäude wurden zu Kanzleien bent zt, bis man 1844 das 0. Priesterseminar dahin verlegte. Die Kirche ist 1727 erbaut. Die Reihe der Abte s. Dié h. XIII, 3 ff. ib. XV, 136 der rotulus San-Petrinus. 6) Das Kloster hiess bis ins 15. Jahrh. St. Marienzell und war ursprünglich ein von dem Strass- burger Domprobst Bruno von Hohenberg 1118 errichtetes Chorh enstift des Augustinerordens. Die Vogtei ging 1293 von den Hohenbergern mit der Burg Weisseneck an die Freiburger Pa- trizierfamilie der Turner über, 1318 au die Snewelin, 1372 an die von Blumeneck und 1450 wieder an die Suewelin. Im Jahre 1370 wurde St. M. mit dem Allerheiligenkloster zu Frei- burg vereinigt, 1162 das gesamte Widemgut, Zehnt und Patrouate ausgenommen, an die Stadt Freiburg verkauft. Die Mönche siedelten infolge dessen nach Freiburg über. 1725 wurde das verlassene Kloster, das 1518 abgebrannt war, wiederaufgebaut und bis zu seiner Aufhe- bung 1807 bewohnt. sale des Klosters St. M. im Disc.-Arch. II, 212. 7) Bei Kirchzarte r. In diesen J en wurde auch die auf einem Berg- V. rung des Th Wissneck erstürmt und ausgebrannt. Sie beherrschte beiden nach hörte dem Freibur 1 er Freiherr 1 von Laud Ider die Nonnenabtei Güntersthal und 1 aus Elzach, wenn nicht vielmehr Clewy, zen, knüpften ihn an einem i Hammereisenbach. Das Schloss sse von Villingen nach Freiburg gen von Weilheim unter Teck hierher ver- ur Familiengrabstätte bestimmt und reich 05 Schwarz on Rechber im Gefolge.) Nicht evangelische Liebe und freudige Hingebung an die gemeinsamen Hoffnungen des ganzen deutschen Volkes be- seelte diese siegestrunkenen Verkünder einer neuen Ordnung wie bei ihrem ersten Auftrèeten, sondern blinder, unauslöschlicher Hass gegen alles Bestehende und insonderheit gegen jeden Feind und Widerständigen. Über rohem Se hwelgen, Plündern und Morden vergassen sie die hohen Ziele der zwölf Artikel und ihres Bundes- banners. „In welch vichischer Weise gewüstet wurde,“ lässt sich aus dem Bericht des St. Blasischen Chronisten Andreas Letsch des Genauern ersehen. Schon anfangs Mai fürchtete man in St. Bla- siene) den Besuch des Haufens. Der Abt Johann hatte einige der be- sten Klosterschätze schon beim ersten Anzug der Bauern in Sicher- heit gebracht. Der gesamte Geldvorrat des Klosters, auf 13,000 fl. geschätzt, und das kostbare Archiy des Stiktes war, in Fässern verpackt, Ende April von St. Blasien abgeführt worden, um nach Klingnau in der Schweiz gebracht zu werden. Als jedoch der angebliche Weinwagen zu Waldshut ankam, war dessen wirklicher Inhalt bereits verraten. Die Bürger schlugen die Thore zu, hiel- ten den Wagen an und brachten die Kostbarkeiten in das Ge- wölbe des Johanniterhauses. Bald darauf ging, was der Abt ge- fürchtet hatte, in Erfüllung. Kunz qehle von Niedermühle, Haupt- mann der Hauensteiner, erhielt den Auftrag, den Artikelbrief an der grossen Abtei zu vollstredken. Als seine Schar in der zwei- ten Maiwoche durch das freiwillig geöffnete Thor mit fliegen- den Fähnlein und aufgerichteten Gewehren einzog und erfuhr, dass der reiche Klosterschatz vor ihr geborgen sei, da schäumte der Zorn der e über alles Mass. Jede Widerrede und 1) Aber auch ihre Widersacher vergassen sich zu unmenschlichen Handlungen des Hasses und der Rache. So wandten sich die Hauptleute der Aufständischen au eine Ve summluns städtischer und herrschaftlicher Abgeordneten mit der bitteren Klage,„de viele ihnen zugethane Ge- meinden von ihren Gegnern unaufhörlich in grimmiger Feindse zalt, mit Angriffen, mit Raub und Brand verfolgt würden.“„In Staringen,“ führten sie namentlich an,„sei ein Kind mut- willig ins Feuer geworfen und verbrannt worden. Auch habe man daselbst etliche Frauen halb nackt durch einen Bach geschleift und viel anderes, was selbst ein Heide oder Türke zu thun sich scheue, ohne alle christliche Scham und Barmherzigkeit zu grossem Schaden und Herzeleid verübt.“ Bader, Geschichte von Freiburg 2) Im 10. Jahrhundert durch den Edeln Reginbert aus dem ichgau gegründet, erhielt das Be- nediktinerkloste rst später den Namen St. BI. Kaiser Otto I. schenkte 963 dem Kloster um- fangreichen Besitz, der als blasianischer Zwing und Bann bezeichnet wurde. Unter dem ersten Abt Beringer v. Hohenschwanden wurde wissenschaftliches Streben angeregt, und das Kloster schon unter dessen Nachfolgern zu ansehnlicher Bedeutu gebracht. 1322 verzehrte eine Feuersbrunst sämtliche Gebäude. Um 1430 Fehde mit den Krenkingen und Erwerb der Herr- schaft Blumenegg. Die Schweizerkriege brachten vielerlei Unglück. Als der Abt wegen der Plünderung im Bauernkrieg den Hauptmann Kunz Jehle von Niedermühle hatte hängen lassen, sprengten die Aufrührer das Klostergebäude in die Luft. Zur höchsten Blüte kam St. B. unter dem Abt Martin Gerbert G 799), der das 1786 abgebrannte Kloster vollständig neu und in glänzender Weise wieder aufbaute und auch durch litterarische und wi senschaftliche Werke sich auszeichnete(Herrgott u. Kreuter). Die Kastenvogtei ging 1125 von den v. Werra au die 1588 8 von Zähringen und fiel nach deren Aussterben 1218 an'Osterreich, unter dessen Landeshoheit St. B. mit den Herrscha TPodtnau, Staufen ete. verblieb. Wegen der 1612 erworbenen He haft Bonnd der Abt reichsunmittelbar. Seit 1746 führte er den Pitel eines Reichsfürsten. 1806 wurde das Kloster aufgehoben, und die Gebäude zu die Ki irche abermals dur h Feuer teilweise zerstört, vade nigrae von Gerbert. Liber ori- Klosterschriftstellern. Bader, das e Gelehrtenakademie. Buisson, St. B. veräussert. 1874 W atsmitteln wieder Fabrikzwee seither aus ginum mon. 8 Blas Kloster St. B. und geschichtl. 8 Beziehung, 28 Abmahnung ſ ihres Hauptmanns, der nicht nur ein erfahrener Kriegs- mann war, sondern auch ein wohlmeinender Mensch), waren in den Wind gesprochen. Wilde Worte der ehemaligen Leibeigenen des Klosters entflammten bei allen Erbitterung, Rache und Habsucht.„Das Gotteshaus wäre vor Andern in derselben Bruderschaft sicher ge- blieben,“ klagt der ehrwürdige Andreas Letsch;„aber seine Freunde Waren seine schädlichsten Feinde; diejenigen, welche dem Gottes- hause mit Treue, Ehre, Leib und Gut einverleibt waren. Es ge- schah ihm wie einst Christus, der von seinen eigenen Schülern verlassen ward.“ Die Erinnerung an Jahrzehnte lang ertragene Leiden vereinte sich mit der Wirkung der wilden Predigten Mün- zers und führte zu einem Ausbruch von Roheit und Gemeinheit, wie er selbst in dies en greuelvollen Wirren nur selten zu verzeich- nen ist.„Das heilig Sakrament wurde schmählich entehrt. Es war viel Heiltum in dem Fronaltar, welches in köstlich eingefass- ten Särgen lag, mit edlen Gesteinen und Elfenbein eingefasst und ausgestochen, welche Särg sie alle zerschlugenz die Steine davon genommen, das Heiltum unter die Füsse geworfen und zertreten, der Gestifter und etlicher Gräber mehr aufgegraben, etwas darin zu finden, den Fronaltar zergraben, welcher mit köstlichem Ge- stein übergült und verziert war, das Saktamentshäuslein aufge- brochen und zerschlagen. Unter ihnen ist ein verruchter Bauers- mann gewesen, der hat die Partikel des heiligen Sakraments herausgenommen und gesprochen: er Wolle auf einmal genug Herrgott fressen und die also verschlungen. Sie gingen über die Knoten im Wein und trunken also unsäuberlich, dass sie kein Ver- nunft hatten und lagen in den Winkeln wie die un vernünftigen Tiere. Die Bücher wurden wie überall behandelt, die Gemälde, geschnitzten Bilder und sonstige Zieraten im alten und neuen Münster zerschlagen. Das liebliche Glockenspiel der Abtei, das schon so vielen Geschlechtern zu Freud und Leid geläutet hatte, ward herausgerissen, zerschlagen und verkauft, an die Zwanzig Glocken. Nur die zwei grössten im Wendelsteine widerstanden dem Andrang der Trunkenen. Die herrlichen, kunstreichen Fenstergemälde des Kreuzganges, ein Weitberühmter herrlicher Schmuck, wurden sämtlich zertrümmert. Uberall Raub, Schän- dung der Kirchen, schandbare Zerstörung aller edeln Werke der Kunst.“ Sechs Tage lang, solange es noch etwas zu plündern gab, tobten die Bauern zu St. Blasien. Dasselbe wilde Schauspiel führte der Haufe im St. Blasischen Hause zu Todtmoos auf. Dann zogen die Hauensteiner zu den übrigen Schwarzwäldern hinab vor Freiburg. 1)»Er hätt es gern gewendet, wenn es ihm möglich gewesen wäre.“ Schreiber Bd. I. Einltg. A * II. Aufstand im Breisgau. Erhebung im österreichischen Breisgau. Unzufrielenheit in Staufen. Namen und Ausse- rungen der Rädelsführer. Anschluss an die Aufständischen in Heitersheim. Anschlag auf Neuenburg. Plünderung von Bollschweil, Sölden und St. Ulrich. Gewaltthaten in Norsingen Ofnadingen, Niederrimsingen, kirehhofen, Biengen, Munzingen ete. Erhebung am nördlichen Kaiserstuhl. Plünderung des Thenenbacher Klosterhofes in Kiechlinsbergen. Nächtliche Zusammenkunft in Weisweil. Gesandtschaft an die E sser Bauern. Allgemeine Erhebung. Einnahme von Endingen und Burkheim. Zerstörung des Schlosses Höhingen,. Schutzbrief für Meister Ulrich, Pfarrer in Jechtingen. Aufstand in den Herrse teln, Sausenberg. Versammlungen in Kandern und Baſlenweile heim. Freibur aften Badenweiler, Röt⸗ Eroberung von Heiters- Verwendung für den Markgrafen Ernst. Hilfgesuch desselben bei Basel. Zug der Markgräfler nach Freiburg. Erhebung in den Herrschaften Hochberg, Kastelberg und Kenzingen. Zustände in der Stadt Kenzingen und den börkfern Herbolzheim, Bleichheim und Hausen. Flucht des Markgrafen Ernst nach. Freiburg. bildung eines Haufens im Hoch- hergischen. Zerstörung von Thenenbach, Landeck, Kirnhalden und Wonnethal. Erobe- rung von Waldkirch und Kastelburg. Hans Müllers Bemühungen, den Breisgau zum Anschluss zu treiben, blieben nicht ohne Erfolg. Schon zu Anfang des Jahres 1525 schrieb Georg Truchsess von Waldburg, der sog.„Bauern- Jörg“, an die Regierung:„Der ganze Breisgau ist bäuerisch ge- sinnt, nur Freiburg, Breisach und Waldkirch nicht. Diese Städte sind aber ganz vom Feinde umgeben.“ Die häden der Verschwö— rung waren längst geknüpft. Man wartete nur auf das Zeichen, um sich sofort zu erheben.“) Der erste Haufe sammelte sich in dem unzufriedenen Städtchen. Staufen. An seiner Spitze stand der einflussreiche Ratschreiber Gregorius Müller von Staufen. Die Amter eines Beutemeisters und Rottenführers versah ein alter Bauer, Namens Vasius.„Bolle Scherer ist des Obersten Diener und Trabant gewesen.“ Schon eiber Nr. 136 und 468a. Die Hauptquellen für r) citierte Werk von H. Sch 524 ses Kapitel sind: 1. Das wiederholt(ein- Der deutsche Bauernkrieg. ichzeitige Urkundenbuch der Stadt Freibu Neue el diburg 1863, 18 6. 2. Hartfelder, Beiträge zur Geschichte des Bauern- ges in Südwestdeutschland. Leipzig 1884, sowie desse 0 Abhandlungen in der Freiburger histor. Zeitschrift Bd. V. und in der Zeitse schichte des Oberrheius d. XXXV. Hartfelder, der bewährte und verdiente Forscher auf diesem historischen Felde, hat auf Grund eines reichhaltigen, gedruckten und ungedruekten archivalischen Materials seine Vorgänger in einer Weise überarbeitet, dass von der bisherigen Darstellung vielfach kein Stein auf dem anderen geblieben. Die Gründlichkeit der Fo chung, die streng objektive Beurtei- lung, die Klarheit der Disposition und die Gewandtheit der Biktion sind der böchsten Aner- kennung würdig. — 30 beim Einfall der Schwarzwälder ins Münsterthal hatten die Ein- wohner von Staufen ihrer Unzufriedenheit lauten Ausdruck 105 geben. Der alte Vasius hatte öffentlich geäussert, man solle zu den Waldbauern halten und das Regiment von. nicht in die Stadt lassen, denn„die Herren von Ensisheim und Frei- burg syen Bluthunde“.„Auch hat er sich gantz freventlich wider alle Oberkeit gesetzt, den edeln Prelaten 0 der Priesterschaft das ihrige geholfen nemen, zerschlachen und zerbrechen, und was er nit hatt mögen selber thun, andere angewisen. Item hat er auch geredet: Gott sy gel opt, dass wir der Schinderei und des Schabens ledig werden. Dann es soll kein Herr oder Edler nie mer vermögen, das er ihm schwören welle.“ Ahnliche Reden führte Ruprecht Heid, Vogt in der Stadt Staufen.„Er hat in dieser Uffrur zum offtermal gesagt: Der Bund ist in die Fäschen gefallen, und wird ihr den Boden us- stossen, dass wir der Schinderei abkommen. Er ist auch der erst Anheber gewesen, dass man gen Todtnow uff die Kilchwyhe zog.“ Auch Kaspar Bühler hat sich„ganz freventlich und trutzlich gehalten und dem Landtsfürsten sine Stett, Klöster und Schlösser helfen zu überzichen und zu berauben. Er ist auch der, so das Fenlin hat machen lassen, da man wolt gen Todtnow ziehen.“)„Item der alte Vogt Heinrich Cleüsle hat mit groben Worten gesprochen: Wir bruchen jetzt keine Herrn. Wir wellen den Münché') nit mehr zu einem Herrn. Wir wellen fürterhin Zoll und Umgelt für uns selbs behalten, denn es ist vormals auch unser gesin.“ Ein anderer Gesinnungsgenosse,„der vordersten einer“, war Bartllleme Eggenburger, der sich ebenfalls mit„vil freventlichen Worten gegen die Oberkeit gesetzt! und seinen Tochtermann auf die Kanzel schickte und predigen liess. Er hat auch den„Rat- schlag geben, zu den Buren uff Heitersheim zu ritten, mit ihnen 2u reden und zu handlen.“ Der„verdorbene“ Metzger Conrad Cleüsler erklärte zu Basel:„Ey, dass uns Gotts Blut schände, hätten wir gleich anfenklich Münche, Pfaffen und Edlen zu tod geschlagen, so werend wir jetzt des Wesens vertragen und es thut nit gut, wir schlagen sie dann, noch zu tod. Auch hat er sunst noch vil dratzliche, böse Wort über die Herren, Adel und Pfaffen usgestossen.“„Item Kaspar Gerber hat geredt: Wir wel- len kein Zehnten, Stür noch Umgelt mer geben. Wir sind es den Herren nit schuldig.“„Item Bolle Scherer, der ein Schatz- meister gesin, hat geredt: Es thut nit gut, man schlage dan den Adel ganz zu tod und tilg ihn ab.“„Item Bantle Tischmacher und sin Hussfrau sind W inkelprediger uff des Luthers Meynung und wellen Jedermann uff dieselb bringen. Sind des Gemüts 1) Schreiber Nr. eder p. 2) Der. de.„ Welcher als Vormund des damals unmündigen Be- sitzers die e Herrschaft Sta uſen ve Itete. gewesen, keinen Herrn mehr zu haben, sie helffen zu ver- tilgen.“) Einer der gefährlichsten war der Fasslinbauer, welcher den Rat erteilte,„man solle die Marksteine des Klosters St. Trudpert zerschlagen, um dessen Güter wegzunehmen.“„Item er bekenndt, dass er die Rosse, so zu Biengen geraupt worden, zu Stauffen in sinem Huss und uff sinen Gütern uffenthalten und daruff, wohin er zogen, hinab gen Kentzingen geritten.“„Item er bekenndt, als der Giessen qerg zu Lor(Lahr) umb ettlicher Misshandlung, so er an einer Klosterfrawen begangen, uff derselben Klostèerfra wen Fründschaft Anrieffen gefangen gewesen, und aber durch den Huffen gewaltiglich usser derselben Gefengnus genommen und gen Kentzingen gefiert, haben sie demnach der Fründschaft und dem Giessen Jergen Rechtstag ihres Gefallens angesetzt, dasselbig Recht habe er helffen besitzen und sei ein Richter gewesen.“„Item be— ö kenndt er, als er und andere von Stauffen heruff wellen heim ziehen, und zu Betzingen zu Imbis geessen und zu dem Schloss Crantz- nom komen, hab er gesagt, ich muss in das Schloss, denn das Schloss miesse brennen. Es thue kein gut, man thu dann die Schlösser alle ab. Uff das hab er den Haus Karrer geheissen, dass er das Schloss anzünden soll, als auch beschehen und also ver- ö brennt worden.“?) In der Ratsstube zu Staufen sagte er:„Sollt 0 ich den Edellüten nicht Findt sin, so bin ich doch den Teller— schleckern Findt, die do Farben in den Ermeln tragen.“ Des- gleichen,„er welle allwegen in zwo Stunden 4000 Mann by einan- der haben und es zuwege bringen, dass man noch in Jahr und 0 Tag der Herrschafft nit wider huldigen oder schwören misse. Item hat er geredt: Ich geb ein Dreck umb alle Edellüt, die im Land sind.““) Auch ein pflichtyvergessener„Pfaffe“ gehörte zu den Unzu- kriedenen. Kaplan Nikolaus Schmidt,„der sich je und je wider die Herrschafft gesetzt, sins Willens gelebt, und nie darzu hat mögen gebracht werden, in der Kilchen zu thun, was er schul dig sei,“ heiratete seine„Kellerin“ und zog ebenfalls mit dem Haufen, der mit den markgräflichen Bauern zusammenschwur. Das Johanniterhaus in Heitersheim wurde geplündert und hierauf ein Anschlag auf Neuenburg gemacht.„Kaspar Gerber ist der- jenige, so die Stadt zur Ubergabe uffgefordert.“ Neuenburg musste bald zu den Bauern schwören.) Von Heitersheim aus wurde auch ein Raubzug nach Boll- schweil unternommen. Hier stand das Schloss eines Suewelin, 1) Schreiber Nr. 468. Hartfelder p. 295. 2) Schreiber Nr. 8 3) Schreiber N Leben 6. Er hat später seine frechen Reden und Thaten mit dem reiburg zum Tode verurteilt, mit dem Schwerte hingerichtet, erhauen, und die Stücke auf die freie kaiserliche Landstrasse Körper in vier Stü ingt. Schreiber Nr. 3. „Geschichte der Stadt Neuenburg. III, 262. Schreiber Nr. 4684 und 504. 32 eines Mitgliedes der reichen und weitverzweigten Freiburger Patrizierfamilie. Dabei fielen die Bauren auch in die benach- barten Propsteien Sölden!) und St. Ulrich.?) Sie wurden wie Bollschweil vollständig ausgeplündert, und die Beute verkauft. Auch in Norsingen und Offnadingen hatte sich ein grosser Tei der Bewegung gleich zu Beginn angeschlossen. Der Vogt zu Nor- singen, Veltin Brunner, gab den Seinen den Auftrag,„wo sie einen im Feld sehen mögen, reiten, er sei edel oder unedel, so sollen sie laufen und denselben totschlagen oder erstechen.“ s) In den Schlössern zu Kirchhofen und Biengen wurde Korn und Wein geraubt und weggeführt. Ein Hauptsitz der Unzufriedenen war Niederrimsingen. An ihrer Spitze stand ihr eigener Pfarrer Andreas Metzger von Baden- weiler. Als die Bauern im Breisgau„aufrührig“ wurden und zu- sammenströmten, zog er mit seinen Bauern nach Wolfenweiler— und lag daselbst und zu Haslach so lange mit ihnen, bis der ganze Haufe nach der Eroberung Freiburgs wieder abzog. Im Lager zu Wolfen weiler sagte er zu seinen Bauern,„es sigen(seien) viele Artikel, damit man den Priestern die Pensionen oder Ab- sentzen von ihren Pfründten müessen geben, auch damit man bis- ber den gemeinen Mann gedruckt und beschwerdt, die man auch nit mehr solle liden, den Gott wells nit mehr liden, dass der arme Mann also béschwerdt und underdruckt werden solle.“) Fr fiel mit seinen Anhängern in das Schloss zu Munzingen“) und nahm die daselbst vorgefundenen Bücherée) an sich. Hierauf ging es in den wohlgefüllten Keller. Er hat, nach eigenem Geständnis „den Wim ufftragen und den Bauern usgeschenkt.“ Bei der Plün- derung des Speichers trug er selbst drei Säcke voll Korn herun- ter. Als er den ersten auf den Wagen warf, sagte er:„Das ist die Frühmess,“ beim zweiten:„Das ist die Mittelmess«“ und beim dritten:„Das ist das Fronampt.“ Sodann stieg er auf das Dach des Schlosses, warf viele Ziegel herab und zerstörte ein ganzes 1) Cella St. Petri et Pauli oder Wilmarszell. Der Ort Zell wurde 1083 vom hl. Ulrich dem Bis- tum Basel abgekauft und das Clunjacenser Priorat von Grüningen bei Breisach hierher ver- legt. Schirmvögte waren bis 1195 die Grafen von Nimburg. Per letzte derselben verkaufte die Advokatie dem Bischof von Strassburg, welcher später die Grafen von Freiburg damit belehnte. 1560 wurde das Priorat der Abtei St. Peter auf dem Schwarzwald einverleibt. vgl. Maurer, Freib. hist. Ztschr. Bd. VI. 2) Sölden. 805 Selidon. Uralte Ansiedelung. Im 9. Jahrhundert im Besitz des Klosters St. Gal- len. 1115 wurde das von St. Ulrich in Bollschweil gegründete Frauenkloster durch Gehrhard von Scherzingen hierher verlegt, im 16. Jahrhundert in eine Propstei umgewandelt und dem Kloster St. Peter einve bt. S. hatte dieselben Vögte wie St. Ulrich. 3) Bekenntnis des Christian Schwab von Offnadingen(9. Dez. Schreiber Nr. 492. Die Na- men der anderen Rädelsführer in Offnadingen sind Michel iman, Veltin Seppenhofer, Hans Streuli, Simon Mi r und Paul Rin 4) Geständnis des Pfarrers Andreas Metzger im„Diebsthurn zu Fribur. 3“(A7. Januar 1526) Schrei- ber Nr. 502. Hartfelder Nr. 299. 5) Freihof und Kirche 845 von Kaiser Lothar dem Frauenstift St. Stephan zu Strassburg bestätigt. Schirmvögte waren seit dem 12. Jahrhundert die Herren von enberg, welche mit ihren Rech- ten die von Staufen belehnten. Letztere verkauften 1316 das Schultheiss namt an das Stift, 1228 die Vogtei über 5 Dorf au Johann von Wieseneck. Beides gelangte schliesslich an Osterreich, welches 1734 M. dem Freiherrn Heinrich v. Kageneck käuflich überliess. vgl. Ba- der, Fahrten und Wanderungen II. 6) Es waren vier Bücher: eine tze Bi oder alte Testament in zweien Büchern, ein tütsche Postill und ein Buch Doktor rgs Predig.“ Schreiber Nr. 502. — 33— Viertel des„Wurmnestes“. Auch hat er mit einem„Bickel in den Handen etliche Fenstergestelle und Pfosten im Turm ausge- schlagen und zerstossen.“) In Munzingen waren Pfarrer und Vogt ihrem adeligen Herrn treu ergeben. Hans Schächtelin, das Haupt der Unzufriedenen, liess deshalb den Vogt binden, durchprügeln und entsetzte ihn seines Amtes. Der Schlossherr selbst hat gesagt:„Ich hab ein guten, fromen Gesellen zu eim Vogt gehabt, denselben hant sie mir abgesetzt, gefangen, misshandelt und zum Huffen geführt. Und wie man ihn also gebunden zum Huffen gebracht, ist Hans Eberlin, ein Rädelsführer, dogestanden und hat also zu mim Vogt geredt, mir zur Schmach: Jetzt seid Ihr da, jetzt mag Euch Euer Junkerlin nit mehr helffen.“„Item hat er minen Knecht ge- zwungen, das myn mit mym eignen Ross und Wagen hinwegzu- fieren.“ Den Pfarrer schleppte Schächtelin an einem um den Hals gebundenen Strick vor den versammelten Haufen und schalt ihn öffentlich einen Verräter. Auch hat er„sinem Kilchherrn syn Ross, so er im Pfarrstall gehabt, mit Gewalt genommen und geredt: Dem Junkerlin gehört nichts mehr, sunder es ist alles unser.“ Von seinem Herrn, der sich nach Breisach geflüchtet hatte, sagte Schächtelin:„Der Teufel soll ihn nur holen; er welle densel- ben in Munzingen nit mer sehen, auch nit mer als sinen Herrn anerkennen.