Die hygienische Ausgestaltung des modernen Freibades auf Grund von Erhebungen in den Freibädern des nördlichen Schwarzwaldes (Enz-Nagold-Kreis). Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde in der Zahnheilkunde vorgelegt der Hohen Medizinischen Fakultät der Albert-Ludwigs-Universität zu Freiburg i. Br. Von Fritz Trostel aus Neuenbürg(Wttbg.) approb. Zahnarzt ; 1936 ER FA D zon Rudolf Goldschagg Freiburg im Breisgau IE ı L Gedruckt mit Genehmigung der Medizinischen Fakultät der Universität Freiburg im Breisgau. Dekan: Prof. Dr. Wegner. Referent: Prof. Dr. Nißle. Meinen lieben Eltern! Die hygienische Ausgestaltung des modernen Freibades auf Grund von Erhebungen in den Freibädern des nördlichen Schwarzwaldes (Enz-Nagold-Kreis). „Gebadet wurde bekanntlich in der alten Zeit mehr und allgemeiner als jetzt.‘“ Mit diesen Worten beginnt eine im Jahre 1893 verfaßte Abhandlung über mittelalterliche Badestuben. Heute, wo neben neuzeitlicher Gesundheitspflege die vorwärtsstrebende Jugend fast ausnahmslos dem Wassersport huldigt, würde sich der Verfasser wohl etwas vorsichtiger ausdrücken, denn heute wird zweifellos mehr gebadet, als vor 40 Jahren. Aber der Vergleich mit der alten Zeit ist heute nicht weniger unrichtig. Die Berichte von Cäsar und Tacitus ergänzen einander und beide vertreten die Überzeugung, daß den Germanen die Reinheit des Körpers von großer Wichtigkeit gewesen sei. Während Cäsar erzählt, daß die germanische Jugend— Kinder, Burschen und Mädchen, ohne Trennung der Geschlechter— in den Flüssen und im Meere bade, so berichtet uns Tacitus von täglichen Bädern und Waschungen der Erwachsenen. Bei den Griechen spielte das Schwimmen eine große Rolle und galt auch als notwendiger Bestandteil der Körpererziehung; schon in frühesten Zeiten hatten sie Schwimmteiche angelegt, von denen uns vor allem die Flußbäder der Spartaner im Eurotas bekannt sind. Bei den Germanen stand das Bad im Freien, in Flüssen, Seen, am Meeresstrand an erster Stelle; anders wurde es im Mittelalter; da war das Bad im offenen Meer fast ganz verschwunden; nur bei der Jugend wurde es, wenn auch mit Einschränkungen, geduldet. Den Mittelpunkt des Badebetriebes bildete die Badestube, in der nicht nur zu Heilzwecken, sondern auch zur Reinigung des Körpers das Dampfbad, daneben das Schwitzbad und als drittes auch das Zuberbad vorhanden war. Der Rückgang der Flußbäder ist als eine unumgängliche Nebenerscheinung der ungeheuren Veränderungen auf allen Gebieten seit den Tagen Cäsars und Tacitus’ zu betrachten; sie sind die Folgen der politischen Umwälzungen und des Verlustes der Freiheit in Lebensweise, Recht, Glaube und Sitte der Deutschen. Ich will nur auf zwei Punkte hinweisen, die vielleicht in ihrer Wirkung auf das Badewesen im allgemeinen wenig beachtet worden sind: 1. Das Christentum brachte die Anschauung von der Sündhaftigkeit des Leibes, die jede öffentliche Schaustellung des menschlichen Körpers ablehnt. Diese Anschauung wurde den Gläubigen eingeimpft und mußte sich notwendigerweise auch gegen das öffentliche Bad auswirken. 2. Der Fischreichtum der fließenden und stehenden Gewässer war ehemals viel größer als heute und wirtschaftlich umso wichtiger, als von den Meerfischen nur der Hering und der Stockfisch ins Binnenland kamen. Ungehindertes Baden wäre für Fischfang und Fischzucht störend gewesen. In den Fischordnungen der württembergischen Herzöge findet sich im 16. Jahrhundert ein Satz, der das„Baden und Dauchen in den Gewässern‘“ streng verbietet. Die Wirkung dieser Gegensätze zwischen der christlichen Sittenlehre und dem Recht des Eigentums einerseits und dem freien Baden in Flüssen andererseits ist deutlich zu erkennen. Die Jugend jedoch ließ sich nie den Zugang zum Wasser gänzlich versperren. Bei den Erwachsenen aber entstand psychologisch folgerichtig aus der von Generationen tatsächlich geübten Enthaltsamkeit die Überzeugung von der Schädlichkeit solchen Badens. Ein weiterer Grund, der zum Verfall des deutschen Badewesens führte, war die einsetzende mißbräuchliche Benützung der Badehäuser und auch die Verschleppung ansteckender Krankheiten durch die Badeanstalten! Nachdem auch selbst einfaches Flußbaden vollends völlig vergessen war, waren wir auf dem niedersten Niveau trostlosester Badeverhältnisse angelangt,— und dies alles geschah, nachdem uns die Römer einst das Beispiel einer noch nie erreichten Badekultur gegeben hatten und nachdem zu anfang des Mittelalters auch das Badewesen in Deutschland fast bis zu dem letzten Dorf vorgedrungen war. Dies ist es, gegen das vor allem jene Männer zu kämpfen hatten, die im 18. Jahrhundert die Bäder wieder einzuführen bestrebt waren. Schrittmacher in dieser Bewegung waren der Arzt Johann Peter Frank, Turnvater Jahn und andere mehr; in Berlin wurde 1817 die erste preußische Militärschwimmanstalt errichtet; die„Deutsche Gesellschaft für Volksbäder‘“ wurde gegründet und wies mit ihrem Wahlspruch„Jedem Deutschen wöchentlich ein Bad‘ die breiten Volksmassen auf den gesundheitlichen Wert der Reinlichkeit hin und machte durch Errichtung von Badeanstalten das Volk auf den Nutzen des Badens aufmerksam. 1886 entstand der„Deutsche Schwimmverband““ mit seinem Leitspruch:„Jeder Deutsche, einerlei welchen Geschlechts, ein Schwimmer‘, 1887 der „Verein deutscher Badefachmänner‘‘, und später die„Deutsche Lebensrettungsgesellschaft‘““ unter dem Motto:„Jeder Schwimmer ein Retter!‘“. 6 Wir sehen, in den Menschen des 19. und 20. Jahrhunderts erhebt sich immer mehr, zum Teil aus eigenem Triebe heraus, zum Teil auf Verlangen der in ihren Erfahrungen stetig fortschreitenden Medizin und Hygiene, die Forderung nach reichlicheren Wasch- und Badegelegenheiten. Es werden überall für unsere Begriffe vielleicht noch ziemlich einfache Hallen- und Freibäder errichtet. Durch die großen Fortschritte der Technik und durch die Ausdehnung unserer medizinischen, mikrochemischen, bakteriologischen und allgemeinhygienischen Errungenschaften und Erfahrungen auf das Gebiet des Badewesens kommen wir nun einem in hygienischer Beziehung einwandfreien Badewesen immer näher. Den erstaunlichen Aufschwung des Freibadewesens in den Nachkriegsjahren sollen einige Zahlen, die aus einem Sonderheft„Gas- und Wasserfach 1929‘ entnommen sind, veranschaulichen: In deutschen Städten mit über 50 000 Einwohnern gab es im Jahre 1910 150 künstliche Freibadeanlagen, während wir im Jahre 1935 bereits 319 solche Anlagen zählten. Das amtliche Quellenwerk ‚„Sportstatistik‘ des preußischen Ministeriums für Volkswohlfahrt nach dem Stand vom 1. Januar 1928 weist für Preußen für das Jahr 1925. 1241 1926. 1429 1927 1504 1928 1736 Freiluftschwimmbäder nach. 1928 kam in Preußen auf etwa 20 000 Einwohner ein Freischwimmbad, während zur selben Zeit in Preußen auf 330 000 Einwohner 1 Hallenschwimmbad kam. In einem Heft„Das Bad‘ von 1934 wird berichtet, daß von den 13 Berliner Hallenbädern insgesamt etwa 4,5 Millionen Bäder abgegeben worden sind, so daß jeder Berliner im vergangenen Jahr durchschnittlich doch wenigstens 1 Schwimmbad genommen hat. Soll nun in der vorliegenden Arbeit über die hygienischen Anforderungen an Freibäder berichtet werden, so ist zunächst klarzulegen, was der Begriff„Hygiene‘‘ eigentlich für uns bedeutet. Was ist Sinn, Ziel und Zweck der Hygiene? Brausnitz gibt uns folgende Definition:„Die Hygiene sucht auf Grund einer genauen Kenntnis des menschlichen Organismus und der in seiner Umgebung sich abspielenden, ihn beeinflussenden Vorgänge, die Gesundheit des Menschen zu erhalten und zu fördern.‘‘ Um aber zu diesem Ziele zu gelangen, ist es nötig, einerseits die für das Gedeihen des Menschen am förderlichsten Bedingungen und alle der Gesundheit nachteiligen Momente festzustellen, andererseits Mittel und Wege anzugeben sowohl für die Ausschaltung der für die Gesundheit des Menschen auftretenden Gefahren, wie auch für die größtmöglichste Widerstandsfähigmachung des menschlichen Organismus. Oder wir sagen nun einfacher: Hygiene ist bewußte Körperpflege, Dienstbarmachung aller Faktoren‘ zur Gesunderhaltung und Stärkung des Körpers, Kampf gegen Schmutz und Unsauberkeit und andere Gesundheitsgefahren. Betrachtung über das Baden und Schwimmen als solches vom hygienischen und gesundheitlichen Standpunkt aus: Die früheren öffentlichen Freibadgelegenheiten waren reine Wasserbadanstalten mit Bassiın für Nichtschwimmer und den nötigen Auskleidemöglichkeiten. Großen Anklang in der Bevölkerung fand diese Art von Bädern allerdings nicht und sie wurden deswegen auch verhältnismäßig wenig benutzt. Man wollte nicht in einem engen, zwischen öden und unästhetischen Bretterwänden versteckten Planschbecken baden, sondern man suchte eine ungezwungene Badegelegenheit mit dem Genuß der freien Natur, wie sie am Strande der Seen und Flüsse gegeben ist. Heute sollen nicht nur die Fluß- und Seebewohner, nein, auch das Stadt- und Landvolk sollen gleichermaßen über diese wertvollen Einrichtungen verfügen, indem überall die sog. Strandbäder mit reichlichen Spiel- und Sportplätzen, mit Rasen, Sand und schattenspendenden Bäumen errichtet werden. Durch die Kombinierung des Wasserbades mit Luft-, Licht- und Sonnenbad haben wir in einem Strandbad vier wesentliche Faktoren zur Erhaltung und Förderung der Volksgesundheit geradezu ideal vereinigt. Heute ist es Allgemeingut aller Kreise, daß durch regelmäßiges Baden der Gesundheitszustand des Menschen gehoben wird. Durch die Reinhaltung und Abhärtung des Körpers und durch die planvolle Hautpflege werden nicht nur manche krankhaften Zustände günstig beeinflußt, sondern durch die noch viel wichtigeren prophylaktischen Wirkungen eines Bades werden Krankheiten und Seuchen verhütet. Das Bad schafft uns einen Ausgleich zwischen körperlicher und geistiger Tätigkeit, neben körperlicher Erholung finden wir geistige Entspannung. Während das indifferente Bad mit seiner der Körperwärme gleichkommenden Temperatur(ca. 35°C.) keinen intensiven Reiz ausübt, die Funktionen des Körpers aber erleichtert und eine gewisse Beruhigungswirkung(Nerven) besitzt und deswegen vor allem für ältere und schwächere Personen vorbehalten ist, so vermag das Freischwimmbad, das wärmeentziehende Bad mit einer Durchschnittstemperatur von 18° C. die Gesundheit, vor allem unserer heranwachsenden Jugend, in ganz vorzüglicher Weise zu beeinflussen. Das Schwimmbad trägt zur Abhärtung des Körpers bei; durch die plötzliche Kältewirkung des Bades werden in der Haut Reflexe ausgelöst, die eine Kontraktion der peripheren Blutgefäße bewirken, d. h. das Blut sammelt sich im Körperinnern an und die Haut wird dadurch blaß. Durch einen bald einsetzenden reaktiven Vorgang tritt wieder eine Gefäßdilatation ein, und das Blut strömt wiederum zu den peripheren Hautgefäßen zurück, was einer Rötung der Haut und einem angenehmen Wärmegefühl über den ganzen Körper entspricht. Eine mehrmalige Wiederholung dieses Vorganges ergibt eine hervorragende Durchblutung der Haut, die dadurch widerstandsfähig gemacht wird gegen die ihr immer drohenden Gefahren von außen. 8 Die Hauptwirkung des kalten Bades besteht in der Beeinflußung der Körperwärme. Durch Herabsetzung der Körpertemperatur im kalten Bad und das Wiederansteigen zur normalen Höhe wird der Stoffwechsel bedeutend beeinflußt, es bewirkt eine Beschleunigung der Verbrennungsvorgänge ım Körper, vermehrte Kohlensäureausscheidung und vermehrte Sauerstoffaufnahme. Auch die Zusammensetzung des Blutes wird durch das wärmeentziehende Bad verändert. Nach Untersuchungen von Hagenbach, Röhrig usw. zeigen die Erythrocyten eine Mengenzunahme bis zu 30 Prozent, welcher nach einiger Zeit ein rasches Absinken folgt; dabei nehmen der Blutfarbstoffgehalt und das spezifische Gewicht des Blutes zu; ebenso vermehren sich die weißen Blutkörperchen sogar bis um 80 Prozent. Zu diesen den menschlichen Organismus günstig beeinflußenden Faktoren kommt noch die durch das Schwimmbad bewirkte harmonische Durchbildung aller Glieder und Muskeln. Die gymnastischen Übungen beim Schwimmen, Springen, Tauchen usw. stellen an Entschlossenheit, Mut, Willenskraft und Elastizität der Muskulatur besonders hohe Anforderungen. Die damit verbundene Mehrproduktion von Wärme wird im Gegensatz zu allen andern Leibesübungen stets sofort ausgeglichen. Die Wirbelsäule wird bei der flachen Schwimmlage vollkommen entlastet; das zur Freihaltung der Atmungsorgane notwendige Heben des Kopfes beim Brustschwimmen kräftigt die langen Rückenmuskeln. Wie bei keiner anderen Übung werden gerade diejenigen Hals-, Brust-, Rücken- und Bauchmuskeln besonders gekräftigt, die zur Erweiterung des Brustkorbes nötig sind. Die vermehrte Herztätigkeit, durch welche eine verstärkte Durchblutung der Muskeln und inneren Organe einsetzt, und der auf dem Körper lagernde Wasserdruck fordert wiederum eine starke Lungentätigkeit und veranlaßt die Lungen zu tiefer Atmung, wodurch eine ausgezeichnete Durchlüftung derselben gewährleistet ist(wichtiger Faktor zur Verhütung der Tuberkulose). Durch das intensive Atmen der über dem Wasser lagernden staubfreien Luft werden selbst die sonst wenig oder gar nicht durchlüfteten Abschnitte, die Lungenspitzen, die beim gewöhnlichen flachen Atmen weniger in Tätigkeit treten und infolgedessen Lieblingsstellen für Erkrankungen sind, zur vollen Entfaltung herangezogen. Außerdem werden die auf dem Körper lagernden abgestoßenen Hautpartikelchen durch das Wasser abgespült, und die für den Organismus so wichtige Hautatmung wird dadurch sehr erleichtert. Das Schwimmen ist daher eines der allerbesten Heil- und Kräftigungsmittel. So ist es bekannt, daß nervöse Kinder, die schwer einschlafen, die sich wälzen, träumen, im Schlafe sprechen und infolgedessen wenig erquickt am Morgen aufstehen, nach dem Schwimmen jene„Bettschwere‘“ finden, die ihre Nerven brauchen, damit sie nach Stunden tiefen und ruhigen Schlafens wirklich erfrischt den neuen Tag begrüßen können. Ergänzend zu den gesundheitlichen Faktoren des Wasserbades folgen diejenigen des Luft- und Sonnenbades. Die Haut ist dasjenige Organ, das durch die Zivilisation des Menschen(Klima) am meisten verwöhnt und verweichlicht wird, indem wir ihr durch unsere wechselnde Kleidung 9 in großem Maße die Aufgabe der Temperaturregulierung abnehmen. Das Luftbaden verschafft nun wieder der Haut ihre natürlichen Reize, und unwillkürlich wird der Mensch, verleitet durch größeren Wärmeverlust und durch die Befreiung des Körpers von lastenden und beengenden Kleidungsstücken, zur wärmeproduzierenden Gymnastik angetrieben. Zur Luftwirkung gesellt sich noch die unverkannt günstige Wirkung der ultravioletten Strahlung der Sonne. Wie die Erfahrungen lehren, muß die Strahlungseinwirkung dosiert werden. Besonders im Frühsommer treten auf nicht angepaßter Haut Verbrennungserscheinungen auf. Vor allem bei der Bestrahlung des Kopfes ist große Vorsicht geboten, da die Wärmestrahlen infolge ihrer Tiefenwirkung bis auf das Gehirn eindringen und hier zu meningitisähnlichen Symptomen, Bewußtseinsverlust und Tod durch Sonnenstich führen können. Daher ist Vorsicht und Maßhalten