Karlsruher Zeitung. Nr. 251. Sonntag, den 10. September 1826. " «-„„.»in über das Befinden I. K. H. der Frau MarkgrLfin Leopold.) — Baiern. — Freie Stadt Frankfurt. ^-'LLKr Schweb Frankreichs- Großbritannien. - oestreich. - Muffen. - Polen. - Rußland. - AM kei. - Griechenland. - Verschiedenes. Baden. Erstes Bulletin über das hohe Befinden I. K. H. der Frau Markgräfin Leopold zu Baden. Ihre Kbnigl. Hoheit die Frau Markgräfin haben die verflossene Nacht ziemlich ruhig zugebracht, und fühlen Sich diesen Morgen nach einigem Schlaf wieder mehr gestärkt. Der nengeborne Prinz befindet sich vollkommen wohl. Karlsruhe, den 10. Sept. 1826. Medizi,lalrath Hr. Bils. Baiern. Asch affe nburg, den 6. Sept. Die Aschaffenburger Zeitung gibt, nach ihrer Versicherung aus Münchener Blättern, folgende Nachricht: "Dem Vernehmen nach haben bereits baierische Ober - und Unteroffiziere, die sich freiwillig gemeldet, Urlaub nach Griechenland, unter Beibehaltung ihrer Gage, erhalten.« Freie Stadt Frankfurt. Frankfurt, den 6. Sept. Se. Dürchl. der Fürst von Metternich und Sc. Durchs, der Prinz Viktor von Metternich sind heute vom Johannisberg hier eingelrof- fen und im Gafthofe zum römischen Kaiser abgestiegen. Im Gefolge Sr. Durch!, befinden sich der Hr. Kvmman» denr Baron von Reinach, Hr. Hofrath Graf Mercy, Hr. Botschafts-Rath von Neumann, und die Herren Barone de Pont und Sieber. Se. Durchs, speisen heute bet Er. Exz. dem ?. k. prästdirenden Hrn. Gesandten Frei- herrn von Münch-.Bellinghauscn. Se. Durchs, der Hr. Fürst von Ahremberg sind ebenfalls heute vom Johannisberg hier eingetroffen. M e ck l e n b u r g«S ch w e r i n. In Schwerin starb am 30. Aug. der Geheime Rath und Ober-Hofmarschall von Bülow. Er hat dem groß- herzoglichen Hause mehr als 50jähcige Dienste geleistet. Frankreich. Paris, den ö. Sept. Gestern war der KurS der Lprozent. konsol. zu yö Fr.; 97 Fr. 90, 95 Cent. — Sprvz. konsol. zu 65 Fr. 95 Cent.; 66 Fr.; 65 Fr. 95 Cent — Bankaktien 2012 Fr. 50 Cent. — Mehrere Journale haben, auf Treue und Glauben amerikanischer Zeitungen, gemeldet: Die Häfen von Hayti wären von einer französischen Eskadre blokirt; wir sind bevollmächtigt zu erklären, daß diese Nachricht ganz grundlos ist. (Moniteur.) — Die Etoile vom L. Sept, sagt; Schon gestern hatten wir das Gerücht von einer Llvkade der Insel Hayte widerlegt. Nun lesen wir in der gestrigen Nummer der Zeitung von Havre: "Das Schiff die glückliche Union, Kapitän Rätst», lst vorgestern in diesem Hafen angekommen. Bei der Abfahrt dieses Schiffes, den 26. Juli, genoß Hayti der vollkommensten Ruhe, und es befanden sich damals im Hafen von Port au-Prince der Brigg General Fvy und die Emilie von Havre, so wie auch der zwei Brüder, von Bordeaux '). — Die Etvile vom 8. enthält folgenden Artikel: Man liest in dem Journal du Commerce: "Ein Brief aus Havre meldet uns, daß der Ayacnchs nicht mit seiner Flagge in den Hafen einlaufen und sie aust» nicht aufpflanzen durfte, nachdem er eingelaufen war; sondern daß er blvs bevollmächtigt wurde, in den Bassins von Havre einige Zeit zu verweilen, und seine Ladung zu landen.