r Karlsruher Zeitung. Sonntag, 2S. April. W S7. B»rauSbizahlung: halbjährlich 4 fl, vierteljährlich 2 fl,; durch die Post im Ärc-ghcrzogthum, Briesträgergebühr eiuzeschloffen, 4fl.SK. «.2fl.Skr. SinrückungSgebühr: die gespaltme Petitzeile oder deren Raum 5 kr. Briefe und Gelder frei. Expedition: Karl-Friedrichs-Straße Nr. 14, woselbst auch die Anzeigen in Empfang genommen werden. L86S. Telegramme. -j- München, 23. Apr. Die Kammer derReichsräthe beriech in ihrer heutigen Sitzung den Entwurf des Schulgesetzes zu Ende und nahm dasselbe nach dem Antrag des Ausschusses mit allen gegen 9 Stimmen an. -s Darmstadt, 24. Apr. DieErsteKammer bewilligte die vom Kriegsmiuisterium angenommene Pauschsumme von 3,066,918 fl. für Militärzwecke unter Ablehnung des Beschlusses der Zweiten Kammer: die Bewilligung von einer Vereinbarung über das Militärpcnsions - Gesetz abhängig zu machen. st Berlin, 23. Apr. In der heutigen 16. Sitzung deS Bundesraths führte der erste König!, sächsische Bevollmächtigte, Staatsminister Frhr. v. Friesen, den Vorsitz. Die Vorlage des Präsidiums wegen Abschlusses einer Literar- Konvention mit Italien wurde dem betreffende» Ausschüsse überwiesen. Demnächst wurde die Präsidialvorlage, betreffend den Gesetzentwurf wegen des Unterstützungs-Wohnsitzes, und über den vom Reichstag beschlossenen Gesetzentwurf, betreffend die Nichtverfolgbarkeit der Mitglieder der Landtage und Kammern, von den Ausschüssen berichtet. st Berlin, 24. Apr. Der König bemerkte in seiner Ansprache an die Mitglieder der internationalen Konferenz (s. u. Berlin), erhoffe von den jetzigen, der Freiwilligkeit entspringenden Berathungen über Neutralität der Sanitätspflege im Kriege eine vollständigere Regelung, als sic bisher auf dem Wege des Staatsvertrags möglich war. st Wien, 24. Apr. DerReichSrath berieth heute das Volksschulgesctz. Die Polen, Slovenen und Tiroler erklären, daß sie sich der Abstimmung enthalten, unter Wahrung des verfassungsmäßigen Standpunktes. Der Präsident lehnt die Verwahrung ab. Die Polen, Slovenen und Tiroler verlassen die Sitzung. Nach kurzer Unterbrechung werden die Verhandlungen fortgesetzt. st Wien, 24. Apr. In der fortgesetzten Reichsraths- Sitzung wurden alle angemeldeten Amendements zurückgezogen. Der Schulgesetz-Entwurf wurde fast ohne Debatten in dritter Lesung bei namentlicher Abstimmung mit 111 gegen 4 Stimmen angenommen. st Pesth, 24. Apr. Reichstagseröffnung. Die Thronrede betont, daß für eine schönere Zukunft noch viel zu geschehen habe. Das Schicksal der Nation hänge ab von Innern Reformen; Versäumnisse seien nachzuholen. Die Thronrede hebt die Gesetzvorlagen hervor betreffend die Rechtspflege, die Strafgesetze,. die Munizipalverfassung, die Beseitigung der Mängel des jetzigen Wahlgesetzes, die Umgestaltung der Magnatentafel, die Erweiterung des Preßgesetzes, die Beseitigung noch vorhandener Feudalverhältnisfe unter Wahrung der Heiligkeit des Eigenthums auf Grundlage richtiger volkswirthschafllicher Prinzipien, und die Reform des Steuerwesens. Die Thronrede schließt: „Wir sichen der Schwierigkeit gegenüber: unhaltbare Traditionen der Vergangenheit aufzugeben und den neuen Ideen entsprechende Institutionen zu schaffen; der richtige Mäßigungssinn der Nation wird den richtigen Weg treffen zur Herbeiführung der Segnungen einer schönern Zeit. Die Beziehungen zum Ausland sind höchst freundschaftlich, und es ist die zuverlässigste Aussicht vorhanden, daß der Frieden gewahrt bleibe." st Triest, 23. Apr. Der Llsyddampfcr „Pilades" ist so eben (4 Uhr Nachmittags) mit der o st indischen Ueber. landpost hier angekommen. st Madrid, 23. Apr. Die republikanische Minderheit hat beschlossen, verschiedene Anträge zu stellen , welche den Ausschluß der Bourbonen und