————— ů ů ⁰ RRNQRNRDDNNN7= A Y 1 8 222R·——————————————————————— EFEPEEEEEnrrrr e RSSrr ä— p — — ˖ — 60 60 0 0 Vadens edlem FJdrsſenpaare —— SLEEEEE—————— 3ur. goldenen Aochseit 50 Fahre in Ojebe und Trede in Arbeit und Sorge für Sadt aund Neich Cerojdmet oom Verleger Werfasser Proſf. M. pEi. Rösſger, Aejdelberꝙ Verlagꝗ oon— M. phil.&d. Nose 5 Meurode 0 Nachdrdcl verboten *VVI ö(Cĩ ree r 8U N 8 rossherzog Friedrich von Baden feiert am 9. September seinen 80. Geburts- tag, und am 20. September sind es 3 50 Jahre, seit er den Bund für das VLeben mit der Prinzessin Luise von AiPreussen, der Tochter des Prinzen Wilhelm, der später die deutsche Kaiserkrone tragen Sollte, geschlossen hat. Seltene Jubeltage sind es, die in so nahem Zusammenhange das hohe Fürstenpaar feiern darf, wahrhaft bedeutungsvoll nicht bloss für das eigene Leben, sondern für Volk und Land in Baden, ja für das ganze deutsche Reich. Denn der warme Sonnenschein, der über diese Ehe geleuchtet hat, war ein Sonnenglück für die ganze Bevölkerung. In dem Wandel der Zeiten ist wandellos geblieben die Liebe des fürstlichen Paares, das wie ein hohes Vorbild vor allem Volke gestanden hat; und an dem festlichen Tage, der noch so recht in den Frucht— herbst unseres Jahres hineinfällt, drängt sich frohen Herzens das ganze Volk um den Herrscherthron, um für die Liebe und Treue, die von dieser Stätte ausgegangen ist, mit einem brausenden Jubelruf der Liebe und Treue zu erwidern. Von den Tannen— umkränzten Höhen des Schwarzwaldes bis zu den lachenden Fluren der Rheinebene, vom Gestade des schwäbischen Meeres, in dem die ragenden Zacken der Alpen sich spiegeln, bis zu den Rebengeländen rer˖errreeereeeeeeeerereerere. 5 DNRrĩ w wweeeee ö(GNi eeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeee ̃ieer. FFRFDRPRRRFRRRFRRP 8 öGS ο· des Neckars, im weltabgeschiedenen Gebirgsdorf und im flutenden Leben der Grossstadt wird dieser Tag zu einer grossartigen Feier der Liebe und Dankbar— keit werden. Uberall werden die Glocken die gleichen Empfindungen der Menschen himmelwärts tragen, überall festliche Züge der Kinder in gleicher Stimmung zu dem Gotteéshause wallen. Denn in diesen 50 Jahren ist ein neues Volk um Fürst und Fürstin emporge- wachsen. In der Familie sahen sie ihre Kinder heranwachsen, und dann wurden sie Grosseltern, ja Urgrosseltern. Und für ein goldenes Hochzeit- paar des bürgerlichen Lebens wäre es schon in— haltvolles Glück genug, auf die Fülle dieser Erleb— nisse im eigenen Hause zurückzuschauen. Aber wie viel Inhalt birgt ausserdem das Leben dieses fürst- lichen Paares, reich gesegnet ist das Werk ihrer Hände. Wahrlich, eine lange Spanne Zeit gemeinsamen Wirkens überblickt an diesem Festtage das hohe Paar. Tiefe Ver- änderungen hat das grosse geschichtliche Leben un- seres Volkes erfahren, andere Gestalten zeigt ihnen die Welt wie vor 50 jahren, nur wenige von denen die damals ihnen in Freude zur Seite standen, sind ihnen geblieben, um so fester lebt in ihnen selbst das Gefühl gemeinsamer Gottes- und Nächstenliebe, das Gefühl, dass eine höhere Macht auch den Gang ihres eigenen Lebens gnädig und huldvoll ge- leitet hat. äR ˖R˖˖˖˖rDr˖ ereiereee eereeere e ———————.— 4 G= NSASDSESSESSrS R 9. 856 ung(1 1 ar im Jahre seiner Vermä1 ssherzogliche Pa 8 gro Da DRP˖˖r ˖re eeDe eereeeree WNNSDrmNSre 0 GS= e⸗ ie e e e. ‚ + FEAEERRERERERRERERRRRRRRRRRRRRRR Ver Prinz Wilhelm v. Preussen und seine Gemahlin, die Prinzessin Augusta, die aus dem ruhmreichen Hause von Sachsen-Weimar stammte, haben oft und gern das schöne badische Land 12— aufgesucht, um in seinen lieblichen Tälern und in den duftenden Tannenwäldern oder auch an seinen heilkräftigen Quellen Erholung und Stärkung zu finden. So kam auch im Jahre 1850 die Prinzessin nach Baden-Baden, und sie nahm auch ihre zwölfjährige Tochter Luise mit auf die Reise. In dem herrlichen Tale der Oos, das ein grossartiger Naturpark ist mit seinen hochwipfligen Bäumen, seiner Blütenpracht, seinen grünenden Rasenflächen und seinen rauschenden Wassern, fanden sich zuerst der junge Prinz Friedrich von Baden, der genau noch einmal s0 alt war, und seine zukünftige Gemahlin. Ernstere Gespräche hatte er damals noch mit dem Vater der Prinzessin, an dessen Seite man ihn häufiger erblickte. Dieser hatte im Jahre zuvor aus den Händen seines Bruders König Friedrich Wilhelms IV., den Auftrag übernommen, den Unruhen in Baden ein Ende zu machen, die im Gefolge des tollen Jahres 1848 enstanden waren. E R˖Nre eeeeeeee 8 ERRRRRR — H ‚ Widerstrebend hatte er die Waffen in dem Land ge- führt, dessen leuchtende Bilder seine Seele gefesselt hatten, nach wenigen Gefechten hatte er die Aufgabe vollendet, und nun sprach er in sorgenvollen Stunden über Badens und Deutschlands Schicksal. Zu dem gereiften Manne blickte der jüngere mit wahrer Ehrfurcht empor, die Festigkeit und Würde seines schlichten und doch 8o hoheitvollen Charakters zogen ihn mächtig an. Und gut war es, dass die Spiele des jungen Mädchens den Ernst der Zeit durch heitere und frohe Gedanken milderten. Gemeinschaftliche Spaziergänge und Ausflüge in die Täler der Gebirge brachten Erinnerungen an glückliche Stunden. Darüber zogen fünf weitere Jahre ins Land; der junge Prinz hatte die Regierung des Staates über— nehmen müssen und die Schwere eines fürstlichen Lebens kennen gelernt. Da fasste er den Entschluss, um die Hand der in allem Liebreiz der jugend er- blühten Prinzessin zu werben; denn er empfand es klar, dass für sein Herz die entscheidende Stunde gekommen war. S0 wurde er der Gast im Schlosse zu Koblenz am Rhein, Wo damals Prinz Wilhelm residierte, und am 30. September, dem Geburtstage der Prinzessin Augusta, wurde die Verlobung abgeschlossen. Auch das preussische Königspaar war herbeigeeilt, um den jungen Herzog von Zähringen feierlich in den Ver- wandtenkreis der Hohenzollern aufzunehmen, und auch die Mutter des Bräutigams die Grossherzogin Sophie, konnte glücklich ihren Segen dem Bunde spenden. In dieser Zeit trat er auch dem Bruder seiner Braut näher, dem Prinzen Friedrich Wilhelm, der damals um die englische Prinzessin Viktoria freite und der— einst als Kronprinz die Welt mit seinen Heldentaten erküllen sollte. Die zukünftige Gestalt Deutschlands, seine Freiheit und Macht, beschäftigten damals die ö r NDe ewreereee eereeeree ee eeee. W˖˖D˖Dĩreeeeeeeeeeeeeee ‚ 1606 R˖RNRRSEPDSreSE O beiden gleichgestimmten Fürsten, die in unverbrüch- licher Freundschaft zu einander standen. Eine be—- sondere grosse Hoffeier in Berlin fand am 17. Januar 856 statt, da das junge Brautpaar nach alter Sitte im Königsschloss die Ringe wechselte; am folgenden Tage wurde er in die Reihe der Ritter des höchsten i Kaiserin Augusta. preussischen Ordens, des Schwarzen Adlerordens, aufgenommen. Am 20. September war der Tag der Vermählung, die unter festlichem Gepränge und herz- lichem jubel gefeiert wurde; um 7 Uhr stand das Paar vor dem Traualtar und empfing von dem Ober— prediger Strauss die doppelte Verheissung für das Rr˖RNre eemeee eee GSY Rriw wrrr rr ereeer eee eeeeeee. G FFER 66 4 öGSe 22 H%ã ĩ]ðù½0 I•VꝓVV)V)IIt 1 Leben:„Jch will dich segnen, und du sollst ein Segen sein«“. Nach den Hochzeitsfestlichkeiten fuhr das junge Paar an den Rhein, nach Köln, nach Koblenz, wWO noch einmal die Erinnerungen schönster Stunden Ssich erneuerten. Allüberall drängte sich eine jauchzende Menge um das anmutige, glückstrahlende Paar; auf — ·—.— ä—— Kaiser Wilhelm l. dem Rhein war ein frohes Treiben in Booten und Schiffen, die mit Gesang und Musik Huldigungen brachten. Dann ging es rheinaufwärts, in Ludwigs- hafen stieg das fürstliche Paar ans Land und nahm unter Glockengeläutè seinen Einzug in die erste badische Stadt, in Mannheim, das mit wWehenden gelbroten RRDDeeNDee E ASS GÆ H W( ĩwĩwĩierrrr rr re reereeeeeeeee Fahnen und mit reichem Blumenschmuck, mit einer bürgerlichen Ehrenpforte und frisch jauchzender Volks- menge einen schönen Empfang bereitete. Und wie in der ersten Stadt, war es überall in Dörfern und Städten. Grossartig gestaltete sich die Einfahrt in Karlsruhe am 27. September. Hier stand ein Jung- frauenchor vor der Residenz, der also die junge Herrin begrüsste: Wie sich Dir öffinen dieses Schlosses Räume, 80 öffnen sich des Landes Herzen Dir, Und findest Du erfüllt der Jugend Träume, Erfülle auch, als Badens Frauenzier, Den schönen Traum von Badens neuem Morgen, Schon lang genährt, in treuer Brust verborgen. Die Mädchen, die damals also sangen, werden sich am 20. September dieses Jahres aufs neue um ihre Fürstin scharen, freilich so geschlossen werden die Reihen nicht mehr sein wie damals. Den erwartungsvollen Gedanken der Mädchen und Frauen entsprach die Fürstin, die mit hohem Sinne nicht den Glanz ihrer Stellung, sondern vor allem die Pflicht empfand, diesem Lande, das sie so rührend empfing, eine echte und rechte Mutter zu sein. Noch heute schwärmen die Leute, die damals der leuchtende Blick der jungen Grossherzogin traf, von dem be— zaubernden Liebreiz ihrer Erscheinung. D2 585 9 825 öirerrr reee eee. * G SDRPYP([SwDwDwDrrSSDrrSSHS wSSS * FRRRRRRRR. SSee O SRDRPĩ SwSrSeeeSe 163 Aus der Jugend des Grossherzogs Friedrich. zweite Sohn Grossherzog Leopolds, Ger init der Poeehter des letzten Schwedenkönigs aus dem Hause 3 Wasa vermählt war. Im FHause herrschte noch immer die Erinnerung an den Gross- vater Karl Friedrich, dessen Bild in dem Enkel, unsèrem Fürsten, merkwürdig wiederkehrte. Der Mark- Koblenz. öRr RDwrreee eeeee * V SSRSSPSSSSSSSSSS SO FFFP „** SSSRSSrISSSSrSrrSrS graf Karl Friedrich hat 65 Jahre regiert; er hat mit dem lutherischen Baden Durlach 1771 das katholische Baden-Baden vereinigt und in der Zeit der napole- onischen Kriege, die der unsäglichen Menge kleiner und kleinster Herrschaften im oberrheinischen Lande Kaiser Friedrich III. ein Ende machte, das Grossherzogtum Baden, ge— fördert durch das Vertrauen mächtiger Fürsten, unter sein Zepter genommen. Wie er das Erbe der Väter zu einem Musterstaat machte, so traf er in dem neuen E ˖˖reNeDeeeee e öR ˖D˖DD˖D˖r˖r˖er er re ⸗ /Z ²˙ CTTTCEEUEUUEUTTTUEUUUUUTUTTUTCTCTCTCTCTCTCCCCCGCGCGVCVCVGCGGGECCAGGGGRGGCGVCGCCRCACRUCGCACGAAAAERAE G G w˖re eeewe ER .. · RR ‚ S Lande, das 8S0 vieéle Brocken fremder Ge- biéte um- schloss, in grossartiger Weise die Massregeln, die einen 5 neuen, wohl 8 zusammen-— 7 hängenden 5 Staat her- 2 stellten. Er 7 War ein Freund des Volkes; die treuherzige Miene des klugen, freundlichen Geésichts, der kraftvolle und doch 80 milde Klang Sseiner Stimme, die zum Herzen drang, die ruhigsichere Haltung ge- wannen ihm allgemeine Neigung, sein Bildnis liche Schloss und die 8 1g Der neue Dom, das kö ˖ RND˖w˖ereeereeeeeeee⸗ EEF E — 0 4 14 2 G EEEFEcc 16 FRFRERPERRFRFRRRPRP hat sich lange in den braungetäfelten Stuben des Schwarzwaldes erhalten. Er hat die Leibeigenschaft der Bauern aufgehoben(1783), er hat die Folter ab- geschafft und überall die Gebote edler Menschlichkeit gepflegt. Er verkehrte gern mit den frommen Männern seines Glaubens, aber baute auch den Katholiken in seiner Residenz Bethaus und Kirche, Er hat eine Menge Schulen gegründet und zuletzt die altberühmte Universität Heidelberg, die nun Ruperto-Carola heisst, Ss0 géordnet, dass sie zu neuem Ruhm im 19. Jahr- hunderte sich siegreich erhoben hat. Er wollte ein Erzieher des Volkes sein, mehr noch durch tätiges Vorbild, als durch Gesetze und Verordnungen; er hat Selbst dem Bauernknecht gezeigt, wie man eine tadel- lose Furche zieht, und khat gelehrt, wie man bessere Obstsorten und Reben pflanzt, oder durch Düngung besseren Klèee erzielt; aber auch zu rechter Kindererziehung hat er aufgefordert:„Erziehet eure Kinder zur Tugend, lehret sie wahrhaft sein, Gott fordert es von euch, ihr seid es euch schuldig, euren Kindern, eurem Vateérlande“. Er wollte ein freies, wohlhabendes, christliches und gesittetes Volk in seinem Lande haben und den Trost mit in die Ewigkeit nehmen, ein in solchen Güitern wachsendes Geschlecht zurückzulassen. Hatte er auch unbeschränkte Fürsten- gewalt im Staate, er forderte doch zu freier Mitarbeit aller zu dem grossen Werke auf. Sein Stolz war es, ein deutscher Fürst zu sein, aber in harter Zeit musste er sich unter den Zwang des französischen Kaisers fügen, er hat es mit Tränen getan und von der Zukunft neuen Glanz des Reichs gehofft. Täglich hielt er sich Sittensprüche vor Augen und fragte sich, ob er Sie beobachtet habe. Von seinen Kindern verlangte er, dass sie sich die schlichten Kernlieder unserer Gesangbücher einprägten; und wiederum freute sich Grossherzog Leopold, dieselben Lieder, die einen köst- ERFERRE GO rerrrrerrrreeereeereereeereeereeeeeeeeeeeeeee. ̃RRRNRRr eeeeer. Æ⏑ ◻ε ο0 unaslaun ur ssoluos SsuonnSOoZz4ο,EE8b48 8αꝗꝗ ö(SRN DeNee W˖re˖ee e G U DDPr˖˖rrreererrrrerrrrei rererrreeeeeereeeereeee FFRPRPRRDRR lichen Schatz für die Tage der Trübsal enthalten, aus dem Munde seiner Kinder zu hören. Grossherzog Leopold war nicht für den Thron erzogen. Er war ein Sohn Karl Friedrichs aus seiner zweiten Ehe mit der Freiin von Geyersberg, und erst als die Söhne der ersten Ehe kinderlos blieben, wurde durch ein fürstliches Hausgesetz bestimmt, dass die Nackkommen der zweiten Ehe, die Grafen von Hochberg, auch zum Thron gelangen könnten. Dem Grossherzog war es am wohlsten fern vom Hofe; unter seinen Kindern, bei gemeinschaftlichem — + ⁰ Larlsrühe e. — 60 öR˖˖eD rere eeee Gee ˖r˖r˖erre weeree 0 09 0 0 Klavierspiel fühlte er sich am gemütlichsten. Gern 0 Streifte er auch mit den Kindern durch die herrlichen Täler und über die windumblasenen Höhen des Schwarzwaldes, weilte am rauschenden Giessbach und Markgraf Wilhelm. hielt Einkehr im traulichen Schatten der Bauern— häuser, und mancher Denkstein und Aussichtsturm erinnert an seine Vorliebe. Seine Leidenschaft war es wohlzutun, seine erste Stiftung ein Waisenhaus in ö(Ciieeer öõGNe eeeeeeeeeeee DRr˖ RNDD rr r. C.C.C.C.C..C.......··· 20 S R ůf RRRR O ‚ 0 E Lichtental; im Hungerjahr 1846 sammelten sich viele Arbie auis Stadt und ane Ler dem Selllesse in Karlsruhe, um Unterstützung 2u erhalten. Elf Jahre nach der Schlacht bei Waterloo, fünf nach dem Tode Napoleons, ist der Grossherzog Friedrich geboren. Noch beherrschte Napoleons Andenken die Welt, ja es mehrte sich wieder sein Ruhm, da man in manchen Ländern die Leiden vergass, die er ge- bracht hatte. Nicht bloss drüben im Elsass, das 1815 in den Händen Frankreichs blieb, trug mancher mit Stolz das rote Band der Ehrenlegion, diesseit des Rheines war es nicht viel anders. Die badischen Truppen hatte ihr Landesherr Zzum Heere Napoleons senden müssen, im heissen Spanien, wie in den be- schneiten Feldern Russlands hatten sie für fremde Eroberungslust kämpfen müssen. Als die grosse Armèee 1812 durch die grimmige Kälte der russischen Ebene ihren Rückzug vollzog, da hatte an der Berezina Markgraf Wilhelm, ein Bruder Grossherzogs Leopolds, in glänzender Waffentat die Russen zurückgedrängt und die traurigen Trümmer der heimziehenden Fran— z0sen gerettet, aber freilich von über 7000 Mann, die mit Napoleon in Russland eingezogen waren, kehrten nur 145 in die badische Heimat zurück. In- des der kriegerische Sinn unseres Volkes freute sich an den tapferen und kühnen Zügen der Kriegs— veteranen und dachte wenig daran, dass sie unter fremden Fahnen gedient hatten. Und wenn an fest— lichen Tagen die Bürgerwehr der Städte ausrückte, so hatte man das Bild der grossen Armèee vor sich: Grenadiere mit den hohen martialischen Bärenmützen, die Tambours mit den gewaltig rasselnden Trommeln, an ihrer Spitze der majestätische Tambourmaäjor, der den langen Stab mit dem goldenen Knopf hoch in die Luft schleuderte, die langbärtigen Sappeurs (Zimmerleute, Pioniere) mit Beil und Schurzfell. Wenn F..)) · · ů⸗ 22 So die langen Reiben der Tapferen daher schritten, dann konnte man denken, der kleine Korporal Bona- parte könnte wieder kommen und alles Vive'em- pereur rufen. Volkslieder erzählten von ihm fast mit Ehriurcht, und in Geschichten erschien er wie ein pIανον ανο⁰ u gemütlicher Mann, mit dem der„Himmelkreuzsakre— menter Köhrle von Häfnersheuhausen“ behaglich ver— kehrte. Unter den älteren Leuten gab es manchen, der nur daran dachte, dass durch Napoleon die ver- hassten Frondienste und anderer Zwang beseitigt SSoSS···/ Yy/(ſß(⸗o////// /·(oc//c·//cc/ ////ccc//c/˖ ˖ ..d ðĩ X Q O FFE —28 waren, obwohl es nicht den Deutschen Zzulieb ge- schehen war; und darüber vergass man, dass der fremde Kaiser mit seinem rauhen Besen auch vieles Gutdeutsche weggekehrt hatte. Die jugend dachte anders, der Traum von der Kaiserherrlichkeit eines freien und einigen Dèeutschlands war in ihren Köpfen lebendig. Unser Grossherzog hat noch im späten Alter gerne daran gedacht, wie er zum ersten Male das Lied unseres Theodor Körner von Lützows Jagd gehört hat. Zu dieser brausenden Schar freiwilliger Jäger, die 1813 ihr Blut für Deutschland hingaben, z0g ihn Sein Herz. Und auch das Lied:„Was ist des Deutschen FRERPPRFPPEo G EFFRRR Iir —— 0 6 9 N * 0 9 * 9 9 L NRNNN Vaterland?“, hat er mitgesungen und sich gefragt, wie man auf diese Frage einmal eine gute Antwort fände. Vier Büsten stehen in dem Zimmer, in dem der Grossherzog 2zur Audienz empfängt, er hat gesagt, er möchte sie nicht entbehren. Diese Büsten zeigen Stein. uns die Köpfe von Männern, die in den Jahren 1806 1813 die Erhebung Deutschlands Vorbereitet und vor allem glühende Liebe für Vaterland und Freiheit geweckt haben, den Reichsfreiherrn von und zum Stein, der wieder die freie Teilnahme aller Bürger am Staate forderte, damit sie alle opferwillig den Staat verteidigten, den Vaterlandssänger Ernst Moritz Arndt, der mit dem tapferen Freiherrn auf „ 25 mancher Wanderung zusammen war und in seinem Sinne das Volk zum Kampfe aufgerufen hat, den Philosophen Fichte, der in seinen gewaltigen Reden an die deutsche Nation die Gemüter zum Kampfe um Freiheit und Deutschtum entflammt hatte, endlich Fichte. den Staatsmann Wilhelm von Humboldt, den Bruder des grossen Naturforschers, den edlen Menschen, den Freund Schillers und Goethes, den Mitbegründer der Universität Berlin, die in den Jahren der Vor— bereitung Preussen die geistige Kraft verleihen sollte zur Abschüttelung der Ketten der Fremdherrschaft. In diesen Männern sind die Ideale Verkörpert, die dem fürstlichen Knaben die Leitsterne für das öA...·· —— ———— EE N —— —— — . DSSrr IRRNRNRNr GO FEPP eigene Leben geworden sind; sie wurden in ihm 80 Wahrhaft lebendig, weil er eine herzliche Liebe zum Volke in seinem Herzen trug. Solchen Sinn weckte der Vater immer aufs neue, und solchen Sinn ver— Sdlepfen ur epnzyqeSsEHSIAů,F svꝗ tiefte er durch seine Studien, als er in den Jahren 1843 1845 in Gemeinschaft mit seinem ältéèren Bruder, dem hochbegabten Erbgrossherzog Ludwig, die Uni- Versität Heidelberg bezog. Die Brüder waren frische öR˖ rrrre reee eee. EERRRRRRRRRRRR FP GRRrrerrrreeeeeeeeee Studenten, die sich gerne von dem frohen Hauch des akademischen Lebens berühren liessen; aber es waren auch tiefe Erkenntnisse und Richtungen, die sie aus der Neckarstadt für die kommende Arbeit des fürst- lichen Berufs mitnahmen.„Man müsste von Stein und Eisen sein,“ hat der Grossherzog einmal gesagt,„wenn die Mahnungen, die Belehrungen hier in Heidelberg der Jugend Kraft und Mut verliehen, keine Wirkung ge— habt hätten.