1 4 f ˖ ο 71. 4 Nuhmosblättör Doutſcher Goſchichte 0%% c⸗⸗?, e ECESTLEINHAIEAU& GME-H-DBESDEN 5 Ruhmesblätter deutſcher Beſchichte A 22 2. 24 . IJ J I J J halli⸗ Gruppe 1: Bon Hermaun demn Cheruskber bis zu Katl dem Großen 1 Germanen, auf zum Freiheitskampfl 5 Aus der Schlacht im Teutoburger 2 Hermann der Cherusker bei der Walde. 9 n. Chr.: Die ſterbenden Seherin vor der Entſcheidungs-⸗ Helden. ſchlacht mit Varus. 9 n. Chr. 6 Skaldengeſang in der Königshalle. 3 Schlacht im Teutoburger Walde. 7 Die Völkerwanderung(Beginn 375): 9.—11. September 9 n. Chr. ö Hunnen vor dem Feinde. 4 Aus der Schlacht im Teutoburger 8 König Alarichs I. Einzug in Rom. Walde. 9n. Chr.: Furor teutonicus. 24. Auguſt 410. 9 Sturz der Irmenſäule durch Karl den Großen. 772. 10 Einzug Karls des Großen in Pavia. 774. 11 Karl der Große läßt ſich den Plan zur Palaſtkirche der Kaiſerpfalz in Aachen vorlegen. 796 12 Krönung Karls des Großen in Rom. 25. Dezember 800. Gruppe 2: Deutſches Mittelalter 13 Heinrich dem Vogler wird die deutſche Königskrone dargebracht. 919. 14 Verſöhnung Kaiſer Ottos J. mit ſeinem Bruder Herzog Heinrich 23 25. Dezember 942. 15 Markgraf Gero läßt die beſiegten Wenden zu ſich kommen. 950 16 Ungarnſchlacht auf dem Lechfelde. 25 Dlütezeit der ritterlichen Dichtkunſt 955. 8 Am 1200. 17 Beſuch Kaiſer Heinrichs I.(1002:ꝛ— 26 Empfang einer Geſandtſchaft durech 1024) bei Biſchof Bernward Friedrich ll.(1212-1250) in Sizilien. 18 Die Neugründung Magdeburgs. 27 Rudolf von Habsburg empfängt die 936. Nachricht von ſeiner Erwählung zum 19 Die Weiber von Weinsberg. 21. Be⸗ beutſchen König. 1223. zember 1140. 28 Graf Rudolf von Habsburg und 20 Friedrich Barbaroſſas Einzug in der Prieſter(1223.—1291). Mailand. 1162. 29 Belagerung einer Stadt um 1300 21 Friedrich Barbaroſſa fleht Heinrich den Cöwen um Hilfe an. 1176. 22 Barbaroſſas Abſchied vor ſeiner Kreuzfahrt. 1189. Auffindung der Leiche Barbaroſſas 11. Juni 1190. 24. Ritterliche Kampfſpiele. 1184. 30 Winkelried in der Schlacht bei Sem⸗ pach. 9. Juli 1386. 31 Eberhard der Greiner zerſchneidet zwiſchen ſich und ſeinem Sohn Alrich das Tiſchtuch. 1377. 32 Heimkehr des Grafen Eberharb von Württemberg nach der Schlacht von Oöffingen. 1388 33 Rettung des ſpäteren Kaiſers Sigis⸗ mund in der Schlacht von Nikopolis durch den Burggrafen Johann von Nürnberg. 28. September 1396. 34 Heimkehr der Hamburger nach Be⸗ ſiegung der Vitalienbrüder. 1401. 35 Ubergabe der Feſte Bergedorf 1420. 36 Agnes von Roſenberg übergibt die väterliche Feſte den Huſſiten. 1426. Gruppe 3: Das Jeitalter der Reforimation 37 Der junge Dürer(1471- 1528)41 Einzug Karls V. zur Krönung in kommt zu Wohlgemuth in die Lehre. Aachen. 1520. 38 Alrich von Hutten. 1516. 42 Luther auf dem Reichstag zu 39 Kaiſer Maximilian krönt Ulrich von Wonms. 18a1. Hutten mit der Oichterkrone. 1517. 43 Gefangennahme Luthers im Thü⸗ 40 Kaiſer Maximilian(1493- 1519) Anees mses nach der Einnahme von Verona. 44 Cuther als Junker Jörg im„Sären“ zu Jena mit Schweizer Studenten. 1522. 45 Seeſieg der Hanſeaten bei Gretſyl. 1. 46 Kaiſer Karl V. bei Fugger in Augs⸗ burg. 1530. 47 Karl V.(1519- 1556) bei Tizian. 48 Hans Sachs. 1494- 1376. Gruppe 4: Der 30fäbrige Krieg 49 Der Fenſterſturz in Prag. 23. Mai 1618. ſchützt ihr Kloſter. 1632. 50 Tilly in Rothenburg. 1631. 54 Candsknechte im 30jährigen Krieg. 51 Tillys Flucht nach der Schlacht am(1618— 1648.) Lech. 4. April 1632. 55 Werber aus der Zeit des 30jährigen 52 König Guſtav Adolfs Tod in der Schlacht bei Cützen. 16. Nov. 1632. 56 Wallenſteins Lager. 1633/34. 53 Oie Abtiſſin von Frauenchiemſee Krieges.(1618—- 1648.) 57 Wallenſteins Zug 24. Februar 1634. 58 Seni an der Leiche Wallenſteins. 26. Februar 1634. 9 Friedensverhandlungen zuMünſter. 1648. 60 Zerſtörung Heidelbergs durch Mé⸗ lac. 2. März 1689. nach Eger. Gruppe 5: Das Werden Hreußens 61 Friedrich l., Markgraf von Branden⸗ 65 Der Große Kurfürſt bei Fehrbellin. burg, wirft die Quitzows nieder. 28. Juni 1675. 1414 5 66 Hennig von Treffenfeld überreicht 62 Berlin und Kölln huldigen dem Kur⸗ dem Greßen Sm lärſten 4+— fürſten Friedrich von Hohenzollern. ten ſchwediſchen Feldzeichen. 1675. 1415. 5 Achill im Kampf mit d 67 Des Großen Kurfürſten Landung 63 Albrecht Achill im Kampf mit den auf Nügen. 12. September 1626. Nürnbergern. 1450. 64 Befehlsausgabe des Großen Kur⸗ 68 Ubergang des Großen Kurfürſten fürſten vor der Schlacht bei Fehr⸗ über das Kuriſche Haff. Januar bellin. 28. Juni 1675. 1679. 69 Kurbrandenburgiſche Flotte. 1680. 70 Errichtung von Kolonien an der afrikaniſchen Küſte. 1. Januar 1683. 71 Der Große Kurfürſt empfängt Emi⸗ granten. 1685. 72 Oer letzte Staatsrat des Großen Kurfürſten. 1686. 73 Krönung König Friedrichs l. in Königsberg. 18. Januar 1701. 80 83 117 118 E 128 129 130 131 134 135 136 Die Schlacht bei Turin + 1706. Einzug des Fürſten Leopold J. in Oeſſau nach Beendigung des Spani⸗ ſchen Erbfolgekrieges. 1712. 76 Inhal- Der Soldatenkönig Friedrich Wil⸗ helm J. von Preußen(1713- 1740) 77 Friebrich Wilhelm J.(1213- 1740) baut Berlin. 78 Friedrich Wilhelm J1. begrüßt die Salzburger Emigranten. 1731. Gruppe 6: Das Zeitalter Sriedrichs des Großen Kronprinz Friedrich und Prinz Hein⸗ rich erſcheinen im Tabakskollegium, um dem königlichen Vater„Gute Nacht“ zu wünſchen. 1727. Der Kronprinz und ſein Muſiklehrer Quantz werden von Friedrich Wil⸗ helm J. beim Flötenſpiel überraſcht. 1729. Huldigung der ſchleſiſchen Stände im Rathaus zu Breslau. 7. No⸗ vember 1741. Im Siegesjubel von Hohenfried⸗ berg. 4. Juni 1745. Friedrich der Große entgeht der Ge⸗ fangennahme. 1745. Gebet des alten Oeſſauers vor der Schlacht bei Keſſelsdorf. 15. De⸗ zember 1745. Das Flötenkonzert in Sansſouci. Am 1250. Friedrich der Große hält Kriegsrat mit ſeinen Generalen. Auguſt 1756 Friedrich der Große an der Leiche Schwerins. 6. Mai 1757. Das 1. Bataillon Garde bei Kolin. 18. Juni 1757. Friedrich der Große nach der Schlacht bei Kolin. 18. Juni 1757 General Seybdlitz gibt das Angriffs⸗ zeichen bei Roßbach. 5. November 1757. 91 92 93 9⁴ 95 9 98 10⁰0 101 Reiterkampf bei Roßbach. 5. No⸗ vember 1757. Anſprache Friedrichs des Großen an ſeine Generale am Abend vor der Schlacht bei Leuthen. 5. De⸗ zember 1757 Friedrich der Große auf dem Bor⸗ ner Hügel in der Schlacht bei Leuthen. 5. Oezember 1757. Dankgebet nach der Schlacht bei Leuthen. 5. Dezember 1757. Friedrich der Große am Abend der Schlacht von Ceuthen in Schloß CLiſſa.§. Oezember 1757. Friedrich der Große entgeht durch Geiſtesgegenwart einer Gefahr. 1758. Eilmarſch Friderizianiſcher Sol⸗ daten von Mähren nach Küſtrin. 1758 Friedrich der Große vor der Schlacht bei Zorndorf in dem zer⸗ ſtörten Küſtrin. 25. Auguſt 1758. Friebrich der Große bei Zorndorf. 25. Auguſt 1758. Friedrich und die Seinen bei Hoch⸗ kirch. 14. Oktober 1578. Am Morgen nach dem Aberfall bei Hochkirch. 14. Oktober 1758. 102 103 10⁴4 107 108 109 110 111 112 113 114 Ziethen(1699—7 Buſch Friedrich der Große entwirft den Plan für die Schlacht bel Llegnitz. 15. Auguſt 1760 Friedrich ll. am Abend der Schlacht von Torgau in der Dorfkirche zu Elsnig. 3. November 1260. Begegnung Friedrichs des Großen mit Ziethen nach der Schlacht bei Torgau. 4. November 1760. 786) aus dem Im CTager von Bunzelwitz. Sep⸗ tember 1261. Heimkehr Friedrichs des Großen aus dem Tjährigen Kriege. 1763. Der Alte Fritz(1740 1786) in Sansſouci. Aufbauarbeit nach dem Tjährigen Kriege.„Der König überall.“ König Friedrich(1240— 1786) und die Potsdamer Schuljugend Preußiſche Werber zur Zeit Frieb⸗ richs des Großen(1740- 1786). Die preußiſche Flagge vor dem Sultan von Marokko. 1780. Der ſchlafende Ziethen(1699— 1786). Abſchied der Armee von Friedrich dem Großen. 17. Auguſt 1786. Gruppe 7: Deutſches Geiſtesleben um das Zahr 1800 heim Räuber“ vor. Goethe in Italien. 1786. Schiller in Weimar. Etwa 1800. 116 Schiller(1259- 1805) lieſt„Oie E 12¹ Gruppe 8: Das Die Truppen Napoleons J. über⸗ ſchreiten im Kriege gegen Oſter⸗ reich, Oktober 1805, bei Sickers⸗ hauſen das preußiſche Gebiet von Ansbach. Heldentod des Prinzen Louis Fer⸗ dinand von Preußen bei Saal⸗ feld. 10. Oktober 1806. Ooppelſchlacht bei Jena und Auer⸗ ſtedt. 14. Oktober 1806. Ein Sonnenblick in dunklen Tagen. 26. Oktober 1806. Napoleon J. am Sarge Friedrichs des Großen. 27. Oktober 1806. Kapitulation Blüchers bei Ratkau. J. November 1806. Preußiſche Soldaten entweichen aus der franzöſiſchen Gefangen⸗ ſchaft. Januar 1807. Auswechſlung Blüchers gegen den franzöſiſchen Marſchall Victor. 20. Februar 1807. Der Ehrentag der Schwarzen Hu⸗ ſaren bei Heilsberg. 10. Juni 1807. Der Gebirgskrieg in der Grafſchaft Glatz. 1807. 137 138 139 14⁴ 145 146 147 148 149 115 Goethe(1749 1832) in Seſen⸗ 119 Alexander von Humboldt und Bon⸗ pland beobachten an der Küſte Südamerikas einen Sternſchnup⸗ penfall. 1299. Beethoven und Goethe in Teplitz. 1812. Kant(1724- 1804)hund ſeine Tiſch⸗ genoſſen. 122 123 12⁴4 12⁵ 12 Fichte(1262 1814) als Redner. Mozart vor Kaiſerin Maria The⸗ reſia. 13. Oktober 1762. Haydͤn auf der Aberfahrt nach England. 1290. Beethoven(1770 1827). Schubert(1797- 1828) im Kreiſe ſeiner Freunde. Zeitalter der Befreiungskriege Kolberg. 1807. Gneiſenau und Nettelbeck auf den Wällen des unbeſiegten Kolberg. 1807. Der preußiſche General Courbiere, Kommandant von Graudenz, und der franzöſiſche Anterhändler Sa⸗ vary. 1807. Königin Luiſe(1276—1810) mit ihren Söhnen. Major von Schills Tod. 31. Mai 1809. Heldentob der elf Schillſchen Offi⸗ ziere. 16. September 1809. Herzog Friedrich Wilhelm von Braunſchweig mit ſeinem ſchwar⸗ zen Korps bei Halberſtadt. 29. Juli 1809. Sitzung der Reorganiſationskom⸗ miſſion in Königsberg. 9. Juli 1807. Vor dem Aufſtand in Tirol. 1809. Speckbacher und ſein Sohn Anderl. Tiroler. 1809. Heimkehrende 1809. Andreas Hofer auf dem Iſelberg. 1809. Tiroler Sieger. 150 158 159 160 161 Die Gefangennahme Andreas Hofers. 1809. Napoleons Rückzug an der Bere⸗ ſina. 1812. Verhandlung gorcks mit dem ruſſi⸗ ſchen General Diebitſch. 28. Oe⸗ zember 1812. General v. Lorck in der Verſamm⸗ lung der oſtpreußiſchen Stände zu Königsberg. 7. Februar 1813 Der Breslauer Profeſſor Steffens begeiſtert ſeine Zuhörer für den Freiheitskrieg. 8. Februar 1813. „Gold gab ich für Eiſen.“ 1813. Ferdinande von Schmettau opfert ihr Haar. 1813. Aufruf„An mein Volk“. 17. März 1813. Einſegnungen der Freiwilligen von 1813. Auszug der Landwehr in den Be⸗ freiungskampf. Frühling 1813. Johanna Stegen im Gefecht bei Cüneburg. 2. April 1813. Scharnhorſt bei Großgörſchen. 2. Mai 1813. 2 2 2 R. I ¶ ¶ R. A.. 2 2 K.. A. 2 +4 162 Vor dem Rathaus zu Reichenbach während des Waffenſtillſtandes. 4. Juni bis 12. Auguſt 1813. 163 Körner im Kreiſe ſeiner Kame⸗ raden. 1813 164 Im Morgenrot. 1813 165 Die Cützower an der Leiche Theo⸗ dor Körners. 26. Auguſt 1813. 166 Schlacht an der Katzbach. 26.Auguſt 1813. 167 Epiſode aus der Schlacht beidenne⸗ witz. 6. September 1813. 168 Bei Wartenburg. 3. Oktober 1813. Inhal.- 169 Die Völkerſchlacht bei 16.— 18. Oktober 1813. 170 Erſtürmung des Grimmaiſchen Tores. 19. Oktober 1813. 171 Die Befreiung Weimars von den Franzoſen. 