Nro. 144. !§ ar! sruhe r Sollnabe nds ' 8 'i' UL« 'MMV Zeitung. sen Z. September. o 4 Mir Lurfürftkch B-disch-m gnädW-m Privil-B». 1 Irinhalt. Wien; Baldige Krönung Kaiser Franz des I. Mannheim. Frankfurt; Brief des Genera! Mo-> reau an leinen Bruder in Paris. Berlin. Amsterdam; Vertrag mit dein Prinzen von Sranien. Paris; Reisen I des Kaiser Napoleons. Mainz; Erwartung Kaiser Napoleons. Venedig; Zambeccari Lustreise Petersburg» Fest in Peter Hof. nt ek, Deutschland. Wien, vom 26 Aug. Im Monat Okt. vielleicht am 15, wird sich unser Monarch zum erblichen Kaiser von der Oestreichischen Monarchie krönen lassen, und dann in dieser neuen Würde Franz der Erste He ssen. An der Oestreichischen Kai'serKrone wird bereits gearbeitet. Sie wird eben so geschmackvoll als prächtig werden, und aus den kostbarsten Edelacsteiuen bestehen. Der Oestcreichische Truppen Kordon an der Servi- i schen Glänze ist wirklich beträchtlich verstärkt worden. ! Es ist zn befürchten, daß die Unruhen in Seroien sich auch über andere benachbarte Türkische P oviazen ans- breitkii möchte». — Der Insurgenten Chef Czerni Georges scheint grosse Plane zu haben. Mannheim, vom 6. Sept. Se. kursürsu. Durchlaucht, unser gnädigster Landes Herr, sind gestern Abends wieder hier durch nach Schwe- jingen zurnckgekehrt. Frankfurt, vom z. Sept. ! Der Courier de Londres enthält eine» Brief des General Moreau an feinen Bruder. Das Blatt, das diesen Brief giebt, ist zwar kein sicheres Pfand für dessen Aechlhcit; indessen trägt derselbe doch auch kein augenscheinliches Merkmal der Erdichtung an sich, und es mögen also folgende B uchstücke desselben hier ihren Platz finden. „ Ich weiß, daß die Welt mich anklagt, schwach und unentschlossen gewesen zu seyn, vor dem Lode zurückgebebt, Buonaparte um Gnade gebeten zu haben. Vielleicht lst die Nachwelt gerechter; sie wird erwägen, wie viel schmerzliches und schreckliches der Tod, der mir bevorstand, für einen Mann haben mußte, welcher nur ans dem Schlachtfclde den Gefahren zu trotzen gewohnt war . . Wenn man mir sagt, daß ich meinem Ruhme schuldig gewesen wäre, mich einem, für mich ehrenvollen, für mein Vaterland nüzlichen Tode zu wei- hen, so antworte ich, daß ich nie nach andern, als militärischem Ruhme gestrebt habe, daß ich mit dem mir zu Theil gewordenen zufrieden war, und für den, welchen man durch Talente und Thaten anderer A-t erwirbt, keinen Sinn habe. Man ist nicht gerecht gegen uns, wenn man von uns verlangt, daß wir, um unfern Ruf ( 64b ) zu behaupten, uns in die innere Verfassung eines durch unsere Siege verherrlichten und vergrößerten Staates n» schen sollen. . . Du kannst nicht wissen, daß ich vor meiner Abreise Bounaparte noch gesprochen habe. Als ich in den Wagen stieg, erfuhr ich, daß ich zu ihm ge» bracht werden sollte. Er legte die kaiserl. Majestät bei meinem Empfang gewissermaßen ab. Er war in seinem Kabinct mit seinem Bruder Louis, gievg mir entgegen, und sagte mit einer leichten Verbeugung: „ General Mo» reau, ich wünschte Sie zu sprechen, um von Ihnen zu hören, ob Sie bei Ihrer Abreise aus Frankreich irgend etwas wünschen, oder von mir verlangen. Sie können glauben, daß bei allem, was vorgegangen ist, die Lage, worin« Sie durch Unvorsichtigkeit gerochen waren, und worinn ich Sie lassen mußte, um den Lauf der Eerech' tigkeit nicht zu stören, meinem Herzen bisweilen sehr fHmerzlich gewesen ist. Doch wir wollen von .diesen unglüklichen Vorfällen schweigen. Ich habe Maasregeln nehmen müssen, ihre Erneuerung zu Hindern. Denn eS war aus mein Leben abgesehen, welches ich der Wohlfahrt Frankreichs geweiht habe, und welches zu.seiner Beruhigung noch einige Zeit nöthig ist. Ich habe in dieser Sache viel verziehen, allein nunmehr würde auch die Zeit der Nachsicht vorbei scyn. Sie lieben die Frei» heit