Nro 155. Pag /;6. Karlsruher Zeitung. Sreytag» UMM.rWI ! den 20 D e c e m b e r I -7 L / 9 9 - Mit Hochjmrstlich - Markgräflich - Badischem gnädigsten Privilegio. Brünn, vom 7 Dec. Nach einem Schreiben aus Jassy vom y. Nov. hat die dortige Regierung erklärt, daß die Pest nun gänzlich ausgchört habe. Seit dem Monat.Iuny d. I. waren die dortigen Grenzen durch einen vstreichischen Kordon, wo von 70 zu 70 Schritten 3 Mann in dazu erbauten Wachthäusern standen und immerwährend mit scharf gcladnem Gewehr von einem Wachthaus zum andern giengen, dergestalt gesperrt, daß Leute aus demselben Ort, durch welchen die Grenzlinie geht, nicht zusammen kommen durften. Bekanntlich find die Grenzen der türkischen Rasa und Moldau, wo sie nicht etwa durch den Lauf eines Flusses bestimmt werden, gegen die östreichischen Lande zu, durch einen sehr tiefen Graben mit einem hohen Aufwurf festgesetzt, der blos durch Kommerzialwege durchschnitten ist. Bey diesen Grenzpunklen ist jedesmal eine Brücke über den Graben geschlagen und mit einem starken Thor versehen, welches feit der Epidemie fest zugeriegelt und doppelt bewacht war. Man macht sich Hoffnung , daß nun der Kordon wieder in kurzer Zeit eröffnet werden wird, wobcy der Handel, der bisher sehr darnieder lag, wieder seine vorige Lebhaftigkeit erhalten wird. Man verdankt es besonders den rhatigen und menschenfreundlichen Anstalten des Fürsten Apsilandi, daß das Uebrl der Pest nicht weiter um sich gegriffen und weniger Menschen hinraste, als cs sonst wohl z» geschahen pflegte. Die Briefe von der türkischen Grenze sprechen fortdauernd von Rüstungen des Pa schwand Oglu, man weiß aber bis itzo nicht für gewiß, wen er bekriegt, wahrscheinlich ist es, daß es dem Dassa von Belgrad, der Vertheidigungsanstalten trist, gelte. Aschassettbueg, vom y Dec. Das Hauptquartier unsers Landsturms steht noch in Seligenstadt, wohin gestern wieder ^ein Bataillon Spessarter Bauern mit klingendem Spiel hier durchzog. — Hier ist ei« Knr- mainzischer Landsturms - Kalender erschienen, mir dem Schattenriß des Baron Albini. Regensburg, vom 14 Dec. Der Kardinal Prinz von Rvhan befindet sich hier in bedenklichen Gesundheits- Umständen, er ist vorgestern mit den h. Sakramenten versehen worden. Frankreich. Paris, vom y Dec. Der englische General Knox, welcher als Griffel bis zur Zurückgabe der gooo' (nach Ucbcrcmkunst von England zurück zu gebenden) Gefangenen in Frankreich bleibt, nimmt mit Erlaubniß unserer Regierung seinen Sitz zu Calais, um die Zurückgabe jener und zugleich die Auswechslung anderer Gefangene« dort in der Nähe von England desto fertiger zu betreiben. Der französische General Humbcrt begleitete ihn dahin.-Man glaubt, die neue Konstitution werde den 22. Dec. bekannt und in Ausübung gebracht werden. Ihre Grundlage rührt von Daunou, einem Mit- versertiger der letzten Konstitution, her. Die Grundlage, welche Sieyes angegeben, war verworfen worden, mit Ausnahme des für die Beobachtung der Konstitution und deren Erhaltung wachenden Raths, welcher errichtet und wovon Sieyes der Präsident wird. — Man sagt, die Vollziehungsgewalt werde hinführo ans einem Staatsrath und z Konsuln bestehen, wovon der erste Mann stark auf Qui- eron im Departement Morbiban eine Landung vollführt und die Vereinigung mit den Royalisten auf der Stelle zuwege gebracht, sie haben einen grossen Vorrath von Gewehr und Munition ausgeschift, die Mannschaft war in 40 Transportschiffen durch z Fregatten von Guernsey übergebracht pAannes soll bereits in ihren ' Händen seyn, diebenachbarteDepartementer sind sammt- lich unter den Waffen. I t a l i e n. Rom vom za LZov. Verwichencn Donnerstag kam die Avantgarde des türkischen Korps hier an, welches bey der Belagerung der Festung Ancona mitwirkte. Sip ist von einem Korps