Pag. 77- Nro. 15. Pag. 77 . Karlsruher Zeitung. .zrevragö den z. Februar 1792. Mit Hochsürstlich - Markgräflich . Badischem gnädigsten Privilegis. I 8 srtsttzung des ausführlichen Tircrzlarschveibens » des Justizministers an die Tribunale, auf des Königs Vefehi. Paris vom io. Jan. Das Reich der Meinungen ist von dem dcsGesczes unab- > hängig: der Irnhum selbst, wie er auch sty, ist kein Verbre, chcn, um so weniger ein religiöser Irnhum dafür zu achten. Das Gesez ordnet nur die Verhältnisse Wischen den Menschen und richtet nur die Handlungen. Die Religion ist ein Verhattinß des Menschen gegen Goik und kennt keinen andern Richter als das Gewissen. Aber der Geistlichkeit bürgerliche Verfassung, oder viel- mehr die Deercle über die äussere Polizey, sind die,e niebr eine Verletzung jener Grundsätze? Nein, die Naiionalvcrsammlung, indem sie decrclirt, daß irgend eine Gonesverch anq vom Staat ertragen werden sollte, hat das Recht gehabt, deren Diener die Bedingungen vormichrelde», auf welche sic Besoldung er» halten sotten, allem sie hm nicht bas Recht gehabt, sie gegen >hr Gewissen zu etwas zu verpflichten; sie hat cs nicht thun können , sic hat es nicht gelhan, sie hat ihnen gesagt : ich verlange von euch keinen Eid , den euer Herz verwirft ; Meineid könnte mir nicht für eure Treue bürgen ; aber Hirte Weigerung macht euch untüchtig, im Namen oer Nation geistliche Handlungen aukzuüben, welche von ihr besolbet werden. Lebt im Friede», verehrt GOtl nach eurer Art, gehorcht den Gesetzen, sie beschützen eure Personen und euer Eigenthum. Unsre Tcmvel stehen euch offen, ihr könnt selbst auf umern Altären opfern; die französische Nation verlangt nicht euer Gewiss» zu fessln, noch euch wegen eines, ohne Zweifel nicht ». freywilligen Iclhums zu bestrafen, allein deharrk nicht eigensinnig darauf, ein Ami zu behalten, das sie euch entzieht; entsagt Verrichtungen, wozu sie euch nicht inehr säh^^rkiärl und gcbl euecn Mitbürgern einen Pewclß oon eurer Rcnichkeit und der Reinheit eur r Absichten, durch eure Ehrfurcht für bre Consti. tulion und 'üb die von ihr gentzlen Mächte: denn die »emliche G-l chligkcir, die nur dsshlt, euch zu schü, > zen, so ang ,hr getreue Bürger ,cyd, gebietet mir, ! riech u straf», sobald ihr euch widerspenstig deweißt. , Die,es ig aller hierüber vorygndncn Geseze Sinn, namentlich dessen vom echten Dec. welches nach dem Deerec vom 27ten Nov. 17YQ. gegeben worden. Es verordnet keine Strafe gegen Geistliche, die in öffentlichen Aemtcrn stehen und sich weigern, den Erb abzu- iegen; es erklärt nur, sie sollten angesehen werden, als hätten sie freiwillig ihrem Amt entsagt, oder ihre Di- misson genommen, deren Stellen sollten also erstzt werden. Diejenigen allein seien vor den Richlerstühlen zu belangen, welche, nachdem sie den Eid geleistet, das Gesez- welches sie zu beobachten sich verbunden haben, verlezen, oder jene, die sich zusammen rotten und zu Aufstand und Ungehorsam anreizen: diese allein müs. sen gestraft werben, nicht deswegen, weil sie den besoldeten Gottesdienst Misbilligen, sondern als Stöhrer öffentlicher Ruhe; also ist dec wahre Schuldige nicht der, welcher, indem er Amisvecrichlungen entsagt, von denen ihn ein mehr oder weniger aufgeklärtes Gewissen adhält, dennoch dem Gesez, durch ehrfarchtvolles Stillschweigen uud Niedcrlegnng seiner Stelle huldigt; sondern ber, welcher ungehorsam ist, der durch förmlichen Widerstand, durch Schriften, Worte, und Am schlage, das Volk gegen der Geistlichkeit und gcschwor- nen Priester bürgerliche Verfassung sie aufhezt, die Freiheit, um dem Gesez Feinde zu erweken, misbraucht. Was verspricht uns denn unser Gesezbuch? Freiheit der Meinungen, Freiheit der Gottesvcrehrung. Was bestraft es? Ungehorsam, Aufruhr, ich füge noch hinzu, Verfolgung. In dec Thal soll die Religion