s Karlsruher Zeitung. Mittwoch, 12. Juni. A LS7. Vorausbezahlung: halbjährlich 4 fl., vierteljährlich 2 fl.; durch die Post im'Großherzogthum, Briesträgergebühr eingeschlossen, 4fl. 3 kr. «. 2 fl. Skr. Einrückungsgebühr: die gespaltene Petitzeile oder deren Raum 5 kr. Briefe und Gelder frei. .Expedition: Karl-Friedrichs-Straße Nr. 14, woselbst auch die Anzeigen in Empfang.genommen werden. 18«7. Amtlicher Theil. Karlsruhe, den 11. Zuni. Keim Königliche Hoheit der Groß Herzog haben Sich unter dem 31. Mai d. I. allergnädigst bewogen gefunden, dem MÄnzinalreth Fuchs dahier die unterthänigst nachgesuchte Erlaubnrß zu erthrilcn, das ihm von Seiner Königlichen Hoheit deor Grobherzog von Hessen verliehene Ritterkreuz Ir Klasse des Verdienstordens Philipps des Grvßmüthigen annehmen und tragen zu dürfen. Durch höchsten Befehl Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs vom 8. d. Mts. wird der Flügeladjutant Major Otto Freiherr vomTürckheim aus-sein uuterthäuigstes Ansuchen und aus Grund des Ausspruches dev Superarbitrirungskommissivn für Offiziere «nd -Kriegsbeamte bis zur Wiederherstellung seiner Gesundheit in den Ruhestand versetzt, mit der Erlaubnis;, die Uniform der Flügeladjutanten auch fernerhin zu tragen, und Oberleutnant Weist vom Festungs--Artilleriebatatllon zur Dienstleistung bei der Zeughaus-Direktion befehligt und demselben die Funktion des Zeughaus-Inspektors zu Rastatt übertragen. Leine Königliche Hoheit der Großherzog haben unterm 6. dt Mts^gnädigst .geruht, den Amtsrichter W. JunghannS in Kcnzingcn bis zur Wiederherstellung seiner Gesundheit in den Ruhestand zu versetzen. Nicht-Amtlicher Theit. Telegramme. -j-Pesth, 11. Juni. Der Kaiser und die Kaiserin haben mittelst Handschreiben ein Krönungsgeschenk von 100,000 Dukaten für Wittwen und Waisen von HvnvedS und für Hvnvedkrüppel gewidmet. Bukarest, 10. Juni. (W. T.-B.) Nächstens soll an verschiedenen Punkten Bulgariens der Aufstand gegen die Türkei ausbrechen. Belgrad , 10. Juni. (W. T.-.B) Der Fürst von Serbien wird sich nächstens nach Wien begeben, zum Zweck einer ärztlichen Konsultation. Hierauf reist derselbe nach Paris, London und Petersburg. -j- Belgrad, 11. Juni. Gestern wurde für dix Rettung des Kaisers Alexander ein feierliches Tedeum gesungen. Die Minister und die fremden Konsuln wohnten bei. -j- Paris, 11. Juni. Der Kaiser Napoleon, der Kaiser Alexander, der König und der Kronprinz von Preußen, sowie die andern Prinzen sind heute Mittag in fünf Wagen nach Fontainebleau abgegangen. London , 10. Juni. (W. T.-B.) Um die Mitte des Monats Juli wird eine große Flottenrevue stattfinden. Der Herzog von Buckingham ist in einer Spezialmis- sion an den dänischen Hof gereist. Neu-York, 9. Juni. Lopez hat zu Queretaro den Kaiser Maximilian verrathen. Mit den am Samstag abgegangenen Dampfern wurden 1 Millionen Dollars an Contanten verschifft. Deutschland. Karlsruhe, 11. Juni. Ihre Königliche Hoheit die Frau Kxonprinzessin von Preußen ist letzten Samstag den H. Juni auf der Rückreise von Paris in Baden eingetroffen und gestern den 10. Juni, Mttags, mit ihrem ältesten Sohne, dem Prinzen Wilhelm,, Königliche Hoheit, der seit mehreren Wochen am Großherzoglichen Hofe verweilte, nach Berlin ab- gereist. , Gestern Abend kohlte Seine Königliche Hoheit der Groß- Herzog von Baden in die Residenz zurück, gedenkt aber sich heute wieder dorthin zu begeben, um Seine Majestät den Kaiser von Rußland zu empfangen, Höchstwelcher morgen Vormittag um 8 Uhr, von Paris kommend, oortselbst eintres- fen und nach dreistündigem Aufenthalt die Reise nach Stuttgart sortsetzen wird. Karlsruhe, 11. Juni. Die Verhandlungen, welche zwischen den hohen Regierungen des Zollvereins wegen Aufhebung des Salz Monopols und-Einführung einer gemeinschaftlichen Salzsteuer zu Berlin geführt find, begannen in der zweiten Hälfte des März und gelangten am 8. Mai zum Abschluß. Das Vertragswert-besteht 1) rn einer Ueberrinkunft zwischen Preußen, Bayern, Sachsen, Württemberg, Baden, Hissen, den beim Thüringischen Zoll- und Handrlsverern beihriligten Staaten, Braunschwetg und Oldenburg, die Erhebung einer Abgabe von Salz betreffend, 2) in dem Schlußprotokoll vom gleichen Tage zu der Ueberein- lurrft und der beigeschlossenen Verordnung, 3) in einem Nc- benprvtokoll über die vereinbarte Vollzugsverordnung und die Instruktion zur Erhebung und Sicherung der Salzabgabe auf den Privatsalioen, 4) in eiuem Protokoll, in Betreff eines Vorbehalts wegeH Beseitigung der Zpüpräzjpuen, 5) in eiuem Protokoll, me Wahrung des ständischen ZnstimmuugS- rechts betreffend. Art. 1. Die Uebereinkunft stellt- im ganzen Zollverein den freien Verkehr mit Salz her. Art. 2 belegt das im Zollverein gewonuenc, sowie das aus dem Ausland einge- sührte Salz mit einer Abgabe vom 3 fl; 80 kr. pro Zvllzentner Nettogewicht. Nächst Kochsalz find außer dem Siede-, Stein- und Seesalz olle Stoffe begriffen, aus 'welchen Salz auSge- schieden zu werden pflegt. Nach Art. 3 und 4 ist die Abgabe gemeinschaftlich und findet die Abrechnung über den Ertrag (nach Abzug der Kosten der Erhebung und Konirollrung) nach den für die Zollvereins-Einnahmen verabredeten Grundsätzen, also nach dem Verhältniß der Bevölkerung statt. Abgabenfrei bleibt auf Grund von Art. 5 das zu. landwirth- schastlicheu Zwecken, d. h. zur Viehfütterungi und zur Düngung bestimmte Salz; ferner Salz zum Einsalzen, Einpökeln rc. von Gegenständen, die zur Ausfuhr bestimmt sind; endlich Salz zu allen sonstigen gewerblichen Zwecken (jedoch mit Ausnahme des Salzes für solche Gewerbe, welche -Nahrungsund Genußmittrl für Maschen bereiten, namentlich auch mit Ausnahme des Salzes für die Herstellung von Tabaksfabrikaten» Mineralwassern und Bädern). Salz für die Laudwirthschaft und die Gewerbe wiro unter steuerlicher Kontrole denaturirt, wofür es den Staaten freigelassen ist, eine Kontrolgebühr von höchstens 7 kr. pro Ztnr. für eigene Rechnung zu erheben. Zu Zwecken der Wohl- thätigkeit und Salz-Naturalabgaben und zur Nachpökelung von Häringen kann Sah ganz oder teilweise abgabenfrei gelassen werden. Der Vollzug dieser Uebereinkunft ist an die bestimmte Voraussetzung geknüpft, daß zuvor der Fortbestand des Zollvereins sicher gestellt wird. (Das ist bekanntlich unterdessen geschehen.) Die Uebereinkunft gilt vom l. Ja«. 1868 ab. Eine weitere Herabsetzung der Abgabe von Salz war bei den Berliner Verhandlungen nicht zu erreichen; ^dagegen sprach das fiskalische Interesse der norddeutschen Staaten, indem z. B. Preußen schon bei dem Satz von 2 Thlr. pro Ztnr.