Allemanniſche Gedichte von 38 P. Hebel. Mit dreißig Umriſſen von Julius Nisle. Mit einer Einleitung und Lebensbeſchreibung. Fünfte, mit beigedrucktem Texte vermehrte Auflage. Lahr, Moritz Schauenburg. ) Vorwort zur dritten Auflage. Nohann Peter Hebels liebliche Idyllen ſind zu allgemein bekannt und /beliebt, tragen ſchon von Haus aus zu ſehr den Stempel ewiger Jugend, als daß es erforderlich wäre, mehr über die Motive zu ſagen, welche den Künſtler zur Herausgabe ſeiner höchſt gelungenen Umriſſe veranlaßten. Natur und Gemüth, Wahrheit und geſunde Kraft, tief⸗innerliche poetiſche Anſchauung und lebensfriſche treue Wirklichkeit verkörpern ſich in allen Schöpfungen Hebel's und insbeſondere in ſeinen allemanniſchen Gedichten zu einem ſo ſchönen Ganzen, daß man ſie nicht nur als einen theuren Erſatz für unſere, erſt neuerdings vom Forſcherfleiß wieder hervorgeſuchten = und zu Ehren gebrachten Volksbücher, ſondern auch als Vorläufer und Muſter einer ganz neuen volksthümlichen und darum vor Allem originellen Richtung in der deutſchen Literatur begrüßen muß. Seine Idyllen, nebſt Peſtalozzi's und Zſchokke's Erzählungen, werden noch lange geachtet und geleſen werden, wenn die vornehme blaſirte Literatur, die nur der Mode und der Aefferei ihr Daſein verdankte, längſt vergeſſen und kaum noch dem Namen nach bekannt iſt. Hebel ſtammte aus dem Volke, iſt darunter aufgewachſen und hat in dem erſten Luſtrum ſeines Mannesalters aus Beruf faſt nur mit ihm verkehrt. Er kennt das Leben des Volles in all ſeinen Phaſen, und wie ihm das Idiom geläufig iſt, deſſen er ſich bediente, ſo iſt es auch —— 1 des Volkes und Stammes, den er ſich zum Stoffe gewählt. Die Heimath, das zuvor unbekannte, und doch an Anmuth und Friſche, an Kraft und Poeſie in Landſchaft und Menſchen ſo reiche Fleckchen Erde, wollte er verherrlichen und zu Ehren bringen, und damit eben ward er unſerer deutſchen Literatur, was Burns der engliſchen noch heute iſt— eine liebenswürdige, originelle, in allen Kreiſen des Lebens gleich willkommene Erſcheinung. Auch haben in der That nach Idiom und mehr innerlichen Eigenſchaften, nach Denkart und äußerer Lebensweiſe die Schotten einige Aehnlichkeit mit unſerem allemanniſchen Volksſtamme in jenem ſüdweſtlichen Winkel Deutſchlands, wo die Rheinkrümmung eine nur politiſche Gränze gegen die Schweiz und Frankreich bildet. Bei beiden Stämmen finden wir denſelben kräftigen Wuchs, das reiche und leicht erregbare Gemüth, die Religioſi tät, das ehrerbietige Feſthalten an alter Sitte und Tracht, und jene poetiſche Empfänglichkeit, welche eine nicht gerade impoſante, aber deſto freund⸗ lichere und durch den Charakter des Traulichen, Heimiſchen, beſtehende Natur verleiht— eine poetiſche Mitgift für's Leben, welche nur der Gebirgsbewohner aufzuweiſen hat. Dieſe geſunde, lebenswarme Friſche, dieſer fromme Ton, der auch aus dem Scherze heraus⸗ klingt, dieſer naive Scherz, der uns ſelbſt im Ernſt und im erſchütterndſten Tragiſchen wieder verſöhnt, ſind es nun auch wiederum, was He bel's Gedichten den ſo allgemeinen und dauernden Succeß ſichert, und ihn beſonders zum Lieblinge des Volkes macht. Niemand fühlte beſſer, als der geſunde ſchlichte Sinn des anſpruchsloſen Bürgers und Landmannes, wo der Künſtler die großen Probleme der Natur und Wahrheit, die jedem Kunſtgebilde elementariſche Bedingungen ſein ſollen, erreicht hat. Er ahnt ſie inſtinktmäßig, wie ſie der wahre Dichter inſtinktmäßig erfüllt. Dieſe Naturwahrheit in der Schilderung häuslicher Sitten und Bräuche, in der Abſpiegelung der Denk⸗ und Handlungsweiſe des oberländiſchen Volkes konnte auch nur er treffen, der ſich von Kindheit auf darin bewegt hatte, und in ſpäteren Jahren, wo ihn Amt und Beruf in Städte bannten, mit einem oft bis zum Schmerz ſich ſteigernden Heimweh dorthin ſich zurückſehnte. Er die Denk⸗ und Anſchauungsweiſe war verwachſen mit ſeinem Stoff, aber er beherrſchte ihn. Er brauchte nur in Erinnerungen und im tiefen Born der eigenen Bruſt zu ſchöpfen,— nicht künſtleriſch, wie Tauſende unſerer neueren Dichter mit ſo ſchlechtem Erfolg, ſich in eine Sphäre hinein zu verſetzen, die auch ohne den künſtlichen Hebel einer Idealiſirung noch immer poetiſch bleibt, wie alle Natur und Wahrheit. Das eigentlich lokale Gepräge, welches Hebel's Gedichte tragen, nöthigte ihn auch, ihnen ein Gewand zu geben, das die ſo nöthige Lokalfarbe wo möͤglich noch erhöhe und vervollkommne, und dazu wählte er denn den Dialekt ſeiner Heimath, einen der naivſten und kräftigſten unſeres Vaterlandes, dem der aſpirirte H- und KS-Laut etwas dem ſchottiſchen Dialekte Verwandtes gibt. Dieſes Idiom hatte vor ihm noch Niemand künſtleriſch benützt, kaum zählte es ein paar Volks⸗ lieder. Jetzt iſt es über ganz Deutſchland hin bekannt und verſtändlich, und faſt alle Lieder Hebel's aus den Allemanniſchen Gedichten ſind in's Volk übergegangen. Dieſer Lokaldialekt erhöht die lebenswahre Wirkung dieſer Dichtungen weſentlich, und die mehrfachen Verſuche, die Gedichte in's Hochdeutſche zu übertragen, haben ihren Werth ſtets beeinträchtigt, indem ſie jenen harmloſen, anmuthigen Reiz des Natürlichen, Wirklichen und Erlebten gleichſam verwiſchen. Ebenſo aber hätte es auch die reichſte Künſtler-Phantaſie niemals vermocht, dieſe anſchau⸗ lichen Verkörperungen der Hebel'ſchen Gedichte zu ſchaffen, ohne die Scholle und ihre Bewohner beſucht und geſehen zu haben, auf welcher und unter welchen dieſe kleinen lebendigen Seenen ſpielen. Die Darſtellungen ſind ſo treu und gelungen, daß nicht nur Jeder, welcher die Gegend kennt, ſich raſch orientirt und reiche Erinnerungen auftauchen fühlt beim Anblick dieſer Bilder, ſondern daß auch ſogar ein Fremder, der dieſe Gegenden und den ganzen Süden noch nie geſehen, ſich in den⸗ ſelben wird hineinverſetzen und ſich hier zurechtfinden können. Der Beifall, welchen Herrn Julius Nisle's Zeichnungen ſeit ihrem erſten Erſcheinen gefunden haben, der ſeitherige Abſatz von mehr als 10,000 Exemplaren, welcher ſogar die Herſtellung ganz neuer Stiche erforderlich machte, ver⸗ bürgen am ſchlagendſten nicht nur die Vollkommenheit der Arbeit, ſondern auch die allgemeine Theilnahme, welcher auch dieſe neue, von dem Künſtler in Zeichnung und Gruppirung vielfach verbeſſerte und geſichtete Ausgabe entgegenſehen darf. 2* E Johann Peter Hebel ward am 10. Mai 1760 in Baſel geboren, wo ſeine Eltern damals ſozuſagen als Taglöhner im reichen Iſelin'ſchen Hauſe dienten. Sein Vater, der als Wanderburſch und in fremden Kriegsdienſten ein gutes Stück Europa's durchmeſſen hatte, ſcheint dem Sohne die Mitgift des poetiſchen Gemüths und klaren Verſtandes überliefert zu haben. Bald in Baſel im Sommer, bald in Hauſen im Winter verweilend, wirkten die verſchiedenſten Einflüſſe auf den kleinen Johann Peter ein, der ſchon im Juli 1761 ſeinen Vater verloren hatte. Die Mutter erzog ihn in Frömmigkeit und Genügſamkeit, allein ihre Milde vermochte das lebhafte Temperament des Knaben nicht zu zügeln, und es war vielleicht ein Glück für Hebel's ganze Zukunft, daß er ſchon im Knabenalter die Mutter verlor, und unter männlich-ernſter Zucht Frem— der aufwuchs. Auf gelehrten Schulen zu Schopfheim und Carlsruhe bildete er ſich für die Theo— logie heran, deren Studium er 1773 in Erlangen antrat und nach ziemlich läſſiger Benützung ſchon nach zwei Jahren wieder verließ. Von da an bis zum Jahre 1783, wo er eine Bedien⸗ ſtung am Pädagogium zu Lörrach erhielt, hatte er unter ziemlich knappen Verhältniſſen in Hertin⸗ gen, einem Dorfe zwiſchen Schopfheim und Baſel, gelebt. Aus dieſer ebenfalls kümmerlichen Stellung zog ihn im Jahr 1791 die Berufung als Subdiakonus nach Carlsruhe, wo er kurz darauf zum Hofdiakonus und 1797 zum Profeſſor der Dogmatik und hebräiſchen Sprache in der oberſten Abtheilung des Gymnaſiums befördert ward. Die Allemanniſchen Gedichte erſchienen erſtmals 1803 im Verlage der Macklot'ſchen Hofbuchhandlung in Carlsruhe, und fanden bei ihrem Erſcheinen nicht nur im Volke, ſondern auch bei den Koryphäen der Literatur die aufmunterndſte, vollwichtigſte Anerkennung. Man erinnere ſich nur an das beredte Lob, das ihnen Je an Paul in den faſt gleichzeitig erſchienenen Anhängen zu„Katzenberger's Badereiſe“ ſpendete. Die dritte Auflage erſchien 1806, die vierte 1808, und trotz mehr als zwanzigfacher Nachdrücke ſchon im Jahr 1821 eine fünfte, im Jahr 1831 eine ſechste Original⸗ Ausgabe, bis 1843 in der Müller'ſchen Hofbuchhandlung in Carlsruhe eine ebenſo vollſtändige als ſchöne und billige Geſammt-Ausgabe der Hebel'ſchen Werke erſchien. Bei Hofe beliebt und geachtet, im häufigſten perſönlichen Verkehr mit der Familie ſeines Landesherrn, der ihm ſelbſt von Herzen wohlwollte, ſtieg Hebel 1805 zum Kirchenrath, 1808 zum Director des Lyceums und 1819 zum Prälaten. Beſcheidenheit, gemüthlicher Frohſinn, Humor, Leutſeligkeit, machten ihn im geſelligen Leben ebenſo beliebt, als ſeine warme Theilnahme an allen Erſcheinungen und Intereſſen der Zeit, ſeine gemüthlichen und heiteren Schöpfungen ihm auf geiſtigem Gebiete Anerkennung verſchafften. Die Art und Weiſe ſeines Todes, der am 22. September 1826 erfolgte, bezeichnet am beſten ſein Streben und ſeine herzliche Menſchenfreundlichkeit. Das Schickſal eines eingezogenen Wilddiebes zu mildern, war er ſelbſt, obwohl leidend, nach Mannheim gereist, und hatte dem Unglücklichen durch Fürſprache und Beibringung entlaſtender und mildernder That⸗ ſachen und Beweiſe ein gelinderes Urtheil zu erwirken geſucht. Allein die Modalitäten und An⸗ ſtrengungen dieſer Beſtrebung weckten den längſt vorhandenen Krankheitsſtoff unterwegs und nöthigten ihn, bei einem Freunde in Schwetzingen vorzuſprechen, deſſen Haus er erſt als Leiche verließ. Hebel's ſchriftſtelleriſche Thätigkeit war eine vielſeitige und doch ſtets friſche und originelle. Neben Volksſchriften, wie ſein„Rheinländiſcher Hausfreund“ und„Schatzkäſtlein des rheinländiſchen Hausfreundes“, die noch lange durch ihre luſtigen und doch wieder lehrreichen Geſchichten Jung und Alt aus allen Ständen ergötzen werden, beſitzen wir von ihm noch muſterhafte„Bibliſche Geſchichten“, mancherlei theologiſche und publiciſtiſche Aufſätze, und den proteſtantiſchen Katechismus des Großherzogthums Baden. Sein Andenken war ſo allgemein geehrt, daß es ſchon bei ſeinen Lebzeiten nicht an Denk⸗ mälern für ihn fehlte, deren eines— eine Gartenanlage auf der kleinen Hebel's-Inſel bei —.