Karls Nr. 214. ruher Ze Freitag, den 4. August i t u n g. 1826. Freie Stavl Frankfurt. — Hohenzollern-Sigmaringcn. — Frankreich — Großbritannien. — Oestreich. — Rußland. — Amerika. (Columbia) — Kehl. (Nachricht von der wiffcnschastl. Entdeckungsreise des Frhrn. v. LangSdorff in Süd-Amerika ) Freie Stadt Frankfurt. Frankfurt, den 2. Aug. Se. Hoh. derErbgroß, Herzog von Sachsen-Weimarist heute, unter dem Namen eines Grafen von Altstadt, hier angekommen und im Gasthvf zum römischen Kaiser abgestiegen. Se. H. begeben sich nach Ems, wo sich gegenwärtig J.kais.H. die Großfürsten befinden. Se. Exz. der kaiserk. russ. Staatsministcr Graf Ca« po d'JstriaS ist heute hier eingetroffen. Hohenzollern-Sigmaringen. Sigmariugen, den 30. Juli. Se. hvchfürstl. Durckl. haben die Erneuerung des mit der Krone Wür- tembembergbestehenden Salzlieserungs-Vertragö auf weitere sechs Jahre genehmigt. Frankreich. Paris, den 2. August. Gestern war der Kurs der Sprozent. konsol. zu ioo Fr. 35,'40, 35, 30 Cent. — Sprvzent. konsol. zu 66 Fr. 30, 25 Cent. (Schluß des gestrigen Artikels auö der Etoile vom 1. August.) 'Der Plan war damals, die Throne von Frankreich, Spanien und Portugal umzustürzen, und so das, was man die europäische Wiedergeburt nannte, zu präludiren. 'Ein neuer Geschäftsträger Portugals war in Frankreich angekommen und bei dem Könige beglaubigt worden. Es war der Comthur von Oliveira, einer der eifrigsten Revoluzions-Häuptlinge, welcher, trvzeiner alten Nazional-Eifcrsucht, plözlich nach Lissabon die Cortes und die tollen Geseze Madrids transportirt hatte. Gleich bei seiner Ankunft zu Paris sezte sich der H. v. Oliveira m tägliche Verbindung mit Sauquaire Soullgnö. Es war im Hotel, in dem Kabinet dieses diplomatischen Agenten sogar, wo die vcrschwörerische Korrespondenz der französischen Revoluzionsmänner fabrizirt wurde, so daß man mit Wahrheit sagen kann, daß der H. v. Oliveira weit eher bei diesen leztern, als bei dem Könige von Frankreich beglaubiget war. Später verließ der H. v. Oliveira Frankreich. Die französische Regierung wird immer die Rechte und Privilegien der Gesandten der andern Mächte mit der größten Gewissenhaftigkeit achten; mit eben so großer Thä- tigkeit und Festigkeit wird sie aber auch immer zu ver- hüten wissen, daß die Verschwörungen sich nicht unter dem Mantel deS Völkerrechts verbergen. Die Felleisen des H. v. Oliveira wurden angehalten und in seiner Gegenwart vrsitirt. "Man fand darin eine ungeheure Menge Papiere. Es würde Mühe kosten, sich einzubilden, was sie enthielten; denn es würde Mühe kosten zu glauben, daß der Haß, der Ehrgeiz und der politische Fanatismus den menschlichen Geist zu einem solchen Grade von Verkehrtheit führen könnten. Die Jrreligion, der Haß gegen die gcseziiche Gewalt, der Aufruhr, die Rache werden darin — bald unter den Formen einer belehrenden Diskussion , bald mit allen Hülfsmitteln einer feurigen Einbildungskraft, aber immer als Tugenden und Pflichten gepredigt. Kurz, eS ist nicht ein einziger unter diesen Aufsäzen, der nicht eine Abhandlung zu Gunsten des Aufruhrs wäre, und der nicht dem Werke eines Höllengeistes gliche. "Insonderheit Mlt dem Gedanken eines durch die untern Volksklassen zu bewirkenden Aufruhrs beschäftigt, wendet sich Sauquaire Souligns unaufhörlich an diese. Für sie schlägt er vor eine Subscription zu gründen, vermit telst welcher alle aufwieglerischen Bücher umsonst ausgetheilt werden sollten. Hier folgen einige Steilen aus einer