1813. 172 Rheinübergang der erſten ſchle⸗ ſiſchen Armee bei Caub. 1. 1. 1814. 173 Das Württembergiſche Dragoner⸗ Regiment„Kronprinz“ durchbricht in ungeſtümem Angriff die fran⸗ Leipzig. 175 Ceutnant von Schmeling. 16. Juni 1815. 176 Blücher im Eilmarſch auf Vater⸗ loo(Belle⸗Alliance). 18. Juni 1815. 177 Belle⸗Alliance. 18. Juni 1815. zöſiſchen Karrees in der Schlacht bei La Rothiere. 1. Februar 1814. 174 Blücher in der Schlacht bei Ligng. 16. Juni 1815. 178 Napoleon auf der Flucht bei Water⸗ loo(Belle⸗Alliance). 18. Juni 1815. 179 Begegnung Wellingtons mit Blü⸗ cher bei Waterloo(Selle⸗Alliance). 18. Juni 1815. 180 Blücher empfängt Orden und Hut Napoleons nach der Schlacht bei Belle⸗Alliance. 18. Juni 1815 Gruppe 9: Die Einiguns Deutſchlands 201 Nach der Schlacht in den Wein⸗ 181 Deutſche Strandbatterien bei Eckernförde. 5. April 1849. 182 Krönung König Wilhelms I. in Königsberg. 18. Oktober 1861. 183 Erſtürmung der Düppeler Schan⸗ zen. 18. April 1864. 184 Prinz Friedrich Karl bei Oüppel. 18. April 1864. 185 Abergang nach Alſen. 29. Juni 1864. 186 Angriff auf die Sonderburger Mühlen. 29. Juni 1864. 187 Nachtgefecht bei Podol. 26. Juni 1866. 188 Epiſode aus dem Gefecht bei Nachod. 27. Juni 1866. 189 General von Steinmetz in der Schlacht bei Skalitz. 28. Juni 1866. 190 Verteidigung des Swiep⸗Waldes in der Schlacht bei Königgrätz. 3. Juli 1866. Bismarck und Moltke bei König⸗ grätz. 3. Juli 1866. 192 Begegnung König Wilh elms J. mit Kronprinz Friedrich Wilhelm in der Schlacht bei Königgrätz. 3. Juli 1866. 193 König Wilhelm l. am Grabe ſeiner Eltern. 19. Juli 1870. 194 Erkundigungsritt des Grafen Zeppelin bei Schirlenhof. 26. Juli 1870. 195 Erſtürmung des Parktores zum Geisberg⸗Schlößchen bei Weißen⸗ burg. 4. Auguſt 1870. 196 Die Bayern bei Weißenburg, 4. Auguſt 1870. 197 Erſtürmung des Landauer Tores zu Weißenburg. 4. Auguſt 1870. 198 Kronprinz Friedrich Wilhelm an der Leiche des Generals Douay. 4. Auguſt 1870. 199 Die Württemberger bei Wörth. 6. Auguſt 1870. 200 Kronprinz Friedrich Wilhelm mit General Blumenthal bei Wörth. 6. Auguſt 1870. 191 Gruppe 10: Richard Wagner(1813—1883) in 241 ſeinem Heim„Wahnfried“ 242 Der Berliner Kongreß. 13. Juni 247 Bei Otaharui. 3. April 1904 bis 13. Juli 1878. 243 Expebition Wiſſmann gegen Bu⸗ ſchiri. 1889. 244 Kampf mit den Gallas. 6. Ok⸗ tober 1889. 245 Die Oeutſchen 22. Juni 1900. an die Front! bergen von Wörth. 6. Auguſt 1870. 202 Gefangene Turkos bei Wörth. 6. Auguſt 1870. 203 Erſtürmung des Roten Berges von Spichern. 6. Auguſt 1870. 204 Ankunft König Wilhelms l. in der damaligen Grenzſtabt Saar⸗ brücken. 10. Auguſt 1870. 205 Die Ss3er bei Colombey⸗Nouilly. 14. Auguſt 1870. 206 Die 2. Küraſſiere bei Vionville. 16. Auguſt 1870. 207 Vernichtung des franzöſiſchen Kü⸗ raſſierregiments„Eugenie“ durch preußiſche Infanterie in der Schlacht bei Vionville. 16. Auguſt 1870. 208 Die Schlacht bei 18. Auguſt 1870. 209 Kronprinz Albert von Sachſen bei Gravelotte. 18. Auguſt 1870. 210 Das 2. Grenadier⸗Regiment zu Fuß in der Schlacht von St.⸗Privat. 18. Auguſt 1870. 211 Sturm der Bayern auf Bazeilles (Sedan). 1. September 1870. 212 Die Heſſen verhindern den Durch⸗ bruch der„Afrikaniſchen Jäger“ (Chaſſeurs d Afrique) bei Floing (Sedan). 1. September 1870. 213 Moltke vor Sedan. 1. September 1870. 214 Nach der Schlacht bei Sedan. 1. September 1870. 215 Bismarcks und Napoleons Zu⸗ Gravelotte. 228 Patrouillengefecht 219 Napoleons Ill. Fahrt nach Kaſſel in die Gefangenſchaft. 3. September 1870. 220 Prinz Friedrich Karl vor Metz. 2. Oktober 1870. 221 Kampf zwiſchen dem deutſchen Kanonenboot„Meteor“ und dem franzöſiſchen Aviſo„Bouvet“ vor Havanna. 9. November 1870. 222 Blockadeabwehr deutſcher Häfen: Minenlegen bei Pillau. Winter 1870/71. 223 Oas Ceibküraſſier⸗Regiment bei Poupry. 2. Oezember 1870. 224 Gefecht bei Vendöme. 1870. 225 Erſtürmung des Eiſenbahndam⸗ mes bei Nuits durch die Badener. 18. Dezember 1870. 226 Die 64er bei Le Mans. 9. Januar 1871. 227 Aberfall in Bolbec. 1871. im Jura. 1870/7T71. 229 Moltke vor Paris. 1870. 230 König Wilhelm vor Paris. Sep⸗ tember 1870. 231 Kriegsrat in Verſailles. 1870. 232 Verfolgung eines franzöſiſchen Balions durch deutſche Reiter. 1870. 233 Herbeiſchaffen von Schanzma⸗ terial vor Paris. 1870. September 234 Im Etappenquartier vor Paris. ſammentreffen auf der Chauſſee bei Oonchery. 2. September 1870 dem Weberhäuschen in Donchery. 2. September 1870 217 Kaiſer Napoleon wird durch Bis⸗ marck zum König geleitet. 2. Sep⸗ tember 1870. 218 König Wilhelm und Kaiſer Napo⸗ leon nach der Schlacht von Sedan. 2. September 1870. 246 Panzerkreuzer und Torpedoboot im Hafen von Tſingtau. Um 1900. 248 Siegreicher Bajonettangriff der Kompagnie Epp bei Onganjira. 9. April 1904. 249 Bei Hartebeeſtmund. 24. Oktober 1905. 1870/71. 235 Ankunft der Bayern vor Paris. Januar 1871. 216 Napoleon IIl. und Bismarck vor 236 Beſchießung von Paris. 18271 237 Kaiſerproklamation in Verſailles. 18. Januar 1871. 238 Friedensverhandlungen 1871. 239 Einzug Kaiſer Wilhelms I. in Ber⸗ lin. 16. Juni 1871. 240 Erbeutete franzöſiſche Fahnen auf dem Tempelhofer Felde. Juni 1871. Die Zeit von 1811—1014 250 Hendrik Witbois tödliche Verwun⸗ dung im Gefecht bei Fahlgras 29. Oktober 1905 251 Flucht der Hottentotten über den Oranſe in engliſches Gebiet 16. November 1905. 252 Auf der Verfolgung der Simon⸗ Copper⸗Hottentotten in der Wüſte Kalahari. 16. März 1908. Ruhmesblütter DZeutſcher Seſcehichte- V Y SR M V ο D ο ο D NN& A. R 2 K. 2 . , 2 2 2. Ne e, Il Hun Deutsches NMiftelalter Auf Karl den Großen folgt ſein Sohn Ludwig der Fromme(814 840). Unter ihm beginnen römiſche Einflüſſe die noch unzerſtörte germaniſche Kultur zu überwuchern. Der Streit um ſeine Nachfolge wird durch den Vertrag von Verdun 843 beendet, der das Reich Karls des Großen in drei Teile teilt: 1. Lothar erhält Italien und Mittelfranken. Sein Erbe, das die verſchiedenſten Völker um— faßt, zerfällt ſehr raſch. 2. Ludwig der Deutſche erhält Oſtfranken, d. h. das Land zwiſchen Rhein und Elbe, wozu 870 die germaniſchen Teile von Lothars Reich kommen: Friesland, Elſaß und Lothringen. 3. Karl der Kahle erhält Weſtfranken. In Ludwigs Reich überwiegt die germaniſche, in Karls Reich die romaniſche Bevölkerung. So ent— wickeln ſich fortan Deutſchland und Frankreich als nationale Staaten. Die Oſtfranken nennen ihre Sprache die deutſche, d. h. die volkstümliche— im Gegenſatz zu der römiſchen Sprache der ge— lehrten Geiſtlichkeit. Die Grenzen dieſer Reiche verändern ſich freilich fortwährend. Unter den letzten Karolingern ſcheint ſich Oſtfranken ſogar in die von Karl dem Großen beſeitigten Stammesherzogtümer Franken, Sachſen, Bayern, Schwaben, Lothringen auflöſen zu wollen. Da ſtellt der ſächſiſche Herzog Heinrich, der auf Wunſch des letzten Karolingers(918) zum König von Franken und Sachſen gewählt wird, das deutſche Reich wieder her. Er begründet zugleich die Donaſtie. der Könige und Kaiſer aus dem ſächſiſchen Hauſe(919—- 1024). 919- 936 Heinrich l. 983- 1002 Otto III. 936- 972 Otto J. der Große 1002 1024 Heinrich II. 973- 983 Otto ll. Heinrichs J. größte Tat iſt der Sieg über die einbrechenden Angarn an der Anſtrut 933. Um ſeine Lande gegen dieſe fortan zu ſichern, baut er die Städte zu feſten Plätzen, d. h. zu Burgen aus, in denen die„Bürger“ wohnen. Sein Sohn Otto der Große hat zunächſt mit inneren Unruhen, bei denen ſein jüngerer ehrgeiziger Bruder Heinrich ſich mehrfach gegen ihn ſtellt, viel zu kämpfen. Einem erneuten Einfall der Angarn begegnet er durch ſeinen Sieg auf dem Lechfelde bei Augs burg 955. Ebenſo bedeutſam aber iſt ſeine koloniſatoriſche Tätigkeit: den Wendenaufſtand läßt er durch Markgraf Gero niederringen und beſiedelt Oſterreich, Steiermark und Kärnten mit Deutſchen. Die Verfaſſung des deutſchen Reiches beruht damals auf einem Wahl Königtum. Dem erwählten König fallen bedeutende Güter in allen Teilen des Reiches zu, deren Verwaltung die ſogenannten Pfalzgrafen ausüben. Eine feſte Reſidenz iſt nicht vorhanden. Der König ordnet überall die wich— tigen Angelegenheiten perſönlich. Oberſte Beamte ſind die Herzöge, denen Grafen und kleinere Vaſallen untergeordnet ſind. Neben ihnen ſtehen mit gleichem Anſehen die Biſchöfe, welche mit Reichslehen bedacht werden. Die Städte ſind noch unbedeutend. Als der Papſt den König zu Hilfe ruft, zieht Otto nach Rom, wo er 962 die Kaiſerwürde erneuert und damit das Heilige Römiſche Reich Deutſcher Nation begründet. Dies gibt fortan den deutſchen Königen als oberſten Herrſchern der Chriſtenheit Anſpruch auf die Schutzherrſchaft über die Kirche. Dieſe wird unter ſeinen Nachfolgern und den beiden erſten fränkiſchen Kaiſern(1024—1125) 1024- 1039 Konrad ll. 1056- 1106 Heinrich IV. 1039- 1056 Heinrich IIl. 1106- 1125 Heinrich V. tatſächlich auch in aller Form ausgeübt. Mit Heinrich ll., dem gelehrteſten der alten deutſchen Kaiſer, erliſcht der Mannesſtamm des ſächſiſchen Hauſes. Zum erſtenmal erfolgt durch die Fürſten aller deuiſchen Stämme auf der Rheinebene zwiſchen Mainz und Worms die Königswahl. Sie fällt auf Konrad II., der das Reich nach außen und innen auszubauen verſteht; u. a. iſt er der erſte deutſche König, der ſich nicht nur auf die ſelbſtherrlich werdende Ariſtokratie, ſondern auf die unteren Stände zu ſtützen verſucht. Anter ſeinem Sohn Heinrich III. erhebt ſich das deutſch⸗römiſche Kaiſertum zu außerordentlichem Glanz. Ihm folgt ſein 6jähriger Sohn Heinrich IV., für den an— fangs ſeine Mutter Agnes die Regierung führt. Dies benutzt eine größere Zahl von Fürſten und Gruppe 2 3 2 8 V V 4 V Æ NN VY D V V R I 2 K.. 4 W,ie K. AK.. 24 . .. K. 2.. 166 Gruppe 2 Biſchöfen, innere Zwiſtigkeiten auszutragen, was um ſo verhängnisvoller wird, als dem Kaiſer in⸗ zwiſchen in Papſt Gregor VII. ein mächtiger Gegenſpieler erwächſt. Die durch Reformen gefeſtigte Kirche gewinnt die Oberhand und ſtellt nunmehr den Grundſatz auf, daß das Papſttum als Nach⸗ folger der Apoſtelfürſten den Ausgangspunkt jeder kirchlichen und weltlichen Ordnung bilde. Erſt der Bußgang Heinrichs nach Canoſſa 1077 zwingt den Papſt, den Kaiſer vom Bann zu löſen. Hatten ſchon die unzähligen Römerzüge der Kaiſer viel edles deutſches Blut gekoſtet, ſo nicht minder die 7 Kreuzzüge(1096— 1270), die das neu erſtarkte Papſttum ins Leben ruft. Sie be⸗ deuten einen Zuſammenſtoß größten Ausmaßes zwiſchen Morgen⸗ und Abendland. Ihre wirt⸗ ſchaftlichen und kulturellen Folgen ſind außerordentlich. Sie erſtrecken ſich zunächſt vor allem auf Italien. Aber auch in Deutſchland wirken ſie infolge des rieſigen Heeresbedarfs anregend auf die gewerkliche Produktion. Die Städte erhalten eigene Gerichte. In ihnen ſchließen ſich die Gewerbe⸗ treibenden zuſammen, um Abſatz, Preis und Qualität der Ware zum gegenſeitigen Schutz zu ver— einbaren. Hieraus entſtehen ſpäter die Zünfte. Aber auch das Kaiſertum erlebt einen neuen Aufſchwung unter dem Geſchlecht der Hohenſtaufen(1138- 1252). 