˖ů—————— —— N —— —— ͤ—̃———— N e XINNNVNN * I W ILQNQQQNNLNNNNNNNNNe NRNLNN I NN—— +˖+˖/++++++— U Q — 2—— 23233—2—————— — ö ——— 1—————+—+˖reree 1 3— 1 K —— 1— 1 —..—— N —— K— f 8 1 —+ — U 1 1 1 4 1 1 3 — U 3 — K — 1— 1 — — 4 4.—— f * * + X ———** — * — ——— — 3 8 3 K 33 i — N 8 f A2 3 1 R 4 2 ——— 1—* 4 1 — — ———3 5— * 40 5 4 4 4 K* E* 4 4*— 4 **83 4 — 8 — V —** 4— — 4. + 4 0—— 4 —— 4 ——ꝛů———————————•d P6 ͤ ́ 2—— —— 0—*— —————— — 8 1 ———— 2————— L22—+—e—e—e——————::+—TD—:K:!:!:-ͤ—Lm—.—— 79—9—9—79——+——rç———— Literaturverzeichnis Die Vorlagen zu den ᷣildern ſtammen in der Pauptlache aus folgenden Werken: Gibliographiſches Inſtitut, Ceipꝛig,„Ddas deutſche Kolonialreich“, herausgegeben von Prof. Dr. hans Meyer Deutſche Verlagsgeſellſchaft, Gerlin,„Deutlchland in den Kolonien“ kameradſchaft Verlagsgeſellſchaſt m. b. 65., Gerlin,„Ddeutſchland als Rolonialmacht“ hans LCeſſer, Gerlin,„das buch der Deutſchen Kolonien“, herausgegeben mit Unterſtützung des Reichskolonialbundes. erlag Volk und heimat, Potsdam/ Leipzig.) Neuausgabe 1935 Quelle& Meyer, Leipzig,„Deutlches Kolonial⸗Cexikon“, herausgegeben von Gouverneur a. D. Dr. Peinrich Schnee Velhagen& ſilaſing, Gielefeld/ Ceipꝛig,„Deutſchland im Stillen Ozean“ don Geors Wegener Verlagsanſtalt für farbenphotographie Carl Weller, Gerlin,„Die deutlchen KRolonien“. RRRRrrr Friedrich ER der„Große Kurfürſt“ 1620— 1688 Wechen für 701 Woonl unehi Ferdinand Freiherr von Richthofen 1833— 1905 N—*— Victor Franke von Lettow⸗ Vorbech 21. Juli 1866 Webonlfeenenet 9 120. 1870 1849— 1921 22 1117. Deutſche Kolonien berausgegeben vom Cigaretten⸗Gilderdienſt dresden⸗Z. 5 Copyright 1936 by Cigaretten⸗Silderdienſt dresden⸗X. 5/ printed in Germany RDDee 5 618 —— ³ 5 N 23* 3 LLLLLRLLLLLLLLLLοο * ſo auch die Geſchichte der deutſchen Kolonien. Sehr ſpät erſt iſt Deutſchland, als es endlich durch Bismarck zu einem kraftvollen Nationalſtaat zuſammen⸗ geſchmiedet war, in die Reihe der Kolonialmächte eingetreten. Die Anfänge unſeres Kolonialreichs liegen wenig mehr als ein halbes Jahrhundert zurück. Das Beſte von den weiten überſeeiſchen Ländern war damals ſchon in feſten Händen. So blieb uns zum guten Teil doch nur das, was den älteren Kolonialmächten nicht mehr wert⸗ voll genug erſchien. In der Tat, die vielverſprechende Entwicklung der deutſchen Schutzgebiete vor dem Weltkrieg iſt erſt durch die Arbeit unſerer Kaufleute, Farmer und Kolonialoffiziere heraufgeführt worden; ihre einzigen Grundlagen ſind deut⸗ ſches Blut, deutſcher Fleiß, deutſches Geld. Als aber nach vielen Mühen gerade der ſichtbare Aufſchwung zur wirtſchafflichen Blüte eingeſetzt hatte, entriß uns der Neid und die Habſucht der Feindbundmächte des Weltkrieges die Kolonien. Dem Raub wurde noch die ſchimpfliche Behauptung angeblicher kolonialer Mißwirt— ſchafſt und Unfähigkeit hinzugefügt. Damit kann ſich das deutſche Volk niemals abfinden. Es hält an ſeinem An⸗ ſpruch auf die eigenen Kolonien feſt. Welchen Wert ſie für unſer induſtrialiſiertes und übervölkertes Land haben müſſen, das haben uns zumal die ſchweren Jahre der jüngſten Weltwirtſchaftskriſe zur Genüge gezeigt. Wie viel beſſer noch könnten wir die wirtſchaftlichen Schwierigkeiten überwinden, wenn wir aus tropiſchen Ge⸗ bieten unter deutſcher Herrſchaft die lebensnotwendigen Rohſtoffe einführen könnten, ohne für ſie Gold und Deviſen an das Ausland abgeben zu müſſen! Es wäre da nur an Pflanzenfette und Baumwolle zu erinnern. Und zugleich würden deutſche Kolonien neue Abſatzgebiete für unſere Induſtrie bedeuten und damit neue Arbeits⸗ plätze für deutſche Arbeiter frei machen. Aber nicht nur rein wirtſchaftlich iſt die Rückgabe der Kolonien eine drängende Notwendigkeit. Denn das deutſche Volk braucht eine Ausweitung ſeines ganzen Lebensraumes.„Volk ohne Raum“, das iſt ja unſer tragiſches Schickſal, wie es der deutſche Südafrikaner Hans Grimm mit leidenſchaftlicher Eindringlichkeit geſchildert hat. In unſeren Kolonien ſind Siedlungsmöglichkeiten für viele Tauſende von Deutſchen, zum Teil noch in Deutſch— Südweſtafrika und vor allem in den fruchtbaren und klimatiſch für Europäer ge⸗ eigneten Hochlandgebieten Deutſch⸗Oſtafrikas. Wie viele in der Enge der Heimat Di deutſche Geſchichte iſt reich an jähen und ſchmerzlichen Wendungen, und gehemmte Menſchen könnten da ihre Kräfte entfalten! Kolonien bedeuten über⸗ haupt eine Steigerung des ſtarken Lebensgefühls einer großen Nation. Sie weiten das Blickfeld, zumal in einem Zeitalter, das die europäiſchen Dinge immer mehr in die Weltpolitik einſpannt. Sie ſtellen einer Nation, die zu den führenden Kultur⸗— völkern gehört, große Aufgaben, wie ſie ihrer würdig ſind. Vorwort Daß die Deutſchen ihren Platz als Kulturträger der weißen Raſſe ausfüllen, haben ſie wahrlich durch ihre koloniſatoriſchen Leiſtungen bewieſen, im ſchärfſten Widerſpruch zu der„kolonialen Schuldlüge“ der Väter des Verſailler Diktats. Nicht nur auf das Lebensrecht eines großen Volkes, ſondern ebenſo auf das Recht der gültigen Leiſtung können ſie ſich berufen, wenn ſie ihre Kolonien zurückfordern. Anter harten Kämpfen haben ſie die Schutzgebiete befriedet, in Deutſch⸗Oſtafrika dem Treiben der arabiſchen Sklavenhändler, in Deutſch⸗Südweſtafrika den dauern⸗ den blutigen Fehden der Herero und Hottentotten ein Ende gemacht. Sie haben Häfen und Bahnen gebaut, das Wirtſchaftsleben entwickelt, Schulen eingerichtet. Dazu die Großtaten deutſcher Arzte! Schon in den Anfängen unſerer Koloniſation unternahm der Nobelpreisträger Robert Koch afrikaniſche Forſchungsreiſen, um die Bekämpfung der tropiſchen Seuchen zu fördern, und in Hamburg wurde dann ein weitberühmtes Inſtitut für Tropenkrankheiten gegründet; die deutſche Erfindung des„Germanin“ bannt die Schrecken der Schlafkrankheit. Die Eingeborenen der deutſchen Kolonien haben ihren ehemaligen deutſchen Herren mit einer Treue und Anhänglichkeit gedankt, die vielleicht der beſte und ſchönſte Beweis für die Kultur⸗ und Friedensarbeit der deutſchen Verwaltung iſt. Aus Eingeborenen beſtand zum größten Teil die Mannſchaſt der deutſchen Schutztruppen, die ſich im Weltkrieg ſo zäh und tapfer gegen die vielfache Ubermacht der Gegner verteidigten, ohne die unerſchütterliche Treue ſeiner Askaris hätte namentlich General v. Lettow⸗Vorbeck nicht den Heldenkampf Deutſch⸗Oſtafrikas durchfechten können. And als im Jahre 1923 ein furchtbares Erdbeben die japaniſche Hauptſtadt Tokio in Trümmer legte, da ſchickten die britiſchen Koloniſten der Samoainſeln ein beſorgtes Telegramm, ob der deutſche Botſchafter Solf dem Unglück entgangen ſei— Solf war jahrelang deutſcher Gouverneur von Samoa geweſen, und die Engländer bekannten, daß er dort die beſte Arbeit geleiſtet habe. Die unermüdliche Tätigkeit der Vorkämpfer des kolonialen Gedankens, an ihrer Spitze Heinrich Schnee, der letzte deutſche Gouverneur von Deutſch⸗Oſtafrika, hat dafür geſorgt, daß die Erinnerung an unſere Kolonien und unſere kolonialen Rechts⸗ anſprüche in der ganzen Nachkriegszeit wach geblieben iſt. Zwar hat uns auch die Mitgliedſchaft im Völkerbund nicht die Wiedereinſetzung in das eigene Kolonial⸗ reich gebracht, aber die Erkenntnis von der Notwendigkeit, das uns zugefügte kolo⸗ niale Anrecht wiedergutzumachen, hat doch im Auslande allmählich immer mehr zugenommen. Die volle Gleichberechtigung im Kreiſe der Völker, die der Führer Adolf Hitler zum leitenden Grundſatz der deutſchen Politik erhoben hat, muß ſich auf die Kolonien erſtrecken. Die Rückgabe der alten deutſchen Schutzgebieie iſt eine Frage der nationalen Ehre. πμν 1 nenn — üllen, rfſten ktats. Recht rdern. afrika üuern⸗ haben ichtet. ſation „ um dann idung n der e und ultur⸗ zum ſtkrieg ne die orbeck Jahre legte, m, ob elang daß ihrer a, hat echts⸗ ich die onial⸗ kolo⸗ mehr jührer iß ſich eie iſt — —————— ———t. eeee ͤ˖ 4*˖ 07 Inseln 2 Hebe/Venbindungen mit den deutschen Holonien liben deꝰche Linien lben fremde Linjen Hæeutsche hehtlose Stationen in den Holonjen 101 Kamerun ̃ 29⁹. Deutsch& Ost-Afrika AscenSjon Srſlelens u. Deutsch Südwest- Afrika ansã DEDAlen. Kisutschoud SOHοH, 6 * OBERSICHT UBER DIE DEUTSCHENKOLIONIEN VOR DEMWELTKRIEGE Jahr de 2 Gesdamt- Wi'ͤihße Kolonien 5 Geosraphische bevölkerung Bevölkerung kisenbahn 8 Hauptausfuhrweren ergreifung A67(Nill.) in Tsd. kem(1912, in Mill.&ι) Deutsch-Ostafrike. 1885 112˙8 95 7 2 1602 50,3 31,74 Sisal, Baumwolle, Kaffee, Erdnüsse, Häute Deutsch-Südwestafrika 1884 17- 298 835,1 0,1 14,8 210⁴4 3275 39,0 Diamanten, Kupfer, Wolle, Häute, Felle, Fleisch Kamerun 1884 1˙8—13˙N 7⁰⁰ 2,6 1,9 443 34,2 B.3 Kakao, Bananen, Kautschuk, Palmöl 89889 1884 6 11˙N 87,2 1,0 0, 327 11,4 10,0 Palmöl, Erdnüsse,(Bumwolle) Neuguinea usw. 1884(1899021˙N-8˙8 242,5 0,6 1„4— 9,2 12,0 Kopra, Phosphate Samoa. 1900 14˙8 2,6 0,04 0,5— 5,0 5,0 Kopra Kiautschou 1897 36⁰ N 0,6 0,2 4,5 Schantung 434 121,3(mit Hinterland) 79,6 Durchgangshandel Insgesamt 25530 12 +77⁵ 203,5 200,3 Deutsches Reich— 49.— 51⁰N 540,9 65 Die Entſtehung des oͤeutſchen Kolonialreiches die wertvollſten Teile der Welt mit Beſchlag belegt hatten, trat das volkreiche Deutſche Reich in den Wettbewerb um den Beſitz überſeeiſcher Siedlungs⸗ und Rohſtoffländer ein. Dieſer ſpäte Beginn einer deutſchen Kolonialpolitik gehört zu den tragiſchen Zügen, an denen die Geſchichte Oeutſchlands ſo reich iſt. Niemals haben die Deutſchen den anderen Völkern nachge⸗ ſtanden an koloniſatoriſcher Tatkraft und Schaffensfreude. Aber es fehlte ihnen der ſtarke und ſichere Rückhalt eines mächtigen nationalen Staates. Deutſche Kaufleute und Landsknechte ſpiel⸗ ten bei der Entdeckung und Eroberung der Neuen Welt im 16. Jahrhundert eine wichtige Rolle; damals beſaß die Augsburger Kaufmannsfamilie der Welſer einige Zeit ſogar Venezuela, und ihre deutſchen Statthalter unternahmen kühne Entdeckungszüge in die Arwälder im Innern Südamerikas. Dann machte der Große Kurfürſt(ſiehe Ehrentafel) den großzügigen Verſuch, ſich ein eigenes brandenburgiſches Kolonialreich zu ſchaffen. Er erwarb 1681 einen Streifen der Goldküſte und ließ 1683 dort durch v. d. Groeben die Feſte Großfriedrichsburg anlegen; durch den Holländer Raule hatte er ſich auch eine kleine Kriegsflotte aufſtellen laſſen. Doch der Hohenzollernſtaat war noch nicht ſtark genug, die ferne Beſitzung zu halten, und ſchon 1747 ging ſie durch Kauf in den Beſitz der Holländer über. Dieſes Unternehmen des Großen Kurfürſten blieb für lange Zeit die einzige Tat einer deut⸗ ſchen ſtaatlichen Koloniſation. Daneben aber ſtrömten ſeit dem 17. Jahrhundert in immer neuen Wellen Tauſende deutſcher Menſchen aus der Heimat in alle Teile der Welt und wurden überall die Träger dauerhafter Kulturleiſtungen. Von niederdeutſchen Siedlern ſtammt ein Teil der Buren in Südafrika ab, und namentlich die Beſiedlung des angelſächſiſchen Nordamerikas wäre kaum denkbar ohne den ſtändigen Zufluß deutſchen Blutes; auch Südbraſilien und Süd⸗ chile ſind zum guten Teil Kulturgebiete deutſchen Fleißes und deutſcher Tüchtigkeit. Mit dieſen Auswanderern verlor Deutſchland Hunderttauſende wertvoller Menſchen. Nur im beſten Falle konnten ſie ihr Deutſchtum bewahren, meiſt aber gingen ſie im fremden Volkstum auf. Dieſe Verluſte zu vermeiden, mußte das Beſtreben aller guten Oeutſchen ſein. Wohl konnte die Induſtrialiſierung dazu helfen, die Menſchen im Lande zu halten— aber nur, wenn es möglich war, für die in der Heimat erzeugten Fertigwaren ſowohl die Rohſtoffquellen wie den Abſatz ſicherzuſtellen, konnte der in den Fabriken ſchaffende Deutſche Arbeit und Brot finden. Schon drang der deutſche Kaufmann wagemutig in die Welt vor, um Märkte und Rohſtoffquellen zu erſchließen; er errichtete in jahrzehntelanger Vorarbeit ein Netz von Stützpunkten in den noch unvergebenen Teilen der Welt. Und deutſche Forſchungsreiſende waren an der Entdeckung und Erſchließung der weiten noch unbekannten Gebiete Afrikas an vorderſter Stelle beteiligt. Mit der Schaffung der Reichseinheit durch Bismarck(ſiehe Ehrentafel) beſtand nun zum erſten Male ſeit langer Zeit wieder eine Reichsmacht, die in der Lage war, die Angehörigen des deutſchen Volkes in der Welt zu ſchützen. Damit war endlich deutſchem Anternehmungs⸗ geiſt wieder die Möglichkeit gegeben, auch außerhalb der engen Grenzpfähle des Vaterlandes, in der weiten Welt für Deutſchlands Größe und Anſehen zu wirken. Weitſchauende Männer unternahmen es, den im Volke ſeit langem verſchütteten Trieb zu kolonialer Betätigung wieder freizulegen und den Blick auf weltweite Probleme zu richten. 1882 wurde unter dem Vorſitz des Fürſten Hohenlohe⸗Langenburg der Deutſche Kolonialverein gegründet. Dieſer arbeitete jedoch nach Anſicht des jungen, begeiſterten Dr. Peters viel zu langſam und vorſichtig. Des⸗ wegen faßte er die jüngeren Kolonialfreunde in der für tatkräftiges, ſofortiges Vorgehen ein⸗ tretenden Geſellſchaft für deutſche Koloniſation zuſammen. Gleichzeitig entwickelte ſich zu Beginn der Soer Jahre der Wettlauf um die Aufteilung Afrikas zu einer ſtarken Spannung zwiſchen England und Frankreich, die der Staatsmann Bismarck im Sinne des Deutſchen Reiches geſchickt zu nutzen verſtand. Schon am 24. April E gegen Ende des 19. Jahrhunderts, nachdem die anderen großen Kolonialmächte bereits 1884 gewährte der Kanzler den erbetenen Reichsſchutz für die im Auftrage des Bremer Groß⸗ kaufmanns Lüderitz(ſiehe Ehrentafel) in SGüdweſtafrika erworbenen Gebiete. Damit begann die neue deutſche Kolonialpolitik, die trotz aller anfänglichen Schwierigkeiten zu großen Er⸗ folgen führen ſollte. Wollte man auf dem eingeſchlagenen Wege weitergehen, tat Eile not. Denn ſchon ver⸗ ſuchten die europäiſchen Großmächte ſich immer weitere Gebiete in Afrika, dem ſchwarzen Erd⸗ teil, zu ſichern. Am nun die von Deutſchen gegründeten und entwickelten Handelsniederlaſſungen vor dem Zugriff anderer Nationen zu ſchützen, erſchien am 2. Juli 1884 der kaiſerliche Beauf⸗ tragte Dr. Nachtigal(ſiehe Ehrentafel) mit dem Kanonenboot„Möwe“ an der Togolüſte. Er ſchloß Verträge mit den Eingeborenen und hißte om 5. Juli in Bagida und am 6. Juli in Come die deutſche Flagge. Auch im Gebiet der deutſchen Woermann⸗Faktorei in Duala(Ka⸗ merun) galt es, den Engländern zuvorzukommen, die ſich das Land ſichern wollten. Sofort wurde Kurs nach dem Kamerunfluß genommen und das Gebiet nach Verträgen mit den Ein⸗ geborenen am 14. Juli 1884 unter deutſchen Schutz geſtellt. Der kurz darauf eintreffende engliſche Bevollmächtigte hatte durch die ſchnelle und zielſichere Arbeit Dr. Nachtigals das Nachſehen. Anſere größte und ſchönſte Kolonie Deutſch⸗Oſtafrika verdanken wir einzig und allein dem Anternehmungsgeiſt Dr. Karl Peters'(ſiehe Ehrentafel). Trotz größter Widerſtände, von den Engländern auf Schritt und Tritt behindert und nicht einmal von der Heimat unterſtützt, unter⸗ nahm der Gründer der Geſellſchaft für deutſche Koloniſation 1884 im Verein mit Karl Jühlke und dem Grafen Pfeil auf eigene Fauſt eine Reiſe nach dem Hinterlande von Sanſibar. In wenigen Wochen hatte er durch Verträge einen großen Teil der Landſchaften Aſagara, Nguru, Aſeguha und Ukami für Deutſchland erworben. Bereits 1885 wurden dieſe Erwerbungen durch einen kaiſerlichen Schutzbrief unter die Oberhoheit des Reiches geſtellt und zu ihrer Erſchließung und Verwaltung die Deutſch⸗Oſtafrikaniſche Geſellſchaft gegründet. In der Südſee hatten deutſche Kaufleute ſchon früh Handelsbeziehungen angeknüpft. Es wurde daher noch im November 1884 ein Teil Neuguineas unter Paulſchen Schutz geſtellt und wiederum eine Geſellſchaft, die Deutſche Neuguinea⸗Kompanie, zur Entwicklung und Ver⸗ waltung gegründet. 1899 kaufte das Deutſche Reich die Karolinen, Marianen und Palau⸗ Inſein für 165/ Millionen Mark von den Spaniern und erweiterte dadurch ſeinen Einfluß in der Südſee. Weniger reibungslos ging die Erwerbung Samoas von ſtatten. Durch das Anverſtändnis des Reichstags, der einen frühzeitigen Zugriff ablehnte, wurde die Beſitznahme der fruchtbaren Gamoa⸗Inſeln erſchwert und zu unſerem Schaden bis 1899 verzögert. Obwohl das Reich durch das Handelshaus Godeffroy 6 Sohn(ſiehe Ehrentafel) alte Rechie auf den Inſeln beſaß, kamen Apolu und Sawaii erſt nach vielen Schwierigkeiten und blutigen Wirren auf Grund von Verträgen mit England und den Vereinigten Staaten an das Deutſche Reich. Die Handelsbeziehungen nach dem Oſten hatten ihr natürliches Ziel in China. Es lag daher nahe, hier dem deutſchen Kaufmann eine ſichere Ausgangsbaſis für die Ausdehnung ſeines wirtſchaftlichen Einfluſſes zu ſchaffen. Im Jahre 1897 gelang es, durch einen Pachtvertrag auf 99 Jahre die Abtretung der Bucht von Kiauiſchou mit dem Hafen Tſingtau zu erreichen; ſo gewann die deutſche Machtſtellung im Fernen Oſten einen wertvollen Stützpunkt. In wenigen Jahren war ſo auf friedliche Weiſe durch Verträge und Abkommen das deutſche Kolonialreich geſchaffen worden, über einen großen Teil der Erde verſtreut. Es war der ſchönſte Gewinn kraftvoller deutſcher Weltpolitik. Aber die anderen Großmächte fingen trotz ihres über⸗ reichen Kolonialbeſitzes bald an, dem Deutſchen Reiche den im Vergleich zu ſeiner Volkszahl ſo geringen Anteil an den überſeeiſchen Werten zu mißgönnen. Der Ausgang des Weltkrieges ſollte ihren begehrlichen Abſichten den Erfolg und damit für unſer Volk den Verluſt aller Ko⸗ lonien bringen. 2 mer Groß⸗ nit begann jvroßen Er⸗ ſchon ver⸗ arzen Erd⸗ rlaſſungen che Beauf⸗ Togoküſte. 6. Juli in uala(Ka⸗ n. Sofort t den Ein⸗ e engliſche Nachſehen. allein dem e von den ützt, unter⸗ arl Jühlke nſibar. In ra, Nguru, ngen durch rſchließung enüpft. Es utz geſtellt g und Ver⸗ ind Palau⸗ en Einfluß Durch das zeſitznahme rt. Obwohl pte auf den jen Wirren iſche Reich. a. Es lag usdehnung achtvertrag werreichen; t. as deutſche der ſchönſte ihres über⸗ Volkszahl Weltkrieges ſt aller Ko⸗ —33— Deutſch⸗Oſtafrika Erforſchung und Erwerbung Durz nachdem Vasco da Gama den Seeweg nach Oſtindien entdeckt hatte, begannen g die Portugieſen ſich an der Küſte Oſtafrikas Stützpunkte zu ſchaffen. So entriſſen ſie den hier herrſchenden Arabern Kilwa(1506), Mozambique(1507) und andere Plätze. Sie vermochten jedoch in der Folge nur den ſüdlichen Teil der oſtafrikaniſchen Küſte zu be— haupten; den nördlichen Teil verloren ſie mit dem Niedergang ihrer Seemacht im 17. Jahrhun⸗ dert wieder an die Araber. Aber weder dieſe noch die Portugieſen, die ganz von der Ausbeutung Indiens und der Ge— würzinſeln in Anſpruch genommen wurden, leiſteten etwas für die gründliche Erforſchung und Erſchließung des inneren Oſtafrika. So kam es, daß man noch in der erſten Hälfte des 19. Jahr⸗ hunderts in Europa nur wenig von dieſen weiten Räumen Afrikas wußte und beiſpielsweiſe nur höchſt unklare Vorſtellungen von den großen afrikaniſchen Seen hatte. Die erſten, die über das Innere Oſtafrikas genauere Kunde brachten, waren die deutſchen Miſſionare Rebmann, Ehrhardt und Krapf. Ihnen gelang es, 1848/ 40 die gewaltigen, in nächſter Nähe des Aquators liegenden Schneeberge, den Kilimandſcharo und den Kenia, auf— zufinden; der Württemberger Rebmann entwarf vom Kilimandſcharo das erſte Kartenbild. Wenige Jahre ſpäter(1857) drangen die engliſchen Offiziere Richard Burton und John Hanning Speke von Bagamojo ins Innere vor. Gemeinſam erreichten beide den Tanganjikaſee, Speke allein das Südufer des Viktoriaſees. Im Jahre 1859 kam der ſchottiſche Miſſionar Living⸗ ſtone, der 1836 die erſte wiſſenſchaftliche Durchquerung Afrikas von Südweſten nach Nordoſten beendet hatte, auf einer neuen Fahrt ins Anbekannte zum Njaſſaſee, wenig früher als der deutſche Reiſende A. Roſcher, der 1860 hier ermordet wurde. 1860 kehrte Speke nach Oſtafrika zurück und durchquerte es mit J. A. Grant im Norden abermals. Im Süden zog Livingſtone 1866 den Rovuma aufwärts und über den Njaſſaſee zum Kongogebiet und zurück zum Tanganjika, wo er von H. M. Stanley kränkelnd aufgefunden wurde(1871). Auf dieſen Reiſen waren große Teile Oſtafrikas zum erſten Male von Weißen betreten worden, waren die wichtigſten Züge des Landſchaftsbildes entſchleiert worden. Nun galt es, durch ſyſtematiſch durchgeführte Reiſen die Lücken auszufüllen und die Kenntnis über Land und Leute zu vertiefen. Auch dies war eine große Aufgabe. Trotz des Einſatzes vieler Forſcher und Offiziere der deutſchen Schutztruppe war ſie im Jahre 1914 noch nicht völlig gelöſt. Der erſte, der in dieſer Weiſe das Land zu erforſchen verſuchte, war C. v. d. Decken, der von 1860 an mehrfach das Gebiet des Kilimandſcharo bereiſte. Bis zur Beſetzung durch die Deutſchen wetteiferten vor allem Deutſche, wie Paul Reichard und G. A. Fiſcher, und Engländer, wie J. Thompſon, miteinander in der Erforſchung Oſtafrikas. Mittlerweile hatte die Aufteilung Afrikas unter die europäiſchen Mächte begonnen. Frankreich ſtellte 1581 Tunis unter ſeine Schutzherrſchaft und leitete eine Eroberungspolitik großen Stils im weſtlichen Sudan ein, 1882 beſetzte Großbritannien Agypten. Italien ſetzte ſich am Roten Meere feſt; hier ſicherten ſich auch England und Frankreich Stützpunkte. Wollte das Deutſche Reich nicht zurückbleiben, mußte es ebenfalls Kolonialraum gewinnen. Im Gebiet des ſpäteren Deutſch⸗Oſtafrika erfolgte dies durch die Erwerbungen von Dr. Karl Peters(ſiehe Ehrentafeh, weiter nördlich durch die Gebrüder Denhard, die Land vom Sultan von Witu erwarben. Noch im Jahre 1885 wurden dieſe Gebiete unter den Schutz des Deutſchen Reiches geſtellt. Peters, nach Hauſe zurückgekehrt, gründete die Deutſch⸗Oſtafrikaniſche Geſellſchaft, auf die alle Rechte übergingen; das Reich behielt ſich nur die Oberaufſicht vor. Im Jahre 1888 brach jedoch ein großer Araberaufſtand aus, deſſen Niederwerfung der Geſellſchaft nicht gelang. Daraufhin ent⸗ ſandte das Reich den Hauptmann von Wiſſmann(ſehe Ehrentafel) als Reichskommiſſar nach Oſtafrika, der im Verlaufe von zwei Jahren Ruhe und Ordnung herſtellte. Die Grenze gegen die engliſche Nachbarkolonie im Norden wurde 1890 durch einen Vertrag feſtgelegt, in dem Kaiſer Wilhelm II. auf Witu und auf die Inſeln Sanſibar und Pemba gegen die Abtretung Helgolands an das Reich verzichtete. Im Weſten legte dieſer„Helgoland⸗Sanſi⸗ bar⸗Vertrag“ den Tanganjikaſee als Grenze gegen den wenige Jahre vorher entſtandenen belgiſchen Kongoſtaat feſt. Da der Araberaufſtand gezeigt hatte, daß die Deutſch⸗Oſtafrika⸗ niſche Geſellſchaft ſich ohne Hilfe des Mutterlandes nicht behaupten konnte, übernahm ſchließ⸗ lich am 1. Januar 1891 das Reich die Verwaltung des Schutzgebiets, deſſen erſter Gouverneur Freiherr v. Soden wurde. Lage und Landesnatur DeutſchOſtafrika zeigt ein Landſchaftsbild von größter Mannigfaltigkeit. Hier ragen ſtolze Vulkankegel trotz der Nähe des Aquators bis in die Region des ewigen Schnees auf, hier ziehen ſich tief eingeſenkte, dem Oberrheintal zwiſchen Baſel und Mainz ähnliche„Gräben“ Hunderte von Kilometern hin, von ſteil anſteigenden und hoch aufragenden Bergwänden(Seite 20) ein⸗ gefaßt. Aber trotz dieſer Höhenunterſchiede auf engem Raum herrſcht doch das Bild leicht ge⸗ wellter Hochflächen vor, über die einſt die Karawanen der Entdeckungsreiſenden tage ja wochen⸗ lang dahinziehen mußten. Da die Nordgrenze des deutſchen Beſitzes am Viktoriaſee unter 15 ſüdlicher Breite, die Südgrenze am Rovuma, dem ſüdlichen Grenzfluß, unter 11/“ Süd ſich hinzieht, gehört ganz Deutſch⸗Oſtafrika dem tropiſchen Gebiet des„ſchwarzen“ Kontinents an, von dem es in ſeinen endgültigen Grenzen 997000 qkm umfaßt. Der größte Teil des zwiſchen dem Tanganjikaſee und dem Indiſchen Ozean liegenden Landes iſt Hochland, nur ein kleiner Teil iſt Tiefland, ſo daß weithin auch für den Weißen erträgliche Temperaturen herrſchen. Die 850 km lange Küſte der Kolonie am Indiſchen Ozean wird außer vor den Flußmün⸗ dungen von Korallenbänken umſäumt und iſt ſelbſt aus Korallenkalken und aus ſandigen und lehmigen Ablagerungen aufgebaut(1 und Seite 27). Nur wenige größere Inſeln liegen vor ihr; von ihnen gehörte allein Mafia zu Deutſch⸗Oſt. Kokospalmen und Mangobäume treten im Hinterlande, in parkartigen Beſtänden vereint, auf und umſäumen die zahlreichen Buchten, die bereits den Arabern gute Landeplätze boten. In deutſcher Zeit überflügelten Daresſalam und Tanga(2) bald die in früheren Zeiten wichtigen Häfen Bagamojo und Pangani(63), da ſie an Buchten liegen, die auch europäiſchen Dampfern das Einfahren und Landen geſtatten. Vor allem Daresſalam(4 6) entwickelte ſich unter deutſcher Herrſchaft raſch und wurde zur ſchönſten Stadt an der ganzen oſtafrikaniſchen Küſie, die ſchon bei der Annäherung von der See her ihren deutſchen Charakter zeigte. Die an der Südküſte liegenden Plätze Kilwa(10) und Lindi blieben demgegenüber unbedeutenb. Landein ſteigt die 30 bis 450 km breite Küſtenebene lang⸗ ſam an, mit zunehmender Trockenheit treten Bäume und Sträucher auf, die mit geringeren Mengen von Riederſchlägen vorliebnehmen. Die Parklandſchaft des Küſtenſaumes geht in ein Buſch⸗ und Baumſteppenland über. Dies Bild ändert ſich erſt, wenn aufſieigende Gebirgshänge dem Reiſenden vor Augen treten. So im Norden, wo das Paregebirge(2030 m) und das Bergland von Aſambara(2272 m) inſelartig aus der Küſtenebene aufragen, weiter im Hinter⸗ land von Daresſalam, wo die Uluguruberge 2600 m= die Höhe des Säntis erreichen, und ſchließlich im Süden, wo ſich das Matumbi⸗ und das Makondebergland erheben. Infolge ihrer Höhe erhalten die Hänge dieſer Gebirgslandſchaften durch die von der See her wehenden Winde . 4 9 2898 Fnt E *—— 4 1* 8 8 Re ———— reiche Niederſchläge, die in Weſtuſambara faſt 3 m, im Ulugurugebirge(90) ſogar 4,20 m im Jahre betragen. Appiger Regenurwald von tropiſcher Fülle überzieht daher die Hänge der tief in die Gebirge eingeſchnittenen Täler. Wetiter nach dem Innern zu breitet ſich dann das oſtafrikaniſche Hochland aus, das von den bereits erwähnten„Gräben“ durchzogen wird. Bei den Flüſſen macht ſich dieſes Hochland bemerkbar durch Waſſerfälle, die ſie am Abergang in die tiefer gelegene Küſtenebene bilden. Der Boden des Hochlandes iſt überall bis weit in die Tiefe verwittert, ſo daß erſt bei 30 und mehr Meter Tiefe feſtes Geſtein anzutreffen iſt. Gelbe und ziegelrote bis ſchokoladenfarbige Böden ſind für die Landſchaft charakteriſtiſch, nur an den Wänden der tief eingeſenkten Gräben und an den Flanken der Vulkanberge treten feſte Geſteine zutage. Als gewaltigſter dieſer Vulkanberge erhebt ſich weſtlich des Paregebirges der Kilimandſcharo, das höchſte Gebirge des Erdteiles, der Eckpfeiler des inneren Hochlandes(11, 12). Uber einer Grundfläche von der Ausdehnung des Harzes ſteigt die aus drei ehemaligen Vulkanen zuſam⸗ mengewachſene Gebirgsmaſſe auf. Sie bildet in 4300 m Höhe eine Hochfläche, über die ſich der ſtolze, das ganze Jahr über ſchneebedeckte Bergdom des Kibo, in deſſen Gipfel ein Krater eingeſenkt iſt, bis 6010 m und die Zackenfront des Mawenſi bis 5355 m erheben. An den Hängen des Kilimandſcharo ſteigt man vom Steppenland des Gebirgsfußes durch das Sied— lungs⸗ und Kulturland der Wadſchagga(Seite 35) und durch den bis 3000 m Höhe reichenden flechtenbehangenen Gebirgsurwald hinauf zur Matten⸗ und Hochweidenzone, die die Hochfläche des Gebirges überzieht. In 4300 m Höhe beginnen am Kibo die Eisfelder, die die höchſten Bergflanken und den Gipfel umhüllen. Anter den Enden der heutigen Gletſcher liegende Schutt⸗ wälle und Schrammen zeigen an, daß auch hier im Afrika der Aquatornähe die Gletſcher wie in den Alpen einſt zur Eiszeit größere Ausdehnung hatten. Vom Kilimandſcharo leitet der bis 4558 m aufſteigende Meru, an deſſen Fuße die Pflan⸗ zungszone von Aruſcha entſtanden iſt, weſtwärts über zu einer großartigen Vulkanlandſchaft, die ſich im Bereich des von der britiſchen Kolonie Kenia herüberſtreichenden Oſtafrikaniſchen Grabens entwickelt hat. Hier liegen dicht an der Nordgrenze auf der trockenen, regenarmen Grabenſohle Salzſeen, auf denen die ausgeſonderten Salztafeln wie Eisſchollen ſchwimmen; hier erhebt ſich der noch immer tätige Vulkan Dönjai Lengai(13), der Gottesberg der Maſſai, bis 3648 m Höhe; hier findet ſich in einem Nebengraben der größte Krater der Erde, der Ngo⸗ rongoro. Von ſeiner Ausdehnung erhält man eine Vorſtellung, wenn man ihn mit einer deut⸗ ſchen Raumgröße vergleicht: in ſeinem Innern fände die geſamte bebaute Fläche von Groß⸗ berlin bequem Platz. Der Boden iſt von Grasſteppen bedeckt, auf denen viel Wild weidet. An den durch Nebel und Steigungsregen befeuchteten, nach Südoſten zu liegenden Außenhängen haben Deutſche nach dem Kriege die Pflanzungszone von Oldeani entwickelt. Die trockenen Steppengebiete(14, die all dieſe Berge umgeben, ſind noch heute ein Tummel⸗ blatz des afrikaniſchen Großwilds. Zebras, Gnus, Giraffen und Antilopen weiden, teils mit⸗ einander vergeſellſchaftet, teils in Rudeln getrennt, nebeneinander oder jagen wohl, aus irgend⸗ einem Grunde aufgeſchreckt, in ganzen Herden ſtaubaufwirbelnd über die eintönigen Hochebenen dahin(2s ff.). Hier zogen einſt auch die Rinderherden der Maſſai von Weideplatz zu Weideplatz. Weſtlich der Höhen der Oſtafrikaniſchen Schwelle folgt das Hochbecken von Unjamweſi, aus dem ſich nur gelegentlich aus gewaltigen Granitblöcken beſtehende Einzelberge erheben(17). In 1130 m Meereshöhe liegt im Innern des Beckens der vielgeſtaltige, bis zu 20 m tiefe Viktoriaſee, der größte Binnenſee des afrikaniſchen Erdteils. Er deckt 66500 qkm und iſt ſomit ungefähr ſo groß wie Bayern ohne die Rheinpfalz. Da an ſeinem Oſtufer jährlich nur 650 mm Regen fallen, dehnt ſich die Steppe bis an den See aus. Die von Südoſten her wehenden Winde beladen ſich über dem See erneut mit Feuchtigkeit, die ſie im Weſten über Land wieder abgeben. Daher werden in Bukoba 1900 mm Niederſchläge gemeſſen, und Regenurwälder bedecken die weſtlichen Aferhänge(18). Auch das anſchließende Zwiſchenſeengebiet, in dem die Landſchaften Ruanda und Arundi liegen, iſt noch regenreich, ſo daß ſich hier eine recht dichte Beſiedlung entwickelt hat. Vom Zwiſchenſeengebiet ſteigt das Land zur Zentralafrikaniſchen Schwelle auf, deren Höhen(bis zu 2900 m) wiederum Regenwälder tragen. In ihr iſt der ſchmale und langgeſtreckte Zentralafrikaniſche Graben tief eingebettet. Aus ſeiner Sohle ſteigen im äußerſten Norden der Kolonie die Virungavulkane auf, acht gewaltige Vulkanberge, von denen zwei noch immer tätig ſind. Ihre Lavaſtröme ſtauen auf der Grabenſohle den Kiwuſee(22) auf. Fährt man mit der von Daresſalam ausgehenden Zentralbahn quer durch das Schutzgebiet, ſo kreuzt man die gleichen Großlandſchaften wie im Norden der Kolonie; nur fehlen hier die eindrucksvollen Vulkanrieſen. Bei Kiloſſa, das früher ein wichtiger Ruheplatz der nach Agogo ziehenden Karawanen war, überwindet die Bahn den nach Oſten zu ſteil abſtürzenden Rand der Oſtafrikaniſchen Schwelle. Zwiſchen dem erſt mit dem Bahnbau entſtandenen Dodoma und dem nördlich von Kilimatinde gelegenen Saranda überſchreitet ſie in ſteilem Ab⸗ und Aufſtieg den 300 m tiefer liegenden Oſtafrikaniſchen Graben. Durch den zur Regenzeit grünen, zur ösdtiche Länge 3 5%n Greemrich 8 RERRR l Renio 8 I RHODESIA Lisonbaben 149 0009„ . PORI-OCSLAERIKN à20. S 1u frikaniſchen ihr iſt der ohle ſteigen von denen ſee(22) auf. ochutzgebiet, len hier die nach Agogo nden Rand jodoma und ind Aufſtieg grünen, zur 0 D 19¹¹ —— —— „„„ —.