im zweiten Pach gefundenen Schrift: "Alle Anstrengungen der Männer, die Einfluß auf die Völker haben, sollen dahin abzielen, sie zu carbona- risiren. DaS gesellschaftliche System ist in feinem Wesen so sehr verdorben , daß gegen das Uebel kein HälfSmittel mehr übrig bleibt, als eine vollständige Revvluzivn, welche die gesellschaftlichen Elemente erneuert. Unsere Feder versagt den D"nst, alle Gräuel abzu- fchreiben, die von dem Hrn. von Bros angeführt werden, und die sich mit einem Briefe des Sauquaire Souligns an den Minister Pinheiro Ferreira endigen, dessen Anfang also lautet: Mein Herr, vielleicht werden wir uns später Brüder heißen. Welch ein Bruder, großer Gott! — Die Schiffe Sr. M., die Goelette MomuS und und der Brigg der Drache, sind am 24. Juli, vom Senegal kommend, zu Brest eingelaufen. Der Drache brachte den spanischen Brigg, der Cantabrier, ein Sklavenschiff, nach BreSt, das er auf feiner Ueberfahrt gekapert hat. Großbritannien. London, den 2Y. Juli. Man fchäzt die Zahl der brvdlosen Fabrikarbeiter in Lancashire auf 300,000 Individuen. 1190 — Die vielversprochenen 66Pfänder, welche Lord Cv» chrane nach Griechenland mitgenommen hat, waren nicht Kanonen, sondern eine neuerfnndcne Art vonHau- bizen, welche aus einer, von gewöhnlichen Kanonenkugeln unerreichbaren Entfernung, ihre hohlen Kugeln in horizontaler Richtung forttreiben, wo sie, am Ort ihrer Bestimmung angelangt, plazen, und Feuer um sich werfen sollen. O e st r e i ch. Wien, den 26. Juli. Metalliques yH; Bankaktien 1064/1». Se. k. k. Maj. haben den Kommandeur des kaiserl. östreich. Leopold-Ordens, wirklichen Geheimen Rath, Feldmarschall-Lieulenant und kvmmandirenden General in der Banal-Warasdiner-Carlstädter-Mikitär-Gränze, Paul von Radivojevich, in huldvoller Berücksichtigung seiner in Kriegs - und Friedenszeiten um das allerdurch- lauchtigste Kaiserhaus, um den Staat und um die Armee sich erworbenen vielfachen und ausgezeichneten Verdienste, in den Freiherrnstand des östreich. Kaiserstaateö taxfrei zu erheben geruhet. Rußland. Petersburg, den 18. Juli. Der wahrend der lezten Krankheit Sr. Maj. des verstorbenen Kaisers von dessen Leibarzte Sir James Wylce am Krankenbette ausgezeichnete lateinische Bericht über diese Krankheit ist nun erschienen. Er ist von dem Leibarzte I. M. der verstorbenen Kaiserin Elrsabeth, Hrn. Staatörath Stvffre, gen, der den hohen Verstorbenen mit behandelte, beglaubigt, und enthält im Wesentlichen Folgendes: Am 16. Nov. 1625, bei der Abreise vom Nachtlagerzu Orechow, war der Kaiser bereits unwohl, und hatte Abends io Uhr, bei seiner Ankunft in Mariapoleinen Fieber-Anfall. Do. Wylie wurde zum «rstenmale vom Kaiser um Rath gefragt, verordnet- aber nichts alS ein kleines Glas Punsch, da der Kaiser am folgenden Morgen nach Taganrog abreisen wollte, wo er auch am 17. Abends anlangte. Am 18. zeigten sich die ersten Erscheinungen eines faulen Nervenfiebers oder TyphuS. Brechmittel und Abführungen, die verordnet wurden, nahm der Kranke nur ungern und theilweise. Die Krankheit schritt fort, und der Kaiser erklärte am 20., er habe sich den Rathschlüssen des Allerhöchsten unterworfen, und weder zu den Aerzten noch zu den Arzneien Zutrauen; ohne des Höchsten Macht wären die Bestrebungen der Aerzte, so wie die Heilkunde nichts. Am 21. schien einige Besserung einzutreten, und der Kaiser stand auf, aber am 22- verschlimmerte sich der Kraukheitszustand bedeutend. Der Kaiser konnte bloü zu säuerlichem