“ Er erinnerte mit Dankbarkeit an die Männer, die ihm tiefe Anréègung gegeben haben, an die Geschichtsschreiber Schlosser, Gervinus, Ludwig Häusser und den Rechtsgelehrten Mittermaier. Be— sonders von Häusser, dessen hinreissend frischer und schwungvoller Vortrag noch lange die jugend jür das Vaterland und Arbeit im Staate begeistert hat, empfing der Prinz noch weiter einen Anstoss, für seine tief innerliche Neigung für die Heimat und für das Reich in der Weise jener grossen Männer dereinst tätig zu Sein. Der Heidelberger Student musste bald auch den Waffenrock anziehen, wie es von je der männliche Brauch deutscher Fürsten gewesen ist. Am 17. Juli 1841 hat er zum erstenmal die Schlosswache Zzu Karlsruhe als Leutnant bezogen, wenige Monate Später wurde er zum Hauptmann ernannt und das Jahr darauf reiste er nach Gsterreich, wo er das Heerwesen kennen lernen solſte. Die 00 mit den Feldzügen des Erzherzog Karl, der im Jahre 17908 im badischen Oberlande mit französischen Truppen ruhmvoll ge- kämpft und 1800 bei Wagram Napoleon geschlagen hatte, gab ihm für immer eine Vorliebe für diesen Helden, der nicht bloss Soldat, Sondern auch ein herzens— guter, edler Mensch war. 1845 wurde er Rittmeister im Dragonerregiment„Grossherzog“, und bis auf den heutigen Tag trägt er besonders oft die Uniform dieser Truppen, hellblau mit rotem Kragen. rrer rrre eeeeeee EER FPPP DSDSSS Eö R G ˖ rr Prer rrrr rrrrrrere eeeeeeeee = .˖CC.C—+C+ R— —— I RRRr e 28 Bonn. Seit einer englischen Keise war Erbgrossherzog Ludwig so schwer erkrankt, dass man an Heilung verzweifeln musste und die Hoffnung schwinden sah, ihn dereinst auf dem Throne zu schen. S0 musste R i ˖ e r eer e ereireeee. Bonn. GS—— ˖re eeeeeeeeeeee FFEPP sich Prinz Friedrich für das hohe Amt mehr und mehr vorbereiten. Noch einmal ging er 1847 auf die Universität Bonn, deren reges, geistiges Leben am ganzen Rhein gefeiert ist. Dorthin zogen ihn unter den Lehrern der Hochschule besonders der alte ehrwürdige Arndt und Dahlmann, einer der lautersten Patrioten der Zeit, ein Mann von tiefer geschichtlicher und staats- männischer Bildung und von reifer massvoller Ge- sinnung. Hier in Bonn traf der Prinz auch mit solchen Prinz Friedrich Karl von Preussen. Studenten zusammen, mit denen er einst selbst Ge— schichte machen sollte, mit Prinz Albert von Sachsen, der 1870 die Maasarmee führte und bei Sedan glorreich focht, mitdemPrinzen Friedrich KarlvonPreussen, der durch den Sturm auf Düppel der erste viel be- sungene Held der neueren Zeit wurde und die grösste Kapitulation der Geschichte, die von Metz(1870) er- 2wang, und so manchen anderen. Auch sonst brachte das rheinische Leben manche Anregung für die Zu— kunft. In Düsseldorf freute sich der Prinz an der u CXTT 30 edlen Blüte heimischer Kunst, und noch hatte das badische Eand, das an künstlèrischen Kräften so reich ist, keine Heimstätte für die Entfaltung derselben. Während das Wintersemester 48 zu Ende ging, meldeten sich die Sturmvögel der Revolution. In Frankreich brach wieder einmal die bestehende Re- König Albert von Sachsen. gierung zusammen. Ludwig Philipp, aus dem Hause Orléans, der seit 1830 König gewesen war, wurde Verjagt und die Republik ausgerufen, der wieder nach einigen Jahren Napoleon III. ein Ende machte. Die Wellen der unruhigen Bewegung trafen am stärksten das Nachbarland Baden. Hier hatte die Regierung, 6 8 DPD˖DRDDr ˖rrr rrre. eingeengt von den deutschen Grossmächten, nicht immer tun können, was die Zeit eigentlich verlangte, und noch waren die Gebiete, aus denen der Staat zusammengestückt war, noch nicht zu einer festen treuen Gesinnung gegen diesen Staat gelangt. Gross— — 4 4 7 8 —— — w- · Die Paulskirche zu Frankfurt a. M. NNN PPPPP G herzog Leopold kam dem Wunsche des Volkes mit ö Freundlichkeit weit entgegen, trotzdem fehlte es, im Oberland zumal, nicht an Erhebungen, die mit der Waffe in der Hand ein ganz neues Staatsgebäude errichten wollten. Mit Begeisterung aber folgte der Fürst dem Gedanken der nationalen Einigung. Unter Glockengeläute zogen hochgestimmt im Mai die Ab- geordneten des deutschen Volkes in die Paulskirche 2zu Frankfurt am Main, um ein einiges Deutschland Cürieltten:; in die Spites der GSee krat als Reichsverweser der Erzherzog Johann von Oester- reich. Ihn begrüsste mit seinem Sohne Friedrich Grossherzog Leopold und huldigte ihm wie dem Ober— haupte des Reichs. Zu den hoffnungsvollen jünglingen dieser Tage gehörte auch unser Prinz. Es schien die Zeit gekommen, dass man die Nordmark Schleswig- Holstein, wo von den Dänen die deutsche Art ver— gewaltigt wurde, wieder heimbringen konnte. Auch er eilte, wie so mancher Freiwillige aus Baden in die Herzogtümer und konnte noch bei einigen Gefechten mitwirken; die persönliche Teilnahme des bekannten Reiterführers Graf Wrangel zeichnete ihn aus. Aber der Krieg ging bald zu Ende. Preussen, bedroht durch Russland und England, gab nach. Es kam zum Waffenstillstand zu Malmö, der nur der Vorläufer eines traurigen Friedens war, welcher die Holsteiner und Schleswiger wieder dem alten Bedränger auslieferte. Das war eine grosse Enttäuschung für jeden guten Deutschen. Auch die Buntscheckigkeit der deutschen Truppen, die im Felde manchen Misserfolg brachte, nahm der militärische Blick des Prinzen wahr. Tiefe Eindrücke nahm er aus Berlin mit, wohin er eine wichtige Botschaft des Grafen Wrangel zu über— bringen hatte; aber die schlimmsten Erlebnisse brachte doch das Jahr 1849. Die Frankfurter Versammlung hatte endlich den Beschluss gefasst, einen Kaiser zu ‚ ̃R ii r eeeeeeeeee. AEFERR EF E S D NrrNN ˖r rrrre rrrrrrr reereeee eeeeee eeeeeeeee. G FFFP··· kiüiren und dem Preussenkönig das Erbkaiser- tum in Deutsch- land zu über- tragen, während Oesterreich, das S0 viele nicht- deutsche Bevöl- kerungen am Po und an der Donau in sich schloss, aus dem engeren Bunde ausscheiden Sollte. Indes der — 1 * Feldmarschall Graf Wrangel. preussische König Friedrich Wilhelm IV. e dieser Zeit der Ratlosigkeit, da die schönsten Hoffinungen ins Grab sanken, trieben gewissenlose Volksverführer zum Aufstand, der besonders in der Pheinpfalz und in Baden emporloderte. 2 * 0 N N 5 4 4 6 6 N 9 Grossherzog Friedrich als Prinzregent Eine neue im Jahre 1852 RRRR H Heéèresordnung war kurz zuvor in Baden eingeführt, die noch nicht zur festen Gewohnheit geworden war. Das war einer der Griünde, dass der Aufruhr auch Prinz Friedrich, der jetzige Grossherzog im Elternhause. das Heer ergrifft, dass kein Fahneneid mehr die Treue der Soldaten band. Vergebens versuchte Prinz Friedrich in Karlsruhe den Rasenden ent- öRR˖D˖DDreif˖rrrreeeerreeeerreereeereeeeeeeeeee. 35— ERERRRRRR gegenzutreten, kaum, dass er aus der Kaserne mit dem Leben davonkam; seine jugend allein schützte ihn vor Gewalttat. Mit seinem Vater flüchtete er in den Schutz der Festung Mainz, und im Lande herrschten einstweilen die Revolutions- männer mit dem grossen Schlapphut und dem mächtig ras- selnden Säbel, und H Fremdlinge über- ‚ ‚ nahmen vielfach die Führung. Dies Sol- datenspiel dauerte nicht lange; der Prinz von Preussen machte ihm ein Ende. Unser Fürst hatte in Preussen die Waffenhilfe ange- rufen, da das Reichs- hèer zu schwach war, Herzogin Alexandrine von Sachsen- f 8 Koburg und Gotha,(1820—1904) Witwe IIIII ernstlich etwas zu des Herzogs Ernst II.; ältere Schwester leisten. des Grossherzogs. 6 — — ii. * Grossherzog Leo— pold erlebte es noch, dass die treugebliebe- nen Bürger des Staates ihm Liebe bewiesen, aber das erfahrene Herzeleid konnte er nicht ganz überwin- den; am 24. April 1852 schloss er die Augen für immer; seine Kin- der knieten um das Grossherzog Leopold von Baden. FCↄ........... EERRRR RNRR . 5 S Sterbelager. Einer nur fehlte, der arme, hoffnungslos kranke Erbgrossherzog Ludwig, dem der Bruder die Trauerbotschaft zu überbringen und mit dem er auch darüber zu reden hatte, dass er die Regierung Hieht anttsten Werde, Für ein empfindendes Herz Stun- den von unbeschreiblicher Schwere. Aber draussen war der Frühling zu voller Pracht Herzog Ernst II. von Koburg. erwacht, im Schlosspark schlugen schon die Nachti- gallen; da strömte aus der sprossenden Natur ein Gefühl von Hoffnung in das Herz des neuen Re- genten. GReeee Ä R RmRmmr˖ ˖errerre errere rrreeeeeee Sdοαν ö(G eee eeeeeeee R m Hinblick auf die ersten Jahre der Regierung hat einmal Grossherzog Friedrich gesagt:„Es war manchmal schwer, sich an der Oberkläche des Wassers zu halten.“ Aber er hat nie Verzweifelt, und sein fester Arm und Sein Cottvertrauen haben ihn hinüber geführt an glücklichen Strand. Zuerst galt es, ein treues Zu- ‚ ‚ ö ‚ ‚ ‚ ‚ ‚ verlässiges Heer, die unentbehrliche Stütze jedes 8 S Staates zur Verteidigung des Friedens, aufs neue 2u schaffen.„Es musste aus den PA des zer- rütteten Staates gebildet werden,“ hat er selbst einmal gesagt, und er konnte hinzufügen:„und es wurde gebildet, und zwar fester wie zuvor.“ Eine Schwadron und ein Bataillon, die von dem Aufstand nicht ange- steckt waren, gaben die Anfänge einer neuen Armee. Bald zeigte sich wieder der Gehorsam in den Gemütern und die Liebe zu dem Fürstenhaus, die nach den Tagen der Verführung um so rührender hervorbrach. In Freiburg hat eine Zeit lang der Grossherzog selbst als Oberst sein Reiterregiment ausgebildet. Aber wie viel blieb noch zu tun! Das böse Miss- trauen, das nach dem schlimmen jahre 1848 als üble Hefe zurückblieb, konnte so rasch nicht schwinden; ver- r˖Rreerreeeee SDRNDr˖rrr rrr r. 2W2.õ²³²J SSDr PPP tszimmer. in seinem Arbei Der Grossherzog FRRR GS· r ‚ ö ö ‚ e =2 EF rree ree e. hetzt und verbittert waren soviele der Bürger. Dazu kam Misswachs und verhèerende Uberschwemmungen. Da verliessen viele die Heimat, um das Achtfache wuchs der Strom der Auswanderer, der nach Amerika hinüberging. Am Mississippi wollten sie lieber wohnen als am Rhein, lieber am Urwald bei den Indianern, als daheim im traulichen Schatten des Nussbaums. Da brachte der Grossherzog eines mit zur Versöhnung, er hatte die Gewohnheit edler Herzen, den Menschen 2zu veértrauen, und dadurch eroberte er sich das Ver— Strassburg. trauen der Menschen. Und entzückt redeten die Leute bald von dem herzlichen Blicke seiner blauen Augen, von dem milden Klang seiner Stimme, von seiner freundlichen, fast bescheidenen Art. Durch ein Zerwürknis mit der Kirchenverwaltung wurden die ersten Jahre, die ganz der Versöhnung gewidmet sein sollten, noch trüber, so dass mancher 2weifelte, ob dieser künstliche Staat Lebenskraft genug besitze, und sogar der französische Nachbar seine guten Dienste anbot, um zu helfen. Schritt für Schritt ..(V( PIEzον“ẽꝗaq duf SohsuellgH 400 Sorohoorho·o·/o/o//·(·o/··/·/·/(/·(//˖/·( G SDrrrrrrr führte die Weissheit des Fürsten, der nicht nur die Macht des Staates schützen, sondern auch dem reli- giösen Leben unseres Volkes seine sichere Grundlage —j— Turm des Freiburger Münsters. bewahren wollte, das Notwendige herbei, aber es dauerte doch lange, bis ein Friede zwischen Kirche und Staat erreicht wurde. Auch im Volke fühlte man, E G ˖˖rrrrrr rrereeeere eeeeeeeeeeeeeeeeeeeeee . Bismarek. sorgnis, und neue Gährung schien anzudeèuten, dass aus dem bisherigen Streite ein Streit zwischen der Re- gierung und dem Landtage entstehen könnte. Da griff der Grossherzog Selbst ein, und in der berühmten Oster- proklamation des Jahres 1860 richtete er aus der Tiefe des Herzens Friedens- Worte an sein tèures Volk. Er erklärte freimütig, was der katholischen Kirche nach seiner Uberzeugung SShünres„ES ist melnn dass dem Gross- herzog der Glaube Seiner katholischen Untertanen ebenso heilig sei wie der eigene Glaube. Um den Frieden zu ge- winnen, trat er in Verhandlung mit dem päßpstlichen Stuhle. Aber die Ubereinkunft, wel- che von den gross- herzoglichen Mi- nistern geschlossen War, Erregte in Weiten Kreisen des Landes grosse Be- Moltke —————— 0 * 9 7 2 N * 1 f 8 A A 2 5 6 HRRNRrr 6 ˖¶ i i e w eeee eeeeeereeeeeieeeeeeeeee. FARRRRR entschiedener Wille, dass der Grundsatz der Selbst— ständigkeit der katholischen Kirche in Ordnung ihrer Angelegenheiten zur vollen Geltung gebracht werde. Ein Gesetz, unter dem Schutz der Verfassung stehend, wird der Kirche eine sichere Grundlage ver— bürgen.“ Auch der evangelischen Landeskirche sollte auf der Grundlage der Verfassung eine möglichst freie Entwickelung gewährt werden. Und endlich: »ich wünsche, dass der gleiche Grundsatz auch auf andere Gebiéten des Staatsleèbens fruchtbar Werde, um alle Teile des Ganzen zu dem Einklange zu ver— einen, in welchem die gesetzliche Freiheit ihre segen- bringende Kraft bewähren kann.«“ Um solche freie Staatseinrichtungen zu schaffen, ist allerdings not—- wendig, dass sie von dem rechten Bürgersinne getragen werden. Der Grossherzog fand sein Volk reif, mit am Staate zu wirken, gereift durch das 40 jährige Bestehen der Verfassung und der Landtage, gereift auch durch die bitteren Lehren der Jahre der Revolution und dessen, was die Folgezeit gebracht hatte. Unser Fürst steht hoch über den Parteien und den Gegensätzen, die so oft Bürger von Bürger trennen. Wenn in diesem Streite einmal das Gefühl für das ganze grosse Vaterland zu ersticken drohte, so rief er mit ernster Stimme in diesen Parteihader die Mahnung, dass Eintracht und Duldung herrschen müsse, wie sie die christliche Liebe uns alle lehrt. In Baden wie in gan: Deutschland leben die verschiedenen Konfessionen der christlichen Kirche nebeneinander; und glücklich, wenn der Fürst selbst in Gesinnung und Handeln das rechte edle Beispiel gibt, wie eine die andere achten und in christlichem Geiste mit ihr in Handel und Wandel zusammenwirken soll. Besonders zu Herzen gehen musste jene ernste Mahnung, da 1860 noch immer der ländergierige Kaiser an der Seine lauerte, ob sich nicht eine schöne Gelegenheit biete, auch EF 77 , SSSPrRr 2CC.. E — — — E — 8 — 2 „ äSRRRRRYQ YY——— Y Y——⏑Æ⏑ ‚ Y YC C⏑ᷓ Y ⏑ ο ⏑. Y—— ᷓ YCCC. Y—CC.. C. Geee am rechten Rheinufer Macht zu gewinnen, wie zu der Zeit, da die Rheinbundstaaten unter Napoleons J. Zwingherrschaft standen.„Manche Gefahren können unser Vaterland bedrohen. Das Einzige, was stark macht, ist Einheit.“ Als dann die gesetzgeberische Arbeit des jahres 1860 den Hoffnungen des Fürsten entsprach, da rief er den Ständen voll gHicklichef Befkisdigung die Werte ul(lel suchte friedlichen Einklang mit den öffentlichen Ge- walten zu schaffen, damit für das Heil meines geliebten Volkes alle Kräfte harmonisch zusammen wirken. Ich konnte nicht finden, dass ein feindlicher Ge— gensatz sei zwischen Fürstenrecht und Volks— recht“. Mit goldenen Lettern stehen diese Worte in der Geschichte. In einer Flut von Zuschriften antwortete die Dankbarkeit des begeisterten Volkes, mit einem Schlage war Grossherzog Friedrich der Volkstümlichste Fürst in Deutschland, und Baden war auf dem Wege, der Musterstaat in Deutschland 2u werden. Wenn jetzt die Flüchtlinge aus dem Jahre 1849 die Heimat wieder betraten, So staunten sie über die tiefe Wandlung im Lande, und wenn sie jetzt anklopften bei den ehemaligen Genossen, die für Republik mitgeschwärmt hatten, so fanden sie, dass diese förmlich für den Grossherzog schwärmten, weil er dem Lande alles geschenkt habe, was sie selbst verlangt hatten, und dazu mit dem Zauber persönlicher Herzensgüte alle gewann. Er kannte das Volk, er verstand es, und darum wusste er es S0 gut zu lenken. Man hat gesagt, er kenne jedes Amthaus und jedes Rathaus im Lande, mit Bürgermeistern und Pfarrern und Richtern und vielen Bürgern spricht er, um alle Zustände gründlich zu erfahren. Er kennt das Leben im Gebirgsdorf so gut wie das rastlose Treiben der Grossstadt, die ruhige Arbeit des Landmanns wie die gewaltige Technik der Fabriken. So manches Wort GRA äre rre reeerree rereeeeereeeereeeeee.. 1 1 ——— S ο⸗Rοοff.Yο⏑οiꝙꝙ= är r rrre e rrreeereeeeeeeeee.— AAE?—— Trachten aus dem oberen 9 Kinzigthal.„ 10 erzählt von seinem behaglichen Verkehr mit dem Fischer am Bodensèee wie dem Holzhauer im Schwarz- wald, dem Rebmann im Markgräfler Land oder dem treuherzigen Ackerknecht im Taubergrund. Er hört die Arbeiter wie den Fabrikherrn. Wie ein Freund, wie ein Vater nimmt er teil an Glück wie an Un— glück der Seinen. Und mit kommt seine hohe Ge- mahlin. Grossherzogin Luise ist ein Leben lang un— ermüdet von Krankenbett zu Krankenbett, von Be— dürftigen zu Bedürftigen geeilt, um zu heilen und 2u helfen. Und so mag es kommen, dass, wenn das Fürstenpaar die Waldwege dahin fährt, ein verschämtes Kind an der Ecke lauert, um den duftigen Wiesen- strauss zum Zeichen der Liebe zu überreichen, rüh- render in seiner einfachen Sprache wie die glänzenden FEEEE „............. RRRNNii RRr INN S NNNr 18 Empfänge, die ihnen oft von dankbaren Gemeinden erdacht werden. Mit dem Jahre 1860 kamen Jahre frischer schöpfe- rischer Arbeit, zu der Männer wie die Minister von Koggenbach, Stabel, Lamey, Mathy, Jolly, mit grossen Gedanken mitgewirkt haben. Und hätte das Bildnis des alten Freiherrn von Stein im Vorzimmer des Fürsten einmal lebendig werden können, es hätte seine Freude gehabt an dieser herrlichen Arbeit. Da wurde in der Rechtsspreéchung das Verfahren jetzt erst reècht öffentlich und mündlich gemacht, und jeder- mann im Lande kann wissen, wie das Recht ge- handhabt wird. Der Kichter ist nun ein unabhängiger Mann, der niemand zu lieb und niemand zu leid, sondern nur nach seinem Gewissen seinen Spruch fällt. Aber auch die Ungelehrten, die Laien, wurden mit herangezogen, um zu entscheiden, ob der Ange-— klagte schuldig oder nichtschuldig sei; als Schöffen oder als Geschworene im Schwurgericht iiben sie jetzt ein gut Teil richterlicher Arbeit. Wir wissen es heute gar nicht anders, aber vergessen sollen wir darum nicht, seit welcher Zeit wir diese Wohltaten geniessen. Das deutsche Reich hat von Baden gar manches über- nehmen können, das war ein schöner Beweis, wie das Grossherzogtum in glücklicher Entwicklung voran- gegangen war. Ferner wurde der Bürger noch mehr zur Selbst— verwaltung, zur selbständigen, verantwortlichen Teil- nahme an den öffentlichen Angelegenheiten aufge- rufen. Neben den Amtmann trat der Bezirksrat, in dem erfahrene Männer aus dem Volke sitzen, um viel Geschäfte der staatlichen Verwaltung mitzubesorgen. Dann wurden elf Kreise geschaffen, denen auch ein Anteil an der Verwaltung verliehen ist. Die Kreis- Versammlungen bestehen ebenfalls aus Männern, die von dem Vertrauen der Bürger und Bauern ge- öDR˖˖D˖DDr˖weDrrrrrre errreerrrreeerreeeee. Z̃iiie eeeeeeeeeeeeee öGNee ee. õR Pree rrerreerrrerrere eere eeereeeee⸗= 2 40 wählt sind. Für Strassen und Brücken, für Waisen- häuser und Pflegeanstalten, für Landwirtschaftsschulen u. dgl. haben sie zu sorgen. Springt diese Arbeit nicht so ins Auge, wie die der grossen politischen Körperschaften, so ist der Segen dieser stillen, gere- gelten darum doch recht gross. Uberall wird Bürgersinn geweckt und a2u reger Mitarbeit an den Aufgaben des Staates herangezogen. Hier War es Minister Lamey, der dem Grundgedanken des Fürsten die Form gegeben, die nun schon lange dem Glück des Landes gedient hat. Wieviel seitdem ge- schehen ist, um in diesem Sinne dem Staat treue und mitsorgende Bürger zu erziehen, lässt sich hier nicht Schildern. 