mee, 5 Her crete er. a1 0 2 Leer, u,, be ee ee. 4 eee, bees. 1 . Here e, fe e eee, e. 1905 „„„ Peter Haarers Beschreibung des Bauernkriegs Nebst einem Anhang: Zeitgenössisches über die Schlacht bei Frankenhausen. CC ̃ ͤ——— Halle. Max Niemeyer. 1881. Die„Materialien zur neueren Geschichte“ er- scheinen in zwanglosen Heften, deren jedes sich auf einen historischen Moment von hervorragender Be- deutung bezieht, und seltene Quellenberichte von be- sonderer Wichtigkeit in genauem Abdruck enthält. Die Sammlung ist zunächst für das historische Seminar an der Universität Halle bestimmt und als solche als Manuscript gedruckt. Doch soll jedes Heft in einer beschränkten Anzahl von Exemplaren in den Buch- handel kommen. [ J Eigentliche Warhafftige beſchrei⸗ bung deß Bawrenkriegs, W dert Jahren, nemblich im Jahr 1525. faſt an allen enden Teutſches Landes angan⸗ gen, ond wider gedempfet worden. Damals in Teutſch ond Latein be⸗ ſchrieben, Durch H. Peter Haarern. Jetzunder erſtmals in Teutſcher ſprach in den Druck gegeben. (Holzſchnitt.) Franckfurt, In Verlegung Johan Ammons, 1625. Kurtze nothwendige Erinnerung vber dieſes Buch, an den Teutſchen Leſer. der anderen ſchaͤdlichen Plagen, denen das Weltlich Regiment onderworffen, ſind dieſe zwo faſt die fuͤr⸗ nembſten vnnd allerabſchewlichſten, nemblich auff ſeiten der Obrigkeit, Tyranney, ond auff ſeiten der Vnderthanen, widerſetzlichkeit. Alſo gar hat jedes theil ſeinen mangel, nach dem Horatianer verß: Trojanos intrà muros peccatur& extra. Es obermachen es beydes Herrn vnnd Bawren, jene zu⸗ brechen Haͤfen, dieſe zubrechen Kruͤg. Vnd hat Gott, der hoͤchſte Regent vber alles, dieſe weiß, daß er gemein⸗ lich einen boͤſen Buben durch den andern, ond zwar die Gewaltigen am gewaltigſten ſtraffet: dahero bey den Po⸗ liceykuͤndigen nicht vnbillich dieſe Satzrede auffkommen, 1 daß nemb⸗[bel] lich gemeinlich Tyranney mit Rebellion vnd Auffruhr, hinwiderum Auffruhr ond Rebellion mit Tyran⸗ ney gezuͤchtigt werden. Deſſen ſind alle Bibliſche vnd Vnbibliſche Geſchichtbuͤcher voll. Auff ſeiten der Obrigkeit ligen die Exempel Pharaonis, der, nach dem er die Kinder Iſrael lang genug betrangt ond ſein Maß voll gemacht, dieſelbe gleichwol ihres gefallens hinziehen laſſen, er aber im Roten Meer erſauffen muſte, und dann Koͤnig Reha⸗ beams, der durch ſeine Tyranney ond grawſamkeit verur⸗ ſachte, daß die zehen Staͤmm Iſrael von ihm Abſfielen, beneben andern dergleichen Hiſtorien mehr am hellen tag⸗ licht. In weltlichen Geſchichtbuͤchern ſeind deren Exempel ein vnzahl zu ſinden, ond zwar bey allen vier Monarchien, welche dann, nach D. Luthers meinung, in H. Schrifft darumb Beſtien genant ſind, weil ſie ins gemein Beſtia⸗ liſcher Tyranniſcher weiß geregiert vnd gefuͤhret worden, und, wie jener Roͤmer ſagte, der Frommen guͤtigen Re⸗ genten Namen faſt alle auff einen Pitſchir Ring zu graben ſeyen. Inſonderheit aber ſind die Beyſpiel der Roͤmiſchen Monarchi, als die am hoͤchſten geſtiegen, am meiſten Land ond Lenth onder ſich gebracht, ond am laͤngſten gedau⸗ leiſ ret, am aller denckwuͤrdigſten; fintemal ober ſie jhre eigene Seribenten klagen ond melden: Es hette ſolche jhre Monarchi wol gluͤcklich, onuͤberwindtlich, ond allzeit ruͤhig verbleiben konnen, wann die onderworffene Nationen der Roͤmer laſter, zwangſal, vnd muthwillen ſo wol hetten vertragen konnen, als deroſelben Regierung: Si tam, in- quiunt, vitia nostra quam imperium ferre gentes pot- uissent. Welches bevorab Florus von denen bereit von jhnen bezwungenen Teutſchen, die ſich aber wegen Roͤ⸗ miſcher haͤrtigkeit, onnd vnleidlicher vnnachleſſiger beſchwe⸗ rungen auffs new auffgelehnet, ond ſich alſo wiederumb vom Außlaͤndiſchen Joch befreyet, außtruͤcklich zeugen thut. Ein gleichmeſſiges beſchreibt von den Galliern Salvianus, ein Biſchoff zu Massillen, im vierdten Buch von der Gött⸗ lichen regierung, als dieſelbigen ebener geſtalt von den Roͤmiſchen Regenten ond Landverweſeren hart gepreſſet ond getruckt, wider ſie auff geſtanden, ond dahero den nahmen Bagaudæ, das iſt Auffrührer oder Rebellen vber⸗ kommen. Seine Lateiniſche wort ſeind dieſe: De Bagaudis nunc mihi sermo est, qui per malos judices& eruentos spoliati, afflicti,[ee] necati, postquam Jus Romanæ Übertatis amiserant, etiam honorem Romani nominis perdiderunt. Et imputatur his infelieitas sua, imputamus his nomen calamitatis sum, imputamus nomen, quod ipsi fecimus,& vocamus rebelles, vocamus perditos, quos esse conpulimus criminosos. Quibus enim aliis rebus Bagaudæ facti sunt, nisi iniquitatibus nostris, nisi improbitatibus judicum, nisi eorum proseriptionibus & rapinis, qui exactionis publica nomen in quæstus proprii emolumenta verterant,& indictiones tributarias prdas suas esse fecerant? qui in similitudinem im- manium bestiarum non rexerunt traditos sibi, sed de- vorarunt, nee spoliis tantum hominum(vt pleriq; latrones solent) sed laceratione etiam,&, vt ita dicam, sanguine pascebantur: ac sie actum est, vt latrociniis judieum strangulati homines& necati, ineiperent esse quasi Barbari, quia non permittebantur esse Romani. Acquieverunt enim esse quod non erant, quia non permittebantur esse, quod fuerant, coaectique sunt faltem vitam defendere, quia jam libertatem videbant penitus perdi- Tdi] disse. Aut quid aliud etiam nunc agitur, quam tune actum est, id est, vt qui adhue Bagaudæ non sunt, esse cogantur, Quantum enim ad vim atque injurias pertinet, compelluntur vt velint esse; sed im- becillitate impediuntur, vt non sint,&c. welches zu Teutſch alſo lautet: Nun will ich von den Bagauden reden, die von den onbarmhertzigen Blutduͤrſtigen Richtern ond Land⸗ voͤgten außgeſogen, gequelet, tyranniſirt, ja gar umb Leib ond Gut gebracht, zugleich mit dem Recht Roͤmiſcher Frei⸗ heit auch die Ehr deß Römiſchen zunahmens verlohren. Vnd dieſen Leuthen zwar ſchreiben wir ins gemein die ſchuld jhres ongluͤcks ſelbſten zu, wir vnnahmen ſie mit jhrem elend, vnd werffen jhnen jhr Creutz vor, wir be⸗ ſchuldigen ſie deß namens, zu welchem wir ſie ſelbſt ge⸗ zwungen ond getrungen haben, ond nennen ſie abtruͤnnige widerſetzliche Rebellen, da wir jhnen doch zu ſolchen laſtern ſelbſt orſach gegeben haben. Dann was hat anderſt die 11 5 1 Bagauden gemacht, als onſere ſelbſt eigene vnbillichkeit ond vngerechtigkeit, die boßheit vnſerer Landrichter, vnd der jenigen Amptleut raubgierigkeit, ond dannenhero ruͤh⸗ rende leichtfertige Landsverweiſungen ond[de] verbannun⸗ gen onſchuldiger Leut) die da die gemeine Schatzungen in jhren privat Seckel geſtoſſen, ond deß Lands tribut zu jrem eigenthumb ond raub gemacht? die da, gleich wie grimmige Thier, die jhnen ondergebene Vnderthanen nicht regiert, ſondern vielmehr verſchlungen, ond ſich mit den Beuten ond Guͤtern der Menſchen nit begnuͤgt(wie ſonſt andere Rauber pflegen) ſondern ihren luſt an deroſelben zergliederung geſucht, ja gleichſamb in jhrem Blut ge⸗ badet haben? ond dannenhero iſts kommen, daß die durch vnſerer Richter vnd Amptleut Geitz ond ſchinderey auß⸗ gemattete, verderbte Vnderſaſſen angefangen, gar Barba⸗ riſche vnnd gleichſam verwildete Leut zuwerden, weil man ſie nicht Roͤmer wolte bleiben laſſen. Dann ſie wolten lieber dz jenige ſein, daß ſie nicht waren, weil man ſie nicht bleiben lieſſe, wz ſie waren, ond waren leyder genot⸗ trengt, weil ſie ja jhre Freyheit gaͤntzlich verlohren ſahen, zum wenigſten doch jhr Leben zubeſchuͤtzen. Vnd wz thut man noch auff dieſe ſtund anderſt, als eben dieſes, was man auch vor dieſem gethan, daß nemblich die, ſo noch keine Bagauden oder Rebellen ſein, dieſelben noch werden muͤſſen. Dann ſoviel die gewaltſamkeit, den onbill vnd ſei] das vurecht belangt, ermangelt vnſerer ſeits daran gar nichts, daß die Vnderthanen nicht hierdurch zum abfall gezwungen, ſich zuwiderſetzen willens gnug hetten, nur allein am vermoͤgen vnd an kraͤfften mangelts ihnen, daß ſie es ins werck nicht richten koͤnnen. Vnd ſoviel von dieſem, was die Obrigkeit belangt, darbey man ſich dann uicht auffzuhalten gedenckt mit denen fragen, ob ond wie fern Vnderthanen, ſonderlich Land⸗ ſtaͤnden, gegen ein ſolche Regierung die defensions mittel erlaubt ſeyeu? ſondern gleich wie man dem gemeinen Poͤffel ond Bawren alle gegenwehr abſpricht, alſo will man auch Fuͤrnehmen hohen Landſtaͤnden, Regiments gliedern, ond mit Haͤuptern, auß denen jener Praͤdicant zu W. dem Antichriſt ein Fuchßſchwantz zu ſtreichen, gern 5 auch Bawren machte, ond jhre auffſicht behm Regiment vnd bey jhrer Freyheit vor ein Bawrenkrieg außſchreyet, jhr Recht oder Herbringen, ſo wol als der Obrigkeit jhr gebuͤr vndiſputirt laſſen, vnd zu dem andern nemlich zu der vngehorſamen Vnderthanen widerſetzlichkeit ſchreiten: da wir dann weitleufftiger beybringung eines oder andern Exempels auß den Hiſtorien[es] nicht bedoͤrffen, angeſehen dieſes Buch jhm ſelbſt Exempels vnd Beyſpiels genug iſt, auß welchem, gleich als auß einem onverfelſchten Spiegel, der vnbeſonnene Poffel den außgang aller Auffruͤrer vnd Auffwickler zuerſehen, Sonderlich aber haben diejenigen, deren Voreltern etwan vor Jahren alſo gehauſet, hierauß zu erlernen, wie ein ſtarcker eyferiger Herr, GOtt der All- maͤchtige ſey, der der Vaͤtter miſſethaten, biß ins dritte vierte Glied heim ſucht, ond(wie der weiſe Mann ſpricht) omb deß Volcks ſuͤnden willen viel verenderungen der Fuͤrſtenthumber vornimbt: Solche haben jhnen dieſem nach wol zu gemuͤth zufuͤhren, wie hoch ſie ſich verſuͤndigen, wann ſie etwan auß onbedachtſamer ongedult, jhren Herr⸗ ſchafften fluchen, denſelben die allgemeine Landſtraffen zu meſſen, die doch ſie vnnd jhre Vorfahren villeicht ſelbſten mit jhrem vugehorſam ond ſtetigen murren gegen fromme Obrigkeiten, mit ihrer vnerkentſamen ondanckbarkeit gegen GOtt fuͤr verleyhung trewer guͤtiger onnd wolmeinender Landvaͤtter ond Regenten, hiebevor verdienet haben, wie es dann ſicher gemeinlich alſo hergehet, daß mehrtheils die jenigen Vnderthanen am meiſten ſich beſchwe⸗[fi ren, denen am aller wolſten iſt, ond die da nicht wiſſen, was ſie klagen, oder wz ſie haben, biß jhnen Gott etwan fromme Obrigkeiten entfuͤhret, vnd jhnen an deren ſtatt neben dem Grewel der verwuͤſtung grawſame onerſettliche wuͤterich ond Tyrannen ober den Halß ſchickt, da dann eben diejenigen, die wol zuvor all augenblick jhren recht⸗ meſſigen Oberherrn widerbefftzet, nicht den muth haben, daß ſie nur mucken doͤrffen, alſo gar ein verwegenes vnd doch zugleich ein verzagtes ding iſt es vmb deß Menſchen Hertz, wie der Prophet ſagt. Vnd dergleichen ſtoͤrriſcher meiſterloſer Vnderthanen ſeind noch newlich erſt in etlichen vom gemeinen onweſen allerdings onberuͤrten, ond mit 6 allem vollauf geſegneten Landen, viel gefunden worden, denen ja, wie man ſpricht, kein Schuhe gerecht iſt, ſondern die da auff alles Gewitter GOttes, auff alle vnd jede befehl ond verordnungen jhrer vorgeſetzten Obrigkeit ſchel⸗ ten, ja gar mit außjagung derſelben vnnd mit Bawren⸗ kriegen ongeſchewet offentlich troͤven doͤrffen. Aber ſolche Leut ſehen nur zu, daß ſie Gottes Raach nicht auch vber⸗ falle, wie hiebevor etwan jren Voreltern, ond noch newlich erſt jhrer Nachbawren etlichen widerfahren, daß nemlich jhnen jhre[2] rechte Obrigkeit entzogen, ond das Land frembden Voͤlckern preiß gegeben werde. Vnd heltet man darfuͤr, eben ſie, die jetzo ſo ſehr wider jhre Obern bochen ond murren, wuͤrden alsdann auff ſolchen Fall, den man jhnen jedoch nit wuͤnſchete, vielleicht nicht das Hertz haben, daß ſie dem gerinſten Troß im geringſten einreden doͤrfften. Dieſen ond allen jhres gleichen nun, ſey gegenwertiges Buͤchlein, ſich darin zu ſpiegeln, zum Newen Jahr ge⸗ ſchenckt, welches alſo vom Authoren erſtlich in Teutſch, bald nach vorgangener darin beſchriebener Bawren vnruhe, geſtelt, auff einem hohen Dumſtifft einer Fuͤrnehmen Teut⸗ ſchen Statt in einer alten glaubwuͤrdigen Handſchrifft ge- funden, ond jeder menniglich zur nachricht vnd warnung hiemit in offnen Druck gegeben worden. Gott verleyhe, daß ſich jhrer viel darauß beſſern. 1 le Vorrede deß Gefchichtſchreibers. Intemal in allen Beſchreibungen vnder allen Menſchen handlungen, kein grawſamer vergiffteter Laſter begriffen noch gezehlet wird, dann wo ſich die jenigen, die in einem Hauſe, in einer Statt, zu einer Gemeinſame oder Burgerſchafft, in einer Herrſchung ond Regierung wohnen ſollen, ſich gegen ond wider einander in mißhelligkeit, zwi⸗ tracht, vneinigkeit ond Empoͤrungen begeben, wie dann ſolches vielfaltiglich geſpuͤret vnd erfunden wird, auch bey den Roͤmern, ſo die fuͤrnembſte Regierung in der Welt gehabt, zwey gute ding, die wenigſte, das iſt, groͤſte vbel, klaͤrlich anzeigen: Dz eine, Da der Lucius Catilina, von 7 angeborner Arth, ein hochtraͤchtiger geſchlechter, aber ſonſt ein argliſtiger Ehrngeitziger Menſch, vnd verſchwender alles ſeines Vaͤtterlichen Erbs, die groͤſten ſorgen durch heim⸗ liche Sedition, vnd zu letzt offentliche Auffruhr, mit ſeinem Anhang, dem Romiſchen Rhat einjagt: Dz ander? Daß die lang herbrachte Verwaltung deß Vaͤtterlichen Buͤrger⸗ lichen[82 Regiments, durch eingewurtzelte Ehrnvergun⸗ nung vnd Haß, deß Keyſers Iulij Ceesaris vnd Pompeij, zertrent vnnd in gantzen Abfall gefuhrt worden. Vnd dann auch ſolche Laſter von dem Allmaͤchtigen Gott hoͤchlich verhaßt vnd zum offtermal ſchwerlich geſtrafft worden, darzu auch niemaln zu gewünſchtem fuͤrgenommenem End koͤnnen gebracht werden. Als man dann deſſen ein ſchon warhafft Exempel auß d' H. Goͤttlichen Schrifft fuͤrwenden mag. Da d' Boßhafftig Core, der von gutem Adelichem herkommen, wol beredt vnd geſchickt, das Volck(welches von Arth bald glaubig) durch ſein geſchwetz leichtlich zu bereden vnd zu bewegen, dem frommen von Gott außer⸗ wehlten Mann Moſen, ſeines gluͤcks vergoͤnnet, reitzt das Volck wider denſelben, braucht alle argliſtigkeit, damit er dem Moſe ſeine Herrſchung vnd Regiment entziehen moͤchte, bracht alſo zween nicht die geringſte Iſraeliter Datan vnd Abyran, denen er groß Reichthumb vnd Ge⸗ winn verhieß, auff ſeine part, vnd auff ſeine ſeiten zu ſtellen, welche beede ihrer widerſtrebung halb, vom Erdt⸗ reich, in beyſein deß Volcks, verſchluckt, vnd Core der Hauptſacher, mit drithalb hundert Maͤnnern, ſeiner Ge⸗ ſelſchafft, vom[hi] Himliſchen Fewer ſchnelliglichen ver⸗ zehrt worden, Darob der Poͤfel ein vertruß empfieng, murmelten vndereinander, vnd hatten ihn fuͤrgenommen, wider den getrewen vnd Gott geliebten Moſen ſich zu empören vnd auffzuwerfen, aber ihr wurden gleichergeſtalt 14700. Durchs Fewer außgedilgt, vnd wo Gott der Herr von Moſe vnnd Aaron, durch jhr flehenliche bitt nicht erbetten worden, were das gantz Volck, dieſer eintzigen Sund halbeu, deren Gott ſo hoͤchlich zu wider iſt, ver⸗ derbet vnd zu grund gangen. Vnund aber in dem Jahr, ſo man zahlt von der Geburt vnſers Seligmachers JIEſu CHriſti, fuͤnffzehen hundert zwantzig fuͤnff, Iſt die wun⸗ derbarlichſt, grewlichſt, gefehrlichſt vnd gantz geſchwinde empoͤrung, auffruhr ond widerſetzung der Vnderthanen ge⸗ gen jhren Obrigkeiten, ſonderlich Hochteutſcher Nation, onverſehentlich ond ſchnell erwachſen, dergleichen ſich nirgent an keinem ohrt, bey Menſchen gedaͤchtniß, ja aller Hiſtorien, erreget ond zugetragen hat. So werd ich, als der die ding zum theil geſehen, zum theil onverfaͤlſchet gehoͤrt, auch ſonſten von andern glaubwuͤrdigen Leuten, gewiſſen onzweifenlichen bericht empfangen[ge] Damit ſolche grew⸗ liche ſchwere Sachen, zu fuͤrbildung der Nachkommenden Ingepflantzt werden moͤgen, gevrſacht, ſolcher Auffruͤriſchen Bawprenſchafften, beſonderlich deren, ſo ſich behm Rhein, im loͤblichen Fuͤrſtenthumb der Pfaltz, die, meines Erach⸗ tens gaͤntzlich verblendt geweſen, onzehliche, onerbarliche, freventliche, muthwillige, Eydpruͤchige Thaten, etlicher maſſen vnd zum theil, Summariè anzuregen, ond zube⸗ ſchreiben. Doch hab ich mir fuͤrgenommen, zuvor die Geſchicht der Bawren, die ſich erſtlich an der Thonaw, dem Boden⸗ ſee, im Allgaͤb vnd andern vmbliegenden ohrten, auffge⸗ worffen, ond was durch den loͤblichen Bundt zu Schwa⸗ ben, gegen denſelben gehandelt worden iſt, kuͤrtzlichen zu— oberlauffen. Dann je eins auß dem andern gleich wie ein vergiffte Peſtilentziſche Lufft, gefloſſen. 110 Das Erſte Capitel. Wie ſich erſtlich die Vffruhr im Hegaw ond anderswo, erhaben. ( Achdem zu Anfang deß obgeſchriebenen Jahrs, ſich die Arenzene in der Luͤpfiſchen Graffſchafft im Hegauw, ond daſelbſten ombhero, nach der hand, lang ver—⸗ ſambleten, ond jhrer Obrigkeiten etliche puneten ihres ge⸗ fallens zu endern ond offzurichten, vorhielten, auch endlich deſſelben mit gewalt, ein Außſchlag haben wolten, iſt daſſelb an die ombligende Gemeindten ond dorffſchafften erſchollen, ond demnach in das Algauw gekrochen, zu wel⸗ 9 chem etliche der endts geſeſſene Prwlaten mit ihrer ver⸗ gwaltigung der Vnderkhanen, die ſie nit als Schaͤfflein gewehdet, ſondern als Hund geachtet, wol moͤchten orſach gegeben haben, ſind derhalben mehr als an einen ort zuſammen gelauffen, ſich wider jre Herrſchafften, ohnbe⸗ trachtet jrer ehren, geleyſter pflicht vnd Eydten, geſetzt, im Algaw, off der Alb, ond vmb die Statt Vlm, gehaufft, ond die ſachen alſo weit eingeriſſen, dz deß loͤblichen Bundts zu Schwaben Staͤnde, deßgleichen vnd dieweil d' 2] Durchleuchtig Hochgeboren Fuͤrſt, Hertzog Vlrich von Wuͤrtenberg, mit einem verſambleten Heerzng, ſein ver⸗ lohren Fuͤrſtenthumb, wiederumb gewaltiglichen zuerobern, fuͤhret, ein tag gehn Vlm anſetzen, der endts ſie durch jhr anſehenliche treffenliche Bottſchafften erſchienen, ond wie den dingen zubegegnen, ſtattlichen berathſchlagen lieſſen, verſambleten ein Heer zu Roß vnd Fuß, mit aller Nottuͤrfftiger bereitſchafft, Ordneten den Wolgebornen vnnd hochberuͤmbten Mann, Herrn Georg Truchſeſſen, Freyherrn zu Waldburg, ꝛc. Zum oberſten General Feldhauptman, darauff er ſich mit ſeinem Heerzug, gegen Hertzog Vlrichen verfuͤgt, in die voͤllige Gegenwehr geſtanden, dardurch ge⸗ melter Hertzog von ſeinem Vornemmen abgetrieben, ſein Heer zertrennt, ond dahin geſchafft, daß es zu weichen gendtiget worden, wiewol er etliche Staͤtt ond Flecken deſſelben Fuͤrſtenthumbs, von Rohtweil herab, biß gen Stutgart erobert ond Eyngenommen gehabt. Das 2. Cap. Welcher maſſen durch die Bundsſtaͤnde gegen den offruͤriſchen Bauern zu handlen angefangen. Eben dieſem, ward von den Bundsraͤhten guͤtliche Leeden mit den verſamleten obwendig der Statt Vim, in hauffen ligende Baurenſchafften ge⸗ halten, doch nichts deſto weniger Herr Georg Truchſeß, Oberſter Feldhauptman, den Ernſt gegen jhnen zu ge⸗ brauchen, verordnet ward, zoge alſo am Donnerſtag nach dem Sontag Lætare, mit allen Reyſigen vnd dem Fuß⸗ 10 volck vor, in willens, gegen den offruͤriſchen Bauern ſo anff dem Ried, zwiſchen[3] Vlm ond Bieberach, an 12. oder 14000. ſtarck gelegen, mit dem Ernſt zu handlen, laͤgert ſich mit ſeinem Heer auff ein halb Meil Wegs, an ſolche Bauren, alſo biß man ſich(weil ſolche Ehrver⸗ geſſene Bauren auff jhrem mutwilligen Fuͤrnemen ſo gantz beſtaͤndiglich verharten, ond in mittels der Bundtiſchen Knecht, ſo auff die Beuth ond Pluͤnderung lieffen, viel erſtachen, deßgleichen etliche vom Adel, ohne Anſehen, er⸗ wuͤrgten, vil Kloͤſter ehnnamen, dieſelben verwuͤſteten, vnd ſich nichts dann alles Frevels, Mutwillens ond boͤſer Stuͤck beflieſſen) zu einer Feldſchlacht verſehen hatte, vnd aber die Bauren ſolches innen worden, brachen ſie in der Nacht, mit dem gantzen hellen Hauffen auff, zogen vom Bundtiſchen hinweg, theten ſich ins Kloſter Marckthal, verwuͤſteten ond pluͤnderten daſſelbig allerdings, dahero Herr Georg jhnen ohngeſaumbt mit ſeinem gantzen Heer nach reyſet, in gemuͤth ond meynnng, ſich mit jhnen zu ſchlagen, da die Bauren aber ein ſolches erfahren, haben ſie ſich, ohnerwartet, zertrendt, ond verlauffen, daß niemand gewuſt, wo ſie hinkommen, das Gebirg ond Gehoͤltz fuͤr ein Mantel oder Schutz genommen. Das 3. Cap. Wie das Bnundtiſch Heer vor zwey Staͤtt⸗ lein, Leibheim vnd Guntzberg zu ziehen, ver⸗ ordnet worden. ff das hat ſich das Bundtiſch Heer auß befelch der Bundsraͤhte, widerumb auff Vlm zu gewendet, viel Doͤrffer onder wegen gepluͤndert, ond verbrandt, doch in denſelben allen gantz keinen Bauren betretten, Nach dem aber gemeldte zwey Staͤttlein, Leibheim ond Guntz⸗ berg, mit omb⸗[4] ligender Gegend aller Bawrenſchafften, ſchier biß gen Augſpurg, ſich zu den gedachten auffruͤriſchen Bawren geſchlagen, einer Part vud Verbuͤndtnuß waren, ſich den zweyen Hauffen, ſo ſich im Bodenſee ond dem Algaw erhaben, ond ebenergeſtalt empoͤrt, anhaͤngig ge⸗ macht, vnd endlich zuſammen verpflichtet hatten, ward das 1 Bundtiſch Heer, am Dienſtag nach Judica, vor ſolche zwey Staͤttlein zu ziehen, verordnet. Das 4. Cap. Die Bundtiſchen erſchlugen viel Bawern, ond jagten ihr viel in die Tonaw bey Leibheim. A u nun Herr Georg Truchſeß, Oberſter Feldhaupt⸗ man, den Zug dermaſſen fuͤrnam, iſt der Bundtiſch Reyſige Zeug, auff ein hauffen Bawren auf 6000. geſtoſſen, alsbald darauff gehawen, ond mit jhnen gehan⸗ delt, ond haben die Reuter ſolcher Bawern etlich tauſent erſtochen, etliche in die Tonaw gejagt, die ſich ſelbs er⸗ traͤnckt haben, Es ſind jhr auch viel gefangen worden, alſo, daß ein gar kleine Anzahl fluͤchtig davon kommen, Darneben ſeind an bemeldtem Dienſtag, an 130. Pferdt, faſt alle Heſſiſche Reuter, von Vlm auß, ober die Tonaw, gegen dem Dorff Nauwe, zugeſchickt worden, die Bawren, ſo ſelbiger Orten denen zu Leibheim zuziehen ond zu huͤlff kommen wolten, abzuhalten, ond mit jhnen zu handlen: Welchen Reyſigen dann darauff 800. mit Buͤchſen vnd guten Wehren wol gewapnet, auffgeſtoſſen, alſo ſie auff dieſelben Bawren eyngeſetzt, ſolche zertrennt, deren in der Flucht bey drithalb hundert erwuͤrgt, erſtochen, an die zwey hundert gefangen, die obrigen dermaſſen geaͤngſtiget, daß ſie anff ein Riedicht Ort entrunnen, ond ſich daſelbſten [5] ſalviert, derohalben die Reyſigen, von ſolchen ober⸗ bliebenen, abſetzen, ond ſich widerumb zum Hauffen be⸗ geben muͤſſen. Das 5. Cap. Wie Herr Georg Truchſeß die zwey Staͤttlein erobert. IN deme iſt Herr Georg, er. Mit allem Kriegssvolck, Jun Roß vnd Fuß, wol geruͤſt ond geſchickt, ſampt not⸗ tuͤrfftigem Geſchuͤtz, fuͤr das Staͤttlein Leibheim gezogen, daſelbſten ſich die Innwohner alsbald, auff beſchehen er⸗ fordern, in deß Bundts Gnad ond Vngnad ergeben, deß⸗ 12 gleichen iſt es mit Guntzberg auch zugangen, wie dann auch viel Doͤrffer derſelben Art vnd Revier vmb gnad ge⸗ betten, Die ſeind alleſampt in deß Bundts Gnad ond Straff angenommen, auch darauff etliche Capitainer ond Raͤthlinsfuͤhrer außgeſondert, zur ſtraff verwahrlich ent⸗ halten, nachmals zum theil gehenckt, zum theil gekoͤpfft ond ſonſten geſtrafft, ond dann Leibheim den Fußknechten, der Fleck Guntzberg aber den Reyſigen zu pluͤndern ver⸗ hengt ond geſtattet worden. Das 6. Cap. Wie guͤtliche Vnderhandlung gepflogen. Nter ſolchem haben die Herrn vom Kehyſ. Regiment, Jauch etliche Oberlaͤndiſche Staͤtt, als Coſtnitz, Mem⸗ mingen, Biberach, vnd andere mehr, omb guͤtliche Vnderhandlung bei den Bundts Raͤthen zu Vlm, geſtalt ſie dann auch durch jhre Geſandten erſchienen ſind, ange⸗ ſucht,[6] deßgleichen etliche Perſonen von dem obern Hauffen am Bodenſee ond im Algaw, als ein Außſchuß, off verglaitung, gen Vlm zu kommen, aber nichts frucht⸗ barliches gehandelt, noch die ding in einigen ruͤhigen Stillſtand gebracht noch gethaitigt werden koͤnnen, ſondern alſo vffzuͤglich blieben. Das 7. Cap. Deß Balderingſchen Hauffens Fuͤrnemmen. IN demſelben haben ſich die Bauren auff dem Ried, Jes Baldringen, ſtarck wider verſamlet, vnd denen iſt von beeden Hauffen, vom See vnd Algaw, ein merck⸗ licher Zuſatz beſchehen, die haben mitler weil, den Graffen Herren vnd vom Adel, viel Haͤuſſer vnd Schloͤſſer abge⸗ rungen, dieſelben gepluͤndert vnd zerriſſen, auch zum theil abgebrandt, jhr Bruͤderliche Lieb, deren ſie ſich hoch be⸗ ruͤhmbten, beſonders in vnſerm Heyland Jeſu Chriſto, mit allen grimmigen boͤſen Stuͤcken, gantz Tyranniſcher weiß, bewieſen, die vmbligende Kloͤſter beraubt, verwuͤſt, was gantz darin gefunden, zerſchlagen, allen mutwillen 13 geſtifft, anders nicht gehandelt, als Leuth die weder Gott, der Welt, noch der Ehren achteten, derohalben ſich Herr Georg Truchſeß mit allem habenden Kriegsvolck, nach er⸗ oberung der zweyen vorgeruͤrten Flecken, auch vollbrachter Straffen, der Vnderthanen, ſolche art gegen dem Boden⸗ ſee vnd Algaw auch vorgenommen, vnd der endts gegen den vffruͤriſchen Feinden mit allem Fleiß, taͤglich gehandelt. Das 8. Cap. Die ander Schlacht, bey dem Staͤttlein Wartzbach. zelches ſich auff den Carfreytag verzogen, an wel⸗ Iden Tag, gegen Abend, vmb 5. phren, Herr Georg Truchſeß, der vffrüriſchen Bauren, bey ſeinen zuge⸗ hoͤrigen Staͤtten einer, Wartzbach genandt, 2. oder 3. Meil Wegs ob Bieberach gelegen, biß an die 7000. erſchlagen, ond als er ſich bey den Gefangenen erlernet, daß auff 3. Meilen davon, nemlich zu Wingerten, bey Ravenſpurg gelegen, noch an die 8000. Bauren bey einander verſam⸗ let weren, iſt er am nachfolgenden Sambſtag, den Oſter⸗ abend, zu morgen, mit dem gantzen Heer auffgebrochen, ſolchen hauffen Bauren zu ſuchen, Demnach ſich aber die⸗ ſelben Bauren eben deſſelben morgens, von ongefehr, zu Wingerten erhaben, in willens, dem hauffen Bauren, ſo Herr Georg mit ſeinem Kriegsvolck bey Wartzach geſchla⸗ gen, zu zuziehen ſich gegen die Buudtiſchen zu ſtaͤrcken vnd zu rechen, Da iſt der Herr Georg deroſelben Bauren im Feld, durch ſeine Kundſchafft(geſtalt ein ſolcher er⸗ fahrner, wolgeuͤbter, fuͤrſichtiger Hauptman jederzeit anzu⸗ richten, ond die Kriegsſachen ond Geſchaͤfft, zu jederzeit erfordern, zu beſtellen weiß nach der alten Kriegsregul, daß gute Kundſchafft, halber Sieg ſey,) gewar worden, Vnd als er mit der Schlachtordnung in ſie ſetzen wollen, ſind ſie auff ein groſſen Ried entflohen, alſo, daß er mit ſeinen Reyſigen mit nichten zu jhnen kommen moͤgen, je⸗ doch jhnen onder dieſem mit dem Geſchuͤtz groſſen Abbruch gethan, auch iſt die Nacht hereyn gefallen, daß derowegen Herr Georg dieſelbe Nacht nichts weiter außrichten koͤnnen, 14 ſondern vom Handel ablaſſen muͤſ⸗ 8] ſen vnd ſich gleich daſelbſten zum allernaͤchſten bey jhnen, mit dem Heer nidergeſchlagen, ond den Nachtlaͤger genommen, der mey⸗ nung, auff den andern folgenden Morgen weiter mit jhnen zu handlen. Das 9. Cap. Wie gegen den Bodenſeehiſchen ond Algawiſchen Bawern gehandelt worden. Vff den 17. deß Monats Aprilis, hat ſich der Mann⸗ lich Herr, Georg Truchſeß Oberſter Feld Hauptman, widerumb mit ſeinem ondergebenen Kriegsvolck er⸗ haben, zunaͤchſt auff den Bodenſeehiſchen vnd Allgawiſchen Hauffen gezogen, Als er nun gen Bayersfurt kommen, ſeind die beede Hauffen innerhalb der Schuſſen, auff der Hoͤhe, neben dem Berg, in groſſer Summen gelegen, ond etliche Wingert eyngehabt, ehe aber Herr Georg das Kriegsvolck vnd Geſchuͤtz zu Bayersfurt durch ond ober bringen moͤgen, haben ſich die Feind wider eylendts vber die Schuſſen gethan, durchs flache Feld, auff Wingerten geruckt, welche der Reyſig Zeug angreiffen wollen, aber Herr Georg, omb vrſacheu, ſolche Bawren auff 16000. ſtarck, ond viel verſuchtes gutes Kriegsvolck darunder ge⸗ weſen, zu deme, das Geſchuͤtz ſo ſchnell an ſolche Bawern zu bringen, nicht wol moͤglich, er Hauptman als ein ver⸗ ſtaͤndiger, verſuchter, fuͤrſichtiger Hauptman, ſo ferr bedacht, die merckliche Gefaͤhrlichkeit, Schimpff ond Spott, ſo viel⸗ leicht darauß entſtehen moͤcht, jhn den Reyſigen zu der Zeit einigen Angriff keines wegs zuerſtatten, noch etwas thaͤtlichs fuͤrzunemmen verhengen wollen, dargegen ſich aber mit hoͤchſtem fleiß bearbeitet, wie er das Geſchütz in ſie bringen, welches er ſchnell in ſie gericht, jhnen damit mercklichen abgebrochen, ond viel ſchadens zugefuͤgt, onter⸗ deſſen iſt deß wolgebornen[9] Graffen, Hanſſen von Montfort, deren von Ravenſpurg Geſandten, der Kreglein vnnd Stattſchreiber, auch Wolff Gemlich ankommen, ond die thaͤtliche Handlung, durch jhr fleiſſiges embſiges bitten ond onderhandeln, in ein Anſtant gebracht ond gethaitiget 15 worden, Herrn Georg Truchſeſſen zum euſſerſten vnd hoͤchſten bittend, als viel moͤglichen, ſolchen Chriſtlichen Menſchen Bluts gnaͤdig zu verſchonen, ond die beede Hauffen bey deß loͤblichen Bundts hie vorn fuͤr geſchlage⸗ nen Mitteln, verbleiben zu laſſen, welches Herr Georg zu letzt angenommen, ond beede Hauffen dahin gebracht, daß jhre Hauptleut vnd ſie, jhne Truchſeſſen omb verzeyhung vnnd gnad gebetten, ihm auch all jhr Faͤhnlein vberant⸗ wortet, ſeind darauff folgenden Tags, die Vertraͤg ge⸗ buͤrender maſſen daruͤber offgericht worden, die Hauffen ſich darnach getrennt, ond voneinander gezogen. Das 10. Cap. Wie vnd welcher geſtalt ſich dieſes Vbel erweitert. Ls nun der tauſentfaltige Werckmeiſter Satan, der, wie Chriſtus von jhm meldet, ein Moͤrder, Todſchlaͤ⸗ ger vnd Luͤgner, ein Feind Menſchliches Geſchlechts, vnd Stiffter alles Vbels vnd Zwitrachts, vnder ſolchen beſchwerlichen gefaͤhrlichen, jhme aber wolgefaͤlligen Hand⸗ lungen, als der pff ſeinen Raub vnd Gewinn hoffet, keines wegs feyret, bracht er zu wegen, daß durch etliche ſeine anhangende Diener, wie dann man ſie auß jhren Fruͤchten erkennet, under dem ſchein deß H. Evangelij (welches warlich, in rechtſchaſfener Betrachtung, ein Troſt aller ſuͤndigen vnd beſchwerden Gewiſſen, darzu ein Spie⸗ gel aller Gehorſamen,) Als nemlich in geſtalt alles gu⸗ ten,(gleich wie er vnſern erſten Eltern gethan, dieſelben betro⸗[10 J gen, vnd von Gott dem Allmaͤchtigen abzu⸗ weichen verreitzt hat,) etliche vffruͤriſche Artickel, mehren⸗ theils auff die Freyheit deß Fleiſches gericht, allenthalben Teutſcher Nation außgebreitet worden, welche meines er⸗ achtens, von einem verkehrten Mann, zu Muͤlhauſen in Tuͤringen, Thomas Muͤntzern, vrſpruͤnglichen hergefloſſen, wie dann derſelb zu jederzeit bey den Hauffen durch ſeine Bottſchafft, die fürnehmſte Practick vnd Anſchlaͤg dieſer Sedition gehabt, vnd zum Werck gericht. Nach dem aber der gemeyn Poͤfel, ſo ohne das ſelbs zur Freyheit geneigt, 16 vnd lieber meiſterloß, als in Gebotten vnd vnderthaͤnigkeit lebet, gemelte Artickel mit begierigem wolgefaͤlligem Her⸗ tzen angenommen, wuͤrden etliche vnd der mehrertheil, in ihrem vorigem boͤſen Fuͤrnemen geſtaͤrckt, etliche hingen dieſen Artickeln gantz eyferig nach, andere begaben ſich pff uͤppigkeit. Jubilieren, vud alles leichtfertiges Weſen, ward der Handel hierdurch gantz von newem erweckt, faſt bey jedermann, an allen Orten vnd Enden, dann viel verfuͤhrt der Geitz, daß ſie groß Gut erlangen moͤchten, dergeſtalt, daß allenthalben die Vnderthanen vnd Gemeindten, vmb vnd omb, bey allen Herrſchafften ſich widerſetzten vnd ſich zu empoͤren vnderſtunden, In ſumma ddiß mercklich Vbel nam von tag zu tag augenſcheinlich pberhand, vnnd fraß vmb ſich allenthalben, wie ein vngeſtuͤmme Fluht, ward von ſolchen Leuthen weder Ehr, Pflicht noch Eydt bedacht. Das 11. Cap. Vom Vrſprung deß Odenwaͤldiſchen Hauffens. Il Nſonderheit erhub ſich durch anſtellung eines