Nro. r?Z. Karlsruher Montags 3 Pag. 709. Zeitung. den 2. November 0 7. Mit Grosherzsglich Badischem gnädigstem Privileg!». Jnnhalt. Wien: Die östre ckrsche Häfen festen den Engländern geschlossen sehn. Klagevsurt: ?currob'.unst RegenSburg: Truppenbewegungen — Hamburg:.Hanseatische Deputation.— Zürck: Cchweizerregimenter— Preussen. — Paris. — Turin: Kardinal Bayane. — Kvppcnhagen: Die Engländer raumen Seeland.— London: Etat der engl. Seemacht. — vermischte Nachrichten. O e st r e i ch. Wien, vom 22. Okt. Die Engländer haben anfangs Okt. zwar angefangen, die östreichische Flagge mehr als bisher zu respck- tiren, auch einige weggenommcne Schiffe, die unter dieser Flagge regelten» wieder freigegeben. Jetzt aber erneuert sich das Gerücht, daß unser Hof, vermöge eines Einverständnisses mit Frankreich nunmehr zu dem Entschluß, hie Engländer auch aus diesen Häfen, die noch zu den wenigen in Europa ihnen offen stehenden gehörten auszuschlicßen, geschritten sey. — Die Angelegenheiten ünsers Hofs werden in Paris gegenwärtig um Thei! durch den Kroöherzog von Würzburg dein den, und man erwartet in kurzem, daß die Uaterrandlungca wegen Braunau, in e ekrcff der Ersetzung der Kosten, welche durch die Nr'chträu- ^mung von Cattaro verursacht worden sind, nächstens zu einem gewü,-schien Ende gebracht werden sollen. Wenn man den laufenden Gerüchten Glauben bei- messcn kann, sollte Maiern die Unkosten, die auf 1? M:ll L vres berechnet werden, auf sich nehmen, und dajür einen naymhaften Zuwachs an Gebier am Inn rrhalten. Klagenfurt, vom ig. Okt. Am iZ. d. Nachmittags brach in der Kreisstadt Zu- dcnbvrg plözlich ein verheerendes Feuer aus welches, ohngeachket die zwekmäßigßen Lsschanstalten angewendet wurden, und viele Menschen zur Hülfe herber eilten, dennoch sich so schqeü weiter verbreitete, daß binnen kurzer Zeit die ganze Stadt in vollen Flammen stand, und alle Hülfsmittel zur Abwendung der weitern Gefahr fruchtlos blieben. Selbst in pie Keller drangen die Flammen rin und vernicht ten alles, waS diesem verzehrenden Element nicht zu widerstehen vrrmochte. Jede Rettung des Eigenrhums war, da die Flammen von allen Seit.n wüty.ten, vergeblich. Biele Menschen sind dabei veiuNtzlükt und da man einige vermißt, so glaubt man. das selbe in den Flammen ihren Tod gefunden'haben Gegen Abend lag die ganze Stadt, welche sich von den Wunden der beiden leiten mit Frankreich geiühtten Kriege nur kümmerlich wäder erholt hatte, bis auf einige <äu- sec in einem Schutthaufen verwandelt da. AiieS bewegliche Eigcnthum, die ganze dieAahrige Erndte und besonders viel Vieh ist verbrannt. Das Elend dieser ungmUrchm Menschen ist u.'.b.fchreiblich, da die mustm gar i.lch.s als ihr Leben gerettet haben. 10 Ohne Obdach, ohne Nahrungsmittel, ohne Bede- kung sehen die Anglüklichen dem nahen Winter entgegen, und haben ihre einige Hoffnung auf die Hülfe und das Erbarmen gukthatiger Menschen-Freunde gerichtet. , Deutschland. Regensburg, vom 2z. Okt. Es scheint gewiß, daß der größte Theil der Oest- reichischen Truppen in Böhmen noch vor dem Winter dieses Königreich verlassen und sich nach der Türkischen Granze, nach Kroatien und dem Adriatischen Meerbusen ziehen werde. Die Truppen in Mähren und in Oestreichisch Schlesien werden auch vermindert. Der Erzherzog Ferdinand, der mit dem Ober-Kommando in diesen beiden Provinzen beauftragt ist, hat diß selbst den Civil-Behörden