88 55888 5800 * RR˖R˖ r˖r rr rrrr re ee eeeee. SFSSSrRorr Vjn ö ö ö ‚ ö „Dr Gross'erzog isch dol“ ̃R˖Nrrrr rrr r rere ee eeeeeeeeeeeeeeeeeeee G EFRR rrerr ereeeee. Der Grossherzog Friedrich und die Landwirtschaft. WMuch wer nur flüchtig das schöne ba- dische Land durcheilt, der weiss es, dass hier der Garten Deutschlands ist. Die breiten Fluren des Acker- lands in der Ebene, die grünen, sSorg- sam durchrieselten Wiesen des Ge- birges, 18 8N Waldungen, zumal die mäch- tigen Tannenforste des Schwarzwaldes, dièe reichen Obstgärten, die im Frühling mit ihrem Blütenschnee ebenso das Entzücken für das Auge sind, wie im Herbst, wenn leuchtende Früchte die Aste belasten, dieser trauliche Kranz von Baumwipfeln um Dorf und Stadt, die fröhlichen Reben, die um Hügel und Hänge des Vorgebirgs sich schmiegen,— sie erzählen nicht bloss von der Milde des Himmels und der Kraft des Bodens, sondern auch von der Arbeit des Menschen. Und in dieser Arbeit steckt wieder ein gut Stück von der Tätigkeit des Grossherzogs und seiner Re- gierung. Es ist schwer, ein Bild zu geben von alle dem, was in einem halben Jahrhundert für die Landwirtschaft geschehen. Fängt man mit dem Grossen an, Sso braucht ˖N re rreee eeeeeeeee. E ‚ ‚ ‚ ‚ ‚ ‚ man nur in die Ebene zu schauen, wo hie und da im Licht glänzend ein Stück vom silbernen Lauf des Fheines aufblitzt. Wenn sonst im Frühjahr die Fluten Trachten aus Zutach und Kirnbach. 80 ist er heute gezwungen, in seinen Dämmen ruhig seine Wasser zum Meere zu wälzen, und wo sonst Von der Uberschwemmung her Altrheine und Wild- Wasser waren, da ist heute fruchtbarer Acker oder Wiese, EFEEFR ‚( ree rre reeeeee ö(Ciieeeeeeeeeeeeeee eeeeeeeeeeee . ²˙ůXQ0 ⁵!“?y y ĩↄͤ c ĩ ũã ũ0ß/ ¶ i r e e rier er e eeererereeeee ̃(ÿRree re ee eeee eee. Land im Wert von 6 Millionen Mark, gewonnen. Die Arbeit der Kheinkorrektion begann schon 1817, 1876 war sie in der Hauptsache vollendet, aber hoch bis in die ersten Jahre unseres Jahrhunderts zog sich der Abschluss der Uferbauten, und der Wert des Landbesitzes wuchs um mehr als 35 Millionen. Auch den reissenden Gebirgswässern, die zur Zeit der Schnéeschmelze mit jäher Gewalt zu Tal toben, ist ihre gefährliche Macht mehr und mehr genommen. Dafür gibt ihr schäumendes Wasser die Quelle zu dem elektrischen Licht, das auch der Industrie des Schwarz- waäldes dienstbar ist, und in dem zauberhaft manches Dork im Gebirge erstrahlt. Auf der andern Seite hat man viel getan, um auch kleine Gemeinden mit gutem Trinkasser zu versorgen. Eine besonders schwere Arbeit war die Wasserversorgung im Kalksteingebiet des Heuberg, Wo sonst in der Sommerhitze Tiere und Menschen litten und stundenweit aus der Donau das nötige Nass herangeführt werden musste. Oder blicken wir auf das Kleine. Im Sommer sieht man an den Blättern der Weingärten weisse oder bläuliche Flecken, im Winter Obstbäume mit Sürteln umspannt oder bis hoch in die Aste ganz weiss gegipst, da sehen wir mit Augen etwas von dem Kampf gegen die Schädlinge der Pflanzen, der nach der rechten Erforschung der Natur von der Re— gierung angeordnet ist. Aber wichtiger noch als der Kampf gegen die Feinde der Frucht ist die 8Bemühung um eine gute Frucht. Dass edle, ertragreiche Reben und Obstsorten und Sämereien verbreitet werden, auch dfür sorgt die Regierung, und da der einfache Land- mann nicht Zeit und Geld hat, um dergleichen Zzu versuchen und dann das Beste zu wählen, so hat der Staat Versuchsanstalten geschaffen, von denen das Erprobte weitergegeben wird. Für die besten Ergebnisse der Landwirtschaft in Vichzucht u. 8. w. ö(e er ö(GCiiee reeeeeeeeee r e eeeeeeeee 54.. ( rrrr mit der Landmann den Mut hat, zu einer Verbesserung das nötige Kapital anzu- wenden, und damit andere an solchen Musterleistungen sehen, was gemacht werden soll, und auch wie es gemacht werden kann. Solchen Anschauungsunterricht geben die landwirtschaftlichen Ausstellungen. Unser Landesherr besucht sie gern, um sich über die Krait der Entwicklung zu freuen, die zu Tage tritt, um zu ermutigen, zu danken, neue Wege zu weisen, Widerstrebende zu der wetteifernden Arbeit zu locken. Er ist nicht müde geworden, alles ‚ Schwarzwälder Trachten. sind vom Staate Prä- mien ausgesetzt, da- r˖rr˖rrre rrr e ee e eeeeee. G D er e e ee eee. 655 bis in das Einzelste zu besichtigen und selbst zu lernen. Die Ergebnisse waren allerdings rechter Grund zur Freude. Noch in diesem Jahre errang die Einderzucht, wie sie im Oberlande gepflegt worden ist, den eksten Preis ünd den eksten Plat⸗: Alk der allgemeinen landwirtschaftlichen Ausstellung. Daneben muss man erwähnen, dass auch für die Liegen im ärmeren Gebirgslande Sorge getragen Neustadt a. N. ist, dass gesunde und nutzbare Tiere gehalten Werden. Noch vor hundert Jahren wurde einfach von den Kegierungen befohlen, was der Bauer zu tun habe, und nur langsam und misstrauisch kam dieser den Anordnungen nach. Heute haben wir einen besseren und wirkungsvolleren Weg der Belehrung und Er— ziehung in den mannigfachen landwirtschaftlichen Schulen. Zur Ackerbauschule Hochberg, die auch * —— 8 90 0 N 8N f 6 * 8 N N F 7 1 4 6 ö N G EE Re e RRRRAÆÆ AFER 3 Kurse für Obst- und Weinbau abhält, kam die Schule auf Gut Augustenberg(bei Durlach), eine Schule für Wiesenbau, und vor allem die landwirtschaftlichen Winterschulen. Hier sollen die jüngeren Leute in freier Zeit lernen, was die fortschreitende Technik der Jeit für ihren Betrieb, für die beste Pflege und Aus- nutzung der Wirtschaft erfunden hat.„Alles will gelernt sein, also soll es auch gelehrt Werden“, ist ein Wort unseres Fürsten. Auch halten die Lehrer ——— Waldkirch. der Landwirtschaft Wandervorträge, um über die neuen Ziele und die erprobten Versuche aufzuklären, die im Betrieb der Staat angestellt hat. Unterdèessen ist aber ein Bauernstand herangewachsen, der selber seinen Mann steht und sieht, wo étwas Gutées für ihn zu gewinnen ist. Und wenn er nicht allein den Kampf führen kann, so tut er sich mit Seinesgleichen zu Vereinen und Genossenschaften zusammen und sucht auf dem Markte des Lebens sich zu behaupten. Kurz überall Leben und Fortschritt, die vom Staate angeéregt r˖erererr ee FFEEE rerer er ˖r errrrrrrr rrr rrr re eeeeeee. G rer RDRDrrrrr rrrrrreee. rirr rrr rree ee ee. E ˖rrrerr FFPPPPPPE F- G öPe eee eee ee E ‚ ‚ ‚ ‚ ‚ ö ö S — sind und dann ihre eigene Kraft entfalten. Zu alle dem ist gekommen die rastlose Arbeit der Frau Gross- herzogin, die als eine wahre Landesmutter gewirkt hat. Dass die Mädchen spinnen und kochen, backen und nähen, flicken und stopfen, Blumen pflegen und Kranke hüten lernen, kurz dass sie alles aus dem Grunde verstehen, was die Hausfrau braucht, und was ein Haus erst behaglich und eine Wirtschaft erst recht fruchtbar macht, dafür hat die Fürstin alle Hände in Bewegung gesetzt, und darum gibt es so manche Frau, die nur den Wunsch hat, auch einmal die liebe Grossherzogin zu sehen, deren herzlicher Güte sie aut so manchem Wege begegnet ist. ier rrrr rrrrrrrr rrere G SDRRRNS 8 WG( Von Handel und Gewerbe. Jut keinem Gebiete hat die Regierungs- ꝛeit unseres Grossherzogs soviel Um- schwung gebracht als in Verkehr und Industrie. Denn erst in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts 90 55 hat die neu gewonnene Herrschaft U über die Kräl 10 der Natur, Wasser, Dampf und Elek- trizität ihre grossen Eroberungen für das wirtschaft- liche Leben der Menschheit gemacht. Als die erste Lokomotive von Heidelberg nach Mannheim auf der neuen Eisenbahn lief, da rief ein zuschauender Arzt: „Die Welt will sich umgestalten.“ Diese Umgestaltung hat sich in diesen 50 Jahren vollzogen, und da galt es, das kleine Land nicht nur rechtzeitig anzugliedern in das neue Verkehrsnetz, das sich über Deutschland legte, sondern es auch in den grossen Verkehrsstrom einzuspannen, der von Weltteil zu Weltteil geht. 1852 hatte die eine Eisenbahn noch nicht die Schweizer Grenze bei Basel erreicht, und heute reicht sie bis zu allen Grenzstädten des badischen Landes G 0 — 8 2 — 5 3 8 dholzbrücke. Se 18 ö ö 4 ̃R˖r˖iw rrrre rrrrree reeeeereeeeeeeeeeeee.. SPSSSoSo·ooo·SSo·oooPPo·(ooPGPoGoGoGGGGGGGGcGcGGCCCCCccCCCCCCCcCccCCCCCcGCCCCCCCCcCCCCccCC(( 2NSVJVV —— 60—— von Wertheim bis zur Bodenséestadt Konstanz, und das Bahnnetz des Grossherzogtums hat eine Betriebs— länge von über 2000 Kilometern, so dass die Land— strassen nur um ein Drittel Länge mehr haben. Nach = I N FPFPPP Nieer ee. Die Gutachschlucht. allen Kichtungen durchqueren sie jetzt das Land. Von den Städten, die am Ausgang der Gebirgstäler liegen, führen die Schienenwege durch die Ebene hinüber an den Rhein, um mit den bedeutenden Städte der bayrischen Pfalz oder des Elsass den ö ‚ ö ö ‚ ö ö ö ‚ ‚ ‚ ö FE ̃i reieeeeeeeeeeeee „6 — nächsten Verkehr anzuknüpfen. Andere führen ost- wärts, WO Main, Neckar, Donau und ihre Nebenflüsse seit alters verkehrsreiche Strassen gebildet haben, oder auf die Hochebene, die zwischen jura und Schwarzwald liegt. Sie Verbin⸗ den die Gegenden, O%ο Ackerbau und Viehzucht vor- herrscht, mit den grossen Märkten des Westens, sie geéestatten oben im Gebirge, wo schon immer auf kärg⸗ licherem Boden die Industrieè den Menschen Nahrung schaften musste, .·· ‚ ‚ ö ö ‚ brücke bei Station Kappel. Gutach- 6 U ·· o·· ⸗=ů¶ AEEAERRR E RND˖r˖rrrDr eere ee. Pilder von der Höllentalbahn im Schwarzwald. Bahnhof Kappel.) 6 EAERERRR Fabrikanlagen, sie führen auch die reichen Schätze der Waldungen, die jetzt erst sich vollauf ausnützen lassen, hinab zu den Städten oder zum Rheine, wo SSoApIIvnHjßg uꝗ sie seit alten Tagen die Fahrt nach Holland machen, und endlich, sie bringen immer mehr von der Arbeits- hast der Grossstädte ermüdete Menschen hinauf in die reine klare Luft der Höhen, in den Frieden der 6 R ̃R˖Nr˖ rrre rreeeeeeeeee. ......⸗... ys · 63— öSNeee köstlich frischen Wälder, in den verjüngenden Zauber- garten der ewig herrlichen Natur. Namentlich auch aus dem Norden Deutschlands pilgern in heissen Sommertagen viele Tausende nach dem schönsten der deutschen Gebirge und freuen sich bald an der südlichen Pracht der Edelkastanien und mächtigen Nussbäume, der Weingärten und Obst— haine bald droben an den duftigen Wiesen und den Wald- riesen der Forste. Wie viel Lebenslust und kraft Partle der Dreisam bei der Karthause. haben schon die Bergwälder Badens dem deutschen Volke gespendet. Schon eine Bahnfahrt durch diese Täler ist ein hoher Genuss, und vielbewundert ist die Schwarzwaldbahn, die 1866- 1873 unter der Leitung des genialen Gerrig gebaut wurde, dem später der Durchstich des Gotthard gelang. In Deutschland hat sein erstes Werk seinesgleichen nicht, wie sie bald kühn über Abgründe, über wildschäumende Gebirgs- Wasser braust, bald im dunkeln Schosse der Granit— EFR ‚ ö EHRR Rr RNN G 6 berge verschwindet, um zur Höhe emporzuklimmen, und dann wieder entzückende Aussichten iiber die emporstrebenden Weisstannen und hinab in das trau- liche Idyll baumumrauschter Täler gibt. Von grosser Schönheit ist auch die Höllental— bahn, die von Freiburg die Dreisam entlang zu wilden schroffen Felswänden, düstern Felsentoren Aquädukt bei Kappel. und ergreifend grossartiger Erhabenheit engeinge- schlossener Schluchten führt und wieder zu freund- lich lachenden Talgründen mit malèrischen Häuser- gruppen, dann auf Zyklopenmauern auf die Höhe getragen wird, hinab sich zum Titisee senkt und ins Gutachtal eintritt, wo noch manche kühne Bauten errichtet sind, damit die Lokomotive sicher nach Donaueschingen weiter ihre Fahrt vollenden kann. Auch die Bahnen durch dass Elzachtal, durch das öR˖˖errerrrr err ee eeeeeeeeeee. ö ö ‚ K̃ñůũqꝗ ······ Fee ee G RRSRRSRSSESrSSSrSSe. RRRSRDPPP SSSSSSS⸗ 65 Wiesental, an den Ufern des Bodensèes könnten wir noch erwähnen, die alle eine Fülle von landschaft- licher Schönheit erschlossen, und dazu den Wohlstand und die Arbeitskraft entlegener Gegenden entwickelt haben. Wie vielen dieser Bahnen hat der Gross- herzog selbst das weihende Wort gesprochen; wie hat er mit den Anwohnern dieser Wege die Hoffnungen geteilt, die diese selbst an die Erfüllung lang gehegter Wünsche knüpften, wenn sie erst rascher an die grossen Punkte des Handels fahren könnten. Nicht mindere Arbeit war nötig, um auf der Haupt— linie, die aus Deutschland nach der Schweiz führt, das Eisenbahnwesen auf der Höhe der Technik 2zu erhalten, um den gewaltig anschwellenden Güter— und Personenverkehr zu bewältigen. Wie viel hier geleistet worden ist, zeigt schon ein Blick auf die mächtigen Lokomotiven, welche die Schnellzüge der grossen Fahrtverbindungen von Norden nach Süden bringen. Baden behauptet auch auf diesem Gebiete eine vornehine Stelle im Riesenverkehr unserer Zeit und hat mit manchem Fortschritt den übrigen Ländern den Weg der Vervollkommnung zeigen können. Für den Bodensèe ist eine Dampferflotille ge— schaffen, die von Konstanz aus den Verkehr nach dem Uberlinger See und nach den Plätzen der nicht- badischen Uferstaaten vermittelt. In Sommertagen suchen viele Reisende diese Fahrtgelegenheit, um an dem Wellenspiel des grünlichen, klaren schwäbischen Meers, an seinen Burgen und Städten, an seinen läachenden grünen Ufern, an dem Treiben fröhlicher Menschen, an dem hehren Anblick der leuchtenden Alpenwelt sich zu freuen, und unvergessliche Bilder der südlichen Schönheit und Farbenpracht in die Seele zu prägen. Seit das deutsche Reich erstanden ist, hat die alte Wasserstrasse der oberrheinischen Tiefebene erst ÄRR RDe˖DrreHre rrereerreeeeeereree eNDN Nm 'GSR recht seine natürliche Bedeutung gewonnen. Die weise, weitschauende Regierung hat auch auf diesem Gebiete die Forderung der Zeit richtig erkannt und dem aufstrebenden Unternehmungsgeiste tüchtiger Bürger ihre Hilje geliehen. Das ist besonders der Stadt Mannheim zugute gekommen, die eine Zeit lang sich nicht umgestaltete, sondern das Bild einer sich Völlig gleichbleibenden Stadt bot, wie ein Stück aus dem Station Unteruhldingen. Märchen von Dornröschen, nur die verfallende Pracht der alten Pfälzer Kurfürsten bewahrend. Heute hat Mannheim, an der Mündung des Neckars in den Rhein gelegen, den grössten Binnenhafen Deutschlands, es übertrifft im Wasserverkehr Köln und Berlin und es reiht sich im Gesamtgüterverkehr zunächst hinter Hamburg ein. Betrug dieser im Jahre 1860 nur 4%½ Millionen Doppelzentner, so stieg er bis zum jahre 1900 auf über 92 Millionen, und der Wert der ein- und aus— —4— G PPFPP·· 66% geführten Güter belief sich auf über 700 Millionen Mark. Alle Schiffe nahezu, die auf dem Rhein und seinen Nebenflüssen verkehren, besuchen auch Mann— heim, und immer ausgedehnter sind seine Hafen- anlagen, seine Lagerhäuser und Speicher geworden, die europäis hen Ruf geniessen und ihresgleichen nur in Hamburg finden. Man hat ein Gefühl, als ob noch der Wellenschlag des Ozeans diese Gütermenge Tunnel bei Überlingen, Ostportal. hinaufträgt. Man kann stundenlang in dem Rhein-, Mühlen- Binnen-, Neckar, Floss-(Industriehafen), an deren Verbindungskanal entlang gehen und die end- lose Menge der Kähne und Schiffe bewundern, die bis zu 4000 Zentner laden können. Mächtige Krahne und Elevatoren(über 60) heben die Güter aus den Räumen der Schifte hinauf in die Speicher, zumal den goldenen Weizen und Mais aus Amerika. Denn RRRD˖RN˖r ˖rrre rrrereeeeeeee. FPPFPPP EERRRRR EE LNNNN RRRRN EHR ERRRR ö( N( ie reeeereeeeeeeee. 6068 im Getreidehandel nimmt Mannheim eine der ersten Stellen in Deutschland, im Weizenhandel ist es der erste Platz. Dann betrachte man die aufgetürmten Berge der Steinkohlen, die Petroleumbehälter(Tanks), die aufgestellten Mengen der Bretter, Balken, Pfähle, man betrachte die endlosen Reihen der Schuppen und Speicher an den Verladeufern, die 20 Kilometer lang sind, und man wird mit höchster Andacht staunen über die rastlose Arbeit, die im Laufe von drei Jahr- zehnten solche Werke schaffen und solchen Reichtum aufhäufen konnte. Zwei mächtige, aus Eisen gefügte Brücken überspannen die beiden Flüsse, zwischen denen Mannheim liegt, die Friedrichsbrücke den Neckar (189) und eine andere den Kkhein mit seinem flutendem Verkehr, die hinüber zum Ludwigshafen führt, das mit Mannheim zusammen eigentlich eine Stadt bildet, beide fabelhaft rasch nach dem Masse amerikanischer Städte gewachsen. Der grosse Handelsplatz hat zu- gleich eine Menge Fabriken entstehen lassen, von denen wieder einige geradezu Weltruf haben, wie die chemischen Werke, die Tausende von Arbeitern be— schäftigen. Aber auch die Maschinenfabriken müssen Bestellungen befriedigen, die aus allen Teilen Europas ankoinmen; noch in der letzten Zeit haben die Auto- mobile aus Mannheim mit Erfolg den Wettkampf um den vordersten Rang aufgenommen. Dazu die Zell- Stoff- und Spiegelfabriken, die Ol, Wagen- und Ton— warenfabriken und s0 viele andere, die durch die Bedürfnisse und Erfindungen moderner Zeit ins Leben gerufen sind. Wie in Mannheim, so sind auch sonst am badischen Rheinufer grossartige Hafenanlagen geschaffen, so in Kehl an der wichtigen Stelle, wo Strassburg gebaut liegt, vor allem bei Karlsruhe, der Hauptstadt des Landes, die nun durch einen Kanal mit dem Verkehrsstrome des Rheines verbunden ist und auch mit einem Kranze kraftvoll aufblühender EERRR S E 69—ð FEEEPERFPEPPERP Æ ο f ‚ Fabriken sich umgeben hat. Prachtvolle neuangelegte Strassen und anmutige Villenviertel in duftenden Gärten verkünden überall dem Reisenden, dass die Arbeit der Städte zu freudigem Wohlstand gedeiht. Tunnel bei Uberlingen, Westportal. In Baden sind manche Industrien altansässig, und haben von je den Ruhm der einheimischen Geschick- lichkeit und Erndungsgabe, weit über die Grenzen des Landes getragen, S8o in Pforzheim die Herstellung von Goldschmuck aller Art, die nicht weniger als 24000 S AERR re errrrrreereeereerereeeeeeeee.. õGRR eee ÄRRR˖˖RNDerreeereeereeeeeeereeeere RRRRRRN 32 RRN 70 ‚ Arbeiter in rund 880 Betrieben der Bijouteriefabrikation beschäftigt, und jährlich Ware im Werte von etwa 90 Millionen verfertigt, die zu zwei Dritteln ins Ausland 9 gehen, nach Südamerika, Spanien, England, Italien, 6 ja jetzt nach Paris, das die alte Hochschule der quweliere gewesen jist. Ebenso ist es im südlichen Schwarzwald, W5o Strohflechterei, Uhrenfabrikation, Holzschnitzerei, Kunsttöpferei in hoher Blüte stehen, dazu so manches Gewerbe, das nicht in Fabriken, sondern in der Werkstätte des Handwerkers betrieben wird. Auch für die Vervollkommnung dieser Arbeithat der Staat treue und einsichtsvolle Fürsorge gehabt. Da sind besondere Ausstellungsräume und Gewerbehallen geschaffen, wo man das Fertige studieren kann. Lange schon er- zählen Kuckucksuhren überall in der Welt vom heimlich sinnigen Leben im alemannischen Bauern— N haus. Jetzt gibt uns eine glänzende Ausstellung 2. B. in Triberg die Geschichte der Uhrenindustrie in den Tälern des Schwarzwaldes, und hundertfachesTick-tack, Wachtelschlag und Kuckucksruf berichten von dem Flor dieses Gewerbes, und genaue Besichtigung der pracht- vollen Gehäuse und Blätter zeigt uns das rastlose Streben, immer Gediegeneres und Schöneres zu schaffen. DieUhrmacherschule in Furtwangen sorgt, dass die Ausbildung in diesem Gewerbe, das über die ganze Welt ihre Waren vertreibt, nicht ermattet. Die rauschende Musik von Orchestrions in den Gewerbehallen Spricht von der fabrikmässigen Ausnützung der musikalischen Begabung, die hier im Gebirge aufgekommen ist und nun für den Bedarf der Grossstadt arbeitet. Je mehr das Gewerbe an Umfang und Wichtigkeit zugenommen hat, desto mehr hat auch die Grossh. Fegierung S Anstalten dafür geschaffen. Zu den Ausstellungs- hallen, Wo der Gewerbsmann Vorbild oder Anregung für das eigne Schaffen findet, sind