CS 2 RN UNE e 26. ö 8 vom 12. auf den 13. September 1865. Verfaßt und herausgegeben vom Central⸗Hülfscomite für die Abgebrannten. Mit Zeichnung und Plan. Neuenburg. 14. Oetober 1865. | | | J x 2 8. EA 6* CA— N N—— a 4. Moulin. Battoir et Seierie. . . . | U Ba. . ö. il N|—* a ..*. m Ds— Der Brand in Travers (Kanton Neuenburg, Schweiz) in der Nacht vom 12. auf den 13. September 1865. Verfaßt und herausgegeben vom Central-Hülfskomite für die Abgebrannten. Mit Zeichzung und Plan. Neuenburg. Oktober 1865, . Zur Nachricht, Nachfolgende, noch unvollkommene Darſtellung war anfangs keineswegs zur Veröffentlichung beſtimmt; aber die Nothwendigkeit, das Publikum aufzuklären und die zahlreichen Verlangen nach Auskunft haben das Central⸗Hülfskomite für die Abgebrannten des Dorfes Travers bewogen, dieſelbe dem Druck zu übergeben. — Der Brand in Travers (Kanton Neuenburg, Schweiz) in der Nacht vom 12. auf den 13. September 1865. Ueberall in der Schweiz und ſelbſt in den benachbarten Ländern wurden die Leute von tiefem Mitgefühl ergriffen, als ſie die Kunde vernahmen von der ſchreckenvollen Zerſtörung des inz duſtriellen und großen Dorfes Travers. Nachfolgende Darſtellung, an Ort und Stelle des Unglücks und nach authentiſchen Angaben verfaßt, wird wenigſtens inſofern von Nutzen ſein, als dadurch ungenaue oder zu unvollſtändige Berichte verbeſſert und der öffentlichen Meinung über den wahren Umfang dieſes unheilvollen Ereigniſſes, ſowie über ſeine Folgen für Gegenwart und Zukunft dieſes Ortes ſichere Anhaltspunkte gegeben werden. Es iſt kaum möglich, die erhabene Schauerlichkeit jener denkwürdigen Nacht vom 13. September zu beſchreiben; die Feder ſträubt ſich dagegen und die in den ſchweizeriſchen Blättern erſchienenen Berichte ſind nur ein ſchwaches Echo der grauenvollen Wahrheit. Wie ſich die vom hohen Staatsrathe von Neuenburg erlaſſene Proklamation ausdrückt, kennt die Geſchichte unferes Landes kein Beiſpiel einer ähnlichen, eben ſo vollkommenen und nach menſchlicher Anſicht unheilbaren Zerſtörung. Die Tauſende von Beſuchern, welche ſich in unſern Ruinen umge: ſehen haben, können ſelbſt urtheilen, mit Ausnahme von 8 wr oder 9 Häuſern, ſind es alte Gebäude von geringem Werthe, die dem furchtbaren Elemente entgangen ſind; alle öffentlichen Gebäude ſind ein Raub der Flammen geworden, mit alleiniger Ausnahme des Kirchenſchiffes, welches übrigens auch Schaden gelitten, zwar weniger vom Feuer als vom Waſſer, das zum TLöſchen des brennenden Kirchthurms verwendet wurde. Dieſe plötzliche Verheerung iſt um ſo ſchrecklicher und auffallender für unſere Bevölkerung, als nicht nur ſeit Menſchengedenken, ſondern nach den Archiven der Gemeinde, die bis in's Jahr 1480 hinaufreichen, wie auch nach Privatarchiven und nach den älteſten Traditionen, kein einziges Haus dieſes Dorfes je vom Feuer verzehrt worden iſt, wenn auch Anfänge von Feuersbrünſten daſelbſt nicht ſeltener waren, als an andern Orten*). Das Schloß verdankt ſeine Erhaltung und Rettung den dasſelbe zahlreich umgebenden Bäumen, ſowie den Spritzen der umliegenden Ortſchaften. Von ſeinen Eigenthümern in großmüthiger Weiſe dem Central⸗Hülfskomite zur Verfügung geſtellt, dient es jetzt demſelben als Sitzungslokal, zu welchem Zwecke es auch für alle öffentlichen Dienſte, von den verſchiedenen Räthen, Commiſſionen, dem Friedensrichter ꝛc. benützt wird*). *) Es iſt hier am Platze zu erwähnen, daß die Raſchheit der Hülfeleiſtung unſerer Feuerwehrmannſchaft, wie unſerer Bevölkerung im Allgemeinen ſeit lange her bei unſern Nachbarn bekannt war, und daß dieſes Dorf das erſte des Traversthales