Nw. 114- Pag. 457 Karlsruher Sonnabends i 8 WMM H WVH dW Zeitung. deniZ July o 7- Mil Grosherzoglich Badischem gnädigstem privtlegio« Jnnhalt. Carlsruhe; Frieden. Wien; Grüizkordo». Lübeck. Maynstrom; Gute Aussichten für Europa- Paris; Man erwartet der. sranz. Kaiser. Stralsund; Abreise des Königs zur Armee. Carlsruhe, vom 17 July. Nach der am it> Mittags zu Frankfurt durch einen nach Mainz geeilten Courier eingegangenen offiziellen Nachricht ist der Friede mit Rußland den 7ten und mit Prcussen den yten abgeschlossen worden. Die Erecuü- on desselben wird ohne Zweifel unmittelbar folgen/ weil Kaiser Napoleon schon am nächsten Samstag den 19 dicß zu Frankfurt erwartet wird. Von der Friedens" bedingungcu ist noch nichts bekannt. Dem Fürsten Primas ist sogleich ein Courier nach Aschaffenburg ge« schickt worden. Oesterreich. Wien, vom 7 July. Der größte Thcii der Truppen, welche zur Verstärkung des NeutralitatsKordons beordert waren, haben nun, seitdem ein Waffenstillstand zwischen Rußland und Preussen cingctretcn ist, und dadurch jene Verstärkung unnöthig geworden, GeaenBesehl erhalten. — Wien, vom 8 Jul. Es sind nicht mehr als 8 Regimenter, welche zur Verstärkung des Grcnzkordons nach Gallizicn marschi- ren. Die meisten übrigen Regimenter sind marschfertig, um im nicht zu vermuthenden Nothfall auch die übrigen Grenzen zu decken. Alle Nachrichtenustimmcn dariN überein, daß eher, als man vermuthen sollte, ein dauerhafter Friede für das feste Land abgeschlossen und die Organisation von Europa definitiv entschieden seyn werde. Am 4. d. Abends ist ein östr. Major als Kourier mit Depeschen von dem noch immer zu Warschau befindlichen Gen. St. Vincent angekommen. Er hat die Nachricht von dem zwischen Frankreich und Rußland abgeschloßncn Waffenstillstand überbracht. Am nemlichen Tag ist ein Kourier von Kvnstankinopel an- gckommen. Deutschland. Ars einen glaubwürdigen Schreiben aus Lübeck, vom 8. Juli. Durch Berichte unsrer in Stralsund befindlichen Herren Abgeordneten ist heute Morgen die erfreuliche Nachricht emgegangen, daß Se. königl. Maj. von Schweden geruhet haben, zu verfügen, daß dir gegen hiesige Schiffahrt einstweilen genommnen Maaßreqcln wieder aushören sollen. Die bis dahin angehaltnen diesseitigen Schiffe und Ladungen find zwar noch nicht besreyet, doch darf man auch in dieser Hinsicht von dem Erfolg fernerer Anträge das Ersprießlichste hoffen. Schreiben aus Lübeck, vom 8 Jul. Heute geht von unfern Deputirten in Stralsund die angenehme Nachricht ein, daß unsre Schiffahrt itzt < 4Z8 ) voll Sr. Maj. vom König von Schweden für frey erklärt sey, und nur die in Schweden ausgebrachten Schiffe bis zur Beendigung unsrer Angelegenheit als en Depot bleiben sollen. Die hier segelfertig liegenden Schiffe (Schiffer Borke nach St. Petersburg, und Schiffer Riegel nach Riga) werden nebst andern nunmehr» abgehen. Maynstrom, vom n. Jul. Große Begebenheiten gehen jczt im Norden von Europa vor , und ehe vielleicht dieser Monat abrinnt, liegen sie enthüllt vor den Blicken der nach Rübe sich sehnenden Menschheit. 'Rußland hat gewiß den Waffenstillstand nicht deßwegen vorgeschlaqen, um seine Heere wieder zu sammeln, und mit den Mitten Rücksprache zu nehmen; es will gewiß aufrichtige Aussöhnung mit Frankreich. Geschieht diese, dann ist Euro- pens Schicksal bestimmt und seine innere Ruhe auf lange Jahre gegründet. Man spricht von einem Staa- tenbündniß im Norden, das fortan unter Rußlands Schutz stehen soll, von Entschädigung mehrerer deutschen Fürsten im Norden, von Erweiterung des Rheinbundes bis an die Elbe rc. Dies sind bis itzt noch eitel Vcrmuthungen. Ferner spricht man bereits von folgenden Friedensbedingungen: Polen soll als ein für sich bestehendes Reich