in der politischen, Ordnung in Bezug auf jedes Individuum, nicht anders, als ein persönliches Recht betrachtet werden, weiches ihm die Geicllschafk, so wie Eizenthum und Freiheit, wovon er einen wesentlichen Thcil aus- machi, versichert. Eme unmittelbare Folge von diesem Grundsatz ist, daß die Gesellschaft allen Gottesvereh- rungen Schuz gewähren soll; allein sie ist es der öffentlichen Sicherheit schuldig, deren Anhänger anzu. halten, nicht allein den Staat, sondern auch sich selbst untereinander nicht zu beunruhigen, Venn immecwäh, reiibe Eingr-ffe der Bürger in ihre gegenseitige Rechte würde bas poli ische Korps zu ein , Crists und innerlichen Gähnmg bringen- die dessen Auflösung und Zernichkung bewirken würbe. Jever Mensch also, wel- c 78 - > che: eine.» andern m Ausübung seiner Gottesverehruus sloycl, veelczt ' es menschliche» Geschlecht Rechte und des Staats. Geftzr. Dieses meme Herren, sind ise Verbreche,!, welche-sie jl>«erfo!«M, ihnen jn steucrn haben, dev Straft persönlich wegen der Uebel verantwortlich zu ftyü, die «ms ihrer Schtvachhech-oder . c!we>n steaft- baren Nachgeben entstehen könnten. Ohne Lmcn- fchafl wie das Geftj^ lassen Sie die,.schaden Berord- «ungm vollziehen, welche gegen Slrafoare dasselbe erkennt. Es unter,cheidei nicht zwuchen Jod n und Christen, Protestanten und Calhoiicken,. Chnformsslen und DiMcuren. Es richtet nicht Meinungen und Personen, sondern Handluiigcn. Seien Se dessen würdige Werkzeuge und zeigen Sic sich, wir dasselbe ohne Vociieigtmg, Haß Partheyiickkcit. Es ist unmöglich nicht ein;nsehen , daß die meisten Unord- kungcn, welche dermalen verschiedne Depariemente verwüsten, Feüchle, ränLevo!ier, ehrsüch!igcrvder schwärmerischer Priester find, welche alle'Lage der Schwachen Leichtgläubigkeit und des Volks Zutrauen misbrau, chen. Es ist unmöglich, Ach zu vcchcejen, daß mehrere Rchterstühle in Verfolgung dieser Act von Verbrechen eine Weichlichkeit gezeigt, welche das Gcscz verdammt- welche selbst religiöser Bewegungsgrtmd nicht entschuldigen kann. Ich hoffe, i» Zukunft werden alle jenen Much, jene Enischlossenhett zeigen, welche ihnen das ihnen anvertraule grosse Interesse der ganzen Na- , tivn, ein flößt. Se. Majestät würden mt Unwillen jede Nachläß.gkeit aber Liese'i Gegenstand anlehen und der König ist entschlossen, die schärfsten Maasregeln gegen dir schuldige Richter zu nehmen/ deren Schwachheit oder sträfliche Nachsicht des Volks Zutrauen, der tzft- seze und ihres Amts Pflichten, schändlich vcrlezcn wür. de. -Der König «verabscheut undullsame Schwärmerey, welche verleiltt, Menschen wegen Meinungen zu vcr» folge«; Er verabscheut jene welche Diener des Friedens in Aufwiegler und Rebellen verwandeln, Er verabscheut noch mehr jene, welche ihre Verbrechen mit einem heiligen Schleier verhülle», den Himmel selbst zum Mithelfer ihrer Verbrechen machen. Er betrachtet mit Verachtung jene Heuchler, Freunde des Volks und der Königl. Würde, die, indem sie sich stellen, als betrübten sie sich über den Verlust des Königl. Ansehens, Ihn wegen des billernVerdrusses, den sie Ihm jzk verur>achen, zu bedauern scheinen. Er verwirft mit Abscheu dieses verrätherische Millciden und übcrgiebt der Verachtung drr guten Bürger jene falsche Bezeugung von Anhänglichkeit, deren Werth Er gar wohl zu schätzen weiß. Der König erklärt, baß Er mit der Ihm durch die Constitution gewährten Macht zufrieden, Ihm diese Constitution theucr und heilig ist; daß Er Hein Glück und Skinm Ruhm darein sezt,. sie aufrecht zu erhalten, weil Er ein sicheres Pfand von diem Ruhm und dem. Glück der Nation, deren H wpr Er ist, darin» sinder. Ja, Meine Herren, der Kö,„§ liebt da?. Volk,,abcrEc, liebt es als König, der Bürger «ist, um dessen Freiheit durch Handhaoung der Gesetze zu -sicher»; Er liebt es, nicht um dem Eigensinn