war, welches nach dem Beiſpiele von Locle und Chanz⸗de⸗fonds feine Feuerwehrmannſchaft ſchon im Jahre 1845 in zweckmäßig ausgerüſtete und regelmäßig eingeübte Kompagnieen organiſirte; dieſelben waren in letzter Zeit auf 6 gebracht worden, nämlich eine Kompagnie für den Rettungs⸗ und Wachtdienſt, eine aus Maurern, Zimmerleuten 26: beſtehende Arbeiter⸗Kompagnie und vier Kompagnieen Spritzenmannſchaft, im Ganzen 251 Mann. Die Geräthſchaften waren auf's Beſte hergerichtet und wurden jedes Jahr vermehrt. **) Das Schloß in Travers ſcheint um's Jahr 1490 erbaut worden zu ſein. Seither ganz oder theilweiſe umgebaut, bietet es gegenwärtig nur noch den Anblick eines Gebäudes moderner Architektur dar. Es iſt jedoch wahrſcheinlich, daß das jetzige Schloß auf der Stelle irgend einer frühern Konſtruktion ſteht; denn ſchon in einem Dokumente aus dem Jahr 1257 iſt die Rede von Guillaume de Travers, Ritter und vielleicht Be ſitzer eines in dieſem Orte gelegenen Lehens. — hi Das Feuer brach eine halbe Stunde nach Mitternacht auf dem Eſtrich eines ſchönen, neuen und großen Hauſes aus, das, ganz aus Steinen erbaut, am öſtlichen Ende des Dorfes liegt und dem Chef der Feuerwehrmannſchaft gehört; die vom Bezirksgericht zum Zwecke der Erforſchung der Urſachen oder der Urheber des Brandes angeordnete Unterſuchung iſt bis jetzt ohne Reſultat geblieben. Seit dem vorhergehenden Abende herrſchte ein heftiger, trockener Nordoſtwind, der bald in einen Nordnordoſt umſchlug, ſo daß eine Stunde nach dem erſten Feuerlärm das ganze Dorf bis an die äußerſten Häuſer in Flammen ſtand, wozu auch die lange Trockenheit und die zahlreichen dürren Schindeldächer das ihrige beitrugen; nur 22 Häuſer, welche ſich außerhalb der Richtung des Windes befanden, blieben verſchont. Ohne eine ſolche raſend ſchnelle Verbreitung des Feuers zu ahnen, blieben die Bewohner der ſüdlichen und ſüdweſtlichen Quartiere zu lange auf dem Brandplatze, wo das Feuer angefangen hatte, ſo daß ſie nicht mehr von ihrer Habe retten konnten, als die Bewohner des öſtlichen Quartiers, das zuerſt Die Lehnsherrſchaft von Travers, wie dieſelbe bis 1827 beſtand, datirt von einer Infeodationsakte vom Jahr 1413, welche der Graf Konrad von Freiburg an Johann J. von Neuchatel, Lehnsherrn zu Vaumareus, bewilligte; der Vater des Letztern war bekanntlich Girard de Neuchatel, ein natürlicher Sohn von Jean⸗le⸗Bel, letzter männlicher und legitimer Sprößling der Grafen von Neuenburg vom Hauſe Vinelz. Von 1413 bis 1611 blieb die Lehnsherrlichkeit von Travers im Beſitze der Neuchstel⸗Vaumareus; um dieſe Zeit kam dieſelbe nach einem langen Prozeſſe an Anna von Neuenburg, Gemahlin des Ulrich von Bonſtetten. Die Söhne deſſelben, Franz und Rudolf, folgten ihm nach auf ſeiner Herrſchaft in Travers; der ältere unter dem Namen Herr von Travers und der jüngere, Rudolf, unter demjenigen eines Herrn von Roſieres. Ulrich von Bonſtetten, ein Sohn Franzens, hinterließ eine Tochter, Anna Maria, welche ſich mit Heinrich von Sandoz vermählte, wodurch nach mehreren, von ihr und ihren Söhnen geführten und gewonnenen Prozeſſen die Herrſchaft zu Travers an die Familie von Sandoz kam, welche bis in's Jahr 1826 im Genuſſe der herrſchaftlichen Rechte dieſes Lehens blieb und noch im Beſitze des alten herrſchaftlichen Schloſſes iſt. = Q= Feuer fing; Jedermann erſchöpfte umſonſt feine Kräfte, opferte feinen Muth und feine Zeit, um den erſten Feuerheerd zu bewältigen. Viele Bewohner, die ſelbſt beim Brande ihrer eigenen Häuſer und der theuerſten Gegenſtände in ſtummem Entſetzen ruhig geblieben waren, vergoſſen Thränen der