erbarn Juan Georg Metzlern, der ein Wuͤrth in eim Maintziſchen Flecken, Ballenberg genandt, auff dem 111] Odenwald gelegen war, hatte ſeine Tag mehrentheils mit ſpielen, praſſen, vnd allem leichtfertigem Weſen zu⸗ bracht, ein Rottirung vnd zuſammen lauffung auß allen vmligenden Orten, ſturmlichen zu hauffen, gleich wie die Bienen, wann ſie ſtoſſen. Namen obvermeldten Ar⸗ tickel vor die Hand, vnterm ſchein, das Wort Gottes dardurch zu beſchirmen, vnd gleichſam hand zu haben, hatten in willens, alle Goͤttliche, Menſchliche vnd lang herbrachte gnte Geſetz, Regierung, Ordnung, friedliches Weſen vnd eynikeit vmbzuſtoſſen. Verſamleten ſich vmb den Sontag Lestare viel Bawren, auß der Rodenburgiſchen Landwehr, vngefehrlich an die 2000. als zum anfang, darnach taͤglich, faſt alle ſtund, darzu noch ein gute Sum⸗ ma Pfaltzgraͤffiſcher, Maintziſcher, Wuͤrtzburgiſcher, Teutſch⸗ Herriſcher, der Edlen vnd andern Herrſchafften Bawren, im Schupffergrund, am Odenwald, ſtoſſen alſo in kurtzer 17 ü der gemelt Georg Metzler Haupt verord vnangeſehen ſie noch te Ordnung hatten, daß ſich an maſt, mit beſetzung Kriegsleuth nach jhrem an omb ſich zu greiffen, ond zwangen die andern i thun bey ond anhaͤngig jenigen die ſich deſſen wai⸗ jhnen zu hau uſen. Damit in 3 1 ſchrecklich gemehret. f lten, jhren be 04 8 di ſuchen, ond 7 Das 12. Cap. Wie ſie Mergentheim das Schloß ond die Statt, auch anders mehr e gen alſo auff Mergentheim, ein„ Flecken, n utſchen Herrn bean hoͤrig, ford Feen denſelben off. 8 127 die eynwohne lende Buͤrger vor 0 der Ober⸗ vid erſpenſtig, dann kurtz verſchiener Tagen, bey 500. Büthe r, dem Apt zu Schönthal in ſein Hoff daſelbſten gefallen, zween Tag ond zwo Nacht darinn gelegen, an die 1 ae Wenns außgetruncken. Nach dem ſie nun Herrſchafften zu red geſtellt, ond Fuͤrnemmen were? geantwortet, ſie wol⸗ ten das zbuch haben, vnd drauſſer thun, was ſie on⸗ billich dencht. Darauff ſolcher Hauffen Bawren, ohne ſonderliche Nötigung inngelaſſen worden, fielen ins Schloß daſelbſten, ond dieweil ſie da ein zimliche, ja oberfluͤſſige Proviant funden, lagerten ſie ſich etlich Tag der endts 5, praſteu vnd ſchlempten, theilten was jhnen dienlich onder ſich„ oberlieffen auch all vmbl igende Anſtoͤſſer, geſtalt ſie dann etliche Graffen, Herrn, Edle vnd andere ins gemeyn au e auff jhre Seiten d bringen, Namen das Schloß obwendig Mergentheim, d en Teutſchen Herrn zu⸗ ſtßändig, das Teutſchhauß genannt, gewaltiglichen inn, plünderten ond brandten daſſelbig im boden auß, onder ond bey ſolcher 9 8 Har e waren auch ſolcher teutſchen rren eygen gebroͤde„verlobte ond geſchworne 2 18 Diener, ꝛc. Darnach haben ſie das Kloſter Schoͤnthal auch inngenommen, die Mönch reformirt, ihnen alles, was ſie im Kloſter guts hatten, als Frucht, Wein, Eſſen⸗ ſpeiß, Viehe, Haußrath vnd anders genommen, jhre Ge⸗ ſang: vnd andere Buͤcher zerriſſen, die Fenſter außge⸗ ſchlagen, vnd alſo[13] jhr Bruͤderliche Lieb gegen den guten Herren nach Tuͤrckiſcher Art, erwieſen vnd mitgetheilt. Das 13. Cap. Was ſolcher Hauffe gegen dem Graffen von Hohenloe gehandlet. Trebten alſo fuͤr baß in die Graffſchafft Hohenloe, off Ehringen, welcher Graffen Bawren im Hohen⸗ loeiſchen Lande den Flecken Ehringen ſchon innge⸗ nommen, vnd den Rath daſelbſten zum theil in Thurn geworffen, ꝛc. Dieſe geſelten ſich zu denſelben, zogen mit⸗ einander am Montag nach Judica, nachher Newenſtein, allernaͤchſt darob gelegen, in welchem Flecken Graff Albrecht von Hohenloe ſein gewoͤhnlich Haußhalten gehabt, namen das ehn, Nach dem nun gemeldter Graff, ſampt ſeinem Bruder, Graff Georgen, hinweg kommen, haben ſie die Bawren das Schloß ohne ſondere noͤtigung in jhr Ge⸗ waltſam bracht, darin ſich deß Graffen Gemahlin ſinden laſſen, dieſelb iſt dem Oberſten Capitain zu Fuß gefallen, verhoffentlich durch jhr klagendliche Bitt, etwan milderung bey jhnen zufinden, jhr aber kein erbaͤrmbt ertheilt, ſon⸗ dern die ſach dahin verhandelt worden, daß beede vermelte Graffen, am nachfolgenden Tag, zu jnen Bawren, gehn Newenſtein eynkommen, mit den Bawren handlung pflegen. Darauff miteinander in das frey Feld gezogen, alles Ge⸗ ſchoß,(geſtalt zu Ehringen auch beſchehen) was im Schloß ond Flecken geſtanden, mit jhnen genommen, den Graffen vorgehalten, Es were gegenwertigen Regiments vnd hellen Hauffen, ernſtlicher will ond meynung, daß ſie beede Graffen, die 12. Artickel, ſo ſie von Schoͤnthal anhero geſchickt, annemmen ond geloben, auch alle die jenige, die ſie gefangen hielten,[14] ond Buͤrgſchafft hetten thun muͤſſen, frey, ledig ond loß geben ſolten, mit beger, daſ⸗ 19 ſelb alles vonder jhren Brieffen ond Siegeln, zu ver⸗ ſprechen ond zu bekraͤfftigen, hundert ond ein Jahr zu halten? Welches dann alſo von den Graffen angenommen worden. Darauff die Bawren zu einer Pomp ond Pracht, alle Rohr abgeſchoſſen, die Graffen vmb das außgefuͤhrt Geſchuͤtz beſprochen, daſſelb zu jhren handen genommen, darnach abgeſchieden, folgents, als ſie viel vom Adel vnd andere auff jhre ſeiten, die ſich zu jnen gebruͤdert, gebracht, auch zum theil darzu gendtigt, ſind ſie wider an die Tau⸗ ber gezogen, Biſchoffsheim eyngenommen, deßgleichen Lauda, das Schloß vnnd Statt, die Eynwohner auch in jhr Bruͤderſchafft genommen, das Schloß gepluͤndert, ond in boden außgebrandt, daſelbſten herumb gezogen, jr Laͤger etlich zeit zu Mergentheim gehalten. Das 14. Cap. Wie ſich ein Hauff vmb Hahylbron erhaben, und zu den vorigen gezogen. Eben dieſem iſt diß Geſpenſt weiter geflogen, ond ſind viel Bawren in ein Dorff, Flein genandt, vber Hayl⸗ bron gelegen, omb den Sontag Judiea, als ſie deß obvermelten Hauffens Handlung erſchmeckt, zuſammen ge⸗ lauffen, vngefehrlich an die 1200. die haben ſich in einer verſamlung durch den Furth, zwiſchen Haylbron ond Stut⸗ garten, iſt den Teutſchen Herrn zugehoͤrig, ober den Necker gethan, ond die Bawren dafelbſten zu Suͤntzheim zu jhnen gezwungen, fuͤrters gehn groß Gartach gezogen, dem Stifft zu Pruſſel etlich Wein, den ſie daſelbſten in jhrem Keller gefunden, außgetruncken, ſuchten alle vmbligende Dörffer au ſich zu ziehen, mit betrawung, wo es von jhnen nit guͤtlich beſchehe, ſie zu verderben,[151 erſchreckten alſo manchen Biedermann, der ſonſten vielleicht an ſeiner Herr⸗ ſchafft gehalten hette, daß er ſich, in meynung ſeinem Verderben ond Vnheil dardurch zu entkommen, zu jhnen bewegen ließ, ruͤckten daſelbſt von dannen gehn Bielſtein, vnnd Ottmar, Als es aber jhnen derendts, ihrem Fuͤrha⸗ ben nach, nit allerdings gefallen noch belieben wolt, haben ſie ſich wider auff Suͤntzheim zugewend, in die Doͤrffer, 2* Erlenbach, iderlichs außg ren auffzuweg r en gewand, zu dem Odenwaͤldiſchen eingene 1 5 11 Bei 15 ſeac 1 Tyranniſche begang W̃᷑ ein ſp Vn unen 9 . ein ei Schloß da tenthumb eyn wahnend de Buͤr⸗ r Erbar: deelichſ, t bald hr 102 9 Herrſchafft veruͤbet In dem ſie mit den hauffen Bawren zu Neckers Vlm, rob gelegen, Buͤrtenberg zuge der wider jhr ö 110 5 1 1 5 n im Luder ond aller üͤppigkei gelegen, mit ihnen allerhand gewechſelk ene pa. auch von uiemandten beſchwerdt, betrangt, ſondern vor 1 5 Herr einer guten anzahl Reyſigen, auff 1 N N Re die 70. Pferdt verſehen, waren gute, ehrliche, dapffere Leuth, die kurtzer tagen zuvorn vom Regiment deß Fuͤr⸗ ſtenthumbs Wuͤrtenberg, in beſatzung, das Schloß ond Flecken zu bewahren, jhnen zugeſchickt worden, darunder nachfolgende Graffen ond vom Adel geweſen, nemlich der Wolgeborne Graff, Ludwig von Helffenſtein, ie. Ampt⸗ man daſelbſten, ond die Edlen ond Veſten, Dieterich Weyher vnnd ſein Sohn, Hans Conrad Schenck, Vogt zu Vehingen, Baſtian von Awe, Georg Wolff von New⸗ hauſſen ond ſein Vetter, Friederich Eberhard Sturmfeder, Hans Dieterich von Weſterſtetten, Rudolph von Elters⸗ hoven, Burckhard von Ehingen, Philips von Bernhauſſen, Georg von Kaltenthal ond ein Hiernheimer, ꝛc. Richten deßmal gemelte Eynwohner zu Weinſperg, auß lauter eygenwilliger Boßheit, onnd[17] Teuffeliſchem eingeben, jhre Kundſchafft ond verrätherey mit den Solmiſchen Hauffen an, reitzten ond bewegten dieſelben zum Vorwitz, mit anzeig, was es fuͤr ein geſtalt omb die Reyſigen hette, brach alſo der Solmiſch Hauffe(weil jhnen zu ſolchem Dantz gut pfeiffen geweſen) in derſelben Nacht off, Zogen eylendts hinuͤber in das Weinſpergerthal, ond auff deß⸗ maligen Oſtertags zu morgen ongefehrlich vmb die 9. ohren, lieffen ſie mit 2. Hauffen, mit dem einen oben an das Schloß, mit dem andern an den Flecken, mit ſehr groſſem Geſchrey vnd vngeſtuͤmmigkeit, hawten vnd be⸗ wegten die Thor auff. Als nun die ehrliche fromme Herrn, Edeln vnd Reyſigen verrahten, vnd vngewarneter ding oberfallen waren, auch in keiner Wehr ſtunden,(dann ſie ſich dieſer Moͤrderiſchen that, gantz nicht verſehen, ſon⸗ dern alles guten vertroͤſtet hatten) ſondern im Flecken, bey den Burgern,(als die ſich wie geſagt, einer ſolchen groſſen Vntrew vnd verraͤtherey zu dieſen tre * 2 1 9 oloſen Boͤß⸗ wichtern, gar keines wegs verſehen) hielten, hat ſich ſolch Ritterſchafft zu mal, nach dem ſie zu rettung der Burger⸗ wacht zugeſchrien, die aber als die ſtumme Hund vnd Verräther, jhre Rohr in die Hoͤhe gehalten, kein Bawern beſchaͤdigen, viel weniger treffen noch erlegen wollen, das Schloß ſampt dem Flecken, ohn einige Noth oder Wider⸗ ſtand, in ſolchem erſten Anlauff auffgeben, in hoffnung E 2 22 zum wenigſten das Leben zu erretteu, daran aber dieſe loſe verfluchte Leuth gar nicht benuͤget geweſen, ſondern ihr Teuffelhafft Tyranniſch vornemen dißmal recht 0 ſagten ſie dieſen ehrlichen Leuthen onder augen, daß ihr beſchloſſen Consilium, das iſt, jr Vorhaben(welches ſie zur zeit alſo genandt) auff hundert ond ein Jahr, ond dermaſſen gericht vnnd geſtellt were, Daß ſie kein Fuͤrſten, Graffen, Herrn, Edelman, Reyſigen, vnnd was Sporen antruͤge, deßgleichen kein Pfaffen, Moͤnch noch Muͤſſig⸗ gaͤnger[18] leben laſſen, ſondern wo ſie die ankommen ond erlangen, alleſampt erwuͤrgen ond vmbbringen ſolten, 2c. Darauff alsbald(vielleicht wie etliche darfuͤr gehalten auß raach jhrer Chriſtlichen Mitbruͤder, die von den Bundtiſchen zuvorn ombbracht worden, geſtalt man daſſelb hernacher durch gewiſſe erforſchung von jhnen ſelbſt er⸗ fahren, auch dannenhero dem Adel ein ſonderbar Entſetzen ond Forcht einzujagen) haben ſie den wolernannten Graffen, Edeln ond Reyſigen angenommen, dieſelben miteinander freuentlicher, mutwilliger, onmenſchlicher weiß durch die Spieß gejagt, ond dieweil Dieterich Weyher von Leibe ein gerade mannliche Perſon, zu rettung ſeines Lebens, in den Kirchthurn geflohen, denſelben aber darin in der Hoͤhe erſtochen, ond alſo tod oben herauß, zu einem Schawſpiel auff den Kirchhof geworffen, da dann die ehr: ond trew⸗ loſe Buben in jhrer Boßheit dermaſſen ergrimmet, daß ſie die Reyſigen, ſampt den onſchuldigen jungen Reuterskna⸗ ben, alle biß off zween Knecht,(welche wol von angſtlicher noth ond darneben groſſem Gluͤck zu ſagen wuſten, ſich verſteckt, onnd ober etliche Tag heimlich darvon kommen ſeind) elendiglich erſtochen haben, damit ſie aber noch, ober alles ergangenes jhrem freygewagtem außgelaſſenen Mutwillen nachmaln ein genuͤgen theten, ond jhr Teuff⸗ liſch eingeben vollkoͤmlich verbuͤſen ond erluſtiren moͤchten, ſeind dieſe loſe, vom Teuffel angeſteckte Buben, zugefahren, ober all angeruffen erbaͤrmbd(ohn betrachtet, was ſie zu⸗ vorn mit der Ritterſchafft abgehandelt,) mit der ehrlichen viel tugenſamen Graͤffin von Helffenſtein, ond jhren jungen Herrlein(den ſie, vber alles Chriſtliches anruffen ond bitten, in ſein Aermlein verwundet) dermaſſen vmb⸗ 23 gangen, alles was ſie gehabt, genommen, daß ein ehrlie⸗ bend Hertz, ja ein rawen wilden Stein, der es geſehen, moͤcht erbarmet haben, daran ſolcher grauſamen Thaten 1191 manch from Hertz ſich zu ſpiegeln, ond ein Chriſt⸗ liches Mitleiden zu tragen, darneben zu betrachten, was fut Leuth ſolch Bawrenvolck, wann ſie die Oberhand er⸗ langt, ſeyen, dann das gemeyn vnd alte Sprichwort nicht leugt: Kein Meſſer nitmals haͤrter ſchiert, dann wann ein Bawer Edel, Herr oder Meiſter wird, welches an dieſen wol verſpuͤrt. Das 17. Cap. Deß Pfaltzgraͤffiſchen Marſchalcks Hand⸗ lung, gegen etliche Bawren. AANdeme hat ſich der Pfaltzgraͤffiſch Marſchalck, Wil⸗ helm von Haabern, mit einem Pferdt oder zwantzig, auff ermelts Graff Ludwigs von Helffenſtein erfordern, ond ſeines Herrn deß Churfuͤrſten beſeidts zu erwarten, von Moßbach auß, dahin er damals mit etlichen Pferdten verordnet geweſen, an das Ort Weinſperg hinuͤber gethan, in willens mit dem Graffen in Weinſperg etwas zu hand⸗ len, da er aber allernaͤchſt auff ein Berg darbey kommen, der handlung, ſo die Bawren oberzehlter maſſen gegen dem Schloß ond Flecken veruͤbet, innen ward, ond dem⸗ ſelben ein weil zugeſehen hat, wend er ſich wider naher Moßbach, zu ſeinen Reutern zu ziehen. Wie er nun deß Wegs ein theil geritten, ſtieß er auff ein Rott Bauren, an die 60. ond mehr, die hatten jhr gute Wehr vnd Harniſch, wolten ſich mit eim Reyßwagen zum hauffen verfugen, aber der Marſchalck, kam jnen den pfad vor, hawet mit den ſeinen drauff, erſtach ſie alleſampt, da wurden viel Pferdt in ſolchem Scharmuͤtzel wund, derhal⸗ ben nit allein die Bawren der endts, ſondern auch bey andern mehr Hauffen,[20] ſich trutziglich vernemmen laſſen, Sie wolten jhme dem Marſchalck, den Habern recht dreſchen, onnd ſolten ſie jhne vorm Churfuͤrſten im Schloß erſtechen. Das 18. Cap. Wie die Bawren von Weinſperg abgezogen, ond das Frawen Kloſter Lichtenſtern eingenommen. 8 Ls nun dieſe Biederleuth, doch wie die Bawren jre Asse tragen, jhres bedunckens, wol gehandelt, ond die ſachen, uach jhrem gefallen außgericht, den Flecken vund das Schloß beſetzt, ſeind ſie von dannen in das Frawen Kloſter, zum Lichtenſtern, bey Lichtenſtein gelegen, gezogen, daſſelb eingenommen, verwuͤſt, gepluͤndert, ond nach dem ein groſſe ſumma Weins darin gelegen, haben ſie den Faſſen, was ſie nit ſauffen moͤgen, die Boͤden auß⸗ geſchlagen, ond den Wein mutwilliglichen in die Erde lauffen laſſen, darneben die Wolgebornen Herren, Graff Ludwig ond Friederichen von Loͤwenſtein, Gebruͤder vber⸗ zogen, ond jhres gefallens mit dem jhrigen gehandelt, ſie genoͤtiget, darnach wider zu denen, die ſie zuvorn zu Reckers Vlm ligen laſſen, ſich begeben, geſtaͤrcket, vund der Teutſchen Herrn Schloß darobgelegen, Schauenburg genandt, mit kleiner Macht, dann vor forcht jederman darauß geflogen, ohn allen Widerſtand in jhr hand ge⸗ bracht, erſtlich gepluͤndert, darnach angeſtoſſen vnd mit fewrigen Flammen gehn Himmel geſchickt. 1211 Das 19. Cap. Wie die Bawren Haylbroun die Statt auffge⸗ fordert haben. Ach ſolchem iſt der Hauff vor Haylbronn geruckt, das Carmeliter Kloſter außwendig dem Gebirg zu gelegen, eingenommen, was darin geweſen geplündert, vnd darnach offm boden abgebrochen, forderten alſo bald die Statt off, daß darfuͤr zu halten, die Oberkeit deßmal zur Sach gantz kein gefallen getragen, ſondern ſich viel lieber in die Gegenwehr geſtellt hette, jedoch ward ſie durch den gemehnen Poͤfel getrungen, ſich einer andern meynung zu verhalten, dann daſſelb leicht Geſindlein ohne das der Auffruhr vnd deß nemmens begierig waren, der hoffnung 20 ſie wolten alle reich werden, auch hatten ſie ſich zuvorn auß eigner Bewegnuß einem Raht daſelbſten widerſetzt, ond in das Teutſchhauß gefallen, darin geſchlempt ond gepraſt, vnangeſehen, der Commentur ſich aller gutwilligen Mittheilung Brodt vnd Weins erbotten, dieweil nun der Raht jhrer nicht maͤchtig werden moͤchte, ward er zu letzt genoͤtiget, auff der Bawren ernſtlichs betrawliches auffor⸗ dern ond begeren, wo fer jhr begeren abgeſchlagen, daß ſie alle ombligende Weinberg abhawen ond verderben wol⸗ ten, ſo weit zu bewilligen, daß ſie mit einer beſtimten An⸗ zahl in die Statt gelaſſen worden, darin jnen Proviant vnd andere Gereitſchafft mitgetheilt worden, vnderdeſſen ſie ſich gar nicht geſaumt, ſondern alle Kloͤſter vnd geiſtliche Haͤuſer, auch was von außgeſeſſenen Geiſtlichen vnd vom Adel, an Gelt, Kleinodien vnd anderer Haab, ein groſſes Gut in die Statt Haylbron vnd in das Teutſchhauß da⸗ ſelbſten gefloͤhet, zu pluͤndern vnd zu nemmen verſtattet worden. 1221 Das 20. Cap. Wie die Bawren vber den Teutſchenmeiſter, vnd darnach zum Fraͤnckiſchen Hauffen gezogen. IA nun ſolche Ehrvergeſſene Bauren jhren willen zu [Haylbronn auch erlangt, nemmen ſie erſt den Zug noch gewaltiger vor, vber den Teutſchenmeiſter, brachen omb den Sontag, Quasi modo geniti auff, vnd zogen mit dem gantzen Hauffen nach dem ſie Neckers Vlm beſeits liegen laſſen, gen Gundelsheim, allda gedachter Teutſchmeiſter ſein Hoffhaltung, vnd ein ſchoͤn wolerbawtes Schloß ge⸗ habt, aber dißmal er ſelbſt, ſein Hoffgeſind, ſammt ſeinem beſten Geſchmeid naher Haylbronn geflohen, vnd der Bawren vberzug nit erwarten wollen, welchen Flecken ſie, mit ſampt dem Schloß, leichtlich ohne ſondern Widerſtand von der Burgerſchafft eroberten, pluͤnderten das Schloß, darinnen ſie noch ein zimlichen Vorraht, an Wein, Fruͤch⸗ ten vnd anderm funden, wiewol es der Teutſchmeiſter zu⸗ vorn zimlich geraumbt hatte, zerriſſen, verwuͤſtet, vnd dar⸗ 26 nach daſſelb gar abgebrochen, blieben etliche Tag daſelbſt ſtill ligen, forderten die vmbligende Doͤrffer, gewonnen ein groſſen Zulauff, verkaufften hin vnd wider den Leuthen auff dem Land viel Korn, auch andere Sachen, hatten der endts an Proviant ein vollen Vorraht, Darnach ſeind ſie omb S. Marxen tag wider auffgebrochen, vnnd in das Schoͤffelentzer Thal gezogen, fuͤrters in das Maintziſch Ge⸗ biet oder Land, gehn Buchen, das Kloſter Ammerbach ein⸗ genommen, gepluͤndert vnd verwuͤſt, Vnd als ſich die neun Staͤtt im Ertzſtifft Maintz auff dem Odenwald, vnd am Main gelegen, zu dem Bawernhauffen geſchlagen, haben ſie mit zuthun[23] vnd hülff der andern Vnderthanen deß Stiffts, den Statthalter zu Maintz, Biſchoff Wilhel⸗ men zu Straßburg, in dem Churfuͤrſtl. Hauß Aſchaffen⸗ burg belaͤgert, jhr Fuͤrſtl. G. ein Vertrag jhres gefallens einzuwilligen, betrangt, die Statt eingenommen, darzu dann jhnen die einwohnende Buͤrger beſtes fleiß beyſtaͤndig waren, etliche von der Landſchafft ſich in der Pfaffen Haͤuſer vertheilt, darin gelegen vnd gepraſt. Folgendts ſeind ſolche Bawren zum andern Hauffen, der ſich im Land zu Francken erhaben, vnd hernach geſchriebener weiß, fuͤr das Schloß Wuͤrtzburg gelaͤgert, gezogen, vngefehrlich an 7. oder 8000. ſtarck, vnter wegen auch neben andern Orten, Wildenburg vnd Limbach, beide Schloͤſſer gepluͤn⸗ dert, vnd darnach in Brandt geſteckt, Ebenergeſtalt darauff Graff Georgen von Wertheim vberzogen, jhne getrungen, ſich mit jhnen zu ſetzen, vnnd jhnen etlich Geſchuͤtz zu leyhen, Welches hernacher auff dem Schloß zu Wuͤrtzburg iſt gefunden worden. Das 21. Cap. Deß Fraͤnckiſchen Hauffens Zug vnd Handlung. nd hat ſich der vermelt Fraͤnckiſch Hauff erſtlich vmb die Oſtern erhaben, Als ſie in der Rodenburgiſchen Landwehr vnd im Tauber Thal zuſammen gelauffen, anfangs am Freytag nach dem Oſtertag, von Roͤttingen auß, darinnen ſie ſich verſamlet hatten, morgens fruͤh vor 275 tag, mit dreyen Faͤhnlein auff Buͤtter zu gezogen, in mey⸗ nung den reyſigen Zeug, vngefehr an hundert vnd dreiſſig Pferdt, die in dem Ort fuͤr Augen waren, zu vmbziehen, vnnd zu belagern, Aber die Reyſigen wurden durch jhre 124] Kundſchafft gewarnet, brachen den Bawren jhren Anſchlag, zogen ihnen onder augen, ſtieſſen auff den Hauffen der voran zoge, haweten drauff, brachten ſie in die flucht, haben ſolcher Bawren viel erſchlagen vnd nider⸗ gelegt ehe dann der gewaltige Hauff hernach kommen, als aber die Reyſigen deß gewaltigen Hauffens anſichtig wur⸗ den, ſind ſie fein ſaͤuberlich, ohn allen ſchaden abgewichen auff Wuͤrtzburg zu, ond deß Hauffens nit erwarten wollen, Alſo ſind die Bawren zu Buͤttert ankommen, der gemeyn Hauff das Schloß gepluͤndert, gebeuth, groß Haab ond Gut genommen, ond daſſelb Schloß darnach in Brandt geſteckt, von Buͤttert off gebrochen, ond das Lager gen Awe auſſerhalb der Statt geſchlagen, die Schloß Bayelheim ond Raigelſperg geplündert, viel Getraidts, an vierthalb tauſend Malter gefunden, zu letzt das Schloß Raigelſperg in Brandt geſteckt, vnd jedem Faͤhnlein 150. Malter Ge⸗ traidts zur Beuth worden, ohne was ſie ſonſten hingeben ond bey handen behalten, dann ſie der endts zween Tag ſtill gelegen, am Mittwoch aber nach Quasi modo geniti widerumb von newen gezogen, ond das Laͤger gehn Ochſen⸗ furth, auſſerhalb der Statt geſchlagen, bey 500. Fuder Weins, ſampt einer mercklichen ſummen Getraidts, in der Kellerey daſelbſten ond ſonſten, den Wuͤrtzburgiſchen Thom⸗ herrn zuſtaͤndig, gefunden, derowegen ſie dann etlich tag an dieſem ort im Luder gelegen, inmittels ſich der Hauff hoͤchlich geſtaͤrckt, nachfolgenden Freytags von dannen auff Pyffhofen geruckt, daſelbſten ſie im Moͤuchhoff vor Berck⸗ lingen ein groſſen Vorraht an Proviant gefunden, deß⸗ gleichen viel huͤbſcher, koͤſtlicher Meßgewandten, Kelch ond andere Kirchenzierd gebeuttet, daſelbſten ein Tag ſtill ge⸗ legen, ond nach dem jhn ein ſolch Handlung wol gefiel ond beliebe, feyerten ſie nicht lang, ſtreckten fuͤrbaß am Sontag Misericordia Domini, von Ypffhofen gehn[251] Schwartzach, das Frawen Kloſter, außwendig dem Flecken, ſo ſchier eim kleinen Staͤttlein an der Groͤße gleicht, darin 28 funden ſie ein groß mercklich Gezierd, von Kleinodien der Kirchen, welches alles von dieſen Bawren genommen, ond der Ort darnach in Brandt geſteckt worden, pflogen da⸗ ſelbſten jhrer ruhe, biß auff den Dienſtag, darnach zogen ſie gehn Gerolßheim, daſelbſten ſie die Kellerei mit groſſer Frucht vnd vielem Wein verſehen, gaͤntzlich eroͤſt, beraubt ond zerriſſen, allerdings zerbrochen, auch in der Nacht, das Schloß Stoltzberg gepluͤndert, ond in Brand geſteckt haben, folgenden Mitwochs der endt ſtill gelegen, das Schloß Beinbach, den Fuͤchſen zuſtaͤndig, alſo bald einge⸗ nommen, darin ſie groſſes Gut gefunden, alles gepluͤndert, ond das Schloß in Brandt geſteckt, Am folgenden Don⸗ nerſtag hielten die Hauptleuth gemeinen Raht, waren willens, fuͤr den Zobelſtein zu ziehen, ſeind in der Ord⸗ nung ſtehen blieben, da iſt nach langer Vmbfrag fuͤr rahtſam angeſchlagen vnd geſchloſſen worden, nit fuͤr den Zobelſtein, ſondern fuͤr die Burg Wuͤrtzburg zu ziehen, darauff ſich der Hauff alsbald auff Wuͤrtzburg gewand, in zwiſchen ſeind die Buͤrger zu Gerolßhofen vnd die Ampts⸗ verwandten, in das Schloß daſelbſten gefallen, daſſelb ge⸗ raumt ond gepluͤndert, zu letzt in Brandt geſteckt, darnach ſeind dieſe Bawren wider zu ruͤck gezogen, ond hernach⸗ folgende Schloͤſſer allzumal eingenommen, gepluͤndert ond in Brandt geſteckt, darin ſie groß Gut gefunden, ond alles mitgenommen, als nemlich zu Groß Langheim, das Schloß ond die Kellerey, das Schloß Steffanburg, jtem Sicher⸗ hauſen ond Michelfeld, diſe Schloͤſſer alle, deßgleichen ein Frawen Kloſter ond ein Carthauſen, ſo nit weit von Gerolßhofen gelegen, eingenommen, gepluͤndert ond ver⸗ brandt, darnach als ſie von Langheim gehn Ochſenfurt wider gezogen, iſt jhnen auff dem Main onder wegen ein Schiff mit[26] groſſem Gut beladen, vnd dem Biſchoff von Bamberg zugeſtanden, an die hand geſtoſſen, welches ſie angenommen, behalten ond gepluͤndert, auff denſelben tag ſeind die zu Wuͤrtzburg zu hauffen gezogen, deßgleichen die von Kitzingen, vnnd ander Marckgraͤffiſch voſck, an 2000. zum Rodenburgiſchen Hauffen geſtoſſen. 30 weſen, doch haben ſie die Bawren fuͤr jhre Capitain neben andern Hauptleuthen gebraucht, welche fuͤr ond fuͤr bey jhnen im Laͤger geweſen, wiewol etliche darfuͤr gehalten, wann jhnen nicht wol mit dem Spiel geweſen, ſie hetten ſich wol auß dem Staub machen konnen. Das 23. Cap. Welchermaſſen ſich der Bawren Hauff im Brurain ſerhaben. S hat fich gleicher meynung ond Fuͤrnemens wider alle pflicht, Ehr ond Trew, ein Rott abtruͤnniger Bawren anfaͤnglich in der Oſterwochen, in einem Dorff, Malſch genandt, am Brurain, im Stifft Speyer gelegen, verſamlet, vnd als der Hochwuͤrdig, Durchleuchtig, Hochgeborn Fuͤrſt ond Herr, Herr Georg, Biſchoff zu Speyer, Pfaltzgraff bey Rhein ond Hertzog in Bayern, etliche ſeiner Gn. Reyſigen, die ding zu beſichtigen dahin verordnet, hat ſein Fuͤrſtl. Gn. nach dem dieſelb ſich der Vffruhr halber beruͤrter Bawren, noch nicht zu einigem Ernſt, noch thaͤtlicher Vbung[28] begeben, mit der Ge⸗ meind zu Malſch, ond andern deß Stiffts ombligenden Doͤrffern ond Rotten anzeigen laſſen, wie ſein Gn. an⸗ langt, wie daß ſie ſich empoͤren wolten. Darauff er ſie mit gantz genaͤdiger Erinnerung vnnd Bitt verwarnet, ſich von ſeiner Gn. nicht abwendig machen zu laſſen, ſondern ſich in dieſen gefaͤhrlichen ſachen wol zu bedencken vnd vorzuſehen. Ob nun wol dißmal ſie, als erbarn Leuthen gebuͤret, ein ſolches gehorſamlich zu thun, ond in ruhen zu bleiben ſich erbotten, doch nichts deſtoweniger ſich dar⸗ neben vernemmen laſſen hetten, bey deme zu bleiben, zu ſtehn ond zu halteu, wer der ſtarckeſt were, bey dem ſie auch Wehr vnnd rettung finden wuͤrden. Auſſer dem dann jhr ohnbeſtaͤndig Gemuͤth unnd was ehrlichs darinnen ſtecke, wol abzunemmen. Auff ſolche erinnerung, ſtrack deß andern Tags, fing dieſe trewloſe Rotte an vmb ſich zu greiffen, andere Doͤffer zu erfordern, fielen in der Pfaffen zu Speyr Keller zu Malſch, truncken den Wein auß, ond lebtem im ſauß, in Hoffnung, der Orths ein 31 new Regiment zu erwecken, ſchrieben an die Doͤrffer, nach⸗ folgender Meinung ond Inhalts. Es iſt der gemeinen Bawerſchafft ernſtlicher Will, Meinung vnnd Befelch, daß jhr ewre Gemeinen verſamb⸗ let, unnd zu ons gen Malſch ſchicken wollet, N. wolge⸗ ruͤſter Mann, mit Gewehren, Goͤttlicher Gerechtigkeit ein Beyſtand zu thun, noch bey dieſer Nacht, vnnd wo daß nicht beſchicht, ſollt jhr wiſſen vnſicher zu ſeyn, Leib ond Lebens. Darauff hat ſich die Rott an 4. oder 500. Mann ongefehr geſterckt, ond den Pletzenberg(der bey ſolchem Dorff gelegen) ingenommen, vnd daſelbſten ferrnern Zu⸗ lauff erwartet. Derohalben dann der Biſchoff zu Speyer verurſacht worden, mit dem ernſt gegen dieſelben zu ver⸗ fahren, neben dieſer troͤſtlichen, jedoch vergebentlichen Hoff⸗ nung onnd Zuverſicht,[29] weil die andern bvbrigen ſeiner Genaden verwandten Bawern ſich erbotten hatten, ſeiner Genaden ein Beyſtand zu thun, damit angeregte Auff⸗ ruͤriſche Rott deſto leichtlicher, von jhrem boͤſen Fuͤrnemmen abzuhalten ſeyn wuͤrde: Aber was geſchach? Als der Biſchoff etliche Raiſigen, ſampt dem Bruraͤmiſchen Fauth, Hans von Buͤhel genannt, von Wachenheim, dahin ab⸗ geordnet, und der Pfaltzgrafiſch Marſchalck mit 200. Pfer⸗ den, vnnd eim geringen Feldtgeſchuͤtz, denſelben Speyeriſchen Reuttern zuzoge, willens, ſolche Bawren, wo ſie ſich nicht in gebuͤhrende ſtraff begeben wolten, auff dem Berg zu ſchlagen, Aber gleich im anziehen ſeind die vbrige ver⸗ hoffte Speyeriſche Bawern, welche auff die Raiſigen zu warten beſcheiden worden, abgefallen, ond ſich wider Ehr, Geluͤbd onnd Ayd, zu den andern auffrühriſchen Bawren, als jhrer verbuͤndlicher Geſellſchafft vnnd Verbruͤderung, ohne ſchew geſchlagen, darumb der Pfaltzgräfiſche Mar⸗ ſchalck ond deß Biſchoffs Fauth, mit jhren Raiſigen ab⸗ gezogen, dann der Berg allenthalben mit Wingerten der⸗ maſſen ombringt geweſen, das man nicht ohne ſonderlichen groſſen ſchaden zu Roß, zu jhnen kommen konnen: Dar⸗ auff ward ſolcher Hauffe Bawern bald geſterckt, ond deß Stiffts Bawern omb ond omb, auff derſelben Seiten deß Rheins, auffruͤhriſch, daß auch ermeldter Biſchoff zu Speyr 0 W 4 7 denheim raumen, an der, Hans von H mehr Vnderk giment beſe Handel wolten. Wie die Bruraͤiniſchen N den Marc graͤfſiſchen Bawren in die Marggr den g g dem nu 11 Baden vorma die Gemeine der Statt Dur gelegen, in negſt vergangener weſen, jhren Vogt daſe loſten tauſent Bawren,(ſo auß et brffern zuſammen gelauf Statt gelaſſen hatten, w, in der ſelbigen gegen verwüſ ſt onnd allerdings zerriſſen, Gegen elben 5 err Marck graff Georg von Baden, etliche ver⸗ ordente Reyſigen, in der eyl, h da ſie auff guͤtliche Verwarnung nicht von einant trennen wolten, ſie mit verbrennung jl 8 in eim Dorff Berghauſen, wider zum Abzug zwingen vnnd dringen 5 ſſen dardurch dißmal das Fewer ein we⸗ nig geduscht, der Groll vnnd Vnwillen aber jedoch, in fft . 