Dag. 689 . Nro. 146. ven 6 Decenmr 8 6 . MttNvsch» I 7 Mit Hochfürstlich. Markgräflich « Badischem gnädigstem Privileg!- Aus der Türkey, vom 20 (Vct. Sa viel Harren und Geduld hat mau an dem sonst heftigen Muselmann noch nie gesehen, als seit io Jahren. Sahin Gueray wurde durch die von der Pforte aufgehezten Tartarn aus der Krimm vertrieben und durch die Russen mit gewaffneter Hand wieder eingesetzt. Alle Welt glaubte, daß die Türken sich diesem Unternehmen mit aller Gewalt widersetzen würden, aber sie duldeten es. Sahm Gueray verlies sogar sein Land und übergab's an Rußland. Welch ein Schlag für die Pfarrei und sie regte sich nicht. Rußlands Foderungcn waren seitdem und auch schon vorher, so vielfältig, zum Thcil auch schwör und sehr dringend, so daß man alle Jahr einem unvermeidlichen Bruch von Seiten der Pforte entgegen sah. Bey solcher Gelegenheit sprach der Divan zuweilen aus einem scharfen Ton; aber er ließ es dabey bewenden, weil er in seiner Hoffnung von gewissen Ereignissen, für rathsam fand, die Erklärung seiner wahren Gesinnungen noch weiter hinaus ju sitzen. Dies that der Muselmann bey so. vielen Anlässen sonst nicht. Die Ursache davon ist, weil bekanntlich auch die Aussichten »ach den westlichen Gränzen seit so vielen Jahren sich ausserordentlich geändert haben und folglich auf dieser Seite ebenfalls «ine fürchterliche Macht, noch näher als jene aus Norden, wider ihn auf der Wache steht. Sollte Rußland seine Forderungen nur etwas mäsigen, so wird das bisherige unruhige Bedenken der Pforte gewiß nicht eher zu einem entscheidenden Schluß kommen, bis sich auswärts einige für sie günstigere Umstände ereignen. Bisher waren es zwo Begebenheiten, auf die sie harrte, die eine in den Niederlanden und die andre, die noch neuer ist, in Norden; aber die erstre schlug ihr völlig fehl und von der zweiten iS nach allen Aussichten eben die Folge zu erwarten. Slavonlen, vsm io Nov. Nach einemSchreiben aus Travnick in Bosnien vom nosten Oct., hat der dortige Bassa einen Firma» vom Grosherrn erhalten, mit dem Auftrag, selbige» allen obrigkeitlichen Personen und den Muselmännern!, nicht aber den Christen, mitzutheiien. Das Wesentliche dieses Firmans enthält folgendes: „ Es ist der Pforte zu großem Verdruß bekannt geworben, daß nicht nur die ungläubigen Unterthanen des vttomar.nis. Reichs und vorzüglich die Griechen, sinder» auch die rechtgläubige Muselmänner gefährlp che Reden führen und die Bedenklichkeit zu ausirn, sich erkühnen, als wenn die hohe Pforte der Macht der Christen nicht mehr gewachsen wäre, weil ma» die Krimm dem RußischenJoch gleichsam unterworfen und den Christen bas schwarze Meer völlig preis ge. geben habe. Ob nun gleich die Pforte berechtigt wäre,-dergleichen Reden auf der Stelle mit dem Tod'zu bestrafen; so habe» doch Se. .Hoheit dem Divan solche Bestrafung untersagt und dabey nur besohle», seinen Unterthanen, in Ansehung der Krimm und der srcycn Schiffahrt auf dem schwarzen Meer, folgendes bekannt zu machen. " » Ein großer Theii der durch Rußlands Verheis- sungen geblendeten krimmischen Tartar» gerieth i» die Versuchnng, ihr eignes Vaterland und ihre Mit- brüdrr zu verralhen, auch den Rußen zur Besizneh. münz des ganzen Landes zu verhelfen; wie rvisse» aber itzt, wie sehr dickrimmischen Tartarn diese Ueber- cilung bereuen. Zudem hat die Pforte diese Besiz- nehmung nie gutgeheißen, vielweniger die Krimm förmlich an Rußland überlassen. Sie äuftrte eine - .. ( 6yo Nachsicht dabey, die ohne Bcyspiel ist und daher mußte sie bcy unfern rechtgläubigen Unterthanen Unwillen erregen. Indessen sind theils solche Ursachen damit verbunden, die man bisher dem Volk noch nicht aufoecken konnte; theils glaubte die erhabne Pforte, Rußland würde, wegen des so auffallenden Unrechts, ingleichem aus Liebe zur Schonung des Menschenbluts, die Krimm von selbst wieder verlassen und solches um somehr, da die Tartarn schon zum öftern mit Vorthcil wider d»e Truppen Rußlands gefochten haben.