Loeaolirzahlung. G»»zjLdrlIch tier 8 fi.. taibjäbr. lich < S » »«ritz die Post im Sross- brrzogtbum P-de» S st. SO kr. «» 1». 15 k. Karlsruher Zeitung. Einrückungsgebühr. Tic gespaltene Pelitzeil« «der deren Raum 4 kn Briefe und Selder frank». Nr. LSL Montag, den 7. Juni L8LL Deut sch e Bundesstaaten. Oesterreich. Görz, 25. Mai. Die Herzogin von Angoulömc ist noch immer abwesend; sie befindet sich in diesem Augenblick in Gesellschaft von Demoi- sclle sMarieLuise, Mademoiselle d'Artois, Tochter erster Ehe der bekanntlich seit 1832 in 2. Ehe mit dem Grafen Lucchesi-Palli vermählten Herzogin von Berrys in Venedig. Es geht hier das Gerücht von einer in der Unterhandlung begriffenen Vermählung der letzteren mit einem Prinzen von Modena. (A. Z.) Preußen. Berlin, 1. Juni. In Potsdam verweilt die Großfürstin und Ihr erlauchter Gemahl bis zu der auf morgen angcsetzten Abreise zur Einschiffung nach Stettin. Nach dem, was man von den russischen Seeoffizieren vernimmt, dürfte die Zeit nicht mehr fern seyn, womit die Vermehrung der Dampfschifffahrr in unseren Ostseehäfen die regelmäßigen Fahrten aus Kronstadt dahin beginnen würde. Dadurch würde der See - und Landweg über Lübeck bedeutend für die Reisenden, die sich aus St. Petersburg in das südliche und westliche Deutschland begeben, verkürzt und namentlich die Straße vom Landungsort Swinemünde über Stettin, Berlin, Leipzig und Weimar nach Frankfurt a. M. zu neuem Leben und großer Frequenz gelangen. Die Dampfschifffahrt bis Stettin, von da der im künftigen Jahre beendigte Eiscnbahnzug bis Leipzig und anderer Seits zur Benutzung der böhmischen Bäder bis Dresden, bieten den Reisenden aus dem Norden so große Vortheile und Ersparung an Geld und Zeit dar, um nicht bald möglichst davon Gebrauch zu machen. Somit dürfte auch in Beziehung auf das Reiscleben für die betreffenden preußischen Provinzen und ganz Deutschland bald eine neue Aera beginnen.. Von unserer erleuchteten Regierung können wir mit Recht erwarten, ja wir sind sogar fest davon überzeugt, daß sie zu der Fortsetzung des Begonnenen überall die Hand bieten, und daß sie eben so zum Nutzen und Besten im Allgemeinen die egoistischen Pläne und Anträge zurückweisen wird, die darauf ausgchen, den Bau von Zweigbahnen zu verhindern, um das Publikum, den Vortheilen ihrer Spekulationen gemäß, de» längeren Weg auf ihren schon bestehenden Schienenwegen machen zu lassen. Eine solche Stimme, von Magdeburg aus erklungen , ist bereits gehörig gewürdigt worden. (F. I.) — Nach einem statist. Ueberblick(in der„Elberf. Ztg.") betrug im Jahr 1816 die Bevölkerung der Rheinprovinz 1,819,711 Seelen. Das Fürstenthum Lichten, berg (10V, Quadratmcilen) kam 1831 als Kreis St. Wendel hinzu. Mit demselben zählte die Provinz Ende 1831 2,311,597 Seelen; Ende 1837 2,133,119. Am Schluffe des Jahres 1810 hatte die Provinz 2,550,553 Einwohner und zieht man den Kreis St. Wendel mit 36,199 ab, so hat die Bevölkerung gegen Ende 1816 um 661,313 Seelen oder um 35„ Proz. znge- nommen. Von dieser Bevölkerung waren 1,929,660 Katholiken, 593,353 Evangelische, 1318 Mennoniten und 26,222 Juden. Von den fünf Regierungsbezirken zählt der Regierungsbezirk Koblenz 166,180, Trier 158,702, Aachen 382,875, Köln 139,798 und Düsseldorf 802,998 Einwohner. Es kamen von der Gesammtbevölkerung auf das Land 1,892,132, auf die Städte 658,121: und zwar männlichen Geschlechts 1,278,637, weiblichen 1,271,916. Bayern. A München, 1. Juni. Se. Majestät der König wird mit seinen Begleitern, der ursprünglichen Bestimmung nach, schon übermorgen Abends von seinem Ausflug nach Venedig wieder zurückerwartet. Doch wäre es möglich, daß auf die Rückreise zwei Tage mehr verwendet würde» und die Ankunft erst kommenden Dienstag erfolgte. Unterdessen werden hier alle erdenkliche Anstalten seitens der Zünfte und sonstigen Korporationen getroffen, um der Feier deS Frohnleichnamsfestes, an welcher der König in Person Theil nehmen wird, allen nur immer möglichen Glanz zu geben. I. Maj. die regierende Königin erfreut sich noch immer des Besuches ihres älteren Bruders, des Prinzen Georg von Sachsen-Altenburg, nebst dessen Gemahlin. Die ganze königl. Familie macht täglich gemeinsame Ausflüge nach den interessantesten Punkten der Umgegend. — Dem Vernehmen nach haben die Herren im augsburger Magistrat ihr Gegenfesteffen, das sie dem unsrigen schon im vergangenen Winter zu geben beabsichtigten, doch nicht aufgegeben, sondern nur aufgeschoben. Man wird noch einmal essen, trinken, reden — und das Uebrige bei'm Alten lassen, was Alles ganz in der Ordnung ist. — Gestern ist der berühmteste Bierbrauer Bayerns, Joseph Pschorr dahier, im Alter von 72 Jahren gestorben. Sein im großartigsten Maaßstab gegebenes Beispiel, hat uns die riesigen Bierfestuugen, wahre detachirte Forts, verschafft, jene berühmten Münchner Keller, die unsere Stadt auf der Westseite zieren. Seit dem I.Juni sind diese Keller dem Publikum geöffnet und seit eben so lange die Kaffeehäuser u. s. w. leer. — Am Dienstag wurde während der Nachmittagsvorstellung im Schweiger'schen Volks- theater und der Vorstadt Au von einem Unberufenen Feuerlärmen gemacht, und dadurch ein entsetzliches Gedränge verursacht, in welchem verschiedene Personen beraubt, und einige auch schwer verletzt wurden. Eine polizeiliche Untersuchung ist eingeleitct. «« Alchaffenburg, 1. Juni. (Korr.) Nachdem in Folge der auf höchste AnDas Glas Wasser. Historische Noveltette. (Fortsetzung.) Zm Audienzsaale von James angekommen, findet Abigail ihren Geliebten Masham, der eben die Wache hat, und den Vicomte von Bolingbroke, welcher es auf sich genommen, die Briefe des Marquis von Torcy, Abgesandten König Ludwig's XIV. von Frankreich, direkt in die Hände der Königin gelangen zn machen, weil die Whigpartei und an ihrer Spitze die allmächtige Oberhofmeisterin Herzogin von Marlborough jedes zum Frieden führende Einvernehmen mit Frankreich zerstören und Hintertreiben wollen. In dem Billet, welches Abigail von der unbekannten hohen Dame empfangen und hier vorweist, wird die eigenhändige Schrift der Königin erkannt, und der Vicomte bedauert nur, daß die Kleine sich nicht der viel mächtigeren Protektion der Herzogin zu erfreuen habe, ohne deren Genehmigung vie Königin roch keine Entschließung wage. Da erfährt er aus Abigail's Munve, daß diese sich eigentlich Abigail Churchill nenne und, wiewohl in Folge der mißbilligten Mesalliance eines Vetters, doch eine Verwandte der Herzogin sey. Der Vicomte, dem Alles daran gelegen ist, seine Freunde und dienstwillige Personen, die ihm und den Tories Gehör bei der ! Königin verschaffen können, in ihrer unmittelbaren Nähe zu wissen, schließt jetzt mit den zwei scheinbar Unbedeutenden, mit Abigail und Masham, ein Schutz- und Trutzbündniß, verspricht der elfteren durch die Entdeckung ihrer Vewandtschaft