1138- 1152 Konrad III. 1198 Doppelwahl: 11352 1100 Friedrich I. Barbaroſſa Philipp v. Schwaben(jüngſter Sohn Friebrich Barbaroſſas) 1190- 1197 Heinrich VI. Otto IV. v. Braunſchweig(Sohn Heinrichs des Cöwen) 1215- 1250 Friedrich ll. Unter ihnen ragt als erſter Friedrich Barbaroſſa hervor. Sein Kampf mit Heinrich dem Löwen, der die Italien⸗Politik des Kaiſers ablehnt, um ſich der echt⸗nationalen Aufgabe einer öſtlichen Koloniſation zuzuwenden, entbehrt nicht einer tragiſchen Jronie. Im ganzen aber bezeichnet die Stauferzeit den Höhe- und Wendepunkt mittelalterlichen Lebens. Die wohlgerüſtete Ritterſchaft iſt auch ſozial und geiſtig der führende Stand. Die Dichtkunſt geht von den Geiſtlichen auf ſie über, befruchtet von glänzenden Taten der großen Nachfolger Barbaroſſas, von denen vor allem Hein⸗ rich VI. und Friedrich II. Außerordentliches geleiſtet haben. Dann aber findet das deutſche Kaiſer⸗ tum in Italien ſein Schickſal: 1268 büßt der letzte Staufe Konradin mit ſeinem jungen Leben die zwar machivolle, doch aber fehlgeleitete Politik ſeines Hauſes. Das Interregnum 1256— 1273, d. h. die„kaiſerloſe, die ſchreckliche Zeit“, läßt das Reich zerfallen. Die Reichsgüter werden teils von den Fürſten, teils von Klöſtern und Städten in Beſitz genommen. Deutſchland löſt ſich in Einzel⸗ ſtaaten auf: aus der Schar der Fürſten erheben ſich die ſieben mächtigſten. Sie bringen das Vorrecht, allein den deutſchen König zu„küren“, in ihre Hand und laſſen ſich dieſes 1356 durch die„Goldene Bulle“ beſtätigen. Raſch verlagert ſich das politiſche Schwergewicht Europas, das bis dahin unbe⸗ ſtritten in der Verbindung zwiſchen Papſt und deutſchem Kaiſertum gelegen hat, auf die Nachbar⸗ und Randſtaaten: Frankreich, England, Polen, Dänemark und Spanien erſtarken, und den deutſchen Grenzen nähern ſich bereits die Osmanen. Da tritt gegen Ende des Mittelalters ein eigentümlicher Amſchwung ein, der das aufgeblühte Spanien mit der bedeutenden deutſchen Hausmacht Sſter— reich vereinigt und die mittelalterlichen Gedanken des katholiſchen Kaiſertums und des Kampfes gegen den Iſlam noch einmal aufnimmt. Die Wahl Rudolf von Habsburgs(1223— 1291) zum deutſchen König leitet dieſe Entwicklung ein, die im Zeitalter der Reformation ihren Höhepunkt und teilweiſen Abſchluß findet. Auf dem Wege dahin ſeien folgende Markſteine genannt: Aufſtieg der Städte. 1266 Begründung der Hanſe. 1372 1389 ſüddeutſcher Städtekrieg. Beginn einer wirtſchaftlichen Blütezeit: ͤ 1330 Erfindung des Schießpulvers, 1381 Anfertigung von Schießgewehren, 1450 Erfindung der Buchdruckerkunſt. Erſte reformatoriſche Beſtrebungen durch den Prager Profeſſor Johann Huß, der auf der großen Kirchenverſammlung zu Konſtanz 1414 1418 als Ketzer verurteilt wird. Hieraus entwickeln ſich die Huſſitenkriege, 1419 1436. Unter Führung der Feldherrn Johann Ziska und Prokop ziehen die tſchechiſchen Bauern plündernd durch Deutſchland und dringen bis zur Oſtſee vor. Nur mit Mühe kommt ein Friede zuſtande. Mit der Enideckung Amerikas 1492, die das Ausſehen der europäiſchen Welt von Grund auf ändert, beginnt alsdann die neuere Geſchichte. σ 0 S Ruhmesblätter Deutfeher Seſcehichte. U 1F In Sruppe 8 — — — —— — eeeee eeeeeee Das Zeitalter der Reformafion Zwei Ereigniſſe von ungeheurer Tragweite ſtehen an der Schwelle der neueren Zeit: die großen Entdeckungen um 1500, welche das politiſche und wirtſchaftliche Ausſehen der Welt vollkommen ver ändern, und die Reformation, welche den Übergang von mittelalterlicher zu moderner Weltanſchauung vollzieht. Währe nd des Mittelalters gilt der Menſch nur etwas, ſolange er einer Gemeinſchaft angehört. Insbeſondere iſt ſein ganzes Empfinden von der Kirche gebunden. Erſt jetzt beginnt das Recht auf Perſönlichkeit Anerkennung zu finden. Dieſe neue Geiſtesrichtung knüpft an das Wiederaufleben der klaſſiſchen Studien an, welche die dauernde Berührung mit der morgenländiſchen Welt vermittelt: über Italien findet ſie auch in Deutſchland Boden. Die„Humaniſten“ empfinden das irdiſche Leben nicht mehr als eine Vorbereitung für die jenſeitige Welt, ſondern lehren die Freude am Diesſeits und ſtreben nach einer allſeitigen Ausbildung aller Wa Anlagen, nach„Humanität“.„Die Wiſſenſchaften blühen. Die Geiſter erwachen. Es iſt eine Luſt zu leben!“ ruft einer ihrer! Vorkaͤmpfer, Alrich von Hutten, in der Erwartung der neuen Zeit. Dieſe bricht jetzt auf allen Gebieten herein. Als Maximilian J.(1403 1510),„der letzte Ritter“, ohne päpſtliche Krönung als erſter den Titel „erwählter römiſcher Kaiſer“ annimmt, iſt die politiſche Lage des Reiches die denkbar kläglichſte. Trotz aller inneren Reformverſuche— 1495 wurde das Reichskammergericht in Frankfurt eingeführt⸗ und allen guten Willens gelang es ihm kaum, ſie grundlegend zu beſſern. Wohl aber bereitete er durch überaus glückliche Heiraten und Verträge das Weltreich ſeines Enkels vor, der als Karl V (15190- 1556) nach ihm den Thron beſteigt und eine unermeßliche Hausmacht unter ſich vereinigt: die öſterreichiſchen Lande, Spanien mit ſeinen Kolonien, Neapel, Sizilien und die Niederlande. So bleibt ihm wenig Zeit, ſich um Deutſchland zu kümmern. Hier hat ſich gerade eins der größten Ereigniſſe der deutſchen Geſchichte vollzogen: am 31. Oktober 1512 ſchlägt der Auguſtinermönch Martin Luther ſeine berühmten 9s Theſen an die Tür der Schloß⸗ kirche zu Wittenberg. 1521 verteidigt er vor dem Kaiſer, der ihm das Verſprechen eines freien Ge⸗ leites gibt, auf dem Reichstag von Worms ſeine Lehre. Hierbei muß Luthers Eindruck auf Wider⸗ ſacher und Freunde geradezu gewaltig geweſen ſein. Von Kaiſer und Papſt in Acht und Bann getan, wäre er verloren geweſen, wenn ihn nicht Kurfürſt Friedrich der Weiſe auf der Wartburg in Sicherheit gebracht hätte. In ihrer Stille überſetzt Luther die Bibel, deren Studium bisher nur der Geiſtlichkeit vorbehalten war. Um ſie weiten Kreiſen verſtändlich zu machen, ſchafft er bei dieſem . 2 V 24 u 4*——„ 7„*„„ 6 11 J Werk zugleich die hochdeutſche Sprache, die erſte Vorbedingung zu einer deutſchen Einheit. IJ 8 Waͤhrend dieſer Zeit verliert Luther freilich die unmittelbare Einwirkung auf die Geſchehniſſe. In 7 I Schwaben und Franken erheben ſich die Bauern. In Thüringen verbinden ſich Wiedertäufer und 2 Bilderſtürmer mit ihnen, werden jedoch zu Boden gezwungen. Ein ähnliches Schickſal erleidet der rheiniſche Ritterbund unter Franz von Sickingen. Die geiſtlichen Fürſtentümer behalten die Ober⸗ hand. Sickingen bezahlt den Kampf mit ſeinem Leben. Ein Teil der deutſchen Fürſten ſtellt ſich jedoch auf den Boden der neuen Lehre und erwirkt 1526 im erſten Reichstag zu Speyer, daß jeder Reichsſtand diejenige Form des Bekenntniſſes wählen kann, die er„vor Gott und kaiſerlicher Majeſtät zu verantworten gedächte“. Auf einem zweiten Reichstag zu Speyer 1529 tritt die katholiſche Partei jedoch ſchon energiſcher gegen die Lutheriſchen auf. Dieſe proteſtieren gegen die Beſchlüſſe und erhalten damit den Namen Proteſtanten. Ihre Fürſten und Reichsſtädte ſchließen ſich 1531 zum Schmalkaldiſchen Bund zuſammen. Luther(T1546) hat in dieſe politiſchen Verwicklungen nie ein⸗ 8 gegriffen. Er iſt der Meinung, daß die gute Sache ſich auch ohne Waffen durchſetzen müſſe. Dies wäre freilich kaum der Fall geweſen, wenn nicht Karl V. ſtändig mit ſeinen auswärtigen Unterneh— mungen gegen Frankreich und die Türken zu tun gehabt hätte. Jetzt aber eilt der Kaiſer nach Deutſch⸗ land, um hier die reichsſtändiſche Selbſtändigkeit zu brechen und im Bund mit dem Papſt die kirchliche II Einheit wiederherzuſtellen. 1546— 1547 entbrennt der Schmalkaldiſche Krieg, der zwar günſtig für E Y Karl V. ausläuft, jedoch nicht zum Ziele führt. Schließlich zieht ſich der Kaiſer nach Nieder⸗ JJ landen zurück und überläßt ſeinem Bruder Ferdinand die Herſtellung des Friedens in Deutſchland. 11 Dieſer kommt 1555 zu Augsburg zuſtande. Er überläßt den deutſchen Landesherren in ihren Ge⸗ A 8 bieten die Religionsfreiheit. Perſönlich hat Karl V. Kunſt und Wiſſenſchaft, Handel und Wi rtſchaft beſtens zu fördern geſucht. In den aufblühenden Städten heben ſich Wohlſtand und Bildung. Die 1105 8 großen Kaufmannshäuſer der Fugger und Welſer zu Augsburg ſind hierfür ebenſo bezeichnend wie 10 die kraftvolle Geſtalt des Schuſters und Poeten Hans Sachs. Sein politiſches Ziel aber hat Karl V. INN nicht erreicht. Der neue Geiſt des Individualismus im ſtaatlichen und religiöſen Leben war ſtärker als er. An ihm zerbrach nicht nur ſein Reich, ſondern auch ſein Leben: in Schwermut verfallen entſagt er 1556 der Krone und ſtirbt zwei Jahre darauf im ſpaniſchen Kloſter Sankt uſt. e V MMMuhmesblätter Leutſcher Seſchichte. 23ͤ*«««„ inntt RCe REl Rl R RNS L E S” 1 K. A. N J 8 J 8 8 J 2 u, 2 K. . 2 . I J V Ruhmesblätter Deutfeher Seſchichte. X——— Srunpe ν. Der 30jährige Krieg Augsburger Religionsfrieden(1555) breit nellt üſchen ſind bereits proteſtantiſch, ebenſo grof von Böhmen, Oſterreich und L ſetzt eine Gegenbewegung der katholiſchen Kirche ein. Im Konzil vot wird der Ablaßverkauf beſeitigt und die Kirche an Haupt und Gliedern“ reformiert. lem der Jeſuitenorden, deſſen Mitglieder ſich außer zu den Möncd u unbe ngtem militäriſchem Gehorſam unter ihre Oberen verpflichten, gelangt zu großem Einfluß. Er gewinnt Bayern und Oſterreick Veſtfalen und den Rhein dem Katholizismus zurück. Den enüber ſchließen ſich die proteſtantiſchen Fürſten und Städte in der Anion zum Schutz ihres Glaubens zuſammen(1608). Ein Jahr darauf gründet! on Bahyern in der Liga einen katho liſchen G bund. Der Fenſterſturz zu Prag 1618 fi e Kataſtrophe herbei: aus einem böhmiſchen Konflikt wird ein deutſcher, aus dieſem ein europäiſcher Krieg Als 1619 der kinderloſe Kaiſer Matthias ſtirbt, einigen ſich die deutſchen Kurfürſten eigenartiger weiſe auf den ſtrengkatholiſchen Ferdinand II.