a r l s r u h e r Zeitung. Nr. 356. Montag, den 24. Dezember 4827. Balern. — Würtembcrg. — Frankreich. — Großbritannien. — Sestreich. — Portugal. — Rußland. — Türkei. — Griechen« land. — Verschiedenes. B a l e r n. I. M. die verwittwete Königin von Baiern statte- ten zu München am 17. Dezember Sr. kdn. Hoh. dem Prinzen Karl einen Besuch ab, Hbchstwelcher, von einer Unterleibsentzündung bedroht, durch frühzeitig angewen- dcte Mittel sich wieder auf dem Wege der Besserung befindet. Am lg. speisten Ihre Majestät, nebst den Prinzessinnen Marie und Lousse köu. Hoheiten, bei Ihrer königt. Hoh. der Frau Herzogin von Leuchlenberg. Die Adresse Ihrer Majestät nach Würzburg war auf den Li. Dez. bestimmt. — Das kön. baier. Regierungsblatt enthält eine Be- kaimtinachung der kön. StaatSschulden-TilgungSkommss- fion, die Rückzahlung der Obligationen des allgemeinen LandanlehenS vom 1. Februar Iglo betreffend. — Der den Ständen von der Regierung vorgelegtrGe» sezeisswurf, betreffend die neue G e w er b st e uer, trifft dieEmkünfte aus Handwerken und Gewerben, aus Handel, Manufaktur« und Fabnkbeirieb; aus jeder Art Kunst- und wissenschaftlicher Thäcigkeit, aus allen nicht verbotenen Erwcrbsartcn, welche nicht durch die Häuser-, Grund- und Erwerbsteucr belegt sind. Dienstboten, Lehrlinge, Minderjährige, Frauen ohne selbstständigen Nahrungözweig, A'moseuträger, Kapitalien sind ausgenommen. Der Maßstab ist der Tvtalbetrag der Jahres- Einkünfte nach Abzug der nöthigcn Geschäfts-AufwandS- kosten. Die Ausmittlung geschieht durch kontrollirle sum- marischeDeklaration. — Die Gegenstände derErw erbsteuer sind: Erwerb auK gewöhnlichem Taglohn; Besoldungen, Dienst Emolumente, Akzidenzien in Geld, Naturalien und Nnzungen, Pensionen und Ruhegehalt« der Privat-, Gemeinde-, Kirchen« und StiftungsSie- ner; Leibrenten, Appanagen, AuSträge, Präbenden, Pfründen und ähnliche Bezüge, welche zu keiner Dienstleistung verpflichten. Ausgenommen sind: Besoldungen, Pensionen, Ruhegehalte der Hof,, Staats - und Mili- tärdiener; Pensionen und Alimentationen der Hinterlas- srnen aller 2lrt; Appanagen und Witthulue aus der Staatskasse. W ü r t e m b e r g. Durch ein Rescript, datirt vom 20. Dez., haben Se. M. die Einberufung eines ausserordentlichen Landtags anbefohlen, und die Eröffnung desselben auf den iS. Januar rLSL festgefezt. Frankreich. Pariser Börse vom 2l. Dez. (um 2'4 Uhr.) Sprvzent. konsol. lüt Fr-, öo C. — Sproz. konsol. 67 Fr. 65 Cent. — Am 2o. begaben sich JI. EE. die Minister, . so wie auch die Botschafter und Minister der fremden Mächte, in daö Palais Elysöc Bourbon, um Sr. k. H. dem Jnfanten Don Miguel ihre 'Aufwartung zu machen. Der H. Herzog von BlacaS, Oberstkammerjunker, der H. Herzog von Grammvnt, Kapitän der Leibgarden, und die HH. Großoffizlere des königlichen HauscS verfügten sich Nachmittags gleichfalls in.daSElysve Bourbon, um dem Prinz-Regenten von Portugal ihre Glückwünsche und Huldigungen darzubringen. Se. k. H. der Herr Dauphin fuhren Nachmittag- um 4 Uhr in einem Stadtwagen auS, um Sr. k. H. Don Miguel cmen Besuch zu machen; der Dauphin war von dem Hrn. Herzoge von DamaS begleitet. I k. H. Madame, Herzogin von Berry, werden nächsten Sonntag, bei Gelegenheit deS Aufenthalts Sr. k. H. des Jnfinten Don Miguel zu Paris, eine glänzende Soiree geben. Heute ist der Prinz. Regent von Portugal um halb neun Uhr Morgens in die Tuilerien gefahren. Um drei Viertel auf Y Uhr fuhren der König, der Herr Dauphin und der Jnfant Don Miguel nach Versailles. Im Wagen deS Königs saß der Jnfant neben dem