des grossen Hausens zn schmeicheln und dessen'Leidenschaf- len nachzugebcu, soudecn um es in-den Schranken der Gerechtigkeit zu «hatten und es durch weift Anwendung der gcftzmässrgcn Macht vor seinen eignen Ausschweifung«! zu bewahren. .. » Ihne» liegt cs ob, dessen väterliche? Absichten zu unterstütze» , Ihnen, der.Gesetze Aufbewahrern und Werkzeugen; von deren g.wisscnhaflen Vollziehung hangt des Friedens Wiederherstellung und Erhallung ab. Fürchlen Sc weder Heftigkeit der Rotte», noch Volksbewegungen. Es ist Zell zu wissen, ein Auflauf fty nicht bas Volk, das Geschrey eines aufgewiegclten Hausens werde, der, Nallon...Willcn, welcher nur durch die vom gesetzgebenden Corps crlaßne und durch den König lancuonlrte Dekrete offenbar gemacht werden ka»li7 nicht überwiegen. Nation und König werben Sie mil Ih.ccrGewalt ausrüsten, um deren Vollziehung, welches itzt aller Mächte allgemeiner Endzweck ist, zu sichern. Von Schwärmerey und Unduldsamkeit gleich weit entfernt, denken Oie stets daran, baß Ue» derzeugung sich nicht befehlen läßt und daß,, können Gemächer sich nicht auf «ne religiöse Meinung verei» Nigen , das einzige Mittel, beständige Ruhe zu erhallen, dämm belicht, ihnen, eine unbegrenzte Freiheit zu lassen. Ochützm Sie.alle GOttcSverchrungen, alle Religionen, alle Bürger,,bestrafen Sie fanatische Ruhe,stöhrer , Ausrührer, Bmolg.r, dieses ist des Ge. setze» Wille, des Königs Befehl, der Freiheit Interesse; Ihre Pflicht. Der Minister der Gcrechtigkeikspsiege« Unterschrieben: . Duporr. Frankreich. Nationalversammlung der zweyren Legislatur. Sjzzung vom 24. Jan. Der König.äußerte schrsstilch feinen Wunsch, daß man 8 neue Legionen und eine reitende Artillerie er. richten möchte. Die Nationalversammlung verwicß dieses an die Comne's. Die starken Auswanderungen wurden der Nationalversammlung als «ne wichtige, ihrer Beherzigung würdige Sache und Mittel dagegen vorzukchren, empfohlen. Man beralhschkagle sich darüber und ist vollkommen einig, die Constitution berechtige jeden zu verreisen, wohin er wolle, wieder zu kommen, sobald er es für gut fände, auch —-— < 79 zu dleiben, wo es ihm gefielen diese Freyheik habe uder dciuwch ihre Grenzen., sey nur in ruhigen, in Zcj- -len des Friedens ganz anwendbar, alsdann hieriuncn kcme ch große Vorsicht nölhig; dreftrVorsicht habe man , sich jedoch in Kriegszeiten zu bedienen, in dielen sey , es. nöihig, Reisende genau und vorsichüg zu deobach» e ken, deon, auch die beste» Gesetze seycn dem Miß» i. brauch rmt.uvorfen; die Eonstftntion habe dieses G.- sch, diese FreOcit bios für ruhige Zetten gegeben, : Lriegszellen erlauben hiermnen andre AorstchiS. und Maasregeln. Die Nalionalversamn.ning Lekretcite r demnach, daß alle Reisende sich wieder uul Päßcn zu r versehen Härle»; wie dicstlben einzurichreu, den itzigen : Uinstäaten anznmess n sichen, wurde dem Comil« der Gesetzgebung überlegen. Denn zeigte man an: -2Z Dtsirirrc hatten LerzcichniHe von verkauften Nulle. - na^Eüchew cmgcsandl, welche zusammen mehr als roa Millionen Live ahme gegeben. Die HanvrsiMiliic > aller bereitt verkauften N-itio.".algüt.r de!rüge izt aoz8 und eine hübe Millionen. Der Mmre von Paris, . Herr Pethwir, erschien ,zt mik der Wnnic-parität besag, ker Stab: vor den iü-chrancken, um der.Nalionaiver. sammiur-g von denen in dieser Hauprstadc vorgefaüe- mn Unruhen Nachricht zu erthcrlcn. Noch ehe Herr Pethion, - welchem Neid, Veritürmdung, Inknquc, i-eEhre und gute» Nahmen zu rauben, sich vereinigt yar- e ten, nur sprach, wurd' er Mil Zufriedenheit und Bey. fall empfangen, geehrt und gerächt. Er crklärle denn, es wäre der Wahrheit mchl gemäß, daß man ausge, ^ streut habe, es ftven vrrschicdne Zuckermagazine ge. , .sprengt und das Pfund in niedrigen PreiKen mit Gc- : rvalt verkauft wölben. Die Voikebeomrui hatten las b