Verzweiflung beim Anblick der brennenden Kirchthurmſpitze, die ſo eben eine Beute der immer mächtiger werdenden Flammen geworden war. Bald dehnte ſich das Feuer bis auf den Glockenſtuhl hinab aus, ſo daß der hohe Dachſtuhl in ſeiner ganzen Ausdehnung während zweier langer Stunden wie ein brennender Leuchtthurm ausſah, dazu beſtimmt, die weite Schreckens und Verwüſtungsſcene zu beleuchten. Vor der Wuth der Elemente wären hundert Spritzen und tauſend Pompiers mehr ohnmächtig geweſen, dem Feuer Einhalt zu thun, und man konnte in dieſer ſchrecken vollen Nacht ſehen und fühlen, was die Kraft der Stärkſten, die Geiſtesgegenwart und die Vorſicht der Weiſeſten vermögen, wenn der Allmächtige ſich erhebt, um zu ſtrafen. In weniger als einer Stunde war die Luft in der ganzen Ausdehnung des Dorfes bis zur Glühhitze erwärmt, Bretter und Latten fingen Feuer ſelbſt unter den Ziegeln, und das Feuermeer, das alle Straßen anfüllte, lieh den ſchwarzen Rauchwolken, die die ſchreckliche Scene einhüllten, ſeinen unheilverkündenden, düſtern Schein. Lange entzogen dieſelben den am klaren Himmel leuchtenden Mond unſern Blicken, bis gegen Tagesanbruch hin fein ruhiges ſtilles Licht ein letztes mal den in ſich zuſammenſtürzenden Kirchthurm begrüßte. Gleichzeitig ertönte von der im verbrannten Glockenſtuhle ſich auf die Seite neigenden großen Glocke ein letzter erhabener, aber unnützer Hülferuf?*). *) Die Pfarrgemeinde Travers, eine der älteſten des Landes, eziſtirte ſchon im Jahre 1228.„In decanatu de Novo Castro sunt. Ecclesie: Sanctus Bricius sive Dombrecon, Engolun, Fontanes, Corfrano, Penis, Sanctus Surpicius, Travers, etc.“(Matile: Monuments LXXXVI.) Dem heiligen Como gewidmet, wurde die Kirche von zwei Benediktinermönchen von Motiers bedient; dieſelben hatten der Tradition zufolge ihre — In der ſogenannten Mühlengaſſe, welche ſich zwiſchen der die Kirche tragenden Anhöhe und dem Bache hinzieht, ſahen ſich mehrere Perſonen in die Unmöglichkeit verſetzt, ſich durch die Nordſeite ihrer brennenden Häuſer retten zu können, oder der großen Straße entlang zu fliehen, da letztere vom einem Ende des Dorfes bis an's andere nur ein Feuer bildete. Um dem Tode zu entgehen mußten dieſelben dem Bache entlang fliehen und denſelben durchwaten, um auf der andern Seite neue Gefahren zu finden. Hier könnten und ſollten wir vielleicht mehrere Züge von Selbſtverläugnung und ſelbſt von Heldenmuth anführen, würdig zur Veröffentlichung gebracht zu werden, und denen man es zu verdanken hat, daß nicht eine größere Anzahl menſchlicher Opfer zu beklagen ſind. Bei dieſer Gelegenheit ſei denn auch der ſchmerzlichſten Begebenheit dieſer Schmerzensnacht erwähnt. Ein Mädchen von 14 Jahren, die einzige Hoffnung einer armen Wittwe, wohnhaft im Hünibach bei Thun, hat, nachdem es ſich in den Keller des Hauſes ſeines Dienſtherrn geflüchtet, daſelbſt einen traurigen Tod gefunden; ihr Körper wurde erſt zehn Tage ſpäter gefunden und am Abend des gleichen Tages unter Anweſenheit einer theilnahmsvollen und tief ergriffenen Menge beerdigt. Wohnung in demjenigen Quartiere, das noch heute den Namen„Abtei“ führt(Dr. Allamand: Description de la juridiction de Travers, eine von der société d'émulation in Neuchätel gekrönte Denkſchrift). Als nach der Reformation die alte Kapelle des heiligen Como zu klein geworden war, wurde dieſelbe umgeändert und es blieb von der ehemaligen katholiſchen Kirche nur noch der öſtliche Theil, gegenüber dem Thurme, nämlich das Chor, in Mauerwerk gewölbt, mit Rippen in ausgehauenen Steinen, welche von den 4 Ecken ausgehen und ſich im Schlußſtein des Gewölbes