--einen Ausfall voll über 1 Million Thlr. erleidet. Die Beseitigung des Monopols und die Fteigebung des Handels mit Salz im ganzen Zollverein ist jedenfalls ein so bedeutender Fortschritt, daß das Opfer, welches masere Staatskasse zunächst zu bringen -haben wird, dadurch wohl ausgewogen wird. Wie stark der Ausfall sein wird, läßt sich mit einiger Sicherheit nicht Voraussagen, da derselbe einmal von der-Höhe der Einfuhr fremden Salzes und dann von den Arrangements, die in Betreff der Salinen Dürrheim und Rappenau getroffen werden, abhängt. Gegenwärtig kostet das Kochsalz in allen Theilen des Landes in Folge der Transportvergütungen, die an die Abnehmer gewährt werden, 3 kr. pro Pfund, und der Staat hat ein Reinertrag von ca. 2 fl. 55 kr. pro Zentner. Es ist nun sticht unwahrscheinlich, daß bei der Steller von 3 fl. 30 kr. in einigen von den großen Straßen und den Salinen entfernter gelegenen Orten der Preis des Tafelsalzes eine Zektlang über 3 kr. pro Pfund steigen wird; doch wird die Erhöhung nur geringfügig sein und von der freien Konkurrenz bald beseitigt werden. Man wird künftig verschiedene Sotten Speisesalz einführen und bei uns auch das billigere Steinsalz zum Kochen der Speisen rL verwenden. Gerade aber für diejenigen Gegenden, welche Vielleicht zunächst eine Preiserhöhung des Taselsalzes zu erwarten haben, ist es sehr wichtig, dag das Salz für die landwirtschaftlichen Zwecke abgabenfrei bleibt. Gegenwärtig muß das Viehsalz an Unfern Salinen mit 2 fl. 30 kr. pro Ztr. bezahlt werden und die vollenTransportkosten kragen. Künftig werden wesentlich diese allein aus diesem Salz ruhen; die kleine Kontrolgebühr kommt nicht in Betracht und es ist übrigens noch nicht sestgcstcUt, ob sic überhaupt zur Erhebung kommen wird. Der Preis des Salzes wird' künftig fast ausschließlich von den Frachtpreisen abhängen; eS ist dasselbe in den'norddeutschen Salinen sehr billig. Man produzirt dort Köchsalz zu 28 kr. pro Ztr. und Viehsalz wird zu 15 kr. und darunter zu käufen sein. Düngesalze (Adrüum der Salzlager) werden scholl gegenwärtig zu 9 kr. pro Ztr. abgegeben. Es läßt sich borausschen, daß im Anschluß an Die betreffenden Bestimmungen der Verfassung des Norddeutschen Bundes die Fracht für Sälz in wenigen Jahren ungefähr' auf die gegenwärtigen Tarifs ätze für Steinkohlen herabgehen werde. Billiges Salz ist für die Litndwlrthschast und zahlreiche Gewerbe von so großer Bedeutung, daß man einen entschiedenen Aüffchwullg derselben aus Grund der Uebereinkunft und davon auch eine günstige Rückwirkung auf die Staatseinnahmen lm Allgemeinen erwarten kann. Was das Schicksal unserer badischen Saiillen betrifft, so ist dem Vernehmen nach über dasselbe eine Entscheidung noch nicht getroffen; doch zweifeln wir nicht, daß die großh. Regierung den Landständen bei den betreffenden Vorlagen in der nächsten Session Mittheilungen über ihre Absichten machen werde. Es ist wohl anzunehmen, daß das Steinsalz, welches von den geringsten Gcwinnungskdsten belastet ist, fthr schnell seinen Weg zu uns finden werde. Me Bedenken, die Men die einzelnen Bestimmungen der Uebereinkunft erhoben werden könnten, müssen übrigens vor dem großen Gewinn zurückstehen, daß mittelst dieser Uebereinkunft der Fortbestand, und zwar die bereits erfolgte schleunige neue Sicherung des Zollvereins ermöglicht wurde. Stuttgart, 10. Juni. (Schw. M.) Wie wir hören, werden in den nächsten Tagen 6000 preußische Zünd- nadelgewehre zur Einübung unserer Infanterie eintref- fen. Diewürttemb. Artillerie hat neuerdings verschiedene Aenderungen erfahren. Ans den bisherigen Batterien zu 8 Geschützen wurden 9 Batterien zu 6 Geschützen gebildet, wodurch die württemh. Artillerien in diejenige Formation eintritt, welche fast alle Artillerie Europa's als die richtigste erkannt und eingeführt haben. Daß Batterie» mit 8 Geschützen, 8 Munitions- und 5 weiteren Wagen, also mit 2 t'Fahrzeugen, zu groß sind, darüber besteht längst kein Zweifel mehr; wie denn auch bei der Stuttgarter Konferenz die Anzahl der Geschütze für 1 Batterie auf 6 festgestellt wurde. Mit der neuen Aenderung ist die Reorganisation der Artillerie im Wesentlichen durchgeführt; 'sie besteht in der Trennung der Feld- von der Festungsartillerie; in der Einführung des preußischen Hinterladers mit durchaus gleicher Art der Bedienung in sämmtlichen Feldbatterien; in der Reduktion der letzteren von 8 Geschützen auf'6 und in der Bildung der Depotabteilungen und Mnnitionskolonnen aus den geschlossenen Bataillonen. Diese Aenderung insbesondere gestattet einen leichtern Uebergang von der Friedens- zur Kriegsformaüon. Berlin. 8. Juni. Man schreibt der „Köln. Ztg.".' Hcs- sen-Darmstadt ist gestern der Uebereinkunft vom 4. Juni in der Zottängelegenheitbeigetreten. Die Zollkonferenz der Fachkommissäre wird voraussichtlich Mitte des Monats / zwischen hem 17. und 20., züsammentrtten, und e« ist alle Aussicht vorhanden, daß bis dahin auch Bayern dem Zollvereins-Vertrag beigetretcn sein wird. WaS die Betheiligung der süddeutschen Regierungen und Bevölkerungen an der künftigen Zollgesetzgebung betrifft, so. würde, da der auch in der norddeutschen Verfassung festgehälkene' Maßstab 'gelten soll, der Bundesrath um 13 Stimmen — Bayern und Württemberg je 4, Baden 3, Hessen-Darmstadt (im Ganze»») 3 —, der Reichstag! um etwa 86 Abgeordnete —Bayern 48, Württemberg 18, Baden 14, Hessen (südlich vom Main) 6 — vermehrt werden. Man darf gespannt sein, ob Preußen (welches 17 Stimmen besitzt) sich i» dem so vergrößerten BundcSrath (55 Ltimmen) ein Beto Vorbehalte» hat. Die Abschließung des 'Vertrags auf Zeit (bis zum 31. Dez. 1877) hat die Bedeutung, dem Vertrag seinen internationalen Charakter zu wahren und damit etwaigen Einwendungen Oesterreichs und Frankreichs zu begegnen. Daß her Vertrag von Seiten deS Südens wicdxr gekündigt werde., nachdem einmal die gemeinsame Gesetzgebung in THLtigkcit gewesen, brauchen wir nicht zu fürchten. ,, >f. Die „Wes.-Ztg." bemerkt zu der in der Zollvrrcws-Ueber- emkunft bestimmten beschränkten Zeitdauer: .Die an und für sich im Widerspruch mit her Nalur de« künftigen Verhältnisses stehende Beschränkung der Vertragsdauer iy,f -0 Jahre hat den Sinn einer großen Konzession «n diejenigen süddeutschen Staaten, welchen cs zu schwer wild, sofort definitiv auf ihre Partiku- larsonveränetät in ZollverejnS-Sachen zu verzichten. Ebenso scheint diesen Staaten bei der Bestimmung des Stimmenverhältnisse» im BundcSrath mehr «ingeräumt zu sein, gls sie an und für sich be- anspruHen dürften. Aber dieselbe Politik, welche sich im, Norden wohl bewährt hat, wird dem Süden gegenüber nicht weniger heilsam sein. Wenn einmal die Vertreter Süden« im Reichstag sitzen, so wird den Süden nichts wieder vom Norden trennen können. S Berlin, 10. Juni. Heute Abens, wird Ihre Köniäl. Hoh. die Frau Kronprinzessin Mihrem ältesten Sohn, dem Prinzen Friedrich Wilhelm, aus Baden-Bade^m Nette» Palais bei Potsdam -rmkreffen. Höchstoieseibe hat sich bekanntlich vor einigen Tagen von Paris guS zu Ihrer Müj. der Königin August» nach Baden-Baden begeben. Se! Königl. Hoh. der Kronprinz kehrt am Freitag den 14. Juni zusammen mit Sr. Maj. dem König aus der französischen Hauptstadt smch Potsdam zurück. Am 15. kommt Se. Maj. der Kais er von Rußland auf seiner Rückreise von Paris über Stuttgart und Darmstadt dort an.