« ,, Dieses letzt« und einige andre Umstande hielten die Pforte immer noch von einem öffentlichen Bruch zurück. Sollte aber Rußlands Beharrlichkeit es in der Folge nothwcndig machen, den Säbel zu gebrauchen; so wirb sie sich nicht nur diesem, sondern jedem andern Feind, von welcher Ecke des Erdbodens er auch komme, aufs nachdrücklichste widersczen und alsdann auf die Tapferkeit ihrer rechtschaffnen Muselmänner rechnen. « ,, Was hingegen die freye Beschiffung des schwarzen Meers betrifft, so verdient diese Zulaßung kein Murren, indem sie zum Besten des Reichs überhaupt und für unsre Residenz insbesondre bewilligt ist. « „ Wir geben dir hiermit, getreuer Hüler Bosniens, den Willen unsers Grosherrn durch diesen Firma» zu erkennen und tragen dir auf, die deiner Obsorge untergebnen Rechtgläubigen davon umständlich zu beleh- ren u. s. w.« Londen, vom 19 Llov. Es wird für gewiß ausgegebcn, drrKönigvonFrank- rrich, habe wie Herr Eden demselben den ratificirtcn Commerztractat überrcicyte, zu ihm gesagt: „ Ich hoffe, daß dieses das Mittel scyn werde, zu verhindern, daß während meinem Leben kein Krieg zwischen Frankreich und Großbriltannien wieder ausbrcche« Dic Königinn von Frankreich hat bey dieser Gelegenheit der Madame Eden ein Geschenk von kostbaren Tapeten gemacht, deren Werth auf 5200 Pf. geschätzt wird. - Berlin, vom 2Z Nov. Se. Königs. Majestät haben an sämmtliche Herren Inspccteurs Dero Armee die Ordre gesandt, daß der ganzen Armee Allcrhöchsidero Gnade und Zufriedenheit soll bezeugt werden und daß Sc. Majestät allen Regimentern, sowohl der Cavalierie als Infanterie, tnn auch sogleich geschah, da nun das Mädchen sehr gut gewachsen war, trat der Monarch ganz nahe her, bey, fühlte ihr etwas heftig in beyde Seiten, da er nun bemerkte, daß sie nach seiner Anordnung keine Schnürbrust trüge, so erwiederte er, wohlan seine Tochter ist angenommen. Die Italiänische Blumen- Fabriquankin Mouttvn hat die Erlaubniß erhalten, eine dcrln) Fabrique anzulegen. Eine gewisse Fischerin von Weiscnburg besitzt das Arkanum ans Leinwand Tuch zu machen, sie hat daher nach abgelegter Probe die Erlaubniß erhalten, eine Fabrique errichten zu dürfen. Es bestätigt sich, daß der zum Schiffszng abgeschickte Graf Podzdazky gestorben ist. Sämtliche in der Stadt Wien befindliche Klostergärten sollen «berbaut werden. Haag, vom 28 Nov. Ein neues Beyspiel von der Discretisn der Helden in Utrecht. Als der regierende Herzog von Curland kürzlich daselbst ankam, waren die Bürger imThore «ich! damit zufrieden, daß er, auf ihr Befragen: Wer er scy? seinen Namen deklarirte, sondern sie Wollten auch seine Koffer visitiren. Der Herzog verweigerte dieses schlechterdings und sie liessen ihn endlich uuvisitirt durchs Thor fahren. Gleich darauf kam der wachthabende Officicr , der indessen in einem Wirthshaus getrunken hatte. Dieser erfuhr kaum, was geschehen war, so schickte er 4 Bürger von der Wache nach, welche so rasend liefen, daß sie die Herzog!. Kutsche noch auf dem Platz, de Neude, einholten, sie aufs neue an hielten und den Herzog zwangen, seine