Getränkebewogen werden, und erst am24. nahmer6Gran versüßtes Quecksilber, die aber keine Abführung bewirkten, und ein Schwizmittel. An diesem Tage, so wie am 25., konnte sich der Kaiser nicht zur Anlegung von Blutigeln entschließen, eben so wenig als zu Bädern von Essig und Wasser. Abends spat ward die Abführung wiederholt, die am folgenden Tage, den 26., wirkte. Der Kaiser stand noch auf, reinigte, raflrle sich, war aber augenscheinlich exaltirt, so daß er, als er sich wieder zu Bette legte, zu Do. W. sagte: "mein Freund, welche Handlung, welche fürchterliche Hand, lung!" Es war der Anfang des Jrr-Redens. Schon an einem der vorhergehenden Lage halte der Kaiser zum vr. W., der sein Hauptaugenmerk auf das Leber - und Gallenleiden gerichtet halte, gesagt: "Ick wünschte, daß Du dein Augenmerk auf meine Nerven richtetest, denn sie sind in großer Unordnung,, worauf diefererwiederte: "er glaube dieß begegne Monarchen häufiger als andern Menschen., Als Iw. W. nochmals um Anlegung von Blutigeln ersuchte, antwortete der Kaiser: "Ich will nicht; quäle mich nicht mit Deinem beständigen Bitten. Ich weiß sehr wohl waS mir schadet und nüzt; ich verlange bloS Ruhe, Einsamkeit und Stille. Ich vertraue dem Willen des Allerhöchsten und meiner Konstitution., Abends, als der Kaiser gegen den Wollen der Aerzte aufsaß, wurde er ohnmächtig. Am 27., um 4 Uhr Morgens, war die höchste Gefahr da, es entstand Sehnenhüpfen; vr. W. mußte dem Kaiser auf Befehl der Kaiserin, dasbevorsteheudeEndeankündigen. Alserdieß that, fragte der Kaiser: "Ist es dahin gekommen worauf Vr. W. erwiederte: ja, wirklich. Um 5 Uhr nahm der Kaiser das Abendmahl, und willigte nun darein, sich um 7 Uhr 55 Blutigel in die Nähe der Ohren sezen zu lassen. Er erhielt auch während der Nachlässe deS Fiebers schwefelsauren Chinastoff mit versüßtem Quecksilber. Die folgende Nacht vcrgicng im Schlummerschlaf; Pomeranzen-Gcfrvrnes ward am 28. Morgens gereicht, dann einige Abführungs-Pillen; aberum 9 Uhr fieng das Schlucken an schwer zu werden. Nachmittags 3 Uhr zeigte stch Betäubung, Schlummerschlaf, Sehnenhüpfen, Flockenlesen. Am 29. stiegen diese Zufälle noch, spanische Fliegen wurden gelegt und zogen. Am30., 11 Uhr Abends, begann der Todeskampf, und am 1. Dezember, um 10 Uhr 50 Minuten Vormittags, erfolgte das Ableben eines der denkwürdigsten Fürsten der neuern Zeit, den Rußland und Europa noch lange betrauern werden. Vom 22. Juli. Am 16» haben auf Sr. Maj. Befehl die Manöuvres der Garde angefangen und werden bis zum 25. fortdauern. — Der Prinz Eugen von Würtemberg ll. ist zum Corner im Garde-Husarenregiment ernannt worden. — Se. Maj. haben als einen neuen Beweis Allerhöchst« ihrer wohlwollenden Gesinnungen gegen den Kriegsmt- nisier, General Tatitfchew, , und in Anerkennung feiner als Präsident der Untersuchungs-Kommission geleisteten Dienste, demselben die Insignien des Alexander-Newsky- Ordcns in Diamanten zu verleihen geruht. — In Bezug auf die bevorstehende Krönung ist hinsichtlich der Trauer Folgendes festgefezt worden: Von dem Tage der Abreise II. kk. MM. von Petersburg an bis zum Tage der Rückkehr aus Moskau legen alle Personen des kaiserl. Gefolges die Trauer ab. In allen Städten, welche die kaiserl. Familie aufihrer Reise nach Moskau passirt, wird an den Lagen, wo II. MM. da- 1191 selbst ätiwefend sind, die Träuer entfernt. So lange die kaiserl. Familie in Moskau bleibt, wird im ganzen Regierungsbezirk gleichfalls die Trauer abgelegt. Am