(1619— 1637). Die Böhmen rkennen iihn jedoch nicht an und wählen das Haupt der Union, den jungen Friedrich V. von der Pfalz, zu ihrem 5ſ66 K 2 ſot 1 0 Nor Voeertt K 8 W* FNor König. Ihr Aufſtand greifſt nach Schleſien und Mähren über. Da verbündet ſich der Kaiſer, der ſ n 11„ M 10 4 Kgor n In7 Aflor 6856„Ir Ron 7* 11864 „lieber über eine Wüſte als über ein Land voller Ketzer herrſchen will“, mit dem Hat Den Oberbefehl erhält Tilly. Er ſchlägt den„Winterkönig“ in der Schlacht am Dvif bei Prag 1620. Böhmen wird unterworfen. Die Union löſt ſich auf. In die ſich nun entſpin Kämpfe greift König Chriſtian V. von Dänemark, der zugleich Herzog von Holſtein iſt, ein. Er hofft, ein Stück er ſtellt Albrecht von Wallen tück deutſcher Nordſeeküſte zu erlangen. Demgegen ſtein, der ſich aus den eingezogenen proteſtantiſchen Gütern in Böhmen rieſigen Grundbeſitz er— worben hat, auf eigene Koſten dem Kaiſer ein Heer zur Verfügung. Wallenſtein und Tilly drängen nunmehr die Proteſtanten und Dänen nach Norden zurück. Durch Kontributionen verſorgen ſich die Truppen in den eroberten Ländern. Als„General der ganzen kaiſerlichen Schiffsarmada, wie auch des ozeaniſchen und baltiſchen Meeres“ Vallen ſtein den Kaiſer zum Herrn der Oſtſee machen. Eine deutſche Flotte ſoll die alte Hanſamacht wieder aufrichten. Aber die Stadt Stralſund, die Wallenſtein dafen gewinnen will, und ſten „wäre ſie mit Ketten an den Himmel geſchloſſen“, trotzt dem Feldherrn. Da regen ſich die Fürſten denen Wallenſtein zu mächtig wird. Auf dem Reichstag zu Regensburg 1630 ſetzen ſie ſeine Abberufung durch. Der„Herzog von Friedland“ zieht ſich nach Böoͤhmen zurück, um hier in könig licher Pracht Hof zu halten. Die Sorge vor der Begründung einer kaiſerlichen Seemacht auf der Oſtſee und das Beſtreben den bedrohten proteſtäͤntiſchen Glauben zu ſchützen, hat inzwiſchen Guſtav Adolf von Schweden auf den Plan gerufen. Er landet 1630 bei Stettin und ſchlägt Tillo, der inzwiſchen Magde burg zerſtört hat, entſcheidend in der Schlacht bei Breitenfeld 1631. In glänzendem Siegeszug geht er dann über Mainz nach Süddeutſchland und ſchlägt Tillo beim Lech-Ubergang noch einmal Dieſer erliegt einer tödlichen Wunde. Der Proteſtantismus iſt gerettet. Die habsburgiſchen Lande ſtehen Guſtav Adolf offen; aber auch Norddeutſchland iſt in Gefahr, ſchwediſch zu werden. In dieſer Not des Kaiſers hilft noch einmal Wallenſtein. Er erhält den alleinigen Oberbefehl ſowie das Recht freier Friedensverhandlungen mit den deutſchen Proteſtanten. Schnell hat er wieder ein großes Heer geworben. In der Leipziger Ebene tritt ihm Guſtav Adolf enigegen Am 6. November 1632 kommt es zur Schlacht bei Lützen— einem vollen Siege des ſchwediſchen Heetes, das damals ſchon zu vier Fünftel aus Deutſchen beſteht. Guſtav Adolf ſelbſt aber muß im Kampf gegen die Küraſſiere Pappenheims, der gleichfalls fällt, ſein Leben laſſen. Wallen ſtein zieht ſich nach Böhmen zurück. Er denkt nicht mehr d gegen die ihres Führers beraubten Oroteſtanten weiterzukämpfen, trägt vielmehr Pläne von größter nationaler Bedeutung in ſich. Die Glaubensparteien will er verſöhnen. Gemeinſam ſollen ſie dann die Fremden vom deutſchen Boden verjagen. Der Kaiſer will davon nichts wiſſen. Am ihn zum Nachgeben zu zwingen, verhandelt Wallen⸗ ſtein jetzt mit den Schweden; doch der Kaiſer ſetzt ihn ab und bringt im geheimen einige ſeiner Offiziere auf ſeine Seite. In Eger wird der Feldherr, der ſeiner Zeit weit vorauseilte und dem als Ziel ein großes einiges deutſches Reich vorſchwebt, in ſeinem Schlafgemach ermordet(163). Jetzt löſt ſich der Krieg in rohe Plünderungszüge auf. Frankreich, mit Schweden verbündet, ſucht das Elſaß und die Rheingrenze zu gewinnen. Aus dem Religionskrieg wird ein Raubkrieg, ein Ringen um die Vorherrſchaft in Europa auf deutſchem Boden. Ferdinand III.(1632— 1657) erſtrebt endlich den Frieden. Dieſer beſiegelt 1648 in Münſter die Niederlage des habsburgiſchen Syoſtems. Die Reichseinheit iſt endgültig dahin. Fürſten und Reichs⸗ ſtädte erlangen die volle Landeshoheit und dürfen ſogar mit fremden Staaten Bündniſſe ſchließen —nur nicht gegen Kaiſer und Reich. Frankreich und Schweden erhalten die Möglichkeit, in allen innerdeutſchen Fragen mitzureden. Wie ſie dies tun, zeigt die Zerſtörung Heidelbergs durch Melac 1689. In dieſer Zeit tiefſter Not erhebt ſich allmählich der brandenbuͤrgiſche Staat. Aus ihm erwächſt die neue Zukunſt: das zweite Reich. ˖˖r˖—9——— 8 UHun 5 Sruppe 5 J. Das Werden Preußens Die Mark Brandenburg,einſtmals„des Heiligen Römiſchen Reiches Streuſandbüchſe“,iſtdas Kernland des Königreiches Preußen, das unter der zielbewußten Regierung der Hohenzollern machtvoll aufblüht. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts ſteht das Land unter der Willkürherrſchaft des märkiſchen Adels. 1411 ſetzt der damalige Kaiſer Sigismund den Burggrafen Friedrich VI. von Nürnberg aus dem Hauſe Hohenzollern als Dank für geleiſtete Kriegsdienſte zum Statthalter ein. Friedrich bricht in Verbindung mit den Städten vermittels der bekannten„Faulen Grete“ die ritterliche Gewalt und wird 1415 als Friedrich I. mit der Kurwürde belegt. Unter ſeinen Nachfolgern ragt vor allem Albrecht Achill(1470 1486) hervor. Dieſer erläßt u. a. ein Hausgeſetz, nach welchem die Mark immer nur— und zwar ungeteilt— an den älteſten Sohn fallen darf. Joachim II.(1535— 1571) ſchließt ſich 1839 dem Luthertum an. Johann Sigismund(1608— 1610) macht im Jülich⸗Cleveſchen Erbſchaftsſtreit die erſten Erwerbungen im Weſten und wird 1618 durch Heirat zugleich Herzog von Preußen. So ſind ſchon damals die äußeren Grenzen des ſpäteren Königreichs vorgezeichnet. Vorerſt iſt es freilich kein geſchloſſenes Staatsgebiet, ſondern es ſind ſelbſtändige Länder, die nur die Perſon des Herrſchers verbindet. Der 30jährige Krieg verwüſtet auch ſie aufs furchtbarſte. So iſt es kein leichtes Erbe, welches der damals zwanzigjährige Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürſt(1640— 1688) übernimmt. Dieſer hat in den aufblühenden Niederlanden Staatsverwaltung und Kriegskunſt gelernt. Seine erſte Sorge iſt es, ſein Land durch Waffenſtillſtands⸗Verträge vor den Schweden zu ſchützen. Dann geht er daran, ſich— wenn auch in beſcheidenem Amfange— eine Truppe zu ſchaffen, über die er jederzeit frei verfügen kann. Es iſt dies der Anfang des ſtehenden Heeres im Gegenſatz zu den Lands⸗ knechten, die ihren Soldatenberuf jeweils bei dem ausüben, der ſie am höchſten bezahlt. Gleichzeitig damit gibt der Kurfürſt als erſter ſeinem Lande den Charakter des„Soldatenſtaates“ und ſtellt das ganze wirt ſchaftliche Leben unter den Geſichtspunkt, daß die Erhaltung dieſes Heeres vaterländiſche Pflicht ſei. Infolge dieſer Maßnahmen vermag Friedrich Wilhelm bei den Friedensverhandlungen zu Münſter ein gewichtiges Wort mitzuſprechen. Er erwirbt hierbei nach dem Oſten zu Hinterpommern, nach dem Weſten zu Magdeburg, Halberſtadt und das Bistum Minden als Brückenpfeiler zur geographiſchen Einheit ſeiner Länder. Wichtiger noch iſt deren ſtaatspolitiſche Zuſammenfaſſung. Trotz heftigen Wider⸗ ſtandes gelingt es ihm, den Einfluß der Stände, z. B. des Adels und der Zünfte, zu brechen und dafür die unumſchränkte Monarchie herzuſtellen. Während der Kurfürſt noch mit der inneren Ausgeſtaltung ſeines Staates beſchäftigt iſt, wird er durch neue europäiſche Verwicklungen ſtark in Anſpruch genommen. Ludwig XIV. von Frankreich hat in⸗ zwiſchen gegen Holland einen erbitterten Krieg(1672 1678) entfacht. Zum Schutze ſeiner rheiniſchen Beſitzungen greift der Kurfürſt auf ſeiten Hollands ein und veranlaßt auch Kaiſer und Reich, ſich gegen Ludwig zu wenden. Dieſer aber bringt die Schweden dazu, in die Mark einzufallen. In Eil— märſchen eilt der Kurfürſt nunmehr„vom Rhein zum Rhin“. Mit einer zahlenmäßig viel geringeren Truppe, unterſtützt von Derfflinger und dem Prinzen von Homburg, ſchlägt er die Schweden ent⸗ ſcheidend bei Fehrbellin, dem erſten ſelbſtändigen Sieg des brandenburgiſch⸗preußiſchen Heeres. In kühnem Zuge erobert er dann nachſtoßend das damals ſchwediſche Vorpommern und vertreibt im Winter 1678 1679 den ſchwediſchen General Horn aus Oſtpreußen. Dieſe Kämpfe ſpielen auch auf die Oſtſee über. Die erſten brandenburgiſchen Kriegsſchiffe nehmen hieran ruhmvollen Anteil. Vom Kaiſer im Stich gelaſſen, muß jedoch der Kurfürſt im Frieden von St. Germain 1629 ſeine Er— oberungen wieder herausgeben. Sein damaliger Ausſpruch„Möge einſt aus meinem Gebein ein Rächer entſtehen“ hat ſpäter in Friedrich dem Großen ſeine Erfüllung gefunden. Seine letzten Jahre ſind vor allem dem weiteren Ausbau ſeines Reiches gewidmet. So führt er in den Städten die indirekten Verbrauchsſteuern(Akziſe) im Gegenſatz zu der bis dahin üblichen direkten Kopf— ſteuer KRontribution) ein. Außerdem ſucht er für ſein entvölkertes und verarmtes Land durch Teilnahme am Welthandel und durch Koloniſation(Afrikaniſche Handelskompagnie 1682) neue Kräfte zu ge⸗ winnen. 1685 nimmt er ca. 20000 Hugenotten, die von Frankreich vertrieben werden, in ſein Reich auf. Ihre Erfahrungen in Handel und Induſtrie kommen der neuen Heimat zugute. IA Sein Nachfolger Friedrich III.(als König Friedrich I.), 1688— 1713, kann die Selbſtändigkeit der 1 brandenburgiſchen Politik nicht behaupten. Seine Krönung zum„König in Preußen“ 1201 gibt jedoch 11650 dem Staat nach außen hin einen Abglanz von Macht, der ſeine Nachfolger anſpornt, dieſe auch tat⸗ 116 ſächlich zu erringen. In der auswärtigen Politik hält Friedrich zum Kaiſer, den er im ſpaniſchen Erb⸗ folgekrieg(1201 1740) gegen Ludwig XIV. unterſtützt. Im Innern hat es der erſte preußiſche König verſtanden, an ſeinen glänzenden Hof zahlreiche Gelehrte und Künſtler zu ziehen. Anter ihm wurden die Aniverſität Halle ſowie die Akademien der Künſte und der Wiſſenſchaften gegründet. Sein Nachfolger Friedrich Wilhelm I.(1713- 1740) hat für die Prachtliebe ſeines Vaters wenig Sinn. Er„jagt die Hofſchranzen zum Teufel“ und errichtet dafür eine Hofhaltung von ſpartaniſcher Ein⸗ 145 fachheit. Seine Bedeutung für die innere Ausgeſtaltung Preußens iſt eine außerordentliche. Er baut 1N Straßen und Kanäle, gründet Manufakturen, hebt das Gewerbe, ſichert den Bauern. Er führt die allgemeine Schulpflicht ein, ordnet Steuern und Finanzen und bildet in unermüdlicher Arbeit ein un⸗ bedingt zuverläſſiges Beamtentum und eine hervorragende Armee heran. Als er ſtirbt, hinterläßt er nicht nur ein wohlgeordnetes Staatsweſen, ſondern als koſtbarſtes Erbgut den vorbildlich gewordenen Preußengeiſt. . 7 I N J Y N . A Vν ——ů— — E,i, Z... Z. 2 Is —& S ——jẽ 15f Sruppe 6 Friedrich der Großhe Friedrich Wilhelm I. hat ſich einmal im Tabakskollegium über ſeinen Sohn beklagt, daß er„ein Querpfeifer und Poet ſei. Er macht ſich nichts aus den Soldaten und wird nur alles verderben“. So war es ſein größtes Beſtreben, den Kronprinzen zu einem„guten Chriſten, guten Soldaten und guten Wirt“ zu erziehen. Hieraus entwickelt ſich jener bekannte tragiſche Konflikt zwiſchen Vater und Sohn, in dem letzten Endes der Kronprinz ſiegt, indem er ſich ſelbſt überwindet. Als Fried⸗ rich II. im Mai 1240 den Thron beſteigt, iſt der damals Achtundzwanzigjährige auch innerlich zum König herangereift. Wenige Monate ſpäter ſtirbt Kaiſer Karl VI. Mit ihm erliſcht der Mannesſtamm des Hauſes Habsburg. Im Streit um ſeine Erbſchaft bietet Friedrich ſeiner Tochter Maria Thereſia Hilfe an: gegen die Anerkennung älterer Erbanſprüche auf Schleſien will er für Oſterreich gegen Bayern, Sachſen und Frankreich kämpfen. Dieſes Anſinnen wird abgelehnt. Da marſchiert Friedrich zum „Rendezvous des Ruhmes“ im Dezember 1740 überraſchend in Schleſien ein. Innerhalb Monats— friſt iſt das Land beſetzt. Der öſterreichiſche Feldmarſchall Neipperg ſoll ihn vertreiben. Am 11. April 1241 kommt es bei Mollwitz unweit Brieg zur Schlacht. Schon im erſten Anſturm treibt die feindliche Reiterei die preußiſche zurück, ſo daß der König die Schlacht bereits verloren gibt. Aber ſein Feldmarſchall Graf von Schwerin führt die Infanterie wie auf dem Exerzierplatz zum Angriff und zum Siege. Ein weiterer Sieg des Königs bei Tſchaslau und Chotuſitz(1742) führt zur Beendigung des„Erſten Schleſiſchen Krieges“. Im Frieden von Breslau erhält Preußen Ober⸗ und Niederſchleſien mit der Grafſchaft Glatz. Maria Thereſia iſt damit zunächſt ihren gefährlichſten Gegner los. Sie benutzt dies mit Erfolg, um ſich ihrer anderen Feinde