a r l s r u h e r Zeitung. Nr. 102. Donnerstag, den 12. April 1827. Hannover. (Paderborn.) — Frankreich. — Großbritannien. — Dcstreich. — Preuffen. (Berlin. Bonn) — Griechenland.— Verschiedenes. Hannover. Paderborn, den 6. April. Der Bischof von Paderborn, Friedrich Klemens, hat, bei Übernahme seines BisthumS, einen vortrefflichen Hirtenbrief an seine Diözesanen erlassen, aus welchem wir folgende Steile, welche die religiöse Erziehung, diese wichtigste Angelegenheit deS Lebens, betrifft, auSheben: "Die Gymnasien und höher» Lehranstalten sollen Schulen eines christlichen Sinnes und Wandels und religiöser Bildung seyn. Alle Zweige deS menschlichen Wissens sind in neuerer Zeit erweitert und vervollkommt ^ worden, und indeß die Schulbehörden den regen Eifer der Lehrer und Schüler vielfach >n Anspruch nehmen, darf der Lehrer deS Evangeliums, der geistliche Oberhirt und Bischof, nicht schweigen bei dem, was seines Amts ist. Während auf den Gefilden von Hellas und Latium die studirenden Jünglinge die Weisheit, Kraft und den Heldenmuth einer grauen Vorzeit bewundern und ihnen nachzuahmen lernen, soll ihnen daS heil. Land, und der, der im h. Lande lehrend und segnend wandelte, und von dessen Gränzen her uns daS Heil aufgegangen, nickt unbekannt, sollen ihnen die heilbringenden Lehren des Evangeliums nicht fremd bleiben; während aus heidnischer Vvrwelt ihnen Muster und Beispiele zur Bewunderung und Nacheiferung aufgestellt werden, sollen , sie auch an GlaubenKhelden christlicher Vorwelt, au der ! Standhaftigkeit und Ausdauer apostolischer Männer und ! an christlichen Helden, die mehr als Mauern, die sich ^ selbst in hoherSelbstverläugnung besiegt haben, dasEr- ^ ue, was Nvth lhut, die Kraft des Glaubens bewundern und nachahmen lernen. Das Eine soll geschehen , aber i auch daS Lindere nicht unterlassen werden. Vor Allem ! aber sollen sie hingewiesen werden an ihn, den Anfänger und Vollender unsers Glaubens, an ihn, der war, ist und bleibt in Ewigkeit derselbe. Hebr. 13, g. — Er hat die Worte des ewigen Lebens. Joh. 6, 6Z. 'Aber nicht in den Schulen und öffentlichen Bil- dungsanstalken allein erblühet daS Glück und das Heil der Mit - und Nachwelt: die häusliche Erziehung ist die eigentlichste Schule des Lebens, und eine fromme Familie Sic eingreifendste Erziehungs-Anstalt, in der die werdende Menschheit für daS Eine, was vorzüglich Nvth thut, für das Reich Gottes, erzogen wird; darum ergeht dann auch an euch, ihr Aeltern und alle, die ihr Ael- ternstclle vertretet, der Ruf eures Seelenhirten , suchet zuerst daS Reich Gottes mit euer,, Kindern und für dieselben, alles Ander« wird euch werben » Frankreich. Paris, den 10- April. Gestern war der KurS der Sprozent. konfol. zu 100 Fr.; ioo Fr, 5, 10, 5 Cent. — 3prozent. konfol. 