Nro. 55 Karlsruher Montags l 8 WK Pag. r 17 Zeitung. den 6 April. 0 7. Mit Grosherzoglich Badischem gnädigstem prtvtlegto. Inn halt. Semlin; Grausamkeit. Aus dem Oestreichischen; Die Engländer sollen aus den Dardanellen fort seyn. Frankfurt. München; Officieller Bayrischer Bericht »on Kofel. Mainstrohm. Berlin; Truppen^ Märsche. Warschau; Die Pohlen sollen Meister von der Vorstad Danzigs seyn. Koppenhagcn; Schwed. Ploka- de der Häfen an der Ostsee. O e st r e t ch. Semlin, vom y Merz. Seffentliche Nachrichten enthalten folgende schauderhafte Erzählung: Oberbefehlshaber der Servier, Georg Petrowjz, oder Czerny Georg, kam nach ciner^ Abwesenheit von einigen Tagen nach Belgrad zurück, und gab Befehl, niemand cinzulassen. Am 7. ließ er dem gewesenen Pascha von Belgrad andeuten, sich mit seinen Leuten aus der Festung zu begeben. Dieser zeigte sich dazu bereit, und äufferte nur die Bedenklichkeit, ob er an der Grenze nicht Unannehmlichkeiten zu er- tvarten^habcn dürfte, worauf der servische Befehlshaber ihm heilige Versicherung gab, daß ihm nichts in den Weg gelegt werden zollte, und ihm zur Sicherheit eine servische Bedeckung von Zoo Mann anbot. Der verdachtlose, alte Pascha nahm die Bedekung freudig an, und rcieie mit solcher und den ihm übrig gebliebenen 270 Türken am 8. von Belgrad ab. Lez- tere waren unbewaffnet, nur der Pascha und 6 seiner ersten Diener dursten seit der Ei»nahm,e Belgrads Waffen tragen. Kaum waren sie eine Stunde über Belgrad hinaus, so fiel die servische Bedeckung die wehrlosen Türken an, und machte sie nieder. Nur allein dem Pascha und seinen 6 bewaffneten Dienern gelang es, sich durchzuhaueu, und eine Grube zu erreichen, aus welcher sie sich zu vertheidigen, und ihr Leben so theuer als möglich zu verkaufen suchten. Sie hielten sich würklich 2 Stunden lang« und erlegten 12 Servier; endlich aber hatten sie mit ihren ermordeten 276 Brüdern gleiches Schicksal. Gestern wurde beschlossen, auch die noch in Belgrad übrigen zo bis 40 vermög- lichen Türken zu morden. Diese erfuhren es, und flüchteten in ein Haus, aus welchem sie sich bis heute Morgens fruchtlos wehrten. Die servischen Tiger zündeten das Haus an, und verbrannten - die armen Muselmänner. Noch lodert die um sich gegriffene Flamme , und ein grosser Tbeil der ober» Festung ist in Asche verwandelt. Sie sollen verhungern! antwortete Czerny Georg auf die Frage, was aus den Weibern und Töchtern der ermordeten Muselmänner werden sollte. Jedoch der Rath eines Menschenfreundes, sie, um doch noch Nuzen von ihnen zu ziehen, in das Oestreichische zu verkaufen, fand, als einträglich, Eingang, und schon sind 32 dieser Unglücklichen in unsrer Kontumaz eingctrvffen. Aber der rohe Servier schäzt seine Maare schlecht; der. gewöhnliche IlPreiß fürs Stück ist 5 bis 6 Piaster oder Löwenthalcr. Freilich sind es abgehärmte, zum Theil rührende Gestalten , wahre Skelete, deren jammervolle Anblick nicht zu beschreiben ist re. Schon haben die angejehensten hiesige» Einwohner mehrere derselben gekauft, um ihr Leben zu retten. Aus dem Oestefteichisch e n, vom 31 Merz. Man hat Privatberichte, nach welchen die von der Pforte bezeugte Standhaftigkeit , jedes Ansinnen des engl. Ministers wegen Veränderung ihres politischen Systems zurückzuweisen, und ihre zugleich lebhaft sort- gesezten Vertheidigungsanstalten die engl. Flotte vermocht haben sollen, ihre Station vor Konstantinopel zu verlassen, und ohne weitere Ausübung von Feindseligkeiten nach dem schwarzen Meer zu segeln. Hoffentlich wird die nächste Wiener Zeitung, deren Nachrichten