aller ihrer Nachkommen und Seitenlinien zum Zweck haben. st St Petersburg, 23. Apr. Der griechische Gesandte Meta ras ist gestorben. Deutschland. Karlsruhe, 24. Apr. Ihre Großherzogl. Hoheit die Frau Fürstin von Leiningen, geb. Prinzessin Marie von Baden, ist gestern Nachmittag 2 Uhr 10 Min. zum Besuch der Großhcr- zoglichen Familie dahier eingetroffen und wurde von II. KK. HH. dem Großherzvg und der Grohherzogin am Bahnhof empfangen und in das Großh. Residenzschloß geleitet. Hochdieselbe gedenkt Ihren Aufenthalt in Karlsruhe auf einige Tage auszudehneu. München, 23. Apr. In der Abgeordnetenkammer hat bei der Berathung der Militär-Gerichtsordnung die beantragte Ueberweisung gemeiner Reate an die Militärgerichte die verfassungsmäßige Zweidrittel-Majorität nicht erlangt. Der Kriegsminister spricht sich in Folge dessen dahin aus, daß daö Gesetz nicht zu Stande kommen werde. Die Kammer fährt jedoch mit der Berathung des Gesetzes fort und beendet dieselbe. Bremen, 22. Apr. Die Bürgerschaft hat den Antrag des Senats, auf die Berathung des Strafgesetz-Entwurfs einzugehen, wegen der bevorstehenden Strafgesetzgebung des Bundes abermals abgelehnt. l) Berlin, 23. Apr. Die Mitglieder des hier versammelten internationalen Kongresses der Vereine zur Pflege verwundeter Krieger wurden gestern Nachmittag bei ihrem Empfang im Palais von den König!. Majestäten sehr huldvoll ausgenommen. Der König erschien bei diesem Empfang in Zivil und nur vom Hofmarschall begleitet; die Königin und die Frau Kronprinzessin erschienen ohne Hofdamen. Die Vorstellung der einzelnen Delegirten erfolgte durch den Wirk!. Geh. Rath v. Sydow und den Geh. Rez.- Rath v. Wolfs. Dem Vernehmen nach hat der König an die Versammlung eine sehr herzliche Anrede gerichtet, in welcher er den Hilfsvereinen für ihre menschenfreundlichen Bestrebungen die lebhafteste Anerkennung zollte, aber auch den Wunsch und die Hoffnung aussprach, daß so bald die Entfaltung ihrer Thätigkeit nicht erforderlich werde. Nach dieser Ansprache unterhielten sich die König!. Majestäten und die Frau Kronprinzessin noch längere Zeit mit vielen Konferenzmitgliedern. Seit Kurzem verbreiten mehrere Blätter das Gerücht, es sei die Absicht der Negierung, im nächsten Herbst Neuwah- len für das Abgeordnetenhaus zu veranstalten. Diese Behauptung entbehrt der Begründung. Damit fallen auch die Kombinationen, welche die jüngst von der „Provinzial- Korresp." angekündigten Reform- und Organisationszesetze als Wahlcinwirkungs-Mittel darzustellen suchen. Mit Rücksicht darauf, daß vom Jahr 1869 ab die Besteuerung des Tabaks auf den bebauten Landstücken erfolgt, ist von Seiten des Norddeutschen Bundes mit den süddeutschen Staaten eine Verständigung über die Frage nöthig, von welchem Zeitpunkt an die lieber gang sab gäbe für Tabak und Tabaksfabrikate in Wegfall kommen soll. Von verschiedenen Seiten ist bald der 1. Juli, bald der 1. Okt. d. I. als geeignetster Termin für die Einstellung dieser Steuererhebung bezeichnet worden. Der Bundeskanzler hat nun im norddeutschen Bundesrath beantragt, daß den süddeutschen Staaten vorgeschlagcn werde, mit dem'1. Juli die Uebergangssteuer aufzuheben. Gegen den 1. Okt. als Termin werden in der Motivirung des Antrags mehrfache Bedenken geltend gemacht. Oesterreichifche Monarchie. Wie», 20. Apr. Man schreibt dem „Nürnb. Korr.": Die Friedensrede des MarquiS v. Lavalette hat, Pariser Nachrichten aus guter Quelle zufolge, ein interessantes diplomatisches Nachspiel gehabt. Eö erschien nämlich dieser Tage der preußische Geschäftsträger Graf Solms im Kabinet des französischen Ministers der auswärtigen Angelegenheiten, um demselben im Auftrag Kenntnis; zu geben von einer an ihn, Grafen Solms, gerichteten D ep es che des Grafen