- Wie verlautet, wird zu dem bevorstehenden Besuch de« Kaisers Minder am königl. Hof auch Ihre Maj. die Königin Augusta von Baden-Baden nach Schloß Babelsberg kockmen. — Morgen kehrt der Handelsminister Graf zu Jtzen plitz von seiner nach Paris unternommenen Reise hieher zurück. Derselbe hat während der letzten Tage sich in Angelegenheiten' seines Ressorts in Wiesbaden «nd Frankfurt a. M. aufgehalten. Am 1. Juli ttilt der Präsident v. Rordenflycht in sein neues Amt als Obcrpräsident der Provinz Hannover. An demselben Tag wird der Geh. RegierungSrälh ».Hardenberg die Stelle eines Regierungs-Vizepräsidenten für den Bezirk Hannover übernehmen. »-..In Frankfurt a. M. wird demnächst die Auseinandersetzung des Staatsvermögens und des StadtvermögeuS vollzogen werden. Der von beiderseitigen Kommiffarien vereinbarte Anscinaudersetzungs - Entwurf hat die Genehmigung des Finanzwesens bereits erhal- s- len. — Die von einem hiesigen Blatt gebrachte Mittheilung, datz die Verhandlungen über die Vermögens-Auseinandersetzung mit Sr. H. dem Herzog von Nassau abgebrochen worden seien, ist unrichtig. Wie von meist wohlorientirten Personen versichert wird, haben diese Verhandlungen nur eine Unterbrechung erfahren. Ihre Wiederaufnahme soll binnen kurzem zu erwarten sein. — In Plön und in Oran teilst ein werden bekanntlich neue Kadetlenanstalten errichtet. Die Eröffnung beider ist auf den 1. Juli angesetzt. Zur gemeinsamen Regelung des Postwesens im Norddeutschen Bund halten im Monat Juli die Chefs der Postverwaltungen aller betreffenden Bundesstaaten Wr in Berlin Konferenzen ab. Oesterreichische Monarchie. Wien, 8. Juni. Die bereits telegraphisch gemeldete Amnestie ist mittelst kaiserl. Handschreibens an den Justizminister ergangen. T er Anfang dieses Schreibens lautet wie folgt: Er ist ein Bedürfniß Meines Herzens, daß an dem Tag, an welchem Ich mit der Krone des hl. Stephan werde gekrönt werden, auch in Meinen nicht zur ungarischen Krone gehörigen Königreichen und Ländern all' denjenigen Personen, die sich eine Beleidigung gegen Mich oder gegen irgend ein Mitglied Meines Kaiserhauses zur Schuld kommen ließen, volle Verzeihung zugewendet werde, und daß dieser hochwichtige Tag nach Thunlichkeck auch in die Stätten des, wenn gleich selbst verschuldeten Unglücke, Trost und Freude, daher solchen Gefangenen, welche für ihre Verbrechen bereits den größer» Theil der Strafe gebüßt, al« gebessert und als ungefährlich für die Gesellschaft erkannt worden find, die Freibeit und Rückkehr in den Krei« ihrer Familien bringen möge. Der Inhalt der Amnestie ist bereits mitgetheilt worden. — Wie die Presse mittheilr, steht auch eine Amnestie in Ungarn bevor. Es ist dabei zu erwähnen, daß dieselbe zwar eine ausnahmslose ist, daß indessen jeder Emigrant, welcher von derselben Gebrauch zu machen wünschr, einen Revers zu unterzeichnen haben wird, durch welchen er sich zur Treue und Gehorsam gegen den legitimen König und sein Haus, sowie zur Beobachtung der Landesgesetze verpflichtet. Diesen Revers wird z. B. Kossuth uohl nicht unterzeichnen; es war daher auch gar nicht nothwendig, seinetwegen eine Ausnahme von dem Amnestie-Akt zu stipuliren. Pesth, 8. Juni. Das Fest hat nicht gehindert, daß hier die Anwesenheit von Reichsraths-Mitgliedern zu politischen Besprechungen benützt wurde. Die ReichsrathS- Präsidenten Fürst Auersperg und vr. GiSkra sollen morgen in Ofen Sr. Majestät die Adressen der beiden Häuser deS Reichsraths überreichen. Hier heißt es, daß schon in den nächsten Tagen das cisleithanische Ministerium eine Verstärkung durch Eintritt mehrerer liberalen Abgeordneten in dasselbe erhalten wird. Der ungarische Landtag soll auf zwei Monate vertagt werden; in der Zwischenzeit würde die Sie- benundsechziger-Kommisston zu etwaigen, jedoch nicht rechtsverbindlichen Verhandlungen mit dem reichsräthlichen Ausschuß ermächtigt werden. Pesth , 8. Juni. Die Zeremonie der Krönung begann um 7 Uhr mit dem Auszuge aus der Burg. Um halb 8 Uhr erschien der Hof vor der Kirche. Voran ritt eine Eskadron Husaren, dann folgten Edelknaben, Arcieren, Minister, Reichswürdenträger, Mitglieder des kaiserlichen Hauses und der König in ungarischer Generalsuniform, Alles zu Pferde. Der König wurde so Per wie überall mit größter Begeisterung empfangen. Dann folgte die Königin in goldenem, von acht weißen Pferden gezogenem Wagen. Sie trug ein weißes Kleid mit langer Schleppe, eine Diamantenkrone und Dia- mantenschmuck. Sodann folgte die Obersthofmeisterin in einem sechsspännigen Galawagen, hierauf die kaiserlichen Kinder und Pallastdamen. Ungarische Garden und Hofgendarmen schloffen den Zug. An der Kirche wurden die Majestäten von den Bischöfen empfangen. Die Krönungszere- monic nahm über eine Stunde in Anspruch. Liszt's Messe fand allgemein Beifall, und als Andrassy nach beendeter Krönung Eljen auf die Majestäten ausrief, hallte es in der Kirche und auf dem Platze donnernd wider. Nach der Krönung kehrten II. MM., die kaiserlichen Kinder und die Pallastdamen in die Burg-zurück, der Zug bewegte sich nach der Garnisonskirche zum Ritterschlag. Minister Lonyay, asfistirt von zwei Abgeordneten und zwei Magnaten, streute Jetons auS; das trikolore Tuch wurde hinter dem Zug vom Volke aufgerafft. Nach V-10 Uhr fand der Ritterschlag statt, worauf Se. Maj. und die Erzherzoge sich in die mit gelbem Damast ausgeschlagene Sakristei zurückzogen und ungefähr 10 Minuten verweilten. Als Se. Maj. herauskommend, den Krönungsschimmel bestieg, wurde er mil namenlosem Jubel begrüßt. Um ^11 Uhr erschien Ihre Majestät auf der Terrasse des Lloydgebäudes; im Gebäre wurde sie durch JalicS, Wahrmann und Weibkirchen, als Vertreter des Handelsstandes und der Lloydgesellschaft, ehrfurchtsvoll empfangen. Nach vollzogener Eidesleistung etwa um ^12 Uhr fand die Zeremonie der vier Schwertstreiche statt. Se. Majestät ritt in kurzem Galopp den Hügel hinan, und wendete das Pferd bei jcdem Streich nach der betreffenden Himmelsgegend. Die Reichs- und Landesbanner trugen beim KrönungSzug Baron Georg Orczy, Graf Alexander Erdödy, Graf Peter Pejacsevich, Graf Stephan Keglevich, Baron Albert Banffy, Baron Joseph RudicS jun., Graf Stephan Karolyi, Graf Ladislaus Batthyanyi, Graf Emanuel Andrassy, Graf Anton Szatray, Graf Anton Eszterhazy Hr. v. Beust wurde an mehreren Punkten vom Volke mit enthusiastischen Ovationen begrüßt. Heute Nachmittag Volksfest auf der Generalwiese in Ofen mit der üblichen Vertheilung von Fleisch, Brot und Wein. Italien. * Flore«;, 8. Juni, Abends. Die Kammer setzt die Diskussion über das Budget der öffentlichen Arbeiten fort.— Morgen Abend findet eine KommisstouSsitzung zur Berathung über den Entwurf zur Liquidation der Kirchengüter statt. — Man meldet aus Turin den Tod des Generals de Sonnaz. Frankreich. * Paris, 9. Juni. Wie der' „Moniteur" berichtet, fuhren gestern Nachmittag Kaiser Alexander und Kaiser Napoleon ohne weitere Begleitung in einem kleinen Ltmr ä bimes nach der Ausstellung in die egyptische Abtheilung. Ihre Majestäten wurden von einer unermeßlichen Menge umringt, welche sie mit den lebhaftesten Zurufen begrüßte. Beide Kaiser begaben sich hierauf in die Loole militsiro. — Das amtliche Organ veröffentlicht eine neue Reihenfolge von Adressenaus verschiedenen Theilen Fl ankreichs. Auch aus dem von dem Kaiser gestifteten Genesungshause in Vincennes ist eine Adresse eingelaufen. — Eine Deputation der in Mans wohnenden polnischen Emigranten hat sich gestern zu dem Präfekten des Sarthe-Departements begeben, um demselben ihr tiefes Bedauern und ihre Mißbilligung bezüglich des gegen den Czaar verübten Attentats auszudrücken. Gestern wurde im Gesetzgeb. Körper der lang erwartete Entwurf des Armeereorganisations-GesetzeS eingebracht. Es ist dies die neueste zwischen der Kommission und dem Staatsrath vereinbarte Ueberarbeitung, in der jedoch erstere ihre Amendements aufrecht erhalten hat. Der neue Entwurf umfaßt 19 Artikel in vier Abschnitten. Nachstehend die Hauptbestimmungen desselben: Der Effektivbestand der Armee, aktive- Heer und Reserve, beträgt 800,000 Mann. Die Stärke des jährlich