aus der Türkei gewöhnlich aus sehr guter Quelle kommen, hierüber Aufschluß bringen. Ein Schreiben aus Wien sagt Folgendes: Diejenigen kvnigl. baierischcn Truppen, ohngefahr izoMann, welche bey Nachod in Böhmen auf das kais. Territorium kamen, sich Unfug mit Requisitionen re. erlaubt haben, und von den an der Grenze stehenden k. k. Uh- lanen aufgehoben wurden, sind bereits nach Ungarn abgesührt worden. — Es sind bey dieser Affaire bey- derseits einige Menschen auf dem Plaz geblieben und mehrere verwundet worden. Deutschland. Frankfurt, vom 3 April. Unter dem 31. Merz erschien dahier von dem Hoch- edlen Rath ein Publikandum, wodurch in Gesellschaften, Gast - und Weinhäusern rc. jedermann sich aller Urtheiie und Aeußerungen über die gegenwärtigen politischen Ercigniße, so wie auch der Verbreitung von Neuigkeiten, schriftlich und mündlich, zu enthalten hat. München, vom zi. März. Es sind folgende offizielle Berichte von der Königlich Bairischen Armee eingcgangen: „Am 28. Jan. Morgens gegen y Uhr versuchte die Besazung von Kofel mit ungefähr 320 Wann und 2 Kanonen den ersten Ausfall gegen die Königl. Bairischen Belagerungs-Truppen. Der Untcrlieutenant des r. Linien«Infanterie »Leibregi- ments Baron Griesenböck eilte, obwohl ihm der Feind fünfmal überlegen war, demselben beherzt entgegen, hielt ihn durch ein sehr wohl angebrachtes Feuer vom wutern Dorrüken ans und nahm, nachdem er selbst verwundet war, 2 Preußen mit eigener Hand gefangen. Durch seine Entschlossenheit und sein rasches Vordringen, da er als ein mutherwekendes Beyspiel sich immer an der Spize der Mannschaft befand, gewann die Batterie des Kapuäns Peters, gegen welche eigentlich der Zweck des Ausfalls gerichtet war, Zeit, gegen den Feind mit Nachdruck zu wirken,' und denselben in die Festung» zurükzuwelsen. Der Unterlieutenant Baron Griesenböck focht mit entschlossenem Muth; der Schüren-Lieutenant Baron Gumpenberg bestrebte sich, unter einem heftigen feindlichen Feuer mit vieler Anstrengung dem Feinde von Klodnitz aus in die Flanke zu kom' men. Von der Artillerie haben sich bei dieser Gelegenheit die Kapitains Peters und von Hofstetten, der Obcrfcucrwerker Kistel, der Kanonier-Korporal Thn. mann und der Dombardeur Kopp sehr gut benommen. — Am 7. März, nachdem das Belagcrzings-Korps, ausgenommen das 4-i und 5. Linien-Jnfanterie-Regiment, welche unter Kommando des Generalmajors von Na» glovich von Kvsel zurükblieben, abmarschirt, und die Belagerung in eine Blokade umgewandelt worden war, weil das eingctretene Thauwettcr, und das dadurch entstandene tieft Wasser in den Laufgräben und Batterien des mosigtcn Terrains, welches Kosei umgibt, eine» langen Aufenthalt nicht gestattete, und man demnach das Belagcrungs-Geschüz und den Artillericpark abfüh- re» music, wurde der zweite Ausfall mit 150 Mann gewagt; allein durch die zwckmasigen Verfügungen des Majors Wrede, des Z. Linien-Jnsanterie-Negiments Preising, und den Muth der Kompagnie des Kapitäns von Stonor, welch leztcrer sich bereits bei Großglogau rühmlichst ausgezeichnet hatte, zurükgeschlagen. — Am 8. Morgens gegen 8 Uhr unternahm die Besazung den 3. Ausfall mit ungefähr 200 Mann. Der Feind ward abcrmal zurükqewiefcn ; er ließ io Tobte in den Lauft graben und Batterien, und rz Gefangene zurük. Dieß« seits wurden 8 Mann verwundet. Die Bereitwilligkeit zum Gefechte und die Begierde, sich auszuzeichnen, sind immer von der Art, daß man mit Mühe die Reserve» zurükhalttn kann. Vom 5. Limen-Regiment Preising ha- ( 2lY ) brn sich die Majors Wrede und Baron Donncrsbcrg mit vieler