Könige; ge, genüber saßen der Herr Dauphin und der Herzog von Grammont. — Die Revvluzivnen kommen niemals als von oben. Troz der Macht der Meuterei-Ideen in Frankreich, konnte man ohne Besorgniß wegen des Schicksals der Monarchie sryn, so lange die Stände, welche die Vorsehung bestellte, dl» gesellschaftliche Ordnung zu erhalten, die Revolution als Feindin betrachteten. Die neuesten Angriffe gegen das Ministerium, deren eigentliches Ziel die königliche Gewalt ist, hätten also nichts Beunruhigendes, wenn die Erhaltungs-Elemente, welche die Monarchie in ihrem Schoost bcsizt, der Ansteckung von revoluziv« nären Ideen unzugänglich blieben. Allein es wäre Alles zu fürchten, wenn die Hinneigung zu einer parle» mentarischen Opposition unter daö Panier der Rcvolu- zion Diejenigen fortreissen könnte, welche die Ersten in der gesellschaftlichen Ordnung nur unter der Bedingung sind, dieses Königthum, das mitten unter den Leidenschaften der Menschen nicht isolirt bleiben darf, zu ver, thrtdigrn. 1986 Diese Betrachtungen werden uns durch die Hoffnung «ingegeben , welche die Journale der Revolution auf Namen gründen, die biS jczk unter den Vcrlheidigern der Monarchie geglänzt hatten. Wenn diese Hoffnungen ge- gründet wären, so müßte man die Verblendung derjeni« gen beweinen, die 30 Jahre voll persönlicher Trüvfale nicht belehrt, und die alle Phasen der Revoluzion mit «riebt hätten, ohne sie zu begreifen und gewiziget zu seyn. (Gazette de France.) — In der Gazette de France vom 21 . Dez. liest man folgenden Artikel: "Ganz fr anzdsiscbe Erfindung deS Cvurrier- Franaais. "Eine fremde Regierung, in die innern Angelegenheit ten Frankreichs fick ernmischend, hat an die unsrigc so «ben Vorstellungen über die Tendenz der öffentliche» Meinung und über das Resultat der lezten Wahlen ge» schickt. Diese Art von Vormundschaft schien uns anfangs eine zu ernsthafte Sache, um daran glauben zu können: genauere Eikundigungen erlauben unS nicht mehr, daran zu zweifeln., — Der gelehrte Streit zwischen den Anhängern des alten und neuen Systems der Heilmethode des Blafen- steinS entscheidet sich nach und nach gegen Hrn. Dupuytren zu Gunsten deö Steinbohrers, und zwar aufdcm entscheidenden Wege der praktischenAusübung. Es werden nämlich immer mehrere Beispiele von glücklich vollbrachten Kuren durch bas neu erfundene Instrument, und zwar auch durch andere Aerzte als den Erfinder, Hrn. Eiviale, bekannt. — Der Graf Joseph von Puisaye, General-Lieutenant, Großkreuz deS St. LudwigS-Ordens, ist zu Ham- mersmilh, bei London, gestorben. Es war der Graf von Puisaye, der im I. 1793 in der Bretagne, in Maine, Pcrch« und einem Theil der Normandie gegen den Konvent einen Aufstand erregte. Er befehligte die Royalisten bei der unglücklichen Expedition von Qmbe- ron. Der Graf von Puisaye ist auch bekannt durch seine Schriften über den thlcrischen Magnetismus. Lyon, den ig. Dez. Auf dem Cölestiner-Plaze sind diesen Abend schwere Unordnungen vvrgcfallsn. Bekanntlich ist eine Schildwache, welche der Militärposten dieses Quartiers liefert, an der Thüre deS Theaters aufgestellt. Gedrängt von der Menge und nachdem sie vergeblich die sie umringenden Personen eingeladen hatte, sich zurückzuziehcn, sah sich die Schildwache gezwungen , den Anführer des Postens, der ein Serfchant ist, herbeizurufen; dieser kam auch bald dazu. Während derselbe den Volkshaufen, der sich indcß noch vergrößert hatte, wiederholt einlud, die Schildwache nicht zu belästigen, und sie nicht zu zwingen, von ihrem Gewehr Gebrauch zu macken, erschallte aus einer