Nro. iZ7- Karlsruher Mittwochs » 7 INS. sLMd'SMM- Pag. 647. Zeitung. deniz November 8 6 . Mit Hschfürstlich « Markzräflich - -- > >—«»».. '„ >?»WU Warschau, vom 20 Gct. Der Reichstag macht cs itzt hier sehr lebhaft und täglich sind die Landbotcn und Magnaten zu Betreibung der Reichstagögeschäfte versammelt. Briefe aus Petersburg melden, daß viele Rußische Truppen nach der kleinen Tartarey aufgebrochen. Man glaubt, diese Verstärkung sey um so nothwendiger, weil der Rußische Kordon eine beträchtliche Niederlage erlitten, die auf yoo Soldaten, theils gelobtet, theils von den Larlarn gefangen, angegeben wird. Diese unbändige Nation verläßt «sich auf ihren sichern Aufenthalt im Gebirg. Ucberhaupt ist kein Anschein vorhanden, daß die Rußen viel weitre Vergrößrungen in jener Gegend machen werden, vielmehr in Gefahr stehen, die Krimm wieder zu verlieren, indem sich die Tar- tarn, von den Türken ausgehezt, vereinigen, ihre Gegner, wo möglich, wieder aus dem Land zu treiben. Haw, vom 29 Oc'. , Alles, was itzt hier zu Land vergeht, (sagt ein Holländisches Blatt) gehört unter die Rubrik: Große Begebenheiten, aus kleinen Ursachen; Man weiß nun, daß der erste und wahre Anlaß der Expedition gegen die Stadt Hattcm und aller daraus fnr den Erdstatt- hattcr eittsiandncn riachlhciliscn Folgen kein andrer als foldcnder gewesen ist: Der Schöffe der Stadt Hartem starb und sein Sohn, welcher die Secrelair- stelle der nämlichen Stadt begleitet, wandte sich an Se. Durchlaucht, um die Stelle des Verstorbnen zu erhalte». Der Prinz versprach sie ihm auch. Unterdessen ereignet sichs, daß der junge Candidat, auf einer Iagdparthie, einen Hasen auf dem Gebiete des Herrn von Jcrst erschoß. Letztrer, über diese» Jagd- Badischem gnädigstem Privileg!». frevel aufgebracht, brachte seine Klage vor den ErSe fratchaitcr; Der Prinz nahm sich der Sache an und strafte den Gcgcnparl mit Beraubung der Sielte, die er suchte. Darauf wurde der Gardist Dinkgreve zum Schöff ernannt; weil er aber seinen Abschied vom Mililair nicht aufweiscn konnte, so wollten die Bürger ihn nicht annehmen; auf diese Weigerung erfolgte die strenge Ordre der Staaten von Geldern zum Militairzug gegen Hattem, daraus die Unruhen in dieser Provinz und endlich eine Art von Trennung unter den 7 vereinigten Provinzen. Maynz, vom zi (vct. Oeffcntliche Blätter haben schon zum öfftern eines Neligions-Coiigrcsses erwähnt, welcher hier gehalten worden, von dem nunmehr folgendes aus Briefen von Maynz bekannt worden ist: „ Nach dem bekannten Rcscript des Kaysers an die 4 Erzbischöffe Deutschlands, glaubte unser erhabner Churfürst, der Zeitpunkt fty da, seine übrige» Amtsbrüder aufzuforder», endlich das Joch der römischen Herrschaft abzuschüUeln» in die unbeschränkte Ansübung ihrer Episcopalrecdte zu treten und endlich auch gewisse heilsame Disciplinarverfügungem mit vereinigten Absichten zu erzielen. Das Bad Ems ist zum Versammlungsort des Congrcsses auserfthcn, wohin sich gegen Ende des Julius die 4 Dcputirten verfügten ; von Seiten May»; der Sraatsrsth und Weihbischof von Heimes, von Seiten Trier der Gcheime- Rath Beck- von Seiten Cöln der Geheime-Rath Tautphäus und von Setten Salzburg der, Consistori- alrath Bönike. Unser Hof hatte ins Große gehende Plane entworfen, die, wenn sie von Trier und Cöln, eben so, wie von Salzburg, unterstützt worden wü- v'8 «n, nichts grringers, als eine allgemeine Beschränkung des Fastengebvts, der Ehchmbcrnisse, Anflößung der Orden und Pncstcrgelübde, zweckmäßigre Einrichtung der ganz von ihrem Ursprung abgekommnen Domstsster umfaßt haben würden. Inzwischen hat man doch andre gleichfalls heilsame Gegenstände z. B. die Hinaussetzung der Möncys-undOrdensgclübde auf