Einsicht benommen, und der Kapttän von Vallade, der Oberlieutenant Bacher, die Umrbküte» «ants Seck und von Schmidt sehr gut betragen; der > Korporal Strinzei und der Vicekorporal Muk des nämlichen Regiments, von der Artillerie aber die Korporals Stcinachcr und Gümaicr, welche, ungeachtet des starken feindlichen Feuers aus der Festung, ihr Gefchüz im offenen Felde mit Unerschrockenheit und gutem Erfolge bedienten, haben sich besonders ausgezeichnet. — Den iz. März um halb io Uhr Morgens unternahm die Garnison mit einer Starke von i, rooo Mann den 4.sAusfall gegen das Observations - Korps des Generalmajors von Naglovich. Die Richtung des Feindes ging hauptsächlich gegen Kobelwiz; seine Absicht war die Demolirung der Batterien. Obwohl er auf verschiedenen Punkten hartnakig angriff, so konnte er doch, durch die Tapferkeit des Z. Linien - Infanterieregiments Preising verhindert, seinen Zweck nicht erreichen, und ward mit Verlust zurückzetrieben. — Der Kapitän von Stonor, welcher bei jeder Gelegenheit Proben eines vorzüglichen Mnthes zu geben sortsährt, rülte mit eini, ger Mannschaft gegen eine Schanze, welche von einem dreimal überlegenen Feinde vertheidigt war, und sie ward durch sein tapferes Beispiel gestürmt und genommen, ohne einer beträchtlichen Anzahl Todtcr, verlor der Feind 14 Mann an Gefangenen; dießscits wurden 10 Mann verwundet. Der Major von Wrede leitete die Truppen an diesem Tage wieder mit vieler Klugheit, der Unterlieute, nant Schmidt gicng freiwillig mit .den Schüzen vor, zeigte viele Vorsicht und Unerschrockenheit, und that dem Feinde nach Kräften Abbruch. Der Sergeant Vogel, der Korporal Dippel, und der Gemeine Michael Wartenfelser zeichneten sich besonders durch das muthvolle Betragen aus; auch verdienen der Feldwebel Fruhmann, die Sergeanten Dörfler und Kirsch die Korporals Eckel und Dillinger, und der Gemeine Anton Ullinger belobt zu werden. — Nun ist auch das 4. und 14. Linien-Jnfanterie-Regiment, eine Division des 6 leichten Infanterie-Bataillons r Kompagnie Fußjäger, das z. Chevauplegers- Regiment, und dir Batterie von Douwe von Schlesien nach Pultusk in Polen abmarschirt. Mün chen vom zi. Marz. Ja den hiesigen Zeitungen ist augezeigt, daß Se. Maj. der Kaiser der Franzosen und König von Italien zum besonder,! Beweis Ihrer wohlwollenden Gesinnungen und Ihrer Achtung für die Bairische Armee zc> Offizieren und Soldaten derselben die Dekoration der Ehrcn-Legion crtheilt haben. Zugleich sind die Namen derer, denen diese Ehre widerfahren ist, bekannt gemacht worden. Ucker den Offizieren sind der Oberst Gras Seydewik minder Lieutenant Baron Zweybrücke». Die Vntcrvffiziere und Gemeinen, die das Ehrenzeichen erhielten, sind 12 an der Zahl. M a i 11 str 0 h »1, vom z. April- Die neusten Berliner öffentlichen Blätter bis zum 28. v. M. enthalten keine Nachrichten vom Kriegsschauplätze. j Nach Bemerkung eines öffcntl. Blattes ist der neulich von Petersburg zur rusi. Armee abgereiste Herr von Novosiizof rin Bruder des bekannten Negoziateurs. preussen. Berlin, vom 27. Marz. Seit mehrern Tagen giebt es hier neue Truppen- durchzüge der franz. Armee aus dem Innern Frankreichs eine Altheilung ein Regiment nach dem andern, wel. che unermeßliche Kräfte hat, ein kultivirtes, bevölkertes, Land? und damit wollen sich die Wüsteneien Rußlands meßen ! ! ! Nach den sichersten statistischen Nachrichten, rechnet Rußland nur im Ganzen 118 Menschen auf eine Quadratmeile, und zwar 471 im europäischen Anthelle, und iz im asiatischen Antheile, — während Frankreich und die verbündeten Staaten