0. Zum Beiten der Abgebrannten in Donaueſehingen= Seid getrost! Predigt über fiaggai 2, 1-9, gehalten in dem evang. Gottesdienst in Donaueſehingen am 8. Sonntag nach Frinitatis, den 9. August 1908, nach dem großen Brandunglücß vom 5. August 1908= Von Karl Bauer Evang. Stadtpfarrer. ſieidelberg Evangelischer Verlag 1908. 1 Seid getroſt Text: Am ein und zwanzigſten Tage des ſiebenten Monats geſchah des Herrn Wort durch den Propheten Haggai und ſprach: Sage zu Serubabel, dem Sohn Sealthiels, dem Fürſten Judas, und zu Joſua, dem Sohn Jozadaks, dem Hohenprieſter, und zum übrigen Volk, und ſprich: Wer iſt unter euch überblieben, der dies Haus in ſeiner vorigen Herrlichkeit geſehen hat? Und wie ſehet ihr's nun an? Iſt's nicht alſo, es dünket euch nichts zu ſein? Und nun, Serubabel ſei getroſt! ſpricht der Herr; ſei getroſt, Joſua, du Sohn Jozadaks, du Hoherprieſter! ſei getroſt alles Volk im Lande! ſpricht der Herr, und arbeitet; denn ich bin mit euch, ſpricht der Herr Zebaoth. Nach dem Wort, da ich mit euch einen Bund machte, da ihr aus Aegypten zoget, ſoll mein Geiſt unter euch bleiben. Fürchtet euch nicht! Denn ſo ſpricht der Herr Zebaoth: Es iſt noch ein Kleines dahin, daß ich Himmel und Erde, das Meer und das Trockne bewegen werde. Ja, alle Heiden will ich bewegen. Da ſoll dann kommen aller Heiden Beſtes; und ich will dies Haus voll Herrlichkeit machen, ſpricht der Herr Zebaoth. Denn mein iſt Silber und Gold, ſpricht der Herr Zebaoth. Es ſoll die Herrlichkeit dieſes letzten Hauſes größer werden, denn des erſten geweſen iſt, ſpricht der Herr Zebaoth; und ich will Frieden geben an dieſem Ort, ſpricht der Herr Zebaoth.(Haggai 2, 1-9.) Schwere, furchtbar ſchwere Tage liegen hinter uns. Wer von uns ſie hier miterlebt hat, der wird ſie bis an ſein Ende nicht vergeſſen können. Von einem Unglück iſt unſere Stadt heimgeſucht worden, wie es in ihrer tauſendjährigen Geſchichte ohne Beiſpiel iſt, und wie es in unſerem ganzen Lande, ſeit Menſchen denken, in ſolcher Ausdehnung nicht vorgekommen iſt. Am letzten Mittwoch haben wir eine Feuersbrunſt durchgemacht mit all ihrer Aufregung und all ihren Schrecken, von der glaubwürdige Gewährsmänner verſichern, daß ſie ihnen unheimlicher geweſen ſei als die Rieſenbrände der letzten Jahre in London und Paris, die ſie ſelber mitgemacht haben. Noch ſtehen wir ganz unter dem erſchütternden Eindruck deſſen, was geſchehen iſt: 125 Wohnhäuſer und noch viel mehr Nebengebäude eingeäſchert, 221 Familien obdachlos, nahezu 700 Menſchen ohne Heimat. Wir können noch kaum faſſen, was geſchehen iſt, und wenn wir durch das Viertel gehen, in dem das verheerende Element gewütet hat, iſt uns, als gingen wir durch die Straßen einer Stadt, die die Stürme einer heftigen Belagerung hat aushalten müſſen. Jammer und Not, tiefe Niedergeſchlagenheit und ſchwere Sorge blickt uns aus jedem Auge entgegen. Und auch wer gnädig vor der ſchweren Heimſuchung verſchont geblieben iſt, iſt in ſeinem Innern noch völlig erſchüttert und hat kaum ſich ſelbſt wiedergefunden. Unwillkürlich kehren auch in dieſer Stunde, da wir zu gemeinſamer Andacht vor Gottes Angeſicht verſammelt ſind, unſere Gedanken zu dem grauſigen Ereignis der letzten Woche zurück. Nicht daß wir hier prüfen wollen, wo etwa ein Verſäumnis vorliege, und was vielleicht hätte geſchehen können, um der furchtbaren Kataſtrophe vorzubeugen oder ihre gewaltige Ausdehnung zu verhüten. Uns geht das Wort durch den Sinn, mit dem einſt der Prophet Amos derartige Erwägungen