— VIII 2 Odelshofen— ihn indeß nicht überlebte. Seine Freunde und Verehrer in der Heimath gaben einem Berge im Wieſenthale bei Schopfheim ihm zu Ehren den Namen Hebel's-Höhe und ſchmückten ihn mit lieblichen Terraſſen und Spaziergängen. Der weitere Kreis ſeiner Verehrer vermochte erſt neun Jahre nach ſeinem Tode die Mittel zu einem beſcheidenen Monumente für ihn aufzubringen, das ſeit 1835 im Schloßgarten zu Carlsruhe des anmuthigen Dichters, geachteten Lehrers, beliebten Geſellſchafters und warmen Menſchenfreundes Andenken ehrt. Die Umriſſe behandeln in verſchiedenen ſchen Gedichten: I. II. III. IV. VI. I. VIII. IN. X. XI. XII. XIIII. Zu dem Gedichte: *. 1. 5 Gruppen folgende Stoffe aus Hebel's Allemanni⸗ Der RNarfunkel. 8 Blätter. Das Hexlein. 1 Blatt. Die Mutter am Chriſtabend. 1 Blatt. Das Geſpenſt an der Randerer Straße. 1 Blatt. Der Statthalter von Schopfheim. 6 Blätter. Hans und Berene. 2 Blätter. Der Bettler. 2 Blätter. Auf einem Grabe. 1 Blatt. Der Rnabe im Erdbeerſchlag. 1 Blatt. Die Jeldhüter. 2 Blätter. Riedliger's Tochter. 1 Blatt. Die kleberraſchung im Garten. 2 Blätter. Geiſterbeſuch auf dem Jeldberge. 1 Blatt. Titelblatt. Der Rarfunkel. WVWVVWòo o der Aetti ſi Tuback ſchnätzlet, ſo lueget en d'Marei *fründlig und bittwis a:„Verzehlis näumis, o Aetti, *„weiſch ſo wieder, wie necht, wo's Chüngi het welle vertſchlofe!“ + Drüber rucke's Chüngi, und's Anne Bäbi und d'Marei mit de Chunklen ans Licht, und ſpanne d'Saiten, und ſtriche mittem Schwärtli's Rad, und zupfen enander am Ermel. Und der Jobbi nimmt ee Hampfle Liechtſpöhn, und ſetzt ſi nebene Liechtſtock hi, und ſeit:„Das willi verrichte.“ Aber der Hans Jerg lit e lange Weg überen Ofe, lueget aben und denkt:„Do obe höri's am beſte, „und bi niemes im Weg.“ Druf, wo der Aetti ſi Tuback gſchnitte het, und's Pfifli gfüllt, ſo chunt er an Liechtſpohn, und hebt's Pfifli drunter, und trinkt in gierige Züge, bis es brennt. Druf druckt er's Füür mit de Fingeren abe, und macht's Deckeli zu. Se willi denn näumis verzehle, —— 2—8 ſeit er, und ſitzt nieder, doch müender ordeli ſtill ſy, aß i nit verſtuun, ebs us iſch; und du dört obe, pack di vom Ofen abe! Heſch wieder niene ke Platz g'wüßt? Iſchs der z'wohl, und g'luſt's di wieder no nem Charfunkel? Numme ken, wie ſell ein gſi iſch, woni im Sinn ha.— 's iſch e Plätzli näumen, es goht nit Ege no Pflueg druf, Hurſt an Hurſt ſchon hundert Johr und giftigi Chrüter, 's ſingt kei Troſtle drinn, kei Summervögeli bſuecht ſie, breiti Doſche hüete dört e zeichnete Chörper. 's8 wär ke ungſchickt Bürſchli gſi, ſel ſeit me, doch ſeig er zitlich ins Wirthshus g'wandlet, und über Bibel und Gſangbuch ſin em d'Charte gſii am Samſtig z'oben und Sunntig. Flueche het er chönne, ne Hex im rueßige Chemmi *hätt ſie bſegnet und betet, und d'Sternen am Himmel hen zittert. 8 het e mol im grüene Rock e borſtige Jäger zug'luegt, wie ſie ſpiele. Mit unerhörete Flüeche het der Michel Stich um Stich und Büeßli verlohre. „dDu vertlaufſch mer nit!“ ſeit für ſi ſelber der Grünrock. d'Wirthene hets no ghört, und denkt:„Iſchs öbbe ne Werber!“ 8 iſch ke Werber gſi, der werdets beſſer erfahre, wenn der Michel g'wibet het, und's Gütli verlumpet. —K — r 33 8 8 885 r— + — 3— Was het's Stroßwirths Tochter denkt? Sie het em us Liebi Hand und Jowort ge, doch nit us Liebi zum Michel, nei, zu Vater und Muetter, es iſch ihr Willen und Wunſch gſi. *Sellen Oben iſchs in ſchwere Gidanke vertſchlofe, ſelli Mittnacht hets e ſchwere bidütſeme Traum gha. *'s iſch em gſi, es chömm vom Staufe füren an d'Landſtroß; * an der Landſtroß goht e Chapeziner und bettet. *„Schenket mer au ne Helgli, Herr Pater, went der ſo gut ſy! „Bini nit e Bruut?'s cha ſy,'s het guti Bidütig.“ *Landſem ſchüttlet ſi Chopf der Pater, und unter der Chutte ͤlengt er e Hampfle voll Helgle.„Do zieh der ſelber eis uſe!“ * Seits, und wo nes zieht, ſo lengt's in ſchmutzigi Charte. *„Heſch echt's Eckſtei-Aß?'s bidütet e rothe Charfunkel; „'s iſch ke gute Schick.“—„Jo weger,“ ſeit es,„das hani.“ Wieder ſeit der Pater:„Se zieh denn anderſt, o Brütli! „Heſch echt ſiebe Chrütz?“—„Jo weger,“ ſeit es und ſüfzget.— „Tröſt di Gott, zieh anderſt! Es chönne no beſſeri drinn ſy. „Heſch e bluetig Herz?“—„Jo weger,“ ſeits und erſchrickt drob.— „Jez zieh no ne mol,'s cha ſy, di Heilige chunt no! „Iſchs der Schuflebueb?“—„Es wird wol, beſchauet en ſelber!“— 8 o de heſch en! Tröſt di Gott! Er ſchuflet di abe.“ „NN So hets im Kätterli traumt, und ſo hets ſelle mol gſchlofe. Stroßwirths Tochter, was heſch denkt, und heſch mer en doch g'no? Jo, es het ido müeßen und gſeit:„Ins Here Gottes Name! „No de ſieben Chrützen und hinterem blutige Herze „chunnt mi Heilige, will der Her, und ſchuflet mi abe.“ Z'erſt hätt's möge go. Zwar mengmol het no der Michel geſpielt und trunke, bis gnug, und gfluecht, und's Kätterli ploget. Mengmol iſt er in ſi gange, wenn's en mit Thräne bittet het, und bete. Ne mol ſo ſeit er:„Jez willi „Mit der akkordieren, und d'Charte willi verflueche. Soll mi de hole, ſo bald ich eini me arühr! „Aber ins Wirthshus gaugi, ſel willi, ſel chani nit mide. „Grums und hül, ſo lang's ders g'falt, ich cha der nit helfe!“ 6 Het er's Erſt nit g'halte, ſen iſt er im Andere treu gſi. Woner ins Wirthshus chunnt, ſe ſitzt mi borſtige Grünrock hinterm Tiſch, ſelb dritt, und müſchlet d'Charten, und rüeft em: „Biſch mer e Kammerad, ſe chumm, ſe wemmer eis mache!“ „Ich nit,“ ſeit der Michel,„Bas Margreth, leng mer e Schöppli!“ „Du nit?“ ſeit der Grün.„Chumm numme, bis de di Schoppe „trunke heſch, und goht um nüt, mer mache für Churzwil!“ „He,“ denkt bynem ſelber der Michel,„wenn es um nüt goht, —— 5— „ſel iſch io nit g'ſpielt,“ und ſetzt ſie nebene Grünrock. 's chunt e Chnab ans Fenſter mit lockiger Stirnen, und rüeft em: „Meiſter Michel, uf e Wort! Der Stroßewirth ſchickt mi.“ „Schick en wieder, ſeit er,„i‚ weiß ſcho, was er im Chopf het!“ „Wer ſpielt us, und was iſch Trumpf, und gſtoche das Eckſtei!“ Druf und druf! Z'letzt ſeit der Grün:„Was biſch du ne Glückschind! „Möchtſch nit umme Chrützer mache?“— Sell iſch iez eithue, denkt der Michel, gſpielt iſch gſpielt, und ſeit:„Es iſch eithue!“ „Chömmet, rüeft der Chnab, und pöpperlet wieder am Fenſter, „nummen uf en einzig Wörtli!“—„Los mi ung'heit iez! „Chrütz im Baum, und Schufle no, und no ne mol Schufle!“ Und ſo gohts vom Chrützer bis endli zu der Dublone. Wo ſie ufſtöhn, ſeit der Grünrock:„Michel, i cha di *„iez nit zahle. Magſch derfür mi Fingerring bhalte, bis i en wieder lös. Es ſin verborgeni Chräfte „in dem rothe Charfunkel. O lueg doch, wie ner ein ablitzt!“ öes drit mol chlopfts am Fenſter:„O Michel, chömmet, wil's Zit iſch!“ „Loß en ſchwätze,“ ſeit der Grünrock,„wenn er nit goh will! „Nimm du do mi Fingerring, und wenn de ke Chrüzer „Geld deheim, und niene heſch, es cha der nit fehle. „„Wenn der Ring am Finger ſteckt, und wenn de in Sack lengſch A62.— „alli Tag emol, ſe heſch e bairiſche Thaler. „Nummen an kem Fyrtig, i wott der das ſelber nit rothe. „Chaſch mi witers bruuche, ſo rüef mer nummen! J hör di— „Heißi nit Vizle Buzli, und hani d'Ohre nit bymer?“ Sider briegget d'Frau deheim im einſeme Stübli, und list in der Bibel und im verriſſene Betbuch, und der Michel chunnt und ſchändet:„Findi di wieder „an dem ewige Beten und dunderſchießige Hüle? „Lueg do, was i gunne ha, ne rothe Charfuntel!“ 8s Kätterli verſchrickt:„O Jeſis,“ ſeit es,„was ſiehni! „'ſ iſch ke guete Schick!“— und ſinkt dernieder in Ohnmacht. Wärſch doch nümme verwacht, wie menge bittere Chummer hättſch verſchlofen, armi Frau, wo diner no wartet! Jez wirds tägli ſchlimmer. Uf alle Merte flankiert er, alle Chülbene bſucht er, und wo me ne Wirthshus bitrittet, z'nacht um Zwölfi, Vormittag und z'oben um Vieri, ſitzt der Michel dört, und müſchlet trüeglichi Charte. s Chind verwildert,'s Gütli ſchwindet, Acker um Acker chunnt an Stab und d'Frau vergoht in bittere Thräne. Goht er öbbe heim, gibt's ſchnödi Reden und Antwort: „Chunnſch du Lump?“ Und ſo und ſo.— Mit trunkene Lippe — 7— fluecht der Michel, ſchlacht ſi Frau. Jez muß er zuem Ffarrer, iez vor Oberamt, und mittem Haſchierer im Thurn zue. Goht er ſchlimm, ſo chunnt er ärger, wennem der Vizli Buzli wieder d'Ohre ſtriicht, und Gallen ins Bluet miſcht. So währts ſiebe Johr. Emol ſe bringt en der Buzli wieder uſem Thurn, und„Allo göhn mer ins Wirthshus, „eb de heim chunnſch mit de Streiche, wo ſe der ge hen! „Was der d'Frau zum Willkumm g'chocht het, wird di nit brenne. „Los, de duurſch mi; wenn i dra denk,'s möcht mi verſprenge, „wie's der goht, und wie der d'Frau di Lebe verbittret. „So ne Ma, wie du, wo's Tags ſi Thaler verthua cha. „Glückli biſch im Spiele, doch no nem leidige Sprüchwort, „mittem Wibe heſch's nit troffe, chani der ſage. „Wärſch ellei, wie hättſch's ſo guet, und lebtiſch ſo rüehig! „'s pin'get di, me ſieht ders a, und d' Odere ſchwelle. „Trink e Schlückli Brenz, er chüelt der öbbe di Jaſt ab!“ Aber d'Frau deheim, mit z'ſemegſchlagene Hände ſitzt ſie uffem Bank, und luegt dur Thränen an Himmel. „Siebe Johr und ſiebe Chrütz!“ ſo ſchluzget ſie endli, „'s wird mer redli wohr, und Gott im Himmel wells ende!“ Seits und nimmt e Buch und betet in Todesgidanke. Drüber ſchnellt „Hülſch au wieder? Du heſchs nöthig, falſche Canali! der Michel d'Thür uf, und fürchterli ſchnauzt er: „Surchrut choch mer!“'s Kätterli ſeit:„'s iſch niene ke Füür meh.“— 95 's Meſſer im Lib um.“ „Lieber hüt, as morn. De bringſch mi untere Bode „ei Weg wie der ander, und's Bübli heſch mer ſcho g'mordet.“ „Di ſoll der Dunder und's Wetter in Erdsboden abe ſde *Seit's und zuckt, und ſinnlos ſchwanket's Kätterli nieder. „O mi bluetig Herz!“ ſo ſtöhnts no lisli, wo's umfallt *„Chumm, o Schuflebueb, do heſch mi, ſchufle mi abe!“ Jez der Michel furt, vom ſchnelle Schrecken ergriffe, lauft ins Feld, der Bode ſchwankt, und's raßlet im Nußbaum. „Vizli Buzli, roth mer du!“ ſo rüeft er. Der Buzli hinterem Nußbaum ſtoht er, und chunnt, und frogt en:„Was fehlt der?“ „D'Kätheri hani verſtoche; iez roth mer, was i ſoll mache!“— „Iſch das alles?“ ſeit der Buzli.„Weger de chaſch ein „doch verſchrecken, aß me meint, was Wunder paſſiert ſeig! „Närſch, iez chaſch im Land nit blibe,'s möcht e Verdruß ge. „Iſch nit dört der Rhi? Und chumm, i will di bigleite, 57)5 ſtoht e Schiff am Gſtad!“— Itzz ſtige ſi ehnen im Sunggäu friſch ans Land, und quer dur's Feld. „Surchrut willi! Lueg, i dreih der Im einſeme Wirthshus Re —— 9— brennt e Licht.„Mer wen doch luege, wer no do in iſch,“ ſeit der Grün,„wer weiß, do chaſch der d'Grille vertribe!“ Aber im Wirthshus ſitze noch ſpoti nächtligi Gſelle, und's goht vornen a mit Banketieren und Spiele. „Chrütz iſch Trumpf! Und no ne mol! Und chönnetder di do? „Gſtoche die! und no ne Trumpf! Und gſtoche das Herzli!