— ——— Trockenzeit ſein CLaub abwerfenden„Miombowald“ erreicht die Strecke in 1325 m Höhe die Waſſerſcheide zwiſchen dem Indiſchen und dem Atlantiſchen Ozean und dann im Stammes⸗ gebiet der Wanjamweſi das von den Arabern inmitten weiter Steppen gegründete Tabora(20). Aber die öſtlichen Randhöhen der Zentralafrikaniſchen Schwelle führt das Schlußſtück der Bahn hinab zu dem in 770 m Meereshöhe gelegenen Tanganjikaſee, an dem als Endpunkt das 7 km von Udjidji entfernte Kigoma gewählt wurde. Der See iſt rund 650 km lang und bedeckt 32000 qkm. Die größte Tiefe liegt 1435 m unter der Oberfläche des Sees, alſo 650 m unter dem Niveau des Meeresſpiegels. Die Randhöhen ragen im Weſten bis 3290 m empor, ſo daß der Unterſchied zwiſchen dem Seeboden und der Amrandung faſt 4000 m beträgt(23). Bei hohem Waſſerſtand entwäſſert der See durch den tief eingeſchnittenen Lukuga zum Kongo. In den Wäldern der Uferhöhen leben zahlreiche, ſonſt im Kongogebiet heimiſche Tiere, wie Menſchenaffen u. a. Ein Sonnenuntergang am Tanganjika gehört zu den eindrucksvollſten Landſchaſtserlebniſſen, die Deutſch-⸗Oſt bietet. Während der in der Tiefe liegende See ganz blaugrün erſcheint, leuchten die weſtlichen Randberge in voller Klarheit und Deutlichkeit auf. Im Süden der Kolonie erreicht das Küſtentiefland, aus dem wie im Norden einzelne Berg⸗ länder aufſteigen, ſeine größte Breite. Mit ſteiler Stufe erhebt ſich weit landein die Oſtafrika⸗ niſche Schwelle, auf der ſüdlich der Zentralbahn die CLandſchaften von Aſſagara und Uhehe (15, 16) liegen, von denen vor allem Ahehe ein für europäiſche Anſiedler geeignetes Klima beſitzt. Die ſüdweſtlich anſchließende Njaſſaſchwelle erreicht im Livingſtonegebirge im Nord⸗ oſten des Njaſſaſees 2500 m Höhe. Wie der Tanganjikaſee bedeckt auch der Njaſſaſee den Boden eines Grabens, aus deſſen Sohle im Nordweſten der Rungwevulkan 6650 m) aufſteigt, an deſſen Hängen das Kondeland und die deutſche Station Neu-Langenburg in geſunder Höhen⸗ lage liegen. Jenſeits des Berges leitet der von einem Salzſee ausgefüllte Rukwagraben(24) zum Tanganjikaſee nordweſtwärts über. Die Eingeborenen und ihre Wirtſchaft Die einheimiſche Bevölkerung Oſtafrikas zeigt neben reinraſſigen Stämmen viele andere, die durch Miſchung entſtanden ſind. So iſt das Bevölkerungsbild außerordentlich bunt, und etwa 80 verſchiedene Sprachen werden hier geſprochen. Die Arſachen dafür ſind in der Lage und Natur des Landes zu ſuchen. Denn Oſtafrika ſtellt zwiſchen dem undurchdringlichen Arwald des Kongogebietes im Weſten und dem Indiſchen Ozean im Oſten gewiſſermaßen eine Land⸗ brücke dar, die den Süden mit dem Nordoſten Afrikas verbindet. Aber ſie hinweg konnten die Völter nach dem Süden vordringen, da weder die Höhengeſtaltung noch das Pflanzenkleid Oſtafrikas unüberwindliche Hinderniſſe bieten. Gebirge wie der Kilimandſcharo waren leicht zu umgehen, und die hohen und ſteilen, nordſüdlich ziehenden Landſtufen leiteten die Völker⸗ ſtaͤmme auf ihren Wanderzügen mehr, als daß ſie ſie hinderten. So konnten die vom Norden oder Süden her vorſtoßenden Völker in Oſtafrika leicht ein⸗ dringen. Waren die einheimiſchen Stämme den Eindringlingen nicht gewachſen, ſo wichen ſie, um der Unterwerfung zu entgehen, vor den ſtärkeren Völkerſchaften in die ſchwer zugänglichen und daher Schutz bietenden Gebirge zurück, wie dies die Wadſchagga vor den von Norden kommenden Maſſai(44 ff.) taten. Oft nahmen dabei die ſchwächeren Völker Kulturgüter, wie Waffen und Bekleidungsformen, von den Siegern an. In dieſem Sinne bezeichnet man die Wadſchagga(40 ff.), Wataturi u. a. als„Maſſaiaffen“, die Wahehe, Waſſangu, Wahena u. a., die ſich die von Süden her ſiegreich vorſtoßenden, zu den Kaffern gehörenden Sulus(hollän⸗ diſch: Zulu) zum Vorbild nahmen, als„Suluaffen“. Im Nordweſten der Kolonie, in Ruanda und Urundi, den Landſchaften weſtlich des Kagera⸗ fluſſes, lebt die wohl älteſte Schicht der oſtafrikaniſchen Bevölkerung. Es ſind dies die Batwa, die zu den Zwergvölkern gehören. Gruppen von ihnen, die auf der Inſel Kwidſchi im Kiwu⸗ ſee wohnen, weiſen Durchſchnittsgrößen von 136 142 cm auf, andere ſind infolge von Ver⸗ miſchungen mit eingedrungenen großwüchſigen Stämmen weſent⸗ lich größer, ſo daß die Größen der einzelnen Stammesangehöri⸗ gen zwiſchen 142 und 172 cm ſchwanken. Der größte Teil der Bevölkerung gehört zu den Bantuſprachen ſprechenden Negern. Ihr Wohngebiet wurde eingeſchränkt im Norden durch aus dem Nilgebiet ſtammende Niloten und durch Hamiten, im Süden durch die erſt im 19. Jahrhundert eingedrungenen Sulus und die im Zuſammenhang mit deren Vorſtößen friedlich eingewanderten Makua, die tüchtige Jäger und Ackerbauer ſind und bis Lindi nordwärts vorkommen(89). Zu den Hamiten gehören die im Weſien des Viktoriaſees wohnenden Wahuma(43), bei denen eine Körpergröße von 2 m nichts Seltenes iſt, ſelbſt 2,20 m ſind hier gemeſſen worden. Ihr Geſicht iſt länglich, der Kopf ſchmal und ſeitlich zuſammengedrückt, mit gerader Naſe. Die Hautfarbe iſt hell, das Haar weich und wellig. Sie bilden in Ruanda, ob- Hans Meyer(18358— 1920) wohl ſie nur etwa 10 der Bevölkerung umfaſſen, die Herrſcher⸗ erforſchte vor allem das Gediet ſchicht. Auch die Maſſai, ein ftotzes Kriegerurd Hittenvolt, einft Epmſſchelerbeneler ale Erſer der Schrecken ihrer Nachbarn, bis die deutſche Kolonialherrſchaft 188ö beſtieg,— die Candſchaf⸗ für Ruhe und Frieden ſorgte, gehören zu den Hamiten. An der ten Ruanda und Arundi Küſte iſt aus der Miſchung von Negern mit Arabern, Indern und anderen der Stamm der Waſuaheli(60) hervorgegangen, deren Sprache, das Kiſuaheli, zur Handelsſprache in Deutſch⸗Oſt wurde. Vielſeitig wie die raſſiſche Zuſammenſetzung iſt auch die Siedlungsweiſe der Einge⸗ borenen. Urſprünglich war für die Lage der Siedlungen in dem durchgängigen Lande der Schutz maßgebend, den irgendeine Wohnſtätte bot. Die einen lebten daher noch verborgen in Höhlen oder ſie legten ihre Dörfer auf ſchwer beſteigbaren Berggipfeln(Seite 28) und Tal⸗ vorſprüngen an, andere verſteckten ihre Hütten zwiſchen den von der Natur aufgetürmten Granit⸗ blöcken(12) oder im Buſch, wieder andere ſuchten ſich durch den Aufbau von Paliſaden oder die Anlage von Hecken dort, wo die weite Steppe keinen Schutz bot, künſtlich zu ſchützen. Auch die Temben(Seite 36) verdanken wohl dieſem Bedürfnis nach Schutz ihre Entſtehung. Es ſind Hütten, die ſich nur wenig über den Boden erheben und daher aus der Ferne kaum zu erkennen ſind. Manche dieſer Siedlungen wurden aufgegeben, als mit der deutſchen Herrſchaft der Frieden zwiſchen den Stämmen einzog und die Einfälle von außerhalb aufhörten. Auch die Hausformen dieſer Wohnplätze ſind äußerſt mannigfaltig. Vom einfachſten Wind⸗ ſchirm bis zu den kunſtvoll geſchmückten Häuſern der Bewohner des Kondehochlandes, der Wakonde, ſind zahlreiche Abergänge zu finden. Zylindriſche Kegeldachhütten beſitzen die Wama⸗ konde, die Bewohner des Makondehochlandes. Der größte Stamm der Wakonde, die Wan⸗ jakjuſſa, bauen ihre Hütten einmal in der Form von Kegelſtümpfen, die oben breiter ſind als unten und mit einem Kegeldach verſehen ſind, dann aber auch als Viereckhäuſer mit Satteldach (55, 56), ähnlich wie die Wadigo im Nordoſten der Kolonie(52). Sie benutzen alſo eine Haus⸗ form, wie ſie in Weſtafrika vielfach vorkommt. Dazu treten an der Küſte Häuſer, die arabiſche und indiſche Einflüſſe zeigen. Aus der Miſchung der Bevölkerung wird verſtändlich, daß auch der ſtoffliche und geiſtige Kulturbeſitz der einzelnen Stämme die mannigfaltigſten Formen aufweiſt(62 ff.). Im Nord⸗ weſten, in Urundi, benutzt der Eingeborene noch Rindenſtoffe zur Herſtellung der Bekleidung. Die Waheia ſtellen Mäntel und Schurze aus den Faſern der Raphiapalme her, im Südweſten trägt man rohe Baumwollgewebe, im allgemeinen jedoch, wie die Waſuaheli(60), meiſt die eingeführten Kattunſtoffe. Mit zahlreichen Ringen und Behängen aus Metall ſchmücken ſich die Frauen der Maſſai und der ihr Vorbild nachahmenden Stämme(47), die Männer ſelbſt tragen Kopfbedeckungen aus Affen⸗ und Löwenfellen oder Straußenfedern(44, 45) und brechen ſich die beiden unteren mittleren Schneidezähne aus. Die Wakinga gehen noch weiter und ſchlagen ſogar alle vier unteren Schneidezähne aus. Ziernarben werden auf den verſchiedenſten Körperſtellen, im Geſicht, auf Bruſt oder Bauch, auf Rücken oder den Oberſchenkeln ange⸗ bracht. Bei vielen Stämmen werden in die Ohren der Frauen Pflöcke eingefügt, bei denen der Makonde im Südoſten ſogar große Holzſcheiben in die Oberlippe eingeſetzt, ein Brauch, durch den früher vielleicht die Sklavenjäger vom Wegfangen der Frauen abgeſchreckt werden ſollten(58). Alle Stämme lieben Tanz und Muſik. Anter den Muſikinſtrumenten, von denen manche nur eine beſchränkte Verbreitung haben(65, 68), kommt die Trommel bei den meiſten Stämmen vor, ſie fehlt nur in Ruanda und Arundi ſowie bei den Maſſai. Nach dem Takt der Trommel⸗ kapellen bewegen ſich die Tänzer, die entweder in geſchloſſenem Kreiſe oder in breiter Front tanzen. Ahnenkult und Zauberglaube beherrſchen das Leben der Eingeborenen, ſo daß die Zauberer und Regenmacher einen großen Einfluß ausüben. Sie benutzen zahlreiche Hilfsmittel, um, wie ſie meinen, die Geiſter der Natur ihren Zwecken dienſtbar zu machen. Vor allem glaubt man, daß man mittels Wurzeln und Pflanzenſäften den Gegner auf jede beliebige Ent— fernung hin ſchädigen kann. Die Araber und ſpäter die Inder brachten den Iſlam in das Land, der von der Küſte aus in das Innere eindrang und feſten Fuß faßte(63). Daresſalam allein wies vor dem Kriege acht Moſcheen auf. Die Hauptnahrung des Menſchen liefert in Oſtafrika der Ackerbau. Er wird, da der Pflug unbekannt iſt, in der Form des Hackbaues betrieben. Die Hackenklingen lieferten vor allem die Warongo, die ihre Erzeugniſſe auf dem Markt von Tabora verkauften. Die Hauptanbau— gewächſe ſind Negerhirſe, gams, Erdnüſſe, Mais(11), Reis(22), daneben auch Bananen, Knollen und anderes. Die Hirſe iſt die wichtigſte Vorratsfrucht und wird für die Trockenzeit in Speichern aufbewahrt. Da der Boden, dem jede Düngung fehlt, raſch verarmt und durch das Abbrennen der Steppe ſtark ausdörrt, muß das Feld oft gewechſelt werden und zur Erholung jahrelang brach liegen bleiben. Großviehhaltung fehlt meiſtens, da die Tſetſefliege durch ihre Stiche Viehkrankheiten überträgt. Erſt wenn es gelingen ſollte, durch Schutzimpfungen die Tiere gegen die Fliegenſtiche immun zu machen, wäre Viehzucht in weiten Teilen des Landes möglich. Bienenzucht wird bei den meiſten Stämmen betrieben(20). Während im Süden die Neger alle Ackerbauer ſind, treiben im Norden, im Gebiet der Hamiten, nur die unterworfenen Stämme Feldwirtſchaft. Die hamitiſchen Herrenvölker hin— gegen ſind Viehzüchter, die große Herden ihr eigen nennen. Dieſe weiden auf der faſt unbe⸗ grenzten Steppe und finden dort auch zur Trockenzeit in dem auf den Halmen getrockneten, feinhalmigen Gras noch genügend Nahrung. Herden waren der Reichtum der Maſſai, bis die Rinderpeſt des Jahres 1891 ihn vernichtete, und die in das Zwiſchenſeengebiet eingewanderten Wahuma und Watuſſi ſind durch die Zucht des großhörnigen Rindes bekannt. Ställe kennen nur die im Süden des Landes, im Kondeunterland nördlich des Njaſſaſees lebenden Wakonde. Neben der Landwirtſchaft treibt der Neger noch einzelne wichtige Erwerbszweige, die meiſt dem Eigenbedarf an Gebrauchs⸗ und Kultgegenſtänben dienen. Holzbearbeitung iſt über⸗ all zu finden. Jedoch ſtellt der Eingeborene die Gegenſtände nicht wie bei uns aus einzelnen Teilen her, die entweder verzahnt oder aneinandergeleimt werden. Er arbeitet vielmehr alles aus dem vollen Stück, ſo die Werkzeuge, die Reſonanzböden der Trommeln oder die Erzeug⸗ niſſe der Kunſt. Flechtarbeit und Töpferei ſind vorwiegend Arbeiten der Frauen. Die Schmiede⸗ kunſt wird vor allem von den Warongo geübt; die Viehzucht treibenden Stämme des Nordens kennen die Behandlung und Bearbeitung von Fellen und Häuten. Die deutſche Kolonialwirtſchaft Von den Erzeugniſſen der Eingeborenen ſpielten vor der Beſitznahme Oſtafrikas durch die Deutſchen infolge der mangelhaften Verkehrsverhältniſſe und der Kämpfe, die ſich zwiſchen den Stämmen entwickelten, die allermeiſten für den Handel keine Rolle. Nur der Sklaven⸗ und der Elfenbeinhandel warfen Gewinne ab. Der Küſtenſchiffahrt auf den Unterläufen der Flüſſe ſind durch Waſſerfälle und Schnellen wenige Kilometer von der Küſte weg Schranken geſetzt(8), und Zugtiere kommen wegen der weiten Verbreitung der Tſetſefliege für die Be⸗ förderung von Gütern nicht in Frage. So war man damals allein auf den zeitraubenden, mühe⸗ vollen und vielen Gefahren ausgeſetzten Trägerverkehr angewieſen. In endloſen Schlangen zogen die Trägerkarawanen(Seite 30) auf den ſtark gewundenen und ſchmalen Negerpfaden durch den jede Fernſicht verwehrenden Miombowald oder über die weite waſſerarme Steppe dahin. Jeder Fluß mußte, da Brücken fehlten, auf Furten durchwatet werden, wobei die Trä⸗ ger nicht ſelten ein Opfer der blitzſchnell zupackenden Krokodile wurden(21, 31). Zur Regen⸗ zeit waren viele Waſſerläufe überhaupt nicht durchſchreitbar. Der Trägerverkehr ſetzte bedeu⸗ tende Menſchenmaſſen in Bewegung, führte aber häufig die Träger auf immer von Heimat, Sippe und Familie fort. In dieſer Zeit war Tabora ein wichtiger Verkehrsmittelpunkt, wo jährlich etwa 120000 Träger aus⸗ und einzogen(20). Am Skla⸗ ven und Elfenbein zu erlangen, drangen die ſeit langem an der Küſte ſitzenden arabiſchen Händler weit in das Land ein. Sklaven⸗ jagden beunruhigten die Eingeborenen und zwangen ſie, ihre Siedlungen verſteckt anzulegen. Da der Sklavenhandel bald nach der Beſitznahme Oſtafrikas durch die Deutſchen gemeinſam von ihnen und den Engländern unterdrückt wurde, blieb zunächſt nur das Elfenbein als wichtiges Ausfuhrgut von Deutſch⸗Oſt übrig (36). Im Jahre 1890 lieferte die Kolonie 204000, im Jahre 1891 208000 kg Elfenbein. Im Jahre 1900 wurden noch 64100, 1912 nur 17400 kg ausgeführt. Eine der dringendſten Aufgaben, vor der die Deutſchen nach der Befriedung der Kolonie und der Einrichtung einer planvollen Verwaltung ſtanden, war daher, die Wirtſchaft des Candes zu beckte den Kiwuſee und die Virun⸗Wentwickeln und in neue Bahnen zu lenken. Hand in Hand damit gabulkane und war 1901 1906 mußte die Verkehrserſchließung gehen, da das eine ohne das Gouverneur von Oeutſch⸗Oſtafrika andere nicht zu erreichen war. So begann man denn ſeit 1894, die von der Küſte ausgehenden Wege auszubauen. Man ſchlug feſte Brücken über die Waſſerläufe und legte an geeigneten Plätzen Brunnen an. Manche dieſer Straßen verlor an Bedeutung, nachdem ſie durch die Eiſenbahn erſetzt worden war. Als erſte deutſche Kolonialbahn überhaupt wurde vom Juni 1893 bis April 1896 die 40 km lange Strecke von Tanga nach Muheſa im Nordoſten der Kolonie gebaut. Dieſe Bahn ſollte dann nach dem urſprünglichen Plane als Nordbahn am Kilimandſcharo vorbei zum Viktoria— ſee führen. Aber der Weiterbau ſließ auf erhebliche Schwierigkeiten, ſo daß das erſte 120 km lange Teilſtück bis Mombo am Fuße des Uſambaragebirges erſt 1905 dem öffentlichen Verkehr übergeben werden konnte. Da ſich der Verkehr auf der Aſambarabahn gut entwickelte, wurde der Bau weitergeführt. Er erreichte Neu⸗Moſchi im Jahre 1912. Damit beſaß die Bahn eine Geſamtlänge von 352 km; die Fortführung bis Aruſcha mit weiteren 86 kmm Strecke war bei Ausbruch des Weltkrieges beſchloſſen, aber noch nicht durchgeführt.— Auch der Plan einer Mittellandbahn(Seite 40), die von Daresſalam aus quer durch die Kolonie gelegt werden ſollte, wurde bereits frühzeitig gefaßt, aber infolge der wiederholten Einſprüche des Reichs⸗ tages erſt nach 1900 verwirklicht. In den Jahren 1908 bis 1907 wurde die erſte, bis Morogoro reichende 209 km lange Teilſtrecke trotz der Angunſt des dicht bewachſenen, oft völlig unüber⸗ ſichtlichen Geländes und trotz des Arbeitermangels fertiggeſtellt. Dann ging der Bau, obwohl die großen Bruchſtufen zu überſchreiten waren, raſcher vorwärts, ſo daß Tabora 1912 und Kigoma, der Endpunkt am Tanganjikaſee in 1250 km Entfernung, am 1. Februar 1914 er⸗ * e Qοο ⁹ẽůu]απτπ-ͥ⁴ πννεεννι er Sklaven⸗ terläufen der Schranken für die Be⸗ nden, mühe⸗ Schlangen Negerpfaden rme Steppe bei die Trä⸗ Zur Regen⸗ ſetzte bedeu⸗ häufig die ſie fort. In elpunkt, wo ). Am Skla⸗ igem an der in. Sklaven⸗ jen ſie, ihre el bald nach leinſam von zunächſt nur ch⸗Oſt übrig Jahre 1891 och 64100, utſchen nach rplanvollen Candes zu Hand damit e ohne das n ſeit 1894, Man ſchlug n. Manche borden war. die 40 km Bahn ſollte m Viktoria⸗ ſte 129 km hen Verkehr kelte, wurde Bahn eine cke war bei Plan einer egt werden des Reichs⸗ Morogoro llig unüber⸗ au, obwohl 1912 und ar 1914 er⸗ ———— — —— 7 reicht wurden. Eine von Tabora ausgehende Stichbahn von 481 km Cänge ſollte anſchließend die Verbindung mit der dicht bevölkerten und gut angebauten Landſchaft Ruanda im Nord⸗ weſten der Kolonie herſtellen. So war beim Ausbruch des Weltkrieges nur noch der Süden der Kolonie allein auf den Menſchen als Transportmittel angewieſen. Im Norden und in der Mitte des Schutzgebietes dagegen kamen Trägerkolonnen nur noch als Zubringer für den Eiſenbahnverkehr in Frage. Die Einwirkung dieſer Eiſenbahnen auf die Wirtſchaft des Schutz⸗ gebietes macht eine Berechnung der Transportleiſtungen einer Trägerkolonne und eines Güter⸗ zuges deutlich, die der bekannte Kolonialforſcher Franz Thorbecke aufſtellte:„Wie unwirt⸗— ſchaftlich ein Träger arbeitet, der an einem Tag 30 kgs höchſtens 25 km weit befördert, alſo eine Tagesleiſtung von nur 0,25;/ km aufbringt, zeigt der Vergleich mit den 501 Nutzlaſt eines kleinen afrikaniſchen Güterzuges von 20 km Stundengeſchwindigkeit und höchſtens 10 ſtündiger Fahrtdauer; er leiſtet 200mal 50 t/ km 10000 f/ km, alſo mechaniſch ſoviel wie 13333 Trä⸗ ger!!“ Wenn man außerdem bedenkt, daß möglichſt alle Laſten in Teile zu 30 kg zerlegt werden mußten, wie z. B. die Dampfer, die auf den großen oſtafrikaniſchen Seen eingeſetzt wurden, ſo wird dadurch klar, mit welchen Schwierigkeiten die Anfänge unſerer Kolonialentwicklung zu kämpfen hatten. Die Anlage von Plantagen durch Deutſche begann in Deutſch⸗Oſt bereits kurz nach der Aufrichtung der deutſchen Herrſchaft. Da jedoch alle Erfahrungen fehlten, kamen die Anter— nehmungen lange Jahre hindurch nicht über Anbauverſuche hinaus, in denen ſie von dem Biologiſch⸗landwirtſchaftlichen Inſtitut in Amani in vortrefflicher Weiſe unterſtützt wurden. Die erſten Plantagen entſtanden im Norden im Hinterland von Tanga und an den Hängen des Aſambaragebirges bei Wilhelmstal. Dem Ausbau der Verkehrswege folgte die Anlage neuer Pflanzungen in anderen Bezirken, im Süden bei Cindi, am Rufiji und bei Morogoro am Ulugurugebirge. Das erſte Erzeugnis, dem man ſich am Aſambaragebirge zuwandte, war der Kaffee(27, 78). Da jedoch hier der Boden für die lange Pfahlwurzel der Kaffeepflanze nicht tiefgründig genug war, wurde nach 1901 am Aſambaragebirge keine Ausdehnung des Pflanzungslandes mehr vor— genommen, und man ging zum Anbau anderer Pflanzen über. Gute Erträge hingegen lieferten die Kaffeekulturen am Kilimandſcharo und am Meru, die ſeit 1902 im ſteigenden Amfang an⸗ gelegt wurden. Auch im Bukobabezirk weſtlich des Viktoriaſees entſtanden gut gedeihende Kaffee⸗ pflanzungen. Vor dem Kriege waren ſo 3140 ha mit 3,4 Millio⸗ nen Kaffeebäumen vorhanden, die für die Ausfuhr 1912 0,9 Mil⸗ lionen kg Kaffee im Werte von 1,2 Millionen Mark lieferten. Größere Bedeutung gewann vorübergehend, kurz vor dem Weltkriege, durch die günſtige Lage des Weltmarktes beeinflußt, der Anbau von Kautſchukpflanzen(81, 82). Vor allem war es die Manihot Glaziovii, die in vielen Gegenden angebaut wurde. Im Jahre 1912 waren 44 900 ha mit Kautſchukpflanzen bedeckt. Es wurden in dieſem Jahre 1020t im Werte von 7)2 Mil— lionen Mark ausgeführt. Weitaus das wichtigſte Erzeugnis der Pflanzungsunterneh⸗ mungen war jedoch die von der Siſalagave(83, 84) ſtammende Faſer. Im Jahre 1893 führte Hindorf die auf der trockenen mexi⸗ kaniſchen Halbinſel Hukatan heimiſche Pflanze von Florida aus in Oſtafrika ein. Sie erwies ſich als außerordentlich widerſtands⸗ fähig gegen Schädlinge und Witterungseinflüſſe und nahm mit verhältnismäßig wenig tiefgründigem Boden vorlieb. Im Jahre 1900 betrug die Ausfuhr erſt 10 t, 1912 jedoch bereits 17 100t im Betrage von 7,4 Millionen Mark. 24750 ha waren von Siſalagaven beſtanden, von denen 14360 ha Erträge lieferten. Franz Stuhlmann(1863— 1928) bereiſte 1889—- 1892 Oeutſch⸗Oſt⸗ afrika und begründete 1902 das Biologiſch⸗landwirtſchaftliche For⸗ ſchungsinſtitut von Amani Vor allem wurde die Siſalagave in den Bezirken von Tanga, Pangani und Wilhelmstal im Nordoſten ſowie von Lindi angebaut. Im Jahre 1914 waren ferner 14310 ha der Pflanzungsunternehmungen mit Baumwolle (29, 80) bepflanzt, vor allem als Zwiſchenkultur von Siſalagaven und Kautſchuk. Auch von den Kokosplantagen waren einige in den Händen deutſcher Geſellſchaften, die zuſammen mehr als /Millionen Bäume beſaßen. Außerdem trieb man, vor allem um den eignen Nahrungs⸗ unterhalt zu gewinnen, den Anbau unſerer Getreideſorten, von Gemüſe und Hülſenfrüchten. Die europäiſche Kartoffel konnte in höheren Lagen zweimal im Jahre geerntet werden. Um die Holzbeſtände des Aſambaragebirges(J4) auszunutzen, wurden Förderbahnen gebaut. Neu errichtete Sägewerke bearbeiteten die aus dieſen Waldgebieten ſtammenden Zedern. Von den bergbaulichen Anternehmungen lieferte die Saline Gottorp 1850 Zentner Salz, das vor allem nach dem Kongogebiet ausgeführt wurde. Gold wurde im Bezirk von Muanſa und von der Kironda-Goldminengeſellſchaft zu Sekenke, Glimmer im Alugurugebirge und in Uſambara gewonnen. Um die Erträge der Kolonie zu ſteigern, galt es, auch die Eingeborenen an eine planvolle Wirtſchaftsweiſe zu gewöhnen und ſie zum Anbau von Pflanzen, die für das Mutterland wichtig waren, zu gewinnen. Das begann zuerſt im Weſten und Süden des Viktoriaſees, der durch die Agandabahn Anſchluß an den Weltverkehr hatte. Im Bezirk Bukoba ging die Be⸗ völkerung bald zum Kaffeeanbau, im Süden des Sees bei Muanſa zur Pflege der Baumwolle über. Während im Jahre 1904, in dem die erſte nennenswerte Ausfuhr ſtattfand, nur 7700 kg Kaffee aus dem Bezirk von Bukoba verſandt wurden, betrug die Kaffeeausfuhr aus dieſem Gebiete im Jahre 1912 672 500 kg im Werte von /»Millionen Mark. Auch von der Baum⸗ wollausfuhr, die im Jahre 1912 1,90 Millionen kg im Werte von 2,2 Millionen Mark betrug, kam der größte Teil aus Pflanzungen, die von den Eingeborenen am Viktoriaſee ſowie im Küſtentieflande betrieben wurden. An der Küſte fand in den letzten Jahren vor dem Weltkriege ferner die Nutzung der Kokospalmen(23) wegen des ſich aus dem Anbau ergebenden ſicheren Gewinnes bei den Eingeborenen mehr und mehr Aufnahme, ſo daß der größte Teil der Aus⸗ fuhr des getrockneten Fruchtfleiſches der Palme, der Kopra, im Jahre 1912 im Werte von 1,6 Millionen Mark aus Plantagen der Eingeborenen ſtammte. Auch der Anbau der Erdnuß entwickelte ſich trotz ziemlich häufiger Mißernten, die eine Folge von zu langer Dürre und von Krankheiten der Pflanze ſind, immer mehr zu einer Volkskultur. Dieſe Pflanzungen zogen ſich vor allem entlang der Zentralbahn ins Innere. Da der Inlandverbrauch bedeutend iſt, gelangten 1912 nur 6080 f im Werte von 1,3 Millionen Mark zur Ausfuhr. Anter den Ausfuhrerzeugniſſen der Viehhaltung der Eingeborenen nahmen vor dem Kriege Felle und Häute den erſten Rang ein. Sie ſtammen wie ein Teil des Kaffees und der Baumwolle aus den Gebieten um den Viktoriaſee. Während im Jahre 1900 nur für etwa 100000 Mark Felle und Häute zur Ausfuhr kamen, erreichte der Export im Jahre 1912 einen Wert von 4,1 Millionen Mark. Die Einführung des von Europäern geleiteten Plantagenbaus, die Hebung der Ein⸗ geborenenwirtſchaft durch die deutſche Verwaltung und Miſſion, ſowie der Ausbau der Ver⸗ kehrswege hatten zur Folge, daß der Handel der Kolonie in Ausfuhr und Einfuhr von Jahr zu Jahr ſtieg, wie dies die folgende Tabelle ausweiſt: Ausfuhr Einfuhr Geſamtaußenhandel in Millionen Markſin Millionen Mark[ in Millionen Mark 1900 4,3 127•⁰ 16,3 1905 9,9 17,7 N.6 1910 20,8 38,7 59,5 1912 35, 33,4 88,9 Sechs Siebentel des Handels gingen im Jahre 1912 über die Häfen an der Meeresküſte, von denen Daresſalam(4, 5) und Tanga(2) als Ausgangspunkte der großen Eiſenbahnlinien und infolge ihrer Hafenausgeſtaltung die übrigen Handelsplätze, ſo vor allem Bagamojo, weit überflügelt hatten. Der Reſt des Geſamtaußenhandels nahm vor allem von Nordweſten aus ſeinen Weg über den Viktoriaſee zu der durch den Süden Britiſch⸗Oſtafrikas Kenia) führenden Agandabahn. Der Außenhandel von Deutſch⸗Oſt wurde vorwiegend von deutſchen Groß— handelsunternehmungen betrieben, neben denen noch einige andere europäiſche ſowie mehrere indiſche Handelsunternehmungen beteiligt waren. Aber die Hälfte der Ausfuhr und Einfuhr kamen auf den Handel mit dem Mutterland, dem die Kolonie allein bereits zwei Drittel ſeines Siſalfaſerbedarfs lieferte. In der Beſiedlung des Landes mit Weißen ging die deutſche Verwaltung nur vorſichtig Schritt für Schritt vor. Dank der Höhenlage weiter Flächen innerhalb der Seite 6 gekenn⸗ zeichneten Schwellengebiete iſt in Oſtafrika für die dauernde Anſiedlung von Weißen Platz genug, wenn auch die Schätzung des zur Verfügung ſtehenden Raumes heute noch zwiſchen etwa 100000 und 250000 qkm ſchwankt. Vor allem kommt es darauf an, daß die Gebiete malaria⸗ frei ſind und daß ihnen der tropiſche Gleichklang der Wärme fehlt, daß ſie vielmehr über ſtärkere Schwankungen innerhalb des täglichen Temperaturganges und über kühlere Temperatur über⸗ haupt verfügen. Die erſten weißen Anſiedler ließen ſich in den neunziger Jahren an den Hängen Weſtuſambaras nieder; nach der Jahrhundertwende ſiedelten ſich weitere Deutſche vor allem am Kilimandſcharo und am Meru an, in Gebieten, die wir bereits als wichtige Plantagen⸗ gebiete kennengelernt haben. Manche Räume jedoch, die für Weiße in Frage kommen, ſind bereits von Eingeborenen ziemlich dicht bewohnt, wie das Hochland von Ruanda und Urundi weſtlich des Viktoriaſees. Dadurch wird der zur Verfügung ſtehende Raum auf 80000 qkm, nach v. Cindequiſts Berechnungen auf 30000 qkm eingeſchränkt. Andererſeits hat ſich durch die Heereszüge v. Lettow⸗Vorbecks gezeigt, daß auch in dem weniger bekannten Süden noch geeignete Räume vorhanden ſind. Otto Ahlig ſchätzt, daß bei Ausbau und völliger Erſchließung der Siedlungsgebiete eiwa 200000 Weiße in Deutſch⸗Oſtafrika ſiedeln könnten, wobei berück⸗ ſichtigt iſt, daß der Weiße auch ſeine Kulturbedürfniſſe befriedigen kann und er nicht auf die Stufe des Eingeborenen herabſinkt, alſo nicht„verkaffert“. Am 1. Januar 1913 betrug die weiße Bevölkerung in Oſtafrika 5336 Köpfe und zwar 3536 Männer, 1025 Frauen und 725 Kinder. Davon waren 4107 Deutſche und 321 Kolonialengländer. Von den erwachſenen Weißen gehörten 551 zur Verwaltung und 186 zur Schutztruppe. 