70 Fr. 80, 73, 80 C. — Banke aklien 2022 Fr. 50 Cent. — In der Etoile liest man folgenden Artikel: Wir werden unsere Einbildungskraft nicht sehr an» strengen dürfen, noch schwere Diskussionen auSzuhalren haben, um daczuthun, wie falsch die Hoffnung der Feinde der Ordnung auf daS den Gefezentwurf über die Polizei der Presse betreffende Gutachten der Pairökammer ist. Wir dürfen bloö zitircn, was der lezte unter den Kopisten ebensogut, als wir, hätte thun können, und gestehen gerne, daß ein solches Geschäfte minder ruhmvoll als nüzlich scy. Die Opposition in der Pairskammer ist bekannt genug, um zu wissen, daß die 3 Redner, die man als ihre Anführer bezeichnen kann, unlängst Minister verschiedener Departement«: gewesen sind. Im I. 1820, einige Tage nach dem unseligen Ereigniß, das Frankreich in den tief, sten Sckmcrz stürzte, verlangte man für eine Zeit lang die Zensur, so sehr war man von der Wahrheit durchdrungen, daß der Preßfrechheit kräftig gesteuert werden müsse. Der verruchte Meuchelmörder, dessen Gläuelthat man bestrafte, hatte seine ganze Wuth aus den aufwieglerischen Schriften geschöpft, womit Frankreich schon überall überschwemmt war. Der edle Pair, der noch für einige Augenblicke daS Portefeuille des Innern besaß, drückte sich also aus: "Dieses Verbrechen ist die abscheuliche Frucht der unt seligen Grnndsäze, der die gesellschaftliche Ordnung umstürzenden Lehren, die mit so vieler Frechheit gepredigt werden, seit den Journalen jeder Zaum abgenommen wurde. Die Erfahi-ung bewies uns die Ohnmacht der richterlichen Sprüche .... Diese grausame Belehrung hat uns zu schmerzlich dargethan, daß die Gescze, die bloS Einhalt thun , unzulänglich sind, und daß das Beste der Gesellschaft solche erheische, die vorbauen, und der zu sehr erprobten Ohnmacht der Gerichtshöfe abhelfeil.» (Moniteur vom 16. Febr. 1620, Seile 190.) Die Schicklichkeit der Zensur ausgenommen, die damals schlechterdings nothwendig seyn mochte, und die man jezt nicht fordert, Wer sollte in diesen Worten der Verwaltung der hohen Polizei nicht das Unheil erkennen , welches in jener Zeit, wie heut zu Tage, die zügellose Herausgabe fv vieler gefährlichen Schriften, vernr» 566 sachte, die zulezk das gräulichste aller Verbrechen erzeugten ? Ein anderer Redner, berühmt genug in den Funktionen dreier aufeinander folgenden Mrrustcrren, jprach über den nämlichen Gegenstand, wie folgt: 'Die Regierung, sagt man, ist herrschsüchtig; sie sehnt sich nach den Süßigkeiten derWillkühr! Wahrlich, meine Herren, Jene können sich auch einiges MrilheS und einiger Hingebung rühmen, die sich nicht scheuen, für den Dienst deS Königs zu trozen diesem Hagel grober Spöttereien, mehr oder minder geschickter Einflüsterungen , welche blos bezwecken, die redlichsten Absichten zu entstellen und ich darf sagen die tugendhaftesten Entschlüsse zu verlä «»ndcn. Ja, meine Herren, xg bedarf «Niger Lugend, in welcher Zeit man auch leben mag, um der Macht deS TagcS Troz zu bieten. Und Wer von Ihnen weiß nicht, wo diese Macht unter uns ist? Gehört sie nicht den Schriftstellern, die täglich einen guten Namen — bald Diesem machen, bald Jenem zernichten? Sie gleichwohl sind eS, die wir in ihren furchtbarsten Verschanzungen anzugreifen wagen, und wenn auch heute der Sieg auf unserer Seite ist, glauben Sie, daß wir nicht wissen, wie sehr ihr Haß lhälig und beharrlich ist«? (Moniteur vom 2t. März i820, Seite 2Lo.) "Man warf, nef weiters dieser edle Paw, auf dieser Tribüne mir öfters vor, die Willkühr-Herrschaft begehrt zu haben; Ja, meine Herren, ich drückte mit Freimüthig« keit aus, waS ich für nothwendig erachtete, verbarg nicht, bei welchem Umstand ich diese Willkühr begehrte, und ich halte mehr als jemals sie für nöthig, um