Volck beruhigt, und dasselbe, sich gesetzmäßig betragen; - vre Nationalgacden hierbey brav und thattg-gehandelt. Um diese Begedenheüen ganz Frankreich m >h- 7 rem wahren Licht darzuffrllen , hierüber alle Besorg- r wsse zu heben, dekretirie die Narionalversammiung, dieser Dinge wahre» Verlauf gebrucki in alle 8 Z Dcpar- tenicirtenlS zu versende»; zugleich erhielre» die Comr- te'S dir Gesetzgebung und Handlung Auftrag, in möglichst kurzer Zeit, ein Gesetz zu cm werfen und vor. Liegen, w,e dem so schnell und so hoch gestiegnen Preis des Zucker und Kaffee vorgeberrgc werden kö»> ue. Man dchauplete, cs wäre kein beßres Mittel, als ftcye Einfuhr; für 4 Jahre ,ey von diesen beyden Produkten hinlänglicher Vorrath vorhanden; der Aufkauf, gegen welchen keine Gesetze vorhanden seyen, sey dieses llcbcls Quelle, hierdurch habe man auch oie Seide im Preis so hoch hinauf getrieben, doch sey dieses kein so nothwendig gewordnes würliches Lcbene- bcdürfniß, gehöre, blos dem Luxus; man hielte dafür; alle niederträchtige, mit jnm Unterhalt drS Volks ) . - — nothwendigc« Artickeln handelnde Wucherer emr öff.nt» licher allgemeiner Schande und Verachtung ja hranb- marken. Sizzvng, vom LZ Jan. Die Berathschlagung über Kayser Leopolds Änt, wort wurde fortgesetzt , die Herren Condorcet und Heraull zeichneten sich in ihren Reden vorzüglich auS; des erster» Nede und Vorschlag wurde dem Druck übergeben,-um sie zu vertheilen; Herrn Herauids vor- gechlagncö Dekret, wurd'aber zogleich angenommen uno zu folgendem wirklichen Dekret erhoben. Nachdem die Naftsnalvwsammiung erwogen, Kaiser Leopold habe durch-Sein Circularschreiden vom 2zten Nos. 1790 ; durch Schließung eines neuen Traktats mit dem König von Preußen, weicher den ü:en verwichnen Decniiders dem Reichstag zu Regen-dura förmlich be- kanndl gemacht worben ; durch dessen Antwort an de« König der Franken aufSeme förmliche Ankündigung dch Constilutionöannahme und durch Seines Hof-und Staats-Kanzlers Amtsbrrtchl vom Llte» Dcc. 1791 den Tractat vom 17. Mai 1756 gebrochen und unter Emopens vornehmsten Mächten, gegen der französischen Nanvn Svuvuäneläl mnd Freyhcil ein Bund, uiß veranstaltet; nachdem sie ferner erwogen, daß die Nation, nachdem sie ftyerüch erklärt, in der übrigen Nationen Angeleqenheilcn sich nie mischen zu wollen, auch das Recht habe, von andern Nation«! , wie billig, ein gleiches zu erwarten, so würde sie das Gr» gemhcU im mindesten nicht zulasten; nachdem sie des Königs feste Antwort an Kayser Leopold auf dessen Amcsverichk ihren völligen Beifall gicdt and nachrem sie ihres diplomatischen Comttc's Berscht verlwmmen lMd guigehcißen, so dekretirt sie: 1. ) Der König sey durch eine an Ahn zu sendende Deputation, zu ersuchen, Kayser. Leopold zu erklären: Er, als der Franken König könne künftig mit keiner auswacligen Macht politische Verhältnisse unterhalten, als in der französischen Nation Nahmen und Kraft, der durch die Konstftulion Ihm übertragne Gewalten; 2. ) Kayser Leopold zu fragen ; Ob Er als beS Ecz- haußeö Oesterreichs Oberhaupt, mir der Nation der Franke» in gutem , ftiebl.chem Emvrrstänbniß leben, ferner Sich so betragen, auf alle gegen der Nation der Franken Svuvecänetät, Unabhängigkeit und Si. cherhcit gerichtete Traktate und Urbercinkü.sste Vcr» zichc ihm,, Sich also aller begeben wolle ? z.) Kavftr Leopold zu erklärenHaß, gäö' Er der Nation der Franken vor dem ersten Merz d. Jahrs, über alle oben erklärte Punkte, nicht hiniämchche, vollständige Gennglhnung, so würde dessen Suchchwei. gen sowohl als jede nicht hinlänglich bestimmte obe« -- c 8-> ausweichende Antwort als würckliche Kriegserklärung genommen und ancrkcmndt werden. 4. ) Der König sey ferner zu ersuchen, die strengsten und schleunigsten Maasregcln vorzukehren, damit sämtliche sra, zösifcke Truppen sich parat hielten, auf den ersten Betts)!. welche sie erhielten, ins Feld rücken könnten. 