Gewerbeschulen und Fortbildungsschulen mannigfacher Art gekommen, ö˖Rr rrrre rrr re ee eee 9 6 nVũĩ ũ00000hGPGETTThhhhchThhThTTThT:VTTT!TT!TT!!T!T!!T!W — 71 WO der Lehrling und Geselle alles lernen kann, was ihn in seinem Beruf weiterbringen kann. Zeichnen und Modellieren, die Gesetze der Physik, besonders der Dampfmaschinen und der elektrischen Anlagen, neue Methoden der Schlosserei und des Hausbaus kann er dort von tüchtigen Lehrern und Handwerks- meistern lernen. Der Grossherzog hat, zumal in frühei en Jahren, wochenlang die grossen Weltausstellungen be— sucht, um dort fruchtbare Idèeen für die Hebung des wirtschaftlichen Lebens der Heimat 2u erarbeiten; aber auch in den jüngsten jahren vVersäumt er selten eine Gelegenheit, sich an den Fortschritten des heimischen Ge— werbefleisses 2u freuen und den Aus— stellern ermunternden Dank und Anerkenn—- ung auszusprechen. Auch der Erbgross- herzog hat mit gleich lebendigem Anteil Solche Ausstellungen unter sein besonderes Protektorat genommen und eifrig besucht. Gleichzeitig ist die Regierung sich der Pflicht bewusst ge— Wesen, auch für das Wohl der Arbeiter und Arbeiterinnen zu Sorgen. Die Aufsicht Luftschacht über den Tunnel bei Uberlingen. R˖˖NDr˖rr eereeereereeeereeeeereee. ‚ e0 G EE — CPPCooo0G0oocCCCCCCC0C0cC0000coccoc······· 3 ‚ 6 72 hat eine Fabrikinspektion, und gerade die badische steht durch das hohe Mass WOhlwollender Einsicht in verdientem Ansehen. Schon lange ehe das Keich solche Massnahmen gefordert hat, war es für Grossherzog Friedrich eine der vornehmsten Herrscheraufgaben, über das Lebensglück der ar- beitenden Klassen treu zu wachen. Und man dark es wohl rühmen, dass die edle menschliche Gesinnung des Fürsten, auf dieAehent humanen Bie die für 838 Wohl der arbeitenden Klassen von den Fabrikanten selbst geschaffen sind, in der schönsten Weise eingewirkt hat. Nicht vergessen wollen wir die treue Ehrung, die Grossherzog und Grossherzogin den Dienstboten und Arbeitern spendet, die längere Zeit in derselben Stellung geblieben sind. Auch das unscheinbare Verdienst treuer Pflichterfüllung und stetiger Arbeits- liebe wird durch Diplom oder Ehrenkreuz belohnt. EEEE f Wissenschaft und Schulwesen. mir gelinge, meinen Sohn zu einem weisen und gerechten Fürsten zu er— riehené, sagte der Grossherzog in , einer Thronreéde, da er dem ver— — ammelten Landtag die Geburt des Erbgrossherzogs anzeigte. Indem er die geistige Ent- wickelung der eigenen Kinder mit Vateraugenbegleitete, wurde er zugleich ein Erzieher der Kinder des ganzen Volkes; was er dort für notwendig erkannte, das hat er auch im Staate angeordnet. Er Wiinschte, dass die Prinzen die gleiche Bildung erhalten Sollten, wie die übrigen Landeskinder, die einmal dem Staate ihre Kraft widmen sollten, und dass sie von Vornherein nicht abgeschlossen im Kreise des Hofes aufwachsen Sollten, sondern in fröhlichem Verkehr und in regem Wetteifer mit Altersgenossen. 80 entstand die Friedrichsschule, die einen Lehrplan hatte wie die Gymnasien und nur die modernen Sprachen nach dem Bedarf des jungen Fürsten noch meéhr betonte, undt die zugleich den fürstlichen Eltern geéstattéte, in ö ö ö ö Tch bitte Gott um Erleuchtung, dass es ö ö ö ‚ G X2 CCCCCC.C7.. S 5—————— FPFPP „ifjng̃“ J0p Ine ſe uον5so49 pun LI] S0νS S ö AERER 7 1 6—.— G= iir wer ee RRRPPPEE G öwrere erere rr eeeee. ungezwungener Weise den Eauf des Unterrichts zu begleiten. Wie lebendig ihre Teilnahme war in dem Besuch des Unteérrichts und der Schulfeierlichkeiten, ist bekannt genug. Alles was elterliche Herzen be— bewegt, indem sie das geistige und körperliche Wachstum ihrer Kinder bedenken, haben diese Eltern empfunden, und den Segen solcher Stunden hat dann das ganze Land genossen, das ihre unablässigste Arbeit an allen Bildungsanstalten erfahren hat. Seine Schulen sind der alte Stolz des badischen Landes. Was vor allem in das Auge sticht, sind seine drei Hochschulen in Heidelberg, Freiburg, Karlsruhe. Mit ihnen leistet es nicht bloss etwas Grosses für die geistige Durchbildung des eignen Volkes, das in allen Schichten die Wohltaten der rastlos weiter— forschenden Wissenschaft erfährt, es bièetet auch eine gastliche Stätte für die studierende jugend ganz Deutschlands. Altheidelberg ist das ganze Jahrhundert hindurch, seit man die unvergleichliche Romantik des blühenden Neckartals und seiner altehrwürdigen Uni- versität mit oftenem Auge zu bewundern anfing, das Keiseziel norddeutscher Wandeèrer gewesen, die hier die landschaftliche Schönheit und die frohgemute Lebenslust des Südens lieben lernten; vor allem lockte es die Studenten, die von hier sonnige Erinnerungen und begeisternde Gedanken in ihre Zukunft mitnahmen. Neben Heidelberg ist mehr und mehr Freiburg im herrlichen Breisgau getreten. Dort der Wunderbau des alten Kurfürstenschlosses, aufragend aus den mächtigen Wipfeln uralter Bäume, hier das ernste Münster mit dem schönheitverklärten, leichtauf-— strebenden, vieldurchbrochenen Turm, und so manche Erinnerung an mittelalterliches Leben, ein aufstrebendes Gemeinwesen, dort die Täler und Höhen des sagen— reichen Odenwaldes, hier die Waldespracht des Schwarzwaldes mit seinen vielen traulichen Tälern, Geeeeee EEECCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCGCCCCCCCCCCCCCc LEi 6 FEERPRRRRRRRRRRRRRRR FFERER uedulurueeh:uenuuru 1 ö 0 8 E(„„„FFFEECECCCCGWCCCC000ccccccCccccCccccccccccCccccccccccTcccccccccccccCcccccTTcCcCcccccccccc N — 18 ö 5 in denen noch soviel volkstümliche Tracht und Poesie 6 sich erhalten hat. Dazu der Ruhm der Lehrer, die an den Hochschulen gewirkt haben. Hier ist der Glanz Heidelbergs älter und mächtiger, wenn Von der Eröfinung der Gewerbe- und Industrie-Kusstellung in Bühl: Empfang des Grossherzogs und der Grossherzogin. auch die jüngere Schwester bald ähnliche Kräfte auf- weisen mag. Heidelberg beherbergte eine ganze Keihe unserer grössten Geschichtsschreiber und wahrt sich bis auf diesen Tag die grossen Uberlieferungen ̃˖rrrrr rrrr re ee eeeeee 7 seiner Vergangenheit, hier leuchtete in den 70er Jahren das Dreigestirn grosser Naturforscher, die Weltruhm gewannen, Helmholtz, der Erfinder des Augenspiegels, der die sich umwandelnden Kräfte der Natur, die Gesetze unseres Hörens und Sehens tief erfasste, die beiden Physiker Bunsen und Kirchhoff, die durch die Entdeckung der Spektralanalyse die Zusammensetzung ferner Weltkörper zu erkennen Vermochten. Grosse juristen und Kenner des Staats— rechts riefen lange besonders viele Studierende hierher, und mancher Minister Deutschlands war einmal in Heidelberg Student. In den letzten Jahren sammelte ein grosser philosophischer Lehrer, Kuno Fischer, Hunderte von Zuhörern um sich. Zu erhöhter Wichtigkeit gelangte die polytechnische Hochschule in Karlsruhe, die neben die reinwissenschaftlichen Anstalten der früheren Jahrhunderte getreten ist und mit Recht im Jahre 1902 zu Ehren unseères Gross- herzogs den Namen Friedericiana annahm. Hoch— sinnig ist er ein Förderer und Mehrer der alten Uni— Versitäten gewesen, mit deèren Gelehrten er vielfach und gern sich unterhält, zu deren Ehrenfesten er persönlich erschienen ist, aber ebenso klar hat er die Bedürfnisse der Zeit erkannt, die für ihre grossen techni— schen Aufgaben in Bauten und Maschinen einer neuen Vorbildung bedarf. Auch hier kann eine Reise durch das Land die vielen Früchte zeigen, welche die Hoch— schule zur Reife gebracht hat. Herrliche, stattliche Gebäude, welche aus Mitteln des Staates errichtet sind, tragen die Inschriften: Erbaut unter Grossherzog Friedrich. Und man mus manches Jahrhundert àu— Wandern, bis in die Zeit, da unsere Städte im Mittel- alter zum ersten Male zu KReichtum und Macht ge— langten, um wieder ähnliche stolze Bauten zu treffen. Gerade diese Werke der Architektur(von Meistern wie Hübsch, Durm, Schäfer, entworfen), Gerichts— E eeeeleeeee 2⁰ ö ö öGieeeee G 8 gebäude, Amtshäuser, Schulen, Bibliotheken, Musèen, Kirchen verkünden in beredter Sprache die Segnung einer langen Regierung, in der auch die Kunst Grosses schaffen durfte, das für viele Jahrhunderte noch dauern wird. Aber auch Werke, die nicht so ins Auge fallen, verdanken ihre Entstehung den Beamten, welche die Karlsruher Hochschule mit Kunst und Wissen aus— gestattet haben, Strassen und Brücken, Uferdämme und Hafenbauten, Wasserleitungen und Entwässerungs- kanäle, die kühnen Bahnbauten und die mächtigen Lokomotiven, von denen wir schon erzählt haben. Und doch könnte der Glanz der Hochschulen nicht entschädigen, wenn nicht das ganze Volk mit rechter Bildung erfüllt würde. Auch die Volksschulen sind-schon oft als Musterschulen gepriesen worden, auch hier aber gilt es nicht zufrieden zu sein mit dem Erreichten, sondern fort und fort voranzuschreiten mit den wachsenden Forderungen der Zeit. Deutschland kann für seine zunehmende Bevölkerung nicht neues Land genug schaffen, das es ernährt, dafür muss es seine Kinder mit Fertigkeiten und Kenntnissen aus- rüsten, damit es im Wettbewerb der Völker, auf dem Markte der Welt, wo die Waren aus allen Himmels— gegenden zusammenströmen, seinen berechtigten Platz einnimmt und mit dem Verdienst für seine Waren die Lebensmittel bezahlt. Wieviel in den 50 Jahren in Baden geschehen ist, dafür erzählt unsern Augen schon manch stattliches Schulhaus, das auch in kleinen Dörfern wie eine Zierde des ganzen Ortes dasteht. Das alte Schulhaus, das irgendwo noch stehen geblieben ist, erscheint daneben wie ein dürftiger Schuppen, oder wie eine schlechte Kate. Dazu die Turn- und Spiel- plätze, auf denen heute die jugend sich frei und ver— gnüglich tummeln kann. ja in den Städten stehen die Schulen wie wahre Paläste da mit ihren geschmack- vollen Eingängen, den grossen, weiträumigen Zimmern, ÄRR˖˖ reeeeeee G öSSreS ee—— 6 ö((iieeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeee öĩ˖reerreeerr eeeee. * R·· rrr 82 öSDee r rrrreeeee Das nèeue Oberlandesgerichtsgebäude in Karlsruhie: Mittelbau. Är˖e˖errr rrrrereeeeeeeee. FERRRRRRR G ö — 83— den hohen Fenstern, den lichten Gängen, dem wohl- tuenden Farben- und Bilderschmuck, dem reichen Vorrat an Anschauungsmitteln. Was hülfe aber das beste Gebäude, wenn nicht ein rechter Lehrerstand das Ganze belebte? Tüchtige Seminare und wirk- sameè Vorbilder haben in die Schulen Männer gebracht, die es als die edelste Eebensaufgabe betrachteten, zu wirken an dem rechten Geiste der Volkserziehung. Und wieviel hat gerade hier wieder Grossherzog Friedrich gewirkt, indem er selbst sein treues Auge der Volksschule zugewendet hat und aus der Fülle seiner Weisheit Lehrer und Schüler mit dem Geiste erfüllt hat, der für selbstlose Arbeit im Dienste des Staates seine Kraft hingibt und über der täglichen Mühe die Gedanken des Ewigen nicht vergisst. Wir haben schon öfter der rastlosen Liebe gedacht, mit der die Frau Grossherzogin sich der Erziehung an— nimmt. Sie hat selbst eine besondere höhere Schule für Mädchen gegründet, das Viktoriastift, Wo sie alles überwacht und allen ihre Teilnahme zuwendet. Die Zöglinge betrachten es als ihre schönsten Stunden, WO die hohe Frau unter ihnen erschienen ist, mit ihnen an denselben Tischen gesessen hat, mit ihnen üiber ihre Lebenspläne gesprochen, mit ihnen ihre Bumen gepflegt hat. Mit Recht tragen viele Schulen des Landes den Namen„Luisenschule“, und ihre ins Einzelne gehende Mitarbeit, ermunternden ja schon ihre Blicke und anerkennende Worte, wirken oft wie der Sonnenschein auf die wachsende Saat. E ö(Niieeereeeeee eeeeeeeeeeeeee. = RRRRPRNL‚LREE ˖ ˖··.R ii — 814— eeffTf Kunst und Dichtung. ewerbe und Handel sind international; ö WO die Bodenschätze ihnen Stoffe bieten, wo die grossen Völkerstrassen iehen, dort haben sie ihre Vorzüg- lichsten Plätze. Aber eine Wurzel- 9 kraft, die aus der Seele des Volkes 6 gewinnt, ist der Kunst eigen. Doch auich sie bedarf der Sonne, damit sie reiche Blüten entfalten kann. Diese Sonne ist in der Regierung 9 des Grossherzogs Friedrich ihr mehr und mehr ge— U Worden. Reich begabt für künstlerisches Schaffen sind die Stämme des Oberrheintals, und aus alten Denkmälern, aus den Sammlungen der Musèen, wie aus der lebendigen Kunstübung des Handwerkers Spricht diese schõne Naturbegabung. Aber zu grösserer und reinerer Tätigkeit fehlte es ihr lange an einem Mittelpunkte, wie es für Bayern München ge— worden ist. Die Kurfürsten der Pfalz haben im Heidelberger Schloss eins der herrlichsten Bauwerke aller Zeiten aufgeführt, der letzte in ihrer Reihe, Karl Theodor, hat über seine Reésidenz Mannheim allen Glanz verbreitet, hat wissenschaftliche und künst- lerische Anstalten geschaffen, aber es war nur ein äusserer Schimmer, der mit seinem Scheiden wieder ‚ G N)ü.ü.........(..... E6V'ji ⁊ 0 EEERRRR ‚ verklog. Wieland, Lessing und Schiller haben hier geweilt, aber keiner hat hier festen Boden für dauernde Lebensarbeit gefunden. Die grossen Kunstsammlungen, die einst dies Kurfürstengeschlecht zusammengebracht, sind meist aus dem Lande gewandert, so blieb fast alles von neuem zu tun übrig. Höchst bescheiden waren die Anfänge; denn man hatte wenig Geld Zzu diesem Zwecke übrig. Als unser Grossherzog in Bonn studierte, besuchte er ja auch Diüsseldorf, das ihm mit seiner alten Malerschule einen tiefen Eindruck machte. Da nahm er in die Heimat den Vorsatz mit, auch für das oberrheinische Land etwas ähnliches entstehen zu lassen. So gründete er 1853 eine Schule für die bildenden Künste; von Düsseldorf berief er den namhaften Landschaftsmaler Schirmer, der bald auch für die übrigen Fächer bedeutende Lehrer Das Hoftheater in Mannheim. ÄRRRRDRNRDPrDrerreere eeeeeeeree. ö „. RN — 86— õR eeeeeeee heranzog. 1858 kam der gefeierte Meister der historischen Malerei, Kar!l Friedrich Lessing, als Direktor der Kunsthalle. Achtzehn jahre wurde die Kunstschule aus den Mitteln des Hofes unterhalten, und erst als sie ihre Der Grossherzog und die Grossherzogin bei der Enthüllung des Kaiser Friedrich-Denkmals in Cronberg. Bedeutung bewährt hatte, wurde sie ein Staatsinstitut und erhielt den Namen einer Akademie. Wie weit aber der Stifter dem Kunstleben das Ziel steckte, zeigt sein Wort:„es möge dereinst eine würdige Stelle in der K ö ̃DR˖˖˖RDr˖rrrrr r re eeeeeeeeee. ‚ ‚ 0 8. Kunstgeschichte unseres gesamten deutschen Vater— landes erringen“. Namentlich Landschaſtsmaler habenin Karlsruhe immer einen bedeutenden Kreis von Schülern versammelt, und allmählich hat die kunstsinnige Residenzꝝ eine ganze Kolonie von Malern dauernd gefesselt, und wie im Norden Worpswede, s0 hat hier das stille malerische Dorf Grötzingen einen frohgemuten Kreis schaffender Künstler aufgenommen, die in lebendigem, fruchtbarem Verkehr miteinander stehen. Namentlich seit die deutsche Malerei nicht mehr über die Alpen und in den Orient pilgert, um schöne Landschaften zu suchen, sondern die Herrlichkeit und Innerlichkeit der deutschen Heimat schildert, sind auch für Karlsruhe grosse Tage gekommen. 8So hat Schönleber, der 1880 an die Kunstschule berufen wurde, höchst segensreich gewirkt. Uberall, in Norden und Süden, hat sein Auge die malerische Natur tief empfunden, am tiefsten doch den Zauber, der um die deutschen Dörfer und Städtlein webt. Das rauschende Ried und das rauschende Kornfeld, ein stiller, glücklicher Winkel am Dorfbach, ein Weg am Waldrand, die Stimmung unsres Himmels, ob bei leuchtenden Sonnenschein oder in aufziehenden Regenwolken, und die ganze Poesie, die in Deutschland auf solchen Wegen gefangen ist, ist den Künstlern aufgegangen. Schönleber, der Landschaftsmaler, zog seinen Freund und Schwager, den Tiermaler Baisch,(gest. 1894) nach Karlsruhe. Das vereinte Arbeiten und Lehren ist ungewöhnlich erfolgreich gewesen und ein grosser Kreis voranstrebender, begeisterter Schüler haben sich um die Meister geschart, 2z. B. Kallmorgen, Ravenstein, Hans von Volkmann, Biese. Von diesem Künstlerbund ging auch ein Unternehmen aus, das neben die grossen Glgemälde der Staffeleibilder mit den Mitteln des Stein- druckes billige Kunstblätter zum Massenvertrieb her— gestellt und s0 in die Linderstube, wie in öwr˖eee ereeeeerrer. ö ö U ECCCEPCcCcC0GCGCCCCCCCCCCCCCcC··· RNN N Die Grossherzogliche Familie verl üsst die Internationale Kunst-Ausstellung in Karlsruhe. .......·· —— 89 öGee Weitere Kreise des Volkes die beglückende Freude an den Offenbarungen der Natur trägt. Als Lehrer der Portrait- und Historienmalerei wirkt seit 36 Jahren Professor Ferdinand Keller, der eine lange Reihe von Schülern in seiner grossen Auffassung erzogen hat. Nicht leicht war es, im Anfang die Künstler in Karlsruhe festzuhalten, wo der Boden noch nicht für die Auf— nahme solcher Arbeit bereitet war; die Huld und liebevolle Teilnahme des Grossherzogs hat manchen gebunden, der sonst sein Atelier lieber nach einem grösseren Platze verlegt hätte. 