Karlsruher Zei Nr. 64. Montag, den 5. März t u n g. 1827. Waden. (Karlsruhe. Heidelberg.) — Frankreich. — Großbritannien. — Niederlande. — Portugal. — Preuffen. — Schwei). — Spanien. — Amerika. (Brasilien.) — Verschiedenes. — Dicnsrnachrichten. Baden. Karlsruhe, den 4 . März. Der Wasserstand des Rheins hat sich bei Knielingen bis diesen Morgen bis zu 10 Fuß unter Null, oder dem ehemaligen höchsten Wasserstau!), erhöht; zu Mannheim stieg der Rhein bis den 5 . Vormittags auf eine Höhe von 6 Fuß 8 Zoll, Nachmittags kam er ins Fallen, und stand Abends 6 Uhr 7 Fuß unter Null. Der Neckar stieg bis den 2. in der Nacht auf 5 Fuß 5 Zoll unter Null^ kam sodann inö Fallen, und stand den 2 . Abends 6 Fuß 5 Zoll unter Null. Heidelberg, den 2. März. Am 28. Febr. Abends hatten wir einen starken Regen, worauf der Neckar, der um 5 Uhr noch von Fußgängern passirr wurde, in der Nacht theilweiö in Bewegung kam, sich aber wieder stellte, und erst am folgenden Morgen bei mäßiger Wasserhöhe die Eisdecke vollends durchbrach. Von Morgens 9 Uhr an gieng er gestern sehr mit Eis, das Wasser hatte gegen Mittag die Höhe von 7 Fuß über dem gewöhnlichen Stand errreicht. Nachmittags wurde der Fluß mehr vom Eise frei, stieg aber fortwährend bis heute Mittag, wo ec 14 Fuß 6 Zoll über Mittelwasser am Pfosten zeigte. Seitdem fällt er langsam, und steht diesen Abend 5 Uhr etwa 4 Zoll tiefer, daher noch alle Straßen in der Stadt, die unmittelbar an den Neckar stoßen, unter Wasser sind. Die Straße nach Ziegelhausen ist unterbrochen, ebenso die nach Neckargemünd, wo der Fluß stellenweiseüber 2 Schuhe den Weg bedeckt. Auch die Elsenz soll sehr überschwemmt, und die anliegenden Dörfer zum Theil unter Wasser gesezt haben. Frankreich. Hr. Karl Dupin hat seine staatswirthschaftlichen Untersuchungen, die er früher hauptsächlich in Beziehung auf die ungleiche Vertheilung des Unterrichts in Frankreich begonnen hatte, dahin ausgedehnt, daß er nun auch die Verhältnisse des Volks-Unterrichts zu der Moralität der Familien auszumitteln suchte. Er untersuchte zuerst die fünf Departements der Bretagne, und fand, daß diejenigen Theile dieser Provinz, woam wenigsten Unterricht statt findet, auch die meisten Beispiele von Unmäßigkcit und Sittenvcrderbniß darbieten. Nachdem er hierauf die Monarchie in zwei Serien, jede zu 45 Departements, abgrtheilt, und in einer diejenigen Departements, wo die Schulen am meisten, in der an, der», wo sie am wenigsten besucht oder beinahe verlasse» sind, ausgenommen hatte, so stellt er nun folgendes Er- gcbniß für die 43 Departements auf, die 685,549 Schäler zum Unterricht schicken, daß auf 2ü dieser Kinder nur Ein Uneheliches komme, während bei den übrigen 43 Departements, wo die Schüler sich nur auf 177,420 belaufen, ein Uneheliches ans sechs in die Schule geschickte Kinder zu finden sey. Auch suchte er einen Durchschnitt für die Länge deS Lebens auszumitteln, und bestimmte diesen für die 4 Z aufgeklärten Departements auf 40 Jahre 5 Monate 6 Tage, für die unaufgeklärten aber auf 53 Jahre y Monate. Daraus gehl hervor, daß mehr Sitten und häusliches Glück in den erster» als in den zweiten statt findet, indem das Daseyn nur durch Sitten, Wohlstand und Befriedigung der Bedürfnisse eines wohl- geordneten Lebens verlängert