5. ) Dem Comiee der D'plomemck wird hiermit auf. gegeben, über den mit dem Erzhaus Oesterreich 1756. gkfchwßnen Traktat zu berichten. Marlchall Nechambeau erschien hierauf an den Schranken; lauter Beifalls. Zuruf empsieng ihn. Man gab ihm das Wort; er sprach und seine Rede war glühender Patriotismus. Hier vor der ganzen Versammlung sprach er, weih' ich dem Vaterland, meines bisherigen thätigen Lebens letzte Reste, erneuere meinen bereits abgelegten Erd und er schloß zuletzt mit verschiednen nöthigen militairuchen Bemerkungen, wel. che man an das Militair-Comite wies. Folgende in seiner Rede sehr aufgefallne Stelle , welche mit Eindruck auf die Nationalversammlung würkte, ganz seine» Caracktcr btzeichnete, heben wir daraus noch aus: Zu alt, um unsrer braven Soldaten Bruder scyn zu können, wcrd' ich mich ihnen als Vater zeigen und mein mehr als ftchzigjährigcs, durch eine feurige Seele belebtes Alter, wird, auf der Ehre Bahn sie leite«. Sizzung, vom 26 Jan. Das Dccret wegen Kayier Leopold, wurde durch eine aus verschicdncn Mitgliedern der Nanonalvcr- sammlung bcft.henve Deputation dem König überge. den. Der Redner derselben brachte zur Antwort: Der König habe geäußert: Er würde der National, Versammlung Bolhsthaft in hohe Erwägung zu zi-hen, nicht ermangeln. Auch die durch ihre Schickiale, Gefangennedmung, Behandlung und Frcylaffung aus Käufer Lec polos Staaken bekannte Demmsellc Thero- jgne M ricourt zeigte Kch wieder auf dcrGalleric der Nacionaloerfammlimg. Ihre Leiden in Deutschland, waren Prüfungen für Ke, welche ihrer Lebhaftigkeit eine dcßre Richtung gegeben, sie ist dadurch sittlicher und sanfter, mehr für ihr Geschlecht gebildet worden. In den Thuillcrirn hat sieVolksreden gehalten und für die Constitution viele Vorschläge gemacht. Viele adrliche, lhemahlige Parlaments Personen und ungeschwornc Geistliche sind nach Spanien ausgewandcct. Ueder hoc> Nationalgarden brachten vor einigen Tagen, jene unruhige Nacht , in dem Saal der National- Versammlung zu , als man eine neue Verschwörung, unter welcher der König entführt werben sollte, befürchtete. Diese Hauptstadt hieß cs in dieser Sizzung, fülle sich mit ungemein viel verdächtigen Leuten, man ver- mulhe und nicht ganz ohne Grund, sie hätten an den jüngst erregten, jedoch wieder glücklich bcygeleg'ci, Unruhen ihre Rollen gespielt; unfern braven Volksfteund den Maire Pcthion, suchten sie durch Verläumdurg zu stürzen, es gelang ihnen jedoch nickt; als man, um hier Vorsichtsmaasregeln vorzukehrcn, darauf ai-rrug, der Municipalitäk zu befehlen, von sämtlichen Emwoh. nern vieler Hauptstadt ein neues Verzeichn,ß machen undNacksuchungcn thun zu lassen, wurd' zwar envictcrt, cs wäre bereits ein Gesetz vorhanden, nach welchem besagte Municipalitäk, im December jeden Jahrs über die hier zu Micthc wohnenden Fremden ein genaue- Register verfertigen und auf deren Betragen wachen zu lassen habe, jedoch trug man dem Comitr der Gcftz- gcbung auf, vorläufige Vorschläge zu entwerfen/wie gle-chbaldcn ein neues dergleichen Register, mit möglichst wenigstem Aufwand von Kosten und Zeit zu verfertigen sey, um die öffentliche Ruhe zu sichern und dergleichen Fremde zu kennen und zu beobachten. Nach vcrfchicdnen der Naiw»a!versainmlunq vorgelcg- te» Listen, sollen vom r6. bis zum 24. Jan. vermittelst der Postwagen, gegen 7 M llionen Livres aus hiesiger Hauptstadt naa, Deutschland geaa gen feyn. Da Gelder mit französischem Grpräg auszlifüpncn vcr- boten ist; so hat man es hier üwgcschmvlzcn und mit - Spaniens Etcmpftl und Wappen neu geprägt, so kam es durch, allein man wird augenblickliche Vorkrh-un- gen macken, diese runde Wandrer nicht mehr paßinn zu laßen Die Vorstadt St. Antoine, sandte cmeDe- putativ« , wclcke um Gehör bar, man ließ sie vor die Schranken uvd ße erklärten nicht allein warm und pa'riolisch, sondern schwuren, im Nahmen von 40002 hinlänglich mit Waffen versehener Bürger besagter Vorstadt , nie würden sie, die Constitution ankasirn lassen, ihr Leben da-ür verwenden, allein, sie bärheu, dem Wuchern nur Lebensmitteln, wodurch ihre Puiße so «ehr erhöht würden, Grenzen setzen. Ver-chiedne Comi, le'S erhielten den Auftrag hierüber Vorschläge einzugcden. Von mehrcrn Bewe-.