Bismarck, welche in rückhaltloser Weise die große Befriedigung ausspricht, die das Berliner Kabinet über die so bestimmte und feierliche Kundgebung einer Friedenspolitik von Seite der französischen Regierung empfindet, und hinzufügt, daß der Marquis v. Lavalette vollkommen berechtigt gewesen sei, die gleichen Gesinnungen bei der preußischen Regierung vorauszusetzen; man werde somit gemeinsam an der Befestigung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Staaten arbeiten und hiedurch den europäischen Frieden mit neuen Garantien umgeben. Wien, 22. Apr. Die „Wien. Ztg." publizirt heute das Gesetz über die Organisation desReichsgerichtes. Außerdem meldet das Amtsblatt, daß der Kaiser die Errichtung einer vollständigen medizinischen Fakultät an der Universität zu Innsbruck genehmigt habe, und daß diese Fakultät voraussichtlich mit Beginn des Studienjahres 1869/70 ins Leben treten werde. — Die liberalen Blätter klagen über den Ausfall derDelegationswahlen. „Unter den 40 Abgeordneten, welche unser Abgeordnetenhaus diesmal in die Delegation sendet, sagt die „N. Fr. Pr.", befinden sich etwa 6, auf welche man in freiheitlichen Fragen unter allen Umständen zählen darf. Alle übrigen Sendboten des Abgeordnetenhauses gehören die Einen in höherem, die Anderen in minderem Grade jener Fraktion an, deren liberale Grundsätze im Kampfe mit den ministeriellen Motiveil wiederholt, wenn nicht regelmäßig unterlegen sind. In dieser Thatsache liegt wieder einmal eine neue Mahnung zur Vermehrung der Mitglieder des Abgeordnetenhauses als unser dringendstes Anliegen." Italien. Mailand, 20. Apr. (Schw. M.) Schon seit Beginn dieses Monats liefen beunruhigende Gerüchte durch die Stadt, welche aber auf die Bevölkerung, an falsche Gerüchte oder deren mikroskopischen Erfolg gewöhnt, beinahe keinen Eindruck machten. Als die Zeitungen für die erste Woche dieses Monats einen großen Sturm verkündeten und die Polizei gewisse Familien warnte, an den mit Sturm bezeichnten Tagen nicht auf die Straße zu gehen, da konnte der Eingeweihte folgern, daß die beunruhigenden Gerüchte nicht aus der Luft gegriffen seien und daß die Polizei wirklich ein Komplott entdeckt habe. Erst als vor einigen Tagen in Piazza S. Sepolcrv und in der Via Lrnzoni Waffen, Orsini- sche Bomben und wichtige Papiere weggenommen und viele Verhaftungen vorgenommen wurden, bekam das «eitere Publikum einige, wenn auch ganz allgemeine Kenntniß von der vorbereiteten Revolution. Unter den Verhafteten befindet sich der Engländer Nathan, dessen Familie in enger Verbindung mit Mazzini steht. Die Verhaftungen, worunter verhaltnißmäßig wenige Mailänder sich befinden, dauern immer noch fort. Man erzählt ferner, daß vorgestern die Truppen in ihren Kasernen konsignirt und untersucht, daß einige Unteroffiziere verhaftet wurden und eine große Zahl Anderer ihre Abtrünnigkeit kundgaben. Auch die städtischen Pompiers wurden in ihrer Kaserne alle Grazie verschlossen und untersucht. Die Wachen der öffentlichen Sicherheit waren in bürgerlicher Kleidung, besonders in der Straße Monforte, wo das Regierungsgebäude steht, sehr zahlreich. Die Haftwagen rollen fast unausgesetzt durch die Straßen. Das Gerücht, es seien 190 Offiziere verhaftet, ist sicher eine starke Nebertreibung; gleichwohl mag das nun entdeckte und bis nach Neapel verzweigte Komplott, ganz besonders unter Rücksichtsnahme der Betheiligung des Heeres, einen warnenden Fingerzeig der Regierung geben, die öffentliche Meinung nicht hintanzusetzen und die Nation nach außen, besonders gegenüber Frankreich, energisch zu vertreten. ES sind vornehmlich die vor einiger Zeit in Umlauf gesetzten Allianzgerüchte, die den Republikanern einen immer weiter um sich greifenden Anhang verschafften. Rom, 