“) Am darauffolgenden Feiertage berief Hans Eberlin die ganze Gemeinde zusammen und sagte:„Welche wellen markgräflich sin, die heben mit mir die Hant uff.“ Und Hans Schächtelin ging im Dorf umher und zwang die Bauern bei ihrem Eide, dem Hau- fen zuzuzichen. Weigerte sich einer, so schlug man ihm einen Pfahl vors Haus. Diese Grenze durfte der Betroffene nicht über- schreiten.„So stürmisch und roh ging es in den österreichischen Dörfern des Breisgaus zu. Die ganze Bevölkerung mit geringen Ausnahmen war in der grössten Bewegung. Alles war vorberei- tet, um die aufgeregte Masse zu einem grössern Unternehmen zu vereinigen— zur Belagerung Freiburgs.“ Ein zweiter Haufe hatte sich in den Gemeinden zu beiden Seiten des Kaiserstuhles gebildet. Hauptleute desselben waren Hans Ziler von Amoltern und Matthias Schuhmacher von Riegel. Die grösste Unzufriedenheit herrschte in Kiechlinsbergen.“) Daselbst 1) Schreiber Nr. 502. An der Spitze der Bauern zog er hie andere Unzufriedene einfanden. Hier wurde eine& Hans in der Matten von Gündlingen zum Ero obe n standes wurde Pfarrer Met in Frei Karren, führte ihn zum G2 en benach nam blieb daselbst hangen 1 zu eim Beispiel und Exempel.“ 2) Schreiber Nr. 501.(Geständnis des Haus Schächtelin von Munzipgen 1525.) 3) Hartfelder p. 300. 4) Kiechlinsbergen hiess weit davon entfern bergen. Die Küch im 14. Jahrhundert seinen Namen hat, Waren Stammsitz. Das Kloster Andlau besass das Kire rauf nach Wolfenweiler, wo sich noch nde abgehalten, und der berüchtig 1 Nach Bewälti des A! Man s ihn auf einen r Sein Leich- irteilt. burg, von denen das Dorf schon ert und hatten dort auch ihren „ Im Jahr 1344 wurde der Frohn- 5 „ war das Kloster Thenenbach reich begütert In dem Klosterhofe wohnte als Verwalter ein Mönch.„Der hiess Herr Apper.“ Als er nach alter Sitte an der sogenannten Pfaffenfastnacht(26. Febr.) einige Bürger des Ortes bewirtete, rief ihm einer derselben mit Namen Wolf Krummisen zu:„Münch, trag nur ſuff, denn wir wellen bald alles selber nemmen.“) Einige Zeit darauf erschien der Mönch„uff ein Donnerstag gen Abent“ bei dem Schultheissen der Gemeinde, Euchari Binder, und sagte zu ihm:„Schultheiss, mir kommen dermassen War- nungen, dass ein Volk in den Hoff fallen wird. Dorum ist mins Blibens nit hie, dorumb, eh sie kommen, thund das best.“ Wie- wohl der Schultheiss dem Mönch„gern abgeredt, dass er wär bliben,“ ist er dennoch alsbald hin weggegangen. Der auf dem Hof dienende Küfer„Jocop“ hatte ihm die Gefahr verraten. Als sich das Gerücht von der Flucht des Mönches im Dorfe verbreitete, da sammelten sich„uff den Obend spodt“ die Unzu— friedenen vor des Schultheissen Hause und fragten, ob es wahr sei, dass der Mönch entflohen. Nachdem der Schultheiss dies be- stätigt hatte, entstand ein wüstes Geschrei im Haufen.„Das miess ihm Gotts Marter ete.“ riefen die Ubermütigen.„Ist der Münch flüchtig worden, so wellen wir ihn nit mer für ein Herrn, und euch nit für ein Schultheissen haben, mit fil anderen Worten, 80 fil, dass der Schultheiss nit mer dörfen dozu reden.“ Schweigend zog er sich in sein Haus zurück. Kaum aber war er zu Bett ge- gangen, so wurde ein mächtiger Stein gegen seinen Laden ge- schleudert,„dass die bed Angel in die Kammer gefallen, und der Stein uff sim Bett ligen bliben, und wo er oder sin Hussfraw troffen, zu tod geworfen.“ Noch in derselben Nacht drang der Schwarm') in den Klosterhof, plünderte denselben aus und bat „Hüner, Tuben und Gäns nidergeschlagen.“ Und als mit an- brechendem Morgen Weiber und Kinder sich zu den Männern ge- sellten, wurde„geessen, trunekgen und ein wild Leben gefiert.“ Jeckli Kurtzmann und Conrad Kieffer, zwei Rädelsführer, sahen in diesem wüsten Treiben eine Wirkung des heiligen Gei-⸗ stes. In Münzers Sinn riefen sie frohlockend aus,„Gott und der heilig Geist wireke in dem Volek, Gott wells also haben und miesse so sein.“) Bis dahin ist noch„Niemants Frömbds do gewesen“ Des anderen Tages aber verbreitete sich das Gerücht von diesen Vor- fällen in den Nachbardörfern, und bald fanden sich aus Amoltern, Sasbach, Wyhl und Weisweil Gesinnungsgenossen ein. Nun wurde hof mit Ausnahme des Pfarrsatzes um 230 Mark Silber an das Kloster Thenenbach verkauft. Als nach dem Aussterben der Herren von Usenberg die Vog ate über das Dorf dem Kloster wieder ledig wurden, belehnte dasselbe damit die Herren von Küchlin, Später erwarb die- selben samt dem P satz durch Kauf das Kloster Thenenbach. Vgl. Kolb, Lexikon; Zeit- schrift XXXIV. p. anden: Jeckli K ann, Conrad Kieffer, Wolff Schmidt, Wolff Krummisen, „Bastian Geisser, Fasslin Seiller. Mitteilung des Schultheissen Eucharius Binder von Kiechliusbergen bei Schreiber Nr. 468a. „ die Verwüstung im Klosterhof noch gründlicher besorgt. Es wurde alles„zerrissen, zerschlaghen, zerstossen“. Hier wurde auch der An- schlag gemacht und die Amter besetzt.) Zu dem Schultheiss Binder sprach Wolff Schmidt, einer der Rädelsführer:„Siehstu, ob zwo Stund hin gond, so muss die Limpurg') uff den Boden zerrissen sin.“ Der Verwüstung des Klosters folgte eine Beratung im Wirts- hause zu Kiechlinsbergen. Es waren nur zehn Männer, die daran teilnahmen. Darunter befand sich Hans Ziler von Amoltern, der spätere Obrist.) Es wurde beschlossen, in das benachbarte Dorf Weisweilt) zu ziehen, wo Gesinnungsgenossen der Unzufriedenen wohnten. Man einigte sich, Wolf Fischer und einige andere Bauern zu dem Haufen jenseits des Rheins zu schicken, welcher sich bei Kestenholz gelagert hatte, um von dort Rat und Hilfe zu erlangen. Bald ging eine grössere Anzahl Breisgauer in das Elsass hinüber und blieben mehrere Tage bei den dortigen Haufen. Nach langen Beratungen schwuren sie zu den Elsässern und erhielten von ihnen die zwölf Artikel. Hans Ziler von Amoltern und Bastian von Wyhl hatten indes ein Fähnlein in Schlettstadt machen lassen.„Veltin Wiss zu Kiechelspergen hat zween Gul- den dargeliehen, das Fänlin machen zu lassen.“ Hierauf kehrte die ganze Schar nach dem Breisgau zurück. In dem Dorfe Sas- bach liessen sie ihr Fähnlein fliegen und fielen zunächst in die Höfe des Klosters Thenenbach zu Kiechlinsbergen und Hardern. s) Der Haufe scheint jetzt schnell angewachsen zu sein. Auch in dem nahen Städtchen Endingen, wo der Rat von den Bauern nichts wissen wollte, gab es Unzufriedene genug. Hans Ziler rühmte sich später im Wirtshause zum Kopf in Basel— die Wirtin war von En- dingen—„er habe zu Endingen so viel Anhänger gehabt, dass er wohl gewusst, dass man ihn in die Stadt aufnehmen würde“.“) Endingen scheint deshalb rasch die Thore geöffnet zu haben. Hans poll, Büchsenschiesser von Jechtingen,„ein grosser Bube, verlangte, dass man die Gemeinde zusammenrufe. Der Stadtrat 1) Hans Ziler, Hauptmann, Bastian von Wil, Fendrich, Thoman Moll von Saspach, Provos, Fass- Iin Seiler, Puttmeister, das Ross verkauft. Sonst recht schuldig: Wolff Fischer von Wiswir (Weisweih. Ein Rieckger von Wiswir, Schwob Hans, Vit Schwob, Vit Sodthafen ist Thür- hieter gsin. Schreiber 4684. Vit Sodthafen hat Neuershausen geplündert. Geständnis Hans Zilers von Amoltern.(20. De) Schreiber Nr. 5 2) L. ist eine Ruine auf einem is Basaltkegel bei Sasbach, unmittelbar am Rhein gelegen und ehemals von diesem umflossen. Im 13. Jahrhundert gohörte die Burg den Habsburgern und ist Geburtsort des Kaisers Rudolf. Später kam sie an die Grafen von, Freiburg, 1480 an die Grafen von Tübingen-Lichteneck und mit deren Erlös ieder an Osterreich. 1645 wurde der Kaiserliche Kriegsrat Franz v. Girardi damit belehnt, dessen Nachkommen noch im Besitz sind. Wann die Burg zerstört wurde, ist unbekannt. vgl. Ruppert, die Limburg ete. Konstanz 1888. 3) Er sagt in seinem Geständnis auf die Frage: Was ihn verursacht hab, dieweil er doch allwegen mit dem Adel gezogen, dass er der Aufwiegler sei gesin, die Bauern am Kaiserstuhl zu eim Auffrur zu bewegen? Es seien drei von Amoltern zu ihm in die Reben kommen, die haben ihn auffbracht und se gen Küchlinsbergen gangen, ins Würtshuss und do trunken. Da i bei zehn geworden. Hans Zilers von Amoltern Geständnis. Schreiber Nr. 499. 4) W. gehörte n Markgrafen von Baden. 5) Schreiber Nr. 468d, Gemeint ist der Harderhof zwischen Kenzingen und Weisweil. Wal- ter von Geroldseck schenkte denselben 1252 dem Kloster Thenenbach. 6) Schreiber Nr. 4686 und 499. war machtlos gegen den wilden Haufen und musste zufrieden sein, dass man ihm mancherlei einräumte, Eudingen musste zwar in die Bruderschaft schwören, aber seine Zugehörigkeit zum Hause Osterreich sollte dadurch 1 berührt werden-) In diese Zeit fällt vermutlich auch die Zerstörung des mark- gräflich badischen Schlosses Höhingen“), das in der Nähe des Dor- fes Achkarren gelegen war und von den Bauern verwüstet wurde, Bei der Untersuchung schoben die Markgräflichen die Schuld auf die österreichischen Bauern, und die Thäter Konnten nicht er- mittelt werden. Auch das Städtchen Burkheim auf der Westseite fiel in die Hände der Bauern. Der Haufe wurde immer grösser, und bald fehlten die Bewohner keines einzigen Dorfes am nörd— lichen Kaiserstuhl mehr. In dem Verzeichnis der Schuldigen, das nach dem Kriege für die Gerichte aufgestellt wurde, sind neben der Stadt Endingen noch folgende Dörfer vertreten: Wyhl, Rothweil, Sasbach, Amol- tern, Kiechlinsbergen, Jechtingen, Bischoffingen, Achkarren König- schaffhausen, Weisweil. Am zahlreichsten sind die Namen aus Kiechlinsbergen. Der Haufe hatte nicht blos sein eigenes Fähnlein, sondern auch ein Siegel. Von diesem Haufen wurde die Geistlichkeit längs des Kaiserstuhls willkürlich geschätzt. So musste der Kirchherr Ulrich zu Jechtingen 20 Goldgulden und dazu noch Wein und Korn an denselben entrichten. Dafür stellten ihm die Bauern einen Sicherheitsbrief aus, in dem diese Forderung begründet ist mit der„Unbild, so er und andere Priester aus dem gemeinen Volk lange Zeit verhalten und verschwiegen haben.““) Das Original desselben lautet: Schutzbrief für Meister Ulrich, Pfarrer in Jechtingen. (19. Mai 1525.) „Wir diss Nachbenannten, Hans Ziler von Amoltern und Mathis Schuhmacher von Riegel, als oberste Hoptlüt des evangelischen versammelten Hufken im Brysgow, am Kaiser- stul, Endingen, Burkheim, Kentzingen und die Dörfker uff dem Land, bekennen und thun kund offenbar allen gemeinen ver- sammelten evapgelischen Huffen, sie syen in Ländern wo sie wellen, dass der ersam Meister Ulrich, Dechant Endinger 1) Schreiber Nr. 344. 85 2) H., Ruine bei Achkarren, Herrschaft Usenberg. Kam 1352 an Hochberg, 1415 an Baden, von den Bau zerstört. Im Jahre 162 s Markgraf Georg Friedrich H i. n und mit einer Besatzung versehen. 1 W le es 8 obert und blieb ein Vorwerk der Festung Breisach. Während der Bernhard von Weimar(1 wurde H. von seiner Besa auf; Im Jahre 1671 erlaubte die badische Regierung dem He lichen Mauern und Steine voll 5 8 Es sind des brocken vorhanden. vgl. Maurer 1. 38. 3) Revers der H: e 2¹ er und Schumae 8 vom 19. Mai in den Protokollen der Universität Freiburg III. T., p. 142 den und niedergebrannt. ni, die noch zu H. befind- lb nur noch wenige Mauer- Capitels und Kirchherr zu Uchtingen, sich mit uns vertragen und überkomen umb zwentzig Guldin an Gold und darzu Win und Korn; sol bliben in stiller Wahr ligen uff witer Bescheid. Und ist und sind solch zwentzig Guldin Schutzgeld umb das Unbild, so er und andere Priester uns dem gemeinen Volck lange Zit verhalten und verschwiegen hand. Er hat uns auch die also bar gericht, gewert und bezahlt, damit uns begnügt. Harum sagen wir genannten Meister Ulrichen für uns und alle versammelten Huffen deren evangelischen Brüder, sie seien in Ländern wo sie wöllen, den genannten Meister Ulrichen quitt, ledig und unansprechlich. Wir genann- ten Hoptlüt entziehen uns och hinfür kein Ansprach, Vorde- rung an genannten Meister Ulrichen zu haben, oder ihn da- rumb anzusprechen, weder mit noch on Recht, in dheinem Weg alles in Craft diss Brieffs. Geben uff Fritag nach dem Sonnentag Cantate, im Jahr als man zalt von Christi Geburt funfzehnhundert zwentzig und funff Jar.“) Nachdem der Haufen hinlänglich angewachsen war, wandte er sich nach Osten gegen Kenzingen, wo er mit den Bauern der Ortenau und der Herrschaft Hochberg zusammentraf. Auch im Markgräflerland züngelten die Flammen des Auf- ruhrs früh empor. Die Unzufriedenheit der Bevölkerung war durch harte Verfügungen des früheren Markgrafen Christoph noch geför- dert worden. Auch liess die Bewegung der Wälderbauern die Markgräfler nicht zur Ruhe kommen. Vom Wald her waren ihnen auch die zwölf Artikel mitgeteilt worden. Auf zwei Tagfahrten zu Kandern und Badenweiler hatten die Amtleute des Markgrafen Ernst den Bauern der obern Markgrafschaft, der drei Herrschaften Röteln, Sausenberg und Badenweiler, ihres Herrn Bereitwilligkeit angezeigt, sich billig mit den Bauern zu vergleichen und alle wirklichen Beschwerden abzustellen. Die Bauern erklärten aber den Abgesandten des Markgrafen,„dass in Summa die Sach da- ruff stehe, ein Bauern-Regiment zu machen.“ 2) So weit ging die von Münzer geschürte Verblendung, dass die Bauern die Verhand- lung mit ihm weigerten, weil sie nur den Kaiser als Fürsten zu er- kennen vermöchten, da dieser im neuen Testament vorkomme, der Markgraf von Baden aber mit keinem Wort. Nur vom Kaiser und dessen Statthalter wollten sie in Zukunft regiert sein, da auch dieser Statthalter im neuen Testament genannt, sei. Edel- leute aber wollten sie durchaus nicht mehr. Alle Amter sollen fortan mit Bauern besetzt werden. Der Markgraf selbst müsse ein Bauer sein. Als der Fürst hierauf natürlich nicht eingehen konnte, setzten die Bauern ihre Drohungen ins Werk, bemäch- tigten sich der Schlösser Röteln, Sausenberg und Badenweiler, des festen Johanniterhauses zu Heitersheim und plünderten und 1) Schreiber Nr. 245. 2) Schreiber Nr. 216. verwüsteten die St. Blasischen Häuser und Propsteien zu Nollingen, Weitnau, Sitzenkirch, Bürglen, Gutnau und Krotzingen Oberster Anführer war Hans Hammerstein von Feuerbach. Unter ihm standen Breckher von Schopfheim, Moriz Nithart von Wollbach, Jakob Scherrer, Martin Lang und Hans Schmidlin von Baden- Weiler. Markgraf Ernst aber befahl dem Rat zu Freiburg Gemahlin und Kinder in die Obhut und ritt gen Breisach und Strassburg, um Reisige zu werben. Die Stadt Freiburg aber nahm sich des verlassenen Fürsten an und richtete ein ernstes Mahnschreiben an die Hauptleute der drei Herrschaften. Die Stadt spricht darin ihr Befremden aus über das Vorgefallene, da sie„je und je gehört, dass sich die löblichen Fürsten, die Markgrafen zu Baden, mit ihren Unterthanen und die Unterthanen mit ihnen gnedigklich und underthäniglich gehalten, desshalb uns sollicher Missverstand gantz trüwlichen und nachpurlichen leid wer, und willig und be- reit sind, Wo wir können und mögen, Frid und Einigkeit, so Gott selbs bevohlen zu geben hat, zu machen, in Betrachtung, was Elentz, Jamers und Verderbens jetzt und Kkünftiglich uss solchen Hendeln erwachsen mag. Bedenkt euwren fromen Fürsten und euch selbs, auch dass gegen Gott und der Welt gar glückselig und löblich ist, dass ein jeder by seinem fromen Wib und Kin- deren in Ruwen bliben mög und nit ouch sterblichen und ver- derblichen Schaden liden mièss.““) Gleichzeitig aber rief der Markgraf die Vermittlung des star- ken Basel an. Doch die Basler Gesandten erhielten im Bauern- lager die überraschende Antwort,„nur dann werde man von dem Unternebmen ablassen, wenn der Markgraf den Kaiser, den Erz- herzog und andere Obrigkeiten vermöge, dass dasjenige, was er ihnen biete, auch andern, mit denen sie in Brüderschaft und Eini- gung seien, gehalten werde.“ Damit war Unmögliches verlangt. Die Waffen mussten ihren Lauf nehmen. Und immer noch waren sie den Bauern günstig. Alle Klöster und Schlösser der Gegend waren von ihnen besetzt und geplündert. In Heitersheim fand denn auch der Anschluss an einen Teil der österreichischen Unter- thanen statt.?) Dann ging es hinunter zu den Schwarzwälder Haufen nach Freiburg. Das Schloss Hachbergs) war der feste Mittelpunkt der gleich- 1) Freiburg an die Hauptleute und Gemeinden der drei Herrschaften Sausenberg, Röttlen und zadenweiler(6. Mal 1525). Schreiber Nr. 213. 5 2) Schreibe 206, 503. 3) Schlos auf dem Hornwe Kloster Alle rste urkundliche Erwähnung 1050, Dietrich v. Hahbere zu Schaffhausen. Die Angehörigen dieses Geschlechtes ar che Ministerialen, führten einen Stierkopf im Wappen und starben im 12. Jahr- hundert aus. Nachdem sich von der herz ichen Linie der Zähringer die markgräffiche ab- 8 igt hatte, teilte sich die letztere um 1190 in eine badische und hochbergis Seitdem Hochburg die Residenz d h ihr benannten Marl diese 1418 im hen, und Ma 4 J aft derselben g der hend unter der Residenz. graf 5 die „ namigen Herrschaft und zu jener Zeit der gewöhnliche Wohnsitz des Markgrafen Ernst!) zu Baden und Hochberg. Zu der Herr- schaft gehörten nicht nur Emmendingen und die benachbarten Orte, sondern auch mehrere Dörfer am Kaiserstuhl. Unter der Hochberger Bevölkerung hatte der Prädikant Ja- kob Otter von Kenzingen viele Anhänger gezählt. Als der refor- matorisch gesinnte Prediger der drohenden Gefahr hatte weichen müssen, hatte sich unter ihnen eine grosse Erbitterung gegen Frei- burg gebildet, das der Urheberschaft der Vertreibung Otters an- geklagt wurde. Auf den Strassen und in öffentlichen Wirtshäu- sern wurden die Freiburger öffentlich und laut„Schelmen“ ge- scholten, die das„Gottswort verdrucken“ wollen. Man rief ihnen ungescheut zu,„Freiburg habe Kenzingen schmählich überzogen und ins Verderben gestürzt, aber in kurzer Zeit werde Freiburg auch überzogen und um dieses Frevels Willen gestraft werden.“) Schon im Monat April zeigten sich deutliche Spuren der drohenden Bewegung im Hochbergischen. Doch blieb Markgraf Ernst vorerst noch mit seiner ganzen Familie auf der Hochburg und setzte dieselbe in Verteidigungszustand. Den 28. April schrieb er nach Freiburg um einen Zentner Salpeter, und das„raptim“ am Schlusse seines Schreibens lässt ahnen, dass die Gefahr bereits eine drohende war.?) Auch in Freiburg wusste man, dass von die- ser Seite Gefahr drohe. Als in den ersten Tagen des Mai Vorsichtsmassregeln zur Sicherheit der Stadt getroffen wurden, stellte man auch Kund- schafter auf für„Kenzingen, Denzlingen und da um.“ In den nächsten Tagen schon verliess Markgraf Ernst sein Schloss und suchte mit seiner Familie Schutz hinter den Mauern der Stadt Freiburg.“) Er bat den Rat um Fürsprache bei seinen aufrühreri- schen Unterthanen in den Herrschaften Sausenberg, Röteln und Badenweiler. Die Stadt schrieb auch schon„nächsten Tags“ an fall. 1670 be- Kaiserlichen. Nach der Ubergabe wurde die Burg geschleift und kam in Zer 1 i aber 1678 den fahl die badische Regierung Wiederherstellung der Befestigun 5 Ausbau einstellen und 1681 die Aussen- und Mittelwer orfen, tionen und Brustwehren sprengen und Munition und Artillerie nach Du führen. 1684 richtete im obern Stock Feue u grossen Schaden an. wurde die H. von den Franzosen besetzt und 1689 vollends zerstört. 1846 wurde auf dem Meierhofe unter eine Acker- bauschule errichtet. vgl. Herbst, die Burg H. 1851. Maurer Näher, die altbadischen Burgen und Schlösse Emmendingen bei Dölter 1 1) Im Jahre 1515 teilte Markgraf Christof I. sein Land unter seine drei Söhne Philipp, Bernhard und Ernst. Philipp erhielt die badische Mar ktschaft, den halben Teil der 4 haft Eberstein und den Anteil des Hauses au der 1 haft Geroldseck, Ernst flel Hochberg und senberg l i Sausenberg, Röteln und Badenweiler zu, Bernhard bekam di ponheimischen und luxenbt hen Besitzungen. Von den drei Brüdern blieb Philipp kin 5 gründete die baden- badische, Ernst I. die baden-durlachische Linie. Vel B N Zähringer in Baden. Karlsruhe 1881. A. Preus J. Ch. Sachs, Einleitung in die Geschichte der arkgravschaft ete. Karlsruhe 1764 ff. Bd. I ierordt, Gesch. der igelischen Kirche in Baden. Karlsruhe 1847. 2 Bde. en in der Refo 1 zeit p. 24 ff. 5 1 s nothwendig. Dwyl nu wir verstanden, Ihr in Ewer genuogsam habend, ist unser gunstig nachpurlich Pitt an Euch, Ihr wöllen uns ein Centner werden lassen, dass der uns vetzt werde. Wollen wir gern, was daz kostet, bezahln, auch sollichs umb Euch allzit günstig beschulden und nachpurlich erkennen.“ Schreiber Nr. 199. Schreiber Nr. 199, 208, 216. ch, die n, Badische Geschichte. Karlsruhe 1852. 40 dieselbe und machte geltend, dass die Markgrafen von Baden sich jederzeit gnädig gegen ihre Unterthanen verhalten hätten. Das Schreiben scheint aber, da der Markgraf die Stadt nicht zu ver- lassen wagte, keinen Eindruck gemacht zu haben.“) In kurzer Zeit war der Haufen der Aufständischen mächtig angeschwollen, indem die Mehrzahl der ländlichen Bevölkerung sich an der Bewegung beteiligte. An die Spitze des Haufens trat Clewy Rüdi von Malterdingen. Unter ihm stand als Fähn- rich Josef Metzger aus demselben Dorfe. Unterhauptleute waren Hamann Metzger, Michael Strub und Veltin Scheremberg von Denzlingen, Veltin von Maurach u. a. Dasselbe Gefühl der tiefsten Erbitterung herrschte in den Unterthanen der Herrschaft Kenzingen.?) Sie alle grollten ob des Ubermasses an Strenge und Demütigung gegen die Stadt Kenzingen, die auch in den Tagen des Kampfes in Treuen an Osteri e gehangen hatte.. unruhig sah es in den Dörfern aus. Die grösste Unzufriedenheit herrschte in Herbolz- heim, Bleichheim, Ober- und Niederhausen. An der Spitze der Bewegung standen drei Geistliche:„Herr Claus von Bahlingen zu Herbolzheim, der ander ist zu Blaichen, der dritt zu Husen.) Denn eifrige Förderer fand die Revolution auch unter dem niedern Klerus, dem„armen Mann in der Priesterschaft, der nit minder denn die andern durch Empörung sich aufbelfen wollte“. Schon seit langer Zeit sah ein grosser Peil der niedern Geistlich- keit mit Neid und Missgunst auf die reichen Stifter und Klöster hin und auf die„Hochgeboren Herren im Bischofhut und in den Kapiteln, die so viel Einkünft hatten und oft soviel Pfründen“, Während er selbst ausser den vielfach unsichern Zehnten und Stolgebühren keine andern Einnahmen besass. Als nun infolge der religiösen Neuerungen Zehnten und Stolgebühren in vielen Gegenden fast gänzlich fortfielen, so wurde„die Not unter den Pfarrherrn und Vikaren auf den Dörfern umso grösser.