33 jhren onnd allen andern Marggraͤffiſchen Bawren Ge⸗ muͤhter vnerloſchen blieben, haben die Pruraͤmiſchen, als ſie zu Bruſſel gelegen, mit den Marggraͤfiſchen jh⸗[31) ren Verſtand onnd Practick von newem gemacht, behderſeits zuſammen, vnnd mit auffgereckten Faͤhnlein, in die Marg⸗ graffſchafft Baden eingezogen, die Geiſtlichen darinn vber⸗ fallen ond betrangt, etliche Kloͤſter eingenommen ond ge⸗ pluͤndert, zum theil auch gar verwuͤſt vnd zerriſſen, Son⸗ derlich die Kloͤſter, Herren- vnd Frawen Alb, im Schwartz⸗ wald, in denen ſie etliche Tag in vollem praſſen gelegen, dieſelben hoͤchlich beſchaͤdiget, ond wolt der Marggraff weiter onrahts vnd ſchadens nicht gewarten, muſte er ſich mit jhnen, nach jhrem gefallen, vertragen. Das 25. Cap. Wie ſolche Bawren wieder herab ins Stifft Speyer gezogen, ond ſich mit dem Biſchoff vertragen. Ach dieſem Verlauff, haben ſich beyde, Marggraͤfiſch Uwe Bruͤrainiſch Verſamlungen wieder heruͤber, ge⸗ gen dem Stifft Speyer gethan, ond das halbe theil bey 7. Faͤhnlein, zu Schreck ober Rein gefahren, das Kloſter Hoͤrdt ond den Hoff Gotterßheim, wiewol etliche Roth Bawren, ehe ſich der Hailſprucker Bawren hauff (davon hernach meldung folget,) verſamblet gehabt, beyde Oerter vberfallen, Korn vnnd Wein, auch alles anders, darinn genommen gehabt, was darzu die vorigen vber ge⸗ laſſen, das haben dieſe Geſellen alleſampt gepluͤndert, ge⸗ ſchlembt vnnd verwuͤſt, darnach ſich gewendt, zu Reinß⸗ heim wider vber Rhein geſchifft, zu jhren Geſellen kommen, welche am nechſten, auff Vdenheim zuzogen, waren in meynung, die Statt Speyer zu belagern, unnd die Geiſt⸗ lichen darinn jhres gefallens zu reformieren. Welchem aber vorkommen ward, dann der Bi⸗[32] ſchoff zu Speyer, hat ſich mit Beyſtand der Edlen vnnd Veſten, Dieterichen Kaͤmmerern von Wormbs, genannt von Dalburg, vnd Bernhard Goͤllern von Ravenſpurg, doch zuvorn auff gnugſame vergleichung, in den Handel geſchlagen, zu den 34 Bawern geritten, ond nach viel gehabter fleiſſiger ernſt⸗ licher Vnderhandlung, mit jhren Hauptleuten ein Contract vnd Handlung getroffen. Damit ſich aber die Bawern deſto fuͤrderlicher zum Abzug begeben, haben gemeine Pfaffheit zu Speyer 8 verſprechen muͤſſen, alßbald 200. Malder Brods, 55. Fuder Weins, vnnd vngefaͤhrlich an Vieh auff 100. Gulden werth, gen Rheinhauſen zu liefern, Nach ſolchem Verlauff haben ſich die Bawern ge⸗ trennt, vnd jhre Hauptleuth ſie am Sambſtag nach Misericordia Domini mehren theils heimziehen laſſen, das pbrig theil auch von einander gezogen, vnd die Marg⸗ graͤfiſchen ſich gleicher geſtalt an heimb begeben, Doch ſeind die Hauptleuth, vnd deß Baͤwriſchen Regiments Oberſten zu Bruſſel bey einander verſamblet blieben, jhrer Regierung außgewart, die Bawern ab⸗ vnd zugezogen, wann ſie gewolt, haben ſie in kurtzer weil an 5. oder 6000. wehrhaffter gerd Mann, zuſammen bringen koͤnnen. Das 26. Cap. Wie die Bruraͤiniſche Bawern dem Pfaltzgrafen etliche Leuth, vber jhr Churfuͤrſtlichen Gn. vermahnliches zuſchreiben, auffgehalten vnd gefan⸗ gen haben? Vn ſtund ein groſſe Anzahl Waͤgen' mit vielen treff⸗ 17 Kauffmanns Guͤtern beladen, den Oberlaͤndiſchen Statten zugehoͤrig, in der Statt Prettheim, ſo in ver⸗ gangene Franckfurter Faſtenmeß, durch Pfaltzgraff 331 Ludwigen, 5 ten, daſelbſten hinweg 9. ranckfurt vergleit werden W aber man kund ſie, der Bawren Auffruhr halber, dißmal weiters verwarlichen nicht bringen, Nach denſelbigen Guͤtern hatten nicht allein die Bruraͤi⸗ niſchen, ſondern auch die Bawren iu vmbligenden Hauffen derſaie ein begierliches verlangen, vnnd ſchweiſt jhnen der Zahn gewaltig darnach, vermeinten dieſelbigen zu er⸗ obern, onnd onder ſich zu verbeuten, Deßwegen dann ſie die Burger zu Brettheim zum offtermahl auffforderten, das bey nahe zu letzt, wo der Churfuͤrſt nicht ſo ernſtlichs 35 Inſehen gethan, onnd embſiges Auffmercken gehabt, ſolche Guͤter der Bawernſchafft gefolgt worden waͤren, dann die Bawern trungen zum offtern mit groſſen Trauworten hart darauff, ſo waren die Burger auch nit all einer meinung, ſonder onder einander etwas wiederwertig. Nach dem nun die Sach mitſ den Kauffmanns Guͤtern, ſich alſo geſchwind, ond ſehr gefaͤhrlich zutruͤg, das man ſich alle Stund, oberfallens getroͤſten muſt, Ward der Churfuͤrſt verurſacht, ſolchem groſſen Vnheil vnnd mercklichem Verluſt, bey Zei⸗ ten vorzukommen, den Flecken Brettheim, ſampt denen ſo jhr Churfuͤrſtl. Gn. zuvorn darein gelegt ond geordnet, noch weiter zu beſetzen, ſchickt derohalben ſein Churfuͤrſtl. Gn. dero Burggrafen auff Starckenburg, Wolff Vlrich von Flehingen, mit etlichen Raiſigen, daß er ein Faͤhnlein Knecht, von Heydelberg nacher Brettheim fuͤhren ſolte, in betrachtung, weil der Bruraäiniſch hanffen auff den Vertrag, welchen ſie oberzehlter maſſen mit dem Biſchoff von Speyer getroffen ond angenommen, darauff dem Pfaltzgrafen wol bedaͤchtlich zugeſchrieben hatten, das ſie jhre Churfuͤrſtl. Gn. dero fuͤrnemmen Grafen, Herrn, Edeln vnd Vnder⸗ ſaſſen, ſie wehren Geiſtlich oder Weltlich Stands die Wege onnd Straß im Stifft Speyer vund am Bruraͤin(welche ſie allenthalben hie⸗[34] vorn eingenommen, verhawen ond verlegt hatten) ſicher vnnd onbeleidiget, auch allerdings ongeirret, gebrauchen laſſen wolten, dieſelbigen wiederumb oͤfnen. Als zoge auff ſolche vertroͤſtung gedachter Burg⸗ graff mit ſolchen Knechten die Straß am Brurain hinauff gegen Brettheim zu, verſehen ſich keines vngemachs, boͤſen noch argen. Da er aber zum Dorff onder Ebesheim kam, lagen daſelbſten ein hauffen Bawern, lieffen ohn onderlaß von: ond zu einander, thaͤten ſich, als der Burggraff mit ſeinem Volck zwiſchen ſie kam, zuſammen, ombgaben ſie alleſampt, ſtelten ſie dermaſſen in groſſe gefaͤhrligkeit jhres Lebens, alſo, das ſie ſich nichts anders denn ſterben ver⸗ wegen ond ergeben hatten, trungen ſie, daß ſie jhnen den Bawern geloben onnd verſprechen muſten wiederumb mit einander zuruck, nach Heydelberg zu ziehen, wie dann auch geſchehen. Verhinderten alſo dem Churfuͤrſten ſein fuͤr⸗ nemmen, verordneten Befelchhaber, jhnen Schreiben vnd 3* 36 Zuſag zu thun. Welche ſchmaͤliche Thatt dann, den Chur⸗ fuͤrſten nicht vnbillich zu ongenaden, vnd nachfolgender Handlung vnd Straff bewegt hat, beſchahe ein ſolcher Schimpff von dieſen ehrloſen Bawren(wie viel ehrliche Leuth darfuͤr hielten) fuͤrnemblich darumb, das ſie in vn⸗ zweifenlicher hoffnung geſtanden, beruͤhrte anſehenliche Kauffmans Guͤter in Brettheim entweder durch ſie ſelbſten, oder andere jhre Mitgenoſſen, zu bekommen vnd an ſich zu bringen. Das 27. Cap. Deß Zabergawiſchen Hauffeus verſamblung, vnd was ſie ſampt dem Wuͤrtzburgiſchen gehandelt? Leich neben den obvermelten Hauffen erhube ſich im Zabergaw, vngefaͤhrlich vmb den Sontag Quasimodo- ge- 35] niti ein newer Hauffen, vnnd waren Hans Wunderer, mit ſampt Zeckeln, das iſt Ezechieln von Beckingen, welche beyde das Spiel derends erweckten, jhre Hauptmaͤnner, zogen, als ſie ſich etwas gemehrt hatten, fuͤr der Teutſchen Herren jhr Schloß Steckſperg, welches mit Gut vnnd anderm wol geſpickt war, nicht weit von Brackenheim am Hechelberg gelegen, Eroberten daſſelbige ohne ſondere noth, dann es wolt kein Hauß wie gut es auch war, allein der Verraͤhterey halben vnder den Bawern halten, pluͤnderten daſſelbig, ſtecktens darnach in Brand, ſtrebten darnach von dannen, Vnnd als der Munchhoff der dingen von den jhrigen auch eingenommen, gepluͤndert vnd in Brand geſteckt, ruͤckten ſie fuͤr das Kloſter Maul⸗ brunn, namen daſſelbig in jhren Gewalt, Vnnd als ſie allen vollen Halß an Proviant, Eſſenſpeiß, vnnd anderer notturfft darinn hatten, bliben ſie etliche Tag daſelbſten ſtill ligen, praſten vnnd ſchlempten zum dickſten zu, hatten ein leichten Muth, lieſſen das Voͤgelein ſorgen, forderten in mittels zu vielmals mit hohem Ernſt, vnnd erſchroͤck⸗ lichen Trauworten an die von Brettheim, jhnen die ge⸗ ſagte Kauffmanns Guͤter zuzuſtellen, oder dieſelben ſelbſten einzunehmen, vnnd ſie in die Statt zu laſſen. Nach dem 37 ihnen aber ſolche Guͤter, vber vielfaltiges erfordern Chur⸗ fuͤrſtl. Gn. ernſtliches abhaltens, vnnd vieler deßwegen abgangener Schreiben halber, ſo den Burgern zu Brett⸗ heim deſſelben halben ohne vnderlaß zugeſchickt wurden, nicht gedehen wolten, vnd ſie nun mehr im Kloſter Maul⸗ brunn ſauber außgefegt, alles gepluͤndert ond verwuͤſt hat⸗ ten, haben ſie von jhrem fuͤrnehmen gegen die Brettheimer abgelaſſen, vnnd einen groſſen Hauffen der ſich omb Bat⸗ mar in Schwaben verſamlet hat, zugezogen, mit demſelbi⸗ gen ſampt dem Schwartzwaldiſchen Hauffen, nach dem ſie alle zuſammen geſtoſſen, haben ſie mehrentheils alle Schloß, Staͤtt ond[36] Flecken, deß gantzen Fuͤrſtenthumbs Wuͤr⸗ tenberg, Tuͤbingen Schloß vnd Statt,(außgenommen den Aſperg) erobert ond eingenommen, Deßgleichen alle darinn ligende Kloͤſter, inſonderheit Lorch im Rembßthal onnd Adelberg, Item das Schloß Hohenſtauffen, ſampt viel andern Adelichen Haͤuſern gepluͤndert, verwuͤſt, onnd den mehrentheil in Brand geſteckt, ond alſo jhres gefallens, an allen Orten zu herſchen vnd onderſtanden. Das 28. Cap. Welcher maſſen die Bruraͤiniſchen Bawren die Kauffmanns Guͤter zu Brettheim er. fordert? S hat der Bruraͤiniſch Hauffe, neben jetztgemeldten (E aeneueiſe Hauffen verſamblung auch gar nicht gefeyret, ſonder obernannte Kauffmannsguͤter zu Brett⸗ heim erfordert, laut dieſer Schrifft, ſo ſie an Schultheiſſen Gericht vnnd gantze Gemeine daſelbſten gethan, deß Inhalts. Liebe Brüder vnnd Freund, Vns langt glaublich an, wie ein groſſe Verſamblung vorhanden, deß Willen, euch, wegen der Franckfurter Wahr, ſo jhr bey euch habt, ge⸗ waltig zu oberziehen, da wir je die nechſten Nachbawrn, mit deuen jhr billich Bruͤderſchafft halten ond leiſten ſollet, Begehren derohalben ob es ſich zum ernſt derſelben Sach ſchicken moͤcht, jhr mit ons vnnd wir mit euch die Sach außrichten laſſet, hoffen wir ſo ſtarck als ihr zu ziehen, auff das wir mit einander die Beuth, von derentwegen 38 andere auff euch dringen, onder ons behalten moͤgen. Das haben wir euch Nachbarlich Bruͤderlicher meinung wollen eröffnen. Aber wie etliche raͤudige Schaf in Brettheim, die vielleicht, wann es an jhnen geſtanden, der[37] Bawren begehren williglich gefolgt hetten, ward jhnen doch ſolches auf deß Churfuͤrſten abmahnen, ond der andern hierzu verordneten Auffſeher, welche jhres Herren Gebott vnd Mandaten mehr gehorſamblich ond getrewlich in acht hat⸗ ten, nicht verſtattet. Das 29. Cap. Vom Bawrenhauffen im Elſaß. JEmnach nun die ermeldte Articul der Bawren Frey⸗ heit belangend, allenthalben außgebreiket worden wa⸗ ren, entſtund nicht der geringſte auffruͤhriſche Bawren⸗ hauff im Elſaß in der Oſterwochen, welche ſich anfangs auff 1100. ſtarck verſamblet, die Kloͤſter hin vnnd wieder eingenommen, gepluͤndert, zerriſſen vnnd verwuͤſt, geſtalt jhres gleichen Hauffen allenthalben gethan, ſonderlich aber das Kloſter Altorff, ſampt andern angelegenen Orten mehr, auch lieffen ſie zuſammen im Krummen Elſaß, vmb Ringerdorff vnnd Pfaffenhoven, zogen zu hauffen, mehrten ſich von Tag zu Tag auß allen ombligenden Aemptern, Herrſchafften, Flecken ond Doͤrffern, namen behde Kloͤſter Newenburg vnd S. Waldburg im Hagenawer Forſt ge⸗ legen, zu jhren Handen, pluͤnderten ond verwuͤſteten die⸗ ſelben nach jhrem Muthwillen, hielten redlichen ſpaß vnnd fraß, darinnen war Konig Artus Hoff, ond maͤnniglich koſtfrey, Deßgleichen handelten ſie mit beyden Frawen⸗ kloͤſtern Köͤnigſpruck vnd Liebelt, thaͤten ſich hernach fuͤr den Forſt herab gegen Surberg, daſelbſten ſie ebenmeſſig den Stifftsherrn in die Haͤuſer gefallen, dieſelben gepluͤn⸗ dert ond verwuͤſt, forderten darneben alle ombligende Doͤrf⸗ fer, vnd zeigten ihn alle gelegenheit gemeiner Bawren⸗ ſchafft, welche in dreyen Hauffen zu Aldorff, zu Rocksfeld onnd Newen⸗[38] burg lagen, vertroͤſteten die erforderten Dorffſchafften, ſteckten jhnen ein Muth ein, daß ſie vber die 20000. ſtarck waren. Das 30. Cap. Wie Elſaßzabern eingenommen. Ls ſie nun nicht allein die Cloͤſter, die Geiſtlichen ſondern auch die Weltlich Oberkeiten, ſie wehren Fuͤr⸗ ſten, Grafen, Herrn oder vom Adel, Item Schloͤſſer, Haͤuſer, Staͤtt, Flecken, Doͤrffer, Haab vnnd Guͤter ihres gefallens gnugſamlich eingenommen, zerriſſen, verwuͤſt, ge⸗ pluͤndert, ond viel Muthwillens geſtifft onnd vollbracht hatten, ſeind alle dieſe vorgemeldte Verſamblungen mit einem Hauffen, an die 30000. ſtarck, fuͤr Elſaßzabern, alda etwann ein Biſchoff von Straßburg Hoff gehalten, ond ſein Reſidentz gehabt, gezogen, dieſelbe Statt, als man ſie auff ſchlecht aufforderung eingelaſſen, eingenommen, jhr Laͤger darinn ond darfuͤr gehabt. Das 31. Cap. Wie der Hertzog von Lottringen ſolche Bawern geſchlagen? Jeweil dann auch deß Durchleuchtigen Hochgebornen Fuͤrſten vnd Herrn, Herrn Anthonien, Hertzogen zu Lottringen ond Calabrien, ze. Vnderthanen an der Sare, onnd daſelbſten vmbhero, ſich auch in dergleichen Empörung begeben, in das Kloſter Herberßheim gefallen, ond daſſelbig gepluͤndert hatten, bewarb ſich ſeine Fuͤrſtl. Gn. eylends zu Roß ond Fuß, auch kamen ſeiner Gn. viel Teutſche Grafen, Herrn vnnd vom Adel, die dem Hertzogthumb geſeſſen ond ſonſten zu Dienſten waren, bracht alſo in kurtzem, nebem[39] dem Landvolck ſo nicht rebelliſch war, ongefehrlich ſampt den Niederlaͤndiſchen Fußknechten an 5. oder 6000. neben eim guten treffent⸗ lichen Raiſigen Zeug, an die 14. oder 1500 Pferd zu⸗ ſammen, oder wie etliche dafuͤr halten, ober 2000. Reuter, darunder 200. Kuͤriſſer geweſen, auch viel Frantzoſen, ſchickt ſich bald zum Heerzug, Vnd dieweil ſeiner Fuͤrſtl. Gn. auffruͤhriſche Bawern von Halberßheim ſich herauſſer nacher Elſaßzabern begeben, vnd zu demſelben Haufen ge⸗ ſchlagen, iſt ſein Fuͤrſtl. Gn. zum nechſten zu, mit dem 40 Heer vor Elſaßzabern geruckt, die Bawern darinnen be⸗ legert, onnd als der Hertzog mit den Bawern in der Handlung ond Tractation geſtanden, kam ſein Kriegßvolck von ongefehr in ein hauffen Bawern vngefehrlich an die 6000. welche jhren Bruͤdern in der Statt Zaubern zu⸗ ziehen wolten, als ſie aber der Hertzogiſchen gewahr wor⸗ den, zogen ſie zu ruͤck in ein Dorff, Luͤpffſtein genannt, da ruckt deß Hertzogen Kriegßvolck zu jhnen hinein, zuͤndten das Dorff an, onnd erwuͤrgten dieſe Bawern allzumal, Darnach gleich deß andern Tags am Mittwoch nach dem Sontag Cantate, ward die Statt vnd Schloß Elſaßzabern erobert ond eingenommen, auff der Bawern vnnd Burger⸗ ſchafft Seiten(deren wenig oberblieben) bey 2000. Mann erſtochen onnd erwuͤrgt, die Statt Zabern vom Krigßvolck allerdings gepluͤndert onnd darinnen obermaͤſſiges groſſes Gutt gefunden, auch etliche ſchoͤne Weiber vnd Jungfrawen im Auffbrechen, von den Lottringſchen hinweg gefuͤhrt worden. 401 Das 32. Cap. Deß Kleebergiſchen Hauffens Handlung. Vn hat ſich kurtz darfuͤr, als der geſchlagen Hauffen Bawern noch im Kloſter Newberg gelegen, ein Leicht⸗ fertiger Burger von Weiſſenburg der Bachus genannt, hinauff zu dieſem Hauffen gethan, da er aber kein ſon⸗ derlich anſehen bey jhnen hat, ond nicht groß gehalten ward, zog er wieder herab in das Kleeberger Ampt, henckt ein faule Rott an ſich an die 200. Perſonen, mit denen erregt er ein newen Hauffen, verſamblet denſelben auff dem Schweinfeldt, obwendig Weiſſenburg, waren mehren⸗ theils Hertzog Ludwigs Grafen zu Veldentz Vnderthanen, doch anderer Herrſchafften ond Orten Vnderthanen auch darunder verfaſt, der Kleeberger Hauff genannt, zogen an⸗ faͤnglich herab in die Doͤrffer Ried, Sultz onnd Schwig⸗ hofen, daſelbſten trungen ſie die Bawern in jhre Bruͤ⸗ derſchafft. Das 33. Cap. Wie dieſer Hauffe gegen dem Probſt von Weiſ⸗ ſenburg gehandelt. On dannen ruckten ſie dem Probſt von Weiſſenburg fuͤr ſein Schloß St. Reim genannt, am Preewald ge⸗ legen, nach dem man aber ſolch Hauß auff ihr auff⸗ fordern, ſo leichtlich onnd geringfuegig nicht auffgeben wolt, ſondern die jenige, ſo vom Probſt darinn in Be⸗ ſatzung gelegt worden, ſich kecklich in die Gegenwehr ſtel⸗ ten, fingen die Bawern an, daſſelbig zu beſchieſſen, onnd nötigten es ſehr hart, zu welchem dann gemeine Burger⸗ ſchafft zu Weiſſenburg, die ſampt etlich Bawern in der Statt in das Kloſter gefallen, daſſelbig[41] gepluͤndert ond verwuͤſt hatten, guten fleiß fuͤrgewendet, trewlich dar⸗ zu geholffen, onnd jhr Geſchuͤtz darzu gelihen, wiewol dieſe im Schloß gerne das beſte gethan hatten, daſſelbig auch ohne das etliche Tag auffgehalten, wurden ſie doch zu letzt getrungen, als ſie kein huͤlff oder rettung mehr haben moͤgen, omb ſicherheit jhrer Leib vud Haab vmb Philippi Jacobi ongefehrlichen herauſſer zu ziehen, ond das Schloß zu vbergeben, welches die Bawern eingenom⸗ men, ond nach beſchehener pluͤnderung in Brandt geſteckt. Dieſem nach ſeind die Bawren fuͤr Seltz, den Pfaltz⸗ graͤſiſchen Flecken gezogen, onnd als ſie von Burgern ohne ſondern wiederſtand eingelaſſen worden, haben ſie die Stifftsherren dermaſſen vberfallen, jhnen durch jr Haͤuſer gelauffen, ond jhr Haab ond Gut genommen, daß ſie deſſen nicht lachen doͤrffen. Darnach fuͤrobaß geruͤckt, dem Edlen vnd Veſten Friederich von Fleckenſtein, welcher da⸗ mals von Churfuͤrſtl. Pfaltz wegen, bey dem Bundiſchen Heer war, ſein Schloß Stedern, allernegſt bei Seltz ge⸗ legen, eingenommen, am ſelben Orth dann noch ein hauffen Bawern, der Kolbenhauffen genannt, zu ihnen kommen, vnd darzu geholffen, daß Schloß gepluͤndert vnd verwuͤſtet, darinnen viel ſchöne Sachen, als Kleynodien, Geldt, Kleyder, Haußrath, Proviant vnd anders gefunden, Nach dem ſie aber dem Hauffen zu Elſaßzabern, auff deß Hauffens anſuchen vnnd entbieten, wieder Hochge⸗ 42 dachten Hertzogen von Lottringen beyſtand zu thun in willens waren, brachen ſie zu Roͤdern eylends auff, ond wendten ſich gen Zabern zu, Als ſie aber biß gen Buß⸗ weiler kommen, ward jhnen kund gethan, wie das der Hertzog von Lottringen die Bawern zu Elſaßzabern meh⸗ rentheils all erſchlagen, vnd auffs Haupt gelegt hatte. Da entfiel jhnen das Hertz, zogen eylends wider fluͤchtig hinderſich zu ruͤck, wolten der Backenſtreich, wie frewdig ſie zuvor geweſen, nicht[42] erwarten, trennten ſich von einander, vnnd war ein jeder anheimbs zu ziehen begierig. Das 34. Cap. Deß Kolbenhauffens handlung. Olcher gemeldt Kolbenhauffe hat ſich vngefehrlich vmb den Sontag Misericordia Domini im Waßgaw erhaben, vnd im Kloſter Sturtzelbrunn verſamblet, welches ſie eingenommen, zerriſſen vnnd verwuͤſt haben, Von dannen dem Wolgebornen Grafen Emichen von Ley⸗ ningen, dem Eltern, fuͤr zwey Haͤuſer, Grafenſtein vnnd Lindenborn, gezogen, dieſe beyde erobert, gepluͤndert ond in brandt geſteckt, deßgleichen das Schloß Landeck, im Waßgaw gelegen, zum theil Churfuͤrſtl. Pfaltz zuſtaͤndig, ruͤckten weiter herab, namen das Schloß Rammenberg ein, den Dalbergern zuſtaͤndig, ruͤckten nachmals Albrechten von Pack fuͤr ſein Schloß Elmſtein, am Gebuͤrg hinder der Newſtatt gelegen, brachten daſſelbig in jhren Gewalt, pluͤn⸗ derten vnnd ſtecktens in Brandt, was ſie guts darinn funden alles mitgenommen, wendten ſich hernacher wider hinauff gehn Anweiler, namen daſſelbig ſampt dem Flecken Bergzabern ein, kamen darauff wie obgemeldt, zum Klee⸗ berger Hauffen gen Roͤdern, bey welchem ſie ein weil blie⸗ ben, ond darnach, als ſie die Schlacht zu Elſaßzabern dernommen, ſeind ſie mit dem Kleebergiſchen zertrennt worden. Das 35. Cap. Wie der Hertzog von Lottringen noch ein hauffen Bawern zu Scherweiler geſchlagen? Ach vollendung deß Handels zu Elſaßzabern, ward Hochgedachter Hertzog Anthonius von Lottringen wiederumb anheimb zu ziehen in willens, ond als er ein Tag oder zween zu Zabern außgeruhet hat, namb er den Zug auff Scherweyler, im Weyler Thal, im Elſaß gelegen, mit den ſeinen zu, Da er nun mit dem Krigß⸗ volck in die naͤhe gehn Dambach kam, ward jhme kund gethan, das ein hauffen Bawern, ſo vom Keſterholtz vom Gebirg herab gezogen, vorhanden wehre, Deßgleichen noch ein Hauff, der von Schlettſtatt herauſſer kommen, onnd bey Scheerweyler zuſammen geſtoſſen, waren behyde auff die 16000. ſtarck, dieſelben lieſſe er beſichtigen, vnd nach kurtzem bedacht eylends zu Roß ond Fuß, Mannlich an⸗ griffen, Da wurden ſolcher bey 5. oder 6000. erſchlagen, die obrigen, dieweil die dunckele Nacht ſo plotzlich einge⸗ fallen, fluͤchtig entrunnen, Dann ehe die Schlacht recht angefangen, war die Nacht ſchon fuͤr Augen, onnd wolten die Lottringſchen zum Handel ſehen, muſten ſie das Dorff Scheerwehyler auſtoſſen, ond ſich deß Glaſts vom Fewer behelffen, Darauff der Hertzog das Nachtlaͤger daſelbſten vmbhero genommen, deß andern Tags mit dem Heer auff⸗ gebrochen, ond wiederumb heim in Lottringen gezogen. 144 Das 36. Cap. Wie diß ſchaͤndlich Vbel in die Pfaltz kommen. S begab ſich in einem Dorff, bey Landaw gelegen, Eben genannt, am Sontag Quasimodogeniti, daß alter gewonheit nach, Kirchwehhe darinn gehalten ward, onnd mehrentheils von den ombligenden benach⸗ barten Orten beſucht worden, haben ſich etliche leichtfer⸗ tige Knaben mit einem Geſprech zuſammen verpflichtet, in meinung ein trewen Hauffen auffzuwerffen, Verſambleten ſich in der Nacht, bey dem Muͤnchhoff Geylweiler, auff einem Berg, von demſelben raubten ſie in die ombligende 44 Doͤrffer, oberfielen andere Bauern, weckten ſie in den Betten auff, ond beredten jhr viel das ſie zu jhnen, jhr fuͤrhabende Buͤberey ond Anſchlag zu volbringen, gelobten, Mehrten ſich dieſelbe Nacht dermaſſen, das jhr am fol⸗ genden Morgen an 100. bey einander kamen, Deß endt⸗ lichen fuͤrnemmens, in das Sibelthinger Thal zu ziehen, dieſelben auffzuwegen, vnd alſo ein Hauffen zu machen, Solches war dem Edlen ond Veſten, Jacoben von Flecken⸗ ſtein, dißmal Fauth zu Germerßheim(onder deſſen Ampt dieſe Geſellen gehoͤrten) in der Nacht ehlends zu wiſſen gemacht, derſelb macht ſich gleich ohne ſaumſeeligkeit auff, ond zu den Amptknechten in das Sibeltinger Thal, redt ſo viel mit denſelben ſeinen Amptsdienern, das ſie be— willigten ound zuſagten mit jhme zu ziehen vnd die Auff⸗ tuͤhriſchen Verſamlungen trennen helffen, ſo bald aber die verſambleten Bawern deß Fauths Ankunfft vnd ſein Fuͤhr⸗ nemen gewar worden, haben ſie ſich getrennt vnd die Flucht geben, Da ritt gedachter Fauth wiederumb anheimb, unnd blieben die ding alſo biß auff 8. Tage anſtehen, der zuverſicht, ſie ſolten auff jhres Fauts[45] getrewliches ermahnliches erinnern onnd warnen, ſo er fuͤr ſeinem Ab⸗ ſchied gegen jhnen aller muͤglichſt fleiß gethan, jr Eyd, Ehr, Trew, Pflicht ond ſelbſt eygen Wolfahrt beſſer be⸗ dacht, ond ſich in kein weiterung begeben haben: Aber was geſchach? So bald der guthertzige Juncker Fauth den Ruͤcken gekehrt, ond von dannen kommen, kondten ſie je⸗ doch ihr Eydoergeſſene loſe Tuͤck nicht laſſen, ſondern ver⸗ ſambleten ſich wieder in dieſelbige Orth etliche Rott Bawren, die fielen ins Stifft Klingenmuͤnſter, deßgleichen in das Kloſter Herdt, in das Johanniter Hauß Heimbach, ond in den Muͤnchhoff Metteßheim, namen Korn, Wein, Vieh ond Eſſenſpeiß darauß, vnd lebten im Sauß. Das 37. Cap. Wie ſich der recht Hauff zu Geylweiler ver⸗ ſamblet gehabt? J. demſelbigen, als der Kolbenhauffen den Flecken An⸗ weiler obgeſchriebener maſſen eingenommen gehabt, da haben die Bawren auß den Newkaſtler, Magdenburger vnnd Kirbweiler Aemptern, deßgleichen im Sibelthinger Thal zuſammen gethan vnnd ſich verſamblet, im ſchein, als wann ſie ernandtem Kolbenhauffen wiederſtand thun, vnnd demſelben nicht geſtatten wolten, ober ſie, noch an⸗ dere Benachbarte, weiters heruͤber zu ziehen, kommen alſo im Muͤnchhoff Geilweyler zuſammen, Nach dem ſie ſich nun daſelbſten zimblich geſterckt hatten, vnnd beduncken lieſſen, ſie wehren nunmehr wol gefaſt, verwandelten ſie jhr Gemuͤth, hielten jhr Wort nicht, zogen nichts deſto weniger vber jhre Nachbarn, in meinung, ſie auffzubringen, oder ſie zu betrüben, war jhnen niemand entgegen noch anzutreffen, weil ſie faſt alle ober einen[46] Leiſt gebachen, mahneten alſo zum vberfluß alle Bawern in den vmb⸗ ligenden Aemptern auff, vnnd als ſie mehrgemeldten Hoff Geilweyler, wie auch das Kloſter Euſſersthal gepluͤndert, zerriſſen, vnd allerdings verwuͤſt hatten, ſeind ſie von dan⸗ nen gehn Bechingen gezogen, Rudolffen von Zeißkeim zu⸗ ſtaͤndig, daſelbſten in ſein Schloß gefallen, daſſelbig ge⸗ pluͤndert, viel Guts darinn bekommen, darnach in Brandt geſteckt, Deßgleichen Hanſen von Dalberg ſein Schloß am Gebirg, Krobsberg genannt, eingenommen, daſſelbig ge— pluͤndert, beſetzt, ond darnach ſich gehn Heylbrucken ge⸗ legert, darinn das Frawenkloſter zu grund gepluͤndert, vnnd im Brandt nacher Himmel fahren laſſen, Auch ha⸗ ben ſie an dieſem Ort etliche Rotten der jhren, in die Speyeriſche Schloͤſſer, Odeßheim, Kaſtenburg, ꝛc. einzu⸗ nemmen, zu pluͤndern vnnd zu beſetzen geſchickt ond ab⸗ gefertiget, Aber zu Kirbweiler(welches alles nahe bey ein⸗ ander gelegen) etliche Beuten onnd Proviant zum halben theil ligen laſſen, ſich daſelbſten noch beſſer geſterckt vnd vber zween Tag auffgebrochen. Das 38. Cap. Wie dieſer Hauffe die Statt Newſtatt an der Hardt eingenommen? Nd mit dem gantzen Hauffen in einem Heer hinab gen Wintzingen gezogen, außwendig der Newſtatt, da⸗ 46 ſelbſten auff dem Viehberg, gegen der Statt auffwerts, haben ſie jhr Laͤger gehabt, die Statt am Sontag nach Misericordia Domini, mit vielen Trewworten auffgefor⸗ dert, Darnach omb 3. Vhr gegen dem Abend darfuͤr ge⸗ ruckt, durch welches die kleinmuͤtige Burgerſchafft die Statt auff ein bloſſes Schreckwort den Bawern, am folgenden Son⸗[47J tag Jubilate nach dem Mittags Imbiß vmb 12. Vhren, vbergeben, haben dieſelbe eingenommen, Der Baw⸗ ern Hauptleuth vnd Fuͤrnembſte auß dem Hauffen, ſich darein gelaͤgert, den Landſchreiber dißmal in Eyd ond Ge⸗ lübd genommen, damit ſie deſto ſicherer ſeyn moͤchten, Vnnd wiewol der Pfaltzgraf dieſe Burger, in ſo wol be⸗ feſtigter Statt, gantz Vaͤtterlich vnnd trewlich vor ſolcher loſer, leichtfertiger, Ehrvergeſſener Rott verwarnet, vnnd zu allem Ehrbarn billichmaͤſſigem Weſen vermahnet, ſo hat es doch nicht verfangen noch vertragen wollen, deſſen ſie ſich billich zu ſchaͤnen haben, daß ſie ſich ſo leichtlich, durch diß vngeſchickt Volck, abſchrecken laſſen. Das 39. Cap. Wie ſich der Hauffen auffm Gaw erhoben. Lſo hat ſich gleicher meynung vnd vornemmens, ein Able Leiningiſcher Bawern zu Bockenheim, anfencklich HLauff 300. vngefehrlich verſamblet, zu denſelben lief⸗ fen etliche boͤſe Kinder von Pfederßheim, bewegten die nechſten vmbligende Orth, vnd andere Leuth zu jhnen, mit erfordern vnnd tringen der Geluͤbt, oder ſonſten mit Trauworten, wie ſie kundten vnd mochten, zogen von Dorff zu Dorff, bey Worms gelegen, vberfielen unnd pluͤnderten das Frawenkloſter zu Hochheim, das Kloſter Libenaw aller- nechſt darbeh, zogen fuͤrters in das Stifft Newhauſen, Da theilten ſie auch mit den Stifftsherrn ab, vnd verbruͤeder⸗ ten ſich zween Canoniei, einer Philips Schenckel von Mergentheim, der ander Sixt Mager genannt, zu jhnen, zogen mit. Von dannen ruckten ſie fuͤr Herrußheim den Flecken, den Edelleuten von Dalberg zuſtaͤndig, daſelbſt wurden ſie ohn alle Gegenwehr eingelaſſen, trungen dero⸗ ſelben bey 40. mitzuziehen, auch etliche Hacken zu[48] 47 leyhen, die vbrigen alle namen ſie in jhre Verbruͤderung, zogen fuͤrobaß in ein groß Dorff, Oſthofen, naher Oppen⸗ heim zu gelegen, Pfaltzgraͤftſchen Gebiets, daſelbſten ſterck⸗ ten ſie ſich zum beſten als ſie kundten, brachen den Domb⸗ herren ihre Haͤuſer ab, zwangen etliche ombligende Dorff, als Hammen, Eych ond andere mehr mit jhnen zu ziehen, begaben ſich darnach gen Bechtheim, in ein Leiningiſch Dorff, uͤbten jren willen, von dannen ruͤckten ſie gen Weſt⸗ hoven, ein ſehr ſchoͤner nutzbarlicher Fleck, dißmal dem Pfaltzgraven ond der Herrſchafft Reipoltzkirchen zuſtaͤndig, namen denſelben ein, brachten die einwohnende Burger zu jhrer Bruͤderſchafft, bedurff keins zwangs, In Summa, die Bawerſchafft ins gemein waren faſt alle eines Sinns, vnd ober einen Leiſt geſchlagen. Das 40. Cap. Deß Pfaltzgraͤfiſchen Marſchalcks handlung, ge⸗ gen den Bawren zu Weſthoven. Ach dem der Edel ond Veſt, Wilhelm von Haabern, Pfaltzgraͤfiſcher Marſchalck eben der Zeit von Chur⸗ fuͤrſtl. Pfaltz mit 300. Raiſigen Pferden vnnd 500. Fußknechten, in das Ampt Altzen, zu deſſelben beſchirmung, auch die obrigen Vnderthanen vor weiterm Vnfall zu er⸗ halten, abgeordnet worden, ond dieſer loſen Bawern innen ward, hat er ſich mit gemeldtem Raiſigen Zeug vnnd dem Fußvolck, auff Weſthoven zugewandt, alsbald die Bauern ſolches vernommen, ſeind ſie auff 3000. ſtarck auß dem Flecken ins Feld gezogen, ſich in die Schlachtordnung ge⸗ ſtellt, onnd ein Wingertberg, allernechſt obwendig dem Flecken, zu jhrem Vortheil eingenommen, da hat wegen dieſes Vortheils gemeldter Marſchalck, ohne mercklichen Abbruch der ſeinen,(wiewol er[49] deß Handels begie⸗ rig) nicht wol mit jhnen treffen können, doch ließ er ſein Feldtgeſchuͤtz ſo viel er bey jhme hatte, zum dritten mahl in der Bawrenordnung abgehn, Als nun die Bawren ein ſolches zimlicher maſſen befunden, wolten ſie deß Mar⸗ ſchalcks klopffen laͤnger nicht erwarten, gaben die Flucht wieder in Flecken, Nach dem aber die Nacht vor Augen, 48 kont der Marſchalck nichts beſonders gegen jhnen mehr handeln, ohn allein daß der Bawren in der Flucht an 60. erſtochen ond niedergelegt worden ſeind. Das 41. Cap. Wie ſolche Bawren geflohen, vnd einem an— dern Hauffen bey der Newſtatt zugezogen ſeind. Ißmal in der Nacht, machten ſich die gemeldte Baw⸗ ren all fluͤchtig davon, gegen dem Gebuͤrg zu, mehr⸗ ten ſich onder Wegen, zogen dem Obernhauffen bey der Newſtatt zu, namen Wachenheim den Pfaltzgraͤfiſchen Flecken ein, blieben daſelbſten ſtill ligen, machten ihr Ver⸗ buͤndnuß mit dem bey: vnd angelegenen Hauffen, vnder⸗ lieſſen nit, alle Doͤrffer daſelbſten ombhero, die jhnen ge⸗ legen waren, zuerfordern ond an ſich zu ziehen, Dißmal ward auch Limburg das Aptey Schloß auffm Berg, onderhalb Wachenheim gelegen,(wie die vestigia vnd oberbliebne Gemaͤur noch zur zeit weiſen) eingenommen ond gepluͤndert. 