“— 's iſch ſcho halber Zwölfi. Will ächt mit lockiger Stirne iez ke Chnab erſchine? Nei weger! Michel, es endet! O, wie ſpielſch ſo ſöllich ungeſchickt! G'ſtoche das Herzli, *lengt em tief in d'Seel, und alli mol, wenn er e Stich macht, wiederholts der Grün, und wirft im Michel e Blick zu. Drüber warnts uf Zwölfi. Mit alliwil ſchlechtere Charte ſpielt er all'wil ſchlechter, und zahlt afange mit Chride. Druf hets Zwölfi gſchlage. Jez lengt er mit g'ringletem Finger friſch in Sack:„Wer wechslet no ne bairiſche Thaler?“ Schlechti Münz, Her Michel! Er lengt in glaſigi Scherbe, thut e Schrei, und luegt mit Gruus und Schrecke der Grün a. Aber der Buzli leert ſi Brenntewigläsli und ſchmazget: „Michel, chumm iez furt, der Wirth wird wellen in's Bett goh! „'s chömme hüt viel Gäſt, ſie hen e luſtige Fyrtig. „Iſch nit Ludwigstag, der fünfezwenzigſt Auguſti? „Dreih am Ring, ſo lang de witt, de bringſch en nit O, wie het der Michel g'lost— e luſtige Fyrtig! O, wie het er d'Füß am Tiſchbei unte verchlammert! 8 hilft nit lang, und thut nit guet. Mit ängſtlichem Bebe ſtoht er uf und ſeit ke Wort, und göhn mit enander, vornen a der Grün, und an de Ferſe de Michel, wie e Chalb im Metzger folgt zur bluetige Schlachtbank. Oebbe ne Büchſeſchuß vom Wirthshus ſtellt en der Buzli. ,„V Michel,“ ſeit er,„lueg, es ſtoht kei Sternli am Himmel! *„Lueg, der Himmel hangt voll Wetter über und über! 7'ͥ goht kei Luft, es ſchwankt kei Naſt, es rührt ſi ke Läubli, und du biſch mer au ſo ſtill. J glaub, de witt bete, „ Koder machſch der d'Uerthen und iſch der's Lebe verleidet? „Wie de meinſch! Di Wahl iſch ſchlecht, i muß der's bikenne. „Se, do heſch e Meſſer! J ha's am Blotzemer Mert gechauft! „Hau der Gurgele ſelber ab, ſe choſt's di ke Trinkgeld!“ 15 15 1. ⏑. So het der Aetti verzehlt, und mit engbrüſtigem Othem ſeit druf d'Mutter:„Biſch bal fertig? Mach mer die Meidli „nit ſo z'förche,'s ſin doch nummen erdichteti Mährli!“ Jo, i bi jo fertig!“ erwiedert der Aetti:„Dört lit er — 11— „Mit ſim Ring im Dorne-Ghürſt, wo d'Troſtle nit ſinge.“ Aber d'Marei ſeit:„O Muetter, wer wird em denn förche! „Denkſch, i merk nit, was er meint, und was er will ſage? „Jo, der Vizli Buzli, das iſch die böſi Verſuechig. „Lockt ſie nit, und führt ſie nit in Sünden und Elend, „wenn e Menſch nit bete mag, und folgt nit, und ſchafft nüt! „Und der lockig Chnab iſch gueti Warnig im Gwiſſe. „O i chenn mi Aetti wohl, und ſini Gidanke!“ für Beſſlang, und Liechtſpöhn ſchnitz, ſe chunnt e Hexli wohlgimueth, und fragt no frei:„Haut's Meſſer guet?“ Und ſeit mer frei no Guete Tag! und woni lueg, und woni ſag: „'s chönnt beſſer go, und Große Dank!“ ſe wird mer's Herz uf eimol chrank. Und uf, und furt enanderno, und woni lueg, iſch's nümme do, und woni rüef:„Du Herxli he!“ ſe git's mer ſcho kei Antwort meh. Das Herlein. VIund woniuffem Schnidſtuhl ſitz Und ſider ſchmeckt mer's Eſſe nit; ſtell umme, was de heſch und witt, und wenn en andrer ſchlofe cha, ſe höri alli Stunde ſchlah. Und was i ſchaff, das g'rothet nit, und alli Schritt und alli Tritt, ſe chunnt mim Sinn das Hexli für, und was i ſchwätz, iſch hinterfür. 8 iſch wohr, es hat e Eſichtli gha, 8 verluegti ſi en Engel dra, und's ſeit mit ſo'me freie Mueth, ſo lieb und ſüß:„Haut's Meſſer guet?“ —— 13— Und leider hani's ghört und gſeh, Wer ſpöchtet mer mi Hexli us, und ſellemols und nümme meh. wer zeigt mer ſiner Muetter Hus? Dört iſch's am Hag und Hurſt vorbei, J lauf no, was i laufe cha, und witers über Stock und Stei. wer weiß, ſe triffi's doch no a! J lauf no alli Dörfer us, i ſuech und frog von Hus zu Hus, und würd mer nit mi Hexli chund, ſo würdi ebe nümme g'ſund. Verwach mer nit, verwach mer nit! Di Muetter goht mit ſtillem Tritt, ſie goht mit zartem Muetterſinn, und holt e Baum im Chämmerli d'inn. Was henki der denn dra? Ne ſchöne Lebchueche-Ma, ne Gitzeli, ne Mummeli und Blüemli wiiß und roth und gel, vom allerfinſte Zuckermehl. Die Mutter am Chriſtabend. 5 Hu ſchloft, er ſchloft! Dolit er, wie ne Grof! Du lieben Engel, was i bitt, by Lib und Lebe verwach mer nit, — Gott gunnts mi'm Chind im Schlof! 's iſch gnueg, du Muetterherz! Viel Süeß macht numme Schmerz. Gib's ſparſam, wie der liebi Gott, nit all' Tag helſet er Zuckerbrod. Jez Rümmechrüfliger her, die allerſchönſte, woni ha, 's iſch nummen au kei Möſeli dra. Wer het ſie ſchöner, wer? 's iſch wohr, es iſch e Pracht, was ſo en Oepfel lacht; und iſch der Zuckerbeck e Ma, ſo mach er ſo ein, wenn er cha! Der lieb Gott het en gmacht. 75 5 ——— 2 adοα ỹονEẽ deSsbibliotheõ& Lan Was hani echt no me? Ne Fazenetli wiiß und roth, und das eis vo de ſchöne. O Chind, vor bittre Thräne biwahr di Gott, biwahr di Gott! Und was iſch meh do inn? Ne Büchli, Chind,'s iſch au no di. J leg der ſchöni Helgli dri, und ſchöni Gebetli ſin ſelber drinn. 8 Jez chönnti, traui, goh; es fehlt nüt meh zum Guete— Potz tuuſig, no ne Ruethe! Do iſch ſie ſcho, do iſch ſie ſcho! 's cha ſy, ſie freut di nit, 5 5s cha ſy, ſie haut der's Vüdeli wund; doch witt nit anderſt, ſen iſch's der gſund; 's muß nit ſy, wenn d' nit witt. 7. Und willſch's nit anderſcht ha, in Gottes Name ſeig es drum! Doch Muetterlieb iſt zart und frumm, ſie windet rothi Bendeli dri, und macht e Letſchli dra. Jez wär er usſtaffiert, und wie ne Maibaum ziert, und wenn bis frühe der Tag erwacht, het's Wienechtchindli alles gmacht. De nimmſch's und dankſch mer's nit; Drum weiſch nit, wer der's git. Doch macht's der numme ne frohe Mueth, und ſchmeckt's der numme, ſen iſch's ſcho guet. Beim Blueſt, der Wächter rüeft ſcho Oelfi! Wie doch d'Zit verrinnt, und wie me ſi vertieft, wenn's Herz an näumis Nahrig findt! 5 „1 *Itz bhü di Gott der Her! *En andri Cheri mehr! *Der heilig Chriſt iſch hinecht cho, *het Chindes Fleiſch und Bluet ag'no; * Wärſch au ſo brasv, wie er! Geſpenſt an der Kanderer Straße. 's git Gſpenſter, ſell iſch us und iſch verbei! Und's wärs au gſi. Doch ſchlicht e mol mi Chind Gang nummen in der Nacht vo Chander hei, zur Thüren us, und d'Muetter ſitzt und ſpinnt, und bring e Ruuſch! De triffſch e Plätzli a, und meint,'s ſeig in der Chuchi, rüeft und goht, und dört verirrſch. J ſetz e Büeßli dra. und ſieht no juſt, wie's uffem Fußweg ſtoht. Vor Ziten iſch nit wit vo ſellem Platz Und drüber lauft e Ma, voll Wi und Brenz, e Hüsli gſi; e Frau, e Chind, e Chatz vo Chander her ans Chind und überrennt's, hen g'othmet drinn. Der Ma het vorem Zelt und bis ſie'm helfe will, ſen iſchs ſcho hi, ſi Lebe g'lo im Heltelinger Feld. und rüehrt ſi nit— e flöſche Bueb iſchs gſi. Und wo ſie hört:„Di Ma lit unterm Sand!“ Jez rüſtet ſie ne Grab im tiefe Wald, ſe het me gmeint, ſie ſtoß der Chopf an dWand. und deckt ihr Chind und ſeit:„J folg der bald!“ Doch holt ſie d'Pappe no vom Füür und blost, Sie ſetzt ſi nieder, hütet 8' Grab und wacht, und gibt's im Chind, und ſeit:„Du biſch mi Troſt!“ und endli ſtirbt ſie in der nünte Nacht. — 18 II Und ſo verwest der Lib in Luft und Wind. E chunnt vom Weg, er trümmlet hüſt und hott, Doch ſitzt der Geiſt no dört, und hütet's Chind,„ er bſinnt ſi:„Bini echterſt, woni ſott? E und hütigs Tags, de Trunkene zum Tort, Und luegt und lost, und mauet öbbe d'Chatz, 11 goht d'Chänder Stroß verbei an ſelbem Ort. ſe meint er,'s chreih e Guhl an ſellem Platz. Und ſchwankt vo Chander her e trunkne Ma, Er goht druf dar, und über Steg und Bruck 41 ſe ſiehts der Geiſt ſi'm Gang vo weitem a, ſe maut ſie eben all'wil witer z'ruckz; und führt en abwärts, ſeig er, wer er ſei, und wenn er meint, er ſeig iez bald dehei, er loßt en um kei Pris am Grab verbei. ſe ſtoht er wieder vor der Weſerei. IIU Doch, wandle ſelli Stroß her nüch'tri Lüt, ſe ſeit der Geiſt:„Ihr thüent mi'm Büebli nüt!“ Er rührt ſi nit, er loßt ſie ordeli paſſieren ihres Wegs. Verſtöhnder mi? rrr Lendessνjthex etter Hans Jerg,'s dunnert, es dunneret ehnen am Rhi-Strom, J und es git e Wetter! J wott, es zög ſi vorüber. 's chunnt ſo ſchwarz— nei lueget, wie's blitzt, und loſet, wie's windet, wie's im Chemi tost, und der Guhl uffem Chilche-Thurm gahret! Helfis Gott!—'s chunnt alliwiil nöcher und alliwiil ſtärcher. Ziehnt doch d'Läden a, der Glaſt möcht' d'Auge verblende, und iez holet's Chrüsli und ſitzet do ummen, i willich us den alte Zite vom Statthalter näumis verzehle. „Friedli het me nem gſeit, und het's e ſeltſeme Bueb ge, *iſch's der Friederli gſi in ſiner Juged, das weißi! *Aber ſchöner, als er, iſch ken durs Wieſethal g'wandlet, * woner no Bure-Chnecht bym alte Statthalter gſi iſch. *Chruſi Löckli het er gha, und Auge wie Chole, „Backe wie Milch und Bluet und runde chräftigi Glieder. *'s Meiſters Vreneli het an ihm ſi eigeni Freud gha, —. 20 8 *er am Vreneli au; doch iſch er numme der Chnecht gſi. Nei, wie machts, und nei, wie ſchüttets! Bringetder's Chrüsli und e Ränftli Brod derzu? Jez ſitzet und loſet! Vor fünfhundert Johren, i ha's vom Aetti erfahre, iſch e ſchwere Chrieg und ſind Panduren im Land gſi. Drunter iſchs und drüber gange, was me cha ſage. Riich iſch riicher worden an Geld, an Matten und Hochmueth, Arm iſt ärmer worden, und numme d'Schulde hen zueg'no. Menge brave Ma hets nümme chönne präſtiere, het ſi Sach verloren und Hunger g'litten und bettlet. Mengi hen ſi z'ſemme g'rottet zwiſchen dBerge. Z'letzt het no der Friede ne Pack Maroden im Land g'lo, gföhrli Volch mit Schwerd und Büchſe, liſtig und unheim; 's ſin bitrüebti Zite gſi, Gott well is biwahre! Sell mol het e Buur auf der Egerte nieden an Farnau Hus und Schüre gha und Stiere,'s wärich ke Tropfe Waſſer uffene g'ſtanden, und auf de Matte vo Farnau bis go Huſe Tenſch an Tenſch und Schmehlen an Schmehle het der Uhli g'meiht, und's Heu uf d'Egerte heimg'führt, aber e wüſte Ma zu dem, wie's ken meh in ſiebe Here Ländere git; im Welſchland iſch er ſo worde. Hätt em der Statthalter z'Schopfe nit's Vreneli endli zur Frau ge, 'sVreneli voll Verſtand, und wie der Morge ſo lieblig, 8 hätt's ke Magd im Hus bis Bet-Zit chönnen erlide, und kei Chnecht hätt zuenem dingt. Es chunnt eim e Bettler, und me git em ke Brod, ſo ſeit me doch öbben im Friede: „Helfich Gott!“— Er nit!„J will der's Bettle verleide,“ het er gſeit,„und gang, wils Zit iſch! Flieh mi der Teufel!“ Und die arme Lüt hen's Gott befohlen, und briegget. Jedem chunnt ſi Zit! So öbbe ne Wuche vor Wienecht het der Uehli gmetzget, und het er gwurſtet bis z'Obe, het er z'Nacht ſie Chrüegli g'lüpft bym brotene Ribbli. „Vreni, gang in Cheller, und Vreni, leng mer z'trinke!