Kutsche und Koffers visitiren zu lassen, worauf sie ihn nach dem Gasthof, das Schloß von Antwerpen, begleiteten und s Schildwachen vor den Gasthof stellten. Loblcn;, vom i Der. Herr Blanchard hat an einen seiner hiesigen Freunde einen Brief, datirt Lüttich am iztcn November, Heschrieben, der Bekanntmachung verdient. Hier ist -«kl Da sie auf der Liste meiner Freunde stehen, so hin ich ihnen eine Nachricht über meine glücklichen Fortschritte und über meine Entdeckungen schuldig, diese finden sie, was erste« bctrift, in beyliegendcn Journalen, *) in Ansehung meiner Entdeckungen aber, wünschte ich sie zum Augenzeugen machen zu können. Ich habe itzt bas Mittel gefunden, meine Attestaten ohne Vitriolfäme, ohne Fässer, ohne Röhre, ohne Recipienten re. zu fülle». Kurz, die Erperimente find vhne Gefahr und bis zur höchsten Vollkommenheit gebracht. Meine beträchtlichsten Kosten sind itzt meine Reifen und da kostet es mich nichts als das Vergnügen in die Luft zu steigen. Ich gestehe ihnendaß jch nicht ohne Mühe und Aufwand dahin gelangt dich aber nun ist dieser Zweck erreicht und es bleibt nichts als die Erfindung d er Direction übrig, an der ich nicht verzweifle. Find ich diese, so zählen sie darauf, daß ich mit grossem Vergnügen auf der Luftroute in ihre Stabt kommen werde. Jch war nur einen Augenblick darinn, aber ich kann versichern, daß dieselbe mir durch die vielen Höflichkeiten, welche ich darinn empfangen habe, besonders wttth gewor, ^ den ist, ich wünschte ihnen davon Beweise geben zu können rc. Blanchard. *) Diese Journalen enthalten die Geschichte seiner ^ Luftreifen in Aachen und Hamburg. j vcrmischle Nachrichten. Das in unsrer leztcn Zeitung No. 145. Pag. 685. angezcigte dritte Kunststück über den verewwtm Mo. narchen Friedrich II. König in Preussen, weiches würk. lieh in Berlin zu sehen ist, stellt den Monarchen in eine», Zelte sitzend vor, wie er eben mit Ziethen den Plan zu einer Bataille entwirft. Der alte Ziethen stützt sich mit der Rechten auf die Lehne des ' Stuhls, auf welchem Friedrich sstzt und scheint ganz Ohr für das zu ftyn, was ihm der Monarch sagt. Der König hat die rechte Hand auf einem vor ihm stehenden Tisch, mit verschiedneu Planen und Land- chartcn liegen. Dies mit so vieler Wahrheit und so vortreflichen Ausdrücken dargestcllte Kunstwerk ist von der Hand zweyer hiesiger Künstler, dcr Herren Nicsner und Mel. ^ zer, dir Köpft selbst aber, die durch ihre vorzügli- ! che Achirlichkeit und Schönheit das geübteste Aug frappiren, sind ein Werk des König!. Rectors der Akademie der bildenden Künste, Hrn. Bildhauer Meyers, der sich schon durch verschicdne Meiste,werke be, rühmt gemacht und eben itzt mit der Bildsäule der Kayserinn von Rußland beschäftigt ist; ein Werk, das seinem Ruhm die Krone- auffttzen wird. Der Monarch und Ziethen sind in ihrer gewöhnli- chen Uniform, die Figuren selbst mit Gelenken versehen und zu allen Stellungen geschickt. Das Zeit und die übrigen Dekorationen aber mit so vielem Geschmack und Ge. schick angebracht, daß man bey dem ersten Anblick aller Ueberredungen seiner Vernunft bedarf, daß die Figuren nicht lebende Personen sind. Vorzüglich schön ist das Aug Friedrichs , dies charakteristische Zeichen seiner Größe. Es theilt dem Bild ein unbeschreibliches Leben mit und befriedigt den Wunsch aller Kenner, die vorzüglich den starren Todtenbiik tadelten, der bey > den frühem Vorstellungen von ihnen war bemerkt wor, den. Die jungen Künstler wollen dieses Kunststük im ^ Ausland an verschiednen Höfen reizen. !