« Jenes Journal, bemerkt die Etoile, meldete gestern, daß dieses Schiff in den Hafen mitdrr columbischen Flagge eingelaufen sey. — DaS Asfisengericht von Aldi (Hauptst. des Tarn- Dep.) hat sich mit folgendem Kriminal-Prozeß beschäftigt : Adele Lernet, ein Kind von 18 Monaten, wurde den 9. März d. I., Nachts gegen 9 Uhr, in ihrer Wiege ermordet. Dieses Ereigniß wurde bald in der Stadt La- vauk ruchtbar, und der Mörder noch selbige Nacht verhaftet: eS war Franz August Bernet, ein Bäcker, 20 Jahr alt, Oheim der jungen Adele. Niemand hätte die Ursache ausfindig gemacht, die ihn zu einer so entsezlicheu Handlung bewog, wenn er nicht selber, indem er daS Verbrechen eingcstand, den Beweggrund angegeben hätte : "Ich hatte große Ursache zum Mißvergnügen ia meiner Familie, sagte er; seit mein Bruder dieses Kind hatte, fiel alle Arbeit des Hauses auf mich, weil mein ,) Diese Nachrichten nehmen folgendem Artikel allen Werty^ den wir auch bloS anführcn, weil andere Journale nicht ermangeln werden, ihn mitiutheiien : »Der Twed, von -8 Kanonen, ist aus Port-Royal nach Port-au-Prince gesegelt, um in diesem Hasen, wo ein Aufruhr ausgcbrochen ist, die Güter der brittische« Unterlhaucn zu schüzen. Das englische Schiff, das dies« Nachricht bringt, ist auS Port-Royal am io. Juli unter Segel gegangen.« (Hampshire. Telegraph.) Es scheint übrigens, daß die englischen und amerikanischen Journale der Ruhe auf Hayti sehr abhold sind: ihre Beweggründe würde» pielleicht »>cht sehr schwer zi» klMbe» sivn. (Alt«, der Etoile.z, 1308 Bruder sein Töchlerchen beständig 'auf den Armen her- umtrug und keine Kindsmagd hielt, wie ich ihn dazu zu bewegen suchte. Meiner Arbeiten müde und sehenv, daß mein Bruder sich nicht anschickte, mich zu erleichtern, faßte und vollzog ich den gräulichen Entschluß, seine Tochter abzukehlen- Ich nahm eine Lampe, nahte mich der Wiege dieses KiNdeS, und schnitt ihm mit meinem Messer die Kehle ab. Ich halte die Vorsicht gebraucht, ihm den Mund mit meiner linken Hand zuzuhalten. Voll Entsezen über daö Verbrechen, dasich begangen, floh ich, ohne zu wissen wohin, und wurde noch selbige Nacht eingcfang-n.« Als Lernet in den Justiz-Palast von Albr geführt wurde, begann er Zeichen von Verrücktheit zu geben, welche sogar in Raserei auSbrach. Während des Laufes der Debatten kündigten seine Geberden, seine Reden, die Verdrehung seiner Augen einen Zustand völliger Narrheit an. War es die Wirkung einer dem Verbrechen vorangehenden Anlage zum Wahnsinn, oder die Wirkung der Gewissensbisse? Oder war eS wohl gar nur »ine Verstellung des Angeklagten, um der Todesstrafe zu entgehen? Dieß ist schwer ausser allen Zweifel zu sezen. Indessen läßt alles vermuthen, daß die tollen Handlungen die Lernet begieng, nicht Verstellung waren. Mit Eifer und Talent von Hrn. Castagno, einem jungen Advokaten aus Allst vertheidigt, wurde Lernet heS Mordes ohne Vorbedacht für schuldig erklärt, und zu lebenslänglicher Zwangsarbeit verurtheUt. . — Seit dem 6. d. M- ist die dritte Lieferung der Osuvres eomplötos äo Llo. sio (chark-Ludrianä im Buchhandel ersastenen. An der Spize derselben steht eine Vorrede, die für Freunde und Gegner dieses berühmten SchrftstcllcrS ausserordentlich interessant ist, u. sich mit einer Art von Glaubens-Bekenntniß endigt, wovon wir hier unfern verehrten Lesern einen Auszug mit- theilen. "Umsonst sagen uns die Männer, welche die konstitutionelle Monarchie bekämpfen, daß sie zum Protestan. tismus und dieser zur Republik unS führen werde, weil der Protestantismus, der die Unabhängigkeit in Reli- gionS-Sachen ist, den Republikanismus erzeugt, der die Unabhängigkeit in Sachen der Politik ist. Diese Behauptung wird durch die Geschichte widerlegt. Ist Deutschland republikanisch, weil es zum Theil protestantisch ist? Die unumschränktesten Regierungen finden sie sich nicht in Deutschland (Dänemark), während mehrere Schweizer-Kantone katholisch sind? Venedig, Genua» waren sie nickt katholisch? Die katholische Bevölkerung der Vercinigien Staaten von Nordamerika vermehrt sie sich nicht aufcinc unglaubliche Weise, ohne die eingeführte Ordnung zu stören? Alle neuen Republiken Amerika's, die sich von der Herrschaft deS Königs von Spanien l-ossagten, sind sie.nicht katholisch, und die Geistlichkeit dieser Republiken hat sie sich nicht, mit blos einigen Ausnahmen, voll Eifer für die Sache der Unabhängigkeit gezeigt? "Man mißverstehe uns hier nicht, wir wollen hi.emit nichts sagen, als baß es nicht wahr lst, daß die prvte, stantische Religion der republikanischen Regierungöfvrm günstiger sey, als die katholische. "Verläumden wir also weder die Protestanten, noch die Katholiken! Laßt uns nicht vvrausfezen, daß di« ersten von einem revoluzionären Geiste beselt sind, die andern einen knechtischen Geist empfangen haben. Auch besteht der Streit, wenn man Alles bei'm Lichte besieht, nicht zwischen den Protestanten und Katholiken — sie sind Brüder in Christo: sondern erbesteht zwischen den Afterphilosophen und den Fanatikern. "Zwei Gattungen Leute sind heut zu Tags die Geisel der Gesellschaft: einerseits sind es jene alten Schüler der Diderot re., die noch ihre Freuve an den Spöttereien über die Bibel, an den Deklamationen dcLAtheis« mnS, an den Schmähschriften auf die Geistlichkeit haben; andererseits sind es jene beschränkten oder despotischen Köpfe, welche schreien, die Religion sey in Gefahr» weil die verschiedenen christlichen Knlle vom Staate anerkannt sind, und Gewissens-Freiheit herrscht. Jene würden als Afterphilosophen die Priester ausrvtlen.; diese als Afterchristen die Aulo-da Fo'S und Dragvnaden wie, der einführen.« Großbritannien. Der H. Fürst von Polignac ist am 1. Sept. auf dem Packetbovt Medusa zu Doverangekommen, und hat seine Reise nach London sogleich forlgcsezt. O e st r e i ch. Wien, den 1. Sept. Bei der k. k. Armee haben sich zahlreiche Veränderungen ergeben. Befördert wurden: Zu Feldmarschall-Lieutenants: die General-Majore MarcnS Freiherr v. Csollich, und Gustav Prinz zu Hessen-Homburg. Zu General-Majoren: die Obersten Andreas von Laitner, von Wallmoden Kürassier-Regiment Nr. 6; Karl Freiherr von Gudenau, von Erzherzog Johann Dragoner- Regiment Nr. 1, mit Beibehaltung seiner Anstellung bei Sr. kaiserl. Hol), dem durchlauchtigsten Erzherzoge Karl, und Bartholomäus Graf Alberti de Pcya, von Nostitz Cheveauxlegers-Regimcnt Nr. 7. In Pension wurde versezt: Franz Freiherr Gvrupp von Besanctz, Feldmarfchall-Licutenant und Militär-Kommandant zu Klagenfnrt, mit dem Eharaktar als General der Kavallerie und 4000 fl. Pension. Der Graf von Bellcgarde, Staats - und Konferenz- Minister, Feldmarschall und Obersthosmeister bei Sr. kaiserl. Hoheit dem durchlauchtigsten Erzherzoge Kronprinzen, hat das Großkreuz deS Herzog!, parmaschcn Konstantin St. Georg-OrdenS erhalten, so wie die aller, höchste Bewilligung, solchen annchmen und tragen zu dürfen. — II. MM- der Kaiser und die Kaiserin treffen am 12. d. nach einem veränderten Befehl rn der Burg, und nicht in Schönbrunn ein, und werden den Herbst in der Stadt zubringen. Die gefammte kaiserliche Familie wird ebenfalls die Burg beziehen. Hiernach ist die frühere Nachricht von dem Aufenthalt deS Hofs in Schön« brunn zu berichtigen. — Se. k. Hoh. der Erzherzog Her- 1399 zog von Modena reist am 11. d. nach seinen Staaten zurück. — Die Preßburger Aeitungvom