der Gruppen der Ruf: Der Serfchant hat seinen Säbel gezogen und Jemand verwundet. Diese völlig falsche Meldung, weil der Serfchant nicht einmal die Hand an den Griff seines Säbelö legte, zirkulirte bald in »rn andern Gruppen, und war das Signal zur Unordnung. Gleichwohl ist einer von den Ordnungsflörern, welcher der hizrgste schien, von dem Polizei-Kommissär Seon verhaftet und auf die Wachstube geführt worden, wohin eine unzählige Menge ihm folgte, bewaffnet mit Steinen, die sie vor einem im Bau begriffenen Hause, am Ecke der Straße Cvuderc, aufgegriffen hatte. Sogleich wurde ein Steinhagel gegen den Militär-Posten, der vor der Wachstube unter daö Gewehr getreten war, geschleudert, sodaß er sich gezwungen sah, in die Wach« stube, deren Fenster man cinwarf, hinein zu flüchten» Zwei Adjutanten des Hrn. General-L>eukenants wurden nut Sieinwürfen anqefallen und getroffen; der eine wäre beinahe am Kopfe schwerverwundet worden. Dies« aufrührerischen Handlungen waren von nicht minder sträflichem Geschrei begleitet: Man hörte deutlich daS Geschrei: "Jn'ö Wasser die Chasseurs! Nieder mit den Offizieren! Nieder mit den Adjutanten!« Das erste verhaftete Individuum wurde durch den Pöbel wieder befreit. Nachdem später Verstärkung von Kavallerie angekom- men, ließ man den Plaz säubern und die Kaffeehäuser schließen. Secks von den Ruhestörern konnten jezt ergriffen werden ; Einer unter ihnen schrie: "Kommt mir zu Hülfe, meine Freunde! werdet ihr mich fvrtführen lassen,? Gewiß lst, daß ohne den Beistand deS Chasseur- Letaschemcntcs eS unmöglich gewesen wäre, die Verhafteten in's Gefängniß zu führen. Wir vergaßen zu sagen daß der obenerwähnte Serfchant von einem Steine, den Einer von den Rottirern zu Anfang der Meuterei nach ihm geschleudert hatte, so heftig getroffen wurde, daß er in die Arme eines Offiziers fiel, der sich hinter ihm befand. Elf Uhr Nachts. — Der Cölestiner-Plaz ist völlig geräumt: Truppen, auS Karallerie und Infanterie bestehend, besezen dis Zugänge; all-S scheint ruhig. Großbritannien. London, den ly. D-z. (Durch ausserordentliche Gelegenheit.) Lord Harrvwby hat, bei seiner Zusammenkunft Mit Sr. M. zu Windsor, die Stelle eines Premierministers abgelehnt. Ließ legt dem Lord Gvde- rich eine Art von Nvthwendigkeit auf, sein Amt ferne« zu behalten, bis daß fein Nachfolger ernannt ist- Dle Freunde Lord Goderrcbs gebe» sich alle Mühe, ihn zu bewegen, noch einige Zeit an der Spize der Staats» gesckäfte zu bleiben. Lord Dudley hat sich gestern nach Windsor zum Könige begeben. Dieser Besuch hatte wahrscheinlich Bezug auf die neue Mmister-Ernennung. O e st r e i ch. Wien, den 16. Dez. Metalliques 83/^; Bankaktien 1041 . — Privatbriefc aus Odessa vom 7 . Dez. melden: man habe daselbst auS Konstantinopel Nachricht erhallen, baff die Botschafter der drei Mächte am 1 . Dez. an Bord der zu ihrer Abreise bestimmten Schiffe sich begeben hätten. — Die neueste Statistik deS bstreichischen KaiferstaatS ergibt Folgendes: Die Lombardei und Venedig tzabm 1987 -2 Städte, 281 Burgen aber Flecken und 5401 Dörfer; Dalmazien hat 9 Städte, 14 Burgen und 966 Dörfer ; Tirol und Vorarlberg haben 21 Städte, 32 Bürgen und 1556 Dörfer; Illirlen hat 54 Städte, 57 Burgen und 6Z46 Dörfer; Steiermark hat 20 Städte, 96 Burgen und 3539 Dörfer; Oestreich und Salzburg haben 52 St. , 353 B. und 11,924 D. ; Mähren und Schlesien haben 119 St., 176 B. und 5673 D>; GaUizien und Lvdomirien haben 95 St., 194 B. und 6044 D.; Ungarn, Croazieu und Slavonien haben 62 Sr., 644 B. und 11,635 D.; Transilvarnen hat 13 St., 