und Unabhängigkeit, General, und ich glaube daher, eine Ihnen angenehme Wahl getroffen zu haben , indem ich Sie nach Amerika schikte. Sie werden dort einen neuen Staat und eine noch nicht so ««(geartete Nation wie in unserm a'ten Europa antreffe». Ost hat sich mir der Wunsch aufgedrungen, die mehr nüzliche als glänzende Rolle eines Washington spielen zu können, welcher so viel Liebe für sein Land, so viel politische und militärische Fähigkeiten gezeigt hak. Aber das war nicht möglich in Frankreich; die Faktionen waren t« gewaltig und zu unruhig. Um nicht mit ihnen fort- gerissen zu werden, mußte man sic mit eiscincr Hand ln Schranken halten. "Ich weiß wohl, daß sich das nicht mit der Freiheit verträgt, daß man in seine Handlungsweise viel Willkübr legen muß, und sogar selbstgegebene Gesetze zuweilen hilltangesezt werden müssen, aber in allem diesen zeigt sich mehr die Uebcrmacht der Umstände als des Ehrgeizes. Ich habe meine Rolle nicht selbst gewählt, General; gewiß, ich habe sie nicht gewählt Ein unvermeidliches Schlksal hat mich darein Mit geworfen, hält mich dannn zurück, und zwingt mich, Hen mich mit G anz und Mühseligkeit zu belasten. In ei» Kai nrr so schwierigen Lage muß man vieles rv der sei. r« Mit eigenen Willen chun. Sie sehen in mir einen Liebling .,Ew des Glückes, aber ich habe leine Gunst cheuer bezahlt. 1 Ich schlafe sticht aus Rosen, Genera^" Ueber diese sind Anrede war ich eben so erstaunt, als verlegen. Ich Zw wollte darauf antworten, als man die Ankunft eines grn Couriers aus Rußland meldete. Buonaparte zeigte große z«u Spannung der Seele. Er verließ mich mit den Wor» M ten: „Sagen Sie meinem Bruder, was Sie mir zu l sagen haben, er wird mir davon Rechenschaft geben." S< Ich bat um nichts, als um die Erlaubniß, in Dareges dev einige Tage ausruhen zu dürfen, und diese Begünsti» De gung gewährt mir das Vergnügen, Dir zu schreiben." M pre u s s e n. Ne Berlin, vom 2g. Aug. L,h Nuß'and soll durch eine ganz neue Note verlangt niz haben, zu wissen auf welche Seite der König sich er» klären werde, auf der engl, oder französischen. Lo H o llan d. -die Amsterdam vom 26 Aug. -di> Nach Briefen aus vem Haag sind die Schwierigkeiten, welche der Sanktion des zwischen dem Prinzen von Ora- W men und.unserm StaatsBewind geschlossenen Traktats >6c im Wege standess, gehoben, welches man der Darzwi» -'H schenkunft eines mächtigen Murten zuschreibt Dieser lse< Traktat bestimmt die Entschädigung des Fürsten für die T Rechte, Vortheile mnd Pensionen, welche S. H. D. V und ihre Familie in Holland verloren haben, aus viert» halb Millionen baares Geld, ohne das zu rechnen, was .A für den Verlust des Mobiliar Wesens vergütet wird. Die >el Domainen sind darunter nicht milbegi iffen, weil diß längst A arrangirt ist. . di 'Paris, vom 2 Sept. M Das offizielle Blatt gibt heute folgende Nachrichten v über die Reise des Kaisers: „ Arras, den zo. Aug. Se. Mas. der Kaiser haben heute die Grenadiere der Reserve unter de» Befehlen des Gen. Iunot vor sich g manövriren lassen. Es ist wohl nicht möglich, schönere ^ Truppen zu sehen; alle sind alte Soldaten, größtcntheils 1 < H47 ) Mit Wunden bedeckt. Die Manövres haben b Stun- den gedauert, und sind persönlich von Sr, Maj. dem .'Kaiser kommandrt worden. Er hat Ursache gehabt, M der Fertigkeit uad Pünktlichkeit der Truppen in den Mluticnen sehr zufrieden zu fcyn. Dalenciennes, d. zi Aug. Se. Maj der Kaiser i filid heute Nachmittags um z Uhr » unter einem grossen ! Znsammenströmen ron Menschen aus der ganzen Ge- gmd, hier durchgereißt. Der Kaiser konnte sich überlegen , daß unsre Stadt und unsre Kantons unter diejenige gehören, die ihm am ergebensten sind. Mons, d. zi. Aug. Heute Abends um 6 Uhr sind Se. Maj. der Kaiser hier angekommen. Sie sind an dem Siadtthor durch den