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Badische Kochbücher 1770-1950



Erprobte Kochrezepte unter Verwendung nur solcher Zutaten, die im Haushalt meist vorhanden oder je nach Jahreszeit reichlich zu haben sind. Berlin, Maggi-Gesellschaft [ca. 1935].

Wann tauchen Tomaten oder Artischocken in der badischen Küche auf? Wann verschwinden Singvögel und Flusskrebse daraus? Die Badische Landesbibliothek präsentiert Ihnen hier badische Kochbücher aus dem Zeitraum 1770-1950 – vielfach Unikate, die nur mit ihrem Karlsruher Exemplar erhalten sind. Sie stammen von badischen Autoren, sind in badischen Verlagen erschienen oder von badischen Firmen herausgegeben worden.

Kochbücher sind eine erstrangige Quelle zur Kulturgeschichte und hervorragende Gradmesser für soziale und regionale Differenzierungen. Sie geben Aufschluss über das Aufkommen und Verschwinden von Speisen und Zutaten wie über deren zeitweiligen gesellschaftlichen Stellenwert. Regionale Unterschiede und Geschmackspräferenzen werden erkennbar. Zusatzstoffe und Fertigprodukte finden Eingang in die Ernährung. In Notzeiten werden Lebensmittel „gestreckt“; es wird mit Ersatzstoffen experimentiert, und viele Rezepte der Krankenkost oder der Kriegsküche werden später für die gesunde Ernährung wiederentdeckt.

Hinzu kommt der technische Fortschritt. Das Einwecken, der Gasherd, der Kühlschrank – die neuen Technologien der Lebensmittelzubereitung und -konservierung ändern die Ernährungsgewohnheiten ebenso nachhaltig wie die Industrialisierung der Nahrungsmittelproduktion. Im 20. Jahrhundert wird das Kochbuch ein zentrales Werbemittel der Lebensmittel- und der Küchengeräteindustrie. Rezepte werden unter Verwendung des beworbenen Markenartikels zusammengestellt oder im Rahmen einer Bedienungsanleitung als Praxisbeispiele genutzt und erleichtern die Akzeptanz der Novitäten.

Kochbücher werden genutzt, sind fleckig und zerlesen. Das gilt auch für die Exemplare der Badischen Landesbibliothek, die oft aus Privathaushalten stammen. Viele der seltenen Bände aus der Zeit ab 1850 sind zudem extrem säuregeschädigt, weil sie zu günstigem Preis verkauft werden sollten und deshalb aus billigem, stark holzschliffhaltigem Papier hergestellt wurden. Hier empfahl sich eine Digitalisierung schon deshalb, weil ein Großteil der Bände aufgrund der weit fortgeschrittenen Schädigung bereits nicht mehr entsäuert werden kann und die Inhalte ohne Übertragung in ein anderes Medium nicht dauerhaft erhalten werden können.

Sie können online in den Büchern blättern oder auch im Volltext recherchieren – versuchen Sie es doch mal mit „Fischotter“ oder „Schnepfe“. Sie werden dabei manches Interessante über die Ernährungsgewohnheiten auf badischem Territorium erfahren. Zu beachten ist allerdings die kreative Schreibweise von Speisen wie „Amoletten“ (Omelettes), „Struckeln“ (Strudeln) „Budding“ oder „Grock“. Oder die Benennung von Gemüsesorten wie Karviol (Blumenkohl), Scorzonere (Schwarzwurzel) und Erdbirne (Topinambur). Natürlich können Sie auch ein Rezept zum Nachkochen finden. Manche Gerichte kehren in allen Kochbüchern wieder: Probieren Sie doch mal „Baumwoll-Suppe“, „Hobelspäne“, „Laubfrösche“, „Tabaksrollen“ oder „Reformirten Thee“! Die Stiftung Kulturgut Baden-Württemberg hat das Digitalisierungsprojekt insbesondere aufgrund seiner bemerkenswerten Bürgernähe gefördert.