spätre Iahie/ die Anwendung frommerVcrmacht- niße zu nützlichem Absichten, die Enlkräffcung der Epemrionen, die Sperrung der Nuntiaturen u. s. w. mit gemeinschaftlichem Einverstandniß adgehandelt. Zu Ende des Augusts gierig der Congreß auseinander und nun sollten die aus demselben abgehandclren Punkte dem Kayftr zu allerhöchster Genehmigung vor- gclcgt werden; allein cs sollen dey der Unlcrzeichnung von Seiten * * neue Schwierigkeiten erregt worden scyn, welche die Sache leicht noch in die Länge ziehen könnten. Solle nicht alles nothwendig zu Verbessernde auf diesem Congreß abgethan scyn, so könnte solches weit füglichcr noch auf einer National-Kirchcnver- sammlung geschehen, welches von lange her cineLib ingsidce unsers Churfürstcn jcyn soll, nur. auch durch diese Epoche machende Ereigmß seine Regierung zu verewigen. In Aschaffcnburg hat man Briefe aus Rom -erhalten, daß von dem neuen Nuntius zu Cöln Berichte über Berichte in Betreff dieses Congresses ein- laufen und daß der Padst ein eignes geheimes Cvnsi- storium deswegen gehalten habe. " *) Odgemeidte Schwierigkeiten sollen von Seiten Trier entstehen. Wien, vom i Nov. Es soll zwischen dem Oesterreich - und Preußischen Schlesien mit einigen Gegenden daselbst ein Taufch- xrojecr auf dem Tapet scyn, gemäs welchem jede Macht das erhält, was ihrenGränzcn am nächsten ist. Schreiben aus Berlin, vom r Nov. Die Reisen des Königs und die HuldigmigSftycrlich- keilen haben bie bisherige Zeit wcggmvmmen, so daß «user den nothwendigsten Regicrungsgefchästen,zu weitern Verändrungen noch kein Raum gelassen worden. Mer Wahrscheinlichkeit nach möchte dann wohl der Verfolg für das Innere des Lands bald intressant werden, da, wie man vernimmt, der Monarch eine Abwesenheit von hier, nach Potsdam zu machen und sich den Augen des hiesigen Publikums auf eine Weile zu entziehen denkt. In auswärttgen Angelegenheiten ist. bisher Stillstand gewesen und es scheint, als ob man Bedacht nähme, wer den ersten Schritt rhnn soll. Die Meinungen über nähre Fceundschafts- reigmig der Höfe gegen einander sind noch sehr ge- iheilt und es läßt sich nichts gewisses entscheidendes melden. Mau schließt rüdesten aus der Reise des Kayserlichen, am Dresdner Hof stehenden Gesandt, schastssekretär, Herrn von Rothenburg, hicher, der Abends vor der Huldigung ankam, ein neues Ver, reichlich, oder vielmehr Anlag dazu, zwischen unserm, dem Kayserlichcn „ndSächsischen Hof, wäre es auch nur in Absicht auf die holländischen Angelegenheiten, die als Faunlicnaiigeicgenheitcn, unserm Hof nachgegeben werden können, um dadurch dessen Freund, schastsstimme in einer andern Familienangelegenheit Oesterreichs — zu crlaugcn. Indessen ist, wie gesagt, noch nichts, so viel man weis, enlscheivendcs geschehen und der Zustand der Sachen zwcydeutig. Das Verhältniß der europäischen Höft überhaupt und deren manmchfallig durchwehtes Intresse, ist durch die zum Theil gezeichneten, zum Theil unter Arbeit begriffnen verschiedncn Handlungsverträge in eine neue Bewegung gesetzt und crfodert neue Bedachtsamkeit. Uebrigens kam ja der Herr von Rothenburg hieher, um der Huldigung bcyzuwohnen. Der schicklich ge. wählte Augenblick und die kluge Art, wie er sich hier benommen, lassen die Vcrmuthungcn über die Absicht dieser Anheroreise immer für das Publikum in Ungewißheit Man erzählt, dem Gcncralleutenant von Möllendorf, unsecm Gouverneur scy das Graftndiplom angeboren worden: er habe cs aber verbelhen. Paris, vom 2 Nov. Die Arbeiter der Mauer, womit diese Stadt einge. schloffen werden soll, werden mit vieler Thäligkeit de- iricbcn. Die Gcneralpachter haben die Erlaubniß erhalten, ein 'Regiment von 800 Mann zu errichten, die zu Verhinbrung des