882 waren Pflanzer, Farmer und Gärtner, 498 Geiſtliche und Miſſionare. Die größte Anzahl von Weißen wohnte in den Bezirken von Daresſalam(1053), Tanga (581), Aruſcha(800), Moſchi(467) und Wilhelmstal(423). Die übrigen Weißen waren über das Gebiet der Kolonie verſtreut, die geringſte Zahl wies der Bezirk von Sſongea mit 35 auf. Die Eingeborenenbevölkerung betrug demgegenüber 7,6 Millionen Köpfe, von denen allein 3½ Millionen in den Hochländern von Ruanda und Arundi lebten. Dieſe wieſen damit eine Bevölkerungsdichte von eiwa 60 je qkm auf, während der Durchſchnitt für die ganze Kolonie nur 8 Bewohner auf den Quadratkilometer beträgt. Die farbige, aber nicht eingeborene Be⸗ völkerung, zu der die Inder und Araber gehören, zählte 14898 Perſonen(davon 8784 Inder, vgl. Seite 38). Für die Heranbildung der Eingeborenen ſorgte neben der Verwaltung die chriſtliche Miſſion, die ſich nicht nur darauf beſchränkte, die chriſtliche Lehre zu verbreiten, ſondern in ihren 1832 Schulen über 100000 Schüler in der Anlage von Pflanzungen, in Handwerken und in der Krankenpflege unterrichtete. Durch dieſe Ausbildung und durch die Maßnahmen der Verwal⸗ 10 tung, die Forſchungsexpeditionen planmäßig durch die ganze Kolonie entſandte, wurde der Geſundheitsſtand der Eingeborenen weſentlich verbeſſert. Die Pocken verſchwanden faſt ganz, und auch die Schlafkrankheit, die furchtbare Geißel vieler tropiſcher Landſtriche, wurde in ihrer Verbreitung weſentlich beſchränkt. So war Deutſch⸗Oſtafrika auf dem beſten Wege zu einem geſunden Aufſtieg, als der Weltkrieg ausbrach. Die Entwicklung unſerer Kolonie wurde durch den Weltkrieg auf Jahre hinaus völlig zer⸗ ſtört. Da die an der Feſtſetzung der Kongoakte von 1885 beteiligten Mächte(Deutſches Reich, England, Frankreich, Belgien uſw.) ſich im Artikel 14 verpflichtet hatten,„einen europäiſchen Krieg nicht auf die zentralafrikaniſchen Kolonien zu übertragen“, drahtete noch am 2. Auguſt 1914 der deutſche Staatsſekretär für die Kolonien Dr. Solf nach Deutſch⸗Oſtafrika an den damaligen Gouverneur Dr. Schnee: Kolonien außer Kriegsgefahr, beruhigt Anſiedler! Jedoch wenige Tage ſpäter eröffneten die Engländer die Feindſeligkeiten. Ein engliſcher Kreuzer beſchoß am s. Auguſt den Dampfer„König“, der eben Daresſalam verlaſſen hatte, und wenige Tage ſpäter wurde die Funkſtation des Hafens ſelbſt beſchoſſen. Das veranlaßte v. Lettow⸗Vorbeck, den Führer der deutſchen Schutztruppe(85 ff.), die durch alle im Lande wohnenden wehrfähigen Deutſchen ver⸗ ſtärkt wurde, ſeinerſeits zum Angriff vorzugehen und am 15. Auguſt die engliſche Station Taveta zu nehmen. In der Schlacht von Tanga ſchlug die deutſche Truppe in einer Stärke von 200 Wei⸗ ßen und 900 Askaris in den erſten Tagen des November 8000 gelandete Engländer und Inder völlig. Die nun folgenden Ruhemonate benutzte die deutſche Führung dazu, alles zu tun, was zur Verteidigung der Kolonie nur irgendwie dienen konnte, und alle nur möglichen Hilfsquellen des Landes heranzuziehen. Am 11. Juni 1915 mußte der Kommandant Loof des Kreuzers „Königsberg“(90), der bei Sanſibar den engliſchen Kreuzer„Pegaſus“ am 20. September 1914 überraſchend angegriffen und vernichtet hatte, ſein von 16 feindlichen Schiffen im Rufidjidelta blockiertes Schiff in die Luft ſprengen, nachdem noch zahlreiches Kriegsgerät an Land gebracht worden war. Als die Engländer dann eine rieſige Abermacht unter dem ſüdafrikaniſchen General Smuts heranführten, mußten die Deutſchen vom Kilimandſcharogebiet allmählich zurückweichen. Tabora wurde von General Wahle nach zehntägigem Kampfe am 17. September 1916 ge⸗ räumt. Mit 3000 Deutſchen, 1700 Askaris und 4000 Trägern ging v. Lettow⸗Vorbeck vor den nachdrängenden Gegnern, die ſich immer wieder vergeblich bemühten, ihn einzukreiſen, am 25. November 1917 auf portugieſiſches Gebiet jenſeits des Rovuma über und drang hier unter immer wieder ſiegreichen Gefechten bis gegen den Sambeſi vor. Darauf machte er jedoch kehrt und zog, durch feindliche Truppen hindurch, wieder nordwärts. Deutſch⸗Oſtafrikas Boden wurde im September 19158 erreicht. Am nicht umſtellt zu werden, wich er gegen Südweſten nach Britiſch⸗Rhodeſien aus, wo er ſchließlich am 25. November 1918 in Abercorn unbeſiegt auf Befehl der deutſchen Regierung, die nach der Revolution des 9. November den Krieg hatte verloren geben müſſen, die Waffen ſtreckte. Nur Beutegewehre aus engliſchem und portugie⸗ ſiſchem Beſitz fielen dem Gegner in die Hände. Was niemand für möglich gehalten, war in Deutſch⸗Oſtafrika Wirklichkeit geworden! 300000 Engländer, Buren, Inder, Portugieſen und Belgier unter der Führung von 146 Generälen und unter Einſatz von Tauſenden von Kraft⸗ wagen, von zahlreichen Geſchützen, modernſten Gewehren und reichem Sanitätsmaterial hatten nicht vermocht, die kleine deutſche Schutztruppe, die zuletzt nur noch 1400 Waffentragende hatte, zu bezwingen. England büßte in Oſtafrika allein 18000 Tote an Engländern und 80000 ſeiner farbigen Soldaten ein. Begeiſtert wurden die zurückkehrenden Oſtafrikaner im Reich empfangen, „hatten ſie doch ein Stück deutſchen Soldatentums bewahrt und unbeſchmutzt in die Heimat zurückgeführt und die den Deutſchen eigentümliche germaniſche Mannentreue auch unter den Verhältniſſen eines Tropenkrieges aufrechterhalten!“(v. Lettow⸗Vorbeck.) „wurde der en faſt ganz, urde in ihrer ge zu einem s völlig zer⸗ ſſches Reich, europäiſchen Auguſt 1914 n damaligen wenige Tage am 5. Auguſt er wurde die Führer der eutſchen ver⸗ ation Taveta on 200 Wei⸗ er und Inder zu tun, was Hilfsquellen )des Kreuzers tember 1914 Rufidjidelta and gebracht chen General urückweichen. ber 1916 ge⸗ rbeck vor den ukreiſen, am ng hier unter hte er jedoch frikas Boden n Südweſten orn unbeſiegt nKrieg hatte und portugie⸗ alten, war in rtugieſen und n von Kraft⸗ aterial hatten agende hatte, 80000 ſeiner h empfangen, ndie Heimat ich unter den — 2— Deulſch⸗Südweſtafrika Erforſchung und Erwerbung rſt ſpät trat Deutſch⸗Südweſtafrika in den Bereich der europäiſchen Erforſchung und E Kenntnis. Das iſt bei der Abgeſchloſſenheit des Landes nicht verwunderlich. Iſt doch ſchon die Küſte ſelbſt durch ihre Unwirtlichkeit kein einladender Landungsplatz(91, 92). Verſtärkt wurde dieſe Annahbarkeit noch durch die unmittelbar dahinterliegende Namib⸗Wüſte (96), die den Weg in das Innere verſperrte. Im Oſten des Schutzgebietes liegen die Ver⸗ hältniſſe in der Kalahari⸗Steppe ähnlich. Der Süden verlockte kaum irgend jemanden, nach dem inneren Hochland durchzuſtoßen, und der Norden gar gehörte noch zu den am wenigſten erforſchten Teilen Afrikas überhaupt. Wohl hatten die Portugieſen ſchon im 15. Jahrhundert auf ihren Indienfahrten Landungszeichen in Form von Kreuzen hinterlaſſen(91). Aber ſie hatten wichtigere Ziele, als das ſo unwirtlich erſcheinende Land zu erforſchen. Erſt die An⸗ nahme, es ließen ſich im Inneren Reichtümer erwerben, führte im 18. Jahrhundert vom Kap⸗ lande aus zu einigen Expeditionen. Sie ſollten erkunden, wie ſich der ſagenhafte Rinder⸗ reichtum der Hereros in klingende Münze verwandeln ließe, und ob es nicht Gold im Lande gäbe. Beide Abſichten waren jedoch ebenſowenig von Erfolg gekrönt, wie ein ſpäterer Verſuch der Engländer, eine Kupfermine ins Leben zu rufen. Schon 1868 wollten deutſche Miſſionare der Rheiniſchen Miſſionsgeſellſchaft den König von Preußen für das Gebiet intereſſieren und baten um ſeinen Schutz, da ſie unter den ſtändigen Kämpfen der Eingeborenen ſehr zu leiden hatten. Der Deutſch⸗Franzöſiſche Krieg von 1870/21 ließ jedoch dieſe Abſichten wieder in Vergeſſenheit geraten. 1826 ſuchten die Engländer von der Kapkolonie aus das Gebiet in Beſitz zu nehmen, konnten ſich aber nicht durchſetzen. Sie behielten nur die Walfiſchbucht in ihrer Hand, und als ſich die im Lande le⸗ benden Weißen, Miſſionare und Händler, wegen mangelnden Schutzes gegen die Abergriffe der Eingeborenen beklagten, erklärten die engliſchen Kolonialbehörden, daß ſie mit dem Inneren des Landes nichts zu tun hätten und keine Verwaltung ausübten. Die Engländer hatten alſo, wie ſie ſelbſt erklärten, keinerlei Rechte und Anſprüche an dem Lande. Es folgte nun auf Grund von Verträgen mit den Eingebo⸗ renen die Erwerbung der Bucht von Angra⸗Pequena, der ſpä⸗ teren Lüderitzbucht durch den Vertreter des Bremer Kaufmanns Cüderitz(ſiehe Ehrentafeh, Heinrich Vogelſang(ſiehe Bild im Text), und Bismarck gewährte dem Gebiet am 24. April 1884, durch ein Telegramm an den deutſchen Konſul in Kapſtadt, den Schutz des Deutſchen Reiches. Jetzt empfanden plotzlich Eng⸗ land und beſonders das Kapland ſtärkſtes Intereſſe an dieſem vor kurzem erſt zurückgewieſenen Gebiet und wollten es in ihren Beſitz bringen. Bismarck wußte das jedoch geſchickt zu verhin⸗ dern. And da die von den Engländern angeführten Rechtstitel ſehr 9ꝗ waren, blieb ihnen nichts anderes übrig als G1 8 ter von nachzugeben. Sie behaupteten an der Küſte Südweſtafrikas nur Tibrrlh in unrn.Hegnens ſchoßh die ſchon früher beſetzte Waltiſchbucht. Oie endgültige Regelung im Mai 1883 mit dem Hotten⸗ erfolgte durch den Capriviſchen Helgoland⸗Sanſibar⸗Vertrag 3915 in vom 1. Juli 1890(ſiehe auch Seite 5). Deutſch⸗Südweſtafrika erſtreckte ſich danach vom Oranje⸗Fluß, der Grenze gegen das mit klmgebung an Küderitz ab. Kapland im Süden, über mehr als 1200 km bis zum Kunene, getreten wurde dem Grenzfluß gegen das portugieſiſche Angola im Norden. Seine Breite von der Küſte landeinwärts ſchwankte, abgeſehen vom„Caprivizipfel“, zwiſchen rund 450 km im Süden und faſt 1000 km̃ im Norden. Es war daher mit ſeinen 835 000 qkm mehr als anderthalbmal ſo groß wie das deutſche Mutterland. Lage und Landescharakter Selten iſt in dieſem trockenen Sonnenlande der ſtrahlend blaue Himmel bewölkt. In ſeiner ſüdlichen Hälfte ſteht die Sonne ſtets zwiſchen Oſten, Norden und Weſten am Himmel, während ſie im nördlichen Teile zweimal jährlich im Zenit ſteht und ihre brennenden Strahlen ſenkrecht herabſchickt. Die Tageslänge ſchwankt nicht ſo ſtark wie bei uns, und die Bämmerung iſt wie in allen tropennahen Gebieten ſtark verkürzt. Das ganze Schutzgebiet iſt ein Hochland. Noch nicht ein Viertel ſeiner Fläche liegt weniger als 1000 m über dem Meere. Große Gebiete U „r A,,N 6. 0 ILIA —— KAmboOola nd. 1505 33 —— 8 Spfomme αε —„ιν hn, 8 2 12500 7 Outtjo i, Naterbemy 3 0 4 2 232 2280 C —.— 85 7⁷ 5 7 Arihghe 2 S2284⸗ Hlobe K 51657 ½ KWindhuk — E ⸗ 2330 88.N 4 ... IODFänNSUIUISN 1 4 Nauα K MuiIEHH 6.J 9 — + 2 3.9 S I D 4 25 K 2 — 2 Notemu0 eeeeee 4 2 LHiideritabicu 8 D Maßbstab 1:10 000 000 — 2 0 100 20⁰0 30⁰ — RNobiub—————— Kilometer 22 isenbohnen, 35 I gi Nodtενννi aumb 0 7 — N Ostl. Länge v Creenwich 13⸗ SLUDX R. 20⸗ LN R 0 N Stud 1944 11 4 +5 07 12 erheben ſich über 1500 m bis weit über 2000 m hinaus. Die Höhenlage wirkt ſich natürlich auch auf das Klima aus, fällt doch die Temperatur mit einem Anſtieg von 100 m um rund ½ Grad. Auf Grund des geologiſchen Aufbaues der Kolonie ſind auch in den Hochländern Ebenen und nur flach gewelltes Gelände vorherrſchend. Den Abfall zur Küſte bilden ſehr alte Geſteine, in erſter Linie Gneiſe, Granite und Schiefer, während die inneren Ebenen und Ge⸗ birge von erdgeſchichtlich ſehr jungen Schichten zuſammengeſetzt werden. Hierher gehören die rieſigen ununterbrochenen Sandebenen, die allein in der Kalahari mehr als/ der Geſamt— fläche der Kolonie einnehmen. Am uns ein Arteil über Deutſch⸗Südweſtafrika und die von den Oeutſchen vollbrachten Kultur⸗ leiſtungen bilden zu können, müſſen wir die einzelnen Candſchaften etwas näher betrachten. Die Küſte iſt durch die an ihr von Süden nach Norden entlang fließende kühle, aus antarktiſchen Ge— wäſſern ſtammende Meeresſtrömung benachteiligt. Das einzige erfriſchende Naß bringen allein die hier häufigen Nebel. Der ganze Küſtenſtreifen bis weit landeinwärts wurde daher zu einer richtigen Wüſte, der Namib(96), mit all ihren Schreckniſſen— Hitze, Hunger und Durſt. Dem von See Kommenden wird ſogar das Landen an dieſer troſtloſen Küſte äußerſt erſchwert; zieht ſie doch in rund 1400 km Cänge faſt buchtenlos und von ſtändiger ſtarker Brandung und Sandtrift begleitet dahin. Es gibt nur zwei natürliche Häfen. Der eine, die Walfiſchbucht, iſt in engliſchen Händen und verſandet mehr und mehr. Am den Norden der Kolonie an den Seeverkehr anzuſchließen, wurde an der Mündung des Swakop eine Landungs⸗ brücke gebaut und der Verſuch gemacht, die auf offener Reede ſo wilde und gefährliche Brandung durch einen Seedamm etwas zu beſänftigen. Da im Antergrunde des Flußbettes Waſſer vorhanden war, entwickelte ſich bald ein ſchmuckes Städtchen(93, 94), in dem ſogar das Grün einiger Bäume und bewäſſerter Gärten nicht fehlte und einen freundlichen Zug in das Landſchaftsbild brachte. Der Südhafen, Cüderitzbucht(95), war dagegen ein ſchöner und ſicherer Naturhafen. Die ſich entwickelnde Stadt liegt aber in einer abſolut waſſerloſen Gegend. Da hier ſogar das Trinkwaſſer durch Verdampfung von Meereswaſſer künſtlich gewonnen werden muß, ſieht man nirgends einen Tupfen Grün auf den Straßen. Dunkle Felſen und gelber Sand beherrſchen das Bild, in das nur die ſchmucken weißen Häuſer und das blaue Meer belebende Farben bringen. Obgleich die Namib die ganze Küſte begleitet, bietet ſie doch einen unterſchiedlichen An— blick. Im Norden gelingt es einigen, zuzeiten kräftig fließenden Flüſſen hin und wieder das Meer zu erreichen und die in ihren Betten angeſammelten Sandmaſſen beiſeitezuſchaffen. Im Süden erreicht kein Tropfen Waſſer das Meer, und endloſe Sanddünen beherrſchen das Bild(96, 97). Im ſo erſtaunlicher ſind die Schätze, die dieſe toten Maſſen bergen. Hier fanden ſich die edelſten Steine, die Diamanten; ſie verwandelten wertloſe Sandgebiete in Schatzkammern(142, 143). Weiter landeinwärts folgt auf die Küſtenabdachung das Hochland, das im Oſten wieder zu dem Sandfeld der Kalahari abſinkt. Im Norden, im Gebiete der Etoſcha-Pfanne und des Ambolandes geht es flächenhaft in die umliegenden Gebiete über. Weiter ſüdlich teilt man es in das Hereroland und das Namaland ein. Das ganze Hochland iſt ein Steppenland, in dem die von Nord nach Süd immer ſpärlicher werdenden Regen in den Sommermonaten fallen (Süd ſommer Dezember⸗April). Die Oberflächenformen des Hererolandes gehören zu den auf⸗ fälligſten im ganzen Schutzgebiete. Immer wieder treffen wir, weithin ſichtbar, einzelne Kuppen oder Inſelberge(100), die aus der ebenen Amgebung aufragen und als faſt uneinnehmbare Baſtionen in den Eingeborenen⸗Aufſtänden eine wichtige Rolle ſpielten. Im Norden gibt es wegen des ſtärkeren Niederſchlages neben den weitverbreiteten Dornbüſchen noch laubabwer⸗— fende Trockenwälder. An manchen Stellen iſt ſogar noch Ackerbau möglich. Im übrigen iſt das ganze Land mit einer nahrhaften Grasnarbe bedeckt(114), die den Viehherden der Ein— geborenen wie der Europäer gutes Futter bietet. Die Waſſerverſorgung iſt durch die meiſt Grundwaſſer führenden Flüſſe im allgemeinen ſichergeſtellt. Die größte Wichtigkeit gewann das Gebiet aber nicht durch ſeine Viehweiden, ſondern durch die bei Otawi erſchloſſenen Kupfer⸗, Blei⸗, Eiſen⸗ und Zinnerzlager. In der Nähe der höchſten Erhebung, der bis 2483 m aufragenden Auasberge(102), liegt an einer reichlichen heißen Quelle in ausgezeichneter Verkehrslage, die Hauptſtadt des Lan⸗ des, Windhuk. Im Süden, im Namaland herrſcht im Gegenſatz zum kuppenreichen Norden die gerade Hori⸗ zontlinie in Form der Tafelländer(104) vor. Das Land iſt viel trockener als der Norden. Bäume gibt es nur entlang den Flußläufen, aber die feinen Gräſer und Halbſträucher geben noch immer gute Weide ab. Doch müſſen die Farmen hier die vielfache Fläche haben wie im Norden. Das ſich im Oſten anſchließende rieſige Becken der Kalahari beſitzt auf der Oberfläche faſt gar kein Waſſer, weil es ſofort von den durchläſſigen Sandmaſſen aufgeſchluckt wird. Die Kalahari iſt aber im Anterſchied zur Namib keine eigentliche Wüſte, ſondern eine mit Srä⸗ ſern beſtandene Steppe, die nur deshalb für den Menſchen nicht nutzbar iſt, weil kein Trink— waſſer vorhanden iſt. Ganz kurz müſſen wir uns auch noch dem Klima Deutſch⸗Südweſtafrikas zuwenden, da hier leicht falſche Anſichten aufkommen. Durch ſeine Lufttrockenheit und die Höhe des Binnenlandes iſt das Klima faſt durchweg geſund. Wenn auch am Tage bei ungehinderter Sonneneinſtrahlung Temperaturen von 30 und mehr Grad häufig ſind, erfolgt doch des Nachts eine beachtliche Ab⸗ kühlung, die für den Geſundheitszuſtand der Europäer von größter Wichtigkeit iſt. In den Wintermonaten gehören in den höheren Gebieten kräftige Nachtfröſte zu den täglichen Erſchei⸗ nungen, denen jedoch ſtets angenehm warme Tage folgen. Die Niederſchläge ſind ſehr unregel⸗ mäßig. Entweder bleibt der Regenfall mehr oder weniger hinter den erhofften Mengen zurück, wenn er nicht gar ganz ausbleibt, oder der Himmel öffnet plötzlich ſeine Schleuſen, und es ſtürzen ſo ungeheuere Regenmengen herab, daß in großen Teilen des Landes gewaltige Uberſchwem⸗ mungen auftreten. Das eine iſt ſo wenig angenehm wie das andere; denn die Fluten zerſtören mehr als ſie helfen. Wenn es möglich wäre, die Waſſermenge gleichmäßig über das Jahr zu verteilen, würde ein großer Teil des Landes in einen Fruchtgarten verwandelt werden. Die Pflanzen ſind in erſtaunlicher Weiſe an Trockenzeiten angepaßt(98, 109) und erhalten ihr Leben, wenn ſie äußerlich auch wie abgeſtorben erſcheinen. Ja ſie bringen es ſogar fertig, kurz vor der eintretenden Regenzeit, wenn noch kein Tropfen Waſſer gefallen iſt, das Land in einen Blütenteppich zu verwandeln. Neben den Gräſern und Knollengewächſen ſtehen die meiſt dornigen Büſche und Akazien ſowie die dickfleiſchigen, milchſafthaltigen Euphorbien. Die Steppengebiete Deutſch-Südweſtafrikas waren vor dem Eindringen der Europäer voll rieſiger Herden von Antilopen(ſiehe Seite 45), Zebras, Giraffen, denen die großen und kleinen Raubtiere folgten. Einige Lauftiere wie die Strauße und Springböcke konnten in kurzer Zeit ſo große Strecken durchwandern, daß ſie ſelbſt noch in Teilen der Namib ihr Aus⸗ kommen fanden. Die Eingeborenenbevölkerung Das Land war natürlich nie in unſerem Sinne dicht bevölkert; denn es konnte bis auf wenige Ausnahmen nur durch die extenſive Viehzucht genutzt werden. Trotzdem finden wir keineswegs eine einheitliche Bevölkerung in der Kolonie, die im Gegenteil ſtets ein Land der Raſſen⸗ und Völkermiſchung war. Gerade im Gebiete der größten Erhebungen des Hoch— landes, bei Windhuk, grenzten zur Zeit der deutſchen Beſitznahme die beiden Hauptvölker, die Herero und Hottentotten, aneinander. Dazu kamen noch das hervorragend an die widrigen Lebensverhältniſſe angepaßte Zwergvolk der Buſchmänner, die verſklavten Bergdamara und das ganz im Norden lebende ackerbautreibende Volk der Ovambo(112, 113). Die Buſchmänner(115, 116, 148 und Seite 46) wurden von den kräftigeren Völkern in die unfruchtbarſten Gebiete zurückgedrängt. Hier mußten ſie all ihre Fähigkeiten anwenden, um ihr kärgliches Daſein friſten zu können. Sie ſind gute Jäger und Fallenſteller. Sie bringen erſchloſſenen je(102), liegt adt des Lan⸗ gerade Hori⸗ rden. Bäume n noch immer Norden. er Oberfläche ſchluckt wird. ine mit GSrä⸗ il kein Trink⸗ nden, da hier zinnenlandes neinſtrahlung eachtliche Ab⸗ iſt. In den ſchen Erſchei⸗ ſehr unregel⸗ engen zurück, ind es ſtürzen Uberſchwem⸗ ten zerſtören das Jahr zu erden. und erhalten ſogar fertig, das Land in n ſtehen die Euphorbien. er Europäer großen und konnten in nib ihr Aus⸗ nnte bis auf finden wir in Land der n des Hoch⸗ ptvölker, die die widrigen damara und Völkern in anwenden, Sie bringen es fertig, ein Stück Wild tagelang ununterbrochen durch die Trockenſteppen zu verfolgen, und können wochenlang ohne einen Tropfen Waſſer auskommen, wenn ſie nur die ſaftigen Früchte der Tſchammakürbiſſe haben. Um die Trockenzeit zu überſtehen, legen ſie ſich Waſſerreſervoire an, indem ſie Straußeneier füllen und vergraben. Selbſt ihre inneren Organe ſind dem an⸗ ſtrengenden Leben angepaßt. Hütten kennen die Buſchmänner nicht. Nur ein einfacher Wind⸗ ſchirm(ſiehe Seite 46) gewährt ihnen Schutz. Die Bergdamara, die ſich ſelbſt Haukoin nennen(121, 124), ſind zweifellos reine Neger. Von den anderen Völkern werden ſie als Wilde verachtet und von den Hottentotten den Pavianen gleichgeſtellt. Obgleich ſie wohlgewachſen und kräftig gebaut ſind, ſcheinen ihre Fähig⸗ keiten doch nur gering zu ſein; denn ſie haben es nicht einmal zu loſen Stammesverbänden gebracht und friſten ihr Leben in einfachſter Weiſe durch Jagd der leichter zu erlegenden Steppentiere, durch Knollen, Wurzeln und Beeren. Zur Ergänzung ihrer Nahrung verſuchten ſie ihr Glück nicht ſelten im Viehdiebſtahl. Von den Herero und Hottentotten wurden ſie oft rückſichtslos verfolgt und getötet. Ja, ſie haben ſogar ihre eigene Sprache gegen die der Namahottentotten eingetauſcht und in großer Zahl als Sklaven unter den Herero und Hotten— totten gelebt. Ihre Hauptwohnſitze bilden der Süden und Weſten des Hererolandes. Dieſe ſehr verſchüchterten, gutmütigen Menſchen eignen ſich recht gut als Arbeitskräfte bei den Europäern und ſind wegen ihrer Anſtelligkeit, der leichten Auffaſſungsgabe und Verläßlich— keit ſehr geſchätzt. Die Herero(116, 123, Seite 47) gehören zu den kräftigſten Bewohnern unſeres Schutz— gebietes. Sie beſchäftigten ſich ausſchließlich mit Viehzucht und Kriegführen. Die Anhänglich— keit an ihre Herden war einer der ſompathiſchſten Züge dieſes Volkes. Ebenſo wie ſie Hunde auf das Grauſamſte quälen konnten, behandelten ſie auch kriegsgefangene Feinde in ſchreck— lichſter Weiſe. Ihre Kleidung beſtand faſt ganz aus Leder. Dazu kamen bei den Frauen Leib— chen aus Straußeneierſchalen und ein mit einer merkwürdigen dreizipfeligen Lederhaube ver⸗ bundener Aberwurf. Die alten Waffen, Speere, Lanzen und die kurze, gefährliche Wurfkeule, haben die Herero ſchon frühzeitig gegen moderne Feuerwaffen eingetauſcht. Die Milch ſpielt natürlich bei dieſen Rinderhirten die wichtigſte Rolle in der Ernährung; denn nur ungern werden die Tiere als Fleiſchnahrung geſchlachtet. Eigentumsrechte an Grund und Boden beſaß nur der geſamte Stamm für die Weideflächen. Sicher iſt es ein Grund für den Haß gegen die Europäer geweſen, daß die Weidegebiete nun plötzlich begrenzt wurden und es damit mit der bisherigen Selbſtherrlichkeit der Herero vorbei ſein ſollte. Die ganz anders gearteten Hottentotten(110) haben eine gelbliche Hautfarbe. Sie nannten ſich ſelbſt Koikoin, d. h. Menſchen. Mit den Negern haben ſie nichts zu tun, und wir müſſen ſie als die ehemaligen Herren des ſüdlichen Deutſch⸗Südweſtafrika anſehen. In ſich ſind ſie jedoch nicht einheitlich, ſondern beſtehen aus den urſprünglich in der Kolonie lebenden Naman und den ſpäter, im 19. Jahrhundert von Süden eingedrungenen Orlamſtämmen, die die Macht im Cande an ſich riſſen. Die nur mittelgroßen Hottentotten haben meiſt recht wenig anziehende Geſichtszüge; platte Naſen, zwinkernde Augen mit oft ſchiefgeſtellter Lidſpalte und wulſtige CLippen vereinigen ſich bei älteren Leuten mit faltiger Haut und geben ihnen manchmal das Ausſehen eines Totenkopfes. Dazu kommen noch ganz eigentümliche und ſeltſame Körper— bildungen. Die Hottentotten ſind den Bantunegern körperlich unterlegen, ihre geiſtigen Fähig⸗ keiten heben ſie jedoch über dieſe hinaus. Freilich wurde ihnen allgemein Verlogenheit, Anzu— verläſſigkeit und Wankelmut vorgeworfen, aber noch immer ſteht bei ihnen die Frau höher als bei den Bantu, und die Achtung vor Eltern und Großeltern ſtärkt das Familienleben. Von jeher waren die Hottentotten kriegsfreudig und entwickelten eine gewiſſe Abenteuerluſt, zeigten aber auch Ritterlichkeit und ſoldatiſches Weſen. Schnell hatten ſie ſich in europäiſches Denken hineingefunden. Sie verſtanden es, den vielſpännigen ſüdafrikaniſchen Ochſenwagen(ſiehe Seite 40) meiſterhaft zu lenken, wurden geſchickte Reiter und beherrſchten die modernen Feuer⸗ waffen vollkommen. Schutziruppe und Verwaltung Es war die Hauptaufgabe der deutſchen Verwaltung, Ruhe und Frieden im Lande her⸗ zuſtellen. Das trug uns ebenſo wie die Beſchränkung der Weideflächen der Eingeborenen die Feindſchaft dieſer kriegstüchtigen Stämme ein. Zur Erhaltung der deutſchen Herrſchaſt wurde daher die Schutztruppe(126 133) gebildet, die in den Kämpfen und in der Aberwindung von Durſt und Anſtrengungen beiſpielloſe Heldentaten vollbrachte. Bismarck hatte zuerſt keines⸗ wegs daran gedacht, das Land unter die unmittelbare Verwaltung des Reiches zu ſtellen. Er wollte es vielmehr durch privaten Anternehmungsgeiſt entwickeln laſſen. Zu dieſem Zweck war die Kolonialgeſellſchaſt für Südweſtafrika gegründet worden, die die Lüderitzſchen Erwerbungen übernommen hatte. Aber wie auch in anderen Schutzgebieten war die Macht der Geſellſchaft viel zu gering, um Recht und Ordnung gewährleiſten zu können. So wurde Hauptmann von François mit einer Truppe nach Südweſt geſandt. Allerdings war ſie zahlenmäßig ſo ſchwach und ſo unzureichend ausgerüſtet, daß man faſt mehr gegen die Schwierigkeiten der Landesnatur als gegen die aufrühreriſchen Eingeborenen zu kämpfen hatte. Dem Nachfolger François', Major Leutwein(ſiehe Ehrentafel), gelang es dann 1894, den bedeutendſten Hottentottenführer Hendrik Witbooi(125) in Naukluft(103) zu beſiegen und zu einem ehrenvollen Frieden zu beſtimmen. Die Hottentotten durften ſogar ihre Waffen behalten, und Witboobi wurde auf Ehrenwort entlaſſen. Er hielt es auch gegen mancherlei Verſu— chungen bis 1904, als er ſeine Hottentotten doch wieder zum Kampf aufrief. Er hielt wahrſcheinlich die Zeit für günſtig, um ſich wieder zum Herrn des Landes zu machen; denn zu gleicher Zeit hatten die Herero den Aufſtand ſchlagartig mit einem Blut— bad unter den im Lande anſäſſigen weißen Farmern begonnen. Wohl gelang es Hauptmann Franke(ſiehe Ehrentafeh unter ſchier Lothar von Trotha, General der übermenſchlichen Anſtrengungen Omaruru zu entſetzen, für eine 3 Niederwerfung des Aufftandes reichten aber ſeine Truppen keines⸗ 1920 in Bonn. Er bezwang die wegs aus. Die in die Heimat dringenden Schreckensnachrichten Wahehe in Oſtafrika, nahm als führten den verantwortlichen Stellen endlich die Notwendigkeit Kommandeur an den chineſiſchen einer Verſtärkung der Schutztruppe vor Augen, an deren Spitze Wirren teil und ſchlug die Herero nun General von Trotha(Siehe Bild) geſtellt wurde. Es am Vaterberge entſcheidend gelang ihm, die Herero am Waterberge(101) entſcheidend zu ſchlagen. Sie flohen in das waſſerloſe Gebiet der Omaheke und ſtreckten die Waffen für immer. Schwieriger war es, die Hottentotten wieder zur Anerkennung der deutſchen Herrſchaft zu bringen, da ſie es meiſterhaft verſtanden, die Schwierigkeiten der Felſen⸗ und Trockengebiete gegen die Schutztruppe auszuſpielen und ſich ſtets dem entſchei⸗ denden Schlag zu entziehen. Sie kannten Weg und Steg und vor allem jede Waſſerſtelle und waren überdies mit den modernſten Waffen ausgerüſtet; ſo waren ſie in dem rieſigen Lande den an den Buſchkrieg nicht gewöhnten Europäern weit überlegen. Erſt 1907 konnte daher von einer wirklichen Wiederherſtellung der Herrſchaft der Weißen geſprochen werden. And jetzt erſt konnte man darangehen, durch rohe Schätzungen die ungefähre Bevölkerungszahl feſtzuſtellen. Die geſamte Eingeborenenbevölkerung ſchätzte man auf 180000, eine verſchwin⸗ dende Zahl für das große Land. Wenn wir auch annehmen müſſen, daß die Zahl vor den Kämpfen größer war, müſſen wir doch bedenken, daß das Land auf Grund ſeiner natürlichen Gegebenheiten und der Wirtſchaftsweiſe der Bewohner nie viel dichter beſiedelt war. Es kam dazu, daß ſich die Stämme gegenſeitig durch ſtändige blutige Kriege dauernd dezimierten. 