zn ordnung k. Kreisregierung wiederholt vorgenommenen Untersuchung unserer hiesigen Mainbrücke sich dargethan hat, daß die an derselben durch den schweren Eisgang im verflossenen Winter verursachten Beschädigungen durch sorgfältige Ausbesserungen in der Kürze und dauerhaft wieder hergestcllt werden können, so werden gegenwärtig die schon früher vom Magistrate der Stadt zweckmäßig eingclciteten Reparaturen mit besonderem Eifer an sämmtlichen beschädigten Theilen der Brücke bethätigt, und wir können dem reisenden Publikum die erfreuliche Mittheilung machen, daß in längstens 3 Wochen dieselbe wieder für das schwerste Führwerk fahrbar und sonach bis dahin dem früheren lebhaften Verkehre völlig zurückgegeben seyn wird. — Die hier zusammengetrctcne Gesellschaft für die Dampfschifffahrt auf dem Maine, die aber, nur für ihre speziellen Vortheile sorgend, dieselbe zwischen Wcrtheim und Frankfurt eingerichtet haben will, hatte eine eigene Abgeordnetschaft abgehcn lassen, um sich den Konsens hiefür in München zu holen; allein diese Deputation war in Würzburg bereits umgekehrt, weil sie des Königs Reise nach Italien vernom- men, und schickte hierauf schriftlich die Bitte an Se. Maj. ein. Da bereits schon länger in den größer» Städten am Maine sich die Idee ausgesprochen hatte, den ganzen Main mit Dampfschiffen zu befahren, und bereits auch in diesem Sinne Vorarbeiten rc. gemacht worden sind, so glaubt man bestimmt, daß Se. Maj. nicht einseitige und partikuläre Konsense, etwa dem Egoismus oder dem Vortheil Einzelner fröhnend, ertheilcn, sondern eine Dampfschifffahrt auf dem ganzen Maine in das Leben rufen wird, welche sich an die kommende Fahrt an Ludwigs großer Schöpfung, dem Kanäle, anschlicßen wird und anschließen muß. Nur wer den hohen Sinn Sr. Maj. mit dieser letztern Schöpfung, gleichsam einem Vermächtnisse Karls des Großen nicht begreifen und beschreiben will, kann bei der obsckwebenden Dampfschifffahrtsfrage auf dem Maine, sich so egoistisch geriren, wie einige hiesige Spekulanten nnd ihr Organ in einem frankfurter Journale. — Der Generalmajor v. Greis, befindet sich, von Würzburg eingetroffen, in unser» Mauern, um vie gewöhnliche Inspektion über unsere Garnison abzuhalten. Neben der kriegerischen Haltung verdient namentlich die moralische Aufführung der Soldaten, trotz der beschwerlichen Hebungen in großer Kälte oder in großer Hitze rc., eine ehrende Erwähnung. — I. Maj. unsere regierende Königin haben als Protektorin des hiesigen Fraucnvereins auf Einsendung des ersten Rechenschaftsberichts desselben, durch ein allerhöchstes Handbillet dem Frauenvercine die vollste Zufriedenheit mit dem bisherige» Wirken desselben allergnädigst auszudrücken geruht. — Vorgefallcne Schlägereien und Trunkenheit mehrerer hiesigen Gymnasiasten nnd weitere Erzeffe anderer Studenten betrübe» die Freunde der Jugend und die Eltern sehr. Nicht in harten Strafen ist die Garantie des Nichtmehrvorkommens solcher Fälle, sondern in einer weisen Leitung der Jugend, welche dieselbe dahin führt, daß sie'von selbst der beste Wächter des Gesetzes ist, den wahren Geist desselben und ihre Stellung in demselben erkennend und fühlend und nimmer wollend und zu- gebend, daß solche betrübende Fälle sich ereignen können. Freie Stadt Frankfurt. Frankfurt, 3, Juni. Unsere gesetzgebende Versammlung beschloß am 22. Mai, daß im I. 1811 die bedeutende Summe von 170,000 fl. von dem Anlehen vom 9. April 1830 durch Verlosung allgelöst werden soll, ein Beweis, daß unser Staatshaushalt in fortschreitender Besserung ist. (S. M.) Kurhessen. Kassel, 31. Mai. Am 2. Juni, also an dem nämlichen Tage, wie in Hannover, tritt auch die kurhessische Ständevcrsammlung wieder in Thätigkeit. (S. M.) Württemberg. Stuttgart. Der „Schw. Merkur" vom 6. Mai sagt: Im Blatte vom 7. Mai haben wir berichtet, daß eine Zahl von Mitgliedern beider Kammern der Stände zusammentreten werde, um sich über die würdigste Feier des Festes der fünfundzwanzigjährigcn Regierung Sr. Maj. des Königs zu bcrathen. Die vorläufigen Beschlüsse, welche bei dieser Berathung gefaßt wurden, sind in einer Bekanmmachung, datirt vom 18. Mai, enthalten, welche — von acht Mitgliedern jener Versammlung, die eine engere Kommission bildeten, unterzeichnet — gedruckt in alle Theile des Landes versendet wurde. Dieselbe ist folgenden Inhalts: „Wir haben in diesem Jahre das Glück, das fünfundzwanzigste Regierungsjahr Sr. Maj. unseres Königs zu feiern. In nnserem gesammten Vaterlande herrscht nur eine Stimme darüber, mit welch' unermüdetcr Sorgfalt Allerhöchstdcrselbe für das Wohl Seines Landes wirkte, und eben so allgemein ist der Wunsch, die Gesinnungen der innigsten Dankbar, keit und unwandelbaren Treue und Anhänglichkeit durch eine ausgezeichnete Feier jenes Festes an den Tag zu legen. Zu diesem Zwecke aber bedarf es eines einträchtigen Zusammenwirkens und eines Organes, durch welches dieses Zusammenwirken in Einheit erhalten wird. Von diesem Gesichtspunkte geleitet, vereinigten sich auf die Einladung der Präsidenten beider Kammern der Ständeversammlung Mitglieder dieser Kammern zn einer Berathung über eine angc- meffcne Feier des Festes und zur allgemeinen Leitung desselben, nnd aus den der gewünschten Stelle zu verhelfen und Masham hinwieder übernimmt es, der Königin bei'm Morgenthee die Briefe deS französischen Gesandten und die von Bolingbroke redigiere Toryzeitung zugleich mit den gewöhnlichen Modejournalen zu übergeben. Die Erfolge des letzteren Schrittes werden inzwischen durch die überaus wachsame Herzogin paralisirt, durch deren Hände selbst das Unbedeutendste gehen muß, wenn es an die Königin gelangen soll. Ein Zusammentreffen mit der Herzogin überzeugt den offen intriguirenden Vicomte gar bald von dieser gescheiter- I ten Hoffnung, wie zugleich davon, daß Abigail vor den Augen ihrer hohen Muhme keine Gnade gesunden, indem Lavy Marlborough sich nicht einmal durch Boling- brokc's Vorhaben, die ganze unerwünschte Verwandtschaftsgeschichte in den Zeitungen lächerlich und die daraus erfolgte abgeschlagene Hofstclle erklärlich zu machen, einschüchtern läßt. Die Herzogin ihrerseits hat gegen ihren politischen Gegner auch scharfe Waffen in Bereitschaft, denn sie hat des ruinirten Vicomte Wechsel ausgekaust und wartet nur den Schluß der Unterhaussitzungen ab, um seine Person für einige Zeit ans vem Wege zu räumen. Dahin sollte eS jedoch nicht kommen. Der Zufall will, daß Masham in St. Jamespark einem Aufgeblasenen begegnet, ! der ihn schon früher, ehe er noch ein Port d'Epee trug, beleidigt hatte, und jetzt von Neuem beleidigt. Die Degen stiegen aus den Scheiden und kreuzen sich, der Unbekannte Mt, und der Sieger entflieht, ohne daß ihn Jemand gesehen. Der Gefallene aber ist Niemand anders als Mylord Richard Bolingbroke, des Vicomte 986 verschiedensten Theilen des