ßcn, wie sehr der Patriotismus täglich ziimmmt, wollen wir nur einen erwähne»; des peinlichen Gerichtshofs z.i N-mes Präsident, Herr Bischer, Übermächte der Nationalversammlung eine Summe von 4802 Livres, als ein Opfer für das Vaterland; Z2L2 Livres sollen hievon zu Unterhaltung der Nationalgarden, 1802 Livres um Arme zu Nl- mes zu unterstützen, angewandt wcrden. Sizzung, vom 27 Jan. Ein Mitglied der Nationalvcrsammeung trug einen sehr befremdenden Umstandt vor, welcher Verwundrung und Aufmerksamkeit erregte und gewiß einer ernstlichen Untersuchung werkh ist, cs ist dieser: Herr von Artois bekleidete die ansehnliche Stelle eines obersten Generals der Schweizer und Graubündner; genoß, genießt noch — —- ( 8 biS auf gegenwärtigen Tag, Gelder - Abzüge von den Regimenter-Zahlungenunter dem allgemein bekannten »ahmen: Lrinkgeld; noch gestern wurden dem Na, tionalschatz 40 Scheine iedcr von rooo Livres, um da« für dieses baare Trinkgeld für den «rasen von Artois zu-cmvfangen,, behändigt, alle waren unterschrieben: d' Affry. Ein andres Mitglied vergewisserte zugleich, die Schweizer führen noch immer fort den Eid der Treue, in besagten Grafciis Hände abzulegcn. Man wies diese Sache an bas Milirair - Cdmitr. Sizzung, vom 28. Jan. Des Königs Minister erschienen, verlangten mit ci. nein Auftrag von demselben vorgclasscn zu werden und als sie vorgclassen waren, übergab einer derselben dem Präsidenten cm Königlich Schreiben, dessen Haupiinn« halt, oyngefähr folgender ist: » Ich habe, Meine Herren! icne durch daS Teeret vom 25. dieses an Mich erlaßne Einladung genau geprüft; Ihnen Selbst muß eS hinlänglich bewußt seyn, daß, Kraft der Constitution, das Nicht unsre auswärtige politische Verhältinße und Verbindungen zu ordnen, zu leiten und zu beschließe», Mir Mein zukommt, das gesezgedenbe Korps keinen Krieg» als nach Meinen förcklichen nokhwendigen Vorschlägen zu erklären befugt ist. Sie, Meine Herren! haben das nicht zu bezweifelnd« Recht Mir Vorschläge zu rhun, allein die Art, welche Sir hierinnc beobachtet haben, scheint Mir verschieb»« Bemerkungen zu erfordern, welche Mir zu machen dermalen die Umstände nicht erlauben , da Ich die vollkommne Uebereinstimmung , - welche zwischen bcpdcn Mächten hcrrjchen soll, zu sehr ehre; dcrcils seit 14 Tagen Hab' Ich von Kaystr Leovsld, über d-ie von Ihnen, Meine Herren l Mir vorgeftgten Punkte, klare und bestimmte Erklärung verlangt; Ich habe gegen Ihn jene, allen Mächten schuldige Achtung bcy- behalten ; Ich fühle, daß cs glorrreich fty, in einer Nation Nahmen, welche so vielen Mulh zeigt, zu sprechen; Ich ergreift alle Maasrcgeln, um den, beyden Mächten so ndlhigen Frieden, zu erhalten; auch das äußerste Mißtrauen wird, kann, in diesem Meinem Betreu gen nichts anders, als aller Meiner Pflichten vollkom- ne Vereinigung finden. Sobald von Krieg die Rede ist, muß dcy der Stimmensammlung alle warme Begeisterung vermieten w»rken, die ganze Seele ernst, kalt und ruhig seyn, des Kriegs Schrcckensftene gleich, sam vor der Seele vorüber gehen, damit sie ganz den Gedanken denke: Soll das Vaterland ci, nen großen Theil seiner Kinder aufopfern? Ich werde Mir Selbst nie den Vvrwurf zuziehen, zu wenig Klugheit den Frieden zu erhalten, oder zu wenig Eile den Krieg mit Northeil zu führen gezeigt 1« haben. Ich werbe Mich aller möglichen Maasre- l ) -.