“ het er mehr als zwenzig Mol mit brochener Stimm gſeit. Geſinnet hen ſie'n emol auf ſiebe Mos und e Schöpli. Aber wo meinetder mög ſell Zit der Friderli gſi ſy? Oebben im Fuetergang? By's Meiſters Stieren und Roſſe? Hender gmeint, jo wohl! Scho z' Fasnecht iſt er im Meiſter us de Hände gwütſcht, ſuſt hätt en der Statthalter ghüblet. Het er näumis bosget, ſe willi's nit verrothe; was gohts mi denn a? Furt iſch er! Ueber e Monet het me ke Spur meh gha, bis öbben afangs Aprille ſtoht er by den arme Manne zwiſche de Berge. *Schön an Wuchs und Gſicht, und fründli gegen de Lüte, muethig wie ne Leu, doch voll verborgener Bſinnig, àhen ſie'n alli gern, und ſage:„Seig du der Hauptma! „Was de ſeiſch, das thüemer, und ſchickis numme, ſe göhmer, *„hundert füfzig Ma und ſiebeneſiebezig Buebe!“ Und der Friedli ſeit:„D'Marodi wemmer verfolge. „Wenme riiche Buur die Arme ploget und ſchindet, „wemmer em der Meiſter zeigen, aß es en Art het, „bis au wieder Recht und Eſetz und Ordnig im Land iſch.“ Helfis Gott der Her!— Jez rüeft der Hauptma ſim Völchli: I ,Manne, was fange mer a? J hör, der Uehli het gmetzget. „'s wär' e Siite Speck wol us der Bütene z'hole „und e Dozzet Würſt. Wie wär's? Doch's Vreneli duurt mi. „Beſſer iſch's, es göhn e Paar, und ſingen ums Würſtli! „Saget, i laß en grüeßen, er ſolls im Friede verzehre, „und mer vo der Sau doch au ne Miſterli ſchicke. „Hemmer nit menge Hirz us ſine Gärte verſcheuchet? „Hemmer uf ſine Matte ne Habermark-Störzli vertrette? „Oder e Bäumli gſchüttlet? Iſch ſine Chnechten und Buebe „nummen au ſo viel gſcheh? Sie hen doch g'hüetet und gwäſſert 45 ⏑ Æ 2 2 8 2 U 58 0 — 23— „z'Nacht um Eis, und früeh vor Tag; ſie chönne nit chlage. „Leget em's ordlig ans Herz, i wünſchich gueti Verrichtig!“ Seits und's göhn drei Bueben, und chömme mit Säcke zum Uehli. „Gueten Obe!“—„Dunderſchieß! Was hender, was wender?“— „He, mer chömme do abe vom Sattel-Hof. Zeiget, wie ſinder? „So het üſe Meiſter gſeit, ſo ſagemer wieder.“ Schlimmer Wiis iſch, wo ſie cho ſin,'s Vreneli näume duſſe gſi; doch d'Chnecht ſin uffem Ofebank glege, und der Uehli, voll Wi, git grobe Reden und Antwort. „Saget euerm Meiſter—(es iſch mit Ehre nit z'melde) „Meiſter hi und Meiſter her, und wer iſch der Meiſter? „s lauft ſo Waar iez gnug im Land, wo bettlen und ſtehle, „Schere-Schliifer, Hafebinder, alti Soldate, „Säge-Fiiler, Zeinemacher, anderi Strolche.— „Wemmen alle wott ge, me müeßt no mittene laufe. * Packetich, iez iſch's hochi Zit!“—„He jo, der Gotteswille! *„Numme ne Hämpfeli Mehl, und nummen au ſo ne Würſtli! *„Wart du Siebe⸗Chetzer, e Ribbi-Stückli wird guet ſy! „Jobbi, gang an d'Stud und leng mer der Fareſchwanz abe! „Wenderich packe iez gli, i frog, ihr luftige Strolche!“— Jo, ſie hen ſi packt; doch hinterne ſchliiche vom Ofe 17 d'Chnecht zur Thüren us, und ſuche's Vreneli duſſe. „Meiſterne, iez iſch's gfehlt, iez Meiſterne, helfet und rothet, „Das und das iſch gſcheh, ſie hen's nit an is verdienet. „Hemmer's Waſſer g'chert, und hemmer de Hirze g'hütet „z'Nackt um Eis, und früeh vor Tag, mer könne nit chlage, „kunteräri, ſie hennis ghulfe, gell aber, Jobbi? „Aber chömmemer wieder, ſe werde ſie anderſter rede.“ 's Vreneli lost und lost, es macht bidenkligi Mine; 's Vreneli bindet d'Chappen, und ſchüttelt's Mailänder Halstuch; 's Vreneli chnüpft am Fürtuch-Bendel.—„Sepli, ſpann's Roß a, „und e Welle Strau, heſch ghört, und loß mer der Meiſter „nüt eninne werden, und gang ein d'Farnauer Stroß uf, „lueg, öb alles ſicher iſch, und niene ke Volch ſtoht!“— Sider chömme d'Buebe mit leere Säcke zum Friedli. M Tauſig Sapermoſt, wie ſin em d'Flammen in's Eſicht cho! E Wo ner ſie frogt:„Was hender?“ und wo ſie'm dütliche Bricht gen: 15„Nüt, und wiſſetder was? Göhnt ihr enandermol ſelber! „'s iſch em Uehli z'heiß, der ſollet cho, go nem bloſe!“— „'s iſch e Wort, i gang!“ ſeit iez der Hauptma und funklet; „'s ſoll ihn nit lang brenne,'s iſt chüel im Farnauer Chilchhof! „Uehli, du heſch's letzt im Räf, ſel chani der ſage!“ 7 7 K — 25—2. Seit's und pfift in Wald, und gſchwinder, as me une Hand chert, pfifts vo Wald zu Wald an allen Enden und Orten, und es lauft derher vo allen Orten und Ende. „Allo, friſch bergab! Der Egerten-Uehli het gmetzget; „'s goht in eim iez hin, mer metzge hinecht der Uehli! „'s duuret mi frili ſi Frau,'s wird uding ab is verſchrecke.“— Jez chunnt's ſchwarz bergab, wohl über Studen und Hecke, neben Reibbech aben in's Tanners Wald, und vo dörtweg rechts und links in Farnauer Holz, was giſchmer, was heſch mer! D'wWälder fahre mit Schlitte voll Spöh' der Wieſe no abe, ſehn's und huure nieder am Steine-Brückli und bete: „Alli guete Geiſter!“ und„Heiligi Muetter Gottis!“ Aber wo der Hauptma by Farnau ufen an Wald chunnt, düßlet er:„Buebe z'ruck! J hör' e Wägeli fahre; „s chönnt d'Faktorene ſy, ſie iſch die Nemtig go Baſel, „und er müent ſie nit verſchrecke, lönt mi ellei goh!“ Seits und wiener chunnt, wütſchts übers Wägeli abe, und goht uffen dar, und luegt em fründlig in d'Auge. „Friedli, biſch's?“—„Ich mein's emol!“—„Se bis mer Gottwilche „unterm freie Himmel und unter de liebe Sterne! „Gell, i darf di duze? Was wirſch denn nummen au denkt ha — 26 „ob mim Ma und ſine trutzige Rede. „Lueg, i cha nit derfür, wo's z'ſpot iſch, ſeit mer's der Sepli „duſſen am Waſſerſtei. Es wär ſuſt anderſter gange. „O, de glaubſch nit, wieni gſtroft bi. Beſſeri Zite „hani g'lebt in's Vaters Hus. Itzz ſin ſie vorüber. „Chumm, do bringi der näumis, e Säckli voll dürre Chrieſi, 0„ſchöni Gumpiſt⸗Oepfel, und au e Bizzeli Geißchäs, 1„do ne Säckli Habermehl und do ne paar Würſtli, „und e Logel voll Wi, gib achtig, daß es nit gäutſchet, „'es iſch kei Bunte druf, und au ne Rölleli Tuback. „Chumm e wenig abſits, bis do die Wälder vorby ſin, „und bis ordli, heſch g'hört, und nimm di Gwiſſen in Obacht.“ Aber der Friedli ſchwört:„By Gott, der Uehli mueß ſterbe! *„'s iſch nit Gnad!“— Doch's Vreneli ſeit:„Jez los mer e Wort: „Gſchwore heſch, und jo, wenn's Zit iſch, ſterbe mer alli, *„und der Uehli au, doch loß du lebe, was Gott will, *„und denk an di ſelber und an die chünftige Zite. „So blibſch nit, wie de biſch, und ſo ne Lebe verleidet. „Biſch nit im Land deheim, und heſch net Vater und Muetter? „Oebbe möchtſch au heim, den erbſch en ordeli Gütli „in der Langenau, und gfallt der e Meidli, du hättſch's gern, 25 1 — —.— 27—— „iſch's bi'm Aetti nit Nei, de chaſch no Statthalter werde. „Nimm, wie müeßt's der werden, an ſo ne Miſſethat z'denke, „und mi's Here Stab mit bluetige Hände z'regiere! „Halt's im Uehli z'guet! Si Grobheit nimm für en Ehr uf; „'s iſch zwor kine gſi, doch denk au, aß er mi Ma iſch! „Schlacht's nit z'Schopfen Oelfi?'s iſch Zit, ſe ſag mer, witt folge?“ Aber der Friederli ſtoht, er ſtoht in ſchwere Gidanke, und het d'Auge voll Waſſer, und möcht gern ſchwätzen, und cha nit. Endli bricht em's Herz.„Nu jo denn, wenn d'mer e Schmutz giſch! „Bhütdi Gott der Her, und jo, i will mi bikehre. „Buebe, iez packet uf, mer wen im Friede verlieb neh! „Göhnt e Paar uf d'Möhr und ſchießet näumen e Hirzli!“ Seits, und goht in Wald, und lueget an Himmel und briegget, bis ſi d'Sternen ins Morgelicht tunken und drinn verlöſche. Endli goht er au, doch luege mengmol enander d'Mannen a, und ſage:„Was fehlt doch echterſt im Hauptma?“ Aber's Statthalters Tochter lit iez bi'm Uehli und ſtoßt en: „Schnarchle mer doch nit ſo! Me cha jo nit nebe der ſchlofe!“ Und der Uehli zuckt und ſtreckt ſi:„Vreni, wie iſch mer?“— „He, wie wird's der ſy?“—„J ha ne bluetige Traum gha. „Vreni,'s goht nit guet, i ha mi ſelber ſeh metzge. — 28— „Hen ſie mi nit verſtochen, und in der Büttene brüeihet, „mittem Meſſer gſchabt? De glaubſch nit, wie's mer ſo weh thuet!“ Aber's Vreneli ſeit:„He, 's macht nüt. „öbbis für? Jez iſch es d'Sau, drum heſch di ſeh metzge.“ Aber's Uehli's Schlof iſch us, und ſchweri Gidanke chämpfe bis an Tag mit ſine zerrüttete Sinne, bis er's Caffi trinkt, bis's Vreneli Suppe iſchnidet, bis en alte Ma verzagt zur Stubethür itritt: „Chümmi, Reckholderbeeri! „Nei, der löſet nüt!“—„Drum iſch's mer au nit um's Löſe! Will nieme nüt chrome do inne?“ „Chönnti, Meiſter Uehli, mit euch e wengeli rede? „Iſch das eui Frau, ſe mag ſie's hören, es ſchadt nüt. „Nächti fahri ſelb feuft mit Waar der Wieſe no abe, „ich, mi Rößli, mi Bueb, und's Richterli's Rößli und Matthis. „Womer an Farnau chömme, ſe ſtoht's voll Mannen und Buebe „links im Wald, und an der Stroß e luftige Kerli. „'s ſtoht e Wibsbild bynem, es mag e ſuferi gſi ſy, „wenni's unter Hundert ſieh, ſe willi's erchenne; „het der Mond nit gſchienen, und hani d'Auge nit bymer? So viel hani ghört:'s iſch gfluecht, der Uehli muß ſterbe, Woni neben abe gang, ſe ſeit er's zum Wibsbild. Chunnt der nit mengmol RRRRRrrrr Æ —2—+ 8 2 8 3 3 2 2 — — — 29 2 „Witers weiß i nüt, und witers chani nüt ſage; „warten iſch nit guet, me lost, und wandlet ſi's Wegs furt. „Bhüetich Gott, i gang, und thüent iez ſelber, was guet iſch.“ Wie het's Vreneli glost! Doch bhaltet's verſtändigi Bſinnig. „Heſch en denn nit gmerkt, es iſch em nummen um Brenz gſi?“ Aber's Uehli's G'hör iſch weg, er lit in der Ohnmacht, d'Auge ſtöhn verchert, me ſieht faſt nüt meh vom Schwarze, d'Zungen iſch em g'lähmt, ſie luegt vor uſen, und chölſchblau iſch er bis an Hals. Me holt de Meiſter vo Hage, holt vo Zell de Doktor Friedli,'s iſch em nit z'helfe. Friedli, du heſch d'Wohret gſeit, der Uehli mueß ſterbe! Vormittag iſch's ſo, und Namittag iſch's anderſt. Schwätze lehrt er nümmen, und ſiechet ebe ſo ane, bis am Ziſtig druf, ſe ſingts haupthöchlige:„Mitten wir im Leben ſind“— d'Stroß uf zum Farnauer Chilchhof. Furt treit hen ſi en, ſell iſch gwiß; doch heißt es, en Andre heig en gholt, und's gang zu Ziten e bluetigen Eber. Göhntder z'Nacht vom Bergwerch heim, und hentder uf d'Site g'laden, und der ſehnt en Eber mit bluetige Wunde, göhnt em ſtill usweg. Es iſch der Egerten-Uehli. Sehnt der nüt, ſen iſch er's nit. J ha nen no nit g'ſeh. — 30— Aber wer wird iez mit Zuſpruch's Vreneli tröſte? Groß iſch's Leid juſt nit, und ſiebe Wuche no Pfingſte rüeft me's wieder us. Mit wem? Der werdet nit froge. Grüſeli het der Vater gmacht, und gſchworen:„J lid's nit! „So ne vertlaufene Burſt mit meiner lüblige Tochter, „Mit mi'm Fleiſch und Bluet? J führ die ſelber ins Zuchthus.“ Aber was iſchs gſi? Es iſch di einzige Tochter, und iſch Frau für ihns, und mag er rothen und warne, mueß ers ebe lo gſcheh,— doch het's em nümmen in's Hus dörft, hets au nümme bitrette, bis no Micheli ſi Vater z Wil dur d'Wieſe ritet, er het e Wage voll Wi gchauft. Groß iſch's Waſſer gſi, und finſter, wo ſie derdur ſin, und chunnt uſem Weg, und's tribt en aben und abe, bis er abem Choli fallt und nümmen ans G'ſtad chunnt. An der Schorebruck dört hen ſie'n mornderigs gfunde. Aber iez zieht üſer Paar im Friede go Schopfe und nimmt B'ſitz vo Hus und Guet; der Friedli wird Burger, füehrt ſi ordili uf, er cha guet leſen und ſchribe,— Helfis Gott!