bei Sonnenbädern dringend geboten. So bildet also das Badewesen eine Grundlage für die Gesundung und Kräftigung eines Volkes, und gerade darum soll unser Streben auch darnach gehen, möglichst viele, hygienisch einwandfreie Strand- und Freibäder zu errichten. Wie soll nun das ideale, neuzeitliche Freibad aussehen, und welches sind die allerersten und unbedingten Anforderungen, die die moderne Hygiene an eine derartige soziale Einrichtung unter allen Umständen stellt? Um hier nun gleich den allerwichtigsten Punkt vorweg zu nehmen, so ist zunächst allgemein darüber zu klagen, daß beim Neubau jedweder Einrichtungen sozialer Art die Bauverwaltung bisher fast immer nur den Architekten, viel weniger aber den Hygieniker noch zu Rate gezogen hat. Daß’ aber in solchen Fällen für den Architekten die Versuchung vielleicht allzu groß ist, z. B. ein für das Auge schön und reizvoll wirkendes, in hygienischer Hinsicht jedoch keineswegs zufriedenstellendes Freibad zu errichten, das wird leider auch heute noch vielfach verkannt! Mit einem derartigen Freibad wäre vielleicht unserem immer nach neuen Reizen suchenden Auge, nicht aber der viel wertvolleren Volksgesundheit gedient. Es wird dem Erbauer einer Freibadeanstalt unmöglich sein, seine Aufgabe zufriedenstellend zu lösen, wenn er sich nicht eingehendst mit den Forderungen der Hygiene und des Sports beschäftigt, d. h. mit den Forderungen, die diese beiden Faktoren an eine Freibadeanlage stellen, und wenn er nicht durchdrungen ist von der Erkenntnis, daß er durch seine Arbeit berufen ist, mitzuwirken an dem großen, allgemeinen Ziel, eine Generation heranzubilden, deren körperliche und gesundheitliche Erziehung sie befähigt, das Deutsche Volk wieder herauszuführen aus den Niederungen, in die es der Weltkrieg und die dadurch hervorgerufene innere Zerrissenheit hineingeführt hat. Unsere neuere Zeit hat, leider auch beim Neubau sozialer Einrichtungen, den Folgen des Krieges und der Inflation Rechnung zu tragen. Man ist sich klar geworden, daß— bei der Notwendigkeit einer schnelleren Entwicklung nur neue Wege, wie die Abkehr vom Luxus vergangener Zeiten und die Beschränkung auf das unbedingt Notwendige, die Durchführung des Programms und damit die Errichtung genügend zahlreicher Badeanstalten erst ermöglichen. 10 Andererseits soll das neue Bad für Alt und Jung eine Stätte lebensbejahender Freude und Erholung sein! War das Bad von gestern lediglich Wasser, so ist das Bad von heute bereits Wasser, Luft und Sonne, Gymnastik und Sport. Das Bad ist zu einer Art Sanatorium geworden für die Regeneration der körperlichen und geistigen Kräfte. Damit hat das Freibad den untrüglichen Charakter einer wichtigen sozialen Einrichtung erhalten, und wir sind verpflichtet, es auch als ein solches zu behandeln, d. h. wir müssen in einem Freibad in erster Linie soziale, gesundheitliche und hygienische und dürfen nie wirtschaftspolitische Interessen verfolgen, wie dies bislang wohl des öfteren der Fall gewesen sein dürfte. Noch nie war eine Wohlfahrtseinrichtung einer Gemeinde ein gewinnabwerfendes Unternehmen gewesen, im Gegenteil, es wird in der Hauptsache wohl immer ein Zuschußbetrieb sein und bleiben. Die folgenden Ausführungen sollen nun die heutigen hygienischen Forderungen skizzieren, die besonders an die Anlage und die Einrichtung von Freiluft-Schwimmbädern zu stellen sind. Hier ist gleich zu erwähnen, daß gerade den Flußbadeanstalten von allen Strandbadanlagen nicht selten gewisse Schwierigkeiten anhaften. Entweder ist die Strömung groß, der Wasserstand zu unregelmäßig, die Temperatur zu niedrig oder das Wasser ist nicht einwandfrei, sei es durch die Beimischung von gesundheitsschädlichen Abwassern, oder durch Trübungen von Sand, Schlamm usw. nach stärkeren Niederschlägen. Das Stauen von Bächen und Flüssen für die Errichtung von Bädern ist nicht empfehlenswert, weil dabei auch aller Unrat gesammelt wird. Wenn keine kostspieligere Lösung in Frage kommen kann, sollte bei kleineren Bächen ein Umlaufkanal gebaut werden, damit schmutziges Wasser nicht in das Badebecken gelangen kann. Bei Errichtung eines Freibades ist zunächst von ausschlaggebender Wichtigkeit die Lage des Platzes. Soll z. B. nur der natürliche Lauf eines Flusses zu einem Freibad ausgebaut oder soll ein nahegelegenes Bassin direkt vom Flußwasser gespeist werden, so ist erstes Erfordernis, daß die ganze Anlage oberhalb der Stadt errichtet wird, d. h. oberhalb der Wohnhäuser und Fabriken, von denen eventl. Verunreinigungen, sei es durch industrielle Abwasser oder durch Fäkalien und Abwässer von Haushaltungen in den Flußlauf gelangen können. Außerdem ist der Flußlauf einige Kilometer(etwa 5 km) oberhalb des zu errichtenden Bades genauestens auf Verunreinigungsquellen jeglicher Art zu untersuchen... Von großem Vorteil und oft ausschlaggebend ist die Schnelligkeit der Selbstreinigung des Wassers, die durch starkes Gefälle des Flusses usw. bedingt sein kann. Geben die chemischen und bakteriologischen Untersuchungen kein einwandfreies Ergebnis des Wassers und sind die dafür in Frage kommenden Schmutz- und Infektionsquellen nicht bis zu einem gewissen Grade zu beseitigen, so muß vom hygienischen Standpunkt aus von vornherein die Errichtung eines Volksbades an diesem Platze schon sehr in Frage gestellt werden. Es besteht ja wohl noch die Möglichkeit, dieses nicht einwandfreie Wasser einer Desinfektion zu unterwerfen; darauf soll aber an anderer Stelle eingegangen werden. Die Art und Form des Strandbades hat uns etwas völlig Neues gebracht, es verlangt außer dem Bassin noch reichlich große Rasen- und 11 Sandplätze zum bequemen Aufenthalt an der frischen Luft und Sonne, zur Ausübung‘ des Sportes und der Gymnastik. Sind nun also in ausreichender Menge einwandfreies Wasser und große Wiesenplätze vorhanden, dann erst kann die Errichtung eines Badeplatzes ernstlich erwogen werden. Die Auskleideräume. Vorteilhaft wird es wohl sein, direkt am Eingang des Bades langgestreckte Flachbauten als Umkleidehallen zu erstellen. Selbstverständlich ist bei der Größe und Zahl dieser Räumlichkeiten weitgehendst den örtlichen Verhältnissen und der Badefreudigkeit der Bevölkerung Rechnung zu tragen. Durchschnittlich rechnet man, daß auf jeden Quadratmeter Wasserfläche des Schwimmbeckens 1—2 Umkleidegelegenheiten kommen. In der Regel wird man heute wohl überall neben einer Anzahl Einzelkabinen und einigen für Schüler und Vereine bestimmten Gemeinschaftsumkleideräumen mit dem sog. Wechselkabinensystem auskommen, d. h. jeder Badegast hat die Möglichkeit, sich in einer Einzelzelle umzukleiden und seine abgelegten Kleider vom Bedienungspersonal in einer abgetrennten Garderobehalle verwahren zu lassen. Da, wie bei kaum einer anderen Sportart, die weibliche Jugend zahlenmäßig der männlichen nahezu die Waage hält, und die heutigen Strandbäder deswegen fast durchweg als Familienbäder eingerichtet werden, ist es eigentlich eine Selbstverständlichkeit, daß sowohl die Umkleide- wie auch Vorreinigungsräume und Abortanlagen nach Geschlechtern getrennt erbaut werden. Die Kabinen sollen bei einem Mindestmaß von 1,21 m wettergesichert, aber immer gut durchlüftbar und austrocknend gehalten werden. Es muß darauf hingewiesen werden, daß alle Wände splitterfrei sind und einen abwaschbaren Anstrich erhalten, d. h. daß sie vollkommen glatt sind, und daß alle Gliederungen an den Wänden, die als Staubablagerungen dienen könnten, unzulässig sind. Um nun die Badegäste daran zu hindern, ohne jegliche vorherige Reinigung ihres Körpers das Schwimmbassin zu betreten, ist vor allem für praktische Lage der Vorreinigungsräume zu sorgen. Hier muß jeder Badegast gezwungen werden, unter einer Dusche seinen Körper einer mechanischen Reinigung zu unterziehen und vor allem die Analgegend, Geschlechtsteile und die Füße zu waschen. Dadurch wird erreicht, daß erstens der Badende sich selbst weniger gefährdet, indem er sich der Gefahr einer überstürzten Abkühlung, die bei verschwitztem Körper und praller Sonnenhitze für den Organismus außerordentlich schädlich werden kann, entzieht, und zweitens wird verhindert, daß durch den Badenden das Badewasser verschmutzt und evtl. sogar mit pathogenen Infektionskeimen verseucht werden kann. Darum sollen die Vorreinigungsräume mit genügender Anzahl Fußwaschbecken und Brausen ausgestattet sein und sollen in möglichster Nähe des Badebeckens und der Umkleideräume liegen. Zweckmäßig wird über dem Vorreinigungsraum ein sogenanntes Vorwärmebecken angeordnet, von 12 dem aus man das von der Sonne vorgewärmte Wasser den Brausen usw. zuleitet. Am vorteilhaftesten und vom hygienischen Standpunkt aus auch unbedingt erforderlich ist es, daß wenigstens bei Neuanlagen die Vorreinigungsräume direkt anstoßend an die Umkleideräume sich befinden, und zwar so, daß jeder Badende nur auf dem Wege durch die Vorreinigungsräume, in denen er sich waschen und abbrausen wird(evtl. unter Aufsicht eines Bademeisters), das wirkliche Schwimmbassin erreichen kann. Eine wesentliche Unterstützung für reichliche Benützung der Vorreinigungsanlagen würden Hinweise in Vereinsvorträgen, Propaganda in Zeitungen, oder Hinweise auf großen Tafeln am Badeplatze bilden. Aber auch diese Einrichtung hätte z. T. ihren hohen Wert verfehlt, wenn nun der Badegast mit seinen auf dem Wege von den Brausen zum Becken mit Erde und Sand beschmutzten Füßen das Schwimbassin betreten würde. Auch dem ist leicht abzuhelfen durch die Anordnung einer rings um das Becken führenden Fußwaschrinne, die allerdings so breit sein muß(mindestens 1,40—1,80 m, und 30—40 cm tief), daß sie auch den geübten Sportler am Überspringen zu hindern vermag. Dadurch muß jeder Benutzer des Schwimmbeckens, ehe er dieses erreicht, noch zwangsläufig ein Fußbad nehmen. Empfehlenswert ist es, in dieser Fußwaschrinne auch noch einige Brausen zu errichten. Leider gibt es heute noch schön eingerichtete Badeanstalten, die wohl diese Vorreinigungsräume mit Brausen usw. besitzen, deren wirklicher Sinn aber vollkommen verfehlt ist und sie deswegen illusorisch macht, da ihre Abwässer entweder auf direktem oder indirektem Wege wenigstens zum Teil doch wieder in das Schwimmbecken führen. Oft sind die Plätze der. Brausen so ungeschickt gelegt, oder es ist überhaupt keine eigene Abwasserrinne vorhanden, so daß das schmutzige Wasser direkt über den Rand des Beckens ins Schwimmbassin gelangt. Ein andermal steht die Brause wohl an einem geeigneten Platz und ist auch eine Abwasserrinne vorhanden, nur entspricht diese absolut nicht den hygienischen Anforderungen, weil sie nicht in ihrem ganzen Ablauf wasserdicht auszementiert ist und das Wasser in den Boden eindringt und‘ als Sickerwasser ebenfalls wieder in das Schwimmbecken gelangen kann. Für einen einwandfreien Ablauf sowohl der Abwässer aus den Fußwaschrinnen, den Brausen, wie auch den Vorreinigungsanlagen ist daher durch Kanalisation, am besten in Verbindung mit dem Beckenabwasser, Sorge zu tragen. Außer den Brausen und Fußbädern ist noch dem Trinkwasser, den Aborten, Spucknäpfen, Papierkörben usw. ganz besonderes Augenmerk zu schenken. Diese gehören nicht in. die entlegensten Winkel einer Anlage, sondern sollen bequem auf kürzestem Wege von allen Teilen des Freibads aus erreichbar sein. Es sollte selbstverständlich sein, daß ein einwandfreies Trinkwasser zur Verfügung steht, und die Aborte hygienisch gebaut, gehalten und abgeleitet werden. Nicht nur in den Privatwohnungen und Hotels verlangt man Aborte und Pissoire mit: Wasserspülung, guter Durchlüftung, weißem, nicht bedrucktem Closettpapier, Waschgelegenheit mit Seife und Handtuch, sondern mit der gleichen BerechtiB gung auch in den Freibadeanstalten. Diese Forderungen sind heute nicht mehr als Luxus, sondern als ein guter Teil Volkshygiene zu betrachten! Wegen der unvermeidlichen Unfallgefahr auf den mit Geräten versehenen Turn- und Tummelplätzen und selbstverständlich erst recht wegen der bei einem Badebetrieb stets vorkommenden unglücklichen Zwischenfällen muß unbedingt ein Sanitätsraum zur Anlegung von Notverbänden, zur Wiederbelebung usw. mit den nötigen Apparaten vorgesehen werden. Empfehlenswert bei größeren Freibädern ist noch die Einrichtung einer alkoholfreien(!) Erfrischungshalle und das Aufstellen eines Lautsprechers, durch den bei evtl. eintretenden Zwischenfällen die einzelnen Badegäste aufmerksam gemacht und gerufen werden können. Die Ausdehnung des Sportluftbades hängt nun ganz von den örtlichen Verhältnissen ab. Sonnendurchstrahlte Rasen- und Kiesflächen als Tummel- und Sportplätze mit den üblichen Turneinrichtungen dürften im allgemeinen genügen. Aber wo so viel Sonne ist, wie sie eine gute Sport- und Spielplatzanlage, wie sie ein Sportpark verlangt, da muß auch für ausreichenden Schatten gesorgt werden. Denn erst aus dem Gegensatz von Sonne und Schatten, von Wärme und Kühle, kommt doch eine Erfrischung im wahrsten Sinn der Hygiene. Es müssen also schattenspendende Bäume und Sträucher angepflanzt werden, oder dies in der Anfangszeit durch überdachte Liegehallen ersetzt werden. Hygiene und Gesundheitspflege auf Spiel- und Sportplätzen erfordert auch‘ Rasenpflege und Wegunterhaltung. Zweckmäßig ist noch die Erstellung eines erhöhten Platzes(Wärterhäuschen), von dem aus der Bademeister sowohl die Vorreinigungsanlagen wie auch das Bassin und die Sportanlagen jederzeit bequem übersehen kann. Das Schwimmbassin, das Herz des Bades, soll inmitten der weiten Rasen- und Sandflächen im sonnigsten Teil der ganzen Anlage seinen Platz finden. Während noch vor dem Kriege die sporttechnischen Gesichtspunkte besonders bei der Anlage von Schwimmbädern nur wenig Berücksichtigung gefunden haben, sind sie heute gleichermaßen den hygienischen Forderungen unter dem Einfluß der wachsenden Bedeutung des Schwimmsportes für unser Volk in den Vordergrund des Interesses gerückt. Wir verlangen heute, daß bei der Anlage eines jeden Schwimmbades die Abmessungen und technischen Einrichtungen solche sein müssen, daß das Bad auch für sportmäßiges Schwimmen benützt werden kann. Zu diesem Zwecke sind für die Größe der Schwimmbecken vom deutschen Reichsausschuß für Leibesübungen bindende Normalmaße festgelegt worden, und zwar: 25X12,5_m 33% X15 oder 18 m 50X18 oder 20 m Im Bassinfür Schwimmer muß die Höhe des Wasserstandes an der flachsten Stelle 1,60 m, der tiefsten Stelle 2,10 m betragen, am Sprungturm dagegen entsprechend der Höhe der Sprungbretter tief sein, 14 d. h. für das 1-m-Brett ist eine Mindesttiefe von 2,50 m, für das 3-mBrett 3,50 m und für das 10-m-Brett 4,20 m vorgeschrieben. Soll die Nichtschwimmer-Abteilung als Fortsetzung der Schwimmerabteilung in dasselbe Bassin gelegt werden, so ist die Grenze der beiden wenigstens durch ein über die Wasserobertläche gezogenes Drahtseil kenntlich zu machen. Die Größe dieses Bassins soll nicht unter 7X10 m gehalten werden und eine Tiefe von 30 cm bis 1,50 m haben. Wo es sich irgendwie machen läßt, wird man selbstverständlich sowohl für die Schwimmer wie für die Nichtschwimmer je ein gänzlich von einander getrenntes Bassın