“„Viele wurden darum gut evangelisch, weil sie keine Nahrung 136 ten, viele, weil sie wollten leben in Saus und Braus und Klöster Anh Schlösser stürmen und gute evangelische Beute heimführen, dass aber viel gut evangelischen Lebens gewesen seien, hat man nit sagen bören. 5 0 10 Schreiber Nr. 112, 118, 115. e umfasste ausser der Stadt K. die Orte Herbolzheim, Bleichheim, Nordweil, Bombach, J, Ober- und Niederhausen, das Kloster Wonnethal und das Schloss Kürnberg. chreiber Nr. 4686. es Mittelalters.(Frei- 1 5 sich die von der 5 debung. So werden allein aus 1 bleiven Ge S zu e neun stliche als Teilnehmer des ufruhrs oder 0 in der Gr Tirol. In den Fürsten- des Mark 10 Ken 5 allem obenane: Dem on Aug Priester 11 ihrer Wehr und 8 ten mehrere abgefallene Ge 0 en ersten 0 ernheeres.“ Nähere den niedern Kleèrus in Bauernrebellion bei J J. E., Deutschland in der Revolutions- periode von 1522— 1526 aus den diplomatischen Korrespondenzen und Originalakten bayerischer 41 Die Unzufriedenen der Pfandschaft sammelten sich rasch und zogen unter Anführung des Schultheissen von Herbolzheim) den auf Kenzingen anrückenden Haufen mit einem fröhlichen„Gott Willkomm“ entgegen. Der erste Besuch galt dem reichen Cister- zienserkloster Thenenbach.?) Besonders unzufrieden waren die Bau- ern mit den Klöstern, von denen männiglich bekannt sei, dass sie sich unverschämt berühmten,„ausserhalb der Welt zu sein,“ wäh- rend sie alle Güter der Welt, auch die weltliche Herrschaft an sich zögen, grosse Schätze an Barschaften, Wein und Korn sam- melten und dennoch„niemanden nützlich noch beholfen“ seien, ihre Frucht meistenteils zu teuern Zeiten um„zwei Geld“ ver- kauften u. s. Ww. Man solle deshalb deren augenblickliche Insas- sen„in Frieden absterben lassen“ und sie dann schliessen.) Gegen das friedliche Gotteshaus wälzte sich jetzt der wilde Haufe. Abt und Konvent waren vor dem Hereinbrechen der Bewe- gung nach Freiburg geflohen, wo das Kloster seit alter Zeit in der Gerberau einen Hof hatte. Der Haufe drang mit Gewalt in das- tellt. Freiburg 1851, p. 191200 und Baumann, F. L., Quellen zur Geschichte s in Oberschwe in der Bibliothek des histor. Vereins in Stuttgart. Band übingen 1878, 479—480 1) Herbolzheim ist sehr alt und ge 129 e zur Herrschaft Nimburg. Das Kloster St. Gallen war schon im 10. Jahrhundert zu Heribothesheim 1 gütert. Der Ort besass einen eigenen Adel, der im 13. Jah lert mit dem Ritter Friedrich von H. erlosch. Ihm gehörte wahrscheinlich auch der Minnesänger Bertold von Herbolzheim an. Der letzte der Grafen von Nimburg ver- e H. an den Bischof von Strassburg. Dieser kam deshalb mit dem Herzog von Zäh- ringen in Streit, der 1213 durch Kaiser Friedrich II. zu Gunsten des Bischofs entschieden wurde. In der Fol zelangte das Dorf als strassburger Lehen an die Usenberge, dann an Freiherrn Hug von K 1 1357 an Graf Hug von Fürstenberg, der auch vom Bischof die Be- lehnung erhielt und seinerseits wieder den Ritter Werner von Kürneck mit dem Weinzehn- selbst belehnte. lie Haslacher Linie ausstarb, und Bischof Friedrich von Strass- das Dorf als heimgefallen einziehen wollte, machte es ihm Markgraf Otto von Hach- tig, verzichtete aber gegen 1200 fl. auf seine Ansprüche und trug dem Bischof da- gen Schloss Höhingen als Lehen auf. H. kam später als Pfandlehen an die von Seebach f ichen Rat Georg Ignaz Schmitt v. Brandenstein. 1810 und 1687 als Erblehen an den kai wurde es zur Stadt erhoben. 2) Theuenbach(auch Tenenbach), Ruine eines Cisterzi 1 erzog Ber IV Seitenthal des Bretten ö 5 Mönche aus dem Kl Frienisberg bei Bern zur Ub hen Jahre, erreichte aber ers onserklosters im Thenenbachthal, einem on Zähringen veranlasste um 1158 2 Wölf siedelung in den Breisgau. Der K lo- 7 seine Vollendung. Im Laufe der Zeit erwarb sich das Kloster reichen Besitz, so dass seine Gemarkung 1807 bei der Auf- hebung einen Umfang von 8 Stunden hatte, den Laberhof, den Harderhof, den Hof zu Weis- weil und zu Freiburg, das Dorf Kiechlinsbergen und Güter in fast 40 Dörfern mit inbegriffen. In Kenzingen besass das Kloster Thenenbach das Bürgerrecht und bes daselbst mehrere Häuser, in deren einem es die Klosterschneiderei(sartoria) betreiben lie Die Schirmvogtei kam von den Zähringern an die Grafen von Freiburg und 1373 an 68 erreich. 1444 wurde das Gotteshaus von den Armagnaken und 1525 von den Bauern verwüstet und geplündert. Damals wie 1632 im Schwedenkriege stand es längere Zeit verlassen, weil sich die Mönche in die Sel 2 geflüchtet hatten. Unter Kaiser Josef II. sollte das Kloster zu Gunsten der Universität Fre gehoben wðe n, entging aber noch bis 1807 diesem Schicksal. Die Mönche wurden pensioniert und die früher um das Kloster herum wohnenden 30 Familien in die benachbarten Gemeinden verteilt. Die Gebäude zerfielen. 1829 wurde die Kirche nach Freiburg versetzt, und der protestantischen Gemeinde daselbst übergeben. Im Generallandes- archiy Karlsruhe befindet sich das grosse Thenenbacher Urbar. unter dem Abt Johannes Zenli im Jahr 1341 von Pater Johannes Grosskellner des Klosters(„laboriosus et diligens seriba“) ve buch und enthält die tigsten Urkunden des Kl 8 ils teils in Aus i che historische und stati ische No- tizon, welche 2 zrossen Teil älteren, jetzt verloren gegan enen Aufzeichnungen früherer Abte entnommen sind. Dadurch ist. es eine wahre Fundgruße für die mittelalterliche Geschichte des Breisgaus. Unter den 42 Abten des Klosters befinden sich auch 2 Kenzinger, nämlich Johannes III. Haas(Lepus) von 13531368 und Friedrich Abstetter von 15661568. vgl. Zeit- schrift des Oberrheins Bd. 8, p. 19. Freib. Diöc.-Arch. Bd. V., P. 173 fl. Sussann, Kenzingen im 30 jähr. Krieg. II. Teil. Programmbeilage 1887, p. 74, 77 ff. 3) Hartfelder I. c. p. 40. sterbau begann im glei Dieses Lagerbuch wurde Meier von Kenzingen, dem Es ist zugleich Kopial- tei Wortgetreuen Abschriften, usserdem finden sich darin zahlrei 42 selbe ein. Selbst die Kirche wurde nicht geschont. In der Hoff- nung Geld und Kostbarkeiten zu finden, brach man die zahlrei- chen Gräber in der Kirche auf. Denn viele Edeln der Nachbar- schaft, voran die Markgrafen zu Hochberg, hatten nach mittel- alterlicher Sitte im Frieden des Klosters ihre Toten bestattet. Hans Wirth aus Bahlingen am Kaiserstuhl erzählt:„Item, wie er daby gewesen, da man ins Closter gefallen sy, und hab Bränn⸗ ten-Win darin gefunden, den hab er ussgeschütt und mit eim Licht angezündt, dardureh das Closter ve rbrannt sy. 1) Der Brandstif- ter raubte aus der Kirche„zwo Alben, zwo Messgewand und ein Altartuch,“ die er nachher in 1 5 Köndringer Kirche niederlegte. Hans Fischer von Buchheim zündete den Haberspeicher an. Das Kloster brannte vollständig nieder. Zwei Monate lang dauerte die Glut, so dass das Gotteshaus, wie die Mönche sagten, schliesslich „einem Ziegelofen ähnlicher sah als einem Kloster.“?) Der Schaden war so bedeutend, dass er auf 30000 Gulden geschätzt wurde, also nach jetzigem Geldfuss fast eine Million. Auch das markgräfliche Schloss Landeck') w urde von den Bauern niedergebrannt und liegt seither in Trümmern. Dasselbe Schicksal erlitt das Paulinerkloster zum hl. Kreuz in der Kirn- halden.“) In wilden Gelagen verprassten die Bauern, was sie an 1) Schreiber Nr. 314. 2)»Es sind in der baurischen empörung vil stein und gräber von den Bauren, welche vermeint haben, gulden armbänder und Kleinodien in den Gräbern zu finden, geöffnet und zerschlagen worden, wie die estisis ne„ch zu erkennen geben. Dann in gemeiter baurischer empörung anno 1525 dies t allein geplünde ung ganz spoliert, sondern auch an und worden, dass monat an einande ennt, und wie die münch klag lich einem Z closter gewesen. Doch ist es hernacher herrlicher und 2 9 ut worden.“ Handschrift 363 des General- Landesarchivs(Fö„ Re one bote. beschrieben bei Mone, Quellensamml. I. Einl. 19) S. 150. v. Piöe ꝛosan- XI Der des Brandes war vermutlich der ai. enteils und befindet sich jetzt im General-Landesarchiy Ka uhe 8) Landec k, eine urkundlich er den Verkauf eines burg Johann Snewelin das Schloss von le 0 Geroldseck erkauft hatten. tern Burg an den Edel! helm von Bure. 1489 1 und gaben da durch Kauf. In der Na oder Aspen. vg mendingen bei 2 4) Kirnber u Das Schloss Landecke wi ird 1260 erstmals i eh II. von Hochber. Vogte Dietrich erwe 515 der Bürgern von Frei- rer v Heinrich von ndeck die Hälfte der un- gehörte damals W. 11 8 von Baden f Ernst Lande k mit Köndringen 7 ört und liegt seither in Trümmern. ndert öfters genannte Städtchen Aspon tbadischen Burgen und Schlösser des Breisgaus. Em- albe Stunde östl. en Ausläufern des Hü- nersede eine freie Aussieht in das Bleich- tha! her 4 det die Kirnhalden, ein ieblict her Lu e liegen die Uber- reste eines röm Id beherrschte. Die Burg geh auch die Herr eigenen Adels, der 1 Nach ihnen bewohnten e im 30 jährigen Krieg liner kloste Krieg, gang in den Schwarzwe . 5 chaft hiess die untere on. Das Schloss Kirnberg war der Sitz eines n Fortec'mmt und im 12. Jahrhundert, erlosch. er von Kenzingen. Das Schldss wurde befand sich ehemals ein kleines Pau- enannt wird, aber durch den Bauern- „dass es schon 1582 ein„alt ver- 3165 W. e wurden 5 von dem Jesuitenkollegium zu n das Kloster W. onnethal verkauft, das 1669 die Wallfahrtskirche und 1717 das Badhaus errichtete. Beide brannten indes wieder ab. Am 1. Juli 1723 wurde die von der Abtissin M Caecilia Al a Schallin von Freiburg neuerbaute Kirche mit 3 Altä⸗ ren von dem Thenenbacher Abte Anton Merz von Unterbaldingen eingeweiht. vgl. Konrad schw emm Die Ensisheim z für 1000 3 3 *** Lebensmitteln und Wein daselbst vorfanden. Alle Kelche, Mess- gewänder, Kreuze, Monstranzen, silberne Kleinodien wurden aus der Kirche geraubt, Glocken und Fenster zerschlagen, die Vor- räte weggeschleppt und„vertragen“.„Die Mönche sollten hacken und reuten wie andere Landleute.“ Sie wurden deshalb verjagt und die Gebäude in Brand gesteckt. Jetzt kam die Reihe an die Nonnenabtei Wonnethal.“) In der Frühe während der Messe, erschienen die Bauern vor dem Gotteshaus. Sie eröffneten der Abtissin Anastasia?) aus dem edeln Geschlechte der Freiherren von Reischach(15211541) mit ernst- lichen Worten und Drohungen, sie seien gekommen, um als christ- liche Brüder eine Reformation zu machen. Von Stund an sollten alle Klöster geöffnet werden. Zu diesem Zwecke müsste der Kon- vent alle Barschaft, alles Silberwerk und alle Kleinodien„bei Verlierung Leib und Lebens“ ihnen gutwillig übergeben. Wäh- rend man nun hierüber verhandelte, brach der helle Haufen in das Gotteshaus und raubte und verderbte alles, was nur einigen Wert hatte: Kleider, Gefässe, kostbare mit Gold und Silber be- schlagene Bücher, Wein, Früchte, Vieh- und Hausrat. In der Kirche wurde der Altar geplündert und geschändet, die Orgel zer- rissen. Der Wein ward aus den Kellern gehoben und in den Klostergarten geführt. Der Karpfenteich wurde geleert. Mit den Bildern der Heiligen wurde gekocht, und mit den kostbaren Bü- chern wurden Fische und Hühner gebraten.„Jung und alt soff sich voll und wurde trunken.“ Auf der Strasse lagen viele he- rum, die nicht mehr gehen konnten. Man trank aus Kirchenkel- chen, die man der Sakristei entnommen. Ein armer Bauer brachte drei Becher, von denen einer ganz golden, die zwei andern sil- bern und reich vergoldet gewesen. Er hatte sie unter dem Dache zwischen Ziegelsteinen gefunden.„In Summa, es freute sich Jedermann, dass es zu solchem Wüsten kam.“ Als es nichts mehr zu plündern gab, wurde das„Nest in einen Stein- und Schutthaufen verwandelt“.“) Klaus Zimmermann von Malterdingen war Beutemeister, und ein Kiechlinsberger warf die erste Brand- fackel hinein.“) Burger, Chronik des Klosters Wonnethal(Handschrift) im Generallandesarchiv. Schauinsland 1879, p. 51 fl. Schreiber, histor. Taschenbuch 1839, p. 358. Sussann, Kenzingen im 30jähr. Krieg. Dei, p. 1) Wonne thal, eine Viertelstunde südl. v. 0 wurde zwischen 1220 und 1 von Rudolf I. von Usenberg gestiftet. Es besass ansehnliche Güter und zählte viele adelige Fräulein dem Breisgau und der Ortenau unter seinen Nonnen. 1525 unter der Regierung der i ach(15211541) von den Bauern verbrannt, von Amalia 8 Anastasia v. Reise Zwyfalten 1572 wieder aufgebaut, 12155 1675 den Schweden, 1676 von den Franzosen schwer ge- dienen jetzt als Fabrikräume. Der Name en winnan gewinnen(carpere, pascere), daher Wonnemon— at, mhd. wonnemängt(winnemänödt), Uber Wonnethal vgl. Chronik des Klo- , von anbeginn bis auf das jetzt laufende bach, 39. allhie gewester Beichtvatter“ im VVV schädigt, 1809 aufgehoben. Die Klo Wunnenthal kommt offenbar vom Ades ut. Wunne das Wiesenland, die Weide. ahd. wunni—, winnimänôt e ntlich We sters Wonnethal, Cisterzienser-O i 1658 Jahr. RPFI Conradi Burg „Conv. Gen.-Land.-Arch. Sussann, Ke nz. im 3 2) K. Burger, Chronik des Klosters W. onnethal. 3) K. Burge E 90 Schrei Jr. 468d. 44 Hier fand sich auch der Graf Georg von Tübingen, der auf der Burg Lichteneck)) sass, persönlich im Lager des hellen Hau- fens ein, ergab sich an die Bauern mit handgebenden Treuen und gelobte Leib und Gut zu ihnen zu setzen. Hans Ziler hatte ihm eine Botschaft zugeschickt und ihn ins Lager eingeladen.„Komm,“ liess er ihm sagen,„und gelobe, bei den Bauern als Bruder zu bleiben und nichts wider sie zu thun. Denn Du bist nimmer- mehr Herr, sondern wir sind jetzt Herren von Lichteneck.“ Werde ihren Forderungen nicht entsprochen, so wollten sie alles Zigen- tum des Grafen verheeren und verderben. Bei seiner Ankunft in Wonnethal gab es einen ähnlichen Auftritt mit ihm wie mit dem Grafen Hohenlohe auf dem Grünbühl.„Bruder Jörg“, sagte qäckli Kurtzmann von Kiechlinsbergen zum Grafen,„din Lib, min Lib, min Lib, din Lib; din Gut, min Gut, min Gut, din Gut; wir sind alle glich Brüder in Christo.“ 2) Ein Teil des Haufens wandte sich bierauf nach Osten gegen Waldkirch. Unter Hamann Metzger von Denzlingen lagerten sie vor der Stadt und der Kastelburg.“) Bald darauf wurde Waldkirch ges wungen, sich zu einem Vertrage mit den Bauern zu bequemen. Die Verhandlungen wurden unter alten Eichen bei einem Wirts- hause zu Kollnau geführt. Unterschrieben war der Vertrag ausser vom Obersten noch vom Profoss Veltin von Maurach, Vogt Michel Strub und Veltin Scheremberg zu Denzlingen, Vogt Martin Zieg- ler von Emmendingen und Vogt Gratz Murer von Buchholz. Waldkirch musste der Brüderschaft der Bauern beitreten, doch sollte dadurch der Treueid gegen den Kaiser und das Haus Oster- reich und den von Gsterreich gesetzten Pfandherrn(die Herren von Staufen) in keiner Weise verletzt oder beeinträchtigt werden. 1) Lichteneck, Ruine bei Hecklingen, eino halbe Stunde südlich von Kenzingen. Nach dem Schloss wurde die Herrschaft benannt, welche den Grafen von Freiburg gehörte. Von diesen kam sie 1358 durch Heirat an die Pfalzgrafen von Tübingen. Herrschaft gehörte ausser L. und Hecklingen das Schloss Nimbi und später noch örfer Riegel. rchheim und Schelingen am Kaiserstuhl. Seit 14 umfasste sie auch die österreichische Pfandschaft über Burkheim und Jechtingen und seit 1480 die Limburg mit Sasbach am Rhein. In der Rel tion traten die Grafen zum Protestantismus über. Mit Graf Konrad erlosch 1631 da Geschlecht. Wegen der Verlassens entstand ein Streit zwischen Graf Ludwig von Lö- wWenstein-Wertheim und dem Reichsgrafen zu Salm-Neuenburg. 1664 verkaufte sie der Graf von Salm(der Graf v. Wertheim war mit seinen Ansprüchen vom vorderösterreichischen Hof- gericht abgewiesen worden) an den kaiserlichen Generalr Joh. Hein. Garnier. Leo- pold v. Garnjer vermachte sie 1720 seiner Gemahlin Lu⸗ Zerchtold v. Sachsengang, welche 1721 den Grafen Hannibal Max von Schauenburg zum Erben einsetzte. Später die Herr- schaft an den Fürsten von Schwarzenberg, de sie 1812 an Baden verkaufte. Das Dorf Heck- lingen erwarb 1774 die Familie des jetz Grundherrn, Grafen von Hennin. vgl. Bader, Gesch. von Freiburg I, 277. Maurer, I. e. 49. Freib. Diöc.-Arch. XVIII. p. 2) Mitteilung Wolfs v. Hlirnheim an Eué harius Binder, Schultheiss zu Kiechlinsbe Nr. 468d. 8) Kastelberg, Schlossruine bei Waldkä die ein Klosterlehen der v. Schy Sie umfasste ausser der Stadt Waldkirch und dem Simonswald die Orte Obe inden, Bleibach, Gutach, Ri rn, Kollnau, und Suggenthal. Walter v. Sch. gab 1324 Schloss und Herrschaft K. dem Erzhe 8 von Osterreich zu Lehen auf, und Werner v. Sch. versetzte 1354 die Burg K. und de Rechte zu Waldkirch an Dietrich von Falk an Hesso Sneweliu im Hof und an Johann Mal- terer. Nach Martin Malterers Pod terreich, trotz des Widerspruchs der Witwe, Schloss und Herrschaft als ein verfallenes Lehen ein und versetzte beides nebst der He t Tri- berg als ein Pfand der un Gräfin von Hohenberg, M. aretha, erst an Markg Zernhard von Baden, und 1396 ar raf Hermann von Sulz. Di„ versetzte dann die He haft K. an Bechtold von Staufen. Osterreich löste 15 die Herrschaft und versetzte sie 1591 mit der Herrschaft Kirnberg an den Je anniterordensmeister Philipp Flach. Das Schloss wurde 1634 von den Kaiserlichen gesprengt. 72 7 s be Schreiber h. Nach dem Schloss K. wurde die Her enberg war haft benannt, Leopold . III. Einnahme der Stadt Kenzingen. Marsch des Kaiserstühler und Hochberger Haufens gegen Kenzingen. Erhebung in der süd- lichen Ortenau. Bedrohung der Klöster Schuttern und Ettenheimmünster. Flucht der Ibte. Unruhen in Ettenheim. Zug des Ortenauer Haufens gegen Kenzingen. Der Giessenjörge von Lahr und der Schultheiss von Herbolzheim. Schreiben des Pfandherrn von Kenzingen an Freiburg. Botschaft der Bauern an Kenzingen. Schreiben des Schaffners Michael Schirm an Wolf von Hürnheim und die Stadt Freiburg. Einnahme und Plünderung der Stadt Ken- zingen. Freisprechung des Giessenjörgs. Kriegsrat der vereinigten Hauptleute in Kenzingen. Zug der Bauern nach Freiburg. Zustände in der Stadt. Angriff der Bauern. Zeschiessung. des Münsters und der Stadt. Freiburgs Vertrag mit den Bauern. Aufforderung Kenzingens an Wolf von Hürnheim zum Beitritt in die Bruderschaft. Schreiben Wolfs an Freiburg. Freiburgs Entschuldigung bei Wolf. Jetzt zog sich das Ungewitter von allen Seiten um Kenzingen zusammen. Im Süden lagerten die Hochberger unter Clewy Rüdi von Malterdingen, von Westen her näherten sich die Kaiserstüh- ler unter Hans Ziler von Amoltern und Matthias Schuhmacher von Riegel, und von Norden kamen die aus der Ortenau unter Jerg Heid von Lahr. Im ganzen hatten sich zwölftausend Mann mit zwanzig fliegenden Fähnlein eingefunden. Der Ortenauer Haufe war zusammengeflossen aus dem Strass- burgischen!) Amt Ettenheim, aus der Herrschaft Lahr und dem Diersburger Thale. Die beiden Klöster Ettenheimmünster?) und Schuttern') mit ihrem reichen Güterbesitz reizten die Begehrlich- 1) Im Jahre 1414 war die Stadt Ettenheim mit dem Amt Oberkirch für 13,502 fl. an Strassburg versetzt worden. 2) Ettenheimmünster. Die Sage verlegt den Ursprung dieses Klosters an die Grabstätto des heili- gen Landolin, den sog. Brudergarten zwischen Münchweier und Münsterthal. Bischof Witgern errichtete um 722 daselbst ein Klösterlein,(cella monachorum), das kure Zeit darnach in Ver- fall kam, aber durch Bischof Etho oder Heddo zu Strassburg 763 Wiederherstellung, reiche Begabung und eigentliche Begründung fand(monast m divi Ettonis). Die älteren Urkun- den sind verloren. Klosterorte: Münchweier, Münsterthal, Schw nausen, Dörlenbach und Wittelbach; Klosterpatronate: Broggingen, Ettenheim, Altdorf, Rust, Grafenhausen, Münch- weier und Ringsheim. Um 1290, 1440 und 1651 brannten die Gebäude ab. 1719 gänzlicher Neubau. Die Kastenvogtei besassen die von Geroldseck als ein bisch. strassb. hen. 1790 wurde das Kloster von dem Kardinal Rohan bewohnt, 1803 aufgehoben. vgl. I zel, Bene- diktinorabtei Ettenheimmünster im Freib. Diöe.-Arch. XIV, 141 und XV, 201 ff. 3) Schuttern. In alten Urkunden von 630 Offoniswilare genannt, 1016 Offoniscella, seit 1100 Schuttern. Die Grundherrschaft gehörte dem Kloster Schuttern, die Vogtei den von Gerolds- eck. Kurz vor 1330 bauten diese zu Sch. eine Burg, und seitdem erscheint der Ort als eine Stadt mit Graben und Mauer. Schloss und Stadt wurden 1334, und 1473 von den Strass- burgern, 1433 von dem Markgrafen von Baden und 1484 von Pfalzgraf Friedrich erobert, ver- loren aber im 16. Jahrhundert nach ihrer Rückgabe au Geroldseek ihre Bedeutung. Die Stadt heisst fortab ein Flecken. Das gleichnamige Benediktinerkloster von Sch., vielleieht das — 46 keit der Bauern. Hier, wie überall in der Ortenau, richtete sich die Erbitterung vorzugsweise gegen die Prälaten und Klöster. Abt Konrad von Schuttern wandte sich an den Kastenvogt seines Klo- sters, Gangolf von Geroldseck, um Hilfe. Dieser schrieb am 16. April an die Stadt Lahr und die Gemeinde Friesenheim, er habe gehört, dass sie kürzlich Gewaltthaten gegen das unter seinem Schutze stehende Kloster begangen hätten. Er werde nicht dul- den, dass die weiter beabsichtigten Schädigungen ausgeführt wür- den und er verlange, dass sie sich darüber aussprechen sollten. Ganz ähnlich sah es in Ettenheimmünster aus. Schon den 17. April erschien Abt Laurentius vor dem Vogt und Rat der Stadt Ettenheim und fragte, wessen er sich bei gegenwärtiger Empörung der Bauern wegen seiner in Ettenheim befindlichen Güter zu versehen habe, ob er auf Schutz rechnen könne, oder nicht. Im letzteren Falle wolle er seine Güter anderswo in Sicher- heit bringen, im ersteren Falle sei er bereit, die Bürger, wenn nötig, mit Wein, Korn eto. zu unterstützen. Der Vogt antwortete dem Abt, man wolle sein Vorbringen an den Rat von Strassburg berichten. Er selbst halte es für besser, dass die Güter in Etten- heim blieben, weil man sich dann desto länger halten könne.