zu entledigen: Bavern und Franzoſen werden von den Oſterreichern zurückgedrängt, Sachſen ſtellt die Feindſeligkeiten ganz ein und nimmt Bündnisver handlungen mit Maria Thereſia auf. Ohne Zweifel richten ſich dieſe gegen Preußen. Mit Recht beginnt Friedrich für ſeine Eroberungen zu fürchten. Am einem Angriff zuvorzukommen, fällt er daher 1244 in Böhmen ein. Da die ſterreicher jedoch einer entſcheidenden Schlacht ausweichen, zieht er infolge Verpflegungs⸗ ſchwierigkeiten ſich nach Schleſien zurück. Aberdies wird jetzt ſeine politiſche Lage ſchwierig, da nun auch Bayern mit Maria Thereſia Frieden ſchließt. Die Initiative geht auf die Oſterreicher über. Mit den ihnen verbündeten Sachſen dringen ſie im Frühjahr 1245 in Schleſien vor. Da greift der König am 4. Juni das feindliche Heer nach einem Nachtmarſch überraſchend bei Hohen⸗ friedberg an. Es iſt ein Ruhmestag der preußiſchen Reiterei, die nach ihrer Schlappe bei Mollwitz glänzend reorganiſiert worden war. Auch Friedrichs Sieg bei Soor(30. Septembei) beweiſt ſeine Uberlegenheit. Als dann Fürſt Leopold von Deſſau bei Keſſelsdorf(15. Dezember) den Sachſen eine entſcheidende Niederlage beibringt, kommt es zum Frieden von Dresden und damit zur Be⸗ endigung des„Zweiten Schleſiſchen Krieges“. Maria Thereſia verzichtet noch einmal auf Schleſien. Dafür erkennt Friedrich ihren Gemahl als Kaiſer Franz J. an. Die Kaiſerin kann aber ihren Verluſt nicht verſchmerzen. Sie gewinnt Sachſen, Rußland, Frank⸗ reich und Schweden zu einem Kriegsbund gegen den König. Preußen ſoll bis auf den Stand vor dem 30jährigen Krieg aufgeteilt, Friedrich zum Markgrafen von Brandenburg herabgedrückt werden. Ein ſächſiſcher Kanzleibeamter verrät Friedrich dieſe Pläne. Dieſer kommt nunmehr ſeinen Gegnern zuvor und rückt 1756 unvermutet in Sachſen ein. Das ſächſiſche Heer wird bei Pirna eingeſchloſſen, das Erſatzheer der Oſterreicher bei Loboſitz geſchlagen. Sachſen kommt unter preußiſche Verwaltung. Damit beginnt der Tjährige Krieg(1756— 1763). Um nicht allein zu ſtehen, ſchließt Friedrich mit England ein Bündnis: letzteres verpflichtet ſich zur Zahlung von Hilfsgeldern. Von Sachſen aus bricht 1757 der König in Böhmen ein. Am 6. Mai kommt es bei Prag zur Schlacht. Schon weichen die Preußen; da reißt der greiſe Feldmarſchall von Schwerin die Truppen zu neuem Angriff vor. Schwerin ſelbſt fällt; aber die Preußen werfen den Feind in die Feſtung zurück. Zu ihrem Entſatz rückt der öſterreichiſche Feldherr Daun heran. Friedrich greift ihn an, erleidet aber am 18. Juni bei Kolin ſeine erſte Niederlage. Infolgedeſſen muß er Böhmen räumen. Inzwiſchen wirkt ſich das Bündnis der Feinde aus. Die Ruſſen ſtehen in Oſtpreußen, die Fran⸗ zoſen an der Weſer, die Reichsarmee am Main. Friedrichs Mut aber iſt nicht erſchüttert. Sein Reitergeneral von Seybdlitz vertreibt bei Gotha die Vorhut des franzöſiſchen Prinzen Soubiſe. Der König ſelbſt greift am S. November bei Roßbach das mit den Franzoſen vereinigte Reichs⸗ heer an und erringt einen glänzenden Sieg. Die Franzoſen fliehen bis an den Rhein. Damit erwacht zum erſten Male wieder ein deutſches Nationalgefühl, das ſich allerdings vorläufig nur auf die Perſon Friedrichs erſtreckt. Inzwiſchen haben die Oſterreicher große Teile von Schleſien beſetzt. Der König eilt nunmehr dorthin und greift am 5. Dezember bei Leuthen„gegen alle Regeln der Kunſt den zweimal ſtärkeren, auf Anhöhen verſchanzt ſtehenden Feind“ in ſchiefer Schlachtordnung an. Nach 4 Stunden harten Kampfes iſt der Feind geworfen. Uber das ſchneebedeckte Schlachtfeld erklingt der feierliche Choral„Nun danket alle Gott“. Friedrich iſt wieder der Herr Schleſiens. Ruhmesblätter Ddeutſcher Seſcehichte- e G V —— Gruppe 6— II. Im Winter 1758 fällt der ruſſiſche Feldmarſchall Fermor in Oſtpreußen ein und beſetzt es, ohne erheblichen Widerſtand zu finden. Sengend und brennend dringen ſeine Truppen bis Küſtrin vor, das ſie belagern, um ſich den Weg nach Berlin frei zu machen. Friedrich, die Gefahr für ſeine Hauptſtadt erkennend, wendet ſich in Eilmärſchen nach Norden und beſiegt die ihm an Zahl weit überlegenen Ruſſen am 25. Auguſt in der blutigen Schlacht bei Zorndorf. Eine Verfolgung iſt jedoch nicht möglich; denn inzwiſchen iſt eine öſterreichiſche Armee unter Daun in Sachſen, eine andere in Schleſien eingefallen. Daun nimmt jedoch keine offene Feldſchlacht an, ſo daß Friedrich beſchließt, zunächſt Schleſien zu ſäubern. Um ihn daran zu hindern, verſperrt ihm Daun im Berggelände bei Bautzen den Weg. Der König wagt es, angeſichts des Feindes am Fuße des Gebirges ein Lager bei Hochkirch aufzuſchlagen. Seine Stellung iſt ſo ungünſtig, daß ſeine Generale dringend zum Abmarſch raten. Schon iſt dieſer beſchloſſen, als Daun ihn in der Nacht zum 14. Oktober überfällt und ihm eine empfindliche Niederlage bereitet. Dennoch bleibt der König ſtrategiſch ſeinen Gegnern überlegen. Er vermag ſeine Truppen in guter Ord nung aus der Schlacht herauszuführen und ſeine eigentliche Abſicht, die Säuberung Schleſiens, durchzuſetzen. Das Jahr 1789 beginnt für Preußen trübe. Das Heer iſt ſtark zuſammengeſchmolzen, ſo daß der König von vornherein in die Defenſive gedrängt iſt. Seine Hauptaufgabe ſieht er darin, die Ver⸗ einigung der Ruſſen und Oſterreicher und deren gemeinſchaftlichen Angriff auf die Mark Branden— burg zu verhindern. Auch die Franzoſen ſtoßen von Weſten her in dieſer Richtung vor, werden jedoch von Ferdinand von Braunſchweig am 1.Auguſt bei Minden geſchlagen. Friedrich ſelbſt kämpft jedoch unglücklich. Am 12. Auguſt greift er die von den Oſterreichern noch getrennten Ruſſen bei Kunnersdorf(Frankfurt a. d. O.) an. Diesmal iſt aber Laudon, der tüchtigſte der öſterreichiſchen Generale, ebenſo ſchnell wie er. Seine friſchen Truppen entſcheiden die Schlacht. Seydlitz wird ſchwer verwundet. Der König ſelbſt, dem zwei Pferde unter dem Leibe erſchoſſen werden, entgeht nur mit Mühe der Gefangennahme. Der Rückzug wird, was bei Kolin und Hochlirch nicht der Fall war, zu wilder Flucht. Friedrich hält, wie er am Abend ſchreibt,„alles für verloren“ und iſt ent⸗ ſchloſſen, den„Untergang des Vaterlandes nicht zu überleben“. Da tritt das„Mirakel des Hauſes Brandenburg“ ein: der Feind wagt keine Verfolgung. Friedrich iſt gerettet. Das neue Kriegsjahr(1760) bringt zunächſt für Preußen weiteres Unglück. Der preußiſche General Fouqus erliegt bei Landshut nach heldenmütigem Ringen den weit überlegenen Truppen Laudons und gerät, ſchwer verwundet, in Gefangenſchaft. Wiederum iſt Schleſien aufs ſchwerſte be⸗ droht. Da eilt Friedrich herbei und greift in der Frühe des 15. Auguſt die dreifach überlegenen Oſterreicher bei Liegnitz an. Er erringt einen glänzenden Sieg. Nun aber wird Berlin von einem ruſſiſch⸗öſterreichiſchen Streifkorps beſetzt, potsdam und Charlottenburg werden geplündert. Fried— rich zieht in Eilmärſchen heran, worauf die Feinde eiligſt den Rückzug antreten. Inzwiſchen hat N A 4 2 7 2 7 7 7 Daun ganz Sachſen erobert, ſo daß ſich Friedrich wieder gegen ihn wenden muß. Bei Torgau 7 7 4 2 292 7 N werden am 3. November die Sſterreicher nach langem erbittertem Kampf geſchlagen. 1761 ſtellt England die Zahlungen ſeiner Hilfsgelder für Friedrich ein; zudem verliert der König zwei Feſtungen: Caudon deſetzt Schweidnitz, die Kuſſen nehmen Kolberg ein. In dieſer höchſten Not ſtirbt die Zarin Eliſabeth von Rußland. Ihr Nachfolger, Peter IIl., ein Bewunderer des großen Königs, ſchließt mit ihm Frieden. Die Oſterreicher ſtehen jetzt allein. Am 21. Juli 1762 ſchlägt Friedrich ſie bei Burkersdorf und erobert dann Schweidnitz zurück. Gleichzeitig beſiegt Prinz Heinrich und Seydlitz die mit den Oſterreichern vereinigten Reichstruppen bei Freiberg i. Sa. Jetzt fordern die deutſchen Reichsſtände den Frieden. Dieſer kommt im Februar 1763 in Hubertus⸗ burg zuſtande. Friedrich behält Schleſien und die Grafſchaft Glatz und verſpricht dem Sohne Maria Thereſias(Joſeph) ſeine Stimme bei der Kaiſerwahl. 23 Friedensjahre darf der„Alte Fritz“ noch erleben, in denen er ſich als„der erſte Diener des Staates“ betätigt. Das Land iſt verarmt und teilweiſe verödet. Aber in unermüdlicher Aufbau⸗ arbeit werden die Schäden, die der Krieg verurſacht hat, verhältnismäßig ſchnell behoben. Fried⸗ richs Regiment iſt ſtreng, aber gerecht; ſeinem Scharfblick entgeht nichts. Als nach der erſten Teilung Polens das Bistum Ermland, der Netzediſtrikt und Weſtpreußen an Preußen fallen, veranlaßt der König in dieſen Gebieten eine Koloniſation, wie ſie in der deutſchen Geſchichte einzig daſteht; das Oder⸗, Warthe⸗ und Netzebruch werden trockengelegt und beſiedelt. Mit gleich großem Eifer wie für die Landwirtſchaft ſorgt der König für die Induſtrie: Porzellan, N Tabak, Leinen, Tuch, Samt und nicht zuletzt die ſchleſiſche Montaninduſtrie werden von ihm TN YV gefördert oder, wie die Seideninduſtrie, erſt von ihm ins Leben gerufen. So gelingt es ihm, ſein Y Land trotz der ſchweren Kriegszeiten auf eine viel höhere Kulturſtufe zu heben als zuvor. J Am 17. Auguſt 1786 ſchließt Friedrich der Große ſeine Augen, nachdem er 46 Jahre regierte. In der Erinnerung des Volkes lebt die Geſtalt des„Alten Fritz“ mit dem ſcharfgeſchnittenen NN Geſicht, den durchdringenden Augen und mit dem Krückſtock in der Hand fort. Er hat ſein W J Preußen gegen eine Welt von Feinden behauptet und es zu einer europäiſchen Großmacht R erhoben. Das Erwachen Oeutſchlands hat er, der ſeiner Zeit weit voraus war, im Geiſte kommen ſehen:„Ich bin wie Moſes; ich ſchaue von ferne das Gelobte Land, aber ich werde es nicht betreten.