Landes wurde ihnen hierin allseitige Unterstützung zugesichert. jDaS Verzeichniß der bei jener Berathung erschienenen Mitglieder wird gegeben und dann fortgefahren:j Für die Art der Feier des Festes war die Erwägung maaßgebend, daß es dein hochherzigen Sinne Sr. Mach. «w »«» sten entsprechen würde, die Thrilnahme an dem glücklichen Erlebnisse durch eine wohlthätige, bleibenden Nutzen für das ganze Land gewährende Stiftung zu bethätigen, daß es aber zugleich im Wunsche des Volkes liegt, durch eine öffentliche persönliche Huldigung seine Freude und Dankbarkeit an den Tag zu legen. Bei der Wahl der Stiftung leitete der Gedanke, sie an die erfolgreichen Bestre- bringen Sr. Maj. für Emporbringung der Landwirthschaft und Gewerbe möglichst anzuknüpfen, und zugleich den in vielen Theilen deS Landes bereits laut gewordenen und besonders von den landwirthschaftlichen Vereinen, welche sich ebenfalls schon mit Beratbungen über die Feier des Festes beschäftigten, ausgesprochenen Wünschen möglichst zu entsprechen. Diese Erwägungen führten bei der oben angegebenen Berathung zu folgenden Beschlüssen: 1) Zu Beiträgen zu einer Stiftung einzuladc»; Gegenstand derselben soll die Errichtung und Unterhaltung zweier rein praktischen Schulen für Landwirthe in zwei verschiedenen, von Hohenheim entferntere», Gegenden des Landes und die nach dem Ergebnisse der Beiträge zu bemesscnde Aussetzung von Unterstützungen für Zöglinge der polytechnischen Schule seyn. Se. königl. Maj. würden seiner Zeit gebeten, allergnädigst zu gestatten, die Beiträge zur höchsten Verfügung stellen und Höchstdenselben die Vollziehung jenes Planes anheimgcbcn zu dürfe». 2) Einen Festzug zu veranstalten, in welchem das Volk aus allen Theilen des Landes Sr. Maj. seine Huldigung so darbringen würde, daß unter Anderem namentlich je zwei bis drei Abgeordnete aus jedem Oberamtsbezirke persönlich ihre Glückwünsche bezeugen zu dürfen bitten, die übrigen zu dem Zuge sich Vereinigenden in den Zug sich einreihcn würden. Dieser Fcstzug sollte ans Rücksicht auf die Jahreszeit und die minder dringenden Geschäfte des Landmanns am 28. S-pt. stattfinden, und seine nähere Anordnung und Leitung würde ein von den Städten Stuttgart und Kannstatt, den landwirthschaftlichen Vereinen und dem Gewcrbsausschuffe, in Verbindung mit der Zentralstelle des landwirthschaftlichen Vereins, unter Rücksprache mit dem Ministerium des Innern zu bestimmendes Komite zu übernehmen ersucht werden." Am Schluffe wird zu Beiträgen zu den genannten Stiftungen eingeladcn. Tübingen, den 3. Juni. Der zweite Lehrstuhl der Dogmatik in der evangelisch-theologischen Fakultät unserer Hochschule ist immer noch unbesetzt. Daß Prof. Lücke in Göttingen und Julius Müller in Halle den an sie ergangenen Ruf abgelchnt, ist bekannt. Wie weit aber die Unterhandlungen mit Professor Ullmann in Heidelberg gediehen sind, darüber verlautet bis jetzt nichts Ge. wisses. Von der Wahl des zu erwartenden Lehrers wird es, dem Vernehmen nach, abhängen, ob man auch noch zur Anstellung eines zweiten Professors der praktischen Theologie schreiten soll. — Die Schilderung, welche unserer Hochschule in den hallcschen Jahrbüchern zu Theil geworden, hat hier großes Aufsehen erregt. Sie ist ohne Zweifel aus der Feder eines Jüngers der modernen Spekulation geflossen, die ihr Hauptorgan in dem genannten Journal gefunden hat. Die grell entstellende und zum Theil unwürdige Form, in der Professor Ewald'S Leben und Wirken in Tübingen in dem besagten Aufsatze geschildert wird, hat eine eklatante Mißbilligung in dem Vivat gefunden, welches die Zuhörer ihrem verunglimpften Lehrer bei diesem Anlaß gebracht haben. — In der staatswirthschaftlichen Fakultät wird sich, wie verlautet, »och in diesem Semester ein neuer Privatdozent in der Technologie und Maschinenkunde habiliti- ren, und zwar in der Person des MühlebesttzerS Dr. Schweikhard, der durch schöne Reisen für die intuitive Kunde der technischen Wissenschaften sich praktisch anSgcbildet und früher bei uns im Berg- und Hüttenwesen eine Anstellung bekleidet hat. — Die Zahl der Studirenden im gegenwärtigen Sommerhalbjahre ist 731, worunter 43 Ausländer, nämlich: I. Studlrende der cvang. Theologie: Württemberg» im k. Seminar 95, in der Stadt 63, Ausländer 17. II Stud. der kathol. Theol.: Württembcrgcr im k. Wilhelmsstifte 90, in der Stadt 6, Ausl. 6. HI. Stud. der mosaischen Theol.: Württemberg» 2. IV. Stud. der Rechtswissenschaft: Württcmb. 134, Ausl. 13. V. Stud. der Medizin und höher» Chirurgie: Württcmb. 63, Pharmazie 13, Chirurgie 28, Ausländer 5. VI. Stud. der Philosophie: Württcmb. im k. Seminar 34, im k. Wilhelmsstift 52, in der Stadt 22, AuSl. 2. VII. Stud. der Regiminal-, Kameral- nnd Forstwissenschaft: Württcmb. 86. Davon sind in diesem Halbjahre neu ongekommen 105. Im letzten Winterhalbjahre war die Zahl aller Studirenden 739, worunter 52 Ausländer; im vorige» Sommerhalbjahre 724, worunter 57 Ausländer. (S.M.) Belgien. Brüssel, den 2. Juni. Die Fürstin von Leiningcn ist gestern von hier nach Gotha abgereist. Diesen Morgen haben die Herzogin von Kcnt und der Fürst von Leiningen mit ihrem Gefolge daS Schloß von Laeken verlassen; sie wurden durch Hoswagen nach der Eisenbahn gebracht, wo ein besonderer Wagenzug sie erwartete, welcher sie gleich nach Lüttich brachte. Von dieser Stadt werden die Frau Herzogin und der Fürst mit der Post nach Deutschland reisen und nach einem kurzen Aufenthalt in Gotha sich in die Bäder von Wiesbaden begeben. Die Herzogin wird später, ehe sie nach England zurückkehrt, sich noch einige Tage in Brüssel aufhalten. Frankreich Zj- Paris, 3. Juni. (Korresp.) Großes Aufsehen erregen die neuen Schwierigkeiten bei der londoner Konferenz. England und Rußland handeln im Einklänge, und Oesterreich und Preußen stehen erwartend da. Frankreichs Rolle bleibt dieselbe, und von einer Beendigung der Sache scheint keineswegs die Rede zu seyn. Die Annäherung Frankreichs zu Preußen und Oesterreich gibt gewiß z«kcht den Ausschlag, und ist die ultima ratio der Verwicklung, weil, meint man hier, nur diese drei Mächte offen zu Werke gehen und den bestehenden Zustand wollen; ja wäre es früher dazu gekommen, so stünden die Dinge ganz anders. Fürst Esterhazy und Graf Appony haben vereint mit den preußischen Botschaftern in London und Paris alles aufgeboten, um rin Ende herbeizufüh- ren, und Baron v. Bourqueney stand in London stets zu Allem bereit da. — Die legitimistischen Blätter haben wieder eine Unrichtigkeit in die Welt geschleudert, blos um eine Effcktphrase anzubringen. Simon Deutz, der Verrä- ther der Herzogin von Berry, hat sich nicht in's Wasser gestürzt und auch an der Börse keine Geschäfte gemacht, also auch keine Verluste erlitten. Könnte man die Briesfabrikanten eben so enthüllen, wie diese Unwahrheit, so wäre viel gewonnen. — Der