z bis 4000 auf eine Quadratmeile zählen, und 2 bis z Wochen ihre Rekruten cxerzirt, und an Ort und Stelle gebracht haben, und Rußland wenigstens ein halbes Jahr braucht, um sie aus diesen schreklichen Entfernungen zusammen zu bringen. Mir sind hier freilich nur traurige Beob -chter dieser Vorbereitung zum weitern gräßlichen Kampfe, den vielleicht je die Welt erlebt hat. Pohlen. Warschau, voin 17. März. Von der polnischen Nobelgarde, die sich um Kaiser Napoleon befindet, ist vorgestern ein Offizier aus dem Hauptquartier hier angekommen. Seiner Aussage zufolge, hat man dort am Abend vor seiner Ab. reise die Nachricht erhalten, daß die Division des Gen- Dombromsky sich der Vorstadt von Danzig und des unter dem Namen des Fahrwassers bekannten Ausflusses der Weichsel bemächtigt habe. Dännemark. Kopenhagen, vom -4. März Ein hier gestern von Danzig angekommener Schiffer, welcher jenen Ort erst am 17. d. verließ, .bringt von dort folgende Nachrichten mit:. Zufolge der Königsberger Zeitung vom 12. März, waren die Positionen der französischen und russischen Armee unverändert; die Franzosen befestigten sich in Braunsberg. Prinz Bagrathion war von Petersburg bei der Armee zurückgekommcn, und hatte dem General L'Estocq den Andreasorden, nebst einer Gratifikation »on 35,020 Rubeln überbracht. Der preuffische General Tauenzien ist ausqewechselt worden. , Am 12. wurden von Königsberg 2020 Kofacken »ach Danzig detaschirt. Die umliegende Gegend von Danzig, den östlichen Theil. ausgenommen, war gänzlich von den franz. Truppen brfezt, und selbige waren beschäftigt, das Wasser, welches durch die Stadt läuft und die Mühlen treibt abzugraben. Wie stark das franz. Belagerungskorps war, wußte man in Danzig nicht Die Danziqer Garnison bestand aus mehr als 16,222 Mann General Kalkreuth war am n.s März in Danzig angekommcn." Vom 25. März. Der schwedische Minister gab heure bei Abgang der Börse, dem hiesigen Handels« 222 > 27L -L kollegium die ^Nachricht, ldaß Rostock, Anclam und Wolgast wiederum durch schwedische Sckiffe blokiert gehalten würden. Es heißt daß diese B'okade sich auf alle Ostseehafen die von franz. Truppen besczt sind, erstrecken, wo der Swinemünde und Lübeck mit inbegriffen seyn würden. Diese Nachricht ist für unfern Platz sehr unangenehm aber nicht unerwartet. Dantzi- ger Nachrichten vom 14. d. sagen, daß man daselbst den Schrecknissen eines Bombardements entgegen sehe, ftidem diese Stadt vom Feinde gänzlich cingeschlossen sey. Our lach. ^Bleich^inkün^jgu -g.) Bei herannahender Bleichzeit will ich einem verehrlichen Publiko meine langst bekannte Bleiche neuerdings bestens empfehlen^ und zugleich benachrichtigen, daß täglich Tücher, Garn und Faden aufgegeben werden können, und zwar: in Durlach bei mir selbst, oder Herrn Handelsmann Ebner. Carlsruhe — Herrn Wachtmeister adi. Schnabel. Bruchsal —-Handelsmann Menabene. Brette» —-Kantenwirth Dietz.. Heilbronn —-Canditvr Hurmann. Pforzheim-Andreas Leyerle. Fichtenau —-Handelsmann FriderichDietrich. Der Bleicherlohn ist auf der Wielenbleich von der Ellen Tuch 2 kr. und auf der chymischen oder Schnellbleiche 3 kr. Vom Pfund Garn und Faden 14 kr.. Durlach d. z. April 1807 VleichJnnhaber, Stadtbaumeistcr W. F. Fesen beckh. Dur lach. c^chulrenLiquidation') Wer an den gantmasiqen Burger Georg Friegrich Kappler von Grünenwettersbach Forderung zu machen hat, soll solche bei Verlust derselben, Montags den 20. April d. I. bei dem TheilungsCommissariat auf dem Nathhaus zr Grünenwettersbach gehörig angeben. Verordnet bk, Obrramt Durlach den 31 Merz 1807.