“ * ütter Deutfeher 8 e[ehichte. NM. — 2 Ruhmesbl 2 5* 50 NK Gruppe 2 Deutsches Geisfesleben um 1800 Der Zeitraum vom Tode Friedrichs des Großen bis zu den Freiheitskriegen bringt über das geſamte deutſche Sprachgebiet zunehmende politiſche Ohnmacht und eine allgemeine Einengung des bürgerlichen Lebens. Gerade in dieſen Jahrzehnten aber vollzieht ſich in Deutſchland eine große geiſtige Amwandlung, die trotz aller Angunſt der äußeren Verhältniſſe zum erſtarkten Bewußtſein der eigenen Art, zur vollen Ausprägung der Schriftſprache— künftig zugleich Amgangsſprache aller deutſchen Stämme— und zur Schaffung einer großen Nationalliteratur führt. Dieſe kann ſchließlich nicht nur ebenbürtig neben den Nachbarliteraturen beſtehen, ſondern auch auf die geſamteuropäiſche Geiſtesentwicklung beſtimmend einwirken. Im Gegenſatz zu anderen Ländern, deren Literatur im Schutze der Macht und des Reichtums als Frucht einer alten, durchgebildeten Kultur heranreifen kann, muß auf deutſchem Boden vielfach das Geiſtesſtreben ſeine eigentliche Kraft und Tiefe erſt aus der Abkehr von der engen und kargen Wirklichkeit gewinnen; doch verbindet ſich damit die ungeteilte Hingabe an eine ideale Welt und die Forderung nach innerer Erneuerung und lebendiger, auf Selbſtvollendung gerichteter Bildung. Der dauernde Gehaͤlt fremdländiſcher Dichtung wird dabei empfänglich aufgenommen und ſchöpferiſch neu geſtaltet. Während aber das politiſche Leben noch lange einer gemeinſamen Richtung entbehrt, wirkt ſich das Bewußtſein der Einheit und Arſprünglichkeit deutſchen Weſens im Bereich der geiſtigen Arbeit mit voller Entſchiedenheit aus und ſchafft ſo die ſeeliſche Vorbereitung für die vaterländiſche Begeiſterung der Befreiungskriege. Das Leben und Wirken Goethes erſtreckt ſich über die ganze Epoche. Seine dichteriſche Ent— wicklung wird während ſeines Straßburger Aufenthaltes(1270/74) durch die Freundſchaft mit Herder und die Liebe zu Friederike Brion aufs ſtärkſte beeinflußt und gefördert. Unter dem tiefen Eindruck dieſes Erlebniſſes gewinnt ſeine Cyrik erſt jetzt ihre volle, bezwingende Ausdruckskraft. Herder, der ihn auf Homer, Shakeſpeare, beſonders aber auch auf das Volkslied hinweiſt, erkennt als einer der erſten ſeine überragende Begabung, führt ihn aber zugleich zur Selbſtkritik. Eine andere, noch bedeutendere Wende in Goethes Leben wird ſpäter die Reiſe nach Italien (1786-88), mit der er ſich nach zehnjähriger Amtstätigkeit in Weimar die Muße zu neuer dichte⸗ riſcher Tätigkeit wiedergewinnt. Das Entſcheidende aber iſt für ihn die langerſehnte Möglichkeit, die antike Welt an Ort und Stelle auf ſich wirken zu laſſen. Kunſt und Literatur des Altertums bieten ihm ein Vorbild gehaltener Naturkraft und feſten Maßes, wonach ſich für ihn— wie ſpäter auch für Schiller— der Wert eigener und fremder künſtleriſcher Arbeit beſtimmt. Was er und mit ihm die Beſten der Zeit erſtreben, iſt über die Nachahmung hinaus die lebendige Eingliederung des antiken Erbes in die neu erſtehende Geiſtesbildung. Schiller iſt mit ſeinem Jugenddrama„Die Räuber“(1781 veröffentlicht) noch ganz der Wort⸗ führer der erſten ſtürmiſchen Gegenbewegung gegen die erſtarrte Vernunſtwelt der Aufklärung. Das Werk hat in ganz Deutſchland einen außerordentlichen Erfolg, der vor allem auf dem Ein— klang mit der Zeitſtimmung beruht. Man ſieht in der Hauptfigur das neue Geſinnungsideal verkörpert und iſt ergriffen von der gewaltigen Gefühlsſprache des jungen Dichters. Erſt die gemeinſame Arbeit an der Zeitſchriſt„Die Horen“(ſeit 1794) führt zur Lebensfreund⸗ ſchaft zwiſchen Goethe und Schiller. Anläßlich der Proben zur Aufführung des„Wallenſtein“ ſiedelt Schiller von Jena nach Weimar über und nimmt dort tätigen Anteil an Goethes Be— ſtrebungen zur Reform des deutſchen Theaterweſens. Als Schriftſteller geht Schiller und ebenſo auch Fichte von den Lehren Kants aus, der in ſeinen Hauptwerken die Quellen und Grenzen der Erkenntnis unterſucht und damit für das ganze folgende Jahrhundert eine neue Ideengrundlage ſchafft. Schiller folgt Kants ethiſchen Grund— forderungen, wenn er auf die Berufung des Dichters zum Erzieher ſeines Volkes hinweiſt, Fichte, wenn er den Hörern ſeiner„Reden an die deutſche Nation“ den ſittlichen Willen als das einzig Entſcheidende einhämmert. Durch die Reiſen A. von Humboldts in Zentral⸗ und Südamerika um die Jahrhundertwende (1709- 1804) greiſt deutſche Forſchertätigkeit zum erſten Male weit über die heimiſchen Grenzen hinaus. Der Ertrag ſeiner Fahrten iſt das große, vielbändige Sammelwerk, das ſeit 1808 in Paris erſcheint und den Ruf deutſchen Wiſſenſchaftsfleißes ebenſo in der Welt verbreitete wie der ſpätere„Kosmos“(1845- 62), der ſein bekannteſtes Werk wird. Die Verdrängung der europäiſchen Vorherrſchaft Frankreichs auf literariſchem Gebiet, die mit Leſſings kritiſchen Schriften begonnen hat, wird durch die klaſſiſche Dichtung der Goethezeit zu Ende geführt. In ähnlicher Weiſe ſchließt eine Entwicklung ab, die ſich gegen den Vorrang der italieniſchen Muſik zugunſten der deutſchen ſeit Mozarts Opernerfolgen angebahnt hat. Dem Triumph der Sinfonien Handͤns bei deſſen beiden Aufenthalten in London(1291 und 1794) folgt ſpäter die Weltgeltung Beethovens, deſſen Orcheſter⸗ und Klaviermuſik bis heute ihre werbende Kraft für das Verſtändnis deutſchen Weſens bewahrt hat. Das deutſche Lied aber iſt ohne den Melodienreichtum Schuberts nicht zu denken, der in ſeinem kurzen Leben der Haus⸗ muſik eine Aberfülle von herrlichen Liedern ſchenkt. ä»eKQKKKgeWWe e. ͤWe, οο ο QαοUumunn Iuun Gruppe 8 1117 f0 Das Zeitalter der Befreiungskriege Segenüber der Franzöſiſchen Revolution(1789), ihren Kriegen gegen das Ausland, dem Aufſtieg Napoleons zum Kaiſer der Franzoſen(1804) finden ſich in Deutſchland keine Ideen, Männer oder Taten gleichen Formats. Zunächſt iſt England die Seele des Widerſtandes gegen die Er⸗ oberungsgelüſte der Franzoſen. Es vereinigt ſich 1805 mit Rußland, Oſterreich und Schweden, um in einem neuen Krieg(dritter Koalitionskrieg) Napoleon niederzuringen. Friedrich Wilhelm III. (1297— 1840), der inzwiſchen ſeinem Vater auf den Thron gefolgt war, erklärt die ſtrengſte Neu⸗ tralität Preußens. Als aber der General Bernadotte auf ausdrücklichen Befehl Napoleons, um 6 Marſchtage zu ſparen, quer durch das neutrale preußiſche Gebiet von Ansbach marſchiert, macht Preußen mobil und ſchließt ſich den Verbündeten an. Der Zeitpunkt iſt günſtig, Napoleons Lage ſchwierig. Aber Friedrich Wilhelm Ill. kann ſich nicht zum Eingreifen entſchließen. Die ODreikaiſer⸗ ſchlacht bei Auſterlitz am 2. Dezember 18058 wendet das Kriegsglück zu Napoleons Gunſten, Oſterreich muß Frieden ſchließen. Preußen demobiliſiert ſein Heer, während Napoleons Truppen im Januar 1806 kampfbereit in Süddeutſchland Winterquartiere beziehen. Die Folgen des verlorenen Krieges zeigen ſich bald: Napoleon gründet am 12. Juli 1806 den Rheinbund, dem 15 deutſche Fürſten beitreten, die ſich damit von Kaiſer und Reich losſagen. Kaiſer Franz von Oſterreich legt am 6. Auguſt 1806 die deutſche Kaiſerkrone nieder. Das yerſte Reich“ löſt ſich auf. Preußen ſteht ſeinem furchtbarſten Gegner allein gegenüber. Franzöſiſche Truppenbewegungen deuten darauf hin, daß ein Angriff auf Preußen geplant iſt. Als auch noch bekannt wird, daß Napoleon preußiſche Gebietsteile anderen Staaten übereignen will, befiehlt Friedrich Wilhelm IIl. am 9. Auguſt 1805 die Mobilmachung. Am 14. Oktober 1806 kommt es zur Doppelſchlacht bei Jena und Auerſtedt, wo das preußiſche Heer vernichtend ge⸗ ſchlagen wird. Die Trümmer der Armee fluten zurück. Die königliche Familie flüchtet nach Königs⸗ berg. Napoleon zieht am 27. Oktober 1806ä in Berlin ein. Ende 1806 greift Napoleon die ver⸗ bündeten Preußen und Ruſſen an. Die Schlachten bei Preußiſch⸗Eylau und Friedland laſſen zwar einen bereits erſtarkenden Widerſtand erkennen, ändern aber am kataſtrophalen Ausgang des Krieges nichts. Am 9. Juli 1807 zwingt Napoleon in Tilſit Preußen einen Frieden auf, der den gleichen Vernichtungswillen zeigt wie ein Jahrhundert ſpäter das Verſailler Friedensdiktat: Preußen verliert die Hälfte ſeiner Gebiete, Danzig wird Freiſtaat. Ungeheure Kriegskoſten werden willkürlich beſtimmt, die Stärke des Heeres wird ſo weit herabgeſetzt, daß künftiger Widerſtand ausſichtslos erſcheint. Dann wendet ſich Napoleon gegen Spanien, um ſeinen gefährlichſten Feind, England, vollkommen vom Kontinent abzuſchließen. Seine Abweſenheit benutzt Oſterreich, um ſeine alte Machtſtellung wiederzugewinnen. Es ruft die deutſchen Völker zur Befteiung auf; aber die Zeit hierfür iſt noch nicht reif. Nur Tirol erhebt ſich. Schon nach 4 Tagen erbitterten Kampfes iſt Nordtirol, mit der Hauptſtadt Innsbruck, von den verhaßten Bedrückern befreit. Doch neue feindliche Kolonnen marſchieren heran. Heldenmütig kämpfen die Tiroler noch zweimal unter Führung Andreas Hofers und Joſeph Speckbachers um den Beſitz Innsbrucks, das immer wieder in ihre Hände fällt. Erſt in der vierten Iſelberg⸗Schlacht erliegen ſie dem übermächtigen Zwingherrn. Mit der Erſchießung Andreas Hofers in Mantua findet der Tiroler Freiheitskampf ſeinen tragiſchen Abſchluß. Auch in Deutſchland regt ſich der Freiheitswille: Schill verſucht, den Volksaufſtand zu entfachen, und der Herzog von Braunſchweig ſchlägt ſich mit ſeinem ſchwarzen Korps bis zur Küſte durch und bildet in England die Deutſche Legion. Da vollzieht ſich in Preußen das Wunder einer geiſtigen Wiedergeburt, wie ſie noch wenige Jahre vorher undenkbar erſchien. Das Schickſal hat dem deutſchen Volk Männer geſchenkt, die eine völ⸗ lige Amwandlung der Geſinnung und ein gewaltiges Aufflammen des Nationalbewußtſeins her⸗ vorrufen und die die geiſtigen Grundlagen für den kommenden Befreiungskampf ſchaffen. In den Jahren 1807— 1812 kommen tief einſchneidende Reformgeſetze zur Ausführung, deren geiſtige Arheber die Miniſter Stein und Hardenberg ſind. General Scharnhorſt geſtaltet mit Hilfe der Reorganiſationskommiſſion das Heeresweſen völlig um. Durch die allgemeine Wehrpflicht wird ein Volksheer geſchaffen, dem zu dienen Ehrenpflicht eines jeden Staatsbürgers iſt. Der Turnvater Jahn begeiſtert die Jugend, ihre Körperkräfte für den Dienſt des Vaterlandes zu regen und zu ſtählen. Fichtes Reden an die deutſche Nation, Wilhelm von Humboldts feinſinnige Bildungsarbeit und Körners Freiheitslieder, ſie alle zeugen von dem neuerwachten Leben, das jetzt die Nation durchpulſt. Ein Feuerſtrom neuer Geiſtigkeit erfüllt die Herzen. Es iſt ein unausſprech⸗ licher Verluſt, als Königin Luiſe inmitten dieſer Epoche geiſtiger Amwälzungen am 19. Juni 1810 die Augen für immer ſchließt. Dem ſcharfen Blicke Napoleons entgeht die Wandlung nicht, ſein Haß verfolgt die führenden Männer; Stein muß ins Ausland gehen, Hardenberg und Blücher werden drangſaliert. Gneiſenau kann jahrelang nur im Verborgenen wirken. Das Jahr 1812 bringt endlich die Wende. Es beginnt mit einer Gewalttat Napoleons, die den Antergang Preußens herbeizuführen ſcheint, aber letzten Endes nur die Volkserhebung beſchleunigt. Napoleon zwingt Preußen durch den Vertrag vom 24. Februar 1812, ihm 20000 Mann— das iſt etwa die Hälfte des preußiſchen Heeres— als Hilfstruppe für den geplanten Feldzug gegen Ruß⸗ land zur Verfügung zu ſtellen. General gorck wird mit der Führung des preußiſchen Korps betraut. 51 7 . 2 A.. 2 2 +. 2. 