Prinz Nap. Ludwig Bonaparte beschränkt sich nicht allein aufseincn Anspruch an die Krone, sondern bemüht sich auch fortwährend um Schriftstellerruhm; so eben sind von ihm erschienen „1688 kruAmeu« iüstoritzue« 1830". Bei dieser Veranlassung kann ich zu bemerken nicht unterlassen, daß Frankreich jetzt eine Gc- fangenenlitcratur besitzt. LamennaiS schreibt von Ste. Pclagic, Ludwig Napoleon von Ham aus, und noch viele andere radikale u. nicht rad. Staatsgefangene fahren im Gefängniß fort, für die Ideen zu wirken, derentwegen sic um ihre Freiheit gekommen sind. Seit einiger Zeit nimmt die Flugschriftliteratur wieder überhand, besonders seitdem die Tagesblätter so vielen Raum zu den Parlamentssitzungen herlrihen müssen. — Sonderbar! der eigentliche Verfasser des Briefes in der „Gazette du Dauphine" ist nicht als Urheber des neuen Skandals, sondern blos als Zeuge vor den Untersuchungsrichter belangt worden. — Noch weiß man nicht, wann die „Union catholique", welche auf Uneinigkeitsstiftung unter der Geistlichkeit berechnet ist, herauskömmt. Z„ gleicher Zeit soll auch ein neues liberales Tageblatt erscheinen. — Die englischen Toryjournale bestehen immer darauf, daß Frankreich das Versprechen geleistet, Algier wieder zu verlassen; allein an dem wie, wann und wo läßt sich immer noch zweifeln. Es trägt diese Polemik nur dazu bei, die hiesigen Zustände nur noch mehr zu verwirren. — General Ncgrier zog den 14. Mai gegen den Stamm der Smula, sechs Stunden von der Stadt Konstantine, weil seit drei Jahren kein Tribut von ihnen entrichtet wurde; allein die Stammhäupt» kamen ihm mit den rückständigen Summen entgegen. — General Gueswillcr ist bis 9 Stunden vor Mas, kara gedrungen und war den 11. wieder in Setif zurück; er war sieben Tage abwesend und mehrere Oberhäupter unterwarfen sich ihm. — Wir sind jetzt hier ün Besitze der neuesten Berichte aus Konstantinopel und Alerandrien, erfahren aber dadurch nichts Näheres; es muß wieder etwas in den Maschinen gebrochen seyn, denn sonst kann man sich die jetzigen Schwierigkeiten, die eigentlich keine sind, nicht erklären. UebrigenS fehlen in der letzten Zeit, besonders hier in Paris, wo ein mehr als diplomatisches Stillschweigen beobachtet wird, alle Quellen, um etwas Reines zu schöpfen. Die englischen und deutschen Blätter geben über den Orient weit mehr Aufklärung als die Gesammtpariserpresse, bei der die „schönen Tage des 1. März", wo bei offenen Fenstern und Thüren diplomatisch verhandelt wurde, vorüber sind. — Heute fand in Anwesenheit eines ausgesuchten Publikums die Einführung Viktor Hugo's in die Akademie fran^aise durch eine Antritts - und Antwortsrede statt. Der Herzog und die Herzogin von Orleans, die Prinzessin Klementine, die Herzogin von Nemours waren anwesend. Viktor Hugo hat viel von Napoleon gesprochen, dem er sechs Denker seiner Zeit als Feinde gcgenüberstellt, Ducis, Delikte, Mad. de Stavl, B. konstant und Nep. Lemercier, den der neue Akadeinikcr ersetzt. Die Antrittsrede wurde nicht sehr beifällig ausgenommen; die Klassiker haben einen kleinen Triumph über die Romantiker gefeiert. — Die aus Algier eingelaufcnen Be- nchte sind voll Einzelnheiten über die stattgefundene Gefangenenauslieferung. Abd-el-Kader hat blos gezwungen nachgegeben, mehrere seiner KalifaS trugen auch viel zu dem Gelingen der Unterhandlung bei. Der Aga vom Scheliff, eben der, welchem drei Frauen gefangen worden waren, hat dem Abd-el-Kader gedroht, zu den Franzosen zu gehen, wenn die Auswechslung nicht stattfände. Sonderbar! alle zurückgekommenen Franzosen machen viel Aufhebens von Abd-el-Kader. Die Gefangenen haben ihn eine Stunde von Miliana verlassen. Nur der Intendant Maffot mußte keine Arbeiten verrichten, er erhielt jeden Tag ein Brod, einen Hammelsbraten und ein Huhn. Die andern Gefangenen wurden in MaSkara, Tekedempt und Tlemscn als Handarbeiter gebraucht. Noch bleiben viele Gefangenen, unter andern Hauptmann Morizot, bei dem Emir zurück, sie werden aber auch bald loSgckauft. Ein politischer Flüchtling, der von den Arabern vor 23 Monaten weggeführt worden, hat nun, da er seine 30 Franke» monatliche Unterstützungsgelder seil der Zeit nicht bezogen, ein Kapital von 700 Fr. erspart. Ein Italiener, der sich unter den Gefangenen befand und auch ausgeliefert werden sollte, wurde 10 Tage vor der Uebergabszeit enthauptet, weil er sich gegen die türkische Religion vergangen. Abd-el-Kader gibt dem Fanatismus seiner Soldaten Alles nach. h Paris, 3. Juni. (Korresp.) Heute ward Victor Hugo in der Akademie ausgenommen. Die Feierlichkeit wurde so lange verschoben, damit sie nicht un- gehört im Publikum verhalle: die Debatten der Deputirtenkammer sind geschlossen, DarmüS ist hingerichtet, der Akademiker hat also keine Konkurrenz mehr zu befürchten, und es ist niemand mehr da, der ihn verdunkeln könne. Nur hat ihm Lamartine einen bösen Streich gespielt, daß er eben gestern sein Gedicht Vetter, der diesem seinem lachenden Erben den Lordstitel und ein ungeheures Vermögen hinterläßt, und dessen unerklärlicher Tod für den Vicomte and die Oppositionspartei Veranlassung wird, eine langentbehrte persönliche Audienz bei der Königin zu verlangen, in welcher dieser Mord der jetzt machthabenden Partei offen Schuld gegeben wird, worauf die Königin die strengste Untersuchung und Ausforschung anbefiehlt. In dem jungen Arthur Masham indessen kreuzen sich ungeahnt und unbewußt die Strahlen einer dreifache» Liebe: zuerst das Gefühl Abigail's, welcher sein ganzes Herz gehört; dann das zärtliche Wohlwollen seiner unbekannten mächtigen Beschützerin, die ihn mit Glücksgütern und Ehren überhäuft und ihm jederzeit anf- trägt, in der Nähe des Hofes und unverheirathet zu bleiben; es ist dies, ohne daß es Jemand nur entfernt argwöhnen könnte, die Königin selbst, die dem jungen Manne mit feinstem Frauenwitze alle Auszeichnungen durch Vorschläge ihrer Oberhofmeisterin werden läßt, während diese letztere, die Herzogin, doppelt gern auf! solche Vorschläge verfällt, weil sie selbst die dritte Liebende ist, welche bei langer ! Abwesenheit des Herzogs, ihres Gemahls, für die Jugend und Liebenswürdigkeit ^ Masham's nicht gleichgültig geblieben ist. Eben als dieser wegen jenes Duells ^ die Flucht ergreifen will, wird ihm die Ernennung zum Kapitän der Garde gebracht. Bald darauf folgt ein Brief von unbekannter Gönnerhand und mit ihm ein Kistchen, die Insignien des neuen GradeS in Gold und Diamanten enthaltend. Letztere erkennt Abigail als bei Sir Tomwood von der Herzogin persönlich gekauft, ersteren Bolingbroke für die verstellte Handschrift der Herzogin, und indem er von diesen Dokumenten einen etwas indiskreten Gebrauch macht, gelingt es ihm, Milady Marlborough gegen Auslieferung des fatalen Briefes zur Anstellung Abigail's als Ehrendame der Königin zu zwingen. Bemerkt muß hier