abgeſchnitten hat: Iſt auch ein Unglück in der Stadt, das der Herr nicht tue? Auch uns hat dieſe ſchwere Prüfung nur mit göttlicher Zulaſſung getroffen. Noch weniger kommt es uns zu, dieſes Unglück für ein beſonderes Strafgericht Gottes über die zu erklären, die davon betroffen worden ſind. Wir wiſſen, daß unſer Herr einer ſolchen unbarmherzigen Betrachtung gewehrt hat, als er von einem großen Unfall in Jeruſalem hörte, dem eine Reihe von Menſchenleben zum Opfer gefallen waren. Meinet ihr— ſo hat er zu denen geſagt, die ihm davon erzählten— daß die Achtzehn, auf welche der Turm in Siloah fiel und erſchlug ſie, ſeien ſchuldig geweſen vor allen Menſchen, die zu Jeruſalem wohnen? Ich ſage: Nein; ſondern ſo ihr euch nicht beſſert, werdet ihr alle auch alſo umkommen. Was wir in dieſer Stunde ſuchen, iſt ein Wort, an das wir uns halten und mit dem wir uns aufrichten können, ein Wort, das unſer Auge abzieht von der Vergangenheit mit ihren Schrecken und von der Gegenwart und ihrer Gedrücktheit, und das uns wieder an die Zukunft glauben und mit friſchem Mute und mit frohem Gottvertrauen in die Zukunft hinausſchauen heißt. Ein ſolches Wort ergeht in unſerem Texte an uns. Haggai, der kleinen Propheten einer, richtet es an uns. Faſt iſt uns, als ſei für uns unmittelbar geſagt, was er den Juden nach der Rückkehr aus der babyloniſchen Gefangenſchaft zugerufen hat: Seid getroſt! Fürchtet euch nicht! Ich bin mit euch! ſpricht der Herr. Das iſt es, was wir jetzt brauchen, und dankbar wollen wir dieſer Botſchaft unſer Herz öffnen. Seid getroſt! Der Zuſpruch Gottes an uns nach dem großen Unglück, mit dem wir heimgeſucht worden ſind. Er zeigt uns Gottes Treue, die auch in dieſem ſchweren Geſchick über uns gewaltet hat. Er ſtellt uns vor eine Aufgabe, die unſere ganze Kraft in Anſpruch nimmt. Und er gibt uns eine Verheißung, die unſerem Mühen den Erfolg ſichert. 1. Eine Erinnerung aus der Geſchichte des jüdiſchen Volkes wird durch unſeren Text in uns wachgerufen. Um etwa zweieinhalb Jahrtauſende ſehen wir uns im Geiſte zurückverſetzt. Die Juden haben aus Babel zurückkehren dürfen in die alte Heimat. Es muß ein herzzerreißender Anblick für ſie geweſen ſein, als Väter und Söhne wieder in Jeruſalem einzogen und auf wüſten Schutthaufen und von zerfallenen Mauern herab das graue Elend ihnen entgegenſtarrte. Aber tatkräftig und entſchloſſen gingen ſie an die Arbeit, um auf den Trümmern der Vergangenheit ſich eine neue Zukunft aufzubauen. So waren ſchon Jahre verſtrichen, und noch war kein rechter Fortſchritt zu erkennen; namentlich der Tempel lag noch immer zerſtört, und Mißwachs und Teuerung und Ungunſt der Zeiten lähmte den Eifer. Der ganze Jammer, der ſich des Volkes bemächtigt hatte, tönt uns aus den Fragen entgegen, die wir hier leſen: Wer iſt unter euch überblieben, der dies Haus in ſeiner vorigen —* K Herrlichkeit geſehen hat? Und wie ſehet ihrs nun an? Iſts nicht alſo: es dünkt euch nichts zu ſein? Es iſt für uns in unſerer gegenwärtigen Lage von beſonderer Bedeutung, uns an dieſe Worte des Propheten zu erinnern. Wenn wir an ihnen die Not meſſen, die uns betroffen hat, dann müſſen wir doch mit tiefer Dankbarkeit bekennen: Gott hat in Gnaden das Aeußerſte von uns abgewehrt und hat uns ein Schickſal erſpart, wie es jene ſo hart betroffen hat: Jenen war ihr Heiligtum, der Tempel Gottes verbrannt. Und als ich an dem Unglückstage um 4 Uhr vom Religionsunterricht in Tannheim zurückkehrte und unterwegs von dem Brande hörte, da galt meine erſte Sorge unſerm Kirchlein, das ja von der Stelle, wo der Brand ausgebrochen war, nicht allzuweit entfernt ſtand, und das uns unverſehrt erhalten iſt. Es ſoll uns dafür künftig nur um fo teurer ſein.