60000 rechnete man auf die dichter ſiedelnden, ſeßhaften Ackerbauern, die Ovambo im Norden des Candes. Sie wurden durch die Kämpfe nicht berührt. In den Reſt teilten ſich die Herero 13 und Bergdamara mit je ungefähr 24 v. H. und die Hottentotten mit 14 v. H. der Geſamtzahl. Die Buſchmänner ſchätzte man auf weniger als 10000. Nur langſam kam die Beſiedelung durch Weiße in Fluß, und das war gut ſo, ſonſt hätten die Aufſtände noch weit größeren Schaden angerichtet. Nachdem die Sicherheit im Lande gewährleiſtet war, nahm die Einwanderung ſtändig zu. Die Siedler wurden auch durch eine große Anzahl entlaſſener Schutztruppenangehöriger vermehrt. Ab 1901 ſtanden der Regierung Mittel zur Gewährung von Darlehen zur Verfügung, und ſchließlich brachte der Kupfer⸗ und Diamantenbergbau immer mehr Weiße ins Land. Europäer in Deutſch⸗Güdweſtafrika 1900 3387 1906 6372 1910 12935 1901 3643 1907 7110 1911 13 96² 190² 4674 1908 8213 191² 148416 1903 4682 1909 11791 1913 14830 Die Europäerwirtſchaft Abgeſehen von den Bodenſchätzen beruht der Reichtum Deutſch⸗Südweſtafrikas auf ſeiner Eignung für die Viehzucht. Die zahlreichen Rinderherden der Herero hatten ſchon früh Händler angelockt, die die Goldbergbaugebiete des buriſch⸗britiſchen Südafrika damit verſorgen wollten. So wandte ſich auch die weiße Bevölkerung in erſter Linie der Viehzucht zu. Die natürlichen Weiden waren im Inneren vorhanden, Vorratswirtſchaft und Stallfütterung waren unnötig, da das Vieh das ganze Jahr hindurch im Freien ſein Futter ſuchen konnte. In der Trockenzeit wurde das Gras auf dem Halm zu Heu und behielt ſeinen Nährwert. Allerdings konnten die Flächen keine ſehr ſtarke Beſtückung vertragen, und die Farmen hatten entſprechende Größen, d. h. im feuchteren Norden umfaßten ſie 1000— 3000 ha, in der Mitte rund 5000 und im Süden 10000 ha und mehr. Der Anbau von Futterpflanzen machte jedoch mit der Zeit eine geringere Farmgröße möglich. Weit ſchwieriger als die Futterbeſchaffung war die Waſſerfrage zu löſen; denn die natürlichen Waſſerſtellen in Felsvertiefungen, in Flüſſen, Bächen und Quellen reichten bei weitem nicht aus. Als einfachſtes Mittel lag es nahe, das anfallende Regenwaſſer durch mehr oder minder große Dammbauten zu ſtauen und für die Trocken⸗ zeit in Staubecken oder Talſperren aufzuſpeichern(Seite 48 und Bilder 136, 138). An anderen Stellen verſuchte man es mit Brun⸗ nenbohrungen, die auch oft Erfolg hatten und mancherorts ſogar arteſiſches Waſſer liefern, das durch eigenen Druck aus der Erde hervorſprudelt. Die Großviehzucht iſt in erſter Linie auf den Fleiſchertrag und nur nebenbei auf Milchgewinnung eingeſtellt; denn nur jener kommt für die Ausfuhr in Frage. Da die afrika⸗ niſchen Rinder nur verhältnismäßig geringe Schlachtgewichte liefern, mußte verſucht werden, durch Kreuzung die Raſſen hoch—⸗ zuzüchten(140). Aber auch die Kleinviehzucht verſprach für den weißen Farmer Erfolge(141). Ziegen und Schafe waren im Lan⸗ de von jeher weit verbreitet und lieferten in erſter Linie die Fleiſch⸗ nahrung der Bevolkerung. Sie konnten auf Fleiſch wie auf Wolle gezüchtet werden. Die Wollſchaf⸗oder Ziegenzucht kommt beſon⸗ ders für den dornbuſchfreien Süden in Frage, während in den nördlichen Gebieten der Wollertrag durch das Hängenbleiben an den Dornen ſtark herabgeſetzt wird. Hier iſt es beſonders der „Wart⸗ein⸗bißchen“⸗Dornbuſch, der den größten Schaden an⸗ richtet. Auch bei den Kleintieren verſuchte man mit gutem Erfolge die einheimiſchen Raſſen aufzukreuzen. Es wurden dafür in erſter Linie Merinoſchafe und Angoraziegen eingeführt. Daß die ſüd⸗ Richard Volkmann, geboren am 23. Juni 1870, kämpfte 1894 gegen Witbooi und bei der Erſtürmung der Naukluft, 1904— 06 gegen die Hereros, nahm 1906 denHäuptling von Bethanien mit ſeinem Stamm gefangen und war ſeitdem Oirektor der Cüderitzbuchtgeſellſchaft 14 weſtafrikaniſche Viehzucht ſchon recht gute Fortſchritte gemacht hatte, zeigen die Zahlen für die Jahre 1908, 1909, 1912, 1913. An Vieh war im Schutzgebiet vorhanden: 1908 1909 1912 1913 Stück Stück Gtlick Gtũck Rieegg. 73331 96112 171784 205 6⁴³ Fleiſchſchafe 193 0²⁰ 280644 435069 489 256 Wollſchaßf, 11733 20 089 46 901 53691 Fleiſchziegen 156 281 237551 448 279 485 401 Angoraziegen 3956 4472 20431 31503 Man hat die Frage aufgeworfen, wie weit wohl die angezeigte Entwicklung der Steigerung des Viehbeſtandes weiter fortſchreiten könne, vorausgeſetzt, daß die Waſſererſchließung Schritt hielte und die Verkehrsmittel ausgebaut würden. Wenn man dabei von der der Bewirtſchaſtung zugänglichen Fläche ausgeht, kommt man nach zuverläſſigen Schätzungen auf rund s0 Millionen ha Farmland. Dieſes könnte 3 Millionen Rinder und rund 20 Millionen Stück Kleinvieh ernähren. 1913 waren in Farmen jedoch erſt 13393 606 ha an 1331 Beſitztitel aufgeteilt. Das war alſo erſt der Anfang einer glänzenden Entwicklung, die für das induſtrielle Mutterland von größter Bedeutung werden konnte. Denn gerade in bezug auf Häute, Felle und gar Wolle waren wir in ſtärkſtem Maße auf Einfuhr aus dem Auslande angewieſen und gaben ſchon vor dem Welt⸗ kriege Hunderte von Millionen dafür aus. Hier in Deutſch⸗Südweſtafrika war für das Deutſche Feich der Ort, einen großen Teil des Rohſtoffbedarfs im eigenen Herrſchaftsbereich zu decken. Während wir die Entwicklungsmöglichkeiten der Viehzucht leidlich genau abſchätzen konnten, war dies bei der Entwicklung des Bergbaues nicht möglich. Zwei Mineralſchätze ſind es, die den Reichtum des Landes in ſteigendem Maße verkörperten. Kupfer wird im Norden der Kolonie bei Tſumeb in den Otawiminen gewonnen. Das Gebiet iſt durch eine Bahn an die Küſte angeſchloſſen worden. Mit anderen weniger bedeutenden Fundſtätten lieferte es im Jahre REEECECECcR 66 198 Mark Kupfer 490 afftanbd))))ꝛ 4350„ 5 PAPAPAWACCCCoooocc 1755„ 4 1006(Friedensſchluß̃uꝶ.uůu 46877„ 5 1907(Nach Eröffnung der Eiſenbahn). 1282518„ 80 CECRRREEREREECCEE 6296000„ 1 FFEEEAEWAEAEAWAWoWAWoE 5697208„ 4 FECCECCCGCGCCCo 6523258„ 5 Durch die immer ſtärkere Entwicklung der Elektrizitätswirtſchaft war der Kupferverbrauch Deutſchlands viel höher angeſtiegen als die Rupfergewinnung. So war denn das Mutterland immer mehr in Abhängigkeit vom Auslande geraten. Es war daher wiederum ein großer Vor⸗ teil, Kupfer in den eigenen Kolonien zu haben und damit das Geld im eigenen Wirtſchafts⸗ bereich behalten zu können. Die höchſten Werte jedoch lieferten die Diamanten, die ſich in einem mehr als 400 km langen Streifen der Namib fanden. Ihre Entdeckung brachte das ganze Land in ungeahnte Aufregung, und ein Schürffieber unglaublichen Ausmaßes ſetzte ein. An einer Stelle, die ſeit langer Zeit zu den verkehrsreichſten des Landes gehörte, da wo Lüderitz ſeine erſten Erwer⸗ bungen vornahm, wo ſeit der Beſitznahme ein reger Ochſenwagenverkehr herrſchte, wo während der Hottentottenkämpfe die Truppen marſchierten und die Wege nach der Etappe liefen, wo die Eiſenbahn gebaut wurde und ſeit zwei Jahren verkehrte, hier fand 1908 ein farbiger Ar⸗ beiter aus dem Kaplande den erſten Diamanten. Die Edelſteine lagen hier im Sande verſtreut, und ihre Gewinnung bediente ſich einfachſter Hilfsmittel(143). Der durch Sieben vom Fein⸗ ſand befreite Kies wurde, teilweiſe unter Waſſer, ſo lange geſchüttelt, bis ſich die ſchweren Be⸗ ſtandteile am Boden angeſammelt hatten. Dann wurde das Sieb umgeſtülpt und die Dia⸗ ee zahlen für die r Steigerung ßung Schritt wirtſchaſtung Millionen ha ieh ernähren. as war alſo von größter le waren wir r dem Welt⸗ das Deutſche ich zu decken. tzen konnten, ätze ſind es, Norden der Bahn an die es im Jahre ferverbrauch Mutterland großer Vor⸗ Wirtſchafts⸗ als 400 km n ungeahnte telle, die ſeit ſten Erwer⸗ wo während e liefen, wo farbiger Ar⸗ de verſtreut, vom Fein⸗ hweren Be⸗ nd die Dia⸗ ——— — * manten mit der Pinzette herausgeleſen. Bei dieſer Methode iſt allerdings mit /s Verluſt zu rechnen. Wirtſchaftlicher arbeiteten die maſchinellen Aufbereitungsanlagen. Wie ſchon geſagt, konnte man die erſten Diamanten einfach aufleſen. Da der Wind ſchon die feinen und leichteren Sandteilchen ausgeblaſen hatte, lagen die ſchweren Edelſteine an der Oberfläche. Sie lagen hier an ſogenannter ſekundärer Lagerſtätte, d. h. ſie waren wahrſcheinlich in weit zurückliegenden Zeiten durch Waſſer aus dem Inneren in dieſe Gebiete transportiert worden. Nach Erſchöpfung der oberſten Schichten iſt man bis auf 6—8 min die Tiefe gegangen und hat auch hier in gewiſſen Cagen Anreicherungen von Diamanten gefunden. Der Wert der ſüdweſtafrikaniſchen Diamanten liegt im allgemeinen nicht in ihrer Größe, ſondern in ihrer Klarheit und guten Schleif⸗ barkeit. Mehr als 60 v. H. der erzeugten Steine wog weniger als /Karat(1 Karat u204 mg) und nur /2/ wog mehr als 1 Karat. Es gab jedoch auch ſeltene Funde im Gewichte von mehr als 30 Karat. Der Staat war an der Diamantengewinnung beteiligt und hatte die Diamantenregie eingeführt, um eine Zerſplitterung des ſüdweſtafrikaniſchen Diamantenmarktes zu vermeiden. Die Förderung betrug: 1909 483 266 Karat im Werte von 14415 825 Mark 1910 ii·· lln„, 1911 E r r„ 1913 rd. 1500000„„„„ 63015000„ Die Wertſteigerung des letzten Jahres war eine Folge der Gewinnung größerer und ſehr guter GSteine, insbeſondere im Pomonagebiet(142). Dieſe neu erſchloſſenen Lagerſtätten ermöglichten eine leichte Gewinnung und waren für die große Erzeugungsſteigerung verantwortlich. Für 1914 war eine Beſchränkung der Erzeugung auf 1 Million Karat vorgeſehen, um ein Abſinken der Preiſe zu verhindern. Durch die Feſtſetzung der Diamantenregie wurde die Verwertung der Schätze dem deutſchen Kapital vorbehalten, und auch dem deutſchen Arbeiter floſſen durch die Schleiflöhne(rund 15 Mark pro Karat) erhebliche Summen zu. Nach den angeführten Zahlen nimmt es kein Wunder, daß der Ausfuhrhandel der Kolonie faſt ausſchließlich aus Mineralien, und zwar Diamanten und rohen ſowie aufbereiteten Kupfer⸗ und Bleierzen beſtand. Im Verhältnis dazu befanden ſich die Erzeugniſſe der Landwirtſchaft noch am Anfang ihrer Entwicklung. Die Fortſchritte von Ein⸗ und Ausfuhr zeigen folgendes Bild(bei der Einfuhr macht ſich der Bahn⸗ und Bergbau durch ſein Materialbedürfnis geltend, in der Ausfuhr fallen die Jahre des Aufſtandes 1904— 05õ ſtark zurüch: Einfuhr Ausfuhr Einfuhr Ausfuhr Mark Mark Mark Mark 1901 10075 000 1242² 000 1908 33 179 000 2795000 1902 8568 000 2213000 1909 34 713 000 22071000 1903 7931000 3444000 1910 44344 000 34692000 1904 10057 000 299 000 1911 45302 000 28573 000 1905 23632000 216 000 1912 32 499 000 39035000 1906 68 626 000 383 000 1913 43 425 000 70 303 000 1907 32396000 1616 000 Von der Ausfuhr entfielen 1910 26869074 Mark, 1912 30414078 Mark auf Diamanten, 1910 5697 208 Mark, 1912 6523258 Mark auf Kupfererze, 1910 861180 Mark, 1912 228 127 Mark auf Blei. Die Wollausfuhr ſtellte dagegen 1910 nur einen Wert von 26329 Mark, 1912 von 149658 Mark dar, und das ausgeführte Fleiſch hatte 1910 einen Wert von 22603 Mark, 1912 von 28974 Mark. Dieſe ſtarke Entwicklung des Handels war natürlich nicht ohne Verkehrserſchließung möglich geweſen. Noch bis zur Jahrhundertwende war der aus dem Kapland ſtammende ſchwere Ochſenwagen faſt das einzige Verkehrsmittel des Candes. Dieſe ſchweren, ungefederten Wagen waren mit 12— 20 Ochſen beſpannt(ſiehe Seite 40) und zogen ohne eigentliche Stra⸗ ßen den tiefen Spuren der vorher in gleicher Richtung gefahrenen Wagen nach. Die Anzu⸗ länglichkeit dieſes ſchwerfälligen Verkehrsmittels wurde zu Zeiten des Aufſtandes recht deutlich. Am die Verpflegung im Binnenlande ſicherzuſtellen, mußten auf der Strecke Lüderitzbucht— Keetmanshoop 4000 Maultiere eingeſtellt werden, vor jeden Wagen 20, vor die beweglichere Karre 8— 10. Dazu wurden 500 Dromedare beſonders für die Strecke bis Kubub eingeführt. Von hier bis Keetmanshoop wurden Ochſenwagen eingeſetzt. Die Zahl der in dieſen Verkehr eingeſtellten Ochſen betrug auf dem Baiweg 11- 12000. Das in dem geſamten Transport⸗ weſen angelegte Kapital war auf mehr als 20 Millionen zu veranſchlagen. Obgleich aus dem Kaplande ſachkundige Wagenführer und Treiber ins Land kamen und obgleich man monatlich Hunderttauſende für Fütterung und Tränke der Tiere ausgab, waren doch die Verluſte an vor Erſchöpfung zugrunde gehenden Tieren außerordentlich hoch. Täglich verendeten durchſchnittlich 10 Ochſen und 4 Maultiere und mußten durch neue erſetzt werden. Es machte ſich ein Auf⸗ wand von monatlich 2 Millionen Mark nötig, um die Truppen verſorgen zu können. Die rie⸗ ſigen Koſten brachten die Heimat ſchließlich zur Einſicht, daß ein Bahnbau zur glücklichen Beendigung der Kämpfe nicht nur unbedingt erforderlich, ſondern auf lange Sicht geſehen ſogar weitaus billiger werden würde als der altmodiſche Wagenverkehr, der— bei einem Fracht⸗ ſatz von 30 Mark pro Zentner für den Transport von Lüderitzbucht nach Keetmanshoob— eine gedeihliche Wirtſchaſt unmöglich machte. Es wurde dann, reichlich ſpät, im Dezember 1905 die erſte und im März 1907 die zweite Baurate bewilligt. Die Bahn wurde in Kapſpur (4,j067 m) angelegt und war 1908 bis Keetmanshoop fertiggeſtellt. Im Norden war infolge der Gefährdung der Zugtiere durch die Rinderpeſt im Jahre 1897 ſchon eine Schmalſpurbahn (60 em) nach dem Inneren begonnen worden. Der Anfang lag in Swakopmund, das damals trotz ſeiner ſchutzloſen Reede und der Landungsſchwierigkeiten Lüderitzbucht bei weitem über⸗ traf. 1902 erreichte dieſe unzulängliche Kleinbahn Windhuk. Sie erhielt durch die Otawi⸗ Minen⸗ und Eiſenbahn⸗Geſellſchaft einen Abzweig nach Otawi, Tſumeb und Grootfontein, um die ergiebigen Kupferlager zu erſchließen. Die letzten Vorkriegsjahre brachten dann die Verbindung der Nord⸗ und Südbahn durch eine in Kapſpur gebaute Längsſtrecke und die erſten 265 km der Ambolandbahn. Insgeſamt waren 2322 km Bahnſtrecke gelegt und 2128 km davon bereits in Betrieb. Die frühere Vernachläſſigung des Eiſenbahnbaues in Deutſch⸗Süd⸗ weſtafrika war damit in unerwartetem Ausmaße wieder gutgemacht worden, und man konnte der Kolonie ein weiteres ſchnelles Aufblühen vorausſagen. Der Weltkrieg in Deutſch⸗Südweſtafrika Auch die britiſchen Südafrikaner hatten die großen Zukunſtsausſichten der deutſchen Kolonie erkannt, und General Botha, der Führer der eindringenden ſüdafrikaniſchen Truppen, erklärte ſelbſt, daß er ſich ſchon auf der britiſchen Reichskonferenz von 1911 auf den Krieg mit Deutſch⸗ land feſigelegt habe. Dabei gab es noch 1912 führende Männer in der deutſchen Heimat, die für eine Verminderung der Schutztruppe eintraten. General Botha rückte nach Ausbruch des Welt⸗ krieges mit 60000 Mann aufs beſte ausgerüſteter und ausgebildeter Truppen in das deutſche Gebdiet ein, wo ihm einſchließlich auch der waffenungeübten Reſerven nur insgeſamt 5000 Mann entgegengeſtellt werden konnten. Dem Kommandeur der Schutztruppe v. Heydebreck glückte es, dem Gegner bei Sandfontein eine ſchwere Niederlage beizubringen, und ſein Nachfolger Franke (ſiehe Ehrentafel) trug den Krieg ſogar ins portugieſiſche Angola hinüber, wo ein Aufſtand der Eingeborenen entfeſſelt wurde, der die Portugieſen vollſtändig lahmlegte. Aber trotz aller Tapfer⸗ keit gelang es nicht, der rieſigen Abermacht ſtandzuhalten, und am 9. Juli 1915 mußte die Schutztruppe ehrenvoll die Waffen ſtrecken. Auf Grund des Verſailler Diktats von 1919 wurde dann Deutſch⸗Südweſtafrika der Verwaltung der Südaftikaniſchen Anion als Mandat des Völkerbundes unterſtellt. 15 6 K44444 LR 16 Samerun Frankreich übergab. Dadurch erhielt Kamerun Anſchluß an den Abangi und dehnte ſich entlang des Sanga bis an den Kongoſtrom hin aus. Die kleine ſpaniſche Kolonie Rio Muni wurde Enklave im deutſchen Gebiet. In dieſen neuen Grenzen umfaßte Kamerun 795 000 qkm mit etwa 5 Millionen Einwohnern. Entdeckung und Beſitzergreifung ſich erhalten haben. Der eine findet ſich auf Erztafeln eines phöniziſch⸗karthagiſchen VI Kamerun hat bereits das Altertum Kunde gehabt, wie zwei Berichte bezeugen, die Tempels, und man nimmt heute als ſicher an, daß der Karthager Hanno auf ſeiner Fahrt bis zum Kamerunberg vorgedrungen iſt. Der andere ſteht bei Herodot, dem um 450 v. Chr. lebenden griechiſchen Geſchichtsſchreiber und Geographen. Das ausgehende Mittel⸗ alter hörte von der Küſte Kameruns durch den Portugieſen Cao, der 1484, auf der Suche nach dem Seewege um Afrika herum nach Oſtindien, als erſter Europäer zwiſchen der Inſel Fernando Po und dem Kamerunberge hindurchſegelte. Doch hatte dieſe portugieſiſche Entdeckung keine Inbeſitznahme der Küſte zur Folge. Erſt im 19. Jahrhundert wurde die Aufmerkſamkeit europäiſcher Kaufleute auf die Küſte Kameruns gelenkt; 1862 gründete die Hamburger Firma Woermann in Duala ihre erſte Niederlaſſung, der bald weitere Fak⸗ toreien deutſcher und fremder Handelsfirmen folgten. Im die unbequemen deutſchen Rivalen aus dem Felde zu ſchlagen, veranlaßten 1882 engliſche Kaufleute eingeborene Häuptlinge von Kamerun, die britiſche Oberhoheit zu erbitten. Da ſie jedoch von England anderthalb Jahre lang ohne Antwort blieben, wandten ſie ſich an die Deutſchen und traten ihnen ihre Rechte ab. Dieſe erlangten die Unterſtützung ihrer Kegierung. Am 10. Juli 1884 traf der von Togo kommende Reichskommiſſar Dr. Nachtigal(ſiehe Ehrentafel und Seite 20) auf der„Möwe“ in Duala ein, nachdem wenige Stunden vorher ein engliſches Kanonen⸗ boot, das jedoch keinen bevollmächtigten Konſul an Bord gehabt hatte, die Kamerunbucht verlaſſen hatte. In wenigen Tagen gelang es Nachtigal, die Verhandlungen mit den ſchwar— zen Häuptlingen zu einem günſtigen Ende zu bringen, ſo daß er bereits am 14. Juli in Duala die deutſche Flagge hiſſen und damit die Küſte Kameruns unter die Hoheit des Deutſchen Reiches ſtellen konnte. Einige Tage ſpäter erſchien wiederum ein engliſches Kanonenboot, diesmal mit einem Konſul an Bord, der ſich aber nun damit begnügen mußte, Proteſt gegen die deutſche Beſitzergreifung einzulegen. Bald kam eine Einigung des Reiches mit England und Frankreich zuſtande, in der die deutſchen Rechte über die Küſte Kameruns vom Kampofluſſe im Süden bis zum Rio del Rey im Norden anerkannt wurden. Die Landesnatur Anſere Kolonie verdankt ihren Namen den erſten europäiſchen Entdeckern, den Portu— gieſen, die damals in einer Bucht viele Krabben antrafen und dieſe daher„Krabben⸗ bucht“(portugieſiſch carnarao= oSeekrebs, Krabbe) nannten. Die Engländer verſtümmel⸗ ten das Wort und trugen auf ihren Karten Cameroons ein, eine Bezeichnung, die zu— nächſt nur für die Amgebung der Kamerunbucht galt und ſpäter auf das ganze Hinterland ausgedehnt wurde. Da Kamerun im inneren Winkel der Guineabucht liegt, beſitzt es nur eine verhältnis⸗ mäßig kurze Küſtenſtrecke, während die Grenzen des Hinterlandes auseinanderſtreben. Wie auch ſonſt bei den meiſten afrikaniſchen Kolonien, halten ſich dieſe Grenzen nicht an irgend⸗ welche Merkmale der Landesnatur, ſondern ſie ſind weithin mathematiſche Grenzen, ge⸗ rade, auf der Karte gezogene Linien. Mit dem„Entenſchnabel“ erreichte Altkamerun den Schari, den größten von Südoſten kommenden Zufluß des Tſchadſees. Die Entfernung dieſes großen afrikaniſchen Binnenſees von der Küſte beträgt rund 1000 km, alſo etwa ſo viel wie die Cuftlinie Köln-Königsberg. Als das Deutſche Reich im Jahre 1911 auf ſeine Rechte in Marokko verzichtete, trat Frankreich dafür Teile ſeines an Altkamerun angren⸗ zenden Beſitzes an das Reich ab, während dieſes einen Teil des„Entenſchnabels“ an 1.2500000 0 80 2 Debiahað 8 8 BuI 7 2 EeN E Hand 2 8 J— ZudesSitdk, 8 s BRHBatombengitand —f—.—· Mdl. Vmuldqgreae isenbahnen 1 + Ustliche Länge voncreervich205 Nonrng 2. eruun 7 4 —. 1- 8 E „ E 1 e. 2E—.— 75 8 1:10 000 000 40⁹ 22 Klometer S 191¹⁴ ite ſich entlang Muni wurde 000 qkm mit von CeerW]iCch20 R ⁴ Sινν ¹ομν — — —— +—————— r2——N„„7„ ————— ———————— RRr„ Im Norden der Küſte Kameruns erhebt ſich unmittelbar aus dem Meere der 4075 m hohe Kamerunberg(145). Die vulkaniſchen Kräfte, die den höchſten Berg Kameruns ſchufen und die auch weiter im Innern des Landes am Werke waren(Elefantenſee, 150), ſind am Kamerunberg noch immer tätig. Da der Berg die dem Lande zu wehenden Winde, die ſich über dem Meere mit Feuchtigkeit beladen, zum raſchen Aufſteigen zwingt, fallen hier gewaltige Regengüſſe zur Erde nieder. Am Südweſtfuße des Berges maß man in Bibundi und Debundja im Jahres— durchſchnitt mehr als 10 m Niederſchläge. Das iſt die dritthöchſte Regenmenge, die man bis⸗ her auf der Erde feſtgeſtellt hat. Sie ſtellt ungefähr das fünffache deſſen dar, was in Deutſch— lands regenreichſten Orten niederfällt. Daher verſchleiern auch Wolken den Gipfel des Kame— runberges faſt das ganze Jahr hindurch. Dichter, feuchtigkeitstriefender Regenwald bedeckt die unteren Teile des Berges, er geht nach oben zu in Bergwald aus Baumfarnen über. An günſtigen Stellen liegt die Waldgrenze in 2700 m, ſonſt in etwa 2200 m Höhe. Darüber hinaus überziehen Bergweiden die Hänge. An einer der Buchten, die das Meer in die weichen Tuffſchichten des Bergfußes gewaſchen hat, liegt Victoria(145), der Hafen für Buea, den Regierungsſitz des Landes, den die deutſche Verwaltung am Weſthang in einer für den Weißen erträglichen Höhenlage(985 m) angelegt hat. Im Süden wie im Oſten und Norden umfängt den Kamerunberg das Küſtentiefland, das entlang der Küſte Schwemmland iſt, weiter landein jedoch aus kriſtallinen Geſteinen beſteht. Wo die Flüſſe dieſes kriſtalline Geſtein verlaſſen, haben ſich Waſſerfälle entwickelt, deren Waſſerkräfte einen wertvollen, in Zukunft noch zu nutzenden Schatz darſtellen. Solche Fälle trifft man am Sanaga(152), am Mbom(153) und an anderen Flüſſen; ſie gebieten der von dem Meere her vordringenden Schiffahrt Halt. Das Merer greiſt nördlich wie ſüdlich des Kamerunberges buchtenförmig in das Schwemm— land ein. An der vielfach verzweigten Kamerunbucht liegt Duala(146), der wichtigſte Hafen— platz der Kolonie, den ſeit der Beſeitigung einer Sandbarre die Seeſchiffe erreichen können. Ihm gegenüber wurde Bonaberi(142) an der Mündung des Wuri zum Ausgangspunkt der Nordbahn. Die Iferſtrecken ſind überall von dichtem Mangrovengehölz bedeckt, das ſehr hartes Holz und gerbſtoffreiche Rinde beſitzt. Die zur Ebbe frei in der Luſt ſtehenden Stelzwurzeln halten den zur Flutzeit angeſchwemmten Schlamm feſt und tragen zur allmählichen Anlandung bei. Dahinter dehnt ſich der tropiſche Arwald Afrikas(Seite 51) aus. Sein Inneres wird nur von grünem Dämmerlicht erhellt, da die Sonnenſtrahlen das vielfältige Laubdach nicht durch— dringen können. Lianen ſchlingen ſich von Baum zu Baum; das Anterholz bildet ein dichtes graubraunes Gewirr. Immer grünt, blüht und reiſt es im Arwald, deſſen Artenfülle außer⸗ ordentlich iſt. Die Bäume, von denen man bis 500 Arten gezählt hat, werden meiſt bis zu 30 m hoch, Rieſenbäume erreichen wohl 70 m Höhe. Häufig laufen von dieſen Stäm— men hohe, brettartige Anſätze aus, die zum Boden hin immer breiter werden und die die Bäume wie Strebepfeiler ſtützen. Auf der Fläche eines Hektars ſtehen häufig Bäume von 50 bis 100 Arten in allen Größen bunt durcheinander. Da natürliche Lichtungen ſelten ſind, fehlt im Arwald jeder Ausblick und jede Uberſicht. Von größeren Tieren iſt wenig zu ſehen; denn Affen, Papageien und die übrigen Vögel halten ſich meiſt in den oberen Teilen des Laub— daches auf. Neben den Klettertieren ſind die Zwergformen der Tierwelt zahlreich. Dieſe können leichter den Arwald durchdringen als ihre größeren Verwandten. Nur die Rieſentiere Elefant (154), Gorilla und Flußpferd vermögen ſich ihre Pfade mit Gewalt zu brechen. Von den größeren Raubtieren findet ſich der CLeopard im Arwald. Dem Europäer erſchwert der Arwald wie eine Mauer den Zugang in das Innere. Erſt der Expedition von Tappenbeck, Kund und Weißenborn gelang es 1887, ihn im Bereiche Kameruns zu durchſtoßen. Entlang des Sanaga, des größten der Küſtenflüſſe der Kolonie, greiſt das Tiefland weit landein(151). Nach Süden zu verſchmälert es ſich mehr und mehr, und ſüdlich von Kribi, dem wichtigſten Platz der Südküſte, tritt feſtes Geſtein unmittelbar an das Meer und bildet bis zu 20 m hohe Steilabfälle, über die die Küſtenflüſſe in Waſſerfällen zum Meere abſtürzen. Oſtlich des Küſtenlandes ſteigt das Kameruner Hochland empor, dem das ganze weite Innere der Kolonie bis zum Benué im Norden angehört. Gegen Weſten zum Tiefland der Küſte und gegen Norden fällt es meiſt in ſteilen Stufen ab. Im Weſten und Norden liegen ſeine größten Höhen, während der Südoſten ſich im Gebiet des Sanga zum Kongobecken hin abdacht. Das Hoch⸗ land iſt aus gefalteten Gneiſen und anderen alten Geſteinen aufgebaut, über die ſich in verſchiedenen Höhenlagen nur leicht wellige Hochflächen, ſogenannte Rumpfflächen, ſpannen, aus denen ſich wie Inſeln wenig ausgedehnte Bergſtöcke erheben. Im Oſten ſinken die Grundgebirgsgeſteine unter auflagernde Sandſteine ein. Im Süden Kameruns iſt dieſes Hochland völlig vom Arwald bedeckt, ſo daß unſere Kenninis hier noch immer große CLücken aufweiſt. Im Einzugsgebiet des oberen Sanaga 2 e, weicht der Arwald der Savanne, dem Grasland. An der Nord⸗ 1 grenze liegt hier Jaunde, das Ziel der Mittellandbahn. Im Teilen des Candes und war lange Graslande tritt der Wald nur noch entlang den Flüſſen auf. Zeit Leiter der Station Jaunde Aus der 500- 1000 m hochliegenden Sanagamulde ſteigt erneut das Hochland auf, deſſen Mittelpunkt Ndaundere in vordeutſcher Zeit Sitz des Fulbereiches Adamauag war. Südweſtlich davon liegt im Einzugs⸗ gebiete des Mbam das Land Bamum. Weſtlich und nördlich von dieſem treffen wir die größten Randhöhen an, die 3000 m erreichen und deren mächtige Steilabfälle mit Regenwald überzogen ſind. Vor ihnen findet ſich dort, wo der Abfall des Hochlandes von ſüdnördlicher Richtung in eine nordöſtliche umbiegt, das vulkaniſche, ſchwer zugängliche Manenguba⸗ gebirge(2250 m), bis an deſſen Fuß die Nordbahn gebaut werden ſollte. Dicht nördlich von dieſem breitet ſich das tiefgründig verwitterte und von den Zuflüſſen des Kreuzfluſſes ſtark zerteilte Batombergland aus(149). Jenſeits der vom oberen Benuégebiet zum Logone ziehenden Senke, durch die zu Hoch⸗ waſſerzeiten Waſſer des Logone über die Tuburuſeenkette und den Mao Kebbi zum Benué abfließt, ragen aus den allmählich zum Tſchadſee(280 m) hin ſich ſenkenden Landflächen nur noch einige kleinere Gebirge empor. Aber auch dieſe Gebirge erreichen noch die Höhe unſerer deutſchen Mittelgebirge, ſo das 1500 m hohe Mandaregebirge. Mit der Ausdehnung der Trockenzeit und der Abnahme der Niederſchläge nach Norden zu ändert ſich das Ausſehen der Landſchaft weſentlich. Die Gewäſſer fließen nur noch zur Regenzeit, abgeſehen vom Schari und ſeinem bedeutendſten Nebenfluß, dem Logone, der weit im Süden im Kameruner Hochland entſpringt(156). Dieſe beiden ſpeiſen den Tſchadſee, der in ſeiner Größe je nach der Zuflußmenge und der Verdunſtungshöhe zwiſchen 16 000 und 25 000 qkm ſchwankt, das ganze Jahr über. Jedoch iſt auch der Schari bei Fort Lang zur Trockenzeit nur 84 m breit und 2 m tief, im Gegenſatz zur Regenzeit, wo er bei 600 m Breite 9- 10 m Tiefe erreicht. Auch die Pflanzenwelt ändert nordwärts ihr Geſicht. Die Parkland— ſchaft des Südens, in der Olpalmen und Boraſſuspalmen gedeihen, geht über in die von Baobabs und Akazien durchſetzte Obſtgartenſteppe und dieſe wieder in die Dornbuſchſteppe, in der einen Meter kaum überſteigende Sträucher wachſen(155). Hier iſt der Boden zur Trockenzeit, die den größten Teil des Jahres umfaßt, nicht mehr gelb, ſondern kaſtanienfarbig. In der Nähe des Südufers des Tſchadſees dauert ſchließlich die Trockenzeit elf Monate lang. Die einheimiſche Bevölkerung Arwald, Savanne und Steppe, die drei großen Lebensbezirke, an denen Kamerun Anteil hat, ſind auch für die Verteilung und die Lebensführung der Eingeborenen von großer Bedeutung. 