neapolitanischer Kavallerie begleitet , und erwartet den übrigen Hausen, um weiter nach Neapel zu marschiren, wo sich noch mehrere türkische Truppen befinden, indem von dort ans eine starke Expedition von Russen, Türken und Engländern gegen Maitha ziehen wird. Livorno vom 29 Dec. Von dem Ueberfall einer Tunesischen Eskadre aus die nicht weit von hier entlegene Insel del Giglio , sind aus dieser Insel jclbst folgende Umstande gemeldet worden. Am i8ten Nov. mit Tagsanbruch entdeckte man unfern der Insel 7 Kriegsschiffe, die bald für Barbareskr Fahrzeuge erkannt wurden. Sie näherten sich in kurzer Zeit dem Ufer und setzten in kleinen Schiffen Truppen aus, die sich dem an der Küste befindlichen Wacht- thurm näherten. Darauf kamen auch die größeren Schiffe in die Nähe. Von dem Thurm konnte man ihnen keinen andern Widerstand leisten, als von Zeit zu Zeit mit Kanonen unter sie zu feuern. Gegen Abend waren die Schiffe nur noch einen Flintenschuß weit von dem Thurm entfernt. Die ausgesetzten Truppen fiengen indessen an, zu plündern und wegzubrennen, was sie nicht sortbringcn konnten. Sie waren 2000 Mann stark, führten Z rothe Fahnen, worunter jedoch eine halb roth, halb grün war. So wie sie weiter in das Laad fortrückten, wurde überall die Sturmglocke gezogen. Das Angstgeschrcy der Weiber und Kinder war entsetzlich; an Mannspersonen war Mangel, weil diese ihren Geschäften nachgegangen waren. Das Sturmläuten brachte endlich die Einwohner zusammen, sie bewaffneten sich und giengen ihnen entgegen. Als die Türken bis Santa Croee ge- ( 758 ) kommen waren, wurden sie mit einem so lebhaften Feuer empfangen, daß sie die Straße verließen, sich in 2 Kolonnen kheilten und diesen Platz umzingelten. Die Insulaner, obschon sie nicht alle bepsammen waren, munterten sich dennoch einander zum tapfersten Widerstand auf und schossen, vereint mit den Geistlichen, wacker auf die Tuneser herunter. Dieß dauerte bis an den Abend, worauf letztere von ihrem Vorhaben abiießen und zu ihren Schiffen zurück kehrten. Sie ließen 7 Tobte aus dem Platz und nahmen viele Verwundete mit sich. Von den Insulanern blieb einer und 4 wurden verwundet. Auch die Weiber nahmen an dieser Ver- theidigung Antheil und schleuderten, nachdem sie ihre kleinen Kinder in Sicherheit gebracht hatten, Steine von den Mauern herunter. Von einem zum Gefangenen gemachten Tuneser hat man erfahren, der Bey von Tunis habe diese Expedition eigends dazu vornehmen lassen, diese Wisset wegmnchmen, weswegen die Einwohner in grosserBesorgniß sind, daß sie nicht mit grösserer Macht wiederkommen. — Es wurde ihnen allerlcy Gerathschast abgenommen, die alle dem St. Maximilian, dem Schutzpatron dieser Insel, welcher täglich öffentlich ansgesetzt wird, dargcbracht worden sind. Trient vom 9 Dec. Gestern sind z. Kais. K. Offiziere hier durch nach Wien paffirt, wohin sie die Nachricht von der Eroberung von Coni überbringen. — Ein Schreiben des Gen. Melas an den K. K. Regierungs Kommissär Coccastelli -in Mayland sagt Folgendes. Ich habe das Vergnügen, Ihnen die wichtigste Nachricht von der Uebergabe der Festung Coni mitzuthei- kn. In der Nacht vom 26 ans den 27 Nov. wurden die Laufgräben in einer Entfernung, von 400. Schritten von dem bedeckten Gang eröffnet, ungeachtet der Feind ein fürchterliches Feuer auf unsre Arbeiter machte, die er sogleich wahrnahm, weil sie wegen des harten Bodens nicht gehörig verborgen werden konnten. Weder der Schnee, der das Feld bedeckte, noch die strenge Kälte, noch die Ermüdung, der die Truppen ansgesetzt waren, die kaum 12 Stunden ausruhen durften, konnten ihrem Eifer Abbruch thun. Die Arbeiten wurden mit einer solchen Thatigkeit betrieben, daß den 1. Dec. die erste Parallele und alle Verbindungswege vollendet waren. Die Nacht vom 1. auf den 2. wurde dazu