— Jenen war alles in Schutt und Trümmer geſunken, was ſie je beſeſſen hatten. Und als ich des abends um 6 Uhr zu dem Begräbnis eines Kindes auf unſern Friedhof ging— es konnte dann erſt am andern Tage nachmittags ſtattfinden— da hatte es eine Weile den Anſchein, als wolle ſich das gleiche Geſchick auch an uns erfüllen. Das Bild, das ich dort geſehen habe, werde ich nie vergeſſen: die brüllenden Rinder und Kühe, die längs der Straße an Bäume gebunden waren,— die irrenden Frauen und die klagenden Kinder auf dem Wege, die außer dem Leben und dem, was ſie auf dem Leibe trugen, nichts gerettet hatten,— die Handwagen auf dem freien Felde, auf denen ſpär liche Habe, den Flammen entriſſen, aufgeſpeichert war,— die Flüchtlinge, welche auf dem Kirchhofe in Sicherheit brachten, was ſie gerade noch hatten mitnehmen können,— und im Hintergrunde die brennende Stadt, die ſich unheimlich von dem düſteren Gewitterhimmel abhob und in der immer wieder von einem anderen Dache eine Feuergarbe emporſchlug,— dazu der fürchterliche Sturmwind, der in die Flammen blies und das Feuer überallhin zu tragen drohte. In dieſer Stunde hat es den Anſchein gehabt, als ſei es um uns geſchehen, und als ſollte von dem ganzen Donaueſchingen auch nicht ein Haus ſtehen bleiben. Aber Gott hat ſich über uns erbarmt und in der Stunde der größten Gefahr uns den Regen geſandt, der das Feuer auf ſeinen Herd beſchränkte und wenigſtens einen Teil der Stadt rettete. Und als nach drei Stunden, da die Nacht ſich niedergeſenkt hatte, die gleiche Gefahr drohend wiederkehrte, hat er abermals das Aeußerſte uns in Gnaden erſpart.— Jene Juden hatten den Tod manches Angehörigen zu beklagen. Und bei uns iſt doch wenigſtens kein Menſchenleben in den Flammen umgekommen,— bei einem ſolchen Brandunglück eine gnädige Bewahrung, ja ein wahres Wunder Gottes. Selbſt jenen Mann aus unſerer Gemeinde, der jetzt ſeit zwei Jahren ſo elend darniederliegt, haben ſie aus ſeiner dicht bei der Brandſtätte gelegenen, nun auch mitverbrannten Wohnung in Sicherheit bringen können.— Jene Juden haben nur unter Argwohn, Mißtrauen und Feindſeligkeit wieder daran gehen können, ihre zerſtörte Stadt aufzubauen. Uns fehlt es nicht an mannigfachen Kundgebungen der Teilnahme, noch an Beweiſen helfender, werktätiger Liebe. Bis hinauf zu dem Träger der Reichskrone werden wir herz: lichen Beileides verſichert, und Unterſtützung iſt uns von den verſchiedenſten Seiten und im weiteſten Umfange zugeſagt worden. Wie ſollte da nicht Jeremias Gebet auch uns vom tiefſten Herzen kommen: Die Güte des Herrn iſt, daß wir nicht gar aus ſind; ſeine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, ſondern ſie iſt alle Morgen neu, und deine Treue iſt groß. Der Herr iſt mein Teil, ſpricht meine Seele, darum will ich auf ihn hoffen. Denn der Herr iſt freundlich dem, der auf ihn harret, und der Seele, die nach ihm fragt. Es iſt ein köſtlich Ding, geduldig ſein und auf die Hilfe des Herrn hoffen! 