80 hat er Zzuletzt zwei badische Künstler nach Karlsruhe gezogen, die früher in Frankfurt am Main und in den Orten der Taunuslandschaft sich niedergelassen hatten, den Heidelberger Wilhelm Trübner und den rechten Sohn eines Schwarzwalddorfes, Hans Thoma, die beide zu den Grossen der Kunst zählen. Der erstere hat in manchen seiner Schöpfungen eine Leuchtkraft des Lichts und der Farbe, die bisher in Deutschland nicht erreicht war; der Name von Hans Thoma aber nimmt nach manchem Urteil die erste Stelle unter den deutschen Malern der Gegenwart ein. Die künstlerische Begabung, die in seiner Familie fast erblich war, wuchs in ihm zu höchster Kraft. Die Mutter war die Tochter eines Uhrmachers, der mit Eifer Musik betrieb und ein grosses Talent als Erzähler besass. Das beste, was Thoma in sich trägt, sind die Bilder und die Em- pfindungen der Heimat. Ihn hat die Huld des Fürsten auch in die erste Kammer der Stände berufen, um der Kunst einen Beweis von seiner Hochachtung zu geben; der Künstler soll neben dem Gelehrten und Fabrikanten in der Körperschaft sitzen, welche die grössten Interessen des Landes darstellen Soll. Sol- chen Künstlern des eigenen Landes hat eben der Fürst eine Stätte in Karlsruhe bereitet. Dazu gehört dann das Kunstgewerbe, das in der ÄR RRDRDDNDrereererereereeererererreere „q„üC.. fessor Hans Thoma. O — — 91 neueren Zeit, da man wieder begonnen hat, auch dem Gerät des Alltags eine schöne Form zu geben, besonders kraftvol sich ausgebildet hat. Wie viel An- regung ist nicht von einem Meister wie Professor Götz und hèeute von Professor Hoffacker ausgegangen, den hochverdienten Direktoren der Kunstgewerbe— schule. Wir erinnern nur an die Grossherzogliche Majolikafabrik in Karlsruhe, die in kleinerem Masse und in moderner Weise an die Seite der berühmten Porzellanfabriken tritt. So vieles war auf allen Ge- bieten der Kunst im Laufe der Jahre gestiftet, dass man es wagen konnte, eine internationale Kunst— ausstellung zum 50jährigen Regierungsjubiläum 1902 zu eröffnen, welche das Auge der ganzen gebildeten Welt auf sich lenkte und ein beredtes Zeugnis von dem Aufschwunge des Kunstschaffens und Kunstlebens in Baden gab. Auch für Musik und Schauspielkunst geschahen gleich im Anfang Schritte, die auf eine grosse Zukunft hinwiesen. An das Theater wurde Eduard Devrient berufen, der in einer Schrift: „Das Nationaltheater des neuen Deutschland“, Leit— sätze für die Veredlung der Bühne aufgestellt hatte. In achtzehnjährigem Walten hat der Künstler, der von Herzen dem Fürsten zugetan war, die Karlsruher Hofbühne, zu einer Hochschule edlen Geschmacks gemacht, und seine Nachfolger haben diesen Ruf zu bewahren verstanden. Für die Aufführungen der Musikdramen Richard Wagners leistete Mottl Muster— giltiges, er, der lange der Versuchung widerstand, einem glänzenden Rufe nach auswärts zu folgen. Und endlich wollen wir die Dichter nicht vergessen, welche in dieser Zeit gerade das Eigenartige des oberrheinischen Landes und Lebens in seiner Herr— lichkeit besungen haben. Allen voran steht uns Joseph Viktor von Scheffel, der Altheidelberg das Feine, wie Säckingen und Waldshut am Oberrhein, R — IN RRD — RR RR RN NN e. 5 Plakette zur Goldenen RegierungsJubelfeier des Grossherzogs schmückend. Cm Hintergrund die Burg Lähringen.) Modelliert von Prof. Rud. edrich von Baden: Badenia, den Grossherzog mit Lorbeer Mayer in Karlsruhe. RRR — 933 die Insel Reichenau und die Stätten der benachbarten Schweiz mit ursprünglicher Gewalt im Liede gefeiert hat. Die Tannen des Schwarzwaldes, die Wogen des Bodensees, die herbkräftige Luft der nahen Alpen leben in den grossartigen Naturbildern seiner Dichtungen. Und nur weil er die Alemannen der Gegenwart mit warmfühlendem Dichterherzen so treu— lich verstand, wusste er auch so herzerquickende Bilder aus der Vergangenheit des Volkes zu geben. Seliloss Schönau bei Säckingen. Dem fröhlichen Humor Scheffels stand Eichrodt nahe. Die volkstümliche Erzählerkunst aber, die von je in der Heimat Peter Hebels, des Verfassers des rheini- schen Schatzkästleins zu Hause war, ist fort und fort gehittet und weiter vererbt worden. Wir nennen nur die Namen der katholischen Geistlichen Alban Stolz und Heinrich Hansjakob von Haslach, der evangelischen Frommel und Schmitthenner und der anmutigen Er- zählerin aus Karlsruhe, Hermine Villinger, dazu den Kalendermann, den Lahrer Hinkenden Boten, ERR G ECoooooo0PGCCCCccCcCcooooooocccccc· R NE Büreklin. Von lyrischen Dichtern ragten iiber das gewöhnliche Mass hervor Gessler und der noch lebende, noch immer schaffensfrohe Vierordt. Wir haben es als etwas Grosses und Schönes empfunden, dass die 00 öGi reeee 5 Kunst jetzt mehr und mehr eine Volkskunst, éine Heimatkunst geworden ist, dass man den künstlerischen Sinn, der in der Anlage und im Schmuck des ale- mannischen Hauses, in dem Zierat alter hölzerner Stühle oder in den Formen heimischer Töpferkunst sich ausgesprochen hat, jetzt nicht gering beiseite lässt. Dahin gehört auch die Pflege der farbig heiteren Volkstrachten, ohne die wir uns die lieben Täler des Schwarzwaldes gar nicht denken können, und die Erhaltung so manches alten Baudenkmals oder einer reizenden Landschaft, die der moderne Fabrikbetrieb Vielleicht zu stören droht. CCCC.... 9 — 92 2 ÄRRD˖D˖DDr˖errereeereeereeeeeeeeereeree ÄR˖fRr Nr reeeeeee F˖Rr drNree rr e. W NDee ο Die Residenz des Grossherzogs in Karlsruhe. ö ö ‚ ‚ ‚ Ꝙn d............ ⁵ↄ Oranzuschreiten mit grossem und gu— tem Entschluss ist ein Anrecht des erlauchten Zähringerthauses“ sagte der deutsche Kronprinz, der spätere Kaiser Friedrich, beim Festmahl der Universität Heidelberg am 4. Au- gust 1886, als er der hohen Verdienste des Gross— herzogs um die deutsche Einigung und die Erneue- rung des deutschen Kaisertums gedachte. Und in gleicher Weise hat unser jetziger Kaiser in feierlicher Stunde zu Karlsruhe den weisen Oheim als die Ver— körperung des Reichsgedankens gefeiert. Die gleiche Uberzeugung Sprach in begeisterten und dankbaren Worten die ganze Vertretung des Volkes seinem Fürsten aus Dez. 1870):„Das badische Volk, das ganze deutsche Volk weiss es und wird es unver- gessen in dankbarem Gemüte bezeugen, dass unter allen seinen Patrioten keiner hochsinniger, keiner mehr von treuer Liebe zum Vaterland beseèelt, keiner mit reinerem Herzen die Einigung Deutschlands erstrebt und ihren Aufbau befördert und vollzogen hat, als Badens Fürst.“ So steht sein Bild fest und ehern in unserer Geschichte, hier lebt er fort als der unermüd- liche Vorkämpfer des deutschen Kaisertums, sein ůR˖R reeerrre rereeeeee. RRRRR RRR ERR, — 98— Wahrhaft berufener Herold im Schlosse zu Versailles 1871, der Erzieher zu wahrem Deutschtum, der ge— treue Eckart, dessen Stimme sich immer mahnend und warnend erhob, wenn gefahrvolle Stürme in den Lüften drohten, der ernste und weise Mitarbeiter am Ausbau des Reichs, der noch heute jeden Schritt vor— wärts mit seiner Teilnahme begleitet, der im Südwesten des Reichs das Schwert in seiner Hut hält und die ins Weltmeer fahrenden Kriegsschiffe segnet. Wir haben schon erzählt, wie die Begeisterung des Knaben von den Liedern geweckt wurde, die im grossen Befreiungskriege 1813 gedichtet wurden, wie er im Jahre 1848 die Erfüllung dieser Träume mit 80 manchen jugendlich schwärmenden Gemütern gehofft hat, wie herbe Entäuschungen er dann erleben musste, wie aber solche Erlebnisse diesen hoffenden Jugend- mut nicht erschüttert haben. Er nahm vielmehr seine Hoffnungen mit hinüber in die trübe Zeit, eee ee ee en stalt des späteren Kaiser Wilhelm auf, und stärkte sich in neuen Plänen mit verwandten Männern fürst— lichen Stammes, mit dem Bruder seiner hohen Gemahlin, und mit dem Herzog Ernst von Koburg— Gotha, seinem Schwager, der auch in den folgenden Jahrzehnten oft an der Spitze der Kämpfer für Kaiser und Reileh zu finden war Lunächst freilich konnte man nur Entsagung üben, seit Friedrich Wilhelm IV. von Preussen es abgelehnt hatte, die deèutsche Kaiserkrone aus den Händen der Abge— ordneéten anzunehmen, in der Uberzeugung,„nur auf dem Schlachtfelde könne sie gewonnen werden,“ und seit seine eignen Pläne, eine engere Vereinigung deutscher Staaten doch zu schaffen, ins Nichts ver- lieten. Gsterreich, das in der Zwischenzeit die em- pörten Nationen, Böhmen, Itatiener, Ungarn unterworfen und den schwer erschütterten Staat wieder zusammen— H DDD˖˖Dr˖frrrrr rrerrere. öDD ee e ee eeeeeeeeeee 900 ö(iieeeeeee gekittet hatte, trat aufs neue in den deutschen Bund ein, und Preussen unterwarf sich seinen Wünschen, der König wollte das Schwert nicht ziehen, um den alten Streit zwischen Preussen und Gsterreich mit Gewalt Zu enden. Gsterreich aber sah mit Misstrauen die ganze deutsche Bewegung des Jahres 1848 an, die dahin geführt hatte, den alten Kaiserstaat, der freilich so viele nicht— Prinz Karl von Baden. deutsche Völker unter seinem Zepter mitvereinte, aus dem deutschen Feiche hinauszudrängen, und sein leitender Staatsmann sagte ungeschminkt:„Sprechen wir nicht von Deutschland, es existtert nichté“. Exi- stieren sollte nur der lockere deutsche Bund, der daheim noch nie etwas Gutes und Grosses geleistet hatte und draussen etwa soviel„galt wie Neusèeländer“, R RR˖˖RDr˖erreereererreeeeeee. GO N RRRY¶¶ ¶˖D¶ů¶· ů·RRRRRRN e 10%% FPPP Schwierig war die Lage für den Lenker des Mittel- staates Badens, der erst eine so Sschwere innere Krankheit durchgemacht hatte. Es war ihm unmöglich, in dem Gegensatze der deutschen Grossmächte mit Ent— schiedenheit einseitig Partei zu ergreifen, er musste mit beiden in Frieden leben und konnte nur darauf arbeiten, in der jetzigen Lage diesen Frieden möglichst allgemein zu machen. Der junge Prinz hatte selbst schon mit Kaiser Franz Joseph ein freundliches Ver— hältnis hergestellt. Der eine seiner Brüder, der Prinz Karl, trat später in ein österreichisches Regiment, während der ältere Prinz Wilhelm in Potsdam zum preussischen Heere in engere Beziehung kam. Hüten musste man sich vor französischer Arglist, die so gern jede Schwäche Deutschlands zu seinem Vorteil aus— beutete. Wie musste es den deutschen Sinn des jungen Fürsten mit Unmut erfüllen, wenn er jenseit des Rheins, auf den Türmen Strassburgs die französische Trikolore flattern sah und allsommerlich französische Pioniere unter deutschen Augen ihre Schiffsbrücken über den deutschen Strom schlugen— zur Vorübung für den Krieg, damit ja niemand vergesse, dass Strass- burg das stets offene Ausfallstor sei, aus dem jeder- zeit französische Scharen hervorbrechen konnten, um deutsches Land zu überschwemmen. Schon 1854 erklärte der Grossherzog im Landtag, unausgesetzt für Deutschlands Einigung wirken zu wollen. Wer damals erlebte, wie der deèutsche Bund, die Ver- einigung unseres so waffenstarken Volkes, nichts galt im Kate der Völker, wie er bei allen grossen europäischen Fragen nicht beachtet wurde, als wäre er ein Nichts, 6 dem musste freilich immer die Mahnung an das Herz pochen: Macht Deutschland einig und stark. Einst— weilen trat aufs neue der feindliche Gegensatz zwischen Gsterreich und Preussen hervor, und was kleinere H — 101— G Staaten für das Ganze schaffen wollten ohne die Grossmächte, war von vorherein nicht lebensfähig. Erst ein Jahrzehnt nach dem Jahre der Revolution ging wieder ein stärkerer Zug der nationalen Bewegung durch Deutschland. 1859 brach der italienische Krieg aus, in dem Gsterreich seinen Besitz in der Po-Ebene gegen den König von Sardinien und Kaiser Napoleon IIl. verteidigen musste. In Süddeutschland glaubte man, der kKhein sei jetzt zu schützen am Po; ein Sieg Napoleons hier stärke seine Macht auch am Phein. Man wollte die alte Herrscherstellung Deutschlands, am Südfusse der Alpen und über den Norden des adriatischen Meers, um die einst die hohenstaufischen Kaiser gerungen hatten, nicht preisgeben. Der Prinz von Preussen, der für seinen erkrankten Bruder die Re- gierung war zur Waffenhilfe an Gsterreich 9 bereit, aber er verlangte, die Führung der deutschen 6 Truppen sollte Preussen in diesem Kriege Zzufallen. Darin wollte Gsterreichs Kaiser nicht einwilligen, lieber gab er den grössten Teil der lombardischen Städte dahin. So mussten die neu eingestellten ba— dischen Offiziere meist ins bürgerliche Leben zurück- treten. Immerhin brachten die kriegerischen Gedanken frische Bewegung in das Leben, der nationale Ge— danke wurde stärker und stärker, er hat noch im Jahre 1859 bei der 100jährigen Feier von Schillers Geburtstag einen mächtigen Ausdruck voll glühender Kraft au hoffen gefunden. Unter diesen Hoffenden befand sich auch unser Grossherzog, und er schuf in diesem Jahre einem seiner jugendideale, dem Philosophen Fichte, eine Stiftung. Alljährlich sollte am Karlsruher ein Kedewettkampf älterer Schüler statt— finden, die sich wie einst der Philosoph vertiefen sollten in deutsche Geschichte und lernen sollten, das Wort S0 zu beherrschen, wie es für unser grosses öffent— liches Leben unentbehrlich ist. Dagegen ging er klar G RRRN e — , ö öGRRNNeeeee eeeeeeee FERRRRRRRRRR und besonnen den ohnmächtigen Versuchen aus dem Wege, die von Dresden oder Stuttgart ausgingen, Preussen zu demütigen und nebenbei allerlei für die deutsche Einheit zu erreichen. In dem Anfang der 60 er Jahre war zunächst genug im Lande selbst 2u tun, um dem Staate diejenigen Einrichtungen zu geben, welche dem freieren Leben der Neuzeit entsprachen; aus dem Erfolg dieser Arbeit erwuchs dem Grossherzog unverzagter Mut, auch für das grosse Werk der Ei- nigung rastlos zu ringen. Dazu gehörte die festeste Uberzeugung; denn der Verfassungskampf in Preussen und die ersten Regierungshandlungen Bismarcks, der 1862 von König Wilhelm als leitender Minister berufen worden war, erregten in Süddeutsch- land grosse Missstimmung und Abneigung gegen Preussen, von dem man nichts Gutes und nichts Grosses zu hoffen wagte. 1863 berief der österreichische Kaiser Franz Joseph einen Kongress der deutschen Fürsten nach Frankfurt am Main, um dem deutschen Bund eine andere Form zu geben. Tiefer blickende Staatsmänner erkannten, dass es nur darauf abge- sehen sei, die deutschen Heere zu verpflichten, zu- kiüinftig für den Schutz des österreichischen Staates mit seinen vielen nichtdeutschen Ländern einzutreten, dass man aber dem deutschen Volke nicht die ersehnte Einigung biete, sondern„statt des Brotes nur einen Steiné“, dass endlich die Lage ausgenutzt werden Solle, um Preussen in eine gewisse Abhängigkeit von Gsterreich zu bringen. Grossherzog Friedrich lehnte unerschütterlich jede Reform des Bundes ab, an welcher nicht Preussen sein Anteil gewahrt werde. S80 schied die glänzende Versammlung ohne Ergebnis, weil der preussische König, trotzdem König johann von Sachsen persönlich in Baden erschien, um ihn ein- zuladen, nicht nach Frankfurt ging, weil er nicht noch einmal das österreichische Joch sich auferlegen wollte. FPFPFPPPPR ‚ RrRDRRreHeeeeeee RRRRPRRSPrPSPr SS SRRNSSRRSSDo G FFR ‚RARRAÆÆ ˖ YYQQf e Yꝓ RYQ QYYQ QYÆYQÆ QYQ YYYQÆ Y Y Y Æ, — 103— Inmitten dieses Ringens trat vor die Nation eine ernste Aufgabe, aus der allmählich die grossen Er- rungenschaften der Jahre bis 1871 hervorgegangen sind. Es galt 1863 den holsteinischen„Bruderstamm, E.C... 2 Denkmal von Düppel. lange geprüft und bewährt in vielen Leiden“, wie der Grossherzog sagte, frei zu machen von dänischer Gewalt. Des Grossherzogs Worte fanden mächtigen Widerhall in den Herzen aller Badenser, aber die Be- öwreeeee wee eee eeee. freiung der Elbherzogtümer war schliesslich das ge— meinsame Werk Osterreichs und Preussens, das beim Düppeler Sturme und bei dem Ubergange nach Alsen jungen Waffenruhm sich erwarb. Es ist be— kannt genug, wie an diesem gemeinsamen Waffengang der Krieg 1866 sich anschloss, der mit Blut und Eisen die deutsche Frage löste. Den Grossherzog zogen verwandschaftliche Bande und staatsmännische Einsicht auf die Seite Preussens, indessen im Volke teilte man seine Uberzeugungen nur wenig, noch sah man in Preussen den Störenfried deutscher Ruhe. Schweren Herzens, aber getreu seiner Auffassung von den Pflichten der Verfassung, musste er seine Truppen gegen Preussen marschieren lassen. Die Entscheidung fiel bald auf dem böhmischen Kriegsschauplatz, und rascher Friedensschluss ersparte dem Lande die Schmerzen längeren Streitens. Man hoffte in deut- schen Landen, der Bruderkrieg werde der letzte Akt der Feindseligkeiten, der Beginn eines starken Reiches sein. Aber der Wunsch, nun alle deutschen Staaten ausser Osterreich in einen festen Bund zusammen— zuschliessen, wurde nicht erfüllt, auch Bismarck konnte dies schöne Ziel nicht gewinnen. Also sollte ferner die Mainlinie Nord und Süd trennen, zur Freude der Nach- barn im Osten und Westen. Es war ein Zustand, der unsäglichen Jammer in sich schloss, und verzweifelte Stimmung mochte wohl über die deutsch gesinnten Männer des Südens kommen, zumal in Baden, wo man jenseit der Grenze die beutelüsternen Franzosen sah. Uber diesen Zustand hinauszukommen, war das ernsteste Streben des Grossherzogs, zu einer Zeit, wo im Süden unseres Vaterlandes verblendete Leiden— schait sich oft in gehässigen Ausbrüchen kundgab und aus einer engeren Verbindung mit Preussen das schlimmste Unglück prophezeite. Da hat kein Mann in Deutschland soviel dazu beigetragen, die ˖Rrerreeerrrrrreeeeeee. — 105— SRD˖Rr DweS Mainlinie zu überbrücken, wie unser Fürst. Der preu— ssische General von Beyer erhielt von ihm die Aufgabe, das badische Heer nach dem Muster des preussischen zu bewaffnen und auszubilden, damit in einem neuen Kampfe Baden und Preussen wie Glieder eines Heer— körpers zusammenstehen könnten. Die Erfolge des RRD — RSRRRYYÆ Y——Y—ᷓ———⏑ffffLC ᷓᷓY——Ce Y—f e e P—...————.—rSnrnrnr. Kriegsminister v. Roon. vier Jahre später ausbrechenden Krieges zeigten, wie glänzend und glücklich diese Arbeit getan worden ist. Um aus der Vereinsamung herauszukommen, wünschte Baden den Eintritt in den Nordbund, der das Ergebnis des Jahres 186 gewesen war; aber Bismarck konnte diesen natürlichen Wunsch des einen süddeutschen EPEEERR GSRRRreee GRRNeeee ο ö G EERRRR „100U Staates nicht zugestehen, um nicht einen drohenden Krieg heraufzubeschwören. Dieser kam aber doch, der Krieg von 1870, durch die Vermessenheit der Franzosen, und er brachte Deutschland den glücklichen Tag, wo es seine Stämme wieder vereinen und mit der Kaiserkrone sich schmücken konnte. Zunächstversuchte Frankreich noch einmal den alten Lockruf, man gab Vor, man wolle die süddeutschen Staaten in ihrer Freiheit gegen norddeutsche Eroberung schützen. Als aber dieser schmeichelnde Lockruf nicht verfing, kam so- fort die Drohung, man werde Baden dasselbe Schicksal bèereiten, wie einst die Pfalz es durch die Scharen Ludwigs XIV. erlitten hatte, man werde mit den Horden der afrikanischen Krieger die Züchtigung vollziehen. Aber im Grossherzogtum war man kriegsentschlossen, und voller Begeisterung ging man den Tagen der Entscheidung entgegen. Man war auch bereit, wenn es sein miisse, die Franzosen noch einmal auf deut- schem Boden 2zu empfangen. Im Schwetzinger Schloss- garten steht der Denkstein, an dem der neue, der umjubelte Führer des dritten, des südlichen deutschen Korps,„Hnser FFrite“, daämals 80 recht ein Bild germanischer Heldenkraft, von seiner Schwester, der Grossherzogin, bewegten Abschied nahm. Unter brausendem Ruf zog mit ihm Schar um Schar todesmutiger Streiter über den Rhein(am 2. August), aber es waren doch bange Stunden in den Augusttagen, bevor es zu einem Zusammenstoss mit dem Feinde kam. Wie gespannt lauschten die Leute auf den Vor— bergen des Schwarzwaldes, als drüben im Elsass Kanonendonner erscholl; wie glücklich rief man sich die Entdeckung zu, auf einem Berge wimmelte es auf einmal von funkelnden Helmen. Das mussten Deutsche sein, und das musste ein Sieg sein. Und es war ein Sieg, ein blutiger, aber ein herrlicher Sieg, der von Wörth(8. August). An demselben EEE ek 4 RRRRRRSRSSErSSSS. FPP R˖˖DDDj˖errrer rrrr erree G Kaiser Wilhelm J. mit seinen Paladinen 0 öGNiee ERRRR‚R. — 108— C Abend versammelten sich vor dem Karlsruher Schlosse Fürst und Volk, untrennbar vereint in allen grossen Stunden in Liebe und Treue, in Hoffen und Fürchten in der Welt und vor Gott, und aus erlöster Brust er— hob sich zum Sternenhimmel das Lied:„Nun danket alle Gott!“ Kein Monat später, und Napoleon war General von Werder. gefangen.„Welche Wendung durch Gottes Fügung“, rief erschüttert König Wilhelm vor Sedan. In jugend- tagen war er mit seiner Mutter über das Eis des kurischen Hafts geflüchtet, um nicht in Napoleons Hand zu fallen, und nun hielt er die letzte Armèee des Neften Napoleons, umklammert mit dem ehernen EERERERRRRR F—-E 23——— King deutscher Truppen, und der Degen des Franzosen- kaisers ruhte in seiner Hand. „Welche Wendung durch Gottes Fügung“, rief vier Wochen später der Grossherzog seinen Begleitern zu, als er in früher Morgenstunde hinüber nach Strassburg ritt. Die uralten Alleebäume lagen auf der Landstrasse, über zerschossenen Wällen hob sich das herrliche Münster empor, unversehrt, nur das oberste Kreuz ein wenig schief, da es von einer Granate geèstreift war. Nicht weit davon rauschte der Khein, unter dem gesprengten Brückenkopf des badischen Kehl. Und das war jetzt wieder deutsch, deutsch der Rhein und deutsch das Münster, und gebrochen die Jwingburg Ludwigs XIV., an der schon ein sehr ruhm— reicher Markgraf des Hauses, der Türkenlouis, geklagt U rr hatte:„Bleibet also kein reéchtschaffener Friede, bis dass Strassburg wiederum unter deutscher Botmässig- keit sein wird“(1606). Unter den Kanonen Strass- burgs war es besonders den angrenzenden Badensern oft schwer geworden, so deutsch zu reden und zu handeln, wie siè deutsch gedacht hatten. Und jetzt in Wahrheit, welch' eine Wendung durch Gottes Fügung. Der Grossherzog aber zeigte menschlich edle Fürsorge den Besiegten, wie schon die aus der Festung Vertriebenen Greise und Kinder und Kranken seine Menschenliebe gespürt hatten. Und einige Tage nach dem Fürsten erschien auch seine hohe Gemahlin mit dem Erbgrossherzog; ihr Besuch galt den Lazaretten und Spitälern, und sie hat ihr schönstes Amt geübt, So0 manche Wunde zu heilen, so manche Träne Zzu trocknen. Das war die Kache für die französischen Drohungen im Juli. Die badischen Truppen, die in stiller Arbeit Strass- burg wieder heimgebracht hatten, zeigten auch ferner, dass sie das Vertrauen ihres Fürsten verdienten, dass sie zu den Tapfersten im deutschen Heere gehörten. ‚ G C0·o···· ···¶···ů···· RRRE‚‚RRRRRRR öieeeleeeeeeeeeee. Enthüllung des Prinz Wilhelm-Denkmals durch den Grossherzog in Karlsruhe am 18. Oktober. r˖Nerre reeeee. ö ü EFER — 111— GSDSS ‚ 4 Sie säuberten die Vogesen und drangen bis Burgund vor; in den Gefechten bei Dijon, und namentlich in dem glänzenden Gefecht bei Nuits am 18. Dezember, dessen Andenken noch heute mit stolzem Rechte ge- feiert wird, zeigten sie eine Tapferkeit, alten Ruhmes würdig. Bei Nuits ward auch des Grossherzogs Bruder Prinz Wilhelm, der als Brigadekommandeur mit in den Krieg gezogen war, verwundet. Den höchsten Gefechte an der Lisaine: Am Eisenbahndamm von Bethoncourt. Ruhm brachte ihnen die letzte Schlacht des Krieges; drei Tage,(15. bis 17. Januar 1871), in Eis und Schnee stehend, hielten sie unter Führung des General Werder an der Lisaine den überlegenen Scharen von Süden herandrängender Feinde stand, treu ihrem Rufe:„Wir lassen keinen durch“, d. h. keinen durchbrechen 2ur deutschen Grenze, zum Heimatlande.