“) Nachdem der erste Anfang gemacht war, ging es reissend schnell vorwärts. Die Abte Laurentius und Konrad flohen nach Freiburg, Wo damals acht vertriebene Abte sich aufhielten. Die Klostergüter wurden in Ettenheim geborgen und geschützt. Aber alsbald verlangten die Bauern aus Kippenheim und dem Amte Lahr von Ettenheim die Auslieferung der Güter und das Ver- sprechen, dass man sie an der Einnahme des Klosters Etten- heimmünster nicht hindere. Zwar verweigerte der Vogt den Bau- ern die Güter, schrieb aber gleichzeitig unter der Adresse„eito, eito, cito“ nach Strassburg um schleunige Hilfe,„wan wir des apts guot onlieb nit werden us der stat geben oder verfolgen los- sen.“) Da diese am 2. Mai noch nicht eingetroffen war, so wird die Bitte erneuert, mit der Bemerkung, ohne sofortige Hilfe sei es nicht möglich, Ettenheim der Stadt Strassburg zu erhalten,„dan unser Bürger weder gelüpt, er und eid keinswegs betrachten Wol- len und umb unser pot und verpot nit mehr geben wollen.““) Jetzt sandte Strassburg eine Botschaft an die Bauernhaufen. Aber der Erfolg war kein grosser. So verlangte denn am 6. Mai „Schultheiss, Meister, Rat und die ganze Gemeinde zu Ettenheim, 1, Wurde 1007 von Kai ser Heinrich II. dem Stifte Bamberg geschenkt. den Mör nen verlassen; 1803 aufgehoben. Der letzte aterstadt 0ʃ irch. vgl. Chronik v. Schuttern. — V XIV, 155 ff. b gen herrn, es ist an allen mungutem, wund argen listen anzeigen, n uf e. g. stadt zu haben. ich kann es nit was zukompt, on verzug wussen lossen.“ im Zeitalter der Reformation. Er- nellen III, 557 e berichtet enden ein solch mers domit e. g. ganz von nothen 5 alles schriben, ich will mich de Virck, H., Politis ond ster Band 151 2) Virck, I.. J Vireß, i Nr 1 5 dazu die ganze Vogtei zu Ettenheim gehörig,“ geradezu die Er- laubnis, zu den Bauern schwören zu dürfen. Es waren nämlich »von allen drien Hufen Amasaten“(Abgesandte) in Ettenheim er- schienen und hatten erklärt,„wenn die Stadt nicht zu ihnen halte, so würden sie dieselbe angreifen. Die Bürger fürchteten nun für ihr Eigentum, dazu„einen Abgang an Wäldern, Wunne und Weide, so ihr väterlich Erbe sei.“ Sie hätten die Bauernartikel lesen hören und auch mit den Bauern darüber gesprochen, und es be- dünke sie, dass sie sich aller Billigkeit und Ehrbarkeit befleissigen, „dann der Buren wil und meinung ist nit wider Kaiserlich Maj e- stät, noch wider ein löblich hus Osterreich, auch nit wider ein löblich statt Straszburg, sunder allein gegen die münch und etlich pfaffen.“ S0 bitten sie denn einstweilen bis zum„Austrag der Sachen“, unbeschadet der Rechte Strassburgs zu den Bauern schwören zu dürfen.“) Wenn es trotz der schwierigen Lage Ettenheims, mitten in der empörten Landschaft dennoch gelungen war, das Städtchen durch geschickte Unterhandlungen mit den Bauern der Stadt Strassburg zu erhalten, so gebührte dieses Verdienst wohl dem strassburgischen Vogt oder Amtmann zu Ettenheim, Ludwig Hor- neck von Hornberg.“ Während dieser Vorgänge war ein Haufe aus der Ortenau, den Aufforderungen der Hochberger und Kaiserstühler Folge lei- stend, nach dem Süden aufgebrochen, um sich bei Kenzingen mit ihnen zu vereinigen. Schon in den ersten Tagen des Mai machte einer der Hauptleute, Jerg im Giessen, kurzweg der Giessenjerge geheissen, den badischen Amtleuten in Lahr den Vorschlag, ge- meinsam mit ihnen einen Ausschuss zu bilden und dann die Klö— ster und Propsteien zu Kenzingen, Wonnethal und Waldkirch im nahen Breisgau heimzusuchen. Die lebhafteste Beteiligung an dieser Bewegung nahm das an der Grenze des Breisgaus liegende Städtchen Herbolzheim. Sein Schultheiss wird geradezu beschul- digt, den Anlass zur Beschädigung Kenzingens gegeben zu haben.“) Ebenso schickte er Boten an die Dörfer Allmannsweier und Wit⸗ tenweier, Ober- und Niederhausen mit der Drohung, wenn sie nicht von Stund an zu ihnen zögen, so wolle er mit dem Haufen über sie kommen und die„Ratten und Müs us den Hüsern bringen.“) Die österreichische Herrschaft und Stadt Kenzingen war da- mals als Pfandschaft in den Händen des Ritters Wolf von Hürn- heim,) welcher als Rat im Dienste der nach Tübingen geflüchte- 1) Virck Nr. 365. 2) Da die Bauern einen Anschlag aber am 19. November wieder auf Zeit war Jakob Heinrich als Statt als Landvogt zu Hochberg(Schrei Schultheiss in Waldshut. 3)„Wäre dieser nit gewesen, so W Nr. 4686 und Schreiber, Adresskalender 1839, p. 256 4) Schreiber Nr. 497. 5) Samstag nach St. Thomas(22. Dez.) 1515 bekennt W. v. H., dass er von Kaiser Max die Herr- on ihn vorhatten, ve ss H. am 18. Mai Ettenheim, kehrte ein Stellvertreter in dieser kurzen c. Nr. 388). Im Jahr 1514 finden wir H. uh von Lehen. Beilage 26) und 1528 als nit in den Last kommen.“ Schreiber „ ten Stuttgarter Regierung stand. Als Bürger von Freiburg hatte er dieser Stadt, die bei der wachsenden Empörung von allen Sei- ten um Hilfe angegangen wurde, seine Pfandschaft wiederholt dringend empfohlen. Denn in keiner Stadt des Breisgaus konnte man sich über den Fortgang der Bewegung so gut unterrichten, als in Freiburg, Hier kamen und gingen beständig Boten nach allen Richtungen. Ein regelmässiger Verkehr mit Ensisheim, Brei- sach, Basel, den Waldstädten, Kenzingen, Endingen und Villingen bewirkte, dass der Rat jeweils die besten Nachrichten erhielt und dieselben dann wieder befreundeten Nachbarn zugehen liess. Aus dem gleichen Grunde war Freiburg am meisten in der Lage, die Rolle eines Vermittlers zu übernehmen, oder, wo es nötig war, helfend einzutreten. Am 4. Mai wandte sich Wolf abermals in einem eindringlichen Schreiben an den Stadtrat.„Ihr wisst ohne Zweifel,“ schreibt 915 „wie übel es leider in unserm Lande(Württemberg) steht. Des- halb ist es mir durchaus unmöglich, mich zu den Meinen, also nach Kenzingen und den Dörfern, laut ihres Begehrens zu bege- ben, sondern ich bin im Dienste meines kaiserlichen Herrn, wider den Willen und zum eigenen Nachteil und Schaden von meinen Landen und allem, was ich liebs uff Erden hab, ferngehalten. Darum bitte und flehe ich in der höchsten Not zu Euch als Euer Mitbürger, der auch allezeit Leib, Ehr und Gut zu Euch setzen will, ihr wollet in meiner Abwesenheit mit denen von Kenzingen und den Dörfern, die ohne Zweifel alle gern ehrlich und wohl handelten, was sie verstünden, in Unterhandlung treten, um die- selben wieder zur Ruhe zu bringen. Ich bitte Euch, denselben vorzustellen, was Mitleiden und Erbarmen ich mit ihnen in ver- gangenen Handlungen(Reformation) gehabt, und ihnen zu be- denken zu geben, was Treu, Ehre und Gutes ich ihrer aller we- gen gehandelt habe. Auch schwöre ich zu Gott, dass ich sie nicht verlassen will, solange ich lebe mit allen Treuen. Möchten sie thun, was ich thue, dass ich um meines Herrn und von Ehren willen sterben und verderben will. Diesen meinen heiligen Wil- len sollt ihr ihnen mitteilen und sie anweisen, nicht anders zu handeln, als wie ihr handeln werdet. Zugleich setze ich alles Vertrauen in Eure ehrsame Weisheit, dass Ihr Euch der Meinen und meiner Güter annehmet. Gott, der Allmächtige, verleihe uns Gnade, Glück und Sieg auf unsere Seite.“) In einem gleichzeitigen Schreiben an die Stadt Kenzingen hatte der Ritter die Bitte ausgesprochen, ihm sein in Kenzingen zurückgelassenes Töchterlein unter Geleit zu schicken. Diesem Verlangen wurde jedoch nicht entsprochen. Niemand in der Stadt wollte sich der verantwortungsvollen Aufgabe unterziehen.„Schult- schaft Kenzingen erkauft und diese ihm gehuldigt habe. Zugleich verspricht er, die Rechte der Stadt zu Wahren und zu schützen. Urkunde im Kenzinger Archiv. 1) Schreiber Nr. 212. 49 heiss, Burgermeister, Schaffner und Rat“ baten ihren Pfandherrn deshalb um folgende Entse e„Gnädiger Herr! EW. Gna- den welle uns nit verargen, dass E W. Gnaden die Jungfrow nit zukommen, dann es niem 450 hat wellen übernehmen, sie in die- sen seltsamen Leüffen ihrem Vater zuzuführen. W 95 auch zu besorgen gewest, dass sie nicht unerkannt und unbetreubt möcht hinuskommen. Darumb welle Ew. Gnaden solichs von uns im besten und nit in Ungnaden vermerken. Dann wir uns je in all- weg gern als arm gehorsam Leut gegen Ew. Gnaden schicken und halten wellen. Hiemit uns Ew. Gnaden befehlende arm in allweg Unterthanen.“! In der Frühe des 6. Mai hatte der Haufen von Ettenheim münster eine Botschaft nach Kenzingen geschickt und unter 2 605 seltzamen Droh- und Pochworten“ verlangt, dass man ihm und den andern Haufen die in der Stadt nieder gelegten Güter der Klöster und Geistlichen ausliefere. Michael Sel hirm, Schaffner und Stadt- schre eiber in Kenzingen hatte schon vorher beim Pfandherrn um Verl gefragt und den Bescheid erhalten,„man solle sich in der Stadt Kenzingen der Geist 9 und ihrer Gü iter nit beladen.“ Damit nicht zufrieden wandte sich Schirm an die 8 reiburg und forderte dieselbe auf, sie möchte„„ ernstlich schreiben, die geistlichen Güter zu handhaben, schützen 8 schirmen. Er„ dass der Teufel mit im Spiele sei.?) j l 2 weite Abordnung der Bauern mit 7 ser 1 schickte nders Freiburg, uff uns i Abehen so langt an sen schweren „Lib, Leben, Er S. F. D. und unserm wellen der man ei um Hi! uns zu. Euch unser fründt Nöhten nit verlassen und Guet eh Pfandherrn Wir ung selbst war fast ohne gemieteten Lands- Was blieb übrig, en Seiten gedr' ängt, iden war, trat Ken 1 zich ins Unvermeidlie 4 da nirgends Trost, Rettung 1 zingen dem christlich- bei, welcher von den Empörern zur Aufrie ung eines allgemeinen Landfriedens und zur Abstellung der Beschwerden des gemeinen Mannes errichtet worden. Die Bedingungen, unter welchen man sich einte, waren folgende: Kenzingen musste der Brüderschaft beitreten, doch sollte dadurch der Treneid gegen das Haus Osterreich 1 15 den von 1) Schreiber N 2) Schreiber Nr. 214. 3) Missivenbuch der Stadt Freiburg.(Orig. im Stadtarch. Frbg.) demselben gesetzten Pfandherrn in keiner Weise verletzt oder beeinträchtigt werden. Dieser neue Eid sollte die Stadt nur bin- den, die Gerechtigkeit und das Evangelium zu handhaben, zu schützen und schirmen, ferner zu verhelfen, dass die bösen Ge- bräuche und Beschwerden, womit der gemeine Mann seither von Geistlichen und Weltlichen, Edeln und Unedeln gedrückt worden, nach Erkenntnis gelehrter und weiser Leute abgethan werden; endlich dazu mitzuwirken, die Widersetzlichen zu nötigen und zu zwingen, dass die Gerechtigkeit an den Tag komme und Fortgang gewinne. Vorbehalten bleiben hierbei der Stadt Kenzingen ihre bisherigen Freiheiten und Gewohnheiten. Wer zur Stadt gehörig und eidpflichtig ist, bleibt an Leib und Gut, innerhalb und ausser- halb der Stadt unbeschädigt. Sollte jemand die von Kenzingen nötigen oder beschädigen wollen, so sollen sie von der gemeinen Brüderschaft geschirmt und gehandhabt werden.) Die von Ken- zingen haben dem Haufen die übliche Bundessteuer zu zahlen. Hans Ziler, welcher ein eigenes„Bitschit“ hatte, besiegelte im Namen der übrigen Hauptleute den Vertrag. In der Stadt selbst wurde übel gehaust. Die Bauern fielen zuerst in die Klosterhöfe der Propsteien Schuttern, Ettenheim- münster, Thenenbach und des Frauenklosters Wonnethal. Hier fanden sie grosse Vorräte an Korn, Hafer und Wein.„Da liessen sie es sich wohl sein, in Fleisch so gut als in Fischen und in dem trefflichen Weine.“ Das löste die Bande der Ordnung. Wilde Worte des Schultheissen von Herbolzheim entflammte bei allen Erbitterung, Rache und Habsucht. Jeder plünderte und verwüstete, wie es ihm in den Sinn kam. Kelche und andere kostbare Geräte wur- den„verbeutet“, Messgewänder, Fahnen und Altartücher zerrissen. Die Bauern machten sich„Hosenträger“ daraus. Die Büchereien wurden erbrochen, die Bücher und die Akten, in welchen die Gülten und andere Schuldigkeiten der Bauern verzeichnet waren, zerrissen und fortgeführt. In den Kellereien ward der Wein von den Trun- kenen ausgelassen. Ebenso ruchlos und zwecklos wurden die übrigen Vorräte und der Hausrat verschleudert, Fenster, Thüren und Ofen eingeschlagen und das Eisenwerk eingerissen.„Sie haben auch Vieh und Schafe niedergeschlagen und unordentlich verzehrt.“ Dasselbe wilde Schauspiel führte der Haufen auch im Hause des Ritters Wolf von Hürnheim auf. Korn, Hafer und Wein wur- den verteilt und in der Stadt verkauft, aller Hausrat, nichts aus- genommen, zerrissen und hinweggeführt, viele Gemächer zerstört und ein unchristlich Leben geführt. Der Schaden des Pfandherrn wurde später auf 1000 fl. geschätzt. Noch am selben Abend setzten die Bauern ein Gericht aus ihrer Mitte ein und sprachen den Giessenjörg, der wegen einer an einer Klosterfrau verübten Ge- 8 Waältthat gefangen sass, frei.?) 2) Schreiber Nr. Geständnis des Fasslin Bauers von Staufen:„Item als der Giessen Jerg zu Mit der Einnahme Kenzingens war ein fester Stützpunkt für alle künftigen Operationen im Breisgau gewonnen. Die vereinigten Hauptleute traten jetzt zu einem Kriegsrate zusammen, um das Programm für die nächste Zeit zu entwerfen. Hans Ziler, der Giessenjörg, der Hauptmann von Kippenheim, Friesenheim u. a. waren willens, zunächst gegen die Hochburg zu rücken, un sie zu belagern. Hamann Metzger von Denzlingen widersprach. Er kannte ihre gewaltigen Mauern und feuerspeienden Geschütze. Seine Ansicht drang durch.!) In Kenzingen wurde auch die ge- meinschaftliche Belagerung Freiburgs besprochen und beschlossen. 2) Hans Ziler gab den übrigen Hauptleuten zu bedenken, wie Einig⸗ keit und Hingebung aller an das gemeinsame Ziel allein zum Siege führen könne. Sämtliche erklärten sich bereit, gleichfalls mit gegen Freiburg zu ziehen, da dieses durch sein gehässiges Verhalten auf dem Landtag des Vorjahres und seine rücksichts- lose Behandlung des treu verbündeten Kenzingen der ganzen evange- lischen Bruderschaft Groll erregt habe. Vor allem aber müsse die Einnahme der Hauptstadt des Landes die Sache der Brüder- schaft im ganzen Gau, ja weithin durch Deutschland stärken. Denn keine Stadt, ausser etwa Breisach, werde ihnen ferner die Thore zu verschliessen wagen. Gross werde die Beute an Ge- schütz, Schiessbedarf und Geld in Freiburg sein,„denn Fürsten, Prälaten und Adel fänden darin mit Leib und Gut ihre Zuflucht.“ Da der Markgraf von Baden mit seiner Familie daselbst verweile, könnten sie dort den ersten Vertrag über ihre Rechte und An- liegen mit einem deutschen Reichsfürsten schliessen. Vom 15. bis 20. Mai rückten die Haufen mit 20 fliegenden Fähnlein nach Freiburg und schlossen die Stadt vollständig ein. Im Osten, auf den Bergen und im Dreisamthal, lagerten die Schwarz- Wälder unter Haus Müller von Bulgenbach, die zahlreichsten und gefährlichsten; im Süden bei St. Georgen standen die Bauern aus der oberen Markgrafschaft mit Scharen aus dem südlichen Breis- gau unter Hans Hammerstein von Feuerbach; im Westen und Norden, am Mooswalde und bei Zähringen sammelten sich die vom Kaiserstuhl, der Herrschaft Hochberg und der Ortenau unter Jerg Heid von Lahr.„Alles bei uns,“ schrieb Ulrich Zasius an seinen Freund Amerbach,„ist, voll Unruhe und Niedergeschlagen- heit wegen der Gefahr eines Uberfalles, und keine Stunde ver- geht, in der wir nicht irgend ein Unglück befürchten. Luther, diese Pest für den Frieden, der verderblichste aller Zweibeinigen, hat Deutschland in solche Raserei gestürzt, dass man es schon für Lor umb etlicher Misshandlung, so er an einer Closterfrawen begangen, uff derselben Closter- frawen Fründschafft Anrieffen gefangen gewesen und aber durch den Huffen gewaltiglich usser derselben Gefangnus genommen und gon Kentzin geflert, haben sie demnach der Fründ- schaft und dem Giessen Jergen Rechtstag ihres lens angesetzt und ihn ledig gesprochen. Dasselb Gericht habe er helffen besitzen und sei ein Richter gewesen.“ 1) Später schritten die Bauern gleichwohl zur Belagerung. Aber die Besatzung leistete unter dem tapfern Kommandanten Georg von Hohenheim erfolgreichen Widerstand. Maurer, I. c. p. 11. 2) Schreiber Nr. 499. „„ Ruhe und Sicherheit nehmen muss, wenn man nicht augenblick- lich umkommt.“) Die Stadt war übel verteidigt. Ihre Söldlinge hatte sie erst einige Wochen zuvor nach Villingen, Laufenburg und Säckingen abziehen lasse en, weil diese bedrohter erschienen. Nun waren um kein Geld Söldner aufzubringen. Vergeblich waren auch die Schritte gewesen, welche der Stadtrat bei der österreichischen Regierung zu Eusisheim und bei den Städten Breisach, Kenzingen, Endingen und Burkheim,„ihr trostlich Uffsehen uff sie zu wenden und sie nit zu verlassen,) gethan. Die dortigen Herren wuss- ten sich selbst nicht zu raten und zu helfen, und der schwäbische Bund hatte im eigenen Land vollauf zu thun. Nur auf seine Bür- 18 und Studenten und die eingeflohenen Adeligen konnte sich das hochbedrängte Freiburg verlassen.„Niemand ist uns,“ äusserte sich die Stadt selbst,„zu Hilfe gekommen; vom Hegau bis nach Strassburg und dazwischen von dem württembergischen bis zum wel- schen Lande hatten wir keinen Freund. Sämtliche Flecl cken, Weiler und Dörfer waren gegen uns.“?) Alle gütlichen Verhandlungen wiesen die Bauern, auf ihre Ubermacht trotzend, zurück. Ihr Anführer zeichnete, trotz aller Verwüstungen seiner Leute, die von ihm ausgehenden Erlasse mit:„Hans Müller mitsamt anderen Haupt- leuten und Räten des heiligen evangelischen Haufens.“ Die Bauern schritten nun ernstlich zum Angriff. Das Wasser zu den Brunnen und Mühlen wurde abgegraben, die Kartause auf dem Johannisberge im Süden der Stadt besetzt und geplün- dert und von dorther die Höhe des Schlossberges erstiegen, der unbegreiflicherweise ohne Besatzung geblieben war.„Es war ein schöner Maiabend. Die Herren sassen wie gewöhnlich auf dem Münsterplatz vor ihrem e ktshaus zum Ritter— dem heu- tigen Palast des Erzbischofs— als einige hundert Schüsse aus 1 die Wegnahme des Blockbauses auf der Burghalde verkündeten.“ Damit war das Schicksal der Stadt rasch entschie- den. Sogleich wurde Sturm geschlagen und die Bürgerschaft blieb die Nacht hindurch unter Waffen. Doch unternahmen die Bauern während der Dunkelheit nichts weiter, als dass sie Schlangen- büchsen den Berg hinaufzogen, womit sie am folgenden Tage die Stadt bestrichen und einzelne Häuser niederwarfen oder be- schädigten. In der Frühe des anbrechenden Tages führte man Geschütze vor das Martinsthor und beschoss das Blockhaus. Die Bauern richteten ihr Geschütz nach dem Münsterturm und trafen auch den Helm desselben.„Wir wollen den Münsterturm dem Turm von Kirchzarten gleichmachen,“ rief Ulrich Kindhansen Sohn von Burg.“ 25 Auch andere wüste Reden wurden laut. Man klagte, g zur Rechtsgeschichte im Zeitalter der Reformation. en in der Reformationszeit, p. 1, 35 u. 36. Ein Beitrag auch Sussann, Kenzir 4) D Wurde 1 gelang zen und mit dem Schwerte hingerichtet. Schreiber 392a. 53 dass man nicht alle Freiburger und die eingeffohenen„Grossköpfe mit einem einzigen Schuss töten könne.“ Der Rat überzeugte sich, dass bei der günstigen Stellung des Feindes auf dem Schlossberg, der Unzuv erlässigkeit der Besatzung und der niedern Bevölkerung an einen dauernden Widerstand nicht mehr zu denken sei. Die Vertreter der Geistlichkeit und des Adels waren derselben Mei- nung. 80 wurde beschlossen, um grösserem Ubel vorzubeugen, mit den Bauern zu unterhandeln. Am 24. Mai traten die Abgeordneten der Stadt und der Bauern!) auf der Malstatt bei St. Georgen zusammen und berie- ten den Vertrag. Freiburg schloss mit den Bauern eine christ- liche Vereinigung„dem allmächtigen, ewigen Gott Vater zu Lob und Ehre, auch zu Eröffnung des heiligen Evangeliums göttlicher Wahrheit und zum Beistand der göttlichen Gerechtigkeit, zur Auf- richtung eines gemeinen Landfriedens und zur A btilgung unbilliger Beschwerden, womit der arme Mann von geistlicher und weltlicher Obrigkeit wider das Wort des heiligen Evangeliums Christi be- schwert worden sei.“ Durch den Vertrag sollte Freiburg an seinen dem Haus Osterreich geleisteten Eiden nicht gehindert werden. Bezüglich der Klöster und Gottesbäuser?) musste der Rat das Versprechen erteilen, dass er mit den Bauern,„seinen guten Freun— den und Mitbrüdern,“ darüber sitzen wolle,„sie zu strafen, abzu- thun und damit zu handeln, als andere von Städten und Land- schaften auch thun.“ Zur Strafe dafür, dass sie Geistliche und Adelige geschützt, musste die Stadt 3000 fl. bezahlen. So kam die Hauptstadt des Breisgaus in die Hände der Bauern. Ken- zingen war für die entwürdigende Behandlung des Vorjahres gerächt. Um der Ungnade des Pfandherrn vorzubeugen, schrieb der Kenzinger Rat an Wolf von Hürnheim, seine Pfandschaft zu retten, solle auch er zu den Bauern geloben, wie es schon 80 viele vor ihm gethan. Denn überall hatten Freie, Edle und Gra- fen in Hans Zilers Hand gezwungen, oder um dem Zwang zuvor- zukommen, den Brudereid abgelegt. Das Schreiben lautet: „Gestrenger, gnediger Herr! Ewern Gnaden sige(sei) unser unterthenig willig Dienste bevor. Gnediger Herr. Dem- nach und Ewer Gnaden Wissens, wie wir verschinenlich ob denen zwelf tusend starkh überzogen und belegert, auch von mengklichen aller Hilf und Prost verlassen, desshalben wir geängstiget und gedrängt worden, denjenigen so uns überzogen zu huldigen und aber uns in der Huldigung F. D. und ewer . D. Statt als unsern Pfandherrn vorbehalten; Gnaden an F. 1) Als a Obristen, Feldhauptleute und Doppelsölduer Jerg Heid von L 1 Jerg 8 otzlin, Clau macher, Hans Batzmann, Hans Ziler K er obern grafschaft Hans Hammerstein als Oberster und Unterhauptleu Breckher von Schopfheim, M Nithardt von Wolpach, Jakob Scherr Martin Lang und Hans Schmidlin von Badenw r; vom Schwarzwälder Haufen Hans) er von Bulgenbach als( r mit seinen Hauptleuten aus der Herrschaft Hoch- ber Fregor Müller und Clewi Rüdi. Schreiber Nr. 131—133. 