17 Im Urwald lebt der Waldneger, der in Kamerun vorwiegend zu den eine Bantuſprache ſprechenden Negern gehört. Er ſiedelt in kleinen Stämmen oder Gruppen und baut ſeine Wohn⸗ ſtätten aus den Stoffen, die ihm der Wald zur Verfügung ſtellt. Die Dörfer liegen als Straßen⸗ oder Reihenſiedlungen an Flüſſen und Negerpfaden. Die rechteckigen Giebeldachhäuſer ſtehen oft wie in unſeren Städten Wand an Wand nebeneinander(Seite 52). Als Nahrung dienen dem Waldbewohner Wurzeln und Knollen, vorwiegend aber die Früchte der Bananen, deren kleine Haine meiſt die Siedlungen umgeben. Mühſam nur erkämpft ſich der Waldneger Wohn⸗ platz und Feldraum, da er dem vor Feuchtigkeit triefenden Wald mit Feuer nicht beikommen kann und ſeine einfachen Werkzeuge nicht dazu ausreichen, den Wald ordentlich zu roden. Die Rieſenbäume läßt er daher ebenſo ſtehen wie die Wurzelſtöcke der mittleren und kleineren Baäume, die er abſchlägt. Mit ſeiner Holz⸗ oder Eiſenhacke kann er nur oberflächlich den Boden bearbeiten, ſo daß das Feld der Eingeborenen einen ungepflegten Eindruck macht. Muß der Neger wegen Erſchöpfung des Bodens ſein Feld verlaſſen, ſo nimmt der Urwald raſch wieder davon Beſitz. Iſt jedoch mehrmals an gleicher Stelle gerodet worden, ſo tritt ein außerordent⸗ lich dichter Buſchwald auf, der ſogenannte Sekundärwald, der wegen ſeines zahlreichen Anter— wuchſes kaum zu durchdringen iſt. Der Fleiſchmangel, an dem der Arwaldbewohner leidet, hat wohl bei einigen Stämmen zur Menſchenfreſſerei geführt. Jahraus, jahrein überfielen die im ſüdlichen Teil unſerer Kolonie wohnenden Niems und Makkas vor der Zeit der deutſchen Herrſchaſt ihre Nachbarn, um Gefangene zu machen und deren Fleiſch zu verzehren, das ſie ſogar auf offenem Markte verkauften. Erſt der um Kamerun hochverdiente Major Dominik bezwang dieſe Stämme. Einen Erſatz für das fehlende Fleiſch erhält der Waldneger im Ol, das er aus den vielen Olpalmen gewinnt. Ihr Saft liefert ihm auch den„Mimbo“, den Palm⸗ wein, der in gegorenem Zuſtande berauſchend wirkt. Die Bekleidung iſt wegen der gleichmäßig und dauernd warmen Temperatur beim Bewohner des Waldes dürftig. Was der Menſch für ſeine materiellen Bedürfniſſe braucht, lieferte urſprünglich allein der Wald: Baumrinden, Palmfaſern und Gräſer, ebenſo Holz für Geräte und Waffen. Aus dem eiſenhaltigen Boden gewann der Schmied des Stammes im Holzkohlenfeuer Eiſen, das er zu Verkzeugen und Waffen verarbeitete. Im Gegenſatz zu den Negern des Savannen⸗ und Steppenlandes, die vorwiegend den Iſlam angenommen haben, herrſchen bei den Waldnegern noch Ahnenkult und Fetiſchdienſt(158). Zur Nachrichten⸗Ubermittlung dient bei den Duala die Trommelſprache, mit deren Hilfe die Stammesangehörigen zum Krieg oder zu Verſammlungen aufgerufen werden. Auch der Beſuch von Fremden wurde auf dieſe Art angekündigt. Neben dem Waldneger leben im Arwald noch Vertreter kleiner Menſchenraſſen, die Pog⸗ mäen oder Zwergvölker. Zu ihnen gehören in Kamerun die Bagielli. Vor den Schwarzen wie den Weißen haben ſie ſich in die unzugänglichſten Teile des weiten Waldlandes zurück⸗ gezogen, wo ſie in kleinen Horden bis zu 50 Köpfen hauſen und ohne irgendwelche ſtaatliche Organiſation leben. Sie nähren ſich in kümmerlicher Weiſe von den Früchten des Waldes, machen aber auch auf Affen und Elefanten Jagd. Mit Giftpfeilen greifen ſie den Rieſen des Arwaldes an und folgen ihm, bis ſich die Wirkung des Giftes zeigt; dann ſtößt ihm einer der Jäger das breite Meſſer in den Leib. Da in dem feuchtſchwülen Waldland zahlreiche Krankheiten, vor allem die Schlafkrank⸗ heit, verbreitet ſind, ſo iſt es erklärlich, daß die Volksdichte nur ſehr gering iſt. Sie beträgt im ſüdlichen Kamerun nur 2 bis 5 Köpfe auf den Quadratkilometer. Ganz anders iſt das Leben des Menſchen in den nördlich angrenzenden offenen und durch⸗ gängigen Savannen, die den Mittelteil Kameruns einnehmen. Die nach Norden zu immer länger werdende Trockenzeit zwingt die Eingeborenen, ſich für dieſe mit Nahrung an unverderb⸗ lichen Früchten zu verſorgen. Dieſe liefert ihnen der Anbau von Körnerfrüchten, die auf⸗ geſpeichert werden müſſen. In manchen Landesteilen, wie in Bamum, iſt die ganze Fläche zwiſchen den Siedlungen mit Feldern bedeckt. Dieſe werden mit der Hacke bearbeitet, eine Tätigkeit, die Sache der Frauen iſt. Die Wohnſtätten der Eingeborenen, die zu den Sudan⸗ 18 negern gehören, bilden Haufendörfer. Die einzelnen Gehöfte werden aus den Wohnhütten und den oft urnenförmigen Speichern gebildet(161). Die Hütten ſind vorwiegend Kegeldach⸗ hütten mit zylindriſchem Unterbau(Seite 34). In Fumban, dem Hauptort des in deutſcher Zeit von dem Eingeborenenkönige Njoja regierten Reiches Bamum, trifft man jedoch Hütten mit quaderförmigem Unterbau und Poramidendächern(160). Die Stoffe für den Hausbau liefert im Graslande. die in den Waldſtreifen entlang den Flüſſen, den Galeriewäldern, ge⸗ deihende Raphiapalme, die ähnlich vielſeitig von den Eingeborenen verwendet wird wie der Bambus in Indien. In der Reſidenz des Herrſchers von Bamum ſtehen die Häuſer eng an⸗ einandergereiht, ſo daß lange Baufluchten entſtanden ſind. Der Tierreichtum der Savanne(154, 155) bietet genügend Fleiſchnahrung. Die Jagd auf das Großwild wird beſonders zur Trockenzeit ausgeübt. Um die Tiere aus ihren Schlupf⸗ winkeln zu vertreiben, zündet man das Steppengras an mehreren Stellen an. Die Stoffe für die in der Savanne notwendige Kleidung liefern die von den Hauſſa gewebten und mit Indigo gefärbten ſchmalen Baumwollſtreifen, aus denen die Gewänder hergeſtellt werden. Baum⸗ wollſpinnerei und weberei ſind ziemlich entwickelt. Weiter nach Norden im Gebiet der trockeneren Steppen iſt Ackerbau nur noch mit Hilfe von Bewäſſerung möglich. Da hier Holz immer ſeltener wird, werden die Wohnungen der Eingeborenen meiſt aus Lehm gebaut. Beſonders kunſtvoll ſind die Bienenkorbhütten der entlang des Logone dicht ſiedelnden Muſgu. Ihre Bauten werden ohne jede Stütze aus Lehm geformt, ein gemeinſamer Unterbau trägt oft mehrere Hütten, die von einer Lehmmauer um⸗ geben werden(Seite 53). Die Muſgu gehen auf dem Logone dem Fiſchfang nach, wie weiter nördlich auf dem Schari und Cogone die im Süden des Tſchadſees wohnenden Kanuri. Dieſe treiben außerdem auf den zur Hochwaſſerzeit vom Waſſer bedeckten Schwemmlandebenen Ackerbau, deſſen wichtigſte Anbaupflanze die Sorghumhirſe iſt. Allerdings boten die weiten durchgängigen Flachländer die Möglichkeit von Einfällen von Nomaden, die die bodenſtändigen Ackerbauer leicht unterjochen konnten. Dieſer Anterdrückung ſuchten ſich letztere dadurch zu entziehen, daß ſie die wie Inſeln aus den Ebenen aufragenden, ſchwerer zu bezwingenden Gebirge aufſuchten. Daraus erklärt es ſich, daß heute im Mandare⸗ gebirge die Splitter von einigen 30 Stämmen wohnen. Anderwärts rückten die Stammes⸗ angehörigen dichter zuſammen und umſchloſſen ihre Siedlungen mit Wällen, innerhalb deren die Wohnplätze und die Felder liegen. Eine ſolche Großſiedlung iſt das bereits genannte Fumban, das rund 18000 Bewohner zählt. Zu den Volksſtämmen, die von außerhalb Kameruns gelegenen Gebieten einbrachen, ge⸗ hören die Hauſſa und die ſeit dem 16. Jahrhundert eingewanderten Fulbe. Dieſe überrannten im 19. Jahrhundert die im mittleren Sudan gebildeten Hauſſaſtaaten und gründeten neue Reiche. Eines von ihnen war Adamaua, das von einem Heerführer der Fulbe namens Adama, dem Gründer, ſeinen Namen empfing. Jola war die Hauptſtadt. Die Fulbe oder Fulla(161) ſind Menſchen mit hellerer Hautfarbe, wohl mit den Berbern verwandt. Sie treiben vor allem Viehzucht und überlaſſen den Ackerbau Sklaven und den unterworfenen Völkerſchaften. Als fanatiſche Mohammedaner verbreiteten ſie den Iflam über das nördliche Kamerun. Kamerun unter deutſcher Herrſchaft Die Entwicklung der Kolonie fällt zuſammen mit der allmählichen Durchſetzung der deutſchen Herrſchaft und den Fortſchritten in der Befriedung des gewaltigen Raumes. Bis zum Jahre 1911 war Kamerun faſt ſo groß wie das Mutterland(500000 qkm). Dazu traten infolge des deutſch⸗franzöſiſchen Vertrags von 1911 weitere 260000 qkm, ſo daß die Kolonie eine Fläche von 260 000 qkm hatte. Bis zum Jahre 1890 wurde das Küſtengebiet erforſcht und unter deutſche Verwaltung genommen. Das folgende Jahrzehnt dehnte dann die deutſche Hoheit im Innern des Landes aus, n Wohnhütten end Kegeldach⸗ es in deutſcher jedoch Hütten den Hausbau riewäldern, ge⸗ t wird wie der Häuſer eng an⸗ Die Jagd auf ihren Schlupf⸗ Die Stoffe für und mit Indigo erden. Baum⸗ noch mit Hilfe Vohnungen der korbhütten der tütze aus Lehm ehmmauer um⸗ ach, wie weiter Kanuri. Dieſe mmlandebenen Einfällen von rAnterdrückung in aufragenden, e im Mandare⸗ die Stammes⸗ nnerhalb deren ereits genannte einbrachen, ge⸗ eſe überrannten gründeten neue amens Adama, der Fulla(161) eiben vor allem erſchaften. Als erun. ng der deutſchen Bis zum Jahre utraten infolge zie Kolonie eine che Verwaltung des Landes aus, ———ůͤ— *„„%„——— 5 nachdem im Süden die Expedition von Kund, Tappenbeck und Weißenborn 1887 und ein Jahr ſpäter im Norden die von Zintgraff das Waldland bezwungen und das Grasland erreicht hatten. Nunmehr führten zahlreiche Expeditionen ins Innere und ſchloſſen mit den einheimiſchen Häuptlingen Verträge ab. Weitere Vorſtöße ſetzten kurz vor der Jahrhundertwende ein. Da keine Rückſchläge und größere Störungen eintraten, konnte die Verwaltung immer weiter aus⸗ gebaut werden. Vor dem Kriege war die zivile Verwaltung überall im Küſtengebiet und in den durch Eiſenbahnen und natürlichen Schiffahrtswegen zugänglichen Teilen Kameruns ein⸗ gerichtet. Zu ihrer Unterſtützung diente die aus 27 Deutſchen und 1155 Farbigen beſtehende Polizeitruppe(180). Das Hinterland ſtand größtenteils unter der Verwaltung der Schutztruppe, die in 12 Kompanien eingeteilt war und über 125 Deutſche ſowie 1350 Farbige verfügte. Garua, Mora und Ngaundere waren Reſidenturbezirke, in denen die Verwaltung unter deutſcher Aufſicht durch die einheimiſchen Häuptlinge geführt wurde. Eine der wichtigſten Aufgaben der Verwaltung war die Anlage von Verkehrswegen. Die Flüſſe, wie der Sanaga, der Wuri, der Mungo, der Muni und der Ndian, waren zwar ſchiff⸗ bar, die Schiffahrt fand aber bereits in 70 km Entfernung von der Küſte durch Waſſerfälle ein Ende. Teile des Hinterlandes hatten von Natur aus Anſchluß an den Kongo im Oſten und durch den Benué an den Niger im Weſten und im Logone einen zum Tſchadſee hin⸗ führenden Fluß. Zur Küſte hin fehlte jedoch jeder Zugangsweg. Dieſe Lage hatten die Ein⸗ geborenen in der Frühzeit der deutſchen Herrſchaft dazu benutzt, jeden Verkehr mit dem Gras⸗ land von der Küſte durch den Arwald hindurch zu unterbinden, um an einem Kettenhandel, der die Waren von Stamm zu Stamm weitergab, gut zu verdienen. So war der Bau von Eiſenbahnen durch den Arwald zum inneren Hochland die dringendſte Notwendigkeit. Als der Weltkrieg ausbrach, waren zwei Bahnen im Bau und auf größere Strecken in Betrieb ge⸗ nommen. Von Bonaberi(147) führte die Nord⸗ oder Marengubabahn landein. Von ihr waren 160 km fertiggeſtellt. In Duala nahm die Mittellandbahn ihren Ausgang, von der 1914 131 km in Betrieb waren. Sie ſollte bis zum Njong weitergebaut werden. Infolge der ungünſtigen natürlichen Verhältniſſe waren die Baukoſten hier beſonders hoch. Eine von Kribi ausgehende Südbahn ſollte den Süden erſchließen, der allein noch völlig auf den mühſeligen, koſtſpieligen und zeitraubenden Trägerverkehr angewieſen war. Die von Viktoria nach Soppo führende Schmalſpurbahn, die eine Länge von 31 km aufwies, ſchloß die am Kamerunberg liegenden Plantagen an die Küſte an. Neben dem Bahnbau wandte die Kolonialverwaltung ihr Augenmerk auf den Ausbau von Wegen und die Herſtellung von Brücken. Weiter aber mußten, um das Land zu erſchließen, die vor allem im Arwald vorkommenden anſteckenden Krankheiten bekämpft werden. Unter ihnen hatte namentlich durch den geſteigerten Verkehr die furchtbare Geißel des tropiſchen Afrika, die Schlafkrankheit, immer weitere Ver⸗ breitung erlangt. Ihr begegnete man durch Impfung der Eingeborenen, durch die Aufnahme der Kranken in beſonderen Lagern und durch planmäßige ſanitäre Maßnahmen. Tatſächlich gelang es auch, die Krankheitsherde im Süden beträchtlich einzuſchränken, eine Wohltat, die Kamerun nach dem Weltkrieg im franzöſiſchen Mandatsteil wieder verlorenging, da die Fran⸗ zoſen weit weniger Arzte als die Deutſchen in Südkamerun im Gebiet des Sanga einſetzten. Der Pocken war die deutſche Verwaltung durch Schutzimpfung völlig Herr geworden. Alle dieſe Maßnahmen der Kolonialverwaltung verfolgten außerdem den Zweck, die Lei⸗ ſtungen der Wirtſchaft des Landes zu ſteigern. Dieſem Ziele allein dienten die Einrichtung von Viehzuchtſtationen und eines Geſtütes und die Anlage von Verſuchsfeldern und gärten an verſchiedenen Orten, unter ihnen an erſter Stelle der Aufbau der Verſuchsanſtalt für CLandes⸗ kultur in Viktoria. Vor allem galt es, die Eingeborenenwirtſchaft zu heben, da deren wichtigſte Ausfuhrgüter noch immer im Wege des Sammelns, des Raubbaus, erlangt wurden. Am wichtigſten war unter dieſen Sammelerzeugniſſen in den letzten Jahren vor dem Kriege der Kautſchuk. Im Jahre 1912 betrug die Kautſchukausfuhr 11,3 Millionen Mark, von denen nur 121000 Mark auf den in Pflanzungen gewonnenen Kautſchuk entfielen. Auch die Aus⸗ fuhrmenge an Olkernen und Palmöl wurde zum größten Teile durch die Eingeborenen des Arwaldes geſammelt; für 4,4 Millionen Mark wurden im Jahre 1912 Olterne, für 1,6 Mil⸗ lionen Mark Palmöl aus Kamerun ausgeführt. Anders lag die Sache beim Kakao(165). Hier lieferten bereits die Plantagen am Kamerun⸗ berg und aus der Gegend von Jaunde beträchtliche Mengen, ſo daß von 3,7 Millionen Mark Ausfuhr nur 0,5 Millionen auf die Erzeugung ſeitens der Eingeborenen kamen. Bereits im Jahre 1904 begann man mit der Rodung des Arwaldes(163) und mit der Anlage von Plantagen. Sie nahmen allmählich die ganzen unteren Hänge des Kamerunberges ein und entwickelten ſich ſtetig. Neue traten im Gebiet der Nordbahn hinzu, ſo daß im Jahre 1912 58 Unternehmungen Erträge lieferten. Sie erzeugten Kakao, Kautſchuk, Olpalmfrüchte, Obſtbananen(166, 167) und Tabak(164). Die Tabelle zeigt die Ausdehnung einiger dieſer Kulturen in den letzten Jahren vor dem Ausbruche des Weltkrieges. 1906 191² 13 161 ha Anbaufläche Z/S Millionen Bäume Kakaõo 2296 ha Anbaufläche 2 Millionen Bäume Kautſchutk 1362 ha Anbaufläche 2181 ha Anbaufläche 5,6 Millionen Bäume Eßbananen. 950000 Pflanzen 2 Millionen Pflanzen Die Zahl der in den Plantagen beſchäftigten Farbigen ſtieg von 7023 auf 17 827, für deren Ernährung vorwiegend Mehlbananen angebaut wurden. Dieſe aufſteigende Entwicklung des Schutzgebietes zeigt ſich auch in den Zahlen für die Ein⸗ und Ausfuhr: Einfuhr Ausfuhr in Millionen Mark in Millionen Mark 1905 4 9,3 1910 25,5 19,9 1912 34,2 228 Hier iſt der Einfluß des Bahnbaues unverkennbar(ſeit 1908) und ebenſo die Wirkung der fortſchreitenden Aufbauarbeiten, die die Verwaltung der Kolonie leiſtete. Der Bezirk Duala ſtand im Handel an erſter Stelle, ihm folgte Kribi dicht auf. So hatte Kamerun unter ſchwierigen natürlichen Verhältniſſen in ſeiner Entwicklung gute Fortſchritte gemacht, als der Weltkrieg ausbrach und die Deutſchen auch in Kamerun ange⸗ griffen wurden. Die kleine Schutztruppe unter Führung des Oberſtleutnants Zimmermann verteidigte ſich tapfer und geſchickt. Aber die feindliche Abermacht war zu groß. Vor 60000 Eng⸗ ländern, Franzoſen und Belgiern zog ſich daher die Schutztruppe, mit der die Eingeborenen treu zuſammenkämpften, endlich in das neutrale ſpaniſche Gebiet von Rio Muni zurück, deſſen Grenze Anfang Februar 1916 überſchritten wurde. Den Deutſchen folgten 50 000 Eingeborene, die nicht unter franzöſiſche oder engliſche Herrſchaft treten wollten. Nur wenige Wochen ſpäter, am 18. Februar 1916, mußte auch Hauptmann von Raven, der ſich in Mora zäh verteidigte, die Waffen ſtrecken. Dann wurde 1919 das deutſche Altkamerun unter England und Frankreich als Mandatsgebiet des Völkerbundes aufgeteilt, während das 1911 erworbene Neukamerun von Frankreich ſeiner Kolonie Aquatorialafrika einverleibt wurde. 19 X 4 3 e 8 8 2 ln N 0 4 1 DERR K 82 N 4 8 1* 5¹ A L 85 KR 20 Beſitzergreifung und Erforſchung Kereits im Jahre 1471 erreichten die Portugieſen auf der Suche nach dem Seeweg um Afrika B nach Oſtindien die Küſte von Oberguinea, an der ſie 1482 ihr erſtes Fort errichteten. Von hier aus begannen ſie einen ſchwunghaften Handel mit Negerſklaven, die einem Teil der Küſte die noch heute übliche Bezeichnung Sklavenküſte einbrachte. Weſtlich des Dreiſpitzenkaps wurden die Portugieſen von den Holländern verdrängt, denen ſich Engländer und Dänen zu— geſellten; auch Brandenburg faßte hier unter dem Großen Kurfürſten feſten Fuß. Weiter im Oſten nahmen Holländer, Franzoſen und Engländer die Küſte in Beſitz. Als dieſe Kolonien infolge des Verbotes der Sklavenausfuhr zu Anfang des 19. Jahrhunderts beträchtlich an Wert verloren, verkauften die Dänen und zuletzt 1824 auch die Holländer ihre Beſitzungen an die Engländer, die ſich nun allein mit den Franzoſen in die Herrſchaſt über die Küſtenſtrecken teilten. Nur die Togoküſte hatte keinen Herrn. Am die hohen Einfuhrzölle der engliſchen Goldküſtenkolonie im Handel mit den Einge— borenen zu vermeiden, gründeten hanſeatiſche Kaufleute an der Küſte von Togo in Klein Popo, dem ſpäteren Anecho(169), Handelsniederlaſſungen, denen der dortige Negerhäuptling gegen Entſchädigung die Erlaubnis zum Handel erteilte. Als er 1883 ſtarb, brachen Streitigkeiten aus, und die Engländer ſuchten ſie zu benutzen, um ihre Herrſchaft auch über die Togoküſte auszudehnen. Aber gerade zu glücklicher Stunde erſchien Kapitän Stubenrauch mit dem deutſchen Kriegsſchiff„Sophie“ vor der Küſte und ſicherte die erneute Anerkennung der deutſchen Handelsrechte. Bald nach ſeiner Abfahrt begannen jedoch wiederum Umtriebe gegen die deutſchen Niederlaſſungen. Da verſuchte ein deutſcher Kaufmann in einem Gewaltritt nach Groß⸗Popo zu kommen, um die dort vor Anker liegende„Sophie“ zurückzurufen. Es gelang. Am s. Februar 1884 landete Kapitän Stubenrauch in Klein⸗Popo mit 100 Mann und nahm die Haupträdels⸗ führer gefangen. Da die Engländer aber noch weiterhin durch Aufhetzung der Eingeborenen die Deutſchen zu zwingen hofften, auf die Togoküſte zu verzichten, ſandten Eingeborenenhäupt⸗ linge aus Anecho eine Denkſchrift an Kaiſer Wilhelm I., in der ſie um deutſchen Schutz baten. Inzwiſchen hatte die Reichsregierung ſchon ihrerſeits die Hanſeſtädte aufgefordert, über die Cage ihres weſtafrikaniſchen Handels zu berichten. Das Ergebnis der Verhandlungen war, daß Bismarck den berühmten deutſchen Forſchungsreiſenden und damaligen deutſchen General— konſul in Tunis Dr. Guſtav Nachtigal zum Reichskommiſſar für Weſtafrika beſtimmte(ſiehe Ehrentafel, Seite 4 und 16). Im Sommer 1884 erſchien Nachtigal auf der„Möwe“ an der Togoküſte. Bereits am 5. Juli ſchloß er hier mit einem Vertreter des Häuptlings Mlapa von Togo ein Schutzbündnis ab, das unmittelbar die Hiſſung der deutſchen Flagge in Bagida und Come zur Folge hatte. Weitere Verträge folgten. Damit war Togo deutſch geworden, wenn ſich auch die Auseinanderſetzungen über die Feſtlegung der Grenzen gegen die benachbarten engliſchen und franzöſiſchen Beſitzungen noch eine Reihe von Jahren hinzogen. Wenige Jahre nach der Abernahme des Togogebietes begann die gründliche Erforſchung und Erſchließung des Landes, das damals nur wenig bekannt war. Sie wurde eingeleitet durch eine größere amtliche Expedition unter Führung des Hauptmanns Curt von Francois, zu deſſen Ehren der über das Togogebirge bei Miſahöhe führende Paß Françoispaß genannt wurde. Ihr folgten eine große Anzahl weiterer Züge, zum Teil um den Beſitz des Hinterlandes vor allem gegen die Franzoſen zu ſichern, die durch die Ausſendung von zahlreichen Expeditionen die deutſche Kolonie in ihrer Ausdehnung möglichſt zu beſchränken ſuchten. Lage und Landesnatur Das rund 87200 qkm umfaſſende Gebiet von Togo, das alſo etwa ſo groß iſt wie Bahern und Württemberg zu⸗ ſammen, bildet einen ſchmalen, an der Küſte etiwa 50 km, weiter im Innern durchſchnittlich eiwa 175 km breiten Streifen, der im Weſten an die britiſche Goldküſtenkolonie, im Oſten an das franzöſiſche Dahome grenzt und ſich etwa 550 km von der Küſte aus land⸗ einwärts erſtreckt. Nähert man ſich mit dem Schiff der Küſte der Kolonie, ſo erblickt man nur ein niedriges, mit Palmen und Geſträuch bedecktes Land, gegen das die Brandung, die„Kalema“(168), jahraus, jahrein ihre ſchweren hochgehenden Wogen wälzt, ſie ſteigern ſich um die Mitte eines jeden Jahres zu beſonderer Stärke und Heftig⸗ keit. Da der Strand nur flach iſt, müſſen die Schiffe weit draußen ankern. Rei⸗ ſende, die landen wollen, und Ladungen müſſen den Booten von Eingeborenen, die ſich im Aberwinden der hohen Bran⸗ dungswellen beſondere Geſchicklichkeit erworben haben, übergeben werden. Nur in Lome(172) konnten die Schiffe an eine 1902 04 gebaute, 354 m lange CLan⸗“ 8— 8 dungsbrücke bis auf zwei Schiffslängen— heranfahren. Aber auch hier mußte man 5 ſich der Boote zum Entladen bedienen.—— 2 4 Im Jahre 1911 zerſtörte ein beſonders E= westL. GCöstLver. Hlometer 2, ſchwerer Seegang einen Teil der Brücke, Sd 151⁴ die von 1912 an jedoch wieder in Betrieb genommen werden konnte. Betritt man den Strand, ſo ſteht man auf einem niedrigen ſandigen Schwemmland, einem Nehrungswall, hinter dem ſich flache Strandſeen ausbreiten(171). Anter⸗ einander ſtehen dieſe durch ſchmale Rinnen vielfach in Verbindung, ſo daß ein Verkehr der Dörfer untereinander mittels flacher Boote oder Kanus möglich iſt und die Erzeugniſſe bequem zu den Märkten gebracht werden können. Als ſolcher iſt vor allem Anecho(169 /120) bedeutend ge⸗ worden. Jenſeits der Lagunenzone ſteigt das Land langſam an. Ol⸗ und Boraſſuspalmen (Seite 55) ſtehen einzeln oder in kleinen Hainen verſtreut. Weiter nördlich tritt eine Baum⸗ ſteppe auf, in der gelegentlich einzelne Vertreter des hier fehlenden Urwaldes, wie die Woll⸗ + o 910. Basuοι 2 Katocks 2—— 0 8—uα d09 ο 8 9 V V 97 A 1 E 8 8⁰ DAH0 MIL Cranz2))R;ꝑ m3D233ö (AtaA) AN 7 8 1 — 8 * 250 E(Franz.) 8 Ree DAÆH0O 2— 6⁰ 00 000 2 22 250 — 2 Sα I drigen ſandigen en(17). Anter⸗ kehr der Dörfer bequem zu den ) bedeutend ge⸗ zoraſſuspalmen itt eine Baum⸗ „wie die Woll⸗ ——̃————————————-————————— bäume(173), ſich finden. In 100 km Entfernung von der Küſte ſteigt der Agu, der höchſte Berg der Kolonie, bis zu 1025 m Höhe unmittelbar aus dem von den Küſtenflüſſen in ein Hügelland aufgelöſten Tiefland empor(122). Nach dem Glauben der im Küſtenhinterland wichtigſten Bevölkerungsgruppe, der Eweneger(178), muß jeder Verſtorbene ſeinen Weg in die Unterwelt über das Agugebirge nehmen. Der Agu gehört bereits zu den Einzelbergen, die vor dem Rand des ganz Togo durchziehenden Togogebirges liegen. Es beginnt im Südweſten am Dreiſpitzenkap in der engliſchen Goldküſtenkolonie. In ſeinem ſüdlichen Teile fällt es inner⸗ halb von Togo ſteil nach Nordweſten wie Südoſten ab. Aber den Frangoispaß führt ein viel begangener Weg, der von den Deutſchen zu einer Straße ausgebaut wurde. Er benutzt, um zur Höhe zu gelangen, die in die Gebirgsflanken eingreifenden Talzüge, deren Hänge und Gründe meiſt Urwald tragen(174— 176). Nördlich vom 9. Grad nördlicher Breite wird das Gebirge beſſer paſſierbar, ſo daß hier dem Verkehr zwiſchen Oſten und Weſten weniger Hinder⸗ niſſe entgegenſtehen als im Süden. Abſeits des Togogebirges iſt das Land, aus dem nur hier und da kleine Gebirge aufſteigen, weithin eben und niedrig; das 500 km vom Meere entfernte Sanſane Mangu liegt beiſpielsweiſe nur 155 mhoch, alſo tiefer als die das oſtdeutſche Tiefland durchziehenden Landrücken. In Togo iſt es infolge ſeiner Lage in der Nähe des Nquators überall ſehr warm. Im Süden an der Küſte ſchwanken die mittleren Monatstemperaturen nur wenig(zwiſchen 245 und 28˙, etwas mehr im Norden, wo Sanſane Mangu in den kühlſten Monaten Auguſt— September im Durchſchnitt 25,6“, in dem heißeſten Monat März 31,1“ aufweiſt. Zwiſchen Norden und Süden beſtehen auch in der Regenverteilung Unterſchiede. Während das Hinterland der Küſte zwei durch den trockenen Auguſt getrennte Regenzeiten kennt, von denen die niederſchlagreichſte auf die Monate April, Mai und Juni fällt, beſitzt der Norden nur eine Regenzeit, die im April beginnt und gerade im Auguſt ihren Höhepunkt erreicht; die Monate November bis März ſind hier faſt völlig trocken. Dieſe Regenverhältniſſe bedingen es wohl vor allem, daß in Togo der Urwald nur auf die regenreicheren Gebirgsflanken beſchränkt iſt oder als Galeriewald in ſchmalen Streifen die Flüſſe begleitet. Infolge der gleichmäßigen Wärme und der dadurch möglichen Verbreitung tropiſcher Krankheiten iſt das Land zum Daueraufenthalt für Weiße wenig geeignet. Die deutſchen Beamten mußten etwa alle 1½ Jahre nach Europa auf Erholungsurlaub gehen. Die Eingeborenenbevölkerung Die Bevölkerung betrug im Jahre 1913 1,032 Millionen Menſchen, von denen nur 368 Europäer waren. Von den Eingeborenen(180 ff.), die überwiegend zu den Sudannegern gehören, ſind die bekannteſte Gruppe die Eweneger(178, 129, 184), die im Hinterland der Küſte wohnen und in zahlreiche kleine Stämme zerſplittert ſind(170). Da in ihrem Verbreitungsgebiet die Tſetſefliege die Viehzucht unmöglich macht, ſind ſie vorwiegend als Hackbauer oder als Träger oder Händler tätig. Ihre Sprache iſt im Süden der Kolonie Handelsſprache. Anter den von den Eingeborenen gewonnenen Landeserzeugniſſen hatten einige für das Mut⸗ terland bereits Bedeutung erlangt. Anter ihnen nahmen der Menge und dem Werte nach die aus der Olpalme gewonnenen Palmkerne und das Palmöl die erſte Stelle ein. Ihnen folgte dem Werte nach der Kautſchuk, der von den Eingeborenen noch faſt ausſchließlich aus wildwachſenden Beſtänden gewonnen wird. Daran ſchloß ſich an vierter Stelle die Baumwolle an, die als Zwiſchenkultur zwiſchen anderen Feldfrüchten gedeiht. Ohne Bedeutung für die Ausfuhr war das heimiſche Gewerbe, das in der Töpferei(181) und Weberei(186) ſowie auf dem Gebiete der Metallverarbeitung hübſche Erzeugniſſe hervorbringt. Die heimiſchen Eiſenhütten in Banjeli (193) liefern das für die Herſtellung von Waffen und zahlreichen Geräten notwendige Eiſen. Am ihre Erzeugniſſe auszutauſchen, treiben die Eingeborenen lebhaften Handel. Die Wochen⸗ märkte, die ſeit der Beſetzung durch die Deutſchen in voller Ruhe ſtattfanden, zeigen ein buntes, lebhaftes Treiben(Seite 56). Hier werden die Erzeugniſſe des Ackerbaus(Mais, Hirſe, Reis, Jams, Maniok, Bohnen u. a.) und der Gewerbe, ferner Salz, Kolanüſſe u. a. ausgetauſcht. Bei dieſem Handel ſpielen die über ganz Togo verbreiteten Hauſſa eine wichtige Rolle(187, 190). Da ſie Mohammedaner ſind, hat ſich mit ihnen der Iſlam ausgebreitet(189, 191). Seine Anhänger wurden 1913 in Togo auf 14000 geſchätzt, denen etwa 23000 eingeborene Chriſten gegenüberſtanden. Die Wirtſchaft der Europäer Da die geſchilderten ungünſtigen klimatiſchen Verhältniſſe dem Europäer den Aufenthalt erſchweren, war man in den letzten Jahren vor dem Weltkriege in Togo dazu übergegangen, Europäer ſowohl in der amtlichen Verwaltung wie bei privaten Anternehmungen nur an leitenden Stellen zu verwenden. Von den 368 Weißen, von denen über die Hälfte in Lome lebte, waren 1913 320 Deutſche; 94 Weiße waren Regierungsbeamte, 26 Geiſtliche und Miſſionare, 66 Kaufleute, 26 Techniker und Ingenieure, 9 Handwerker, 8 Pflanzer. Sie be⸗ trieben einige Pflanzungsunternehmen, die Kokospalmen, Kakao, Siſalagaven, Manihot u. a. anbauten, außerdem Handels⸗ und Induſtrieunternehmungen. Von den letzteren waren diejenigen Betriebe von beſonderer Bedeutung, die die Erzeugniſſe der heimiſchen Landwirtſchaft für den Abſatz nach Deutſchland nutzbar machten. Dazu gehörten 10 Baumwollentkernereien(194) und Aufbereitungsanlagen für Olpalmerzeugniſſe und Siſalhanf. Am das Cand zu entwickeln, legte die deutſche Verwaltung vor allem Wert auf den Ausbau der Verkehrswege, betrugen doch vor deren Ausbau die Transportkoſten für den Tonnenkilometer 80 bis 90 Pfennige. Zuerſt wurden die wichtigſten von Lome ausgehenden Straßen geſchaffen, dann folgten andere(Seite 50). Gleichzeitig begann der Bau von Eiſenbahnen. Von dieſen ver⸗ band die kürzeſte Cinie Lome mit Anecho(44 km)j, zwei weitere führten ins Innere, wo Atakpame (167 km) und Palime(110 km) die Endpunkte waren. Außerdem ſorgten eine Landeskulturanſtalt und drei Baumwollſaatzuchtſtellen für die Entwicklung der Land⸗ wirtſchaft. Der Bau der Landungsbrücke in Lome erleichterte Aus⸗ fuhr und Einfuhr. Da die Entwicklung der Kolonie auch nicht durch Kämpfe mit den Eingeborenen geſtört wurde, ſteigerte ſich der Wohlſtand Togos, das als einzige deutſche Kolonie keinen Reichszuſchuß mehr brauchte, immer weiter, wie auch aus der Entwicklung der Zahlen für die Ein⸗ und Ausfuhr zu erkennen iſt. Einfuhr Ausfuhr Geſamthandel in Millionen Markſin Millionen Markſin Millionen Mark 1890 /91 1,16 1,65 2,8 1895 2,4 3,05 3,4 1900 8 3,06 6,6 1905 7,8 3,96 11 1910 10,8 7,2 18,0 1912 117,4 9,96 2¹74 So war die Entwicklung Togos ſchon weit fortgeſchritten, als der Weltkrieg 1914 ausbrach. Da die Kolonie keine Schutz⸗ truppe, ſondern nur eine kleine Polizeitruppe beſaß(196, 197), wurde ſie bald eine Beute der von allen Seiten eindringenden Feinde. Deren Ziel war zunächſt die kurz vor dem Kriege fertig⸗ geſtellte Großfunkſtation Kamina, die in den erſten Wochen noch die Verbindung mit der Heimat ſicherſtellte. Bereits am 258. Auguſt 1914 mußte ſie von der kleinen deutſchen Truppe in die Luft geſprengt werden, da ſie ſich gegen die Abermacht nicht halten konnte. Die in die Hände der Franzoſen gefallenen Deutſchen wurden ebenſo wie ihre in Kamerun gefangengenommenen Landsleute ſo brutal behandelt, daß nur wenige am Leben blieben. Im Diktat von Verſailles verlor das Deutſche Reich auch Togo, das als Mandat des Völkerbundes teils an Großbritannien, teils an Frankreich fiel. Adolf Friedrich, Herzog zu Meck⸗ lenburg, geboren 1873. Er querte 1907/ 08 das tropiſche Afrika und reiſte 1910/11 im Sudan. 1912 14 war er Gouverneur von Togo 2¹ * 2000000 8⁰ 0 150⁰ 160⁰ 17⁰0² 180⁰ Nxxxddddddd ht MaßSstab 1: 2 0000⁰‚0‚ο ο p ⏑ οον ο ο οοον0 JXð 3 WVy. ð 4 J ER 20⁰ S e ASVDDDs YDN NS& N Y N Marshalil J 0 O* 5 J 1 N* 2 4 5 WD 8 135 A Peck- 22 Inseln 3* J S 8 I f 33 J S—— Fonqp 2 J 8 z3z3. S SV VY — Eue „„Admirahitäts- ννν JV 8 eu·* B 0 eclenbg,. SY 17⁰0 180• — chipef De.