Schleichhandels gebraucht werden sollen. Dieses Regiment wird aus 4 Brigaden bestehen und jere von einem alten gedienten Of- ficier und Ritter des St. Ludwigordcns ksmman. diec werden. Der Gehalt für jeden ist jährlich 6202 Livres. Lolchen, vom z Nov. Vey dem Angriff der bekannten Nicholson auf das Leben Sr. Großdrittanischcn Majestät haben alle Städte, Innungen rc. dem Monarchen ihre Glück- wünschuugs - Akdrcss'n wegen seiner Erhaltung über» geben. Das Collcgürm der Acrzte von Londcn über, reichte auch ihre, mit diesen merkwürdigen Ausdrücken : Selten waren die Höft und Palläste der Schauplatz der Enthaltsamkeit und Mäßigkeit. Al- lein Se. Majestät geben der Welt ein rares Bcvspiel dieser Tugenden. Fahren Eure Majestät fort in der Lebensart und der löblichen Frugalität *) welche Di«, selben angenommen haben. Dies ist der derbste Streich, welchen Ihr» Majestät den traurigen Aus, schweifungcn des Luxus versetzen können, die nur zu viel die Oberhand gewinnen und dies ist auch die ge« c 649 ) wisseste Versicherung, welche Sie von der Erhaltung Ihrer Gesundheit, von der langen Dauer Ihres unschätzbaren Lebens und folglich von dem National- glück haben können. *) Se. Majestät speisen gemeiniglich zu Mittag Erdäpfel, Rüben und andre Vegetabilien. Sie essen wöchentlich nur einmal Fleisch und zwar nur ein Stück gesottenes Hammelfleisch. Gewiß wird man sagen, daß dieses nicht eines Königs Gastmahle sind. Berlin, vom 4 Nsv. Es soll noch eine neue Garde mit sehr kostbarer Uniform errichtet werden. Der Rock wird ganz herunter gestickt und mit rosenrothen Aufschlägen versehen. Zur Errichtung dieser neuen Garde soll jede Kompagnie den größten Mann abgeben. Den Neuange- wvrbncn soll künftig eine Kapitulation von 8 Jahren zugestanden und gehalten werden. Aus jeder Kompagnie m der ganzen Armee sollen r8 bis 20 Mann ausgehoben werden, welche sich im Büchscn- schicssen üben sollen. Sie bleiben aber bey ihren Kompagnien, ausgenommen im Feld, wo sie im uö- thiqcn Fall die Dienste der Fußjäger verrichten sollen. Die Kompagnicnschefs sollen auf stehende Besoldung ziemlich auf 1200 Thlr. gesetzt werden. Der Karnevall soll, wie es jtzl heißt, erst zu Ende der Trauer am aMn Febr. seinen Anfang nehmen. Auch die Redoutcn sollen diesmal glänzender werden, indem die Karaklcrmasken wieder erlaubt scyn sollen, damit in dieser Lustbarkeit mehr Abwechslung herrschte. Das Spiel soll, wie schon chmals, wieder statt finden. Zum Anfang der Witlerlustbarkeiten wird der Prinz Heinrich einen maskincn Ball auf seine Kosten in seinem Pallast veranstalten. Die Wetterpropheten finden in dem November der Berlinüchcn Monatsschrift einen merkwürdigen Aufsatz: lieber die Welterprophezeihungcn, vom Herrn Prediger Gronau. Einer der fleißigsten Beobachter der Wiltrung, der schon seit seiner Jugend Erfahrungen darüber gesammelt hat und überdem noch eine an einander hängende Reihe von in Berlin angestelltcn Wetterbeobachtungen vom Jahr 1701. an besitzt, der Tabellen darüber entworfen, ein Jahr mit dem andern vergleichen, bald dieser baldjcnerHypothcfenachge- jggr hat, gesteht nun offenherzig, es gebe, nach seiner Erfahrung, keine bestimmte immer wiederkchcende Periode für die Wittrung, oder sie fey wenigstens größer, als man gemeiniglich annchme. Am Ende zeigt der Herr Verfasser auch aus allgemeinen Gründen, daß keine Prvphezcihung des Wetters möglich fey, da so viele schlechterdings nicht zu bestimmende Ereigniße Einfluß darauf haben können. Wien, vom 6 Nov. Herr Götz, Edler von Schwannrnfließ zu Raab in Ungarn macht aus Sonnenblumenkörnern cinOel, welches nach dem Zeugniß der Ober - und Untervor. sicher des Schuhmacher-Handwerks in Wien für bas Leder weit nützlicher