benutzt, die Artillerie auf iy Batterien zu transportiren und den 2. Morgens um 7 Uhr ficng man an, den Platz zu beschießen. Das Feuer war so heftig und so gut gerichtet, daß nach 4 Stunden sich der Feind genöthiget sah, alle Vorwerke eilig zu verlassen und in der nemlichenZeit sprang eine Redoute in die Lust, indem eine Bombt , welche in Pas Pulvermagazin eingedrungen war, losgicng. In der Nacht vom 2 auf den 3 wurden die Redoutcn und die 2te Parallele eröffnet. Die feindliche Artillerie war ganz demontirt, und »n- br uchbar gemacht, und bas Feuerchatte mehrere Häuser in der Stadt ergriffen, als der Feind ans Furcht vor den Folgen, die ein längerer Widerstand haben könnte, zu kapituliren' verlangte. Die getroffene Kapitulation ist für unsere Armee sehr ehrenvoll. Die 2Zoo M. starke Garnison zieht heute Nachmittag um 4 Uhr als kriegsgefangcn aus. Die Uebergabe dieser Festung, einer der stärksten von ganz Europa, die iFc> Stücke Artillerie hatte, und noch die einzige Italienische Festpng in den Händen der Franzosen war, sichert Piemont völlig, und krönt ans das rühmlichste die vielen Siege, die die Oestreichische Armee in diesem ganzen denkwürdigen Feldzug erfochten hat. Aus dem Hauptquartier Coni, den 4 Dec. 1799. Schon am 1. waren 78 Kanonen und Mörser in den Laufgräben. — Am 2. Dec. bat der Kommandant um Erbarmen gegen die Kranken und Verwundeten im Spital und steckte eine Fahne auf dasselbe, woraus es auch wirklich von den Belagerern verschont wurde. Das Feuer war so schreklich, daß die kaiscrl. Artilleristen sagen, sie haben selbst nie ein solches Zusammentreffen der Geschü- ze, ein so unbegreiflich starkes Feuern erlebt. Die zwischen dem K. K. Gen. Lieutnant Fürsten von Lichtcnstein und dem franz. Kommandanten Gen. Clement am z. Dec. abgeschlossene Kapitulation ist folgenden Jnnhalts: Art. 1) Es hört von nun an zwischen.beyden Theilen das Feuern und Arbeiten auf. Antw. Bewilligt. Aber man wird alsobald von neuem ansangen, wenn die Kapitulation von Seiten des Festungs-Kommandanten verweigert, oder aufgehalten werden würde. 2) Die Festung wird in 25 Tagen übergeben werden, wenn innerhalb dieses Zeitraums kein Succurs kommt. — Antw. Die Garnison wird morgen den 4 Der. um io Uhr Mittags durch das Türmer Thor mit Trommelschlag, fliegenden Fahnen, brennenden Hunten und 2 Feldkanonen an der Spitze der Kolonne, ausmgx- schiren. Sie wird die Waffen ans dem Glacis niederlß-, gen, krieqsgcfangen seyn, und nach den K. K. Erbsiaaten unter militärischer Begleitung geführt werden, wo sie bis zur Auswechslung bleibt: Die Offiziere behalten ihre Degen. 3) Im Fall der Uebergabe zieht die Garnison mit allen militärischen Ehren, unter der Bedingung aus, bis zur Auswechslung nicht mehr zu dienen. Sie behält ihre Waffen, 2 Feldkanonen, -rMunitionskarren, ihre Equipage und 4 bedekte Wägen.-— Antw. Der 2. Artikel hat ent- ( 759 ) schieden. Jede Person behalt ihr Eiqenthum, die vcr- dekten Wagen aber werden abgeschlagen. 4) Die «Garnison wird von einem Generalmajor zu den ersten Franz. Vorposten begleitet, und gegen alle unangenehme Begegniss^ gesichert werden. — Antw. Eine solche Garantie wird 'ihr aus dem Marsche nach den Erbstaatcn und und auf ihrer Rückkehr nach Frankreich, wenn sie ausgelößt seyn wird, bewilliget. 5) Alles Privateigenlhum soll pünktlich geschont werden. — Antw. Bewilligt, was das Eigenthum der Personen betrifft. 6) Falls die Festung Cuccurs erhalt, werden die Wechselseitigen Geiseln zurükgegeben, und die Feindseligkeiten sangen erst in 24 Stunden nach wechselseitig gegebener Nachricht an. — Antw. Ist im Art. 2 entschieden. 