— 5— e e b, 5I65 ENeu- 2 Deutsch- RRPeee 8.. V 8 2 10 ODD 8 5 100 2 — 8 3 N 8 1: 3500 000 0 50 NKkKm 130 A STRAL LIAOHNN 6S4l. Länge 13290.WCreenvich 160⸗ 2² Die deutſchen Schutzgebiete in der Südſee Sνο 1 100 004 20 180⁰ D 5 Upolu 5— ——— 10I⁴ Erwerbung und Uberſicht (uch in der Südſee waren es deutſche Kaufleute, die den Boden für den ſpäteren Erwerb A deutſcher Kolonien ebneten. Am die Mitte des 19. Jahrhunderts dehnte das Hamburger Handelshaus Godeffroy(ſiehe Ehrentafel) ſeine Handelsbeziehungen hierher aus und gründete 45 Niederlaſſungen auf Samoa und vielen Inſeln Mikroneſiens und Melaneſiens. Leider brach das Haus finanziell zuſammen, da der Verſuch Bismarcks, es durch die„Samoa⸗ vorlage“ zu retten, 1882 an der einſichtsloſen Haltung des Reichstages ſcheiterte. An Stelle des Hauſes Godeffroy, das nicht nur Handel getrieben, ſondern auch Forſchungsreiſende aus⸗ geſandt und eine rege wiſſenſchaftliche Tätigkeit veranlaßt hatte, wurde die„Deutſche Handels⸗ und Plantagen⸗Geſellſchaft der Südſee“ gegründet. Im Mai 1884 bildete ſich dann die Neu⸗ guinea⸗Kompanie, und Bismarck ließ im November des gleichen Jahres in Neupommern, Neulauenburg und Neuguinea die deutſche Flagge hiſſen. Die Beſitzergreifung des herrenloſen Bismarckarchipels und der Marſhallinſeln verurſachte keine Schwierigkeiten. Bei den Marianen und Karolinen machten jedoch die Spanier ältere, rein äußerliche Rechte geltend, und die Inſeln kamen mitſamt den Palauinſeln erſt 1899 durch Kauf an Deutſchland. Am ſchwierigſten geſtaltete ſich die Erwerbung Samoas, das nach dem Zuſammenbruch des Hauſes Godeffroy in ſteigendem Maße unter engliſchen und amerikaniſchen Einfluß kam, obwohl der größere Teil des Plantagenlandes Deutſchen gehörte. Nach den rivaliſierenden Mächten teilten ſich auch die Eingeborenen in drei ſich bekämpfende Gruppen, die das Land in ſtändiger Unruhe hielten, bis ſchließlich im Jahre 1900 England, Deutſchland und die Vereinigten Staaten von Amerika zum Abſchluß eines Vertrages kamen, der die Ruhe für immer herſtellte und dem Deutſchen Reiche den Beſitz der zwei größten Samoainſeln Apolu und Gawai ſicherte. Weit vom Mutterlande entfernt, waren die deutſchen Beſitzungen in der Südſee über eine rieſige Meeresfläche verteilt. Am dieſe Inſelflur von Deutſchland aus zu erreichen, brauchte man zu Schiff durchſchnittlich 6 Wochen, und ſelbſt wenn man die ſibiriſche Bahn benutzte, waren unter günſtigen Vorausſetzungen immer noch 35 Reiſetage notwendig. Aber auch die Verbindung zwiſchen den einzelnen deutſchen Plätzen in der Südſee nahm viel Zeit in Anſpruch; denn bei einer Weſt⸗Oſt⸗Erſtreckung des Geſamtbeſitzes von rund 4500 km und einer Nord⸗ Süd⸗Ausdehnung von mehr als 3000 km(zum Vergleich: Königsberg-Baſel rund 1200 km) lagen die Inſeln über eine Meeresfläche von mehr als 12 Millionen Quadratkilometer verſtreut. Im Verhältnis zu dieſen für uns kaum vorſtellbaren Entfernungen war die Landfläche an ſich mit rund 240000 qkm(die Hälfte des heutigen Deutſchen Reiches) recht gering. Einzig Aberſicht über Größe und Einwohnerzahl der deutſchen Schutzgebiete in der Südſee Einwohner Volksbichte auf den qkm (rohe Schätzung)(abgerundet) 626 4000 7 Palauinſeln und Karolinen 1450 41000 28 Marſhallinſeln mit Nauru 40³ 11000 2²* Mikroneſien 2481 56000 25 Bismarckarchipeͤenl 47100 190000 4 Galomonen, Buka, Bougainville 10000 60000 6 Kaiſer⸗Wilhelms⸗Candod. 181650 110000 0,6 Melaneſien 238750 360000 77*— aeck 2588 37000 14 Zuſammen 243 819 453 000 477 Die oͤeutſchen Schutgebiete in der Züoͤſer und allein der deutſche Anteil an der Inſel Neuguinea, Kaiſer⸗Wilhelms⸗Cand, hatte eine an kontinentale Größen erinnernde Ausdehnung. Es folgten ihrer Fläche nach der Bismarckarchipel und die deutſchen Salomoninſeln. Dagegen fielen die Inſelgruppen Deutſch⸗Mikroneſiens mit 2481 qkm kaum ins Gewicht. Sie verteilten ſich auf die Marianen, Karolinen, Palauinſeln und die Marſhallinſeln mit der Phosphatinſel Nauru. Die Bevölkerungszahlen können nur rohe Anhaltspunkte ſein, da eine genaue Erfaſſung infolge der Ausdehnung des Geſamibeſitzes und der Landesnatur nur an wenigen Stellen möglich war. Mögen auch Schätzungen der Geſamtbevölkerung vorliegen, die ſich auf 600000 und mehr belaufen, ſo ändert dies ebenſowenig, wie die auf 64 Menſchen pro Quadratkilo⸗ meter bezifferte Bevölkerungsdichte der Gazellehalbinſel eiwas an der Tatſache, daß der deutſche Südſeebeſitz im Vergleich zu den übrigen öſtlichen Ländern menſchenarm war. Landesnatur Nach ihrem Aufbau ſind die Marianen und die vier hohen Karolinen ebenſo wie Samoa vulkaniſch entſtanden. Die übrigen Karolinen und die Marſhallinſeln ſind Korallenbauten, während der Bismarckarchipel und Kaiſer-Wilhelms⸗Land Teile alter Gebirgsbögen ſind. Die meiſt winzigen Inſeln Mikroneſiens ſteigen nur zu geringer Höhe auf. Die Bismarckinſeln ſind ſchon höher, und die Bismarckkette im Innern Neuguineas trägt zuzeiten ſogar Schnee. Viel gleichartiger als die hohen Inſeln ſind die unzähligen Koralleninſeln(ſiehe Seite 67), die Atolle. Sie ſind oft winzig kleine Aufſchüttungsinſeln, die auf einem in ſich geſchloſſenen Korallenriff ruhen und eine nur durch ſchmale Zugänge mit dem Meere verbundene Lagune einſchließen. Auf Grund ihrer großen Küſtenausdehnung und der Menge von Kokospalmen ſind ſie dichter beſiedelt als die hohen Inſeln, ja, wegen der kaum zu vergrößernden Nahrungs⸗ grundlagen leiden ſie oſt an Abervölkerung, der man durch Auswanderung, Kriege, Kinder⸗ mord, Menſchenfreſſerei u. a. Abhilfe zu ſchaffen ſuchte. Die Atolle ſind bei ſinkendem Meeres⸗ boden durch das Wachstum der Kalkgerüſte bauenden Korallen entſtanden. Sie ſind die Krönung von unterſeeiſchen, meiſt 2 3000 m unter der heutigen Meeresoberfläche liegenden Erhebungen, von Vulkanen oder ehemaligen Bergzügen. Infolge der Cage zwiſchen 20ſ nördlich und 145 ſüdlich des Aquators iſt das Klima aller deutſchen Südſeekolonien tropiſch, und durch den Einfluß des umgebenden Meeres iſt die Wärme während des ganzen Jahres nahezu gleich. Die Regen fallen in tropiſcher Fülle und überſteigen faſt überall 2000 mm(zum Vergleich: Leipzig 629 mm), ja die hohe Karolinen⸗ inſel Kuſaie erhält ſogar bis 6500 mm Regen im Jahr. Allerdings dürfen wir dabei die hohen Jahrestemperaturen nicht vergeſſen; denn bei einer ſtändigen Wärme von 26˙ C verdunſtet auch viel mehr Feuchtigkeit als in gemäßigten Breiten. Die kurzen, aber heftigen Platzregen kühlen die Luft ſtark ab, weshalb die davon überraſchten Eingeborenen eilends ins warme Meereswaſſer tauchen. Die Feuchtigkeit kommt der Pflanzenwelt ſehr zuſtatten. Es iſt daher nicht verwunderlich, daß große Teile der Inſeln mit dichtem Arwald(ſiehe Seite 62), in dem die Palmen vorherrſchen, überzogen ſind. Dies gilt jedoch nicht für die vielen ganz kleinen Koralleninſeln, auf denen als hohe Bäume nur der Pandanus, der Brotfruchtbaum und die Kokospalme(ſiehe Seite 61) gedeihen. Die letztere können wir mit Recht als die wichtigſte Pflanze der Südſee bezeichnen, um ſo mehr als ſie gerade auf den Koralleninſeln wächſt und dieſe oſt erſt beſiedlungsfähig macht. Eine einfache Aufzählung ihrer Verwendungsmöglich⸗ keiten wird das beſtätigen: In der noch nicht ganz reifen Nuß liefert ſie dem Menſchen etwa J½2— 1 Liter Kokosmilch, den Nußkern und 5 für die Zubereitung von Speiſen. Aus den Schalen machen die Eingeborenen Behälter, Trinkgeſchirre, Armringe, Löffel, Schaber und ſogar Geld. Die faſerige Fruchthülle wird zu Stricken, Schnüren und Pinſeln verarbeitet, die 23 Blätter werden zu Körben und Matten, beſonders aber als Dachdeckung verwandt, die Blatt⸗ rippen zu Fiſchreuſen und Beſen, das Holz zum Haus⸗ und Bootsbau und zur Herſtellung von Waffen. Die jungen Herzblätter liefern ein ſchmackhaftes Gemüſe, und der gegorene Saft der Blütenſcheide wirkt berauſchend. Aber die Kokospalme liefert nicht nur für den Südſee⸗ inſulaner alles Lebensnotwendige, ſondern ſie war auch für den Europäer der Urſprung für den wichtigſten Ausfuhrgegenſtand der Kolonie, die Kopra, den zerſchnittenen und getrockneten, fettreichen Kokoskern. Bevölkerung und Wirtſchaft Die Eingeborenenbevölkerung der Inſelwelt iſt durch ſtarke Wanderbewegungen außer— ordentlich gemiſcht und ſteht häufig den Malaien nahe. Die Hautfarbe ſchwankt zwiſchen ganz hellem und tiefdunklem Braun, faſt Schwarz, und meiſt gehört die von See eingewanderte Küſtenbevölkerung anderen Stämmen an als die im Binnenlande lebende, die zum Teil noch Zwergvölker, ſogenannte Pyoͤgmäen, umfaßt. Die Eingeborenen leben in erſter Linie vom Fiſchfang und von den Früchten der Kokospalme und des Brotfruchtbaumes; der Ackerbau iſt nur an wenigen Stellen und meiſt nur unvollkommen entwickelt. Sozial ſind ſie zum Teil ſcharf in drei Klaſſen, in Adel, Freie und Sklaven, geteilt und haben eine ſtraffe politiſche Organiſation. Ihre Religion iſt ein Gemiſch von Zauberei und Ahnenverehrung(ſiehe Seite 63 und Bilder 222, 231). Faſt allgemein verbreitet iſt das Tabu, der Glaube, daß eine vom Prieſter oder König berührte Sache unantaſtbar und unverletzlich ſei. Durch die enge Berührung mit dem Meere ſind die meiſten Südſeebewohner hervorragende Seeleute. Beſonders die hellhäutigen Mikroneſier beherrſchen das Fahren auf den leichten Auslegerbooten(208, 221, 240) meiſterhaft. Den Marſhallinſulanern ſind die Meeresſtrömungen und Windrichtungen ſo genau bekannt, daß ſie ſie auf Karten(ſogenannten Stabkarten) darſtellen. Ein Syſtem von teils gebogenen, teils geraden, zuſammengebundenen Stäbchen bezeichnet die vorherr— ſchenden Dünungen, die Kreuzungspunkte zeigen die beim Zuſammenkommen der verſchie— denen Dünungen entſtehenden„Kabelungen“ und an den Stäbchen befeſtigte Muſcheln die Lage der Inſeln. Die den Eingeborenen eigene künſtleriſche Begabung zeigt ſich in vielen Schnitzereien an Booten, Häuſern und Ahnenbildern und in der Töpferei(ſiehe Seite 65). Auch den eigenen Körper verſuchen nicht nur die Frauen durch Schmuckſtücke verſchiedenſter Art zu verſchönen (211, 220, 233). Im großen und ganzen ſind die hellhäutigen Mikroneſier und Polyneſier wohlgebaute, zum Teil ſchöne Menſchen, und beſonders die Samoaner zeichnen ſich durch gute Eigenſchaften aus. Sie ſind rechtſchaffen, friedliebend, gaſtfreundlich, ordnungs⸗reinlichkeits⸗ und ſchönheits⸗ liebend, wenn auch leicht erregbar. Alles in allem macht die glückliche Landesnatur den Eingeborenen wenig Sorgen wegen Nahrung und Wohnung. Es bleibt daher viel Zeit für die angenehme Seite des Lebens. So nimmt es nicht wunder, daß Tanz und Sang einen Hauptteil des ſamoaniſchen Lebens aus— machen.„Es gibt eine ganze Reihe der verſchiedenſten Tänze, die Gelegenheit bieten, die graziöſen Körperbewegungen der Samoanerinnen zur Anſchauung zu bringen. Sie werden ſtets von zumeiſt zweiſtimmigem Geſang begleitet. Auserwählte Dorfſchöne(255) ſpielen bei dieſen Tänzen wie überhaupt bei Feſtlichkeiten eine große Rolle.“ 24 Adolph v. Hanſemann, Geh. Kom⸗ merzienrat, Inhaber der Diskonto⸗ geſellſchaft, geboren 27. Juli 1826 zu Aachen, geſtorben 9. Oezember 1903 in Berlin. Hanſemann ent⸗ wickelte 1880 in einer Denkſchrift dem Fürſten Bismarck ein Pro⸗ gramm deutſcher Kolonialpolitik in der Südſee. Er verhinderte den Zuſammenbruch der Deutſchen Handels⸗ und Plantagengeſell⸗ ſchaft der Südſee und rief die Neu⸗ guinea⸗Kompanie ins Ceben. In Kiautſchou war er der Schöpfer der deutſchen Schantung-Bergbau⸗ und Eiſenbahnunternehmungen Nicht ganz ſo angenehm iſt das Bild der dunkelhäutigen Melaneſier(211) und der im Innern Neuguineas lebenden Papua, die noch heute Menſchenfreſſerei und Kopfjagd betreiben. Dieſe kräftigen, kriegeriſchen und auch oftmals hinterliſtigen Stämme haben dem Eindringen der Weißen größere Hinderniſſe in den Weg gelegt als die friedlicheren Polyneſier und Mikroneſier. Außer durch die Verwaltung kamen die Eingeborenen be⸗ ſonders durch die Miſſionen, die Pflanzer und die Phosphat⸗ geſellſchaften mit europäiſcher Kultur in Berührung. Pflanzungen und Phosphatbau waren neben dem Handel die einzigen Er⸗ werbszweige der Weißen auf den Inſeln. Bei den Plantagen handelt es ſich zu mehr als 9go vom Hundert um Kokospalmpflan⸗ zungen, die die Kopra, das getrocknete Fruchtfleiſch der Palmen, zur Olgewinnung ausführten. Das Ol dient zur Seifen⸗ und Ker⸗ zenfabrikation und zur Herſtellung von Pflanzenbutter Palmin). Die Phosphatlager werden als Düngemittel abgebaut. Sie befinden ſich in erſter Linie auf der Inſel Angaur in der Palau— gruppe und auf dem gehobenen Karolinen⸗Atoll Fais. Auch Guano, der auf verſchiedenen Inſeln, wie Nauru, durch Jahrhunderte hin⸗ durch aufgehäufte Vogeldung, wird abgebaut und ſtellt einen viel⸗ begehrten, wertvollen Dünger dar. Wie erheblich das Intereſſe Deutſchlands an ſeinen Südſee⸗ kolonien trotz ihrer weiten Entfernung vom Mutterlande und ihrer verhältnismäßig geringen Landfläche war, zeigen die Wirt⸗ ſchaftszahlen am beſten. 1913 waren mehr als 100 Millionen Mark deutſches Kapital in Südſee⸗Anternehmungen angelegt, und der Handel hatte 1912 ſchon einen Wert von mehr als 31 MWillionen erreicht. Davon entfielen rund 14 Millionen auf Einfuhr und mehr als 17 Millionen auf die Ausfuhr. Die deutſchen Südſeeinſeln im Weltkrieg Schon lange hatten die Japaner von Norden und die britiſchen Auſtralier und Neuſeeländer von Süden her verſucht, ihren Machtbereich in die Inſelwelt hinein auszudehnen. Der Welt⸗ krieg ſollte ihnen dazu die gewünſchte Möglichkeit geben. Leider waren die deutſchen Schutz⸗ gebiete in der Südſee nahezu ohne jede Verteidigungsmöglichkeiten. Schon am 12. Auguſt 1914 zerſtörte ein engliſcher Kreuzer die Kabelſtation auf Jap, und auſtraliſche Milizen wurden auf Kaiſer⸗Wilhelms⸗LCand gelandet. Ohne Widerſtand zu finden, beſetzten die Japaner die Karo⸗ linen, Marianen, Palau- und Marſyhall⸗Inſeln. Samoa wurde am 29. Auguſt 1914 beſetzt und unter Neuſeelands Verwaltung geſtellt. Nur der Regierungsſitz Herbertshöhe im Bismarck⸗— Archipel konnte einige Zeit ſbis zum 17. September 1914) erfolgreich Widerſtand leiſten. Durch den Ausgang des Weltkriegs fielen dann die deutſchen Beſitzungen als Mandate des Völker⸗ bundes an Auſtralien, Neuſeeland und Japan— ſo wurden die verheißungsvollen Anfänge deutſchen Kolonialbeſitzes in der Südſee zerſtört. nkelhäutigen nden Papua, eiben. Dieſe en Stämme rniſſe in den Mikroneſier. borenen be⸗ Phosphat⸗ Pflanzungen inzigen Er⸗ Plantagen spalmpflan⸗ der Palmen, en⸗und Ker⸗ ter Palminj. gebaut. Sie der Palau⸗ luch Guano, underte hin⸗ lt einen viel⸗ nen Südſee⸗ erlande und jen die Wirt⸗ 0 Millionen en angelegt, n mehr als zillionen auf hr. Neuſeeländer Der Welt⸗ chen Schutz⸗ Auguſt 1914 wurden auf 'er die Karo⸗ 1914 beſetzt m Bismatck⸗ iſten. Durch des Völker⸗ len Anfänge Kinulſchou Erwerbung und Landesnatur iautſchou iſt von vornherein, im Unterſchied zu den anderen deutſchen Schutzgebieten, eine K reine Handelskolonie geweſen, die dem Güteraustauſch zwiſchen dem Deutſchen und dem rieſigen Chineſiſchen Reiche dienen ſollte. Im Laufe des 10. Jahrhunderts war China infolge ſeiner politiſchen Ohnmacht gezwungen worden, ſeine bisherige Abſperrung aufzugeben und ſeine Grenzen dem Welthandel zu öffnen. Die großen europäiſchen Handelsmächte, in erſter Linie England, und neben ihnen die Vereinigten Staaten von Amerika und Japan waren an der wirtſchaftlichen Durchdringung Chinas beteiligt. Auch Deutſchland, durch ſeine dichte Bevöl⸗ kerung auf eine ſtarke Ausfuhr angewieſen, mußte beſtrebt ſein, ſich einen Anteil am China⸗ handel zu ſichern. Bei der weiten Entfernung Oſtaſiens war dafür ein feſter Stützpunkt im LCande ſelbſt notwendig, beſonders da die innere Sicherheit in China recht mangelhaft war. Das zeigte die Ermordung zweier deutſcher katholiſcher Miſſionare in China, die Deutſchland zum Anlaß nahm, um am 14. November 18927 durch den Admiral Diederichs einen Platz an der Küſte der Halbinſel Schantung in Beſitz zu nehmen, und zwar den Ort Tſingtau in der Kiautſchou⸗Bucht, auf deren Bedeutung der große deutſche Geograph Ferdinand v. Richthofen (ſiehe Ehrentafel) ſchon 1882 hingewieſen hatte. Der Beſetzung Tſingtaus durch das deutſche Kreuzergeſchwader folgten gütliche Verhandlungen mit der chineſiſchen Regierung, und ſie führten am 6. März 1898 zu einem Vertrag, der Oeutſchland die Bucht pachtweiſe auf 99 Jahre überließ; außerdem wurde ein 30 km breiter Streifen um das eigentliche Schutzgebiet herum als neutrale Einflußzone anerkannt. Oem Grundgedanken der Niederlaſſung gemäß war das eigentliche Schutzgebiet als rein wirtſchaftlicher Stützpunkt nur klein. Es umfaßte einſchließlich der dazu gehörigen 28 Inſeln 551,65 qkm Landfläche und außerdem eine Waſſerfläche von 576,5 qkm. Dazu kam der halbkreisförmig darumgelagerte 50 km breite Streifen deutſchen Einflußgebietes, der zwar unter chineſiſcher Verwaltung blieb, in dem aber Deutſchland beſondere Vorrechte beſaß. Da⸗ mit hatte Deutſchland auch einen erheblichen direkten oder indirekten Einfluß auf das nähere Hinterland Schantung, das auf einem Flächenraum von 144000 qłkm eine Bevölkerung von 38 Millionen zählte, etwa ebenſoviel wie ganz Frankreich. Das Bergland von Schantung ſteigt inſelartig aus den Ebenen Nordchinas auf. Es wird von der Kiaulai⸗Senke durch⸗ zogen, die quer durch ganz Schantung verläuft und geradewegs bis zur Kiautſchou⸗Bucht durchſtößt; damit ſchafft ſie einen natür⸗ lichen Weg nach dem Innern.„Nähert man ſich der Kolonie von Gee her, ſo grüßen zur Rechten ſchon von ferne die einer Dolo⸗ miten⸗Kette vergleichbaren nackten, zackigen Gipfel des Lauſchan (260), die im Lauting(1130 m) bis zur Brockenhöhe anſteigen und bis dicht an das Meer herangehen. Es folgen der Kaiſer⸗ ſtuhl, die Prinz⸗Heinrich⸗ und ſchließlich in nächſter Nähe Tſing⸗ taus die durch deutſche Forſtkunſt jetzt wieder grünbewaldeten Iltisberge(263). Auf der gegenüberliegenden Seite wird der Eingang der Bucht, unmittelbar am Kap Jaeſchke beginnend, von den Haihſi⸗Bergen flankiert, denen ſich das 800 m hohe, impoſante Perlgebirge anſchließt.“ Piſchor, derglgertd Das infolge der Waldverwüſtung der Chineſen faſt baum⸗ Tingtau, 5 3— loſe Land iſt eine ausgeſprochene Kulturlandſchaft, in der die zu München, geſtorben 28. Januar fleißigen chineſiſchen Bauern auf beetartigen Feldchen, die, oft 1931 in Patagonien(Südamerika) terraſſiert, den Hang weit hinaufreichen, in zweijährigem Wechſel drei Ernten erzielen. Dem gemäßigten Klima entſprechend, finden wir die uns vertrauten Pflan⸗ zen und Früchte auch hier. Im Winter herrſchen kalte und trockene, oſt ſtürmiſche nordweſtliche Winde vor, im Sommer ſind bei großer Luftfeuchtigkeit wolkenbruchartige Regen nicht ſelten. Kiautſchou unter deutſcher Herrſchaft Zur Zeit der Abernahme des Schutzgebietes im Jahre 1897 betrug die Bevölkerung rund 83000; 1913 war ſie bereits auf 191984 Köpfe angewachſen— ein Beweis für die gute Ent⸗ wicklung, die das Gebiet genommen hatte. Um das zu erreichen, war es nötig geweſen, eine Stadt mit einem modernen Hafen und Verkehrsverbindungen zu ſchaffen. Bis 1904 waren die grundlegenden Arbeiten dafür beendet. Die Mole! des großen Hafens für Ozeandampfer war fertiggeſtellt und die rund 400 km lange Eiſenbahnſtrecke bis Tſinanfu in Betrieb genommen. Die Stadtgründung Tſingtau ſelbſt trat an Stelle von einigen ſchmutzigen Chineſen⸗ dörfern. Obgleich die Hafenanlagen auf der Nordweſtſeite der Halbinſel entſtehen mußten, ent⸗ wickelte ſich die Stadt an der Südſeite in der Nähe des Dorfes Tſingtau(250), da hier bereits eine Landungsbrücke vorhanden war. Außer klimatiſchen Gründen kam für die Platzwahl die Abſicht hinzu, Europäer⸗ und Chineſenwohngebiete zu trennen. So lag die moderne Europäer⸗ Stadt an der Tſingtau⸗(259) und der Auguſte⸗Viktoria⸗Bucht(264). Von den alten chine⸗ ſiſchen Dörfern blieb nur der„Camen“ mit ſeiner Drachenmauer, die ehemalige Wohnung des chineſiſchen Befehlshabers, und ein taoiſtiſcher Tempel(265) als Beiſpiel der Anmut und Cinienſchönheit chineſiſcher Baukunſt erhalten. Auf der Nordſeite der Halbinſel lag die Chineſen⸗ ſtadt Tapautau, die 1913 53000 Einwohner hatte und bereits mit der Europäerſtadt zuſammen⸗ gewachſen war(ſiehe Seite 71). Mit der Fertigſtellung des großen Hafens entwickelte ſich an dieſem ein dritter Stadtteil. Die Bedeutung Tſingtaus als Handelsplatz ſtieg ſtändig, ſo daß es die großen Schiffahrts⸗ linien bald im direkten Europaverkehr anzulaufen begannen. Doch nicht nur wirtſchafflich, ſondern auch kulturell wurde Deutſchlands Einfluß wichtig. Dies drückte ſich beſonders in der Gründung der Deutſch⸗Chineſiſchen Univerſität aus, die von der chineſiſchen Regierung als Vorbereitung für die Staatslaufbahnen anerkannt wurde und damit vollwertig neben den chineſiſchen Bildungsſtätten ſtand. So hatte Kiautſchou alle Hoffnungen erfüllt, und die drei Jahrzehnte zurückliegenden Vor⸗ ausſagen v. Richthofens(ſiehe Ehrentafeh ſchienen ſich bewahrheiten zu wollen, als der Aus⸗ bruch des Weltkrieges die Brandfackel auch in dieſes friedliche Werk deutſcher Schaffenskraft trug und uns um die Früchte unſerer harten Arbeit brachte. Tſingtau war nur von feldmäßigen Befeſtigungen umgeben und konnte, da die Friedens⸗ beſatzung nur rund 2400 Mann betrug, nicht mehr als gegen 4000 Verteidiger ſtellen. Schon am 16. Auguſt 1914 ſtellte Japan die Forderung, daß ihm das geſamte Pachtgebiet bedingungs⸗ los und ohne Entſchädigung übergeben würde. So ſchnell war dies jedoch von den deutſchen Verteidigern nicht zu erzwingen. Selbſt als die japaniſche Flotte jede Verbindung mit der See abgeſchnitten und japaniſche Truppen den Belagerungskreis auf dem Lande geſchloſſen hatten, konnte erſt eine neuntägige Beſchießung von See und Land her die völlig erſchöpfte Beſatzung, die weiteres ſinnloſes Blutvergießen vermeiden wollte, am 7. November 1914 zur Waffenſtreckung veranlaſſen. Kurz vorher hatte der„Flieger von Tſingtau“ Gunther Plüſchow(Bild), nachdem er wertvolle Aufklärungsarbeit geleiſtet hatte, den Befehl erhalten, in die Freiheit zu fliegen. Die geſamte Beſatzung wurde in eine mehr als fünf Jahre dauernde japaniſche Gefangenſchaft ab⸗ geführt; Regierungs⸗ und Privateigentum wurden beſchlagnahmt. Aber lange blieben die Japaner nicht im Beſitz von Kiautſchou; denn unter dem Druck der angelſächſiſchen Weltmächte mußten ſie am 6. Februar 1922 das Gebiet mit allen ſeinen wertvollen Anlagen an China zurückgeben. 25 ———— — —— ——— ———— ——.— ä pprrrrrrrr 2 22— r———————— 2 un 1 1 „ — —4 E 32 . * 8 — 22* 9 2= 7 8 RNN 3. 23 4455 ¹ 55 un * 2 e R 2 8 Ausblick hier nicht um einen Verluſt, wie er auch ſonſt dem Beſiegten als Preis des Friedens auferlegt worden iſt, ſondern um einen Raub. Denn die Aneignung der deutſchen Kolonien durch die Feindbundmächte ſtellt eine Kette von Rechtsbrüchen dar. Schon die Tat⸗ ſache, daß der Krieg auch auf die Kolonialgebiete ausgedehnt wurde, widerſprach einer inter⸗ nationalen Abmachung, nämlich der Kongoakte vom Jahre 1885, die wenigſtens ganz Mittel⸗ afrika für neutral erklärt hatte. And dann war doch in den„Vierzehn Punkten“ des amerika— niſchen Präſidenten Wilſon, die im November 1918, als Deutſchland die Waffen niederlegte, förmlich als Grundlage des Friedens anerkannt wurden, ausdrücklich das Verſprechen einer „freien, weitherzigen und unbedingt unparteiiſchen Schlichtung aller kolonialen Anſprüche“ ge⸗ geben worden! Aber die Feindbundmächte kehrten ſich nicht an ihre eigenen Verſprechungen. Noch während des Krieges hatten ja England, Frankreich und Japan unter ſich Verträge über die Aufteilung der deutſchen Kolonien abgeſchloſſen. Nun traten ſie mit ihren Raubplänen offen hervor. Der Einſpruch Wilſons verhinderte zwar, daß der Raub ſich in der Form der unmittel— baren Annexion vollzog, aber das Soſtem der Mandate im Auftrage des Völkerbundes war nicht mehr als ein fadenſcheiniger Deckmantel, da es den neuen Beſitzern der deutſchen Kolonien im Grunde doch keine wirkſamen Beſchränkungen auferlegte. Der Löwenanteil der Beute fiel an das Britiſche Reich. Großbritannien ſelbſt erhielt faſt ganz Deutſch⸗Oſtafrika, das es fortan als Tanganjika⸗Territorium bezeichnete, einen Teil von Kamerun und Togo ſowie die Südſeeinſel Nauru; von den britiſchen Dominions, den ſelb— ſtändigen außereuropäiſchen Gliedſtaaten des Britiſchen Reichs, erhielt die Südafrikaniſche Anion Deutſch⸗Südweſtafrika, während Samoa an Neuſeeland und die übrigen deutſchen Süd⸗ ſeekolonien ſüdlich des Aquators an Auſtralien fielen. Frankreich nahm ſich den größeren Teil von Kamerun und Togo, Japan die Südſeeinſeln nördlich des Aquators und Kiautſchou, das es allerdings bald darauf an China zurückgeben mußte. Auch die kleineren Bundesgenoſſen wurden an der Beute beteiligt: von Deutſch⸗Oſtafrika kam das kleine Kionga⸗Dreieck im Süden an Portugal, die volkreichen Landſchaften Ruanda und Lrundi im Weſten an Belgien. Es iſt ſchwer, ſich die ganze Angeheuerlichkeit dieſer Aufteilung des deutſchen Kolonialreiches klarzumachen. Denn ausgerechnet die von jeher reichſten Kolonialmächte erweiterten jetzt auf Koſten Deutſchlands noch ihren rieſigen Beſitz, während gerade Italien, die einzige der Feind⸗ bundmächte, die wirklich nicht über einen ausreichenden überſeeiſchen Lebensraum verfügte, bei der Beuteverteilung von 1919/%0 leer ausging. And dabei hatte das deutſche Volk, da es ſo ſpät erſt in die überſeeiſche Koloniſation eintrat, nur ſolche Gebiete noch gewinnen können, die zunächſt weder an Größe noch an wirtſchaftlichen Reichtümern noch an Siedlungsmöglich— keiten beſondere Vorzüge aufweiſen. Die folgende Aufſtellung zeigt deutlich, wie gering der deutſche Kolonialbeſitz im Verhältnis zur deutſchen Volkszahl und Landfläche war. Die Kolonialmächte und ihr Beſitz nach dem Kriege Du den Weltkrieg ſind die deuiſchen Kolonien verlorengegangen. Aber es handelt ſich Fläche in 1000 qkm abgerundet Bevölkerung in Millionen Mutterland] Kolonien Mandatsgeb. Mutterland Kolonien Mandatsgeb. Großbritannien.. 242 32100 2600 46 405 10 Frontreichththt 1 10 150 700 42 35 8 310 2200— 41 2— 30 2400 83 8 8 8 Niederlande 34 207⁰— 8 53— 92 2100— 7 8— Sonn 382 300 2 64 28 0,07 Oeutſches Reich 47¹—— 66—— 26 Die Aufteilung des deutſchen Kolonialbeſitzes Fläche Bevölkerung in 1000 qkm Mill.(Schätzung) 8 39 aͤn? Sioßbrſtahnten 94² 3„1 Oeulfth⸗Oſtafrita. i e 53 3,5 Deutſch⸗Südweſtafrika... an: Südafrikaniſche Anionn 835 0„2 an: Sroßbritouniennnn 88 0,8 — Fi 70² 2„2³ an: Grofiböftannie 34 0, —— Flantteich:::: 53 0, Kaiſer⸗Wilhelms⸗Land uſw. an: Auſtralien v!::: 2⁴⁰0 0, ö an: Großbritannien 0,02 0,003 Karolinen uſwedw..G· 2 0,7 Sanosss 3 0,05 Kiouiſteryrnrn an: Japan, 1922 an China zurück.. 0,06 0,2 Insgeſamt 2952 rd. 14,0 *Außerdem erhielt Portugal 1919 das Kionga⸗Oreieck. Vom deutſchen Kolonialbeſitz kamen an: Britiſches Weltreich.. 72,5% Fläche, 51,/0% der Bevölkerung „ 4 E 5 CCCCCCC 1,4%„ Es ſpricht für das ſchlechte Gewiſſen der Feindbundmächte, daß ſie das Bedürfnis empfanden, den Raub der deutſchen Kolonien ſozuſagen moraliſch zu rechtfertigen. Wie ſie dem Verſailler Diktat die Kriegsſchuldlüge zugrunde legten, ſo ſtellten ſie gleichzeitig in der Note vom 16. Juni 1919 auch eine koloniale Schuldlüge auf. Sie behaupteten, Deutſchland habe nur zur militäriſchen Bedrohung anderer Völker Kolonialpolitik getrieben und habe die Eingeborenen in ſeinen Schutzgebieten brutal mißhandelt, daher ſei es nicht fähig, gleich anderen europäiſchen Mächten überſeeiſche Kolonien zu verwalten. In der Maßloſigkeit dieſes blinden Haſſes ſuchten unſere Gegner auch das in unſeren Kolonien anſäſſige Deutſchtum zu vernichten. Uberall wurden die deutſchen Siedler und Kaufleute vertrieben, ihr Eigentum beſchlagnahmt— die einzige Ausnahme war Deutſch⸗ Südweſtafrika, wo die Hälfte der deutſchen Farmer der Vorkriegszeit im Lande bleiben konnte. Erſt mehrere Jahre nach dem Kriege wurden die Mandatsgebiete überhaupt wieder für Deutſche geöffnet. Seitdem ſind namentlich in Deutſch⸗Südweſtafrika und Deutſch⸗Oſtafrika von neuem Hunderte unſerer Candsleute eingewandert, wenn auch in beiden Ländern die Deutſchen nur erſt eine Minderheit der geſamten weißen Bevölkerung bilden. Im übrigen ſind die wirtſchaftlichen und kulturellen Leiſtungen der deutſchen Verwaltung in den Mandats⸗ gebieten nicht mehr erreicht worden. Das deutſche Volk kann und will ſein gutes Recht auf die Kolonien nicht aufgeben; es erhebt ſeine Forderung im Namen des Grundſatzes der Gleichberechtigung und der nationalen Ehre. Schon haben viele unſerer ehemaligen Gegner das ſchwere Unrecht erkannt, das ſie mit dem Raub der deutſchen Kolonien begangen haben, und von der kolonialen Schuldlüge iſt nirgends mehr die Rede. Die Treue, welche die Eingeborenen ihren alten Herren noch immer bewahrt haben, konnte ja auch den neuen Beſitzern zeigen, wie ſorgſam und wie erfolgreich die deutſche Herrſchaft war. Je mehr wir aber hoffen, daß wir das geraubte Gut zurückerhalten, um ſo notwendiger iſt es, alle Deutſchen immer wieder an unſere Kolonien zu erinnern. Deutſch-Oſtafrika ung in hätzung) 5 73 7— R— 8 8 5 4—„inete 5971 03 I„ 1 Küſte bei Dares ſalam. Die buchtenreiche Flachküſte 2 Tanga. Neben Daresſalam war Tanga der be⸗— 23 Pangani. Pangani war in früheren Zeiten der Oſtafrikas beſteht aus ſandigen und lehmigen An⸗„ 2 deutendſte Hafen der Kolonie. Hier müſſen die ö 5 2 Haupthafen Oſtafrikas, der nur von dem auf einer ſchwemmungen und Korallenbänken. Schiffe auf offener Reede ankern. e.— Inſel geſchützt— Sanſibar übertroffen wurde. fanden, rſailler te vom be nur orenen äiſchen Daresſalam. Die Hauptſtadt der Kolonie macht unſeren mit ihrer Hafenfront den Eindruck einer— + ler und Stadt. Von ihr aus erſchließt die Zentralbahn das Innere der Kolonie. deutſch⸗ konnte. der für ſtafrika ern die zen ſind andats⸗ en; es ionalen ſie mit R 3 5 Schwimmdock in Daresſalam. Das von der 6 Inderſtraßte in Dares ſalam. In Dares ſalam liegt 2 5 Kolonialverwaltung in Daresſalam errichtete 4 das von den Europäern bewohnte, meerwärts ge⸗ lüge iſt 5 5 Schwimmdock ermöglichte es, beſchädigte Schiffe K* legene Stadtviertel getrennt neben dem Geſchäfts⸗ 1 ee;d auszubeſſern. Es war 64,8 m lang und hatte eine 80 viertel des Hafens. Weitere Stadtteile bilden das immer* 68. 