- ^ gcln bedienen den wünschcnswerthen Zeitpunkt zu be« schleunigen, in welchem Ich, Ihnen, Meine Herren! fortdauernde Versicherung des Friedens zwischrn,beydm Mächten geben kann, oder Ihnen zwar ungern zeigen ,aus ivelchcvU. fachen Ich denKrieg vorzuschlagen genölhigt fty. Strasburg, vom i 8 ebr. Binnen 8 Tagen wird unsre Stadt auf den Kriegsfuß gesetzt ; (In unsrem Mittwochs-Blatt vom r. Febr. P. 75. unter dem Arri. kel Strasburg haben wir hierüber bereits Erklärung gegeben.) Täglich werden schon um 4 Uhr Abend« die Thore gcschlsßen und erst Morgens 8 Uhr gcöff« uek, übrigens nach allen Vorfichisregeln militairisch« und andre Vorkehrungen getroffen. Amsterdam, vom 22 Jan. Seit einiger Zeit eröffnet sich eine zweyfache günstige Aussicht für unsre Patrioten, die sie wieder mir neuem Mulh belebt. Das Bündniß, welches die General, staatin und des Statthalters Hof, der ganz sicher allen Einfluß auf dieselben hat, mit Sr. Majestät dem Kaiser abzufchließen, im Begriff sind, ist viel wesentlichem Schwierigkeiten ausgcsctzt, als man anfänglich glaubte und die Prinzeßmn öeH Oranten scheint vor der Hand nicht sehr auf ihres Herrn Bruders Leystanb rechnen zu dürfen, falls neue Unruhen in Holland ausbrächen , der Fall sich rrrizneke , daß sowohl Oesterreich als Preußen in dir Rsihwcn, digkeir versetzt würden, an Frankreichs Angelegenhei» ten thätigen Aulheil zu nehmen. Wenigstens letztere dem Geschäftsführer des Wiener Hofs im Haag zu, gestellte Note , enthält solche Punkte welche nicht vermuthen lassen , daß unser vorgebliches Emscestäasniß mit Leovold so bald werde zu Stand kommen, als mancher cs erwartet hatte. Die zweyke Hoffnung unsrer Patrioten fußt sich auf eines französischen Kriegs baldigen Ausbruch, der ihrer Mcynung nach dem Hause Oranien , dem Berli, ner Hof und dem Hauß Oesterreich so viel Bc>chästi, gung geben wird, baß die Patrioten aller Orten ge, ivonncn Spiel und fteye Haube bekommen werden, ihre Plane durchsetzen. Eine zu Brüssel öffentlich hcrausgegcbne Druckschrift, enthält ein genaues Ver, zeichmß der ungeheuren Geldsummen, welche die Stände von Brabant während den letzten Unruhen an ihre Agenten sowohl in Brabant , als auS» .wärts'an andern Höfen vergeudet haben, macht hier viel Aussehen und eine gewisse , sich dadurch de. schimpft glaubende Parthey, soll bereits zu Brüssel Be, schwerdcu darüber geführt haben. Allein dir Sach« ist nun einmal nicht mehr zu ändern und Schwejgfir dürste wohl am klügsten gehandelt seyn. c 8r ) Wien, vom 2 z Jan. An Oesterreich unter der Ens werde» auf allerhöchstes» Befehl die hoch bestehende» Mönchs, und Non. peoklöstrr neuerdings inventirr. Dieser Vcsth!ist denstihcn mit der Anzeige bereits bekannt gemacht worden, von ehren liegenden Gütern bey grofer Strafe nichts zu veräussern. Vor kurzem haben sich an der ungarisch, mährischen Grenze bedenkliche Unruhen zwischen brydeu Nationen rnisponnen, die beyden Theilcn Blut kosteten, indem eine Parkhey die andre wechselsweise üdcrsicl, wobey ttdcsmat gegen 50 Mann geblieben sind. Zur Stillung dieser Unruhen ist der brave Obristlieutenank hon Haiden , ehemals Laudons würdiger Adjutant, beordert worden , der auch seine Sendung mit dem Vesten Erfolg vollbrachte und die Ruhe wieder hersiellle. Donaultrshm, vom 2z. Jan. Dcr Franzosen Kriegslust und ihr« gebieterische Sprache scheint doch endlich Leopolds Friedensliebe zu ermüden und Ihn zu Ergreifung ernsthafter Maasre- geln zu bewegen; denn kürzlich hielt Er mit dem Staatskanzler, Fürsten von Kauntz und einigen au» d^ern Minister» «ine große Konferenz, deren Resultat, «ste man vernimmt, dahin ausfiel, gleich andern Mächten, gegen Frankreich Truppen marschieren zu Zqssen. Spanien, Rußland, Schweden, Ocsterreich, Hreufen und bas deutsche Reich werden dann gemein- -schafltich