werden, daß Masham in seiner Ehrlichkeit und im Bcwußtseyn eines rechtlichen Zweikampfs, sowohl der Herzogin als Bolingbroke, jedem einzeln, gestanden hat, daß er selbst der Gegner des gefallenen Lords Richard gewesen, welches Geheimniß zu verschweigen das persönliche Interesse beiver Mitwisser erfordert, indem die Dame den schönen Kapitän nicht vom Hose fliehen sehen will, Milord aber als glücklicher Erbe jenen Unfall gern übersieht, besonders da er Masham eher zu seiner eigenen, als zu der Gegenpartei zählen kann. (Schluß folgt.) Verschiedenes. * Karlsruhe, 6. Juni. Die schwarzbraunen Söhne der Wüste haben gestern Abend auf der Hofbühne Gelenk - und Kraftübungen gegeben. Es sind diese Beduinen, was die Form der Ausführung betrifft, Zwillingskünstler der Bajaderen, welche wir früher sahen. Die Regeln der Aesthetik scheine» ihnen fremd, denn haltnngrlos, wie »er Löwe durch die Wüste schreitet, ist ihr Tritt; doch mit Staune» erfüllte »ie Gelenkheit und Schnell- 987 an „Monfieur Becker" in di« „DebatS" hat einrücken lasse»; das sind so kleine Neckereien, worin die französische Eitelkeit sehr erfinderisch ist: so läßt Hr. Victor Hugo seinen Freund und jetzigen Kollege» Delavigne stets in irgend einem Blatte heruntermachcn, so oft sich dieser auf dem Theatre fran^ais produzftt. Wir «erden über die Aufnahme des Hrn. Hugo berichten; einstweilen theilen wir Bruchstücke aus einer Rede mit, die ihn heute das „Charivari" halten läßt, und worin die geschraubte, bombastische PraoS des Dichters auf das Ergötzlichste parodirt wird. Der Poet, so berichtet das muthwillige Blatt, erhebt sich, trinkt ein riesenhaftes Glas Wasser, und mit enormer Stimme, meine Herren, spricht er — und es stellte sich eine große Stille her — „Am Ende des achtzehnten Jahrhunderts, nach Voltaire, nach Cagliostro, »ach Marat, nach allen diesen düsteren und namenlosen Dingen, nach alle» diesen düsteren und herzlosen Menschen, allen diesen düsteren und gottlosen Zeiten, wenn da Jemand gesagt hätte, daß die Charlemagnes, die grandiosen und schier fabelhaften Dichter Charlemagnes noch möglich seyen, hätten alle Skeptiker jener Zeiten die Achsel gezuckt und gelacht." Nachdem der Dichter sich ohne Umstände die Dichterkrone aufgesetzt, fährt er also fort: „Die Kunst ist fruchtbarer als die Geschichte. Die Geschichte hat kaum drei oder vier Namen, die Kunst zählt deren tausend, die alle strahlender, splendider, vergoldeter sind, die einen als die anderen. Die Geschichte ist nichts als eine Flöte mit wenigen eintönigen Noten; die Kunst ist eine ungeheure Orgel, welche alle Konzerte der Natur in sich faßt, und hier und da unter den musikalischen Blumen des Gedankens die strahlendsten auf ihrem feurigen Stempel pflückt. O junges Frankreich! du harrtest dem Dichter entgegen, auf eine naive, großartige, biedere Weise, und er ist gekommen bieder, groß und naiv. Naiv, weil er groß war und du bieder warst; bieder, weil du naiv und er groß war, umso größer, je naiver du warst. Die Akademie hatte sublime Figurationen in Menge; das Groteske ging ihr ab: nun ist aber als Objektiv neben dem Erhabenen das Groteske die ergiebigste Quelle der Kunst. Der düstere Schweif des achtzehnten Jahrhunderts, der sich bis in's neunzehnte schleppt, warf dem Dichter einige Fehler vor, erhabene Fehler, nothwendige Folgen seiner wundervollen Eigenschaften; es gibt keine Berge ohne Abgründe." Sodann läßt sich Hr. Victor Hugo eine Guitarre bringen und singt Chansons von Hrn. Dupaty und Hrn. Etienne, und schwört seine ketzerischen Kunstlchren ab : er erkennt die Nothwendigkeit eines literarischen Arcopags an, um dem schlechten Geschmack und dem Neologismus zu steuern. Die Phantasie müsse eingeschränkt, kondcnsirt werden, und sie könne es, ohne dadurch zu verlieren; gleich wie der edelste Wein nicht aufhöre, Wein zu seyn, wenn man ihn auf Flaschen zöge. Nach dem Schlüsse seiner Rede eilt die Menge seiner Bewunderer herbei und umarmt ihn: sic besteht aus Hrn. Brindeau und Hr». Theophile Gaulier. — Das Gedicht des Hrn. Lamartine an „Monsieur Becker" ist das schlechteste, daS er geschrieben: unklar, verworren, holpericht und mitunter unverständlich. Kein Blatt hat eS abgedruckt, ausser den „DebatS" und „Le Globe". Lamartinc'S Politik findet nirgends Anklang: es ist eine Variation von Schiller's Lied an die Freude; er läßt die Deutschen leben und die Franzosen: die cdcln Söhne des ernsten Germanen sollen die Flnthen des Rheins nicht mehr mit ihrem blauen Blute färben, noch die Söhne der Franken mit ihrem rothcn; wie der Dichter zu dieser Blaufärberoperation kommt, ist uns rin Näthsel. — Der Unfug in der Polemik der Presse geht «rv8v«lläo; das kann so nicht dauern. Die Aufregung in den Dcparte- menten übersteigt alle Begriffe: jede Dorfgemeinde sst davon angesteckt und jeder Stallknecht räsonnirt über die Briefe. Das Kabinet muß hier auf irgend eine Weise einschreitcn. Der Prozeß gegen Simon Didier wird niedergeschlagen werden. Allein man kann sich auf irgend eine strenge Maaßregcl gegen die Journale gefaßt machen. — Darinös hat sich bei weitem nicht so standhaft benommen, als die Opposition geschrien. Sobald er den UrtheilSspruch des PairShofcs erfahren, kam er um Begnadigung ein: wie konnte ein Mörder begnadigt werden, der nichts so sehr bedauerte, als daß er sein Opfer gefehlt? * Straßburg, 3. Juni. Ein wonniges Grauen überfällt den gefühlvollen Beschauer wohl jedesmal, wenn er die riesige Spitze des Münsters betrachtet, wie sie das Steinhaupt aus dem Qualm der alten Argentina in das reinere Blau der Luft hebt; doch schnell wieder zieht es den Menschen zum Menschen, denn verwandter ist ihm die Schwäche als das Ideal, d'rum lauscht er so gerne den Tönen der Qual und Wonne, und hört reden, was der sinkende Tag ge- boren. — Die Fama des Krieges hat den Athem verloren und ihr Kredit für Europa zerbröckelt, auch hier hat man sich müde gehört und denkt seufzend daran, die Schulden desThierS'schen Ministeriums zahlen zu helfen; nun, dafür gehören wir auch zur großen Station, und haben nichts Deutsches mehr als den Namen und die Sprache, auch das möchte die letzte Generation fort disputiren, aber cS geht nicht, so lange Männer leben, die in der Väter Weise singen, hell kräftige Töne des Wesens, stark und männlich wie Germanicns Eiche», ein Nachhall der Barden, die im WaSgau in frühen Tagen, und der Minnesänger, die im Mittelalter lebten. — Aug. Stöber, der eine Name genügte, das Band als ungerissen zu bezeichnen; seine Ervinia hat leider die Zeit gehemmt, und doch seine Elsaßsagen, wovon 1841 das achte Heft erschienen, sind redende Zeugen hoher Dichtergaben. — Wer hörte ferner nicht den Namen Lobstein, wenn er Straßburg kennen lernte? —Mil eisernem gleiße suchte L. im Schatze der Akten; holte daraus hervor, waS der Gegenwart fremd geworden und