— und ſtigt nooto zu Würden und Ehre. Wer wird Chilchelueger, und wer wird Weibel und wer ſtoht bald am Rothhusfenſter und lächlet güetig, wenn öbbe mittem Hut in der Hand e Langenauer verbei goht? Iſch's nit mi Her Frider mit ſiner lockige Stirne?— Nei, wie macht's, und nei, wie ſchüttet's, loſet doch numme; fangt's nit vornen a?— Z'letzt ſage d.Burger:„Der Hügli „cha jo nit Gſchriebes leſe, wi chaner denn Statthalter bliebe? „'s wär für ihn, Her Frider, und Er muß döBurger regiere. „Er iſch e brave Ma, in alle Stücke biwandert, „und ſi Frau, Statthalters Bluet, mit Tugend bihaftet, „iſch die gueti Stund, und gſcheit, no gſcheiter, as Er ſchier. *„Sager nit lang Nei,'s nutzt nüt, mer lön is nit b'richte.“— *„Nu, ſe ſagi Jo,'s Regiere chunnt mi nit ſuur a.“ Dreimol chlöpft der Hurlibaus— nei loſet, wie's ſchüttet, lueget, wie's dur d'Chlimſe blitzt!— Im Pflug und im Engel hen ſie tanzt bis tief in d'Nacht, und geſſen und trunke. Wohr iſch's, e brävere Ma hätt d'Stadt nit chönnen erchiſe, und im Vreneli gunni's au. In d'Schopfemer Chilche hei er en Orgle gſchafft, vor ſine Ziten iſch nüt gſi (5Huſe ſtoht ſie no); d'Marodi het er vertriebe, und uf d'Burger Obſicht treit, und g'rothen und g'warnet. Aber ſi Frau und er, ſie hen in Frieden und Liebi mit enander gelebt, und Guets an Armen erwieſe, — 32— jo, und iſch em e Muetter zu ſiebe Chindere worde. Helfis Gott!— und's ſtammt von ihnen im Schopfemer Chilchſpiel mengi Famili her, und blüeht in Richthum und Ehre.— Helfis Gott, und bhüetis Gott! Ins Here Gottsname! Das het gchlöpft, und das het gmacht,'s iſch weger e Schlag gſi!— Mengi Famili, ſe ſagi— die wenigſte wüſſe's meh ſelber. Wer ſie ſin, und wie ſie heiße, das willi iez ſage. Zwor iſch's Chrüegli leer— nei loſet, was git's uf der Gaß duß? Vetter Hans Jerg,'s ſtürmt! Fürjo!'s lauft Alles der Drau zu. Hans und Berene. 2 s gfallt mer numme eini, Und wenni's ſieh vo witem, 0 und ſelli gfallt mer gwis! ſe ſtigt mer's Bluet ins Eſicht; O wenni doch das Meidli hätt, es wird mer übers Herz ſo chnapp, 8 es iſch ſo flink und dundersnett, und's Waſſer lauft mer dBacken ab, ſo dundersnett, wohl d'Backen ab; i wär im Paredis! i weiß nit, wie mer gſchicht. 's iſch wohr, das Meidle gfallt mer,*Am Ziſtig früeh bi'm Brunne, und's Meidle hätti gern!*ſe redt's mi frei no a: J 's het alliwil e frohe Mueth,„Chumm, lüpf mer, Hans! Was fehlt der echt? 1 e Gſichtli hets wie Milch und Bluet,*„Es iſch dir näume gar nit recht, 0 wie Milch und Bluet,*„nei gar nit recht!“ und Auge wie ne Stern. 4JI denk mi Lebtig dra. . J ha's em ſolle ſage, und hätti's numme gſeit! Und wenni numme riicher wär, und wer mer nit mi Herz ſo ſchwer, mi Herz ſo ſchwer, 's gäb wieder Glegeheit. Und uf und furt, iez gangi, 's wird jäten im Salat, und ſag em, wenni näume cha, und luegt es mi nit fründli a, nit fründli a, ſo bini morn Soldat. En arme Kerli bini, arm bini, ſell iſch wohr. Doch hani no nüt Unrechts tho, und ſufer gwachſe wäri ſcho, das wäri ſcho, mit ſellem hätts ke G'fohr. Was wiſplet in de Hürſte, was rüehrt ſi echterſt dört? Es viſperlet, es ruuſcht im Laub. O bhüetis Gott der Her, i glaub, i glaub, i glaub, es het mi näumer ghört. „Do bini jo, do heſch mi, „und wenn de mi denn witt! „J ha's ſcho ſiderm Spöthlig gmerkt; „am Ziſtig heſch mi völlig bſtärkt, jo, völlig bſtärkt, „Und worum ſeiſchs denn nit? „Und biſch nit riich an Gülte, „und biſch nit riich an Gold, „en ehrli Gmüeth iſch über Geld, „und ſchaffe chaſch in Hus und Feld, „in Hus und Feld, „und lueg, i bi der hold.“ 35 O Vreneli, was ſeiſch mer, o Vreneli, iſch ſo? Du heſch mi uſem Fegfüür gholt, und länger hätti's nümme tolt, *nei, nümme tolt. e, Q 0 n alte Ma, en arme Ma, er ſprichtich um e Wohlthat a: E Stückli Brod ab euem Tiſch, wenns eue guete Willen iſch! He jo, dur Gotts Wille! In Sturm und Wetter, arm und bloß, gibore bin i uf der Stroß, und uf der Stroß in Sturm und Wind erzogen, arm, e Bettelchind. Druf, woni chräftig worde bi, und d'Eltere ſin g'ſtorbe gſi, ſe hani denkt: Soldatetod iſch beſſer, weder Bettelbrod. Ser Bettler. J ha in ſchwarzer Wetternacht vor Laudons Zelt und Fahne gwacht; i bi bi'm Paſchal Paoli in Corſika Draguner gſi, und gfochte hani, wie ne Ma, und Bluet an Gurt und Säbel gha. J bi vor menger Batterie, i bi in zwenzig Schlachte gſi, und ha mit Treu und Tapferkeit dur Schwert und Chugle's Lebe treit. Zlletzt hen ſie mi mit lahmem Arm ins Elend gſchickt. Das Gott erbarm! He jo, dur Gotts Wille! r „Chumm, arme Ma! J gunn der's, wienis ſelber ha. Und helf der Gott us diner Noth, und tröſt' di, bis es beſſer goht.“ Vergelts der Her, und dankder Gott, du zarten Engel wiiß und roth, und geb der Gott e brave Ma!— Was luegſch mi ſo biwegli a? Heſch öaben au e Schatz im Zelt, mit Schwerdt und Roß im wite Feld? Biwahr di Gott vor Weh und Leid *und geb di'm Schatz e ſicher Gleit, und bring der bald e gſunde Ma! s goht ziemli ſcharf vor Mantua. *23 cha ſy, i chönnt der Meldig ge.— *Was luegſch mi a und wirſch wie Schnee? Denkwol i henk mi Bettelgwand, mi falſche graue Bart an d'Wand! Jez bſchau mi recht, und chennſt mi no? Geb Gott, i ſeig Gottwilche do. „Her Jeſis, der Friedli, mi Friedli iſch do! Gottwilche, Gottwilche, wohl chenni di no! Wohl het mi bigleitet di liebligi Gſtalt uf duftige Matten, im ſchattige Wald. Wohl het di bigleitet mi b'chümmeret Herz dur Schwerdter und Chugle mit Hoffnig und Schmerz, und briegget und betet. Gott het mer willfahrt, und het mer mi Friedli und het mer en gſpart. Wie chlopft's mer im Bueſe, wie bini ſo froh! O Muetter, chumm weidli, mi Friedli iſch dol“ doch ſpürts di müede Rucke nit. Schlof ſanft und wohl! Und's Deckbett litt der, dick und ſchwer in d'Höchi gſchüttlet, uffem Herz. Doch ſchlofſch im Friede,'s druckt di nit. Schlof ſanft und wohl! De ſchlofſch und hörſch mi Bhüetdi Gott, de hörſch mi ſehnli Chlage nit. Wärs beſſer, wenn de's höre chönntſch? Nei, weger nei! Auf einem Grabe. 7 chlof wohl, ſchlof wohl im chüele Bett! Hh. De ligſch zwor hertuf Sand und Chies; O's iſch der wohl, es iſch der wohl! Und wenni numme by der wär, ſe wär ſcho alles recht und guet. Mer tolten is. De ſchlofſch und achtiſch's Unrueih nit im Chilchethurn di lange Nacht, und wenn der Wächter Zwölfi rüeft im ſtille Dorf. Und wenn's am ſchwarze Himmel blitzt, und Gwülch an Gwülch im Donner chracht, ſe fahrt der's Wetter übers Grab und weckt di nit. Bloνον 980 GAOοιν Cne — Und was di früeih im Morgeroth bis ſpot in d'Mittnacht bchümmeret het, Gottlob, es ficht di nümmen a im ſtille Grab. Es iſch der wohl! o's iſch der wohl! und alles, was de g'litte heſch, Gott Lob und Dank, im chüele Grund thuets nümme weh. Drum, wenni numme by der wär, ſo wär' jo alles recht und guet. Jez ſitzi do, und weiß kei Troſt mi'm tiefe Schmerz. Doch öbbe bald, wenns Gottswill iſch, ſe chunnt mi Samſtig z'Oben au, und druf ſe grabt der Nochbar Chlaus mir au ne Bett. Und wenni lig, und nümme ſchnuuf, und wenn ſie's Schloflied gſunge hen, ſe ſchüttle ſie mer's Deckbett uf, und— Bhüetdi Gott! J ſchlof derno, ſo ſanft, wie du, und hör im Chilchthurn's Unrueih nit. Mer ſchlofe, bis am Sunntig früeih der Morge thaut. Und wenn emol der Sunntig tagt, und d'Engel ſinge's Morgelied, ſe ſtöhn mer mit enander uf, erquickt und gſund. Und's ſtoht e neui Chilche do, ſie funklet hell im Morgeroth. Mer göhn, und ſingen am Altar Halleluja! Der Knabe im Erdbeerſchlag. 65)) Büebli lauft, es goht in Wald* Druf redt der Chnab mi Büebli a: Han Sunntig Nomittag;„Was ißiſch? J halts mit!“ es chunnt in d'Hürſt und findet bald*„He, nüt!“ ſeits Büebli, luegt en an, Erdbeeri Schlag an Schlag; und lüpft ſi Chäppli nit. U 8 günnt und ißt ſi halber z'tod,*Druf ſeit der Chnab:„He, ißiſch nüt, und denkt:„Das iſch mi Obedbrod.“*„du grobe Burſt, ſe battet's nüt!“ Und wie nes ißt, ſe ruuſchts im Laub; Verſchwunden iſch mi Chnab, und's ſtöhn es chunnt e ſchöne Chnab.*die nöchſte Hürſt im Duft; Er het e Rock, wie Silberſtaub, drus fliegt en Engeli wunderſchön und treit e goldne Stab.*uf in die blaui Luft, Er glänzt wie d'Sunn am Sckwizerſchnee. und's Büebli ſtoht und luegt em no, Si Lebelang hets nüt ſo gſeh. und chratzt im Hoor und lauft dervo. —— 41 Und ſider iſch kei Sege meh Was gibi der für Lehre dri? im Beeri⸗Eſſe gſi. Was ſeiſch derzu? Mer mueß J ha mi lebtig nüt ſo gſeh. vor fremde Lüte fründli ſi ſie bſchießen ebe nie. mit Wort und Red und Grueß, Iß hampflevoll, ſe viel de witt, und's Chäppli lüpfe z'rechter Zit, ſie ſtillen eim der Hunger nit! ſuſt het me Schimpf und chunnt nit wit. Die FJeldhüter. Dinte Wald und Berg bis an die duftige Wulke, — vorne Matte voll Chlee, und Saat und goldene Lewat, ſtoht e Hütten im Feld und in der einſame Mittnacht. Numme d'Sterne wache, und numme no d'Feldberger Wieſe, und der Schuhu im Wald und öbbe Geiſter und Hirze. Aber im Hüttli ſitze, und hüte die buſchige Felder 's Meiers muntere Fritz und's Müällers lockige Heiner. „Heinerli,“ ſeit der Fritz,„der Schlof goht lisli um d'Hütte. „Lueg, iez chunnt er is innen, und lueg doch, weger, er het di! „Weidli, chumm ins Grün! Mer wenn im lieblige Wechſel „mitenander ſingen. Es weiht e luſtige Nachtluft, „g'vätterlet mittem Laub und exerziert mit de Halme: „Rechtsum kehrt euch! Links her ſtellt euch! Nonemol rechts um!“ Aber's Müllers Heiner mit ſiner lockige Stirne 1 ſtreckt ſi und ſtoht uf, und ſuecht ſi gläſerni Röhre. — 43 „Fritzli, ſtoß mi nit!“ Jez ſtöhn ſie gegen enander, der am Chrieſibaum, der an der duftige Linde, und probiere d'Tön in ihrer Höchi und Tiefe, ſetzen ab, und ſetzen a.„Sing, Heinerli, du z'erſt!“ ſeit der Fritz:„de heſch doch, traui, näume ne Schätzli.“ Heiner. Tränki früeih am Brunne, ſe holt au's Meieli Waſſer. Wäſcht es am Obe Salat, ſe chummi wieder an d'Tränki. „Guten Obe!“—„Dank der Gott! Mer treffe's doch ordli.“— „Jo mer treffe's ordli;'s iſch hüt e lieblige Tag gſi.“ Fritz. In der Chilchen im Chor, und wenn der Her Pfarer en Spruch ſeit, luegi mi Vreneli a, öb es au ordeli acht git, und es luegt mi a, öb i au ordeli acht gib. Lauft au drüber's Sprüchli furt mer chönne's nit hebe. Heiner. Schön tönt d'Schopfemer Glocke, wenn früeih der Morgen in d'Nacht luegt, ſüeß tönt d'Menſcheſtimm wohl in der Schopfemer Orgle. Schöner tönt es mi a, und ſüeßer goht's mer zu Herze, wenn mi's Meieli grüeßt und ſeit:„Mer treffe's doch ordli.