wird. Seine Untersuchungen über die drei Bezirke von Paris, wo die Mittel deS Unterrichts am meisten verbreitet sind , ncmlich die Bezirke: Vorstadt St. Honorü und Tuillerien , Straße d'Antin und Palis Royal, und die ganze Vorstadt St. Germain, ergaben denDurchschnitt der Lebenslänge, aus den Skerbfällen ausgchoben, auf 43 bis 47 , während dieser Durchschnitt bei den übrigen Bezirken , der Vorstadt St. Antoine, des Bezirks des Hotcl de Ville und der Cito, und des Bezirks der Vorstädte St". JacqueS und St. Marceau, nur 24 bis 25 Jahre auSmackt. — Wie man sagt, ist der Pater Godineau, einer der einstußreichsten Jesuiten in Frankreich, zum Provinzial dieses Ordens daselbst ernannt worden, der als solcher direkt mildem General des Ordens in Rom zu kvmmu- niziren, und seine unmittelbaren Befehle zu empfangen hat. (Schwäb. Merkur.) — Hr. Klapproth ist bei der Redaktion der ^nncste» äes voriges, welche die HH. Eyries und Larcnaudiere herausgcben, an die Stelle deS verstorbenen Hrri. Mal» tebrun getreten. Großbritannien. Die Londoner Zeitungen füllen 7 ungeheure Spalten mit den scandalösen Details der Untersuchung eines Ehebruch-ProzcsseS. Sir Jakob Astlcy, ParlamentS- gkied, beschuldigt Hrn. Garth, Rittmeister rml5-Dra- goner-Regimcnt, eines unerlaubten Umganges mit seiner Gemahlin, und begehrt eine Entschädigung von 12,000 Pf. Sterling (132,000 st.). Die Untersuchung wik§ zwar dir Richtigkeit der Schuld der beiden Beklag» 346 len auS, allein es kam dabei auch das nichts weniger als erbauliche Leben des Klägers an den Tag. Unter den Zeugen befanden sich mehrere Frauenzimmer von sehr üblem Ruse. Der Rittmeister wurde zu einer Entschädigungsstrafe von 1 Schilling (33 kr.) vcrurtheilt. — Sir Walter Scott hat bei einem Mittagsmahl in Edinburgh eingestanden, daß Er der Verfasser der sch o t- tlschen Romane sey. Niederlande. Brüssel, den 22 . Febr. Nach Berichten aus dem Haag, vom 20. d. M., ist daS Linienschiff Waterloo an den niederländischen Küsten auf der Hohe von Lscher- schelling erschienen. Der Kapitän war gesonnen, an ei- riem zum Landen günstigen Ort an der Küste die Truppen auszuschiffen , und mit dem Schiff nach dem Lexel zu segeln. Schiff und Mannschaft waren in gutem Ku- ssand. Portugal. Lissabon, den 14. Febr. Der Präsident der Pairs- kammer hat in der Sizung vom 12 . über den Erfolg der Deputation, die sich am y. zu der Prinzessin Regentin verfügte, Rechenschaft abgelegt. Der Kardinal Patriarch hielt an I. k. H. folgende Rede: "Durchlauchtigste Prinzessin! Die Pairskammer betrachtet cS als sehr wichtig für die Nazion, an Se. M. eine unterthänige und ehrfurchtsvolle Botschaft zu senden, worin die Kammer, nachdem sie Don Pedro den Eid ihrer unerschütterlichen Treue erneuert und ihren lebhaften Wunsch ausgedrückt hat, die weisen Institutionen, die Portugal Sr. Maj. verdankt, sich befestigen zu sehen, Allerhöchstdemselben daS traurige Gemälde deö Elendes und der Leiden des durch den Schwindelgeist her Faktionen zerfleischten (nu^saorsäs) Vaterlandes glaubt vor Augen legen zu müssen. Sie erfleht zugleich von der Großmuth Sr. M. daS einzige Mittel, das so vielen Leiden ein Ziel sezen kann. "Die Kammer ist der Meinung, daß diesen Trübsa- len des Vaterlandes nur dadurch ein Ziel gesezt werden kann, wenn