errichten. Die Herstellung der Becken erfolgt zweckmäßig in Eisenbeton, wobei besonderer Wert auf einwandfreie Dichthaltung zu legen ist. Der Boden und die senkrechten Seitenwände sind, um eine gründliche Reinigung zu gewährleisten, mit glaciertem blau-grün gefärbtem Plattenbelag auszukleiden. Ratsam ist es, 0,70—1,20 m unter der Wasseroberfläche einen 15—25 cm breiten Sockel einzugießen, der zum Ausruhen und Aussteigen aus dem Bassin dient. Um allzustarken Wellengang im Bassin zu vermeiden, und zum Zwecke des Abflusses der auf der Wasseroberfläche schwimmenden Schmutzteilchen(Fettschicht) werden, anstatt der früher gebräuchlichen, auch als Spucklöcher dienenden Abflußöffnungen in Höhe des Normalwasserstandes rings um das Becken, oder mindestens auf zwei Seiten angeordnete, besonders konstruierte Überlaufrinnen eingebaut, die zugleich die Haltestangen ersetzen und auch als Ausspuckbehälter dienen sollen. Um auch den Ansprüchen der Streckentaucher gerecht zu werden, sollen auf dem Boden des Bassins Schwimmlinien in Form von etwa 10 cm breiten, schwarzgemalten Streifen oder Reihen dunkelfarbener Plättchen durchgezogen werden. Für den Einstieg ins Nichtschwimmerbassin sind genügend breite Treppen, fürs Schwimmerbassin 1—2 unter die Wasseroberfläche gehende Leitern zu beiden Längsseiten des Beckens anzubringen. Sowohl Treppen wie Leitern sind nicht in den Beckenraum zu legen, sondern sind in die Wände einzulassen, um ein Anstoßen daran zu verhindern. Am oberen Ende des Schwimmbeckens(bei 50-m-Bahnen beidseitig) sind in 50 cm Höhe über der Wasseroberfläche Startblöcke oder eine Startbrücke herzurichten. An der Stelle des tiefsten Wasserstandes sollen mit Matten belegte 1-, 2-, bzw. 3-m-Sprungbretter aufgebaut werden. Über die Zweckdienlichkeit der Kinderrutschbahnen in Nichtschwimmerbecken bestehen wegen der sehr häufigen Unglücksfälle Zweifel. Zur baulichen Einrichtung des Badebeckens ist noch als sehr empfehlenswert die Plattierung der Umgänge in der Breite bis zur Fußwaschrinne zu erwähnen. Und um dies noch mehr zu verbessern, können noch Fußmatten gelegt werden, um das Ausrutschen zu verhindern. Als Rettungsgeräte dürften eine 8 m lange Bambusstange mit 50 cm breiter Schlaufe und Rettungsring mit Leinen genügen(evtl. Boot). Bei größeren Anlagen ist auch das Planschbecken, das Bad der Kleinsten, zu berücksichtigen. Diese gewöhnen sich darin an das Wasser, machen sich mit ihm vertraut und lernen meist selbst darin 15 schwimmen. Als Beckenform wird wohl das Rondell in Frage kommen, das vom Rande gegen die Mitte bis auf höchstens 50 cm Wassertiefe fällt. Der Boden soll ebenfalls mit Platten ausgelegt sein. Der Einlauf des Wassers erfolgt an ca. vier Stellen, der Ablauf in der Mitte. Da die Kinder scheinbar mit Vorliebe in das Becken urinieren, ist im Kinderplanschbecken ausnahmslos ständiger, und zwar starker Zufluß von Frischwasser erforderlich. Es muß ja beachtet werden, daß gerade bei kühlen Bädern eine vermehrte Urinabsonderung auftritt und daß sogar bei vielen Menschen jede Wasseranwendung einen auf reflektorischem Wege zustande kommenden Harndrang hervornuft. Das Wesentlichste in jedem Schwimmbad ist die hygienische Beschaffenheit desBadewassers. An dies werden aus volksgesundheitlichen Gründen ziemlich hohe hygienische Anforderungen gestellt. Manche unserer Hygieniker vertreten. sogar den Standpunkt, daß das Badewasser ungefähr die hygienischen Eigenschaften des Trinkwassers besitzen soll. Ich selbst glaube aber, daß diese Forderung viel zu hoch gegriffen ist und nur in den allerseltensten Fällen durchführbar sein wird. Wenn wir daran festhalten wollten, müßten wir ja durchweg sämtliche Bäder schließen, und wir würden dadurch dem Fortschreiten der Badebewegung vollständig den Weg abschneiden. Freilich müssen gewisse hygienische Vorschriiten in jedem Bad durchgeführt sein, andernfalls gesundheitsschädliche Einwirkungen auf den Körper zu gewärtigen sind. So sollen z. B. die Typhuserkrankungen im Jahre 1905 in Köln, Marienwerder, Köslin, Gumbinnen, 1911 in Magdeburg, 1913 in Stettin und weitere Typhuserkrankungen in den letzten Jahren mit größter Wahrscheinlichkeit auf die Benutzung nicht einwandfreier Fluß-Badeanstalten zurückzuführen sein. Außer Typhus können noch durch verschlucktes Badewasser der Paratyphus, die Cholera, Ruhr und Weilsche Krankheit übertragen werden. Ferner ist durch das Badewasser eine Infektion kleiner Mädchen durch den Erreger der Gonorrhoe möglich, eine blennorrhoische Infektion soll jedoch bisher noch nicht beobachtet worden sein. Weitere Badekrankheiten sind noch die Schwimmbad-Conjunectivitis, die jedoch seit Einführung der Chlorierung des Wassers nicht mehr aufgetreten sein soll, dann die Mittelohreninfektion und die sog. Schwimmbadkrätze, die anscheinend durch Trichophyten verbreitet wird. Durch die zunehmende Industriealisierung der Flußläufe und die dadurch hervorgerufene Verunreinigung durch die gewerblichen Abwasser werden bei vielen Badenden Augen- und Hautentzündungen hervorgerufen. Im Interesse der Erhaltung und Förderung der Volksgesundheit muß also das Badewasser, sei es in Fluß- oder Bassinbädern, einer genauen chemisch-bakteriologisch-biologischen Untersuchung und ständiger Kontrolle unterworfen werden, und wir dürfen bei nicht zufriedenstellenden Ergebnissen sogar vor einer Schließung eines Bades nicht zurückschrecken. Welcher Art sind nun die Verschmutzungen des Badewassers? Da finden wir zunächst die auf dem Wasser schwimmenden Schmutzstoffe wie Blätter, Staub, Blütenstaub, Insekten, fettige Verunreinigungen wie Hautöle u. dergl., dann Schmutzstoffe, die im Wasser schweben und dasselbe trüben, wie Hautschuppen, Algen und feinster 16 mineralischer Staub, und solche, die im Wasser versinken, wie Sand, Haare, Mücken(Larven) und Wollfasern von der Badebekleidung; in sehr starkem Maße finden wir die im Wasser gelösten organischen Schmutzstoffe wie Schweiß, Speichel, Harn und Humusstoffe und die das Wasser belebenden kleinen Mikroorganismen, die Fäulniserreger, Colibakterien; außerdem werden die Beckenwände, die Einsteigleitern, überhaupt alle sich im Wasser befindlichen Gegenstände von den unangenehmen Algen besiedelt, die durch ihre Glätte den Badebetrieb gefährden können. Als Indikator für die Benutzbarkeit eines bestimmten Wassers zu Badezwecken wird sein Gehalt an Colibakterien, der sog.„C oliter” angesehen. Der Coliter gibt diejenige kleinste Wassermenge in Teilen eines Kubikzentimeters an, in der Bakterium coli soeben noch nachweisbar ist, während es in höherer Verdünnung nicht mehr gefunden wird; je kleiner der den Coliter darstellenden Dezimalbruch ist, desto stärker ist die Verunreinigung der betreffenden Wasserprobe mit Darmbakterien. Ein Nachweis vom Bakterium coli commune erst in 1 ccm Wasser läßt es zu Badezwecken unbedenklich erscheinen; ein Wasser jedoch mit einem Coliter von 0,01, d. h. ein Wasser mit ständigem Befund von Colibakterien in 0,01 oder gar in 0,001 ccm macht es sehr bedenklich wegen der hiernach anzunehmenden fäkalen Verunreinigung. Hierzu sei aber nun noch folgendes gesagt: Mit der Feststellung des Coliters allein können wir aber unmöglich. eine allgemeine hygienische Beurteilung des Wassers abgeben. Vielmehr erhalten wir damit nur den Verschmutzungsgrad des Zufluß- oder Bassinwassers, der durch Verunreinigung mit Fäkalien(Urin, Kot) auf seinem Zuflußweg, bzw. im Bassın von den Badenden selbst(!) hervorgerufen wurde, nicht aber den Infektionsgrad des Wassers, der z. B. durch in den Fluß eingeleitete chemische Abwasesr, durch Tierkadaver oder durch Benützung des Bassınwassers durch infizierte Badegäste und Keimträger bedingt ist, bei denen die Infektionskeime entweder durch die Haut oder mit dem Sputum in das Wasser gelangen. Wir dürfen uns also keineswegs immer, zumindest bei Flußbädern und bei Verwendung von Flußwasser zur Füllung des Bassins, mit der Feststellung des Coliters eines Badewassers zufrieden geben, sondern müssen unbedingt noch weitere genauere chemisch-bakteriologische Untersuchungen anstellen, z. B. bei Verunreinigung des Flußwassers durch die scharfen Abwässer von Papier- und Lederfabriken usw. Wird das Wasser zur Füllung der Becken aus tiefen Brunnen oder von Quellen, die allerdings direkt beim Bad gefaßt werden müssen, oder aus Trinkwasserleitungen genommen, so sind naturgemäß Bedenken für seine Verwendung zu Badezwecken meist nicht zu erheben. In solchen Fällen wie auch des öfteren bei Verwendung von Bachwasser, ist es aber außerordentlich wichtig, daß dieses Wasser mit Temperaturen von 4—12 Grad Celsius in sog. Vorwärmebecken eine für das Baden geeignete Temperatur erhält. Am geeignetsten dazu sind lange, flache Becken, die evtl. mit dem gut wärmeleitenden, reflektierenden blanken Aluminiumblech ausgeschalt, und die den ganzen Tag über unter freiem Himmel der prallen Sonne ausgesetzt sind. 2 17 Durch den Badebetrieb wird selbstverständlich das Wasser in den Bassins je nach der Frequenz und je nach der Art der Anlage(Vorreinigungsanlage und Umlaufrinne) rascher oder weniger rasch verunreinigt und sozusagen„verbraucht‘“. Außerdem tritt je nach der Zusammensetzung des Wassers früher oder später, oft schon nach 3—4 Tagen, mehr oder weniger starke Algenbildung auf. Hieraus ergibt sich nun schon das Ideal des Bades: Großes Bassin mit dauerndem Abfluß und ständigem Zufluß von einwandfreiem Frischwasser, evtl. aus Vorwärmebecken in einer Menge, daß der ganze Bassininhalt im Laufe eines halben oder ganzen Tages vollständig erneuert wird. Dies wird aber aus wirtschaftlichen Gründen in den seltensten Fällen möglich sein. Daher erhebt sich nun die Frage, innerhalb welcher Frist ist eine Gesamterneuerung des Bassinwassers notwendig? Es ist klar, daß hier keine allgemeine Norm aufgestellt werden kann, sondern dies wiederum ganz von den örtlichen Verhältnissen abhängig gemacht werden muß. Entscheidend ist die Art des Wassers, ferner das Verhältnis der Besucherzahl zum Bassininhalt und die hygienische Einrichtung der ganzen Badeanlage. Zu diesem Zwecke wäre es höchst wünschenswert, daß der Bau und die Verwaltung der Bäder überall unter strenger Aufsicht der staatlichen Gesundheitsämter stehen würden. Wenn keine Vorkehrungen getroffen sind, das verbrauchte Badewasser wieder verwendungsfähig zu machen, so gilt auch noch heute der am 11. Juli 1910 vom preußischen Kultusminister herausgegebene Erlaß, in welchem möglichst tägliche, als Mindestforderung jedoch eine wöchentlich zweimalige Erneuerung des Badewassers verlangt wird. Wenn an dieser Forderung heute noch festgehalten wird, so geschieht dies nur, weil bislang auch bei einer 3—4tägigen Benützung des Bassinwassers noch keine gesundheitlichen Schäden nachgewiesen worden sind, wenigstens sofern bestimmte Grundsätze wie Oberflächenüberspülung, angemessener Zusatz von Reinwasser und bei jedem Wasserwechsel gründliche Ausscheuerung des Schwimmbeckens genau durchgeführt worden sind. Vielerorts ist es aber nicht möglich, innerhalb solch angemessener Frist das Badewasser vollständig Zu erneuern, sei es aus Gründen des hohen Wasserpreises oder wegen der wirtschaftlich kaum tragbaren Kosten einer evtl. notwendigen Erwärmung des viel zu kalten Frischwassers(z. B. Quellen- oder Leitungswasser). Man hat aus diesem Grunde nach Verfahren gesucht, das Wasser zu sparen, d. h. das„verbrauchte‘‘ Wasser durch Reinigung und Desinfektion wieder verwendungsfähig zu machen. Sehr gute Dienste leistet die neuerdings viel angewandte sog. Um wälzung, ein Verfahren, bei dem das Bassinwasser zurückgepumpt und im Kreislauf von Schmutz und Bakterien durch Filtration und Desinfektion befreit wird. Ist mit dieser Umwälzung noch ein entsprechender Zusatz von Frischwasser verbunden, dann wird dies als Regeneration des Bassinwassers bezeichnet. Beispielsweise werden die organischen Schmutzstoffe, wie Algen, Zuckmückenlarven, Keime, Harn, Schweiß und Speichel durch aktives Chlor vernichtet, und die übrigen schwebenden Schmutzstoffe werden durch Umwälzung und Filtration beseitigt. 18 Eine derartige Umwälzanlage, die das Badewasser dauernd klar und geruchlos erhalten und eine einwandfreie Entkeimung bewirken soll, hat Verfasser z. B. in vorbildlicher Weise in dem 1933 gebauten Freischwimmbad in Bad Liebenzell(Nagoldtal) vorgefunden. Dieses Reinigungsverfahren gestattet die Verwendung des Schwimmbeckenwassers mehrere Wochen lang und besteht aus zwei Einrichtungen, einer Reinigungs- und einer Entkeimungsanlage. Das Bad ist so eingerichtet, daß es sowohl mit Leitungswasser von der Trinkwasserversorgung als auch mit dem in nächster Nähe vorbeifließenden Flußwasser(Nagold) gespeist werden kann. Bei Verwendung von Trinkwasser kann dieses ohne vorherige Desinfektion auf direktem Weg ins Bassin geleitet werden; anders jedoch bei Trinkwassermangel, wenn zur Bassinfüllung das Wasser der Nagold zur Verwendung kommt. In diesem Falle ist es selbstverständlich, zumal noch das Bad nur einige 100 Meter unterhalb des vom wasserspendenden Fluß passierten Kurortes liegt, daß das Wasser einer sofortigen Reinigung durch Filtration und Desinfektion unterworfen wird. Ein Pumpwerk bringt das Flußwasser zu dem im Erdgeschoß des Badehauses befindlichen ‚„Vorbehandlungsraum“, wo das verunreinigte Wasser oben in eine aus Eisenbetonwandungen bestehende 2,70 m hohe Kammer mit 12 qm Grundfläche gepumpt wird, die in ihrem ganzen Durchmesser durch eine frei auf einem feinmaschigen Rost lagernde 2 m hohe Kiesschicht aufgefüllt ist. Die Korngröße des Filterkieses verkleinert sich von oben nach unten bis auf etwa# mm Durchmesser. Beim Durchsickern werden nun die Schwebestoffe des Wassers in diesem Kiesfilter zurückgehalten. Auf der Oberfläche der Sandschicht bildet sich bald ein dünner Belag von Detritus, Algen, Bakteriumverbänden usw., und diese sekundär entstandene„Filterhaut““ soll dann derjenige Teil des Filters sein, dem die eigentlich filtrierende Fähigkeit, besonders im Hinblick auf das Zurückhalten der Mikroorganismen zufällt. Nach längerer Benützung geht die Durchlässigkeit des Sandfilters allmählich zurück, der Filtrierungsprozeß wird verlangsamt durch zu starke Verdichtung der Filterhaut. Das Filter hat sich sozusagen totgearbeitet und muß gereinigt werden. Die Reinigung des Kiesfilters von dieser Filterhaut geschieht mittels Durchleitung von Preßluft und Preßwasser durch Reinigungsdüsen, die an dem den Kiesfilter nach unten abschließenden Rost angebracht sind. Das geklärte Wasser wird nun durch eine am Boden einer zweiten Kammer einmündende Röhre geleitet, in die sog. Reinwasserkammer (1,8 qm Grundfläche, 2 m Höhe). Hier erfolgt die Entkeimung des Reinwassers durch automatisch geregelte Zufuhr am Einflußrohr von unterchloriger Säure. Dieses geklärte und entkeimte Wasser wird sodann durch Pumpanlagen am oberen Ende ins Schwimmbassin geleitet. Ist dieses bis zur Höhe der Überlaufrinnen gefüllt, dann wird der Zulauf des Flußwassers zum Vorbehandlungsraum gesperrt und nun beginnt der ständige Kreislauf des Bassinwassers, d. h. durch einen (oder