2) In Freiburg besass die Welt- und Klostergeistlichkeit weit über 200 Häuser, Scheunen, Hof- stätten und Gärten. Bader, Geschichte der Stadt Freiburg I, 471, II, 12 e 54— doch so soll diser Eid ein Fürgang für ander Eid zu Uffnung eins Landfrieden, gotlicher kaiserlicher Rechten und bruder- ist ewer Gnaden über das, so wir ewer Gnaden den Pfandschilling und ewer Gnaden Behusung, Hab und Güter keinswegs zu beschedigen vorbehalten, etwas Schadens, daran wir keine Schuld und uns in Treuwen leid ist, zugestanden, und sovil darvon von allen Hufen gehandelt, so ewer Gnaden sich in dise Pruderschaft, wie denn die von Friburg und andere im Land vom Adel darin, verpflichten möchte, und würde ewer Gnaden um den Pfandschilling, alle Hab und Güter, so ewer Gnaden im Land hette, kommen. Dwil denn wir keins Herrn, denn ewer Gnaden auf Erden begern, und wir leider in dieser Zeit genötiget zu thon, das wir lieber überwunden; ist an ewer Gnaden unser armes Be- ger und Gebet, ewer Gnaden welle den Hauptleuten und Hufen zuschriben und üch darin schicken, wie dann Graf Jerg von Tüwingen und ander Freien und Edel, auch wie die von Friburg und ihre Innwohner gethan. Werden sie ewer Gna- den frei sicher Geleit und Trostung zuschicken. Wellen wir uns gegen euwer Gnaden wie frommen, ehrlichen Leuten zu- stat, schicken und halten“) Das Schreiben des Kenzinger Stadtrats hatte auf Wolf einen In seiner Not wandte er sich abermals lichen Lieb haben. tiefen Eindruck gemacht. mit der Bitte um Rat an die Stadt Freiburg: Nu „Nachdem und ihr wisst, wie und welcher Gestalt ich durch verschinen Jahren, Herrn, uffs ernstlichest 0 R. K. M., mein allergnädigsten in ihr Majestät Dienst ervordert, darin bisher mit meinem Nachteil und Schaden und wol wider mei- nen Willen sein müssen, leider Hertzog Ulrichs Krieg f D en, das meine verlassen, indem sich sanzug und die Empörung erhept, und dermassen zugetragen, dass ich Ere, Glimpf und Fug halber, nit wychen hab khinden oder mögen, sonder wol als ein gefangen Mann, sher beharren und blieben müssen. als bi 1 Indem die Statt Kentzingen durch die empört Landschaft ein- genommen, mein Hab und Gut in meinem Hus und der Statt, als Wein, Khorn und Habern genomen und verschwendt, wWiewol ich mich nit versehen, sonder geacht die Purger, als meine geschworenen Unterthanen, das mein und meinem Son, 2) das unser wie das Ihr befriden. Aber des Geduld getragen, in Ansehung, dass mir sonst noch bisher khain Schaden, Schmach oder Uner, mir oder den meinen zugefugt sein soll. Dwyl ich dan ouch vernommen, dass euwer ersam Wuyssheit mit ihnen ouch zu Frieden kommen sy; so bitt und rieff ich Euch an, wie ich hiervor oft gethan hab, von meins Sons 5 und als ouch euwer Bürger und Vogts Son, auch mein selbs als euwer truw und gufwilliger Mitbur ger, ihr wollt helfen und rathen, dass mir 5 Landschaft 1 5 unser, ouch meinem Son euw 1 Vogts Son ouch Mitbürger 8 mütterlichem Erb, als den Hnrersehufe das unser nit wollen, wie ich dann in Sorgen gestanden, Wider nemen, verbüten 9 plin- dern wöl. Dann Was wült man uns für 1 im Landt zihen. So wir doch Niemantz erzirnet oder beleidiget haben? Zu- dem, dwil wir euwer Mitbürger sind, so bitt und rieff ich Euch an, ihr wollt euch all meiner und meins Sons Armut halb und Güter, als euwres Burgers zu Kentzingen, Pergen) und Waldkirch unterziehen; das einnemen, bis wir selbs dazu mit Fug und Ern kommen mi ögen, und verhüten, dass mit mir und ihm nit geilt werde. Was dann ander Fürs ten, Graven und Herren, Ritter und Edel mit gemeiner Band schaft thund, das w ollend von unsertw egen mit dem unsern ouch thun. nd so will ich mich unterston, sovil mir ern— halb möglich und menschlich ist, zu dem Mein, zu Euch allen ins Land zu thun und alles das gedulden And liden, das an- dere dulden, liden und uferlegt w erden mag. Bit tt darby euwer ersame Wyssbeit und ruff Euch an in min grössten Nöten, als üwer trüwer Mitburger, der sich von Büch nimmer 1 den will, dwil ich leb, ihr wolt mich nit verlassen, sonder mein ssd zu Hertzen fassen, euwern Rat und Hilff mit- tailen. In Betrachtung und Ansehung, dass ich allein uss Gehorsam und Drang K. M. und von 1 Bigennutzen oder Jemand zu Nachteil oder Schaden, auch von Eren und gemeines Nutz wegen bisher allda in dem Dienst verharren müssen. Und bitt wie vor euwers trüwen Rauts 8, Hilf und Bystandts, als euwer Mitbürger, der sein Leben, ob Gott will, bei Euch beschliessen will. Und nachdem ich Euch hinvor kurtzver- gangener Tag ungefarliche gliche Manung geschriben hab, ich doch fürsorg, e 5 ef möchte Fuch verhalten 10 nit worden sein. Darumb wollen mich hierin freündtlicher Antwurt und berichten, ob euch meine Briefe zukomen sein oder nit. Das will ich um euch gantz willig sein zu verdienen.“) Wie Kenzingen war auch F relbürg der„ nur ge- zwungen beigetreten. Eine Gesandte ha an Erzherzog Fer l und zahlreiche Schreiben an einflussreiche V be- zweeckten die Zerstreuung des Misstrauens, mit dem Freiburg wegen des Bundes mit den Baer behandelt wurde. Auch in nachfolgen- dem Brief an den Kenzinger Pfandherrn Wolf von Hürnheim 8 es zu zeigen, dass es nur gezwungen, der äussersten Not weichend, zu den Bauern geschworen habe. 1) In Kiechlinsbergen besass W. v. H. ein Haus und verschiedene Güter. 5 2) Datum Tüwingen Donnerstag ve st 7. Juni). Au. 25. W. v. Hürnheim, Ritter, Euwer armer Mitburger. 310. Schreiber Nr. 294, „Lieber Herr und Fründt. Euer Schriben, des Datum wyset zu Tüwingen Dornstags vor Pfingsten(I. Juni) in die- sem Jahr, darin ihr dann eure Beschwerden anzaigt, auch pittlich angerufft, eueh und euren Sun nit zu verlassen, son- der zu verhelffen, dass euch das euwer zu Kentzingen und anderen orten pliben mög. Des Inhaltz wir dann vernommen. Berichten euch E als unserm Herrn und Mitburger. Nachdem und sich die Gepursami für uns und die Statt bis in die zwölftusend gelegert, haben wir us ehhaften und Errettung und Beschirmung itterschaft, Prelaten und vom Leben und Gietter, mit ihnen zruderschaft mit ettlichen Arti- ehender Zit hören werden, an- lemselben Vertrag und Einigung E 1 notgezwengten Ursachen, auel derer, die by uns von nemen müssen, doch uns in unser Eid, so wir gegen hertzog Ferdinanden u verpflicht und dem den, dessglichen d und Oberkeiten wie das Huss Osterreich noch noch in einichem W darwid Volck in das Land sten Vermögen ein machen, also alles haben. Nun über doch von unsern 1 halten, sonder farn sie in sern, so uns und den habens Fug und Recht. und dürffen wir sollichs Wir dann Gott! allem, so wollen v gemeinen Hauptleuten Kentzingen euwerthalb die Sachen allenthalb s alsdann wollen v sich den Ern und Notdurft n finden mögen, dass wir allen m' haben. Mit Pitt und Begehr, ob jemantz unser Myssgönner wären, das wir doch nit hoffen, die uns gegen dem Regiment und andern Personen andrer Gstalt verunglümpfen oder ge- than hätten, dass ihr dann solch unser Handlung wie obstatt denselbigen zum besten anzeigen. Das wollen wir umb euch, Wo wir können und mögen, früntlich verdienen.“ seiner Mj. Bruder Ertz- ist und gnedigist Herren Osterreich verbun- eiten, Rechten dass wir wider Iten nit ziehen Uns 1 Wollten, das r wie dem rziehen den denen von hrung haben, wie dann das finden, as thun, das und ihr be- 5 IV. Friedensverhandlungen zwischen den Herren und Bauern. Der Eidgenossen und Strassburgs vermittelnde Thätigkeit für die aufständischen Unterthanen des Breisgaus. Geneigtheit der Bauern. Schreiben des Hauptmanns Hans Müller. Freiburgs Antwort. Schreiben der Hauptleute Gregor Müller und Clewi Rüdi. Ausschreiben einer Tag- satzung auf den 5. Juni nach Offenburg. Vorbesprechung in Basel. Vorhaben der Bauern, bei Offenburg ein Lager zu beziehen. I. Tagung in Offenburg(5. bis 13. Juni). Inhalt des Vertrags. Geleitsbrief für Wolf von Hürnheim. Schreiben der Stadt Endingen an Freiburg. Schreiben Kenzingens an den Pfandherrn. Antwort desselben an Freiburg. Tagung in Basel (18 Juli). Inhalt der Verhandlungen. Schwierigkeiten wegen Annahme der Offenburger und Basler Vorschläge durch die österreichische Regierung. Ferdinands Absicht, in den Breis- gau zu ziehen. Erfolgreicher Vermittlungsversuch des Markgrafen Philipp von Baden in Tübingen. II. Tagung in Offenburg(12. bis 16. Sept.). Abschluss des Vertrags und Annahme dureh Bauern und Herrschaften. Verzeichnis der gebrandschatzten Ortschaften im Breisgau. Verhandlungen über Entschädigungen und der Villinger Abschied. Schreiben der breisgau- ischen Stände an die Beteiligten. Aufstellung der Schadenüberschläge. Entschuldigungen der Unterthanen durch die Herrschaften und gegenseitige Anschuldigungen der Bauern. Originelles Schreiben des Kenzinger Pfandlierrn an die Stände. Einsetzung einer Kommission dureh Erzherzog Ferdinand. Verhandlungen zu Villingen. Widerspruch Strassburgs und der badischen Markgrafen. Villinger Abschied. Entschädigungsverhandlungen mit den Markgrafen von Baden und Vertrag zu Neuenburg am Rh. Beschwerden der Breisgauer Stände gegen die markgräflichen Unterthanen. Verschiebung des Tages und Erneuerung der Be- schwerden. Gesandtschaft der Stände nach Speier. Inhalt des Neuenburger Vertrags. Mit der Eroberung Freiburgs stand Hans Müllers Glücksstern auf seiner Höhe. Die glänzenden Erfolge, welche das schwäbische Bundesheer, Herzog Anton von Lothringen und der Kurfürst von der Pfalz über die Aufständischen errungen hatten, waren all- mählich auch zur Kenntnis der Bauern gelangt. Schon als sich Freiburg unterwarf, war dem Schwarzwälder nicht unbekannt, dass am 17. Mai der Herzog bei Elsass-Zabern!) vierzehntausend Bauern besiegt und niedergehauen hatte und nun zur Vernichtung der übrigen Elsässer und Breisgauer Haufen heranrückte.?) Die Briefe von Ensisheim und Breisach und dem Markgrafen Ernst, welche das bedeutsame Ereignis an Freiburg meldeten, hatte Hans Müller aufgefangen. So begnügte er sich denn schon vor den Thoren vor Breisach nur mit dem Versprechen der Stadt, zur 1) Calmet, Histoire de Lorraine. V. 502. 2) Virek I. c. Nr. 312, 316. „Landesrettung mitzuwirken, den Rheinübergang zu verteidigen und niemanden durch Breisach ziehen zu lassen, der die Bauern angreifen wolle.“) Dann zog er seine Truppen zurück über den Schwarzwald. Hatten sich schon früher die schweizerischen Eidgenossen ihrer jenseitigen Nachbarn im Oberelsass und Sundgau kräftig an- genommen, so bemühten sie sich nun auch, die Angelegenheiten der diesseitigen, zunächst der Unterthanen des Markgrafen Ernst, zur gütlichen Entscheidung zu bringen. Sie waren einstimmig der Ansicht,„es sey jetzt des Schimpfes und Schadens genug“) Das dem Markgrafen befreundete Basel stand auch hier wieder voran. Besonders eifrig in der Beilegung der Wirren zeigte sich auch der Rat der mächtigen Stadt Strassburg,„die gern Frieden suchte und Blutvergiessen verhüten wollte.“ s) Schon am 31. Mai konnte Strassburg berichten, dass Markgraf Ernst vorläufig mit seinen Unterthanen einig geworden, und man eine gütliche Tagung auf den 5. Juni nach Offenburg anberaumt habe.“ Auch auf Seiten der Bauern war jetzt eine entschiedene Nei- gung zu einer friedlichen Regelung der Verhältnisse vorhanden. Der Schwarzwälder Haufe, der sich bei Neustadt gelagert hatte, fühlte sich aufs ernstlichste bedroht und wandte sich in den letz- ten Tagen des Mai nach Freiburg,„man möge Bevollmächtigte zu ihnen schicken, um wieder zu einem friedlichen Wesen zu ge- langen.“ Die Hauptstadt des Breisgaus suchte ihn in dieser Ab- sicht zu bestärken und erwiderte in biblischer Weise:„Dieweil Gott dem Herrn nichtz mehr gefällt denn Frid, und wo Prid ist, da wohnet Gott, so raten wir abermals uff das allergetrewlichst, ihr wollet euwer Gemüt zu Frid und Ruhe stellen, und wo ihr einen Vertrag erlangt, der euch euwer Beschwerden ledigt, Blut- vergiessen verhütet und euch vergönnt, bei Weib und Kind haus- häblich in Ehren zu bleiben, dass ihr euch dessen nicht weigert sondern ihm Folge leistet.“) Ebenso fingen auch die Breisgauer Haufen an, der veränderten Lage Rechnung zu tragen. Gregor Müller, der oberste Hauptmann im südlichen Breisgau, schrieb den 3. Juni von Basel aus nach Freiburg und sprach den Wunsch aus, Freiburg möge sein Bestes thun zur Wiederherstellung des Friedens,„dass mit Frid und Vernunft und nit durch die Schreyer mit dem Schwert gehandelt 7 1) Als die Bauern vor Breisach zogen, verbreitete sich plötzlich das Gerücht in der Stadt, dass die Bewohnerinnen des Klosters Marienau am Eckartsberg denselben die Stadt in der näch- nächsten Nacht durch Verrat in die Hände spielon wollten. Es sollten nämlich die Bauern durch eine Pforte des Klosters in die Stadtmauer eingelassen werden. Sofort umgaben be- waffnete Bürger Marienan, nahmen die Abtissin und die Konventsfrauen weg und brachen das Kloster ab. Das Pförtchen in der Klostermauer wurde zugemauert. vgl. Rosmann und Ens, Geschichte der Stadt Breisach, P. 301. 2) Schreiber Nr. 281 und 298 Dabei war hl schwerlich die Besore möchte durch die Wälschen auch das Elsass, der Sundgau und Bre und Weinkeller“— verheert werden, und ihnen selbst Teuerung un Schreiber Nr. 255 3) Virek Nr. 3 4) Schreibe 5) Schreiber D allein massgebend, es au—„ihr Brotkasten Not daraus erwachsen. Schreiber N 274. 0. Virek Nr. 279382. Hartfelder p. 384. „ werde. d.) Ebenso schrieb Clewi Rüdi von Malterdingen, der Haupt- mann des Hochberger Haufens in ganz anderm Tone als früher. Als der Schwarzwälder Haufe von Freiburg Geschütz und Mann- schaft verlangte, wandte sich die Stadt durch Gesandte beschwe⸗ rend an Clewi Rüdi, der mit seinem Haufen zu Theningen lag. Rüdi trat auf die Seite Freiburgs und erkannte die Forderung als gegen den Vertrag gehend an. In einem Schreiben vom 8 8 3. Juni, worin er das der Stadt mitteilte, forderte er dieselbe auf, „in brüderlicher Liebe, wie sie dann zusammengeschworen, einan- der nit zu verlassen.“ Zugleich lud er dieselbe ein, ihre Gesand- ten gemeinsam mit denen des Hochberger Haufens nach Offen- burg zu schicken.„Unsere Amasaten, die mit vollmechtigem Gwalt gen Offenburg verordnet sind, werden zu Kentzingen euwer, als der verordneten Herren warten.“) In Basel fand in den ersten Tagen des Juni eine Art Vor- besprechung für die Offenburger Versammlung statt. Gregor Müller, jetzt der einflussreichste Hauptmann im Breisgau, war mit dem Altbürgermeister Lienhard Fuchs von Neuenburg und zwei Vertretern der Landschaft nach Basel hinaufgeritten und hatte hier eine Besprechung mit den eidgenössischen Vertretern. Obgleich es sich zunächst nur um die Unterthanen des Markgrafen Ernst handelte, so rüstete man sich doch allerseits zum Besuche des Offenburger Tages. Bis dahin sollte im Breisgau nichts Feind- seliges unternommen werden. Da war es noch in letzter Stunde zweifelhaft geworden, ob man in Offenburg würde ruhig tagen können. Denn die Haufen des Breisgaus trafen ernstliche An- stalten, sich in der Nähe der Stadt zu lagern und dadurch einen Druck auf die Verhandlungen selbst zu üben. Am 4. Juni berich- teten Schultheiss, Meister und Rat der Stadt Ettenheim nach Strassburg, dass der bei Kenzingen lagernde Haufe aus der Mark- grafschaft Hochberg, sodann die Städte Kenzingen, Endingen, Burkheim und der Thalgang am Kaiserstuhl, die sämtlich der Brüderschaft der Bauern hatten beitreten müssen, sie aufgefordert hätten, die Hälfte ibrer Mannschaft in der Stadt und Vogtei zu ihnen zu schicken, denn sie hätten die Absicht, bei Friesenheim und Niederschopfheim mit vierzehn Fähnlein ein Lager zu be- ziehen bis zum Ende der Verhandlungen in Offenburg. Natürlich erklärten sie zur Beruhigung, dass sie„weiters Niemand überziehen wollten.“ Auch Gregor Müller schrieb unter dem gleichen Datum an Strassburg,„man habe mit dem geplanten Zuge nicht die Ab- sicht, jemand zu beleidigen. Er geschehe bloss zu ihrer Verteidi- gung, damit es ihnen nicht wie andern Bauernhaufen gehe, wenn der Tag zu Offenburg sich zerschlage.“s) 1) Schreiber Nr. 299. Hartfelder p. 336. 2) Schreiber Nr. 303. Hartfelder p. 337. 8) Das Ettenheimer Schreiben an Strassburg lautet wörtlich:„Gnädigen herren. wir werden durch den houptman von Kentzingen von wegen der gemeinen Mark, schaft Hochberg, desglichen der stett Kentzingen, Endingen, Bürken und des talgangs ervordert und angesucht, das wir ihnen — 0— Es gelang den Strassburger Gesandten, diese drohende Ge- fahr abzuwenden, wenn sie. nicht hindern konnten, dass trotz- dem einige Scharen sich in der Ortenau einstellten. 9 So ging denn die erste Tagsatzung zu Offenburg ohne Störung vor sich. Die Tädingsherren(Vermittler)— an ihrer Spitze Basel und Strass- burg— erzielten nach mehrtägiger Verhandlung am 13. Juni fol- genden Vertrag: 1. Jede Herrschaft soll sich ihrer Beschwerden halb mit ihren Unterthanen zu vergleichen suchen. Gelingt dies nicht, so sollen sich die streitenden Teile den 18. Juli auf einer Tagung zu Basel einfinden und sich einer rechtlichen Entscheidung der Tädings- herren— Basel, Breisach, Strassburg, Offenburg— ohne„wei- teres Ausziehen, Appellieren und Reducieren“ unterwerfen. 2. Nach Unterzeichnung des Vertrags sollen sich sämtliche Haufen auflösen und in ihre Heimat ziehen. 3. Die Unterthanen sollen ihren Herrschaften wie früher ge- horsam sein und ihnen wieder Zins, Gült und Steuer geben. Die Herrschaften sollen gegen die Unterthanen gnädig und gütig sein und sie an Leib, Ehre und Gut nicht strafen. 4. Die Tädingsherren verpflichten sich, die Markgrafen Philipp und Ernst von Baden, das Regiment zu Ensisheim und die Grafen von Fürstenberg„aufs flyssigste“ anzusuchen, in den Offenburger Vertrag zu willigen. 5. Der grosse Zehnte(d. h. der Zehnte von Wein, Korn, Weizen, Spelt, Roggen, Gerste, Haber und Heu) soll wie von altersher gegeben, doch an gemeinem Platz erlegt und daselbst behalten werden.“ Der kleine Zehnte, auch Etterzehnte geheissen (Fon Hanf, Flachs, Werg, Bohnen, Erbsen, Linsen, Holz, Rüben, Kraut, Zwiebeln, Apfeln, Birnen, Pferden, Kälbern, Schweinen, Hühnern, Gänsen, Schafen, Ziegen etc.) soll in Wegfall kommen und mit den Frondiensten einstweilen stille gestanden werden. 6. Zwischen dem Markgrafen Ernst, seinen Angehörigen und Unterthanen, sowie allen, welche in diesem Vertrage begriffen sind, soll bis zum Austrag der Sache freier und sicherer Wandel mit Hab und Gut„ den halben theil volks, so in dem stettlin und vogtien sigen, zuschicken sollen, des willens sich umb Friesenheim und Schopfen in das weit feld mit 14 kenlin knechten zu leg gern, doch der gestalt, das sie weiters niemans überziehen wollen bis zu end des tags so zu Otke uburg in der Gutlichkeit sein wurdent. so alsdann derselbig tag ergangen, wollen sie sich noch gestalt der sachen weiters aller gepür noch halten Dorab wir dennoe ht irs furnemens kein gefallens tragen; dann wir innen zu diesem mol nit weiters und mer zuschicken wollen, dann diejenigen, 80 inen vormals eidspflichtig sigen. so sie aber je nit gesettiget sein wollten, ist unser unterthenig und vlissig pitt, wes wir gegen inen kerrers halten sollen, domit wir gegen e. g. am hochsten und dann gegen unsern spenigen handlen mochten, das frummen un- derthanen zustund. dat. uf pfinstag a. eto. 25.“ Virck Nr. 384. Sleidanus(ed. am Ende I, 2620 erzählt: Legati mittuntur Jacobus Sturmius, Conradus Johan- nus: eorum hortatu atque sermone persuasi, cum a Basiliensibus quoque legati venissent et ab aliis quibusdam, domum illi revertuntur, cum iam prope Laram, quatuor ab Argentorato milliaribus, consedissent. Nach diesem Bericht wäre die ganze aufständische Bauernschaft des Breisgaus herabgezogen. Da aber keine andere zuverlässige Angabe darüber vorhanden ist, dürkte hier eine Ungenauigkeit des Sleidanus vorliegen. Hartfelder p. 387, Note 1. Schreiber, Einleitung p. XXV u. XXXVI. Hartfelder p. 338 u. 339. Der Vertrag wurde be- siegelt und seine Beobachtung an Eides Statt durch Handschlag gelobt. Die Unterzeichner 1 S 2 * —— 5 Auch die Abgeordneten der Stadt Kenzingen hatten von- seiten der Hauptleute ihrem Pfandherrn für sich„samt den seinen Dienern, nemblich selb achtest oder zehnest“ freies Geleite er- wirkt, wie die Urkunde sagt,„zu und von uns zu reiten und zu wandern, frei, sicher und unbeleidigt aller menglichen diser Bru- derschaft Verwandten und Zugehörigen.“ Der dem Ritter Wolf v. Hürnheim ausgestellte Geleitsbrief hat folgenden Wortlaut: „Wir nachbenampten Hans Hammerstein von Virenbach (Feuerbach), oberster Hauptman im Röteler Amt, Gregorius Müller, Oberster in der Herrschaft Staufen, Cleuwy Rüdin von Malterdingen, Oberster im Hochberger Amt, Hans Ziler, Oberster am Kaiserstuhl und im Thalgang, samt allen ande- ren Hauptleuten und Doppelsöldnern, bekennen hieran offent- lich mit diesem Brief: dass wir für uns und alle unser Mit- brüder aller Huffen unserer christlichen Vereinigung unser fry, sicher Geleit geben und zugesagt haben, zustellen hiemit in Craft und Macht diss Briefs dem edeln und strengen Herrn Wolfen von Hürnheim, Rittern Pfandherrn der Herrschaft Kyrenberg und Kentzingen, unserm gnedigen Herrn sambt den seinen Dienern, nemlich selb achtest oder zehenest, zu und von uns zu reiten und zu wandern, mag von dannen wider an sein oder ihr Gewahrsame fry, sicher und unbelei- diget aller menglichen diser Bruderschaft Verwandten oder Zugehörigen ete. Und soll ihnen sollich Gelait, wann ihm mit samt seinen Dienern, wie obstat, gelegen ist und sich vier Wochen lang nach sant Margareten Tag erst enden und usgon, als by und mit unsern Eyden und Pflichten für uns und alle die unsern, in unser Bruderschaft gehörig, zu halten versprochen han etc. Zu Urkund mit meinem Hans Zilers von unser aller obgenannten Bitt wegen Insigel versigelt und ufgedruckt und geben uf unsers Herrn Fronleichnamsabend(14. Juni) An. im 25. Jahr der mindern Zal.“) Von Freiburg waren Meister Ulrich Wirtner und Wilhelm Vogt nach Offenburg entsendet worden. Dieselben hatten Befehl, „nichtz entgiltig helfen zu beschliessen, sondern was daselbst ab- geredt und gehandelt, sollichs wiederum hinter sich an uns zu bringen“,.) Als Ulrich Wirtner in Erledigung dieses Auftrags am 12. Juni wieder in Offenburg abritt und durch Kenzingen kam, wurde er von Hans Ziler angehalten, aber auf sofort erhobene Be- schwerde der Stadt Freiburg wieder freigelasssen.