17. Apr. (Köln. Ztg.) Die Festgeschenke aus der Fremde sind der Mehrzahl nach silberne und goldene, mit Edelsteinen besetzte Altargeräthe; nur der vom König Viktor Emanuel hergesandte Kelch mit Monstranz ist nicht zu erblicken; ein dunkles Gerücht geht, der Papst habe Beides nicht angenommen, und nach einer andern Sage wären nur die Gegenstände unausgestellt geblieben. Die Prachtvase, das vom König von Preußen geschickte Angebinde, war der ästhetische Mittelpunkt der in Raphael's Loggien versammelten Geschenke. Stach dem römischen Damenadel in vergangener Woche überbrachten 300 Fräulein der fremden Aristokratie letzten Dienstag ihr Festangebinde. Die Betheiligung der Deutschen an dem Jubelfeste war eine sehr entschiedene, der Papst selber hat sich in dem Sinne geäußert, denn außer der Deputation der unter dem Fürsten Löwenstcin stehenden St.-MichaelS-Vereine hatten auch die Studenten, Gesellen und Tyroler Bauern in Nationaltracht ihre Vertreter. Die Fürstin von Windischgrätz wurde durch den Tod ihrer einzigen Tochter von der Theilnahme an den Ergebenheitsbezeigungen der fremden Damen zurückgehalten. — Der Papst will von der Begnadigung einer Anzahl politischer Gefangenen kein Aufsehen gemacht haben, deßhalb sind wir auch heute darüber ohne amtliche Nachricht; doch kehrten die aus dem Fausti-Prozesse her bekannten Mitschuldigen Venanzi, Gul- manelli, Metricoli, d'Agostino und Andere zu ihren Familien zurück. Frankreich. * Paris, 23. Apr. Das „Offizielle Journ." bringt ein Kaiser!. Dekret, welches die zwischen Frankreich und dem Großherzogthnm Hessen am 10. April 1869 Unterzeichnete Erklärung bezüglich der Verhaftung der Verbrecher genehmigt. Diese Erklärung ergänzt den am 26. Januar 1853 geschlossenen Auslieferungsvertrag. Das amtliche Blatt veröffentlicht ferner eine gleichlautende Erklärung, welche zur Ergänzung des am 13. Nov. 1855 abgeschlossenen Auslieferungsvertrags, von der französischen und österreichischen Regierung bezüglich der Verhaftung der Verbrecher am 13. April 1869 unterzeichnet wurde. Schließlich enthält dasselbe ein Kaiser!. Dekret, wodurch die zur Postkonvention vom 3. Sept. 1857 zwischen Frankreich und Oesterreich am 17. April 1869 gezeichneten Zusatzartikel promulgirt werden. Die „Patrie" widerlegt in energischen Ausdrücken die vom „Figaro" gebrachte Nachricht, daß der Kais er und die Kaiserin einem großen Diner beigewohnt hätten, das die Königin Isabella gegeben hätte, und bei dem auch der Herzog und die Herzogin von Madrid anwesend gewesen sein sollten. Auch die Gerüchte, daß die Kaiserin eine Reise nach Enghien oder nach Brüssel, oder sogar eine Wallfahrt nach dem heiligen Lande Vorhaben sollte, weist die „Patrie" entschieden zurück, gibt jedoch die Möglichkeit der Reise der Kaiserin nach Egypten zur Einweihung des Suez-Kanals zu. Die „France" spricht sich heute Abend ziemlich ungehalten über die Unzugänglichkeit des Hrn. Frere-Orban aus. Wir entnehmen einem länger» Artikel über diesen Gegenstand folgende Worte: „So wäre denn die Weigerung, die Eisenbahn-Verträge zu genehmigen, ein Akt des AuSschließenS, der uns in der Gegenwart beträfe und in der Zukunft bedrohen würde. Ein solcher Ausschluß wäre den wirthschaftlicheu Prinzipien Belgiens und der Natur der Beziehungen zuwider, welche das Land mit Frankreich vereinigen müssen. Unsere Würde, unsere Sicherheit, unsere Interessen erlauben uns nicht, Das anzunehmen." Dem „Avenir Nation." zufolge ist man in der Kammer allgemein der Ansicht, daß die Session spätestens nächsten Dienstag den 27. April geschlossen »erden wird. Am Drge darauf würde im „Offiziell. Journ." ein Dekret erscheinen, welches die Wahlkollegien für den 23. undü4. Mai einberiefe. — Rente 71.10, Cred. mob. 255, ital. Anl. 