150] Das 42. Cap. Welcher maſſen der Pfaltzgraff ſich mit dieſen bey⸗ den Hauffen vertragen. Ls nun die ding allenthalben in: vnnd auſſerhalb, rings herumm omb das Fuͤrſtenthumb, ſich ſo er⸗ ſchrocklich, grawſam ond hefftig begeben vnd zuge⸗ tragen, ward auß allerhand bewegnuſſen, beſonder weil man geneigt war, die Vnderthanen durch die Guͤte, dann durch den Ernſt ond Gewaltthaten zu ſtillen, auch das Chriſten Blut zu vergieſſen als viel moͤglich, zu verſchonen, Iſt Pfaltzgraff Ludwig durch die Burgerſchafft in der Newſtatt,(ohneracht jhres abfallens) verurſacht worden, gegen dem Hauffen zu Wintzingen guͤtliche Geſprech vnd Vnderhandlung zu werben, ond vorzuſchlagen, welche auch alſo von gemeinem Raht deß andern Gawiſchen Hauffens Hauptleuten ond Vorſtehern zugelaſſen, verſtatt ond be⸗ 49 willigt worden, Nemblich alſo, das ſein Churfuͤrſtl. Gn. ſampt dero Raͤth, am Mittwoch nach Jubilate Morgens zu rechter Tagzeit bey Forſt dem Dorff, im Feld ſelbſt eigner Perſohn, doch nicht ſtaͤrcker dann 30. Pferden er⸗ ſcheinen ſolt, darauff ſie ſeiner Churfuͤrſtl. Gn. ein ſicher Geleit begehrten, welches bewilliget ond angenommen worden. Auff ſolch zuſchreiben verfuͤgt ſich der Churfuͤrſt erzehlter maſſen auff beſtimbte Malſtatt, dahin kamen vnd erſchienen auch die Bawren Hauptleuth, mit ſampt eim Ausſchuß etlicher zugeordenten von gemeiner Bawerſchafft, Als ſie nun ſein Churfuͤrſtl. Gn. empfangen, ond der Sach ein Anfang gemacht hatten, kamen beyde Hauffen auch in der Ordnung herzu geruͤckt, lieſſen die Fetzen fliegen, ond ſich beſchawen, Da iſt nach langer[51J Hand⸗ lung ein Theidigung troffen, ſchluß onnd beſcheid gemacht, welcher von beyden Hauffen angenommen, bewilliget, zu⸗ geſagt, gelobt vnnd verſprochen worden, als nemblichen: Daß ſie die Bawrenſchafft alsbald von einander ziehen, vnnd ein jeder anheimb verfuͤgen, die eingenommene Staͤtt, Schloͤſſer ond Flecken raumen, dieſelbe denen ſo ſie zu⸗ ſtaͤndig, einantworten, zuſtellen, fuͤrters nichts darinn nemen, noch darauſſer thun. Darzu gegen jhr Churfuͤrſtl. Gn. den jhren vnnd ſeiner Gn. Schirmverwandten in ongutem nichts weiters fuͤrnemen noch handeln ſolten. Nach ſolcher wolbedachter Abred ond Theidigung zogen gegen dem Abend beyde Hauffen wieder ab, ein jeder in ſein Laͤger, waren an die 8000, ſtarck, vnnd ritt jhr Churfuͤrſtl. Gn. neben der Burgerſchafft, welche in der Ordnung ging, wieder in die Newſtatt. Darauff ward jhr Churfuͤrſtl. Gn. nicht voller Glauben gehalten, ſondern deß andern folgenden Tags kamen beyder Bawren Hauffen Hauptleut wiederumb zu jhr Churfuͤrſtl. Gn. endtlich zu beſchlieſſen, wann der angekuͤndte Landtag, onnd an welchem Orth oder Malſtatt derſelbig ſoll gehalten werden, Dieſelbigen Bawern Fuͤrgaͤnger, ließ ſein Churfuͤrſtl. Gn. zum Eſſen beruffen, namen darnach jhren Abſchied vnnd fuͤgten ſich wieder anheimb gen Heydelberg, theten ſolchen Landtag alsbald im gantzen Fuͤrſtenthumb außſchreiben, auch ſeiner Churfuͤrſtl. Gn. Ritterſchafft, Amptleuten vnnd gantzem 4 50 Kriegßvolck verkuͤnden, nichts weiters in zwiſchen zu uͤben noch zu handlen. Das 43. Cap. Wie Pfaff Eyſenhuet ein Hauffen bey Gochs⸗ heim verſamblet? Nter deſſen omb den Sontag Jubilate ongefehrlich, hat ein leichtfertiger Pfaff zu Eppingen ſo auff dem Kreichgaw befreundt geweſen Anthonius Eyſenhuet genannt, ein newen Lermen zu erwecken fuͤr genommen, warff ſich auff fuͤr ein Hauptmann, hieng etlich liderlich Geſindlein an ſich, die forderten andere Anſtoſſer ſo Muͤnd⸗ lich ſo Schrifftlich, Welche Außſchreiben mit mehr giffti⸗ germ, hitzigerm Ernſt, dann faſt alle andere Hauffen ge⸗ than, geſpickt waren, ond zum theil alſo auff dieſen Penor geſtellt. Gedult ond Demuth, Beſtaͤndigkeit in onſerm Hehland IEſu Chriſto wuͤnſchen wir euch in allen anli⸗ genden Noͤhten, zuvoran liebe Bruͤder, Ihr wiſſet das wir biß dahero, ſchwerlich hinder onſer Herrſchaffts Amptleu⸗ ten, deßgleichen bey Moͤnchen vnd Pfaffen geſeſſen haben, doch iſt es letzlich an Tag kommen jhre Haͤndel die ſie gebraucht haben, Gott ſey gelobt, Darumb ermahne ich euch auffs allerhoͤchſt das jhr von ſtund an, mit allen ewren Mitbruͤdern, alhie zu Gochsheim ankommen vnnd erſcheinen wollet, ſampt einem Wagen, damit das Evan⸗ gelium onnd die Gerechtigkeit ein fortgang vberkomme. Da jhr aber nicht kommen werdet, ſo wil ich ſampt mei⸗ nen Mitbruͤdern zu euch kommen, das ſollet jhr euch gegen mir troͤſtlich verſehen, ꝛc. Vnderſchrieb alſo ſeinen Namen, Anthonius Egſenhuet, Hauptmann. Erweckt ſolch Spiel, nach dem onnd als er mit einer Rott Bawren vom Wuͤrtenbergiſchen Hauffen zu demmal in Stuttgarten ab⸗ gezogen war. Nach dem er nun die Inwohner im Flecken Gochßheim[53] auff dem Kraichgaw, dem Grafen von Eberſtein zuſtaͤndig, zu ſeinem vorhaben bewegt, Alſo, das er ſein Lager bey jhnen gehalten, bracht er hernach in kurtzem an 200. Mann zuſammen, macht ein beſondern eignen Hauffen, auch war der Gemein Burgermeiſter im 51 Pfaltzgraͤfiſchen Flecken Hilſpach, Chriſtoff Haffner genannt, am Abend verſchienen Sontags, mit 13. oder 14. Geſellen zum Thor hinauß gangen, zwang alle die jhm begegneten zum Geluͤbt, ein Chriſtlicher Mitbruder zu ſeyn, zogen alſo dem Eyſenhuet zu, Vnder deſſen haben die zu Gochß⸗ heim die Edelleuth zu Mentzingen vberfallen, jhuen jhr Schloß gepluͤndert, darnach zog ermeldter Eyſenhuet mit ſeinem Volck vnd auffgerecktem Fahnen fuͤr den Flecken Eppingen, wurden daſelbſten zur ſtundt ohne einige noth nur auff ſchlechte aufffordrung eingelaſſen, Darnach ruͤckt er fuͤr Heydelßheim die Statt, ſo zwiſchen Bretten ond Bruſſel gelegen, die er auch ſolcher geſtalt erobert, nam ferner allerhand Doͤrffer, ſie wehren Pfaltz, der Edeln oder anderer Herrſchafften in ſein Gewalt, deßgleichen den Flecken Hilſpach, darinn der Churfuͤrſt ein new gebawt Kellerey hatte, fingen den Keller, pluͤnderten die Kellerey, der Pfaffen vnnd Edelleut Häuſer, Von dannen zogen ſie mit dem Hauffen, der ſich ſtets vnnd ohn vnderlaß mehret, für den Flecken Suntzheim, darbey oberhalb deß Bergs ein ſchoͤner Stifft gelegen, daſelbſten wurden ſie von den Burgern gleicher geſtalt ohne beſondern Wiederſtand ein⸗ gelaſſen, fielen den Stifftsherren in jhre Haͤuſer, ſchlugen die Fenſter auß, brachen die Haͤuſer ab, verwuͤſteten, nah⸗ men, pluͤnderten alles was ſie darinn funden, blieben da⸗ ſelbſten etliche Tag ſtill ligen, dann ſie zimblichen Tranck vnd Proviant in den Stifftshaͤuſern funden, onderwegen, vnnd ehe ſie zu Suntzheim ankommen, ſteckten ſie Hans Hypolito von Venningen ſein Schloß, der Steins⸗[54 berg ſonſten der Compaß auff dem Kreichgaw genannt, in Brandt, welches Schloß zwiſchen Hilſpach vnd Suntzheim gelegen, ein ſchoͤn Hauß, mit einer Ciſtern, machten damit ein Luſtfewer onnd ſchrecken, das allenthalben in der gantzen Revier rings herumb, ſcheinbarlich zu ſehen war, dann daſſelb Schloß lag auff einem weitſichtigen Berg, den man ſehr ferrn in dem gantzen Brurain faſt wol ſehen koͤnnen. Das 44. Cap. Wie ſich der Pfaltzgraf mit dieſem Hauffen auch vertragen? Egenwaͤrtigen als auch weitern Abfall der Vndertha⸗ nen zu verhuͤten, onderſtund der Churfuͤrſt abermahl ein mildte Bahn zu gehen, vnd lieber die Guͤte dann den Ernſt, wann es nur helffen wolt, ſcheinen vnd leuch⸗ ten zu laſſen. Erſucht derohalben ermeldten Eyſenhueti⸗ ſchen Hauffen durch ein Schrifft, mit einverleibtem Er⸗ bieten, woferrn ſie ab jhr Churfuͤrſtl. Gn. ein Beſchwer⸗ nuß truͤgen, wolt ſie jhre Raͤth, doch auff gnugſamme vergleitung zu jhnen ſchicken, von jhnen jhr Anligen zu vernemmen, vonnd dann jhr Churfuͤrſtl. Gn. die Gebuͤhr darauff zu erweiſen. Dargegen ſchrieb obermeldter An⸗ thonius Eyſenhuet vnnd Thoman Reuß Hauptleuth, ſampt den Verordenten ihr Churfuͤrſtl. Gn. auch ein meynung, ernannten dem Churfuͤrſten Tag vnnd Malſtatt, aber vber 10. Pferd nicht zu ſchicken, Darauff ward vom Chur⸗ fuͤrſten der Wolgeborne Graf Philips von Naſſaw, Herr zu Wießbaden, ſampt etlichen andern Raͤhten mehr, zu den Bawren abgeordnet, die erſchienen bey den Hauptleu- ten, onnd dem Bawren Regiment auff beſtimbter Malſtatt, vernamen der Bawren mehynung, thaͤtigten auff[55] ein Abſchied, der ward an einem Montag, nach dem ermeldte Raͤth inzwiſchen geſetzter Bawren mehynung omb nachrich⸗ tung ond ferrner instruction, weſſen ſie ſich zu verhalten, an Churfuͤrſten berichtet hatten, ſo ferrn beſchloſſen, daß ſich die Bawren in mittels, ohn laͤngern auffenthalt tren⸗ nen, von einander ziehen, onnd zu ruhe begeben ſolten, Es geſchach aber von den Bawren nicht, ſondern trieben jhren Mutwillen fuͤr vnd fuͤr, Vnangeſehen, ſie auch jhr Churfuͤrſtl. Gn. ond dero Raͤhten, ein frey ſicher Geleyt zugeſchrieben, hielten ſie es doch nicht? Sondern erzeigten ſich gegen den Raͤhten mit trutzigen Gebaͤrden, Worten vnd Wercken, dermaſſen, das ſie die Raͤhte eine gantze Nacht, in Gefahr Leibs vnnd Lebens geſtanden, auch ſich alle Stund vnd Augenblick anders nichts dann ſterbens getroͤſten muſten. Das 45. Cap. Wie fromme Bawren, Ehr: vnd Trewloſe Bawren im Lauterer Ampt nidergeworffen ond bezwungen haben? IN ſolchen beſchwerlichen Faͤllen onnd Zuſtaͤnden ward dem Churfuͤrſten ein Bottſchafft gethan ond damit ver⸗ kuͤndt, wie das ſein Churfuͤrſtl. Gn. noch etliche Red⸗ liche Gemuͤhter ſeiner Vnderthanen hette, Dann nach dem die Amptsverwandten zu Lauttern, im Newſtieler Ampt vnnd Fiſchbacher Pflege ombgeſchlagen ond visktirt, hatten ſich auff 1000. ond mehr, der Rottirenden Bawren ver⸗ ſamblet, zu welchen ſich noch viel von dem zertrennten Kolbenhauffen geſchlagen, die onderſtunden jhren Hauffen durch Bitt, bedraͤvung, zwang vnnd betrang wie ſie kondten, auch vermahnlich, Schrifftlich, ſo wol auch Thaͤtlich zu vergroͤſſern, fielen in[56] die embligende Doͤrffer, be⸗ trangten viel Bawren, deßgleichen in die Kloͤſter, Otter⸗ burg ond Fiſchbach, ſchlembten unnd praßten darinn, be⸗ raupten, verwuͤſteten vnd pluͤnderten dieſelben, riſſen vor groſſem Muthwillen viel Fiſchwaͤg(deren es in dieſer Re⸗ vier die mennig hatte) ein, das man die Straſſen nicht brauchen kundte, verlieſſen ſich auff den groſſen Hauffen, ſo obwendig im Land gelegen, dann ſie alle ein gleich⸗ lautende Practick ond Verſtand hatten, ruͤckten fuͤr etlicher Edelleuth Haͤuſer, onder deren eins den von Hoheneck zuſtaͤndig, welchs ſie bald ohn einigen Widerſtand eroberten, zogen darnach fuͤr alt Scheel Odenbach, Philipſen von Gundtheim zuſtaͤndig, vermeinten daſſelbig auch im erſten Anlauff zu gewinnen, wurden von gemeldtem Philipſen, der eben zur Zeit einheimiſch war, dermaſſen abgewieſen, daß ſie von jhrem Fuͤrnemmen bald abgeſtanden, zogen ab, in willens ſich beſſer zu ſtercken, Vnd nach dem etlicher liederlicher geringer Buben in der Statt Lauttern, die auch gleiches ſchlags, ond auffruͤhriſchen Willens waren, mey⸗ nung, fuͤr ſolche Statt zu ruͤcken, onnd jhren Willen zu erluſtieren. Aber was geſchach? Als ſie ſich zuvorn hoͤren vnnd vernemmen laſſen, deßwegen auch zuſammen ge⸗ chworen hatten, ſie wolten jhre Nachbarn in den Gerich⸗ 54 ten Kobelberg, Weilerſpach, Ramſtein vnnd Steinwinden, welche auff ihr erfordern vnd begehren, nicht in jhr boͤß Tyranniſch vorhaben gehoͤllen noch bewilligen wolten, ſon⸗ dern als fromme Ehrliebende Leuth, jhr Pflicht vnnd Eyd vnverbruͤchlich zu halten, bedacht waren, vberziehen, noͤtigen, tringen oder gar verbrennen, ꝛc. Da verſamleten ſich dieſelben 4. Gericht, an 4. oder 500. ſtarck, vnd nach dem ſie ein zimbliche Huͤlff von den Amptleuten zu ge⸗ warten, zogen ſie obvermeldten jhren Feinden, den Ab truͤnnigen, Eydbruͤchigen, Ehrloſen Bawren, die ſich bereit auff Weylerbach zugewandt[57] hatten, vnder augen, ſprachen dieſelben Maͤnnlich an, erinnerten ſie jhrer ſchandt⸗ lichen begangener miß handlungen, trungen ſie entlich mit gewehrter hand dahin, daß ſie ſich in jhres Herren Pfaltz⸗ graff Ludwigs Churfuͤrſten hand vnd gefaͤngnuß begeben, von der Hohenecker eingenommenen Behauſung abtretten, vnd jhrer Churfuͤrſtl. Gn. wieder zuſtellen, darzu alle Wehr, auch was ſie geraubet vnd gepluͤndert, bey jhnen hatten, ſolchen 4. Gerichten vnd Gemeinden liefern vnd vberantworten muſten, welcher Plunder folgendts all mit⸗ einander vom Churfuͤrſten, der nit allein ſolcher handlung ein groß gefallens vnd frolockens getragen, ſonder mit gnaͤdigſter danckſagung vnd Fuͤrſtlicher verehrung, den ge⸗ trewen Vnderthanen vberlaſſen vnd geſchenckt ward. Das 46. Cap. Wie ſich die Bawern der gethanen abred vnd zu⸗ ſag ſo gar ohngemeß ond zuwider verhalten. ff die vorgemelte handlung, ond gethane abrede, ſo Pfaltzgraff Ludwig Churfuͤrſt, mit dem hauffen zu Wintzingen ond Wachenheim gehabt ond gehalten, ſich ſein Churfuͤrſtl. Gn. verſehen, ſie wuͤrden jhrer ge⸗ thanen zuſag vnnd verſprechen onverwaigerlich nachkommen vnd von einander gezogen, Seiner Churfuͤrſtl. Gn. ange⸗ hoͤrige verwanten ferrner ohnbetruͤbet, ſich anheimbs ge⸗ than, vnd in ruhen geſeſſen haben. Es blieb aber vnder⸗ wegen, dann ſie erſt nach der hand zwey Schloͤſſer bey der Newſtadt gepluͤndert, Wolffsberg ond Wintzingen ge⸗ 55 heiſſen, die ſie zuvor eingenommen hatten, deßgleichen Rupperßperg, ein gut Waſſerhauß, dem Pfaltzgraͤffiſchen Hoffmeiſter vnd ſeinem Bru⸗[58] der zugehoͤrig, darinn ſie viel Guts, an Haußrath, Wein, Fruͤchten vnd anderm gefunden, vnd es zu grund außgefegt, Darzu dem Biſchoff von Speyer ſein Flecken Deyteßheim Inngenommen, vnd das Schloß darinn gepluͤndert. Nach ſolchem thet ſich der Wachenheimer hauff wider hinunder auff den Gaw, le⸗ gerten jhr Regiment mit einer verſamblung gen New⸗ hauſen, So zogen die andern hauffen ohnzertrent fuͤr die Stadt Landaw, onderſtunden dieſelbe jhres gefallens zu tringen, ond der Geiſtlichen Guͤter herauß zu haben, wur⸗ den aber in kurtzem durch der Innwohnenden Burger⸗ ſchafft widerſtand ond gegenwehr zum abzug, doch auff etliche mittel gebracht. Als daß ſie dem hauffen etlich Wein vnd Korn, von der Geiſtlichen Guͤter zuſtellen ſol⸗ ten, Demſelben nach, namen ſie Scharpfeneck, den Grafen von Löwenſtein zugehoͤrig Jun, nach beſchehener Pluͤnde⸗ rung, branten ſie es aus, Forderten darnach Neweaſtel ond Drehfelß auff, darinn wurden ſie mit einer anzal gelaſſen, theten aber mit Pluͤndern ond anderm keinen ſchaden, ond legerten ſich in den Moͤnchshoff Moͤrlin bey Landaw gelegen. In deme hatten ſie vernommen, wie daß jhre Mit⸗ bruͤder zu Elſaßzabern laͤgen, vnnd wie ſie der Hertzog von Lotringen belegert, Derohalben ſie eylents zu Moͤrlin auffbrachen, in willens, jhren Mitbruͤdern beyſtand zu thun, wie ſie aber hinauff gen Altenſtadt, bey Weiſſen⸗ burg kamen, ond ſie innen worden, welcher maſſen ge⸗ dachter Hertzog mit denſelben gehandelt, vnd ſie geſchlagen hatte, ſein ſie von jhrem fuͤrnemmen abgeſtanden, ſich ge—⸗ wendet, zertrent, vnd anheimbs gezogen. Die Hauptleut aber ſich gen Pillicheim gethan, doch in kurtzem, als der Pfaltzgraff zu Feld gezogen, haben ſie ſich wider empoͤrt, vnangeſehen, daß ſie der Landſchreiber zu Germerßheim ſo trewlich vermahnt ond gewarnet, nichts[59] weiters in mittels fuͤr zunemmen, ſondern deß außgeſchriebenen Land⸗ tags geruͤwiglich erwarten ſolten, geſtalt ſie jhrer Chur⸗ fuͤrſtl. Gn. zu geſagt vnd verſprochen, Haben ſie ſich doch wider zu Moͤrlin verſamblet, ond daſelbſt etlich tag, biß ſie ſich wol geſterckt hatten, gelegen, ſeind folgents wie gemelt wird, gezogen, ond mit der that gehandelt, Vnd obwol die Speheriſche Bauern vom Brurain, jhres Herrn deß Biſchoffs Schloß zuverwahren Inngenommen, haben ſie doch in daſſelb Schloß Magdeburg, obwendig Landaw gelegen, die Bawern gelaſſen, ond es im Boden auß brennen laſſen. Das 47. Cap. Wie Aßmus von der Hauben, ꝛc. das Kloſter Franckenthal geplündert. S war ein Edelman zu Dirmbſtein wonhafft, Aßmus don der Hauben, der hieng ein leicht Geſindlein an ſich, fiel dem Pfarrherrn daſelbſt ins Hauß, nahme jhme das ſeinig, zog darnach ohnbetracht ſeiner Ehren vnd Verwantnuß, auch wie ſeine Voreltern bey der Pfaltz herkommen, mit einem heufflein gen Franckenthal ins Kloſter, Nam daſſelb Inn, ließ es allerdings Pluͤndern, Berauben, zerreiſſen vnd verwuͤſten, hatte jhm fuͤrgenom⸗ men, weiter dermaſſen zuhandeln. 160] Das 48. Cap. Welcher maſſen ſich der Pfaltzgraff bewarb. Jeweil dann weder Glaub, Ehr noch Trew von den Bawren gehalten oder betracht ward, vnd Sein Chur⸗ fürſtl. Gn. deren vnd anderer vrſachen halber, den ernſt je fuͤr die hand nemen, vnd auff mittel bedacht ſein muſt, ſolchem grauſamen pbel zu begegnen, damit das weitſchwebend, Bludtuͤrſtig, verwegen vnd mutwillig fuͤr⸗ nemmen der trewpruͤchigen Vnderthanen gegen jhren Ober⸗ keiten dermal eins gedempfft werden moͤcht, vnnd deme nicht mit ſchaͤdlicher gedult, laͤnger zu geſehen wuͤrde, So bewarb ſich Sein Churfuͤrſtl. Gn. eylends bey dero Herrn Gefreundten Verwanten vnd Vnderthanen, nicht allein Seiner Churfuͤrſtl. Gn. Herrn Brudern, dero Herrn Freundten, ſonder auch gemeinem Oberland zu gut, Schickt ſich alſo zum Heerzug, hielt darneben bey dem loͤblichen Bund zu Schwaben, dieweil ſie auch ein Glid deſſelben war, vmb hilff an, brachte in kurtzem von Grafen, Herrn, Edeln der Pfaltz verwanden, ein ſchoͤnen Raiſigen zeug, auff die 1000. Pferd zuwegen, deßgleichen bey 3000. beſtes Fußvolcks. So kam auch jhrer Churfuͤrſtl. Gn. zu huͤlff, der Hochwuͤrdigſt Fuͤrſt vnd Herr, Herr Reichart, Ertzbiſchoff zu Trier, deß H. Roͤmiſchen Reichs zu Gallien, vnd durch das Koͤnigreich Arlate Ertzeantzler vnd Chur⸗ fuͤrſt, in eigner Perſon, mit 300. wolgeruͤſter Pferden, ond 1500. wolgeruͤſter Niederlaͤndiſcher Knecht. So ſchickt der Durchleuchtig Hochgeborne Fuͤrſt vnd Herr, Herr Phi⸗ lips, Landgraff zu Heſſen, Graff zu Catzenelnbogen, zu Dietz, Ziegenhain ond Nieda, ꝛc. So viel[61] er ſeiner eignen ſach halben thun kondt, auch etlich Raiſige Pferd, vnd wo derſelb nicht mit ſeiner eignen Landſchafft, die gleichfals auffruͤriſch, zu thun gehabt, were er villeicht mit einem andern zeug erſchienen. Das 49. Cap. Wie der Landgraff zu Heſſen gegen den Bawren in ſeinem Fuͤrſtenthumb gehandelt. S hatten ſich omb Georgiß ſolcher eigenwilliger Baw⸗ ren vonder dem Apt von Hirſchfeld ein gute Summa erſtlich verſamblet, den Flecken Hirſchfeld Ingenom⸗ men, deßgleichen ein mercklicher hauff omb Fulda, auff 6000. Vnd als ſich Seiner Fuͤrſtl. Gn. eigen Landſaſſen zu jhnen bewegten, auch ſchon viel Flecken, ond Haͤufer Ingenommen, ſonderlich das Staͤdtlein Vach, deßgleichen viel Kloͤſter beraubt ond verwuͤſt hatten, Erhub ſich Sein Fuͤrſtl. Gn. der Landgraff, mit ſeiner Ritterſchafft, Knech⸗ ten ond etlichen ſeiner gehorſamen Vnderthanen, ſo viel er in der eyl zu wegen bringen kont, zoge ſolchem hauffen vnder augen, ond als er auff ein Meil wegs nahe gen Hirſchfeld kam,(dann daſelbſten ein gute Summa der Bawren in einem hauffen lagen) ſchickte Sein Fuͤrſtl. Gn. an die 40. Pferd zu jhnen, ließ jhn ſein ongenedig ge⸗ 58 muͤth mit ernſt fuͤr halten. Auff das haben die Fuldiſche Bauren vnd Buͤrger ſo auff 4000. vor: vnd in Hirſchfeld gelegen, ſich alsbald in genad ond ongenad ergeben, Sei⸗ ner Fuͤrſtl. Gn. den Flecken ſampt der Gewehr, vberant⸗ wortet, vnd dieſelbe fuͤr ein Erbherrn angenommen. Nun lagen noch 3. hauffen in derſelben Arth an einem Orth, in die 4000. bey Schmalkalten biß in die 5000. ond[62] dann im Stifft Fulda, biß in die 6. oder 7000. ſtarck, dergeſtalt, daß ſie alle in einem tag zu hauff ziehen konten. Derohalben der Landgraff, Als er Hirſchfeld Inngenommen ond Beſetzt, am Dienſtag nach Misericordia Domini von dannen nach der Buchen, in ein Flecken Vaſtdorff gezogen, am folgenden tag, Heydfeld den abgefallenen Flecken wider Inngenommen. Darnach mit ſeinen Reyſigen vnd Fußvolck, fuͤr die Stadt Fulda geruckt, da dann die Bawren in obgemelter Summen ge⸗ legen, vnd ſich herauß an den Frawenberg gethan, jhr Schlachtordnung gemacht, ond ſich zur gegenwehr geſtelt. Darauff der Landgraff den ernſt auch fuͤr die hand ge⸗ nommen, ond jhnen zum nechſten zu mit der Schlacht⸗ ordnung, zu Roß ond Fuß, zugezogen. So bald die Bawern ein ſolches geſehen, ſeind ſie alle fluͤchtig worden, darauff der Landgraff ſein Feldgeſchuͤtz zur Stadt hinein abgeſchoſſen, ond ſie mit dem ernſt gemahnt, darzu das Fußvolck die Stadt an einem orth mit Sturm anlauffen laſſen, In deme ſeind die Fuldiſchen Seiner Fuͤrſtl. Gn. onder augen kommen, dero zu Fuß gefallen, ond ſich in dero genad ergeben. Als nun Ihr Fuͤrſtl. Gn. die Stadt Fulda mit den Bawren erobert, verhart er etlich tag da⸗ ſelbſten. Wie nun die empoͤrung der Bawren: vnd Bur⸗ gerſchafft durch ſolche der Stadt Fulda Eroberung abge⸗ wand ond zum gehorſamb wider gebracht, ond aber viel treffentliche verſamblungen in Tuͤringen auff geſtanden, die den Grafen, Herrn, Edeln fuͤr ihre Flecken ond Haͤuſer gezogen, dieſelben Jungenommen, oberweltigt vnd gepluͤn⸗ dert, theils verjagt, theils gefangen, alle Kloͤſter in Tuͤ⸗ ringen geſtürmbt, zerriſſen, elendiglich verwuͤſt, ond allen muthwillen jres gefallens geſtifft hatten, die Stadt Eſch⸗ wege, jhme dem Landgrafen zugehoͤrig,(darin ſeiner Rey⸗ 59 ſigen auff 100. Pferd gelegen): Deßgleichen Seiner Fuͤrſtl. G. viel angehoͤrige Staͤdte[63] vnd Flecken auffgefordert, dabey waren auch viel Bawren von dem hauffen ſo Schmalkalden Ingenommen. Als aber dieſelbe die erobe⸗ rung der Stadt Fulda gewar worden, ond das ſelbige Bawern erſchlagen, zertrent ond verloffen wehren, ſeind ſie zu der Tuͤringiſchen verſamblung gezogen, Deßgleichen lag ein groſſer hauff zu Heldrungen beyſamen. Da ward der Landgraff verurſacht, wolte er nicht ferrner ſchaden, ſchimpff ſpot vnd weitern abfallens der ſeinen erwarten, den nechſten weg nacher Tuͤringen zu trachten, zoge alſo dem Schmalkaldiſchen hauffen nach, kam mit ſeinem Kriegsvolck(das vnder weg geſterckt ward) in der wochen nach lubilate gen Eyſſennach. Das 50. Cap. Wie die Herrn von Sachſen, Braunſchweig ond Heſſen, gegen den Bawern in Tuͤringen gehandelt. O waren die Hertzogen von Sachſen, ond Hertzog Henrich von Braunſchweig gleicher geſtalt mit gutem wolgeruͤſtem Fußvolck ond Reyſigen auff, die zogen all zuſamen mit einem hauffen, fuͤr Franckenhauſen, den Flecken, darinn ein mercklicher hauffen gelegen, Als die Bawern nun ein ſolches geſehen, theten ſie ſich herauß auff ein Berg, nahe beym Flecken, Namen den zu jhrem vortheil inn, der halßſtarrigen meinung ond fuͤrnemens, ſich gegen jhnen in die gegenwehr zu ſtellen, Aber da ſie der Fuͤrſten Volck anſichtig, entbotten ſie jhnen ſchrifftlich, Wie daß ſie Chriſtum erkenten, wo ſie den auch bekenten, ond ſich in jhrem fuͤrnemen meſſigten, wolten ſie nichts thaͤtlichs gegen jhnen fuͤrnemen noch handeln? Darauff ward jhnen von den Fuͤrſten, nach fuͤrhaltung jhrer angenommenen boßheit vnd thranniſchen thaten, zur widerantwort ge⸗[64] ben, Wo ſie den Thomam Muͤntzern, den Stiffter dieſer vnfug, ſampt ſeinem anhang in der Fuͤrſten ſtraff liefern wolten, wuͤrde man die obrigen zu genad ond vngenad annehmen. Nachdem ſich aber deß hauffens antwort etwas ver⸗ 60 laͤngert, brachen die Fuͤrſten auff dem Berg nahe zu den Bawren, lieſſen das Fußvolck vnd Raiſigen eylends nach hengen, ond das Geſchuͤtz alſo bald in ſie die Bawren abgehn, von welchem ſchieſſen ſie alle den Berg hinab in die Stadt, vnd wie ſie kunten, fluͤchtig entwichen, ond wur⸗ den deren viel in der nacheyl erſtochen, Doch haben die Fuͤrſten vom handel nicht abgelaſſen, ſonder mit aller macht fuͤr die Stadt geruckt, daſelbſten ein Sturm anrennen laſſen, ond ſie alſo gewaltiglich erobert, alle Manßperſonen darin erwuͤrgt, ond die Stadt gepluͤndert. Nachmals, als erſt der recht hauff in der Stadt Muͤlhauſen vorhanden, darin ermelter Thomas ſein weſen hatte, auch ein orſprung ond gebehrerin ſolches vberſchwencklichen groſſen obels war, Namen die Fuͤrſten jhren Zug fuͤr dieſelbige, eroberten die auch mit gewalt, Vnd als die Redlinßfuͤhrer geſtrafft, ond Thomas Muͤntzer durch den Hencker ſein gebuͤhrenden lohn empfangen, das Land ruͤwig, ond die onderthanen wider in ein gehorſamb bracht worden, ſeind die Fuͤrſten, ein jeder mit ſeinem habenden Kriegsvolck, wider anheimbs gezogen. Das 51. Cap. Wie Hertzog Friederich von Bayern gegen den auffruͤriſchen Bawren gehandelt. O war der Durchleuchtig Hochgeborne Herr, Herr Friederich, Pfaltzgraff bey Rhein, ond Hertzog in Bahren, deß Hochgedachten Pfaltzgraff Ludwigen 165] Churfuͤrſten Bruder mit eignen Haͤndeln, der auff⸗ ſtehenden Bawrenſchafft dermaſſen beladen, daß Sein Fuͤrſtl. Gn. verurſacht ward, anheimbs zu bleiben, ond nach dem ſich Seiner Gnu. auch anderer Herrſchafften da⸗ ſelbſten herumb Vnderthanen verſamblet, Ins Stifft Ay⸗ ſtadt gefallen, jhres gefallens darinn gehauſet ond rumort, onnd darzu noch den Hertzogen ond die ſeinen angegriffen, ond vielfaltiglich beſchedigt. Brachte Sein Fuͤrſtl. Gn. in der ehl, auff 4. oder 500. Pferd zu ſamen, thete ſich mit denſelben onnd etlichem Kriegsvolck zu Fuß, das zum Ge⸗ ſchuͤtz verordnet war, zur Feindsſtadt ins Suͤltzgaw, ond 61 dieweil er ein milter Fuͤrſt war, onderſtund er ſich, die Bawren von jhrem ſchaͤndtlichen vnnd vnſinnigen fuͤrnem⸗ men zubringen, fuͤgte ſich allernechſt zum Meſſingerberg, den die Bawern mit ſampt dem Schloß darauff, zu jhrem vortheil Inngenommen, ließ etlich Bawern ond deren Hauptleut, auff zugeſchickt Gelaidt, zu ſich kommen, er⸗ innert dieſelbe voriger vorgeſchlagener mittel, weiterung zuverhuͤten? Aber ſie beſtunden auff jhrer hartneckiſchen fuͤr genommenen meinung, Derohalben zohen bede theil ohn entſcheyd von einander, Derowegen Sein Fuͤrſtl. Gn. der ſach in acht nam, ond ward taͤglich bewegt anzu⸗ greiffen, ruͤckt derohalben folgenden tag mit den Raiſigen, Fußvolck ond Geſchuͤtz, auff obgemelten Berg, ferners nach ſolchen trewloſen Bawern ond jhrem Leben zu trachten, Nachdem aber alle die Bawern von dem Berg gewichen, ſich zertrent vnd verloffen, nam Sein Fyuͤrſtl. Gn. das Schloß ebenmaͤſſig wider ein. Darin der vornembſten Hauptleut einer beneben etlichen Fußknechten betretten, dieſelbe lies Sein Gn. alſo bald auff dem Platz ent⸗ haupten, ond das Laͤger außbrennen. Darnach in das Ayſtadter Biſtumb gezogen, daſſelbe nach volbrachter ſtraff der Capitainer vnd Redlinßfuͤhrer, dem Biſchoff[66] wider in gebuͤrenden gehorſamb bracht, ond dardurch all andere Seiner Fuͤrſtl. Gn. Vnderthanen vnd Landſaſſen vor wei⸗ term abfall erhalten. Das 52. Cap. Welcher geſtalt die Bundtiſchen Kriegsleuth die Wuͤrtenbergiſche Bawern bey Boͤblingen ge⸗ ſchlagen. Vn mitlerweil, Als ſich die ding allenthalben am Rhein, im Elſaß, in Schwaben, Francken, Heſſen, Tuͤringen vnd anders wo, wie oberzelt, ſo weitleuff⸗ tig zugetragen, ond der Wolgeborne Herr, Georg Truchſes, Freyherr zu Waldburg, ꝛc. deß Bunds zu Schwaben Oberſter Feldhauptman, alle ſachen in dem Allgaw, auff der Alb, am Bodenſee ond daſelbſt vmb, mit huͤlff deß Allmaͤchtigen gluͤcklich, vnd dermaſſen zum friedlichen weſen 62 bracht, daß man ſich derends einiger noth nicht mehr zu⸗ verſehen: Vnd dann die leuffe im Fuͤrſtenthumb Wuͤrten⸗ berg, in der Pfaltz, im Stifft Wuͤrtzburg, ſich vor andern orthen ſo beſchwerlich, ſeltzam, ſorglich ond geſchwinder weiß hielten, daß zubeſorgen, wo deme nicht ehlends mit ſtarckem dapfferem widerſtand begegnet, es wuͤrde zu keinem guten end, ſondern vielmehr zu ondertruckung aller Ober⸗ keit Teutſcher, auch villeicht anderer Nationen gereichen. Derohalben ward auff verordnung deß Bundts Herr Georg Truchſes mit allem ſeinem Heer, bedes zu Roß ond Fuß außgeſchickt, der ſich auß dem ſelben orth, durchs Hegaw herab, eylends ins Land zu Wuͤrtenberg fuͤgt, kam am vierten tag gen Tuͤbingen, ließ alſobald gegen Hernberg, darin viel Bawren lagen, handeln, erobert den⸗ 167] ſelben Flecken, Vnd als nachfolgends mit dem Heer vor Weyl im Schonbach ond fuͤr Mauren herauß gezogen, ond nun auß dem Wald kommen, ſeind die Wuͤrtenbergiſche ond andere auffruͤriſche Bawern, darvon oben meldung geſche⸗ hen, auff die 12000. ſtarck in zweyen Staͤdten, Boͤblingen ond Sindelvingen gelegen, ond als ſie deß Bundtiſchen Heers innen ond anſichtig wurden, theten ſie ſich auß den Staͤdtlin herauß, ſtelten ſich in die Schlachtordnung, Iſt aber zwiſchen beden Heeren ein Moraß geweſen, derohalben Herr Georg nicht zu jhnen kommen mogen, ſondern ob⸗ wendig Boͤblingen hinziehen muͤſſen, ond ehe er auff Boͤb⸗ lingen kommen, haben die Bawren mit ihrem verlohrnen hauffen widerumb ein hoͤhe hinder dem Schloß Boͤblingen Ingenommen, etlich jhres Geſchuͤtzes darauff bracht, ond das Rennfaͤnlin, ſo darauff gedruckt, wider abgetriben, in deme hat Herr Georg das Staͤdtlin Boͤblingen wider In⸗ genommen, daſſelb mit etlichen Knechten(damit die Bawern nicht wider hinein kommen mochten) beſetzt, auch viel Hacken, Buͤchſen ond Schuͤtzen ins Schloß bracht, die dann auff ſelbige hoͤhe dienlich waren, darneben auch ein andern Berg Ingenommen, dardurch der Hauptman im Schloß mit den Knechten ond dem Geſchuͤtz, ſo er vnder ſie ließ gehen, der Bawren verlohrnen hauffen widerumb von obangezeigtem Berg ond vortheil getrieben. Darnach mit den Reyſigen auff den hauffen kommen, das Geſchuͤtz 63 in jhr Ordnung abgehn laſſen, gleich darauff mit den Reyſigen Zeugen gegen jhnen troffen, In welchem treffen geordnet geweſen, zum erſten Pfaltzgraff Ludwigs Chur⸗ fuͤrſten Faͤnlin, als ſeiner Churfuͤrſtl. Gn. geſchickte Reutter, darnach die Oeſterreichiſchen, ond darnach ein hauffen auff den andern, biß ſo lang jhn Gott der All⸗ maͤchtig den Sieg verliehen, daß ſie gemelten[68] groſſen hauffen Bawern in die Flucht gebracht, Ihnen all jhr Geſchuͤtz, Waͤgen ond etliche Faͤhnlin abgenommen, die Bawern mehrentheils alle erwuͤrget, erſtochen vnd erſchla⸗ gen, ohn allein daß jhr etliche den Reutern im Walt entrunnen, ze. Vnd haben die Bundiſchen von dieſer Schlacht kein ſonderlichen ſchaden empfangen, ond alſo die empoͤrung dißmal im Fuͤrſtenthumb Wuͤrtenberg geſtilt, ond wider in gehorſamb bracht. Das 53. Cap. Wie durch die Bundtiſchen Weinßberg ge⸗ ſchleifft worden. A nun Herr Georg etliche tag daſelbſten verhart, vnd aber der hell liecht hauffen, ſo auff die 20000. ſtarck, vor onſer lieben Frawen Berg, in der Stadt Wuͤrtz⸗ burg ond darbey zu Heydingsfeld lag, deß Bundtiſchen Heers zukunfft ond handlung vernamb, onderſtunden ſich dieſelbe Bawren dermaſſen in den handel zuſchicken, daß ſie vermeinten, nicht allein dem Bundtiſchen Heer wider⸗ ſtand zu thun, ſondern auch ihr boßhafftig, grimmig, vn⸗ chriſtlich fuͤrhaben zu volnziehen, zoge Herr Georg Truch⸗ ſes mit ſeinem Fußvolck vnd Geſchuͤtz herab auff Wein⸗ ſperg zu, willens(wie dann jederman in ſeinem Heer daſſelbig zufrieden, zu thun ond zuhelffen degierig) die ſchandlich tyranniſche begangene handlung daſelbſten zu rechen vnnd zu ſtraffen, thete ſich alſo ins Weinßberger Thal, in der Wochen nach dem Sontag Cantate, Nahme das Staͤdtlein Weinßberg ein, ond nach dem jederman darauß gewichen, hat er daſſelb mit allem ſo darinn, im boden außbrennen ond zerſchleiffen laſſen, deßgleichen wur⸗ 64 den auch viel ombliegende Doͤrffer verbrant, ond der ge⸗ buͤr jhrem wolverdientem lohn nach geſtrafft. 1691 Das 54. Cap. Wie der Fraͤnckiſch hauff gegen den Bundtiſchen zu han⸗ deln vnderſtanden, ond die Bundtiſchen auff das Kraichgaw gezogen. Olches roch dem Fraͤnckiſchen hauffen onder die Na⸗ ſen, verordneten ein hauffen Bawren auff die 7. oder 8000. ſtarck herab gen Neckerßvlm, der meinung, mit der that gegen den Bundtiſchen zu handeln, forderten vnd gebotten darneben allen jhren Bundgenoſſen ond Bruͤdern, im Stifft Wuͤrtzburg, Pfaltz, Maintz vnd andern Herr⸗ ſchafften daſelbſt omb gelegen, auffs ernſtlichſte, was Stab ond Stangen tragen kont auff zu ſein, dann es thet jhnen noth, ſtaͤrckten ſich alſo zum beſten als ſie konten. Nun fuͤgt ſich Herr Georg Truchſes nach der Weinßbergiſchen handlung auff deß Pfaltzgraffen anhalten herab, ond ſtreifft hinuͤber auff den Kraichgaw daſelbſt auff die ab⸗ gefallene Bawren, bracht etliche Capitanier ond Redlinß⸗ fuͤhrer, vnder andern den Joͤckel von Beckingen, der auch wie oblaut, ein hauffen gefuͤhret, vnd zu Weinßberg et⸗ liche Edelleut alſo jaͤmerlich ermorden helffen, denſelben Joͤckeln ließ er an ein Ketten ſchmieden, ond bey einem Fewer lebendig, biß jhme der Geiſt verſchwand, braten, Auch fieng er Pfaff Eyſenhut, der ein Hauptman deß Kraichgawiſchen hauffens geweſen, ond nachmals ſampt andern ſeinen Geſellen ſein verdiente ſtraff auch empfangen. 700 Das 55. Cap. Wie Pfaltzgraff Ludwig zu Feld gezogen. Ls nun der Durchleuchtigſt Hochgeborne Fuͤrſt vnd Herr, Herr Ludwig Pfaltzgraff Churfuͤrſt, ꝛc. ſich mitlerweil auff gethane Werbung, allerdings mit ſei⸗ nen Herrn Freunden, Graffen, Ritterſchafft ond Leuthen verſamblet, ein gute Summa Fußvolck beſtelt, auch mit Geſchuͤtz, bereitſchafft, Proviant vnd aller notturfft ins 65 Feld gehoͤrig, vberfluͤſſig verſehen und geruͤſt war, Dar⸗ neben auch, vnd damit das Churfuͤrſtlich Schloß Jetten⸗ buͤhel, darin nicht ein geringes Gut gelegen, ſampt der Stadt Heydelberg, in Seiner Churfuͤrſtl. G. abweſen deſto beſſer verſehen, vnd wo von einem oder dem andern hauffen der andern etwas gewalts fuͤrgenommen werden wolt, deſto beſſer zu begegnen haͤtte: Den Wolgebornen Herrn Schenck Veltin, Herrn zu Erbach, Seiner Churfuͤrſtl. Gn. Rath, zu einem Hauptman daſelbſten geordnet, darzu auff 100. Perſonen, mehrentheils deroſelben Landſaſſen vom Adel, auff die man ein beſonder vertrawen ſetzte, ins Schloß gelegt. Deßgleichen ein Faͤnlin Knecht, ſo außer⸗ halb deß Schloſſes jhr Leger hatten, Darzu lag der Bi— ſchoff von Speyer vnd Teutſchemeiſter, Herr Dieterich von Cleen, ꝛc. bey obgemeltem Hauptman im Schloß, Welche dann das Schloß vnd Stadt in guter bewarſamb hatten, dermaſſen, daß alle ding daſelbſt in zeit deß Churfuͤrſten abweſen ond Heerzugs, friedlich ond in gutem weſen be⸗ ſtunde. Da iſt ſein Churfuͤrſtl. Gn. eigner Perſon mit dem Ertzbiſchoff onnd Churfuͤrſten von Trier, obgemelt, Dem Hochwuͤrdigen Fuͤrſten ond Herrn Conraden, Biſchoffen zu Wuͤrtzburg, der vor etlichen tagen, als fluͤchtig, zu Seiner Churfuͤrſtl.