“) waren der Markgraf Ernst, Wilhelm Vogt, Abgeordneter von Freiburg wegen der Städte, Martin Neff von Kandern wegen der Herrschaften Röteln und Sausenberg, Ritter Werner von Kippenheim wegen der Herrschaft Badenweiler und Gregor Müller, oberster Hauptmann über vier Fähnlein, wegen aller Herrschaften des Hauses Osterreich und der Bewohner der Mark- grafschaft und des Amtes Hochberg. Schreiber Nr. 322 u. 323. 1) Schreiber Nr. 359. 2) Schreiber Nr. 334. 3) Hans Zilers Geständnis(20. Dez. 1525) bei Schreiber Nr. 499. „ 6%ͤ„ Da man in Offenburg nicht ganz einig werden konnte, 80 versammelten sich die Vertreter der Bauern den 17. Juni in Frei- burg. An ihrer Spitze standen Lienhard Fuchs, Altbürgermeister zu Neuenburg und Erhard Surberger, Altbürgermeister zu Ken- zingen.) Sie beredeten hier mehrere Massregeln zur Beruhigung des Landes. Insbesondere sollte das häufige Stürmen mit den Glocken in den Dörfern unterbleiben. Nur der in jedem Dorfe aufgestellte Hauptmann sollte das Recht haben, die Erlaubnis zum Läuten zu geben. Wichtigere Nachrichten sollten sofort nach Freiburg gemeldet werden, wo Michel Wagner, Hauptmann zu Heitersheim, und Christoffel Schwab, Hauptmann zu Köndringen, ihren beständigen Aufenthalt in der Herberge zum Salmen, als der geeignetsten Malstatt, nahmen, um alle wichtigern Dinge sofort mit dem Rate der Stadt beraten und ordnen zu können. Vier Boten sollten Tag und Nacht reiten, um möglichst schnell Kundschaft und Bescheid im Breisgau zu erfahren.„Derselbigen Kost sollte auf die gemeine Sammlung gehen.“ 2) Der Rat von Freiburg hielt es jetzt für angezeigt, bei der Regierung Schritte zu thun, um etwaigen übeln Folgen seiner trüheren Handlungsweise vorzubeugen. Es gingen Abgeordnete nach Innsbruck und erstatteten Bericht. Die Regierung hielt die Entschuldigungsgründe für genügend und erklärte, der Bund mit den Bauern wäre zwar besser vermieden worden, aber man wolle die Stadt wieder in Gnaden annehmen.) Ahnlich wie Freiburg erging es auch andern breisgauischen Städten. Die beständigen Rechts verletzungen der Bauern und die Furcht vor einer Strafe durch die Regierung liessen dieselben nicht zur Ruhe kommen. So schrieb Endingen am 20. Juni an Freiburg, dass es in Ensis- heim ähnliche Schritte gethan, wie Freiburg in Innsbruck. Das Schreiben lautet: „Günstigen Herren! Nachdem ewer Wyssheit hievor durch unsern Ratzboten, wie wir leyder in die new Bruderschafft genötigt, aber nit dess minder immer begerender Hoffnung, by unserm gnedigsten Herrn F. Dcht. ete. und dem löblichen Hus Osterreich ze blybend, als uns dann sollich und Vyl an- dere Artikel durch die Houptlüt des Hufens, durch den wir überzogen, zugesagt, aber nit gehalten sind, genügsamen und wahrhafftigen Bericht empfangen habt: fügen wir gutter Mey- nung E. W. zu vernemend, dass wir uns der Ding vor unsern gnedigen Herren, dem Landvogt und Regenten zu Ensissheim mit traurigem Gemüt hertziglichen erelagt, mit Anzeigung manicherlei Schmache, so uns täglich begegnen, und sie da- mit umb ein gnedigen Trost und Ratschlag angriefft. Die haben uns mit vyl Worten, ze beschribend on Nodt, entlich 1) Schreiber Nr. 32 2) Schreiber II. Ei U 8) Am 17. Juli en abzukünden. Itg. XXXVII. Schreiber Nr. 387. Hartfelder p. 322. schloss sich Freiburg zu dem entscheidenden Schritt, den Bauern den Vertrag 5 63 geratten, dass sie beducht gut sin, dass sich die Stett im Bryssgaw, so von den Puren überzogen und benöttigt wor- den, durch ihre Ratzbotten fürderlich zusamen fügen und sich eins einigen oder einhelligen Ratsschlags verglychen, und alsdann sollichen Ratschlag ihnen anzeigen söllen. Was dann ihnen anstatt F. Dicht. ze thon gepüren, das wöllen sie auch ö dartzu raten und handeln. Wölchen Ratschlag wir der von Kentzingen und Burkheim Ratsbotten uff ihr Begeren ent- deckt, sje auch söllichen Ratschlag statt zethond ein Gefallen haben. Das alles E. W. gutter vertrawender Meynung ver- ston wölle. Und ist daruff an dieselb E. W. unser, ouch der von Kentzingen und Burkheim flysig und ernstlich hb sie wölle uffs allerfürderlichst uns aueh die von Newenburg N g und Waltkirch, und ob eüch gefül, die von Brysach, uff einen ö bestimmten Tag zu euch gen Fryburg zusammen beschriben, damit wir uns zu allen Theylen von obgemelder Meynung, ö was Nutz und gut sig, unterreden, beratschlagen, und wie sich gepürt verglychen mögen. Darum günstigen lieben Herren bewyst euch harinnen gutwillig und lassen uns by diss Brieffs Zeigern, ewer geschriftlich Antwort wissen. Das wöllen wir ö willig und gern haben zu verdienen. Datum Zinstags nach 9 Corporis Christi(20. Juni) Anno 1525. ö Schon acht Tage vorher hatte Kenzingen in gleicher Ange- legenheit sich mit nachfolgender Bitte an den Pfandherrn gewandt: „Gnäd. Herr. Demnach und wir E. G. vormals Bericht 0 zugeschrieben, wie wir leider von den Markgrävischen Puren samt ihren Anhängern genöttigt und überzogen sind, und zu 8 ihnen gehuldiget, doch nit anderst, denn so vil zu Lands- frieden und ettlich Beschwerden abzulainend dienende, und aber uns in allweg K. M. F. D. und E. G. als unsern gne- digen Pfandherrn vorbehalten, so denn wir E. G. nie verleug- net und noch, ob Gott will, unser Leben lang nit thun wol- len, keins Herrn uf Erden, wie E. G. oft von uns vermerckt, denn E. G. begert, und aber in dieser Handlung die von Basel, Strassburg und ander Stät, ein Anlasstag von wegen aller Beschwerden zwischen den Markgrävischen und seiner F. G. Unterthanen uf yetzt den 17 Tag July zu Nacht an der Herberg zu Basel und Mornetz furgenommen zu handlen, und aber wir kein Missfallen, als wir uns allwegen in disem ö Uberziehen gegen menglichem protestiert, ab E. G. tragen noch haben wollen, doch der Dörfer halb beladen wir uns in diser Weis nicht. Ist an E. G. unser unterthenigst Gebitt und Begern, E. G. wolle sich erheben und zu uns anheimbsch kommen, uns als die armen verlassen Waysen und Leute mit Gnaden erkennen und bedenken, und diesem Gelayte, 1) Endingen an Freiburg(20. Juni) a. 25. Schreiber Nr. 345. e wie E. G. hie sieht, Glauben geben. Dann E. G. das von den Obern und Hauptleuten und Hufen dieser Versammlung zugesant. Denn wir je der Hoffnung, so E. G. komme, wol- len wir und ander E. G. zuständig uns wol miteinander güt- lichen vereinen und betragen unserer Beschwerden, dass es des Tages zu Basel E. G. und unserthalb, ob Gott wil, nit bedörfe. Es ist auch gnäd. Herr bisher kein weiterer Schaden in E. G. Hushaltung begegnet, denn wie E. G. vormals bericht ist, dann wir gut Vliss mit Hut und Wacht ankert; aber darvor war es unmüglich, ist gantz nicht nach unserm Willen ergangen, Gott der Herr erbarms. Das alles wir E. G. un- tertheniger Meynung nit bergen wöllen. Hiemit uns E. G. Befehlende. Datum uf unsers Herrn Fronleichnamsabend (14. Juni) anno 25. E. Gnaden unterthenig gehorsam Schult- heiss Burgermeister und Rat zu Kentzingen.“ Wolf von Hürnheim scheint jedoch diesem, im Namen der übrigen Hauptleute von Hans Ziler besiegelten Geleitsbrief wenig Vertrauen geschenkt zu haben. Deswegen begab er sich vorerst nicht nach Kenzingen, sondern schrieb an den Rat: „Welchermassen Schulthaiss, Burgermeister und Rat meiner Unterthanen der Herrschaft Kentzingen geschriben, und mir daneben ein Glayt von den Houptlüten der Mark- gravischen, auch andern Versammlungen der Buren, mich zu ihnen zu verfügen, zugeschickt, habet ihr ab byligenden Copien desselben Inhalts zu vernemen. Dwyl mir nun will gebürn, in Ansehung etwas Schaden, so mir sonst darus er- wachsen möcht, mich zu ihnen zu verfügen, und meinem Nach- teil so vil möglich damit zu fürkomen; so gedenk ich aber daneben, das die Purschaft gemeinklich etwas unstet und lichtlichen von ihrem Vorhaben falle, desshalben mir auch zuvörderst gebürt, mich daruf zu bedenken, und rätlich da- rinnen zu handeln, ob es mir zu thun und die Beglaytung kräftig sye oder nit, ouch sunderlichen Ewern als meiner Mitburger und guten Fründen, die ich in meinen Sachen und Händeln alweg gutwillig befunden, Rat zu haben. So ist mein gantz früntlich und vlissig Pitt, ihr wöllen Euch daruff in geheim beraten, und nachmals mir Euwern Rat und Gutbe- dunken, was mir hierinnen zu thun und zu lassen sye, nit verhalten. Und wo es Euwer gut Ansehen wäre, mich zu ihnen hinein zu verfügen, ob ich dann Euch als meine Mit- burger und guten Fründt umb ainen oder zweien unter Euch ersuchen würdt, mit mir zu reiten, in meinen Sachen und Händeln helfen raten und handeln, dass ihr mir dieselbigen uff mein witer Beger zuschicken, die nit versagen noch ab- schlahen wöllen. Das will ich umb Euch allzyt beschulden und verdienen. Datum Tüwingen am 26. Tag Junii 25. Wolf v. Hürnheim Ritter, F. D. Rat und Regent in Württemberg.“ Eine Hauptfrage war nun, welche Stellung die Regierung zu Ensisheim zu dem Abkommen einnehmen werde. Denn ein grosser Teil der Breisgauer war österreichisch. Daher stand zu befürchten, dass eine Ablehnung des Vertrags durch die öster- reichische Regierung den Aufstand im Breisgau von neuem an- kachen werde. Der Landvogt Wilhelm von Rappoltstein versicherte in einem Schreiben an die Tädingsleute,„die Regierung sei zwar für sich ganz willig und geneigt, zu gemeinsamem Nutzen Friede und Einigkeit zu fördern, sie habe aber ohne fürstlicher Durch- laucht Vorwissen weder Macht noch Gewalt, ein dahin bezügliches Begehren anzunehmen. Erzherzog Ferdinand aber hatte sich trotz der vereinigten Bemühungen der Herrschaften, ihn zur Annahme des Offenburger Vertrags zu bewegen, noch immer nicht aus- gesprochen. Dieses beständige Zögern war für die Breisgauer Bauern um so empfindlicher, als die österreichische Regierung ihren Unterthanen im Oberelsass das längst bewilligt hatte, wo- rauf die Bauern im Breisgau bisher vergeblich warteten. Die Tagung in Basel war auf den 17. Juli ausgeschrieben. Die Verhandlungen währten eine ganze Woche. Am 25. Juli wurde der Vertrag unterzeichnet: 1. Die Bauern mussten das Ver- sprechen ablegen, den dem Haus Osterreich zugefügten Schaden zu ersetzen und zwar gemäss dem Offenburger Vertrag, wenn Ferdinand denselben bestätigen sollte. 2. Die Bauern sollten dem Markgrafen seine Schlösser, das Geschütz und die sonstigen Dinge, die sie noch widerrechtlich besässen, zurückgeben. 3. Die Unter- thanen sollten bis zum kommenden Lorenzentag(10. August) von Dorf zu Dorf dem Markgrafen aufs neue huldigen und versprechen, dass sie in Zukunft in keine Empörung mehr willigen und zu keiner Rotte mehr schwören würden. 4. Besondere Ansprüche der Herrschaften an einzelne Personen„um maleflzisch und der⸗ gleichen Händel“ sollten vor dem Landgericht des Ortes erfolgen, wWo ein jeder angesessen sei. Bezüglich der bürgerlichen Strafen oder daran sich knüpfenden Forderungen sollten die Tädings- herren,) und wenn das nicht möglich, die Gerichte entscheiden. Die Tädingsherren übernahmen die Verpflichtung, eine Botschaft an Erzherzog Ferdinand abzufertigen und ihn zur Annahme des Offenburger Anlasses und der Basler Abrede aufzufordern, einst- weilen aber mit thätlicher Handlung gegen die Bauern still zu stehn. War schon der Offenburger Vertrag für die Bauern ungün- stiger ausgefallen als der Ortenauer, so wurden sie mit diesem Basler Abkommen noch um einen weitern Schritt zurückgedrängt. Aber die allgemeine Lage, insbesondere die vollständige Nieder- werfung des Aufstandes in andern Landschaften, belehrten sie, 1) Diese waren die Städte Basel, Strassburg, Offenburg und Breisach. Bevollmächtigter des Markgrafen Ernst war Konrad Dietrich von Bolsenheim, Landvogt zu Röteln. Die Sprecher der Bauern waren Jerg Ott, Hans Hammerstein und Gregor Müller. 9 66— dass nur durch kluges Nachgeben Schlimmerem vorgebeugt wer- den konnte. Die markgräflichen Bauern hatten bewiesen, dass es ihnen ernstlich um den Frieden zu thun war.“) Da der Erzherzog seine Zustimmung noch immer nicht ge- geben hatte, konnte man das nicht anders deuten, als dass die österreichische Regierung entschlossen sei, den bisherigen Weg gütlicher Verhandlungen zu verlassen und die Sache mit Waffen- gewalt zu Ende zu führen. Es zeigte sich auch bald, dass diese Befürchtungen nicht unbegründet waren. Am 10. August stellte Erzherzog Ferdinand an den Markgrafen Philipp von Baden das Ansinnen, ihm für ein ansehnliches Kriegsvolk zu Fuss und Ross freie Strasse durch die Markgrafschaft zu gestatten. Denn nach glücklicher Besiegung des Aufstandes in Schwaben beabsichtigte er, den österreichischen Unterthanen im Rheinthale, besonders im Breisgau und Sundgau durch einen Kriegszug das Schicksal der schwäbischen Bauern zu bereiten. Da that der hochgesinnte Markgraf Philipp, der die eigenen Haufen der Ortenau durch ein gütliches Abkommen zu Achern längst gelöst hatte, einen Schritt, welcher alle Wirren und Be- drängnisse rasch zu Ende brachte. Um die Verheerung der Lande und grosses Blutvergiessen abzuwehren, begab er sich sofort per- sönlich nach Tübingen zum Erzherzog und erlangte nach vieler Mühe die Zusage, dass Ferdinand seinen Kriegszug einstellen wolle, wenn am Tage Marik Geburt(8. Sept.) die Bevollmächtig- ten der Regierungen und Bauern und des vermittelnden Basel zu Offenburg sich einfinden und einig werden würden.) Die auf Dienstag nach Mariä Geburt(12. Sept.) anberaumte Versammlung zu Offenburg wurde von den Beteiligten und den vom Erzherzog Eingeladenen zahlreich besucht.)„Nach vieler Mühe und ernstlichem Fleisse“ gelang es, sich über folgende Punkte zu verständigen: 1. Die Unterthanen F. D. ergeben sich ihrem Herrn auf Gnade und Ungnade, doch mit der Bedingung, dass sich letztere auf Bitten des Markgrafen und der Stadt Basel zu folgenden Artikeln mildert. 2. Die Bauern liefern ihre Fähnlein und Bundesbriefe ab. Die Verträge, welche die Bauern untereinander gemacht, werden aufgehoben. 3. Harnische, Büchsen und Wehren— Degen und Schwer- ter ausgenommen,— werden den Kommissären fürstlicher Durch- laucht abgegeben. Nach geschehener Huldigung können sie die- selben auf unterthäniges Bitten aus Gnade und nur zur Landes- 1) Virck Nr. 418. Hartfelder 347. Zeitschrift XXXIV, 416 ff. 438. 2)„Wir haben bedacht, wo seine Liebden auf solchem Vornehmen beharrte, was verderblichen Schadens mit Verheerung von Land und Leuten, auch Blutvergiessen daraus erfolgen würde, und uns demnach zu seiner Liebden von Stund an nach Tüwingen verfügt und dieselbe aufs höchste und fleissigste gebeten, uns hierin gütliche Unterhandlung zu bewilligen ete.“ Schrei- ben Philipps an Freiburg d. d. 25. Aug. 25. Schreiber Fr. 482. 8) Die vollständigen Verzeichnisse bei Schreiber Nr. 457. verteidigung wieder erhalten. Insbesondere darf kein Bauer mehr eine Büchse über Feld tragen bei Strafe von 10 Gulden. 4. Die Bauern schwören, ihren Herren oder Junkern Gehor- sam und alles wie vor dem Aufruhr zu leisten. Der den Herr- schaften zugefügte Schaden ist zu ersetzen und bei etwaigen Streitigkeiten liegt die Entscheidung in der Hand des Erzherzogs und seiner Räte. Auch darf kein Bauer ausser Landes ziehen, ehe er von neuem gehuldigt und das Strafgeld erlegt hat. 5. In kirchlichen Dingen darf keine Anderung vorgenommen werden. Dagegen soll sich auch die Priesterschaft gehörig betra- gen oder widrigenfalls ihrer ordentlichen Obrigkeit angezeigt wer- den. Was den Kirchen genommen worden, soll ihnen wieder er- stattet werden. 6. Rädelsführer oder Hauptführer sollen nach Gebühr be- straft, jedoch zuvor„genugsam“ verhört werden. 7. Die Bauern sollen sich künftig weder gegen ihre Obrig- keiten noch sonst mehr Zzusammenrotten, auch keine Kirchweihe mehr halten oder besuchen, bei Verlust ihres Lebens. 8. Jedes Haus auf dem Lande hat dem Fürsten 6 Gulden Strafgeld zu entrichten, und zwar 3 Gulden in Monatsfrist und 3 Gulden auf Martini übers Jahr.. 9. Die Strafgelder der Städte bleiben besonderer Verhand- lung vorbehalten. 10. Witwen und Waisen, sowie diejenigen, denen von ihren Obrigkeiten die Häuser verbrannt und das Vieh genommen worden, sollen nicht weiter angelegt werden. Dagegen sollen Witwen, die sich in dem Aufruhr mit Wort oder That„ungeschickt“ ge- halten haben, nicht verschont werden. 11. Diejenigen, welche den Bauern nicht anhängig gewesen, sollen frei von Strafe bleiben, und ihnen der entstandene Schaden ersetzt werden. 12. Denjenigen, welche sich durch Flucht der Strafe ent- zogen, sollen Weib und Kind nachgeschickt, und ihr ganzes Ver- mögen eingezogen werden. Davon sind 6 Gulden dem Fürsten, 3 Gulden dem Herrn oder Junker zu entrichten, und vom Rest soll den gehorsamen Unterthanen„ihres Schadens Ergötzung“ ge- schehen. 13. Vom hinterlassenen Vermögen derjenigen, welche am Leben gestraft worden, sollen nur die Kosten abgezogen werden, und der Rest den Erben verbleiben. 14. Wird ein Entflohener gefangen, so soll er auf seines Herrn Kosten seiner ordentlichen Obrigkeit, scheut jedoch der Herr die Kosten, an dem Orte, wo er eingefangen worden, dem Gericht übergeben werden. 15. Kein Unterthan darf bei seinem Eide die Entflohenen behausen oder verbergen. Vielmehr sind sie zur Festnahme und Ablieferung derselben an die Obrigkeit verpflichtet. Doch sind 68— Vater, Sohn, Bruder und Schwager zu solchem Einfangen der Ihrigen nicht verbunden, aber beherbergen dürfen sie dieselben auch nicht. Uberhaupt sollen die Unterthanen keinen zugelaufe- nen Fremden aufnehmen. 16. Etwaige Beschwerden gegen seine Amtleute verspricht, der Erzherzog zu untersuchen und nach wieder geschehener Hul- digung wieder abzustellen. 17. Sowohl Erzherzog Ferdinand als die Anwälte der Bauern- schaften versprechen, diesen Vertrag in allen Punkten ohne alle Widerrede zu halten. So drückend in manchen Punkten dieser Vertrag für die noch versammelten Haufen der Bauern auch ausfiel, so waren sie im ganzen doch zufrieden, endlich zur Ruhe zu gelangen. Daher nahmen sie denselben bereitwillig an. In dieser Angelegenheit findet sich im städtischen Archiv zu Freiburg ein sehr interessantes Manuskript.!) Dasselbe enthält ein offizielles Häuserverzeichnis behufs Bestimmung der Entschä- digungsgelder nach Niederwerfung des Aufstandes und ist deshalb für die Lokalgeschichte des Breisgaus in statistischer Hinsicht von hohem Wert. Leider ist es nicht erschöpfend. Es umfasst nur die österreichischen Gebietsteile, also nur den untern Breis- gau, und auch diesen nicht vollständig, da die Arbeit unvollendet geblieben ist. Es lautet: Instructions- Concept. „Jr sollen in allen flecken und dorffern alle herstatt(Herdstätte, Feuerstelle) und herstatten uffgestanden(alle Hausplätze, auf denen einst Häuser gestanden) eigentlich uffzeichnen und wie vil pfaffen- oder wittwenhüser in einem dorff weren, zeichnen zu dem selben dorff. Item, wWwo etwan 2 husz gestanden, in eim husz weren, die sollen ir mit nammen uffzeichnen. Item und in einem yeden flecken sollen ir sonderlich fragen, ob sy dieser uffrür halb von yemanden weytter geschetzt sigen; wann vom fürsten, die zeichnen ouch uff. Item fragen, wer die prantschatzung geben hab oder nitt. Item ir sollen den vogten, ambtluten und geschwornen an- zaigen, das sy ihme die hofstett und herstett aigentlich anzaigen und nichts verhalten, dan wo sy etwas verhalten und der furst in informirung solichs erfaren, wurden sy gestrafft. Item ir sollen auch alli hewser in dorffen auffschreiben und aufzaichnen. Mit diesen Worten bricht das Konzept ab, und es folgen nun 123 Ortschaften, aus denen wir folgende herausheben: 1) vgl. Poinsignon, Zeitschrift XXXVII, p. 79-97. „ Nider- und Oberrot wil bat 103 Häuser von gemeinen Leuten, item 3 Pfaffenhäuser, item 3 Witwenhäus ser, item 3 leere Häuser, item 3 Gemeinde- Häuser, item Brandschatzung ist bezahlt und heisst der Vogt Cunrat Vögtlj. Oberbergen und Vo gtsberg hat 56 Häuser von gemeinen Leuten, item 2 Pfaffenhäuser, 5085 2 Geme bindehäuser, item 2 leere Häuser, item der Pfaff zu Oberbergen hat ein Hals gekauft und hat es abgebrochen, ist jetzt eine leere Hofstatt, ist nicht in der obigen Summe, 5 Brandschatzung ist bezahlt. heisst der Vogt Hans Berlin(Behrle). Vechtingen hat 53 Häuser von gemeinen Leuten, item 1 Pfaffenhaus, item 4 Witwe enhäuser, item 4 Gemeindehäuser, item 4 leere Häuser, item Brandschatzung ist bezahlt und Beisst der Vogt Fasly Kechelin. Sas pach hat 30 Häuser von gemeinen Leuten, item 1 Pfaffenhaus, item 2 Witwenhäuser, item 8 leere Häuser, item 1 Gemeindehaus, item Zebi(Eusel bius) Schwitzer und sein Sohn sind in einem ae item Brandschatzung ist bezahlt und heisst der Vogt Adam. 8 perg ist nicht mehr als 1 Haus, ist zu denen von Saspach geschrieben. Küchlispergen hat 62 Häuser von gemeinen Leuten, item Herrn Wolf von Hürnheims Haus,!) item 1 henenbacher Hof, item sonst 3 Häuser gehören den Thenenbachern item 1 Pfaffen- haus, item 6 Witwenhäuser, item 2 Gemeindehäuser, item Brand- schatzung ist bezahlt und Relsst der Schultheiss Martin Kruckfuss. Kungschaffhusen das ist markgräflich und hat sonst keine Eigenleute. Nota: Die von Pal ens ei zu fragen. . r hat 32 Häuser von gemeinen Leuten, item 1 Edelmannshaus des von Bolsenheime), item 1 Pfaffenhaus, item 3 leere Häuser, item B randschatzung ist bezahlt und heisst der Vogt Jörg Rötlj. Wil und Wellingens) hat 31 Häuser von gemeinen Leuten, item 1 Pfaffen! aus, item 1 Haus haben die von Endingen inne, 15 Brandsc hatzung ist bezahlt und heisst der Vogt Hane Huber. Oberhusen hat 40 Häuser von gemeinen Leuten, item 1 Pfaffenhaus, item 3 Witwenhäuser, item 2 leere N und zwei Hirten, 44080. Brandschatzung 995 bezahlt und heisst der Vogt Jacob von Ach. For chen)(das Blatt ist freigelassen). 1) Wolf von Hürnheim, Pfandherr zu Kenzingen erscheint in Schreibers Bauernkrieg in 10 Ur- kunden. Siche auch unter Tutschfelden. 2) Conrad Dietrich v. Bolsenheim, Landvogt zu Röteln. Schreiber Nr. 474. 3) Wellingen, ausgegangener Ort am Rhein zwischen Wyhl, Endingen und Weisweil. Es wird 1621 in einigen Ur. kunden des Generallandesarchivs, Sektion St. Märgen, genannt. 