ist als Fischtran. Man hat an verfchiedncn Ledersorten Proben damit gemacht und gefunden, daß cs dadurch eine Schwärze und Gelindigkeit erhalten, die es dem englischen gleich macht. Das Gianzkvrduanleder wird dadurch auch zur Nässelauglich gemacht und gegen das Aufspringen verwahrt. Man kann dieses Oel auch statt der Butter bey dm Speisen und zum Brennen gebrauchen und sein Geschmack und Geruch hat vor jedem andern Oel einen Vorzug. Die Königl. Statthalters liß schon am laten Merz, des vorigen Jahrs ein mir diesem Oel geschmiertes Leder in einem Verschlag versiegeln und nach mehr als einem Jahr fand man es noch ganz gclind, als wenn cs erst damit bestrichen worden wäre. Dies mag genug ftyn, um das Publikum auf die nützliche Erfindung aufmerksam zu machen. Donauftrohm, vom 6 Nov. Am iztei» Oct. wurde zu Evcrjes ein ungarischer Edelmann Namens Molonäi, samt gü Mann seines Anhangs gefänglich^ eingcdracht. Sein Entwurf soll gewesen scyn, im Scharoscher und Zempliner Komitak rebellische Köpfe zusammen zu werben, mit welchen er den iZren Nov. zu Marktszeil in Kaschau rottwei- se ciudriugeu, die Wache tödtcn, sich ihrer Waffen bemächtige», die K. K. Kaffen berauben und so seine Absichten aussühren wollte. Ein Hirt, den er zu dieser schwarzen Thal auch anzuwerben suchte, entdeckte selbe seinem Herrn und dieser dem Gericht, welches sogleich Militair ausschickte und den Rebellen in einem Dorf samml zü seiner Anhänger gefänglich einzichcn ließ. Weil das Königliche Schloß zu Ofen aufS schleunigste und prächtigste zuberecket wird, ss erneuert sich die Sage, daß der Erzherzog Franz gleich nach seiner Vermählung mit der Prmzeßüm Elisabeth von Würtcmbcrg daselbst unter dem Titel eines Vice« königs von Ungarn seine Residenz nehmen werde. Versailles, vom 7 Nov. Hier ist die Rede durchgchndS unsre Hof habe die Sachen zwischen Petersburg und der Pforte so ein zweiten gewußt, daß der Krieg zwischen diesen zwey Mächten werde vermieden bleiben auch habe es die gleiche Beschaffenheit mit Venedig, was aber dieses Frcystaats seine Streitigkeit mit Tunis betreffe, das zu berichtigen, scy ihme selbst zu berichtigen überlassen worden. Auch sagt man, Holland habe unfern Hof mit Vorstellungen gegen das Unternehmen der Engländer angegangen, in dem segcnanmenNe,«Holland eine Co. lonie anzulege», allein man zweifelt, daß Holland solches gethan habe, da man nicht begreifst» kann, c 650 > worauf Holland sein Eigenthums Recht gründen wollte, da der blosse Name in solchem Fall von keiner Bedeutung seyn kann, weil auf diese Act jeder Seefahrer nur betiteln dürfte, um seinem Vaterland fremde Länder zu erwerben. Amsterdam, vom 7 Nov. Der K. Preußische anserordcutliche Gesandte, Graf von Mörz, hat dem Wochcnprustse>'eu Ihrer Hech- mögrnten den mündliche» Antrag gell, an, lir Generalstaaten iröchlen Kemnussanen ernenne», um vre Punkte, welche sic ihnen mittyeileu werden, gcmein- schasilich zu erwägen. Umsonst sagte man anfangs, dieser Antrag würde fruchtlos seyn, weil Frankreich erklärt halte, daß cs sich keineswegs in die inner» Angelegenheiten der Rcpudiick mischen, folglich auch die Thcilnehmung irgend einer andern Macht an denselben durchaus nicht zulassen würde; im Gegenteil scheint dieser Schritt entscheidend zu semi. Schon fängt man an, wahrzunehmen, daß Ihre Hochmögende den Vorschlag dieses Ministers nicht werden al lehnen können, wollte man anders nicht völlig mit dem König, seinem Herrn, brechen; denn; entweder ist der König von Preußen mit dem König von Frankreich einig, oder nicht. Im crstern Fall wäre kein Mittel mehr übrig, als die zwischen bevdcn Höfen verabredeten Vorschläge ohne Bedenken anzn- mhmcn; im andern, müßte der berliner Hof