Krönungstage (der im Monat August eintritt) hört im ganzen Reich die Trauer auf, und wird erst bei der Abreise ZI. MM. nach Petersburg wieder angelegt. Die Trauerzeit hört definitiv den i. Dez. d. I. auf. Amerika. (Columbia.) Bogota, den y. März. (Auszug aus einem Privatbriefe.) Heute kam die Nachricht hieher, daß der berühmte See Quatavita gänzlich ansgetrocknet wurde; in Folge dieser Nachricht reisten die Agenten deS Kapitäns Karl Cochrane, von der englischen Marine, und die andern Theilhaber an dieser großen Unternehmung schleunigst ab, um persönlich ihren Antheil an den unermeßlichen Reichthümern in Empfang zu nehmen, die man auf dem Grunde dieses See'S wieder zu finden hofft. Schon hat man einen Schmaragd von ungeheurer Größe, den eine menschliche Figur von reinem Golde anhatte, nebst einer großen Anzahl goldener Bilder, nahe an den Ufern des See'S gefunden. Sie werden unstreitig neugierig feyn, die Geschichte dieses berühmten See'S zu kennen; hier folgt sie: Vor der Eroberung dieses Landes durch die Spanier, gab es einen Staat von mehr als 2 Millionen Einwohnern unter der Herrschaft des Kaziken von Guatavira, der in einer großen Stadt wohnte, und eine Armee von mehr als 40,000 Mann hatte. Er war von allen andern benachbarten Stämmen sehr geliebt, welche in ihrem Tauschhandel für Getrerde und andere Lebensmittel Goldstaub und Edelsteine, insonderheit Schmaragde, gaben. Jener See liegt 10,000 Fnß über der Meeresfläche, auf dem Gipfel eines BergeS, den die Einwohner als den Aufenthalt ihrer Schuzgottheit in Ehren hielten, und welcher sie jährlich zweimal Opfer brachten. In diesen zwei Zeitpunkten warfen der Kazike und alle Häuptlinge und Einwohner, die ihn begleiteten , nach gewissen Feierlichkeiten, so wert in den See hinein als sie konnten, große Kostbarkeiten, sich einbildend, auf diese Art alle Sünden abzubüßen, die sie in den verflossenen sechs Monaten begangen hatten. Nach der ungefähren Berechnung, die ein Gelehrter, H. Kier, gemacht hat, welcher mit großer Sorgfalt alle Urkunden prüfte, die er sich hinsichtlich dieses See's verschaffen konnte, glaubtman, daß darin, sowohl an Gold als Edelsteinen, für 2,600,000,000 (?!!) Franken versenkt liegen müssen. Zur Zeit der Eroberung dieses Landes durch die Spanier wurden die Einwohner, ihres GoldeS wegen, so grausam verfolgt, daß sie, damit man keines mehr bei ihnen finden möchte, alle ihre Schäze in den See warfen. Kehl, den 2. August. Brief des kaiserl. russischen Staatsralhes und General-Konsuls Freiherrn von Langsdorff, an seine Freunde, worin er ihnen Nachricht von feiner wissenschaftlichen Entdeckungsreise in Südamerika gibt. St. Paul, in der Provinz Itu in Brasilien, den 26. November 1625. "Ich habe meinen Reiseplan verändert, und hier folgt das Projekt meiner Unternehmung. Auf Reisen lernt man reisen. Allenthalben ziehe ich Erkundigungen vom Lande in jeder Hinsicht ein. Da eS wegen der schon cingetrctenen Regenzeit zu spät war, in diesen» Jahre noch die Reise nach Goyaz, einer der Zcntral- Provinzen Brasiliens zu endigen, so wollte ich die nächsten 5 bis 6 Monate bis zur trocknen Jahreszeit dazu benuzen, diese Provinz in ihrer ganzen Ausdehnung genauer kennen zu lernen. Ich besuchte daher vor einigen Wochen den großen Wasserfall des Tiet« , und die Stelle, von wo aus dieser Fluß schiffbar ist. Vereinigen Tagen ritt ich nach Araritaquaba, jezt auch Porto Feliz genannt. Nachdem ich daselbst die ungeheuer» aus einem einzigen Stamme