Nro. izi. Pag. 625. L a r l sruher Zeitung. Mittwochs den zr Oeteder 1787. Mit Hochfürstlich - Markgräflich - Ladischem gnädigstem Privileg!-. Lemberg, vom 6 (l)ct. In einigen Tagen soll rußische Kavallerie in Galli- zien einrücken, weshalb auch an die hiesige Feldapv- thck schon Befehl ergangen ist, kiest Truppen auf das bcßke mit der etwa erforderlichen Medicin zu versehen. Der rußische Konsul zu Jassy hält sich itzt in der Buckowine auf. Man wollte ihn nebst seiner Gemahlin» gefangen nehmen; letztere rettete sich aber mit der Flucht und hierauf ward ihm auch erlaubt, sich wegzübegeben. In Jassy liegen 200 Janitscha- ren, aber meistens elende Leute, die mit Hunger und Blöse zu kämpfen haben. In eben so schlechten Umständen sind die 1800 Janilscharen, die bey Chozim stehen. Gegen alle Kaiser!. König!. Unterlhanen be» weisen die Türken bis itzt nicht die geringste Feindseligkeit. Vor kurzem haben sie sogar sechs Uederläu- ftr, von denen sich einer beschneiden lassen wollte, wieder zurückgeschickt. Man ywartct täglich in Galli- jien Befehl, Rekruten auszuheben, deren Anzahl sich allenfals auf 52,022 Mann belaufen könnte, die leicht «mfzudringen wären, da man gegenwärtig 52,222 dienstfähige junge Leute darinn zählt. Lemberg, vom 12 Der. Aus Stanrslawow wird unter dem 7. dieses berichtet; die Ordonanzen von Lemberg bis nach Czer- nowiz, welche nur 2 Meilen voneinander postirt stehen, gehen sehr stark und . zwar jene, welche Briefschaften Überbringer; müssen, einen stacken Trab. An den Prinzen von Köburg sind seit einigen Tagen 4 Staf-t- ten von Lemberg gekommen. Nach »euer» Nachrichten sollen bey Czcrnswiz 5 Regimenter theils Kavallerie, theils Infanterie zu stehen kommen und io andre werden den Kordon formiren. Nach der Erzählung eines,von der Armee angekommncn russischen Officiers sollen die Russen bereits mit 82020 Mann enicn Kordon gezogen und denselben auf solche Art eingerichtet haben, daß ihn die Türken mchk bald durchbrechen sollen. Die Armee der Ottomannen bey Oczakow soll meistens aus Asiaten bestehen; nur wisse man ihre eigentliche Stärke noch nicht. ^ Dicsesmal ist die Artillerie der Türken ganz Französisch und ausser den Stückknechtcn sind die übrigen alle Franz-, ftn; selbst der General Per Artillerie ist ein Franzose. Der Kordon der Russischen Armee soll sich mit dem unsrigen vereinigen; weswegen denn bereits Russische Truppen, deren Vortrab in einigen Bataillonen Infanterie besteht, auf dem Anmarsch begriffen seyn sollen. Schreiben aus Warschau vom iz y ct. Ein Schreiben aus Cherson vom 2<-leri v. M. meldet die zuverlaßige Nachricht, baß die iz Meilen von Oczakow unter dem Commando des Grafen Woino- wicz liegende Russische Flotte den rylen v. M. sich 6 türkischer Schiffe bemächtigt habe, die mit Provision, fümehmlich mit Eaffe, Reis, Wein und Zwieback beladen waren. Diese Schisse waren nach Qc- zakow bestimmt und hatten auch Soldaten am Bord. Die Wegnahme dieser Schiffe brachte die Türken zu Oczakow in Bewegung. Den azten näherten sie sich mir 7 Schiffen der Stadt Kiuburn, bombardir- ten sie anderthalb Stunden lang und da sie glaubten Posio fassen zu können, so fiengcn sie an ihre Mannschaft ans Land zu setzen. Der Obrist Timtzelmann und der General Neck griffen die Türken lebhaft an, bohrten eines ihrer Schiffe in Grund uud zwangen sie, sich zurück zu ziehen. Die Zahl der getödtcten, verwundeten und cttrrmknen Türken kann man nichr genau bestimmen. Der Verlust der Russen ist zc> Mann. Diese Verwegenheit der Türken brachte die Russen auf. Der Capitain Chevalier, welcher in dem Hauen zu Glubok eine Galeere von 12 Kanonen und 82 Mann commandirle, lief Tags darauf, nemlrch den 2btcn Sepr. aus, ohne Ordre zu haben, gieng auf Oczakow zu und mitten in die Türkische Flotte, schlug sich 2 Stunden lang herum, ohne einen Mann zu verlieren, beschoß ein Türkisches Schiff von 6s