[71] Gn. nacher Heydelberg kommen, vnd dem Durchleuchtigen Hochgebornen Fuͤrſten ond Herrn, Oth Heinrichen, Pfaltzgraffen bey Rhein, Hertzog in Ober: vnd Nider Bayern, ꝛc. am Dienſtag nach dem Sontag vocem Iueunditatis deß obgemelten Jahrs, mit den nachgeſetzten Reyſigen zeugen ſampt dem Fußvolck ond Geſchuͤtz zu Heydelberg auß, ond gegen dem Brurain gezogen. Das 56. Cap. Wie die Zeug geordnet geweſen. Rſtlich warn Ihr Churfuͤrſtl. Gn. deß Pfaltzgraffen Reutter dergeſtalt verordnet. Der Rennfahnen hatte 150. Pferd, vnnd war der Pfaltzgraͤfiſch Marſchalck Wilhelm von Haabern, ꝛc. ihr Hauptman, derſelb hatte ſein Schlachtordnung im Feld durchauß auff 9. Pferd ge⸗ 5 66 macht. So fuͤhret Peter von Ehrenberg das Rennfaͤhnlin, iſt gehalten im 5. Glied, waren noch 8. Glieder hinder dem Faͤhnlin, Die andern Reutter ſo nicht geordnet, wur⸗ den vor: ond nebenwartz gebraucht, So man aber gegen dem Feind zu handeln hette, herfuͤr zum Hauptman neben den hauffen zu reitten, vnd beſcheid von jhme zuerwarten. Nach ſolchem Rennfahnen verordnet der Wolgeborne Herr Schenck Ebert, Herr zu Erbach, der Pfaltz Sberſter Feldhauptman den gewaltigen hauffen, darin er bey 400. Pferd gehabt, je 15. in einem Glied, ond hat der Wol⸗ geborne Herr Johan Wild: ond Rheingraff den Haupt⸗ fahnen gefuͤhret, ond iſt gehalten im ſiebenden Glied. Auff den gewaltigen hauffen ruckt deß Ertzbiſchoffs von Trier zeug, hatte 300. Pferd, die ſein Marſchalck ſelb 72Jſten geordnet, hatte ſein ordnung durchauß auff 11. Pferd geſtelt, ond das Faͤnlin im ſechſten glied gehalten. Darnach iſt gezogen der Guͤlchiſch ond Cleviſch Haupt⸗ man ond Zeug, hat gehabt bey 250. Pferd, ond denſelben auch gemelter maſſen verordnet. Vnd ſeind aller Zeug Fahnen blaw ond weiß vertheilt, außgenommen deß ge⸗ waltigen hauffens Fahnen, derſelb iſt roth, ond mit der Pfaltz Wappen gezeichnet geweſen. Es hatte auch Ihr Churfuͤrſtl. Gn. der Pfaltzgraff noch 200. Cleviſche Reuter im Ampt Altzen, zu verwah⸗ rung deſſelben Ampts liegen, dieſelben Reuter ſeind nach⸗ mals fuͤr Pfederßheim zum Heer kommen. Darnach 250. Pferd bey dem Bundtiſchen Heer gehabt, die ſeind beym anfang deß Bundtſchen Zugs geweſen, vnd Ihrer Chur⸗ fuͤrſtl. Gn. Burggraff zu Altzen, Dieterich von Schoͤnberg, jhr Hauptman, welcher auff befelch mit ſeinen Reutern zu Ihrer Churfuͤrſtl. Gn. kommen, ſein ordnung auch durch⸗ auß auff 11. Pferd geſtelt, ond Friederich von Floͤrſchheim den Fahnen gefuͤhrt, Solche geordnete Zeug, wurden je einer omb den andern ein tag abgewechſelt, alſo, daß ge⸗ meiniglich einer fuͤr dem gewaltigen hauffen, der ander nach gezogen, deßgleichen der Rennfahnen, der allzeit ein gute weil zuvor hinauß ruckt, ond dieweil man ſich ver⸗ ſahe, nicht viel gegen den Reyſigen, ſonder gegen dem Fußvolck zu handeln, derohalben Platz ond Malſtat nicht 67 allwegen gegeneinander verglichen werden konnen, doch daß dieſe Zeug jeder in ſonderheit treffen moͤcht, ward es darauf geſtelt, daß man in der eyl, wann es zum handel kaͤm, derſelben zween zuſammen ſtoſſen ſolt, wie dann auch hernachmals beſchehen. Darzu hatte man, wie obgemelt, auff 3000. Fuß⸗ knecht, ober welche Herr Leonhart von Schwartzenberg Oberſter war, die zogen in jhrer ordnung hernach, So waren auff 1000.[73] Perſonen, mit nottuͤrfftiger bereit⸗ ſchafft, geſtalt ein jeder ſein beſcheid hatte, zum Geſchuͤtz verordnet, dieſelben zogen allzeit mit dem Geſchuͤtz vnd Fußknechten zum nechſten im Feld ond im Leger. Georg Nippenberg war Zeugmeiſter, vnd Friederich Halbgewachſen Wagenmeiſter, ond ſtieſſen die Trieriſche Fußknecht im Feld zuſammen, deren wie obgemelt in die 1500. geweſen. Das 57. Cap. Wie Malſch das Dorff, im erſten Nachtleger verbrant worden. Ls nun der Pfaltzgraͤfiſch Marſchalck, Wilhelm von Haabern, am ſelben tag deß morgenß fruͤhe mit dem Rennfahnen hinauß gezogen, kam er mit etlichen Pfer⸗ den Ihrer Churfuͤrſtl. Gn. dem Churfuͤrſten eylends vnder augen geritten, anzeigend, daß ſich das Dorff Malſch, (darvon der Brurainiſch hauff, wie obgemelt, ſein vrſprung hatte) nicht wolt in genad vnd vngenad, wie andere, vnd nemblich der Flecken Rotenberg gethan, ergeben, ſondern vnderſtuͤnden ſich gewaltiglich vnd troziglich zu wehren, hetten ſich vergraben vnd verſchantzt. Auff ſolche anzeig zohe der Churfuͤrſt, dieweil viel muthwillens darauß beſchehen, mit gemelten Fuͤrſten vnd Kriegsvolck fuͤr das Dorff Malſch, ließ etlich Feldgeſchuͤtz darein abgehen. Vnd als die Bawren auff jhrer meinung beſtunden, Stuͤrmbt man dz Dorff, darin ward der Pfaltz⸗ graͤftſch Marſchalck mit einem Rohr auff den Kragen ge⸗ ſchoſſen, auff das ſtieſſen die Knecht das Dorff an, welches viel vnd groſſe Herdſtaͤtt hatte, vnd beynahe einem Flecken zuvergleichen, es[74] war allenthalben mit Weingarten 5* 68 vmbgeben, vnd branten es im Boden auß. Da das be⸗ ſchehen, ruckt Sein Fuͤrſtl. Gn. mit dem Zeug gen Roten⸗ burg, ein Speyeriſchen Flecken, die andern Zeug theilten ſich auffs nechſt herumb, auff Muͤlhauſen in das Dorff ond in die Gaͤrten, ein jeder wie er kont, ſo lag das Fußvolck zu Rawenburg im Dorff, allernechſt darbey. Deſſelben tags, als gedachter Marſchalck denſelben Morgen, den Flecken Rothenburg Ingenommen, fieng er einen Edelman daſelbſten, Hanß von Dalheim, ꝛc. der ſich der auffruͤhriſchen Sachen theilhafftig gemacht, ond in dieſem boͤſen weſen obel gehandelt gehabt, dann er der Bawren Hauptmaͤnner einer geweſen, denſelben Dalheimer ließ der Churfuͤrſt gen Heydelberg in das alte Schloß, biß zu ſei⸗ ner wiederkunfft, in gute verwahrung legen, Am nachfol⸗ genden tag blieb Sein Churfuͤrſtl. Gn. mit dem Heer zu Rotenburg ſtill liegen. Das 58. Cap. Wie der Pfaltzgraͤfiſch Marſchalck, das Schloß Kißlaw wider Ingenommen. Eß Morgengs fruͤhe, war Seiner Churfuͤrſtl. Gn. Marſchalck mit dem Rennfaͤhnlin auff, ſampt etlichen Fußknechten, ruͤckten fuͤr ein Speyeriſch Schloß, ein kleine Meil von Rotenburg gelegen, Kißlaw genant, wel⸗ ches zu vorn von den trewloſen Bawren deß Brurainiſchen hauffens mit etlichen Perſonen beſetzt worden, kame erſt⸗ lich mit etlichen Wagen in daſſelbig, dergeſtalt, daß er jhnen ſtarck genug war. Nam alsbald alles Geſind im Schloß zur Pflicht an, in der Pfaltz namen. Nun waren noch 4. vorhanden, die die Bawren zur Beleg darin ge⸗ laſſen hatten, die[75] hatten von angeſicht ein Hencker bey jhnen, in willens etliche, die ſie im Schloß gefangen hielten, Richten zu laſſen. Dieſelben 4. ließ er alsbald durch jhren ſelbſt beſtelten Hencker, Morgens als ſie ſich am wenigſten verſahen, auff der Bruͤcken Enthaupten, vnd gleich zur Bruͤcken hinab in Graben, den Fiſchen zu einer ſpeiß werffen. 5 Alſo nam er ſolches Hauß Inn, ond beſetzt daſſelb 69 nachfolgents in der widerkehr, ſtieß mit ſeinen Reutern auff ein groſſe Heerd Vieh, wol bey 1500. ſtuͤck, trieb die alle ins Laͤger, Darvon ward Ihrer Churfuͤrſtl. Gn. dem Pfaltzgraffen, der halb geſpalten Fuß, das ander ſonſten under das Kriegsvolck verbeutet. Das 59. Cap. Wie ſich die Stadt Bruſſel in deß Churfuͤrſten genad vnd ongenad ergeben. Emnach am Donnerſtag Ascensionis Domini, brach Seine Churfuͤrſtl. Gn. mit dem gantzen Laͤger zu Rotenburg auff, zohe gewaltiglich mit Heereskrafft in der ordnung zu Roß ond Fuß, den Brurain hinauff, auf Bruſſel zu, da wurden die Doͤrffer vnderwegs am fuͤrziehen, vom Fußvolck, ſo deß Angriffs begierig, fluchs gepluͤndert, in welcher Statt(ſo dem Stifft Speyer zugehörig) das Brurainiſch Regiment bißhero ſein enthalt gehabt, jhre haͤndel, rathſchlaͤg vnd außrichtungen mehrentheils darin veruͤbet, auch kurtz verſchiener tagen, wol auff 6. oder 7000. ſtarck darin gelegen, viel groſſen gewalts ond muth⸗ willens, wider jhr Geluͤbt, Ayd, Pflicht ond Ehr, gegen jhren Herrſchafften, Oberkeiten, deßgleichen andere Fuͤrſten, 76] Herrn, Ritter ond Knechten, Auch den Geiſtlichen veruͤbet, ond mit manches groſſem ſchaden getrieben. Darumb es die billichkeit, ſie am erſten heimbzuſuchen, erfordert, Alſo ruͤckt der Pfaltzgraͤfiſch Marſchalck mit dem Rennfaͤhnlin, fuͤr die Stadt Bruſſel, fordert dieſelbe mit einem Trommeter auff, ond begert von ſeines Herrn deß Pfaltzgraffen wegen hinein. Dieweil nun Leib, Ehr, Gut vnd Blut auff ſolcher erforderung ſtunde, Als dratten etliche Perſonen auß dem Rath vnd der Gemeind herauß, Taidigten mit jhnen der⸗ geſtalt, daß ſie bewilligten, die Stadt mit jhren Leibern, Haab ond Guͤtern, in Seiner Churfuͤrſtlichen genaden hand zubbergeben. Demnach als der Marſchalck ein ſolches angezeigt, zohe mein gnaͤdigſter Herr der Pfaltzgraff mit dem Ertz⸗ biſchoff von Trier, Biſchoff von Wirtzburg, Hertzog Ott 70 Heinrichen, ond allem Zeug in die Statt, ond namen die Fuͤrſten jhr Laͤger im Schloß, die Graffen, Herrn, Ritter ond Knecht aber hieauſſen in der Statt. Das 60. Cap. Was mit den Burgern zu Bruſſel, der Straff halber gehandelt worden. Leich denſelben Abend, kuͤrtzlich nach dem man hinein kommen, verſamblet ſich der Rath ond gantze Ge⸗ meind daſelbſt, wie jhnen dann angeſagt ond befohlen ward, zohen miteinander auff den Platz, vor das Schloß, da ordnet Sein Churfuͤrſtl. Gn. gleich die Graffen ond Herrn, ſampt dem Oberſten Feldhauptman Schenck Eber⸗ ten von Erbach, dem Hoffmeiſter Ludwigen von Flecken⸗ ſtein, ond Marſchalck, zu denſelbigen hinauß, vnd ließ jhn durch ge⸗[77Jmelten Seiner Gn. Hoffmeiſter, ein wol⸗ geſchickte ernſtliche Rede fuͤrhalten, onder anderm: Es wehre Seine Churfuͤrſtl. Gn. in ſonderheit zu wiſſen begierig, was ſie doch zu einem ſolchen laͤſterlichen boͤſen Auffruhr, widerſetzung, ond muthwilliger handlung gegen jhren eig⸗ nen ond andern Oberkeiten, ohnbetracht jhrer Ehren, Pflicht ond verwandnuß, fuͤr zunemmen ond zu oben ver⸗ urſacht oder geraitzt haben moͤcht, Dieweil aber ſie des⸗ ſelbigen keine orſachen, ond ſelbſten mitſacher wehren, So ſtuͤnd Seiner Gn. Muͤndtliche meinung, auch ernſtlichs begehren, daß ſie wolten kuͤrtzlichen die Anfaͤnger, Haupt⸗ ſaͤcher ond Redlinßfuͤhrer anzeigen, dieſelbigen der gebuͤr zu einem beyſpiel der andern zu ſtraffen. Alſo auff langen bedacht, wurden etliche Armen, don gemeiner ver⸗ ſamblung deß Rahts ond der Gemeind angeben, derſelben ließ der Oberſt Feldhauptman etlich ond ſiebentzig anneh⸗ men, ond ſie alleſambt obereinander in ein Thurn ge⸗ faͤnglich legen, in welcher Gefaͤngnüß ſie dermaſſen getraͤngt ſaſſen daß ſie bey nahe erſtickt wehren, nach dieſer hand⸗ lung, hieß man die obrigen abtretten. Das 61. Cap. Wie Pfaff Eyſſenhuet ſampt etlichen ſeinen Ge⸗ ſellen enthauptet worden. Nder deſſen bracht man Pfaff Anthonium Eyſſenhuet, der deß liechten hauffens auff dem Kraichgaw, dauon obengemelt, Oberſter Hauptman geweſen, gar ein rechtſchuldiger Capellan, mit ſampt 3. andern Gefangenen von Eppingen, die hatte deß Bundts Oberſter Feldhaupt⸗ man Herr Georg Truchſes, in gefaͤngliche hafft nemen laſſen, ond dem Churfürſten zu einer verehrung oberſchickt, 78] die wurden, ſo bald ſie der endts kamen, nach kurtzer verhoͤr, auff dem Platz, im Schloß, in deß Bundks Namen, mit dem Schwert gericht, den andern tag, verharret Sein Churfuͤrſtl. Gn. mit dem Kriegsheer im Laͤger zu Bruſſel, ond auff beſchehene erforderung, handelt Sein Gn. mit den Aemptern, deß Brurainiſchen hauffens, Nemblich Bruſſel, Vdenheim, Rotenburg, Kißlaw, Gruͤnaw ond an⸗ dern, der Sach verwanten ombliegenden Doͤrffern, jhrer Straff ond Abtrags halber, da ward nach viel gehabter onderhandlung, die Sach dahin gezogen, daß ſie ſolten Seiner Churfuͤrſtl. Gn. fuͤr ein Abtrag jhres begangenen boßhafftigen Frevels 40000. flor. darzu alle Wehr ond Harniſch der Herrſchafft oberantworten, deren keine mehr, ohne beſonder erlaubnuß tragen, ond von newem wider Huldigung onnd Pflicht thun. So muſten die in Bruſſel Inſonderheit verſprechen, jhre. Thor vnd Pforten abzu⸗ brechen, ond alſobald die Pfort, ſo ſie hinden im Schloß in zeit jhres Regiments zu gemawert widerumb öffnen, ond mit newen Thoren beſchlieſſig machen. Gegen dem Abend hat man die Gefangne wider auß dem Thurn, die vor hitz vnd aͤngſten ſchwitzten daß es von jhnen Rann, auff den Platz, im Vorhof deß Schloſſes fuͤhren, vnd ſie all zu hauff in ein Ring ſtellen laſſen. Da nun der Nachrichter, fuͤnffen die Koͤpff abgehawen vnd wider einer nieder Kniet, ſchrien die vmbſtehende Herrn ond Graffen dem Hencker zu, daß er biß auff weitern beſcheid gemach thete, fuͤgten ſich eylends zu meinem gnaͤdigſten Herrn, dem Pfaltzgraffen, baten fuͤr die obrige Armen, die lagen 72 mitlerweil, biß die Antwort geſchach, auff den Knien, mit offgereckten Haͤnden, ond ſchrien ohn vnderlaß omb Genad ond Barmhertzigkeit. Alſo wuͤrden ſie von Seiner Chur⸗ fuͤrſtl. Gn. deß Lebens geſichert ond begnadt, doch muſten ſie, gleich den vorigen Bur⸗[79] gern, die obgemelte Pnncten, ehe ſie vom Platz abtratten, geloben ond ſchwe⸗ ren, deſſen die Armen ſich hoͤchlich bedanckten, dann ſie alle ſich deß Lebens verwegen hatten. Das 62. Cap. Wie man von Bruſſel, auff Neckersvlm gezogen, ond zum Bundtiſchen Heer kommen. Ach vollbrachter Handlung vnnd Anſtellung zu Bruſſel, Brach mein gnaͤdigſter Herr der Pfaltzgraff mit dem gantzen Laͤger oder Heer wider auff, vnd zohe mit dem Zeug in Seiner Gn. Flecken Hilßbach, auff dem Kraich⸗ gaw gelegen, ſo auch vorhin abgefallen war, die andern zohen gen Sinßheim, Elſentz, ond das Fußvolck in die vmbliegende Doͤrffer. Dieſelb Nacht, lag das Bundtiſch Heer zu Steinfurt, Rorbach ond Richen den Doͤrffern, ond kamen die Bundtiſchen Hauptleuth zu meinem gnaͤ⸗ digſten Herrn gen Hilßbach, vereinten ſich miteinander, wie, ond wo Sein Gn. mit dem Heer zu jhnen ſtoſſen ſolt, ond waren diß die Hauptlenth, Die Wolgeborne vnd Strengen Herrn, Georg Truchſes, Freyherr zu Waldburg, Oberſter Feldhauptman, Graf Wilhelm von Fuͤrſten berg, Oberſter deß Fußvolcks, Herr Frowin von Hutten, Ritter, ond Herr Rudolff von Ehingen. Alſo war Sein Chur⸗ fuͤrſtl. Gn. mit dem Laͤger zu Hilßbach, am Sontag Exaudi auff, zohe auff Neckersvlm zu, ond ſtieſſe fuͤr Furfeld, zu dem Bundtiſchen Heer, ſo daſelbſt auff einer Hoͤhen hielte. Nun hatten die Bundtiſchen Hauptleuth Seiner Chur⸗ fuͤrſtlichen Gn. ond den andern zu Ehren, jhren Zeug zu Roß vnd Fuß luſtig geordnet, damit machten ſie ein Luſt ond Schawſpiel mit den Zeugen auff das Weſentlichſte, vnd alß das Pfaltzgraͤfiſch Heer, in jhrer[80] Ordnung zu Roß vnnd Fuß die hoͤhe hinauff, gegen den Bundtiſchen zogen, lieſſen dieſelben Hauptleuth alles Geſchuͤtz abgehen, ſo ſchoſſen die Fußknecht mit jhren Rohren darunter, daß es gar wahdlich vnter einander ſchall, vnd hatten ſich zu⸗ vor beyderſeits Hauptleuth, wann ſie zu ſammen zogen, wie ſie die Zeuge wolten ziehen laſſen, verglichen, dergeſtalt, daß die Bundtiſchen jhre Reyſigen gleich dem Pfaltz⸗ graͤfiſchen geſchwader oder hauffen verordnen, lieſſen alſo jren Rennfahnen fuͤr ziehen, ond der Pfaltz Rennfahnen darauff, den andern tag zohe der Pfaltzgraͤſiſch Rennfahnen wider vor, vnd alſo fuͤr vnd fuͤr einer vmb den andern, gleichermaſſen mengeten ſich die Reiſigen Zeug auch vnder⸗ einander, zohen alſo ein tag vmb den andern, vor vnd nach, gantz einhaͤlliglich vnd freuntlich, gleichmaͤſſigen ge⸗ brauch hielten auch beyde theil Fußvolck ſampt dem Geſchuͤtz. Das 63. Cap. Wie beede Heer vor Neckerßvlm, darin etliche Bawren gelegen, gezogen, vnd was ſie daſelbſt gehandelt? Ls nun die Zeug, in jhrer bereiten ordnung, biß auff ein viertel Meil nechſt gen Neckersolm kommen, vnd alle Quartiermeiſter ond Fuͤhrer, mit den Troſſen wol vor einer viertel ſtund hinweg, fuͤr den Flecken Neckersolm geritten, darin waren der Ahdbruͤchigen Ehrloſſen Bawren an die 800. oder mehr, die hatten alle Thor am Flecken verſchloſſen, Noch wuſten die, ſo darfuͤr hielten, ond willens den Laͤger der endts Inzunemmen ond zu beſtellen, gar nicht, daß die Neckersvlmer ſo ſtarck mit frembden Leuthen beſetzt weren,[81] noch daß ſie ſich in die gegenwehr er⸗ geben wuͤrden, biß ſie anfiengen herauß zu ſchieſſen, ond erſchoſſen einen Rheingraͤfiſchen Knecht, da druckt ſolch Ge⸗ ſind, als ſie den ernſt ſahen, wider hinderſich, theten den Hauptleuthen ehlend Botſchafft, ond verkuͤndeten jhnen die geſtalt der Sachen, auff das ruckten beyde Rennfahnen eylents darfuͤr, mit eim leichten Geſchuͤtz, feyerten nit lang, vnd die andern Zeug gleich hernach, mit ſampt dem obri⸗ gen groſſen Geſchuͤtz, da ließ man das Geſchuͤtz zu etlich malen dapfer hinein gehen, alſo ſaumbten ſich die Bawren 74 Inwendig auch nit, vnd theten mit jhrem ſchieſſen zimb⸗ lichen ſchaden herauß, als nun das Fußvolck herzu kom⸗ men, lieffen ſie den Flecken an zweyen orthen an, ge⸗ wonnen jhn aber denſelben Abend nicht, ſondern als man biß in die Nacht darfuͤr ond darob gehalten, ſchlug man das Läger darbey an den Necker, gen Haylbrunn zu, In deſſen ward das Geſchuͤtz erſt recht fuͤr den Flecken ge⸗ fuͤhret, ond gelegert, Als man nun der Nacht halben ohn⸗ geendet abweichen muſt ond nicht weiter handeln kont, omblegt man den Flecken, ond verwahrt jhn auffs beſt, darmit der Inwendigen keiner herauß fallen, oder ent⸗ rinnen moͤcht. Das 64. Cap. Wie ſich die zu Neckersolm ergeben, ond was wei⸗ ter im Lager gehandelt worden. Orgens fruͤhe, als man erſt recht anfieng zu ſchieſſen, Mee die Belegerten, ſampt den andern Inweſen⸗ den 4. Perſonen zu meinem gnaͤdigſten Herrn dem Pfaltzgraffen ond deß Bundts Hauptleuthen, ins Laͤger, bathen auffs fleiſſigſt ond onderthaͤnigſt omb Genad, er⸗ gaben[82] ſich alſo mit ſampt dem Flecken, in deß Chur⸗ fuͤrſten ond deß Bundts genad ond ongenad, zogen darauff ab ond giengen mit vergleytung wider in den Flecken, verkuͤndten jhren Mitgeſellen die Antwort, ond warteten ferrnern beſcheid. Demnach wurden Pfaltz vnd deß Bundts Oberſte Hauptleuth, Herr Georg Truchſes, ond Schenck Ebert Herr zu Erbach, mit den Burgern ond darinn lie⸗ genden Bawren zu handeln verordnet, die Ritten mit et⸗ lichen viel Reyſigen in Flecken hinein, handelten mit jynen der Straff halber, onder andern, daß ſie alle Wehr als⸗ bald ober antworten, ond geloben muſten, hinfuͤro ohne der Herrn erlaubnuß keine mehr zu tragen, darzu die Mawren ond Thuͤrn abzubrechen, wie ſie dann auch gleich deß andern kags zu thun anfiengen, ond gaben ein ſumma Gelts, die doch jhrer ſchweren Mißhandlung noch leichtlich geſetzt, fuͤr Brandſchatz ond Pluͤnderung. Diejenigen aber, ſo bey der Weinßbergiſchen handlung geweſen wurden zur 75 Straff erfordert, deren an die 60. ergriffen, vnd alle an Stricken in der ordnung, je zween ond zween, nach ein⸗ ander auß der Statt ins Laͤger gefuͤhret, auß denen ließ man denſelben Abend den Hauptman, Fenderich ond Schreiber, ſo am Reyhen geweſen, auch andere mehr, auff die 12. mit dem Schwert richten, die obrigen ſeind eintzig im ziehen verzettelt worden. So verbrant man deſſelben tags etliche Doͤrffer, vmb Heylbrun liegend, ſonderlich Beckhingen, darin Jeckel von Beckhingen davon obgemelt, ſein weſen gehabt. [831 Das 65. Cap. Wie man gen Oeringen gezogen, ond was da ge⸗ handelt worden. En nachfolgenden Tag, Brach das Laͤger von Neckers⸗ olm auff, zohen nach Oeringen, dem Hohenloiſchen Flecken, an welchem orth der trewloſen Bawren ein mercklicher hauffen liegen ſolt. Als nun die Zeug zu Roß ond Fuß, bey einer Meyl wegs nahe oder naͤher kamen, beſchah dem Oberſten Bundtiſchen Feldhauptman botſchafft, dieſelben Bawren weren kaum fuͤr einer Stund auffgebrochen, ond das Laͤger geraumbt. Alſo zohen die Hauptleut nichts deſtoweniger fort, namen den Flecken Oeringen ein, ond ſchlugen das Laͤger zu Roß ond Fuß, außwendig auff die Wieſen am Bach, da befahl der Bundtiſch Hauptman, mit Rath der andern Kriegs Com⸗ miſſarien, dem Pfaltzgraͤfiſchen Marſchalck, ond Dieterich Speten die Sach, ordnet jhnen 600. Pferd zu, darunter waren beyder Herrn Rennfahnen, Heſſiſch, Wirtzburgiſch, Bambergiſch vnd Marggraͤffiſch Reutter, mit denen ſie den Bawren nachziehen ſolten, ob ſie jhnen den Bawren etwz, es wer gegen jhren Leibern oder Geſchuͤtz(deſſen ſie ein treffliche anzahl hatten) abbrechen loͤnten. Das 66. Cap. Wie der Marſchalck vnd Dieterich Spet mit zu⸗ geordneten Reuttern, eim hauffen Bawren nachgezogen. (ff ſolchen Befehl zohen die geordneten Reutter, dem hauffen Bawren, ein langen weg nach, alles der hoff⸗ nung, ſie zu betretten, ond jhnen etwas abzubrechen, wie ſie[84] dann alleſampt deſſelben hochbegierig waren, Als ſie nun biß gen Forchtenberg kommen, waren die Bawren kurtz darvor, mit jhrem Geſchuͤtz, vor jhnen, vber das Waſſer, den Kocher gezogen, Dieweil aber den Bawren ein Ax an einem Buͤchſen Rat zerbrochen, gewonnen die Reyſigen deſto mehr hoffnung ſie zuerziehen, vnd wiewol der Abend herbey kam, doch hengten ſie den Bawren ernſtlich nach, biß an die Staig gegen Krautten, da brach⸗ ten die forderſten die Bawren ins geſicht, aber ſie kamen vor jnen in Krautten, ein Maintziſchen Flecken, Derohal⸗ ben ſie ohnaußgericht abziehen muſten, ruckten mit jhren Zeugen wider hinderſich gen Forchtenberg, Demnach aber Leuth vnnd Pferdt matt ond muͤde waren, entbotten ſie dem Oberſten Feldhauptman hinterſich ins Laͤger gehn Oeringen, wie daß die Bawren in einem hauffen, auff 5. oder 6000. ſtarck, mit eim trefflichen Geſchuͤtz, zu: vnd vmb Krautten legen, ond wehr jhr gut bedunckens, weil ſie ein weil der ends verharren wuͤrden, jhnen mit dem Heer zuzuziehen. Deß Morgends fruͤhe fuͤr dem tag, waren dieſe beede Hauptmaͤnner, der Pfaltzgraͤfiſch Marſchalck vnd Dieterich Spet, mit jhren Reuttern zu Forchtenberg auff, ond ruckten wider auff die Wayden bey Krautten, beſahen ob die Bawren noch vorhanden, alſo lagen ſie noch da⸗ ſelbſten, da nun die Reyſigen wol ein ſtund daſelbſt ge⸗ halten, kam jhnen vom Hauptman, Herr Georg Truch⸗ ſeſſen Bottſchafft, er kuͤnte jhnen nit zuziehen, vrſach, daß der Weg zu hoch, ond an vielen orthen zu eng, und darzu viel lange Staigen, derohalben man das Geſchuͤtz nit hinuͤber bringen koͤnt, beſchied beede Hauptleuth, mit jhren Reuttern gen Meckmuͤl zuziehen, dahin wolte er auch mit dem Heer rucken, ond dem Biſchoff von Wirtz⸗ 9 70 burg ſolchen abgefallenen Flecken, dann die Bawren viel muthwillen darin getrieben, vnd gaͤntzlich der Bawren Sect geweſen, wider in[85] gehorſamb bringen, Dieſem beſcheid nach, ruckten beede Hauptleuth alſo fuͤr Meckmuͤlen, dahin der Oberſt Feldhauptman, mit ſampt dem Churfuͤrſten ond dem gantzen Heer auch kam, da namen die Fuͤrſten fuͤr jhr ond der Graffen Perſonen, ſampt deroſelben zu⸗ gehoͤrigen Dienern, den Laͤger in der Statt, ſonſten war das Laͤger außwendig an der Statt an der Jagſte. Das 67. Cap. Wie man von Meckmuͤlen mit dem Heer gen Ballenberg gezogen. Ls nun die Meckmuͤliſchen Burger auff gethane ver⸗ As. vnd handlung, gebuͤrende Straff, an jhren Lei⸗ bern vnd Guͤtern, nach eines jeden verwuͤrckung em⸗ pfangen, ond jhrem Herrn, dem Biſchoff von Wirtzburg, wider Ingeantwort ond gehorſamb gemacht, brach man den andern tag mit dem gantzen Heer auff, vnnd zog gen Ballenberg, in ein Maintziſchen Flecken, daſelbſt war das Laͤger in ond omb den Flecken, nach dem er klein iſt ge⸗ ſchlagen. Es nimbt mich noch wunder, wie es zu gieng, dieweil ſich das Fewer daſelbſten mit dem Odenwaͤldiſchen hauffen angezuͤndet hat, zu dem viel leichtfertiger loſſer Knaben jhr Wohnung darin gehabt, ſonderlich Georg Metzler, der ein Hauptman onder den Bawren geweſen, gantz ein leichtfertiger Stiffter deß oberſchwencklichen groſſen Mortjamers, ond verderblichen vbels, ſo darauß gefloſſen iſt, wie dann oben zum theil von jhm gemeldet iſt, daß derſelb Flecken Ballenberg, als ein enthalt dieſer argen Buben, nit Angeſtoſſen, ond in Boden außgebrant worden, ich meine es ſev jrgents auff ein ſeltzamen Boden ge⸗ bawet, daß der fuͤrhabend Will, in dem zuruck gangen, da ließ mans am letzten[86] daſelbſt mit außſchlagung der Fenſter ond anderer kurtzweil bleiben, zu dem was darin gefunden, alles gepluͤndert, nachfolgents an Leib ond Gut geſtrafft, ſo wurden auch deſſelben tags etliche Fewrige Doͤrffer geſehen, vnd feyert das Kriegsvolck mit dem Pluͤn⸗ dern in den Doͤrffern nicht, wo ſie das erreichen mochten, Darneben empfieng man gewiſſen bericht, daß Gotz von Berlingen mit dem Bawren hauffen zoͤhe, der wider den Bundt zu handeln vom hellen Wirtzburgiſchen hauffen herab geſchickt worden, ond biß gen Neckersolm kommen, aber als ſie der Pfaltzgraͤfiſchen ond Bundtiſchen gegenwart vernommen, ſich auff der hoͤhe in den Waͤlden wider fluͤch⸗ tig hinweg gethan hette, vnd were mit ſampt Georgen von Ballenberg zu einem Hauptman verordnet, wiewol Goͤtz ſich deſſelben halben ſeithero hoͤchlich entſchuldigt, mit anzeigen, daß er ſolches nit gern gethan, ſondern auß zwang beſchehen, welches doch nit bey Jederman hat wol⸗ len geglaubt werden, es were wol mehr, wo noth, darvon zu ſchreiben, das jetzmals in der Feder verhalten. Das 68. Cap. Wie man von Ballenberg auff Koͤnigshofen zu gezogen. Ach geendter Sach zu Ballenberg, da deß Morgens 1. Bawren, ſo vnder wegen ergriffen, vor dem Flecken Enthauptet worden, zohe das Heer wider an, deß willens, ſich gen Koͤnigshofen an die Tauber zu ſchlagen, fuͤrter auff Wirtzburg zu ziehen, ond die geaͤngſten Ge⸗ muͤtter daſelbſt im Schloß zu troͤſten. Dann die onduͤch⸗ tigen trewloſen Bawren, wie ob lauth, ſo gewaltiglich darfuͤr in der Statt[87] Wirtzburg, vnnd zu Heydingsfeld lagen, noͤtigten die im Schloß gar ſehr, hatten fuͤr das Schloß zu onder graben, wie ſie dann ſchon allbereit weit hinein geſchrot, auch embſiglich hinein, ond ein gantze ſeyten an einer Cemmeten hinweg geſchoſſen, waren ſchon 4. Wochen mit gutem Geſchuͤtz darfuͤr gelegen, nicht ge⸗ feyret, ſondern alles verſucht ond onderſtanden, was jhnen muͤglichen geweſen, welches Geſchuͤtz ſie hin ond wider, in den eroberten Flecken vnd Staͤtten genommen, ſo hatten jhnen die von Rotenburg an der Tauber zwo Nothſchlan⸗ gen geliehen, deßgleichen Graf Georg von Wertheim, wie⸗ wol derſelb in ſeiner Verantwortung anzeigt, er wer zu ſolchem hoͤchlich bezwungen worden, ond wo das Schloß 79 zu Wirtzburg, nit mit ſoviel guten ehrlichen Leuten, Fuͤr⸗ ſten, Graffen, Rittern vnd Knechten wol beſetzt geweſen, were zubeforgen, die Bawren hetten es erobert, ſonderlich wo die Rettung laͤnger auſſen blieben, oder verzogen worden. Das 69. Cap. Wie der Pfaltz Marſchalck bericht empfangen, daß ein hauffe Bawren zu Koͤnigshofen legen. Ls nun der Zeug, zu Roß ond Fuß, auff Koͤnigs⸗ hoffen zuzogen, hatte der Marſchalck(wiewol ohn befehl) dreyen Knechten am vorgehenden tag, gen Boxsberg, da die Bawren jhr anweſen hatten, zu Reitten erlaubt, jhrer ding daſelbſt gut acht zuhaben, damit jhnen am fuͤrzug kein ſchaden wider fuͤhre, doch nit onderlaſſen, vnnd jhnen darneben befohlen, erfahrung zu haben, wo die obgemelte[88] Bawren, ſo zu Krautten gelegen, jren Kopff hinauß gewendet, ſolche Knecht kommen im Feld wider zum Marſchalck, zeigten jhm an, daß dieſelben Bawren hieruͤber an die Tauber gezogen, ond jhren Laͤger In: vnd omb den Flecken Koͤnigshofen genommen, ſich in Tag vnd Nacht geſtaͤrckt, daß jhr auff 7000. weren, dann ſie es eigentlich beſehen, darob auch ein Bawren gefangen, der es jhn in gleicher maß entdeckt hette. Als nun der Marſchalck ſolches fuͤr ein warheit hoͤrt, Ritte er alsbald zum Oberſten Hauptman, Herr Georg Truchſeſſen, zeigt jhm ſolches an, der ward ab ſolcher Sach hoͤchlich erfrewet, In hoffnung denſelben tag Ehr einzulegen, ond etwas guts auß zu richten, ließ von ſtunden an den Fuͤr⸗ ſten ſampt dem Fußvolck das Feints geſchrey auffblaſſen vnnd ombſchlagen, alſo daß Jederman mit ſeiner Ord⸗ nung zum Feind zuziehen ſich fuͤrderlich geſchickt macht, wie dann geſchach, ond zog der Oberſt Hauptman auff ein orth, erfordert etliche des Kriegsverſtaͤndige, fragt, wie die Feind anzugreiffen, ond welcher maſſen gegen jhnen zu handeln were, ond war der Pfaltzgraͤfiſch Marſchalck, wiewol er ſich deß weigert, angefragt, Jedoch wolt es der 80 Hauptman von jhm haben, da redet derſelb von einer Meynung, wie daß ſein gut beduncken ſtünd, an dem orth gegen dem Feind zu handeln, das lieſſen jhu all andere Raͤth wol gefallen, enderten ſeine meinung gar nicht, ſo war es Herr Georgen auch nit zu wider, Da nun ſolcher Rathſchlag beſchloſſen, hatte man noch ein groſſe Meil zum Feind, darauff ordnet der Oberſt Hauptman, Herrn Frowin von Hutten Rittern, 300. Pferd zu, deßgleichen dem Pfaltzgraͤfiſchen Marſchalck auch ſo viel, mit dem be⸗ felch, ſie beyde ſolten hinziehen, die Feind zu beſehen, die Sach auch ferners, nach jhrem beſten verſtand fuͤr zunem⸗ men, ſolchem befelch nach zohen die beyde an, mit jhren zugeordneten Reuttern, ond[89] die gewaltigen hauffen in jhrer Ordnung, deßgleichen das Fußvolck auch hernach, den Schuͤpffergrundt alſo hinauß, war nichts, dann ein ſchoͤner wolgeruͤſter dapfferer hauffen Reyſigen ond Fuß⸗ volck, gantz luſtig zu ſehen, Im ſelbigen ward Herr Frowin vnd der Marſchalck zu Rath ſich von einander zu theilen, vnd ſolt der Marſchalck mit ſeinen Reuttern onder Koͤnigs⸗ hofen, vnnd Herr Frowin oberhalb ober die Tauber ziehen, vnnd jeder acht haben, wie ſich die Feind hielten, der meynung, fuͤrters auff den Berg, obwendig Koͤnigshofen zu ſtrecken, denſelben Innemmen, ond ſolt Herr Georg Truchſes hie dißſeits der Tauber, mit dem gantzen hauffen, deß ohrts, da es am Melberg heiſt, bleiben. Das 70. Cap. Wie der hauff Bawren zu Koͤnigshofen geſchlagen worden. A nun vorermelter Herr Frowin ond der Marſchalck, den Schuͤpffergrundt, gar ein fein Thal, alſo hinab kommen, deß Feinds auch jhres begerens anſichtig worden, da endert ſich jhr gethaner Anſchlag, der orſachen, dieweil die Feind(dieweil ſie vernommen, daß der Bundtiſch vnd Pfaltzgraͤfiſch Zeug etwas groß war, mit jhrem Ge⸗ ſchuͤzz vnd Wagenburgk auff gebrochen, vnd zohen dem negſten dem Berg zu, darauff beede Hauptleut wolten, namen den Ein, ſchlugen jhr Wagenburgk, vnd theilten 81 jhr Geſchuͤtz darein, deſſen ſie ein treffliche Zahl, biß in die 27. ſtuͤck auff Redern, ohn Hacken vnd anders hatten, Da ruckt der Pfaltzgraͤſiſch Marſchalck wider heruͤber die Bach, ſo den Schuͤpffergrund hinein fleuſt, zu Herr Fro⸗ win von Hutten, onderredeten ſich[90] mit einander ond wurden zu Rath, obwendig Koͤnigshofen hinuͤber zu ziehen, wie ſie dann auch theten, in dem hatten die Feind das Geſchuͤtz in die Tauber gericht, an den Fuhrt, ſchoſſen erſtlich zu den Reyſigen, traffen auch etlich Pferd ond Leuth, deßhalben man die gewaltigen hauffen an einem andern orth hinuͤber zu fuͤhren verurſacht, Vnnd zohen Herr Frowin ond der Marſchalck mit jhren Reuttern auch auff den Berg, hielten an eim orth, da ſie fuͤr der Feind Geſchuͤtz, etwas ſicher ſein moͤchten, onnd ordneten jhre Zeug zum Feind der geſtalt. Den Pfaltzgraͤfiſchen ond Oeſterreichiſchen hauffen oder Fahnen neben einander, je 13. in ein Glied, lieſſen beyde Fahnen fliegen, darnach hielten aber zween Zeug, war der ein Pfaltzgraͤfiſch ond der ander Heſſiſch, die hielten auch in jhrer ordnung, blieben alſo halten, erwarteten deß Geſchuͤtz, ond der Fuß⸗ knecht, aber der gewaltig hauffen hielte noch darunden im Grundt, In dem kam Herr Georg Oberſter Feldhauptman auch auff den Berg, zohe vmb die Feind, doch mit wenig Leuthen, ond beſichtiget dieſelben, da hatten ſie in der Wagenburgk drey hauffen geordnet, ond ſtunden alſo hin⸗ der dem Geſchuͤtz, da beſchied Herr Frowin den Marſchalck mit beyden Rennfahnen an das orth, da ſie am nechſten bey dem Feind, jedoch ſicher vor dem Geſchuͤtz hielten, zu rucken, Alſo Ritt der Pfaltzgraͤfiſch Marſchalck hinter ſich ond holt ſeine Reutter, ond zohe Ebert Schenck von Schweinßberg neben jhnen, mit den Schuͤtzen, deren doch nicht viel waren, da ruckten die andern zween Zeug auch an, ond dem Rennfahnen nach. Als nun dieſe Reyſigen Zeug der Bawren Wagenburgk nahe kamen, da begunten ſie(weiß nit was jhnen doch Traumend ward) gehlingen auff zu brechen, lieſſen die Wagenburgk ond das Geſchuͤtz dahinden, onnd wichen alſo in der Ordnung fluͤchtig dar⸗ auß, da griffen