8 Tragfähigteit von 1800 t. N 23 Eingeborenen- und das Inderviertel. olgreich rhalten, * * 28 7 Blick vom Rand des niantdaragertege bei utili. Das Gebirge erhebt ſich ſteil, bis 2880 m anſtei⸗ gend— wie eine Inſel aus dem Meere—, aus dem umgebenden Küſtentiefland. An ſeinen Hängen 11 Der Mawenſi(Kilimandſcharo). Im Oſten er⸗ hebt ſich über der in 4300 m Höhe liegenden Hoch⸗ fläche des Kilimandſcharo der Mawenſi, deſſen ſteile Felszacken bis 5270 m Höhe emporſteigen. Deutſch-Oſtafrika Die Panganifälle bei Hale. Sie liegen 50 km vom Meere entfernt und bilden den Endpunkt der Schiff⸗ fahrt auf dem waſſerreichen Pangani. Südſeite des Kibo(Kilimandſcharo), 6010 m hoch. Steil erhebt ſich dieſer ſtolzeſte, durch einen Krater abgeſtumpfte Bergkegel Afritas über der Hoch⸗ fläche des Kilimandſcharo. Seine Gletſcherzungen 85 reichen im Südweſten des Berges bis zu 4500 m Höhe hinab. Er wurde 1889 von Hans Meyer⸗Leipzig gemeinſam mit L. Purtſcheller-⸗München zum erſten 7 Male beſtiegen. Nordabhang des Ulugurugebirges. Das Gebirge erhebt ſich im Küſtenhinterland von Daresſalam bis 2600 m Höhe. Bei Morogoro wird ſein Nord⸗ rand, an dem viele Plantagen liegen, von der Zentralbahn berührt. Infolge der Höhenlage haben hier die Europäer erträgliche Lebensbedingungen. 10 Burgruine von Kilwa⸗Kiſſiwani. Sie erinnert an die frühere Bedeutung dieſes in alter Zeit von den Arabern auf einer Inſel gegründeten Handels⸗ platzes im Süden der Kolonie, der ſpäter portu⸗ gieſiſch und dann wieder arabiſch wurde. 8 NSSel —— ů—— ˙ + Ni 7 2 4 42 ie. . 0 13 Der Dönjo Lengai, der Gottesberg der Maſſat, erhebt ſich als Vulkanberg(2880 m hoch) aus der Sohle des Oſtafrikaniſchen„Grabens“ weſtlich des Kilimandſcharo. Er überſchüttete im Jahre 1917 ſeine Amgebung weithin mit vulkaniſchen Aſchen. 18 Das Weſtufer des Viktoriaſees mit der Inſel Runenke. Das Weſtufer des rieſigen, 66 500 qkm umfaſſenden Sees empfängt im Gegenſatz zum Oſt⸗ ufer reichliche Niederſchläge, die den Anbau vieler tropiſcher Gewächſe geſtatten. Die zahlreiche Be⸗ völkerung wohnt in vielen kleinen Dörfern am Afer des Sees. Deutſch-Oſtafrika 14 Steppenlandſchaft non Ugogo. Nach Aberſchrei⸗ tung des Oſtflügels der Oſtafrikaniſchen Schwelle quert die Zentralbahn dieſe heiße und waſſerarme Landſchaft, die die ſüdliche Fortſetzung des Oſt⸗ afrikaniſchen Grabens darſtellt. . 44* 8 51 in 16 Landſchaft im ſüdlichen Uhehe. Während die Höhen noch heute zum Teil prächtige Wälder tragen, berrſcht auf den dazwiſchenliegenden Hoch⸗ flächen weithin die Steppe oder die Savanne. Wegen des durch die Höhenlage gemäßigten Klimas kommt das Land für die Beſiedlung durch Weiße in Frage hſtufe 15 Landſchaft im zentralen Uhehe. Öſtlich des oſt⸗ afrikaniſchen Grabengebietes liegen gebirgige Hoch⸗ länder. Zu ihnen gehört die Landſchaft von Ahehe. 17 Granitfelſen am Marafluß im Oſten des Viktoria⸗ ſees. Hier ragen aus dem zum Teil noch ſehr wild⸗ reichen Graslande oft Felshügel aus rieſigen Granit⸗ blöcken auf, in deren Schutz die Siedlungen der Waruri liegen. 20 30 19 Der Affenbrotbaum oder Baobab iſt ein Charak⸗ terbaum der weiten Steppengebiete des inneren Oſt⸗ afrika. Sein Stamm erreicht einen gewaltigen Am⸗ fang. In der Trockenzeit wirft der Baum die Blätter ab, ſo daß er fünf bis ſechs Monate blattlos daſteht. 24 Sinterterraſſen der Gräfin⸗Boſe⸗Thermen. Wie der Oberrheingraben in Deutſchland, ſo iſt auch der Rukwagraben, in dem der gleichnamige See liegt, reich an warmen Quellen. Zu ihnen gehören die im Süden bei Liweſia gelegenen ſchönen Gräfin⸗ Boſe⸗Thermen, die mit prachtvollen Sinterterraſſen geſchmückt ſind. Deutſch-Oſtafrika 20 Tabora wurde um 1820 von arabiſchen Händlern im Herzen der Landſchaft Anjamweſi gegründet. Der Ort erlebte nach 1860 infolge des Sklaven⸗ und Elfenbeinhandels ſeine erſte Blütezeit, eine zweite infolge des Anſchluſſes an die von den 1 Deutſchen 29 Zentralbahn, ſo daß hier 1914 0 Menſchen lebten. 22 Einbaum auf dem Kiwuſee. Der an der Nord⸗ weſtecke der Kolonie gelegene See, über dem ſich im Norden die ſtolzen Gipfel der tätigen Virunga vulkane erheben, wird von zahlreichen ſpitzſchnä⸗ beligen Booten der Eingeborenen befahren, deren größte 12 bis 15 Perſonen tragen können. 0N Schlemakozie und Lebermnlteftbeam 21 überſchreitung eines Fluſſes durch eine Träger⸗ karawane. Abſeits der Eiſenbahnen ſpielt der Güterverkehr durch Träger eine große Rolle. Die Eingeborenen tragen die etwa 60 Pfund ſchweren Laſten auf den Köpfen. Wo keine Brücken vor⸗ handen ſind, werden die Flüſſe an Furten durch⸗ lritken. 2 Nordofſtufer des Tanganfikaſees mit dem Blick auf das 2500 m über dem Seeſpiegel anſteigende weſtliche Randgebirge. Der See, der im zentral⸗ afrikaniſchen Graben liegt, iſt 22 bis 75 km breit und über 650 km lang. Er bildet die Grenze von Deutſch⸗Oſt gegen die S Wahgereentt⸗ EEE Deutſch-Oſtafrika — 25 Das Zebra gehört zu den Charaktertieren der 26 Giraffen. Sie halten ſich vor allem in der lichten 27 Elenantilope. Dieſe größte Antilope Afritas, deren weiten oſtafrikaniſchen Steppenlandſchaften, wo es Buſch- und Baumgrasſteppe auf. Schulterhöhe 1,75 m beträgt, iſt heute in Deutſch⸗ gemeinſam mit dem Gnu und der Kuhantilope Oſt ziemlich ſelten. Sie findet ſich in der Steppe weidet. 8 2 39 5 und dringt in die Gebirge bis 3000 m Höhe, am 5 Kilimandſcharo ſogar bis 4800 m vor. 28 Der Löwe iſt überall in der Steppe zu finden, 2 29 Der Leopard kommt vor allem im Negenwald und ſo daß früher für ſein Abſchießen Schußprämien 3 8 im dichten Steppenbuſch vor. Von bier aus macht gezahlt wurden. 12 er ſeine Raubzüge zu den menſchlichen Anſied⸗ 5 lungen, wo er Ziegen und Hühner aus den Ställen 30 Die Hyäne. Von den Hyänen iſt die geſtreifte in Oſtafrika ſeltener als die gefleckte. Sie geht nachts auf Beute aus. Als ſolche wählt ſie vor allem Aas. Kompaßtermitenhauten in dern 31 31 Krokodil. Infolge ſeiner Größe, Schnelligkeit und 32 Der Kaffernbüffel lebt ſehr verſteckt zwiſchen den E33 Das große Flußpferd kommt faſt in allen Ge⸗ Stärke iſt das Krokodil eines der gefährlichſten Schilfmaſſen der Sümpfe und in den Auenwäldern 3 5 wäſſern Oſtafrikas vor. In den Flüſſen dringt es Naubtiere, ſo daß für ſeinen Abſchuß Prämien 5„ der Kolonie. Sein gewaltiges Gehörn wird von meerwärts bis in die Anterläufe vor. Das Fett gezahlt wurden. Mit Ausnahme des Kiwuſees be⸗* 3 den Jägern ſehr begehrt. des Tieres gilt als wohlſchmeckend und wird dem wohnt es alle oſtafrikaniſchen Gewäſſer, deren 15 Schweinefett gleichgeſetzt. Durchwaten die Eingeborenen oft in Gefahr bringt. 8 FEö 8 8 34 Das Nashorn oder Rhinozeros war früher in Oſtafrika weit verbreitet. Für den Jäger iſt es eine begehrenswerte Beute, da die Jagd auf das Tier ſchwierig iſt. Die Hörner werden zu Waffengriffen, die Haut zu Peitſchen verarbeitet. 35 Der Elefant. Da ver Elefant des elfenbeins wegen 853 36 Nieſenſtoßzahn eines Elefanten. Die Elefanten vor Erlaß eines Wildſchutzgeſetzes lange Zeit rück⸗ J—. Oſtafritas liefern vor allem„weiches“ Elfenbein, ſichtslos verfolgt wurde, iſt er in vielen Teilen 2 K das elaſtiſcher iſt als das„harte“ der Elefanten Oſtafritas faſt ausgerottet. Man kennt von ihm; 85 8 f Weſtafrikas und zu Billardbällen und Klaviertaſten hier zehn verſchiedene Arten. 4 verwendet wird. R 9 75 L. 5 5 8 4— 92 E 37 Affe. Während Gorillas und mpanſen nur in den Wa ieten de und Nordweſtens vorkommen, gehören Paviane und Tumbelimeer— katzen auch zu den charakteriſtiſchen Tieren der Baumſteppe. Deutſch-Oſtafrika 38 Gaukler. In den Steppenlandſchaften gehören zum Federwild auch die zahlreichen Tagraubv Einer von ihnen iſt der Gaukler, ein Falke im Fluge die Flügel oberhalb des Körpers mit kautem Klatſchen aneinanderſchlägt. onenkranich verdankt ſeinen Namen der ne auf dem Hinterkopfe. Er kommt im vor und vertilgt vor allem Heuſchrecken. 39 Feuerweber. Sie gehören zu den finkenartigen Webervögeln, die für Afrika bezeichnend ſind. Ihren Namen verdanken ſie ihren Neſtern, die von ihnen kunſtvoll aus Gras geflochten werden und oft zu Hunderten an einem Baum hängen Flüſſe, Seen und Sümpfe Oſt⸗ en Waſſervögeln aller Art Flamingo durch ſeinen en Beine auf. Er erreicht öhe evon 1 Meter —— — 34 Deutſch⸗Oſtafrika 43 Wahumadorf in Hochruanda. Die Wabuma ge⸗ 44 Maſſaikrieger im Schmuck. Die Maſſai ſind eine 8 45 Maſſaikrieger. Ihre Hauptwaffe iſt der 2m lange hören zu den von Norden her in Oſtafrika einge 939 bamitiſche Volksgruppe, die in der erſten Hälfte mit einem eiſernen Blatt verſehene Speer. Ein drungenen Stämmen. Sie ſind wohl die größten des 19. Jahrbunderts von Norden her in Oſtafrika 8 5 8 feſter Lederſchild gab durch ſeine Bemalung an, Menſchen der Erde und überragen im Durchſchnitt eindrang und ſich weithin zu Herren des Landes 8 zu welchem Bezirk der Krieger gehörte. Straußen⸗ 1,80 m. Ihre Kuppelhütten zeigt das Bild. 8 machte. federn bilden den Kopfſchmuck. 46 Einzelner Maſſaikrieger. Die Männer der Maſſai⸗ ſtämme tragen Zöpfe, Bein⸗ und Armringe ſowie rieſige Ohrpflöcke, ſo daß die Ohren bis zum Hals⸗ anſatz reichen. 48 Schilde und Zaubermittel. 1 Maſſailederſchild. 2 Saubermittel Chiſſangu aus dem Süden Deutſch⸗ Oſtafrikas. 3 Schild der Waſchaſchi(Oſtufer des Viktoriaſees). 47 Maſſaifrau. Die Frauen der Maſſaiſtämme tragen große Halskrauſen aus Eiſen⸗, Kupfer⸗ und Meſſing⸗ draht und um Ober⸗ und Anterarm Reifen aus den gleichen Metallen, die zuſammen viele Kilo wiegen. Maſſaikraale ——— —— — ſta frika EN — 2 — D * Waſeguahütte Nord oſten der Kolonie e ſind tüchtige Ackerbauer. Ihre Wohnſtätten ſind zylindriſche Kegeldachhütten Die chagg ö hnen den am Südoſtabb 5 Kilimandſcharo zwi⸗ fN allem im Aj wohin ſie ſich vor den 7755 83 42 t. In ihre 2 zog Sie zerfielen in e Kegeldach he Kleinſtaaten, die bis zur deutſchen 8—— aft betriegten den 889 ragen N man nigfaltige en Schmuck. Anmnn —— Wadigohütten bei Tanga. Die Wad lang der Nordküſte beiderſeits der Gren beſitzen viereckige Hütten mit Giebeldach, ähnlich wie viele Stämme im mittleren Weſtafrika. Ngogomann. Die Wagogo tragen wie die Maſſai Ngogomann, Pfeife rauchend. Die Wagogo das Haar in Zöpfen, von denen einer nach hbinten, 5 find ſtark mit hamitlſchem Blut durchſetzte Neger, kleinere über die Stirn und nach den Seiten 7 N 288 die Agogo, das innere Steppenland Oſtafrikas herabhängen. Man bezeichnet ſie daher auch als bewohnen „Maſſaiaffen“* 4* Wadſchaggagehöft 35 36 55 Haus der Wakonde in kunſt der Wakonde, die de gelegene Kondeland bewol bemerkenswert. Ein Teil v Bambus gefertigte Hütten Kegelſtumpf iſt, auf deſſen Makuahütte bei Maſſaſſi Oſtafrika. Die Wamak jedoch auch Jäger, die friedlicher Weiſe von S ordweſtlich des en, iſt außerord on ihnen deren Anterteil breiterem Ende ſüdlichen tüchtige Acke genſatz zu den Sulus i her eingewandert ſind. 8.05 — Deutſch-Oſtafrika 56 5§8 Wanjakjuſſa, die der bedeute S er Wakond d Kondeunterla Siee aus Bambus die oft ve uf berziert ſind und Satteldächer; aufweiſen. Häuſer en meiſt inmitten von Bananenhainen. Makondemädchen. Die bewohnen s nach ihnen benannte M n ochland im doſten der Kol e. Da ſie i zügen der von Süden einfal zu leiden hatten, ſind ihre dlungen verſt angeleg Die Frauen tragen Ziernarben im Ge ſicht, auf Bruſt, Bauch, Rücken und Oberſchenkel, außerdem Holzſcheiben in den Ohrläppchen und ſolche bis zu 7 em Größe in Oberlippe. Temben in Ufiani Bulongwa einer Star 5 Suahelifrau aus Daresſalam. Als Waſuaheli i et man die Bevölkerung entlang der Küſte die durch Miſ von Negern mit Arabern, Perſern hen, Indern, Komorenſern und Europäern entſtanden iſt. Die Frauen und Mädchen tragen eingeführte, lebhaft gefärbte Kattune, von denen der eine Teil über die S lter geworfen, der andere um den Leib g hlungen wird. — Indiſcher Waſſerträger in Dares ſalam. Die In⸗ der ſetzten ſich von Sanſibar aus wie die Araber zunächſt an der Küſte feſt, drangen aber nach der deutſchen Beſitzergreifung und infolge der damit zuſammenhängenden Befriedung des Landes auch ins Innere vor. Sie ſind in Oſtafrika vorwiegend als Händler und Handwerker tätig. 62 Schmuck und Waffen von Eingeborenen. 1 Pa⸗ rierſchild der Waſchaſchi. 2 Geſichtsrahmen eines Maſſaikriegers. 3 Halsring der Maſſai. 4 Spiel⸗ puppe eines Waſaramomädchens. 5 Lindoſchachtel der Wanjamweſi. 6 Kopfſchmuck der Wageia. Eingeborenenkultur. 1 Ambatſchſchild(Akerewe). 2 Zaubermittel Trokolla aus dem Süden(um den Stab rechts drehbar, wird zur Feſtſtellung von— Verbrechern und für Vorausſagen der Zukunft be⸗ nutzt). 3 Verzierter Vorratskorb der Suaheli. ingeborenenkultur. 1 Trommel aus dem Süden. 2 Trommel aus Aganda uſw. 3 Trommel aus dem Süden 4 Schalenzither aus dem Waſagaragebiet. 5 Schutzkapſel, Nutſchi(Wangoni). 6 Schlauch⸗ gebläſe. Dorf der Wanjika im Rukwagraben 63 Ifſlamitiſcher Eingeborener. Der Iſlam ſetzte ſich durch Araber und Inder zunächſt an der Küſte feſt, wo die Waſuaheli ſämtlich mohammedaniſch wur⸗ den. In Daresſalam gab es daher vor dem Kriege mehrere Moſcheen. Im 19. Jahrhundert drang der Iſlam mit den Arabern auch in das Innere des Landes ein. 66 Eingeborenenkultur. 1 Alter Schild(Konde). 2a Maſſaiſchwert. 2b Scheide eines Maſſaiſchwertes. 3 Schalmei der Suaheli u. a. 4a, 4b Parierſchilde für Stocktämpfe(abflußloſes Gebiet, Turu, Aſcha⸗ ſchi uſw.) 38 Deutſch-Oſtafrika V 67 Kult⸗ und Gebrauchsgegenſtände von Eingebo⸗ 68 Muſikinſtrumente von Eingeborenen. 1 Klimper 68 Gebrauchsgegenſtände von Eingeborenen. renen: 1 Ahnfrau der Makonde. 2 Frauenmaske aus dem Süden, Alimba. 2 Monochord aus dem 1 Kappe der 2 aus Kuhmagen). 2 Kopfſchmuck 3 Männermaske der Makonde. 4 Schnupf⸗ Waſaramogebiet. 3 RXylophon der Mgoromondo der Wageia der Wageia(aus dem Norden schen der Makonde. 5 Zahnbürſte(weit ver⸗ reitet), 6 Feldhacke aus dem Süden. 7 Hackenblatt der Jembe. 8 Schlagſtock aus dem Norden. (aus dem Süden). 4 Sanduhrförmige Trommel des Viktoriaſees). aus dem Süden. 70 Bienenkörbe der Warundi im Zwiſchenſeengebiet Am Honig zu gewinnen, errichten die Warundi wie andere oſtafrikaniſche Neger unter geeigneten Blü tenbäumen des Steppen⸗ oder Waldlandes Bienen körbe von 1½ mLänge, die ſie horizontal aufhängen oder aufftellen und aus einem ausgehöhlten Stamm⸗ ſtück oder aus Papyrusſtengeln verfertigen. 4 N 8 eseee K Winetone 7 — 72 Junges Reisfeld im Hinterland von Bagamojo. Der Reis iſt den Eingeborenen Oſtafrikas ſeit langem bekannt. Sein Anbau durch die Eingeborenen erfolgte unter der deutſchen Herrſchaft in ſteigen⸗ dem Maße in den feuchten Flußniederungen. Der Mais. 1 Blütenkolben. 2, 3 Körner. 4 Wurzel⸗ ſtock(mit Pfahlwurzel) und von Blättern um⸗ gebener Stengel. 5Reifer Maiskolben.— Der Mais⸗ anbau iſt bei den Eingeborenen weit verbreitet. 32 2 2 Inderladen im Ulugurugebirge Deutſch-Oſtafrika 73 Die Kokospalme. 1 Fruchttragender Stamm. 4 Holzgewinnung im Uſambaragebiet. Die Wälder 3 Der Eukalyptusbanm. Die Heimat dieſes Baumes 2 Männliche und weibliche Blüten im Blütenſtand. 1 des Aſambaragebirges ſind reich an tropiſchen iſt Auſtralien. Die deutſche Forſtwirtſchaft pflanzte 3Durchgeſchnittene Frucht, in der Mitte die Nuß.— Hölzern aller Art. Eine Drahtſeilbahn brachte die ihn wegen des Holzes und des Gerbſtoffes der Die Kokospflanzungen, die meiſt in den Händen der 3 gefällten Stämme zur Aſambarabahn. Rinde in den trockenen Gebieten der Kolonie an. Eingeborenen waren, liefern neben vielem anderen das getrocknete Fruchtfleiſch der Palmen, die Kopra. her Blütenſtand. 3 Männliche Blüte, aufge⸗ nitten. 4 Fruchtſtand vor der Reife. 5 Reife Sinzelfrucht. 6 Frucht mit aufgeſchnittener Schale. einkern der Frucht.— Das Palmöl verwenden eingeborenen als Speiſeöl und zur Seifenher— ſtellung. 77 Der Kaffeeſtrauch.! Blühende Zweige. 2 Früchte⸗ 8 2 3 Junge Kaffeepflanzung bei Rguolo, Oſtuſambara. tragender Zweig. 3 Reife Frucht. 4 Geöffnete Der Kaffeeanbau durch Europäer begann in Oſt⸗ Frucht(mit zwei Bohnen), 5 Quer aufgeſchnittene 5 afrita in den Plantagen von Oſtuſambara. Seit Frucht. 8 1902 legte man am Meru und am Kilimandſcharo Kaffeeplantagen an, die wie die Pflanzungen der Eingeborenen im Bezirt Bukoba gute Erträge lieferten. Karawanenzug in Muanſa „ umſchloſſener Same. 4 Freigelegter Same. 5 Fort⸗ pflanzungsorgane der Blüte. 82 Kautſchukpflanzung. In Oſtafrika wird Cerea⸗ kautſchuk gepflanzt, da er Trockenzeiten ertragen kann, was der Parakautſchuk nicht vermag. chſaft wird aus 8 bis 10 mm langen Schnitten („Lewamethode“). Mil Mil gewonnen 79 Baumwolle. 1 Blühender und fruchtender Zweig. 2 Einzelnes Blütenblatt. 3 Von den Samenhaaren 2 81 Der Cereakautſchuk. 1 Nach der„Lewamethode“ angezapfter Stamm. 2 Blühender Zweig. 3 Same. 4 Weibliche Blüte. 5 Männliche Blüte, beide auf⸗ — geſchnitten. 80 Junge Baumwollpflanzung im ſüdlichen Küſten⸗ 4 tiefland bei Kilwa. Der Anbau von Baumwolle wurde wegen der Verſorgung des deutſchen Mutter⸗ landes von der Verwaltung ſehr gepflegt und machte bei Europäern und Eingeborenen gute Fortſchritte. Der Siſalagavenpflanzung. Die aus M Faſerpflanze lieferte das wichtig Pflanzungs⸗ erzeugnis unſerer Kolonie. Die fleiſchigen Blätter enthalten die den Siſalhanf liefernden ſtarken Faſern. 83 Die Siſalagave. 1 Blühende Pflanze. 2 Kleine Knoſpen, die zu jungen Pflanzen auswachſen. 3 Teil des Blütenſtandes. Deutſch⸗Oſtafrika 86 Feſte von Muanſa am Südufer des Viktoriaſees Sie lag, um bei etwaigen Aufſtänden beſſer ver⸗ teidigt werden zu können, auf einem Hügel. In ihr waren zwei Züge der 14. Kompanie der Schutz⸗ truppe untergebracht 85 Felduniformeines Unteroffiziers der Schutztruppe 5—* 35 Askari der Schutztruppe Deutſch⸗Oſtafrikas. Als Deutſch⸗Oſtafrikas. Dieſe zählte 2500 farvige Sol⸗ Askari bezeichnete man die farbigen Soldaten der daten und war in 14 Kompanien eingeteilt. Da⸗ 8 5 5 F 0 Schutztruppe und der Polizeitruppe der Kolonie. neben gab es noch eine Polizeitruppe von 1800 Mann. ö 8 1 5 ι 88 Askarihütten in Muanſa. Die farbigen Soldaten 3 der Polizeitruppe und der Schutztruppe waren teils 25 in Kaſernen, teils in grasbedeckten Rundhütten heimiſcher Bauweiſe untergebracht. E89 Kämpfende Schutztruppe. Während des Welt⸗ 1 krieges kämpften die Askari treu Seite an Seite mit den Deutſchen unter General von Lettow⸗Vor⸗ beck gegen eine Abermacht von Feinden. 90 Der verſenkte deutſche Kreuzer„Königsberg“. Nachdem es der„Königsberg“ gelungen war, am K 0 20. 9. 1914 vor Sanſibar den engliſchen Kreuzer 337 8 8 AN 5 8R8 i„ „Pegaſus“ zu vernichten, wurde ſie 1915 von 16— 8 3ꝗ— 3 5 feindlichen Schiffen im Nufidjidelta blockiert und dort am 11. 6. 1915 auf Befehl ibres Kommandanten Loof geſprengt. Daran erinnert heute am Afer ein ſchlichtes Denkmal. 41 42 Deutſch-Südweſtafrika 91 Diazfelſen in der Lüderitzbucht. 1486 entdeckten——292 Gueisfelſenküſte an der Hottentottenbucht. Die 93 Swakopmund, der Hafen für das nördliche und die Portugieſen die unwirtliche und faſt buchtenloſe 83 von einer kalten Meeresſtrömung beſpülte Küſte—— mittlere Deutſch⸗Südweſtafrika. Von hier führt Küſte des ſpäteren Deutſch⸗Südweſtafrika. von Deutſch⸗Südweſtafrika birgt in Verbindung eine Eiſenbahn ins Innere nach der Hauptſtadt mit häufigen Nebeln und hober Brandung große Windhuk und den Otavi⸗Kupferminen. Gefahren für die Schiffahrt. 94 Landungsbrücke von Swakopmund. Die Schiffe 88277 O6 Lüderitzbucht. Dieſer ſchönſte Hafen Deutſch⸗Süd⸗ müſſen auf der nur durch einen Damm gegen die leb⸗ weſtafritas ſtellt ein verſunkenes Tal dar und bot hafte Brandung geſchützten offenen Neede ankern. den ſicherſten Landungsplatz im ganzen Schutzgebiet. 96 Sanddünen in der Namibwüſte. Die in der küblen Benguella⸗Strömung begründete Regenloſigkeit bedingt einen bis 100 km breiten Sand⸗ und Fels⸗ wüſtenſtreifen parallel zur Küſte Südweſtafrikas. Deutſch⸗Südweſtafrika 97 Ein Zug der Lüderitzbuchtbahn in den Wander⸗ 98 Baum⸗Euphorbien in der Namib, mit der Trocken⸗— 99 Oſtrand der Namib. Hier gebt die Wüſte in die dünen der Namib. Wüſte und bewegliche Sand⸗ heit angepaßten, dickfleiſchigen Stämmen, Zweigennnnnn höher gelegenen inneren Steppengebiete über. Die maſſen ſtellten höchſte Anforderungen an das 25 5 und Blättern, die Milchſaft enthalten. eee Pflanzenwelt wird reichhaltiger, Schirmakazien Können deutſcher Ingenieure.. 7 werden häufig. 100 Bergkegel im Hererolande. Das innere Hochland 101 Waterberg im nordöſtlichen Hererolande. Das Deutſch⸗Südweſtafrikas ſteigt bis über 2000 m 8 mächtige, bis 1600 m aufſteigende Sandſteintafel⸗ Meereshöhe auf. 5 land iſt reich an und von guten Wei⸗ 4— den umgeben. Hier fanden 1904 die entſcheidenden Kämpfe gegen die aufſtändiſchen Hereros ſtatt. 102 Gebirgslandſchaft bei Windhuk. Das Auasgebirge ragt bis gegen 2400 m Höhe empor. Es bildete die natürliche Grenze zwiſchen den gelbhäutigen Naman im Süden und den dunkelfarbigen Herero im Norden. Welwitschia mirabilis und 44 103 Naukluftgebirge. Porphyrartige Geſteine bauen dieſen gewaltigen Gebirgsklotz auf, die unzugäng⸗ lichſte Felſenfeſtung, die je Hendrik Witboodi(ſiehe Nr. 125) bezogen hat. 107 Omarururivier zur Trockenzeit. Wie faſt alle Flüſſe Südweſtafrikas führt er nur zur Negenzeit oberirdiſch Waſſer. Andererſeits iſt das An⸗ ſchwellen, das ſog. Abtommen bei plötzlichen niche Jtt fn ſo gewaltig, daß Menſch und Vieh n t Zeit finden, ſich vor den Fluten zu retten und elendiglich umkommen. Deutſch⸗Südweſtafrika 104 Tafelberge des Hanamiplateaus. Die Hochflächen beſtehen aus hartem, rotem Sandſtein. 108 Landſchaft bei Aub ſüdlich von Windhuk zur Trockenzeit. Die Regenarmut Deutſch⸗Südweſt⸗ einen Teil der Nordgrenze Deutſch⸗Südweſtafrikas gegen Portugieſiſch⸗Angola bildende Fluß führt im Gegenſatz zu den meiſten anderen Gewäſſern Süd weſtafrikas dauernd Waſſer. afrikas prägt ſich in dem meiſt dürftigen Pflanzen⸗ kleide deutlich aus. — 38K Paviane im Rivier des Koankip am Hanamitafelland Deutſch⸗Südweſtafrika 109 Milchbüſche in der Wüſte. Dickhäutige Trocken⸗ 110 Termitenbau. Dieſe ſelbſt den ſtärkſten Tropen⸗ gewächſe mit milchartigem Saft: um die Verdun⸗ regen ſtandhaltenden Bauten der ſog. weißen ſtung berabzuſetzen und die Feuchtigkeit lange Ameiſen erreichen oft mehrere Meter Höhe. Ihre ſpeichern zu können. Erbauer ſind wegen ihrer Zerſtörungen an Kolz⸗ werken aller Art überall gefürchtet. 111 Steppenlandſchaft im Hererolande. Die feuchteren Hochflächen boten den Viehherden der Eingeborenen wertvolle Weiden. 112 Kornbehälter im Ambolande. In erſter Linie werden darin Hirſe und Kaffernkorn, zum Schutz gegen die Termiten mit Pflanzenaſche vermiſcht, aufbewahrt. Ovambo am Feuer. Die zahlreichen Ovambo be⸗ 5 4 8 wohnen den nördlichen Teil Deutſch⸗Südweſtafrikas 4 3 2 und ſind noch weit nach Angola hinein verbreitet. Im 8 28 5 8— 1 8 8 8- Gegenſatz zu den ſüdlich wohnenden Viehzüchtern ſind ſie in erſter Linie Ackerbauer. 38 5 2* 2332 N ck und Elenantilope in der Steppe 45 —— ˖j]..9——9.—.—2 115 Kultur der Buſchmänner. Dieſe meiſt Jagdſzenen darſtellenden Felszeichnungen auf Höhlen⸗ und Niſchenwänden zeugen von der verhältnismäßig bohen Begabung des ausſterbenden Neſtvoltes. eeT0. 9 Hottentott. Die Hottentotten ſtellen eine eige aſſe dar und haben mit den Negern nichts zu tun. Sie ſind durchſchnittlich nur 165 cm groß, be⸗ ſitzen jedoch eine geiſtige Höhe, die ſie weit über die Herero ſtellt; auch perſönlicher Mut und Tapfer⸗ keit unterſcheiden ſie vorteilhaft von dieſen. ene U ne 116 Herero und Buſchmann. Die Hereros gebören 120 Gebrauchsgegenſtände der Eingeborenen Deutſch⸗ Deutſch⸗Südweſtafrika zu den bochſtebenden Bantuvölkern Südafrikas. Dieſe ihre Herden üder alles liebenden Viebzüchter. waren groß, oft herkuliſch gebaut. Ihre geiſtige Befähigung war keineswegs gering, aber ibr Cha⸗ rakter war wenig anſprechend. Hochmut, Anmaßung und beſ. Grauſamkeit waren für ſie bezeichnend. Im größten Gegenſatz zu den Hereros ſtehen die zwergen⸗ baften, unſtät durch die Steppen und Wüſtenſteppen Südweſtafrikas wandernden Sammler und Zäger, die nur 1,50 m großen Buſchmänner. Südweſtafrikas. 1 Honigſtock(Hottentotten). 2Knochenmeſſer zum Zerkleinern der Naramelonen. 3 Kalenderbrettchen(die Tage bezeichnen in der; Mittellinie durchgezogene RNiemchen, die Monate Holzpflöcke in den Seitenlöchern). 4 Sieb für die Herſtellung von Melonenmebl. 5 Schröpfhorn um Aderlaß. 6 Anterarm- und Anterſchenkelman⸗ ⸗ der Hererofrauen.7 Hanf⸗ und Tabakpfeife. Buchubehälter(„Puderdoſe“) der Eingeborenen. wendet. 3, 4 Meſſerſcheide und Meſſer damara. (1is n Buſchmann⸗Windſchirm 117 Waffen und Geräte. 1 Hereroſpeer. 2 Kürbisflaſche Galebaſſe), von den Hottentotten zum Buttern ver⸗ (Ovambo). 5 Schöpflöffel und Kochtopf der Herero und Verg⸗ Waffen und Geräte der Buſchmänner. 1 Bogen. 2Grabſtock. 3 Köcher. 4 Die im Innern des Schaftes aufbewahrte, vergiftete Pfeilſpitze. 5 Speerſpitze. 6 Mörſer. 7 Pfeilſchaftglätter. 8 Schnitzmeſſer. 9 Zauber-⸗ und Wahrſagebölzchen. NK SNN I. ** — 5 Deutſch-⸗Südweſtafrika 123 Hererofrau. Im Süden des Landes hatten ſich die Herero in ihrem Außeren ſchon ſehr früh den Weißen angepaßt. 10 122 Pontok in Omaruru. Die bienenkorbförmige Hütte iſt ſowohl den Herero und Hottentotten als auch den Bergdamara eigen. Für kürzere Zeit errichtet, be⸗ ſteht ſie aus einem Gerüſt aus gebogenen Zweigen, das mit Matten überdeckt wird, bei Seßhaftigkeit tritt dafür ein Lehmbewurf ein. 121 Alter Bergdamara. Die Bergdamara ſind die ſchwarze Neger⸗Arbevölterung von Deutſch⸗Süd⸗ weſtafrika. Sie wurden von den Herero verächtlich? „Klippkaffern“, von den Hottentotten ſogar„Chau⸗ daman“, d. i.„Scheißkaffern“, genannt. 124 Bergdamara. Die Bergdamara zeichnen ſich durch einen kräftigen, muskulöſen Bau und echt neger⸗ hafte Geſichtszüge aus. Da ſie außerordentlich gut⸗ mütig und arbeitswillig ſind, wurden ſie als an⸗ ſtellige Arbeitskräfte ſehr geſchätzt. E126 EineReiterpatrouille der Schutztruppe in Deutſch⸗ Südweſtafrika. Die Kämpfe gegen die außeror⸗ dentlich grauſamen Herero und Hottentotten, die 1 mit modernen Waffen ausgerüſtet waren, wurden durch den Landescharakter und den Waſſermangel ſehr erſchwert. eeeeee 125 Hendrik Witbooi, der letzte und zugleich berühm teſte und fähigſte Führer der Hottentotten. Ar⸗ ſprünglich in ſtändigem Kampfe gegen die Herero, ſtand gegen die Schutztruppe, die Ruhe und Sicher heit im Schutzgebiet herſtellen mußte. eeeTNννννννεννν 48 127 Artillerie im Gefecht bei Hamakari. Am Water⸗ berg fand am 11. Auguſt 1904 der Entſcheidungs⸗ kampf gegen die aufſtändiſchen Hereros ſtatt, die im Januar die meiſten Weißen im mittleren Schutz⸗ gebiet überfallen und ermordet hatten. ——— 1996 2—— RRR Wilitärſtation Qutjo. Militärſtationen waren Dienſtſtellen in den mit Schutztruppen verſehenen Schutzgebieten, bei denen dem militäriſchen Befebls⸗ baber gleichzeitig die Verwaltung des Bezirkes zuſtand. Nach Feſtigung der Herrſchaft trat dafür die Zivilverwaltung ein. 3 75 72 l N Deutſch-Südweſtafrika Waſſerſtelle im Steppenlande 129 Erſtürmung der Höhen bei Alurisfontein am 26.November 1904. Anſchließend an den Herero⸗ aufſtand erhoben ſich die weit kriegstüchtigeren Hottentotten. gegen die Hottentotten bei Naris am 4. Dezember 1904. Deutſch-Südweſtafrika 135 Die evangeliſche Kirche der Eingeborenen in Windhuk. Die Miſſion hat je nach dem Volks charakter wechſelnde Erfolge unter den Eingebore⸗ nen gezeitigt 33 Reiter der Schutztruppe. Die Schutztruppe in— Polizeiwachtmeiſter Deutſch⸗Südweſtafrikas + 8 7 5 4 Deutſch⸗Südweſtafrita beſtand nur aus Weißen, ben der militäriſchen Schutztruppe ſtand die euro i Stärke(1910 auf 28 8 päiſche Polizeitruppe, insgeſamt 482 Mann. Eine geringe Zahl für ein und zwar and von der anderthalb fachen Größe Deutſchlands VIg. 136 Stauſee bei Windhuk. Die Erſchließung von Waſſer durch Bohrungen oder die Aufſpeicherung der ſeltenen, plötzlich und reichlich fallenden Nieder⸗ ſchläge iſt die Vorausſetzung für die wirtſchaftliche ⸗ Nutzung Deutſch⸗Südweſtafrikas* 137 Dattelpalme. Durch europäiſchen Einfluß hat die 5 3 1838 Staudamm auf der Farm Hoffnung. Das Stau⸗ Dattelpalme am Swakop, in Omaruru und Groot⸗— waſſer erlangt für die die Grundlage ſüdweſt⸗ fontein feſten Fuß gefaßt. Für ſie kann bei reich⸗. afrikaniſcher Wirtſchaft b e Viehzucht als licher Bewäſſerung die Luft weder zu trocken noch 8 224 Tränke in zu heiß ſein Ochſenplanwagen 40 50 Deutſch⸗Südweſtafrika 141 Schafherde in Deutſch⸗Südweſtafrika bei einer durch Windmotorpumpe geſpeiſten Tränke. Den Eingeborenen liefern die Schafe neben den Ziegen die uptfleiſchnahrung. Deutſch⸗Südweſtafrika bot r die gewerbsmäßige Woll⸗, Fleiſch⸗ und Perſianerſchafzucht durch Europäer günſtige Be⸗ dingungen, ſo daß 1913 ſchon rund eine halbe Million Schafe gezählt werden konnten. 