vereinigen, Zwiſchen dieſem ältern Theile und dem Thurme befindet ſich das Kirchenſchiff, von leichterer und neuerer Konſtruktion, (1569), beide Theile des Gebäudes find durch eine breite Wölbung von 28 Fuß Spannung mit einander verbunden. Das Ganze wurde Anno 1852 unter der Leitung des Herrn Perrier, Architekten in Neuenburg, reſtaurigt BB— Mit Hülfe der Spritzen der benachbarten Dörfer konnte man ein brennendes Landhaus, die Belleta genannt, löſchen, das 12 Minuten vom Dorfe liegt, und bereits Feuer gefangen hatte; mit Beruhigung ſahen es die Bewohner der naheliegen—den Pachthöfe und ſelbſt diejenigen von Couvet, wo brennende und verkohlte Holzſtücke in Menge niederfielen. Heute ſind die Straßen, die ehemals ſo belebt waren, nur noch eine Wüſte... Da und dort erblickt der über dieſen Anblick trauernde Beſucher die düſtern Geſichter einiger Unglücklichen, welche beſchäftigt ſind, unter den Trümmern ihrer Wohnungen einige metalliſche Ueberreſte oder die Ueberbleibſel von Gegenſtänden hervorzuſuchen, die ihrem Andenken theuer find; von Bauholz oder hölzernen Geräthſchaften iſt in den meiſten eingeäſcherten Häuſern kaum noch eine Spur vorhanden. In der glühenden Hitze, welche herrſchte und die ſich 8 bis 10 Tage lang in den Trümmerhaufen erhielt, ſchmolzen die Metalle ſogar zuſammen.— Unter den zahlreichen Familien, deren Beſitzthum der fürchterlichen Verheerung zum Opfer fiel, gibt es kaum zehn, welche einen Drittheil oder die Hälfte ihrer beweglichen Habe gerettet haben; noch bedauernswerther iſt der zerrüttete oder ganz ruinirte Geſundheitszuſtand vieler Perſonen in Folge von Erkältungen, von übermäßigen Anſtrengungen, von Furcht und von moraliſcher und phyſiſcher Erſchlaffung, ohne von den ſchmerzhaften Brandwunden zu ſprechen. Die Fabrik des Hrn. P. E. Jacottet, welche 250 bis 300 Arbeiter in der Uhrenmacherei beſchäftigt, iſt gerettet worden, aber die meiſten Arbeiter ſind obdachlos geworden; jedoch haben viele derſelben in den noch übrigen Häuſern und in den umliegenden Weilern ein proviſoriſches Unterkommen gefunden und ihr Arbeitgeber läßt es ſich angelegen ſein, ihnen definitive Wohnungen zu verſchaffen. Was am meiſten die Exiſtenz ſelbſt dieſer Lokalität bedroht und uns manchmal daran zweifeln läßt, ob dieſelbe je wieder aus ihren Ruinen erſtehen werde, das iſt erſtens der ungeheure Verluſt der Häuſerbeſitzer und Induſtriellen, wovon viele ſelbſt = Hz— ihre Bücher, Papiere, Werkzeuge und Maſchinen verloren haben; zweitens der gänzliche Verluſt der dießjährigen Erndte und des Heuertrages und drittens derjenige aller öffentlichen Gebäude und ihrer Geräthſchaften, was für die Gemeinde einem faſt vollkommenen Ruine gleichkommt, da dieſelbe nicht reich an Korporationsgütern iſt; mußte ſie doch erſt in jüngſter Zeit einen außerordentlichen Aufruf an die Chriſtenliebe ihrer anund abweſenden Gemeindeglieder erlaſſen, um nur ihre Armen erhalten zu können. Bei'm erſten Punkte iſt hervorzuheben, daß zwiſchen dem Ankaufspreiſe oder den Baukoſten der Häuſer und der bei der Kantonalaſſekuranz verſicherten Summe im Allgemeinen ein ̃ſchreiendes Mißverhältniß exiſtirt; ſo wurde letztes Jahr ein Haus auf öffentlicher Steigerung zu 7500 Fr. verkauft, das nur für 2500 Fr. verſichert war. Ein anderes koſtete mehr als 40000 Fr., als es gebaut wurde; ſtatt deſſen erhält der Eigenthümer einen Schadenerſatz von 19,600 Fr.; überdieß waren die hausräthlichen Gegenſtände und Waarenvorräthe deſſelben Hauſes im Werthe von 31,200 Fr. nur für 18,000 Fr. verſichert, nach einer Schätzung vom Jahre 1855. Ein dritter Hauseigenthümer, welchem eine Geſellſchaft vor 10 Jahren 36,000 Fr. für ſein Haus anbot, erhält von der gegenſeitigen Kantonalverſicherung nur 19,000 Fr.; eine Hypothekarſchuld von 14,000 Fr. haftet auf dieſem Haufe.