die[91] Schuͤtzen ond beyde Rennfahnen mit jhnen darauff, onnd trenten die Feind mit gewalt 6 — 82 auß jhrer Ordnung, Nachdem aber ein Holtz aller nechſt darbey gelegen, theilten ſich die fluͤchtigen Bawren, wichen eins theils in das Holtz, die andern flohen vber das weite Feld hinauß, dieſelben wurden mehrentheils alle erſtochen, als nun ſolche Reutter ſich wider gewandt, auff die Mal⸗ ſtatt gezohen, dieſelbe Eingenommen, waren die gewaltigen hauffen mitler weil auß dem Grundt herauff, vnd zum theil an die Bawren im Holtz kommen, jhr viel darin er⸗ ſchlagen ond erſtochen, ond gar ein weidlich gehetz mit jhnen gehalten, gleich wie ein Schweinhatz, hierumb ſo ruckten Herr Frowin vnd der Pfaltz Marſchalck mit jhren zu geordneten Reuttern von der Malſtatt, auch ins Holtz, erſtachen gleichermaſſen viel Bawren darin, aber es ſchlug den Reyſigen auch nit gar ledig auß, ſondern namen viel Schadens von den Feinden, dann ſie nicht ſonderlich Raum oder Platz im Holtz hatten. Es ward der Oberſt Feld—⸗ hauptman ſelber in ein Schenckel geſtochen, dem Pfaltz⸗ graͤfiſchen Marſchalck zwey Pferd hart verwundet, deßgleichen viel andere gute Geſellen, Edel vnd Vnedel, beſchaͤdigt. Nun hatten ſich in dieſem Holtz 300. Bawren gantz ver⸗ heckt ond der maſſen verhawen, daß man zu Roß nicht wol zu jnen kommen moͤcht, Da lieſſen die Hauptleut das Fußvolck, ſo den Berg herauff zu hand kommen war, holen, onnd verordneten etliche Faͤhnlein hinein, die ſich mit jhnen Schoſſen vnd Stachen, thaten einander ſelbs groſſen ſchaden, jedoch blieben jhrer bey 200. im Haag lebendig, dieſelben nam Graf Wilhelm von Fuͤrſtenberg, der Bundtiſchen Fußknecht Oberſter, dieweil die nacht her fiel, gefangen, ond Schaͤtzt ſie. 192 Das 71. Cap. Abziehen von der Walſtatt ins Laͤger zu Koͤnigs⸗ hofen, ond was daſelbſt gehandelt wardt. Ach vollendter Schlacht ond erlangtem Sieg, zohen die Fuͤrſten, Hauptleut ond alles Kriegsvolck, auff die Walſtatt mit frewden, ond leichtem Gemuͤth, da blieſ⸗ ſen zu den Heerpaucken alle Trommeter auff, vnd als die 83 Walſtatt beſichtigt worden, zohe das Heer hinab in Flecken Koͤnigshoffen, darin lagen die Fuͤrſten ond Reyſigen zum theil, die bbrigen außwendig deß Fleckens in einem ſchoͤnen Wieſengrund, an der Tauber, So laͤgert ſich das Fußvolck herauß in der Bawren gehabt Laͤger, da ſie noch viel ge⸗ machte Huͤtlein funden, die ſie zum vortheil hatten. Es ſeind der Bawren dieſes ohrts ongefehr an die 6. oder 7000, erſchlagen worden. So gewan man jhnen alle jhre Waͤgen ond Pferdt ab, deren ein groſſe Summa war, darzu jhr obgemelt Geſchuͤtz, der 47. auff Redern waren. Dieſer Flecken Koͤnigshofen hatte ein zimbliche weite, ond an die 250. Inwohnender Burger gehabt, die blieben alle in der Schlacht Todt, biß ongefehr auff die 15. Deßgleichen auß andern Flecken der wenigſte theil zu Hauß gekert, Alſo muſten die Fuͤrſten mit dem Laͤger, wiewol ſie lieber auff Wirtzburg, die im Schloß zu er⸗ retten eylents fort gezogen weren, angeſehen, daß die Pferd ond Leuth muͤde, vnd viel darunter Wundt waren, den nachfolgenden tag ſtill liegen, Doch wurden die Flecken Mergentheim, Lauda, Groͤnßfeld vnd Biſchoffs heim, da⸗ ſelbſt ond an der Tauber liegend, Ingenommen, geſtrafft, ond der[93] Hauptſacher ein gut theil mit dem Schwert gericht. Nun ſchickt mein Herr, der Biſchoff von Wirtz⸗ burg ſein Marſchalck, mit etlichen Reuttern, ongefehr an die 100. gen Wirtzburg, auff vnſer Frawen Berg, oder wo er nit hinein kommen koͤnt, auffs negſt darbey zu rucken, ond denen im Schloß ein Warzeichen zugeben, mit einem Fewer, damit ſie vernemmen mochten, daß die Ret⸗ tung vorhanden were, wie dann der Biſchoff in ſeinem abſcheiden, da er zum Churfuͤrſten gen Heydelberg geritten, mit jhnen verlaſſen hat. Das 72. Cap. Wie man zu Koͤnigshofen auffgebrochen. Vff daſelb Brach man am H. Pfingſtag mit dem Laͤger auff, der meinung, den Nachtlaͤger zwiſchen Wirtzburg vnd Koͤnigshofen, nit weit von Giebelſtatt, zunemen. Als nun beyde Pfaltzgraͤfiſch ond Bundtiſch 6* 84 Reyſige Zeug herauß kommen, blieben die Bundtiſchen Fußknecht ligen wolten nit ziehen, bewegten auch viel Pfaltzgraͤfiſche zu jhrer meynung, beſchahe der orſach, daß ſie ein Schlacht zu haben begerten, wiewol ſie deſſelben tags da die Schlacht beſchehen, bey 3. ſtunden nicht zu ſolcher handlung kommen waren, anders dann zum letzten, wie oblaut, nichts deſtoweniger zohen die Fuͤrſten ond Hauptleut, mit gar einem geringen Fußvolck fuͤr, als ſie nun ein Meil wegs, von Koͤnigshofen zohen, ond kaum noch ein Meil zu. Nachtlaͤger hatten, da kam der e Marſchalck wider, hat ſein Sach außgericht, ond zeigt d dem Oberſten e een Georg Truchſeſſen an, wie die Bawren noch fuͤr dem Schloß Wirtzburg ond zum theil in der Statt laͤgen, hetten[94] ein groſſen hauffen zu Fuß verordnet, ond von jhnen ge— ſchickt, mit Geſchütz ond aller bereitſchafft, den Bawren, ſo ver rgangenen Frehtags jhr absolution ond Abfertigung zu Koͤnigshofen(wie vor gemelt) empfangen hatten(wel⸗ ches jhnen aber noch— war) zuzuziehen ond zu ſtaͤrcken, die weren ſchon im Zug, ond nicht ein halbe Meil wegs von dannen, er were mit ſeinen Reuttern nit weit neben 1 8 her gezogen, darumb es jhme wol wiſ⸗ ſent, Da nun der Oberſt Hauptman daſſelb vernam, 1115 er eylendts nach den Fußknechten, ſo zu Koͤnigßhofen lie⸗ gen blieben, ließ jhnen verkuͤnden, wie die Feind abermal vor augen, e ſie damit auffzubringen, aber es war vergeblich, dann ſie zohen nit, vnd hielten ſich als mutwillige Lenth, nichts deſtoweniger ließ der Hauptman, den ſolches nit hindert, den Fuͤrſten vnd allen Reyſigen anſagen, die Feind weren abermals vorhanden, auch alſo⸗ bald auffſchlagen ond auffblaſſen, damit ſich ein jeder darnach zu richten, vnd fuͤrderlich in die Ordnung zu ſchicken hette, zu welchem dann jederman willig vnd luſtig war, alſo ruckt der Hauptman ſelbſt mit etlichen Pferden herfuͤr, vnd beſahe die Feind, welche er auff 5000. Mann vberſchlug, l jhr viel wolten, es weren jhr weit mehr geweſen. Nun ward nach langem vnderreden bedacht vnd be— rathſchlagt, es were zu beſorgen, wo nit der Weg funden, 85 daß ſolchen Bawren der Guttenberger Wald(zu dem ſie nicht ein halbe Meil hatten) abgezogen wuͤrde, daß den⸗ ſelben tag nichts fruchtbarlichs gehandelt werden koͤnte. 1950 Das 73. Cap. Welcher geſtalt die Bawren bey Ingelſtatt, auff dem Fraͤnckiſchen Gaw, geſchlagen worden. Vff ſolches ward vom Hauptman befohlen, daß beyde 1 vberziehen ſolten, ſo wolt er mit den 5 Zeugen gleich auff ſie ziehen, vnd jhnen nach ane dem ward alſo von ſtund an folge gethan, wen⸗ deten ſich mit den Rennfahnen vnd ſchwadern 1 nit anders, als ob ſie vom Feind lichen wolten, alſo lang, biß ſie zwiſchen die Bawren ond den g Wald kommen. Mitlerweil hatten die Bawren oder Feind, allernechſt bey einem Dorff, jhr Wagenburgk geſchlagen, ond mit 36. ſtuͤck Buͤchſen onderſpickt, derohalben ließ der Pfalsgräfiſch Marſchalck, obberuͤrten Eberhart Schencken von Schweinßberg, der Schützen Hauptman, gar ein red⸗ lichen Mann, mit den Schuͤtzen darauff hawen, die Feind am nechſten, zu oberſchlagen, ond zu ſehen, wie ſie ſich doch hielten. So bald die Bawren daſſelbig erſahen, wolten ſie der Backenſtreich nit erwarten, gaben ſich gleich in die Flucht, lieffen alſo von ihren W 1 ond Geſchuͤtz, zum beſten als ſie konten, und dermaſſen, daß beyde Renn⸗ fahnen Reyſigen ſie im weiten Feld kaum erreitten koͤnnen, doch was ſich in die weite begab, ward alles ſchier ein Meil wegs lang, biß hinein gen Ochſenfurt am Meyn, hin ond wider erſtochen, deren fuͤrwar ein groſſe anzal geweſen, ſo lieffen ihr viel in zwey Doͤrffer nit weit von einander gelegen, das ein Giebelſtatt, das ander lals ich bericht) Schutzfeld genant, ſolche beyde Doͤrffer wurden mit all den Bawren ſo darein geflohen, in Boden außgebrant, ze. ſind alſo(meines erachtens) wenig vberblieben. 86 196] Das 74. Cap. Wie etliche Bawren in ein alt Schloͤßlein geflo⸗ hen, darin geſtuͤrmbt vnd erwuͤrgt worden. Vn lag allernechſt bey dieſen Dorffen ein Schloß, Ingelſtatt geheiſſen, welches die Bawren kurtz darvor gantz gepluͤndert, nicht mehr als ein Burg Caſtel, war doch noch mit gutem Gemaͤwer, ond mit einer hohen Zargen ombfangen, ond ſtundt ein groſſer Thurn darinn, vnd mit Graͤben verſehen, In daſſelb waren ongefehrlich an die 400. mit jhren Wehren, Spieſſen, Buͤchſen ond Hellenparten entlauffen, hatten das Thor ond Ingang zum beſten ond ſtaͤrckſten als ſie immer konten, verwahret, daß einem wol zuverwundern, wie es doch jhn immer muͤglich geweſen, in ſo kurtzer friſt alſo ſtarck ond verwart zumachen, aber noth findet onerfintliche weg, ond bricht Eyſſen, das ward an dieſem orth auch wol erfahren, ver— meinten ſich darin zu erhalten, alſo ruckt man das Ge⸗ ſchuͤtz darfuͤr ond ſchoß bald ein zimblich Loch darein, auff das ward von vielen guten Leuthen, Grafen, Herrn, Rit⸗ tern und Knechten, ſo alle zu Roß abſtiegen, das Schloß zum Sturm fuͤr genommen, lieffen alſo ungeordnet an. Da ſtelleten ſich die Bawren, als die in letzter noth er⸗ griffen, ernſtlich zur gegenwehr, dardurch ſie ſich deß erſten Anlauffs erwehrten, verwundeten ond warffen ab 100. Perſonen, darunder viel Herrn vnd guter Geſellen waren. Doch lieſſe man nit ab, ſondern ſie tratten zum andern mal mit allem ernſt wider an, ond kamen viel Herrn, Grafen, Edel vnd Vnedel zum geſchoſſenen Loch hinein, vermeinten es wer die groͤſte noth erſtritten, da fieng ſich erſt der Lermen recht an, dann es war Inwendig[97] vor ihnen, noch ein Maͤwerlein, durch das gieng nur ein Thor vnd Fenſter hinein, war noch wol Spieß lang hinab, da warffen ond ſtachen die Bawren ſo ernſtlich herauß, daß die Grafen, Herrn ond andere in mercklicher gefahr jhres Lebens ſtunden, wurden wider mit gewalt von den Bawren abgetrieben, blieb doch don der Gnaden Gottes onſer keiner todt. Als nun ſich die Bawren je mit gewalt zu erwehren 87 onterſtunden, ließ man das Geſchuͤtz noch baß hinein gehen, ond macht das Loch weiter, tratten darnach den Sturmb wider mit erſt an, am geſchoſſenen Loch ond dem Thor, arbeiteten ſich ſo lang vnd viel, biß ſie zu beyden theilen hinein kommen, es gieng aber ſchwerlich genug zu. Da wurden die Bawren im ſelbigen Schloß alle erſtochen. Vnd nach dem auff die 200. Bawren, von obgemeltem hauffen in ein Wald, allernechſt bey dem Schloß entrun⸗ nen, aber gegen zufallender nacht, nicht viel gegen ihnen fuͤrzunemmen war, doch ließ man etliche Wachten vber ſie halten, damit ſie nicht entlieffen. Deß Morgends ftuͤhe, wurden ſie alle erwurget ond erſtochen, alſo daß ſolcher hauffen Bawren mehrenteils alle auffgerieben, ond ge⸗ ſchahe ſelbigen Pfingſtag von vielen guten dapffern Leuthen, ein muͤheſame gefaͤhrliche Arbeit. a Das 75. Cap. Wie das Nachtlaͤger zu Moß genommen, vnd fuͤrter gen Haydingsfeld gezogen ward. KAch erlangtem Sieg, ruckten die Churfuͤrſten vnd Hauptleut, mit allen Reyſigen Zeugen(wie gewoͤnlich) auff die Walſtatt, namen der erſtochenen Bawren Wagen vnd Geſchuͤtz, deren bey 36. ſtuͤck auff Redern, 981 vnd der Wagen ein groſſe Summa, mit aller Not⸗ turfft vnd Bereitſchafft wol verſehen. Von der Walſtatt, zohen die Hauptleut mit allem Zeug in ein Dorff, ein wenig davon gelegen, Moß, genant, darin fand man nit ein einigen Menſchen, ond lag ein groſſer Weyer darbey, omb denſelben ond das Dorff, ſchlug man den Laͤger, da war Jederman frölich ond gutsmuts, deß Morgens, den Pfingſtmontag, waren die Furſten ond Grafen mit dem Laͤger zu Moß auff, dann die Fußknecht, ſo ſich zu Koͤ⸗ nigshofen nach ziehens geweigert hatten, waren wider zum hauffen kommen, zohen alſo 2. kleine Meil wegs, biß gen Heydingsfeld in den Wirtzburgiſchen Flecken, allernechſt bey Wirtzburg am Mayn gelegen, Im ſelbigen nahmen die Fuͤrſten mit jhren Reuttern den Laͤger, ſo lag Herr Georg Truchſes, Oberſter Feldhauptman, mit deß Bundts 88 Reyſigen, außwendig deß Fleckens am Mayn, gegen Wirtz⸗ burg zu, aber das Fußvolck oberhalb, in der Bawren ge⸗ habten Laͤger, ſo noch vor augen war. Das 76. Cap. Wie anfangs gegen den Bawren vor Wirtzburg ond der Statt gehandelt worden. 1 im zuziehen gen Heydingsfeld, ehe daß man Jabſaß, namen die Hauptleut, Herr Georg Truchſes ond Graf Wilhelm von Fuͤrſtenberg, mein Gn. Herrn Hertzog Ott Heinrichen, ohngeferlich mit 200. Pferden, Ritten auff den Berg, allernechſt bey dem Schloß, vonſer lieben Frawen Berg ober, lieſſen alle Trommeter auff⸗ blaſſen, vnd die Heerpaucken ſchlagen, damit es dien, in der Beſatzung deß Biſchofflichen Hauſes, deßgleichen die Burger ond Bawren in der Schantzen hinunter beim Schloßberg, all genugſamb[99] ond wol hoͤren mochten. Dieſes ſchalls wurden die im Schloß, als wol zugedencken, hoͤchlich erfrewet. Aber die in der Statt, meinem erachten nach, ab ſolchem ſchall ſehr erſchrocken, daſelbſt ſchickten die gemelten Hauptleut, den Pfaltzgraͤfiſchen Marſchalck, mit ſambt Eberhard Schencken, in der Fuͤrſten Namen in das Schloß, der Fuͤrſten ankunfft zuverkuͤndigen vnd zu ſehen, wie es ein geſtalt omb die im Schloß haͤtte, wie⸗ wol der Bawren halb, nit wol hinein zureitten war, die⸗ weil ſie nahe in der Schantz darbey lagen, dennoch voll⸗ endten dieſe zween jhren befehl, kamen wider auß dem Schloß, zeigten den Hauptleuthen an, was ſie von denen im Schloß vernommen hetten, ond wie es mit jhnen be⸗ ſchaffen were, onder andern, wie daß ſie ſolcher viel lob licher Fuͤrſten, Grafen vnd Herrn ankunfft, hoͤchlich er— frewet. Da blieben die Hauptleut halten, biß die im Schloß all jhr Geſchuͤtz(deſſen ſie ein treffliche anzal hat⸗ ten) ab: ond hinuͤber in die Statt Wirtzburg gehen laſſen, ſo bald das beſchehen, ruckten ſie ins Laͤger gen Heydings— feld, in derſelben Nacht raumbten die Bawren die Schantz, vnd namen 4. der beſten Geſchutz mit jhnen in die Statt. Deß andern tags, zohe Graf Wilhelm von Fuͤrſtenberg vnd der Pfaltzgraͤfiſch Marſchalck, mit dem Rennfahnen an, namen die Vorſtatt hie diſſeit die Bruͤcken ein, vnd beſatzten den Thurn auff der Bruͤcken. Demnach zohen die im Schloß mit 100. Mann wol geruͤſt, den Berg herab, vnd Graf Wilhelm von Fuͤrſtenberg mit dem Pfaltz⸗ graͤfiſchen Marſchalck vnden herauff, kamen alſo in der Schantz zuſamen, darin funden ſie niemand, allein ſtunden 5. oder 6. alter Buͤchſen vnd Carthaunen, die waren doch mehrentheils zerbrochen, die lieſſen ſie mit nemen vnd ins Schloß hinauff fuͤhren. 1100] Das 78. Cap. Wie ſich die Burger vnd Bawren, in der Statt Wirtzbur i 5 0 9 in der Fuͤrſten ond deß Bundts gnad ond ongnad ergeben. Ls nun die Fuͤrſten vnd Hauptleut vernommen, daß Anoch auff 5000. Burger vnd Bawren in der Statt Wirtzburg, waren ſie deß gentzlichen willens ſich mit gewalt, auch allem jhrem ond deß Biſchoffs habenden Ge— ſchuͤtz, darfuͤr zu legen, ond war die Schantz ſchon zuge⸗ richt, Da aber die in der Statt ein ſolches ernſtliches fuͤr⸗ nemmen vermerckten, ſuchten ſie auffs onderthaͤnigſt vnd flehenlichſt an, omb genad, alſo ward darunder getaidigt ond die Sach dahin gebracht, daß ſich die Statt Wirtzburg vnd all andere ſo darinn, in der Fuͤrſten ond deß Bundts genad vnd ongenad ergeben ſolten. Das 79. Cap. Welcher maſſen die Burger ond Bawren in der Statt Wirtzburg geſtrafft worden. Lſo nach vollendter taydigung, am dritten tag deß Fuͤrzugs, Ritten die Hochwuͤrdigſt: Durchleuchtigſt: Durchleuchtig: ond Hochgebornen Churfuͤrſten vund Fuͤrſten, meine gnaͤdigſt vnd gnaͤdige Herren, Trier, Pfaltz ond Wuͤrtenberg, deßgleichen Hertzog Ott Heinrich, So dann der Wolgeborne Herr Georg Truchſes, deß Bundts Oberſter Feldhauptman, wol mit drithalb tauſent geruͤſter Pferd, in die Statt Wirtzburg, die Hauptſacher, Redlinß⸗ 101] führer ond rechtſchuldigen Knaben zur ſtraff, vnd dem Biſchoff die Statt wider in gehorſamb zu bringen, da blieb der Bundtiſch ond Pfaltzgraͤfiſch Rennfahnen, bey den zweyen Thoren, mit jhren zu geordneten Schuͤtzen halten, aber die andere Zeug zohen mit den Fuͤrſten ond Hauptleuthen auff den Platz, an die nechſten Gaſſen dar⸗ bey, blieben alſo halten auff den Pferden, dann es war Maͤnniglich verbotten, nicht abzuſteigen ſbiß in die fuͤnffte ſtund, das mittel Thor in der Statt war mit Trabanten beſetzt, Da wurden die Burger vnd Bawren all verſamblet, vnd in 3. orth vertheilet, Nemblich die Jenige, ſo in der Statt geſeſſene Burger waren, die ſtunden all auff dem Marckt, was aber von frembden Bawren, auß dem Stifft Wirtzburg, der Marggraffſchafft ond anders woher ver⸗ ſamblet, die muſten ſich alle vor vnſer Frawen Capell auff den Platz ſtellen, So kamen die von der Außlaͤndiſchen Bawerſchafft, alle auff dem Rennweg zu ſamen, Darnach hub Herr Georg Truchſes, von der Fuͤrſten ond deß Bundts wegen, die Handlung erſtlich bey den Burgern an, hielt jhnen ein lange Erinnerung ond Rede fuͤr, Dar⸗ bey hielten die Fuͤrſten mit jhren Grafen, Herrn ond Raͤthen herumb, alſo fielen die Burger alle nieder auff die Knie, baten omb genad. Da that gemelter Haupt⸗ man abermals eine lange wolgeſchickte Rede, fieng darnach an, etliche auß jhnen zu nemen, ließ derſelben theils in gegenwart der andern, enthaupten, etliche in hafft legen, die obrigen gelobten vnd Schwuren dem Biſchoff auff ein newes. Von dieſem Platz zohe gedachter Hauptman, zum andern hauffen, fuͤr vnſer Frawen Capell, handelt mit denſelben gleicher geſtalt, wie mit den erſten, von dannen ruckt er fuͤrter zu den Bawren auff dem Rennweg Platz, handelt auch mit jhnen gleich den vorigen. Wurden alſo an dreyen orthen auff die 76. Gekoͤpfft, onder denen war ein Burger von Carlen⸗[102]ſtatt, Schrautenbach genant, der erbot ſich 2000, flor. zugeben, aber es mocht jhn nicht helffen, darnach wurden alſo bald die Frembden, es weren Burger oder Bawren alleſambt zur Statt hinauß begleitet, ond einer jeden Herrſchafft jhr ſtraff gegen jhnen 91 vorbehalten. Nach vollendung deſſen allen, ſtiegen die Fuͤrſten ab, giengen auff die Biſchoffliche Cantzley, truncken eins, ſaſſen darnach wider auff, Ritten miteinander auffs Schloß, vnd lagen die Nacht droben, aber die Hauptleut zohen mit dem Zeug wider ins Laͤger, deß andern tags, handelt man mit der Statt, vnd ward beſchloſſen, daß ſie all jr Wehr ond Harniſch von ſich geben, auffs Schloß zu fuͤhren, darzu die Mawren ſampt den Thuͤrnen an der Statt, auff der ſeiten gegen dem Schloß vber, biß auff die Erden im boden abbrechen, wie ſie dann zu thun gleich anfiengen, zu deme, dem Bundt vnd Fuͤrſten 8000. flor. fuͤr ein Abtrag oder Brandtſchatz geben muͤſſen. Doch dem Biſchoff von Wirtzburg in all weg ſein ſtraff vorbehalten, die er auch nachmals in keinen vergeß geſtelt. Das 80. Cap. Was ferner im Laͤger zu Heydingsfeld ge⸗ handelt. Lſo blieben die Churfuͤrſten, Fuͤrſten vnd Hauptleut mit jhrem Laͤger, auff die 8. tag zu Heydingsfeld ſtill liegen, Brandſchatzten alle Staͤtt, Flecken ond Doͤrffer, ſoviel ſie deren im Stifft erreichen konten, doch ward dem Biſchoff ſein ſtraff auch vorbehalten, ond ge⸗ ſchach durch das Kriegsvolck auß dem Läger, welches ſich in keinen Sack ſchlieſſen ließ, ein mercklicher ſchaden, dar⸗ durch die ombliegende Landſchafft an Proviant ſehr ent⸗ bloͤſt ward, dann ſich die 103] Bawren vormals auch nicht geſaumet. Vnder ſolchem wurden viel der Haupt⸗ ſacher vnd Redlinsfuͤhrer, hin ond wider, im Stifft ge⸗ koͤpfft, in dieſem Laͤger ward auch nit onderlaſſen, mit denen zu Rodenburg an der Tauber zu handeln, die ver⸗ trugen ſich mit dem Bundt ond Fuͤrſten, doch nit weiters, dann auff 5000. flor. von der Statt wegen zugeben, die ander ſtraff der Landſchafft, behielt Herr Georg Truchſes dem Bundt fuͤr, ſo wurden auch der endts, die Grafſchafft Wertheim omb 3000. fl. gebraudtſchatzt. In deſſen kam der Hochwuͤrdig Fuͤrſt Herr Wilhelm, Biſchoff zu Straß⸗ burg Landgraf zu Elſaß, ond Statthalter im Ertzſtifft Maintz, gen Heydingsfeld, hat nit viel ober 50. Pferd bey ſich. Es truegen ſich fuͤrwar in dieſem Laͤger viel ſeltzame Practiken ond dinge zu, aber kuͤrtze halben ohue noth viel davon zu ſchreiben. Als nun der Biſchoff von Wirtzburg ſein Schloß, Statt vnd gantz Stifft, wider in ſein gewalt ond gewarſamb bekommen, da theilten ſich die Heer voneinander, wiewol die Bundtiſchen Hauptleut leyden moͤgen, daß mein gnaͤdigſter Herr der Pfaltzgraf, weiters mit jhnen gezogen were, welches auch Sein Gn. gerne gethan hette, ſo kam aber derſelben von jhrem Statt⸗ halter ond Raͤthen zu Heydelberg ſoviel hefftige, newe, vnd ernſtliche Schrifften, wie die Bawren in Seiner Gn. Fuͤrſtenthumb jenſeit deß Rheins, wider zuſammen ge⸗ lauffen, ond theten im Land, mit außbrennen der Haͤuſer, Pluͤndern vnd Morden trefflichen ſchaden. Wann es jhnen nit bald gewehrt, ond widerſtand beſchehe, daß es zu groſſem nachtheil ond verderbung deß gantzen Fuͤrſten⸗ thumbs reichen wuͤrde. Derohalben S. Churf. Gu. hoͤch⸗ lich verurſacht, vom Bundt zuziehen, onderredet vnd ver⸗ gliche ſich darauf mit dem Maintziſchen Statthalter, daß S. Churfuͤrſtl. G. mit dem Heer zu Roß vnd Fuß, den Mayn hinab zuziehen macht hatte, ond jhne den Statt⸗ halter, dem viel ongemach von deſſelben Maintziſchen Ertz⸗ 104] ſtiffts eignen Bawren(wie oben zum theil angeregt) zugeſtanden war, widerumb einſetzen wolt. So vereynten ſich die Bundtiſchen Hauptleut mit dem Durchleuchtigen Hochgebornen Fuͤrſten, meinem gnaͤdigen Herrn, Marggraff Caſimir von Brandenburg, ſo derendt zum Fuͤrſten, mit etlichen Pferden ankommen, daß der Marggraff, mit ſampt Graff Wilhelm von Hennenberg, nachdem ſie beyde auch ein trefflichen Zeug ond Volck hatten, zum Bundtiſchen Heer ſtoſſen, vnd alſo miteinander fuͤrbaß ziehen ſolten. Das 81. Cap. Wie ſich beyde Heer getheilet, ond was durch die Bundtiſchen ferrner gehandelt. 2 Vff ſolches theilten ſich das Pfaltzgraͤfiſch ond Bund⸗ tiſch Heer, ſchieden alſo die Fuͤrſten ond die Bundtiſche Hauptleut, mit jren Zeugen, Grafen, Herrn, Edeln vnd allem Fußvolck, gantz freundtlich vnd einig voneinander, vnd brach Herr Georg Truchſes mit dem Bundiſchen Heer auff, zu Heydingsfeld, am Montag nach Trinitatis, zohe den Mahn hinauff, fuͤr die Statt Schweinfurt, welche ſich gleich, ohne noth, in deß Bundts genad vnd vngenad er⸗ geben. Nachdem aber ein groſſer hauffen Bawren vnd auffruͤriſcher Geſellen nit allein deß Stiffts verwanten, ſondern auch Marggraͤfiſcher vnd anderer vmbliegenden Herrſchafften angehörig, alle Schloͤſſer vnd Edelleuth Haͤuſer im Stifft Bamberg, auch etwa viel in Marggraff Caſimirs Fuͤrſtenthumb gelegen, entweder gepluͤndert vnd abgebrochen, oder im Boden außgebrant, deren fuͤrwar ein groſſe Zahl, vnd als etliche meinen, auff die 100. geweſen, darzu die Statt Bamberg[105] Ingenommen, die Pſaffheit vnd Geiſtlichen darin vberfallen vnd genoͤtigt, vnd viel vnrahts vnd vbels geſtifft hatten, zu vnd vmb Bamberg, auch da⸗ ſelbſt herumb der Arth lagen, zogen die Buͤndtiſchen Haupt⸗ leut mit jhrem Kriegsvolck, vnd den andern Fuͤrſten, nach volbrachter ſtraff zu Schweinfurt, den nechſten weg auff Bamberg zu, vnd brachten das Stifft ohn ſondere noth, in kurtzem in gebuͤrenden gehorſamb, alles mit vorbehalt dem Biſchoff ſeine ſtraff, durch welche handlung die Marg⸗ graͤfiſche vnd anderer vmbliegenden Herrſchafften vngehor⸗ ſame auch gezuͤchtiget worden, doch hatte mein gnaͤdiger Herr, Marggraff Caſimir zuvor auch nit gefehret, den ernſt fuͤrgewandt. Nemblich vnder andern die Statt Kitzingen, darin die Bawren auch ihren enthalt gehabt, zur ſtraff gebracht, geſtalt er bey die 60. die Augen auß ſtechen laſſen. Nachfolgendts, als die ding daſelbſt vmb in der Marggraffſchafft geſtilt, iſt Herr Georg Truchſes von dannen auff Memmingen, da ſich ein groſſer hauffe Bawren von neuem verſamblet, vnd dieſelb Statt etlich zeit hart Belaͤgert gehabt, gezogen, daſelbſt er den 13. tag Julij ankommen, ſich nit weit vom Feind gelegert, vnd als er der Feind, ſo ſich auff die 3. oder 4000. bey Stratenbach zuſamen gethan hatten, gewar worden, iſt er mit etlichen Pferden eigner Perſon, in einem Scharmuͤtzel an ſie kommen, aber ſelbigen tags das Volck vnd Geſchuͤtz 94 vor nacht nicht an ſie bringen koͤnnen, derohalben wider hinderſich rucken muͤſſen, ſich doch in der Nacht, mit allem Kriegsvolck erhebt, willens die Bawren oder Feind, deren auff 12000. geweſen, der endts im Laͤger zu oberfallen, nachdem ſie aber an ein Waſſer, die Libas zu jhrem vor⸗ theil entwichen, hat Herr Georg mit dem Geſchuͤtz gegen jhnen zuarbeiten angefangen, ond auff die zween tag viel weg geſucht, wie ſie in dieſem vortheil anzugreiffen weren, in mittels hat er[106] jhnen mit dem Geſchuͤtz viel ab⸗ gebrochen, vnd ein mercklichen ſchaden gethan, am letzten ein Scharmuͤtzel auff ſie verordnet, darin die Knecht in jhren Vortheil kommen, jhr etliche erſtochen, ein Faͤhnlein genommen, vnd jhnen ein zimblichen abbruch gethan, auff ſolches ſeind die Bawren auff gebrochen, jhr Geſchuͤtz zum theil hinder ihnen gelaſſen, biß vber das Schloͤßlein Suͤltz⸗ berg ob Kempten, derendts abermal in ein groſſen Vor⸗ theil gewichen. In dieſem iſt Herr Georg von Fronßberg, Ritter, gar ein hochberuͤmbter ond wolerfahrner Kriegsman, deſſelben Abents mit ſeinen Knechten, ſo er auß Meyland gefuͤhrt, zu Herr Georg Truchſeſſen kommen, darauff ſie beyde dem Feind nach gezogen, ond auff der Bawren bittliches begehren, mit jhnen ſprach gehalten, ond ſoviel gehandelt, daß ſie ſich in deß Bundts genad ond vngenad ergeben, Wehr vnd Harniſch von ſich gelegt, vnd die ſampt dem Faͤhnlein, dem Oberſten Feldhauptman bberliefert. Das 82. Cap. Wie der Pfaltzgraf mit ſeinem Kriegsvolck den Mayn hinab gezogen. Leich als die Buͤndtiſchen zu Heydingsfeld auffge⸗ Gba, da iſt mein gnaͤdigſter Herr, Pfaltzgraf Lud⸗ wig Churfuͤrſt am andern tag, von Heydingsfeld ab ond ins Dorff Remlingen gezogen, darin Sein Churfuͤrſtl. Gu. mit jhrem Zeug den Laͤger genommen, ond die an⸗ dern Zeug ſampt dem Fußvolck zu Hauſen vnd Entlingen, alle drey Doͤrffer der Grafſchafft Wertheim zugehoͤrig, den folgenden tag gen Wertheim geruckt, darin lagen die Fuͤrſten mit jhren Reuttern, ſoviel darin bleiben mochten, 95 die andern Zeug[107] in den ombliegenden Doͤrffern, allernechſt darbeyh, ſo hatt das Fußvolck ſampt dem Ge⸗ ſchuͤtz den Laͤger zu Reichholtzheim an der Tauber, ober⸗ halb Wertheim. Am Donnerſtag Corporis Christi zog man mit allen Zeugen, Fußvolck vnd Geſchuͤtz, nach Mil⸗ tenberg, da ſtieß der Mayntziſch Statthalter onderwegen zu Newkirchen auff der hoͤhe zum Churfuͤrſten, zohen alſo miteinander hinein gen Miltenberg, daſelbſt ond zu Per⸗ ſtatt lagen die Reyſigen, aber das Fußvolck vnd Geſchuͤtz zu klein vnd groß Hahbach, deß Ohrts verglichen ſich die Fuͤrſten miteinander, deß Brandtſchatzens halber, durch den Mayntziſchen Ertzſtifft, darauff dann der gantz Stifft ge⸗ brandſchatzt, ond der Brandſchatz vnder die Fuͤrſten vertheilt ward, den andern tag zog das Heer den Mayn hinab, ond hatten die Fuͤrſten ihr Nachtlaͤger zu Obernburg, in eim groſſen Dorff, das Fußvolck zu Niedernburg, ond der Statthalter zu Klein⸗Walſtatt. Das 83. Cap. Was zu Aſchaffenburg gehandelt worden. En folgenden tag iſt man fuͤrobaß hinab gen Aſchaf⸗ fenburg, da der Biſchoff von Mayntz ſein gewoͤnliche Hofhaltung hat, gezogen, daſelbſt wurden die Fuͤrſten ins Schloß gelegt, aber die Reyſigen, welche nit in die Statt Loſirt, haben jhr Laͤger außerhalb zu Oſtheim, ond andern ombliegenden Dorffern, mit ſampt dem Fußvolck ond Arckeley, gehabt, da iſt man ein tag ſttll gelegen, mit den Burgern ond deß Stiffts Bawrenſchafft der Brand⸗ ſchatzung halber gehandelt worden, ond war mein gnaͤ⸗ digſter Herr der Pfaltzgraf, mit den andern Fuͤrſten gaͤntz⸗ lich willens, auff die Statt 108] Mayntz vnd Rinckgaw zuziehen, die gleichermaſſen vom Stifft abgefallen, aber auff der Fuͤrſten ſchreiben, ergaben ſie ſich in jhr ſtraff, wie dann derſelben verordneten dem Laͤger nachgezogen, getheytigt, ond die Rettung, ſo folgents zu Pfederßheim beſchloſſen ward, angenommen haben, onder andern, daß ſie dem Statthalter wider Huldigen vnd Schweren, darzu den Fuͤrſten 1500. flor. fuͤr ein Abtrag oder Brandtſchatz⸗ 96 ung geben ſolten, derohalben S. Curfuͤrſtl. Gn. mit allem Kriegsvolck von Aſchaffeuburg gen Dieberg, vnd deß andern tags gen Oppenheim, Seiner Gn. zugehoͤrigen Statt ge⸗ zogen, derents man noch deſſelben tags mit allen Reyſigen Zeugen vber Rhein geſchifft, aber das Fußvolck ond Arckeley blieben druͤben in einem Dorff liegen, ond kamen deß andern tags auch hernach. Nun hatte der Mayntziſch Statthalter, mit meinem gnaͤdigſten Herrn dem Pfaltzgrafen verlaſſen, als ſie zu Aſchaffenburg voneinander geſcheiden, er wolte gleich deß andern tags mit 300. Pferden zu Seiner Gn. gen Oppenheim kommen, ond die Bawren auff dem Gaw ſtraffen helffen, derohalben man ein tag daſelbſt laͤnger verharren thet. Wie man kundtſchafft ober den hauffen Bawren angericht, ond was dieſelben gemutwilt haben. Och onderließ der Pfaltz Oberſt Hauptman ſampt den ]Vverordneten Raͤthen nicht, jhre kundtſchafft ober den hauffen Bawren, ſo ſich oben bey der Newſtatt auff ein newes verſamblet hatten, anzurichten, ond zu ſehen, wo dieſelben legen, ond wie es omb ſie beſchaffen were. So kam[109] die kundtſchafft, daß ſie in eim Pfaltz⸗ graͤfiſchen Flecken aufſm Gaw Dalßheim genant, mit einem groſſen hauffen laͤgen, nit wol onder 7. oder 8000. ſtarck, waren gantz frewdig, lieſſen ſich hoͤren, ſie Wolten den Pfaltzgrafen mit allen Zeugen, ond wer jhnen bekaͤme, erſchlagen, hatten das Spiel warlich wacker angefangen, dann ſie im Land mit Mord, Brandt, Nam ond Raube, den Fuͤrſten, Grafen, Herrn ond Ritterſchafft, auch allen Geiſtlichen, ein vnuͤberwindtlichen ſchaden gethan, hatten ſich obwendig der Newſtatt, vom Cleburger, Meerlemer, Hilßbrucker, Wachenheimer vnd ſonſten andern hauffen, vngefehr omb die Pfingſten von newem verſamblet, herab gen Ogerßheim gezogen, daſelbſt Lambßheim ond Freinß⸗ heim, die Flecken Ingenommen, am Mitwoch nach trinitatis, als ſie zu Duͤrmſtein an kommen, ſeind ſie fuͤr meines 97 gnaͤbigſten Herrn deß Pfaltzgrafen Schloß 5 darin Seiner Gn. Vogt zu Zell, ſampt etlichen mehr Perſonen, zu Beſatzung hinein verordnet waren, gelauffen, e auffgefordert, da ſie ſich aber de eſſen weigerten, ond als fromme getrewe Vnderthanen zu halten gedachten, mit gewalt hinein gefallen, die 15. Maͤnner, ſampt dem Vogt, etlich darin erwuͤrgt, ond ſie alle oben zun Fenſtern her⸗ auß geworffen, das Hauß gepluͤndert, vnd ſolches alſobald mit Juncker Wolffen von Affenſtein Schloͤßlein daſelbſt abgebrochen, aber deß Biſchoffs von Wormbs Hauß, ſo außwendig deß Fleckens gelegen, Angeſtoſſen ond Außge⸗ brant, auch etliche Perſonen darin gefangen. Von dannen gen newen Leyningen gezogen, daſſelb auch erobert, das Schloß gepluͤndert, ond ein Ehrliche Graͤfin von Weſter⸗ berg, ſo jhr weſen daſelbſten hat, gezwungen, daß ſie den Ehrloſen Boßwichtern zu Tiſch kochen ond Dienen muͤſſen, eines ſolchen ſtoltzen hoffertigen gemuͤts wa⸗[110J ren die Abentheurer, folgends das Weſterburgiſch Schloß, als Leyningen dahinden gelegen, außgebrant, das Kloſter Hai⸗ ningen allernechſt darbey, gepluͤndert, fuͤrters an den D 8 berg geruckt, etliche Schloͤſſer