24 2 . e ,. , NNN 7 Ruhmesblütter Deutſeher Seſehichte- 22 V 2 Sruppe 8 Im Frühjahr 1812 marſchieren die ungeheueren Truppenmaſſen nach Rußland. Faſt alle Nationen Europas ſind vertreten. Die Ruſſen weichen kampflos in das Innere des Landes zurück. Napoleon verſucht vergeblich, ſie zur Entſcheidungsſchlacht zu ſtellen. Als er am 14 September 1812 das langerſehnte Ziel, die Hauptſtadt Moskau, erreicht, erwarten ihn keine Friedensunterhändler, ſon⸗ dern eine ausgeſtorbene Stadt. Unheimliche, von den Ruſſen angelegte Brände flackern überall I empor. Bald iſt die ganze Stadt ein rieſiges Flammenmeer. Napoleon muß Moskau verlaſſen. V And nun bricht das Gottesgericht über die völlig zermürbte Armee herein. Im Dezember 1812 erreichen die erbarmungswürdigen Reſte der Großen Armee die preußiſche Grenze; von N 600 000 Mann haben ſich nur 45 000 retten können. Das preußiſche Korps unter Lorck hat nicht am Zuge der Großen Armee nach Moskau teilge⸗ I nommen, ſondern iſt in Kurland verwendet worden. gorck ſchließt nunmehr, nach ſchweren inneren I Kämpfen, am 30. Dezember 1812 mit dem ruſſiſchen General Diebitſch die Konvention von Tauroggen ab, womit ſich das preußiſche Korps von der franzöſiſchen Armee loslöſt und ſich für neutral erklärt. Friedrich Wilhelm IIl., noch ganz von der Machtſphäre Napoleons umfangen, mißbilligt dieſen Schritt. Aber gorck läßt ſich nicht irremachen. Er geht mit ſeinem Korps nach Königsberg, wo inzwiſchen auch der Freiherr vom Stein eingetroffen iſt. Beide Männer nehmen in Oſtpreußen ſofort das Befreiungswerk in Angriff. Der Ständetag wird einberufen, ein Bericht an den König abgeſandt, Landwehr und Landſturm aufgeboten— die jahrelang herbeigeſehnte Volkserhebung nimmt ihren Anfang. Berlin iſt noch von franzöſiſchen Truppen beſetzt, das Bündnis mit Frankreich beſteht noch zum Scheine; aber die Gärung im Lande nimmt gewaltig zu, und im geheimen ſind ſchon Bündnis— verhandlungen mit Rußland im Gange. Friedrich Wilhelm lll. begibt ſich daher am 22. Januar 1813 nach Breslau, wo er vor franzöſiſchen Eingriffen ſicher iſt. Am 3. Februar 1813 erläßt Harden⸗ berg im Auftrage des Königs den Aufruf zur Bildung freiwilliger Jägerkorps. Zu Tauſenden ſtrömen Freiwillige aller Stände herbei. Die Beſchaffung von Waffen und die Ausrüſtung der Freiwilligen wird durch ein großartiges Hilfswerk des ganzen Volkes ermöglicht. Am 16. März wird an Frankreich der Krieg erklärt. Am 17. März, dem gleichen Tage, an dem der berühmte „Aufruf an mein Volk“ ergeht, zieht gorck mit ſeinem Korps unter dem Jubel der Bevölkerung in Berlin ein. Er hat ſein Ziel erreicht: Das Volk ſteht auf, der Sturm bricht los! Der Frühjahrs⸗Feldzug des Jahres 1813 verläuſt für die Verbündeten keineswegs glücklich. Na⸗ poleon iſt mit ſeinem neu aufgeſtellten Heer bis zur Saale vorgedrungen und beginnt Ende April den Vormarſch. Die Verbündeten greifen ihn bei Großgörſchen an, werden aber empfindlich ge⸗ ſchlagen und müſſen hinter die Elbe zurückweichen. Bei Bautzen kommt es zu einer zweiten großen Schlacht, die die Verbündeten wiederum verlieren. Der Rückzug nach Schleſien läßt ſich nicht vermeiden, die Franzoſen beſetzen ſogar Breslau. Der Waffenſtillſtand von Poiſchwitz unterbricht für kurze Zeit die Kämpfe und wird von beiden Parteien zur Verſtärkung ihrer Armeen ausgenutzt. Währenddeſſen ändert ſich die politiſche Lage zugunſten der Verbündeten: Am 12. Auguſt 1813 übergibt auch Oſterreich die Kriegserklärung an Frankreich, ebenſo treten England und Schweden dem Bündnis bei. Drei große Armeen unter Schwarzenberg, Blücher und dem Kronprinzen von Schweden werden gebildet. Schon zu Beginn des Herbſtfeldzuges 1813 zeigt ſich ein völliger Wandel bei den Verbündeten. Die preußiſche Landwehr unter Bülow überrennt die Franzoſen bei Großbeeren, Blücher ge— winnt die Schlacht an der Katzbach. Napoleon ſiegt zwar noch einmal bei Dresden, dann folgt aber Schlag auf Schlag: Kulm, Dennewitz, Wartenburg. Mitte Oktober zieht ſich der Kaiſer auf Leipzig zurück. Die drei Armeen der Verbündeten umklammern ihn. Napoleon nimmt dennoch den Entſcheidungskampf an. Vom 16. bis 18. Oktober tobt die Völkerſchlacht, anfangs für ihn erfolgreich; aber am 18. Oktober bricht ſein Widerſtand zuſammen. Der Rückzug der Franzoſen Ende des Jahres iſt Deutſchland bis zum Rhein von franzöſiſcher Fremdherrſchaft efreit. Zu Beginn des Jahres 1814 marſchieren die Armeen der Verbündeten auf Paris. Die Krieg⸗ führung aber wird durch diplomatiſche Verhandlungen der Verbündeten untereinander ſtark be⸗ hindert. Napoleon erringt infolgedeſſen mehrfach Erfolge. Erſt Blüchers Sieg bei Laon öffnet den Weg auf Paris, das von ihm am 30. März 1814 genommen wird. Der Einzug der findet am 31. März ſtatt. Napoleon entſagt am 11. April dem Throne und geht nach Elba. Während der Wiener Kongreß die europäiſchen Angelegenheiten zu ordnen verſucht, landet Napoleon am 1. März 1815 wieder in Frankreich. Die Verbündeten ſtellen ſofort eine preußiſche Armee unter Blücher und eine engliſche unter Wellington auf. Durch raſches Zupacken verſucht Napoleon beide Armeen vor ihrer Vereinigung zu ſchlagen. Die Preußen erleiden am 16. Juni bei Ligny eine ſchwere Niederlage und müſſen zurückgehen. Nun wirft ſich Napoleon am 18. Juni auf Wellington, der bei Belle⸗Alliance den Angriff erwartet. Die Engländer weiſen die Angriffe der franzöſiſchen Sturmkolonnen zähe ab, die Erſchöpfung auf beiden Seiten nimmt zu. Da greifen gegen Abend die Preußen in die Schlacht ein. Nun bricht die franzöſiſche Front zuſammen. Eine wilde Verfolgung vervollſtändigt die Niederlage. Das Kaiſerreich iſt zertrümmert. Blücher und Wellington ziehen am 2. Juli 1815 in Paris ein. Napoleon wird nach St. Helena verbannt. Europa hat Ruhe, Deutſchlaͤnd iſt frei! i eeN.,. 2 2 2 2. 2 V W, . 22. N. 2 σ σ Ꝙν ν σ l Ruhmesblätter D Eut[eher Seſehichte⸗ J e 4 8 10 118 a 47½ [mesbltlätter Jeut Antestee. etere sberudakts e ee meee 6K8 5 eeee eeeeeee ———½— — Sruppe 9 ——— —————————— ————— ÄUœũůg wXx——U———— ͤ———— E—᷑——— —.—— eeee ee e eieeeeeeeeee Die Einigung Deuischlands Auf dem Wiener Kongreß nehmen die Siegermächte 1815 eine Neuordnung der europäiſchen Machi— verhältniſſe r. Die Neugeſtaltung Deutſchlands entſpricht jedoch keineswegs den nationalen Er wartungen, die das deutſche Volk an den ſiegreichen Ausgang der Befreiungskriege geknüpft hatte; ſtatt eines einigen Reiches werden die kleinen Landeshoheiten wieder hergeſtellt u zuſammengefaßt. Dieſes loſe zuſammengefügte politiſche Gebilde beſteht aue ſtändigen Staaten, wozu außer dem heutigen Deutſchland auch Oſterreich gehört. Die Vertretung de utſchen Bundes bildet der Bundestag in Frankfurt a.M., ein ſtändiger Geſandtenkongreß ndesſtaaten, in dem Oſterreich das Präſidium führt. Die zunehmende Rivalität zwiſchen“ Preußen ſowie die auseinander enden Intereſſen der zahlreichen kleinen Staaten vereiteln von vornherein eine ziel— bewußte Bundespolitik. Der deutſche Zollverein, der im Jahre 1834 unter Führung Preußens ge gründet wird, bedeutet daher einen Schritt vorwärts zur Einigung Deutſchlands. Am dieſen Beſtrebungen entgegenzukommen, wird eine Anderung der Bundesverfaſſung in Angriff genommen und im Mai 1848 die Deutſche Nationalverſammlung nach Frankfurt berufen. Dem Erz herzog Johann von Oſterreich überträgt man das Amt eines Reichsverweſers. Ein Reichsminiſterium wird eingeſetzt und ſpäter König Friedrich Wilhelm V. von Preußen(1840 1861) die Kaiſerkrone angetragen, die er aber ablehnt. Die innerpolitiſchen Zuſtände Deutſchlands bieten zu jener Zeit ein troſtloſes Bild. In den einzelnen Staaten werden erbitterte Kämpfe zwiſchen reaktionären Regierungen und revolutionären Gruppen ausgefochten. And der Deutſche Bund, ſelbſt nur ein Spiegelbild der engherzigen Politik der Kabinette, beſitzt weder Macht noch Willen, die zahlreichen Staaten zu einer Nation zuſammenzuſchweißen. Deutſchen Bund Außenpolitiſch ſteht die Erhebung Schleswig⸗Holſteins gegen Dänemark im Vordergrund desIntereſſes Als 1848 der damalige däniſche König, welcher in Perſonal⸗Anion zugleich auch über die Herzogtümer leibung Schleswigs in Dänemarkausſpricht, empören ſich beide Länder. struppen kommen ihnen zu Hilfe. Bei Eckernförde werden däniſche Schiffe von preußiſchen Bundesbatterien erfolgreich bekämpft. Auch auf dem Lande bleiben die preußiſchen Trup— pen ſiegreich. Aber die politiſche Ohnmacht Deutſchlands iſt ſo groß, daß ſich die Wiederbeſetzung der Her zogtümer durch die Dänen, die von England und Rußland unterſtützt werden, nicht verhindern läßt. In Preußen ſtirbt am 2. Januar 1861 Friedrich Wilhelm IV., die Krone geht auf ſeinen Bruder über, der infolge einer ſchweren Erkrankung des Königs bereits ſeit 1852 die Regentſchaft führte. Nun iſt für König Wilhelm I. die Zeit gekommen, vereint mit dem Kriegsminiſter von Roon, ſeinen lang— gehegten Plan, die Reorganiſation der preußiſchen Armee, in Angriff zu nehmen. Aber das Abgeord— netenhaus will die Geldmittel nicht bewilligen. Es entſpinnt ſich ein ſchwerer Verfaſſungskonflikt, der 1862 beſonders ernſte Formen annimmt. Da ernennt der König den preußiſchen Geſandten in Peters— burg, von Bismarck⸗Schönhauſen, zum Miniſterpräſidenten. Der Kampf zwiſchen Abgeordnetenhaus und Krone geht weiter, die ſtarke Sand Bismarcks wird aber bald in der Staatsführung ſpürbar. Inzwiſchen drängt die ſchleswig⸗holſteiniſche Frage zu einer Löſung. Trotzdem den beiden Herzog tümern ihre Unteilbarxkeit und Selbſtändigkeit zugeſichert iſt, will Dänemark ihre endgültige Einver leibung vornehmen. Oſterreich und Preußen beſchließen, ohne Rückſicht auf den Deutſchen Bund, ſelb⸗ ſtändig gegen Dänemark vorzugehen. Mit der Aberſchreitung der Eider durch deutſch⸗öſterreichiſche Truppen am 1. Februar beginnt der Deutſch⸗Oäniſche Krieg von 1864. Prinz Friedrich Karl, der Neffe König Wilhelms I., führt die preußiſchen, General von Gablenz die öſterreichiſchen Truppen. Den Oberbefehl über beide hat der preußiſche Generalfeldmarſchall von Wrangel inne. Erſte Verteidigungslinie der Dänen iſt das befeſtigte Danewerk, das aber kampflos ge⸗ räumt wird. Die Dänen ziehen ſich auf ihre zweite Verteidigungslinie, die Düppeler Schanzen, zu⸗ Preußiſche und ander rück. Die Befeſtigungen ſind ſo ſtark, daß Prinz Friedrich Karl am 23. März eine regelrechte Belagerung einleiten muß. Am 18. April ſind die Werke ſturmreif und werden von preußiſchen Regimentern geſtürmt. Nach ergebnisloſen Waffenſtillſtandsverhandlungen ſetzen preußiſche Truppen auf Booten über den Alſenſund und erobern den wichtigſten Stützpunkt der Dänen, die Inſel Alſen. Es iſt die glänzendſte Waffentat des Krieges. Auf den Höhen von Sonderburg findet der letzte Kampf ſtatt. Die geſchlagenen däniſchen Truppen ſchiffen ſich ein. Der Feldzug iſt gewonnen. Der Frieden wird am 30. Oktober 1864 zu Wien geſchloſſen: Dänemark tritt Schleswig, Holſtein und Lauenburg an Oſterreich und Preußen ab. Der gemeinſame Beſitz der Herzogtümer verurſacht aber bald zunehmende Meinungsverſchiedenheiten zwiſchen Preußen und Oſterreich. Die Gegenſätze vergrößern ſich, und Oſterreich ſetzt am 14. Juni 1866 beim Bundestag die Mobiliſierung des Bundesheeres gegen Preußen durch. Der Krieg, der über die Vorherrſchaft in Deutſchland entſcheiden ſoll, iſt jetzt unvermeidlich. Sachſen, Hannover, Heſſen, Bayern, Württemberg und Baden ſtehen auf ſeiten Oſterreichs. Preußen kann nur auf die nord— deutſchen Kleinſtaaten rechnen und ſchließt mit Italien ein Bündnis. Die preußiſche Armee befindet ſich in einem Zuſtand hervorragender Schlagfertigkeit. An der Spitze des Großen Generalſtabes ſteht der große Schweiger Moltke, der mit vernichtenden Schlägen das Schwert führt, das Roon geſchärft hat. Bismarck, genialen Blickes weit vorausſchauend, ſieht trotz des nahenden Bruderkampfes das einige deutſche Reich aus Blut und Eiſen erſtehen. Der Deutſche Krieg von 1866 wird durch die Beſetzung von Sachſen, Hannover und Heſſen durch die Preußen eingeleitet. Gegen Oſterreich ſtellt Preußen drei Armeen auf; außerdem wird Bekämpfung der ſüddeutſchen Staaten die Mainarmee gebildet. Nach Moltkes berühmtem Grundſatz„Getrennt marſchieren, vereint ſch.'gen“ werden die preußiſchen Truppen nach Böhmen in Marſch geſetzt. Nach den erfolgreichen Gefechten vei Podol und Hühnerwaſſer vereinigen ſich die erſte und dritte Armee. Die zweite Armee unter dem Kron⸗ IJ 8 Gruppe 9— prinzen Friedrich Wilhelm zwingt indeſſen die Oſterreicher in einer Reihe ſiegreicher Gefechte bei Nachod, Skalitz, Soor und Königinhof zum Zurückweichen. Der Sieg des Prinzen Friedrich Karl bei Gitſchin veranlaßt die Oſterreicher, auf den Höhen bei Königgrätz eine Verteidigungsſtellung einzunehmen. 