den Nenfranken einen Damm entgegen setzen, Hzv sie wohl nicht durchbrechen werden. Es find we-, migstens 25000 Man» zu dieser Expedition bestimmt, r>e der Kauer, als Reichsobcrhaupr marschieren läßt. Sobald Berichte emlause», die Truppen we che aus Lem tiefen Ungarn, nachrücken müssen, ftven marsch, fettig so werden die Regimenter IN Oesterreich und chBöhmc» wirklich aufbrechen. . Wien, vom 24 Jan. Der grosmüthige Kayser hat itzr in Ansehung der Mlde.rspenst gen Begier emen Schluß gefaßt, den Seine chcleidtgle Maj. endlich fasse» mußte. Die väterlichen Amrbiclunzcn zur Beruhigung derFricteusslöhrcr sind cvo.üder. Die angebotne Verzeihung findet gegen die -Halostarrkgcn nicht mehr Statt und siiiiige AHndung mehr den Verächtern der Kayserl. Langmulh bevor. 'Das Uttimalum ist durch einen Eilboten vor ungefähr - K.Tage» nach Bttstst! gesandt worden, und unbedingte «-augenblickliche Unterwerfung allein schützt vielleicht die '..Volksverführec noch vor der verdienten Strafe. . Nstn, vorn SZ Jan. Itzt ist es gewiß, baß wenigstens 25200 Mann 'O'stcrrcichilche Truppen aufdrechen, um gegen das französische Gebiet zu marschieren. Prinz von Nassau Siegen ist noch hier, wirb aber ehester Tage nach Berlin gehe», dafttbst eine KabioelSordre aus Rußland erwarten und nach derer Empfang nach Koblenz u. s. w. fortreistn, um als Anführer der gegen Frank, reich bestimmten Truppe» rin Kommando zu übernehmen. Der Kaiser wird bey den französischen Angelegenheiten nicht al- Verfechter der Sgche der framösi- rchen Prinzen, nicht als Angreifer, sondern als Deutsch, lands. Verthkitjger auftrelen Zu dieser Verthei. digung find Li Bataillons Infanterie und ib Esca, dron Cavallerie zum Marsch d>orbert. DieMarich. dcfehle auch sogleich abgeschickt worden, als Herr No- aillcs, französischer Bothschafttr eincDcpesche ans Paris erhalte» halte, die er dem Fürsten Staatskanzler komm,:- nijirle. Es wird vermulhlich jene Depesche scyn, die den Kaiser zu einer bestimmten Anlwort, vermög der kühnen Motion eines Bristols für den ro. Febr. auf- svrden. Gestern ist rin Eilbote aus Berlin hier an» gelangt, welcher zu einem Elaalsrath Anlaß gab und gleich in der Nacht wieder zurück cxpcbirt wurde. Auszug Schreibens aus Sturrgarr vom zc>. Jan. Die ausgewanderken Franzosen fangen auch an unst sres Oberlands Gränzen Unfug und Lärmen an; rst »en unsrer Herzoglichen Jäger haben sie erschossen und 4 hart dlcsiirl. Heule ist unser Herzog mit einem Cvmmando Hussaren hinaus und boo Mann haben bereits Ordre, morgen oder höchstens übermorgen mit Kanonen dahin nachzufolgen. Die weitern Erfolge erwarte» wir mit Begierde. Noblen;, vom 29- Jan. Des Königs ältester Bruder ist krank; Gxaf von Artois ist krank und Herr Ealvnne ist krank. Wollte man aus den Krankheiten auf Politik schliefst» so liegt die ganze französische Politik von Kob. lenz krank. — Gestern find zEilbothen an verschied»«' Höst geschickt worden. Prinz Conbe war nicht m Koblenz, wie wir im vorigen Blatt gemeldet haben. ^ vermischte Nachrichten. Es heißt, der König von Hstdl habe von der Re., piiblick Venedig eine Anzahl Kriegsschiffe nebst deren Bemannung verlangt, die er unter neapolitanikanischer Flagge gegen Frankreich gebrauchen wolle. Jene in einigen Zeitungen (nicht in unsrer) erschie» nen« Nachricht: als habe Prinz vo» Conde da- Schloß Ballhasarbucg zu R»st (dem Herrn Geheimen Rath und Obrkst von Böckltn zugehörend) im Reichs- rittrrschüftllch-Oncnauischkn Gebiet am Rhein gemte. lhci, ist eben so erdichtet, wie »cnc Ausstreuung wirklich ganz sai,ch: als duftete man in besagtem Markt»' siechen Rust (wo dlos allein für A'-Halr-Zerbst gewor» bc» wird) ftcn.de Werbung. Denn bekanntlich, ge- staitel gcsammic Reichs - Rimrschaft der Ottenau ftanzö- schcn Ausgewaudcttcu keinen Auftnlhait in ihren G«- bieten, — . ^