2, Es liegt für uns etwas Beruhigendes darin, wenn wir ſo auf das ſchwere Geſchick zurückſchauen, das uns getroffen hat, und ſehen, wie ſelbſt in dieſer traurigen Zeit Gottes Treue über uns gewaltet hat. Wir gewinnen damit wieder feſten Boden unter den Füßen, und wie nötig es iſt, daß wir zu uns ſelbſt kommen und wieder ruhig werden! Das Schlimmſte, was uns jetzt widerfahren könnte, wäre das: wenn ſich die dumpfe Hoffnungsloſigkeit unſer bemächtigen würde. Der erſte große Schrecken iſt vorüber. Wir fangen an, den ganzen Umfang des Verluſtes zu überſchauen. Unwillkürlich tritt ber uns allen eine gewiſſe Abſpannung und Erſchöp w fung ein, und wie nahe liegt manchem die Gefahr, nun allen Mut ſinken zu laſſen, wenn er ſieht, wie in kürzeſter Friſt das vernichtet worden iſt, was er in jahrelanger Mühe, vielleicht in der Arbeit eines halben oder eines ganzen Menſchenlebens zuſtande gebracht hat! Dieſer Gefahr dürfen wir nicht erliegen. Wir müſſen mit aller Gewalt gegen ſie ankämpfen. Wir dürfen uns nicht lähmen laſſen in unſerer Tatkraft. Gerade jetzt gilt es doppelt und dreifach, alle Kraft zuſammenzunehmen. Derſelbe Gott, der uns vor dem Aergſten bewahrt hat, verlangt das von uns. Er läßt an uns dasſelbe Wort ergehen, das er einſt durch Haggai zu dem Fürſten aus Davids Hauſe und zu dem Hohenprieſter der heimgekehrten Gemeinde und zu allem Volk im Lande geſprechen hat: Und nun, Serubabel, ſei getroſt! ſpricht der Herr; ſei getroſt Joſua, du Sohn Jozadaks, du Hoherprieſter! ſei getroſt alles Volk im Lande! ſpricht der Herr, und arbeitet; denn ich bin mit euch, ſpricht der Herr Zebaoth. Fürchtet euch nicht! Er heißt uns in Gottes Namen von neuem ans Werk gehen und Troſt ſuchen in rüſtiger und unermüdeter, in tatkräftiger und entſchloſſener Arbeit. Es iſt für die nächſte Zeit und noch auf lange hinaus dafür geſorgt, daß wir arbeiten müſſen, ſoweit nur unſere Kräfte reichen. Es wird viel Fleiß und Mühe koſten, bis wir nur wieder ſo weit gekommen ſein werden, als wir vor dem Brande waren. Jedem iſt hier ſeine beſondere Aufgabe geſtellt, wie auch der Prophet ſich an die verſchiedenſten Seiten gewendet hat, an die Obrigkeit des Landes und die Geiſtlich Sl keit im Volke und an die ganze Gemeinde. Unſere Behörden haben bereits mit einer weitgehenden und überaus dankenswerten Fürſorgetätigkeit eingeſetzt. Unterſtützt von der Mitwirkung freier Vereine und von der Wohltätigkeit hilfsbereiter Menſchen, die verſchont geblieben ſind, nehmen ſie ſich der Abgebrannten und Geſchädigten an. Wir wollen es ihnen ehrlich und herzlich Dank wiſſen, daß nun die erſte Not geſtillt iſt, und daß jedes ſein Obdach und jedes ſein Brot und jedes ſeine Kleidung gefunden hat. Aber noch auf lange hinaus werden ſie alle Hände voll zu tun haben, bis an der Stelle der rauchenden Trümmer ſich eine neue Stadt erhebt und bis ein jedes wieder im eigenen Heim ſeiner gewohnten Beſchäftigung nachgehen kann.— Und auch wer in unſerer Stadt ein geiſtliches Amt bekleidet, erhält jetzt noch in einer ganz anderen Weiſe als ſonſt den Auftrag: Sei getroſt und arbeite! Es iſt eine ganz ungewohnte Tätigkeit, die jetzt einſetzt, und nicht immer iſt die Frage ganz leicht zu beantworten: Wo ſoll ſie anfangen, und in welchen Grenzen hat ſie ſich zu bewegen, und auf welche Weiſe wird ſie am beſten geübt? Aber deſſen dürft ihr alle verſichert ſein, daß mein Rat und mein Troſt keinem fehlen ſoll, dem ich damit dienen kann, daß ich ihn ſpenden werde, wie ich bei meiner Ordination gelobt habe: nach dem Vermögen, das Gott darreicht“, und daß ich, ſoweit es in meiner Macht ſteht, auch gerne jedem helfen will nach ſeinem Bedürfen. Das Band des Vertrauens, welches einen Pfarrer und ſeine Gemeinde verbindet, muß ſich = hier in ſeiner Stärke bewähren, und dankbar will ich einem jeden ſein, der in der Beratung und Tröſtung der Unglücklichen meine Arbeit unterſtützt.