l. Sept. meldet: Se. kaiserl. Hoheit der durchlauchtigste Erzherzog-Reichspa- latin, die in Begleitung Höchstihrer Gemahlin, der Frau Erzherzogin Maria Dorothea, am 24. v. M. Sr. Gxz. den Hrn. äuäex Duiiao, Grafen von Brunövik, auf dessen Landsize Korvmpa mit einem Besuche zu beehren gerührten, besichtigten bei Höchstihrer Ankunft zu Tyrnau daS daselbst vor zwei Jahren gegründete Komi- tats-KrankenhauS, wurden Heer von einer Deputation des Preßburger-KomitatS auf'S feierlichste empfangen, und bezeigten der Administration über die Einrichtung desselben Hochstihre Zufriedenheit. Darauf begaben sich II. kk. HH. noch in den, durchseine Antage, geschmackvolle Einrichtung und durch das größte im Umfange der Monarchie befindliche, über 2000 Eimer haltende Weinfaß, sehenSwerthen Keller deS Hrn. Walz, und fuhren sodann nach Korcmpa ab, wo II. kk. Hy. um 2 Uhr Nachmittags rintrafcn, und von Sr. Exz. dem Hrn. Centex Duriav und dem versammelten Adel auf's chr- furchtvollste und mit den herzlichsten Freudenö-Bczrigun- gen empfangen wurden. Nach aufgehobener Mittagstafel nahmen die hohen Anwesenden, in Begleitung Er. Etz. und der übrigen Fremden, den Schlvßgarten und die Umgebungen von Kvrvmpa zu Wagen m Augenschein , wohnten hierauf einer von Sr. Exzellenz dem Hrn. äuäex (luriso veranstalteten und von dem anwesenden Adel ausgeführten theatralischen Vorstellung bei, und besichtigten auch dann noch die Illumination deS Schloßgartens, rn welchem sich besonders der darin befindliche Teich mit seinen beleuchteten Ufern auszeichnete. Am andern Morgen verließen II. kk. HH-, begleitet von den rührendsten Aeusserungen der Freude, die Hochstihre Huld und Herablassung bei allen Anwesenden erneuert hatte, Kvrvmpa, und fuhren über Nödas, längs der Bergkette, die den Anfang der karpathischen Gebirge bildet, Szomvläny, Nußdorf, Modern, nach Pbsing, besichtigten das dortige Bad, und trafen, Nachmittags um 5 Uhr, über St. Georgen wieder in Preß- burg ein. Vor allen Städten, die II. kk. HH. aufdie- scr Tour berührten, harrte, dem Drange deS Herzens folgend, der Magistrat, die Geistlichkeit, die Schuljugend mit ihren Vorstehern, und die Einwohner, um II. kk. HH. bei Ihrer Ankunft die ehrerbietigste Huldigung zu bezeigen.« Wien, den 4. Sept. Metalliques yl'/; Bankaktien 107Y. — Der kais. russ. Geheime Rath und Senator, Ritter von Tatitschew, ist vom Johannisberg hier angekommen. Der kaiserl. brasilianische Gesandte, Vicomte de Regende, ist gleichfalls hier eingetroffen. P r e u f s e n. Berlin, den 4. Sept. Se. Exz. der wirkliche geh. Staats - und Kriegsnumster, General der Infanterie, v. Hake, ist aus dem Bade Pfeifers in der Schweiz wieder Polen. Warschau, den 27. August. Der hiesige jüdische Kaufmann Kvhn hat der seinem Tode 1200 polnische Gulden an christliche Spitäler vermacht; eine vorzüglich bei uns seltene und achlungswürdige Erscheinung. R uß l a n d. Moskau, den 21. Aug. Ueber den Tag der heiligen Krönung Sr. Majestät ist offiziell noch nichts bestimmt worden. — Die Regimenter, welche in und um Moskau gegenwärtig kantonniren, werden durch häufige Mcwv- vreS in ununterbrochener Thätigkcit erhalten. Am 12. war ein Kavallerie-Manöver, welches Nachmittags nur Z Uhr begann, und erst um 9 Uhr endigte. Die Anzahl der sammtlichen Truppen beläuft sich auf 100,000 Mann. Nach dem Manöver am 14. befahl Se. Maj. der Kaifrr, einem jeden Soldaten zum Zeichen der allerhöchsten Zufriedenheit 1 Rubel, 1 Pfund Fleisch und 1 GtaS Branntwein zu