„Es war eine der grössten Waffentaten aller Zeiten“, so sagte ihnen das Dankeswort des obersten Kriegsherrn. Mit diesen EERRRR GSRRSRRRAESSee DDRNR. * ·/· ··· · ·. 0 V 5 8 8 8 * f ˙ 9 4 + — 2 2 8 N — RRR 3*3 —————————— Feife für das deutsche Volk gekommen.„Wir ver— danken dies wesentlich dem Grossherzog von Baden, der unausgesetzt tätig gewesen“, So schrieb im Dezember der Kronprinz des neuen Reiches in gleichem Dankesgefühl in sein Tagesbuch. Es war kein leichtes Stück gewesen, die deutschen Stämme zu einer Einheit zusammenzufassen, auch, nach dem Osterreich ausgeschieden. Uber manche Schwierig- keit half wohl die geschickte und im Herzen 50 patriotische Kunst der Verhandlung hinweg, die Bis— Gefechte an der Lisaine: Batterien von La grange Dame. marck übte. Aber all das hätte kaum zum Ziele ge- führt, wenn nicht mit Selbstlosigkeit und opferwilliger Entschlossenheit der Grossherzog vorangegangen wäre und immer wieder zwischen den viderstrebenden Männern vermittelt hätte. Die Schwäche des alten Kaisertums war der Grund für die Erniedrigung Deutschlands gewesen, für das Ganze war schädlich gewesen die unbeschränkte Landeshoheit der ein— zelnen Fürsten. Da gab unser Fürst die glänzendsten seiner Rechte dahin, um Kaiser und Reich stark 2Zu machen. Er verzichtete auf die Vertretung Badens unvergleichlichen Kämpfen war auch die Zeit der — 113— I..ũ S FFPFPFP X* e A ⏑⏑,= E ÄR ˖˖D˖r˖rrreerrrrrreeeeeeeeeeeeeeeee G Die Kaiserproklamation zu Versailles am 18 Januar 1871. FERR I R˖ wr rrr eee eee S im Auslande durch besondere Gesandte, auf die 6 Militärhoheit, auf die volle Selbständigkeit der Ver— kehrsanstalten, er wies dem Reiche grosse Aufgaben und Fechte zu, und 8o zog er die Widerstrebenden mit seinen Gedanken zu sich herüber. Als darum im Schlosse der Bourbonen 2zu Versailles am 18. Januar 1871 verkündet wurde, dass es wieder einen Kaiser gebe, den Schirmer deutscher Erde und deutscher Ehre, da stand neben dem greisen Kaiser Wilhelm aus dem Geschleèchte der Hohenzollern ö der Grossherzog Friedrich, Herzog von Zähringen, und brachte ihm das erste„Hoch“ aus. Er ist seit— dem nicht müde geworden, sein Volk zu Ehrfurcht für Kaiser und Reich zu erziehen. Er hält fest die warme Liebe für die Heimat, aber damit verbindet er die Treue für das ganze Reich.„Baden und Deutschand halten wieder zusammen, darin beruht unsere Zukunft“, hat er einst gesprochen. Aus den— selben Tagen in Versailles, wo er an weltgeschicht- lichen Beratungen höchsten Anteil nahm, erzählt man einen Vorfall, der so recht zeigt, wie schlicht menschlich und männlich er sich im Leben bewegte. Kam ein Landwehrmann, der über eine frohe Nach- richt aus der Heimat erfreut, des Guten zu viel getan mochte, in schwankendem Schritt daher und steuerte unsicher dem Quartiere zu. Da fasste ihn ein Offizier unter dem Arm und geleitete ihn sicher heim, damit über den Braven nicht Spott noch Strafe komme. Dieser Offizier war unser Fürst. So menschlich einfach und so geschichtlich gross zeigte er sich auf der Höhe seines Lebens, da er nach 20jährigem Ringen Deutsch- ö lands Zukunft auf die rechte Grundlage stellte. G SWSo. ERR G öGSRDDr er er e ee — 115— Der Grossherzog in den Friedensjahren nach 1870. Die Kaiserbesuche. In der Familie. Die wechselnden Residenzen. Krankheiten und Trauer. Jubiläen. Mläckliche Jahre waren die schaffens- frohen Zeiten nach dem Kriege. Die helle Freude an Kaiser und Reich, an allem Grossen, was nun geordnet Wurde, um das Errungene auszubauen und festzuhalten, sprach damals aus jedem Worte des Grosshergogs, sie waren der Wieder- schein seines frohgemuten Herzens. Er stellte in sich das Muster eines deutschen Reichsfürsten dar, er empfand mit Dank, wie eine neue Kraft aus dem grossen Ganzen auch seinem Staate zuströmte und wie doch auch die Eigenart seines Volkes und seines Landes glücklich gedeihen könnte. Zu dieser frohen Stimmung trugen das Ihre bei die Besuche des Kaisers, der immer gern in das badische Land reiste, um in der herrlichen Natur nach anstrengenden Manöver— zeiten oder nach Wintertagen neue Kraft zu sammeln und der bei Schwiegersohn und Tochter-und Enkeln die liebste Erholung des Jahres fand.„Man empfängt ĩiNerreeeeeeeeeeeee. FEFE f SFFPRNRSECCECCCCCCCCCCCCGCC RNN SFPPKRAEAR······ — RFRRRRo 76 eeeee. ‚(C̃ ĩiierrreeeee Das alte Schloss Baden. GRee ‚ EERRRRRR N eer ree rrere ereereeeeeeeeeeeeeeeee. GGe ee öS D˖r rrre re e e e eee R mich wie zu Hause“, rief erstaunt der Kaiser, als ihm der jubel des badischen Volkes entgegenkam. 80 wurde diesen Gauen die ehrwürdige Gestalt seines ersten Kaisers erst wahrhaft vertraut, er schien 2u der Familie des Landes mitzugehören. Besonders in Baden-Baden und auf der Mainau war der greise Herr gern zu Gast. Die Villa Messmer, in der Kaiser Wilhelm und Kaiserin Augusta wohnten, gehört zu den europäischen Berühmtheiten, hier sind weltgeschichtliche Beschlüsse gefasst worden. Die Büsten des hohen Herrscherpaares schmücken die Anlagen der Bäderstadt, das Augustabad ist nach der Kaiserin genannt, die wie ihre Tochter, unsere Fürstin, eine Samariterin auf dem Throne war und in dem Vereine des roten Kreuzes soviel Gutes ge— stiftet hat. Wie oft hat die Lichtentaler Allee mit ihren wunderherrlich hochwipfligen Eichen-, Ahorn- und Ulmenbäumen, das Gefährt dahinsprengen sehen, das die beiden durch eine glücklich jubelnde Menge trug. Freilich nicht immer waren die Tage s0 ge— segnet, auch in dies glückliche Tal hat sich ein Frevler gewagt, der auf den künftigen Einiger Deutsch- lands die Mordwaffe richtete. Das Grossherzogspaar selbst bewohnt das alte Markgrafenschloss, das auf einemHügel thront, der wie ein Riegel sich vor das sich weiter ausbreitende Tal der Oos legt, während die älteste Burg in Ruinen ſiegt, die romantisch schön mitten im Walde ruhen und den Blick weit über Berge und Ebenen schweifen lassen. Traulich lehnen sich die Häuser des Städtleins an den Schlossberg an, und über die Dächer ragt der Turm der alten Kirche. Heute sind schöne Gartenanlagen auf der Terrasse geschaffen, die einst trutzige Befestigungen der Burg trug. Hohe Bäume, duftende Matten, südländische Pflanzen, die in dieser mildgeschützten Lage mit ur— sprünglicher Uppigkeit und Pracht gedeihen, wunder— Ä RDPPmrDrre erereerreeere —— . RRRNRRRDN — RRRDRN ů ů 5 RRRR¶¶¶·ů·ůö— 8 118 Vor dem Kurhaus in Baden-Baden. ö(Nieeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeee — 119— bar reine und würzige Luft machen diesen Park zu einem köstlichen Aufenthalt, der auch den Fremden einen Teil des Tages geéöffnet ist. Der Blick schweift über die wogenden Wipfel des Badener Tales hinauf zu den blühenden Bäumen der nächsten Hügel und zu den dunkelernsten Höhen des Schwarzwalds. Hier pflegt der Grossherzog, den keine Jjägerpassion in den Wald treibt, der aber eine tiefe Freude an der stillwaltenden Natur hat, meist von Anfang Juni bis Baden-Baden. das goldene Licht der Sonne einen unendlichen Farben- zauber über dies Tal ergiesst, zurückzukehren. Von Ende September oder Anfang Oktober weilt das Herrscherpaar wieder hier und trennt sich Sso ungern von diesem glücklichen Winkel, von dem die Residenz- stadt Karlsruhe so leicht zu erreichen ist, dass manch- mal sogar die Weihnachtstage in den traulichen, engen Räumen dieses Schlosses gefeiert wurden. Es hat natürlich auch Prachträume, wo reichgeschnitztes Mitte juli zu residieren, um in den Herbsttagen, Wo EERRRRRRRRR — 5! ſſ O RRRRRR- ERRR 2 ꝓ?’ttd RR ‚G RDRPe ee 12h Getäfel Wand und Decke schmückt und goldene Ver- zierung fürstlichen Glanz verbreitet. Die stattliche Keihe der Ahnenbilder gibt den Sälen ihre geschicht- liche Würde; manches huldigende Geschenk der Stände und Städte, dargebracht bei den ſubiläen, zeigt die hohe Kunstleistung heimischer Industrie; lateinische Wahrsprüche, die von den Wänden ihre Mahnung sprechen, verkünden einen hohen Sinn, sie erinnern oft an das Vaterland, die stolze Freude am Ruhme der Ahnen, an fürstliche Pflicht Erinceps ̃R̃˖Nr ˖rrrree ree e eeeeee. ̃R˖Rr˖rre e rre EERRRRR civium exemplar, der Fürst sei ein Musterbild der Bürger), an massvolle Weisheit und hoffnungstarkes Gottvertrauen. Die Räume aber, in denen das Fürsten- 0 EERRRR 3 Uberlingen. paar sich gewöhnlich aufhält, verraten die liebevolle Pietät und treues Gedenken. Auch hier ist so manche wertgehaltene Erinnerung an den ersten Kaiser und 4 D˖˖ RNDr Neereereeeerereeeeeeeeeeee. RRNRRR RRFRC 12 ̃R PSDr e rrr er die erste Kaiserin, an die jugendspiele der Kinder, an die Genossen und Freunde lang hingeschwundener Zeit. In dem Betzimmer der Grossherzogin finden wir ein Marmorrelief, das den entschlafenen grossen Kaiser darstellt, wie Engel seine müde Gestalt himmel- ERRR Der Grossherzog auf der Rennbahn. wärts tragen, und noch so manche andere ergreifende Erinnerung an das Leiden und Scheiden schon ver— klärter Menschen, wodurch die Seele zur Stille und Andacht gesammelt wird. Ein Leben der Pflicht vollzieht sich für das Herrscherpaar in diesem Schlosse, während drunten im Tale so viele Menschen sich drängen, die nur der Genuss in diese üppig schwellende Natur führt. Um 6 Uhr erhebt sich der Fürst und noch die Mitternachtstunde sieht ihn oft bei der Er— ledigung der Regierungsgeschäfte, der er die grösste Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit zuwendet. Und rast- los bemüht ist ebenso die Fürstin.„Sie ist die Frau im Schloss die sich am meisten plagté“, wie einmal verwundert eine Frau vom Lande ausrief. Im Herbste, wenn die grossen Rennenin Jeffezheimbei Baden-Baden abgehalten werden, übt der Grossherzog die fürstliche Gastfreundschaft gegen die zahlreichen fürstlichen Herren, die dorthin eilen, um den aufregenden Wett— lauf der besten Pferde aus allen europäischen Ländern mit anzusehen. Es gilt hier nicht bloss die Besich— tigung eines unterhaltenden Sportvergnügens, sondern auch die Pflege guter Pferdezucht. Im juli aber, wenn heéiss die Sonne in den Talkessel von Baden niederbrennt, rüstet sich das grossherzogliche Paar zur Fahrt nach dem lachenden Gestade des blauen Bodensee. Dort liegt in der Bucht, die von Meersburg aus sich nach Nord- westen wendet, im Uberlinger See, die gefeierte „Mainaué“, die Isola Bella des Schwäbischen Meeres. Uber den Laubkronen hochstämmig aufstrebender Bäume erhebt sich rot erglänzend das Schloss, das bis Anfang des 19. Jahrhunderts ein Sitz des Deutsch- ritterordens war und im Anfang seiner Regierung vom Grossherzog erworbenwurde. Herrliche Gartenanlagen, Saftgrüne Rasenflächen, mit denen das verschieden- jarbige Laub von Sträuchern und Bäumen und dunkle mächtige Coniferen und Cypressenarten malerisch ent- zückende Bilder geben, und vor allem die berühmte Fülle und Pracht seiner duftigen Rosen oder der tro- pischen Gewächse im sizilianischen Garten machen das Eiland zu einer Wunderstätte der schaffenden Natur. Uber die Gipfel der Nussbäume, Platanen, Ulmen, Eschen, ˖˖˖eR eereeee rreee eer reeeree eerreeere. Ge e J EFDDD··· 8 Schweift der Blick über den See, auf dem bald weisse Segel von Fischerkähnen oder die schwarzen Rauch— wolken dahinrauschender Dampfboote auftauchen, hin-— über zu den ewigen Schneefirsten der Alpen, unter denen nvujreyj ssoſülog der Säntis, der Herr dieser Gestade, besonders nahe und imposant emporragt. Vom Aussichtsturm zu Allmanns— dorf, den der Fürst mit Familie und Gefolge 80 gern auisucht, blickt er gern auf die ganze Reihe der Schneehäupter, und erfreut sich besonders der Formen 125⁵ ‚ ‚ ‚ ‚ ‚ des Tödi, die der Scheidegruss der untergehenden Sonne noch einmal aufleuchten lässt. Dies lachende Eiland hat manch stille Freude des fürstlichen Familien- idylls gesehen. Schon in Karlsruhe waren es Festtage Wenn die grossherzoglichen Eltern mit ihren Kindern recht traulich zusammen sein konnten, wenn die Schul— kameraden in das Schloss oder den Park geladen wurden, um die Ostèreèier zu suchen oder einen Ge- burtstag zu feiern. Und ein Fest war es auch, wenn es etwa nach dem Gute Stutensee ging, wo der Verwalter Auswerfen des Zuggarns durch den Segner, im Vordergrunde das Streckschiff. mit Milch und Brot aufwarten konnte und der Grossher⁊og selbst die Brote schnitt und mit Butter bestrich. Welche Lust brachten dann die Ferientage auf der Mainau: die Spiele der Kinder in Wald und Wiese, auf dem Strand und auf dem See, wenn sie jauchzend über die Heuhaufen sprangen oder sich mit Kkuder und Segel übten oder auch mit der Jagd- flinte einen Wasservogel aus der Luft holten. Die Prinzessin Victoria sah man wohl mit fester Hand ihren Ponywagen zur nahen Stadt Konstanz lenken. Und hier in der Mainau konnte sie auch einmal nach Herzenslust putzen und waschen, und da hatte sie auch eine kleine Küche, aus der sie ihren Eltern einmal mit selbstgekochten Speisen aufwarten durfte. FRRRRE EFEERRRRRRR 120 S r So harmlose Freuden des Stillebens erhöhten in der Erinnerung den seligen Reiz dieses Wald- und Insel- lebens. Doch auch der Arbeit ward hier nicht verges- sen, die Erzieher begleiteten die Prinzen auch ⁊zu ernster Beschäf- tigung, oder es Würden Vorträge gehalten oder die an historischen Denkmälern 80 reiche Umgegend gemustert, die alter- tümlichen Städte und Burgen am See, ö —— 5 3 Zeit des Mittel- Segimann Fischer der Gangfischerei) für Sturm und Wetter ausgerüstet. Vogelschirm aus Schilf und Eiskrusten, darin der lauernde Jäger. ERR F ĩͤdddddGdddddddddWW.........ũũũ — 127— aſters zurückreichen und mit dem Schleier wunder— barer Sagen umhüllt sind, besucht und das frisch- kräftige Leben der Bauern und der Fischer, die dort im Sommer die grossen Züge der Felchen fangen, mitgenossen. Der Fürst liebt es, vertraulich mit dem Volke zu verkehren und oft hat er es aus den nahen Dörkern zu Lustbarkeiten auf seine Insel geladen und die bedeutenderen Männer der ganzen Umgegend als Gäste gesehen, um in Ernst und wohl auch in Humor von den Zuständen und Wünschen des Landes 2u hören. Zu diesen Gästen gehörte auch der Dichter, der die Landschaft am Oberrhein und am Bodensee poetisch verklärt hat, Josef Victor Scheffel. Er hat für einzelne Granitblöcke, welche eine frühere Zeit der Erdgeschichte auf diese Insel geschwemmt hat, Denkverse gedichtet: „Ob Mai, ob juli und August, Mainau bedeutet Freud und Lust! O sei dir stets beschieden, 80 lang dein Giebel steht, Der Hauch von Gottesfrieden, Der heute dich umweht.“ Und so manch anderer Vers in der Kkraftvollen Weise seines Dichtens. Einer der Felsblöcke, an dem Kaiser Wilhelm J. so gern verweilte, trägt die Inschrift: Zersplittert— lose Reiser Vereinigt— Alpen gleich Heil Wilhelm, unserm Kaiser! Heil unserm deutsehen Reich! Der Zug historischer Grösse, wie er im Anblick der Hochalpen dem Gemüte sich einprägte, liegt auch in diesen Zeilen. Unvergesslich sind die Tage, da der Kaiser Wilhelm allsommerlich auf der Mainau Einkehr hielt, wenn die hohen, fürstlichen Gestalten unter den Laubgängen dämmernder grüner Linden dahinschritten, indes die Wellen drunten an der Ufermauer ihr ewiges Lied rauschten. In festlicher EEFERRR 3—— N D — 128— Huldigung erschienen dann wohl Züge aus der Um- gegend, die ihren Fürsten in freudiger Dankbarkeit sehen wollten. Bald gab es im Walde lustiges Ge- jaid und Schützenfest, bald einen Zug der Ordensherren, die vor Jahrhunderten in eisernem Wams auf der Insel geschaltet hatten. Im juli 1881 kam, da die Königin Wilhelmine von Holland und die Grossherzogin Luise von Baden im Schlosspark zu Baden-Baden. Sonne sich neigte, das buntbewimpelte„glückhafte Schiff«dahergefahren, geschmücktmit Blumengewinden und Teppichen, und aus ihm stiegen Männer und Frauen aus dem nahen Konstanz im reichen Kostüm alter Zeiten, als Ritter und Edelfrauen, als Patrizier, als Fischer und Bauern, als Sennen und Handwerker DRr˖NDYN RDrrrereerr reeeeeeeeeee. GSRRRRRNrr e⸗ S·...