anerkannt werden und einen stanz. Prinzen zum König erhalten; Rußland für immer auf die Moldau und Wallachey, so wie auf mehrere die Türkey begranzcnde russ. Provinzen Verzicht thun, und solche an die Pforte überlaffen; ferner soll Rußland nicht nur jeden Handelsverkehr mit den Eng, ländern, so weit die russ Staaten reichen. aufheben, sondern in Gemeinschaft mit Frankreich und seiner Verbündeten gegen dieselbe als Feinde der Menschheit und des Friedens agiren. Diejenigen, welche gern alte und neue Ereignisse mit einander vergleichen und Bemerkungen darüber anstelle», werden über die sonderbare Aehnlichkeit erstaunen, die zwischen dem Tod Pauli.im Jahr i8«ound nach einem allaemein verbreiteten Gerücht jetzt erfolgten Tod Selim III. und den Veranlassungen dazu, sich findet. Paul, von biederm Karakter und ritterlichem Geist hatte mit grösten Eifer den Plan gefaßt, das Seerecht der Völker gegen die Anmaßungen und die Tiranney der Engländer zu sichern. Um diese Angelegenheit desto eifriger szu betreiben, hatte er Frieden mit Frankreich geschlossen. Dannemark und Schweden hatten gemeinschaftliche Sache mit ihm gemacht. Preussen war mit einem feindlichen Einfall bedroht, wenn es nicht Tbeil nehme« würde. Kurz, alles war bereit, die Ostsee von einer Flagge zu befreien, die ihren Ruhm darinn suchte, alle andere Flaggen zu demükhigen. Bald würde die Freiheit des Meeres die Frucht der Anstrengungen »nd der Politik Pauls gewesen scyn , wire er nicht gerade damals gestorben. Man muß gestehen» dieser Tod konnte für England zu keiner gelegeneren Zeit kommen. Selim der durch seinen Hellen Verstand gar wohl eingesehen hatte, was seine Nation durch die Verbindung mit der großen europäischen Familie gewinnen könnre, Selim, der erste Sultan, der es gewagt hat, Vorurtheilen zu trotzen, und Kenntnisse und gesunde Begriffe um sich her zu verbreiten, und der aus unwissenden und stupiden Menschen eine wahre Nation bilden wollte, hatte das erniedrigende engl. Joch abgeschüttelt, die brittische Flagge vor Konstantinopel mit Schande bedeckt; Rosetra hatte sich widersetzt; das Meer war von Korsaren bedeckt; es war um den engl. Handel im mittelländijchen Meere gethan; es sollte ein schrecklicher Schlag gegen den Unterdrücker des Meers geschehen, als Selim fort mußte. Man kann sich nicht enthalten, zu bekennen, daß dieser Fall zu keiner ge- legenern Zeit für England sich ereignen konnte. (Aichaffenb. Zeit.) Frankreich. Paris, vom i, Jul. Der Fürst von Bcnevent, mit der Vollmacht Sr. k. k. Maj. versehen, und der Prinz Kurakin, Bevollmächtigter Sr. Maj. des Kaisers von Rußland, haben tätlich Konferenzen wegen des Friedens. Der Kaiser von Rußland un» der König von Preußen speisen täglich bey Sr. Maj. dem K-iiser Napoleon. Die wichtige Nachricht von der Zusammenkunft der beiden Kaiser und den Konferenzen zu Tilsit ist durch den Telegraphen in allen großen Stabten des Reichs bekannt gemacht worden. Ein Inspektor der Posiverwaltung ist von P.riS abgereist, um die Pferde zur Rückkehr Sr. r. k. c 459 ) Maj. auf den Stationen der Straße nach Berlin zu bestellen. Der Pulverthurm zu Luxemburg, den der Blitz an- gezündel und in die Luft gesprengt hat, lag aus einem 8-- Schuhe hohen Felsen, und war selbst 6z Schuhe hoch. Er war von den Spaniern bombenfest erbaut worden, und bestund aus Z Stockwerken. Im Augenblick der Explosion befanden sich darinn 11,200 Ki^ logrammen Pulver in Fässern und 1770 Kilogrammen an Artillerie-Munition. Von der Erschütterung spaltete sich der Fels an verschiednen Orten. Er beherrschte den Theil der Stadt, welcher der Grund heißt und der gänzlich zerstört wurde. Die obre Stadt litt auch sehr von der Erschütterung. Am 27. begrub man 22 Personen, die theils aus