einzuberusenden Kontingent- wird von dem Gesetzgeb. Körper durch ei» Spezialgesetz festge- stelli. Diese- Gesetz theilt gleichzeitig da- Kontingent in zwei Theile, deren einer der aktiven Armee, der andere der Reserve einverleibt wird. Der aktive Dienst dauert süns Jahre; an ihn schließt sich ein vierjähriger Dienst in der Reserve. Die jungen Leut-, welche von vorn herein der Reserve zugetheilt find, haben süns Jahre derselben anzugehören und können nur durch kaiserl. Dekret zum aktiven Dienst einberufen werden. Die Reservisten, welche vorher süns Jahre in der aklioen Armee geoient haben, können ebenfall« nur durch kaiserl. Dekret und nach JahreSklafsen, wobei bei der jüngsten anzufangen ist, einberusen werden. Sie können sich in den zwei letzten Jahren ihrer Reservezeit (also vom 27. Jahre an), ohne Ermächrigung einzuholen, verheirathen, jedoch alsdann nicht, wenn sie durch kaiserl. Dekret in den aktiven Dienst zurückberufen sind. In Bezug aus da- Loskaufsystem werden die auf die Armee-Dotalion-kaffe bezüglichen Gesetze vom Jahr 1860 und vom Jahr 1864, sowie auch einzelne Bestimmungen des Gesetze- vom Jahr 1866 abgeschaffl und die wesentlichen Artikel de« Gesetzes vom Jahr 1832 wieder «ingeführt. ES wird eine mobil« Nationalgardc eingeführl, die nur durch ein besonderes Gesetz einberusen werden kann. Doch können innerhalb 20 Tagen vor Einbringung diese« Gesetzes die einzelnen Bataillone in dem Hauptort oder an irgend einem andern Punkt ihres Departements durch kaiserl. Dekret versammelt werden. In diesem Fall hat das Kriegsministerium die Kosten für den Unterhalt der Offiziere und Mannschaften zu bestreiten. Zur mobilen Rationalgard« gehören vom Jahr 1867 an alle jungen Leute, die durch die Ziehung nicht der aktiven Armee »der der Reserve einverleibt werden; f-rner die jungen Leute, welche von Anbeginn an 5 Jahre lang in der Reserve gedient haben; endlich die, welche nach vollendeter Dienstzeit in die mobile Nationalgardc eintreten wollen. Die Verpflichtung, der Natianalgarde anzugehörcil, dauert für die, welche vorher nicht gedient haben, süns, und für die ausgedienten Reservisten vier Jahre. Die mobilen Na- tionalgardtsten können zu jeder Zeit, ohne einer Ermächtigung dazu zu bedürfen, sich verheirathen. Sie können sich durch einen Franzosen unter 40 Jahrcu, der dazu tauglich ist, ersetzen lassen. Die mobile Nationalgarde wird je nach Departement« in Bataillone, Kompagnien und Batterien organistrt. Die Offiziere werden vom Kaiser, die Unteroffiziere und Korporale von der Militärbehörde ernannt. Die mobile Nalionalgarde erhält nur, wenn sic zum aktiven Dienst berufen wird, eine Besoldung. Regelmäßigen Sold erhallen nur die mit der Ein« excrzirung der Mannschaften und mit der Verwaltung deaustragten Offiziere und Unteroffiziere. Die mobilen Nationalgarden müssen Uebungen in ihrem Kanton und Kompagnie- und Bataillon-Übungen in ihrem Bezirk mitmachen. Ihre Gesammtdauer darf jedoch während der fünf Jahre keine 2V, Monate, und während eines einzigen Jahre« keine 26 Tage überschreiten. Sobald die Uebungen eine mehr als zwölsstündige Entfernung von dem Wohnort nölhig machen, muß da« Kriegsministerium für Quartier und Verpflegung der Offiziere und Mannschaften Sorge tragen. Die mobilen Nationalgarden sind während ihrer Vereinigung denselben DiSziPlinarbestimmungen unterworfen, wie die für die gegenwärtig« Nationalgarde vorhandenen. Offiziere, Unteroffiziere und Korporäle stehen während des Diensteunter den militärischen Disziplinargesetzen. Als vorübergehende Bestimmung wird ausgestellt, daß, von dem Tag der Promulgation des Gesetzes an die Junggesellen und kinderlosen Wittwer, die in den Jahren 1866, 1866, 1864 und 1863 ausgedient haben, der Nationalgarde anzugehörcn haben und zwar di« der Klasse 1866 vier, die von 1865 drei und die von 1864 und 1863 je zwei Jahre lang. Die „Gaz. des Tribun." theilt mit, daß die Untersuchung gegen Berezowski unausgesetzt forlgesührt wird. Es wurden im Lauf des 8. wiederum mehrere Zeugen, worunter auch der kaiserl. Stallmeister Raimbeaux und der Hauptmann der Pariser Stadtgarde, welcher den Mörder zuerst festnahm, vernommen. Berezowski ist fortwährend ruhig und verharrt aus seinen ersten Aussagen. Berezowski ist 22 Jahre alt und in dem Bezirk Dubno in Wolhynien geboren. Seine Familie, die dem kleinen Adel angehört, war unirter Konfession, wurde jedoch unter Kaiser Nikolaus gezwungen, zur orthodoxen griechischen Religion überzulreten. Berezowski war an der letzten Revolution betheiligt uni» mußte außer Landes gehen. Ende 1863 oder Anfang 1864 kam er nach Paris. Er hatte studirt und suchte nun in Paris die Mittel zu seiner weitern Ausbildung, worin er von den betreffenden Polenvereinen unterstützt wurde. Er erhielt 200 Fr., die deui Institut Jausfret, wo er vier oder fünf Monate blieb, bezahlt wurden. Er war ein arbeitsamer, ordnungsliebender und gutmüthiger junger Mensch. Später trat Berezowski, da er ohne Mittel war und den Unterstützungsvereinen nicht zur Last fallen wollte, in die Maschinenfabrik Gouin ein, wo bereits mehrere seiner Landsleute arbeiteten. Er blieb daselbst bis Anfang 1867, und stand im Ruf eines guten Arbeiters und eines guten Kameraden. Mehrmals halte er die Absicht zu erkennen gegeben, nach Galizien reisen und dort an den Eisenbahnen arbeiten zu wollen. Leider kam diese Reise nicht zu Stande. Seit Anfang Mai hatte man Berezowski nicht mehr in Paris gesehen. Keiner seiner Freunde hätte ihn dieser Thal fähig gehalten. Die verständigen Leute in der polnischen Emigration haben sich von vornherein wegen der Ankunft Alexanders Sorge gemacht. Vom ersten Tage an wurden die exaltirteste» Köpfe von ihren eigenen Freunden überwacht ; niemals aber hegte man in Bezug auf Berezowski irgend einen Argwohn. Hr. Rouher gab gestern ein Diner, an welchem Fürst Gortschakow, Graf Bismarck, Marq. de Moustier und Marq. Lavalette Theil nahmen. — Der große Ball im Hotel de Ville ist über alle Maßen glänzend ausgefallen. Die k. k. Majestäten und ihre fürstlichen Gäste fuhren in geschloffenen, im Innern aber hell erleuchteten Staatswagen nach dem in einen Feenpallast verwandelten Stadthause. Längs der Ri- volistraße erscholl aus den dichten Menschenreihen ein vielfaches ,Vive I'Lmxsreurl" und „Vivo ie Lrssr!" Noch stärker und begeisterter war der Empfang, welchen die Gesellschaft im Hotel de Ville selbst den höchsten Herrschaften beim Eintritt bereitete. Paris, 9. Juni. (Köln. Ztg.) Nach den Andeutungen, die verschiedene Staatsmänner laut werden lassen, ist keine Aussicht vorhanden, daß die Zusammenkunft der Fürsten in Paris zu einer sich auf die Regelung der europäischen Fragen beziehenden Verständigung kommen werde. Niemand kann wissen, was in den vertraulichen Gesprächen der Fürsten gesagt wird; aber nach den Eindrücken, welche in der Umgebung der hohen Herrschaften vorherrschend sind, ist nicht einmal der Versuch zu einer über die Tagessragen hinausgehenden Vereinbarung geschehen. Zu letzteren gehört die Angelegenheit Kandia's, und wenn man in Bezug auf diese sich auf eine Untersuchung beschränkt, so liegt in diesem bescheidenen Anspruch bereits eine Reculade sowohl von Seiten Frankreichs als auch von Seiten Rußlands. Im Uebrigen beschränkt mau sich auf allgemeine Versicherungen, auf gegenseitige Erklärungen zu Gunsten der Dauer