„VUUUUUUEUEUUUVUUUUUVUIII · · ·· ů· ·ůx· · — 129— Ge und brachten ihre Gaben, mit Versen, die Scheffel gedichtet hatte. Gondeln, die das chafte Schiff umgaben, glitten in der leise schwellenden Flut heran, und,„Leis wie der Schwan, gleitet der Kahné“, 80 stieg ihr Gesang zum Ufer empor. Ein besonderer Gruss galt einem Brautpaar, der Prinzessin Victorig, die ihre Hand dem Kronprinz von Schweden reichien wollte. In badischen und schwedischen Farben ge— schmückt brachten Jungfrauen der Stadt ihre Wünsche und Gaben und Segnungen der Zukunft. Und als die sinkende Sonne rotschimmernden Glanz über die Flutwellen goss und mit ihren Strahlen noch ein- mal die ganze Szene umfing, da mochte wohl den Menschen ein Gefühl kommen, dass nie so schöne Tage der deutschen Geschichte beschert waren wie diese, soviel auch Glanz schon in den Zeiten der ö Franken- und Staufenkaiser am See entstanden war, RRRRDR . WO die ragenden Münster zum ersten Male ihre Turm- häupter gen Himmel streckten. Hier auf der Mainau begrüsste das Grossherzogliche Paar auch ihren kaiserlichen Neffen 1888, als ein jähes Geschick unsere beiden ersten Kaiser so rasch nach einander abberufen hatte. In nächtlicher Stunde erst brachte den jungen Kaiser der Zug heran, aber von allen Ufern am Bodensee erstrahlten in rötlichem Lichte Häuser und Gärten, die Burgen, Städte und Villen, ein herrlicher Gruss der Südmark des deutschen Reichs, die schon so viel grosse Geschicke unseres Volkes in ihren Gauen gesehen hat. Nicht bloss frohe Stunden sah die Mainau, auch leidvolle Gedanken sind in die Erinnerung an sie geknüpft. In einer zartumhegten Laubnische, umrauscht von den Wellen, steht die Büste des frühgeschiedenen Prinzen Ludwig Wilhelm. Das waren traurige Tage im Frühjahr 1888, die auf einmal Grossvater, Bruder, Sohn aus dem Leben rissen. In späteren Jahren = ο ERRR 26 FEEEEECEPECCCCCooCPoCCCCCCC0o····· ···o····o·····¶··¶·¶ů··ů — 130— umgab neues Kin- derspiel das fürst- liche Paar, als die Kronprinzessin Victoria ihre Söhne Gustav Adolf, Wil- helm und Erik(geb. 1882, 1884, 1880), den Grosseltern brachte. Manches Bild zeigt uns die herzinnige Freude der Grosseltern an I N 0 I 9 Victoria, Kronprinzessin von Schweden, dem neu auf- Tochter des grossherzogl. Paares. wachsenden Ge— ö schlechte, das auch die hohen Erinnerungen an das erste Kaiserpaar des neuen deutschen Reiches in ihre bildsamen Seelen aufnehmen durfte. Hatten sich 1887 die Eltern an der Genesung des 9 0 S Schwer erkrankten Erbgrossherzogs herzlich freuen dürfen, S0 fiel schon ein Schatten über diese Freude, als man sich im August 1887 sagen musste, das Licht des kaiserlichen Lebens könne plötzlich ein- mal erlöschen. Dazu war der Kronprinz Friedrich Wilhelm Schwer erkrankt und wWeilte im Süden in San Remo, um dort in der Stille vielleicht Gene- Neffe des Grossherzogs. EER sung von seinem Halsleiden zu finden. Am 15. April war 8 der Grossherzog mit seiner Gemahlin über die Alpen gereist, um den Bruder azu sehen und zugleich den Sohn, der zur Erholung nach Cannes gereist war. Auf der Heimreise aber mussten sie erfahren, dass Prinz Ludwig erkrankt sei, und als sie am 23. Februar früh in Freiburg eintrafen, janden sie ihn schon erkaltet; Kronprinz Oskar Gustav von Schweden. eine heitige Lungenentzündung hatte seinem blühenden Leben ein allzufrühes Ende gemacht. Und mitten RRRRRC in diesem Schmerz kam die Kunde aus Berlin: der Kaiser krank. Eilig reiste das Grossherzogpaar, be- gleitet von der Kronprinzessin von Schweden, nach dem Norden und konnten noch Zeugen der letzten Stunden des grossen Helden sein. Die Grossherzogin stützte mit ihren Armen die alte Mutter, die die Hand O rr˖errrrre rrrreereeeeeeeeeeeeeeeeee. S e — 132— öSSN˖r ee ee ee des Gatten stundenlang in der ihrigen hielt. Als sie den Sterbenden fragte, ob er die Trostworte des Predigers verstanden, gab er ihr noch zur Antwort: „Es war schöné“. Schön war ja auch die viele Liebe und Sorge, die die Grossherzogin ihm in vielen Stunden Das grossherzogliche Paar mit zwei Enkelkindern. hatte bereiten können, mit der sie Seinen müden Lebens- abend so oft erquickt hatte. Und der Grossherzog war des Kaisers vertrautester Freund unter den Fürsten ge- wesen. Mit Schmer: hat der Grossherzog den Hingang S0 manches seiner Verwandten betrauern müssen, Rrreeeeee .— R N= RNNRN Ne 2— K* w˖ĩie ewrr eeeeeeeeeeeeeeeeee 800 Sip 10%h Oonag:uspeg-uspeg AAAA06 3 GrRee GO äS˖RPĩ ˖ ˖e eeeeee eeeeeeeeeeeeeeeeeeeeö Reeee ee S — 134 1890 folgte ihrem Gatten in die Ewigkeit nach die Kaiserin Augusta; dann musste der Fürst klagen um den Schwager, Herzog Ernst von Sachsen-Koburg— Gotha(1893), der ihm namentlich in den ersten Re— gierungsjahren ein treuer Mitberaterwar, die Schwestern Marie Amalie, Fürstin zu Leiningen(18990) Cäcilie, Grossfürstin Michael von Russland(1891), Alexandrine, Herzogin zu Sachsen(1904), den Bruder, PrinzenWilhelm (27. April 1897). Auch sonst sind die Leiden dem Fürstenpaare nicht erspart geblieben. 80 erkrankte 1881 der Grossherzog aàn typhösem Fieber, und fast ein jahr lang musste er die Regierung des Landes seinem Sohne anvertrauen. Der Grossherzogin hat mehr als einmal um ihre Augen bange sein müssen, aber sie sprach frommen Sinnes:„Nun, wenn mir Gott nur das innere Licht erhält“. Rührende Beweise Vertrauender Liebe haben beide in solcher Zeit von ihrem Volke erfahren: kam doch einmal eine Bauers- trau mit einem schwarzen Huhn ins Karlsruher Schloss, Weil sie geträumt hatte, eine Suppe, von diesem Huhn gekocht, werde ihren lieben Grossherzog wieder gesund machen. In solchen Stunden der Not wenden sich die Ge- danken stärker dem Ewigen zu. Und so finden wir an den Ufern der Mainau manchen frommen Spruch und Vers:„Es blickt auf Wassers weiten Reichen der Schiffer gnädig himmelan. O Herr, wenn einst die Ufer weichen, sei gnädig du dem Steuermann“. Unten im Schloss über den drei Bildern der unvergesslichen im Jahre 1888 Verstorbenen steht auf metallenem Bande das Wort:„Wir haben hier keine bleibende Statt“. Aber dürftig würde es diesen Herrschern sein, nur Worte für ihre Gedanken zu haben; sie haben die Erinnerung an den frühgeschiedenen Prinzen durch Stifſtungen festgehalten, sie stillten ihren Schmerz, indem sie fremde Tränen trockneten. In Karlsruhe öRDRD˖˖DDrD SreDe e eeeeeeeeeee. RRR re r ö(ie eee eeeeeeee. FRFRERERERERRRFRFRRRRERRRRRFRRRR S uf einA 1½ο⁰ ⁰ον,νqd̃dozieAHSss049 pun S0zο,tdé•nN RRrRRRRNeNN G SRRRRRRRRSNrm e RD˖Pĩ reeee eeee eeeeeeeeeeeeee G — 136— (ii eeeeeee begründeéten sie das Ludwig-Wilhelm-Krankenheim, in Baden das Ludwig-Wilhelm-Pflegehaus, anderer Schenkungen nicht zu gedenken. Krankheit und Erholungsbedürfnis führte die gross- herzogliche Familie auch öfters über die Grenze des Landes. In früheren Jahren haben sie Paris und London aufgesucht, um die grossen Ausstellungen zu sehen und zu mustern, ihre Reise ausgedehnt bis zu den schottischen Bergen und dem normännischen Strande, auch in Florenz und Rom längern Aufenthalt ge— nommen, am liebsten aber weilten sie doch in den Tälern des Schwarzwalds oder auch der benachbarten Schweiz, deren Berge vom Bodensee her un- widerstehlich anlocken. Zum Besuche der Tochter sind sie im Schlosse zu Stockholm Gäste gewesen. In den Tannenwäldern, die das alte Kloster St. Blasien umgeben und eine vielbesuchte Heilstätte geworden sind, verbringen sie fast regelmässig eine Zeit und er- freuen sich der reinen kräftigen Luft des Hochtals. Regelmässig nehmen sie Quartier in der Villa Schwarzwaldhaus, die sie selbst haben einweihen helfen. In die Schweiz reisen sie besonders seit den letzten Jahren im Spätsommer, hinauf ins Engadin, Wo sie in St. Moritz Einkehr halten; im Frühjahr lieben sie jetzt wohl an den Blütengestaden des Mittelmeers oder an den Ufern des Genfer Sees die milde Luft zu atmen, die nach dem rauhen Winter des Nordens jetzt so häufig von Deutschen aufgesucht wird. Uberall ist das fürstliche Paar rasch der Mittel- bunkt eines deutschen Kreises, das, wie daheim, sich an ihrem gütigen Blicke und ihrem herzlichen Worte erfreuen möchte. Beglückende Tage waren ferner die Jubiläen, die der Fürst allein oder mit seiner Gemahlin vereint feiern durfte. 1877 feierte der Grossherzog sein 25jähriges Regierungsjubiläum, es wurde das eine 1 8 rirrw rrre rere eee eee eeeeee. ö(SRN eeee uouzjseανανẽj,j sSsOIοS̃ 137 6 C(̃iir rre eeeeeeeeee des Reichs darbrachten. Die schönste Weihe erkielt - Gelegenheit, in der viele Deutsche ihm ihre Verehrung für seine hochherzige Mitwirkung bei der Begründung Alexandra, ihrer Mutter, Herzogin Thyra von Cumberland, und ihrer Grossmutter, Exkönigin Marie von Hannover. das Fest durch die Teilnahme des deèutschen Kaisers und seiner Gemahlin. Es war ein Augenblick von ergreifender Grösse, als der Kaiser in tief empfundene Rede bei der feierlichen Tafel dem Reichsfürsten Die Prinzessin Max von Baden mit ihrem Töchterchen Prinzessin Marie ̃RR˖˖rr rrr rre re eee eeeeee KKRR S seinen Dank, dem Gemahl der Tochter seine Liebe und sein Segenswort spendete, und herzlich erklang darauf die Antwort des gefeierten Herrschers, der zwei Momente des vergangenen Vierteljahrhunderts hervorhob, den einen, da der Kaiser ihm das Teuerste schenkte das er besass, Sein Kind, und damit das häusliche Glück, das ihm das Leben verschönt, bereichert, versüsst habe, und den andern, da er die neue Ordnung des Keiches mitschaffen durfte. Der 70. Geburtstag, das Die badische jubiläums-Denkmünze. IVerkleinert.] 40 jährige Regierungsjubiläum, die jubiläen des Heeres- dienstes waren immer erneuerter, ersehnter Anlass, das Familiengefühl des badischen Volkes für ihren Grossherzog zu äussern, und überall, wo Deutsche wohnen, die Freude an dem edlen Patriarchen deutscher Fürsten zu wecken, dem nun die Jahre das Haar gebleicht haben, der aber noch immer aufrecht und krättig seines Weges geht und nimmer rastet in treuer Pflichterfüllung und liebevoller Sorge. SE öP e Dre ereee eeeeereeeerereeeieeeeere — U Grossherzog Friedrich mit seiner Gemahlin Grossherzogin Louise bei seinem Eintritt in das 80. Lebensjahr. SRSRRAÆÆ.. RR—A———. F ER — 141 f0 39 eeeeee: Jubiläums-Gedicht aus dem Jahre 1892. Nun steig' aus dem Lied, das ein heimischer Mann In sonniger jugend gesungen, Und dreite, Trompeter, durch Tal und durch Tann, Von jubelnden Tönen umklungen! Weck' auf die Getreu'n von des Maines Flut Bis hin zu des Sees Gestaden, Dass sie schwingen den grünumrankten Hut Zu dem Ruf: Heil Friedrich von Baden! Was schimmert dort feucht unterm Brauenpaar Des leise zitternden Alten? Ich mein“ er hat's doch im„tollen Jahr“ Mit den Freiheitsstürmern gehalten? Doch Du hast Frieden dem Volke gebracht, Den Groll entwaffnet mit Gnaden, Ob Recht und Freiheit in Treuen gewacht: Drum Feil Dir, Friedrich von Baden! Was glänzt dort s0 licht der Begeisterung Strahl Auf des Mannes bräunlichen Wangen? Er gedenket des Kampfs im Lisaine-Tal, Und wie fürstlichen Dank er empfangen; Er gedenket des Tags, da ins fränkische Schloss Des Heeres Häupter geladen, Da des neuen Reiches Zepter entspross,— Und er jauchzt: Heil Friedrich von Baden! Ach, wie viele der Helden schon stiegen in's Grab, Die den ehernen Reigen gelenket! Auch den grossen Schweiger hat man hinab In's Schweigen des Todes gesenket. ˖P˖RRDDewemreeDeereee eeeeeeeeeeee. EF R˖E˖EEEYYEEEE ·N G EFRRR — 142— FPFPFPPR Zwei deutsche Kaiser, Dein blühender Sohn Entführt auf stygischen Pfaden: Doch wir scharen um Deinen umflorten Thron Uns enger nur, Friedrich von Baden. Still sinnet das Weib, an den Gatten geschmiegt: Fast hätt' ihn der Krieg ihr verschlungen; Doch barmherzige Liebe hat herrlich gesiegt, Sie hat ihn dem Tode entrungen. Denn es hält unermüdlieh fürsorgende Schau, Wo Wunde und Träne noch fliesse, Eine hohe, milde, gesegnete Frau: Heil Badens Fürstin Luise! Jetzt brauset ein Ruf vielstimmig und hell Aus frischem, fröhlichem Munde: Wir, Badens jugend, sind alle zur Stell' Und reichen die Hand uns zum Bunde. Wir sind ja die Erben, die Zukunft wir, Wir ernten vieljährige Saaten; Nie wankende Treue geloben vir Dir: Heih, Heil Dir, Friedrich von Baden! 8S0 wollen wir vorwärts schreiten, Die Rheinwacht halten für's deutsche Reich Und den inneren Frieden bereiten. Auf's silberne Haar den goldenen Kranz Noch setze der Herr Dir in Gnaden; Neu prangt dann die Losung in festlichem Glanz: Heil, Heil Dir, Friedrich von Badenl! D. Mehlhorn. Ein freies Volk und ein frommes zugleich, G G öRRÆ. YYοοο YYYÆο⏑ SYQ YQÆ SRQ Y Y S Y= Geee ö⁵(ie eeeeeeeeeeee. RSRRRC———— Y——⏑ꝗHf.———— Dein Heerwesen hatte der Grossherzog rückhaltlos dem deutschen Reiche anheimgestellt. Aber der Kaiser Wilhelm wünschte lehhaft, dass die militärische Erfahrung und Einsicht ——eeines Schwiegersohnes dem ganzen Feiche zugute komme. Als im Spätjahr 1877 aus dem 14. und 15. Armeekorps, also den Truppen in Baden und im Reichsland Elsass und Lothringen, die fünfte Armeeinspektion gebildet wurde, übertrug er sie dem Grossherzog; 1890 wurden drei Armee- korps seiner verantwortlichen Obhut anvertraut. Damit hatte der Herzog von Zähringen eine grössere mili- tärische Aufgabe, als je einer der Vorfahren im Herzogtum. Er gebietet über den ganzen Heerbann am Oberrhein, er ist wahrhaft der Hüter der deutschen Mark an der wichtigsten Ecke des Reichs. Mit vollster Hingebung hat er sich der neuen Aufgabe unterzogen. Er beteiligte sich regelmässig stromauf und- ab an den Feldübungen und besichtigte an den Standorten der Truppenteile Kasernen, Lazarette und Stallungen. Erfreut hat der grosse Kaiser ihm oft in wärmsten Worten seinen Dank ausgesprochen für den vortreff- lichen Zustand seiner Truppen und für die hohe Art und Weise, wie er seines Amtes waltete. Auch den Ä R οο RDYDYPYDDD errrDer rrre. IN R RNRNRREN RRNND ENNN 5 R Der Grossherzog und Graf Haeseler auf der Heimfahrt vom Manöverfeld. öR˖ere rre reeereeeeereeeeeeeeee. RRRRDRRRDNNDD FERRRR Elsässern selbst kam er auf diesen Reisen näher. Die Alemannen auf dem linken Ufer des Rheins jubelten dem Grossherzog bald ebenso zu wie die Bürger des eigenen Landes, seine schlichte Fürstengrösse und sein herzgewinnendes Wesen liessen auch die Gemüter im langentfremdeten Elsass höher schlagen. Mit welcher Pflichttreue und Rüstigkeit hat der Fürst, der schon über 70 Jahre trug, seine Aufgabe erfüllt, auch hier ein unvergleichliches Muster für jedermann, sowie es der alte Kaiser selbst gewesen war. An Regen- tagen der Manöver war er von früh bis zum Abend auf dem Pferd, gleichgiltig gegen gutes oder schlechtes Wetter, immer auf dem Posten, immer bereit, die Wehrkraft des Heeres zu erhalten. Darum zeigt ihn ein Bild zusammen mit Graf Haeseler, dem ehemaligen kommandierenden General in Metz, diesem bedürfnis- losen, hageren, kühnen, scharfäugigen Kriegsmann aus Moltkes Schule. Und wie froh jauchzte die Jugend in der schmalen Dorfstrasse:„Der Grossherzog isch dol“ Die jugend hatte allezeit ein besonderes Her für diesen Fürsten, der So strack zu Pferde sass und So leut- selig auf das Volk sah, der so heldenhaft und 80 väterlich war, wie Sonnenschein kam aus diesen blauen Augen ein freundlicher Schimmer herunter, zu den munteren Buben, den Soldaten der Zukunft. Der Grossherzog war wie kein anderer berufen, die heranwachsenden Geschlechter mit Kaisertreue, müt vaterländischem Sinne und mit echt soldatischem Geiste zu erfüllen, ein Erzieher des Volkes zu Bürger— sinn und Soldatengeist zu werden. Er hat es getan bei so mancher Gelegenheit, namentlich in den An- Ssprachen, die er an Krieger- und Militärvereine ge- halten hat, bei Einweihung von Denkmälern, die das grosse Jahr 1870/71 in der Erinnerung festhalten sollen, bei Fahnenweihen, bei den Gautagen der Militärvereine und bei ähnlichen Fällen. Da wies er . N 7¹ — . RDERNRRRRRR ◻Æ⏑ RRNNNDN SO FPPP — 146— ö¶ ii ĩ ee eeere rere. gern hin auf die grossen Vorbilder des deutschen Volkes, die stärker wirken als die blossen Worte, denn sie ziehen von selbst den jugendlichen Sinn, der etwas Grosses und Tüchtiges leisten möchte, eeeeseeeede n egdseg uur, SοννjẽssoaN 40 nach sich. Vor allem pries er den grossen Kaiser Wilhelm, der mit hohen Tugenden voranging, die jeder sich aneignen kann und aneignen soll, mit seiner rast— losen Tätigkeit im Dienste des Vaterlandes, die keine f ö EF — 147.— Zeit hatte, müde zu sein, mit seiner hingebenden Treue, mit seiner Liebe, die ihn im Leben beherrschte: dann den heldenhaften Heerführer, den hingebenden Sohn Kaiser Friedrich, dann Moltke, diesen selbst- losesten und treuesten Diener seines Vaterlandes, und die anderen grossen Männer dieser ehernen Zeit, den gewaltigen Staatsmann Bismarck, Roon, den Organisatör des Heeres, der die Waffe schmiedete für die grossen f Siege, weiter den Freund der Bonner Tage Prinz Friedrich Karl. Aber auch die einfachen Soldaten Verherrlichte der Fürst, die im grossen Kriege wett⸗ eifernd an ihrer Stelle bis zum Tode getreu jene Tugenden bewährten und mit ihrem Blute das Reich errichten halfen. Manchem behagt es übel, dass er im Hèere dienen eee ee„H„ͤĩ]ͥk ſ und sich unterordnen muss. Da ruft ihm der Gross- herzog zu:„Was heisst denn dienen? Sich selbstlos unterordnen und einfügen in die Gliederung, welche geschaffen ist zum Schutz und Frommen der höchsten Interessen. Es ist absolut nötig, den Geist der Unter- ordnung zu pflegen, und da fange ich mit mir an. Man muss sich unterzuordnen wissen unter die grosse Gemeinschaft, welche das Interesse des Ganzen in sich Schliesst. Hart klingt auch das Wort„Gehorsam“, aber es wird verstanden, weil man die Tugenden Kenlnnt, welehe es erziehen soll? Ekin andernial Sagte er:„Nur die Hiagebung für die Allgemeinheit und Gehorsam sind die Grundbedingungen des Glücks und der Wohlfahrt der Familie, der Gemeinde und S deès Staates“, In diesem Sinne rühmt er oft auch die Feuerwehr, weil sie erzieht zur Hingebung an das Ganze, zur Liebe zum Nächsten, weil auch sie die Menschen in einem schönen Bunde vereinigt. Nicht knechtischen Gehorsam fordert der erlauchte Herr, „sondern den guten Willen sich unterzuordnen, um in grosser Gemeinschaft wirksam Zzu sein. Das zeichne ‚ G ÄAR D wPr Dreererereereeeeeeeeeeeee. 4 0 ö(Ceer deeeee FPFPRPRPRPRRRFRRRRPRRR den Soldaten aus. Wir müssen mit vollem Bewusst— sein gehorsam sein, müssen mit vollem Bewusstsein uns unserer Pflicht hingeben— nur dann vermögen wir Grosses zu leisten. Gehorsam ist zu allen Dingen nütze; denn wer sich nicht unterzuordnen UDuviee usp jd Sozνs9 u Versteht, der kann auch nicht führen.“„Der andere Grundpfeiler des öffentlichen Lebens wie der Familie ist die Liebe, die grösser ist, als alles übrige in der Welt“. In diesem Sinne preist er vor allem das Heer, weil es eine Schule des ganzen Volkes ist, wirksamer noch als die Schule für die Jugend, weil sie reifende V öSNieeeeeeeeeeeeeeee — 149 SRDRPſ ˖DSeeeeee Männer erzieht.„Und wer durch diese Schule hindurch- gegangen ist, der hat durch die gründliche Erziehung die Uberzeugung, dass die Disziplin die Grundlage aller Ordnung ist. Ordnung aber ist das höchste, es ist die Erhaltung alles Bestehenden und die Förderung des Wohlstandes. Ordnung schliesst den Frieden in sich, und den Frieden unter den Menschen zu erhalten, ist die höchste Aufgabe. Darum hat diese Schule des Heeres die Kraft, tüchtige Bürger zu erziehen, die auch auf die heranwachsenden Ge- schlechter die gleichen Tugenden übertragen. Sie lassen sich nicht von einem falschen Schein der Freiheit blenden, die nur Knechtschaft unter Willkür und Selbstsucht herbeiführt“. Unser Fürst jist ein wahrer Freund des Volkes und der Völkerfreiheit, aber er fordert aus ernster Lebenserfahrung und sSelbstloser Pflichterfüllung, dass wir uns alle als wahre Freunde der Freiheit bewähren sollen, jener Freiheit, die sich selbst beherrscht.„Es gibt keine Freiheit ohne Unter- ordnung und Selbstlosigkeit. Freiheit ist Selbst- beherrschungé“. Der das hohe Fürsentum ein halb Jahrhündert i Staate la, der Flekrscher, i8 in Wahrheit immer der erste Selbstbeherrscher ge- wesen, indem er Achtung und Ehrfurcht zeigte vVor den grossen Ordnungen unseres Lebens, von treuer Ehrfurcht vor Gott getragen, der die grösste Ordnung, die des Weltalls, geschaffen hat. Mit wärmster Begeisterung, mit jener christlichen Liebe, die nicht das Ihre sucht, hat er immer gesprochen von dem Feich und seinen Begründern; für dieses Ganze mit- zuarbeiten, ist ihm höchste Freude und Ehre.„Denn Arbeit ist Leben“. Und er wiederholt gern den Spruch der Bibel, der auch der Lebenspruch seiner erhabenen Lebensgefährtin ist:„Sei getreu bis in den Tod, 80 will ich dir die Krone des Lebens geben“. Wie ein rechter Kamerad hat der Fürst oft mit .—— ο⏑?— ⏑—2—• 2.————— 2—2———————2—— 0ꝗ—.,552.—————— E.....—E——2—.... 6 ÄRR˖D˖DDD˖rrree rrree rrr rree reeeeeeeeeee. 