— Ein großes, neues Haus, das kaum beendigt worden, und 29— 30,000 Fr. koſtete, war für 10,300 Fr. verſichert, nach der Schätzung, die vorgenommen wurde, als es unter Dach kam;— die definitive Schätzung hätte nächſtens ſtattfinden ſollen. Es ſei noch eines Gebäudes erwähnt, deſſen Konſtruktion 47, 800 Fr. erforderte, und für welches die kantonale Verſicherungsanſtalt nur eine Entſchädigung von 28000 Fr. bezahlen wird. Die oft lächerliche Unzulänglichkeit dieſer Schätzungen wird, wenn möglich, noch überboten durch diejenige der Kirche und des Kirchthurms, für deren einfache Ausbeſſerung und Wiederherſtellung im Jahr 1862 mehr als 13,000 Fr. ; von der Gemeinde verausgabt wurden und die zuſammen nur für 27,000 Fr. verſichert find. Dieſe Angaben, denen leicht noch viele ähnliche Beiſpiele beigefügt werden könnten, mögen genügen, um ſich von dem bisher befolgten Schätzungsſyſtem einen Begriff zu machen. Im Ganzen genommen, waren die 101 eingeäſcherten Gebäude nur für 689, 000 Fr. verſichert, während ihr verkäuflicher Werth mehr als 1,200,000 Fr. betrug und der koſtende Preis noch höher iſt. An Mobilien, Maſchinen und landwirthſchaftlichen Geräthen waren für circa 480 000 bis 500,000 Fr. verſichert, worauf jedoch gewiſſe fremde Geſellſchaften Abzüge machen, deren Betrag wir noch nicht kennen. Der Werth aller beweglichen Habe, die verbrannt, verdorben oder verloren gegangen iſt, mit Hinzufügung der verkohlten Düngerhaufen und eingeäſcherten Erntefrüchte, kommt dem Werthe der verbrannten Häuſer mindeſtens gleich. Was nun den eigentlichen landwirthſchaftlichen Verluſt anbetrifft, das heißt den Minderwerth, den die Felder erleiden werden in Folge der Zerſtörung ſowohl der Erntefrüchte als des Düngers, und in zweiter Linie in Folge des zur Nothwendigkeit gewordenen Verkaufes faſt ſämmtlichen Viehes, ſo iſt es ſchwer, denſelben zu beſtimmen; immerhin wird ſich der Mangel an Erſatzſtoffen für die Felder und Wieſen längere Zeit fühlbar machen und den künftigen Ertrag beeinträchtigen, was um ſo drückender iſt, als der dießjährige Futterertrag unſerer Berge durch die anhaltende Trockenheit auf die Hälfte des gewöhnlichen Ertrages reduzirt wurde. Zudem verlieren viele Grundbeſitzer ihren dießjährigen Pachtzins, da die meiſten Pächter nach ſo bedeutenden Verluſten kaum im Stande ſein werden, denſelben zu entrichten. Wir haben bereits einige Andeutungen über die Verluſte gegeben, die die Gemeinde erlitten hat; es genüge hier anzuführen, daß die Glocken, die Thurmuhr und der Dachſtuhl des Kirchthurms neu herzuſtellen ſind, daß die Schule mit allen Geräthſchaften für fünf Klaſſen, das Gemeindehaus, mehrere SAN öffentliche Bibliotheken, das Magazin der Feuergeräthſchaften mit einem Theil ſeines Inhalts ganz zu Grunde gerichtet ſind. Das iſt das traurige, aber getreue Bild unſerer Lage; es braucht keines weitern Beweiſes um zu zeigen, daß dieſer Brand, der die fünf Sechstel des ganzen Dorfes zerſtört hat, keiner jener gewöhnlichen Unglücksfälle iſt, die mit Hülfe der Nachbarn leicht wieder gut gemacht werden können. Wenn es erlaubt iſt, denſelben mit demjenigen von Glarus zu vergleichen, ſo möchte er ungefähr einem Drittheil deſſelben gleichkommen; aber Glarus hat den Vortheil vor uns, ein Kantonshauptort zu ſein, deſſen Stellung im Kanton und in der Eidgenoſſenſchaft, als politiſches und induſtrielles Centrum mit weitverbreiteten Verbindungen