8 Moltke führt rechtzeitig die g ſamten Kräfte zur Entſcheidungs ſchlacht bei Königgrätz heran, in der am S 3. Juli die Preußen den Sieg erringen. Die Verfolgung der Oſterreicher und der Marſch der Preußen W I auf Wien zeitigt noch mehrere Gefechte, aber als das preußiſche Heer am 18 Juli vor Wien erſcheint Y läßt es Oſterreich nicht zum Außerſten kommen und ſchließt am 22. Juli einen Waffenſtillſtand, dem am 23. Auguſt 1866 der Friede zu Prag folgt. Auch auf dem Kriegsſchauplatz in Deutſchland wird nach wechſelvollen Kämpfen, in denen die Mainarmee Sieger bleibt, der Waffenſtillſtand geſchloſſen, und Friedensverträge mit den ſüddeutſchen Staaten beenden den Bruderkrieg. Die innenpolitiſche Lage in Deutſchland hat ſich völlig geändert. Oſterreichs Vorherrſchaft iſt ge— brochen. Der Deutſche Bund wird aufgelöſt. Preußen ſchließt mit den ſüddeutſchen Staaten ein Schutz⸗ und Trutzbündnis und gründet den Norddeutſchen Bund, deſſen erſter Reichstag am 24. Februar 1867 in Berlin zuſammentritt. Der Zollverein wird auf ganz Deutſchland ausgedehnt, das Poſtweſen verein heitlicht, die Armeen der Einzelſtaaten werden nach dem Vorbilde Preußens ausgebildet und gegliedert. Frankreich verſucht mehrfach das Einigungswerk in Deutſchland zu ſtören. Seit dem erfolgreichen Feld zug von 1866 iſt hier eine bedeutende Zunahme der feindſeligen Stimmung gegen Preußen zu verzeichnen. Zum Kriegsvorwand dient die ſpaniſche Thronkandidatur des Erbprinzen Leopold von Hohenzollern. Die demütigenden Forderungen des franzöſiſchen Geſandten Benedetti in Ems am 13. Juli 1820 lehnt König Wilhelm ab. Als Frankreich daraufhin am 19. Juli den Krieg erklärt, da geht ein Sturm der Ent— rüſtung durch ganz Deutſchland— alle deutſchen Stämme finden ſich einmütig zuſammen, um das ge meinſame Vaterland zu ſchützen. Zu Beginn des Deutſch⸗Franzöſiſchen Krieges 1870/71 treten am 4. Auguſt drei deutſche Armeen den Vormarſch an, deſſen Ziel Paris iſt. Die dritte Armee unter Kronprinz Friedrich Wilhelm wirft das hons bei Weißenburg und Wörth, die erſte Armee unter General von Steinmetz und die zweite Armee unter Prinz Friedrich Karl erſtürmen trotz großer Verluſte die Spicherner Höhen. Die Feſtung Straßburg wird eingeſchloſſen. Bei Metz hat ſich die franzöſiſche Hauptarmee unter Mar— Heer Ma VY ſchall Bazaine zuſammengezogen; ſie iſt eben im Begriff nach Chalons abzumarſchieren, da wird ihre Nachhut bei Colombe9y⸗Rouilly von der erſten Armee angegriffen und der Abmarſch Bazaines dadurch aufgehalten. Moltke zieht eilends die zweite Armee heran, um den Franzoſen den Weg zu verlegen. Die furchtbaren Doppelſchlachten bei Vionville Mars la Tour und Gravelotte—St. Privat zwingen die geſchlagene franzöſiſche Houptarmee, auf Metz zurückzugehen, das nun von der erſten und zweiten K Armee unter dem Oberbefehl des Prinzen Friedrich Karl eingeſchloſſen wird. Der dritten Armee, vereint mit der neugebildeten vierten Armee, unter Kronprinz Albert von Sachſen, 0 fällt jetzt die Aufgabe zu, den Marſch auf Paris fortzuſetzen. Mac⸗Mahon hat inzwiſchen in Chalons 4 eine neue Armee aufgeſtellt, mit der er Metz befreien will. Die dritte und vierte Armee ändern infolge⸗ I deſſen ihre Marſchrichtung und hindern Mac⸗Mahon in der Schlacht bei Beaumont am 30. Auguſt, D ſeinen weitausholenden Marſch nach Metz fortzuſetzen. Die franzöſiſche Armee, bei der ſich Kaiſer 90 Napoleon befindet, geht auf die kleine Feſtung Sedan zurück. Hier erhält das franzöſiſche Kaiſertum 10 den Todesſtoß: Nach gewaltigem Ringen iſt am Nachmittag des 1. September die franzöſiſche Heeres— maſſe von den beiden deutſchen Armeen eingeſchloſſen. Napoleon lll. muß ſich mit ſeiner Armee ergeben. A In Paris wird am 4. September die Republik ausgerufen, womit die Hoffnung auf baldigen Frieden ſchwindet. Die Armeen der beiden Kronprinzen ſetzen daher den Marſch fort und erreichen am 15. Sep⸗ tember Paris, das nun von der Außenwelt abgeſchloſſen wird. Der neue franzöſiſche Kriegsminiſter Gambetta ordnet Maſſenaushebungen an und bildet im Süden Frankreichs neue Armeen, die für die deutſche Belagerungs⸗Armee vor Paris eine ſtändige Gefahr bedeuten. Am bedenklichſten iſt die Lage an der Loire, wo vorerſt eine kleine deutſche Streitmacht das Vordringen der franzöſiſchen Loire-Armee in den Schlachten bei Orleans und Coulmiers aufhält. Durch den Fall der Feſtungen Straßburg, Metz und Toul werden jedoch deutſche Truppen frei, die nun unter dem Oberbefehl des Prinzen Friedrich Karl gegen die Loire⸗-Armee vorgehen. In den erbitterten Winterſchlachten bei Loigno-Poupry, Orleans und Le Mans gelingt es endlich, die Loire⸗Armee vernichtend zu ſchlagen. Auch im Norden taucht eine neue franzöſiſche Armee auf, deren viermaligen Durchbruchsverſuch auf Paris General von Manteuffel vereitelt. Bei St. Quentin erleidet dieſes franzöſiſche Heer am 19. Januar 1821 eine entſcheidende Nieder⸗ lage. Damit ſind die letzten franzöſiſchen Truppen, die Paris entſetzen ſollen, aus dem Felde geſchlagen. Auf dem abgelegenen Kriegsſchauplatz um Belfort, das von General von Werder belagert wird, ent⸗ wickeln ſich im Januar Kämpfe, die zu dem Untergang einer weiteren franzöſiſchen Armee führen ſollen. General Bourbaki will Belfort befreien und dann in Süddeutſchland einbrechen. Werder hält in dreitägigem heldenmütigem Ringen bei Belfort gegen die Abermacht ſtand, bis die zu Hilfe geſandte Armee unter Manteuffel erſcheint. Jetzt ereilt Bourbaki ſein Schickſal; Manteuffel drängt ihn unter heftigen Kämpfen nach der Schweizer Grenze ab, wo die ganze Armee interniert wird. Die Kriegsentſcheidung aber fällt vor Paris. Am 27. Dezember wird die Beſchießung mit ſchwerem Belagerungsgeſchütz eröffnet. Nach mehrfachen Verſuchen, den Ring zu ſprengen, findet ein letzter, groß angelegter Ausfall der Beſatzung am 19. Januar ſtatt, deſſen Mißlingen alle Hoffnung auf weite⸗ ren Widerſtand ſinken läßt. Wenige Tage ſpäter beginnen die Waffenſtillſtandsverhandlungen, die am 28. Januar zum Abſchluß kommen und Frankreich einen erträglichen und ehrenvollen Frieden ſichern, der am 10. Mai 4874 in Frankfurt unterzeichnet wird. Die herrlichen Kriegstaten der deutſchen Armeen finden kurz zuvor in der Kaiſerproklamation zu Verſailles am 18. Januar 1821 ihre Krönung: Ein einiges Deutſches Reich iſt das weltgeſchichtliche bedeutſame Ergebnis des glorreich beendeten Krieges. Drumpe 10 Rπ 1871— 1914 5 hloſſes üllung: der üUpten die zard Wagnet Porteien des Reichstage Gleichzeitig wächſt die Bedeutung der al diten Kreiſen des Bürgertums nicht richtig erkannt wird. Die an Zahl gew duſtriear hafter ſeh einer regierungsfeindlichen Agitation. ſſenkampfes zerſpaltet d deutſch he Nation. Im Jahre 1878 erfolgen ſogar zwei Atten mehrwürdigen aiſer Wilhelm l., der ernſtlich verwundet wird. Die Antwort iſt das nge G onalift engeſetz; aber es vermag den Au ifſtieg der ſozialdemokre tiſchen Partei nicht auf halten. So zeigen ſich früh in dem ſcheinbar ſo feſt gef igten Bau des Reiches bedrohliche Riſſe. f˖ den Parteien fördert Bismarck jedoch in wichtigen Fragen den Ausbau der Flicho Mor 5r y orun zuſfande dag 8 10 Ort Vett** Sell 0 Inde)as die Arbeiterſchaft gegen die ſchlimmf Nöte der Krankheit, des Anfalls und des Alters ſchützt der auswärtigen Politik. Nach der Begründung Hes t Igt lur noch das ei Ziel, den Frieden zu ſich H. Mit bannter At hält er ſtets die Gefahren im Au die dem Reiche von dem Neid e1 der Feindſeli n drohen, während das deutſche Volk ſich in allzu ſorgloſer Selbſtſicherheit ornherein muß Deutſchland mit einem erbitterten Gegner rechnen, mit Frankreich, das den Elſaß⸗Lothringens nicht verſch zen will. Aber Bismarck ſchließt den Dreibund mit Oſterre Ungarn und Italien; er auch gute Beziehungen zu Rußland und England aufrechtzuerhalte Kraft ſeines überragenden europäiſchen Anſehens ſpielt er auf dem Berliner Kongreß von 1 als nach dem ruſſiſch⸗türkiſchen Krieg ſcharfe Spannungen unter den anderen Großmächten 8 2 8* treten, die Rolle d ehrlcher aklers“. Den N— jeutſchlands a hält er in ſeiner berühr Reichst jsrede t n 6. Februar 1888 die ſtolzen W̃ entgegen:„Wir Deutſche fürchten aber Wenige Wochen nach dieſer Rede ſtirbt der greiſe Wilhelm I. Ihm folgt nach einer Regierung von nur 99 Tagen der unglückliche Kaiſer Friedrich III., der ſchon todkrank den Thron beſteigt, ins Grab n Unter dem Zepter Kaiſer Wilhelms II. muß Bismarck am 18. März 1890 vom Kanzleramt zurücktreten. Noch a cht Jahre lang lebt er in Friedrichsruh bei Hamburg— der„Alte im Sachſen wald“. Für das Reick irz ein verhängnisvoller Schlag. Der wirtſchaftliche Aufſchwung Oeutſchlands freilich ſetzt ſch weiter fort, der Wohlſtand wächſt, und das Reich tritt kühnen Schrittes Weltpolitik hinaus chon Bismarck hatte 1884/85 die afrikaniſchen Kolonien Togo, Kamerun, Deutſch Südt ſtafrika und Deutſch⸗Oſtafrika, ferner einen Teil von Neuguinea gewonnen. Nun vird dieſes Kolonialreich erweitert und ausgebaut. Als Stützpunkt in Oſtaſien wird 1897 das Pacht⸗ gebiet Kia üſchou mit der Stadt Tſingt von China erworben; bald folgt die Erwerbung Samoas und anderer Südſeeinſein Als die Großmächte 1900 in China jen die fremdenfeindliche Be 1 chland den Oberbefehlshaber, Graf W alderſee und ein engliſcher Admiral den Befehl, der zum geflügelten Wort deutſche Hande erobert ſich überall in der Welt reiche ntwickelt ſich Deutſch⸗Oſtafrika zum wertvol llſten Beſitz. In Deutſch⸗ 1904 ein Aufſtand der eingeborenen Hereros und Hottentotten aus; es koſtet impfe, ſeiner Herr zu werden. Zum Schutz der Kolonien und des deutſchen ſtarke Schlachtflotte gebau Sch ofer Großadmiral Tirpitz her deutſchen Nordſeeküſt Hewinn der vorher engliſchen egen das oſtafrikaniſche Sanſibar eingetauſcht wurde. ⁰⁰2=222 tung in die Weltpolitik ſchafft dem Reiche neue Feindſchaften. ußenpolit tiſchen Gefahren nicht mehr zu bannen. Als Frankreich ˖ d 1 Intente“ mit E iglan d ſchließt, tritt dem Dreibund Oreiverband jegenüber, der politiſch bald das Aber erhält; enn Italien bereitet insgeheim hon ſeinen Ab m Dreibund vor, während Oſterreich Angarn dure. eine Nationalit ätenkämpfe mehr und mehr geſchwächt wird. So wird Deutſchland 9 kreiſt. In immer kürzeren Abſtänden wieder holen ſich internationale Kriſen, we 855 die Kriegs sgefahr Feratifbeſchwören⸗ ſo 1905/06 und 1911, als 2 7 S C — 2 10 k ſfet s Reich ſich dem Anſpruch Frankreichs auf die Herrſchaft über Marokko widerſetzt. Dieſe wachſende pannung ent ſich ſchließlich 1914 im 2 ellltieg, der trotz beiſpielloſer Heldentaten des deutſchen kes mit dem Zuſammenbruch des ismarckſchen Reiches endet. u. 2 KX* — BLB Karlsruhe h 45 79630 6 031 —