“ — 44— Fritz. Weiht der Früehlig ins Thal, und riesle die luſtige Bächli, und der Vogel zieht, furt möchti riten, und d'Welt us. Wenn i by mi'm Vreneli ſitz im heitere Stübli, iſch das Stübli mi Welt und, Gott verzeih mer's, mi Himmel. Heiner. *Ziehni der Nüntelſtei, gſchickt baut. Mühlen an Mühle, *„uf und zu, und mir die Chue!“— Wer zeigt mer mi Meiſter? *Aber iſch's Meieli do, und höri ſi Stimm und ſi Rädli, *oder es lueget mer zu, ne Schuelerbüebli chönnts beſſer. Fritz. * Cheigle mer ufem Platz, ſitzt's Vreneli unter der Linde, *fallemer Siebe g'wiß. Und ſeits:„Zeig, trifſch mer der Chünig,“ *triffi der Chünig ellei. Doch ſeits:„Jez gangi,“ und's goht au, *und iſchs nümme do, blind lauft mer d'Chugle dur d'Gaſſe. Heiner. Liebliche Ton und Schall, wo heſch di Gang in de Lüfte? Ziehſch mer öbben in's Dorf, und chunnſch ans Meieli's Fenſter, weck mer's lisli uf:„Es loßt di der Heinerli grüeße.“ Frogt's mi früeih, ſo läugni's. Doch werde mi d'Auge verrothe. — 45— Fritz. Vreneli ſchlof fei wohl in dim vertäflete Stübli, in dim ſtille Herz, und chummi der öbben im Traum vor, lueg mi fründli a, und gib mer herzhaft e Schmützli! Chummi heim, und triff di a, i gib dir en anders. Heiner. Her Schulmeiſter, o Mond, mit diner wulkige Stirne, mit di'm glehrte Gſicht, und mit di'm Pflaſter am Backe, folge der dini Chinder, und chönne ſie d'Sprüchli und d'Pſalme? Blib mer nit z'lang ſtoh bei ſellem gattige Sternli. Fritz. Wülkli der chüele Nacht, in diner luftige Höchi, ſeif mer der Schulmeiſter i mit diner venediſche Seife, mach em e rechte Schuum! So brav und allewil beſſer, aß er ſie nit chüſſe cha, die gattige Sternli. Heiner. Ruuſcht ſcho der Morgen im Laub? Göhn d'Geiſter heim uffe Chilchhof? Arme Steffi, du biſt tief in der Wieſe vertrunke, und di Chüngeli iſch im helmlige Chindbett verſchieden. Aber iez chömmeter z'ſemen all Nacht am luftige Chrüz-Weg. Fritz. Füürige Mannen im Ried und am verſchobene Marchſtei, machetich numme luſtig! Me weiß ſcho, werich zum Tanz ſpielt. Chöm mer kein in d'Nöchi mit ſiner brennige Stange! Daß die dieſer und iener, du ſappermentiſche Rothchopf!— Friderli, ſeit der Heiner, gern iſſi Eyere-Anke, Ziebele-Weihe ſo gern. Doch chönnti Alles vergeſſe, höri di liebligi Stimm und dini chünſtlige Wiſe. Chömme mer heim ins Dorf, o wüßti, was der e Freud wäͤr! Gell, de nimmſch mers ab, vier neui weltliche Lieder von des Sultans Töchterlein, der Schreiber im Korbe, 's dritt vom Doktor Fauſt, und's viert vom Lämmlein im Grünen. 's iſch nit lang, i ha ſie neu am Chanderer Märt g'chauft.— Heinerli, ſeit der Fritz, i ſchenk dir e ſufere Helge. D'Muetter Gottis luegt im goldene Helgen in Himmel. „Jeſis Mareie,“ ſeit ſie,„wie iſch's do obe ſo heiter!“ und ihr Gſicht wird ſunnehell und lächlet ſo liebli, aß me möcht' katholiſch werde, wemme ſie aluegt. Brings di'm Meili, weiſch was,'s het au ſo fründligi Augen, und biß nit ſo ſchüüch, und ſag' em, wie's der um's Herz iſch. Riedligers Cochter D''Zit vergoht, der Obed chunnt und ſtreckt ſi ins Frühjohr. V Bald gohts wieder uſe mit Hauen und Rechen in Garte. Werdet nu flißig und brav, wie's Riedligers Tochter! In de Berge ſtoht e Hus, es wachſe iez Weſme uffem verfallene Dach, und es regnet aben in d'Stube. Frili's iſch ſcho alt, und ſin iez anderi Zite, weder wo der Simme-Fritz und's Eveli g'huust hen. Sie hen's Hus erbaut, die ſchönſti unter de Firſte, und ihr Name ſtoht no näumen am rueßige Tremel. Het me gfrogt, wer ſin im Wald die glücklichſten Ehlüt? het me gſeit:„der Simme-Fritz und's Riedligers Tochter,“ und's iſch dem Eveli grothe mit gar verborgene Dinge. Spinnet, Chinder, ſpinnet, und Jergli hol mer au Trinme! Mengmol, wo der Fritz no by den Eltere glebt het, ——j 48 2f het en d'Muetter gno, und gfrogt mit biweglige Worte: „Heſch di no nit anderſt bſunne? G'falle der's Meiers „Matte no nit beſſer zu ſiner einzige Tochter?“ Und der Fritz het druf mit ernſtliche Worten erwiedert: „Net, ſie gfallt mer nit, und anderſt b'ſinn i mi nümme— „'ͤs Riedligers ſuferi Tochter zu ihre Tugede gfallt mer.“— „D'Tugede loß den Engle! Mer ſin iez no nit im Himmel.“— „Lönt de Chüeihe's Heu ab's Meiers graſige Matte!“— „D'Muetter iſch e Hex!“—„Und ſoll au d'Muetter e Hex ſy, „Muetter hi und Muetter her, und's Töchterli willi!“— „s Meidli ſoll's gwiß au ſcho tribe, d'Nochbere ſage's.“— „Sel iſch en alte Bricht, und dorum chani's nit wende. „Winkts mer, ſe muß i cho, und heißt es mi näumis, ſe thuenis. „Luegts mer no gar in d'Augen, und chummi em nöcher an Bueſe, „wirds mer, i weiß nit wie, und möchti ſterbe vor Liebi. „ss iſch ke liebliger Gſchöpf, aß ſo ne Hexli wo jung iſch.“— Näumis het d'Muetter gwüßt. Me ſeit, das Meiddeli ſei gwiß in ſi'm zwölfte Jahr emol elleinig im Wald gſi, und heb Erdbeeri gſuecht. Uf eimol hört es e Ruuſche, und wo's um ſi luegt, ſe ſtoht in goldige Hoore, nummen en EChle lang, e zierlig Frauweli vorem, — 49— inneme ſchwarze Gwand und g'ſtickt mit goldene Blueme und mit Edelgſtei.„Gott grüeß di, Meiddeli!“ ſeits em: „ſpring nit furt, und förch mi nit! J thue der kei Leidli.“ 8 Eveli ſeit:„Gott dank der, und wenn du's Erdmännli's Frau biſch „Bwilli di nit förche!“—„Jo, frili,“ ſeit es,„das bini. „Meiddeli, los, und ſag: channſch alli Sprüchli im Spruchbuech?“— „Jo, i cha ſi alli, und ſchöni Gibetli und Pſalme.“— „Meiddeli, los und ſag: gohſch denn au flißig in d'Cchilche?“— „Alli Sunntig ſe thueni. J ſtand im vorderſte Stüehli.“— „Meiddeli, los und ſag: folgſch au, was's Müetterli ha will?“— „He, wills Gott der Her, und froget's Müetterli ſelber! „2 chennt ich wohl, i weiß es ſcho, und het mer ſcho viel gſeit.“— „Meiddele, was heſch gſeit? Biſch öbbe's Riedligers Tochter? „Wenn de mi Gotte biſch, ſe chumm au zue mer in d'Stube!“— Hinter der Brumbeerihurſt gohts uf verſchwiegene Pfade tief dur d'Felſen i. Hätt's Frauweli nit e Laternli in der Linke treit, und's Eveli ſorgli am Arm g'führt, 's hätt der Weg nit gfunde. Jez goht e ſilberni Thür uf. „O Her Jeſis, wo bini? Frau Gotte, bini im Himmel?“— „Nei doch, du närriſch Chind. In mi'm verborgene Stübli „biſch bi diner Gotte. Sitz nieder und bis mer Gottwilchel 7 · 50 2 „Gell, das ſin choſperi Stei an mine glitzrige Wände? „Gell, i ha glatti Tiſch? Sie ſin vom ſuferſte Marfel. „Und do die ſilberne Blatten, und do die goldene Teller! „Chumm, iß Hunigſchnitten und ſchöni g'wundeni Strübli! „Magſch aus dem Chächeli Milch? Magſch Wi im chriſtalene Becher?“— „Nei, Frau Gotte, lieber Milch im Chächeli möchti.“— Wones geſſe het und trunke, ſeit em ſi Gotte: „Chind, wenn d'flißig lehrſch, und folgſch, was's Müetterli ha will, „und chunnſch us der Schul und gohſch zum heilige Nachtmohl, „willi der näumis ſchicke. Zeig wie, was wär der am liebſte? *„Wärs das Trögli voll Plunder? Wärs do das Rädli zum Spinne?“ *„Bald iſch's Plunder verriſſe. Frau Gotte, ſchenket mer's Rädli!“— „s Rädli will gſpunne ha. Nimm lieber's Trögli voll Plunder! „Siehſch die ſideni Chappe mit goldene Düpflene gſprenglet? „Siehſch das Halstuch nit mit ſiebefarbige Streife, „und e neue Rock, und do die gwäſſerti Hoorſchnur?“— „Jo,'s iſch mer numme z'ſchön. Frau Gotte, ſchenket mer's Rädli! „Willſch's, ſe ſollſch's au ha, und chunnts, ſe halt mer's in Ehre! „Wenn de's in Ehre heſch, ſoll's au an Plunder nit fehle, „und an Segen und Glück. J weiß em verborgeni Chräfte. „Sider, nimm das Rösli und trag mer's ſorglich im Bueſe, „aß den au öbbis heſch von diner heimlige Gotte! „Los, und verlier mer's nit. Es bringt der Freuden und Efſundheit. „Wärſch mer nit ſo lieb, i chönnt der jo Silber und Gold ge.“— Und iez het ſie's gchüßt und wieder uſen in Wald gführt: „Bhüet di Gott und halti wohl, und grüeß mer di Muetter!“— So viel iſch an der Sach, und deshalb het me ne nogſeit, d'Muetter ſeig e Hex, und nit viel beſſer ihr Meidli. Nu, das Meiddeli iſch mit ſi'm verborgene Blüemli hübſcher vo Tag zu Tag und alliwil liebliger worden; und wo's us der Schul mit andere Chindere cho iſch, und am Oſtertag zum Nachtmohl gangen und heim chunnt, nei, ſe bhüetis Gott, was ſtoht im heitere Stübli? 's Rädli vo Birbaumeholz, und an der Chunkle ne Riiſte, mitteme zierlige Band us roſiger Siden umwunde, unte ne Letſchli dra, und's Gſchirrli zum Netze vo Silber, und im Chrebs e Spühli, und ſcho ne wengeli g'ſpunne. D'Gotte het der Afang gmacht mit eigene Hände. Wie het mi Eveli gluegt! Was iſch das CEveli g'ſprunge! Gſangbuch weg und Meie weg und's Rädli in d'Arm gno, und het's g'chüßt und druckt.„O liebi Frau Gotte, vergelts Gott!“ 8“ het nit z'Mittag geſſe. Sie hen doch e Hammen im Chöl gha. —— 52 's iſch nit uſen ins Grün mit andere Chindere gwandlet, gſpunne hets mit Händ und Füeße; het em nit d'Muetter 's Rädli in Chaſte gſtellt und gſeit:„Gedenke des Sabbaths! „Iſch nit Chriſtus, der Her, hüt vo de Todten erſtande?“— Nu, di Rädli heſch. Doch, Eveli, Eveli, weiſch au, wie mes in Ehre haltet, und was d'Frau Gotte wird gmeint ha? Frili weißt's, worum denn nit, und het ſie'm verheiße: „Wenn de's in Ehre heſch, ſoll's au an Plunder nit fehle „und andere Sege,“ ſe het ſie's g'halte wie's recht iſch. Het nit in kurzer Zit der Weber e Tragete Garn gholt? Het's nit alli Jahr vom finſte glichlige Fade Tuch und Tuch uf dBleichi und Strängli trage zum Färber? He, me het jo gſeit, und wenn's au duſſen im Feld ſeig, 's Rädli ſpinn elleinig furt, und wie ſi der Fade unten in d'Spuhle zieh, wachſ' unterm roſige Bendel d'Riſte wieder no— ſell müeßt mer e chummligi Sach ſy— und wer het im ganze Dorf die ſuferſte Chleider Sunntig und Werchtig treit, die reinlichſten Ermel am Hemd gha, und die ſuferſte Strümpf und alliwil freudigi Sinne? 'ͤ Frauweli's im Felſeghalt ſi liebligi Gotte. Drum het's Simme's Fritz, wo's achtzeh' Summer erlebt het, · 53 zu der Muetter gſeit mit ernſtlige Mienen und Worte: „Numme's Riedligers Tochter zu ihre Tugede gfallt mer.“ Muetterherz iſch bald verſchreckt, zwor ſotti's nit ſage. Wo ſie wieder emol vo's Meiers Tochter und Matte ernſtlig mittem redet, und will's mit Dräue probiere: „s git e chräftig Mittel,“ ſeit ſie,„wenn de verhext biſch. „Hemmer für's Riedliger's ghuust? Di Vater ſetzt di ufs Pflichttheil, „und de heſch mi Sege nit, und ſchuldig biſch du dra.“— „Muetter,“ erwiedert der Simme,„ſoll euer Sege verſcherzt ſy, „ſtand i vom Eveli ab, und gehri vom Vater ke Pflichttheil. „Z'Stette ſitzte Werber, und wo men uffeme Berg ſtoht, „lüte d'Türkeglocke an allen Enden und Orte. „Bluet um Bluet, und Chopf um Chopf, und Leben um Lebe. „Färbt mi Bluet e Türkeſäbel, ſchuldig ſin ihr dra!“— Wo das d'Muetter hört, ſe ſitzt ſie nieder vor Schrecke: „Du vermeſſe Chind, ſe nimm ſie, wenn de ſie ha witt; „aber chumm mer nit go chlage, wenns der nit guet goht.