daran Inngenommen, deß⸗ gleichen den Naſſawiſchen Flecken Kirchheim in jhr Hand bracht, die Schloͤſſer Polanden ond Stauffen außgebrant, darnach herfuͤr auffs Gaw gezogen, vnd haben in jhrem kurtz volbrachtem Zug, viel groſſes hochmuts ond Frevels getrieben, lieſſen ſich beduncken, ſie weren ſchon Meiſter im Land ond hetten den Sieg in Haͤnden. Das 85. Cap. Wie ſich der Pfaltzgraf gegen dieſen Bawren 9 geſchickt. A nun mein gnaͤdigſter Herr Pfaltzgraf der verſamb⸗ leten ongehorſamen Bawren gelegenheit guten bericht vernommen, thets jhm nit wenig anliegen, ond nit onbillich, daß das mehrentheils Seiner Gn. eigen gelobter ond geſchworner Leuth, die er bißhero ſo gnaͤdiglich ge⸗ meint, ond ſo fuͤrſichtiglich Regiert ond beſchirmt hat, alſo ſchandtlich, grewlich ond Ehrnvergeßlich gegen jhme ver⸗ 98 fahren ſolten, ſatzt jhm fuͤr, dieſen gewalt, hochmuth ond frevel zu dempffen, ſchickt ſich derohalben zum fuͤrderlichſten in handel, da wurden durch Schenck Eberten, Oberſten Feldhauptman, alle Zeug vnd Sachen, ordentlich zugericht, ond der Marſchalck, Wilhelm von Haabern, mit dem Rennfahnen am andern Morgen fruͤhe zu Oppenheim hinden zum Schloß hinauß gelaſſen, der hat befelch, eigentlich zu erkundigen, wo ſolche Bawren legen, ond welcher geſtalt gegen jhnen zu handeln were, So zog der Churfuͤrſt deß tags mit allem Zeug, Fußvolck vnd Geſchuͤtz 1111] omb 8. ohren auch zu Oppenheim auß, ond als man angezogen, kam der Mayntziſch Statthalter auch mit einem Faͤhnlein Zeug auff 300. Pferd zum Pfaltzgraͤfiſchen Heer, im Feld, da zog man alſo mit allem Kriegsvolck, auff Weſthofen zu, In deme kam dem Marſchalck Bott⸗ ſchafft, die Bawren weren in der Nacht zu Dalßheim auff⸗ gebrochen, ohnwiſſent wo hinauß, deßhalben ſchickt er allenthalben herumb, erfuhr alſo daß ſie in der Nacht auff Guntheim zu gezogen weren, darin Hanß von Ober⸗ ſtein ein Schloß liegen hatte, da ruckt der Marſchalck aller⸗ nechſt zu ſelbigem Dorff, ond kam auff ihr Fußpfaͤd, wie ſie in der Schlachtordnung durch das Rauch-Feld gezogen, ond waren jhr je 43. in einem Glied gangen, ond hatten in jhrem verlornen hauffen, je 27. in einem Glied, zur Rechtenhand, neben dem groſſen hauffen, ziehen laſſen, wie er dann ſolchs, nachdem der Pfad vnd Fußtritt nach friſch vor Augen, eigentlich vberſchlagen kont, ond als ſie von Guntheim auff Pfederßheim ſtreckten, zohe jhnen der Marſchalck nach, da kamen ſolche Bawren nit wol ein ſtund fuͤr jm in Pfederßheim, daſelbſt ſie von den Inn⸗ wohnern, auff bloſſe erforderung, eingelaſſen worden, vber das ſie mehr dann eine vertroͤſtung gehabt, mein gnaͤdig⸗ ſter Herr der Pfaltzgraf komme mit einer macht, wolt ſie gnaͤdiglich bedencken, ond keine huͤlff onderlaſſen, zu dem, daß S. G. Burggraf zu Altzen vor 5. tagen 200. Wehr⸗ lichermann, zu ihnen in die Beſatzung legen wollen. Das 86. Cap. Wie man gegen ſolchen Bawren in Pfederßheim gehandelt, ond deren Erſtmals bey 4000. erſchlagen. Jeweil nun der Marſchalck gruͤndtliches wiſſen trug, wo ond wie die Bawren lagen, verkuͤndet er ſolches fuͤrderlichſt den Churfuͤrſten, vnd dem Oberſten Haupt⸗ mann[112] Schenck Eberten von Erbach, da ſchickt man ſich zur Sach, ond macht der Feldhauptman alſobald die Schlachtordnung, zu Roß vnd Fuß, die zohen alſo in jhrer ordnung auff Pfederßheim zu, vnd da man mit den Zeugen allernechſt ob Pfederßheim kam, Ritte der Mar⸗ ſchalck zum Oberſten Hauptman, eroͤffnet jhm, wie es vmb die Bawren beſchaffen, auff daſſelb ward von der Sachen, ond wie man die Feind anzugreiffen meint, in der eyl berathſchlagt, nach ſolchem ließ man die Reyſigen mit jhren Zeugen, ond das Fußvolck mit jhrer Schlacht⸗ ordnung ongefehr ein Buͤchſenſchuß von der Statt im weiten Feld halten, namen das leicht Geſchuͤtz herfuͤr, bey St. Georgen Berg, da dann ein Kirch mit etlichen Haͤu⸗ ſern geſtanden, ſchoſſen zu den Wehren, wie dann auch widerumb von Bawren zur Statt herauß beſtes fleiß be⸗ ſchach, als nun daſſelb wol auff ein ſtund gewehrt, da ward fuͤr gut ond nuͤtzlich geacht, daß man etliche Reyſigen ober die Bach, die Pfrim genant, ſo im Grundt, ond durch Pfederßheim fleuſt, verordnen ſoll, der endts zu halten vnd zu ſehen, was die Bawren fuͤrnemmen wuͤrden, dann ſie konten diß ohrts baß in ond omb die Statt ſehen, dann auff dieſer ſeiten. Alſo zog der Marſchalck mit dem Rennfahnen, obwendig Pfederßheim hinuͤber, mit ſampt dem Burggrafen von Altzen, Dietrichen von Schoͤn⸗ burg, der damals in ſeinem Zeug bey 150. Pferd hatte, blieben jenſeit deß Waſſers, auff der hoͤhe da ein Kirchlein ſteht, halten, gleich darnach ſchickt man Johan von Schoͤn⸗ burg, Pfaltzgraͤfiſchen Amptman zu Schoͤnburg mit den Coͤlniſchen Reuttern, onderhalb Pfederßheim ober die Pfrim, ebenermaſſen wie die andern zu halten, ond auff das Außfallen, auch ſonſten wie ſich die Bawren hielten, acht zu haben. 7* 100 Nachdem aber die in Pfederßheim alle drey Fahnen, ſo vber die Bach geruckt waren, wol ſehen konten, hatten ſie dieſel⸗[113]ben auff 4. oder 500. bey jhnen ober⸗ ſchlagen, wie man ſolches dann nachmals erfahren. Nun ruckt der Pfaltzgraͤfiſch Marſchalck von ſeinem Zeug, ond beſchied ſeine Reutter auff den Burggrafen von Starcken⸗ burg, Wolff Vlrichen von Flechingen, als ſein onder Marſchalck zu warten, mit befelch, gut acht zu haben, wie ſich die Feind hielten, ond was er innen wuͤrd, jhnen daſſelbig auffs fuͤrderlichſt zuverſtaͤndigen, Ritt alſo mit einem Knaben wider vber die Bach zum Churfuͤrſten, zu⸗ vernemen, was man weiters handeln wolt, ſo bald er zum Zeug kam, ward durch den Feldhauptman ond an⸗ dere Kriegs Raͤth bedacht, weil man ſich fuͤr die Statt legen muͤſt, nach eim Laͤger, wo derſelb am beſten vnnd bequemlichſten fuͤrzunemen wer, zu ſehen, ond ſich zum fuͤrzug ohngeſaumbt zu ſchicken. Darneben auch die Statt zu enthalten, wie auch ſchon allbereit beſtelt war, demnach dem Marſchalck vnd Frowin von Hutten Ritter, Mayntziſchen Rath vnd Diener befohlen, daß ſie ſolten nach dem Laͤger ſehen, auch Quartier: vnd Futtermeiſter mit jhnen nemen. Solchem befehl gelebten ſie beyde nach, namen das Laͤger an der Pfrim, oberhalb Pfederßheim den Wieſengrund hinauff, ond laͤgerten die Fußknecht unden daran, ab ond ab biß an die Bruͤcken, dieweil ſich daſſelb, biß es be— ſichtiget ond auffgericht, etwas lang verzoge, blieben doch alle Zeug in jhrer Ordnung halten, da kamen dieſe beyde, der Marſchalck ond Frowin von Hutten, widerumb hinauff zum gewaltigen hauffen, ond dieweil die Feind in der Statt, ond mein gnaͤdigſter Herr mit ſeinem Heer hie⸗ auſſen, verſahe ſich niemand deß tags einiger handlung, ließ darauff Koch: vnd Proviant Waͤgen ins Laͤger, da man ſich nieder ſchlagen wolt, hinziehen. Wie nun die ding zum Laͤger angeſchickt vnd darvon geredt, gleich vber eine kleine weil, ſo geht die Pforten an der Statt[114] auff. Als man ſolches hieoben bey St. Georgen Kirch Ebenmeſſig ſehen kont, theten ſie ſich eintzig herauß, alſo daß man 3. Faͤhnlein ſehen kont, nachdem aber das Churfuͤrſtlich Kriegsvolck, vor der 101 Bawren Geſchuͤtz nit wol zu jhnen kommen kont, ver⸗ meinten etliche, ſie wuͤrden dem Churfuͤrſten ober das Ge⸗ ſchuͤtz lauffen, aber etliche andere hielten darfuͤr, ſie wolten die Reyſigen, ſo jenſeit der Pfrim zu halten verordnet, abtreiben, im ſelbigen zohen die Feind mit gantzer macht herauß, bey die 7000. ſtarck, acht bey mir gaͤntzlich dar⸗ fuͤr, ſie hetten deß gewaltigen hauffens, ſo hinder St. Georgen Berg hielt, kein wiſſens, in meinung villeicht, dieſer Reutter ſo ſie geſehen, maͤchtig genug zu ſein. Da aber die Reyſigen, ſo jenſeit der Bach hielten, diß ſahen, ruckten ſie bald zuſamen, ſchickten zum Marſchalck vmb beſcheid, weſſen ſie ſich verhalten ſolten, der entbott jhnen, ſie ſolten alſo beheinander ond neben dem Feind, das weit Feld hinauff ziehen, ond ward dem Marſchalck der Mayntziſch Zeug zu geben, mit einander herfuͤr zum Feind zu ruͤcken, wie ſie dann thaten, auff dieſelbigen ordnet der Hauptman den Trieriſchen vnd Guͤlchiſchen Zeug, ond blieb der gewaltig hauffe, deßgleichen das Fußvolck, bey dem groſſen Geſchuͤtz halten. Als nun die Bawren dieſer Reyſigen Zeugen aller anſichtig, ond innen worden, theten ſie ſich mit jrer Ordnung mitten durch den Wingerkberg hinauß, an ein ſchlecht ort, da boͤß mit Reyſigen gegen jhnen zu handeln war, lieſſen ihr Geſchuͤtz fuͤr hinauff gehen, ond richten es hinderſich, zum gewaltigen hauffen, darin mein gnaͤdigſter Herr Pfaltzgraf mehrentheils mit allen Fuͤrſten hielten, vnnd ſchoſſen den erſten Schuß, hinden in die Ordnung, Seiner Gn. Seeretarien einen, Philips Sturm genant zu todt, In dem geſchach dem Hauptman Bottſchafft, wie ſich die Feind onden im ohrt wendeten, ond zoͤgen dem nechſten auff den gewaltigen 1115] hauffen zu, derohalben erfordert der Oberſt Haupt⸗ man den Marſchalck eylents zu jhm zu kommen, dem er alſobald nach kam, ruckt ongeſaumbt hinderſich zum Haupt⸗ man, ond dem gewaltigen hauffen, aber es war dieſer vorſorg halb nichts, die Bawren zohen ſtracks von den Wingertsbergen herauß, mitler zeit, als der Marſchalck zum hauffen geritten, hatte der Wagenmeiſter Friderich Halbgewachſen, drey Falckenoͤtlein herfuͤr bracht, auß denen ließ er drey Schuͤß in der Feind Ordnung gehen, ond ſchickt ſich dapfer zum handel, gleich auff daſſelb wendten ſich die Feind vrploͤtzlich, vnd flohen ihr beſtes vermoͤgens wider hinderſich zur Statt Pfederßheim zu, vnd ſaumbten ſich die Reyſigen auch nicht davorn, vnd hieben die Mayn⸗ tziſchen deßgleichen die andern Zeug, troͤſtlichen mit jhnen darauff, erſtachen jhr viel in der Flucht, vnd hielten ſich dermaſſen im handel, wo der verlohrne hauffen zu Fuß, wie deß Marſchalcks gut beduncken ſtundt, vnd er gerne geſehen hette, obenherein zu den Feinden zugeruckt weren, vnd ſie am Thor auffgehalten hetten, es weren jhr wenig, vnd meines erachtens, der Feind wol keiner darvon kom⸗ men, doch was die Statt nit erreicht, ward alles er⸗ ſtochen, durch die Wingert, auch darneben, wo man die ergriffen, ein vnd den andern, die Bach hinab vnd ſonſten wol pber halben Weg biß gen Wormbs, alſo daß der Feind deſſelben tags freylich nit vnder 4000. erwuͤrgt vnd erſtochen worden ſeind. 116] Das 87. Cap. Was nach der Schlacht zu Pfederßheim im Laͤger gehandelt worden. IIß nun ſolches verhandelt, vnd die Zeug ſich wider Bu hauff verſamblet, war ſchon die vollkommene nacht vorhanden, derohalben die Fuͤrſten ins Laͤger ruckten, vnd damit die Statt wol verſehen wer, auch niemand herauß kont fallen, Beſetzt man dieſelb ſtarck an 4. enden, mit dreh Faͤhnlein Knecht, deren bey 1500. vnd bey 1000. Reyſigen, die blieben die gantze Nacht vmb die Statt halten, am nachfolgenden Morgen, laͤgert man das Geſchuͤtz darfuͤr, ließ es zu etlich malen hinein abgehen, alsbald gaben ſie die Statt ſampt jhren Leib vnd Gut, in meines gnaͤdigſten Herrn deß Pfaltzgrafen hand, darauff ruckt man mit dem Geſchuͤtz wider davon, doch hatten ſie durch jhre Geſandten, ſo ſie hierauſſen bey Seiner Chur⸗ fuͤrſtl. Gn. im Laͤger gehabt, vnd von der andern aller wegen, deß ergebens halben gehandelt, dieſen beſcheid em⸗ pfangen, daß ſie, ſo lieb jhnen jhr Leib vnd Leben were, keinen, ſonderlich der Hauptſacher vom Land oder auß der 103 Statt kommen laſſen, ſonder beyeinander ferrner beſcheidts erwarten ſolten. Alſo ſeind, nach vollbrachten morgen Imbis, am Sontag nach Iohannis Baptiste meine gnaͤ⸗ digſte Herren die Churf. vnd Fuͤrſten mit dem Reyſigen Zeug auff ein Platz, bey obgemelter St. Georgen Kirchen, außwendig Pfederßheim geritten, vnd war verordnet, daß alle Bawren, ſo nit in der Pfaltz Flecken oder Doͤrffer wohnten, herauß auff den Platz, da die Fuͤrſten vnd Hauptleut mit jhrem Zeug hielten, vnd einen Ring ge⸗ macht, kommen ſolten, in welchen Ring man die Capi⸗ tanier vnd Redlinßfuͤhrer von den andern abſondern, vnd 1117] jhnen jhr verdiente ſtraff widerfahren laſſen wolt. So hielten auff die 300. Pferd hierunden vor der Pfor⸗ ten, als nemblich 100. deroſelben fuͤr den Bawren, vnd die andern 200. Pferd neben den Bawren, durch den Holtzweg hinauß, biß zum Ring, darauff ihnen befohlen fleiſſig auffſehen zuhaben, daß keiner entlieff, ſolchem nach lieſſe der Pfaltzgräſiſch Marſchalck vnd Herr Frowin Ritter, auff 3000. Bawren, die zuvor alle Wehr in der Statt hingelegt, fuͤr das Thor herauß kommen, zeigt denſelben an, wo ſie hinauß gehen, vnd jhrer keiner zuentfliehen ge⸗ dencken ſolt, dann wo ſie das zu thun vnderſtehen, wer es dermaſſen beſtelt, daß ſie alle erſtochen wuͤrden, darfuͤr wolt man ſie getrewlich gewarnet haben. Alſo zohen die Bawren hinauff zum Ring zu, vnd wurden die Pforten wider hinder jhnen verſchloſſen, auch waren noch wol 1000. Bawren oder mehr in der Statt. Wie nun ſolche Bawren mit den Reuttern die Hole hinauß zum theil zohen, ond zu zweyen vberzwergen Wegen in der hole, kommen, ſiengen die hinderſten Bawren an zu fliehen, der meynung, zuentlauffen. Derohalben hieben die zu⸗ geordnete Reutter mit jhnen darauff, ond welcher erritten, der ward erſtochen. Da es nun die Rehyſigen droben auff der hoͤhe ſahen, hieben ſich gleichermaſſen darauff, ond ehe man es geſtilt vnd abgeſteuret, wie dann mein gnaͤdig⸗ ſter Herr Pfaltzgraf eigner Perſon, auß Fuͤrſtlichem ge⸗ muͤth vnd deme ſolche handlung je nit lieb war, ſampt Seiner Gn. Hauptman, Hofmeiſter ond andere, alles ernſtlichen muͤglichſten fleiſſes wehrten, wurden doch jhrer in eim augenblick bey 800. oder mehr erſtochen, auß den andern nochbleibenden, ſo man errett, ſeind etlich ond dreyſſig mit dem Schwert gericht worden, die obrigen, wiewol ſie alle Rechtſchuldig vnd hochſtraffbar waren, be⸗ gnadet man, ond ließ ſie auff gebuͤrende verpflichtung ab⸗ 11181] Das 88. Cap. Was durch die Verordneten zu Pfederßheim mit den Bawren fuͤrgenommen. Ls nun ſolches volbracht, zohen die Fuͤrſten mit jhrem Zeug wider ins Laͤger, war gleich Abents, ond die— weil noch bey 1000. Bawren in der Statt waren, beſorgt man, wo nit wider alſo ſtarck, wie die vorige Nacht, ob jhnen Wacht gehalten wuͤrd, wiewol die Pferd ond Leuth muͤde, es moͤchten etwan die Bawren herauß fallen, ond ihn ſchaden zu fuͤgen. Als ward nach langem be⸗ dacht, dem Marſchalck, Wilhelm von Haabern befohlen, die Sach ſelbſten zum beſten zuerſehen. Demnach zoh er mit dem Rennfahnen in die Statt, verſamblet Bawren auff dem Kirchhof, ond ließ jhr bey die 150. in die Kirch hinein zehlen, macht mit den Burgern zu Pfederßheim ein Kerfen, daran die zahl geſchnitten war, ond befahl jhnen die Kirch zubeſchlieſſen, auch alle Thor ond Feuſter zuverhuͤten, mit anzeig, ſoviel jhm, wann er deß andern tags kaͤme, an der hinein gezehlten Summen maͤngelt, alſo viel wolte er auß jhnen nemen, ond dieſelbe all zur ſtund Koͤpfen laſſen, ond ward dieſer Ernſt gegen den von Pfederßheim, als da ſich der Gemeinßman faſt obel ond muthwillig gehalten, nit onbillich veruͤbt, deß⸗ gleichen beſchieden, daß ſie alle diejenige deren dann nit wenig waren, ſo ſich in der Statt hin ond wider, in die Haͤuſer, Keller, Schewren ond andere oͤrter verſteckt ond verborgen, alles fleiß herbey ſuchten, zohe von dannen wider hinauß ins Laͤger. Da ward jme, ſampt deß Hauptmans Leutenampt Jockharten von Fleckenſtein ound Johann von Schoͤnburg den andern Morgen hinein zu Reitten, 119] vnd Execution zu thun befohlen, als ſie 105 nun hinein kommen, vnd die von Pfederßheim deß Mar⸗ ſchalcks geheiß nach, in der vergangen Nacht, als ſie fleiſſig geſucht, noch bey 300. Bawren gefunden, vnd zu den andern, in die Kirch verſchloſſen hatten, fieng der Marſchalck die Handlung an, ließ ſie alle nacheinander verleſen, das ſich etwas lang verzog, vnd auß denſelben auff die 24. enthaupten, die andern wurden alleſampt be⸗ gnadet vnd hinweg vergleit. Folgends handelten die verordneten Raͤthe, mit der Burgerſchafft zu Pfederßheim, auß denen wurden 4. mit dem Schwert gericht, die andern Rechtſchuldigen waren deß vorigen tags, im Feld, da ſie mit dem hauffen Bawren hinauß gezogen, in meinung, jhren Landsfuͤrſten vnd Herrn, ſampt aller Ritterſchafft zuerſchlagen, erſtochen worden, vnd den pbrigen aufferlegt, daß ſie beneben dem Brandtſchatz alle jhr Büchſen, Wehr vnd Harniſch von jhnen geben, vnd nach Altzen ins Schloß lieffern ſolten, darzu name man jhn alle jhr lang hergebrachte Freyheiten, ſo man bekommen kont, vnd darauff ſie von newem, jhrem Fuͤrſten vnd Herrn widerumb gehuldet vnd geſchworen. Was ferner in dieſem Laͤger außge⸗ richt. A nun die Ding in Pfederßheim außgericht, blieb man noch etliche tag, mit dem Laͤger ſtill liegen, da⸗ von die vmbliegende Revier groſſen Schaden empfan⸗ gen, ſo wurden mitler weil die Inwohner in der Pfaltz Doͤrffern[120] vnd Ae daſelbſt vmb gelegen, an Leib vnd Gut geſtrafft, vnd wider zur Huldigung angenommen. Deßgleichen ward in dieſem Laͤger mit der Statt Franck⸗ furt, Wormbs ond Speyer Geſandten, in welchen onder ſolchen Auffruͤhrern auch allerhand Newrungen, gegen jren Geiſtlichen fürgenommen worden, dieſelb new 9 Or dnung ond Satzung, wider. gehandelt, trugen ſich derohalben mit dem Churfuͤrſten freuntlich. Auch kam mein gnaͤdiger Herr, Hertzog N Graf zu Veldentz, ꝛc. etwan mit 100. geruͤſter Pferden, zu meinem 106 gnaͤdigſten Herrn in dieſen Laͤger, iſt darnach fuͤrters mit Seiner Churfuͤrſtl. Gn. gezogen. So bracht man am Mitwoch nach S. Johannis Baptistæ zween Hauptſacher, die Namhafft waren, ins Laͤger, der ein war zu Germerß⸗ heim Haͤußlich geſeſſen, Michael Buſch genant, dem vom Churfuͤrſten hievorn viel gnad vnd guts erwieſen worden, der ander von Eweßheim, ond Morwein geheiſſen, hatte der Bawren Faͤhnlein getragen, ſeind im Ampt Lauttern, in meinung ſich auß dem Land zu machen, ergriffen wor⸗ den, vnd meinem gnaͤdigſten Herrn zu gefuͤhret, vnd als⸗ bald ſie ins Laͤger kommen, nach gethaner Frag, mit dem Schwert gericht worden. Das 90. Cap. Wie man den Flecken Freinßheim, vnd Newſtatt an der Hardt, wider Ingenommen. M nachfolgenden Donnerſtag, iſt man mit dem Laͤger auffgebrochen, vnd gen Freinßheim gezogen, denſelben Flecken wider Ingenommen, etliche am Leib, die an⸗ dern am Gut geſtrafft, zu dem jhre Freyheiten, ſo ſie verwuͤrckt hatten genommen, muſten auch all jhr Wehr vnd Harniſch von[121] ſich geben. Deß andern tags, von Freinßheim gen Newſtatt an der Hardt gezogen, da⸗ ſelbſt mein gnaͤdigſter Herr der Pfaltzgraf, mit ſampt den Fuͤrſten vnd Seiner Gn. Zeug den Laͤger gehabt, der Trieriſch Zeug zu Wintzingen, Hertzog Ludwigs Reutter zu Moßbach, aber das Fußvolck ſampt der Arckeley zu Diedeßfeld ond Heimbach gelegen, blieb man den folgenden Sontag derendts ſtill liegen. Vnd nachdem die Burger in der Newſtatt ſich in ſonderheit vbel gehalten, ond et⸗ was mehr dann andere Vbertretten, ward deſto ernſtlicher der ſtraff halber mit jhnen gehandelt, ond wurden auß jhnen 8. auff dem Platz mit dem Schwert gericht, etliche ins Gefaͤngnuß gelegt, vnd die Burger ſamptlich vmb 3000, flor. zu ſampt jhren vbergebnen Wehren vnd Frey⸗ heiten geſtrafft. Es ſeind auch etliche mehr, der Recht⸗ ſchuldigen Knaben, deſſelben tags auff dem Platz mit ob⸗ gemelten Gericht worden. Das 91. Cap. Was im Laͤger zu Minnfeld gehandelt worden. As nun ſolches, wie obgemelt, geſchehen, iſt man von der Newſtatt am Sontag, in ein groß Dorff, Ger⸗ merßheimer Ampts, Gunthramſtein genant, gezogen, darin der Churfuͤrſt mit ſeinem Zeug, ond das ander Kriegsvolck in den ombliegenden Doͤrffern gelegen, derendts kamen die Geſanten von der Statt Landaw zu Seiner Gn. theten deroſelben ein Verehrung, mit Wein, Frucht ond Ochſen, ond vertrugen ſich auch alsbald. So zog man deß andern tags hinauff gen Minnfeld, gar ein ſchon groß Dorff, daſelbſt der Reyfig Zeug, aber das Fußvolck ſampt der Arckeley zu Frickenfeld den Laͤger genommen. Deß andern Morgens fruͤhe vor tag, iſt der Oberſt Feldhaupt⸗ man ond Marſchalck, mit eim hauffen[122] Rehſigen, fur Weiſſenburg hinauff geritten, daſſelb Berennt, ond darnach wider ins Laͤger kommen, ſo ward denen von Weiſſenburg, ſich jhrer begangenen handlung halben, mit den Fuͤrſten zu vertragen, geſchrieben, dann ſie nit die geringſten in dieſer Auffruhr geweſen, hatten der Pfaltz Flecken Seltz Ingenommen, deßgleichen der Pfaltz offen Hauß St. Raim bberzogen, gepluͤndert onnd außgebrant, deßgleichen gegen Friederichs von Fleckenſtein Hauß Redern, ſo Pfaltzgraͤfiſcher Diener was, thaͤtliche gewaltſame hand⸗ lungen fuͤrnemmen helffen, auff ſolches ſchreiben ond ge⸗ leid, erſchienen deren von Weiſſenburg Geſanten, ſampt dem Wolgebornen vnd Edeln Herrn, Hauß Jacoben, Frey⸗ herrn zu Merßburg vnd Beffort, Roͤm. Keyſ. Landvogt im onder Elſaß, alſo wurd 2. oder 3. tag viel darunter ge⸗ handelt, getheidigt, ond ſie dahin gebracht, daß die von Weiſſenburg fuͤr ein Abtrag 6000. flor. geben, die auff⸗ ruͤriſchen boͤſen Buben, die mein guaͤdigſter Herr in der Statt mit dem Schwert richten laſſen wolt, anzeigen, vnd das grob Geſchuͤtz dem Keyſ. Landvogt ober antworten ſolten, ond hat man ſich gaͤntzlich verſehen, es were die geſtalt der ſachen, von gemeiner Statt Weiſſenburg dermaß zugeſchrieben ond bewilligt worden, halt bey mir darfuͤr, daß es der orſach beſchehen, damit ſie den Churfuͤrſten auffgehalten, ond ſich mitlerzeit ſtaͤrcken moͤchten. Es gab auch S. Gnu. nicht die geringſte verhinderung, daß ſie auff deß Durchleuchtigſten Hochgebornen Fuͤrſten vnd Herrn, Herrn Ferdinanden, Ertzhertzogen zu Oeſterreich verordneter Raͤth anſuchen, S. F. G. den begerten Reutterdienſt, gegen den obrigen Bawren in jhrem Fuͤrſtenthumb, wie Sein Gn. gern gethan hette, nit leyſten kont. 1123] Das 92. Cap. Welchermaſſen Weiſſenburg belegert ward. Ber wie deme, als die von Weiſſenburg je nichts anders, dann deß Ernuſts gewarten wolten, ward der Pfaltzgraf Churfuͤrſt verurſacht, ſich zum Fuͤrzug zu ſchicken, verordnet Seiner G. Oberſten Feldhauptman, den Marſchalck, der Knecht Oberſten ond Hauptleut, auch Zeug vnd Wagenmeiſter, Georg von Nippenburg, ond Friederich Halbgewachſen, ſampt einem Trieriſchen, fuͤr Weiſſenburg zu ziehen, das Laͤger zubeſehen ond einzunemmen, auff ſolchen befehl, zohen dieſelben Morgends fruͤhe, am Sambſtag Kiliani, mit zwey geſchwader Reutter, allem Fußvolck ond Geſchuͤtz, fuͤr Weiſſenburg, nemen das Laͤger Inn, ond fiengen an zu ſchieſſen, wie dann ſolches Sein Churfuͤrſtl. Gu. ſo deſſelben tags, mit ſampt den andern Fuͤrſten onnd Reyſigen Zeug im Laͤger zu Minnfeld ver⸗ harten, befohlen, ond deroſelben wolgefaͤllig war, ſie hatten das Laͤger an eim ohrt, da ſich die von Weiſſenburg am wenigſten verſahen, geſchlagen, nemblich die Pfaltzgraͤfiſchen Reyſigen oben auff den Berg, In: ond bey dem Doͤrflein Schweig, die Trieriſchen im Dorff Rechtenbach, ond Hertzog Ludwigs Reutter zu Rod, vber dem Rennfeld, aber das Fußvolck vnd Geſchuͤtz, bey dem zerbrochenen Burgſtadel den Grund hinab. In dieſem Laͤger hat man die omb— liegende Flecken ond Doͤrffer, die Auffruͤriſch ond ſolcher handlung theilhafftig geweſen, gebrandſchatzt, vnnd geſtrafft, ſonderlich den Flecken Seltz wider Ingenommen, auß wel⸗ chem 7. Perſonen ins Laͤger gen Minnfeld gefuͤhrt, onnd mit dem Schwert gericht worden, am nachfolgenden Son⸗ tag, als der Marſchalck wider zu meinem gnaͤdigſten Herrn 109 kommen, iſt S. G.[124] mit allem Reyſigen Zeug von Minnfeld ab: ond ins Laͤger gezogen, da ſchlug ſich jeder— man nieder, ond in derſelben Nacht, ſieng gleich der Oberſt Hauptman an zu ſchantzen, ſampt dem Zeug: vnd Wagen⸗ meiſter, Schlichen auch in der Nacht hinein biß auff den Graben der omb die Vorſtatt gehet, beſahen alle ding nach notturfft. Alſo Laͤgert ond ſtelt man das Geſchuͤtz dieſelbe Nacht erſt zu recht, auch beſchahe gemelte Nacht ein groſſe arbeit, ſo bald es Morgen war, bließ man mit allen Trommeten zu den Heerpaucken auff in der Schautz, bote jhn in der Statt ein guten morgen, deſſen nit Jeder⸗ man dancket, ließ darauff das Geſchuͤtz alsbald auffein⸗ ander abgehen, vnd ſchwind wider darauff geſchoſſen. Alſo denſelben Montag redlich hinein geblaſen, deßgleichen ſaumpten ſich die in der Statt mit dem herauß ſchieſſen auch nit. Das 93. Cap. Wie die Sach getheydigt ward. Vn kommen am ſelben tag zween Geſandten, vom ec Regiment, mit Namen Graf Dieterich von Manderſchied, vnnd Fritz von Lindbach, deß gleichen von Staͤtten, Straßburg, Wormbs, Speyer, Hagenaw, Landaw ond andern, die begerten in der Sach zu thahdigen, alſo vergunt mein gnaͤdigſter Herr der Pfaltzgraf, den Regiments Perſonen zu handeln, doch mit wiſſen name man keinen ſtillſtand an, ſondern ward fuͤr vnd fuͤr, ohn vnderlaß, hefftig gegen der Statt gearbeit, ſchoſſen alſo hefftig zuſamen, daß am folgenden Dienſtag auff die 600. Schuͤß hinein geſchahen, daß es im gantzen Land, auch ober Rhein erſchall, doch ward auff fleiſſig anhalten ond vnderhandlung der zweyer Regiments Geſandten, die Sach zu letzt dermaſſen gethah⸗[125] digt, daß die von Weiſſenburg denſelben Abent noch jhre Statt auffgaben, dergeſtalt, daß jhnen dieſe Rettung, ſo der Keyſerl. Landvogt im Laͤger zu Minnfeld erworben nit mehr gedeyen moͤcht, zu dem ſie im Durchziehen ond Belagerung nit kleinen Schaden erlitten, ſondern die Sach dahin gezogen, daß ſie die Statt meinem gnaͤdigſten Herrn dem Pfaltzgrafen, fuͤr Seiner Gn. forderung, auch auffgewanten Koſten 8000. flor. ge⸗ ben, ond Seine Gn. mit dem gantzen Reyſigen Zeug in die Statt ziehen, die Hauptſacher vnd Anſtiffter zur Auff⸗ ruhr, gebuͤrender maſſen zu ſtraffen, darzu all groß Ge⸗ ſchuͤtz, ſo ſie in der Statt hetten, Seiner Gn. im Herauß⸗ ziehen, zu ſtellen vnd folgen laſſen ſolten, wie dann ſolches von jnen angenommen, zugeſagt ond verſichert wardt. Das 94. Cap. Was auff den Vertrag in der Statt Weiſſenburg gehandelt worden. Arauff Sein Gn. am Mitwoch fruͤhe, mit den Fuͤr⸗ ſten ond allen Reyſigen in die Statt geritten, ließ auff dem Platz 3. enthaupten, zweyen die Finger ab⸗ hawen, die vbrigen wurden abgebetten, ſtelt demnach die Statt in ermeltes Land Vogts hand, dieſelb in Keyſerl. Mayt. gehorſamb wider anzunemmen, ond oerſprachen, daß ſie fuͤrohin, dergleichen nit mehr thun noch fuͤrnemmen wolten, zohe nach vollendung deſſelben wider ins Laͤger, ond fuͤhrt 6. ſtuͤck Buͤchfen, ſo der Statt geweſen, mit ſich herauß, darunder waren zwo ſchoͤne Carthaunen, auff die new Form, faſt ſeuberlich gemacht, trieben groſſe Eyſſerne Kugeln, derſelben eine gab Sein Churfuͤrſtl. Gn. dem Biſchoff von Trier,[126] Item zwo guter halb Schlan⸗ gen, gab Hertzog Ludwigen Grafen zu Veldentz eine. Die andern zwo, waren zwo alter Steinbuͤchſen. Das 95. Cap. Wie man von Weiſſenburg abge⸗ zogen. Ls nun der loͤblich Churfuͤrſt, mein gnaͤdigſter Herr der Pfaltzgraf, noch zween tag, wegen zufallender ge⸗ ſchaͤfft, in dieſem Lager verharret, die Reutter in eyl wider abgefertigt, vnd mein gnaͤdigſter Herr, der Ertzbiſchoff vnnd Churfuͤrſt von Trier, abzuziehen willens, Namen die zween Churfuͤrſten gar ein freund: ond lieblichen Abſchied 111 voneinander, ond Trier alſo mit ſeinen Reuttern ond Fuß⸗ volck durchs Waßgaw hinein, da dann Sein Gn. den erſten Nachtlaͤger zu Taun gehabt, aber der Pfaltzgraf mit ſeinem Rehſigen Zeug, Fußvolck ond Arckeley, deſſelben tags gen Reinzabern gezogen, derents Sein Gn. mit allem Zeug zu Ruͤltzen im Dorff den Nachtlaͤger genommen, am folgenden tag gen Germerßheim geruckt, daſelbſt ein tag ſtill gelegen, mit der Burgerſchafft Handlung gepflegt, ond etliche ongehorſame Kinder ſtraffen laſſen. Fuhr darnach am Dienſtag nach Margarethe zu Germerßheim mit den Reuttern ober Rhein, aber das Fußvolck vnd Geſchuͤtz auff Speyer zu, ond daſelbſt ober Rhein gefahren. Alſo zohe Sein Churf. Gn. noch mit einem ſchoͤnen Reyſigen Zeug, wol bey 6. oder 700. Pferden, ohn ſonderlichen Pracht oder Triumpff, als ein muthſamer Fuͤrſt, ſo zu keinem obermuth geneigt, in ſein Statt Heydelberg, ond auff Sein Churfuͤrſtl. Schloß, da Sein Gu. noch alle ding in gutem richtigen Weſen fand. Am Mitwoch dar⸗[127] nach, weil Sein Churfuͤrſtl. Gn. ohnzweiffentlich betracht hat, daß aller Sieg von Gott herfleuſt, als in dieſen gefaͤhrlichen laͤuffen der Augenſchein eigentlich darthut, hie vnden in der Statt, der heiligen ohnzertheilten Dreyfaltigkeit zu Lob, ein Ampt der H. Meß, in beyſein Seiner Churfuͤrſtl. Gn. dero Grafen, Herrn vnd vom Adel, vollbringen, Nachfol⸗ gends, was nicht Hofgeſind war, mit gnaͤdiger Danck⸗ ſagung vnd Fuͤrſtlichem erbieten, menniglich wieder anheim ziehen laſſen. E N D E. Beilage. Flugſchriftliches zur Schlacht bei Frankenhauſen. Die Hie ori Thoſme Muntzers, des anfengers der Doͤrin giſchen vffrur, ſeer nutzlich zuleſen.Ha⸗ genaw, durch Johannem] Secerium Getruckt. 