mehrere) an der tiefsten Stelle des Bassins befindlichen kleinen 2* 19 Schacht läuft das Wasser wieder zurück zum Kiesfilter und der Entkeimungsanlage und von hier wiederum zum Bassin. Durch diese Einrichtung wird bei ununterbrochenem Betriebe der gesamte Beckeninhalt innerhalb 24 Stunden ein Mal umgewälzt, d. h. filtriert und chloriert. Der Bademeister läßt auch möglichst jeden Abend das Becken überlaufen, damit die Schmutzstoffe, die durch den Wind oder sonstwie in’ das Bassin gelangen(Blätter usw.), abgeschwemmt werden. Der Zusatz von Frischwasser beträgt täglich etwa 20—50 cbm. Durch die ständige Filtration, Desinfektion und den genügenden täglichen Zusatz von Frischwasser wird es hier ermöglicht, daß das Becken nur alle 3—4 Wochen vollständig geleert und gereinigt werden muß. Die durchschnittliche Wassertemperatur ist 20—21° C. Es ist hier nun die Frage aufzuwerfen: Wird durch die ständige Zufuhr von Chlor, und zwar in einer Menge, die eine unbedingte Desinfektion des Wassers garantiert(dies ist erreicht, wenn Chlor gerade noch im Überschuß im Wasser nachweisbar ist), das Badewasser nicht einen lästigen Chlorgeruch aufweisen? Und wird durch die wochenlange Verwendung des Wassers nicht eine unangenehme Algenbildung auftreten? Als Verfasser das Liebenzeller Bad besichtigte und zur genaueren Kontrolle selbst darin badete, konnte er, obwohl das Wasser auch schon wieder längere Zeit im Becken stand, absolut keinen Chlorgeruch und keine Algenbildung feststellen, im Gegenteil machte das Wasser den denkbar besten hygienischen Eindruck. Aus diesem Grunde fragt es sich nun andererseits wieder: Wird hier auch genügend Chlor zugeführt? Wenn nicht, dann wäre ja der ganze Sinn der Sache verfehlt. Um dies genau beurteilen zu können, müßten aber noch bakteriologische Wasseruntersuchungen zur Verfügung stehen, die aber leider hier fehlen; jedoch ist anzunehmen, daß die Chlorzufuhr eine genügende ist, da sie nach den neuesten praktischen Erfahrungen ausgeführt ist. Hier ist nämlich das zum Patent angemeldete neueste Verfahren der Berliner Chloratorgesellschaft m. b. H. mit Unterchlorig-Säure zur Anwendung gebracht. Dieses Verfahren scheint nach Untersuchungen von Dr. Ditthorn(Hyg. bakt. Inst. d. Hauptgesundheitsamtes der Stadt Berlin) tatsächlich bei völliger Geruchlosigkeit die Bedingungen zu erfüllen, die in hygienischer Hinsicht an ein Badewasser gestellt werden müssen. Es beruht auf der Verwendung von unterchloriger Säure in Gegenwart von Kalziumcarbonat(Kreide, Marmor). Bei der Auflösung von Chlor in Wasser vollzieht sich der reversible Prozeß in der Weise, daß sich das Chlor im Wasser löst und sich dann unterchlorige Säure und Salzsäure bildet, gemäß der Formel: Ch+ H:O ZZ HCIO+ HCl. Durch das Kalziumcarbonat wird die aus Chlor gebildete Salzsäure vollständig abgebunden nach der Gleichung: CaCO;+2 HCI= CaClk+ H;O+ CO, und somit wird das Chlor vollständig in die fast geruchlose unterchlorige Säure HCIO umgewandelt. 20 Algenbildung tritt vor 3—4 Wochen kaum auf. Sie wird verhindert durch die Behandlung des Wassers mit unterchloriger Säure. Es handelt sich dabei um keine Abtötung der Algen, sondern nur um eine Entwicklungshemmung. Dasselbe Verfahren zeitigte auch in den Schwimmanlagen des Kölner Stadions, nachdem vergebens mit Algin, Kupfersulfat und Chloramin behandelt wurde, einen vollen Erfolg (Kirschfeld, Jena). Außerdem ist in Liebenzell zur Algenbekämpfung eine Lösung von Kupfersulfat(Kupfervitriol) vorhanden, die sich aber erübrigt und nur in Ausnahmefällen verwendet wird. Der notwendige Zusatz von Cusulfat beträgt zwischen 0,05 und 10 gr pro cbm(nach Professor Gonzenbach, Zürich). Falls bei einfacheren Chlorierungsmethoden ein unangenehmer Chlorgeruch des Badewassers auftritt, so kann das im Überschuß zugeführte Chlor späterhin durch Zusatz von Thiosulfat oder mittels aktiver Kohle entfernt werden, was aber praktisch relativ hohe Kosten verursacht. Noch verschiedene Verfahren der Entkeimung des Badewassers stehen uns zur Verfügung. In jedem Falle müssen jedoch sorgfältige Erwägungen und Berechnungen darüber stattfinden, was nach der Eigenart der örtlichen Verhältnisse für den einzelnen Fall als zweckmäßig erscheint. Ausschlaggebend für die Keimtötung und Algenbekämpfung wird wohl immer die Beschaffenheit und Zusammensetzung des Wassers sein. So verfügen wir über ein wertvolles Verfahren der Entkeimung in dem sog.„Katadyn‘“, das auf der von Naegeli gemachten Entdeckung der oligodynamischen Metallwirkung auf organische Substanzen beruht und von Dr. Krause, München, zur praktischen Verwendung ausgebaut wurde. Er stellte einen Sand her, der mit einer allerfeinsten Schicht von Silber überzogen ist, den sog. Katadynsand. Dieser Sand gewährt eine höchstmögliche Einwirkung auf die in den zu sterilisierenden Flüssigkeiten enthaltenen Keime auszuüben. In besonders konstruierten Apparaten(Katadyngefäße, neuerdings Elektrokatadynaktivatoren) genügt die Berührung des Wassers mit der großen Silberoberfläche (ausreichende Einwirkungszeit vorausgesetzt), um die gegebenenfalls im Wasser vorhandenen pathogenen Keime abzutöten, ohne dadurch das Wasser in Geschmack, Geruch oder Aussehen zu verändern. Versuche haben ergeben, daß das Wasser, das den Katadyn-Filtersand passiert hat, nicht nur die in ihm enthaltenen Bakterien abtötet, sondern selber bakterizide Eigenschaften erhält und diese auch für längere Zeit beibehält, so daß es auch noch Keime, die nach der Sterilisation hinzutreten, abzutöten vermag. Die Versuche im Nichtschwimmerbassin des Frankfurter Stadions im Jahre 1931 und 1932 mit Katadyn(Elektrokatadynapparatur) hatten das Ergebnis, daß in kurzer Zeit eine Keimverminderung von 95—100 Prozent erreicht wurde; Colikeime konnten in einem cbm Wasser in keinem Falle mehr nachgewiesen werden; das gesilberte Wasser erwies sich sowohl während der Versuche als auch noch einige Wochen nach Einstellung der Silberung als bakterizid. 21 Dagegen zeitigte das Katadynverfahren im neuen Freiburger Strandbad d nicht den vollen Erfolg: denn eine Keimzahl von 28 000 pro ccm, wie hier, ist für ein Wasser, das durch Sandfilter geht und der Einwirkung des Katadyns unterworfen wird, noch immer recht beträchtlich. Die Sterilisierung des Badewassers mit Ozon und ultravioletten Strahlen ist ebenfalls schon lange bekannt, mit Hilfe ihrer sind auch schon sehr schöne Resultate erzielt worden, jedoch sind aber beide Verfahren in Erstellung und Betrieb meist viel zu teuer. Eine ganz neue Methode der Badewasserdesinfektion ist das sog. Petunia-Verfahren nach Prof. K. Pfeiffer, über das aber noch schwer ein endgültiges Urteil zu bilden ist, da ausgiebige Erfahrungen darüber noch fehlen. Professor Pfeiffer berichtete am 1. September 1935 auf der XXVI. Jahresversammlung des„Vereins deutscher Badefachmänner‘‘ in Köln a. Rh. u. a. folgendes über sein Petunia-Verfahren: „Das Petunia-Verfahren ist dadurch gekennzeichnet, daß dem Badewasser ein wesentlicher Nährstoff der Pflanzen, beispielsweise der assım!lierbare Teil der Kohlensäure entzogen wird(Patentverfahren), wodurch das Algenwachstum und alle seine üblen Begleiterscheinungen, also die glatten Wände und Treppen, die häßliche Verfärbung und Undurchsichtigkeit des Wassers, auch der faulige Geruch mancher Algenarten, restlos unterbunden werden. In solchem Badewasser lösen sich die Schleimsäckchen der Zuckmücken auf, und die Eier entwickeln sich überhaupt nicht zu den unappetittlichen Larven. Zur Entkeimung genügen die geringen, von Menschen nicht wahrnehmbaren Chlormengen, die von Seiten der Badeärzte gefordert werden, weil kein Chlor für die Vernichtung der Algen und der Zuckmückenlarven verbraucht wird. Die Enteisenung und die Beseitigung von betonschädlichen Bestandteilen, insbesondere von Humusstoffen, aus dem Rohwasser sind ohne weiteres möglich. Der Zusatz des Frischwassers dient bei diesem Verfahren im wesentlichen nur noch der Regulierung der Temperatur des Badewassers und dem Ersatz der unvermeidlichen Verluste. Wird nicht gebadet, so braucht dem Badewasser auch kein Chlor zugesetzt werden, und die Umwälzung kann ruhen. Für die Durchführung dieses Verfahrens ist es völlig gleichgültig, ob hartes oder weiches Wasser, oder ob Wasser aus Trinkwasserleitungen oder Grundwasserbrunnen, oder ob überhaupt nur schmutziges Oberflächenwasser aus Flüssen, Bächen, Seen oder Weihern zur Verfügung steht.“ Mit den vorstehenden Ausführungen soll ein Einblick in das moderne Freibadewesen, vom Standpunkt der Hygiene aus betrachtet, gegeben worden sein, und es soll nun im folgenden Kapitel eine Übersicht über die hygienischen Verhältnisse der Freibäder im nördlichen Schwarzwald, die Verfasser ihrer Anlage, Einrichtung und Benutzung nach eingehendst untersucht hat, verschafft werden. Strandbad in Bad Wildbad. Dieses, zu einem Hotel und Strandkaffee gehörende Familienbad (Privatbesitz) liegt einige hundert Meter oberhalb der Kurstadt, im Tal der Enz, umgeben von den Bergen des Schwarzwaldes. Bassinbad mit senkrechten Eisenbetonwänden. Größe des Beckens 23X25 m. Normalwasserstand an der tiefsten Stelle 2,50 m, an der niedrigsten Stelle 0,60 m. Durch ein Seil getrennt für Schwimmer und Nichtschwimmer(%). Ins Nichtschwimmerbecken führt eine 4 m breite bequeme Zugangstreppe, ins Schwimmerabteil 3 senkrechte, in die Wand eingelassene Eisenleitern. Auf drei Seiten ist eine Überlauf- und Spuckrinne eingebaut. Ein 2-m-Federbrett. Kinderplanschbecken ist nicht vorhanden. Mäßig große Umkleidehalle mit für Damen und Herren getrennten, sauberen, geräumigen Auskleideräumen und zwei getrennten einwandfreien Aborten und einem Pissoir, deren Ablauf in eine wasserdichte Grube mündet. Außerdem ein Erfrischungsstand. Gute Sportmöglichkeit auf Rasen- und Spielplätzen, große, schöne Liegewiese. Leider ist, der jungen Anlage entsprechend, noch kein großer, schattenspendender Baumbestand vorhanden. Abhilfe ist jedoch geschaffen durch eine etwa 25 m lange überdachte Laube mit Liegestühlen. Rettungsgeräte hängen am Ufer des Beckens. Vorreinigungsräume sind nicht vorhanden; nur eine einzige Brause steht beim Eingang ins Nichtschwimmerabteil und selbst deren Platz ist sehr ungünstig gewählt; sie befindet sich direkt am Eingang des Beckens, hat einen besonderen Ablauf, das Wasser jedoch spritzt von dem sich Brausenden ab und gelangt so direkt ins Becken! Außerdem wird die Brause mit Bassinwasser gespeist. Das Abwasser von Bad, Brause usw. führt ın die Enz. Das Bassin wird mit Quellwasser gespeist, das direkt am Bad durch zwei Pumpstationen gefördert wird. Eine Pumpe arbeitet ständig Frischwasser ins Bassın, während dessen die entsprechende Menge verbrauchten Wassers ständig vom Becken abläuft; dadurch wird verhältnismäßig sauberes Badewasser erzielt. Algenbildung tritt nach etwa 14 Tagen auf. Ganz abgelassen und gereinigt wird das Becken alle 3—4 Wochen. Bei einer täglichen Besucherzahl von durchschnittlich 3—400 Personen, bei Fehlen von Vorreinigungsräumen, Umlaufrinne, Umwälzanlage, bei keinerlei Desinfektion des Wassers und bei mangelnder Lage der einzigen vorhandenen Brause, wäre natürlich eine ungeheure Menge Frischwasserzusatz täglich erforderlich. Dadurch aber, daß das Becken mit Quellwasser von nur 12° C. gefüllt wird und keine Vorwärmebecken vorhanden sind, ist eine ständige, große Menge Frischwasserzufuhr direkt unmöglich, da sonst das Badewasser ja viel zu kalt wäre! Daraus nun, daß das Bassinwasser nach Angabe des Besitzers eine konstante Temperatur von 18—20° C. besitzt, geht ja eindeutig hervor, daß die angeblich ständige Zufuhr von Frischwasser zum Becken und entsprechend auch der Ablauf ziemlich gering sein müssen; diese Feststellung wird noch bekräftigt durch die Tatsache, daß nach Neufüllung 23 des Bassins schon nach 12—14 Tagen sich Algenbildung bemerkbar macht, was bei reichlicherer Frischwasserzufuhr und speziell von Quellwasser niemals der Fall sein dürfte. Mit a. W. wird also in diesem Bad auf Kosten der Hygiene des Wassers eine normale Temperatur des Badewassers erkauft! Zusammenfassend ist zu sagen, daß die Anlage als solche sehr gut und vor allen Dingen so gestaltet ist, daß die obenerwähnten hyienischen Mängel durch weiteren Ausbau des Bades verhältnismäßig gut zu beheben sind.. Vor allen Dingen wären Vorreinigungsräume, Vorwärmebecken und damit stärkere Wasserzufuhr(und evtl. Desinfektion des Wassers) anzustreben. Strandbad Calmbach. Großes Familienbad, etwa I km oberhalb des Ortes im Klein-Enztal, fern von allem Lärm und Verkehr, direkt am Waldessaum. Bassingröße 50X13 m; davon ist für Nichtschwimmer ein 20 m langes Stück durch ein Seil abgetrennt. Tiefe von 0,80 m bis 1,20 m ansteigend. Schwimmerabteil 30 m lang, 1,20 bis 3 m tief. Breite Treppe zum Nichtschwimmerabteil. Vier in die senkrechten Eisenbetonwände eingelassene Leitern im Schwimmerbecken. Auf dem Boden sind Tauchstreifen eingezeichnet. Auf den beiden Längsseiten und der Kopfseite des Beckens sind, zugleich als Haltestangen dienende Überlaufrinnen angebracht. Entlang der Breite des Bassins ist auf einer Seite eine 1,50 m breite, 20 cm hohe Fußwaschrinne eingebaut, mit einer großen Brause, die direkt von der Klein-Enz ihr Wasser erhält. Ihr Abwasser führt zusammen mit dem Überlauf- und Abwasser des Beckens zur Klein-Enz. Ein 1] m hohes, mattenbelegtes Sprungbrett und vier Startblöcke. Am Eingang zum Bad steht ein langgestrecktes Badehaus mit einem kleinen Erfrischungsraum, Wechselkabinen und offener Kleiderablage. Die Kabinen sind zwar etwas klein, sonst aber luftig und einfach gebaut. Sport- und Liegemöglichkeit auf Rasen und Sand ist reichlich vorhanden; der schattenspendende angrenzende"Tannenwald ist von großem Nutzen; außerdem sorgt noch eine lange Liegehalle mit Bänken und Liegestühlen für reichlichen Schatten. Die Aborte und Pissoire stehen an günstigem Platz und sind in hygienisch einwandfreiem Zustande (Ablauf in Grube). Zur Füllung des Bassins wird das Wasser der vorbeifließenden, etwa 15 km oberhalb‘ entspringenden Klein-Enz verwendet. Nur ein Sägewerk liegt am Oberlauf dieses mit ganz geringem Gefälle fließenden Baches; dessen Wasser ist infolgedessen sehr rein und klar und gelangt mit einer durchschnittlichen Temperatur von 15—16° C. durch den etwa 200 m langen, zugleich als Vorwärmer und Sedimentierungsbecken dienenden Zuleitungsgraben direkt zum Becken, wo es ohne jegliche Desinfektion, Umwälzung oder dergleichen 8—10 Tage verbleibt. Nur geringe tägliche Zufuhr von Frischwasser. Nach 3—4 Tagen tritt schon Algenbildung auf! Zufällig war bei meinem Besuch das Bassinwasser seit 9 Tagen nicht mehr erneuert worden, und ich konnte infolgedessen, wie 24 auch unter solchen Verhältnissen: bei Hochbetrieb nicht anders anzunehmen war, nur stark getrübtes, veralgtes und verschmutztes Wasser vorfinden. Beim Tauchen konnten nur schwer die am Boden aufgezeichneten Taucherlinien erkannt werden. Der Bademeister meinte, daß es Pech sei, daß sein Bad gerade heute, wo das Wasser einmal ausnahmsweise länger im Becken geblieben ei, kontrolliert werde und versicherte