“— 's iſch nit nöthig gſi. Sie hen wie d'Engel im Himmel mit enander glebt, und am verborgene Sege vo der Gotte hets nit gefehlt im hüslige Weſe. He, ſie hen jo z'letzt vo's Meiers graſige Matte — 54 e- ſelber die ſchönſti g'meiht,'s iſch Alles endlich an Stab cho, und hen Freud erlebt an frumme Chinden und Enkle. Thünt iez d'Räder weg, und Jergli, der Haſpel ufs Chäſtli! 's iſch afange dunkel und Zit an anderi G'ſchäfte. Und ſo hen ſie's gmacht, und wo ſie d'Räder uf d'Site ſtellen, und wenn go ſchüttle d'Agle vom Fürtuech, ſeit no's Vreneli:„So ne Gotte möchti wohl au ha, „wo eim ſo ne Rad chönnt helfen und ſo ne Rösli.“ Aber d'Muetter erwiedert:„'s chunnt uf kei Gotten, o Vreni, „'s chunnt uf's Rädli nit a. Der Fliß bringt heimlige Sege, „wenn de ſchaffe magſch. Und heſch nit's Blüemli im Buſe, „wenn de züchtig lebſch und rein an Sinnen und Werke? „Gang iez und hol Waſſer und glitſch mer nit uſen am Brunne!“ . 2. ◻ UE 1 Ner ſpritzt mer alli Früeih mi Rosmeri? Es cha doch nit der Thau vom Himmel ſy, *ſuſt hätt der Mangeld au ſi Sach, er ſtoht doch au nit unterem Dach. *Wer ſpritzt mer alli Früeih mi Rosmeri? „Und wenn i no ſo früeih ins Gärtli ſpring, „und unterwegs mi Morgeliedli ſing, „iſch näumis g'ſchafft. Wie ſtöhn iez reihewis „die Erbſe wieder do am ſchlanke Ris „in ihrem Blueſt! J chumm nit us dem Ding. Die keberraſchung im Garten. „Was gilts, es ſin die Jumpferen ufem Seel „Me meint zwor,'s chömm, wie lang ſcho, keini meh. „Suſt ſin ſie in der Mitternacht, „wenn niemes me as d'Sterne wacht, „in d'Felder uſe g'wandlet uſem See. „Sie hen im Feld, ſie hen mit frummer Hand „de brave Lüte gſchafft im Garteland, „und iſch me früeih im Morgeſchimmer cho, „und het iez welle an ſi Arbet go, „iſch Alles fertig gſi— und wie ſcharmant! „Du Schalk dört hinte, meinſch, i ſeh di nit? „Jo, duck di numme nieder, wie de witt! „J ha mer's vorgſtellt, du würſch's ſy. „Was falle der für Jeſten i?— „O lueg, vertritt mer mini Setzlig nit!“ „O Kätterli, de heſch's nit ſolle ſeh? „Jo, dine Blueme hani z'itrinke ge, „und wenn de wotſch, i gieng für di dur's Füür, „und um mi Lebe wär mer di's nit z'thüür, „und's iſch mer, o gar ſölli wohl und weh.“ So het zum Kätterli der Fridli gſeit, er het e ſchweri Lieb im Herze treit, und het's nit chönne ſage juſt, und es het au in ſiner Bruſt e ſchüüchi zarti Lieb zum Fridli treit. —— 56 „Lueg, Fridli, mini ſchöni Blüemli a, „'s ſin nummen alli ſchöne Farbe dra. „Lueg, wie eis geg'nem andre lacht „in ſiner holde Früehligspracht, „und do ſitzt ſcho ne flißig Immli dra.“— „Was helfe mer die Blüemli blau und wiß? „O Kätterli, was hilft mer's Immli's Fliß? „Wärſt du mer hold, i wär im tiefſte Schacht, „i wär mit dir, wo au kei Blüemli lacht „und wo kei Immli ſummst, im Paredies.“ Und drüber hebt ſie d'Sunne ſtill in d'Höh, *und luegt in d'Welt, und ſeit:„Was mueß i ſeh in aller Früeih?“— Der Fridli ſchlingt ſi Arm ums Kätterli, und's wird em wohl und warm. Druf het em's Ketterli e Schmützli ge. 2* * —.— EEERRREErrrCPErcccce. Geiſterbeſuch auf dem Leldberg. ani gmeint, der Denglegeiſt, ihr Chnabe vo Todtnau, ſeig e böſe Geiſt, iez wüßti andere B'richt zge. der Stadt das bini, und wills au redli bikenne, mengem Chaufher verwandt„vo ſiebe Suppe ne Tünkli, aber e Sunntigchind. Wo näume luftigi Geiſter 8 uffem Chrüzweg ſtöhn, in alte G'wölbere huſe, und verborge Geld mit füürigen Augen hüete, oder vergoſſe Bluet mit bittere Thräne wäſche, und mit Grund verſcharre, mit rothe Nägle verchratze, ſiehts mi Aug, wenns wetterleicht. Sie wimsle gar ſölli. Und wo heiligi Engel mit ſchöne blauen Auge in der tiefe Nacht in ſtille Dörfere wandle, an de Fenſtere loſe, und, hoͤre ſie liebligi Rede, gegen enander lächlen, und an de Husthüre ſitze, und die frumme Lüt im Schlof vor Schade bewahre, U — 58— oder wenn ſie, ſelb ander und dritt, uf Gräbere wandle und enander ſage:„do ſchloft e treui Muetter, „do en arme Ma, doch het er niemes betroge. „Schloft ſanft und wohl, mer wennich wecke, wenns Zit iſch!“ Siehts mit Aug im Sterneliecht, und höri ſie rede. Menge chenni mit Namen, und wemmer enander bigegne, biete mer is d'Zit, und wechsle Rede und Antwort: „Grüeß di Gott! Heſch gueti Wacht?“— Gott dank der! ſo ziemli.“ Glaubets oder nit! Ne mol, ſe ſchickt mi der Vetter Todtnau zu, mit allerhand verdrießliche G'ſchäfte, wo mer's Kaffi trinken und Ankeweckli drin tunke: „Halt Er ſi nienen uf, und ſchwätz Er nit, was em ins Mul chunnt,“ rüeft mer der Vetter no,„und loß er ſi Tabatiere „nit im Wirthshus liege, wie's ſueſt bi'm Here der Bruch iſch.“ Uf und furt, i gang, und was mi der Vetter ermahnt het, hani richtig verſorgt. Jez ſitzi z'Todtnau im Adler— und iez gang i ſpaziere, und mein, chönni nit verirre, mein, i ſeig am Dorf; zletzt chreſmi hinten am Feldberg, d'Vögel hen mi g'lockt, und an de Bächlene dBlüemli. Selle Fehler hani, i cha mi an Allem verthörle. Drüber wird es chüel und d.Vögel ſitzen und ſchwige. — 359— 's ſtreckt ſcho dört und do e Stern am düſtere Himmel 's Chöpfli uſe, und luegt, öb d'Sunn echt aben ins Bett ſeig, öb es echt dörf cho, und rueft den andere:„Chömmet!“ und i ha kei Hoffnig meh. Druf leg i mi nieder. 's iſch e Hütte dört, und iſch en Aerfeli Strau drinn. „O du liebe Zit,“ ſo denki,„wenn i deheim wär! „Oder es wär ſcho Mitternacht. Es wird doch e G'ſpenſtli „näume dohinte ſy, und z'Nacht um Zwölfi verwache, „und mer Zit vertribe, bis früeih die himmliſche Liechter „d'Morgeluft verlöſcht, und wird mer zeige, wo's Dorf iſch.“ Und iez, woni's ſag, und mittem vordere Finger 's Zitli frog, wo's Zeigerli ſtand,'s iſch z'finſter für's Aug gſi, und wo's Zitli ſeit,'s gang ab den Oelfen, und woni 's Pfifli uſe leng, und denk: iez trinki no Tuback, aß i nit verſchlof— bi'm Blueſt, ſe fangen uf eimol ihrer zwee ne G'ſpröchli a. J mein, i ha g'loſet.— „Gell, i chumm hüt ſpoot? Drum iſch e Meiddeli g'ſtorbe „Mambach. s het e Fieberli g'ha und leidigi Gichter. „s iſch em wohl. De Todesbecher hani em göheldet, „aß es ringer gang, und d'Auge hani em zuedruckt, „und ha g'ſeit: Schlof wohl! Mer wenn di wecke, wenn's Zit iſch.— EE.. —.— 60—. „Gang, und bis ſo guet, und hol merle wengeli Waſſer „in der ſilberne Schaale, i will iez mi Sägeſe dengle.“ Dengle? han i denkt, e Geiſt? und düſelen uſe. * Woni lueg, ſo ſitzt en Chnab mit goldene Fegge und mit wiißem G'wand und roſefarbigem Gürtel ſchön und lieblig do, und nebenem brenne zwei Liechtli. „Alle guete Geiſter!“ ſagi:„Her Engel, Gott grüeß di!“ „Loben ihren Meiſter!“ ſeit druf der Engel,„Gott dank der!“— „Nüt für übel, Her Geiſt, und wenn e Frögli erlaubt iſch, „ſag mer, was heſch du denn z'dengle?“—„D'Sägeſe,“ ſeit er. „Jo, ſell ſiehni,“ ſagi,„und ebe das möchti gern wiſſe, „wozu du ne Sägeſe bruuchſch.—„Zum Meihe. Was heſch g'meint?“ ſeit er zu mer. Druf ſagi:„Und ebe das möchti gern wiſſe.“ Sagi zuenem:„Iſchs verlaubt? Was heſch du denn z'meihe?“— „Gras! Und was heſch du ſo ſpoot do hinte zverrichte?“— „Nit gar viel,“ hani g'ſeit,„i trink' e wengeli Tuback; „wäri nit verirrt, wohl wär's mer z'Todtnau im Adler. „Aber mi Red nit z'vergeſſe, ſe ſag mer, wenn d'witt ſo guet ſy, „was du mittem Gras witt mache.“—„Fuetere!“ ſeit er.— „Eben und das nimmt mi Wunder, de wirſch doch Gott will ke Chu ha?“ „Nei, ne Chu juſt nit, doch Chalbele,“ ſeit er,„und Eſel. 8 61 „Siehſch dört ſelle Stern?“ Druf het er me obe ne Stern zeigt. „'s Wienecht-Chindli's Eſel, und's heilige Friedeli's Chalble“) „othme d'Sterneluft dört oben und warten ufs Fueter. „Und dört wachst kei Gras, dört wachſe numme Roſinli,“ het er g'ſeit,„und Milch und Honig rieslen in Bäche, „aber's Vieh iſch ſemper,'s will alli Morge ſi Gras ha, „und e Löckli Heu, und Waſſer aus irdiſche Quelle. „Dordurwilli dengli iez, und willi go meihe. „Wärſch nit der Ehre werth, und ſeiſch, de wellſch mer au helfe?“ So het der Engel g'ſeit. Druf ſagi wieder zum Engel: „Lueg,'s iſch ſo ne Sach. Es ſott mer e herzligi Freud ſy, „d'Stadtlüt wiſſe nüt vo dem; mer rechnen und ſchribe, „zähle Geld, ſell chönne mer und meſſen und wäge; „laden uf und laden ab, und eſſen und trinke. „Was me bruucht in's Mul, in Chuchi, Cheller und Chammer, „ſtrömt zu alle Thoren i, in Zeinen und Chretze; 0 „s lauft in alle Gaſſen, es rüeft an allen Ecke: *) Nach einer alten Sage hätte der heilige Fridolin(in der katholiſchen Schweiz und dem obern Schwarzwalde ein gefeierter Name) mit zwei jungen Kühen eine Tanne bei Säckingen in den Rhein geführt, und dadurch dieſen Fluß von der einen Seite der Stadt auf die andere geleitet. ——j— 62— „Chromet Chirſi, chromet Anke, chromet Andivi! „Chromet Ziebele, gele Rüebe, Peterliwurze! „Schwebelhölzli, Schwebelhölzli, Bode-Kohlrabe! „Paraplü, wer koof? Reckholderbeeri und Chümmi! „Alles für baar Geld und Alles für Zucker und Kaffi.... „Heſch du au ſcho Kaffi trunke, Her Engel, wie ſchmeckt's der?“— „Schwätz mer nit ſo närrſch!“ ſeit druf der Engel und lächlet; „Nei, mer trinke Himmelsluft und eſſe Roſinli, „vieri alli Tag, und an de Sunntige fünfi. „Chumm iez, wenn de mit mer witt, iez gangi go meihe, „hinter Todtnau abe, am Weg, an graſige Halde.“— „Jo, Her Engel, frili willi, wenn de mi mitnimmſch, „3 wird afange chüel. J will der d'Sägeſe trage. „Magſch e Pfifli Tuback rauche, ſtohts der zu Dienſte.“— Sider rüeft der Engel:„Puhuh!“ „Chumm, zündis abe go Todtnau!“ wie im Wetter, do. Ne füürige Ma ſtoht, Seits, und voris her marſchiert der Puhu in Flamme, über Stock und Stei und Dorn, e lebigi Fackle. „Gell, es iſch chumli ſo,“ ſeit iez der Engel:„was machſch echt? „Worum ſchlagſt denn Für? Und worum zündiſch die Pfifli „nit am Puhu an? De wirſch en doch öbbe nit förchte, — 63—— „ſo ne Fraufaſtechind, wie du biſch— het er di 9freſſe?“ „Nei, Her Engel, g'freſſe nit. Doch mueß i bikenne, „halber hani'm numme traut. Guet brennt mer der Tuback. „Selle Fehler hani, die füürige Manne förchi; „lieber ſieben Engel, as ſo ne brennige Satan „s iſch doch au ne Gruus,“ ſeit iez der Engel,„aß d'Menſche „ſo ne Furcht vor G'ſpenſtere hen, und hätte's nit nöthig. „'s ſind zwee einzigi Geiſter de Menſche gföhrli und furchtbar: „Irrgeiſt heißt der eint', und Ploggeiſt heißt der ander: „und der Irrgeiſt wohnt im Wi. Us Channe und Chruſe „ſtigt er eim in Chopf und macht zerrütteti Sinne. „Selle Geiſt führt irr im Wald, uf Wegen und Stege; „s goht mit eim zunterſt und zöberſt, der Bode will unter eim breche! „d'Brucke ſchwanke, d́Berge bewege ſi, Alles iſch dopplet. „Nimm di vorem in Acht!“— Druf ſagi wieder zum Engel: „'s iſch e Stich, er bluetet nit! Her Gleitsma, i merk di. „Nüechter bin i g'wis. J he en einzig Schöppli „trunke g'ha im Adler, und frog der Adlerwirth ſelber. „Aber biß ſe guet und ſag mer, wer iſch der ander?