Se. M. uns unsere erlauchte und allergetreueste Königin Dona Maria II,, Portugals Hoffnung auf Ruhe und Glück, in möglichster Bälde sendet. - "Die Kammer ist überzeugt, daß die Reize einer so theuren Königin, ob sie gleich noch minderjährig ist, sobald sie in Portugal erscheint, um Ihren Thron alle Mitglieder der portugiesischen Nazion, wie Söhne um ihre Mutter, vereinigen werden. Alle werden den Tag Zhrer Ankunft, alö den ihres Glückes, segnen. Die Partheien werden verschwinden, und eS wird in Portugal nur noch Eine Gesinnung und ein Nazional - Wille sehn. "Indem die Kammer diese Botschaft zu den Füßeu I. k. H. niedcrlegt, bittet sie unterthänigst, dieselbe Sr. Maj. zu übersenden.« Die Prinzessin Regentin antwortete, wie folgt: "Ich werde Ihre Supplike unserm erlauchtesten Herrn und König Don Pedro IV. übersenden, damit Er sie erwäge und nach den Rathschlägen seiner hoben Weiheit sich entschließe., Lissabon, den 14. Febr. Der General Claudius, der die Armee verließ, um in der Deputirtenkammer Siz zu nehmen, begehrte in der Sizung vom 12. die Ermächtigung, ihrer Prüfung eine» Gesezentwurfzu unterwerfen, der bezweckt, den Aufruhr, der in der Provinz Tras os Montes unaufhörlich von neuem entsteht, zu ersticken. Dazu ermächtigt, las der General gleich den andern Tag einen Martiat-Gesezentwurf vor. Der erste Artikel sezt rede Provinz, die sich gegen Don Pedro IV. empören wird, ausser dem Geseze. Der zweite verur- theilt jedes Individuum, das mit den Waffen in der Hand ergriffen wird, erschossen zu werden. Der dritte sezt in jeder Provinz Militär-Kommissionen ein. Der General Claudino endigt seinen Vortrag damit, daß er die beiden Familien Silveira und Pinto als die Urheber des Aufruhrs anklagte. Die Majorität der Kammer gab diesem Gefezentwurf Beifall, und er wurde einer Kommission zur Berichterstattung überwiesen. P r e u s f e n. Berlin , den 21. Febr. Se. M. der König haben, mittelst allerhöchster Kabinetsordre vom 4. d. M., zu bestimmen geruhet, daß, obwohl die Wahl unter den für die diplomatische Laufbahn sich meldenden jungen Leuten, nach wie vor lediglich dem Chefdcs Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten überlassen bleibt, diese in Zukunft doch ausschließlich aufsolcheIn- dividuen fallen solle, die nach zurückgelegten dreijährigen akademischen Studien und bestandener Prüfung Ein Jahr bei einer Provinzialjustiz und ein zweites bei einer Lan- deS-Administrationsbehörde gearbeitet und hinsichtlich ihrer erlangten Gefchastökenntniß hinreichende Amtszeugnisse aufzuweiseu haben. Gleichzeitig aber ist allerhöchsten Orts festgesczt worden, daß der Anstellung der zum Dienste im Ministerium der auswärtige» Angelegenheiten unter obigen Bedingungen zugelassenen Personen in Zukunft jedesmal eine im Ministerium selbst zu bewirkende schriftliche und mündliche Prüfung der resp. Bewerber vorangehen, und bei dieser auch insbesondere mit darauf gesehen werden solle: daß dieselben die Kenntniß der inner» Verwaltung, des Kultur - und gewerblichen Zustandes und der vorzüglichsten Handelsin- teressen des Vaterlandes besizen. Schweiz. Die Regierung des Kantons Wallis hat allen jungen Leuten von 24 Jahren daS Tabakrauchen verboten. Spanien. Madrid, den ly. Febr. Zwei Regimenter leichter Infanterie, daS