wirklich seine Entschließung genommen haben. Se. König!. Preußische Majestät würden sich also schon selbstRccht zu verschaffe» wissen, wenn man sich weigerte, die Kommissarien zu ernennen und alsdann wäre alle Hoffnung zu einem freundschaftlichen Vergleich auf einmal verschwunden. Nun wäre die Frage, ob Frankreich in diesem Fall sich wirklich verpachtet glauben würde, seine ganze Macht aufzubleicn, »m die Meinung einiger Provinzen wider die Gesim ungcn der andern zu behaupten? zollte nun auch diese Krone sich wirklich zu einem solchen Schritt verstehen, so könnte fic cs doch nicht verwehren, wenn ein K. Preußisches Kriegsherr sich Geldern und aller angrän- zeudcn Provinzen bemächtigte und wie wäre dieses Kriegsherr wieder daraus zu bringen? Der K-Franzö- ßische Hof ist viel zu klug, viel zu aufgekiärt, als daß er sich unnölhigcr Weise in einen mislichen Krieg einlassen sollte. Selbst die wahren Patrioten schnrei- cheln sich, daß das Kabinet zu Versailles mit jenem zu Berlin einstimmig zu Wer-k gehe und daß diese bcyden Mächte uns, auch wider Willen, verhindern würden, unfern eignen Untergang selbst zu befördern. Diese Hoffnung ist um somehr gegründet, als cs daS Ansehen hat, daß der K. K. Gesandte, Freyherr von Reischach, befehligt ist, au der Aussöhnung mitjuwft» ken und daß sein Hof förmlich eimreten dürste. Diejenigen, welche ihren Haß und Ehrgeiz an dem Untergang des Vaterlands zu sättigen suchen, fangen schon an, Zusagen, daß man sie verlasse; allein,ver» dienen sie wohl etwas anders? Schreiben aus Salzungen an der Werre, vom y Nsv. Die Hälfte unsrer Stadt und zugleich seine ansehnlichsten und besten Wohnungen sind nicht mehr. Am zlcn dieses, Sonntags Nachmittags um z Uhr brach am Markt durch eine gebratene Gaus,' Feuer ans und seine Wuch wsr so heftig, daß Lurch Len stürmischen Nordwind die Flammen in zwey Fcncr- sirömc gelheilt wurden und so schnell über die Strassen fuhren , daß es in eimr viertel Smnd schon an allen Orten brannte und die meisten .Unglückliche nur ihr Leben retten konnten. Das Feuer wüthele bis Montags früh gegen 8 Uhr und legte in 17 Slnn- den das Hcrzoglische Schloß , den Fenchtböden und alle dazu gehörigen Gebäude, das neu erbaute Herrschaftliche Gut, zwey adcliche Schlbyrr, das von Rcckrothischc Gut, die Kirche mildem Glockcnthurn, das Rathhaus mit seinem Thurn, die drey Wohnungen der Geistlichen, die Schule und alle an» dre ansehnliche Häuser, zusammen bey 152 in die Asche. Die Wuth des Feuers war jo hef. tig, daß es so gar durch das obere Stadtthor drang und auch daselbst den beßten Thcil der Vorstadt zernichtete. Nichts tröstete die Unglücklichen in ihrer Verwirrung mehr, als der Anblick ihres theuresten Herzogs Georgs, der ihnen selbst am Ork der Verheerung Lebensmittel austheille und ihnen alle väterliche Hülfe versprach. Noch dampft unsre Vtadt und glüht in ihren Ruinen. Der Gottetdieust wird künftigen Sonntag in den beyden Gottesackerlirchen gehalten werden und Se. Durchlaucht wollen demselben mit beywohnen und allda kommumcwen. Laut scy das Lob unftrs erhabnen Fürste», der seine Kinder durch sein großes Beyspicl zum Vater der Welt führt und Religion zur ersten Stütze für Unglück.iche macht. Die Wohnungen der Nennern und die" 11»- hen Dörfer sind nun unsre Znffuchtsörtcr, aber die Kälte vermehrt unser Elend um sehr viel. Dank der Vorsicht, daß sie noch alle Gebäude des Salzwerks Mid die Häuser der Aermsten rettete. Mannheim, vom iz Nov. Diesen Vormittag um halb n Uhr trafen Se. Kuhrfürstl. Durchlaucht, unser gnädigster Landesherr ganz unvermuthet von München hier ein, ohne jedoch in hiesiger Residenz abzusteigcn, sondern nahmen den Weg unmittelbar durch die Schließe nach Ogersheim.