7) Gleich nach Unterzeichnung des gegenwärtigen, wird den Mühlen wieder ihr Wasser gegeben, damit die Garnison und die Einwohner ihr Getraide mahlen könne». — Bewilliget. ' 8) . Die kranken Franzosen, welche in der Festung bleiben, sollen bis zu ihrer Genesung von Französischen Aerzten kurirt werden, zu welchem Ende denselben alle nöthige Bedürfnisse gereicht, und selbige, wenn sie gesund sind, durch eine Ocstreichische Bedekung bis an die Franz. Vorposten begleitet werden sollen. — Bewilliget und sollen die wiedergenescne Kranke mit der Garnison gleiches Schicksal haben. y) Diejenige Personen, welche ihre Anhänglichkeit an die stanz. Revolution gezeigt haben, sollen rücksichtlich ihrer Person und ihres Eigenthüms, welch leztcres sie entweder verkaufen, bey sich behalten, oder in was immer für ein Gebiete mit sich nehmen wollen, respektirt werden. — Antw. Dieses geht die militärische Aufsicht nichts an. 10) Die angenommene Bedingnisse sollen durch einen Staabsvffizier dem Oberbesthlshabendcn General überbracht werden. — Antw. Bewilligt auf den Tag nach der Räumung der Festung. Holland. Haag, vom 6 Dec. Gen. Kellermann ist heute «ach Paris von den Konsuln berufen, dahin abgereißt. Er übertrug einstweilen das Kommando dem Gen. Des- jardins. — Gen. Valence, welcher sich in dem Feldzug vom I. 1792 ausgezeichnet und einen gefährlichen Säbelhieb in der Schlacht bey Nerwinden erhalten hatte, nachher aber als mit Gen. Tümourier ausgewandert verbannt worden war, ist aus dem Verzeichnis der Ausgewanderten ausgestrichen wvrdm und von hier nach Paris abgereißt. —- Alle große und kleine Kriegsschiffe, die rn Arbeit sind, müssen aufs möglichste beschleuniget und nusgerüstet werden. Brüssel, vom n Dec. Alle engl. Kriegsgesangne, die sich in den Zitadellen von Lille und Valenciennes befanden , werden nun, da sie gegen eine gleiche Zahl Franzosen in englischer Gefangenschaft ausgcwechftlt sind, nach und nach zu Dünkirchen und Graveiins auf Kar- l telschiffen eingeschifft. In beyden Häven sind auch vor > einigen Tagen 302 stanz. Kriegsgesangne angekommen, , die seit 1794 in England waren. — Die zwepten Auri- ! liarbataillons der nachstgelegeiwn Departements sind be- ! stimmt, sämtliche Besatzungen in den belgischen Pro- - vinzen abzulostn, und diese letzterer gehen alsdann zur Nheinarmee. Schweiz. Bern, vom 6 Dec. Man versichert, daß die Ka- i vallerie der stanz. Armee Winterquartiere im Elsaß nehmen werde. — Die Befestigungsarbeiten zu Zürch sollen, wie es heißt, eingestellt werden. — Jwj Walliser- land bemerkt man immer noch viele Gahrung, man hört häufig von Diebstahlen und Mordthaten und die Straßen sind sehr unsicher. — Einige Halbbrigaden von der stanz. Armee in Helvetien sind nach Italien ausgebrochen und es werden nach und nach denselben noch mehrere folgen. vermischte Nachrichten. Nach den Verzeichnissen welche man in Baiern erhalten, gehen zwcy Drittheile der Rußisch Kaiserlichen Armee durch die Lberpfals und Böhmen, und nur etwa ei» Drittheil gegen Mahren zu. Briefe aus Wien sagen, der K. K. Minister Gr. von Lehrbach werde niit wichtigen Aufträgen nach Berlin geschickt und während seines dortigen Aufenthalts soll seine Stelle bey der Armee und bey dem schwäbischen Kreis von einem andern Minister versehen werden. (A. b. St. Z.) Ankündigung. Larlsruhe. Bür diklenige, ie an den enlwichevev «hem Uzen Lc-ideulro Larl szrietzrich Epprlr cm« Forderung cab:n, soLrr- sich, dey Verlust v-r Form- rana, curf Donvrriiag den i6.en Januar 1800 auf Fürftllchrr Ma schalln. AmrS Canzley melde--. Verord. vtt bey zülA.ichiM Aak CaUs.rchr deo 2kn De. 1799. Mühlberg. Der dösilch ausgttrrtene Jakob Ralt 00k Masibreg wird hiewit ausßefordert, ivvrrhald 7 Monaten um so scw ss-r vor dah efl-rm Oonamr zu erscheinen, und ftueS Austritts wegen sich zu rechtste, kigea, al» ai-so stm seia Vermögen co, fiscirk uch er drr Fürst!. Lind« verwiesen werden würde. Verordnet dcy Oderamk Mahlderg d. No». 1799.