München, Böcklinstr. 29. Verehrtes, liebes Fräulein So gerne hätte ich Ihren wirklich treuen u. Freundschaftlichen Brief am gleichen Sage beantwortet da ich ihn erhilt, also am 5. Ten aber ich kam nicht dazu Ihnen dafür zu danken u. nun kam noch der ganz einzig schöne Brief Ihres herrlgen von uns ho hochverehrten Herrn Bruders Dazu, der meinen Mann u. mich zu Thrauen gerührt hat— wir waren u. sind erschüttert u. hahbe. glückt durch diese Worte echter Freundschaft. Es ist meinem Manne nicht gegeben, schriftlich auszudrücken wie sehr besagter Brief ihn bewegt u. beglückt— bitte versichern Sie Ihrem lieben Herrn Bruder, daß m. Mann seine innige Freundschaft von ganzem Herzen erwiedert. Philipp leidet, ohne krank zu sein, unter den Beschwerden des Alters, manchen Tag sind wir direkt in Sorge um ihn u. es ist schwer ihn zu erheitern. Es wird ihm viel vorgelesen was seine einzige Freude jetzt im Alter ist, er selbst kann ja, Gott lob, noch ziemlich viel selbst lesen, auch bei gutem Wetter noch ½ Stündchen in unserem hübschen stillen Gern spazieren gehen. Wir müssen uns eben damit abfinden, daß wir alte Leute sind, werde ich doch ferner auch schon 72 J. alt.— Frau Melchior haben wir erst einmal gesehen, werden gerne Ihren Gruß bestellen. Sie wohnt jetzt hier in einem Damenstift, da Sie sich bei ihrem Sohn nicht eingewohnen könnte, sie ist hat eine unruhige Natur, die nirgends lange aushält, was sehr für Sie zu beklagen ist, denn ich finde: je älter man wird, desto mehr muß man sich bescheiden u. jeden einigermaßen guten Tag recht dankbar hinnehmen. Und nun nochmals tausend Dank Ihnen beiden, für die treuen Freundesworte die Sie beide für uns aus- sprochen haben. Gott erhalte Sie Beide gesund zusammen! Mit herzlichen Grüßen stets Ihre alte Freundin Pauline Röth geb: Weber. 13.1.21.