zugleich, daß das Wasser nun bestimmt immer früher erneuert werden wird! Es ist in Aussicht genommen, die entlang einer Seite des Bassins vorhandene Fußwaschrinne baldigst rings um das Becken zu führen. Einstweilen weist eine Warnungstafel auf die Benützung der Fußwaschrinne und Brausen hin. Es ist vom hygienischen Standpunkt aus sehr wünschenswert, daß diese Gemeinde möglichst bald die nötigen Mittel aufbringen möge(Notstandsgebiet!), ihre in ihren Anfängen sehr lobenswerten Anlagen des Freibades durch Einrichtung einer Umwälz-Filteranlage zu einem vorbildlichen Bade zu erweitern. Im nächstfolgenden Ort Höfen mit 1200 Einwohnern ist kein eigentliches Freischwimmbad vorhanden; gewöhnlich wird hier der oberhalb des Dorfes gelegene Zulaufkanal einer Papierfabrik als Badeplatz gewählt. Fluß-Schwimmbad Neuenbürg. Neuenbürg, Oberamtsstadt mit 3000 Einwohnern, besitzt ein oberhalb der Stadt gelegenes, natürliches, großes Fluß-Schwimmbad. Es ist kein künstliches Bassin vorhanden, sondern der Einlaufkanal des Elektrizitäts- Werkes wurde in praktischer Weise zu einem Bad ausgebaut. Der Kanal beginnt unterhalb eines größeren Stauwehres und ist bis zum Badehaus, das den Abschluß bildet, 220 m lang und 8,5 m breit und 1,60 m tief. Der Boden ist mit dicker Schicht Flußsand belegt. Die rechte Flußmauer(Zement) ist senkrecht und ist arkadenförmig geführt. Nach jedem Bogen(etwa alle 5 m) ist die Mauer zu einer Plattform verbreitert, die für je 4—5 Personen Platz zum Liegen gestattet, und die auch mit Vorliebe von den Gästen benutzt wird. Zu bemängeln ist die linksseitige Kanalmauer, weil sie schräg in das Wasser hineinführt, was einer Breitenverminderung des Kanals von nahezu 1,50 m entspricht, und was für die Schwimmer durch Anschlagen und Aufschürfen der Füße sehr nachteilig werden kann. Eine der drei Zugangstreppen entspricht absolut nicht den Erfordernissen: Ungefähr in der Mitte des Kanals führt von der Mauer eine stark veralgte schlüpfrige Holztreppe schräg in das Wasser. Die Anbringung zweier weiterer senkrechter isenleitern wäre anzustreben, ebenso noch zahlreichere Haltestangen und zwar zu beiden Seiten des Kanals. Ein gutes 1,50- m- Sprungbrett ist vorhanden, nur müßte dies noch in seiner ganzen Länge mit einer Strohmatte belegt werden. 50 m oberhalb des Badehauses ist quer 25 über den Kanal in 30 cm Wasserabstand eine Startbrücke gebaut. Die Badeverhältnisse für Nichtschwimmer sind hier nicht gerade günstig: es steht ihnen nur ein etwa 8 m langes, sonnenarmes Stück des Kanals zur Verfügung; dazu ist dieser kleine Platz noch auf drei Seiten vollkommen vom Badehaus eingeschlossen, so daß der Blick des Nichtschwimmers, mit Ausnahme nach einer einzigen Seite, auf nichts wie Bretterwände stößt. Um die Wassertiefe zu verringern,— sie ist hier 1,30 m— ist hier ein unhygienischer Bretterboden eingelegt, der naturgemäß stark veralgt und schlüpfrig ist und nebenbei noch die Gefahr in sich trägt, daß sich Badende Holzsplitter zuziehen können. Ein weiterer Mangel ist das Fehlen von einwandfreien Brausen. Wohl steht oberhalb des Nichtschwimmer-Abteils auf der Kanalmauer eine Brause, unter der man sich mit Fluß wasser abbrausen und abwaschen kann; deren Abwasser läuft aber direkt wieder zum Kanal zurück und verschmutzt das Badewasser! Dies fällt zwar in einer Flußbadeanstalt wie hier nicht so stark ins Gewicht, da dies verunreinigte Wasser ja schon nach ein paar Metern das Bad verläßt. Immerhin wären doch noch einige einwandfreie Brausen an richtigen Plätzen zur bequemen Abkühlung des Badenden erforderlich. Im Badehaus, das quer über den Kanal gebaut ist, befinden sich 18 geräumige Einzelkabinen, 8 Wechselkabinen, je ein Gemeinschaftsraum für offene Kleiderablage(Schüler) für Männer und Frauen, eine Halle für Kleideraufbewahrung und ein Erfrischungsstand. Sämtliche Kabinen sind verschließbar, groß, luftig und mit Fenstern versehen. Die Gänge im Badehaus sind mit Matten belegt. Für Damen und Herren ist je ein hygienisch zufriedenstellender Abort(ohne Wasserspülung) mit Ablauf in wasserdichte Zementgrube vorhanden. Eine große Liegewiese für das Luft- und Sonnenbad, verschiedenste Geräte zur sportlichen Betätigung, allerlei Spielgeräte und ein Sandkasten für Kinder stehen zur Verfügung. Neben den Sträuchern dürften noch mehr schattengebende Bäume erwünscht sein. Als Ersatz für bequeme Liegestühle sind Bretterröste aufgestellt. Rettungsgeräte sind im Badhaus untergebracht. Auch im Wasser befinden sich Geräte zur Unterhaltung(Floß u. dergl.). Für die Kleinsten ist in dem auf der andern Seite der Liegewiese vorbeifließenden Bach ein größeres Planschbecken hergerichtet: worden. Im allgemeinen ist das Wasser ganz klar und rein, zumal ja bis einige Kilometer oberhalb keine nennenswerten Wohnhäuser oder gar Fabriken vorhanden sind und die Enz ziemlich starkes Gefälle hat und sehr felsenreich ist, wodurch dem Wasser große Selbstreinigung durch Sauerstoffberührung(Aufnahme) zukommt. Eine evtl. Verunreinigung des Wassers durch ein 300 m flußaufwärts gelegenes Sägewerk durch Sägemehl wird durch Stauung des Wassers vor dem Einlauf in den Kanal verhütet. Das Stauwehr bildet also ein großes Klär- und Absetzbecken und dient zugleich als Vorwärmer. Nur nach stärkeren Regenfällen ist das Enzwasser ziemlich schmutzig, sandig und hat moorfarbenes Aussehen; der Wasserstand im Kanal ist im Gegensatz zu andern Flußbädern ziemlich konstant; die Strömung 26 ist ganz schwach. Diese letzten Punkte sind die fast unumgänglichen Mängel, die fast sämtlichen anderen Flußbadeanstalten anhaften. Die durchschnittliche Wassertemperatur ist 17°C. Die oft noch niedrigeren Temperaturen haben ihre Ursache zum Teil in dem Einfluß eines Baches, der Eyach, 4 km oberhalb des Bades. Messungen haben ergeben, daß die Temperatur des Enzwassers durch das frische Eyachwasser um 1,5—2° C. heruntergedrückt wırd. Die Abwasser zweier Pappdeckelfabriken in etwa 4 und 7 km Entfernung kommen wohl kaum als Verunreinigungsquellen der Enz in Betracht, da in je zwei 5% m tiefen großen Senkkästen die Holzfasern abgesetzt werden und die übrigen Abwässer leicht sauer in die Enz gelangen. Der weite Wege bis zum Freibad Neuenbürg dürfte für die Selbstreinigung wohl genügen. Abschließend muß gesagt werden, daß das soeben besprochene Bad, abgesehen von der noch notwendigen Behebung einiger geringer Fehler, sowohl in bau- wie auch in wasserhyginischer Beziehung das einwandfreieste und schönste Naturflußbad im Enzgebiet ist. Etwa 1% km unterhalb Neuenbürg befindet sich an einem Stauwehr noch ein viel benutzter Freibadeplatz, obgleich das Baden hier polizeilich verboten ist. Vom gesundheitlichen Standpunkt aus muß das Baden an dieser Stelle sehr bedenklich erscheinen, da doch ganz kurz oberhalb die ganzen Abwässer der Stadt, die dreier Lederfabriken, einer Sensenfabrik usw. ziemlich stark, wenn auch nicht immer mit bloßem Auge sichtbar, das Enzwasser verunreinigen. Der 5 km weiter talwärts gelegene Ort Birkenfeld mit 4000 Einwohnern besitzt bedauerlicherweise noch kein offizielles Freischwimmbad, obwohl die sehr praktische Lage den Bau einer genügend großen Badeanstalt gestatten würde. Das einzige, was vorhanden ist, ist ein Stück gestauten, etwas ausgebaggerten Flußlaufes und eine große Liegewiese. Nach eingezogenen Erkundigungen soll im nächsten Jahr mit dem Bau einer Badeanstalt begonnen werden. Im„Brötzinger Tal“ wird ebenfalls viel frei in der Enz gebadet. Die Badegäste lassen sich durch den Einlauf der Birkenfelder Abwasser nicht stören. Die Abwasser der Dampfwaschanstalt sind keineswegs gefährlich, da hier keine bedenklichen Chemikalien verwendet werden, und die Seife, Soda und das„Enzymolin‘“(biologisches Produkt, Enzyme aus dem Rindermagen) nur in starker Verdünnung in den Fluß gelangen. Auch werden hier nur die geringsten Mengen der angeführten Materialien verwendet, da das Enzwasser hier den günstigen Härtegrad von 0,8 d. H. G. besitzt. Der Mühlkanal in Brötzingen ist bei seiner Stauung am Mühlkanalwerk besonders für die Kinder trotz Verbotes ein gesuchter Badeplatz. Die Wasserverhältnisse sind aber hier die denkbar unhygienischsten! Auf einer Strecke von 200 m führen in diesen Bach drei Abwasserleitungen, die sehr schmutziges, ganz trübes, weißgraues, stinkendes Wasser mitbringen. Anwohner behaupteten, daß es sich um Haushaltungs27 abwässer und Closettspülwasser. handle! Ich konnte leider trotz eifriger Nachforschungen die Herkunft der Abwässer nicht einwandfrei feststellen.. Jedenfalls liegt es hier in Händen der Stadtbauverwaltung, diesen Mißständen Abhilfe zu schaffen, Badeverbotstafeln allein erfüllen den Zweck nicht und befreien nicht von den Pflichten! Ebenso wird etwa 300 m unterhalb beim Einlauf des Mühlkanals in den Enzlauf, vor dem„Fischersteg‘‘, in dem ebenfalls noch schlechten Wasser ausgiebig gebadet. 500 m flußabwärts befindet sich ein großes Stauwehr, an das unmittelbar das einzige Pforzheimer Freischwimmbad anschließt. Freiflußbad Pforzheim. Es liegt also direkt unterhalb des Stadtteiles Brötzingen und ist von den ersten Wohnhäusern Pforzheims umgeben. Es ist ein Staubecken von 130 m Länge und 33 m Breite.. Seile und Holzpfosten trennen einen Raum von 30 m Länge und 7 m Breite für Nichtschwimmer ab. Wassertiefe im Schwimmerabteil ist 1,60 m bis 2,20 m. Zwei Wehre bilden die obere und untere Grenze des Bades, die seitlichen Begrenzungen sind teilweise auszementiertes Mauerwerk. Auch der Boden ist nicht glatt, sondern besteht aus Geröll, Sand und Schlamm. Zwei Steintreppen führen zum Becken. In der Mitte läuft quer zum Bad eine 20 m lange Startbrücke. Ein 1-m-Sprungbrett. Am Ufer befindet sich ein erhöhter Platz, der mit einem ständigen Badeaufseher besetzt ist, ihm steht ein Boot und Rettungsringe usw. zur Verfügung. Die Brausen befinden sich in einem besonderen Häuschen, das etwa 20 m vom Bassin entfernt, auf dem Wege von den Auskleideräumen zum Bassin liegt, und zwar ist für Damen und Herren je 1 Brauseraum mit je 5 Brausen vorhanden, deren Wasser nachteiligerweise aus einem Enzkanal entnommen wird und auch wieder in ihn zurückfließt. Das Abwasser des kleinen Kinderplanschbeckens führt ebenfalls in diesen Kanal. In praktischer Lage, etwas hinter Gebüsch versteckt, stehen für Damen und Herren je 3 Aborte mit Wasserspülung und ein Pissoir. Ihre Einrichtung ist einfach und sauber und ihre Abläufe sind an das städtische Kanalisationsnetz angeschlossen. An Umkleideräumen sind sowohl offene Kabinen wie auch eine Menge verschließbarer Einzelzellen vorhanden. Diese Zellen sind jedoch ziemlich unhygienisch, sehr klein, haben sehr wenig Licht- und Luftzufuhr, die Wände(Holz) sind feucht und angelaufen und weisen auch teilweise Schwammansatz auf. Ein Verkaufsstand für Erfrischungen befindet sich am Eingang zum Bad. Sehr lobenswert sind die Einrichtungen für den Sport und für das Luft- und Sonnenbad. Vielerlei Sportgeräte sind auf einem kleinen Teil der Liegewiese untergebracht. Den Sonnenbadern steht der ganze Rasen beim Becken, den Luftbadern ein mit schattenspendenden Bäumen und Sträuchern bewachsener Gras- und Sandboden mit Bretterrösten und Liegestühlen zur Verfügung. Durch den verhältnismäßig geringen Zufluß und durch die vom oberen Wehr übernommene Funktion als Sedimentier- und Vorwärme28 becken, ist eine durchschnittliche Temperatur des Badewassers von 18 bis 21° C. garantiert. Um die Zufuhr von Schlamm usw. zum Becken zu verhindern, bleibt beim Einlauf eine% m hohe Wehrtafel ständig geschlossen, was jedoch bei Hochwasser und stärkeren Niederschlägen illusorisch.. ist. Ganz klares Wasser(Verfasser kennt dieses Bad schon seit Jahren) ist. hier nur ganz selten zu finden, geschweige denn bei starkem Badebetrieb, wo der ganze Schlamm und Sand vom Boden aufgewühlt wird! Zugegeben sei, daß die Wasserverhältnisse in den letzten Jahren etwas besser geworden sind, und zwar durch Anschluß der Abläufe von über 90 Prozent aller Haushaltungen und Fabriken an das städtische Kanalisationsnetz(nach Aufzeichnungen des Bezirksamtes Pforzheim). Algenbildung ist auffallenderweise, trotz Fehlens jeder Desinfektion des Wassers, nicht übermäßig stark. Trotzdem wäre es angezeigt, das Beckenwasser des öfteren vollständig abzulassen, um den Schlamm usw. zu beseitigen. Daß sich dieses Bad bei der Pforzheimer Bevölkerung keiner besonderen Beliebtheit erfreut, dürfte wohl verständlich sein; der beste Beweis dafür ist schon die enorm gesunkene Besucherzahl: früher konnte an heißen Sommertagen mit 3—4000 Badegästen gerechnet werden— heute nur noch mit 1000—1200. Wer es sich in zeitlicher und pekuniärer Hinsicht erlauben kann, besucht die Bäder in Neuenbürg, Liebenzell, Stammheim und Herrenalb. Die anderen baden lieber ober- oder unterhalb Pforzheims im Flußlauf und ersparen sich das Eintrittsgeld! Alles in allem betrachtet, ist ein solches und dazu noch einziges Freibad für eine Stadt mit 80 000 Einwohnern nicht gerade vorbildlich, und im Interesse der Volksgesundheit wäre dort baldiger Bau neuer Freibäder recht wünschenswert.(Nach Erkundigungen soll auch in nächster Zeit mit dem Neubau mehrerer Bäder begonnen werden.) Ergänzend seien hier noch die chemisch-bakteriologischen Untersuchungsergebnisse des städtischen Untersuchungsamtes Pforzheim von Herrn Dr. Stadler und Dr. Binder über das Enzwasser oberhalb des Freibades aus dem Jahre 1928 erwähnt: Die chemische Untersuchung hat einen hohen Permanganatverbrauch, eine hohe Chlorzahl und die Fäulinsfähigkeit und damit eine starke Verschmutzung des Wassers durch die beim„Fischersteg‘““ eintretenden Abwässer ergeben. Die bakteriologische Untersuchung der am 27. 4., 6. 5. und 10. 5. 