1632 war es bereits zerstört. Der Name haftet noch an der„Wellinger Mühle 8 bel Wyhl. vgl. Sus- sann Kenzingen im 30jähr. Krieg. I. Teil. Programmbeilage 1886, p. 14 und Note 1. 4) Forchheim und Hecklingen gehören laut eines auf Seite 1 des Manuskripts aufgeklebten Zet- tels wie Ehrenstetten, Amringen, Kirchhofen, Sel 1 und Wittelbach zu den Flecken, Hecklingen(das Blatt ist freigelassen). Riegel hat 80 Häuser von gemeinen Leuten, item 1 Edel- mannshaus deren von Blumneck,) item 3 Pfaffenhäuser, item 1 Schwesternhaus, item 1 Waisenhaus, item 11 Witwenhäuser, item 1 Mühle, ist der Herren, item 3 lęere Häuser, item 2 Haus- leut, item Brandschatzung ist bezahlt und heisst der Vogt Matern Sindler. Mynewiler) hat 40 Häuser von gemeinen Leuten, item 1 Meierhof ist leer, gehört dem Abt von Münster(Ettenheim- münster), 1 Pfaffenhaus, 1 Sigristenhaus, item 4 Witwenhäuser, item 4 lèeere Häuser, item Brandschatzung, da weiss der Abt Be- scheid und heisst der Vogt Küffer Diebolt. Tutschfelden ist markgräflich, hat sonst nicht mehr als 1 Mann, der in die Herrschaft Kürnberg gehört, haben sich der Markgraf und Herr Wolf') vertragen. Bleychen hat 32 Häuser von gemeinen Leuten, item 1 Pfaffenhaus, item 1 Witwenhaus, item 1„puntisch“) Haus, item 2 leere Häuser, item Jacob Rich und Simon Xselj sind in einem Haus, item Brandschatzung ist bezahlt und heisst der Vogt Lentz Reinolt. BO m bach hat 16 Häuser von gemeinen Leuten, item 1 Witwenhaus, item 1 leeres Haus, item Brandschatzung ist be- zahlt, und heisst der Vogt(?). Heym bach hat 29 Häuser von gemeinen Leuten, item 1 Pfaffenhaus, item 2 Witwenhäuser, item 1„puntisch“ Haus, item 1 leeres Haus, gehört dem Abt von Schuttern, item Brandschatzung ist bezahlt und heisst der Vogt Hans Ketterler. Herbolt zen hat 134 Häuser von gemeinen Leuten, item 2 Pfaffenhäuser, item 1 Schultheissenhaus, ist frey, item 1 leeres Haus, ist der Schultheissin von Kenzingen, item 2 Häuser sind Bürger zu Strassburg, item 13 Witwenhäuser, item 2„buntische“ Häuser, item 10 leere Häuser und Hofstätten, item Brandschatzung ist bezahlt und heisst der Schultheiss Oswald Meyger. Noch war ein wichtiger Gegenstand zu erledigen, der zunächst die Herrschaften aufregte und dieselben unter sich zu entzweien drohte— die Entschädigungsfrage.?) Diese sollte dem Vertrage gemäss, wo möglich, auf gütlichem Wege herbeigeführt werden. Auch waren die meisten Beschädigten hierzu geneigt, so lange „welche ungehorsam sind gewesen und ihre Häuser und Hofstätten nit haben wellen ufschry- ben lassen.“ 1) Michel von Blumnegk als ein Verweser gemeiner Teilherren zu Riegel und von wegen Gau- dentzen von Blumnegk seligen Kindern. Schreiber Nr 474. 2) Münchweier. 3) Wolf von Hürnheim, Pfandherr von Kenzingen. 4) Das so häufige Bei wort„puntisch“ oder„buntisch“ versuchte O. Jäger mit dem norddeutschen Pinte (Schenke, Wirtshaus) in Verbindung zu bringen. Diese Ableitung ist aber geradezu absurd. Puntisch ist nichts anderes als das Adjektiv bündisch von dem Substantiv Bund und kommt bei Schreiber in dieser Bedeutung sehr oft vor z. B. bündisches Heer, bündische PTruppen ete. Hier bezeichnet es darum ein Haus, welches Eigentum von Mitgliedern des Geheimbundes der Aufständischen war. Auch Poinsignon erklärt es so. Zeitschrift Bd. XXXVII, p. 81. 5) Schreiber III, Einleitung p. XXII. „„ sie es nur mit den eigenen Unterthanen zu thun hatten. Einer- seits wollten sie diese nicht übernehmen, anderseits waren bei der Furcht vor peinlicher Behandlung auch drückende Geldstrafen vorzuziehen. So musste sich u. a, der dem Grafen Philipp von Hanau gehörige Flecken Willstätt, falls er nicht„mit Nachrichter und Henker“ gestraft werden wollte, eine„gnädige Fräulein-Steuer zur Aussteuer der wohlgeborenen, freundlichen, lieben Tochter“ gefallen lassen.“) Unter Vermittlung der Städte Laufenburg und Säckingen vertrug sich das Kloster St. Blasien mit seinen Unter- thanen zu Häg, Schönau und Todtnau wegen des durch sie er- littenen Schadens„um 9800 Gulden und die kostenfreie Rück- kehr des noch vorhandenen Raubes nach dem aufgestellten Ver- zeichnisse.“ Hierbei blieb es jedoch nicht. Da sich verschiedenen Herr- schaften angehörige Gemeinden zu grösseren Haufen gesammelt und in dieser Vereinigung den meisten Schaden angerichtet hatten, so war es folgerichtig, dass sich ganze Landschaften an diese und deren Herren wandten, um dadurch zu einigem Ersatz zu gelangen. In solcher Weise versuchten es die breisgauischen Stände, die Entschädigungsgelder von den eigenen Unterthanen wie von denen des badischen Markgrafen einzutreiben. Prälaten, Ritterschaft, Adel des Breisgaus und die Stadt Freiburg liessen im Laufe des Monats November die dreimalige Aufforderung an alle Beteiligten ergehen, sich bis zum 6. Dezember über die Entschädigungssumme gütlich zu vereinbaren. Gleichzeitig liessen sie von ihren Mit- gliedern die Schadenüberschläge, die sich zusammen auf 100,000 Gulden beliefen, einreichen. Hs berechnete St. Trudpert 4000 fl., Schuttern 6000 fl., Ettenheimmünster 8000 fl., Wonnethal 6250 115 Güntersthal 2118 fl., Adelhausen 1268 fl., Thenenbach 30,000 fl., die Johanniter-Kommende 7000 fl., die Stadt Freiburg 20,000 fl., Wolf von Hürnheim 1000 fl., die Grafen von Tübingen 500 fl., U 8. Es zeigte sich jedoch bald, dass sich die Herrschaften nun auf Seiten der Unterthanen schlugen. Sie hatten im Ganzen das Bestreben, nachdem der Aufstand niedergeworfen und die Gefahr als beseitigt anzusehen war, ihre Unterthanen zu entschuldigen, um nicht durch die Strafen und Entschädigungen an andern Herrschaften die Steuerkraft ihres Gebietes zu mindern.“) 80 nahm sich die Stadt Strassburg der Stadt Ettenheim an, als die breisgauischen Stände dieselbe zum Schadenersatz beiziehen woll- ten. Sofort wurde geltend gemacht, dass die ganze Vogtei Etten- heim„Niemands sunderlich beschädigt habe“. 0) Es begannen jetzt die gegenseitigen Anschuldigungen. Nie- mand wollte angefangen haben, alle nur von andern verführt 1) Schreiber Nr. 476. 2) Vollständiges Verzeichnis bei Schreiber, Taschenbuch 1839, p. 307. 3) Hartfelder, p. 363. Schreiber III, Einleitung p. XXIII. 4) Virck Nr. 442. und gezwungen sein. So erklärten die Ettenheimer, dass sie in solche Empörung sich nie gern geschlagen und nur durch die ent- schiedensten Drohungen des Schultheissen von Herbolzheim, derer von Mahlberg und Kippenheim den Aufständischen zugezogen seien.„So ist auch wahr, dass wir nie darby gewesen oder darzu geraten haben, dass weder den Prelaten, der Ritterschaft oder dem Adel ihre Gotzhuser, Flecken verbrannt oder geblündert, noch ihre Gietter oder Cleinoter entragen worden, sunder bewysslich, dass Kirnhalden, Kenzingen, Wonnenthal und Thenenbach zuvor und ehe wir usgezogen, verbrännt und beraubt worden. Wahr ist aber, dass wir us hochgezwungener Nott und wider unseren Willen mit anderen für Fryburg ziehen müssen und dass unseren Knech- ten, deren uff zweihundert gewessen, jedem fünf Batzen worden.“) Ganz ähnlich nahm sich Georg von Bach seiner Unterthanen in Orschweier an. In gleicher Weise versichern Claudius Böcklin von Böcklinsau und Hermann Hüffel, Amtmann zu Rheinau, für Wittenweier und Allmannsweier:„Als der Bauernhaufen zu Schut- tern gelegen, habe er die Einwohner dieser Dörfer durch die Drohung, sie zu überziehen, gezwungen, nach dem schon geplün- derten Gotteshause zu ziehen. Da hätten noch etliche von der Landschaft gelegen.„Die hätten ihnen eygens zu trinken geben und ansagen lassen, sie sollten wieder heimziehen, sie bedörften ihrer jetz nit. Das hätten sie gethan, der Meinung, sie wöllten rüwig sin. Als aber Klöster und Schlösser allenthalben zerstört, auch Kenzingen erobert worden, habe der Haufe, namentlich der Schultheiss von Herbolzheim, sie neuerdings auffordern und be- drohen lassen,„sie sollten von Stund an uff sie zuziehen, wo sie das nit thun, wollen sie mit dem Huffen zu ihnen kommen und Ratten und Müs us den Hüsern bringen.“ Darauf seien sie endlich widerstrebend abgezogen und nach Lehen geführt worden, Wo man zwei von ihnen nach Freiburg mitgenommen habe. Was daselbst verhandelt worden, wüssten sie nicht mehr.“ 2) Die Bauern von Schmieheim behaupteten unter Vermittlung ihrer Herren, des Ritters Ludwig Böcklin und des Junkers Hans Bock, „dass sie gleichfalls notgedrungen sich an den Haufen ange- schlossen, Niemanden beschädigt und Mann für Mann von aller Beute nur fünf Batzen erbalten hätten, welche sie bereit seien, wieder abzugeben.“) Die Edelleute von Endingen erklärten in Betreff der ihrigen, „dieselben seien unschuldig, hätten nichts Fremdes, auch Nie- manden beschädigt.“ Derartiges Gepräge trugen die meisten Ant- Worten. Am richtigsten und originellsten ist wohl die charakteristi- sche Ansicht des Pfandherrn von Kenzingen, des Ritters Wolf von 1) Schreiber Nr. 488, Beilage. 2) Schreiber Nr. 488, 497. 3) Schreiber Nr. 497 und 498. III. Einl. XXIII. „ Hürnbeim. Bei diesem wie bei Markgraf Ernst hatte das Schreiben der Landstände Anstoss erregt. Er schreibt deshalb den 20. No- vember an Prälaten, Ritterschaft, Adel und die Stadt Freiburg: „Ieh hab ewer Schriben und Beger mit Befremdung vernommen, diewyl ich ewer Mitbruder und Gisel zum Rit- ter, auch Burger bin, und ich mich vormals durch min 1 Schultheissen zu euch gethan. Hätt ich wol vermeint, ihr hätten mich nit ab und usgesondert, sonder mir auch mins ö Schadens zur Widerergötzung geraten und geholffen. Und hab also bisher die Ewern als mine guten Fründt, diewyl wir einem Fürsten und Herren zugehörig, mit Anforderung verschonen wöllen. Diewyl aber offenbar wissentlich und mengklich unverborgen ist, dass mir die Ewern die Stadt Kentzingen derogestalt, wie ihr der minen halb Meldung thundt, abgezwungen und trungen, vor und eh die minen uf- N gewesen, und von den Ewern überzogen, mir in min Hus gefallen, das min röblich genommen. Und ohne Zwifel, wo den Prelaten zugut ihre Hab und Güter nit in die Stadt ein- genommen worden weren, ich wer vielleicht Abdringen der Stadt des Uberzugs und mins Schadens vertragen. Demnach und deshalb will ich die Ewern auch hiemit alle samt und sunder umb Abtrag erfordert haben, mit Beger, wie ihr an mich thund, die Ewern darzu halten. Dann, wo etwas Euch billich und recht sei gegen den minen, das hoff ich gegen 0 den Ewern mit Hilf des Allmächtigen, miner Herren und Fründen auch zu erlangen, werd mir auch billich und recht sin. Wiewohl ich je vermeint hett, wir erliessen einander die Ansuchung billich und trett keiner den andern, dann wir wohl zu schaffen hetten gegen andere und frembde, so wir trewlich zusammen setzten. Das alles hab ich Euch uff Ewer Schrift miner Notturft nach im Besten nit wöllen ver- halten, als der je gern in allweg das treulichst best thun wölt.“) Durch ein Reskript von Tübingen ernannte Erzherzog Fer- dinand im November eine Kommission, um in allen Fällen, in welchen eine gütliche Vereinbarung zwischen Herrschaften und Unterthanen nicht erzielt wurde, die letzte Entscheidung zu geben.“) Die Tag- fahrt wurde auf Montag nach Quasimodogeniti(9. April) des näch- sten Jahres nach Villingen ausgeschrieben. Zu den Eingeladenen gehörten sämtliche Herrschaften des Breisgaus, darunter auch „Conrad und Jerg, Gebrüder, Graffen zu Tüwingen und Herren uff Lichtenegk, Ritter Wolf von Hirnheim und die Aptissin und Convent des Klosters Wonnethal.“ Vonseiten der Bauerschaften sind gegen neunzig ihrer Vertreter aufgeführt. Darunter: Her- boltzheim, Thussfelden, Blaichen, Oberhusen, Hecklingen, Forchen, Heimbach, Küchlinsperg, Riegell etc.“) 1) Datum Montag vor Kathrine anno 25. Missivenbuch der Stadt Freiburg.(Freib. Arch.) 2) Die vollständigen Verzeichnisse bei Schreiber Nr. 506 und 507. 10 Den 14. April wurde endlich nach langen und unerquicklichen Verhandlungen folgender Abschied gegeben: 1. Die Landstände haben an der von den Prälaten und der Ritterschaft zu Freiburg erhobenen Brandschatzung von 3000 fl. ihren Anteil bis nächste Pfingsten nach Freiburg zu ersetzen. 2. Sie haben alles entfremdete Gut wieder zurückzustellen. und sollen die den Ständen abgenommenen Urbarien, Rodel und Zinsbücher nach Kräften und bestem Wissen wieder herstellen helfen. 3. Von allen Herdstätten, welche der F. D. 6 fl. Brandschaz- zung bezahlt, sind den Ständen und der Stadt Freiburg 3 fl. 1 Batzen nach Freiburg zu entrichten. 4. Die Breisgauer Bauern sollen für seitheriges Fischen, Vogeln, Jagen und derartige Dinge ungestraft bleiben, aber es in Zukunft unterlassen. Sie sollten sich auch fernerhin„in allweg“ so halten,„als es Unterthanen zu thun schuldig.“ Die Markgrafen aber protestierten gegen diese Beschlüsse. So zog sich die Spannung im Breisgau noch über anderthalb Jahre hinaus. Die breisgauischen Stände wollten aber nicht länger hingehalten sein und richteten den 23. Juni eine Beschwerde an Ferdinand. Darin wurde bittere Klage ge- führt über die markgräflichen Bauern, welche die rechten „Ursächer, Anfänger und Aufwiegler“ beim Aufstand gewesen seien.“) Allen andern Herrschaften im Reiche sei von den Bau- ern der Schaden ersetzt worden, nur„wir allein hängen noch am Kreuz“. Gleichzeitig ging eine Gesandtschaft der Stände nach Speier, wWo inzwischen der Reichstag begonnen hatte und überreichte eine Forderung von 70,000 fl. Nach langem kostspieligen Umher- treiben kehrte sie jedoch mit der Erfahrung zurück,„dass man ibnen allenthalben gute Worte gegeben habe, jedoch niemand den Fuchs beissen und die Markgrafen auf sich laden wolle.“) In solcher Weise ging es bis über die Mitte des Jahres 1527 fort.“) Da schien es den Landständen doch geraten, sich auf eine gütliche Ubereinkunft mit dem gegnerischen Hauptteile einzulassen. Die Verhandlungen wurden zu Neuenburg am Rhein gepflogen. Die Entschädigung fiel aber im allgemeinen so gering aus, dass manche Anstand nahmen, den ibnen zufallenden Teil anzunehmen. Graf Konrad von Tübingen auf Lichteneck erklärte die ihm zu- erkannten 100 fl. geradezu für schimpflich und wies sie mit Ent- rüstung zurück.“) 1 So beklagten sich der Abt von Schuttern und Wilhelm zum Wiger, Deutschordenskomtur zu Freiburg beim Markgrafen Ernst darüber, dass die Bewohner Malterdingen ihnen den kleinen Zehnten nicht ablieferten. Der Markgraf erklärte, dass er gemäss der bestehenden V. e seine Unterthanen auch nicht dazu zwingen könne. 8 Schreiber III. Einleitung p. XXVII. Noch im Jahre 1529 war Wolf von Hürnheim mit seinen Unterthanen zu Niederhausen nicht einig geworden, wie aus einem Briefe desselben an die v. ö. Landstände vom 9. Mai 1529 hervorgeht.(Freib. Städt. Archiv. Fase. Kenzingen.) 4) Schreiber Nr. 507. Nachspiele. Zustand Deutschlands nach dem Kriege. Rache der Sieger. Der Berner Chronist Anshelm. verhalten Freiburgs gegen die Aufständischen. Der feste Paul Stör. Verzeichnis der Räüdelsführer in der Herrschaft Kenzingen und im Breisgau. Massenhinrichtungen in Ensisheim. Die Gebweiler Chronik. Grausamkeiten gegen die besiegten Empörer. ber Profoss Berthold Aicheli. Urteile der Zeitgenossen. Los der Flüchtigen und Hinter- bliebenen. Verschlimmerung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse. Versuche zu neuen Empörungen. Schreiben Wolfs v. Hürnheim, Schlusswort. Die Revolution, welche die ganze Uberlieferung der christ- lichen Vorzeit und mit ihr den gesammten staatlichen und ge- sellschaftlichen Zustand Deutschlands zu vernichten gedroht hatte, war im Reiche niedergeschlagen.) Aber das Angesicht eines grossen Teiles der deutschen Lande war geändert. Deutschland bot in allen Gebieten, wo der Krieg gewütet hatte, einen grauen- haften Anblick dar. Weit über tausend Klöster und Schlösser lagen in Asche; hunderte von Dörfern waren verbrannt, die Felder ungebaut, die Ackergeräte und alle fahrende Habe ge- raubt und zerstört; die Witwen und Waisen von weit mehr als hunderttausend Erschlagenen befanden sich im tiefsten Elend. Es war alles so, dass es einen Stein hätte erbarmen mögen.“ Jetzt ging die Rache an ihr schreckliches Werk. Grausam war das Los der Besiegten. Es erfolgten fürchterliche, erbar- mungslose Exekutionen. Die Rache der Sieger war in der That so gross wie die Wut der Empörer. Vergebens erhob Luther, der die Erhebung zuerst als Aufruhr gebrandmarkt hatte, jetzt seine Stimme um Erbarmen. Die Fürsten und Herren fingen mit den Bauern„ein Spiel an, das gab Blut und Geld.“„Ich hoff,“ schrieb ein Deutschherr in Mergentheim,„wir wollen mit Köpfen kugeln, wie die Knaben mit Schiesskeren spielen.“) Glücklich, wer mit dem blossen Tode davon kam und nicht be- sonders erfinderischer Rache zum Opfer fiel. 1) Im Mai und Juni folgten die Entscheidungen Schlag auf Schlag. Bei Leipheim und Böblingen schlug Georg Truchsess,„der Bauernjörg“, die schwäbischen Bauern nieder. Wenige Tage darauf(15. Mai) erstürmten die Herzöge von Sachsen und Philipp von Hessen die Stellung Münzers bei Frankenhausen. Tausende wurden fast ohne Gegenwehr erschlagen, Münzer selbst hingerichtet. Am selben Tage rannten die Bauern in Würzburg vergebens gegen den Frauenberg an. Im Elsass bei Zabern metzelte Herzog Anton von Lothringen 17,000 Bauern nieder, entgegen dem Vertrag auf freien Abzug. Bei Sindelfingen schlug Truchsess die württembergischen Empörer und zog dann mit dem Kurfürsten von der Pfalz gegen die fränkischen Haufen. Bei Königshofen(2. Juni), bei Ingolstadt(4. Juni), wo Florian Geyer als Führer des Schwarzen Haufens einen Heldentod fand, wurden auch diese vernichtet. Im Hegau brachten Max Sittich von Hohenems und Graf Felix von Werdenberg den Bauern bei Hilzingen eine schwere Niederlage bei. Am 7. Juni musste sich Würzburg ergeben. Zuletzt wandte sich Truchsess in den Allgäu und erstickte auch hier die letzten Funken mit Georg von Frundsbergs Hilfe durch wohlberechnete Grausamkeit, Verrat und Gewalt der Waffen. 2) Zimmermann, I. C. p. 835. Vgl. auch Zimmerische Chronik, ed. K. Barack, 4 Bde. in der Bibliothek des lit. Vereins in Stuttgart, Bd. 91—94. Tübingen 1869, II. B. p. 400403. 76 „Anfangs war man,“ sagt der Berner Chronist Anshelm, „ängstlich besorgt, es möchte niemand den wütenden Bauern ent- rinnen, aber am End, es würde kein Bauer dem blutigen Schwert überbleiben. Die Herren und Junkherren, die aus Löwen Hasen geworden waren, sind wieder Löwen geworden, und die zauern, die aus Hasen Wölfe worden, wiederum zu Hasen gemacht, also dass sie, wie sie zuvor freudig jagten und ohne Bedauern nieder- zerrten und zerrissen, jetzt flüchtig, verjagt und ohne Bedauern miedergezerrt und zerrissen wurden. Nachdem der aufrührerische Krieg niedergedrückt war, hat die eingespannene Bauerschaft auf er- littenen Schweiss erst noch müssen schwitzen einen kalten Schweiss, nämlich um tyrannische ruche Handlung eine tyrannische ruche Rechnung. Denn da sind die Herren auf eroberten Sieg viel mehr, denn je zuvor, ungnädig und unthür, auch zu mehr Härte bewegt worden, vermeinend, mit engerm Gurt und Biss dem Esel dio Geil zu wehren und ihn im Zaum au behalten.“) Die Stadt Freiburg ging jetzt vor allem darauf aus, ihre Unterthanen zu Paaren zu treiben. Gleich nachdem die Stadt ihren Vertrag mit den Bauern gekündigt hatte, bat sie bei dem Erzherzog Ferdinand um Unterstützung durch Bewaffnete.) Der Rat scheint mit der grössten Härte aufgetreten zu sein. In dem benachbarten Kirchzarten wurden„etliche erstochen, etlichen Haus und Hof verbrannt, etliche gefangen genommen, überhaupt so grosser Schaden angerichtet, dass die Gemeinde verzweiflungs- voll nach Freiburg schreibt,„ob sie die Kirchzartner denn ganz vertrieben haben wollten.“) Mit gleicher Strenge wie gegen die eigenen Unterthanen zu Kirchzarten wandte sich die Stadt auch gegen Kirchhofen, Staufen, Kenzingen und andere Orte des Breis- gaus. Den 25. August schreibt sie an Erzherzog Ferdinand, sie habe den Unterthanen vier Artikel vorgelegt, und als sie deren Annahme verweigerten, sie mit„Raub, Brand und Totschlag“ endlich zum Nachgeben gebracht.“) Als nun die„Send- und Machtboten“ der Städte Strassburg, Basel, Breisach und Offen- burg sich für die Freiburger Unterthanen verwandten, erklärte der Rat, er sei durch den Offenburger Vertrag nicht gebunden, da seine Bevollmächtigten als„Beistände“ und nicht als Partei bei den Verhandlungen zugegen gewesen seien. Aber diese Handlungsweise Freiburgs fand wenig Beifall. Es entstanden 1 Anshelm V. genannt Rüd. Berner Chronik. Von Anfa g der Stadt Bern bis 1526. 6 Bände. Bern 1825—1838. VI. Bd. p. 288. Herolt J.(Chronica, Zeit und Jahrbuch von der Stadt Hall, herausgegeben von F. G. Schönhuth. Schwäbisch Hall 1855) schreibt P. 107:„Damit nun der Aufruhr gestraft würde, gab Gott der Herr der Oberkeit das Herz und Schwert wieder in die Hand, dass die Ritter wieder herfürkommen, lebendig, ja stählin Wurden, die Bauern aber wie die Hasen, dass sie fast an allen Orten jämmerlich zerfleis echt und gemartert worden. Was Gott damit gemeint oder getrawet hat, ist über mein Verstand; will solches der Oberkeit nachzudenken geben und bevohlen haben.“ Schreiber Nr. 385—386, Ausserdem nahm die Stadt 1000 Knechte in ihren Sold. Mone, Quellensammlung II. 103. Nach anderen Angaben waren es nur 600. Schreiber III. Ein- leitung p. XV. 3) Schreiber Nr. 414416. Mone, I. e. II, 104. Baumann, Akten Nr. 440. 4) Schreiber Nr. 421, 426, 427, 431. — — 8 5 Schmachlieder gegen die„bundesbrüchige“ Stadt und wurden in den Städten des Breisgaus auf öffentlicher Strasse gesungen.“) Umsonst bat auch Wolf v. Hürnheim,„mit seinen Unterthanen nicht zu arg ins Gericht zu gehn.“ Der Freiburger Rat blieb mit zäher Hartnäckigkeit auf der einmal betretenen Bahn und liess sich durch keine Einsprachen von aussen oder innen beirren. Als vollends die österreichische Regierung den festen Paul Stör?; mit einem Zug Reiter ausschickte,„um auf Rädelsführer zu streiken und davon soviel nur möglich einzufangen,“ wurde des Einkerkerns und Hinrichtens auf längere Zeit kein Ende. Verzeichnisse solcher Unglücklichen, sowohl Weltlicher als Geist- licher, wurden bei allen Gemeinden erhoben, und ihren Verfolgern nebstdem noch besondere wegkundige Führer mitgegeben. Schreibers Urkundenbuch(Nr. 468a) enthält ein„Verzeichnis der Rädelsführer der Bauern im Breisgau, den erzherzoglichen Kommissären auf deren Verlangen übergeben.