den Straßen, theils in den Hausern ge-ödlek worden sind. Seit dieser Zeit vergeht fast kein Tag, wo nicht Leute an ihren Wunden , oder von den Folgen des Schreckens sterben. Der Minister des Innern schickte dieser unglücklichen Stadt sogleich euu, proviiorische Summe von iZ,ooo Fr. zu. Die Mailänder Zeitung vom 2. Iuly gibt auch Nachricht von der RegierungsVeranderung in Konstantinopel. Die Umstände , welche sie mittheilt , sind aus dem Bericht eines Offiziers geschöpft , der am 3 Juny Konstantinopel verließ, und am 1. Iuly Abends in Mailand ankam. Diese Erzählung schreibt die Revolution den Janitscharen zu, für welche sich am 2ysien der Muffti und die Uhlemas erklärten. Es werden-drei) von den Uhlemas aufgesetzte Punkte angegeben, welche den Sultan Selim des Thrones verlustig machten: 1) weil er in 19 Jahren, seitdem er aus dem Throne saß, keinen Erben gegeben, da doch der Ko^an einen Sultan, der während 7 Jahren keinen Erven bekommt, des Throns verlustig erklärt; 2) weil er, gegen den Jnnhalc des Gesetzes, die Kara- vane von Mekka nicht beschützt hat; 3) weil er Befehl zu Neuerungen gegeben, da doch das Gesetzt alle Neuerungen verbreche. Das Janitscharcnkorps, welches den Anfang zum Aufstande machte, und aus Asien nach Kon- siantinopel herüber kam, war nur rzoo M. stark. Es scy wahrscheinlich, daß Selim den Aufstand erstickt hätte, wenn er sogleich würde nachdrückliche Maasre- gcln dagegen ergriffen haben. Den andern Tag war aber der Haufe schon ungemein stark angewachsen, und es konnte nun kein Damm mehr den Strohm aushal- ten. Selim soll seinem Neffen Mustapha, ehe er ins Gefängnis gic»g, sehr empfohlen haben, den schlechten Rathgebungcn nicht zu folgen, die chm den Untergang zugezogen haben, und die Gerechtigkeit zu handhaben.. Am i. Juny erschien ein Firma» des neuen Sultans, der die Erklärung des vorigen Regenten gegen Rußland bestätigte, und den Krieg gegen es für einen Neligions- krieg erklärte. Zugleich wurde allen Völkern anbefoh- lcn, dem erlauchten Mitten Napoleon, Kaiser von Frankreich und Köniq von Italien, mit Treue und Anhänglichkeit zugethan zu sein. Dieser Firman wurde mit großer Freude ausgenommen. Der französische Grr-sbothjchaster, der während des Aufruhrs von Kon« stantinopel abwesend war, ist seitdem zurückgekommen, und hatte feinen Pallast nicht mehr verlassen. Man schreibt den Ausbruch der Rebellion hauptsächlich einem am 27 May an ein JanitscharenKorps ergangenen großherrlichen Befehl zu, eine neue Uniform anzüneh- men, sich den Bart abzuscheeren rc. Dieses Korps weigerte sich, dem Befehl zu gehorchen, und empörte sich. Schweden. Stralsund, vom Z Iuly. Gestern Mittag ist SeMaj. der König, der Armee die des Morgens ganz früh aufbrach, nach Franzburg gefolgt. Den iz des Morgens um 2 Uhr, ist der von unserer Seite aufgekündigte Waffenstillstand abgelausen, und wenn derselbe nicht wieder hergestellt wird, so fangen die Feindseligkeiten dann sogleich wieder an. Todes-Anzeige. Carlsruhe. Es hat dem Allmächtigen gefallen, mir meine Ehefrau Maria Regina, eine gebohrne Prin- zin in ihrem 44 Lebensjahr an einem Nervensieber z» sich in die Ewigkeit abzufordern. Ich mache diesen süc mich äußerst betrübten Fall allen meinen Verwandte« und Freunden anmit ergebenst bekannt. Carlsruhe am 16 Iuly 1807. Wilhelm Kiefer HosWagncr und Kroneriwittß. ( 460 ) Carls ruhe. (MvbiNenDersteigerung.) Nächsten Dienstag den 2iten dieses Monats und die nächst darauf folgenden Tage wird aus der Verlaffenschaft des verstorbenen Herrn ArchivRaths Vierordt in der Erbprinzenstraße, Behaußung Nro. 424. Gold, Silber, Kupfer, Mössing und Zinngeschirr, Bücher, Bcttwcrk, Leinwandt, Schreinwerk, gemeiner Haußrath, allcrley Dorrath auch Weinfässer und