2 SR RN Æ REEET Wmere — 150— ‚˖ie wrr rere rreee G ö N(· 6 grossen Krieges oder auch in den Kämpfen des Lebens sich erprobt haben. Die echte leutselige Art, die auch dem Geringsten mit wohlwollender Teil— nahme an seinem Lebensgeschick begegnet und die S0 oft die hilfreiche Hand reicht, hat ein unzerreis- bares Band zwischen dem Fürsten und seinen wehr— haften Männern geknüpft. Niemand vergisst es, wen er mit seinen grundgütigen Augen angeschaut hat. Dankbare Liebe und unwandelbare Treue hat er damit in den Herzen der erprobten und ergrauten Männer sich erschaffen. Wenn die alten Soldaten, 6 Fahne um Fahne, an dem Landesherrn vorbeiziehen, stramm emporgereckt, das treue Auge zu ihm hin- gewandt, dann spürt man es, dass sein Reich in den Herzen fest begründet ist, und dass er Männer er— 2z0gen hat, die in jedem Sturme sich treu um das Werk ihres Fürsten scharen und stets Ordnung und Frieden beschirmen werden. „ Gee EE. usrusSf Mpn uo ODDmννν]feννν ẽetuuu ———çC AFHFEFERRRRRRR 1 Jchon oft haben wir in der bisherigen Erzählung der hohen Frau gedacht, die am 20. September nicht mir den Jubeltag der goldenen Hochzeit feiert, sondern auch das jubiläum ihrer — eaiigkeit als die Mutter des Landes. Sie ist die Enkelin der Königin Luise von Preussen, die durch Anmut und Hochsinn in den schwersten Tagen ihres Volkes ein leuchtendes, tiefverehrtes Vorbild für alle war, die Tochter der Kaiserin Augusta, die aus Weimar, ihrer Heimat, die Erinnerungen an Deutschlands grösste Dichter nach Berlin mitbrachte. Solche Vorbilder der eigenen Familie haben frühe den Sinn der Prinzessin auf grosse Ziele gelenkt. Wir wissen, dass sie dem Landesfürsten ein inniges reiches Familienleben geschaffen hat, in dem er alle- zeit Erholung und Freude und den Sonnenschein fand, in dem die Manneskraft zu seiner Arbeit am besten gedeiht, dass sie in schweren Tagen ihm Trost und Pflege gespendet hat, dass sie die treueste, liebe- vollste und einsichtigste Erzieherin ihrer Kinder ge- — 153— wesen ist, die mit ihnen wahrhaft zusammen gelebt hat, dass sie, eine geistesstarke und willenskräftige Frau, dem Grossherzog auch Anteil an einem reichen geistigen Leben gegeben hat, aus dem manch grosser Entschluss hervorging. Hier müssen wir noch ein— mal erzählen, wie sie sich als Landesmutter ihr Reich gegründet hat; denn auch sie hat sich ein Reich er— obert, wie ihr heldenhafter Vater, unser grosser Kaiser, aber gewonnen hat sie es mit den Waffen der Liebe. Diesen Sinn der Liebe aber hat sie stets geschöpft aus ihrer wahrhaften Frömmigkeit. Es ist so schön an dem Lebensbunde des Grossherzoglichen Paares, dass er auf dem Grunde gemeinsamer tiefer Religiösität gebaut ist, dass beide über Welt und Leben und die Aufgaben des Menschen gleiche Gedanken haben. Wer ihnen hat näher treten dürfen, rühmt es mit Ehrfurcht, wie im Heiligtum der Grossherzoglichen Familie das religiöse Leben stets eine reiche und stets eine gemeinsame Pflege gefunden hat. Beide sind treu dem evangelischen Glauben zugetan, vor allem ist ihnen Religion die Frömmigkeit des Herzens. Weil sie so denken, sind sie duldsam und weitherzig und verstehen auch das religiöse Empfinden andersgläubiger Untertanen, mit denen sie sich gern in gemeinsamer Gottesverehrung zusammenfinden. In gemeinsamer täglicher Hausandacht suchen sie Ruhe und Kraft für das Werk, was das Leben bringt. Ein Sonntag, an dem das Fürstenpaar nicht den Gottesdienst be— sucht, ist in gesunden Tagen kaum denkbar. Auf der Mainau und in Baden ist es nicht anders als in Karlsruhe, auf schlichtem Kirchenstuhl sitzend, hält dort das Fürstenpaar unter der kleinen Gemeinde seine Andacht, und gerne singen sie die bekannten, von jugend auf vertrauten Lieder mit. Wie den schlichten Choral, so lieben sie auch schlichte Weise in der Predigt.„Das Einfachste ist immer das Beste“, ÄRRNDD˖N˖rre eereee eeeeeeee ereeeeeeree. SWDDRDDPewNrSwSrSSSSSS ö 4 urteilt der Grossherzog über diesen Punkt; innig und persönlich soll aus dem Herzen dem Prediger das Wort des Glaubens dringen, wie es in den Herzen der Gläubigen auch wohnt. Auch bei der Abend— mahlsfeier weilt das Fürstenpaar gern in der Mitte ps wee eebinene eip Le eee Sep Leqr unzslrn uf opuνννꝗ]uᷓj8 der Gemeinde. Wie der Grossherzog in seinen Kund- gebungen oft auf das Ewige und Göttliche hinweisst, 80 ist es ein herzliches Anliegen seiner Gemahlin, in den vielen Anstalten, die sie begründet hat, alles zu tun, was zur Pflege religiösen Lebens förderlich 9¹ SRDD SDSDRD SrSre —0 N N ist. Oft übt sie hier eine Seelsorge, S0 wirksam unad 2ul klerzen gehend, Wie es kzein Geistliehter besser vermöchte. Aus solchem Geiste ist alles entsprungen, Was sie für die Pflege von Kranken und die Erhaltung der Gesundheit im Volke, und was sie für die Er— ziehung der Mädchen zu tüchtiger Arbeit in Haus und Beruf und zu tatkräftigem, sittlichem Handeln getan hat. Im Jahre 1859, als das Kriegsunwetter heran— kam, rief sie im ganzen Lande Vereine von Frauen ins Leben, die eintretender Not entgegenwirken sollten. Aber da das Unwetter rasch sich verzog, da liess sie die jungen Vereine nicht wieder zur Ruhe sich legen, sondern sie fand, dass auch in Friedenszeiten genug des Elends vorhanden sei, das von Frauenhänden gelindertwerden könne. So gründete sie den, Badischen Frauenverein“, der alle die einzelnen Vereine Zzu—- sammenfasste, damit ein jeder an seinem Orte die Liebesarbeit verrichte und überdies alle gemeinsam S RRRRRRERRRE a gegen grosse Not hilfbereit daständen. Die edle Fürstin erkannte bei dieser Arbeit mit klugem Blick, wie viele kostbare Kräfte gerade in der Frauenwelt ungenützt lägen, wie viel Anleitung und Schulung tun könne, damit diese Gaben recht gebraucht würden. Eins kam zum andern. Nicht bloss Krankenwärterinnen, auch Lehrerinnen, Hausfrauen und Dienstboten wurden herangezogen, für Kinder und Waisen gesorgt. Gross— artig waren die Leistungen des Frauenvereins im Kriegsjahre 1870. Wie viele Sendungen sind ins Feld gegangen, um mit Wäsche, wollenen Kleidungsstücken u. a. die Krieger zu versehen. Er erreichte es, dass allein zur Weihnachtszeit 6000 Pakete und 200 grosse Kisten mit Liebesgaben an die Truppen abgesandt Worden sind. Die Fürstin dehnte ihre Fürsorge auch auf die Grenzgebiete aus. Was sie für die Strass- burger tat, haben wir schon gesehen; auf ihre An- G DR˖˖˖NDDe ˖errereeeer eeeeeereereer · ·¶¶·¶ ¶ II õãyũhh 66 RRR·····/·····R ‚ ö ‚ ö ö ‚ ö 8 RRRRSDRNeNr Mannheim: Friedrichsbrücke über den Neckar. 1 S SR˖˖ee ree e eeeeee. SRDRRS EERRRRRR 5 regung gingen auch beträchtliche Lebensmitteltrans- porte ins französische Land ab. Dann die Tätigkeit und Errichtung von Lazaretten und Pflege der Ver— wundeten und Genesenden. Sie hat sich nie auf allgemeine Anordnungen beschränkt, sondern sich im Dienste der leidenden Menschen in Reih und Glied gestellt. Mancher ältere Mann könnte er— zählen, dass„unsere Grossherzogin“ ihm mit eigener Hand die Kissen geglättet und eine frische Kompresse aufgelegt habe. Eine solche Kom— presse hat ein so beglückter Soldat wohl als Familien- schatz aufgehoben, zur Erinnerung an das schwere Jahr 1870 und an den Samariterdienst, den die Landes- fürstin dem gewöhnlichen Soldaten erwiesen hatte. Ein stilles Glück bringt sie in jedes Gemüt, dem Sie ihre herzlichen Worte zuruft, sie selbst eine Leid- geprüfte. Eines Tages durchwanderte sie mit der Oberin den Frauensaal des Krankenheims in Karls- ruhe. Von einem Schmerzenslager zum andern schreitend, sprach sie freundlich tröstende Worte und man sah es an den aufleuchtenden Augen der Leidenden, wie wohl sie ihnen taten. Da kam sie auch an das Bett der Elendesten von allen, die war blind und taub zugleich. Kein Wort konnte in ihren Geist, keih Blick in ihr Herz dringen. Die Gross⸗ herzogin beugte sich still zu ihr hinab und fasste mild ihre Hand. Da richteéte sich die Kranke auf, drückte die hingereichte Hand an ihre Brust und rief freudig:„Die Frau Grossherzogin“. Dann holte sie aus einem seitwärts stehendem Schränkchen einen Vertrockneten Blumenstrauss und zeigte ihn stolz als ihr Kleinod. Vor fünf jahren hatte ihn die Gross- herzogin bei einem ähnlichen Besuche geschenkt. Die Erinnerung daran war ihr eine tägliche Freude gewesen, und nun erkannte die Blinde die Geberin sofort am Drucke der Hand. Wie viel Freude hat S öRRRRDDNwRrerreereeNee eeeeeeeereeeee ‚ ÄARRRDPrrDr rere reeeeere reerre G PXEE· ····o·0o000o·/ o0··¶ ···· ·P···· ·¶·····˖··¶ů·ů·ů··¶·¶····¶· öõ(GNere öRR RÆ Y Y RQCYYY—PDRrDrDeeeeeeeeeee. 3** sie geschaffen, indem sie mit so milder Hand ihre Gaben verteilte. Ihr selbst ist es ein Lebensglück geworden, seit so vielen Jahrzehnten die immer wachsende Tätigkeit ihrer Vereine im ganzen wie in zahlreichen Zweigvereinen mit zu erleben und an der ausdauernden Treue teilzunehmen.„Ich bin demütig Stolz darauf“, schrieb sie einmal,„in meinem eigenen Herzen nachzufühlen, wieviel tausend Frauenherzen in der geliebten badischen Heimat bemüht sind jedes an seinem Teil leitend und beéstimmend, lehrend und belehrend, helfend und dienend mitzuwirken an unserem grossen Liebeswerk, dessen weit ausge- spanntes Netz von dem einen Punkte ausgeht: Es ist die Liebe zu unsern Mitmenschen.“ Noch ein Beispiel, welche Freude sie in entlegene Stätten getragen hat, indem sie unermüdlich gegen den Schlendrian der Vorurteile kämpfte und für ver- nünftigere Krankenbehandlung eintrat, die oft schier unausrottbarer Seuchen und entsetzlichem Elend ein Ende gemacht hat. In den neunziger Jahren führte ihr Weg sie in das einsame Schwarzwalddorf Bernau im Amt St. Blasien. Die Bernauer hatten ihr eine besondere Freude bereitet; sie hatten unlängst, ermuntert von einem Komitee, das im Auftrag des grossen Vereins auch ihren Ort besuchte, zwei Kranken— stübchen in einem Bauernhause eingerichtet, wWo ihre Schwerkranken von Pflegerinnen und Arzten zweck— ämssig verpflegt wurden. Denn so gemütlich und be— haglich ein Schwarzwaldhaus aussieht, das sich für lange schneèereiche Winter eingerichtet hat, hinter den kleinen Fenstern, die Luft und Licht nur sparsam zZzulassen, führt ein Kranker ein besonders beschwerliches Dasein. Nun hing ein grüner Kranz über der Tür, Feldblumen schmückten die Tische und die Frauen des Vorstandes Warteten des hohen Gastes. Wie bewegt schlugen ihre Herzen, als die Frau Grossherzogin nun kam und GSRRreeeee ö(GS RDDRr ee e e. üR˖D˖DD˖˖rrerrreerrrer ereereee. 19 FPPEPPPP alles im Hause prüfte und lobte und sich dann in ö der behaglichen Bauernstube niederliess, um noch anderes mit ihnen zu besprechen. Mit warmen Worten dankte sie und sagte, es sei ihr wie ein Christgeschenk gèewesen, und sie wünschte nur, dass bald in recht vielen Dörkern solch ein Krankenzimmer nach dem andern entstehe. Das ist ein Beispiel von der Art, wie die Grossherzogin ihren Segen in das Land ausgestreut hat. Nie ermüdet, nie rastend, wie ihr erhabener Vater. Und man braucht nur in den Zeitungen Z2u lesen, wie sie immer und immer wieder auch kleine Orte besucht, lobt, dankt, anregt. Oft aber erfahren 6 es nur die Armen und Kranken des Ortes, dass sie dagewesen ist. Dem regen, hochgebildeten Geiste der Fürstin liegt es nahe, von dem Reichtum dessen, was ihre Seele bewegt und getröstet hat, auch anderen zu spenden. Wie sie gern an den Lieblingsplätzen, wo sie sinnt und denkt, Worte des Trostes oder der Mahnung ein— Schreiben lässt, So hat sie solche Worte auch in be— Sonderen Büchern zusammengefasst. Schon vor 1888 hat sie eine Sammlung von Liedern, Sprüchen, Reden, ge- flügelten Worten, Bibelstellen zur Jahreswende ver- anstaltèet, ebenso ein„Andachtsbuch für Konfirmanden“ herausgeben lassen, zu welchem sie einzelne Abschnitte Selbst beigesteuert hat. Als aber das Trauerjahr 1888 kam und sie für ihren Seelenschmerz Trost suchen musste, da wollte sie erst recht,„dass auch der eigene Schmerz eine Frucht trage zum Besten der anderen, damit so aus dem Tode das Leben hervorgehe“. Denn gerade damals lernte sie„in fremdem Glück einen Ersatz für eigenes verlorenes zu suchen und sich wieder mit den anderen 2zu freuen— wenn auch vom andern Ufer aus“. Sie tat das mit den Stiftungen zum Andenken ihres Sohnes Prinz Ludwig Wilhelm, und ein schönes Denkmal an jene Tage und Jahre ‚ FRERRRRRRRRRRRRRR — 160— ist das Büchlein„Ich weiss, dass mein Erlöser lebt“. Dies Büchlein ist viel gelesen und schon in vier fremde Sprachen übersetzt. Es enthält Stellen aus den Büchern, welche der hohen Frau während der Jahre der Trauer besonders lieb geworden sind, am Schlusse aber eine Anzahl von ihr selbst verkasster Betrachtungen über das Sterben lieber Angehöriger, die einen tiefen Ein- blick in ein selten reiches und edles Seelenleben tun lassen. Eine französische Sammlung ähnlicher Art hat die Fürstin noch in jüngster Zeit übersetzen lassen und das Büchlein mit einem kurzen Vorwort versehen. Noch wirksamer sind bis auf heute gewesen die Worte, die sie einzeln lebendig an die vielen Tausende ge- richtet hat, Kinder und Greise, denen sie im Leben begegnet ist. Auch hier steht das Fürstenpaar als ein erhabenes Vorbild von wahrhaft patriarchalischer Hoheit. W˖˖ RNDre eree eeee eeeeeeee SEVVVJᷓqꝰ.3Sñ RRS 5 Der Erbgrossherzog Friedrich. Ser Erbgrossherzog Friedrich ist am V9. juli 1857 in Karlsruhe geboren. Ein Freudenfest war es für die ganze jugend der Stadt, als er getauft wurde. Am 4. August 1857 sah man sie alle U 5 nach dem Schlossplatze ziehen und die lalse nach dem Fenster emporrecken, wo hinter den Scheiben ein rotbackiges Menschenkind aus einem Spitzenhäubchen mit vielen gelbroten Schleifen hervor- schaute. Da brachen die Kinder in hellen Jubel aus und brachten dem jungen Erbprin ihr allererstes Hoch im Leben aus. Aus dem„kleinen Grossherzog“ ist unterdessen ein erfahrener Mann geworden, der mit sicherem Auge grosse Truppenmassen geleitet und in schweren Zeiten für den Vater die Regierungsgeschäfte geführt hat. Von dem Unterricht, den er in der Friedrichsschule erhielt, haben wir erzählt; die Bildung der Schule vollendete er durch eine Reise in den klassischen Süden, nach Italien. An seinem 18. Ge— burtstag wurde er für volljährig erklärt. Zur Feier des Tages zog die ganze Schuljugend Karlsruhes mit wehenden Fahnen und klingendem Spiel am Schlosse Ä RQY RRDmrD RDr rreerreereerr Neeerreeee V n.......ũ * II E R R·· 2„ * RRR· le Vorbei, worauf sie 2zu fröhlichem Fest in das Sallenwäldchen geführt wurde. Der kaiserliche Grossvater war mit Kronprinz Friedrich Wilhelm selbst nach Karlsruhe gèreist, um den äl- testen seiner Enkel in das Heer aufzu- nehmen und ihm das Geleitwort für die Friedrich, Erbgrossherzog von Baden. militärische Laufbahn zu geben. Er ernannte ihn zum Sekondeleutnant im 1. Badischen Leibgrenadier- regiment Nr. 109 und verlieh ihm gleichzeitig den Orden vom Schwarzen Adler. Am 8. Juli nahm der ‚ ‚ ‚ ‚ ‚ Prinz bei feierlicher Parade in der ersten Kompagnie ‚ ‚ ö ‚ ‚ ö ö ö ‚ seines Régiments seine Stelle ein. Im Herbst des gleichen Jahres nahm er zuerst an den Manövern teil und bezog in freudigem Gefühl das Biwack bei Steinbach. 1876 begleitete ihn der Vater nach FHeidel- Beiug, de Ek in den Hörsälen wie im le— bendigen Verkehr mit den Lehrern der Hoch- schule und auch im frischen Zusammen- sein mit den Musen— Söhnen sich für seinen Herrscherberuf vor- 8 8 Hilda, Erbgrossherzogin von Baden, bereiten sollte. Seine geb. Prinzessin von Nassau. WD˖˖˖ ˖DDeierrrrrereere eeeeeeeeeeeeeee. — 163— anspruchslose Liebenswürdigkeit, wie sein feiner Sinn gewannen ihm rasch Freundschaft und Zu- neigung. Dann trat er in Potsdam in das Garderegiment und lernte später den Dienst der Kavallerie in dem Garde- dragoner- Regiment. Am 10. November 1881 C musste er ins Heimat- land reisen, um für den schwererkrankten Vater die Re- gierung zu übernehmen, der erst am 15. Oktober 1882 wieder die gewohnten Pflichten vollziehen konnte. Er tat es mit Dank für die aufopfernde Hingebung und Treue des Sohnes.„Gottes Segen walte über Dir und unserm lieben Lande“, schloss das Schreiben. Am 20. April 1885 verlobte sich der Erbgrossherzog mitPrin- zessin Hilda von Nassau, am 20. September, dem Hoch- zeitstage der Eltern, fand auf Schloss Hohenstein in Oberbayern die Trauung statt. Wie die Vermählung der Prinzessin Victoria am 20. September 1881 wie ein Familienfest im ganzen Lande gefeiert war, so wandte sich die Liebe, die die Eltern sich erworben hatten, als schönstes Erbteil, als herrlichster Segen auch auf das junge Paar. Mit unbeschreiblichem Jubel wurde es bei seinem Einzug in die Landeshauptstadt em- pfangen, die sich in reichster Weise geschmückt hatte, um seine frohe Stimmung zu zeigen. Und wie hier war es in den übrigen Städten des Landes. Be- sonders begeistert äusserte sich die festliche Freude, als das Paar nach Freiburg, die alte Stadt der ersten Zähringer kam, wo es zukünftig seine Wohnung nehmen AR——⏑‚‚ ◻ SSARSSRSSrSSS SSDSSreSNSrSerSrSmre N...ñ&& GR SNDDrrSS ö(CCNe ree. — 164— wollte. In das Glück dieser Jahre fiel Schwere Sorge um die Gesundheit des Erbgrossherzogs, der im Winter des Jahres 1886/87 infolge schonungsloser Hin- gebung an seinen Dienst von Gelenkrheumatismus befallen wurde, der sich schon wiederholt angemeldet hatte. Die Kunst der Arzte und die Jugendkraft Seiner Natur überwand die Krankheit unter treuer Pflege von Mutter und Gattin. 1891 wurde er vom Kaiser zum Generalmajor und Kommandeur der Ministerpräsident Freiherr von Dusch. 4. Infanterie-Brigade ernannt. 1893 übernahm er als Generalleutnant das Kommando der 29. Division und konnte seinen Wohnsitz in der schönen Haupt— stadt des Breisgaus nehmen. Auch der Erbgrossherzog und seine hohe Gemahlin lieben die heimatlichen Berge über alles, im Sommer ziehen sie gern hinauf nach ihrem herrlichen Sitz in Badenweiler, das schon in kömerzeiten ein vielbesuchter Badeort war, heute mit seinem Parke, in dem die schönsten Bäume dies- seit der Alpen stehen, und durch seine Lage im schönsten R˖R˖R˖errer ree reee eereeeeeeeeeeee. SRR RD˖Drererrer ü ſſ ãũũ 8S8§V. S RRRR YYX····X ⏑( GSSEASSSS (.. — 165— Gebiet des Schwarzwaldes alljährlich viele Besucher anlockt. Es ist zugleich ein Stück des alten Mark- gräfler Landes, das seit Jahrhunderten in unveränderter Anhänglichkeit unserm Fürstengeschlecht Zzugetan ist. Einige jahre später wurde er mit dem Kommando Badenweiler, von der Sophienruhe aus gesehen. eines Armeekorps betraut und residierte in Koblenz, der anmutigen rheinischen Stadt, die so viele Er- innerungen an seine Grossmutter, Kaiserin Augusta, enthält, und auch hier gewann ihm militärische Einsicht und herzliche Leutseligkeit die offene Zuneigung seiner Untergebenen und der bürgerlichen Bevölkerung. FRRRRRRRRRRRRRRR GARDRRRLSS⸗ ‚(CNier eereee õGeeeeeeeeeeee. — 166— Als er dieses verantwortungsreiche Amt niederlegte, um sich mehr den Aufgaben der engeren Heimat zu widmen, ernannte der Kaiser auch ihn wie den Vater zum Generalobersten und verlieh ihm damit den höchsten Rang in der Armeèe. Beide sind in schönster Weise, wie der Name Markgraf eigentlich bedeutet, die schwertmächtigen Hüter der deutschen Mark. Mögen noch lange das edle Geschlecht der Zähringer dies grosse Amt zu Ehr und Frommen des deutschen Keiches verwalteu. Allgeineine Freude erregte es im Lande, als am 24. Februar 1906 dem Prinzen Max, Sohn des Prinzen Wilhelm, und seiner Gemahlin Marie, Prinzessin von Cumberland ein Sohn beschieden war. Der jüngste Spross des Zähringer Stammes erhielt nach dem grossen Ahnherrn den Namen Berthold. Auch die Freude konnte unser Fürstenpaar erleben, dass dem Enkel, dem dereinstigen Thronfolger in Schweden, der 1005 sich mit der Prinzessin Margarete vVon Grossbritannien und Irland vermählte, in diesem Jahre einen Sohn geschenkt ward. So reiht sich Leben an Leben, wir aber enden mit dem herzlichen Wunsche für das hohe jubelpaar, dass Gottes Hand noch viele Jahre des innigen Glückes ihnen beschere, dass noch reicher Segen von ihnen auf Land und Volk ausgehe. PD EEE RRRDRRRRDSRDS ERRRERRR EEECCCCCCCCCccc 8 3 83 S S 82 8—— = 33 —5 8 E 5 5 83 5 3 EFEFEEEEEEPPC e i LDeNe 3 910 eeee ee