verfertigten CanotS, gesehen, und mich mit einem wohlunterrichteten Brasilier unterredet hatte, entschloß ich mich, meinen Reiseplan zu verändern, die Landreise zum Theil aufzugeben, meint Schaaren von Maulthieren zu verkaufen, und mich zu einer Flußreise von hier nach dem Amazv- nenstrom vorzubereiten. Jener Brasilier stimmte sogleich dafür. ""Da, sagte er, werden Sie die der Geographie noch gänzlich unbekannten Einöden finden, hundert indische Völkerschaften sehen, und tausend nie beschriebene Lhiere und Pflanzen entdecken. Dabei ist die Wasserreise vielleicht wenig gefährlicher und bei weitem bequemer. Man kann mehr und selbst im Canot während der Fahrt arbeiten. Man schickt kleine Boote voraus, um ein Nachtlager auözusuchcn und zurecht zu machen, die Hängematten zu besorgen, den Kessel aufzu- sezen und Wild zu erlegen rc>, denn man landet jeden Abend. Vor allem aber müssen Sie sich vor den Mus- quitvs zu schüzen suchen, die in ganz unbeschreiblicher Menge um Sie her schwärmen, und Ihnen weder bec Tag noch bei Nacht Ruhe lassen werden.«« — Dem sey, wie ihm wolle. Ich habe nun fest beschlossen, meine Schaaren von Maulthieren zu verkaufen, und mich zu folgender Wasscrreise vorzubereiten: Im Monat März oder April (1626), in der besten Jahreszeit, schifftman sich in Porto Feliz auf dem Flusse Tiötö ein, folgt ihm bis zu seiner Mündung, und erreicht den großen Parana, einen der Hauptströme, die den Paraguay und Rio de la Plata bilden. Diesen Parana bcschifft man einige Tage lang abwärts, und gelangt dann zwischen dem 21. und 22. Grad südlicher Breite an die Mündung eines großen reißenden Stroms, an den Rio Par- do. Mit unbeschreiblicher Anstrengung der Ruder verfolgt man diesen Fluß aufwärts bis beinahe zu seinem Ursprung, im 19° 41>, bei der Mündung des Flusses Sanguixuga. Da hört der erstcre auf schiffbar zu seyn. Man findet dort eine große Niederlassung Fazinia de Camapuam. Aufeine mir bis jezt noch unbegreifliche Weise werden von da alle Maaren und selbst die unge- 1192 Heuern Embäume oder Canvts über ein Gebirg oder wenigstens über ein Hochland von mehr als 2^ Legoas geschleppt. (Ich stelle mir vor mit Ochsen auf Walzen, habe aber bis jezt noch keine Notiz davon.) Dann erreicht man einige Flüßchen, die in einen Fluß Ta- quari und endlich in den großen Paraguaystrom fließen. Man kommt nämlich nach Ucberschiffung von vielen Wasserfällen auf den Fluß Taquari und dann Lei der Laguna doS Larayes in den Paraguay in der Nachbarschaft der Festung Coimbra, auf der Gränze zwischen dem spanischen und portugiesischen Südamerika, zwischen Chili und Brasilien. Von Coimbra aus, bis wohin der Paraguay mit großen Schiffen, selbst mit Dreimastern, vom Rio de la Plata aus beschifft wird, werden wir nun diesen, einen der größten Ströme der Erde, bis zu seiner Quelle verfolgen. Wir treten nämlich in den Cuyoba ein, und besuchen die alte Hauptstadt der Provinz Mato grosso, von wo aus ich wahrscheinlich Gelegenheit finden werde, wieder die erste Nachricht von meinem Daseyn hienieden geben zu können. Nach gehöriger Untersuchung dieser entfernten Provinz folgen wir dem Fluß Cuyaba bis an seine Quelle, gehen abermals über ein Hochland, treten dann von dem AriroS, einer der Quellen deö Amazonenstroms, in den Tapajoö, und schwimmen bis Para hrnab. Bei unserer Ankunft in dieser Hauptstadt werden wir dann eine Reise vollendet haben, die mit wissenschaftlichen Augen noch nie gemacht worden ist, auch vermuthlich