reichen. — Odessa und die Umgegend ist die lezte Zeit von un» gchenern Heuschrecken-Schwärmrn hcimgefucht worden. Ziemlich starke Bäume brachen unter der Last Vieser Infekten. Türkei. Konstantinopel, den li. Aug. Obgleich die Strenge der Regierung feit Abgang der lezken Post Etwas nachgelassen hat, so ist doch an eine Einstellung der beschlossenen Reformen nicht zu denken. Die Fahne des Propheten, das eigentliche Zeichen der Gefahr, ist noch immer im ersten Hofe des Serails aufgepflanzt, und der Anstand der Hauptstadt zwar weniger bewegt, allein im Wesentlichen der alte. Die ergriffenen Poli- zeimasregeln, wegen Schließung der Kaffeehäuser und Schenken, hatten den Unmuih des Volkes so vermehrt, daß für den Sultan selbst die größte Gefahr zu befürchten war. Die Großen des Reichs, von dem Mufti un- kerstüzt, machten darüber Sr. Hoheit die triftigsten Vorstellungen. Der Sultan schenkte denselben Gehör, und ließ theilwcife die verfügten Masrcgeln zurück,ichmen. Ein anderer Schritt des Sultans macht noch größeres Aufsehen. DaS Korps der Bostandschis, welches zur Unzufriedenheit aller mächtigen Familien aufgelöst werden sollte, wird jezt, gegen Annahme deS neuen Exerzitiums, beibehalten. Man schreibt diesen mildernden Entschluß den nämlichen Vorstellungen der Großen zu; selbst der Großweffier soll dazu gerathen haben. Vvn dem Korps der Bombardiere sind dagegen bei 70 Individuen hingerichtet worden , weil sie die Erlernung deS neuen Exerzitiums verweigerten. DaS Murren vieler Korporationen dauert übrigens fort. Selbst die Topdfchi'ö, über die Einführung der Basionape, der in Zukunft Christen, Juden und Türken unterliegen sollen, vorzüglich aufgebracht, geben Zeichen von Unzufriedenheit, und die Sophias (Rechtöbestissencn) weigerten sich, ihre seit Ausbruch der griechischen Revoluzion getragenen Waffen abzulegen. Die Schifflcute sind wegen der neuen Reformen in Unruhe, und die Derwische erfüllen alles mit 1400 Klagen über die Auflösung der bekannten Klöster, wobei sich such eine Profanation ihrer Moschee zugetcagen hatte. Es erscheinen noch immer Libelle gegen den Sultan und Großwessier, wodurch die Unzufriedenen ihren Klagen Lust zu machen suchen. Aus allem diesem ist leicht zu sehen, daß die Ruhe noch keineswegs ganz verbürgt rst. Die Regierung aber schreitet in ihrem Systeme fort, und hat auf den Rath des Großwessiers so eben einen Polizeimiinster ernannt, der ausser den Vorrechten eines Pascha auch das Recht über Leben und Tod erhalten hat. — Die Abrichtung der neuen Truppen geht rasch vorwärts, und scheintauch unter den jungen Leuten der Hauptstadt Beifall zu finden, da man in den lez- ten Tagen viele derselben, mit Stöcken statt der Flinten, das europäische Exerzitium nachmachen sah. Der Sultan betreibt die LVaffenübungen persönlich mit Leidenschaft. Er erscheint mit dem Silickdar Aga und Berber Baschi, so wie mit seinen übrigen Lieblingen in den Höfen des SerailS, und übet sich selbst nach fränkischer Weise. Sein Lieblingsgedanke scheint die Errichtung eines, gleichsam adelichen Gardekorps von Zoo Mann zu seyn, das aus den Söhnen der Großen deS Reichs gebildet werden soll. An ihnen würde er zugleich Geiseln der Treue ihrer Väter erhalten. Schon sind ungefähr 100 derselben in das Serailgebracht worden, welche in Gesellschaft deS kleinen Thronerben sich in der neuen LLaffenkunst üben. Nachschrift: Mittelst eines vom Grafen Woronzof und Marquis Ribcaupierre vom 30. Juli über Odessa expedirten Kouriers ist die