des Friedens. Der König von Preußen hat fortwährend Grund, mit der Aufnahme, die ihm hier zu Theil geworden, zufrieden zu sein. Er macht einen entschieden günstigen Eindruck. Der Czaar ist seit dem Attentat ebenfalls Gegenstand wohlwollender Kundgebungen, wo er sich auch im Publikum zeigte Paris, 9. Juni. (Köln. Ztg.) ES ist natürlich noch immer das Attentat, das alle Welt beschäftigt. Ein vorgestern stattgehabtes zweites Verhör, dem u. A. auch der Justizministcr Barsche beiwohnte, hat den sonst ziemlich starknervigen Großstegelbewahrer tief erschüttert. Der Verhaftete soll Mitthetlungen über Akte der russischen Regierung gemacht haben, welche seine nächsten Anverwandten betroffen und die in der Folge kaum verfehlen können, aus die Ge- schwornen, die über Berezowski zu urtheilen haben, einen peinlichen Eindruck zu machen. Dennoch fangen sich die Indizien zu mehren an, daß der Angeklagte nicht ohne Mitschuldige sei. Bereits wurde ein Mann verhaftet, der verdächtige Reden ausgestoßen. Im ersten Verhör soll sich derselbe jedoch als wahnsinnig erwiesen haben; es ist indeß möglich, daß dieser Geisteszustand nur simulirt sei. Den ersten Anstoß, ein Komplott zu vermuthen, gab den mit Nachforschungen betrauten Agenten die Wahrnehmung, daß Berezowski sich in einer Allee befand, die der kaiserl. Wagen nach dem ursprünglichen Plan überhaupt gar nicht pasfiren sollte. Man glaubt daraus schließen zu müssen, daß sich auch an anderen Punkten Verschworne aufgestellt befanden. — Auf dem Ministerium des Innern treffen allstündlich neue Beglückwünschungs-Adressen der Munizipien des Landes ein. Dem auswärtigen Amt wurde aus Madrid tele- graphirt, daß die versammelten Cortes nach einer Rede des Marschalls Narvaez und des Abg. Castro einstimmig beschlossen haben, in einer Resolution den Herrschern von Frankreich und Rußland ihr Bedauern über diesen Vorfall auszudrücken. Beim Baron Budberg trafen Depeschen ein, nach denen das offizielle Warschau beim Eintreffen der Kunde Trauer angelegt habe. Der treue polnische Adel war sofort zusammengetreten, um eine Deputation zu wählen, die sich nach Paris begeben sollte, um dem Kaiser Alexander eine Adresse zu überreichen, in welcher die tiefste Abscheu vor diesem Mordversuch ausgedrückt wird. — Der Kaiser von Rußland war noch am Abend des 6. Juni in Zivilkeidung, und ehe er sich auf den Budberg'schen Ball begab, in einfacher Droschke durch die Boulevards gefahren. Er dinirte auch mit gutem Appetit, während dem Großfürsten Thronfolger die Eßlust vollständig vergangen war. Am Abend vorher hatte Alexander den Ball Mabille besucht. Gestern Nachmittag um 3 Uhr besuchten der Kaiser von Rußland und seine beiden Söhne den alten Louvre. Hr. v. Nieuwerkerke führte dieselben herum. Der Besuch dauerte ungefähr 1*/, Stunde. Des Abends begaben sich der Czaar und die Großfürsten ins Thcatre Francais. Sie waren in Zivil und kamen in einfachen Wagen ohne Eskorte an, so daß das Publikum , welches vor dem Theater versammelt war, sie gar nicht bemerkte. Im Innern des Theaters wurden sie erkannt, es wurde jedoch nicht gerufen. Die Sympathie für den König von Preußen ist hier sichtlich im Zunehmen begriffen; wenn man am Tage seiner Ankunft ziemlich kalt war, so empfängt man den König heute überall nicht allein auf die respektvollste Weise, sondern er wird, wenn er irgendwo erscheint, mit ungewöhnlicher Sympathie ausgenommen, die sich oft in dem vielfachen Rufe: „Vivo Is koi äo ?rasss!" kundgibt. Die persönliche Erscheinung des Königs ist auch der Art, den Franzosen zu imponi- ren — die große, kräftige Gestalt, das heitere, freundliche, aber doch so männliche Gesicht, die Leichtigkeit, mit welcher der 70jährige Mann stundenlang in der Ausstellung umhergeht, ohne auSzuruhen oder auch nur daran zu denken, eine Erfrischung zu sich zu nehmen — alles dieses imponirt denselben in hohem Grade. Bei dem gestrigen Besuch des Königs in der Ausstellung waren in Folge des Attentats auf den Ezaaren größere Vorsichtsmaßregeln getroffen worden. Man ließ Niemanden in dessen Nähe. Ein Mann, der an nichts Arges dachte, ging in die Abtheilung hinein, wo sich der König befand. Zwei Agenten riefen ihm zu, er solle Zurückbleiben. Er hörte aber nicht darauf, und nun sprangen die Agenten auf ihn zu und packten ihn am Arme. Ein kleiner Tumult entstand, und der König, der aufmerksam wurde, trat plötzlich auf den Mann zu, der schon ziemlich bejahrt war, und reichte ihm die Hand. Die Agenten ließen ihn natürlich sofort los, und der König sprach mit demselben während einiger Minuten, indem er beim Fortgehen sagte: „Mein lieber Geheimerrath! Sie sind doch ein verdächtiger Mann, denn sonst hätte" man Sie durchgelaffen." Der von den Agenten Gepackte war nämlich der Geh. Rath Professor Waagen aus Berlin.— Man rechnet es hier dem Kronprinzen und der Kronprinzessin von Preußen hoch an, daß sie ihre Anwesenheit in Paris zu ernsteren Studien benützen. Die Theil- nahme besonders, mit der die Prinzessin Viktoria die hier bestehenden Arbeitsschulen für Mädchen in allen Einzelheiten in Augenschein nahm, hat ihr viele Herzen zugeführt. * Paris, 10. Juni. Der Kaiser Alexander wird morgen mit seinen beiden Söhnen Fontainebleau besuchen. Der Kaiser Napoleon, der König von Preußen und die augenblicklich in Paris anwesenden Prinzen werden den Kaiser Alexander aus diesem Ausfluge begleiten. Abends wird der Kaiser mit seinen Söhnen auf der Gürtelbahn sich auf den Bahnhof begeben, um nach Deutschland abzureisen. — Gestern Abend ist derKronprinz vonItatien hier eingetrof- sen. Der Kronprinz und die Kronprinzessin von Sachsen werden den 17. erwartet. Der König von Schweden wird sich in den ersten Tagen Juli's nach Vichy begeben und auf seiner Rückkehr für einige Tage Paris besuchen. Gestern Morgen hat der Kaiser dem Marquis v. Mou- stier das Großkreuz der Ehrenlegion verliehen. Der Stallmeister Raimbeaux wurde zum Offizier der Ehrenlegion ernannt. — Wie der „Etendard" meldet, wird der König von Preußen Paris am 14. d. M. verlassen. Er wird auf der Straßburger Bahn reisen. Dasselbe Blatt glaubt zu wissen, daß die russische Regierung sich nach langem Zaudern entschlossen hat, sich bei der am 17. Juni in Paris zu eröffnenden Münzkonferenz vertreten zu lassen. — Börse. Wenig Geschäft, aber Kurse sehr fest. Rente 70.65, Cred. mvb. 403.75, ital. Anl. 52.75. Spanien. ' * Madrid, 8. Juni. Die Deputirtenkammer hat sich für Lesung einer Vorlage entschieden, die zum voraus alle in Folge einer Revolution bewilligte Verkürzung der Dienstzeit, Beförderung, Ernennung oder Ordensverleihung als un- giltig erklärt. Niederlande. Haag, 8. Juni. Nachdem dieZweiteKammer nach einer sehr langen Verhandlung das Gesetz über die Nationalgarden erledigt, hat sie gestern den Antrag der Regierung aus Erhöhung de« Budgets für den Eisenbahnbau um 500,000 fl. angenommen. Diese Mehrausgabe ist im Wesentlichen durch die Ueberbrückung des Moerdijik nöthig geworden, welche, schon lange projektirt, jetzt auszuführen beschlossen ist. — Der Baron van Zuylen van Nijevelt, Mitglied der Zweiten Kammer, ist zum niederländischen Gesandten in Paris ernannt und wird am 1. Juli seinen Posten antreten. Nach königl. Beschluß vom 29. Mai werden die Festungen Bergen op Zoom, Vliessingen, Mastricht, Venloo und die Forts Bath, de Ruiter und Rammekens aufhören, Festungen zu sein, und die Befestigungen derselben g ffchleift werden. Rußland und Polen. St. Petersburg , 9. Juni. Der König von Griechenland ist hier eingetrosteu. Warschau. 