1928 entnommenen Proben Enzwasser am„Fischersteg‘“ unmittelbar unterhalb der Einmündung des Abwassers und am Stauwehr vor dem Freibad hatten folgendes Ergebnis: TE Fischersteg[Freibad Fischersteg| Freibad| Fischersteg| Freibad EEE EEE WE 7 | Keime: 14080 3456| 223232 60928| 2944 3840 Die Indolreaktion nach der im Frankfurter hygienischen Institut geübten Methode zum indirekten Nachweis von Bact. coli war alle drei 29 Mal in beiden Proben positiv. Außerdem wurden auch Colibakterien durch Kulturverfahren nachgewiesen. Das Untersuchungsamt gab daraufhin schon damals den Rat, den Einfluß der Abwässer zu unterbinden, oder doch wenigstens die Abwässer tagsüber in einem Reservoir zu sammeln und sie erst abends nach Badeschluß in den Fluß zu entleeren oder beim„Fischersteg‘‘ Chlorlauge einzuleiten. Leider sind aber bis heute noch nicht alle Abwassereinleitungen beseitigt! Außerdem mahnte schon damals das Untersuchungsamt die Stadt an die dringende Aufgabe, durch Errichtung von Freibädern an geeigneteren Plätzen dem Badebedürfnis entgegenzukommen, wie es in andern Großstädten schon längst geschehen sei. Freischwimmbad Herrenalb. Schöne Anlage, oberhalb des Kurorts mit einer Gesamtbassingröße von 50X14 m. Bassin ist aus Eisenbeton. Wassertiefe normal bis zu 3 m. Nichtschwimmerbecken durch ein Seil vom übrigen Bassın abgetrennt, 12 m lang mit neuer Kinderrutschbahn. Seitlich vom Nichtschwimmerbecken und von diesem nur durch ein Eisengitter getrennt, befindet sich ein Kinderplanschbecken. Auf drei Seiten des Bassins befindet sich eine Überlauf- und Spuckrinne. Den Einstieg zum Becken ermöglichen fünf senkrechte Eisenleitern, die leider nicht in die Wandungen eingebaut sind. Drei Federbretter von 1 und 3 m Höhe sind aufgestellt. In 2 m Uferabstand(dieses Zwischenstück ist mit Platten belegt) führt auf drei Seiten um das Becken eine 1 m breite Fußwaschrinne, in der auf den beiden Längsseiten je eine dreifache Brause mit schrägem und senkrechtem Wasserstrahl errichtet ist. Unmittelbar bei den Auskleideräumen ist noch eine besondere Fußwaschgelegenheit(ebenfalls niedere Brausen). Zum Umkleiden sind in ausreichender Zahl geräumige, luftige, hygienische Einzelzellen und Gemeinschaftsräume vorhanden; zum großen Teil Wechselkabinensystem. Hygienisch einwandfreie Damen- und Herrenaborte mit Wasserspülung und Zementgruben befinden sich bei den Auskleideräumen. Da das Bad, d. h. die Liegewiese sich sehr lang erstreckt, wäre die Aufstellung der Aborte mehr in der Nähe der Wiese zweckmäßiger. Turn-, Sport- und Spielgeräte sorgen für abwechslungsreiche Unterhaltung. Ein großer unebener, mit kleineren Bäumen bewachsener Abhang dient als Liegewiese. Kleiner alkoholfreier Restaurationsbetrieb unter Sonnenschirmen. Der beim Bad vorbeifließende kleine Waldbach, der sog. „Rennbach“‘, liefert das Wasser für das Bassin. In einem etwa 50 m langen auszementierten Graben kommt das klare Wasser zu einem Schacht, von dem aus es ins Becken gepumpt wird. Alle 8—14 Tage wird das Beckenwasser wegen Algenbildung vollständig erneuert. Außerdem täglicher Ersatz des Überlaufwassers durch Frischwasser. Das Abwasser des Beckens, der Überlauf- und Fußwaschrinne und der Brausen führt unterhalb des Bades in den Rennbach. 30 Wie nicht anders zu erwarten war, war bei einer Durchschnittsbesucherzahl von 1000 bis 1500 Personen zur Zeit der Besichtigung das Wasser ziemlich verschmutzt, veralgt und stark getrübt. So lobenswert die Bassinanlage mit Überlauf- und Spuckrinne, Fußwaschrinne, Brausen usw. ist, so bedauerlich ist es, daß das Wasser solange Zeit ohne jegliche Filtration oder Desinfektion im Becken verbleibt. Auch erscheint eine abfallende Liegewiese wenig zweckmäßig. Freischwimmbad Herrenberg. 1931 erbaut, liegt in nächster Nähe der Stadt, hat ein großes Eisenbetonbassın von 50X30 m Größe bei einer Wassertiefe von 1,15 bis 3,00 m. Die Grenze des Nichtschwimmerbeckens, das etwa ein Drittel des ganzen Bassins einnimmt, ist durch eine Warnungstafel über dem Wasser gekennzeichnet. Auf drei Seiten ist in Höhe des Normalwasserstandes eine Überlauf- und Spuckrinne. Das Ufer besteht aus Beton- und Grasboden. Eine Fußwasch-Umlaufrinne ist noch nicht eingebaut, jedoch in 1,30 m Breite geplant. Am Kopfende des Bassins sind in einem kleinen besonderen Becken zwei Kopf- und zwei Fußwaschbrausen angebracht. Über der tiefsten Stelle des Beckens befinden sich ein 3-m- und ein 1-mSprungbrett. Beide sind in Stahlplattenausführung und sind mit Matten belegt. Ein langgestrecktes, niederes Badehaus enthält sowohl eine Anzahl einfacher, geräumiger und gut durchlüfteter Einzelkabinen, wie auch offene Umkleideräume für Kinder, Vereine usw.; größtenteils Wechselkabinen. Die Pissoire und die beiden vorhandenen Aborte lassen Wasserspülung vermissen, sind sonst aber einwandfrei; sie führen in eine wasserdichte Grube. Für das Luft- und Sennenbad steht zu allen Seiten des Beckens gut gepflegter Rasen mit Baumbestand zur Verfügung, auch für genügende Sportmöglichkeit ist gesorgt, ebenso ist eine große Anzahl Sitzbänke aufgestellt. Etwas abseits liegt ein 10X 10 m großes Planschbecken für die Kinder. Zur Bassinfüllung wird das Grundwasser der Trinkwasserversorgung verwendet, und zwar wird das Becken nur einmal zu Beginn der Badesaison, Ende April, vollständig gefüllt. Dies wird hier ermöglicht durch die Desinfektion des Wassers nach dem„Petunia-Verfahren‘‘. Das Becken erhält nur tägliche Zusatzspeisungen für verplanschtes und verdunstetes Wasser, sowie zur Temperierung desselben in Höhe von 30—50, höchstens 100 cbm(sie richten sich ganz nach der Besucherzahl). Bei meinem Besuch Ende Juli 1935(ich hatte leider nur einmal Gelegenheit, dieses Bad zu besichtigen) fand ich das Wasser trotz starkem Badebetrieb zu meinem Erstaunen tatsächlich rein und klar. Von Algenbildung war kaum etwas zu sehen. Nach Berichten der Badeverwaltung würde jedoch das Wasser bei Weglassung des Petunia innerhalb kürzester Frist vollständig veralgt sein. Sämtliche Abwässer führen in einen gemeinsamen Abwasserkanal und von hier in einen vorbeifließenden Bach. 31 Trotz dem von mir makroskopisch fast einwandfrei vorgefundenen Badewasser möchte ich die Tatsache, daß das Bassin nur ein einziges Mal in der Saison vollständig gefüllt und demnach das Wasser sonst nie abgelassen und das Becken gereinigt wird, nicht ohne weiteres gutheißen. Im ganzen darf diese Badeanstalt ihrer Anlage und Einrichtung nach als hygienisch gut bezeichnet werden. Freibad Deckenpfronn. An einer Stelle unterhalb des Bauerndorfes, wo früher ein schmutziger Tümpel war, wurde eine Badeanstalt errichtet. Das Becken ist 32 m lang, 10 m breit, davon 20 m für Schwimmer, 7 m für Nichtschwimmer und 5 m für ein Planschbecken; die Grenzen sind durch zwei über den Teich gelegte Balken gekennzeichnet. Wassertiefe von etwa 3 m im Schwimmerabteil bis Kniehöhe im Planschbecken. Der Teich ist eingeschlossen von einem schlechten Mauerwerk, das nur über dem Wasser etwas zementiert ist! Die Mauersteine sind vollständig veralgt, grün und rutschig! Drei schräge, ebenfalls veralgte Steintreppen führen ins Becken, dessen Boden mit Sand und Schlamm aufgefüllt ist. Auch ein nicht ungefährliches, morsches| m hohes Holzsprungbrett ist vorhanden. Auf zementiertem Boden neben dem Becken steht eine Brause und eine kleine Fußwaschgelegenheit, deren Abwasser vorschriftsmäßig durch einen Schacht zu einem abfließenden Bach geleitet wird; dagegen wird aber das Brausewasser wiederum aus dem Becken gepumpt.. Zum Umkleiden dient eine kleine Hütte mit ein paar verschließbaren unhygienischen Einzelkabinen und einem kleinen offenen Kleiderablageraum. Daneben befinden sich zwei ganz dunkle Aborte und ein Pissoir ohne Wasserspülung in hygienisch zweifelhaftem Zustande. Sportmöglichkeit ist kaum vorhanden, ebenso nur ein ziemlich kleiner Rasenplatz mit Bäumen für das Luft- und Sonnenbad. Das Beckenwasser stammt aus einer im Boden, mitten im Becken entspringenden Quelle; dem geringen Ablauf des Beckenwassers entsprechend, kann die ständige Speisung aus der Quelle nur ziemlich schwach sein. Da das Wasser auch nie vollständig abgelassen wird und keinerlei Reinungsmaßnahmen getroffen werden, ist es ja auch nicht verwunderlich, daß das Wasser seh r schmutzig, veralgt und von grünem Aussehen ist. Dieses Bad weist von allen den von mir besuchten Bädern, neben dem weiter unten noch zu besprechenden Freibad Vaihingen-Enz in jeder Beziehung den schlechtesten hygienischen Zustand auf. Wenn wir auch die hygienischen Forderungen an ein Freibad nicht zu hoch schrauben dürfen, und wir zunächst bestrebt sein müssen, daß in der Nähe jedes Orts ein billigen Anforderungen genügendes Bad vorhanden ist, so ist das beschriebene Bad doch als hygienisch völlig unzureichend zu bezeichnen. Und es wäre vom volkshygienischen Standpunkt aus gesehen gerade hier auf dem Lande erforderlich, dem Bauern nach seiner schweren körperlichen Tagesarbeit ein hygienisch zufriedenstellendes Bad zur Verfügung zu stellen. 32 Freischwimmbad Nagold. Es liegt oberhalb der Stadt, von großem Wiesengelände umgeben. Eisenbetonbassin 50 m lang, 12,50 m breit, 0,80 bis 2,50 m tief. Es ist ın der Mitte durch ein Seil getrennt, so daß je 25 m auf Schwimmer und Nichtschwimmer entfallen. Keine Überlaufrinne. Der obere Teil, d. h. das Schwimmerbassin ist auf zwei Seiten in geringem Uferabstand von einer etwa I m breiten durchgehenden Fußwaschrinne umgeben, in der sich eine große Brause befindet. Sowohl Fußwaschrinne wie Brause erhalten ihren Zufluß von dem gefilterten Nagoldwasser; ihr Abwasser geht zusammen mit dem verbrauchten Badewasser unterhalb zur Nagold zurück. Zwei flache Zugangstreppen aus Beton führen ins Nichtschwimmerbecken, vier senkrechte, allerdings nicht eingelassene Eisenleitern zum Schwimmerabteil. Drei einwandfreie, mit Matten belegte Sprungbretter von 3 und 1 m Höhe sind vorhanden, an diesem Platz sind auch Rettungsgeräte aufgehängt. In nächster Nähe des Badehauses liegt für die Kleinen ein großes, rechteckiges Planschbecken, das ebenfalls mit Nagoldwasser gespeist wird. Das verhältnismäßig große, einstöckige Badehaus bietet Raum für eine große Anzahl Badegäste; im ganzen Haus ist es zwar etwas dunkel, aber immerhin doch gut durchlüftet; sowohl einfach gebaute, verschließbare, geräumige, nach Geschlechtern getrennte Einzelzellen wie auch offene Räume dienen zum Umkleiden nach Art des Wechselkabinensystems. Die beiden Aborte sind zwar ohne Wasserspülung, sonst aber doch hygienisch einwandfrei, sıe münden in eine wasserdichte Grube. Genügend Platz und Geräte für den Sport, ebenso großer, leider erst mit jungen Bäumen bepflanzter Rasen, ist vorhanden; das ziemlich weit vorspringende Dach des Badehauses mit seinem verandaähnlichen Vorbau bietet dafür in mäßiger Größe Platz, sich im Schatten aufzuhalten. "Trotz regen Badebetriebs fand ich das Badewasser sauber und klar, es hat keinen ständigen Zu- und Abfluß. Durchschnittliche Temperatur ist 18° C. Das Becken wird mit mechanisch gefiltertem(Sandfılter) Nagoldwasser aufgefüllt und nach 2—3tägiger Benutzung wieder vollständig abgelassen. Vor der Wiederfüllung werden die Wände und der Boden (mindestens jede Woche 1 mal) kräftig unter Zuhilfenahme von Chlor gereinigt. Algenbildung ist bei der kurzen Benutzungsdauer des Wassers höchstens ganz gering. Die hier so verhältnismäßig einfach gelöste Wasserfrage dürfte wohl sehr zufriedenstellend sein— aber nur für die heißen Sommertage! Für die Anfangs- und Schlußzeit der Badesaison und bei schlechterem Wetter tritt jedoch die wichtigere Frage der richtigen Temperierung des Badewassers hinzu. Entweder ist dann das Wasser stets zu kalt, oder das Wasser muß zur Erhaltung einer geeigneten Mindesttemperatur notgedrungen viel längere Zeit im Bassin stagnieren, und verliert damit in starkem Maße seine Sauberkeit! Am besten wird wohl dieses Problem entweder durch Einführung eines Desinfektionsverfahrens oder durch Errichtung größerer Vorwärme3 33 becken gelöst werden können; außerdem ist der Einbau einer Überlaufrinne und die Durchführung der angefangenen Fußwaschrinne rings um das Becken zu empfehlen. Höhen-Freischwimmbad Stammheim. Beim Ortseingang(unterhalb) steht die großzügig angelegte 1931/32 erbaute Badeanstalt. Den Mittelpunkt bilden drei vollständig von einander getrennte große Schwimmbecken in bläulich gefärbter Betonausführung. Bassin I. Nur für Schwimmer: 35 m lang, 12 m breit, bei Normalwasserstand 2,50 bis 1,60 m tief. Sämtliche Wände in allen drei Bassins sind sehr schräg gehalten, was, mit eingerechnet den in 1,20 m unter der Wasseroberfläche zum Ausruhen eingebauten, wagrechten, etwa 35 cm breiten Absatz, einer Bassinverkleinerung auf dem Boden, auf sämtlichen Seiten von ca 2 m entspricht. Es bedeutet dies eine Nichtausnutzung des vorhandenen Platzes und ferner eine hygienische Unzulänglichkeit in einem Schwimmerbassin; allenfalls wäre dies in einem Nichtschwimmerbassin zuzulassen, nicht aber hier, wo es eine Gefahr für die Füße und Hände der Schwimmer bedeutet. Rings um das Becken führen Haltestangen, dicht über dem Wasserspiegel. Überlauf- und Spuckrinne und Umlaufrinne sind bei keinem Becken angebracht. Das Schwimmbecken besitzt ein 2”%-m-Sprungbrett, keine Startbrücke oder Startblöcke. Eine breite schräge Betontreppe führt ins Becken. Bassin II. Sog. Nichtschwimmerbassin: 50 m lang, 14 m breit, bei Normalwasserstand 1,70 bis 1,30 m tief. Ebenfalls schräge Wände, keine Haltestangen usw. Es besitzt zwei kleine, gute Sprungbretter, eine breite, schräge Betonzugangstreppe und vier nichteingelassene Eisenleitern. An Tagen der Reinigung des Schwimmerbeckens kann dieses zweite Bassın ebenfalls bis zu einem Wasserstand von 2,50 m aufgefüllt werden und dient dann zugleich für Schwimmer und Nichtschwimmer., Planschbecken: 12 m breit, 20 m lang, von 0,30 bis 1,10 m tief, ebenfalls schräg abfallende Wände und zwei solche Zugangstreppen. Das ganze Badehaus enthält 104 große, saubere Einzelkabinen, je einen Gemeinschaftsumkleideraum für Männer und einen für Frauen, ferner einen Schülerumkleideraum. Bei starkem Badebetrieb werden die meisten Einzelzellen als Wechselkabinen benützt. Von den etwas höher gelegenen Umkleideräumen aus kann man die ganze übrige Badeanlage nur durch eine einzige breite Steintreppe erreichen; diese ist nun aber ringsherum von einer ca. 2 m breiten, 30 cm tiefen Fußwaschrinne umgeben, so daß jeder Badegast gezwungenermaßen ein Fußbad nehmen muß, bevor er eines der Schwimmbecken betreten kann. In diesem Fußwaschbecken befinden sich auch vier Duschen. Der Gedanke dieser Einrichtung ist sehr zu loben, seine Ausführung jedoch verliert wieder einen kleinen Teil ihres Wertes, da der Badegast die Füße auf dem Wege zum Bassin wieder beschmutzen kann. Voll ausgenutzt und dann hygienisch einwandfrei wäre diese Einrichtung, wenn noch Bassınumlaufrinnen vorhanden wären. 34 Im Badehaus sind: zwei Damen-, ein Herrenabort und ein Pissoir untergebracht. Keine Wasserspülung, sie münden in Zementgruben. Im Anschluß an das Bad sind große Sportplätze mit den verschiedensten Sportgeräten, 110 m lange Sandplätze usw. angelegt. Neben den Bassins befinden sich ausgedehnte Liegewiesen mit großen, schattengebenden Bäumen. Kleiner Gartenwirtschaftsbetrieb. Zwischen den Becken liegt eine mit Blumen bepflanzte Gartenanlage mit reichlichen Sitzbänken. Zur Bassinfüllung wird in der Hauptsache das Wasser aus der Leitung der Trinkwasserversorgung, zu einem geringen Teil auch dasjenige eines kleinen Waldbaches verwendet. Das Wasser wird zunächst in einem kleinen Klär- und Absetzbecken(zugleich Vorwärmer) gesammelt und erhält hier Zusatz von Petuniasand; von da aus passiert es einen KiesSandfilter und wird nach anschließender, mechanisch geregelter Zufuhr von Chlor in das zuvor gereinigte Schwimmerbassin gepumpt. Bei einem täglich ziemlich geringen Zusatz von Frischwasser wird nach ungefähr achttägiger Benützung dem Bassinwasser wieder Petuniasand beigemengt und anderntags das Wasser zum Nichtschwimmerbassin geleitet. Nach gründlicher Reinigung des Beckens wird wiederum das zuvor desinfizierte Wasser vom Nichtschwimmerbecken hierher zurückgepumpt und erhält zugleich wieder eine gewisse Menge Frischwasser. Das Nichtschwimmerbecken wird überhaupt nie vollständig abgelassen, sondern erhält immer nur das mit Petuniasand behandelte und mit Chlor desinfizierte Wasser des Schwimmerbassins; außerdem tägliche Frischwasserzufuhr. Das Planschbecken wird wöchentlich 2—3 mal geleert und wieder mit vorbehandeltem Wasser gefüllt. Bei der Besichtigung war gerade das Wasser von Bassin I nach Bassin II gepumpt worden; es war ziemlich trübe, etwas verschmutzt und zeigte auch geringe Algenbildung. Dadurch daß dasselbe Wasser immer von Becken zu Becken gepumpt, mit Petuniasand behandelt und gechlort wird, ist es hier möglich, das Badewasser auf einer durchschnittlichen"Temperatur von 20—21° C. zu halten.