stellte zusammen, waS zerstreut und getrennt dalag, so Kunst als Wissen bereichernd. Man achtet seine Verdienste als Kritiker, in deutscher und französischer Zunge, man kennt in beiden Ländern seine Beiträge zur Geschichte der Musik im Elsaß, kraft ihrer Muskeln, welche sich in nie gesehenen Sprüngen und kräftige» Balancierkünsten i auSzelchneten. Dürfte man jedoch einen Wunsch aussprechen, wäre es der, die einzelnen ^ Gegenstände mehr zu drängen, denn das fortwährende Umkreisen der Bühne, ermüdet bi« rum Ertrem. — Es wird jedoch dem Zuschauer begreiflich, wie diese gelenken, markoollcn Naturkinder, gewöhnt au Sonnenbrand und heimisch in der Wüste Sand, auf den wind- j schnellen Rossen die fränkischen Kohorte» so lange Zeit beschäftigen und ermüden konnten. Es wird ferner deutlich, «ie sie vor Jahrhunderten in zahllosen Schwärmen, die Lande gleich einer Staubwolke bedeckend, begeistert durch des Propheten Wort, die beiden Spitzen des Halbmondes über den HeUespont und Gibl-al-kadr strecken», rief in das Mark Europa« bohren konnten, wo sie nahe daran waren, mit ihren verwandten Stämmen den Bairain in der ewigen Stadt zu feiern. ^ ... . Berlin, 3t. Mai. Unser benachbartes Dorf Tempelhof, welches mehr als irgend ein anderes in den letzte» Jahrzehnten «tu Fenersbrünsten gelitten, wur»e am Abende des ersten Psingsttages (30. Mai) abermals von einem furchtbaren Brande heimgesucht. Diesmal ist es leider erwiesen, was bei mehreren früheren Bränden nur vermurhet ward, daß eine ruchlose Hand ihn angelegt hat. Gegen 9(, Uhr Abends brach in de» Stallungen des fürstlich schönburgischeu Herrenhauses das Feuer aus. wie versichert wird an drei Stellen zugleich. Bei der langen Dürre standen die schlechten, von altem Holz und Lehm aufgerichteteu, zum Theil noch mit Stroh gedeckten Baulichkeiten in Hellen Flammen, und nach wenigen Minuten war es ein solcher Brand, daß an keine Rettung mehr, sondern nur an Riederreißen gedacht werden konnte. Zum Glück lagen die Ställe, Scheunen und Schuppen ganz vom Dorfe entfernt, und in « Freie hinaus , nach dem Birkenwäldchen, von den übrigen Gebäuden des Hofes u. der anstoßenden Kirche ziemlich isolirt. Diese Gebäude habe» daher nicht gelitten, auch kam kein Mensch glücklicherweise dabei um. Dagegen verbrannte», so viel wir vernahmen, gegen 30 Stück Vieh. Wenn e« zweifelhaft wäre, besonder- i» Straßburg; in der ober - und nieberrheinischen und neuerdings in der musikalischen Leipziger Zeitung Nr. 18 in sechs Spalten langem Aufsatze ausführlich beleuchtet. ES dürfte schwer werden, zu dem Gesagten etwas z» füge», was nicht erschöpfend da^ethan wäre, nur bestätigen läßt es sich. Die neue Arbeit Lobstein's ist : I-e« Notariat« cke I'^.l8ave, den Ober- und Niederrhein, Rhcinbaycrn und die Vogesen umspannend, stellt es die Geschichte der Notariate dar, kaiserliche, apostolische, städtische und königliche. Man wird nun leicht finden können, wo die Bann- Lager- oder Grundbücher zu suchen sind. Bei den im Mittelalter zerstreuten Landestheilen der Regierenden würde man z. B. nie darauf gekommen seyn, daß die gräfl. leiningischen Akten von Weyers- Heim auf der Notariatsstube von 8. Ganter liegen. — Die Volzi'sche Büchcr- sammlung, welche für Straßburg in Paris gewonnen, wird mit Interesse erwartet. — Die Eisenbahn ist in den beiden Endpunkten im fortwährenden Streite, gegen Basel wegen der Mauth, gegen Straßburg der Festung willen, doch hofft man, daß das Genickorps den Bau auf seine Kosten bis in die Stadt leiten wird. Die Briefpost erhält ihre Beförderung in Zukunft auf diesem Wege, und welche Regeneration allen Zweigen dadurch bevorstcht, zeigt wohl schon der Umstand, daß der Posthalter in St. Luden auf der Straße nach Kalmar 30 Pferde znäl Verkauf geboten und die Bestellung seiner weitläuf- tigen Aecker durch Rindvieh besorge» muß, welches sich überall vermehren wird. Großbritannien London, 30. Mai. In der Guildhall wurde heute eine Versammlung des Gemeinderaths zu dem Zwecke gehalten, eine Petition an das Parlament zu Gunsten des von den Ministern vorgeschlagencn firen Getreidezolls zu richten. Die Versammlung war zahlreich, und die reichsten Kaufleute der City zugegen. Die vorgeschlagenc Bittschrift wurde einstimmig angenommen, und ihre Neber- gabe an das Unterhaus dem Mitglied- für die City, Alderma» Sir Mathew Wood, übertragen. — Dem englischen Reisenden Dr. Willshire, der imSommer des vorigen Jahres beim Sultan von Marokko die Erlaubniß nachsuchte, den gebirgigen Theil dcS Reiches durchreisen zu dürfen, erhielt vom Sultan folgende Erklärung: »Daß die Einwohner dieser Gegenden wild wie die Thiere seyen, barbarisch unwissend, aus verschiedenen Stämmen bestehend, die eben so verschiedene Sprachen sprächen, daß sie keinen Unterschied zwischen Christenfreunden und Feinden zu machen wüßten, daß alle Christen unter ihnen sich der größten Gefahr aussetzcn würden, der Sultan ihm daher keine Sicherheit versprechen und es ihm daher nicht rathen könne, dahin zu gehen." — Der Reisende macht eine schreckliche Schilderung der Gegend von Swearah nach Marokko, die er durchzog. Im Monat August war alles verbrannt und versengt -- man sah nichts als Sand, Sand und öde Unfruchtbarkeit. Nach der Regenzeit hatte alles einen freundlichen Anblick gewonnen, das reichste Pflanzenlebcn blühte rings, doch dauerte dies nur wenige Wochen, und die frühere Oede wurde wieder allenthalben sichtbar. Nach der Regenzeit war die ganze Gegend von Vögeln aller Art belebt, so daß der Ornithologist hier der reichsten Beute gewiß sey» kann. Der Reisende wollte später von Marokko ans nach Suse der Hauptstadt der reichsten Provinz des Reichs jenseits deS Atlas; doch wurde ihm die Erlaubniß versagt, weil die Gebirgsstämme sich alle in offenem Aufstande befanden nnd hier die größte Verwirrung herrschte. N London, den I.Juni. Erst morgen hält das Parlament wieder Sitzung. Das bevorstehende französische Anlehen beschäftigt alle Blätter. 