9. Juni. Durch eine Verordnung des Statthalters ist das Becoot, nach Mitternacht auf der Straße zu gehen, aufgehoben und die bisher nöthige Legitimirung für Diejenigen, welche die Stadtbarrieren passiren, beseitigt worden. Großbritannien. * Loubo« , 6. Juni. Die Sitzung des Unterhauses vom 5. wurde größtentheils durch eine längere Debatte über die Oxford- und Cambridge-Universtläts-ErziehungSbill in Anspruch genommen. Diese Bill reißt bekanntlich eine weitere von den Schranken nieder, die bis in die neueste Zeit hinein die beiden ersten Universiläten Englands in rein mittelalterlichem Geist erhalten haben. Bis zum heutigen Tage wohnt der Student noch in einem Konvikt, ist an gemeinschaftlichen Mittagstisch, gemeinschaftlichen Kirchgang und andere Regeln gebunden, und lebt im Ganzen beschränkter in Bezug auf manche persönliche Freiheiten, als die Schüler deutscher Gymnasien und Realschulen. Diese Zwangsmaßregeln sollen nun dem Geist der Zeit weichen und der Studirende nicht mehr genöthigt sein, diesen Konvikten, OoUegos genannt, anzugehören, um die Bildungsmittel der Universität zu benützen und aus Zulassung zum Examen Anspruch zu haben. Obgleich dieses System, wie es auf dem Kontinent in Deutschland und anderweitig existirt, auch hier nichts Neues ist und die schottischen Universitäten auf demselben gegründet sind, findet doch ein Sturm gegen die zeitgeheiligten Institutionen der oben genannten Universitäten, hauptsächlich, weil sie als die Bollwerke der Staatskirche betrachtet werden, stets starken Widerstand, und auch im vorliegenden Fall ging bei der Abstimmung die zweite Lesung der Bill nur mit der geringen Majorität von 165 gegen 151 Stimmen durch. Zwei andere Bills, die eine über Kirchenländereien in Irland, die andere über das Verbot des Verkaufs geistiger Getränke am Sonntag daselbst handelnd, wurden ebenfalls zum zweiten Mal verlesen, und dann vertagte sich das Haus kurz vor 6Uhr. Amerika. * Nen-Bork, 8. Juni. Man erfährt aus Mexiko, daß Kaiser Maximilian von Lopez verrathen worden ist. * Ne«-Bork. Der „Mess. Franco-americ." bringt die ersten, etwas eingehenderen Nachrichten über die Ereignisse, welche das Ende des mexikanischen Kaiserreichs zur Folge gehabt haben. Marquez wurde am 10. April geschlagen, am Jahrestag der Annahme der mexikanischen Krone von Seiten Maximilian's. Am 15. Mai, Morgens, wurden die Queretaro beherrschenden Höhen von den Truppen Escobedo'S genommen. Die Depesche, durch welche der Präsident Juarez dem General Berriozabal dieses Ereigniß mittheilt, lautet folgendermaßen: San Luis de Potosi, 15. Mai 1867. Dem General Berriozabal. Mein schätzenswerther Freund! Viva Irr katrial Queretaro ist diesen Morgen um 8 Uhr genommen worden. Marimilian, Mejia, Castrllo und Miramon sind Gefangene. Benito Juarez. Die Depesche Escobedo'S über die Einnahme von Queretaro lautet folgendermaßen: An den Bürger KricgSminister I Am 15. um 3 Uhr Morgen« wurden die Höhen von Queretaro von unfern Brüdern genommen, die den Feind überrumpelten. Etwas später wurde ein Theil der Garnison gefangen genommen, und unsere Truppen besetzten den Platz. Gleichzeitig hatte sich der Feind nach dem Eerro de la Campana zurückgezogen, wo das Feuer unserer Artillerie ihn zwang, um 8 Uhr Morgens zu kapituliren. Marimilian und seine Generale, Mejia und Castillo, haben sich auf Gnade und Ungnade ergeben. Sie wollen so gut sein, dem Präsidenten meine Glückwünsche über den Sieg der nationalen Armee darzubringen. Englische Aktenstücke, Luxemburg betreffend. IV. Noch am 27. April war da« Zustandekommen der Konferenz sehr zweifelhaft. An diesem Tag, schreibt Lord Stanley an Lord Cowley und Lord A. LoftuS, Gras Bismarck habe sich bisher nicht verpflichten wollen, die eventuelle Entscheidung der Konferenz als bindend für Preußen anzuerkennen; er wolle zwar Alle«, was in seinen Kräften stehe, thun, um die öffentliche Meinung in Deutschland zu stimmen (oder vorzubereiten, „to prepsrs", schreibt Lord Stanley), aber voraus sich binden, das könne Preußen nicht. Dies habe Bern- storff ihm (Stanley) heute (27. Apr.) mitgetheilt, worauf er sein Bedauern ausgesprochen habe, an einer Konferenz keinen Antheil nehmen zu können, deren Entscheidung von einem der Hauptbetheiligtcn nicht als bindend betrachtet werden könne. Graf Bernstorfs versicherte, daß er von der Unparteilichkeit der englischen Regierung in dieser Angelegenheit überzeugt, über den von Lord Stanley angeregten Hauptgrund jedoch ohne Instruktionen sei. Somit war Alles in der Schwebe; aber bald, nachdem obiges Gespräch zwischen Lord Stanley und dem Grafen Bernstorff stättgefun- den hatte, kam (noch am 27. April) Letzterer zu Ersterem zurück und laS ihm folgendes, ihm eben zugestellte Telegramm vor: .Graf Wimpfsen meldet dem Grafen Bismarck, die sranz. Regierung habe dem Fürsten Metternich erklärt, daß sie die Konferenz auf Grund der Neutralistrung Luxemburgs annehme. Graf Bismarck erwiederte darauf, Preußen sei dazu gleichfalls bereit und erwarte eine Einladung; Preußen sei bereit, die Räumung und Schleifung der Festung zuzugestehen, wenn die Konferenz als Resultat ihrer Be-- rathungen dieses wünschen und gleichzeitig für die Neutralität Luxemburgs eine der belgischen gleiche Garantie gewähren sollte/ Damit waren die Forderungen Englands, an die es seine Beschickung der Konferenz geknüpft hatte, im Wesentlichen erfüllt; aber freilich war von Seiten des Grafen Bismarck nun ebenfalls eine Bedingung (die Kollektivgarantie) aufgestellt worden, die der englischen Regierung nicht genehm war, die aber bekanütlich später, im Laus der 2. Konferenzsitzung, angenommen wurde. Die oben zitirte telegraphische Depesche traf in London am 27. Apr. Nachmittags ein, war somit aller Wahrscheinlichkeit nach ein paar Stunden zuvor in Berlin aufgegelen worden. Sie mochte Lord Stanley um so mehr überrascht haben, als Graf BiSmorck noch am 26. von einer bestimmten Konferenzbasis nicht« wissen und eben so wenig eine Verpflichtung eingehen wollte, sich der Entscheidung der Konferenz zu beugen. Wenigstens schreibt Lord A. Loftus an Lord Stanley am 27. April aus Berlin (Depesche Nr. 21, Auszug): .Ich hatte gestern eine Unterredung mit dem Grafen Bismarck, in welcher er bemerkte, daß, obzwar Graf Bernstorff den Meinungen seiner Regierung Ausdruck gegeben, er den Hauptpunkt vielleicht doch nicht genug betont habe, nämlich die für Preußen bestehende Nothwendigkeit, bei der Behandlung dieser Frage den nationalen Gefühlen Deutschlands Rechnung zu tragen und ihnen entsprechend zu handeln.' Nachdem ich Sr. Ercell. die Gefahr der Lage eindringlich geschildert, sragte ich, .ob Preußen ein« europäische Konferenz auf Grundlage der Neu- tralifirung Luxemburg« sammt der Festung annehmen, oder ob Se. Ercell. einen andern zur Wahrung de- Friedens geeigneten Weg andeuten könne." »Darauf sprach Se. Erc. die ausrichtigsten Wünsche für Erhaltung des Frieden» au«, mit der Versicherung, daß Preußen jede ehrenvolle Bedingung zu einem Arrangement anzunehmen geneigt sei. Das erste Ersordernih sei, ein Motiv für eine europäische Konferenz aufzufinden, und deßhalb sollte, seiner Meinung