(Die Badeverwaltung betont in ihren Hinweisen die immer gleichmäßige Wassertemperatur!) Diesem äußerlichen Erfolg ist aber entgegenzuhalten, daß dadurch auch einmal eine Überdosierung mit Chlor oder dergleichen vorkommen kann und Haut und Augen der Badenden gefährdet werden können. Im Interesse der Hygiene dürfte es sich empfehlen, statt des Prinzips der Erhaltung einer höheren Temperatur lieber häufigere Frischwasserzufuhr in einem etwas kühleren Bade zu bieten, zumal die Besucherzahl gelegentlich auf 1200—1500 Personen ansteigt. Um sich allerdings ein endgültiges Urteil bilden zu können, müßten hier ständige chemische Untersuchungen gemacht und der Colititer festgestellt werden. Außerdem sind die schrägen Wände der Becken und das Nichtvorhandensein von Überlauf- und Umlaufrinne bei einem derartig großen, modernen Bad zu tadeln. Andererseits sind sämtliche übrigen Einrichtungen und Anlagen dieses Bades sehr lobenswert! Es ist das einzige aller 3* 35 hier erwähnten Bäder, in welchem die Lage der Fußwaschrinne und Brausen so geschickt gewählt ist, daß jeder Badegast gezwungenermaßen diese benützen muß, bevor er die Bassins betreten kann! Freibad Bad Liebenzell. Bad Liebenzell besitzt seit 1933, einige 100 Meter unterhalb des Kurortes, ein großes Freibad mit einem 50 m langen, 15 m breiten Bassin; es hat eine Wassertiefe von 0,80 bis 2,80 m. Etwa in der Mitte wird das Schwimmer- vom Nichtschwimmerabteil durch ein Seil getrennt. In Höhe der Wasseroberfläche befinden sich auf beiden Längsseiten des Beckens die allgemeinüblichen Wasserüberlauf- und Umlaufrinnen, deren Konstruktion zugleich die Haltestangen ersetzt; etwa 1,20 m unter dem Wasserspiegel ist rings herum an den Bassinwänden ein etwa 15 cm breiter Absatz zum Ausruhen eingegossen. Ins Nichtschwimmerbecken führt eine große, breite Treppe, zum Schwimmerabteil 2 senkrechte, eingelassene Eisenleitern. Auf beiden Seiten sind vier Startblöcke, außerdem ein 3 m und zwei| m hohe, mit Matten belegte Federbretter angebracht. Umlaufrinne ist nicht vorhanden, kann jedoch noch gut eingebaut werden. Vor der Zugangstreppe befindet sich eine große Brause mit etwa 2%X4 m großem, auszementiertem Fußwaschbecken; das Brausewasser wird aus dem Becken gepumpt; ihr Abwasser geht, wie auch das des Beckens direkt zur Nagold. Die Wege rings um das Becken sind mit etwa I] m breiten Holzrösten belegt. Für das Luft- und Sonnenbad ist ein großer, gutgeflegter Rasenplatz mit jungen Bäumen hergerichtet, ebenso Spielplätze mit Sportgeräten. Für den Schattensuchenden befindet sich hinter dem Vorbau des Badehauses eine lange Arkade mit Liegestühlen. Auch für die Kinder steht ein 8X12 m großes Planschbecken zur Verfügung, dessen Wasser dieselbe Behandlung wie das des Schwimmerbeckens erfährt. Ein großes zweistöckiges Badehaus gibt täglich 500—1500 Badegästen Gelegenheit zum Umkleiden. Im ersten Stock sind die geräumigen, gut durchlüfteten, leider etwas dunkeln Einzelkabinen, ein Raum zur AufBew ‚ahrung der Kleider und eine Terrasse(Restauration) mit Aussicht auf das ganze Bad untergebracht. Im Parterre befinden sich Räume für offene Kleiderablage, hygienische Damen- und Herrenaborte mit Wasserspülapparat, deren Abwasser nach Klärung zur Nagold führen. Über das Badewasser, seine Filtration, Desinfektion usw. ist schon oben im allgemeinen Teil berichtet worden(s. S. 19). Dieses Freibad ist wohl das hygienisch einwandfreieste seiner Art im nördlichen Schwarzwald und ist tatsächlich eine Gesundheitsquelle. für seine Besucher. Freibad im Monbachtal. Oberhalb eines Wehrs ist die Nagold in etwa 50 m Länge, ca 2 m tief ausgebaggert. Sonst ist am Flußlauf nichts künstlich verändert. Kleiner Wiesenplatz mit Gelegenheit im Schatten zu liegen. Zum Kleiderablegen dient eine kleine, offene Hütte(kein Badeaufseher). Da bis auf einige km 36 oberhalb keine Wohnhäuser oder Fabriken gelegen sind, und die Nagold ziemlich starkes Gefälle hat, ist das Wasser im allgemeinen rein und klar, nach Regenwetter allerdings sehr schmutzig. Es handelt sich um eine provisorische Anlage; kein offizielles Bad, dementsprechend können keine höheren Ansprüche gestellt werden. Höhenfreibad Schellbronn. Dieses wurde erst im Sommer 1935 fertiggestellt. Das meergrüne Betonbecken ist 46 m lang, 22 m breit und 0,60 bis 2,00 m tief; zwei Drittel des Beckens für Schwimmer, ein Drittel für Nichtschwimmer, eine Schnur über dem Wasserspiegel kennzeichnet die Grenze. Auf drei Seiten ist eine Überlaufrinne; die vierte Seite ist in ihrer ganzen Länge als Zugangstreppe gebaut; weitere vier nicht in die Wand eingelassene senkrechte Eisenleitern führen ins Schwimmbassin. Sprungbretter und Startblöcke sind noch nicht vorhanden. Haltestangen sind rings um das Becken angebracht. Längs der Zugangstreppe befindet sich eine breite, betonierte Fußwaschrinne mit 2 Brausen, die mit Leitungswasser gespeist werden. Zu zwei Seiten des Bades erstreckt sich das Badehaus mit zwanzig großen, hellen, vorbildlich hygienischen Einzel- und Wechselkabinen und großen Räumen für offene Kleiderablage für Vereine und Schüler. In günstiger Lage, am Ende des Badehauses, sind in lobenswerter Ausführung die Klosetts untergebracht, und zwar für Damen 2 und für Männer|] Abort mit Wasserspülung und ein Pissoir. Jeder Abort hat einen Vorraum und Waschgelegenheit(Waschbecken), Seife und Handtuch und Spiegel. Ihre Ableitung führt in wasserdichte Gruben, deren überlaufendes Wasser zusammen mit dem Abwasser des Beckens und der Brausen ins Tal zur Nagold abfließt. Was als besonders vorbildlich hervorzuheben ist und was ich sonst in fast keinem Bad gefunden habe, ist hier die Einrichtung eines Trinkwasserbrunnens. Die Umgänge des Beckens sind mit breiten Bretterrösten belegt, eine große, ebene Wiese mit etwas Baumbestand steht für den Sport, für das Luft- und Sonnenbad zur Verfügung, auch eine Anzahl Liegepritschen, Sitzbänke, Tische und Stühle stehen bereit; der Schattenbedürftige kann sich auch unter dem langen, breiten Vordach des Badehauses aufhalten. In der Nähe der Brausen ist auch ein niederes Kinderplanschbecken von 6X9 m Größe mit ständigem Wasserzu- und-abfluß vorgesehen. Das Bassinwasser war etwas getrübt, ım übrigen aber ziemlich sauber, nur wenig Algenbildung feststellbar; durchschnittliche Temperatur 20 bis 21° C. Das Wasser wird nach dem Petuniaverfahren behandelt. Das Becken wird nie ganz abgelassen, es erhält ständigen Zufluß aus zwei Quellen(falls diese einmal zu schwach werden, kann das Wasser aus der Trinkwasserleitung entnommen werden); die entsprechende Menge verbrauchten Wassers läuft durch die Überlaufrinne ab. Im Frühjahr 1936 soll ‚eine Umwälzanlage eingebaut werden. Man darf sich über dieses Bad noch kein allgemein abschließendes Urteil erlauben, da es ja, wenigstens was die Wasserfrage betrifft, erst in 37 groben Zügen fertiggestellt ist. Wenigstens ist die bisherige Anlage von hygienischer Seite aus betrachtet, sehr zufriedenstellend ausgefallen, und ist erst noch die geplante Umwälz- mit Filteranlage vorhanden, dann dürfte dieses große Bad wohl mit ganz geringen Einschränkungen den hygienischen Anforderungen vollauf genügen. Oberhalb Pforzheim befindet sich sonst kein offizielles Freibad, sehr viel wird allerdings der natürliche Flußlauf zur Badegelegenheit benützt. Bäder des Enztals unterhalb Pforzheim. Eutingen: Das etwa 2% km unterhalb Pforzheim direkt beim Eingang des Dorfes gelegene Wehr dient hier als Badplatz. Das Enzwasser ist an dieser Stelle verhältnismäßig sauber. Von hier ab hört nun aber die Bademöglichkeit in der Enz bis Mühlacker vollständig auf, und zwar durch Einleitung der Abwasser der Pforzheimer Kläranlage unterhalb Eutingens. Dieses Kläranlageabwasser, das durch Einleitung der Abwasser der Papierfabrik Weißenstein intensiv rot gefärbt ist, gibt der Enz ein höchst unästhetisches Aussehen. Die Rotfärbung, die sich zunächst auf das Ufer beschränkt, verteilt sich nach einigen hundert Metern auf die ganze Breite des Enzlaufes. An dem etwa 2 km entfernten großen Stauwehr von Niefern hat die ganze Enz eine starke Verschmutzung durch fast unsichtbare, rotbraune bis rote Färbung angenommen. Auch kleine Ölschichten schwimmen auf dem Wasserspiegel, an den Ufern halten sich eine Unmenge Wassermücken auf. Die anliegende Bevölkerung— Niefern hat 3500 Einwohner—, die trotzdem, da sie keine andere Gelegenheit hat, zum Teil in diesem Wasser badet, führt scharfe und berechtigte Klage über diese Verhältnisse. Nach der Meinung von Herrn Professor Dr. Lauterborn(Vorstand des Forst-Zoologischen Instituts der Universität Freiburg), der mit den Wasserverhältnissen der Enz sehr vertraut ist und hier auf Veranlassung des Bad. Ministerium jährliche biologische Wasseruntersuchungen ausführt, ist das Baden vom hygienischen Standpunkt aus in diesem Wasser unbedingt zu widerraten. Er veranlaßte auch, daß die Pforzheimer Kläranlage durch Ergänzung um weitere fünf Schlammabsetzbecken auf den Stand ihrer höchstmöglichen Leistungen gesteigert wurde. Die Kläranlage, die aus Emscherbrunnen und großen Klärbecken besteht, arbeitet nun auch wirklich einwandfrei bei einer Wasserklärungsdauer von zwei Stunden. Ich war selbst Zeuge einer Wasserprobe: der Vergleich einer Schlammprobe von 120 Liter einlaufendem Abwasser(Glas I) mit der Schlammprobe derselben Menge geklärten Wassers(Glas II) ergab, daß die Schlammmenge auf weniger als 5 Prozent verringert war; und dieser Rest hatte ein so geringes spezifisches Gewicht, daß er sich auch bei vielstündiger Klärung nicht absetzen würde. Um die Rotfärbung des Wassers zu beseitigen, werden von Stadtbauinspektor Gerloff(Pforzheim) ständig Wasseruntersuchungen gemacht und Entfärbungsmethoden ausgeführt. 38 Um einen Überblick über die Enzwasserverunreinigung durch die Kläranlage zu bekommen, seien hier einige bakteriologische Untersuchungsergebnisse von Professor Gottschlich(Universität Heidelberg) aus dem Jahre 1929 erwähnt: Enz oberhalb der Kläranlage: Keimzahl in 1 ccm Wasser Coli-Titer Mitte: 1910 0,1+ Tiefe: 1481 Op Ufer: 1885 0,1+ Enz unterhalb der Kläranlage: Keimzahl in 1 ccm Wasser Coli-Titer Mitte:- zz Tiefe: 50 144 0,0001+ Ufer: 27351 0,0001+ Enz 2 km unterhalb des Einlaufes der Kläranlage: l. oberhalb des Nieferner Stauwehres: Keimzahl in 1 ccm Wasser Coli-Titer Mitte: 25757 0,001+ Tiefe: 93 405 0,001—+ Ufer: 61 117 0,001-+ 2. unterhalb des Nieferner Stauwehres: Keimzahl in 1 ccm Wasser Coli-Titer Mitte: 6 658 0,001+ Tiefe: 10 081 0,001-+ Ufer: 7081 0,01+ Wenn auch seit diesen Messungen nun schon einige Jahre verflossen sind, so dürften doch die Ergebnisse größten Teils noch mit den heutigen Zuständen übereinstimmen. Als Grund der starken Verschmutzung muß sowohl das quantitative Mißverhältnis der Abwassermenge zur Wassermenge des Vorfluters angesehen werden, wie auch noch folgender Umstand: Die im Juni 1934 von Professor Lauterborn gemachten Planktonproben aus dem klaren Wasser der Enz oberhalb Pforzheims wiesen fast garkeinemineralischenPartikelchen auf. Diese aber spielen(nach dem Bericht von Prof. Lauterborn) eine wichtige Rolle bei der Selbstreinigung fließender Gewässer, vor allem dadurch, daß sie die Sedimentierung der besten organischen Abwasserreste beschleunigen. Indem diese feinen Sandkörnchen usw. von der schleimigen Oberfläche der Pilzflocken adsorbiert werden, beschweren sich diese mehr und mehr, vergrößern dadurch deren Sinkgeschwindigkeit und tragen so ihr gutes Teil zum 39 raschen Verschwinden der treibenden Pilzflocken usw. aus dem freien Wasser bei. Die oben angeführte Tabelle läßt erkennen, daß die Keimzahl des Wassers unterhalb des Stauwehres, verglichen mit der oberhalb des Wehrs, sehr beträchtlich abgenommen hat, und ebenso der Colititer zum Teil geringer geworden ist. Dies hat seinen. Grund darin, daß das Stauwehr die Funktion eines Absitzbeckens übernommen hat, und daß nur das geklärte Oberflächenwasser zum Abfluß gelangen kann. Dafür spricht auch die starke Zunahme des Schlammes und die Vermehrung der Keimzahl am Grunde des gestauten Flusses. In dem etwa 2—3 km weiter talwärts gelegenen Enzberg hat die Trübung und Rotfärbung des Enzwassers schon wesentlich nachgelassen, ist jedoch an manchen Tagen sogar bis nach Besigheim, d. h. bis zum Einlauf der Enz in den Nekar zu verfolgen. Das Freibad Mühlacker. Kein künstlich erbautes Bassin, sondern natürliches Flußbad oberhalb der Stadt. Durch ein großes Wehr ist die Enz auf einer Länge von etwa 300 m und einer Breite von etwa 30—50 m bis zu einer Tiefe von 1,60 bis 2,50 m gestaut. Die rechte Uferseite ist von hohem Tannenwald bewachsen, auf der linken sind ausgedehnte Wiesen mit dem Badehaus. Die Ufer weisen nichtzementiertes Mauerwerk auf(teilweise fehlt auch dieses). Der Boden ist Geröll und Schlamm. Einige senkrechte Eisenleitern erlauben den Einstieg ins Wasser. Am Uferrand befinden sich zwei Brausen, deren Wasser aus der Enz gepumpt wird und auch direkt wieder ins Badewasser zurückfließt. Holzstangen grenzen ein etwa 8X15 m großes, 1,30 m tiefes Nichtschwimmerabiteil vom übrigen Flußlauf ab. Ein über einen kleinen Krahnen laufendes Seil mit großer Schlaufe ermöglicht Jung und Alt, das Schwimmen zu erlernen. Auf der ganzen Länge des Bades sind Sprungbretter aufgestellt: Zwei I-m- und ein 2-m-Sprungbrett und ein Sprungturm mit 2- und 3-mSprungbrettern, alle in Holzausführung ohne Mattenbelag. Eine 4 m hohe mit Gummi ausgekleidete Rutschbahn und verschiedene Boote dienen zur Unterhaltung der Kinder. Der Sportmöglichkeit ist in ausgiebigstem Maße Rechnung getragen. Über dem Flußlauf hängen zwei verstellbare Tore für Wasserballspiele, außerdem sind auf der Liegewiese verteilt Reck, Barren, Schaukel, Rundlauf, Trapez, Kegelspiel, Ringtennisspielanlage usw. Auch Papierkörbe sind hier aufgehängt. Viele Bänke sind auf dem sonnigen Rasen und unter großen schattigen Bäumen aufgestellt. Die Auskleideräume für Damen und Herren sind in zwei lange Hütten verteilt, die wiederum durch einen hohen Bretterzaun, der zugleich ein nur für Damen zu benützendes Stück Liegewiese abteilt, getrennt sind. Für eine tägliche Höchstbesucherzahl von 1500 bis 2000 Personen sind trotz der Einrichtungen der Wechselkabinen viel zu wenig Einzelzellen vorhanden, die dazu noch sehr dunkel, nur sehr schlecht durchlüftet und auch zu eng sind. Unter den Bäumen sind zwar auch noch eine Anzahl 40 Bänke mit Kleiderhaken für offene Kleiderablage erstellt. Die Abortanlagen sind ziemlich primitiv, unhygienisch, ohne Wasserspülung, führen aber in wasserdichte Gruben. Trinkwasser ist nicht vorhanden. Das Wasser hat im allgemeinen