90',^ a Italien Königreich beider Sizilien. Neapel, 20. Mai. An die vielen Niederträchtigkeiten, welche schon in frühern Jahren gegen fremde, von der neapolitanischen Regierung hieher berufene und von ihr «»gestellte Personen aus Brodneid und Eifersucht begangen wurden, reihte sich in der letzten Zeit ein neuer Fall an, der, wenig bekannt, Veröffentlichung verdient, als Warnung für andere, sowie in der Hoffnung, daß dadurch ähnlichem Unfug künftig durch Verwendung höher» Orts gesteuert werden möge. Die Direktion der hiesigen k. Münze fühlte nämlich seit längerer Zeit das Bedürfniß eines Graveurs und ließ also durch die Vermittlung eines hiesigen Hauses einen beutfchen in seinem Fache sehr geschickten jungen Mann kommen, um demselben, falls seine Leistungen den Erwartungen entsprächen, de» erledigten Posten zuzutheilen. Kaum war derselbe acht Tage hier und seit vier Tagen beschäftigt, die ihm gegebene Probearbeit in dem Münzgcbände zu fertigen, als er eines Abends gegen 8 Uhr auf einem der belebtesten Plätze in der Nähe der Hauptwache von einem Individuum angefallen wurde, das ihm einen Dolchstich in die linke Seite der Brust versetzte, der jedoch nur wenig eindrang. Erschreckt nnd sich rasch umwendend, empfing er einen zweiten Stich nach dem Kopf, den er zwar, mit dem Arm parirend, schwächte, durch den er aber dennoch, außer einer ernstlichen Wunde am Arm, eine Verletzung in der Nähe des Auges erhielt, die lange Zeit den gänzlichen Verlust desselben befürchten ließ und jedenfalls eine solche Schwäche zurückließ, daß das Auge wahrscheinlich für immer unbrauchbar geworden ist. Der Thäter entwischte und man konnte oder wollte ihm nicht auf die Spur kommen. — Wie es heißt, hat das Haus Rothschild hier die Anleihe von 3 Millionen Dukati, welche die neapolitanische Regierung zur Regulirung der sizilianischen Angelegenheiten bedarf, übernommen. — Die Zahl der zwischen Neapel und Marseille fahrenden Dampfschiffe beträgt jetzt 17, wovon 4 mit neapolitanischer, 2 mit toskanischer, 6 mit französischer und 5 mit sardini- scher Flagge. Der Bau der Eisenbahn nach Castcllamare rückt wegen Mangel an gehörigen Fonds nur langsam vorwärts. Auf der Strecke zwischen Torre daß die Hand eines Bösewichts hier i»i Spiele war, so wurde es durch den Umstand erwiesen, daß »och ein, jetzt gerettetes, Statlgedäuve (auf der Seite des Herrenhauses) schon zn brenne» anstng, als man durch schnelles Spritzen dw Flamme löschte. Man fand ein Loch i» die Wand gebohrt und Stroh nnd Schwcfethölzer hineingesteckt. Der Thäter wurde bei'm Schein der Flamme ergriffen, ein wohlbekannter Vagabnnde, der, schon mehrmals wegen Diebstahl gestraft, zuvor dunkle Drohungen gegen das Dorf ausgestoßen haben soll. Wie verlautet, hatte er diesmal zn der furchtbaren That keine andere Motive, als daß man ihm keine Arbeit als Taglöhner geben wollte, weil sein Karaklec zu wohl bekannt war. Im Dorfe heißt es, daß seine Rache nicht einmal mir diesem Brand zufrieden gewesen wäre. Vielmehr habe man ihn auf dem Wege nach der, einige hundert Schritte entfernten Schäferei ergriffen. Diese habe er ebenfalls anzündc» wolle», „no, wäre es ihm gelungen, auch das unfern gelegene Dorf Mariendorf. Würzburg. 3. Juni. Heute Nachmittag bald nach l Uhr brach in dem Hause eines Buchdruckereidesitzers Feuer aus, das, vermöge der Lage des Hauses, wohl aber auch weil die beispiellose Wärme seit mehreren Wochen alles übermäßig ausgetrocknet hatte, mit unendlicher Heftigkeit um sich grist. Nur das kräftige Zusammenwirken aller Stände machte es möglich, daß sich nicht die Flammen über ein ganz zusammenhängendes Onartier unserer Stadt verbreiteten. Man wird übrigens noch bis in die Nacht beschäftigt seyn, um jede fernere Gefahr beseitigt zu halten, nachdem man durch Einreißen und Ströme von Wasser der größer» Gefahr Herr geworden ist. Ein Haus ist ganz niedergebrannt und mehrere nachbarliche Gebäude find sehr beschädigt. Solche« Unglück hat man seit einer langen Reihe von Jahren hier nicht erlebt, mir Ausnahme des vorjährigen Brandes ans der Festung Marienberg. 988 del Greco und Torre bell' Annunciata stieß man aus mehrere römische Land- Häuser mit Mosaikböden nebst verschiedenen Gerätschaften, an denen künftig der Wanderer vorbeifahren wird, während auf der andern Seite dieser Weg in Bezug auf die Naturschönheiten so unendlichen Reiz darbietet, daß gewiß keine Eisenbahn der Welt mit ihr verglichen werden kann. Während man unmittelbar am MeereSufer den schönsten und üpppigsten Villen entlang dahin fährt, entfaltet sich, wie durch Zauber, das herrlichste Panorama vor den Auge» des Reisenden. Mit einer dichten Rauchwolke gekrönt, sieht einem der Vesuv bei der Abfahrt in Neapel entgegen und über eine Fläche, dem Anfang der Cam- pagna selice, rückt man unversehens in die durchbrochenen Lavaströme, die felsenartig in majestätischer Form in die Höhe ragen, und sieht die Inseln Capri, Jschia, Procida, Kap Misene, die Städte Sorrents, Vico, Massa, Castella- mare rechts und die Ortschaften San Giovanni, Portici, Resina, Torre, San Jorio, la Barra rc. links an sich vorüberziehen; links und rechts zwischen den Häusern ist ein reges Treiben und Leben sowohl der Landleute, die das Erdreich bebauen, als der Bewohner der Villen, die im Genuß der herrlichen, von dem köstlichsten Blumembalsam geschwängerten Seeluft sich deS süßen NichtSthunS erfreuen. (A. Z.) Kirchenstaat. Rom, 21. Mai. Ein paar arme Juden, die rS sich haben beikommen lassen, in einer Straße zu gehen, die Leuten ihres Glaubens zu passiren nicht erlaubt ist, sind auf drei Monate in'S Gefängniß gesteckt worden. Zu solchen verbotenen Passagen gehören diejenigen, in welchen das heil. Sakrament zum äOstündigen Gebet ausgestellt ist, und namentlich auch der Ort, wo die Ncophyten ihren Aufenthalt haben. (L. A. Z.) Niederlande. Helder, den 1. Juni. Heute ist die französische Fregatte „la Belle-Poule" unter dem Kommando des Prinzen von Joinville, begleitet von der Brigg „le Caffard", welchen die Dampfboote „Aetna" und „Noord-Holland" bis in'S offene Meer folgten, von hier abgesegelt, um ihre Reise nach Neufundland fort- zusetzcn. (A.H.) Schweiz. Luzern, 2. Juni. In der heutigen Großrathssitzung wurde eine An- trittsproklamation an das Volk erlassen, und hierauf die Besoldungen festgesetzt, wie folgt: Für einen Schultheißen 2000 fSchweizer-j Fr.; für einen Regierungsrath 1500 Fr.; für einen Appellationsgerichtspräfldente» 1600 Fr.; für rinen Appellationsrichter 1200 Fr.; für einen Kriminalrichter 600 Fr.; für einen Staatsschreiber 1600 Fr.; für einen Verhörrichter 1400 Fr.; für einen Staatsanwalt 1400 Fr. (Bei den Mitgliedern des Regicrungsralhs und des Obergerichts sind hiernach BesoldungSerhöHungen eingetreteii.s (Bsl. Z.) * Genf, im Mai. Wenn sich in vielen deutschen Ländern eine Manie für französische Sprache regt *), welche hie und da methodisch gehoben wird, strebt das hiesige Wesen beiden Zungen gleiche Rechte zu schaffen, man sendet die Jugend in deutsche Lande und »ährt von daher kommende Kunst und Gelehrsamkeit. Wie fast überall, diktirt die Politik solche Grundsätze; da mehr als zwei Drittel der Schweiz deutsches Land ist, wird durch ein gleiches Idiom der Anschluß inniger, das Amalgam« vollkommener, denn der einzige Feind, den man hier fürchtet, ist Frankreich; gegen diesen restaurirte man vor einigen Jahren die Werke der Stadt und hält sie fortwährend in brauchbarem Zustande. Der kleine Kanton an sich kann die Vertheidigung der größten Schweizcrstadt nicht übernehmen, doch der See mit seinen Dampfschiffen ist stets bereit, wie damals, Tausende aus dem Innern herbcizuführen, die nur des Winkes harren. Dieser Wasserspiegel ist die Quelle