nach, Holland sich wegen der Lage de» Großherzogthums an die europäischen Mächte wenden, damit auf Hollands Einladung hin eine Konferenz zu Stande komme. Preußen, so sprach Se. Erc. weiter, ist einer Konserenz nicht abgeneigt, die es, wenn sie zum Vorschlag gelangte, annehmcn würde. Unmöglich jedoch sei es für Preußen, vor der Konferenz eine Basis anzunehmen oder Konzessionen zu machen, wogegen Preußen, Europa und Holland gegenüber, auf der Konferenz Zugeständnisse machen könnte, die es vor dem Zusammentritt der Konferenz zu machen nicht im Stande sei. Alles was Se. Erz. sagen könne, sei demnach, daß Preußen in eine Konferenz willigen würde, aber ohne Basis und ohne voraus- gehende Verpflichtungen. Es war fruchtlos, Se. Erc. zu einer Abänderung dieses Entschlusses bewegen zu wollen.. Die sranzöstsche Regierung hatte sich von Anfang an viel bereitwilliger gezeigt, eine Basis für die Konferenz anzunehmen uud sich der Entscheidung der Konserenz zu sügen. In einem vom 28. April datirten Schreiben Lord C » wley' s an Lord Stanley berichtet er, Hr. v. Moustier habe ihm gesagt, daß, soweit Frankreich bctheiligt sei, diese» die Konferenz ohne Schwierigkeiten beschicken werde, mit der Erklärung, daß di« französische Regierung sich dem Endirgebniß ihrer Berathungen fügen werde, wofern privatim und vertraulich im voraus festgeßellt werde, daß di« Räumung Luxemburg» da« Resultat sein werde. Aus Mittheilungen der Botschafter Oesterreich« und Rußlands sei er zu der Annahme berechtigt, daß die preußische Regierung zu diesem Zugeständniß aus Grundlage der Neutralisirung de« GrvßherzogthumS ebenfalls bereit sei, wodurch die Bedenklichkeiten der l-rittischen Regierung hoffentlich beseitigt sein werden. Gleichzeit g erklärte Hr. v. Moustier, daß die französische Regierung die Konferenz am liebsten in London tagen sehm würde. Bade«. -1 Heidelberg, 11. Juni. Leider hat in der vorigen Nacht unsere Hochschule wieder einen großen Verlust erlitten durch den Tod des Professor der Chirurgie, Otto Weber, der erst vor wenigen Jahren an unsere Universität berufen wurde, der sich bereit» einen namhaften Ruf im Gebiet der Chirurgie erworben hat, und ein sehr beliebter Lehrer der Hochschule war. Vor wenigen Tagen noch frisch und in blühender Gesundheitsfülle, ist er heute Nacht »ach nur dreitägigem Krankenlager verschieden. — Nach dem so eben auSgegedenen Adreßbuch der hiesigen Hochschule beläuft sich die Zahl der imma- trikulirten Studirenden in diesem Sommersemester aus 690. Dies« vertheilen sich in folgender Weise auf die vier Fakultäten: Theologen incl. der Seminaristen 56, worunter 38 Badener; Juristen 413, worunter 55 Badener; Mediziner 59, unter denen 21 Badener; Kame- ralisten, Chemiker, Philosophen und Philologen 162, darunter 46 Badener. Außer diesen besuchen noch 94 Personen reifer» Alter«, kon. ditionirende Pharmazeuten und Chirurgen die Vorlesungen, so daß sich die Gesammtzahl auf 784 beläuft, was eine Vermehrung von 42 Studirenden gegen das vorige Semester herausstellt. Vermischte Nachrichten. — München, 8. Juni. (A. Ztg.) Bei der am 17. d. zu Paris beginnenden Münzkonfereuz wird Bayern durch den k. StaatSrath Hrn. v. Hermann und den k. Münzvorstand und Obcr- münzmeister Hrn. v. Haindl vertreten sein. — Gutem Vernehmen nach ist der bisherige Rath am Handels-AppellationSgericht zu Nürnberg , Otto Frhr. v. Völderndorff, zum Ministerialrath im k. Staatsministerium des k. Hause« und de« Aeußern ernannt worden. — Schließlich noch die Notiz, daß die auf den Pfingstmontag bestimmt gewesene Vorstellung der Oper .Lohengrin' in ihrer neuen glänzenden Ausstattung eingetretener Hindernisse wegen verschoben worden ist; auch die auf heut- anberaumt gewesene Generalprobe wurde abgesagt. Sie soll am nächsten Sonntag in Szene gehen. X Frankfurt, 10. Juni. Da« .Franks. Journ.' bringt folgende amtliche Berichtigung: .Die durch Anordnung de« Unterzeich- neten bei dem Hrn. vr. Volger hierselbst am 27. v. M. vorgenommene Haussuchung hat mehreren in- und ausländischen Blättern Veranlassung zu Mittheilungen gegeben, welche mit der Wahrheit theil« im Widerspruch stehen, theilS dieselbe entstellen. Die nach dem der Behörde unterbreiteten Material unabweisbar gebotene Maßregel ist durch die bestehenden Gesetze vollkommen begründet. Die mit der Ausführung beauftragten Polizeibeamten haben nur im vollen Umfang ihre Pflicht erfüllt und dabei wie die Formen de« Gesetze«, so jede mögliche Rücksicht beobachtet. Unter Hinweis aus diese Sachlage ist Hr. vr. Volger, dem die in Beschlag genommenen Papiere, bi« auf zwei Briefe und ein anderes Schriftstück, sämmtlich zurückgestellt worden sind, auf die über da« Verfahren der Polizeibeamten erhobene Beschwerde, Seitens des Unterzeichneten unterm 31. v. M. beschieden worden. — Frankfurt, 8. Juni 1867. Der königl. Zivilkom- mifsarius Landrath v. Madai.' — Pesth, 7. Juni. Zu den Zeremonien der Krönung gehört be- kanntlich auch die, daß der König auf einem Schimmel dm Krönungshügel hinansprengt und dort nach den vier Weltgegenden mit dem Schwert Streiche führt. Ueber den Krönungshügel entnehmen wir einem Schreiben der .N. Z. Ztg.' Folgende«: .Der Krönungshügel wird au« Erde gebildet, welch- jede« Komitat im Gewicht von 40 Pfunden von einem historisch merkwürdigen Orte sendet. So wird der Hügel Erde aus der berühmten Burg Ungvar enthalten, um weiche sich die Ungarn, als sie vor tausend Jahren vom Lande Besitz ergriffen, zuerst niederließen, und von wo sie unter Führung ihres Herzog« Arpad auf weitere Eroberungen auszogen; ferner Erde von der Stelle, wo nach der BolkSsage König Stephan der Heilige, der fleißigste Kultivator de» Lande« und eifrigste Bekehrer sein:« Volke- zum Christenlhum, da« Licht der Welt erblickte; Erde von merkwürdigen Schlachtfeldern; Erde von der Geburtsstätte des berühmten Patrioten Franz Deal, de« populärsten lebenden Mannes in ganz Ungarn; Erde von dem König«, berge, wo einst der Sage gemäß der neugekrönte ungarische König da« Schwert des heiligen Stephan nach den vier Himmelsgegenden zu schwingen Pflegte. Die Sitte des SchwertschwenkenS gründete sich auf uralte Traditionen und bildete immer einen wesentlichen Bestandtheil der Krönungszeremonien; und je nachdem die Krönung des König« bald in dieser, bald in jener Stadt, bald in Preßburg, bald in Stuhl- weißmburg vollzogen ward, wurde auch ein in der Nähe der Stadt gelegener Hügel oder Berg als Krönung-Hügel oder Königsberg bestimmt. Gegenwärtig, wo sie in Pesth-Ofen vor sich geht, wird der Krönungshügel auf dem Franz-Josephs-Platze in der oben geschilderten Weise künstlich errichtet. Dem Herkommen gemäß liefern auch die Komitate der mit Ungarn verbundenen Königreiche Kroatien und Slavonien ihr Kontingent Erde zum Krönungshügel, und dieselbe ist auch theilweise bereit« in Kisten verpackt und zur Absendung bereit. Allein da die Differenzen über die künftige verfassungsmäßige Stellung dieser beiden Königreiche zu Ungarn noch nicht ge- schlichtet sind, der Landtag zu Agram aber die Beschickung der Krö- nung von der Gewährung seiner nationalen Forderungen abhängig machte und vor kurzem aukgelöst wurde, so dürfte auch die Krönungserde vergeben« auf ihre Absenkung gewartet haben.' Frankfurt, 11. Juni. 1 Uhr 57 Min. Nachm. Börse: O-sterr. Kreditaktien 177^., Oesterr. 500-fl.