Karlsruhe 5 Januar 1919 Sehr geehrter Herr Dr. Tannenbaum. Herr Dr. Beringer in Mannheim hat den Katalog über meine Griffelkunst angefertigt— es war auch dabei die Absicht einen illustrierten Katatog anzufertigen und ich habe Herrn Beringer die Berechtigung hinzu ertheilt, durch die Zeitverhältnisse wurde die Ausgabe dieses illustr. Kataloges verhindert aber das Recht Beringers zur Herausgabe dieses Kat: besteht.— bei unserer mündlichen Verhandlung habe ich dies übersehen und habe Ihnen gesagt daß z. B. Ihnen Auskunft würde geben können und daß die Sache bei ihm stehe. Seit dem macht aber B. sein Recht geltend u will keine Erlaubniß mehr geben zur Herausgabe der Blätter bevor der illustrierte Gesamtkatalog erschienen ist. Freilich sind während der Zeit schon mehrfach graphische Arbeiten von mir reprodoziert worden, was eben jetzt nicht mehr rückgängig gemacht werden kann.— Nun ist aber Aussicht vorhanden daß der illustrierte Katalog erscheinen kann und so steht es jetzt schon in Beringers Hand ob er Erlaubnisse geben will oder nicht. Mein Fehler bei der mündlichen Besprechung war daß ich diese Sachlage übersehen habe— ich habe Ihnen dabei auch die Erlaubniß nicht ertheilt, sondern Sie an B. gewießen— An den Verlag Arnold habe ich auf seine Anfrage schon geschrieben ganz in obigem Sinne. Es thut mir leid daß ich Ihnen durch diese Unklarheit Mühe gemacht habe. Hochachtungsvoll ergebenst Hans Thoma KO. I 18 Karlsruhe April 1920 Sehr geehrter Herr Dr. Herbert kannmbaum Jetzt erst komme ich dazu das zu thun was ich schon lang thun wollte, nämlich Ihnen meinen herzlichen Dank auszusprechen, daß Sie mein bei Arnold herausgegebe. uns Graphisches Werk mit so freundlich guten Worten auf seinen Wege begleiten— Als Entschuldigung daß ich so lange nicht dazu gekommen bitte ich Sie meine schwere Erkrankung ansehen zu wollen die mich bis vor Kurzem an jeder Thätigkeit hinderte, so daß mir obgleich das Ärgste überstanden ist, auch jetzt noch eine große Schwäche sehr am Schreiben hindert. Jn öfter ich aber inzwischen Ihr Geleitwort lese besto mehr fühle ich die Verpflichtung in mir nicht mehr als ein Undankbarer gelten zu wollen— denn ich freue mich aufrichtig daß Ihr klug verständnißvoll warmns Wort das Werklein begleitet. Leider sind meine Beine so schwach daß ich die meiste Zeit im Liegestuhl zubringen muß— meine 82 Jahre lasten eben u jeder Art schwer auf mir— aber doch hoffe ich daß ich Sie wenn Sie wieder einmal nach Karlsruhe kommen Sie empfangen kann, daß der Zufall nicht gerade dann die große Müdigkeit über mich verhängt. Hochachtungsvoll grüßt ergebenst Hans Thoma das mir vorgelegte Bild(Ecke eines Schwarzwaldhauses mit Mädchen auf hoher Treppe, Hühner im Vordergrund durchblick in den Garten im Hintergrund könnte nach meinem Dafürhalten eine vorzügliche Jugendarbeit von Eugen Bracht sein. Karlsruhe den 12 März 1923. Hans Thoma