Bandgeschirr gegen baa- re Bezahlung, Vormittags von 9 Uhr und Nachmittags von 2 Uhr an, öffentlich versteigert werden. Carls- kuhe den i6ten Iuly 1807. Von JnventurCommissions wegen. Carlsruhe. (Tin Lehrling wird gesucht.) In eine der ersten SpccercyHandlung dahier wird ein junger Mensch in die Lehre gesucht, der von honetten Eltern und guter Erziehung ist. Das ZeitungsComptoir sagt wo? Carlsruhe den 16 Iuly 1807. Carlsruhe. (Tin Scribent wird gesucht.) In eine nahe bey Carlsruhe liegende Amtskellerey wird ein im Badischen RechnungsStil geübter Scribent gesucht, welcher sogleich eintretten kann, man glaubt, im voraus versichern zu können, daß ein solches Subjekt mit der zu gewarten habenden Behandlung vollkommen zufrieden seyn werde. Das ZeitungsCvmtoir sagt wo? Carlsruhe. ( Optische Maaren. ^ Ich Unterzeichneter Optiker gebe hiemit einem geehrten Publikum die Nachricht von meiner Ankunft, und zugleich davon, daß ich alle Arten von Augengläsern nach Kunstregeln verfertige. Meine Brillen find nach Verschiedenheit des Seh- maa-ßes eingerichtet, sowohl für kurz und nahsichtige, als auch für solche Augen, die nicht in der Nähe, sondern in der Ferne scharf sehen. Diejenige Briöe , welche den Augen, je nachdem sie beschaffen sind, am angemessensten und wohlthäkigstcn ist, wird sogleich nach den Regeln von mir bestimmt, sobald ich dje Augen gesehen habe. Licht und deutliche Unterscheidung der Gegenstände wird unfehlbar einen jeden über das Gefühl seiner hergestcllten Sehkraft mit Freude erfüllen, wobey Niemand besorgen darf, daß die Augen angegriffen und noch mehr gejchwächt werden. Diese Besorgniß findet bios bey Vcrgrösserungsgläsern statt. Vielmehr zeigt'sich , wie schon gesagt, gerade das Gegentheil, daher diese Brillen nicht nur Conser- vaiions - sondern auch Ncstaurations - Brillen heissen sollen. Ich verkaufe auch kleine und grosse Mikro-i scope in verschiednen Sorten, welche von ro bis ivo,o2omal vergrössern, desgleichen Perspektive, Le- segläser, Tclescope, Vergrösserungsspiegel, Prisma- ta u. dgl. Auch reparire ich alle schadhaft gewordenen Glaser und Cameras obscuras. Des Erfolges gewiß, bitte ich zunächst nur um Prüfung und Untersuchung. Mein Logis ist in der Kronengaße bey Besach Hirsch. I. Frank. Carlsruhe. (Empfehlung.) Madame Schaas zeigt einem geehrten Publikum an, daß sie nunmehr in der Erbprinzenstraße in dem ehemaligen Hausse des Herr» Grasen von Sponeck wohnt; sie empfiehlt sich mit allen Arten von Spiegeln, Kronleuchtern , Lampen und allen Sorten Glaswerk und halt die möglichst billige Preiffe. Dretten. (FrüchtenVerkaus-) Da auf den disseitigen Grosherzogliche» Kameralsprichcrich eine anderweitige Fruchtquaiitität von zoo Malter Korn. e>o Malter Geest. 1200 Malter Dinkel und 8°e> Malter Haber dem öffentlichen Verkauf gewidmet ist: so wird in der Absicht Dienstag den 28 l. M. anberaumt; und dieß den respmiven Kaufiiebhabern mit dem Anfügen eröffnet: daß die sämmtlichen Frnchtgatkungen vom Jahre '80b und von der besten Qualität sind. Bret> ten am 8 Iuly >807. GroShcrzogl. Badische Gefällverwaltung. Basel. (Auffvrd'rung.) Demnach Samuel Paravicin Socin, gewesener Handelsmann in Basel, im Rechten ausgeklagt worden, so werden alle diejenigen, so an ihn wegen Versazunq, Gegenrechnung, Zinß, Schulden, oder irgend «iniqe andere Ansprache haben, anmit 8ub posnn praeclerdk ausae- sordert, ihre Anforderungen innert den nächsten 6 Wochen von Dato bei Endesvermelter Schreiberey behörig einzngeben. So wie auch diejenigen, so ihme zu thun schuldig sind, ihre Rechnung und Qoino Lurrein einsenden, und ncl inallairi zahlen sollen. Geben den 24. Juni 1807. Gerichtsschreiberey der Stadt Basel. s N P ar ke h- se ne er H «i er a> w di P b 2 c e tz d v