ziemlich reines Aussehen, abgesehen von den auf dem Wasserspiegel schwimmenden Blättern usw.; bei stärkerem Badebetrieb jedoch wird das Wasser durch den aufgewühlten Schlamm, mit dem die ganze Sohle des gestauten Flusses dick bedeckt ist, sehr stark verschmutzt. Die Algenbildung ist nicht besonders stark; des öfteren macht sich auch hier die Rotfärbung des Wassers sehr unangenehm bemerkbar. Sollte wirklich in den nächsten Jahren das geplante Bassin gebaut werden, um den oft ungünstigen und unbeständigen Wasserverhältnissen zu steuern, dann wäre auch die Neuerstellung eines Badehauses mit hygienischen Kabinen und Aborten unbedingt zu fordern. Freibad Vaihingen a. d. Enz. Gleich beim Eingang der Stadt, wo unterhalb eines Stauwehrs der Enzlauf überhaupt kein Gefälle besitzt, wurde das fast stehende Gewässer zur Errichtung einer Badeanstalt benutzt. Nach oben und unten ist das Bad durch zwei auf den Wasserspiegel gelegte Balken begrenzt. Die Länge beträgt etwa 200 Meter, der Fluß selbst ist etwa 25 m breit und ungefähr 0,80 bis höchstens 2 m tief. Die Ufer sind nicht auszementiert, Gebüsch und Sträucher hängen in das Wasser herein. Den Zugang zum Wasser gewährt ein kleiner„Landungssteg‘‘(bestehend aus einigen Brettern) mit drei schräg in den Flußlauf gehenden, vollständig verschlammten und veralgten Holztreppen. Daneben ist für Nichtschwimmer ein kleines Stück des Flusses mit ebenso stark veralgten Holzbalken abgegrenzt. Darüber steht eine vier Meter hohe, nur aus einigen Brettern zusammengefügte Kinderrutschbahn ohne jegliche glatte Innenauskleidung, zu deren Gebrauchsfähigkeit zuerst Wasser von oben herabgeleert werden muß! Bei dem] m hohen, ohne Matten belegten Sprungbrett beträgt die Wassertiefe nur| m! Am Landungssteg ist auch eine primitive Brause angebracht, deren Wasser jeder selbst aus dem Fluß pumpen muß! Zur rechten Seite des Flusses stehen zwei kleinere Hütten, je eine zum Umkleiden für Damen und Herren. Jede davon ist eingeteilt in drei geschlossene, geräumige Kabinen und einen mit einem Vorhang verhängten Sammelumkleideraum. Hinter den Hütten befindet sich noch ein der Sicht der Badenden durch eine Bretterwand verdeckter Platz mit Garderobebänken zum Umkleiden. Eine große, sonnige Liegewiese nimmt den übrigen Platz des Bades ein. Mit dem Schatten der Uferbäume muß sich der Luftbader begnügen. Als einziges Sportgerät ist ein Reck vorhanden. Abseits in der Wiese steht ein ganz. kümmerliches, vom Wind halb umgeworfenes, altes, kleines, enges, unsauberes Bretterhäuschen— der Abort!! Was das Wasser anbetrifft, so kann man hier nur von allerschlechtesten Verhältnissen sprechen. Fabrikabwässer konnte ich oberhalb des Bades zwar nicht feststellen, trotzdem ist das Wasser unterhalb des Wehres und 41 ım Bad ziemlich schaumig; vor dem das Bad nach oben abgrenzenden Balken steht der Schmutz direkt in Schichten auf der Wasseroberfläche: dicke Schlammballen, ja sogar ganze Schlammplatten haben sich aus dem vielerlei Unrat, der hier von der ganzen Enz abgefangen hat, gebildet. Ab und zu gelangen davon kleinere, losgelöste Teile in das Bad und werden durch den Wellenschlag der Badenden hinter den unteren abgrenzenden Balken getrieben, wo sie sich ebenfalls wieder ansammeln! Der Grund des Flußlaufes ist natürlich ebenfalls vollständig verschlammt. Die Temperatur des Wassers ist immer ziemlich hoch. So ist das Bad am oberen und unteren Ende nur von Schmutz eingehüllt; welchen Reinheitsgrad darnach das Wasser aufweist, und was für einen ästhetischen, zum Baden einladenden Eindruck es macht, das bedarf wohl keiner weiteren Erwähnung. Kurz gesagt, heute noch, wo das Schwimmen zum beliebtesten und gesündesten Volkssport geworden ist, und wo überall an die Erhaltung und Förderung der Volksgesundheit appelliert wird, bietet eine Oberamtsstadt nichts Besseres als dieses Bad. Freibad Bissingen a. d. Enz. Es handelt sich um ein oberhalb der Wohnbezirke angelegtes Fluß bad. Die Enz hat hier eine Breite von ungefähr 50—60 m und eine Tiefe von nahezu 3 m. Die Länge des Schwimmbades ist unbegrenzt (einige 100 m lang). Die Ufer des Flußlaufes sind nicht befestigt, bis auf das kleine Stück der Anlage des Nichtschwimmerbeckens; dies ist zwar etwas klein, ca. 8X 12 m, doch sehr durchdacht und hygienisch angelegt: es ist rings herum von sog. Pontons umgeben, auf denen selbst wieder breite Umlaufgänge aus Holz in Form einer Brücke errichtet sind. Von diesen aus gehen auf zwei Seiten je eine Holztreppe ins Nichtschwimmerbecken und auf der Außenseite zwei schräge, breite Holztreppen in den Flußlauf für die Schwimmer. Zu beiden Flanken ist je ein mit Matten belegtes Sprungbrett angebaut. In der Mitte über das Nichtschwimmerbecken hinweggehend, ist ein 3-m-Brett errichtet. Die parallel zum Flußlauf gehende Brücke dient zugleich als Startbrücke. Zu bemängeln ist, daß überhaupt keine Brause und keine Aborte vorhanden sind! Zum Umkleiden dienen drei Hütten, je eine für Damen und Herren, die dritte ist im allgemeinen nur Sonntags, wenn ein Bademeister zugegen ist, geöffnet und hat fünf verschließbare Einzelkabinen und einen Raum für beaufsichtigte Kleiderablage. Die beiden ersten Hütten dienen mit je sechs, nur von innen verschließbaren Einzelzellen zum Umkleiden; die abgelegten Kleider können Sonntags beim Badewärter zur Aufbewahrung gegeben, anderntags müssen sie im Freien an einer Garderobe aufgehängt werden: Die Einzelzellen sind zwar reichlich groß, aber ziemlich dunkel und bei verschlossener Türe fast undurchlüftet. Für das Luft- und Sonnenbad ist leider nur eine verhältnismäßig kleine, mit Bäumen bewachsene Wiese vorhanden. Sportgeräte fehlen. 42 Die Wasserverhältnisse der Enz sind hier als sehr zufriedenstellende zu bezeichnen, die Strömung ist angenehm, von Algenbildung ist nichts zu sehen. Da die Errichtung des Bades nach Jüngsten Datums ist und weitere Verbesserungen zu erwarten sind und in Anbetracht dessen, daß für jedermann freier Eintritt vorgesehen ist, kann die jetzige Ausführung des Bades in ihrer Einfachheit nur gelobt werden. Vor allen Dingen ist hier das saubere Enzwasser, die große Ausdehnungsmöglichkeit des Schwimmbades durch praktische Lage des Bades, und die bauliche Einfachheit der Zugänge zum Wasser hervorzuheben. Fluß-Schwimmbad Bietigheim(Enz). Unter dem großen Enzviadukt, also oberhalb der Stadt, liegt das Freischwimmbad B. In seinem Bezirk ist das rechte Ufer der breiten Enz unbefestigt, das linke dagegen betoniert und es umfaßt zwei breite, schräge Zugangstreppen, und das nicht allzugroße Nichtschwimmerabteil, das auf drei Seiten durch eine floßartig auf der Wasserfläche liegende primitive, schaukelige, im Wasser halb versinkende„Holzbrücke‘“, die zugleich als Startbrücke dient, begrenzt ist. Hier ist die Wassertiefe etwa 0,50 bis 1,50 m, während sie im übrigen Flußlauf, der den Schwimmern auf einige 100 m unbegrenzt zur Verfügung steht, bis nahezu 3 m beträgt. Sehr mangelhaft ist der Zustand des einzig vorhandenen Sprungbreittes; außerdem ist nicht eine einzige Brause vorhanden! Die Liegewiese dürfte wesentlich größer und in besser gepflegtem Zustande sein; Sportgeräte fehlen! Die Luftbader finden genügend Platz im Schatten des Viadukts. Die Badeanlage ist nach der Straße zu durch lange Hütten abgeschlossen, die in etwa 25, normal große, hygienisch einwandfreie Einzelkabinen abgeteilt sind. Auch überdachte offene Kleiderablagen sind eingerichtet. Sehr zu beanstanden ist die Tatsache, daß nur ein einziger(1!) und dazu noch sehr primitiver, enger, in eine Grube mündender Abort ohne Wasserspülung vorhanden ist. Die. Wasserverhältnisse sind im allgemeinen zufriedenstellend; nur in Zeiten längerer Trockenheit, in denen der Fluß durch das unterhalb gelegene Elektrowerk gestaut wird, tritt starke Algenbildung auf; nach Regentagen ist das Wasser sehr lehmig, vereinzelt stört auch die durch die Papierfabrik Weißenstein hervorgeufene Rotfärbung des Wassers, die bis hierher zu verfolgen ist. Das steinerne Flußbett sollte wenigstens beim Bad ausgebaggert werden. Es bedarf also noch mancher Ergänzung und Erneuerung, damit das Bad einigermaßen den Anforderungen der Hygiene entspricht. 43 Zusammenfassung. Zusammenfassend und vergleichend sind die Freibäder im oberen Enz tal und im Nagoldtal ihrer Anlage, Einrichtung und Benutzung nach, unter der Lupe der Hygiene gesehen, im allgemeinen als sehr befriedigend, zum Teil als sehr gut zu bezeichnen, während die Badeverhältnisse Pforz heims und der weiter talwärts gelegenen Plätze oft sehr zu wünschen übrig lassen. Vor allem gerade die Wasserverhältnisseunter halb Pforzheims sind außerordentlich schlicht; die Hauptschuld daran dürfte dem Einlauf der großen Pforzheimer Kläranlage beizumessen sein. Da wesentliche Leeistungssteigerungen derselben nicht erwartet werden kön nen, kommt für diese Gegend mit ihrer starken Bevölkerungszahl nur die Schaffung von Bassınbädern mit Filtration und Desinfektion des Bade wassers als zweckmäßig ın Betracht, Besondere Erwähnung und Anerkennung gebührt dem Liebenzel ler Freischwimmbad(mit Flußwasserspeisung!), das wohl als das hygienisch einwandfreieste Bassinbad gelten dürfte; eine ebenso her vorragende Stellung unter den Flußbädern kann das Freibad N euen b urg beanspruchen, Wir sehen eindeutig die alte Tatsache bewiesen, daß den Flußbädern eben doc h fast immer die größeren Mängel anhaften, sel€s durch unge nügende oder unbeständige Wassermenge, durch zu starke oder zu lang same Strömung, durch Verunreinigung des Wassers aus oberhalb der Bäder gelegenen Wohnbezirken oder Fabriken, oder durch Verschmutzung des Wassers nach Niederschlägen und bei Hochwasser. Grundsätzlich sollten deswegen nur dort Flußbadeanstalten errichtet werden, wo der Vorfluter nicht allzusehr durch die Abwässer von Städten und Industrie belastet wird, Andererseits dürfen wir unsere Anforderungen an die Hygiene der Freibäder auch nicht allzuhoch festsetzen, sondern müssen vorläufig, da wir ja noch in der Entwicklung des Freibadewesens stehen, zufrieden sein, wenn sich die Verhältnisse der Sommerbäder auf einem einigermaßen hygienischen Durchschnittsniveau halten. Wenn dann noch gewisse, nicht gar zu schwer wiegende Mängel bestehen, so bedeutet das Vorhandensein eines solchen Bades doch einen größeren Vorteil, als der gänzliche Ver zicht auf eine Badegelegenheit. Dieser praktische Standpunkt ist vor allem deshalb berechtigt, weil das deutsche Badewesen noch in der Entwicklung begriffen ist, Für jeden hygienisch Geschulten bleibt es aber trotzdem selbstveı ständliche Pflicht, durch Belehrung auf die noch bestehenden Mängel in der Anlage und im Betrieb schon vorhandener und durch Aufklärung auf die Notwendigkeit der Erstellung noch fehlender Badeanlagen hinzu weisen, Ein gewisses Verständnis für die Forderungen der Hygiene sollte auch bei den Bademeistern vorausgesetzt werden, damit sie rechtzeitig auf Mißstände aufmerksam machen können; da bisher eine besondere Fach ausbildung für sie nicht vorgesehen ist, so wäre ihre Teilnahme an den Desinfektoren-Kursen für diesen Zweck in Erwägung zu ziehen. 44 Die Aufsicht über die Schwimmbäder gehört zu den Aufgaben der Gesundheitsämter, deren Vertreter gegebenfalls die Hygiene Institute zur Lösung spezieller Fragen und zur objektiven Feststellung des Grades der Badewasserverunreinigung heranziehen sollten. Im Beginn der bakteriologischen Forsc hung mag die Infektionsgefahr ın Fluß- und Bassinbädern oft übertrieben worden seın, ganz wegzu leugnen ist diese Gefahr nicht, wenn auch durch die starke Verdünnung etwa hineingelangten infektiösen Materials die Wahrscheinlichkeit einer Anstec kung erheblich herabgesetzt wird und tatsächlich recht selten ein wandfrei auf eine Badewasserinfektion zurückzuführende'T'yphus-, Para typhus oder Ruhrerkrankungen bekannt geworden sind. Aber es konnten doch ausnahmsweise während des Krieges mit seiner stärkeren Ruhrver breitung sogar im Wasser einer Militärbadeanstalt(Bassın) einmal Ruhr bazillen durch das Untersuchungsamt Freiburg nachgewiesen werden. Es scheint daher wegen der praktischen Schlußfolgerungen nicht rat sam, die Meinung von Professor Beger als genügend begründet zu be trachten, der die Möglichkeit der Krankheitsübertragungen durch das Schwimmbadewasser ganz ablehnt; er neigt vielmehr zu deı Annahme, daß diese Krankheiten, mag es sich nun um infektiöse Darmkrank heiten wie Typhus, Ruhr und Geschlechtskrankheiten, um Spirochä tosen wıe die Weilsche Krankheit und das Schlammfieber, um Krank heiten der äußeren Haut, der Nasen- und Ohren-Krankheiten bzw. deren Nebenhöhlen, handeln, durch die Kleider, Kleiderablagen, Aborte, T’üren, Sportgeräte und unmittelbare Berührung hervorgerufen werden. Schließlich sei nochmals darauf hingewiesen, daß beim Bau von Badeanstalten die Wünsche des Architekten gegenüber denen des Hygienikers zurückzutreten haben, wodurch auch manche Kostenersparnis erzielt wer den kann. So drängt die Erhaltung und Förderung unserer Volksgesundheit un abweisbar auf den Bau weiterer hygienischer Freibäder, da diese und der damit verbundene Sport, wie kaum eine andere Einrichtung geeignet sind, unsere Jugend in planvoller Arbeit zu gesunden, kräftigen und gut ent wickelten Menschen zu erziehen, und ein Urquell gesündester Volkskraft zu werden, Wir wollen an dem Geleitsatz festhalten: „Jedem deutschen Volksgenossen nicht nur wöchentlich, sondern täg licheinSchwimmbad!“ Am Schluß meiner Arbeit ist es mir eine angenehme Pflicht, Herrn Prof. Dr. med. A, Nifile meinen ergebensten Dank auszusprechen für die freundliche Überlassung des Themas und für die Durchsicht der Arbeit. Literaturverzeichnis. Acklin und Gonzenbach: Die Freiluftbäder in hygienischer und gesundheitstechnischer Beleuchtung. Schweiz. Ztschr. für Hygiene 1933. S. 577. Adler: Die Reinigung und Sterilisierung des Wassers durch Hochchlorierung. Zentralbl. f. Hygiene 1930, S. 10. 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Streeter and Wright: Experimentelle Untersuchungen über die Reinigung von Wasser. Zentrbl. f. Hygiene, Bd. 25, 1931, S. 400. Tillmanns: Grundwasser und Oberflächenwasser. Vom Wasser 1930, S. 51. Vagedes: Wie steht es um die Colifrage? Gesundheitsingenieur, 1931. Viehson: Sterilisation von Badewasser mittels Katadyn. Gesundheitsingenieur, Bd. 56, 1933, S. 316. Weyl: Handbuch der Hygiene, Bd. 5. Wolf: Freibadbauten. Deutsche Bauzeitung, 1930. Beilage Stadt und Siedlung, S. 85. Berliner Strandbadbauten. Deutsche Bauzeitung 1930 II. S. 457/72. Lebenslauf. Am 19. September 1912 wurde ich, Fritz Trostel, als Sohn des Verwaltungsaktuars Karl J. Trostel in Neuenbürg i. Wttbg. geboren. Ich besuchte die Realschule in Neuenbürg und später die Oberrealschule in Pforzheim und bestand hier Ostern 1931 die Reifeprüfung(Abitur). Anschließend besuchte ich zum vorklinischen Studium der Zahnheilkunde die Universität Tübingen(Physikum); meine klinischen Semester verbrachte ich in München und Freiburg, wo ich am 4. Mai 1935 nach bestandenem Staatsexamen die Approbation als Zahnarzt erhielt. BLB Karlsruhe 55 49561 9 031