64 B. und 2566 D.; die Milrtärqränzen von Bannat, Slavo- nicn und Croazicn haben 12 St., 1Z B. und 1715 D. Totalsumme 765 St., 2201 B. und 67,025 D. Die Tvtalsumme der Wohngebäude beläuft sich ungefähr auf 4,300,000. Die ganze Monarchie umfaßt 12,153 geographische Quadratmellen- Im Durchschnitt kann man auf jede Stadt 15/, geographische Quadratmeilen, auf jede Burg 5'/, geographische Quadratmeilen, auf 5'/, Dörfer 1 geographische Quadratmeilr und auf 353^'z Wohngebäude 1 geographische Quadratmeile rechnen. Portugal. Lissabon, den 5. Dez. Die Infantin Dona Anna Jesus Maria, jüngste Schwester der Infantin Re- gentln, hat so eben den Markts von LouU6 geheirathct. (Gazelle de France.) R u ß la nd. Odessa, den 24. Nov. Hier ist man auf die nächsten Ereignisse sehr gespannt; man bemerkt Anstalten, welche einen nahen Ausbruch des Kriegs erwarten lassen. Das sechte KcrpS, welches am Dniester gelagertwar, hat seine Kantonnements verlassen, und ist vorwärts gegen die Lonaumündunge» marschirt. Graf Wittgenstein hat einen TagSbcfehl erlassen, derben verschiedenen Korps- und Divisions-Kommandanten ancm- pfiehlt, mit größter Strenge darauf zu sehen, daß die Truppen und das Kriegsmaterial sich »m Stande befindet, auf den ersten Befehl den Feldzug eröffnen zu können. Der Genera! en Chef hat selbst die zum Ueber- gang der Donau bestimmten Pontons in Augenschein genommen, und seine Zufriedenheit darüber bezeigt; sie find nach einem neuen Modell sehr einfach gebaut, und können leichter als die bisher angewendeten tranS- pvrlirt werden. Auch ist eine neue Art sogenannterCon- greve'fcher Raketen hieher gebracht worden, die dem sechsten Korps zugegeben sind, und im nächsten Feldzuge ihre Probe machen dürften. — Wir lesen einen Artikel der deutschen Petersburger Zeitung, der in der hiesigen russischen einen Plaz gesunden hat, und in Form eines Manifestes der Nazion an die Regierung abgefaßt ist. Er geht daraus hinaus, den Kaiser zu bewegen , die Sache der Griechen schnell zu beendigen, und daS Schwert für die Glaubensgenossen in die Waagschale zu werfen. — Der Graf von Pahlen will in einigen Tagen ein» Inspektions-Reise im Gouvernement unternehmen. (Mg. Ztg.) Türkei. Jassy, den 16. Nov. In unserer Stadt wird man durch den Anblick vieler fremden Uniformen, die unreine Invasion anzukündigen scheinen, ungewöhnlich über* rascht. Viele russische Offiziere kommen täglich hieher, um ihre Einkäufe zu besorgen, und kehren zu ihrer nahe an der Gränze ausgestellten Armee zurück. Wir sind dadurch ziemlich genau von Allem, waS dort vorgeht, unterrichtet; man versichert uns, daß Graf Wittgenstein. Befehl habe, ohne weitere Ordre von Petersburg zu erwarten, die russische Gränze zu überschreiten, sobald ihm die Ankunft deS Markis v. Ribeaupierre zu Odessa mit Bestimmtheit bekannt wird. Graf Wittgenstein besichtigt unausgeftzt die Linien der in drei Treffen aufge- siellien Armee, wovon daS erste die Gränze der Fürsten» thümer berührt. Graf Wvronzow wird von Petersburg erwartet, und man nennt ihn noch immer als General en Chef der gegen die Türken bestimmten Armee. — Die Lebensmittel sind hier sehr im Preise gestiegen. All« Getrerdevorräthe wurden durch Spekulanten aufgekauft, und schon beginnen die traurigen Folgen des Getreidewuchers sich zu zeigen, da die angesehensten Personen sich diesem Geschäfts hingebcn. Mehrere fremde Han, delöhänscr, die seit vielen Jahren hier Kvmmanditenha, ben, fangen an, sich auS den Geschäften zu ziehen, und scheinen ihre hiesigen Verbindungen aufgeben zu wolle», Griechenland. Triest, den 