im Auslande, ihm bedeutende Hülfsmittel verſchaffte, ſo daß alle ſchweizeriſchen Konſulate in nahen und fernen Ländern wetteiferten mit Organiſirung von Sammlungen zu ſeinen Gunſten. In Glarus hat das Feuer zwei Fünftheile der Häuſer verſchont, und die nicht abgebrannte Bevölkerung bildete noch einen hinlänglich feſten Kern, ſowohl in moraliſcher als in finanzieller Beziehung, um die Intereſſen des bedrohten Ortes in ſichere Hände zu nehmen; hier haben wir es mit einer faſt vollſtändigen Auflöſung zu thun: ein Dorf von 1400 Einwohnern plötzlich auf 5 bis 600 reduzirt, obwohl die übriggebliebenen Häuſer aufgenommen haben, ſo viel darin Platz hatte. Wir müſſen uns alſo hauptſächlich auf die Abgebrannten ſelbſt ſtützen für die Reorganiſation der öffentlichen Inſtitutionen, um die vom heimatlichen Heerde Entflohenen wieder zurückzurufen und um mit Hülfe brüderlich eidgenöſſiſcher Handreichung unter dem Schutze Gottes den Grund zu einer neuen und beſſern Zukunft zu legen. Man kann ſagen, daß der Brand aufgeräumt hat mit Allem, was zum öffentlichen und Privatleben gehört; Alles iſt neu zu ſchaffen, und von dem großen, blühenden Dorfe, dem Mittelpunkte einer Pfarrgemeinde von 2500 Seelen, bleiben kaum zwei Häuſergruppen, die an den beiden Enden des langgeſtreckten Dorfes wie verloren ſind, und weder Bäckerei noch J ein Abſteigequartier für Reiſende haben; denn die drei Gaſthöͤfe, die Mühle, Säge, Gerberei, Bierbrauerei ꝛc. ſind nebſt ihrem Inhalte den Flammen zum Opfer gefallen. Bei näherer Prüfung der Frage, wie das Dorf wieder aufzubauen ſei, iſt bald einzuſehen, daß die Summe von 2 Millionen, welche ungefähr den Totalſchaden repräſentirt, bei Weitem nicht genügen wird zur Herſtellung der Wohnungen, der Mobilien, Geräthſchaften und Werkzeuge aller Art, deren die tauſend Perſonen bedürfen, welche durch den Brand obdachlos geworden ſind, und um alle zerſtörten Einrichtungen wieder in Stand zu ſetzen. In der That ſind eine Menge alter Häuſer, die zum Theil für landwirthſchaftliche Zwecke, zum Theil als bequeme, einen guten Ertrag abwerfende Wohnungen eingerichtet waren, nur für unbedeutende Summen (von 2= 5000 Franken) verſichert, während die Eigenthümer derſelben in Folge der heutigen theuren Preiſe der Baumaterialien und Arbeitslöhne und der ſtrengen Vorſchriften des Geſetzes über neue Konſtruktionen zum Wiederaufbau wenigſtens 5 bis 6 mal jo viel zu bezahlen haben werden, als fie von der kantonalen Verſicherungsanſtalt für Entſchädigung erhalten. Hierbei iſt zu bemerken, daß dieſe auf Gegenſeitigkeit ge: gründete Anſtalt den Abgebrannten die Summe von 689, 000 Fr. zu entrichten hat, deren Ausbezahlung ſammt den anderweitigen Entſchädigungen den Hausbeſitzern des Kantons zur Laſt fällt, und daher nothwendigerweiſe den Betrag der Liebesſteuern im Innern des Kantons vermindern muß. Ein weiteres Hinderniß für den Wiederaufbau bilden die Hypotheken, welche auf einem guten Theil der neuen Häuſer von größerm Werthe haften; für Mehrere wird nach Abzug dieſer Laſten von der zu empfangenden Verſicherungsſumme faſt nichts übrig bleiben. Es unterliegt keinem Zweifel, daß der baldige Abſchluß eines Uebereinkommens, welches die allgemeinen Intereſſen über die Privatintereſſen ſetzen würde, ſowie die raſche Anfertigung eines zweckmäßigen Geſammtbauplanes mehr als alles Andere Kw dazu beitragen würde, die Zukunft des Dorfes ſicher zu ſtellen. In dieſer Hinſicht zählen wir auf die Umſicht und den unermüdlichen Eifer des Staatsrathes, deſſen bisheriges Thun und Wirken in dieſer Beziehung uns alles Vertrauen in ſeine fernere Fürſorge