— Vor allem aber iſt uns allen Selbſthilfe geboten. Wieviel iſt jetzt zu arbeiten! Da müſſen, womit ſchon begonnen iſt, die Trümmer beſeitigt und die Mauern geſprengt und neue Pläne gefertigt werden. Da muß ein jedes zuſehen, wie es wieder zu einer auskömmlichen und geſicherten Exiſtenz komme. Da eröffnet ſich geſchickten und eifrigen Frauen⸗ und Mädchenhänden reichliche Gelegenheit, Kleidungsſtücke und Wäſche für jedes Alter und für jedes Geſchlecht herzuſtellen, und ein Zimmer im Pfarrhaus iſt von morgen nachmittag an allen zur Verfügung geſtellt, die ſich an dieſem Werke helfender Bruderliebe heteiligen wollen. Es liegt eine wunderbare Kraft, ein reicher Troſt und Segen in der Arbeit. Sie hat manchem unter uns ſchon über ſchwere Stunden und bittere Erfahrungen hinweggeholfen. Und gewiß werden auch wir über das Grauenhafte, was jetzt hinter uns liegt, leichter hinwegkommen, gewiß werden wir Troſt und Stärkung finden, wenn wir nur um ſo treuer und gewiſſenhafter in unſerer Arbeit ſind. Wir dürfen überzeugt ſein, daß wir damit Gottes Willen tun und einen Gottesdienſt auch am Werktage verrichten. Darum ſeid feſt, unbewegt und nehmet immer zu in dem Werke des Herrn! Seid getroſt und fürchtet euch nicht! Der Herr ſelber ruft euch zu: Arbeitet, denn ich bin mit euch, der Herr Zebaoth. 3. Je mehr wir uns dieſe Mahnung gejagt fein laſſen, deſto mehr dürfen wir uns auch verſichert halten, daß unſere Arbeit nicht vergeblich ſein wird in dem Herrn, ſondern daß ſein Segen auf ihr ruher wird. Unſer iſt ja immer nur die Arbeit, ſein aber der Erfolg und das Gedeihen. Wir können bei allem, was wir anfaſſen, nur immer wieder beten: Herr, kehre dich doch wieder zu uns und ſei deinen Knechten gnädig. Erfreue uns nun wieder, nachdem du uns ſo lange plageſt, nachdem wir ſo lange Unglück leiden. Und der Herr, unſer Gott, ſei uns freundlich und fördere das Werk unſerer Hände bei uns; ja, das Werk unſerer Hände wolle er fördern! Und er iſt willens zu tun, wie wir bitten. Wie er manchesmal ſich unſer ſchon gnädig angenommen hat, ſo verheißt er uns auch jetzt ſeinen treuen Beiſtand für die Zukunft. Wie freundlich klingen doch die Verheißungen, mit denen unſer Text ſchließt! Und wir dürfen das alles auf uns und unſere Lage beziehen und über die Zukunft das große Wort der Verheißung ſetzen, in dem ſich alles zuſammenfaßt: Ich bin mit euch! Mein Geiſt ſoll unter euch bleiben! Welch eine Verheißung! Der Prophet vermag ihren ganzen Inhalt ſeinem unglücklichen Volke auf keine andere Weiſe anſchaulich zu machen, als indem er von einer mächtigen Bewegung redet, die alle Völker der Erde, ja die Erde ſelbſt und den Himmel ergreifen ſoll. Da ſoll dann kommen der Völker Beſtes; und ich will dies Haus voll Herrlichkeit machen, w ſpricht der Herr Zebaoth. Denn mein iſt Silber und Gold, ſpricht der Herr Zebaoth. An eine Bewegung, die die weiteſten Kreiſe erfaſſen wird, glauben auch wir. Schon hat ſich ein Hilfsausſchuß gebildet, der die Hilfsarbeit hier in die Hand nimmt und die öffentliche Wohltätigkeit allenthalben anruft. Und wenn die Opferwilligkeit unſeres Volkes auch überaus ſtark in Anſpruch genommen iſt durch das tieftraurige nationale Unglück, das gleichzeitig mit dem unſeren ſich zugetragen hat, ſo zweifeln wir doch nicht daran, daß man ſich allenthalben in der Nähe und in der Ferne unſer nach Kräften annehmen wird. Ein erfreulicher und verheißungsvoller Anfang iſt damit bereits gemacht. Von