“ Wir heben hier nachfolgende heraus: Hauptsächer und Rädelsführer in dem bäurischen Aufruhr im Brissgau. In Kentzinger Herrschaft und darum: Schuldheiss zu Herboltzen hat sich dermassen gehalten, Wenn er nit gewesen, so weren die von Kentzingen in den Last nit komen. Pauli Büchsenschiesser, jetzt Vogt zu Limburg. Claus Zimerman von Malterdingen hat den Closterfrawen zu Wonethal ihr Gut verbüttet(verbeutet). Item der Ruster von Ettenheim ein Wirth. Bastian von Wyl, Fännrich. Pauli Merkli von Rot- Wil. Franz von(König) Schaffhusen, Proflantmeister. Giessen Jörg, Hauptmann und Obrister. Schmieheimer Claus von Kippen- heim, ein rechter. Letzmann Hans zu Friesenheim, Hauptmann. Schezlin Jörg zu Lahr, auch ein Obrister. Clevi Rüdi zu Malter dingen, ein Obrister. Haman Metzger, Hauptmann. Jos. Metzger zu Malterdingen, Fännrich. Thoman Moll zu Saspach, der Bösten einer. Jakob Rebknecht von Saspach. Thoman Luxli, der Erz- buben einer. Pfaffen: Herr Claus von Balingen zu Herboltzen, der ander ist zu Blaichen, ist gefangen, der dritte zu Husen (Ober- oder Niederhausen). Waldkirch: Hans Schultheiss im Simonswald ist Hauptmann gesin. Jörg Schumacher zu Eltzach, Fännrich. Endingen und do um: Der Vogt von Jechtingen, Hauptmann, Hans Appoll, Büchsen- schiesser ist ein grosser Bub. Adam von Wyl ist ein rechter. Burgi der Vogt von(König) Schaffhusen. ) Schreiber Nr. 397, 398, 405, 406. 2) Schreiber Nr. 494. „ Burkheim und do um: Hans Petter von Bischoffingen. Vyt Sothafen von Küchli- spergen. Vasy Seyler ist ein Postbott zu allen Huffen gewesen. Der Vogt von Achtkarren weiss, wer Höhingen verbrannt hat. N g 1 Am Kaiserstuhl hin und wieder. Amoltern. Hans Ziler, der erst Anfänger diser Aufruhr. K ü c hlis bergen. Wolf Fischer von Wisswiler(Weisweil). Eny Rieger von Wisswiler. Schwob Hans. Wolf Schmidt. Vyt Schwob. Vyt Sotthofer, Thürhüter. Jung Haus Suter Bastian Geisser Vasli Seiler Wolf Schmid Jeckli Kurzmann 0 Wolf Krumisen Cunrat Küfer Item Pfaffen: 1 zu Stauffen, 1 zu Schliengen, 1 zu Kilch- zarten, 1 zu Sexaue, 1 zu Gündlingen, 1 zu Tottnow. Der Markgräfischen wisst man vil anzuzeigen der rechten Knaben.“) Küchlisberger recht Knaben. Das Verfahren gegen die Eingebrachten war kurz und endete gewöhnlich mit Hinrichtung. Manche fielen der Stadt Freiburg in die Hände. Diese bot denn sowohl durch Hinrichten, Ver- stümmeln, Ausweisen und Beibehalten von 600 gemieteten Kriegs- knechten, als auch durch eine besondere Deputation an das Hof- lager nach Tübingen, das Möglichste auf, sich bei Erzherzog Ferdinand wieder in Gunst zu setzen. Scharenweise trafen die in den Vorlanden Aufgegriffenen am Sitze der Regierung in Ensisheim zusammen. Mit rücksichts- losester Strenge ging man hier gegen die Anführer vor, und hinter den„verschlossenen Thüren“ des Gerichtssaales wurde Bluturteil auf Bluturteil gefällt.„Da war in der That eine blutige Schlacht- bank errichtet, an der nach allem Kriege die Leute, insbesondere auch die Geistlichen jämmerlich gemartert und getötet wurden.“ Deshalb ging die Rede, der Name sei an der Stadt nicht verloren, denn das lateinische Wort ensis bezeichnet im Deutschen Schwert; daher Ensisheim Haus oder Stadt, wo das Schwert daheim ist.““) Die Gebweiler Chronik, eine ganz entschieden bauernfeind- liche Darstellung erzählt:„Die Edeln von Ensisheim waren gar tyrannisch. Sie liessen die armen Leute in den Dörfern fangen, 1) Schreiber Nr. 468. 2) Schreiber III. Einleitung XXI. 716 . gen Ensisheim führen und ihnen die Köpfe abschlagen. 80 gar verschonten sie nicht die Geistlichen, indem sie viel Priester an die Bäume aufhängten. Gott erbarm es in dem hohem Himmel, und da unser gnädiger Herr(Abt von Murbach) solches nicht wollte gestatten, und uns so gnädig mit der Schatzung war, das verdross die Edeln von Ensisheim so sehr, dass sie ihm deswegen feind waren.“ Glaubenswut und Rachedurst behielten auch im folgenden Jahre die Oberhand.„Das elende betrübte Wesen,“ berichtet 1526 dieselbe Quelle,„währet noch allezeit zu Ensis- heim. O wie manchem frommen Mann hat man unschuldiger Weise den Kopf abgeschlagen. Gott sei es geklagt in dem Himmel.“) „Das Kopfabschlagen,“ klagte Spalatin, der fürstlich säch- sische Hofprediger,„hat kein Ende. Es werden über die Massen viel arme Leut Witwen und Waisen.“ Im Würzburgischen rühmte sich der Henker, er habe„in einem Monat 350 mit dem Schwert gericht.“ Ein Henker des brandenburgischen Markgrafen Kasimir zu Anspach-Baireuth reichte Rechnung ein über achtzig Ent- hauptungen und zwei und sechzig Blendungen, die er vollzogen. Ausserdem hatte er noch sieben Bauern die Finger abgehauen. In Kitzingen allein liess Kasimir am 8. Juni neun und fünfzig Bauern öffentlich unter dem Gejammer der Weiber und Kinder durch den Henker die Augen ausstechen. Die meisten baten, sie lieber zu töten. Allein Kasimir war unerbittlich.„Ich Weiss, sagte er, dass ihr geschworen habt, ihr wollet mich nicht mehr ansehen, so will ich euch vor Meineid bewahren.“) Auf zehn Meilen weit verbannte er die Augenlosen. Zugleich gab er strengsten Befehl, dass niemand sie führe, niemand sie heile, bei schwerster Strafe. Viele starben bald, die andern zogen„haufen- weise zu einem jämmerlichen Spektakel im Lande herum, führten einander bei den Händen und bettelten.“ Dem Prediger der Klettgauer Bauern Hans Rebmann liess Graf Rudolf v. Sulz beide Augen mit einem eisernen Löffel herausgraben, die Löcher mit Stroh ausfüllen und ihn so hinausstossen. Er starb an den Schmerzen.“) Ritter Kunz von Rietheim liess drei Bauern die Zungen ausschneiden. Im Württembergischen wurden„etlichen Weibern, die sich des Predigens unterstunden, die Zungen ausgeschnitten“; von zwölf Prädikanten wurden dort elf gerädert oder verbrannt oder ertränkt, einer enthauptet.“) 1) Hartfelder sagt p. 57 J. c.: Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Pest, welche im Jahr 1526 in Ensisheim ausbrach und den grössten Teil des Adels und der Bürgerschaft für einige Zeit aus der Stadt vertrieb, mit den zahlreichen Leichnamen der Hingerichteten im Zusammen- hang gestanden hat. 2) Pleriquè, antequam oculis privarentur, rogabant, uti potius vel stragularentur vel decollarentur, se enim potius optare mortem, quam tam miseram et lumine orbatam ducere vitam, sed nullus vel ad graviora vel ad leviora supplicia exorare Poterat; ajebat enim(der Markgraf) illos jurasse, se ne quidem aspecturos marchionem, igitur se illorum votis consulturum, ne, 81 quando se aspiclant, perjuri flant. Baumann, Quellen 685. 3) Zimmermann p. 884. 4) Baumann, Quellen aus Oberschwaben. 106, 112, 113, 126, 270, 347, 707, 795. Jörg 634. Zim- mermaun 902. Bensen 498 Eneyclopädie von Ersch& Gruber, Sebmidt's Artikel über den Bauernkrieg 8, 185 Note 43. 80— Jakob Hotz von Heitersheim hatte gegen Bürgermeister und Rat von Freiburg ausgesagt,„sie seien an ihnen, der Gepursame, gfahren als Schelme und Bösewicht.“ Dafür sollte er mit dem Tode bestraft werden. 1 Bürgermeister und Rat,“ sagt er in seiner Urfehde vom 25. August 1525,„haben Gnad und Barm- herzigkeit mit mir theilt, dergestalt, dass mir der Nachrichter auf dem Fischmarkt solle meine zween vordersten Finger an der rechten Hand abhauen, und ich ausserdem in 8 Tagen 18 Pfund Rappen Pfennig Frevel und Peenfell schicken. Das ich dann alles mit grosser und freundlicher Dankbarkeit angenommen.“) Der Profoss der Schwäbischen Bundes Berthold Aicheli be- förderte mit eigener Hand zwölfhundert Menschen zum Tode. Dieser berüchtigte Scherge war ein Söldner Ulms. Die Stadt hatte ihn dem Schwäbischen Bunde geliehen.„Der fuhr eine Zeit lang um in Schwaben, Franken, auf dem Schwarzwald, in Württemberg, im Hegau, Allgäu weit und breit zu henken. Er hatte einen besondern grimmigen Hass auf das Evangelium. Wo er einen evangelischen Prädikanten ankommen mochte, der hatte bei ihm den Hals verloren. Er fing's, beraubt's, schätzt's, henkt's, an den Bäumen elendiglich. Da hat alles menschliche Erbarmen ein Ende. Er war ein Schrecken, aber auch ein Scheusal für alle.“ 2) Die Zahl der bloss im schwäbischen Bundesgebiete Hin- gerichteten wurde in einer dem Bundesrate zu Ende des Jahres 1526 vorgelegte Liste auf nicht weniger als zehntausend ange- geben. Wo das Köpfen nichts fruchtete, sollte das Brennen“) helfen. Dazu kamen teils barbarische, teils durch das Seltsame ihrer Art schwer kränkende Strafen: Die Verbote der Zusammen- künfte der Gemeinden, der Kirchweihen, des Wirtshausbesuches. Zu den auferlegten eigentümlichen Strafen gehörte, auf der einen Gesichtsseite vollbärtig, auf der andern plattgeschoren sich tragen zu müssen. Bei Ulm wurden die Bauern verurteilt, sechs Wochen in und ausser dem Hause Schleier zu tragen.“) Mit welcher Frivolität bei Bestrafungen manchmal verfahren wurde, möge folgendes Beispiel zeigen. Im Dorfe Sulzfeld waren nur zwei biuwolmer, die beiden Ziegler, übrig geblieben. Der 5 Schreiber Nr. 90 5 2) Aunshelm, I. e. 3975 Der Truchsess G. v. W. hatte ihm„für seine getreuen Dienste“ die schönen Güter der Heilbronner Bauernhauptleute Hans Flux und Ulrich Fischer geschenkt. Die Heilbronner gaben dem Bundesschergen jedoch nichts als schnöde Worte. Auch der Ulmer Rat beriet sich, ihn aus der Liste seiner Söldner zu streichen. Er liess ihn nur,„um Ungnade fürzukommen,“ da er immer in des Truchsess Geleit sei. Ulmer Ratsprotokoll bei Zimmermann p. 874. 8)„Der Bauersmannd, erklärten die herzoglich sächsischen Räte,„sei in seinem Herzen also ver- gift und verbosst, dass einer dem andern wol gönnte, dass er umkäme oder erschlagen würde; sie wollten auch vom Todschlagen nicht ein Abschrecken noch Ebenbild nehme n, von ihrem Uns gehorsam und gefasster Bossheit abzukehren, sondern es wolle die hohe Nothdurkt hinfürder erheischen, sie mit Brand anzugreifen.“ Vgl. Baumann, Quellen p. 106, 112—113, 126, 270, 347. 4) Ochsle, Beiträge zur Geschichte des Bauernkrieges p. 234. So heisst es in der Urfende des Peter Schmidt aus Neckarsulm:„Das ich fürhin soll und will einen halben Bart tragen, den halben Teil alle vierzehn Tag einmal scheeren lassen und den andern Halbteil, es sel mit Abzwieken noch in ander Weg nit mindern, sondern der soll, wie er wächst, bleiben“. Gehsle I. o. 234. 81 eine weinte, als er zum Tode geführt wurde, bitterlich und sagte, er bedaure nur die Herrschaftsgebäude, weil sie niemand mebr mit so dauerhaften Ziegeln versehen werde. Der andere, ein kleiner dicker Mann, lachte überlaut. Darüber befragt, antwortete er, es komme ihm gar lächerlich vor, wo er dann seinen Hut hinsetzen solle, wenn ihm der Kopf abgeschlagen sei. Beide er- langten mit ihren Possen Gnade.“) Aber selbst diejenigen, welche aus Furcht vor Strafe Haus und Hof im Stich gelassen, fanden keine Ruhe vor der öster- reichischen Regierung. Nachdem sie zuerst in Mühlhausen eine Zeit lang Unterkunft gefunden, wurden sie auf Betreiben der Re- gierung ausgewiesen. Sie wandten sich jetzt massenhaft nach Basel. „Es war alles in Basel so voll von Karren und Pferden, Haus- rat, Weibern und Kindern, dass an Bartholomäi niemand durch die Spalenvorstadt noch zum Thor hinaus konnte.“) Aber auch da- hin folgte ihnen der Hass der Regierung. Auf Vorstellung von Ensisheim wies der Rat einen Teil derselben aus.“) Die Regie- rung war aber damit noch nicht zufrieden. Sie beklagte sich wiederholt, dass Basel immer noch eine Anzahl„Rädelsführer und Hauptsächer“ in seinen Mauern schütze. Basel hatte sein Ver- halten damit gerechtfertigt, dass diese zahlreichen Hinrichtungen gegen den Offenburger Vertrag seien. Dagegen erklärte die Ensisheimer Regierung, das sei ein Missverständnis, denn gerade nach diesem Vertrag sei sie berechtigt, mit Strafen gegen die Rädelsführer vorzugehn.“) Auch Markgraf Philipp von Baden, der das Hauptverdienst, den Offenburger Vertrag zustande ge- bracht zu haben, für sich beanspruchen konnte, richtete ein Schreiben in ähnlichem Sinne nach Ensisheim, jedoch ebenfalls ohne Erfolg.„Die österreichische Regierung liess sich in ihrer blutigen Arbeit nicht beirren und beutete die Gunst der Verhält— nisse in rücksichtslosester Weise aus.“ Zur Entschuldigung solcher Grausamkeit,„um die Welt in Schrecken zu setzen,“ mussten zeitweise jedenfalls übertriebene Ge- rüchtevon einer neuerdings versuchten Erhebung der Bauern dienen. Im Anfang des Jabres 1527 rotteten sich in der Herrschaft Röteln aufrührerische Haufen zusammen, welche durch Sendboten auch andere Bauern in eine Empörung hineinzuziehen suchten. Am 18. Januar 1527 teilte Markgraf Philipp von Baden dem Bischof Georg von Speier mit, seine Räte hätten ihm geschrieben, dass in der Ortenau, im Breisgau und im Elsass„abermals allerlei Praktiken und heimliche Handlungen vorhanden seien, den ge- meinen Bauersmann wiederum zum Aufruhr zu bewegen und dass 1) Bensen, Geschichte des Bauernkrieges ete. Erlangen 1840 p. 498. 2) Ochs, Geschichte von Basel V. 508. 3) Von den flüchtigen Bauern, berichtet Knöringer in der Annales Faucenses,„haben sich Etlich zu dem König von Frankreich gethan, Etlich zu den Venedigern und Etlich zu den Türken hant Sold von ynen angenommen wider den Kaiser und das römische Reich.“ Baumann“ Quellen p. 408. l 4) Schreiber Nr. 489, 492. 1 9 82— allgerade an einem Ort bei fünfzig zusammen gelobt und ge- schworen hätten, deren Hauptmann ein Kriegsknecht mit einer Hand und einem roten Barett sein solle. 0 Dieses war der Mattenhans von Gündlingen, ein verwegener Kriegsknecht, der schon bei den Oberländer Bauern als uptmann gedient hatte. Er sollte fortwährend die Gegend diesseits und jenseits des Rheins heimlich durchstreifen, um Leute an sich zu ziehen.„Das Regi- ment der Bauerschaft,“ hiess es,„solle bald angehen, und sobald die Stauden grün würden, wollten sie sich des Adels und der Herren entledigen.“ Dagegen 1 Wolf von Hürnheim d. d. 17. Januar 1527 aus Kenaingen„verlangte Nachricht, dass ihm von neuen Empörungen, ebenso dass 1 Ulrich in Strassburg sein solle, nichts bekannt sei.“?) Zu einem Ausbruch kam es nicht mehr. Die besten Männer des Volkes waren tot oder flüchtig umher zerstreut Von den meisten Obersten und Haupt- leuten hörte man niemals mehr. So abenteuerlich und erfolglos solche Unternehmungen waren, so hatten sie doch den Nachteil, die ohnehin trostlosen Fahndungen noch zu verschärfen und den Oberrhein noch mehr zu entvölkern. Nur wenige hatten auch diesmal das Glück, sich in die Eidgenossenschaft zu retten, wo sie übrigens nur„geduldet“ wurden. Manche Flüchtlinge ereilte ihr Los noch hart an der Grenze, wie den Häuptling der Schwarzwälder, Hans Müller von Bulgenbach, zu Laufenburg.“ Von durchgreifenden wirtschaftlichen und socialen Reformen zugunsten der niedern Volksschichten war nach Besiegung der Revolution keine Rede. Vielmehr verschlimmerten sich alle früher vorhandenen Ubel in Stadt und Land. Der Fürkauf, das Unwesen der Monopolien, die Ausbeutung des Volkes durch Handelsgesellschaften dauerte ununterbrochen fort. Das Gross- kapital entfaltete erst jetzt seine ganze verderbliche Macht.“) Während die Preise der e e für Nahrung und Kleidung fortwährend stiegen, sank der Taglohn für die gewerb- lichen wie land wirtschaftlichen Lohnarbeiter im Vergleich mit dem 15. Jahrhundert auf die Hälfte des Betrages herab. Am traurigsten gestalteten sich die bäurischen Verhältnisse. Um die Ansprüche der Grundherrschaften an Dienste und Steuern zu vernichten, hatten die Bauern planmässig alle Urkunden und Verträge über Zehnten, Zinsen, Gülten und Fronen zerrissen oder verbrannt. Jetzt wurden entweder neue abgefasst, welche das Mass der Leistungen zum Vorteil der Herrschaften erhöhten, oder es wurde überhaupt nichts Schriftliches mehr über die Pflichten und Rechte der Bauern und Grundherren festgestellt.“) bisch- fränkischen Grenzlanden. Heil- ten in der Zeitschrift für Geschichte des B. K. in den schwä mann 896. Stern, Re 25. Karl Marx, Das Kapital p. 128 u. 744. — Die Schilderungen des land wirtschaftlichen Aufschwungs und der bäuerlichen Wohlbehäbigkeit aus dem 15. Säculum stechen grell ab von den Schilderungen, wie sie Sebastian Franck und Sebastian Münster im 16. Jahrhundert entworfen. „Die Bauern führen ein gar schlecht und niederträchtig Leben. Ihre Häuser sind schlechte Häuser, von Kot und Holz gemacht, auf das Ertrich gesetzt und mit Stroh gedeckt; ihr Speis ist schwarz Roggenbrod, Haberbrei und gekocht Erbsen und Linsen; Wasser und Molken ist fast ihr Trank, ein Jwilchgippen, zween Bundschuh und ein Filzhut ist ihr Kleidung. Ihren Herren müssen sie oft das Jahr durch dienen, das Feld bauen, säen, die Frucht abschneiden und in die Scheuern führen, Holz hauen und Gräben machen. Da ist nichts, das das arme Volk nicht thun muss und ohne Verlust nicht aufschieben darf.“„Noch bei Ge- denken meines Vaters, der ein Bauersmann war,“ schrieb der Schwabe Heinrich Müller im Jahre 1550,„hat man bei den Bauern viel anders gegessen als jetzt. Da waren jeden Tag Fleisch und Speisen im Uberfluss, jetzt ist die Nahrung der besten Bauern fast viel schlechter als von ehedem die der Tag- löhner und Knechte war.“ „Die geglaubt hatten, es würd ihnen besser werden durch den Aufruhr und nit zufrieden waren mit ihrem Stand, Steuer, Diensten, Zinsen und wollten Herren sein, dieselbigen wurden nunmehr härter geplagt und arm und elendig.“:) Es schien, als sollten die„armen Leute“ vollständiger Leibeigenschaft entgegen- gehn. Wie gefährlich aber auch der grosse Bauernaufstand des Jahres 1525 durch mehrere Wochen erschien, und wie mannig- faltig die Charaktere und Leidenschaften waren, welche darin ausbrannten, der Bauer selbst war fast nur die wogende Masse, seine Demagogen und Leiter gehörten zum Teil andern Ständen an. Im Ganzen betrachtet ist die Intelligenz und Tüchtigkeit der Anführer, auch der bäuerlichen, doch nur gering, ebenso ge- ring die kriegerische Tüchtigkeit der Haufen. Es war eine un- endliche Vielheit kleiner Kräfte, von den Karpathen bis zu den Vogesen zerstreut. Aber es fehlte an einer grossen Kraft, die sie konzentrierte und bewegte, an einem Haupt, an einem grossen Feldherrn des Volkskrieges. Die Zeit, dass ein solcher sich heranbildete, war zu kurz. Der Krieg ging aus, ehe die Bauern ihn selbst kennen lernten. Es fehlte an einem festen Plan, an einem gemeinschaftlichen Interesse, es fehlte an der Verbindung zu einem Volke. Nationalgeist beseelte nur erst einzelne Männer, nicht die Masse. Auch der Begriff der Freiheit war erst im ein- 1) Reich sollten wir wer'n, Reich wär'n wir wor'n? Und stehn in Ehr'n, Dass Gott erbarm. i Hielt süss man uns für, Was wir hatten, han wir verlor'n, Womit man uns verführ. Nun sint wir arm. zelnen abe Die Bauern unterhandelten und verpassten die besten Augenblicke zum Handeln mit dem Schwert, zum Schla- gen. Sie waren Neulinge in der Politik wie im Feld. Oberste und Hauptleute wurden nicht die tapfersten und kriegskundigsten, sondern die reichsten oder die grossen Wortführer. Dazu kam Verrat, Verrat jeder Art. Ohne Reiterei und Geschütz, ohne grosse Festung und Halt, ohne gemeinsamen Oberfeldherrn stan- den sie, zerstreut in Haufen, da und dort gegen Feinde, die alles das ha tten und die ihre Kräfte jedesmal zu einem Stoss zusammen- schlossen. Die Begeisterung, die vieles hätte ersetzen, vieles gut machen können, war vorüber, als es zur Entscheidung kam. Waren aber auch die Menschen nicht gross, die sich in That und Wort damit befassten, so waren es doch grosse Dinge und hohe Interessen der Menschheit, welche der Bewegung zu Grunde lagen und in ihr hervortraten. Der dem Bauernkrieg innewohnende Geist ist der nämliche 1 der drittehalb hundert Jahre später das ganze Staatsgebäude Europas erschütterte und umwandelte. Es lag ein sittlicher Grundzug in dieser Bauerner- hebung. Die Bauern wollten nichts anders, als was ihnen in einem spätern Zeitalter als menschlich berechtigt allgemein zugestanden wurde. Aber in jeder neuen geistigen Bow egung, welche dem Alten in Staat Kirche, Wissenschaft, Glauben feindlich und mit der Absicht der Wegräumung des Bestehenden gegenübertritt, liegt zugleich die Herausforderung unbändiger Naturelemente, die den geistig geführten Kampf durch entfesselte Naturkraft und rohe Gewalt eher und gründlicher zu entscheiden hoffen. Und so wurde durch die wüsten Gesellen, welche die Umgestaltung der gesell- schaftlichen Ordnung in die Hand nahmen und mit Feuer und Schwert, mit Blut und Gräuelthaten zum Ziele schreiten wollten, die Bewegung zu einem Verbrechen an der Menschheit. Der Bauernkrieg ist also, mögen wir ihn nach seinen Ur- sachen oder nach seinem Verlaufe oder nach seinen Folgen be- trachten, nicht eine unorganische Episode der Reformationszeit, sondern eines der wichtigsten Ereignisse des inhaltschweren 16. Jahrhunderts. Wer dies zu läugnen vermöchte, den verweisen wir auf die Thatsache, dass der Demokrat W. Zimmermann), der katholische Politiker Jörg?) und der sozialdemokratische Führer Bebel) die Geschichte des Bauernkrieges als schneidende Waffe gegen die Widersacher ihrer Anschauungen benützt haben. Diese Thatsache berechtigt zu dem Schlusse, dass der Bauernkrieg in Wahrheit eine Schule für unsere Zeit, ein Arsenal für unsere Parteikämpfe auf politischen, sozialem und religiösem Gebiete genannt zu 3 verdient. 9 1) Allgemeine Geschichte des grossen Bauernkrieges 3 Bde. Stuttgart 1841-43. 2) Deutschland in der Revolutionsperiode von 1522—1525. Freiburg i. B. 1851. 3) Der deutsche Bauernkrieg mit Berücksichtigung der. Bewegungen des Mittel- alters. Braunschweig, Bracke A. 1876. 4) vgl. F. L. Baumann, Akten, p. e S 70 cnts sue 5 8 — 8 5 Ent N 5 ede N 2017 8 8 8 8 5.„