1) Der radt zu Nurenberg iogk! yhn[Muͤnzer! zeitlich ſtat, da went er ſich, ond zog wider ynn D Doringen gen iſen, denn dieweyl er zu Alſtedt geweſen war, het r etlich freuelich buben von Mul haufen an ſich gezogen, dieſelbige machten yhm raum vun der ſtat, ond kuntſchafft alſo das yhn die gemeyn zu eym prediger annam. Dawider aber legt ſich der radt, da hub Thomas ſein [el] an, ond treyb den Boͤfel furderlich darzu, den rat als vnchriſtlich abzuſetzen, ein newen chriſtenlichen rat zu welen die yhm ſeyns predigen geſtatten, Solches geſchahe vnd wurden die erbern leut des radts entſetzt, etlich auch aus der ſtat veriagt. Dis war der anfang des neuen chriſtlichen regiments nach ſtieſſen ſie die Munch vß, namen der cloſter ond t gutter eyn, Da haben die Johanniter ein hoff ge⸗ dt vnd groſſe rendt, den ſelben hoff nam Thomas eyn. Vnd das er 9un allen ſpilen wer, gieng er auch mit zu rat, vnnd gab fur, recht zuſprechen muß durch offen⸗ barung von Got, ond durch die Bibel geſchehen, alſo was yhm gefiel, ſprach man zu recht, ond hielt mans als ſun⸗ derlich Gots befelh. Arr. a ab 0 Abgedruckt in Luthers Werken(Wittenberg. II. 402 ff.; Halle XVII. 190 ꝛc.). Er leret auch das alle guter gemeyn ſolten ſein, wie in Aetis Apoſtolorum geſchriben ſteet, das ſie die guter zuſamen gethon haben, Da mit macht er den Boffel ſo mutwillig, das ſie nicht mer arbeiten wolten, ſunder wo eym korn oder tuch von notten war, gieng er zu eym reichen, wo er wolt, forderts aus chriſtlichem rechten, dann Chri⸗ ſtus wolt, man ſolte teylen mit den durfftigen, Wo dan ein reicher nicht willig gab was man fordert, name man es yhm mit gewalt, diß geſchahe von vielen, auch theten es die ſo bey Thoma woneten ym Johanniter hoff, ſolch⸗ en mutwillen trehb Thomas, onnd meret teglich, vnnd trewet allen furſten yn der nachpurſchafft das er ſie wolt demuetigen. Dis trib er faſt ein iar lang, biß hun das M. D. xxv. iar, da die Baurſchafft ynn Schwaben ond Francken ſich erregt, dann Thomas ſo kune nicht war, das er ein lermen het angefangen, wie wol er ſagt, Got hets yhm beuolhen, biß das er verhofft er wurd ein rucken haben an lee der außlendiſche Baurſchafft, denn ynn Francken mer dann xl. tauſent man zu feld lagen bun drehen hauffen, hetten die Edeleut veriagt, ſchier alle Schloſſer verbrent vnd ge⸗ blundert. Do meynt Thomas er wolt das ſtundlyn treffen, die Furſten weren erſchrocken, der Adel veriagt, die Baurn wurden das feld behalten, vnd wolt auch ym ſpil ſein, vnd ſein reformation anfahen, vnd ließ ſich horen hun predigen die zeit wer komen, er wolt ſchier zu feld ziehen, goß buch⸗ ſen vm Parfuſſer kor, es louffen auch das lanndtvolck mit hauffen gen Mulhauſen, wolten all reich werden. Er het ein prediger bey yhm der hieß Pfeiffer, ein ausgelauffner Munch, ſeer gut zum ſpil, freuel ond mut⸗ willig, der wolt he den erſten angriff thon, ond gab fur, er het ein geſicht gehabt, daraus er mercket das Got yhn fordert furt zu faren, er het ein traum gehabt, wie er wer yn einem ſtal geweſen, onnd vil meuß geſehen, die het er alle veriagt, darmit meynet er, het yhm Got an⸗ gezeigt er ſolt außziehen vnd allen Adel veriagen. Vnd do Thomas vß forcht nit wolt vergunnen noch zu ziehen, ward er ſeer mit Thoma zweytrechtig, trewet 3 yhm hefftig, er wolt yhn vertreiben, wo er yhn nit ziehen ließ vnd ym das volck abſchreckt, dann thoma wolt den angryff nit thon, er wer dann ſtarck gnug, ond nit oß der ſtat komen, es hetten ſich dan vorhin die bauren allenthalb ynn der nachbaurſchafft erreget. Darauff ſchryb er dem Berckvolck zu Manßfeld ein ſeer teuffeliſchen brieff, das ſie ſolten off die furſten ſchlagen wie vff den anbos Nemroth Bynck Banck, er hoffte auch es ſolten die Frenckiſchen Baurn neher gegen Duringen rucken. Pfeyffer zog vß yns Eyßfelt, plundert Schloſſer ond kirchen, veriagt vnd fieng die Edeln, kam heym, bracht [1] vil raubs, da ward der gemehn Boͤffel beyſſig, die weyls gluckt het, In dem erregten ſich die Baurn zu Franckenhuſen, nit weyt von Mulhuſen gelegen, ſie fielen auch yn die Graffſchafften Manßfeld vnnd Stolberg, brachen vnd plunderten die Schloſſer. Do zog Thomas auß, denn er meynt es wer nun das gantz land der furſten abgefallen, ond zog gen Francken⸗ huſen mit drey hundert Buben von Mulhauſen, ond ward der Boͤfel yn allen ſtetten wegig, Vnd wie wol die Sech⸗ ſchiſchen Furſten ſich ruſten den Bauren zuweren, ond der Lantgraff von Heſſen, ond die Hertzogen don Brunſwyg off waren den lermen zuſtillen, doch hetten ſie ſchier das ſpil verſaumt, wo nit bald die baurn erſchreckt wern wor⸗ den, das ſie ſich auch ſeumten, bund nicht furt zogen, die ſtet eynzunemen. Es ſiel aber ein ſchreck yn die Baurn oß der orſach, do ſich die Graffſchafft Manßfelt emport het, vnd darumb alle Graffſchafften die dran ſtoſſen, macht ſich Graff Al⸗ brecht off mit ſechtzig pferden, vnd erſtach zwey hundert do erſchracken die baurn, vnd zogen nit furt, ſunder louf⸗ fen all gen Franckenhuſen, da zu warten biß der hauffe groſſer wurde, vnnd verzogen do, biß das die Furſten auch zuſamenkamen. Alſo zogen die Furſten Hertzog Johans zu Sachßen geſchickten, Hertzog Georg zu Sachßen, Lanndtgraff Philips zu Heſſen, vnd hertzog Henrich von Brunſwyg wider die baurn mit funffzehenhundert pferden, vnd nit vil fußvolck, Es hetten aber die Baurn yhr wagenburg geſchlagen off 1 4 einen berg bey Franckenhuſen, das man nicht wol zu yhn mocht mit den reyſigen, doch hetten ſie nicht vil geſchutz, vnd harniſch, vnd waren gantz vngeſchickt vnnd vngeruſt. [2] Solches ſahen die Furſten, vnd erbarmeten ſich der korechten elenden leut, vnnd namen handlung fur, ſie abzumanen, vnd ſchickten zu yhn, das ſie abzogen, vnd vberantworteten die Hawptleut vnnd anfenger des lermens, Die armen leut waren erſchrocken, vnd weren wol zuweiſen geweſen, aber der Teuffel wolt ſein mutwillen außrichten durch thoma, der trib den Thomam das er ſie vermanet zubleiben, vnd ſich zu weren, darumb trat er auff vnd redet alſo. Lieben Bruder, Ir ſehent das die Tyrannen vnſere feynd da ſeynd, vnnd vnderſtehen ſich vns zuerwurgen, vnd ſind doch ſo forchtſam, das ſie vns nicht durffen an⸗ greiffen, vnd fordern das yhr ſolt abziehen, ſolt die an⸗ fenger diſer ſach vberantworten, Nun lieben Bruder, yhr wißt das ich ſolch ſach aus Gottes beuelh hab angefangen vnd nicht aus eygnem furnemen oder kunheit, denn ich kein krieger mein tag nie geweſen bin, dweyl aber Gott mir muntlich gebotten hat aus zuziehen, bin ich ſchuldig vnd yhr alle, da zubleiben vnnd des ends zu warten, Es gebote Got Abraham ſeinen ſon zu opffern, nun wißt Abraham nicht wie es geen ſolt, dennoch volgt er Got, vnd fure furt, wolt das frum kind opffern vnd todten, Da errettet Got Iſage, vnd behielt yhn beym leben. Alſo auch wir, dwehl wir beuelh von Got haben, ſollen wir des ends warten, vnd Got laſſen fur vns ſorgen. Daruber aber hab ich nicht zweyffel, es werde wol geratten, vnnd wir werden diſen hewtigen tag Gottes hilff ſehen, vnd vnſere feynd alle vertilgen, denn Got ſpricht offt ynn der ſchrifft er wolle den armen, den fromen helffen, vnd die gotloſen außrotten, Nun ſynd wir yhe die armen, onnd die Gott ſein wort begern zuerhalten, darumb ſollen wir nit zwey⸗ feln, es wirt gluck auff onſer ſeytten ſein, Was ſynd aber [g 1] die Furſten? ſie ſynd nichts den Tyrannen, ſchinden die leut, onſer blut ond ſchweys verthun ſie mit hoffirn, mit vnnutzem bracht, mit hurn ond buben, Es hat Got geboten hun Deuteronomio, es ſol der kunig nicht vil pferdt 5 bey ſich haben, vnd ein groſſen bracht furen, auch ſoll ein kunig das geſatzbuch hun henden teglich haben, Was thun aber onſere Furſten? ſie nemen ſich des regiments nicht an, horen die armen leut nicht, ſprechen nicht recht, halten die ſtraſſen nicht reyn, weren nicht mord vnd raub, ſtraffen kein frenel vnd mutwill, verteydingen nicht witwen ond weyſen, helffen nit den armen zu recht, ſchaffen nicht das die iugent recht erzogen wurde zu guten ſitten, fordern nicht Gots dienſt, ſo doch vmb ſolcher orſach willen Got oberkeit eyngeſetzt hat, ſunder verderben allein die armen he mer ond mer mit newen beſchwerden, brauchen yhre macht nicht zu erhaltung fridens, ſonder zu eygenem trutz, das phe einer ſeym nachpuren ſtarck genug ſey, verderben land ond leut mit vnnotigem kriegen, rauben, brennen, morden, das ſynd die furſtlichen tugent damit ſie ytzund vmbgeen, Ir ſolt nicht gedencken, das got lenger ſolchs leiden wolle, denn wie er die Cananeos vertilget hat, ſo wirt er auch dieſe furſten vertilgen. Vnd ob ſchon ſolchs zuleiden were, ſo kan doch Got das nicht leiden, das ſie den falſchen Gotsdienſt der Pfaffen onnd Munch vertey⸗ dingen wollen, wer weiß nicht was greulicher abgotterey geſchicht mit dem kauffen ond verkauffen hun der Meſſe, wie Chriſtus die kremer aus dem tempel ſtieſſe, ſo wirt er diſe Pfaffen vnd was an yhn hanget verderben, ond wie Got Phinees gelobet hat, das er die hurerey mit Cosbi ſtrafft, ſo wirt vns Got gluck geben, der Pfaffen hurerey zuſtraffen. Darumb ſeyt getroſt, vnnd thut Got den dienſt, ond vertilget dieſe vntuchtige[g J oberkeit, Dann was hilffs, ob wir ſchon friden machten mit yhnen, denn ſie wellen doch furt faren, ons nicht frey laſſen, treiben ons zu Abgotterey, nun ſynd wir ſchuldig lieber zuſterben, denn hun yhre Abgotterey zuuerwilligen. Es were he beſſer das wir Merterer wurden, denn das wir leiden, das ons das Euangelion enzogen werd, ond wir zu der Pfaffen mißbreuche getrungen werden. Daruber weyß ich gewißlich, das Got ons helffen wirt, vnd ons ſig geben, denn er hat mir mundtlich ſolchs zugeſagt vnnd beuolhen, das ich alle ſtend ſoll reformiren, Es iſt nicht wunder das Got weni⸗ gen ond ongeruſten leuten ſig gebe, wider vil tuſend, denn Gedeo mit wenig leuten, Jonathas mit ſeym einigen kna⸗ ben, vil tauſent geſchlagen haben, Dauid ongeruſt, den groſſen Goliath ombracht, Alſo hab ich nicht zweyffel, es werd hetzund der gleychen geſchehen, das wir wie wol vn⸗ geruſt werden obligen, es mußt ſich ehe himel ond erden endern, dann wir verlaſſen ſolten werden, wie ſich das mehrs natur endert auff das hilff den Iſraeliſchen geſchach, do yhn Pharao nach eylet, Laßt euch nicht erſchrecken das ſchwach fleiſch, ond greyfft die feynd kunlich an, dorfft das geſchutz nicht forchten, dann yhr ſolt ſehen, das ich alle buchſenſtein yn ermel faſſen will, die ſie gegen ons ſchieſſen, Ja yhr ſehent das Got off onſer ſeytten iſt, denn er gibt uns hetzund ein zeichen, ſehet yhr nicht den Regenbogen am himel, der bedeut das Got vns die wir den Regen⸗ bogen ym panir furen, helffen will, ond trewt den mordri⸗ ſchen Furſten gericht vnd ſtraffe, Darumb ſeyt vnerſchrocken, unnd troſtet euch gotlicher hilff, vnd ſtelt euch zur were, es wil got nicht das öhr frid mit den gotloſen Furſten machet. So Thomas außgeredt het, war der merer teil ent⸗ ſetzet, wer gern dauon geweſen, ond ſahen wol, das das [hi] waſſer ober die korb geen wolt, es was aber kein ordnung und kein regiment, das man hette rat gehalten, was man thon ſolt, Auch waren ettliche mutwillig buben, die luſt hetten zufechten, vnd yhn ſelbs ongluck anzurichten, die dweyl ſie gleichen geiſt hetten, fielen ſie Thome zu, vnnd nicht allein von der rede Thome wutend wurden, ſunder es bewegt ſie vielmer der Regenbog der erſchyn da Thomas redet, denn dweyl ſie ein Regenbogen hun hren fenlyn furten, meynten ſie Got het yhn ein zeichen geben des ſigs, Auch was der hauff zimlich gros, vnd lag wol, das ſie meynten ſie wolten den Furſten ſtarck gnug ſein, dann es was der Bauren omb die acht tauſend, ond ſchryen alſo etlich buben, man ſolt ſich zur were ſtellen, vnnd huben an zuſingen das geſang, Veni ſancte ſpiritus. Alſo wart den Furſten kein antwort off yhr anregen Es hette auch Thomas ein iungen edelman, ein einigen ſun eines alten mans geſant mit andern yus leger, etwas zuwerben, erſtechen laſſen, wider aller welt kriegßweys, 7 Solches erzurnet die Furſten vnnd den adel ſeer, das ſie hitzig auff die Baurn wurden, darumb blies man auff, ond ordnet den zeug, ond der Lanndtgraff von Heſſen, der under den Furſten da ſelbſt der iungſt was, ritt vmb den zeug, vnnd vermanet ſie zuretten gemeynen ſriden, vnd redt alſo. Lieben Freundt, Ir ſehet die armen leut vor euch, wider die yhr gefurt ſeyt, yhrem ongehorſam vnd freuel zu weren, Nun hat die Furſten erbarmet hres elends, ond haben wir mit ynen laſſen handeln, das ſie abzogen, ſich ergeben, ond die hauptleut oberantworten, Auff ſolches geben ſie kein antwort, vnd ruſten ſich zuſchlagen, ſo for⸗ dert es die gros not da gegen, das wir ons weren, Dar⸗ umb verman ich euch, das pr ſie ritterlich angreift, vnd [h 2] den trewloſen boſwichten vnnd mordern weret. Es hatt der Teuffel die leut ſo geblendet, daß ſie yhn nicht wollen radten oder helffen laſſen, Denn wie wol ſie groſſe klage ober die Furſten furen, dennoch iſt kein orſach off erden gnugſam, auffrur zuerregen, ond gewalt wider Ober⸗ keit furnemen, Denn es iſt ein ſeer ernſt gebot Gottes die oberkeit eern ond furchten, darob Got alſo gehalten hat das offrur nie ongeſtrafft bliben iſt, Denn Paulus ſagt Wer der oberkeit widerſtrebt, wird geſtrafft, denn oberkeit iſt geordnet von Got, darumb helt Got alſo drob, das ſie kein eregtur kan zerreyſſen, Wie Gots ordnung iſt, dz tag ond nacht wirt, vnd mag kein menſch die ſonnen von himel reiſſen, tag ond nacht weg nemen, Alſo wirt weder teuffel, noch des teuffels Apoſtel die Muntzeriſchen bauren, wider geordnete oberkeit gluck haben. Ich rede ſolchs nicht darumb das ich mich, als ein Furſt, ſchmucke, ond der Bauren ſache arg mache, ſunder es iſt die gantz warheit, Ich weyß wol, das wir offt ſtrefflich ſond, denn wir men⸗ ſchen ſynd, onnd ons offt vergreyffen, dennoch ſoll man darumb nicht auffrur anrichten, Es gebeut Gott oberkeit zu eren, dann aber ſoll man ſie furnemlich eren, wan ſie eer furnemlich bedarff, nun bedarff oberkeit dann am mei⸗ ſten ere, wan ſie geſchmecht wirt, villeicht auch gefelt hat, ſo ſollen vnderthon ſollich ſchmach der Oberkeyt helffen tragen, zu eren bringen ond decken, wie Sem den bloſſen 8 Noe decket, das man 9un friden ond eynikeit bey einander bleiben ond leben muge. Was thun aber diſe trewloſen Boßwichte? ſie decken nicht vnſere fele, ſonder machen ſie mer ruchtig, ia liegen auch vil hinzu, Denn es iſt ie erdicht vnd erlogen, das wir nit gemeinen landsfriden halten, das wir nicht die gericht beſtellen, mord ond rauberey hn lendern weren, Denn wir nach vnſerm ver i] mugen, gefliſſen ſynd fridlich regiment zuerhalten, Nun iſt he gering die burde die die vnterthon an gelt oder zinß tragen, gegen der ſorg vnd mue die wir tragen, Aber yederman acht ſein beſchwer⸗ den am groſten, was dagegen ander leut leiden, wil nie⸗ mant ermeſſen, Die Baurn geben geringe zins, darum ſitzen ſie ſicher, mugen weib vnd kind erneren, mugen kinder zu zucht vnnd eern erziehen, Solch ſicherheit zu vnterhalten, werden yhre zins angelegt, ſag mir wem kompt der groſt nutz draus? den onterthonen, darumb ſynd yhre elagen nichtig, Es kan aber nicht alles ym regiment gnugſam außgericht werden? iſt war, denn dis iſt der welt gemein vngluck, es geredt doch das korn off dem feld nicht alle iar, darumb fordert Got das man die Oberkeit ere, denn wen Oberkeit nicht felet, ſo ſtunde yhr eer nicht ynn far, dwehl ſie aber Yun far ſtet will ſie E 8 zott ſchutzen, vnnd hat das gebot gemacht ſie zu eren, Sie elagen aber das man hn nicht geſtatten woll das Euaugelium zuhören, dennoch ſoll man darumb nit offrur anrichten, denn wie Chriſtus Petro verbotten hat zufechten, ſo ſol ein yeder, was er glawbt, verantwurten fur ſich ſelbs, will yhn oberkeit drob todten, ſol ers leiden, ond ſol nit zum ſchwert greiffen, ond ander leut erregen, yhn mit gewalt zuretten, Chriſtus hat ober Petro do er fechten wolt ein erſchrocklich vrteil gefelt, das er des tods ſchuldig ſey, Wer das ſchwert nympt, ſoll mit dem ſchwert ombkomen, ſpricht Chriſtus, ond hat ſich ſelb ans creutz hencken laſſen, alſo iſt auffrur wider das gebot ond exempel Chriſti. Wehtter ſo iſt am tag das diſer Muntzer ond ſein anhang nit das Euangelium leret, ſonder mord ond raub, es leſtert niemant das Euangelium hoher, denn diſe buben, die onder des heiligen namens ſchein, allen mut⸗ willen treiben, Das iſt hhr Euangelion, den reichen das 12] yhr nemen, andern weib vnd kind zu ſchanden machen, 0 oberkeit weg nemen, das yhn niemant weren mug, Solche groſſe ſchmach des heiligen namens Euangelij leſſet Got nicht ongerochen, denn er ſpricht im andern gebot, das der nicht ſoll ongeſtrafft bleyben, der Gottes namen mißbrauch, Dweyl nun die Baurn ſo gros vnrecht haben, leſtern Got, ſchmehen yhre oberkeit, ond haben kehn billich vrſach des auffrurs, ſolt yhr ſie getroſt angreifen als morder, vnnd ge⸗ meinen friden helffen retten, fromen erbarn leuten helffen, ewre weib vnd kind ſchutzen wider diſe morder, daran thut yhr Got ein gros gefallen, Vnd wie wol wir den elenden leuten, menſchlicher weiß zurichten, ſtarck genug ſein, dennoch wolt ich ſie nit angreiffen, weun ich nit wiſſt das ich recht thet, Dann Got hat ons das ſchwert geben, nicht mord mit zutreiben, ſonder mort zu weren, So ich aber weys, das ich recht daran thue, will ich ſie helffen ſtraffen, vnnd hab nicht zweyffel, Got werde helffen das wir ſigen, dann er ſpricht, Wer der oberkeit widerſtrebt, werde geſtrafft. Da der Landtgraff außgeredt het, ruckt man hinzu an die Baurn, ond ſchoß ab, die armen leut aber die ſtunden da vnnd ſungen, Nun bitten wir den heiligen geiſt, gleich als wern ſie wanſinnig, ſchickten ſich weder zur wer noch zur flucht, vil auch troſten ſich der groſſen zuſag Thome, das Got hilff von himel erzeigen wurd, dweyl Thomas geſagt het, er wolt all ſchuß hun die ermel faſſen, Da man nun zu yhn yu die wagenburg brach, ond ſie begund erſtechen, da wenten ſich die elenden leut zu der flucht, der groſſer hauff gegen dem flecken Franckenhauſen, ettlich auch off die andern ſeytten vom berg, ond iſt kein gegenwere von den Bauren geſchehen, dann ein heufflyn das ym tal vom berg ſich zuſammen gethon hette, das weret ſich[ki] ein weil gegen wenig reutern, dann auch der reyſig zeug do er ſahe das kein far, ond gegenwer war, kein ordnung hielt, ond ſich alſo von einander geſtreuet hetten, an dem ort machten ſie ettlich wund, onnd felten zwen oder drey reyſigen. Do wurden die reyſigen mer erzurnet, vnd erſtachen nit allein dis heufflin, ſunder was ſie hun der flucht ereylen mochten, ond ſynd todt bliben bey funfftuſend man. Ein gloubwir dig, vnd warhafftig onderricht wie die Dhoꝛingiſchen Pawern vor Franckenhawßen vmb hhr miß handlung geſtrafft, ond bey de Stett, Franckenhawßen ond Wolhawßen erobert worden. M. D. la?! Ach dem(wie der weyße Catho ſaget) vil leuth, vil Mae, ond man eyner heden ſache, pfleget entweder aus gunſt zu zulegen, oder aus neyd abzubrechen, ond ſonderlich von der ſchlacht, die itzo newlich ond koum vor dreyen wochen, vor Franckenhawſen ym Land zu Dhoꝛingen ergangen, mancherley geredt wirt. Dann etzlich die der ſach recht onderricht, ſprechen das den Paweren recht ge⸗ ſchehen, ond dz ſie den tod wol verfchuldet haben. Die andern aber, die der Pawern ſach anhengig, ond inen iren vnchriſtlichen handel freuel, vnd gotsleſterung billichen, die verſprechen ond tadeln die Furſten ond Herren, ſo gemelte ſchlacht gethan, ond ſagen ſie ſolten die Pawern zu gnaden genomen, onnd nit alſo erſchlagen ond erwurget haben. Derhalben vnnd damit die warheit an tag komme, onnd ein itzlicher onpartheyiſcher leſer, bey im ſelbſt ermeſſen moͤg. Ob die ſchuld der Furſten, oder der Pawern geweſt, iſt dis nachuolgend gloubwirdig onderricht, ob gemelter ſchlacht und handlung von denen die dabei geweſt, alle ding geſehen, gehort vnd tzum teyl ſelbſt gehandelt haben, yn die feder angegeben, ond tzu ewiger gedechtnis dis handels yn truck gebracht worden wie nachuolget. Orſtlich nach dem Thomas Montzer wehlund, eyn auffruriſcher, vorfuriſcher ond ketzeriſcher pfaffe, von wegen 11 ſeyner falſchen lehr, ond verkerung des heiligen Ewange⸗ lions ond Gotes worte, von Zwickaw, von Prage, von Halle, von Allſtet, ond andern orten vertriben, onnd ſich entlich gen Moͤlhawſen gewendet, hat er die zu Moͤlhauſen, vnd ander ombligende flecken hm Land zu Dhoꝛingen mit ſeynem ſchwermenden geiſt vnd falſcher lehre, dahin geredt, ond als die, denen(wo ſie ſuſt luſt zu tantzen haben)[bi] leichtlich zu pfeyffen iſt, ouch leychtlich vermocht, das ſie allen Gotes dinſt, in allen iren kirchen abgeworffen, ire geiſtlichen Monch vnd Pfaffen ausgetriben, die kirchen beraubet, der heiligen bilder zu ſtucken gehawen vnnd das doch chriſtlichen oren erſchreckſich zu hoͤren iſt, das heylig hochwirdig Sacrament an vil orten an die erden ausge⸗ ſchutet, mit fueſſen getretten, ond mit Gots leſterlicher ſchmach geſaget, Biſtu vnſer Got, ſo where dich vußer mit viel andern onchriſtlichen, onmenſchlichen, ond onſynnigen worten, hendeln, tzerſtorung vnnd verwuſtunge vil Cloſter Clawſen ond Goteshewſer, dartzu mit mord, brand, ronb vnd nhome, den ſie dermaſſen getriben, das ſie ouch weder der kindtbetterin oder ſechswocherin, noch der onſchuldigen kleynen kinder in der wiegen verſchonet, Sonder ſich aus geytz ond begirde frombder guͤter he lenger he mher von den Pawern vnnd Stetten hm Land tzu Dhoringen zu⸗ ſammen geſchlagen conſpirirt, ond geſchworen haben Sich ouch an der geiſtlichen guter, die ſie ſchier aus allen Cloͤſtern ym Land tzu Dhoringen geroubet, ond onder ſich ſelbſt verpewtet, nit laſſen ſettigen, Sondern volgend ouch onder⸗ ſtanden, die weltlichen oberkeit ond ſonderlich die Grauen tzu Stolberg, Schwartzburg, vnd Honſteyn, ſampt etzlichen andern von dem gemeynen Adel hu gemeltem Land zu Dhoringen anzugrehffen, zufahen, zu beſtricken, ond ſie entweder yn iren bund ond ſecte zu dringen oder gar zu vertreyben. Wie ſie dann hre etzlich aus iren eygen Schloſſern als nhamlich von Schlotheym, Ebeleben, Biſ— ſingen, Almenhauſen, Sebach, Arnßberg, auff dem Eyß⸗ weld ond andern orten veriaget, ond ſich allenthalben als die ongehorſamen, vnd offenbare Straß ond kirchenrewber erzeigt haben, Alles wider ir gethan pflucht ond eide wider Got Ehr ond rechte, ond ſonderlich wider die guldin Bulla, 12 vnd Keyſerlicher Maieſtat ond des gantzen heylbeſligen Reyches gemeinen Landtfriden, aus woͤlches innhalt ond aus crafft beider rechten ſie mit der that, in die acht ond aber acht eyngefallen ond leyb vnd gut verwurckt haben. Do nu ſolich ir Gotsleſterung, frenel, vngehorßam, vnchriſtlich vnd vnmenſchlich mißhandlunge, durch vilfaltige elag der beleidigten, an den Durchlauchten Hochgebornen Furſten vnd Herren, Hern Goͤrigen Hertzog zu Sachſſen Landtgrauen hn Dhoringen, vnd Marggrauen zu Meyſſen gelanget, Hat ſeyn Furſtlich genad, als ein Chriſtlicher Gotsforchtiger vnd Keyſerlicher Maieſtat vnd des heiligen Römiſchen Reyches gehorſamer vnd getrewer Furſte, behertzi⸗ get, die groſſe not der vertriben, veriagten, gefangen vnd beroubten perſonen, beider ſtende der Geiſtlichen und der Weltlichen, Doneben ouch den groſſen gewalt vnd freuel der Pawern, vnd tzuuoraus die vnchriſtlichen grewlichen ſchmach vnnd leſterung Gotes vnd ſeyner liben heiligen, Vnd ſich von ſtund an aus ſeynem Furſtlichen hoflager zu Dreßden erhaben, gen Leyptzick verfuget, vnd aldo etzlich ſeyner Ritterſchafft vnd Manſchafft verſamelt, Da⸗ neben ouch etzliche Furſten vnd Herren, ſeyner Genaden Oheymen, Soͤne vnd Schweger vmb hilff vnd beyſtand erſucht, die dann ſeyner F. G. vngewegert auffs furderlichſt zugetzogen, Vnd von aller oͤrſt der Durchlaucht vnd Hoch⸗ geborn Furſt ond Herre, Herr Philips Landtgraff zu Heſſen ze. ſampt dem Durchlauchten Hochgeborn Furſten vnd Herren, Herren Heinrichen Hertzogen tzu Brunſchweyg ze. am Sontag Cantate nechſt verſchinen fur Francken⸗ hawſen kommen, Aldo ſeyn F. G. der Pawern bey acht tawſet auff eym hauffen gefunden, mit denen er ſo bald ein ſcharmitzel deſſelben tages angefangen, yhn wolchem doch auff beyden teylen[ol] wenig ſchaden geſchehen. Nach volgenden Montages iſt obgemelter Hertzog Georig zu Sachſſen mit ſeynem volcke dis orts ouch an⸗ kommen, Vnd als die Pawern vermarckt das der ernſt vorhanden, haben ſie ein ſticklichen berge neben Francken⸗ hawſen gelegen, darauff ſie dann iren vorteil erſehen, eyngenomen, ond den Furſten ein brieue tzugeſchriben, nachuolgenden lawtes. 13 Wir bekennen Jeſum Chriſtum. Wir ſint nicht hie yemant was tzu thon Joannis am andern, Sonder von wegen Goͤtlicher gerechtikeit, tzu erhalten, Wir ſint ouch nit hie, von wegen blutvergieſſung, Wolt ir das ouch thon, ſo woͤllen wir euch nicht zit thon, darnach hab ſich ein yeder tzu halten. Nach vorleſung dis bꝛieues, Haben die Furſten den Pawern widerumb geſchriben ond geantwurt lawth nach⸗ nolgender tzedel. Den brudern von Franckenhawſen tzu handen. Dieweyl ir euch aus angenomner ontugent ond vor⸗ furiſchen lere, ewers felſchers des Ewangelions, vilfaltig wider vnſern erlößer Jeſum Chriſtum mit mord, brand, vnd manicherley mißbietung Gotes, ond ſonderlich dem heiligen Hochwirdigen Sacrament ond ander leſterung ertzeyget, Darumb ſint wir, als die ihenen, denen von Got das ſchwert beuolhen, hie verſamelt, euch darumb als die leſte⸗ rer Gotes zu ſtraffen. Aber nichts des weniger aus lee Chriſtlicher lieb, ond ſonderlich das wir dafuͤr halten, das manich arm man, boͤßlich dartzu verfurt, So haben wir bey ons beſchloſſen. Wue ir ons den falſchen Propheten Thomas Montzer ſampt ſeynem anhange lebendig heraus antwortet, Vnd ir euch in onſer gnad vnd vngnad ergebet, So wollen wir euch dermaſſen annhemen, Vnd ons der⸗ maſſen gegen euch ertzeygen, das ir dannocht nach gelegen⸗ heit der ſachen, onſer gnad befinden ſollet, begern des ewer eylent antwort. Do diſer briue yn der Pawern verſamlung verleſen, hat Thomas Montzer herfur getretten onnd die Pawern gefraget, ob ſie das thon, vnd yne ober geben wolten, Haben ſie all geſchrien Neyn, Neyn, Wir wollen tod onnd lebend bei einander bleyben, Darauff er ſte getroſt ond inen verheiſſen hat, er wolte alle pfeyl vnd geſchoſß des widerteyls in ſeyn ermel auff fahen, vnd den veynden wider tzu ruck in ir getzeld treyben. Hie tzwuſchen haben die Furſten geratſchlagt vnd beſchloſſen, das man die Pawern, dieweyl man mit dem reyſigen tzeug nit an ſie kommen moͤcht, oͤrſtlich mit dem 14 geſchutz aus irem lager treyben, vnd darnach tzu roß unnd tzu fuſſe angreyffen wolt. Als nu die Pawern vermarckt, wie ſie auff allen ſeyten vmbringet, Haben ſie eyn Edelmann mit namen Caſpar von Ruckesleben an dye Furſtenn geſchickt vnnd genad gebetten, Denen die Furſten bey gemeltem irem botten geantwurt, das ſie ynen gern gnad ertzeigen wolten, aber anderſt nit dann lawt des obgemelten ires brieues, vnd dz ſie hnen Thomas Montzer vor allen dingen leben⸗ dig vber antwurten ſolten. [di] Do ſeynt Graff Wolff von Stolberg ſampt etzlichen Edellewten von den Pawern, zu den Furſten kommen, wolche ſie von ſtund an beſtrickt, ond wehl ſie von inen verſtanden, das die Pawern den Montzer in keynen weg ober geben wolten, er wurde dann zu vorn vberwunden, Haben ſie den Pawern durch der ſelbigenn beſtrickten Edel⸗ lewt eynen, mit namen Hanßen von Werder tzu embotten, dz ſie ſich in keyn diſputation mit inen oder Moͤutzer begeben wolten, Dann es kan ein itzlicher leßer abnehmen, dz da von tzu diſputirn ane not geweſt, dieweyl Moͤntzers vnnd der Pawren freuel ongehorſam ond mißhandlung offentlich am tag, vnnd die heilig ſchrifft allenthalben elerlich außtruckt, das man die ongehorſamen ſtraffen, ond ein yede ſeel der Oberkeit vnderworffen ſeyn ſoll. Diewebl dann die Pawern auff irem furnhemen ver⸗ ſtockt, mit iren auffgerichten fehnlin, vnnd gewappenter hand geſtanden, vnd ſich tzur whoͤre geſchickt. Haben die Furſten oͤrſtlich das geſchutz laſſen hn ſie gehen, vnd wol getroffen, dadurch die Pawren gedrungen, iren vorteil zu vbergeben, ire ordnung zu trennen, vnd mit fluͤchtigem fuſſe der Stat zu zulouffen, Mit woͤlchen ſich der Furſten reyſig vnd fueßvolck mit eyngedrungen, vnd alſo gemelte Stat Franckenhawſen, erobert, Vnd alle ſo ſie darin ge⸗ funden vnnd ſich tzur whoͤr geſtalt haben, als der Pawren geſchworn vnd verbruderte helffer vnd auffhalter, tzu todt geſtochen vnd erſchlagen, ſampt den vilgemelten Pawern, deren vber die ſechs tawſent auff der walſtat beliben vnd tod befunden worden. Nach volendung der ſchlacht, iſt Thomas Moͤntzer 1055 wunderberlich an eim bette zu Franckenhawſen gefunden vnd den Furſten ober antwort worden. Der dann alle ſach[d 2] bekant, gros rew vnd leid vber ſeyn ſund gehabt, gebeycht, vnd das heilig Saerament vnder eyner geſtalt nach Chriſtlicher ordnung empfangen, vnd darnach aus Furſtlicher gnad vnd nachlaſſung mit dem ſchwert gericht worden, ſo er doch wol ein andern todt vnnd ſchwerere ſtraff verdint hette. Der gleychen ſint auch etzlich ander, die gemelten Pawern zu dieſer empoͤrung vnd auffrur geraten vnd ge⸗ holffen haben, irem vordinſt nach, duch mit dem ſchwert gericht worden. Nu bedenck ein itzlicher frommer Chriſt bei yhm ſelber, ob die Pawern vmb ir vnchriſtliche verhandlung, verſtockt gemuͤt, vnd verhartung in irer boßheit den tod nit wol verſchuldet, Vnd ob die Furſten in dem recht, oder vnrecht gethan, das ſie das ſchwert tzu ſtraff der boͤſen ond ſchutz der frommen gebraucht haben, dartzu ynen dann Got ougenſcheynlich gnad verlihen vnd bey⸗ geſtanden iſt, Dann wo ſolich freuel vbelthat vnd Gots⸗ leſterung nit geſtrafft, wurde Tewtzſch Land gar bald, gar wuͤſt vnnd oed werden, vnd keyn from biderman vor ſo⸗ lichen buben ſicher bleyben moͤgen. [1] Dis alles iſt zu vnderricht der warheit tzu ewiger gedechtnis dis handels, vnd zu eynem exempel vnd war⸗ nung der nachkommenden, damit ſie ſich vor ſchaden wiſſen tzuuerhuten, Vnd ſich wider ir herſchafft ßo leycht⸗ lich nith auffleynen, gutter Meinung 9 truck gegeben, Montags nach dem Sontag Trinitatis, Nach Chriſti vnſers lieben Herrn gepurt, Tawſent funff hundert, vnd im funff vnd tzweyntzigiſten Jaren. a1 2 Ein nutzlicher Di⸗ alogus odder geſprechbuch⸗ lein zwiſchen einem Muͤntze⸗ riſchem Schwermer ond einem Euangeliſchem frumen Baw⸗ ern, Die ſtraff der auffru⸗ riſchen Schwermer zu Franckenhauſen ge⸗ ſchlagen, belan⸗ gende. Wittemberg. 1450255 bi] S Olff Schwermer. Gutten tag liber bruder gutten ag. BA WeEr. Danck hab mein bruder danck hab, wan her ſo frue morgen? Sch WERMER. Cy ymmer von Franckenhauſen herein. B AWE. Du haſt ia ein geſaltzens angeſicht vnd einen langen barth, ich hallt du ſeiſt auch einer von den fluchtigen ſchwermern, die man geſtern do geſchlagen, warumb hinckeſt du? SCHHWeEg⸗ MER. Ach lieber Bruder ſchweig ſtill vnd verrath mich nicht, ich bin ha einer, ond hab woll viertzehen wunden an mei⸗ nem leibe, die Reutter haben mich vor todt laſſen liegen. BA Wer. Ey man hatt euch ſchwermern recht gethan, Ihr habts nicht anders wollen haben. SS HWEgRMEr. Lieber was ſagſt du newes, wann kumbſt du ptzet her? BA Wer. Ey von ſchlothern das hart bey Mulhauſen leidt. SCHWER. Ich hoer ſagen das hertzog Jorg von Sachſſen ond graff Ernſt von Manſsfellt, ſampt einem ſchreiber ond hencker allein den Muͤntzern peinlich befraget, vnd mit yhm ym abweſen der andern herſchafft gehandellt, durch welchs auch der Muͤntzer verurſacht das Saerament vntter einerlei geſtalt bewilliget zuempfahen, denn es hat ym der orth nicht anders gedeien mugen, wer es denn nicht billich geweſen, das mehr Furſten ond ſonderlich der Landtgraff von Heſſen, welcher doch der ſchrifft gegrundet 17 iſt, auch dazu gefordert weren? BAW. Lieber do ſechſt du ſein beſtendigkeit, ond ſpureſt ſeinen glawben, vnd wie yn ſein teuffeliſcher geiſt ſeins gefallens betrogen hat, das er auch das heilig Euangelion aller vier Euangeliſten ver⸗ leugknet hat, denn es iſt ynn ym[h 2] kein fundament des glawbens geweſen, wie denn auch leider ynn euch ſchwermer allen iſt. SCHWéE. Nu wolan iſt das auch erlich von den Furſten vnd Herren, das ſie vns drey ſtunde zu bedencken friſt gaben, ond doch nicht ein virteil ſtunde glawben hiellten, Sonder alſo baldt ſie den Grafen von Stolberg mit etlie vom Adell von ons zu ſich brachten, do lieſſen ſie das geſchuͤtz yun ons gehen, ond griffen vns alſo baldt an. BAW. Lieber ſchwermer, ich gebs wol zu das du es ſageſt, ond weiſt villeicht nicht anders, Aber es helt ſich vill anders denn du ſageſt. SC HW. Wie hat es denn zugangen? BAW. Das wil ich dir ſagen, es hatt die geſtalt, der loblich, Chriſtlich Furſt Hertzog Henrich von Brunſchweig auff anregen des Chriſtlichen Grauen Albrechts von Manſsfelt, welche yr doch fur blut⸗ duͤrſtig acht, die furwar fur ſolche blutuergiſſung hoch⸗ lichen, wie yr denn aus der ſchrifft Grauen Alberchts von Manſsfelt ꝛc. vernomen, geſorget, vnd gern aus Chriſt⸗ lichem gemueth verkummen hetten, der hat ein ſchrifft an euch yns lager gethan, ynn welcher er begert yr wollet den Muͤntzer odder ewer haubtleut heraus geben ſo ſolt yr zu genaden genomen werden, Aber hhr habt ym ſeinen bothen als eigenſinnige verſtockte leuth vnn ſchwermer er⸗ barmlich erwurget, ond den bluttigen brieff von hme ge⸗ nommen vnd ewerer etlich als die Capitaner geleſen, ond ſolchs ſeinen Furſtlichen gnaden abgeſchlagen, als aber ewer blintheit ond hertmutigkeit vermerckt, ſeit yr als baldt wie billich angegriffen, Denn yr habt es nicht anders, ſondern ewrn verdieneten lon, wie denn der euch gegeben, wollen haben ze. Halle, Druck von E. Karras. BLB Karlsruhe e 18 00840 2 081