-Loose 72, Steuerfreie 49V„ Amerikaner 77^/.. Karlsruher WitterungSbeobachtunge«. 8. Juni. Barometer. Thermo- Wind. Himmel. Witterung. Morgens 7 Uhr 27' 10,40 " Meter. 4-12,5 W. stark bew. Sonnenbl., windig Mittags 2 . » 11,13 4-13,1 N.W. trüb, mild heiter kühl Nachts 9 , . 11,50' 4-10.5 S.W. schw. . 9. Juni. Morgens 7 Uhr 28' 0,30'" 4-10.5 S.W. stark bew. Sonnenbl.. kühl Mittags 2 , . 0,93" 4-15,0 » » Trüb, Strichrege» Nacht« 9 . „ 1,02"' 12,k) N.O. ich«, bew. sternhell, kühl Verantwortlicher Redakteur: Vr.Z. Herm-Kroenlein. H.Y.145. Karlsruhe. Den Freunden des aus Batavia zurückgekehrten Herrn Johann Dezent diene Hur _ Nachricht, daß derselbe heute Abend seinen schweren Leiden erlegen ist. Karlsruhe, den 9. Juni 1867. Die Freunde des Verstorbenen. A Z.Y.144. Weinheim. Unser Sohn arlFranzAlfred 'ist heute Abend R um Uhr, nachdem er am 30. v. M. zehntes Lebensjahr zurückgelegt gehabt hatte, schon wieder von der Erde abge- rusen worden. Ferneren Verwandten, Freunden und wohlwollenden Bekannten ertheile ich hievon diese Nachricht. Weinheim, den 9. Juni 1867. Müller, Oberamtsrichter. DK am 5. Juni d. I. unter den Ju- iMWW» seratrn erschienene Verlobungs - Anzeige de« Concertmeisters W. W. Steinhart mit Frau Howitz-Steinau, grotzherzogl. bad.-Kam- mersänfterin, und des Rentier Oskar Steinau mit Camilla Klettner, köntgl. Hosopernsängerin, ist eine Unwahrheit in boshafter Absicht erfunden, um sie auf Umwegen durch auswärtige Zeitungen in Stuttgarter Blätter einzuführe». Z.w.999. Freiburg. Erledigte Präbende. Bei dem Aibert-Karolinen-Stist dahier ist eine Prä- bende erledigt. Die Gesuche der Berechtigten sind ryit den vorgeschricbenen Zeugnissen bis 1. August l. I. an die Unterzeichnete Erekutvrie einzureichen. ,Freiburg, den 1. Juni 1867. Die Erekutvrie des Albert-Karolinen-Stifls. Heinrich Freiherr von Anlaw._ Beachtenswerth! Z.u.954. Unlerzeichrreter besitzt ein vortreffliches Mittel gegen nächtliches Bettnässen, sowie gegen Schwächezuständ« der Harnblase und Geschlechtsorgane. Auch finden diese Kranke Ausnahme in des Unterzeichneten Heilanstalt. Svecialarzt Vr. Kirchhoffer in Lappet hei St. Gallen (Schweiz). Z.Y.I39. Karlsruhe. Stellegefuch. Eine junge, prorestanlische Dgme, welche schon mehrere Jahre Unterricht in der Musik (Klavier), in deutscher und französischer Sprache, sowie in allen Elemen- tarfächern gegeben, auch in feiner», weiblichen Handarbeiten erfahren ist,, wünscht eine Stelle als Erzieherin. Nähere Auskunft ertheilt Frau RegierungSrath Wolf in Karlsruhe, Langestratze Nr. 50, im Hinterdause der Wittwi Hamburger. Z Y.141. S t o ck a ch. Für einen Konoitorgehllsen, welcher im Backen und Garnieren bewandert ist, sucht eine Stelle Karl Lanz, Konditor in Slockach. HI" großherzoglicher Hoflieferant Hü,. -»Vhhtly ^ in Karlsruhe, ii empfiehlt — neue Matjes-Häringe billiger, frisch zer. Rheinlachs, russ. und frischen Elb-Kaviar rc. Z.y. 147 . Leöpoldshafeo. Ruhrkohlen. Fettschrot und Schmiedekohle» in vorzüglicher Qualität ist heule eine Ladung für mich hier angekommen, und verkaufe zu den billigsten Preisen bis 20. d. auS dem Schiff. Z.Y.146, Bal. Bömberg. ckßl* Äl-latll grvßherzoglicher Hoflieferant nü,» jn Karlsruhe, empfiehlt feinstes Olivenöl von Port-Maurice. Z.V.149. Z.v.664. Offen bürg. Weinverstei- rung. Dienstag den 18. Juni d. I., Vormittag« 11 Uhr, werden dahier im Gasthaus zum Adler (Post) aus der Verlasfenschaft des Joh. Ney. Müller.folgende selbstgezogene Weine gegen Baarzahlung hei der Abfassung versteigert: 4150 Maß 1866er Weißer,- 1270 » aller dto. von verschiedenen Jahrgängen, 300 . 1863er Rvther Zeller, 350 . 1866er dto. 580 , 1865er dto. „ 6650 Maß. sodann eine Parthie Hefe. Waisengericht. Wilh. Weber. Z.v.638. Billigheim. Apotheke-Versteigerung. Die Apotheke zu Billighcim, Amts Mosbach. wird auf Ansuchen de« EigenthümerS Montag den 24. Juni d. I., Mittags 1 Uhr, in der Apotheke selbst - da« Privilegium nebst Einrichtung und Vorräthm für sich allein, und sodann auch noch mit den übrigen Liegenschaften zusammen — einer öffentlichen Steigerung durch Unterfertigten ausgesetzt. Der Zuschlag erfolgt sogleich, wenn der Anschlag für da« Aaaze von ..... 17,475 fl. oder mehr geboten wird. — Auch ein Kauf unter der Hand kann inzwischen abgeschlossen werden. Billigheim, den 8. Junt 1867. Der Notar A. Dietrich. keckilkti«il haltSort bekannt ist, durch di« Post zugesendet würden. Arlberg, den 5. Juni 4867. Großh. bad. Amtsgericht. Martin. Z.v.623. Nr. 10,199. WLldShut. ^Ausschluß e r k e n n t n i ß.) Die Gant de« Friedrich Ritter von Dangftetten betr. Werden die Gläubiger, welch« i» dex heutigen Tagsahrt nicht erschienen sind, von der vorhafidenen Maste ausgeschloffm. Waldshut, den 3. Juni 1867. Großh. bad. Amtsgericht. Haurh. ^ Z y.135. Nr. 2028. Baden. (Oessentliche Bekqnutmach.ung.) Jn der von Anwalt Gambe r eingereichten Klage hat die Ehefrau de« Johann Tschann in Michelbach, Katharina, geb. Dorner, gebeten , sie für berechtigt'zu erklären, ihr Vermögen von dem ihrH Ehemannes abzusondern und t» eigene Perwaltung zu nehmen. Zur Verhandlung über dies« Klage wurde Tagfahrt anberaumt auf ' ' Samstag den 13. Juli l. I., ,Parmittags 9 Uhr. Die« wird zur Keuiitisißncchm« der Gläubiger öffentlich bekannt gemacht. Baden, den 9l. Juni l867. , Großh. KreiSgrrickt« Direktor: vr. Pu ch elr. Beck. Z.v.863. Nr. 4808. Bonndorf. (Entmündigung.) Die ledige Wilhelmige B lo-chm ano von Münchingen wurde wegen Geistesschwache entmündigt und Landwirth Ludniig Welte von Münchri gen als deren Vormund hestpilt. Bonndorf, den 8. Juni,1867. Großh. bad. Amtsgericht. Schön le. A.v.636. Nr. 7348. Emmendirrst«-». (Aufforderung und Fahndung.) Mathias Mörder, Weber von Reulhe, 25 Jahre alt, 5' 3' groß, mit hellblonden Haaren, ist aus den Antrag großh. Staatsanwaltschaft von uns wegen bei einem fifaus- handel verubwr Körperverletzung in AnschnsdigungS- fiand gesetzt. ES ist ihm üämlich zur Last gelegt, daß er in der Nacht vom 30. auf 31. ».Ms. .unter Mitbetheiligung des Heinrich Hernezu Reuihe im Hofe de« Vinzenz Bührer dm Josef Hätt Ich von da an gefallen und mißbandelt bat, daß ihm also die daraus hervorge« gangme, für lebensgefährlich «rkannle Körperverletzung de« Josef Hätt ich mit zur Last sällt. Mathias Mörder, dcr sich flüchtig gemacht hat, wird hiermit öffentlich aufgefordnt, fich bi «neu 4 Wochen hei uns zu gellen und sich über diese Anschuldigung zu vcrantwprten, andernfalls da« Urtheil gegen ihn uacb dem Ergebnisse der Untersuchung gefällt werden müßt«. Hiermit machen wir weiter bekannt, daß da« Vermögen de« Mathias Mörd »r in Beschlag genommen wird. Schließlich wird H-« Ansuchen gestellt, auf Mathia« Mörder zu fahnden, ihn im Betretungssalle zu verhaften und gefänglich anher zu überliefern. Emmendingen, den 7. Juni 1867. Großh. bad. Amtsgericht, v. R o t t e ck. Z.v.618. Nr. 5954. Emmendingen (Aufford e r u ng.) Soldat Johann Nübling vo» Denzlingen , welcher nach Amerika auSgewandert sein soll, wird aufgefordert, binnen 4 Wochen dahier oder bei dem Kommando de« 2. Infanterieregiments in Karlsruhe fich zu stellen, widrigenfalls die Einleitung de« gerichtlichen Strafverfahrens wegen Desertion beantragt würde. Zugleich wird dessen Vermöge« mit Beschlag belegt. Emmendingen, den 5. Juni 1867. Großh. bad. Bezirksamt. Fingabo. Druck und Verlag -er S, Br.aun'schk« Hofbuchdruckerei.