von Olmüz und Brünn erklärt. Hamburg, vom ^Z. Okt. Die hanseatische Deputation ist fortwährend zu Paris. Ihre Bemühungen, einige Verminderung der für die engl. Maaren zu bezahlenden Summen zu erhalten, sollen umsonst gewesen sein. Hamburg muß innerhalb sechs, Lübek in zwölf Monaten seine Schuld abtrage». Vorläufig ist indeß die Zusicherung erhalten worden, daß die auf diese Weise rükgekauften Maaren nachher frei verhandelt werden können, je, doch innerhalb der Douanelinie und den Worsichts- maasregeln unbeschadet, welche erforderlich sind, um zu verhindern, daß nicht noch neue engl. Fabrikate und Colonialwaaren, vermittelst des Versendens .von jenen eingeführt werden. H e l v e t i e n. Zürch. vom 2Z. Okt. Durch ein Kreisschreiben -vom r8- d. meldet der Landammann den Standen: er habe-durch die gestrige Post von dem französischen Grosbotschafter die offizielle Anzeige erhalten, daß Se. Majestät der Kaiser von Frankreich den Reichsmarschall Lannes zum Ge- neral-Obristen der im französischen Dienste stehenden Schweizer-Truppen zu ernennen geruht haben. Durch, diese, auf einen so ausgezeichneten, aus dem Schooße Ihrer Leibgarde gewählten, Mann gerichtete Wahl hätten Se. Majestät der schwcizersiche» Nation einen neuen Beweis Ihrer Achtung und Ihres Zutrauens gegeben. Der Lankammann seinerseits beeile sich um so mehr, den Regierungen der Kantone von dieser amtlichen Eröfn'ing Kenntniß zu geben, alsj dieselbe mit der Anzeige verbunden gewesen: es erwarten Se. Majestät, daß im Laufe des kommenden Winters die Schweizer-Regimenter ihre Vollzähligkeit erreiche» -werden. Mg. Z. Pr e u s s en Berlin, vom 22. Okt. Die hiesige Jejtung enthalt folgenden Artikel aus Posen, vom 16. Okt.: ,.Mehrere kleine Detaschements k. k. franz. Truppen sind hier durch nach Graudenz marscvirt. Man giebt die Küsten der Ostsee als ihren Bestimmungs- Ort an, und spricht auch mit vieler Gewißheit davon, daß die Division Grouchp Dragoner wieder auf dem Marsche hieher begriffen sey. Oeffentliche Blätter enthalten die Nachricht, daß in der Stadt Brandenburg ein großes Magazin auf sechs Monate angelegt wird, und daß französische Truppen in dortiger Gegend noch länger verweilen werdend Frankrei ch. Pa ris, vom 26. Okt. Drei Mörser von dem größten Kaliber sind hier aus Preussen angekommcn, und sollen für die Statue des Generals Desaix, w.lche den Siegesplaz zieren wird, geschmolzen werden. Die Kanonen, woraus das Denkmal des Gen. d'Hautpolt gegossen wird, .werden erwartet. Italien. Turin, vom iy. Okt. Der Kardinal Bayane ist zum zweitenmale hier 7 angekommen, .und hat, ohne sich aufzuhalten, seine .Reise nach Paris fortgesezt. In seinem Passe -wird er ausserordentlicher Legat Sr. päbstl. Heil, bei Sr. k. k. Maj. genannt. Die Vorbereitungsanstasten zum Empfange des Kaisers und Königs, auf seiner Reise nach Italien, .Werden hier fortgesezt. D a n n e.m.a r k. K vppenhagen, vom 20. Okt.' Gestern Mittag um 12 Uhr war die Kapitulation adgelmifen, und das Kastell so wie die Holme sollten mithin, in Gcmäsheit der Bedingungen, unfern Truppen überliefert werden. DieS geschah indeß nicht- .vielmehr wurden die feindlichen Posten, wie gewöhnlich abgelöset, und neue Posten hingestevt. Die Un, ruhe, welche diese Nachricht in der Stadt verursachte, -ward indeß bald gehoben, als man erfuhr, daß die Feinde sich, der stürmischen Witterung wegen, eine Verlängerung der