16. Dez. Es bestätigt sich von mehreren Seiten, daß Admiral de Rigny die griechische Flottille bei Scio verbrannt hat, nachdem er sie vergeblich aufgefvrdert, die Feindseligkeiten cinzustellcn, welche sie ausser der Linie (zwischen Milo und Lepanto) , die von den alliirten Admiralen zu Führung des Krieges zwischen der Pforte und den Griechen vvrgeschrieben ist, auszuüben fortsuhr. Obrist Favowi ist svnach auf Scio, wie Ibrahim Pascha auf Morra, seinem Schicksale überlassen. Man erwartet mit Neugierde nähere Berichte. Verschiedenes. Die Breslauer Zeitung empfiehlr zu Beseitigung d« Einathmnng des der Gesundheit so nachtheiligen Dampfe» der Lampen mit dem unreinsten Oele in den enge« und niedrigen Stuben während der langen Winter-Morgen und Abende, vorzüglich auf dein Lande, eine einfache, wohlfeile Vorrichtung. Sie geht dahin, diesen Dampf aufzufangen , ehe er sich in der Stube verbreitet. ES wird dazu ein viereckiger oder runder Teller von Eisenblech oder auch von Thon über die Sp-ze der Lam- penssamme auf drei mit eisernen Nägeln beschlagenen Hölzern, die Höhlung auswärts gekehrt, ausgestellt. Der Dampf sezt sich dann an dem Teller fest. 1988 Theate r-Anzeige. Miitlvoch, den 2ü. Dez.: Die beiden Sergean- ien, Schauspiel in 3 Akten, nach dem Franzbsir schen des Aublgny, von Th. Hell. Hierauf: DaS Milchmädchen, ländliches Lallet in L Akt, von E. Weidner. Karlsruhe. sMuseumH Nächsten Freitag, den »st. d. M., ist der 3 ie Bail im Museum. Der Anfang ist um 6 Uhr. Karlsruhe, den,4. Dez. 1827. Die Museums-Kommission, Radolphzell. sRaubmord.) Am abgewichenen Gomiiag, den 16, d, M., Vormittags zwischen 8 5/4 d>s 10 Uhr, während dem Gottesdienste zu Oehningen, wurde auf dem Schlosse Oberstaad, am Rocin gelegen, bei der Abwesenheit des Herrn Haupimann v. Lenz und dessen beiden Dienst, doicn, dessen Fräulein Tochter, in einem Aller von 20 Jahren, in der Wohnung und Jngebäude des Schlosses, aus eine schaudervollc Art und Weise, nunelst beigebrachten Kopf, wunden durch einen eiserne» Hammer (von der Art der Len- gelhammer, woraus eine Rose eingeschlagen ist, und welcher unten einen etwas verbrannten Sliel hat), wobei der obere Schädel und die Kopfbedeckung ganz zersplittert wurde, und durch 6 Dolchstiche in die Brust, gegen bas Herz, gewaltsam ermordet. Der wahrscheinlich zufällig in der Absicht, den Herrn Hauptmann v-L en z zu besuchen,, und an das Schloß gekommene Und dort anläutende Zimmermeister Gregor Gr iß, von Hemmenhofen, durch welchen die Thäier wahrscheinlich im Jngc- bäude aufgeschreckt worden, wurde ohnweir dem Thor, beim vorder» Gatter auf dem Schloßberg, durch Einschnitte in den Hais, so daß die breite Umklassung - Zoll und die Länge der Wunde g Zoll beträgt, eben so gewaltsam als schaudervoll ermordet, und lezterer ist Vater von 2 unerzogenen Kindern. Dem unglücklichen Vater dieses hoffnungsvollen Fräuleins, welches das Bild der reinsten Unschuld getragen, wurden, mit- leist gewaltsamem Aufbruch des Sekretärs, Iheils eigene, thcilS Depositen.Gelber, als F. F. Verwalter zu Kottenhain, entwendet. Dieselben bestehen, was sich bei dem erschütterten Gemüths- justande des doppelt beraubten Vaters erheben ließ: >) In 6a st.; r) In So st: worauf die Ueberschrist: DepositeN'Teldcr von Christian Auer; Z) dann Za st. 53 kr. Depos. Gelder von Jos. Dietze; 4! zwei großen Thalern von Kaspar Pfau; ü) drei großen Thalern von Michael Nesensohn. Dieses Geld soll meistens in ganze» und halben Brabän- ler Thalern, und nur wenigen 24 kr Stücken Münze bestehen. An Kleinodien wurden dem unglücklichen Fräulein Wall- burga in einem Zimmer aus einem doppelten Kleiderkasten geraubt: ») Ein GlaSkästchen mit Vergoldung und vergoldeten Kegel- füßchcn, und einem kupfernen Deckel, welcher mit einem VerS geziert ist. I>) Line goldene Kette, 1 1/2 Elke lang, abwechselnd von filigrane Arbeit und gefaßlen azurblauen, ousrcchlcn oval geschliffene» kleinen Steinen; der mittlere, gleichfalls aufrecht stehende, jedoch weit größere bräunlich« - rbihliche Steln, hat in der Mitte einen weißen alabasternen Ti- ruskopf. 