die Ruhe des Staates und der Gesellschaft zu sichern«. (Moniteur vom 31. März 1820, S. 400.) Es bedarf hier keiner großen Anstrengungen, um die wirkliche Anwendbarkeit aller dieser, zugleich so geistreichen und so energischen Züge fühlen zu machen. Die Farben sind noch so lebhaft und so frisch, daß man keines neuen Firnisses bedarf, um sie wieder aufzufrischen. Minister voll Muth, und durchdrungen wie der Redner von den reinsten Absichten, sind noch aufden Stufen des Thrones, und gottlose und aufwieglerische Schriftsteller schäumen täglich seit sieben Jahren die eckelhafte- fien Injurien aus gegen die Vertheidigcr der legitimen Gewalt, der Religion und der Moral. Hören wir noch einen dritten Anführer der Opposition, der auch Minister war, der gleichfalls jczt Mitglied der Pairskammer ist, dessen Gedäcbtniß die Geschichte unserer Zeit ehren wird, und dessen Beredtsam- keit den Tug'-nden des StaatsmanncS-so viele Reize leiht. Der Hr. Vicomte Lainv, unter den nämlichen Umständen dem Hrn. Royer-Collard antwortend, drückte sich also auS: "Die Ausnahm-Geseze, sagt man, sind wucherhafte Unlehn; ich will diese Definition nicht bekritteln, die, »h sie gleich ein wenig mehr Klarheit bedarf, dennoch schön genug scheinen mag. Ich eile im Gegenteil Mick ihrer zu bemächtigen, um zu sagen, daß, wenn die Gewalt durch so viele Angriffe—und insonderheit von Seiten derjenigen, welche bisher sie zu verlhei- dlgen geschienen Hallen — geneckt, ihr Schuz- und Erhaltungs-Mittel verloren hat, so steht es mit der Gewalt wie mit dem Kredit: so wie man bei gewissen Anlässen, wenn der Kredit geschwächt ist, zu Aulchn seine Zuflucht nehmen muß, u», ihn wieder zu heben; so wie wir Anlehn sahen, welche mit gutem Rechte für sehr wucher- hafl können gehalten werden, und die gleichwohl den Staat gerettet haben ; eben so wird auch - meinetwegen die Lesiultion angenommen daß Ausnahm-Geseze wucherhafte Anlehn sind, wenn die Gewalt dadurch mehr Festigkeit erhält, wenn sie weniger angegriffen und weniger beschimpft wird, und insonderheit, wenn sie mit Hülfe dieses Anlchns der Zügellosigkeit ein Endemacht, so wird, sage ich, auch die Gewalt viel gethan, sie wird ihre» Kredit wieder gehoben haben, und am Ende Diejenigen, die sie bekämpfen, wieder für sich gewinnen« rc. (Moniteur vom 27. März 1820, S. 39b.) (Schluß folgt.) — In der Sizung der philvmatischen Gesellschaft zu Paris am 3t. März zeigte H. Becquerel einige Versuche mit einer von H, Lebaillif vervollkommnet«» Magnetnadel, durch die man im Stande ist, die kleinsten Quantitäten von Eisen, die in metallischen Verbindungen enthalten sind, zu entdecken. Man hat dadurch eine sehr sonderbare Eigenschaft des Wismuths und deS Spießglases entdeckt, die, den Polen der Magnetnadel des H. Lebaillif genähert, auf einen Pol eben so wir auf den andern eine sehr auffallende zu rü ckffv ße „ d e Wirkung hervorbringen. — Aus M aubeuge berichtet man unterm 2ü. März folgenden edelmüthigen Zug: "In einem Wirthshause erhob sich ein Streit; ein Polizeiagent, Namens Duvau- chelle, begab sich dahin; sein Charakter wurde nicht anerkannt; er ward beschimpft und erhielt eine Ohrfeige. Die Sache konnte ernstliche Folgen haben, die Bctheilig- ten fühlten dieß, als sie wieder zur Vernunft gekommen. Man wollte sich vergleichen; Duvauchelle willigte ein, und forderte 40 Fr. Kaum halte er sie erhalten, als er zu einer unglücklichen Mutter eilte, die in Kindesnöthen lag, und welche den Tag vorher ihren Mann, und mit ihm ihre einzige Stüze verloren hatte. "Hier, liebe Frau, sagte er zu ihr, und überreichte ihr 20 Fr., in meinem Leben hat mir nichts eine größere Freude gemacht, und ich wollte mir um diesen Preis jede» Lag eine Ohrfeige geben lassen.