“— „Wer der ander iſch,“ ſeit iez der Engel,„das frogſch mi! „es iſch e böſe Geiſt, Gott well di vorem bewahre. „Wemme früeih verwacht, um Vieri oder Fünfi, „ſtoht er vorem Bett mit große füürigen Auge, „ſeit eim guete Tag mit glühige Ruethen und Zange. „'s hilft kei Das walt Gott, und hilft kei Ave Maria! „Wemme bete will, enanderno hebt er eim's Muul zu. „Wemmen an Himmel luegt, ſo ſtreut er Aeſchen in d'Auge; „het me Hunger und ißt— er wirft eim Wermueth in d'Suppe; „möcht me z'Obe trinke, er ſchüttet Gallen in Becher. „Lauft me wie ne Hirz, er au, und blibt nit dehinte; „ſchliicht me wie ne Schatte, ſo ſeit er:„Jo, mer wen g'mach thue.“ „Stoht er nit in der Chilchen, und ſitzt er nit zu der ins Wirthshus? „Wo de gohſch und wo de ſtohſch, ſin G'ſpenſter und G'ſpenſter. „Gohſch ins Bett, thueſch d'Auge zu, ſe ſeit er:'s preſſiert nit „mittem Schlof. Los, i will der näumes verzehle: „Weiſch no, wie de g'ſtohle heſch, und d'Waisli betroge, „ſo und ſo, und das und deis; und wenn er am End iſch, „fangt er vornen a, und viel will's Schlofe nit ſage.“ So het der Engel gſeit, und wie ne füürige Luppe het der Puhuh g'ſprützt. Druf ſagi wieder:„J bi doch „an ne Sunntigchind, mit mengem Geiſtli befründet, „aber bhüet mi Gott der Her!“ Druf lächlet der Engel „B'halt di G'wiſſe rein,'s goht über b'ſiebnen und b'ſegne, „und gang iez das Wegli ab, dört nieden iſch Todtnau. „Nimm der Puhu mit, und löſch en ab in der Wieſe, „aß er nit in d'Dörfer rennt und Schüüre nit azünt. „B'hüet di Gott, und halt di wohl!“ Druf ſagi:„Her Engel: „B'hüet di Gott der Her und zürn nüt! Wenn de in Stadt chunnſch, „in der heilige Zit, ſe b'ſuech mi,'s ſoll mer en Ehr ſy. „s ſtöhn der Roſinli z'Dienſt und Hypokras, wenn er di annimmt. „d'Sterneluft iſch rau, abſunderlig nebe der Birſig?)“. Drüber graut der Tag, und richtig chummi go Todtnau, und gang wieder Baſel zu, im lieblige Schatte. Woni an Mambach chumm, ſo trage ſie's Meiddeli uſe, mittem heilige Chrüz und mit der verblichene Fahne, mittem Chranz am Todtebaum, und brieggen und ſchluchze. Hen der's denn nit g'hört! Er will's jo wecke, wenn's Zit iſch. Und em Ziſtig druf, ſe chummi wieder zum Vetterz d'Tubackdoſe hani richtig näume lo liege. *) Fluß dieſes Namens. A. Aetti, Vater. Altdeutſch: Atta. Afange, verb. Anfangen. Aber Afange, adverb. Endlich, nach und nach. Agle, subst. plur. Steife, ſtechende Spitzen, z. B. an den Aehren. Ane, Hin. Woane? Wohin? Anke, Friſche Butter. Altdeutſch: Anka. As, Als. Aß, Daß. B. Bah, 1) Bahn, 2) Bann, Gemarkung. Baſſeltang, Kurzweil. Passe le temps. Batte, nützen, fruchten. Verwandt mit Baß, Beſſer. Biß, Imperativ zu Sein. Sei! Bitzeli, Wenig. Blueſt, Blüthe. Bi'm Blueſt: Eine mißſtellte Be⸗ theuerungsformel, dann ein Ausdruck der Verwunde— rung, beſonders bei unangenehmen Ueberraſchungen. Bosge, eine Bosheit verüben. Brenz, subst. masc. Branntwein. Gebranntes. Briegge, Weinen. B6νεν BOUs B'ſchieße, Zureichen, Sättigen, gedeihligen Fortgang haben. Büeßli, Zehnkreuzerſtück. Pièce. Bunte, Propf, Spunte. Büttene, großes hölzernes Gefäß zum Einſalzen des Fleiſches u. ſ. w. Von Bute. Erklärung einiger in vorſtehendem Terxte vorkommenden Ausdrücke und Wörter. C. Charfunkel, 1) Jeder rothe Stein von Glanz. 2) Rother Ausſchlag im Geſicht. Cheri, Reihe, Ordnung deſſen, was regelmäßig wieder⸗ kommt. Daher: Die Cheri, dießmal, en anderi Cheri, ein andermal. Von Kehren. Chilche, Chille, Kirche. Altd.: Chilcha. Chilchelueger, Kirchen-Aufſeher. Von Luege, Schauen. Chlimſe, Spalte. Verwandt mit Klemm, Klemmen. Chlöpfe, Knallen, Krachen. Id. Klapf. Choli, ſchwarzes Pferd. Chölſch, Leinwandzeug von blau gefärbtem Garn. Cöllniſch? Daher chölſchblau. Chrie ſi, kleine Waldkirſchen. Chirſi, große, veredelte. Chrome, 1) Einkaufen. 2) Zum Geſchenk vom Markt u. ſ. w. bringen. Chruſe, Krug mit Bauch und weiter Oeffnung. Chrüsli, diminut. Chülbi, Kirchweihe. Chummli, Chummlig, Bequem. Von Kommen. Kommlich. Chüngi, Kunigunda. D. Dinge(zu Jemand), Dienſte nehmen. Doſch, Kröte. Dunders— verſtärkt in der Zuſammenſetzung mit einigen Adverbien. Du ndersnett, überaus nett. Düſſele, 1) act. Leiſe reden. 2) neutr. Leiſe gehen. Von Duſſen, verwandt mit Toſen. E. Echt, Echter, Echterſt, Etwa, Doch, Wohl? Egerte, ungebauter Feldplatz. Ehne, jenſeits, drüben. Eiere-Anke, subst. Eier in Butter gebacken. Eithue, einerlei, gleichviel. Ein Thun. Fazenetli, Sacktuch. Aus dem Italieniſchen Fazo- letto. Firſt, das Oberſte. Daher 1) Rücken des Daches, beſonders an Strohdächern. 2) Fortlaufender Berg⸗ rücken. Flöſch, ſchwammicht von Leibeskonſtitution. Flaccus. Frey, außer der gewöhnlichen Bedeutung, adverb. Sogar. Füre, hervor. Verſchieden von Füre, Füren. Für ihn, den, einen. Fürtuech, Schürze. Gahre, knarren. Gattig, wohlgebildet, gefällig. Von der Stammſylbe Gatt in Gattung, wie Artig von Art. Gäutſche, ſchwanken, von flüſſigen Dingen. Daher Vergäutſche. 1) act. Durch Schwanken aus⸗ gießen. 2) neutr. Durch Schwanken ausfließen. Gell, Gellaber, verb. imper. Nicht wahr? Plur. Geltet. Gehre, begehren. Das Stammwort zu dieſem, und zu Gierde, Gierig, Gern 5 O G'hürſt. Gebüſch. Gehürſt von Hurſt. Gizi, Junge Ziege. Gizeli, dimin. Glaſt, Glanz, beſonders Schein von Blitz und Feuer. Glitzere, ſchimmern. Von Glitzen, Glänzen, ver⸗ wandt mit Gleiſſen u. ſ. w. Davon: Glitzerig, ſchimmernd. Götti, Taufpathe. Gotte, kem. Gottwilche, Begrüßungsformel. Von Gott oder Gottes Willkomm. Grumſe, durch unverſtändliche Töne und abgebrochene Worte ſeine Unzufriedenheit auszudrücken. Von Gram. Guhl, Hahn. Gallus. Gumpiſtöpfel, eingemachte Aepfel. Günne, Pflücken, Gewinnen. Gvätterle, verb. das Spielen der Kinder, wenn ſie Verrichtungen der Erwachſenen nachahmen. H. Habermark, Tragopogon partense Lin. Hamme, Schinken. Hampfle, subst. 1) Eine Handvoll. 2) Der Raum zwiſchen beiden hohlen Händen. Daher Hampfle— voll, beide Hände voll. Hämpfeli. Dimin. Haupthöchlige, adv. Mit aufgerichtetem Haupt. Daher laut, munter. Hebe, halten. Helge, Helgli, Helgeli. 1) Ein auf Papier ge⸗ malter Heiliger. Daher 2) jedes kleine Papierge⸗ mälde. Helſe, glückwünſchen. Daher Etwas zum Gruß, Neu⸗ jahr u. ſ. w. ſchenken. Von Heil. Altdeutſch: Heiligen, Grüßen, Heilizunga, Däniſch, Helſe, Schwediſch Helſa. Her, Herr. Der Her, der Pfarrer. Herget, Herr Gott. Hinecht, adv. In dieſer Nacht. Nechtie, die ganze Nacht hindurch. Hirz, Hirſch, Hircus, Hirci, die Hirzen. Hüble, 1) An den Haaren ſchütteln. Daher 2) Züch⸗ tigen. Hurlibaus, Kanone. Hurſt, Strauch. D'Hürſt, Pl. Das Gebüſche, Dickicht. Angelſ. Hurst und Hyrst. Hüſt und Hott, Links und Rechts! Zuruf an Zug⸗ pferde.(Daher Hotten, von Statten gehen.) Huure, Niederhuure, den Körper ſtehend gegen die Erde niederlaſſen. Hauern. Jeſte, subst. plur. Launen, Muthwillen. Von Jeſen, Gähren. Daher Je ſte, Hitze, Launen. Imme, 1) tem. Die Biene. 2) wasc. collect. Der Bienenſtock. Id. Verſchieden von imme, Einem. In einem. Immli, Diminut. Job bbi, Jakob. Fuſt, eben, gerade recht. Daher wohl zu Muthe. 8155 der erſten Bedeutung auch Juſtement. Aus dem Franzöſiſchen oder Italieniſchen. L. Landſem, langſam. Lenge, 1) Bis wohin reichen. Daher 2) Nach etwas greifen, holen. 3) Zureichen, genug ſein. Von Lange und noch übrig in Be-, Verlangen u. ſ. w. Letſch, Schlinge, Schlaufe, aus dem Ueberſchuß von Band an Kleidern u. ſ. w. Ital. Laccio. Letſchli, Diminut. Lewat, Brassica Napus L. Logel, Fäßchen. Lagenula. Horchen, Stammwort zu Loſung, Lauſchen A, ſe. Luege, Schauen. Verluege, recipr. Sich über dem Zuſchauen vergeſſen. Lüpfe, in die Höhe heben. M. Matte, Wieſe. Von Mähen. Meidli, Mädchen. Von Meid. Meiddeli, ein kleines Mädchen. Meie, Blumenſtrauß. Meng, Manch. Noch übrig in Mannigfaltig. Morndrigs am folgenden Tage. Moſe, Flecken. Verwandt mit Maſer. Mö ſeKli Diminut. Mummeli, Name des Rindes in der Kinderſprache und beim Locken. N. Näumer, Jemand; Näumis, Etwas; Näume, Irgendwo. Aus einer unbekannten Vorſylbe und den Wörtern Wer, Was, Wo. Necht, adv. In der erſten Hälfte der vorigen Nacht. Nemtig, subst. Die Nemtig; Vor einigen Tagen. Niede, unten. Niemes, Niemand. Niene, nirgends. Nootno, nach und nach. Numme, nur. Nümme, nicht mehr. Nüt, nichts. 8 O. Oebber, Jemand; Oebbis, Etwas; Oebbe, Etwa. 3 Pappe, Brei. Plunder, Kleidungsſtücke. Alles, was zum Anzuge gehört. Daher Plündern, spoliare. 2 σν ν —.— Poppere, ſchnell und ſchwach klopfen. Pöpperle, Dimin. R. Räf, Leiterwerk, hinter welchem dem Vieh das Futter aufgeſteckt wird. Das Letzte im Räf haben. Sprichwort: dem Tode nahe ſein. Ranft, Rand, Rinde; Ränftli, Dimin. Rekholder, Wachholder. Rümmechrüsliger, eine Art Winteräpfel. D. Schmehle, subst. Grashalm. Sider, praep. Seit, adv. Unterdeſſen. Siderie, Seither. Sinne, verb. Weinfäſſer ausmeſſen und bezeichnen. Scherzweiſe von Menſchen. Sölli, ſehr. Spöchte, ſpähen. Das Intenſum zu dieſem Spec— tare. Spötlig, Spätling, Spätjahr. Das Gegenwort zu Frühling. Stabhalter, der zweite Vorgeſetzte in Landgemeinden. Verſchieden von Statthalter. Strolch, Vagabund. Stud, Pfoſten. Verwandt mit Stütze, Stotze. Statua. 85 Tenſch, Schleuſe bei der Waſſerleitung. Tole, vertragen, dulden. Das Stammwort zu dieſem, Mer tolten is, wir duldeten uns. Tragete, Laſt, ſo viel man auf einmal tragen kann. 69 2 Tremel, Balke. Troſtle, Droſſel. Trümmle,) ſich auf einem Punkt herumbewegen; 2) unſtät gehen. Tremulare. 118 Uding, Unding, adv. ſehr, über das Gewöhnliche. Uerthe, 1) Wirthsrechnung; 2) Abrechnung überhaupt. Umme, hin, herum. Verſchieden von umme, um⸗ men, um ihn, den, einen. Unrueih, Perpendikel an der Uhr. Unruhe. V. Verſtune, irre werden. Viſperle, v. act. kleines Geräuſch machen; neutr. mit ſolchem ſich fortbewegen. W. Weger, wegerli, wahrlich. Eigentlich Comparativ von wahr, ſchön, gut. Weidli, hurtig. Weihe, Speckkuchen. Welle, subst. Bündel von Reis, Stroh u. ſ. w. Weſerei, 1) Verrechnungsſtelle bei den Eiſenhütten. 2) Dabei errichtete Weinſchenke. Wibe, verb. ein Weib nehmen. Wütſche, ſich ſchnell bewegen. Intenſiv. von Wiſchen in Entwiſchen u. ſ. w. 3. Zeine, Rundkorb. Ziſtig, Dienſtag. Der Karfunkel Das Hexlein Die Mutter am Chriſabend Geſpenſt an der Nanderer Straße Der Statthalter von Hans und Perene Der Bettler. Auf einem Grabe Ber Rnabe im Erdbeerſchlag Die Jeldhüter Riedliger's Tochter Die Ueberraſchung im Garten Geiſterbeſuch auf dem Teldberge Wort-Erklärungen (Di Druck v von 8 5 835 ann in Stu 5tiltthart⸗) Inhalt. Seite 12 14 19 33 36 38 40 42 47 55 57 66 dDie im Texte mit* bezeichneten Snrophen beniehen ſich auf die Abbildungen. 18 17801 8 031 CsSUe7. sruhe 2017