0) Ein paar goldene Ohrcngehänge von gleicher Arbeit; jedes haue in der Mille eine goldene Kugel von der Größe einer Waldkirsche, schwebend an einem Golddealh hängend, anneben hinten und vornen ganz kleine emaillirie azurblaue Verzierungen; diese Ohrcngehänge sind in zwei andere Ohrennnge eingehängt, welche vornen einen ovalen erhabenen Knopf hauen, und weiche ecksteinorüg geschliffen sind. Die Kette sammt dem Ohrengchängc kosteten neun LoutSd'or ä) Lin goldenes Springührchen in der Größe eines ,4 kr. Stücks, ganz giait, auf dem Werk der Name bcS Meisters, welcher nicht angegeben werden kann, und Augsburg; Werih ZZ st. 0) Eure Schnur geschliffener Granaten, etwa 2 Eilen lang; Werth eine halbe Louisd'or ober 5 st. 3 o kr, H Line Haarschiilik, dunkelbraun mir goldenen Einsänker u. mehreren goldenen Schließen, etwa 2 Ellen lang; Werch 5 st. 8) Line violeiblauseidene gestrickte Schnur ohne Werth, auch 2 Ellen lang. ek 8 sämmilich zum Anhängen der Uhr. K) Lin Paar allmodische kleine Shrenringe, jeder in der Mitte einen kleinen Dlamanicn; Werth 22 st. i) Eine goldene Halsklufe, schwarz emaillirr, darauf eine goldene Verzierung, in der Mme einen Krpstali, eckstttn« arlig ausgkschliffen; Werth 2 st- L) Ein Haarkamm, vergoldet, oben und unten mit WachS- pcrlen; Werth 1 fl. l) Ein goldener Fingerring, den Knopf i» der Mitte einer Granate, und diese mit ganz kleinen Perlen geziert, Werih 5 st; m) Ein ditto mit Haaren, darauf ein doppeltes goldenes Herz mit den Buchstaben ll V. I,.; Werth 5 st. ») Ei» goldener Fingerring, oben ein Diamant ln der Größe einer starken Linse; 12 st. o) Ein Paar schwarze Haarbracelelten, eine Ceintur-Schnalle und Nhrenhaken, sämmilich mit gemeinen Steinen; Werth 5 fl. p) Line schwarze Ceintur-Schnallc; Werth 48 kr. Da wir bei allen uns zu Gebot stehenden strengen Masregeki» bisher die Lhätcr nicht habhaft und zur Einleitung einer Spezial- untersuchung keine Belege haben, so bringen wir diese» Raub- moed mit dem Ersuchen zur öffentlichen Kenntniß, auf die Lbäicr mit aller Strenge zu fahnden, die GMtirhejrer und sonstige Handelsmänner mit dergleichen Kleinodien anzuweistn, falls davon zum Ankauf eingetragen werden, die Anzeige sogleich der betreffenden Behörde zur Ergreifung des Besitzers, «m Einleitung zu machen, und bei enideckicn Jnzichlen bald- gefälligst schleunige Nachricht anher criheilc'n zu wellen. Da die Thäter ohne mit Blut bespritzten Kleidern nicht davon gekommen sepn können, wovon wir uns aus der Inspektion überzeugt habe», so wären von den OrtSvorgesetzlen sowohl a!S von den Behörden bereinige Leute, welche mit Blut besteckten Kleidern gesehen worden sind oder erscheinen, zu verfolgen und anzuhalten, auch wenn irgendwo weggelegie mit Blut bespritzte Kleider aufgekunden, solche genau zu rckognoS» zlren, und unS eben so gefällige als schleunige Nachricht i» geben. Radolphzell, den ,g. Dez. ,8-7. GroßherzoglicheS Bezirksamt, CZ» Morgen erscheint, wegen dem heil. Weihnachtsfesir, keine Kettung. DtlktM und Druckers P- Macklst.