140 Burenbulle auf einer deutſchen Farm. Zur Ver⸗ beſſerung der geringwertigen Rinderraſſen der Ein geborenen wurden mit A ſtützung der RNegierung Zuchttiere aus Südafrika oder Europa eingeführt 139 Deutſche Farm in Deutſch⸗Südweſtafrika. Der Landescharakter iſt in erſter Linie für extenſive Viehzucht geeignet. Das hatte zur Folge, daß die Farmen eine ungewöhnliche Größe(5000 ha) veſaßen. na 9 333 5 142 Diamantenfundſtätte im Pomonagebiet ſüdlich von Lüderitzbucht. Die koſtbaren Schätze finden ſich in einem 400 km langen und 15 km breiten Wüſtenſtreifen entlang der Küſte Deutſch⸗Südweſt⸗ afrikas, von der Empfängnisbucht im Norden bis zur Roaſtbeef⸗Inſel im Süden. *5 Marmorbrüche bei Habis in der Nähe der Swakop⸗ munder Bahn. Sie bilden neben den im Norden des Landes liegenden Otavi⸗Kupferminen und eini⸗ gen neueren Goldfunden einen weiteren Schatz Deutſch⸗Südweſtafrikas, der mit 200—1000 RM. pro chbm bezahlt wurde. 143 Diamantengewinnung bei der Kolmanskuppe (füdöſtlich von Lüderitzbucht). Der durch Sieben von* Feinſand befreite Kies wird teilweiſe noch mit der e Hand in Sieben gewaſchen und geſetzt, und der Diamant dann ausgeleſen. 144 145 Vietoria liegt am Fuße des bis 4070 m aus dem Küſtentieflande aufſteigenden vulkaniſchen Kame⸗ runberges, an deſſen Flanken 1922 Ausbrüche ſtatt⸗ fanden. Victoria war der Hafen für den in 985 m Höhe liegenden Regierungsſitz Buea. 148 Hängebrücke über den FJi bei Tinto. Der Fi ge⸗ hört zu den. Miellflüſſen des von Südweſtkamerun nach Nigerien durch den Arwald fließenden Kreuz⸗ fluſſes. Bei Tinto kreuzen ſich wichtige Handels⸗ wege, von denen der eine den Fi auf ſchwankender, aus Lianen geflochtener Brücke überſchreitet, da deſſen Flußbett zur Regenzeit bei Hochwaſſer un⸗ paſſierbar iſt. Im Urwald von Kamerun Kamerun — 146 Duala, der Hauptort Kameruns, liegt an der von Mangrovendickichten umſäumten, weiträumigen Kamerunbucht. Seit Beſeitigung einer Sandbank legen die Dampfer unmittelbar an der Landungs⸗ brücke an. 149 Das Batombergland liegt ſüdlich der Quellflüſſe des Kreuzfluſſes. Dichter Arwald bedeckt das ganze, aus zahlreichen ſteilen Kuppen beſtehende Land, deſſen Lehmboden von den tropiſchen Regengüſſen ſtark aufgeweicht wird. 147 Slick über den Wuri auf Bonaberi. Der Wuri mündet bier in die Kamerunbucht. Von Bonaberi aus führt die 160 km lange Nordbahn der Kolonie bis an den Fuß des Manengubagebirges. 255 M. 2 Elefantenſee, ein Kraterſee im Barombilande(in der Amgebung von Johann⸗Albrechts⸗Höhe), deſſen mit Arwald beſtandene Aferwände 90 m etief ſteil zum See hin abſtürzen. Elefanten gibt es dort nur noch wenige. Kamerun 20 152 Waſſerfal des Sanaga bei Edea. Alle Elüſſe 3 153 Waſſerfall des Mbom. Dieſe 20 m bohen Fälle 8 151 urwald am unteren Sanaga. Dichter Arwald be⸗ deckt den Süden und Südweſten Kameruns und erſchwert das Vordringen in das Innere des Landes. beſitzen beim Abergang vom inneren Hügelland? des Mbom, der in den Sanaga mündet, gehören zum eigentlichen Küſtentiefland Waſſerfälle, die zu den ſchönſten Waſſerfällen Kameruns. der vom Meere aus vordringenden Schiffabrt ein;! raſches Ende ſetzen. Erbeutete Giraffe. Die Giraffen finden ſich im nördlichen Kamerun ſüdlich des Tſchadſees in dem durch die lange Trockenzeit bedingten, von Dorn⸗ ſträuchern und Akazien durchſetzten Steppenlande 154 Elefantenjagd. Der Elefant kommt in Kamerun in zahlreichen Arten vor und iſt ſowohl im Arwalde wie in den weiten Savannenlandſchaften des; Inneren zu finden. i1ss 156 Schiffahrt auf dem Logone. Da der Logone, ein Unter Nevenftuß des Schari, nicht nur zur Regen⸗ 7 zeit, ſond ern während des ganzen Jahres reichlich Waſſer fubrt, iſt er weit aufwärts ſchiffbar. W 52 157 Frau des Bamumſtammes. Die Bamum wohnen im Weſten des Hochlandes von Südadamaua. In Kleidung und Schmuck zeigen ſie mohammeda⸗ niſche Einſchläge. Sie ſind bekannt durch die Ba⸗ mumſchrift, eine Wortbildſchrift, die um 1900 als eine der wenigen einheimiſchen Schriften Afrikas auf Befehl des Königs Njoja geſchaffen worden iſt. R 160 Männerhaus in Fumban, der Hauptſtadt des Negerreiches der Bamum. Dieſe lebten wie die Tikar in großen, von Wällen umgebenen Sied⸗ lungen. Die viereckigen Häuſer ſind mit pyramiden⸗ förmigen Dächern gedeckt und mit zahlreichen Schnitzereien geſchmückt. ieee Kamerun 158 Maskierte Neger. Während im Norden der Kolo⸗ nie der Iſlam berrſcht, finden ſich im Süden Ahnen⸗ kult und Zauberglaube. Außere Zeichen ſind mannig⸗ faltige Fetiſchfiguren, Kopfaufſätze und Masken, die man als zeitweiligen Sitz der überirdiſchen Mächte anſieht. . Musgugehöft am Logone Polizeiſoldat. In den küſtennahen völlig befrie⸗ deten Teilen der Kolonie ſorgte die 1912 aus 27 Wei⸗ Fhen und 1155 Farbigen beſtehende Polizeitruppe für Ruhe und Sicherheit, weiter nach innen die 1725 Köpfe zählende Schutztruppe. L 161 Gehöft der Fulla in Nordweſtkamerun. Die Ge⸗ höfte dieſer im Laufe der Neuzeit, etwa ſeit 1500 eingewanderten, den Berbern ähnlichen Stämme werden von mehreren Hütten gebildet, zwiſchen denen noch Waſſer⸗ und Kornſpeicher ſtehen. 53 54 162 Faktorei in Kamerun. Zur Erſchließung des Landes, gründeten die europäiſchen Handelsfirmen an gün⸗ 7 ſtig gelegenen Plätzen, ſo in Küſtenorten, bei Eiſen⸗ bahnſtationen und an Flüſſen, Niederlaſſungen, // Faktoreien, in denen der Austauſch zwiſchen euro⸗ päiſchen Waren und Erzeugniſſen der Eingeborenen 7 ſtattfand. 166 Bananenſtaude. Die Banane iſt eines der wich⸗ tigſten Nahrungsmittel der Neger, in Kamerun beſonders für die Stämme des Graslandes. In den Kakaopflanzungen wurde ſie für die jungen Pflänzchen als Schattengewächs gepflanzt. Kamerun 163 Rodung im Urwald. Am Pflanzungsland in der Nähe der Küſte zu gewinnen, mußte in Kamerun der Kampf gegen den Arwald mit Axt und Feuer aufgenommen werden. Nrrg ů 0 167 Dampfer der Afrikaniſchen Fruchtkompanie. Die 1912 in Hamburg gegründete Geſellſchaft begann vor dem Kriege, dem deutſchen Markt die tropiſchen Früchte wie Bananen mit beſonderen Dampfern zuzuführen. 164 Ernte in einer Tabakfarm. In den letzten Jabren vor dem Weltkriege begannen deutſche Anterneh⸗ mungen in Kamerun auf gerodetem Arwaldboden Sumatra⸗Deckblatt anzubauen, das auf dem Bre⸗ mer Markt gute Preiſe erzielte. 165 Kakao. 1 Fruchtbebangener Baum. 2 Stammſtück mit Blüten. 3 Aufgeſchnittene Frucht.— Der nur in den Tropen gedeihende Baum war in den inner⸗ halb des Arwaldgürtels gelegenen Pflanzungen die wichtigſte Kulturpflanze. 168 Die Küſtenbrandung, die„Kalema“. Tagaus, tagein herrſcht an der Küſte von Togo eine über⸗ aus heftige Brandung, die beſonders um die Mitte des Jahres hohe Wellen auf die Küſte wirft. Da der Meeresboden außerdem nur langſam meer⸗ wärts einfällt, müſſen alle Schiffe etwa 400 m vor der Küſte ankern. Die Eingeborenen bringen Men⸗ ſchen und Laſten in ihren Brandungsbooten an Land. 169 Anecho iſt neben Lome der wichtigſte Platz an der Küſte, in dem zahlreiche europäiſche Handelshäuſer ihren Sitz haben. Die Häuſer der Europäer tragen Giebeldächer und ſind mit Veranden verſehen. 170 Häuptlingshaus in Anecho. In Süd⸗ und Mittel⸗ togo iſt die eingeborene Negerbevölkerung in viele kleine Stämme zerſplittert, die unter ſelbſtändigen Häuptlingen ſtehen. Deren Häuſer zeigen häufig europäiſche Formen. 172 Lome, die an der Küſte gelegene Hauptſtadt, war noch im Jahre 1884 ein ärmliches Fiſcherdorf, in dem nur drei Weiße wohnten. 30 Jahre ſpäter ſiedelten hier 190 Weiße und 7000 Eingeborene. Eine Landungsbrücke, die zwar 1911 einmal von beſonders wilden Brandungswellen zerſtört wurde, erleichtert den Seeverkehr. 171 Lagunendorf Sohole. Hinter der Küſte von Togo liegen zahlreiche Lagunen, die das Waſſer der zur Küſte fließenden Flüſſe aufnehmen. Wegen der geringen Tiefe können ſie nur Kanus oder ſehr flach gehende Boote befahren, die die Erzeugniſſe der Eingeborenen vor allem nach Anecho bringen. 173 Gruppe von Wollbäumen. In Togo tritt im Gegenſatz zu den benachbarten Landſchaften von Dahome und der Goldküſte die Baumſteppe bis an das Meer; in ihr finden ſich nur wenige Ver⸗ treter der Arwaldbäume. Zu dieſen gehören die Wollbäume(Ceiba pentandra). „W 174 urwald in der Kameſchlucht. Der Arwald bedeckt in Togo vor allem die Täler und Hänge des nord⸗ ſüd ziehenden Togogebirges, iſt jedoch auch außerhalb der Gebirgszone entlang der Flußläufe zu finden. 178 Eweneger. Dieſe Neger bilden eine wichtige Vö tergruppe im Süden des Schutzgebietes, deren M glieder geſchickte Ackerbauer, kluge Händler und ausdauernde Träger ſind. Ihre Sprache iſt im Süden der Kolonie Handelsſprache. 56 175 Das Mohrenköpfchen, ein Stumpfſchwanzpapagei, gehört zu den vor allem im Waldlande zu finden⸗ den Klettervögeln. 177 Der Agn. Im Oſten des Togogebirges ſteigen aus dem Niederland zahlreiche Einzelberge wie Inſeln empor. Anter ibnen erreicht der im Bilde ſichtbare Agu nördlich der Weſtbahn 1025 m. Eingeborenenmarkt 176 Ausgang des Kameweges bei Liati. Arſprüng⸗ lich konnte der Arwald nur auf den von Negern begangenen Pfaden durchſchritten werden. Ein folcher Weg führte über den Françoispaß entlang des Kame durch das ſüdliche Togogebirge hindurch. 179 Bladome am Agu, eine Siedlung der Eweneger, nach deren Glauben jeder verſtorbene Neger den Weg in die Anterwelt über das Agugebirge nimmt. Die Dörfer der Ewe beſtehen aus rechtectigen Häuſern mit Giebeldächern, deren Gerüſt von Palm⸗ 3— * * 180 Eingeborenenhütten in Atakpame. Die hier woh⸗ 1 nenden Anagoneger, ein Teil der in Dahome be⸗ heimateten Joruba, beſitzen Hütten mit quadrati⸗ ſchem Anterbau und aufgeſetztem Kegeldach. 181 Töpferei in Atakpame. Die Töpferei iſt in Togo allgemein verbreitet. Das Handwerk wird von den Frauen ausgeübt, ohne daß die Drehſcheibe benutzt wird. Erzeugniſſe ſind allerlei Gegenſtände für den Haushalt ſowie die tönernen Fetiſchfiguren des 182 Kaburegehöft. Die Kabure, die tüchtige Ackerbauer 5 ſind, beſitzen Gehöfte, in denen die den verſchiedenen wirtſchaftlichen Zwecken dienenden Gebäude(Woh⸗ nungen, Ställe, Speicher, Werkſtätten) getrennt nebeneinanderſtehen. Sie bewohnen das nach dem Südens. K— ö Volk genannte Bergland im Nordoſten der Kolonie. 183 Kultgeräte aus Togo. 1 Als Blitzableiter dienende Axt mit aus Holz geſchnitztem Raubtierkopf(Ewe). 2 Geſchnitzte Frauenfigur aus dem Küſtenhinter⸗ land. 3 Opferſchale auf einem Hahn(Whyda). 4 Opfergefäß(Agome). 5 Dreiteiliges Seelenidol Okra(Kete⸗Kratſchi). 184 Tönerne Fetiſchſigur in Etoi. Dieſe Fetiſche 185 Geräte und Kultgegenſtände aus Togo. 1 Der ſtehen im Gebiet der Ewe oft vor den Ortsein gängen. Gegen die Anbilden der Witterung werden ſie nur notdürftig durch ein Blätterdach geſchützt. Neben dieſen Fetiſchen vermitteln nach dem Glau ben der Ewe noch in der Natur wohnende Fetiſche den Verkehr der Menſchen mit den Himmelsgöttern. Palaverhaus von der Goldküſte ſtammende Fetiſch Fofie(Kepa⸗ taſſo bei Kete⸗Kratſchi). Der Fetiſch beſteht aus acht Perſonen, die durch Tonklumpen uſw. darge⸗ ſtellt werden. 2 Ledertaſche der Hauſſa. 3 Jagdzauber zum Herbeizaubern der Jagdtiere(Agome⸗Kutupa). eιιννι 58 188 Gewerbliche Erzeugniſſe von Eingeborenen in Togo. 1 Gewebte Hauſſatobe. 2 Mit Schädeln und Knochen verzierte, aus Holz geſchnitzte Staats⸗ trommel der Adele 187 Vornehme Hauſſa. Als Handel⸗ und Gewerbe⸗ treibende ſind die Hauſſa über den mittleren Sudan weit verbreitet. Hier iſt ihre Sprache die vorherr⸗ ſchende Handelsſprache. Dieſe iſt hamitiſch, jedoch ſtark mit arabiſchen Wörtern durchſetzt. 186 Gewerbliche Erzeugniſſe von Eingeborenen in Togo. 1 Große Trommel der Akpoſſo. 2 Schwert⸗ meſſer der Hauſſa. 3 Kriegsrock der Dagomba 5 189 Hauſſamoſchee in Baſſari. Die Hauſſa wohnen in kleinen Kolonien in allen bedeutenden Handels⸗ plätzen Togos. Da ſie Mohammedaner ſind, wan derte mit ihnen der Iſlam überall hin. 191 Moſchee in Sanſane Mangu, Nordtogo. Da die Stadt eine wichtige Durchgangsſtelle des Sudan⸗ handels iſt, wohnen hier viele mohammedaniſche Händler. Außerdem ſind hier viele vornehme Ein⸗ geborene Mohammedaner. as Ausſehen der Angehö⸗ 5 190 Vornehmer Hauſſa. D rigen des Hauſſavolkes iſt recht verſchieden; bald ähneln ſie infolge des Auftretens von breiten 3 Naſen und wulſtigen Lippen den Negern, vald in folge des feinen und langen Geſichtsſchnittes den Kaukaſiern. eee lli Baumwolltransport zum Schiff S 192 Anſiedlung von Ackerbauern bei Sanſane Mangu 193 Einheimiſche Eiſenhochöfen in Banjeli, Nordtogo. 25 194 Baumwollentkernerei in Sagada. Die mit der Der Hauptteil der einheimiſchen Bevölkerung Togos Die Ofen ſind etwa Zm boch. Man gewinnt aus geernteten Baumwolle beladenen Wagen bringen lebt vom Ackerbau, der, obwohl in ſeinen Metho⸗ ihnen 30—35 kg ſchwere, nierenförmige Eiſenſtücke dieſe zu der Entkerneret, wo die Trennung der Baum⸗ den noch ſehr primitiv, doch bereits Anläufe zu 4 die an die umwohnenden Negerſtämme verkauft wer⸗ wollfaſer von dem Samen vorgenommen wird. An⸗ höheren Wirtſchaftsformen erkennen läßt den. Dieſe fertigen daraus Werkzeuge und Waffen ſchließend wird die Baumwollein beſonderenPreſſen zu den zum Verſand kommenden Ballen gepreßt. 195 Gebäude des Gouverneurs in Lome. Der Sitz der Verwaltung, an deren Spitze ein Gouverneur ſtand, war urſprünglich in Bagida, dann in Sebe bei Anecho. Er wurde ſchließlich 1897 nach Lome verlegt, das raſch aufblühte und eine ſchöne ſaubere Stadt wurde. 45 7 33 8 197 Farbige Polizeiſoldaten. In Togo, das keine Schutztruppe beſaß, befand ſich zur Verfügung der Verwaltung eine Polizeitruppe, die aus zwet Offizieren, ſechs Anteroffizieren und rund 560 far bigen Polizeiſoldaten beſtand. Sie hatte ein Gebiet zu überwachen, deſſen Größe der von Bayern und Württemberg gleichkommt. 199 Pfahlbäuſer am Kaiſerin⸗Auguſta⸗ Fluß, dem wichtigſten, auf 700 Km für größere Fahrzeuge ſchiffbaren Fluß des Kaiſer-Wilhelms⸗Landes 198 Der Ramu und das Bismarckgebirge im Kaiſer⸗N Wilhelms⸗Land(Deutſch⸗Neuguinea). Das ge⸗ ſamte Land iſt ſtark gebirgig und iſt außer auf den höchſten Höhen(4300 m), die zeitweilig Schnee tragen, mit dichten, tropiſchen Wäldern überzogen. 201 Geiſterhaus in Neu⸗Guinea. Gute und böſe Geiſter, vor allem die Seelen der Verſtorbenen, halten das Leben der Eingeborenen in ſtändiger Abhängigkeit. Zu der Totenverehrung tritt noch der weitverbreitete Zauberaberglaube. 200 Signaltrommel. Ein ausgehöhlter Baumſtamm dient zur Nachrichtenübermittlung in Krieg und Frieden. Durch verſchiedene Dicke der beiden Seiten⸗ wände werden zwei verſchieden hohe Töne auf einer Trommel ermöglicht, die durch Schlagen oder Stoßen mit Stöcken hervorgerufen werden. Einzelne Völkerſchaften haben ganze Trommelſprachen aus⸗ gebildet. 202 Eingeborener Neu⸗Guineas im Schmuck. Die f 98 8 72 2 5 3 Bevölkerung des Kaiſer⸗Wilhelms⸗Landes zerfällt 8 N in drei Gruppen. Neben der Arbevölkerung, dem Zwergvolk der Pygmäen ſtehen die äußerlich ein⸗ ander ähnelnden Melaneſter(Küſte) und Amelane⸗ ſier(Binnenland), deren Sprachen abſolut ver⸗ ſchieden ſind. 28 e Bootshaus an der Küſte Fiſchfang mittels Speer 60 203 Friedrich⸗Wilhelms afen. Seit Kaiſer-Wilhelms-Land Hauptort von Kaiſer⸗Wilhelms⸗Land, an der Aſtrolabe⸗Bai gelegen. Er war Sitz der Zentralverwaltung und des Bezirtsamtes. I AL 10 206 I ſüdlich von Friedrich⸗Wilhelms⸗ afen. Eine Feldbahn führt nach Bogad Stephansort. Sie war in erſter Linie Transport von Kokospalmprodukten beſti palmen im und üür den immt. F. 204 Das„Hotel“ in Friedrich⸗Wilhelms⸗Hafen. Die Siedlungen der Weißen waren meiſt Holzbauten auf Pfählen, mit Veranden umgeben. Die Wände und Dächer dbeſtanden aus„Atap“ genannten, aus Palmblättern gefertigten Matten. 73 N. En 205 Stations gebäude in Finſchhafen. Finſchhafen wurde 1884 von Finſch entdeckt. Die einzige euro⸗ päiſche Palmenpflanzung gehörte der Neuendettels⸗ auer ö Finſchbafen wurde zehn⸗ wöchentlich von einem Reichspoſtdampfer an⸗ gelaufen. Bismarckarchipel 207 Blanchebucht, tief eingeſchnittene Bucht im Nords; oſten der Gazellehalbinſel, Neupommern. Die ge⸗. ſamte Bucht macht durch ihre Geſtalt und die ſteil 3 zum Meer abfallenden Wände den Eindruck eines F 2 5 rieſigen Kraters. Heiße Schwefelquellen am Rande, L 1* z. T. noch tätige Vulkane und große Waſſertiefen 19 laſſen die vulkaniſche Entſtehung wahrſcheinlich. 8 erſcheinen.— . 8 2 8 2 1 5 5 1 3 8 333 9 9 2 7 1 38 3, 8 2 90 23 3 7 4 8* 2 211 Melaneſter von Neupommern. Die Melaneſter wohnen in feſten Siedlungen und haben eine ſtraffe! Organiſation, deren Grundlage die Gau- und Dorf⸗ gemeinſchaft bilden. eeee 62 208 Auslegerboot der Südſee. Da die aus einem Baumſtamm gehöhlten Boote, beſ. wenn ſie noch Segel tragen ſollen, für die Hochſee⸗Schiffahrt nicht ſtabil genug ſind, werden ſie durch eine Stab⸗ brücke mit einem aus leichtem Holz gefertigten Schwimmer verbunden, um das Amſchlagen zu verhindern. 209„BVienenkörbe“ in der Blanchebucht. Die kleinen, aus vulkaniſcher Aſche(Tuff) beſtehenden Inſeln er⸗ r heben ſich ſteil aus dem tiefblauen Waſſer der Bucht. 210 Landſchaftsbild von der Gazellehalbinſel(Neu⸗ pommern). Das Innere der Gazellehalbinſel wird von den bis 1500 m aufſteigenden, dichtbewaldeten 4 Bainingbergen eingenommen, von denen der Haupt⸗ ſtrom der Gegend, der Holmesfluß, ſein reichliches Waſſer erhält. 22 2+ 8 3 f J 31 E 212 Bulfaue Mutter und Tochter auf der Gazelle⸗ halbinſel. Die 685 mhohe Vultang ruppe ſcheint er⸗* N 8 8 loſchen und iſt auf der Höhe mit Grasfluren bedeckt. 8 N 38 Baumhaus in einer Urwaldlichtung Bismarckarchipel 213 Heilige Hütte auf Matupi(Neupommern). Ahnen⸗ 214 Junger Eingeborener. Bei den Binnenländern 215 Duk⸗Duk⸗Tänzer. Der Duk⸗Duk genannte Geheim⸗ und Sämonenverehrung ſowie Zauber und Gegen⸗ ſpielen Frauenraub und Blutrache noch eine wichtige* bund beſteht nur aus Männern, doch werden hin zauber beherrſchen die Eingeborenen. Nolle. Die erlegten Feinde werden von den und wieder auch alte Frauen aufgenommen. Der Siegern verſpeiſt. Duk⸗Duk veranſtaltet Feſte und Maskentänze und f diente früher durch ſeine abſolute Gewalt der Juſtiz 8 83 f und der öffentlichen Ordnung. 216 Hafen von Matupi, einer kleinen, terraſſierten Inſel in der Blanchebucht Neupommerns. 218 Simpſfonhafen. Ausgezeichneter Hafen am Nord⸗ 217 Eingeborenenboot in der Bucht von Muliama ende der Blanchebucht. (Neupommern, Bismarckarchipel). Das gegen⸗ über dem Auslegereinbaum geräumigere Planken⸗ boot iſt von den Salomoninſeln her eingeführt worden. Kultiſche Schnitzwerke 63 Salomon- und Admiralitätsinſeln ( 4 8 6 220 Eingeborener der Salomonen im Feſtſchmuck ε K Auslegereinbaum von den Admiralitätsinſeln . Der zum Schmuck von Haar, Stirn, Ohr, Naſe,. 8 Bug und Heck ſind oft mit Figuren beſchnitzt und Hals, Bruſt, Arm und Bein verwendete reichhaltige Rf.N 6 5 das Boot durch Bordplanken erhöht. Zierat wird aus Muſcheln, Schildpatt, Zähnen, F0“ 8 Pflanzenſamen, Vogelfedern und Kokosfaſern her⸗ geſtellt. 1 219 Pfahldorf auf den Admiralitätsinſeln(Bismarck⸗ Archipel). Die Küſte wird von den ſeefahrttreiben⸗ den melaneſiſchen Manus eingenommen. Jedes Oorf bildet für ſich ein abgeſchloſſenes Staats⸗ weſen, in dem es Freie und Hörige gibt. 222 8 mit Ahnenbildern auf den Salomoninſeln. Hie Pfähle ſind häufig mit Schnitzereien und Malereien prächtig verziert. Vor ihnen werden Opfer dargebracht und die ſiegreichen Waffen niedergelegt. — 223 Mädchen aus der Südſee. Der reichbaltige 81 5 8 224 Dorf auf den Salomoninſeln. Das Dach der Schmuck— Muſcheln, Perlen und Zähnen ſteht 5 2 5 Häufer beſteht aus—— die Wände aus im ſchroffen Gegenſatz zu dem manchmal unge⸗ ö 7 5—1 2 4 Planken oder Baumſtämmen. pflegten oder mit Kalt vermiſchten Kopfhaar. 1 * Stelzwurzelige Mangrove im Uferwald 64 225 Masken von Neupommern und Ohrſchmuck. 2 226 Südſeeinſulaner mit Tanzmaske. Das Masken⸗ 1 Aus einem Stück geſchnitzte Geſichtsmaske, deren weſen iſt ſehr oft Sache der Männerbünde, die aus Mund eine Maus entſchlüpft. 2 Haigeſtaltige Maske beſonderen Anläſſen Feſte und Aufzüge mit ein⸗ aus Rindenſtoff. 3 Geſichtsmaske aus einem mit zelnen Masken oder ganzen Gruppen veranſtalten.“ der Blattſcheide einer Kokospalme überzogenen 0 Rotangeſtell. 4 Ohrpflock von Poloot. 5Ohrbommel von Ifaluk. 25 25 838 4.35 227 Waffen und Schnitzwerke aus Neugninea. r 5 8 F,„ 332 Tanzſpeer von den Admiralitätsinſeln. 2 Oberer 5 30 57 2 Teil eines Kampfſpeeres(desgl.). 3 Tanztrommel (Kaiſerin⸗Auguſta⸗Fluß). 4 Rundſchild(Kaiſer⸗ and). 5 Keule(desgl.). 5 F 6. 4 228 Eingeborenenkultur. 1 Kleidmatte für Männer (Sonſol). 2 Bruſt⸗ und Nackenſchmuck(Nama).? 3 Tanzkamm(Etal). 4 Maske(Siaſſi⸗Inſeln). 5 Ohr⸗ gehänge(Oleai). 6 Rgaaiitet 229 Idol aus Neuguinena. Der Geiſter⸗ und Ahnen⸗ 8 230. Schmuck und Kunſt in Deutſch⸗Melaneſien. kult führt zur Errichtung und Verehrung über⸗ 8 5 1 Kamm mit Papagei- und Hahnenfedern. 2 Bein⸗ lebensgroßer Figuren. 5—— 8 7— manſchette für Tote. 3 Beinſchmuck. 4 Würdeab⸗ 4 8 3qſ— zeichen, auf der Bruſt getragen. 5 Erinnerungs⸗ zeichen an Tote(Schädel). 6 Olflaſche, aus Notan e und W Harz verkittet. ieeee Töpferin 65 Mikroneſien 232 Kirche von Tanapag auf Saipan(Marianen). 8 233 Bemaltes Haus auf Palau. Die mit einem hohen, Die Miſſion ſetzte hier ſchon früh ein, und der 4 8 N5 mit Pandanusblättern bedeckten Satteldach ver⸗ ſehenen Häuſer ſtehen erhöht auf Steinen. Ihre 231 Geiſterhaus auf den Palauinſeln. Die religiöſen Anſchauungen bilden die Grundlage des geſell⸗ ſchaftlichen und politiſchen Lebens der Palauinſu⸗ Bauſtil erinnert noch an die bis 1899 währende 7 7 laner. Dieſe Anſchauungen beruhen auf dem 2 ſpaniſche Herrſchaft. UI 8 5 Giebelſeiten ſind mit Erde, Ruß und Kalk gelb, rot, 8 N J55871 ſchwarz und weiß bemalt und enthalten ganze Bild⸗ ö 5 8* f geſchichten aus der Sagenwelt der Eingeborenen. Glauben an übernatürliche Geiſter. Der Kult ſoll ihren böſen Einfluß abwenden. — 8 234 Gemeindehaus auf Jap. Die Giebelſeiten ſpringen. winkelförmig vor, J⁰ daß vor dem rechteckigen Innenraum auf beiden Seiten eine Vorlaube ge ſchaffen wird. Die Bemalung fehlt hier im Gegen ſatz zu Palau. E 5 im 5 +3 236 Weber bei der Arbeit. Die Mattenweberei erreicht 53 4 2 in den Karolinen eine erſtaunliche künſtleriſche Stufe. In Jap wird die weniger hochſtehende Weberei nur von den Anfreien betrieben. * Ochſenkarren mit Scheibenrädern auf Seipan 66 Karolinen und Marſhallinſeln △2 He 8 239 Hütte auf der Inſel Etera(Truk, Oſtkarolinen), 238 Eingeborene der Inſel Truk(Oſtkarolinen) mit als Kanuhaus und Wohnung zu benutzen. Gabelſchwanzkanu. Die Bootsaufſätze verkörpern das Wappen, zwei ſich ſchnäbelnde Seeſchwalben. Die Kleidung der Bewohner von Truk beſteht aus einer Kleidmatte, die zu einer„Maro“ zuſammen⸗ gefaltet iſt. 237 Beamtenwohnung auf Ponape. Ponape iſt die größte Inſel der Karolinen und trug das Bezirks⸗ amt für den öſtlichen Teil der Inſelgruppe. 241 Die Lagune von Jaluit. Jaluit war der Mittel⸗ punkt, der über eine Meeresfläche von der mehr als zweifachen Größe des Deutſchen Reiches ver⸗ ſtreuten 32 Atolle der Marſhallinſeln. Nur wenige Meter ragen dieſe aus Korallenkalk und Schutt durch die Brandung auf dem Riff gebildeten Inſel⸗ chen aus dem Meere heraus. 7 240 Einbaum mit Ausleger(Zaluit). Die Boote werden durch Paddel oder mittels Stangen vor⸗ wärts getrieben. Große ſeegängige Fahrzeuge haben ⸗ ein bis zwei Mattenſegel und manchmal Aufbauten auf der Brücke zum Ausleger. —.———.....————— 242 Europäerhaus in Jaluit. Die Europäer waren neben Beamten und Miſſionaren in erſter Linie Kaufleute. Als Ausfuhrprodukte der Inſeln kamen beſ. Kopra(das getrocknete Fleiſch der Kokosnüſſe) für Pflanzenfette 8 Guano als Düngemittel in rage. 77— ö 2998. 243 Jnſelbei Manono(Samoa). Dieſes kleine, am Weſt⸗ ende des Korallenriffes von Opolu gelegene Felſen⸗ eiland enthielt in ſeinen Strandhöhlen Leichen⸗ kammern und ſpielte in der Geſchichte Samoas eine wichtige Nolle. 247 Brotfruchtbäume am Strande von Samoa. Der Pflanzenbeſtand der Küſtenregion Samoas beſteht in erſter Linie aus Mangroven, Mangrovefarnen, 3 Pandanus, dem Schirmbaum, Kaſuarinen, Mango⸗ bäumen und Hainen von Kokospalmen. 2 23 2 42 E2 31 244 Der Hafen von Apia auf Opolu. Die Hauptſtadt von Deutſch⸗Samoa war der wichtigſte Hafen dieſer fruchtbaren Inſeln. Im Hintergrund der haupt⸗ ſächlich durch Korallenriffe gebildeten, hufeiſen⸗ förmigen Bucht erhebt ſich der 400 m hohe vulka⸗ niſche Vaea⸗ oder Apiaberg. Nn 988 elnn FRRS 246 Waſſerfan bei Falefa. Die kurzen Flüßchen Sa⸗ moas müſſen oft den Abfall zum Meere in Waſſer⸗ fällen überwinden. Pandanus und 8 245 Wrack des„Adler“ bei Apia. Ein ungeheurer Orkan, der vom 15.— 17. März 1889 andauerte, warf ſechs im Hafen liegende europäiſche und amerikaniſche Schiffe auf das Korallenriff, wo ſie zerſchellten. 248 Kokospalmen auf Samoa. Neben der Banane, den Apfelſinen⸗ und Zitronenbäumen, der Jams⸗ wurzel und den Brotfruchtbäumen bilden beſonders die Kokospalmpflanzungen die Grundlage der Ein⸗ geborenenwirtſchaft. 3* 8 249 Samoaniſcher uUrwald. Er bedeckt mit hochſtäm⸗ 8 23 8 8 33 250 Mulinun dicht bei Apia(Samoa). Früherer Sitz migen Laubbäumen Berge, Schluchten und Ebenen.? 85 2 8 der ſamoaniſchen Könige und der Ali' ſili(höchſte Aber das Wipfelmeer der meiſt kleinfiederblättrigen R Häuptlinge). Edelhölzer und Firnisbäume erheben ſich einzelne 3 8 ſchlanke Bergpalmen und rieſige Banianen(Ficus aca). Durch die geringere Entwicklung des Anter⸗ holzes ſind die Wälder leichter zugänglich als in! anderen Tropengebieten. 251 Häuptlingshaus auf Samoa. In ſeiner Nähe darf kein Lärm gemacht werden, das Singen ver⸗ ſtummt im Vorübergehen, La ſten und Kinder werden abgeſetzt und die Kopfbedeckung abgenommen. 252 Unteroffizier der Polizeitruppe(Fitafita) Sa⸗— 253 Miſſionskirche bei Matautu auf Sawai. Matautu — des Gouverneurs.——. iſt Sitz der—3⸗— ſchon ſehr früh 5 in Samoa auftrat. 115 Das Wipfelmeer de s Urwaldes 60 254 Waffen und Schmuck der Samoaner. 1 und 2 ushin K 00 255 Samoaniſche Dorfjungfer, meiſt die Tochter des 256 Gebrauchs gegenſtände der S 8 1 Schemel⸗ Alteinheimiſche Keulen. 3 Holzfächer. 4 Holzkamm.( Häuptlings. Sie wird wie eine Königin hehandelt. 9 artiger Kokosnußſchaber. 2 ngkorb für den Sie iſt die erſte der Mädcheng emeinſchaft und als Palolowurm. 3 Kokosbecher Rer awa, ein Ge⸗ e wach. Staatsperſon, bei Zeremonien und Feſten beteiligt. 93 tränk aus einer zerkauten Wurzel. 4 Kawaſchüſſel. Reich geſchmückt empfängt ſie die Gäſte, bereitet 53. 5 Fliegenwedel aus geflochtenen Kokosfaſern, 6P, i, e, 45 85 14 6 Lle, Kawa(ſiehe 256) und führt Tanz oder Eſſens⸗ 3 Würdeabzeichen der„Sprecher“. 8 (, 776 5. ire K huldigung an. ee 2 e en. 1 6 U0 0%% ½%46. ee, e, Ils e, 6 1%— N 4 FNN 257 Fang⸗ und Tatauiergerät. 1 Fangnetz für die große Fruchttaube. 2 Angelhaken. 3 Tatauiergerät Cum fälſchl. ſogenannten„Tätowieren“). V258 1 Kopfbank oder Nackenſtütze. 2 Fangvorrichtung 5 für Tintenfiſche. Kama⸗Bereitung 70 Kiautſchon 259 Arkona⸗Inſel. Dieſes kleine Eiland, urſprünglich 28 260 Chineſiſche Dſchunke. Das altmodiſche Fahrzeug „Iſingtau“, d. h.„Grüne Inſel“ genannt, gab behauptet noch immer ſeinen Platz neben den ſeinen Namen an den Feſtlandsort ab, der zum modernen Schiffen. Haupthafen von Deutſch-Kiautſchou wurde. 261 Dſchunkenhafen von Tſingtau. Wegen der ge⸗ ringen Waſſertiefe wurden große Hafenanlagen geſchaffen, ein kleineres Becken für die Oſchunken und ein großer Hafen von 293 ha Fläche und 9,5 m gebaggerten Tiefe für die größten Ozean⸗ 263 Die Iltisberge im Oſten Tſingtaus. Sie tragen; ihren Namen zur Erinnerung an das am 23. Juni) 1896 in einem Taifun am Schantungvorgebirge untergegangene Kanonenboot„Iltis“. 262 Das von den Deutſchen geſchaffene Tſingtau an der Kiautſchou⸗Bucht. Die alten, ſchmutzigen 4 35 neſen wurven aus den, Stabeheier Kaeſerne ad 264 dlrguftgueertench une Dite au die Jigg⸗ durch ein modernes Stadtviertel erſetzt. Dieſes berge. Der feinkörnige Sandſtrand und die ſchöne Tapautau, hatte 1913 bereits 53000 Einwohner. 8 Landſchaft ließen hier das Seebad und die euro⸗ Tſingtau beſaß Waſſerwerke, Kanaliſation, Krar päiſche Wohnſtadt Tſingtaus entſtehen. kenhäuſer und vieles mehr. Von beſonderer Be deutung war die deutſch⸗chineſiſche Aniverſität. 7¹ 72 265 Chineſiſcher Tempel in Tfingtau. Neben dem bis zur chineſiſchen Nevolution(1911/12) beſtehenden Staatskult hatte beſonders der Buddhismus in China ſtärkeren Anhang. Salzpfannen auf der Inſel Yintau. Durch Ver⸗ dunſtung des Meereswaſſers wird das Salz als 3 Nückſtand gewonnen. Der Bedarf Kiautſchous wurde hier gedeckt, und außerdem war noch Aus⸗ fuhr möglich. Kiautſchon 266 Gouvernementsgarten in Tſingtau. An der Spitze der Militär⸗ und Zivilverwaltung ſtand ein See⸗ offizier, unter ihm als Zentralinſtanz das Gou⸗ vernement. Schlucht und Fluß im Lauſchangebirge. Scharfe Grate, zerzackte Spitzen, Blocktrümmer, Steilhänge, tief eingeſchnittene Täler und mächtige Geröll⸗ halden verleihen dem Gebirge eine wildromantiſche Schönheit. Landſtraße mit chineſiſchem Schubkarren in Kiautſchou n 11* Eingang zum Kloſter Tai⸗tſching⸗kung. Die Klöſter liegen meiſt in den unwirtlicheren Gegenden der Gebirge, während die Ebenen von den chineſiſchen Bauern beſiedelt ſind. 8 270 Militärſtützpunkt Der an einer Bucht nahe der Oſtgrenze Kiautſchous gelegene Ort be⸗ herbergte eine kleine Garniſon zur Sicherung von Küſte und Grenze. —rb—P— 1 SSEeee 2 3 R rαινερ —— 2 —— U 2 0 BLB Karlsruhe 47 18585 SRr