« Dieser achtungswürdige Mann begab sich hierauf zu andern Unglücklichen, und vertheilte diese Summe, deren er vielleicht selbst am meisten bedurfte, bis auf den lezten Heller.« — In der Lyoner Zeitung und der Etvile liest man folgenden Artikel: "Wickdmmt's, daß alle Ehren, welche eine gewisse Parter durchaus den Lodtcn bezeigen will, in die Augen fallen — nicht wie Ehrfurcht, sondern wie Aufruhr? Um das Volk unruhig zu machen, um tumul- tuarischr Aufläufe zu erregen, können denn die Häup.t, linge der Noltirer nichts in den gewöhnlichen Dingen des 567 Lebens finden, und bedürfen sie schlechterdings eines Sarges, um Aufruhr zu erregen? Seit einiger Zeit sind die Leichenbegängnisse ein großes Mittel, um ihrer Feindseligkeit gegen die Regierung Luft zu machen. Man kann den Mann ehren, dessen Tod man bedauert, ohne seine Leiche den Beamten zu entreißen, die bei dem Leichenpvmpe mit Handhabung der polizeilichen Ordnung beauftragt sind. . . Wenn man mit frommer Andacht dem Wagen folgte, der den Sarg trägt; wennmangien- ge betend für den Verstorbenen, dann würbe man Nichts sehen", was der betrübenden Szene gliche, wovon Paris Zeuge gewesen ist: Menschen wükhig, scheltend mit vielem Tumult an der Pforte einer Kirche, einen Sarg, den das Volk und die Soldaten sich wechselseitig entreißen, und der endlich mit allen Insignien, die den Rang des Todten anzeigten, in den Koth fällt. Wenn die Religion allein den Leichenzug leitet, gehen die Stille und die Ehrfurcht hinter dem Kreuze; allein wenn der Parteigcist zu dem Leichenbegängmß einlädt, alsdann rvird es gestört, der Tumult und die Unordnung eilen herbei, die heiligsten Dinge werden entweiht, und der Schmerz Derjenigen, die weine», wird noch durch den Skandal vergrößert, den die Leidenschaften herbeiführen., — Die Etoile vom 10. zählt unter die Lügen des Tages: Die vom Constitutionnel, dem Courier francais Wid der Quotldienne gegebenen Nachrichten überdieÄb- sezung des General Monet (der die portugiesischen In- stirgenken-Flüchtlinge entwaffnete), die Vermehrung der 1a1>1o etalalissvmvnt. lls proiuiuettsut lle t'ournir les memes ouvrages czuo evur tle 1a llito» labri'c^ue au^ prix Io plus möllere», et ils i sv eliargent llo vonkeotioiiner los voituros lle touts espoev , czu'on voullra dien leur commanller. liien ns sera nvzlige pnur meriter 1a coutlanev llout on voullr» Irren les Ironorer. Rastatt, llans 4 vril 1827. lloan I'ritL, serrurier et mareclial. lloan Oattung, cliarron. Amalienbad, bei Danach. (Anzeige,; Unter- zeichnelcr gibt sich hiermit die Ehre einem hochverehnichen Publikum anzuzeige», daß tedcn Samstag frisches Backwerk, so wie auch Harmoniemusik bei ihm anziitkeffen scy, und versichert gute und billige Bedienung. Jakob Weiß irr ge ir. BrrkLer mrd Drucktp; P. Wackist.