Maire und die öffentlichen l Beamten empfangen worden. E ne unzählige Menge Menschen hatte sich aus der ganzen Gegend versammlet. Nach der hier üblichen Sitte hat der Kaiser an dem Thor den Ehrcnwew getrunken, der ihm von dem Mn« nizipalkorps überreicht wurde. > Der gestrige Moniteur gab werschicdne Artikel aus ! London, und begleitete sie Mit Anmerkungen. In elmm dieser Artikel heißt es: „ Die wichtigste Nachricht , Sie vom festen Land her cingegangcn ist, bezieht sich Ms die Bildung des Lagers von Aeyst bey Ulrecht. Man zahlt in dortiger Gegend schon zwischen 50 und cho,ooo Mann, wovon höchstens ü bis 7020 Mäkln s Holländer sind. Die allgemeine Meinung ist, daß die- ! ises Lager die Bestimmung hat, Buonaparte, aus den Fall eines Angriffs von russ Truppen, in die gehörige Verfassung zu setzen. „Me diese Nachrichten, sagt der Moniteur in seiner 'Anmerkung, sind fa'.zch,^ und tbnnen wohl kein Vertrauen Anstößen, wenn man sie in englischen Blättern liefet. Wenn sie aber durch zahllose Korrespondenten unter er- , Mieten Namen und durch eng!. Bulletins verbreitet werden, so entsteht dnch ein gewisses G.sumst, das sich immer Weiler sorkpflanzr, und zulezt Europa beunruhigt." Mainz, vom 4 Scpt. Der Senator Garat ist hier angekowmen. Seine Mission hat besonders den öffentlichen Unterricht zum Gegenstände. — Schon sind mehrere Fremde hier cinge- ttosien, welche die Ankunft des Kaisers näher glaubten, als sie wirklich ist. Man erwartet Se. Maj. immer noch den 8. oder y. dieses Monats. Heute sind meh' -rere Pferde des Kaisers, nebst einem Wagen mit dem neuen kaiserl. Wappen, hier angekommeri. Der Staatssekretär erhält seine Wohnung in dem Hotel der Pre seklur. Man vermuthet, daß Angelegenheiten von Wichtig-^ keit hier zur Sprache, kommen, und die Nachricht, daß der Minister der auswärtigen Geschäfte den Kaiser begleitet, giebk dieser Vermuthung einige Wahrscheinlichkeit. Unter den Fremden, die hier rintrcffen sollen., nennt man unter andren rimge der bedeutendsten Fürste» des deutschen Reichs— Der russische Geschäftswäger bey der stanz. Regierung, Herr d'Oabril, ist in dieser Stadt angekommen, wo er Se. Maj. den Kaiser erwartet. Italic n. Venedig, vom 25. Aug. Verflossenen Mittwoch stellte der Graf Zambeccari, (dessen vorjährige unglückliche Lustreise von Bologna aus über das adriatische Meer nach Pvla in Istrien noch in frischem Andenken ist) in Bologna eine neue-Luftfahrt an. Die vieien tausend versammelten Zuschauer jauchzten ihm anfänglich lauten Beifall zw, weil «r »nach Gefallen sich bald erhob, bald wieder herabsenkte. Nach 4 Stunden schwebte er über dem Ott Cao, als einige Flaschen mit Weingeist gefüllt, Feuer sienaen. Sogleich ließ er sich auf die Erde herunter» und Herr Aadreoli, sein Begleiter, sprang, so bald sic der Ertw nahe genug waren, aus dem SchiffLen heraus, um den Anker zu 'befestigen. Der Graf Zambeccari wollte n Nämliche thun, bevor er aber den Sprung auf die Erde versuchte, erhob sich der Ballon, der durch das Auesteigen des Herrn Andreoli viel leichter geworden wa.-, plötzlich wieder in die Luft, und führte den unglücklichen Grastw mit sich fort. Was aus demselben geworden sep, weiß .man bis auf diesen Augenblick noch nicht. D ä n n e in a r k. Petersburg, vom io Aug. Die Fete, welche gestern in Peterhof gegeben wurde, war aufferst glänzend und zahlreich. Die Illumination des großen Gartens, in dem alle die unzählichtn Wasserkünste die ganze Nacht durch sprangen, war schöner, ( 648 ) als sie je gewesen iß. Am Nachmittage hatte es oft ge> regnet; gegen Abend aber klärte es sich auf, und die kaiserl. Familie fuhr nach geendigter Maskerade und Souper im Gatten auf sogenannten Linien herum. Wie es heißt, so werden Sich Se. Duichlaucht, der Erbprinz von Weimar, nebst Ihrer Gemahlin, noch 6 bis 8 Wochen hier aushalte». Die Manövrcs werden am 17 Ang.