Kapitulation auf 24 Stunden aus, gebeten hattep. Eben (;2 Uhr) erhalt man nun Nachricht, daß die Engländer diesen Morgen, Holme und Kastell ge» räumt haben, und nach dem Strande gezogen sind, um den Rest ihrer Truppen «m Bord zu bringen. — Seeland ist daher, wie die übrigen Staaten des Königs von Dannemark, von heute an, im Kriege mit England. — Unserer Seits sind gestern alle erforderliche Veranstaltungen getroffen, um einem neuen Angriff auf unfern Küsten zu widerstehen. j.D>'e regulai- ren Truppen werden in Verbindung mit der Landwehr den Strand besetzen, und die Küstenldurch Bat- terieen gedeckt. Won der feindlichen Flotte sind schon gegen 100 Schiffe, unter denen 22 Kriegsschiffe waren, durch den Sund nach der Nord-See passirt. Ein unverbürgtes Gerücht sagt, daß eins unserer Linienschiffe und eine Fregatte auf der Reise nach En, gland, an die Norwegischen Küsten verschlagen, und von unfern dort befindlichen Kriegsschiffen, die jetzt bei Friedrichsstadt sicher liegen, genommen ssyn sollen. I England. London, vom 14. Okt. Die 'Hofzeitung vom r. d. enthalt folgenden Etat unsrer Seemacht und ih'er Vertheilung: Kanal von England und Irland 147 Linienschiffe, Fregatten, Schaluppen, Kutter :c.; in den Dünen und der Nordsee 190; Spanien, Portugal!, -Gibraltar Zi; mittel- länd. Meer 57; afrikan. Küsten 2; Westindien 64; Jamaika 32; Amerika und Terra nova zü; Südamerika 20; Vorgebirg der guten Hoffnung 8 ; Ostindien 44; in den Häfen und unter Ausrüstung 120; Wachschiffe .IZ; Spital - und Gefängnißschiffe 35; -gewöhnliche Stationen 183; auf den Werften 85 ; das Ganze beträgt also 232 Linienschiffe, ZZ Schiffe von Zo Kanonen, 25c Kutter rc., in allein 1067 Schiffe. — Es ist hier nicht unbemerkt zu lassen, daß viele dieser Schiffe alt und unbrachbar sind, auch daß Grosbriitannien bei weitem nicht die zur vollständigen Bemannung dieser Ungeheuern Seemacht nöthigc Zahl Matrosen besizt. Das Blatt „tde inckepenckevt vom is. Okt. enthält: „ Die Resultate der Depeschen, welche der von Petersburg gekommene Staatsbote Hunter mitgebracht hat, werden wohl den Bruch zwischen uns und Rußland gründen. Kaiser Alexander ist dem franz. Monarchen ganz ergeben, und der neue russ. Minister Romanzow ist ein Antagonist unsers Ca- binets." ' Unsere Verhältnisse mit Nordamerika sind fortdauernd so beschaffen, daß wir jeden Augenblik erwar« ten müssen, zu vernehmen, t^ß dieser Freistaat uns den Krieg erklärt habe. Alle aus Amerika eingehende Nachrichten schildern die große Gährung, welche in allen Gemüthern herrscht, die Grafschaften verlamm- len sich, und fassen die nachdrükuchsten Beschlüsse gegen uns; das Volk in den großen Städten verlangt mit Ungestümm Krieg, und die Eng'änder, die sich blicken lassen, sind häufig Unannehmlichkeiten aus- gesezt. Eine große Zahl Korsaren erwartet nur das Losungszeichen, um über unsere Handelsschiffe herzu- 712 fallen, und allen Anzeigen nach werden wir, wenn der Krieg hat, weit mehr von diesen Kaperschiffen zu leiden haben, als von allen militairischen Expeditionen, welche die Amerikan..