unseres Rcichthums : der unnachahmliche Purpur seiner Wellen, gegen das Saphirgrün der Viüa-bepflanzten Hügel, lockt die Fremde» mit zauberischer Macht, das Reich der Najade zu schauen und von den Wundern der Tiefe zu träume». Ein reicher Engländer treibt schon mon- dcnlang sein Spiel auf dem Lac Leman, für hohen Preis hat er ein bewimpeltes Schiff gemiethet und zwei Matrosen in Sold genommen; mit diesen ist er Tag und Nacht beschäftigt auf dem See zu kreuzen, ruft die anlangenden Schiffe an : „He Schooner!" und hißt die Flagge auf, wenn sie „bou umi" erwidern, wo nicht, so schießt er seine Böller los, als Zeichen feindlicher Gesinnung. Den ausgehenden Tag und den Abend bezeichnet er durch einen Schuß, schläft oft in der engen Kajüte und steigt in Matrosentracht nach tagelangem Umherirren an's Land, um sich in Rhum zu berauschen und dann bc, wußtloS wieder auf sein Element tragen zu lassen. — Die deutsche Oper aus *) Diese geht so weit, daß man z. B. in einem weiblichen Pensionat bei Offenburg jedes deutsche Wort verbannt, Geographie, Naturgeschichte u. s. w. nur französisch lehrt, so daß die armen Kinder, wenn sie später deutsche Bücher lesen, die Hälfte nickt verstehen. Da sie doch einmal da« Unglück haben, für Deutschland bestimmt zu seyn, sollte man doch aus Mitleid mehr als eine deutsche Stunde die Woche geben. Gin Ueberwachen solcher zweckwidriger Einrichtungen dürfte vielleicht gerathen seyn- Bern hat anderthalb Monate mit dem ausgezeichnetsten Beifall, bei vollen Häusern, Darstellungen gegeben; in Blumenspenden und Gedichten gab das Publikum seinen Enthusiasmus, namentlich für Mad. Eichfeld, kund. Spanien A Madrid, 27. Mai. (Korresp.) Die Opposition verhält sich noch neutral, wie es scheint, liegt eine bestimmte Absicht dabei zu Grunde. Der Finanz- minister sucht Hülfsqucllen zu entdecken. In der vorgestrigen Zusammenkunft mit den Kapitalisten war die Rede von einem Vorschüsse von 60 Millionen Realen auf zwei Staatseinkunftzweige, welche an den Meistbietenden abgelassen werden sollen. Die Kapitalisten baten sich Bedenkzeit aus mit dem Zusatze, daß auch die Bank von San Fernando Theil an dem Anleihen nehmen solle. — Den 16. Mai fielen zu Sevilla bei einer Nachtmusik, wo man schrie „es lebe die Freiheit, die Republik und Tod den Tyrannen" bedeutende Unruhen vor. Nur mit Mühe konnte der Generalkapitän die Ruhe wieder Herstellen. — Von einer Anzahl reicher Pflanzer auf Cuba ist kürzlich eine Protestation gegen die (unlängst in einem londoner Schreiben aus der Allg. Zig. mit- getheiltrnj Plane deS Generalkapitäns, Don Geronimo Bälde;, wider die Sklaverei eingelaufen, Türkei und Aegypten Von der türkischen Gränze, 22. Mai. Es scheinen nunmehr die nördlichen Provinzen der Türkei beruhigt zu seyn. In Widdin erhielt man die Nachricht von Koustantinopel, daß eine großherrliche Kommission ernannt werden soll, um die Beschwerden der bulgarischen Najahs, das Benehmen der türkischen OrtSbchörden vor und nach dem Ausbruche der Unruhe» und den Zusammenhang der letzter» zu untersuchen. Es solle» hiebei die beiden Paschas von Nissa und Widdin stark kompromitirt seyn, und man besorgt, daß auch eine christliche Fürstenfamilie gegen die Oberhoheit der Pforte sich verfehlt haben dürfte. Gleich nach dem Ausbruch der bulgarischen Revolte war die Pforte im Begriff, Tewfik Bcy, de- Großsultans Sekretär, mit unbeschränkten Vollmachten zur Dämpfung der Unruhen nach Nissa abzusenden. Eingetretene Hindernisse verzögerten indessen die Abreise des Beys, und ein schlau abgefaßter Bericht Hussein Paschas von Widdin machte auf den Divan einen so günstigen Eindruck, daß man ihm Vollmacht verlieh, und ihm den Auftrag ertheilte, nach seinem Ermessen die geeignetsten Maaßregeln zu ergreifen, um die gestörte Ordnung wieder herzustellen. Tewfik Bcy soll nun zum Präses der zu errichtenden Untcrsuchungskommission ernannt worden seyn. Wird die Untersuchung mit Geschick geführt, so dürften unerwartete Resultate erzielt werden. (A. Z ) Asien. * Malta, 26. Mai. fAuS einer englischen Mittheilung.j Der »Bombay Overland Courier" vom 1. Mai bringt noch Folgendes aus: Persien. Die Nachrichten daher lauten friedlich. Es heißt, der brit. Agent sey im Begriff, nach Bnschir zurückzukehren und freundschaftliche Verhältnisse sollten auf die Basis eines Vertrags erneuert werden, nach welchem die Engländer Karrack fam persischen Mecrbusenj zu räumen sich verstehen, der Schah aber die Festung Gorian an den Beherrscher von Herat (Schah Kam« ramj abtrcten und seinen Heerzug nach Herat nicht fortsetzen würde. Man zweifelt indessen sehr an der Richtigkeit dieser Stipulationen, und glaubt nicht, daß Korrack von den Engländern heransgegeben werden wird. Ssind und Afghanistan. Nichts Neues ist dort vorgegangen seit der letzten Ueberlandpost. Major Todd ist wohlbehalten in Kandahar ange- kommcn. Mancherlei Gerüchte darüber, ob er recht oder nicht recht gehandelt habe, Herat so Hals über Kopf zu verlassen, laufen um. Einige calcuttaer Blätter wollen wissen, der Gciieralgvuveriiciir habe die Ansicht, Major Todd sey zu hastig gewesen, und deshalb großes Mißvergnügen bezeugt; allein das ist bloseS Gerede. Ein großer Theil der Bombaytruppen ist durch den Bolon- paß vorgerückt. Das Hauptquartier, unter General Brooks, traf am 2. April in Quetlah ein und wird bis auf weitere Verhaltungsbcfchle von Lord Auckland dort bleiben. In wenigen Wochen wird flch's daher entscheiden, ob Herat der Obhut Schah Kamram's und seines Ministers Par Mohamed überlassen bleiben oder aber von einer britischen Garnison besetzt werden soll. Die Ergreifung der letzten Maaßregel würde allerdings das wirksamste Mittel seyn, den persischen Einfluß in jener Erdgegend zu zerstören. Der junge Khan von Khelat ist noch immer in der Mitte seines Volks. Die politischen Autoritäten jder englische Resident n. s. w.j, trotz ihrer wiederholten Erwartungstäuschungen, leben noch immer in der Erwartung, daß er sich in ganz kurzer Zeit jden Eng- ländernj selbst übergeben werde. Amerika. Vereinigte Staaten. Newyork, 8. Mai. Die Angabe von den be- drängten Umständen des Generals Jackson war grundlos. Er besitzt ein Vermögen von 150,000 Dollars. ReVigirt unter Berantwortlickkeit von E. Macklot. Großherzogliches Hoftheatcr. Montag, 7. Juni: Mit allgemein aufgehobenem Abonnement. Letzte große Vorstellung der Araber aus der Wüste Sahara. Die Eintrittspreise sind die gewöhnlichen. sS.L-t4.2s Karlsruhe. (Eintracht, erste Abtheilung.) Montag, den 7. Juni im Gesellschaft-garten vollständige türkische Mufik. Anfang 4 Uhr AdendS. Das Konnte. (S.323.tj Karlsruhe. (Anzeige.) ptisch es Institut V0tt I. Kriegsmann aus Ansbach und Magdeburg, Hofoptikus mehrerer Höfe. auch Besitzer des neu erfundenen Optometers oder Augenmeffers. 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