-anfangen, und zuerst zwischen Petershvf und Lranienbaum scyn. Die Truppen welche 24,000 Mann ausmachcn, werden in einigen Tagen auerücken. Die Grasen von Budberg, Alexis Kurakin und von Stroganow, sind zu MikgliediM des kaiserl. geh. Raths ernannt. vermischte Nachrichten. Der alte königliche uns der neue kaiserliche f a.-izöfliche Hof. V Ein Pariser Blatt liefert folgende interessante Beschreibung des alten königl. und des itzigen kaiserl. Hofes von Frankreich. „Der neue kaiserl Hof in Frankreich wird, wie man sagt, so jimltch nach dem Muster des vormaligen königl. Hofstaates eingerichtet. Schon in dieser Rücksicht mochte es nicht ganz uninteressant seyn, an jene beynahe ver- geßnen Einrichtungen zu erinnern; aber noch interessanter wird dieses, wenn man den genauen Zujammenhang der Hofverfassung mit der Staatsverfassung bedenkt. Das ganze ehemalige Hofwefen beruhte auf den Grundgese- zen des Feudalsystems. Das Haus des Königs war im Grund der Staat; die höchsten Staatsbeamten waren Diener der Person des Herrn, und nur in später» Zeiten sielen die stanz. Publizisten darauf, einen Unterschied zwischen den hohen Kronbeamten und den hohen Hausbeamten des Königs aufzustelleu. Aber selbst dieser Unterschied gründet sich nicht sowohl auf die Amksver- richtungcn, als vielmehr auf ein besonders Gesetz Heinrich III-, wodurch der Connetqble, der Kanzler, der Oberhofmeister, der Oberkämmerer, der Adnnral und die Marschälle von Frankreich zu hohen Kronbeamten erklärt worden waren. Heinrich der IV. fügte den Obastallmeister und Oberfeldzeugmeister hinzu, woge» M öle Würde des Connetables bekanntlich ab geschast wurde. Selbst unter diesen hohen Kronbeamten fzEck» j oüiciei8 äs 1a couionne) waren der Oberhofmeister ! (Zranä Nirttrs), der Oxrkämmerer und der Oberst«!!- Meister, kest>e eigentlichen Staattbcamlen, sondern königl- hohe Hofbeamten. Die neue Einrichtung weicht in diesem Punkt schon i w-sentlich von der alten ab'. Die Neickserzbeamten ha- ! den ln ihren Amtsvenichtungen zwar einige Aehnlichkeit ! mit einigen der alten hohen Kronbeamten; allein von ^ der Person des Kaisers sind sie durchaus unabhängig, ^ und haben, ohne unmittelbar in die eigentlichen Regie- j rungsgeschäfte einzugreifen, das Recht der Aufsicht über ! die verschiednen Zweige der Staatsverwaltung. So ist i zum Beispiel der Connetable nicht wie der ehemalige, ! von Rechtswegen der oberste, Anführer der Armee, al- ^ lein er muß von allem, was in Bezug auf die Land« ! machrund das System der Verkheidlgung geschieht, ! nothwendig Kenntniß erhalten. Selbst dem Namen nach i sollen sie nicht eigentlich Aemter (otklces), sondern Eh- ^ renstellen - älZiUlsb) scyn, und sind aewissermasen von ! Rechtsweaeli die Stellvertreter des Kaisers selbst. In dieser Rücklicht kannte die alte Verfassung keine Einrichtung, welche nur entfernte Aehnlichkeit mit ihnen hätte. Nach ihnen kommen erst die Neichsobei beamten (ZiLiräg olkicisrs äs 1'Linpiie) welche aus den l6 ! Reichsma,jchäUen, den z Inspektoren und Generalobri- - sten, und den erst zu errichtenden hohen Zivilbeamten der Krone bestehen sollen. Diese leßtre Klaffe scheint für die vornehmer» Hofbeamten des Kaisers bestimmt zu scyn, und da sind schon einige ganz mit den alten Titeln ernannt worden. Der Ausguck: Haus des Königs, hatte vor der Revolution eine doppelte Bedeutung, einmal bezeichnet ^ es die sammtilche für den persönlichen Dienst des Kö- - nizs bestimmte Dienerschaft, mit Einschluß der Leib- ^ wachen; im engem Sinn werden aber nur die zur Bewachung der Person des Monarchen bestimmten Truppen darunter verstanden. Im ersten Sinn theilte man dasselbe in z Klaffen: die. Geistliche, Zivil-und Mil- tärDienerschast. - ! (Die Fortsezung folgt.) i