erste und vierte, die dieser Tage aus Aragonie» und Catalonien zu Madrid angckommen sind, sollen mit dem fünften, das schon lange in dieser Hauptstadt garnisonirt, nächstens an die portugiesische Gränze 347 marschiren, um die Observations-Armee des Generals Carsfield zu verstärken. Das vierte hat viel durch die Kälte gelitten; über 50 Soldaten sind unterwegs halb erfroren zurückgeblieben, und einige gestorben. Am er i k a. (Brasilren.) Zufolge der neuesten sehr glaubwürdigen Nachrichten beläuft sich die dermalige Bevölkerung von Brasilien auf ungefähr 5 M>ll. Menschen, worunter anderthalb Millionen Weiße sind. Das Land theilt sich m 19 Provinzen, 6 Bisthümer und 1 Erzbisthum. Verschiedenes. Die in der Nummer vom 2ü. Febr. der Karlsr. Ztg. unter der Rubrik: Königreich beider Sizilien, gegebene Nachricht, ist dahin zu berichtigen: 1) Die Handschrift deö Philvdcmus ist kein kürzlich m Herculanum aufgefundenes Manuskript, sondern ein Stück des bekannten Fundes von 1750- 2) ES ist nicht die Politik des Aristoteles, die in dieser Handschrift dem Thevphrast zugeschrieben ist, sondern die Oeconomik, die bekanntlich schon längst mit Wahrscheinlichkeit dem Aristoteles abgesprochen wurde. Die Notiz findet sich in dem genannten Buche, vlfioi- »a fio'xsxivi, äesvritta «lsl canonieo Andres sie llorio, und lautet S. 63 wörtlich so: "IMrloclemi.I)o vitiis stelle opposil,i5 virtnübus oornm^uo sufisoctis "Ist». IX, Irr k/uejto paproc» l'Loonorrrrer clr "tele ö crktorburta envcrwaltuns. Rochlitz. Karlsruhe. (Haus-Versteigerung.) Dazu der unlängst staugefundenen Versteigerung des vormaligen — an der Ecke der neuen Adler - und Zähringer-Slraße gelegenen — PostgcbäudeS ein Nachgebot gemacht worden ist, so soll dieses Gebäude zum drittenmal, unter RaUfikationS - Vorbehalt, auf Steigerung gesetzt, und solches wieder aus dem hiesigen Rathhause am Mittwoch, den 7 März d. I., um 5 Uhr Nachmittags, vorgenommen werden Die Mrkalifsbcbingunzcn und der Plan deS Hauses können auf diesseitiger Kanzlei eingesehen werde». Karlsruhe, den 26. Februar 1627 Großherzogiiche Oberpostdirektion. Frhr. v. Fahnenderg. Vät. F i ß. Tübingen. (Aufforderung.) Da das Rittergut Leinstetten und Betkenhauscn, Oberamis Sulz, von den bis« herigcu Eigenibümern verkauft worben ist, so werden zum Behuf der Verweisung LeS Kausschillings die Gläubiger derselbe» ausgesordert, ibic Ansprüche, und zwar diejenige» an die drei Baronen von Forstner, Vater und Sühne, und a» den Grafen und die Gräfin von ÄbnigSegg, bei dem Kbnigl. DberamtSgericht Sulz, diejenigen an die Gräfin v. Sponcck hingegen bei der unkerzeichiicten Stelle, bei welcher auch das Debilwesen ihres Gatten, des Grasen von Sponeck, anhängig ist, beiderseits längstens hiS zum 10. April d. I., alS an welchem Tage die Aufnahmeprotokolle werden geschlossen werden, um so gewisser geltend zu machen, als diejenigen, welche sich bis dahin nicht werden gemeldet haben, von dem erzielten Kaüfschillinz keine Befriedigung mehr werben erhalten kbnnen, sondern an daS ausländische Gericht deS Wohnorts ihrer Schuldner werden verwiesen werden müssen. So beschlossen im Zivilsenat des Kbnigl. Würtcmbergischen Gerichtshofs für den SchwarzwalbkrctS; Tübingen, den 27. Febr. -ür?. v. Tesrz! i. DttleM und Druck»; P. Macklot.