Kanonen mit einer unglaublichen Lebhaftigkeit und da er glühende Kugeln auf dasselbe schoß/ so fieng dre Pulverkammer Feuer, das Schiff sprang in die Lust und die ganze darauf befindliche ans 622 Türken bestehende Mannschaft gieng zu Grund. Die Galeere zog sich hierauf nach Kinbmn zurück und kam den 28ten zu Cherson an. Von -er Donau, vom 17 (Vct. Weder die Reift, Sr. Majest. des Kayfcrs nach Ungarn, «och ftne des Feldmarschalls Lafty nach der ( 626 ) Hauptarmes entscheiden es noch zur Zeit, ob der Krieg wider die Türken mit Ernst werde angcfemgen werden, oder nicht. Es heißt vielmehr,, unser Monarch ziele dahin, die Atolle eines Vermittlers zwischen Rußlcm) und der Pforte ailzunchmen.. Unsre Amnstungen sind zwar bis zum Erstaune» gros uud werden m.it unbeschreiblicher Thättgkeic fortgesetzt: -allein sie scheinen nur dazu zu dienen, um unjrer Vermittlung desto mehr Nachdruck zu verschaffen. Sollten inzwischen die Russen diesen Winter über einige glückliche Unternehmungen machen: so dürste sich der Stoltz der Muselmänner wohl von selbst legen. D:c ausserordentlichen Kricgsanstittten, welche man in Prcuiim, Sachsen, Hessen und mehr andern deutschen Sraatcn macht, sind ein Beweis, daß eine gewaltige Krisis in Europa vorhanden ist und verschied- ne größtenteils noch unbekannte Plane ihrer Enlwick, tung nahe sind. Wien, vom i8 ct. Der Krieg zwischen Oesterreich und der Pforte ist -gewiß. Am i8. kam der letzte Eilbol aus Conftan- ilinvpel, der eine sehr trotzige Antwort des Divans mubrachte. Tags darauf wurde die eiligste Herstel« jung des Feldpostamts befohlen und das Hofkriegs- buchhaiterey-Perfoliale ernannt, welches die Armee begleiten soll. Es wurde mich nochmal wegen Ver. -pffcgung der ungarischen Armee groser Rath gehalten. Am 19. gierig ein groser Transport schweren Geschützes nach Ungarn ab und der Generalfeldzeng- nieister Graf Joseph Colloredo und der Generalmajor -von Jordis sind beordert, die Anzahl der kommandi, renden Generals in Ungarn zu vermehren. Feldmar- schall Laudon, General Wurmser und Fürst Carl Lichtcnstein werden für die Sicherheit der böhmischen und schlesischen Granzcn wachen. Da die Desertion der Ausländer gegen die Türken geringer ist, ats gegen europäische Völker, so müssen verschredne Rcgi. niemer, die nicht marschiren, ihre Ausländer an die nach Ungarn bestimmten Regimenter abgeden. Erz, Herzog Ferdinand gicdk an Lattermann Los Mann ab und die beym Regiment Lascy kommen zum Regiment Kaunitz. Die vielen Millionen, welche auf die Rüstungen verwendet werben, beweisen wshl, daß man ihre Entschädigung nicht dem ungewissen Aus- Ich'ag der Unterhandlungen überlassen werde. Alle Erölander tragen das Ihrige mit -groser Bereitwillig, kcit bey. Oesterreich liefert neuerdings 400 Stück Pferde. Ungarn stellt in und es gehen Militairpacrouillen, welche den schärf, stcn Befehl haben, die Ruhe zu'bewahren. Auch ist die ^ Bürgettävallerie von ihrer mühsamen Arbeit vorläufig entlasse». Die Garde zu Pferd von Ihren Edel. Grosmögendcn bezieht anstatt der Bürgerkavallerie die Wachen. Die Preussischcn Truppen haben noch an und vor dem Leidner Thor ihre Besatzung und das Hauptquartier des Herzogs von Braunschweig ist noch zu Overroom. In einigen Qualicrcn und Strafen unsrer Stadl wird noch immerfort illuminirt und vie» lerlcy Freude dabey bezeigt. Wir wünschen aufrichtig, daß Häuser und Strafen besonders des Abends durch die Besatzung von allem Unfug gesichert bleiben mb, gen. Auszug eines Briefs aus Amsterdam, vom 26 Nsv. In unsrer ganzen Republick ist nun alles wieder vollkommen in Ordnung und auf den ehemaligen Fuß gesetzt. Auch fängt der seitdem völlig zerrüttete ' Handlungszustanb an, sich wieder empor zu schwinge». Auf die allgemeine Vermuthung, eines zwischen Eng. land und Frankreich unvermeidlichen Kriegs, werden schon in vcrfchiednen Maaren grosse Speculationrn gemacht.