einflößt. So viel iſt gewiß, daß es ſich für unſer Dorf um Sein oder Nichtſein handelt; lange Auſtrengungen, eine beharrliche und verſtändige Ausdauer von Seite unſerer unglücklichen Bevölkerung können allein dazu verhelfen, dasſelbe aus ſeinen Trümmern aufzurichten. Aber zur Erhaltung der Zuverſicht in eine beſſere Zukunft, zur Ermuthigung, zu der nothwendigen Beharrlichkeit bedarf dieſelbe der brüderlichen und thatkräftigen Hülfe von außen. Wir erſuchen darum in der Zuverſicht, daß der Gott unſerer Väter auch der Gott ihrer ſchwergeprüften Söhne iſt; Er leitet die Herzen der Menſchen wie Waſſerbäche; Er wird auch unſere Sache bei unſern Brüdern und Eidgenoſſen in die Hände nehmen. Möge die verhängnißvolle Nacht vom 13. September 1865 für unſer Dorf eine ſchmerzhafte Wiedergeburt für eine neue und beſſere Zukunft geweſen ſein, und für unſer liebes, edles Vaterland die Gelegenheit werden, in ſeiner Geſchichte ein ruhmreiches Blatt mehr einzuſchreiben. Travers, den 4. Weinmonat 1865. Das Central⸗Hülfskomite für die Abgebraunten. Das Central-Hülfskomite beſteht aus Abgeordneten des abgebrannten Dorfes und ſolchen der meiſten Ortſchaften des Traverthales. Sein Büreau iſt folgendermaßen beſetzt: Präſident: Hr. Jac ottet, Pfarrer des Kirchſpiels. 1. Vice⸗Präͤſident:„ FJ. de Montmollin, Direktor der Sparkaſſe in Neuenburg. J 2. Vice⸗Präſident:„ Conſtant Jun od, Handelsmann und alt-⸗Großrath in Couvet. Kaſſier:„X. E. Mon tand on, alt⸗Staatsrath in Travers. Sekretär:„ F. Misville, Lehrer in Travers. NB. Bis zum 4. Weinmonat betrugen die ſowohl bei'm Central⸗Hülfskomite, als bei der Sparkaſſe in Neuenburg und bei'm Comptoir d'escompte in Fleurier eingegangenen Liebes: ſteuern ungefähr die Summe von 140,000 Franken. Nächſtens wird eine allgemeine detaillirte Liſte der eingegangenen und unterzeichneten Beträge erſcheinen. Peſanntmachung. — Liebe Mitbürger! Ein ſchrecklicher Brand hat ſoeben das große Dorf Travers faſt vollſtändig zerſtört; hundert und ein Häuſer ſind in der Nacht vom 12. auf den 13. September eine Beute der Flammen geworden. Das zerſtörende Element, durch einen mächtigen Nordoſtwind angefacht, hat mit einer raſenden Schnelligkeit ſein Werk voll eracht. Ein großer Theil der beweglichen Habe und alle Erntefrüchte ſind vernichtet worden. Mehr als zwölfhundert Perſonen ſind auf dieſe Weiſe nicht nur obdachlos geworden, ſondern der größte Theil derſelben befindet ſich augenblicklich ohne alle Exiſtenzmittel. Unter ſolch traurigen Umſtänden wird der großmüthige Sinn des neuenburgiſchen Volkes ſeine Pflicht nicht verkennen. Schon bei der erſten Nachricht von dem Brandunglück haben mehrere Ortſchaften Geld, Lebensmittel, Kleidungsſtücke und andere Gegenſtände auf die Brandſtätte geſandt, was in Verbindung mit den Geldmitteln, die der Praͤſident des Staatsrathes mit — Q einem Morgens 4 Uhr abgegangenen Spezialeiſenbahnzug an Ort und Stelle brachte, erlaubt hat, die erſten und größten Bedürfniſſe zu befriedigen. Subſcriptionsliſten ſind in den Zeitungsbureaux aufgelegt; aber die Noth iſt ſehr groß, die Verluſte ſind ungeheuer nnd die beklagenswerthen Wirkungen des Brandes werden ſich lange fühlbar machen. Der Staatsrath, wenn er auch dankbar anerkennt, was ſchon gethan worden iſt und gegenwärtig gethan wird, um den unglücklichen Abgebrannten von Travers Hülfe zu bringen, hält es deßhalb für ſeine Pflicht, im Kanton eine Sammlung von Haus zu Haus zu veranſtalten. Wir haben demzufolge den Hrn. Präfekten Auftrag gegeben, dieſelbe ohne Verzug vornehmen und in allen Ortſchaften ihrer betreffenden Bezirke organiſiren zu