hohen und höchſten Stellen ſind wir bedacht worden. Zahlreiche, hochherzige Spenden ſind auch bei mir ſchon eingetroffen. Ein Graf, der einmal unſeren Gottesdienſt beſucht hat, ſchickt mir eine Gabe für die abgebrannten Glaubensgenoſſen dahier; andere tun es ihm gleich; die öffentlichen Blätter bringen bereits lange Liſten von Gebern und Gaben; drüben in Saig haben die Kurgäſte eines Gaſthauſes eine Sammlung veranſtaltet und das Ergebnis von mehr als 100 Me. an mich geſchickt; viele— ſo vertrauen wir— werden ihnen noch folgen. Und hier darf ich wohl auch eine Bitte ausſprechen: Es ſind unter uns viele, die ſich an jenem Schreckenstage und in jener Schreckensnacht ſchon auf das Schlimmſte gefaßt gemacht haben; es ſind auch Fremde in unſerer Mitte, die unſere Angſt geteilt haben und mit uns Gott danken, daß er ſeine Hand ſchirmend über fie und die Ihren gebreitet hat. Welch ſchöneres Dankopfer könnten ſie geben als einen Beitrag für die unter uns, denen ein trauriges Los beſchieden geweſen iſt? Wie klein nimmt ſich auch die größte Spende, die ſie ſtiften können, neben dem aus, was ihnen über ihr Zagen und Hoffen hinaus erhalten geblieben iſt! Und es ſoll nicht umſonſt hier geſchrieben ſtehen: Mein iſt Silber und Gold, ſpricht der Herr Zebaoth. Gott aber ſei Dank, der die Herzen weit machen und die Hände auftun kann, daß wir es auch hierin erfahren, was er uns verheißt: Ich bin mit euch! Und weil er uns dieſe Zuſage macht, dürfen wir vertrauensvoll den Blick auch in eine Zukunft hinausrichten, in der ſich an uns erfüllen wird, was zum Schluſſe hier geſchrieben ſteht: Es ſoll die Herrlichkeit dieſes letzten Hauſes größer werden, denn des erſten geweſen iſt, ſpricht der Herr Zebaoth. Wir leben in einer Zeit des Fortſchritts und des Aufſchwungs, in der es uns nicht ſchwer fällt, daran zu glauben, daß an der Stätte, die jetzt nur ein Bild der Verwüſtung bietet, ſich mit der Zeit ein neues Donaueſchingen erheben wird, ſchöner, geſunder, ſicherer, als das erſte geweſen iſt. Daß aber nur auch das andere Wort ſich erfülle, das uns hier geſagt wird: Ich will Frieden geben an dieſem Ort, ſpricht der Herr Zebaoth. Daß nur nicht Unfriede und Eiferſucht, daß nur nicht Zank und Streit die Gemüter entzweie, wo jetzt einer für alle und alle für einen ſtehen müſſen! Rechtes Gedeihen kann ſich immer nur da einſtellen, wo der Engel des Frie dens ſich um uns lagert. Daß wir den Boten aus einer höheren Welt, den Gott uns verheißt, nur nicht durch eigene Sünde und Schuld verſcheuchen! Dann werden wir mit gutem Mute und mit gutem Gewiſſen einer ſchönen Zukunft entgegengehen, und die Vergangenheit wird ihre Schrecken und ihre Bitterkeit für uns verlieren.— Seid getroſt! So tröſtet uns der Gott der Treue nach dem großen Unglück, mit dem er uns heimgeſucht hat. Seine Güte iſt es, daß wir nicht gar aus ſind, ſein Wille, daß wir mit aller Kraft an die Arbeit gehen, ſeine Verheißung, daß er bei und mit uns ſein will nach dem Reichtum ſeiner Macht und Gnade. Wir aber wollen uns von ihm tröſten laſſen. Und es wird dann auch für uns die Stunde kommen, da wir beim Rückblick auf dieſe ſchwere Prüfung ſprechen mögen: Alle Züchtigung, wenn ſie da iſt, dünkt uns nicht Freude, ſondern Traurigkeit zu ſein; aber darnach wird ſie geben eine friedſame Frucht der Gerechtigkeit denen, die dadurch geübt ſind. Und wir werden die Kraft erlangen, mit dem Pſalmiſten zu beten: Gelobet ſei der Herr täglich! Gott legt uns eine Laſt auf, aber er hilft uns auch! Amen.