Nachricht an den kaiferl. russ. Geschäftsträger Hrn. v. Minciaky gekommen, daß sich Die türkischen Kommissarien anfangs den Quarantainc- Gesezcn, als ihrer Religion zuwider, nicht unterwerfen rvollten, und dann erklärten, Akicrman» sey zu weit von ihrer Gränze entfernt, daher sie verschlugen, die Konferenzen bald auf dem linken (russischen), bald auf Dem rechten (türkischen) Ufer des Pruth zu halten. Hr. V. Minciaky begab sich sogleich zum ReiS-Effendr, und -ersuchte ihn, die nökhigen Befehle an die türkischen Kom- rnissarien zu ertheilen. Man hofft, daß troz den rätselhaften, ausweichenden, ja lakonischen Antworten, welche der Rcis-Effendi gegeben haben soll, von Seite Der Pforte keine weitern Hindernisse der Eröffnung der Konferenzen in den Weg gelegt werden dürften. Diese Nachricht machte unter dem diplomatischen Korps großes Aufsehen. Aus Smyrna ist Nachricht cingetroffen, daß der neueste Versuch des Kapudan Pascha, sich der Insel SamvS zu bemächtigen, durch die Gegenwehr der Griechen vereitelt worden ist. Er war am 23. Juli, 37 Segel stark, vor SamvS erschienen, allein die Absendung einiger Brander von Sachtury'S Seite, wobei jedoch Canaris verwundet wurde, genügte, umdenKa- xudan Pascha zum Rückzuge zu bewegen. Dieser Nach- theil, verbunden mit dem Widerstande, den Ibrahim Pascha in Maina fand, belebt den Muth der Griechen auf's Neue. (Allg. Ztg.) Griechenland. Ankona, den 11. Aug. Alle Briefe aus Napoli di Romania, Zante und Korfu stimmen darin überein, daß in der Provinz Maina, dem alten Lakonien, ein blutiges Treffen statt gefunden hat, in welchem dis Aegyptier einen großen Verlust an Leuten sowohl, als an Artillerie und Bagage erlitten haben, und Ibrahim Pascha sein Leben nur der Geschwindigkeit seines Pferdes zu verdanken haben soll. Das Gefecht kostete bei der Hartnäckigkeit, mit der man von beiden Seiten kämpfte, viel Blut. Die Griechen gestehen selbst, viele ihrer Tapferen verloren zn haben, worunter der brave General Nckitas und Kolokotrvnr'S Sohn. Verschiedenes. Die ganze Stadt Dresden soll neu gepflastert werden und zwar mit lanter in's Quadrat gehauenen Granit- steinen. Ein von dem schweizerischen Oberst Koch abgefaßtcr interessanter Bericht über die bereits angefangenen Arbeiten der Aarkorrektion von Thun bis Bern ist im Druck erschienen. Diese Schrift bietet sowohl in den historischen Nachrichten, als in den entwickelten allgemeinen Ansichten viel Bcmerkenswertheö dar. Auszug aus den Karlsruher Witterungs- Beobachtungen. 8. Sept. Barometer Therm. Hygr. Wind. M. 6> 27Z. 9,8?. 11,4'G. 54 G. W. M. 3 27 3. 9,9?. 14,3 G. 46 G. SW. N. 9- 27 Z. 10,0 L. 12,0 G. 49 G. SW. Meist trüb und sehr windig, öfters regnerisch. Erklärung. Der Unterzeichnete findet sich veranlaßt zu erklären: daß die Broßhcrzvgllche Hosschaiispicleriii Madame Neumann an der in diesen Tage» geschehenen Verbreitung des »Extra, deiwagcns zu Rr> 75 der Berliner Schnellposi« durchaus kei. ne» Änrhcil habe, und solche ohne deren Zustimmung bewirkt worden sey. Karlsruhe, den 6. September 1826. P. Macklvt. Mühl bürg, sFSsscr-Verkauf.) Bei dem von Scldeneck'schcn Pachkcr dahier sind 3 weingrüne in Eisen gebundene Fässer, von 27, 27 und ,6 Ohm, zu verkaufen. Karlsruhe. sJiizioienten-Gesuch.) Bei einer Verrechnung wird ein Inzipient, welcher die erforderlichen Vorkennlmffe besitzt, gegen billige Bedingungen angenommen ; worüber bas Zeliungs-Kemptoir, gegen portofreie Briefe, nä» Here Auskunft gibt. Verleger und Drucker; PH. Macklvt.