laſſen. Noch nie iſt der edelmüthige Sinn des neuenburgiſchen Volkes bei Gelegenheit großer Unglücksfälle vergebens angerufen worden, mögen dieſelben unſern Kanton, unſere Miteidgenoſſen oder unſere Nachbarn betroffen haben; heute, wo es ſich um das größte Unglück handelt, das je ſeit Menſchengedenken über unſern Kanton hereingebrochen iſt, und eine bedeutende Anzahl unſerer Mitbürger betroffen hat, zweifeln wir nicht daran, daß die ges ſammte Bevölkerung auf glänzende Weiſe ihre Gefühle chriſtlicher Bruderliebe gegenüber den Leidenden an den Tag legen und ſo auf thatſächliche Weiſe unſeren ſchönen Wahlſpruch verwirklichen werde:„Alle für Einen, Einer für Alle!“ Unfere Kantonspolizei⸗-Direktion wird alle Gaben, welcher Art ſie auch ſein mögen, in Empfang nehmen, deren billige Vertheilung überwachen und ſeiner Zeit Rechnung darüber ablegen. Bei Gelegenheit dieſes ernſten Brandunglückes halten wir es, liebe Mitbürger, von Nutzen, Euch einige Verhaltungsregeln anzuempfehlen, welche die gegenwärtigen Umſtände genügend rechtfertigen. Die auch jetzt noch herrſchende außergewöhnliche Trockenheit, durch welche ſich dieſes Jahr auszeichnete, der Waſſermangel in einigen Ortſchaften, und der anhaltende Oſtwind, dem hauptſächlich die große Ausdehnung des Brandes in Travers zuzuſchreiben iſt, gebieten Jedermann die thätigſte und anhaltendſte Wachſamkeit. An den lokalen Verwaltungs behörden iſt es aber in erſter Linie, dieſer Pflicht in beſonderer Weiſe nachzukommen. Wir anempfehlen denſelben daher ganz ausdrücklich, ſo lange es die Umſtände erheiſchen, die kräftigſten Maßregeln zu ergreifen, nicht nur um im Stande zu ſein, der Feuersgefahr entgegenzutreten, falls ſie ſich zeigen ſollte, ſondern vor Allem und hauptſächlich, um derſelben zuvorzukommen und fo zu Jagen unmöglich zu machen. = WW= Ohne behaupten zu wollen, daß an den Gerüchten, welche die zahlreichen, fait jeden Tag ausbrechenden Brandunfälle in der Schweiz der Böswilligkeit zuſchreiben, nichts Wahres ſei, glauben wir, daß in den meiſten Fällen die Urſache in Unvorſichtigkeit oder Nachläſſigkeit zu ſuchen iſt. Auch iſt erwieſen, baß in gewiſſen Jahren die Gährung der Futterſtoffe eine Feuer veranlaſſende Urſache iſt. Wie dem auch ſein möge, wird unſer Polizei⸗Departement ſeine Ueberwachung verdoppeln hinſichtlich unbekannter, herumſtreichender oder verrufener Individuen, die verdächtig ſein könnten, mit böſen Abſichten umzugehen. Liebe Mitbürger! Die Nacht vom 12. auf den 13. September 1865 wird in dem Buch unſerer Geſchichte eine traurige Seite einnehmen. Indeſſen hängt es nur von unſern Miteidgenoſſen und von unſern Mitbürgern ab, daß in einigen Jahren die Folgen dieſes großen Brandunglückes in ſonderlicher Weiſe vermindert ſein werden, wenn wir nämlich durch unſere finanzielle Vermittlung den Muth unſerer Freunde von Travers wieder aufrichten, damit man ſtatt der noch rauchenden Trümmer in Bälde dieſes ſchöͤne, induſtrielle Dorf neu aufblühen ſehe. Alſo an's Werk, liebe Mitbürger; bringe Jeder ſeine Opfergabe und möge uns die Vorſehung vor neuen Unglücksfällen bewahren. Neuenburg, den 14. September 1865, Im Namen des Staatsraths: Der Präſident, Henri Touchon. Der Sekretär, George Guillaume. DES DORFES Gare de SS 7rave Ps aÖgePrannt m der Nacht des 12 auf der Scptbr 1865. Massstab= 2500. — ———+ 9. 26 PCzel du Molt 5 ve 5 Ves©. 53———— . DA 6 7 ARE—. 9 ua bier Mbiev ite J ; SCHLOSS. ] ua zie du Monin LEGENDE. noch stehende Hauser. abgebrannte Hauser a; Es sind zusamen 107 Hauser abgebrannt 0 Eigentümern gehörend. Die Zahl der , belauft sich ohngefähr auf” Tausend