sobald nicht wieder gemacht werden wird. ES ist nur ein Kaiser Alexander, der dieß Opfer den Wissenschaften bringt, und es ist einer seiner Diener, durch den er eS bringen läßt, der, obgleich er im 52. Jahre steht und ruhig und sorgenlos im Schooße seiner Familie leben könnte, es vorzieht, den Wissenschaften diesen nicht geringen Dienst zu leisten. Ich mache eine Reise, von der Niemand einen Begriff hat. Nach Ankunft in Para ist erst die Hälfte derselben gemacht, denn ich ntuß wieder dahin, wo ich hergekommen bin. — Se. Maj. der Kaiser und sein hohes Ministerium beweisen mir Ihre Zufriedenheit durch Ersezung von 20,000 Rubel, welche ich von dem Meinigen zugefügt, und durch eine jährliche Anweisung von 30,000 Rubel zur Bestreitung der Reise-ExpeditionSkvsten. Dieß ist viel Geld, doch ich kann versichern, daß ich keinen Heller übrig haben werde, und noch von meiner Besoldung zusezen muß.— Der Maler R. ist heimgekehrt. Mönotrivs ist nach Petersburg gegangen. Meine jezige Reisegesellschaft besteht aus den Herren Ruboff, Astronomen; Riedxl, Botaniker; Adrian Faunay, Maler, der mit dem Kapitän Freyssinet die Reise um dis Welt machte; Floren- ce, Landkartenzeichner und zweiter Maler; Hasse, Ge- hülfe für Zoologie, nebst 6 Dienern. Ich bin gesund, frisch, heiter, munter, vergnügt, und mit meiner Bestimmung höchst zufrieden. — Sollten Se. Maj. der Kaiser dre Beschreibung meiner Reise nicht auf eigene Kosten drucken lassen wollen , so möchte ich sie mit Karten und Zeichnungen , Rapports, physikaltschen und astronomischen Untersuchungen rc. in Deutschland erscheinen lassen. Findet sich hiezu kein Unternehmer, so dürfte das Originalwerk höchstwahrscheinlich in England herauskommen.« Auszug aus den Karlsruher Witterungs- Beobachtungen. 2. Aug. Barometer Therm. Hygr. Wind. M. 6 M. 3 N. 9) 26 Z. 0,0 L. 27 Z. 10,7 9. 27Z. 10,8 L. 16,7 G. 27.4 G. 20.4 G. 42 G. 33 G. 37 G. SO. NO. NO. Heiter, Nachmittags schwül. 3. Aug. Barometer Therm. Hygr. Wind. M. 6 M. 2s N. 9L 27 Z. 10,5 9. 27 Z. 9,7 9. 27 Z. 9,6 9. 17,7 G. 26,0 G. 22,S G. 41 G. 34 G. 36 G. SW. W. SW. Immerwährend heiter, Nachmittags drückende Hitze, in der Ferne Höhenrauch, Abends etwas Zugwind. TodeS»Anzeigen. Mein Sohn Emil ist nichr wehr, und mit ihm gieng, in seinem noch nicht vollendeten r8- Jahre, die Hoffnung zu Grabe, welche zu den schönsten Erwartungen berechtigte. Freunde und Bekannte! bedauert mich und ihn, und nehmt stillen Lntheil an meinem Schmerz. Karlsruhe, den Z. August 1826. Brodhag, Acchivrath. Am 2y. d., Abends um 7^ Uhr, verschied mein ge, lkebter Ehegatte, der pensionjrle hiesige Gioßherzogl. Bad. Oberförster, Johannes Montanus, der über 50 Jahr im wirklichen Dienste war, nach einem mehrwöchenllichen Krankenlager, in einem Alter von 78 Jahren, und hin, lerläßt y noch lebende Kinder. Unsern Verwandten und Freunden mache ich unfern schmerzlichen Verlust geziemend bekannt, mit der Bäte um stille Theiinahmr und fernere Gewogenheit und Freundschaft. Walloors, den Zi. Juli 1826. Die tiefgebeugte Wikkwe. Apolonia, geb. Mollstütten, mit ihren Kindnn. Karlsruhe. (Ein Landgut wird zu kaufen gesucht.) Ein ,» der Nähe von Baden oder im Murglhal gelegenes, mit einem massiv erbauten, wohluntcrhaltenen Wohngebäude versehenes Landgut wird zu kamen gesucht. Wer eine solche Besikung zu veräußern wünscht, beliebe sich an Hrn. Buchhändler G. Braun dahier zu wenden, und eine kurze Beschreibung des Guts anzufügen. Dettegek und Drucket: PH Mack tot.