« gegen unsere Besitzungen und Seemacht unternehmen könnten. Lurch franzcs. Journale hatte man schon erfahren, daß die Negoziation des Hrn, Paget mit der Pforte gescheitert sep; ein von Malta angeiomm ncs Schiff hat Depeschen übcrbrocht, weiche die Richtigkeit dieser Nachricht oun nicht mehr bezweifeln lassen. Du-^ch das nar-licke Schiff hat man erfahren, daß der Kaiser von Marokko, auf Antrieb Frankreichs, fernen Uuterthancn verboten habe, der Besatzung von Gibraltar fernerhin Leb.nsMitteln zu.»führen. Be rmisch te Nachrichten. Das Seraü muß ungeheure Schätze enthalten. Alle Sultane Haufen Gold in ihren Schatzkammern au, das nie mehr das Tageslicht erbltkt. Das wäre eine Schmach für den sparenden Groehrrrn, den Schatz feines Borfahren zu berühren f Lei dem Tods jedes Grosherrn wird seine Schatzkammer verschlossen, unter die Siegel des Grosherrn gelegt und mit goldenen Luchstaben an die Thüre gcsch-.ieben r Das ist hier der Schatz des Sultans. ... Da seit Maho» med dem Zweiten, der das griechische Reick zerstörte, 40 Kaiser waren, so muß das Serail auch 40 Schatzkammern enthalten, die, eine in die andere, zu wenigstens 12 Millionen unserer Münze angeschlagen, «in Ganzes von 480 Millionen gemünzten Goldes geben. Fügt man diesem die Edelsteine, eie kostbaren Gegenstände, die Geschenke, die seit I50 Jahren gemacht wurden, und die Einziehungen der Güter, der Privaten, Pachter ec. hinzu, so wird man die unermeßlichen Reichtbümer, die seit mehr als Z Jahrhunderten in dem Serail begraben liegen, ohne je den Tag gesehen zu haben, nicht schätzen können. Earlsruhe. fMcß-Waarenff Julius Caesar Grandi aus Mailand hat die Ehre einei^ vcrehrungsw. Publikum anzuzeigen, daß er diese Messe mit einem Assortiment der besten und schönsten Bijouterie- und Quknqualleric-Wasren, sehr schönen Pariser Pendulen von ganz modernem Geschmacke, sehr hübschen und modernen lakierten Waaren, bestehend in übe'aus gut gemahit-m Theebrettern, Gefäßen, Blumentöpfe u. dgl. einem sehr schönen Assortiment der neuesten Pariser Tapeten, Pariser Damen-Schuhe aller Art in neuester Facon, auch deren für Herrn, sehr guten Turiner Liqneur, feine Mailänder Choeokade, und Spanischen, Pariser und Holländer Schnupftabak ' «lt. — Er verspricht recht billige Preise, und hat seinen Laden auf der Messe Earlsruhe. fConzert - Ankündigung. 1 Mit höchster Gene''M'gung wird Madame Vogel Directrice, des Straßburger Theaters Dienstags, den z. Nov., ein grosses Vokal - und Instrumental-Eonzert zu geben die Ehre haben, worin sie selbst und Madame Fischer, erste Sängerin der derselben, sich im Singen produzircn werden. — ES wird dieses vorläufig auf di sem Wege zur öffentlichen K.nntniß gebracht und dazu HZflichst eing-laden. Das Nähere wird ein besonderer Anschla -Z ttel anpigen, Earlsruhe Herr L 0 udet, Melisin rlratb und' Ho^ Zahnarzt, ist hier angekow.men und wird sich mar 8 bis 10 Tage aufhalt-n. Personen, die mit einer Mundkranidrtt beha'tet sind, und ihn mit ihrem Zutrauen beehr-n wollen, belieben ihm Nachricht zu geben. Logierc im Darmstädter Hsf. "i In Macklots Zeitunqs-Komptoir Nro. 46. in Karlsruhe (bei Bestellungen dit'et man d e N o. d«K Hauses und diese Stdcesse beiznfügen) sind folgende Älmanach für 1808 zu haben: Taschenbuch der Liebe und Freundschaft, mit K'-v- se' , 3 5- -für Reuende durch Deutschland und d>. un- gränzenoe Länder, mir einer Postkarte, in Maroquin. 4 st 48 kr. Dsmevkalender von Huber, Lafontaine, Pfeffer u. a. mit Kupfern. 2 fl. -4 kr.. Offenbacher kl. Taschen-Kalender mit Kupfern von Lomim't 48 kr. Frankfurter d'to. Zü kr. Augodu ger Etuis. Kalender. Z fl. kr. Diro Kalender ln S-iberieder mit Spiegel ist. 15?*. Lilv vitv 0. n. Spiegel. 48 kr. Lito Fiiigerkalender, 18 kr.