55.65. * Paris, 23. Apr. Im S en a t wurde der Gesetzentwurf über den Trocadero debaltirt. Maupas griff den Staatsminister Rouher an und beantragte die Verwerfung des Gesetzentwurfes. Nachdem Rouher die Angriffe widerlegt, wurde das Gesetz angenommen. Spanien. Madrid, 20. Apr. Auch in der heutigen CorteS- Sitzung ist die Berathung über den allerdings sehr reichhaltigen Artikel 16 des Verfassungsentwurfs nicht zu Ende gediehen; der letzte S>atz desselben, in welchem bei Erwähnung des Petitionsrechtes auch der König erwähnt wird, muß natürlich abgeandert werden, weil er ein vergreifendes Urtheil über die Rcgierungsform enthält. Der Republikaner Fi- gueras nahm Anlaß, seine Furcht vor einer Rückkehr der Bourbonen auszusprechen. Da die Mehrheit, sagte er, welche das Königthum wieder aufrichten wolle, keinen Kandidaten finden könne, so bleibe die einzige Wahl übrig, die Bourbonen zurückzuführen oder die Republik auszurufen. Zorilla, der Minister der öffentlichen Bauten, welcher den leisenden Minister des Innern vertritt, erwiederte daraus, daß sowohl die Regierung, die Cortes und das Volk sich gegen einen Bourbonischen Herrscher, wie überhaupt gegen die Fahne der Reaktion zusammenscharen würden; die Bourbonen seien unmöglich geworden. Aber auch ohne sie werde die Mehrheit im gegebenen Augenblick sich über den zu wählenden König verständigen und die Republik als ein Unglück für das Land zurückweisen. Figueras bat ihn, seinen König zu nenne»; und Zorilla erklärt, daß der Name des Königs eher zur Kenntniß kommen werde, als man im republikanischen Lager vermuthen möge. Eine Restauration aber sei nur als Folge der Anarchie denkbar. Belgien. Brüssel, 22. Apr. Der Pariser Korrespondent der „Jndep. Belge" meldet, Hr. Frere habe einen Bericht an seine Regierung abgesandt. Erst wenn auf diesen Bericht rin Bescheid aus Brüssel eingelroffen, werde Hr. Fröre eine letzte Konferenz mit den französischen Ministern halten und dann nach Brüssel zurückkehren. „Man versichert", schreibt der Korrespondent, „daß daö Projekt deS Hrn. Gressier, sich im Prinzip anschließend an die Konventionen mit der Ostbahn- Gesellschaft, durch Herabsetzung der Tarife der Industrie beider Länder große Vortheile zusichert. In Ermangelung einer Zollunion, wovon kein Wort gesprochen worden ist, würde cs eine Art von kommerzieller Allianz sein, welche zwischen Frankreich und Belgien zu schließen wäre... Der einzige Punkt, über welchen ein Einvcrständniß nicht erlangt wurde, ist die Frage über die Anerkennung der Eisenbahn-Verträge." Die Angelegenheit scheint also noch immer in demselben Stadium zu stehen, wie von Anfang an. Nachrichten ausMons melden, daß der Strike der Kohlenarbeiter fortdauerl. Eine Proklamation ist heimlich verbreitet würden, in welcher ein sich so nennendes „Nevolutionskomitee von Brüssel" die Republik ausruft, den „Herren, der Geistlichkeit und den Kapitalisten" den Tod droht und den Arbeitern Waffen zu senden verspricht. Die Truppen, welche die Hauptpunkte des Borinage besetzt halten, sind noch verstärkt worden und werden Gewaltthätigkeiten zu verhindern wissen. Vermochte Nachrichten. X Frankfurl, 23. Apr. Heule wurden Hr. Svnnemann (aber nicht in seiner Eigenschast als Herausgeber der .Franks. Zig.") und der verantwortliche Redakteur de- »Fr. Beobachter", Hr. Stegmann, in der Appellinstanz wegen Verleumdung des Polizeipräsidenten v. Madai Elfterer zu 75 fl., Letzterer zu 100 fl. Geldbuße ocr- urtheilt. In der ersten Instanz waren von der Strafkammer gegen Hrn. Sonnemann nur 20 fl. und gegen den Redaktcar des Beobachter 35 fl. erkannt, die Strafe ist also wesentlich erhöht worden. Der Sachverhalt ist kurz folgender: Hr. Sonnemann hatte in einer im demokratischen Wahlverein gehaltenen Rede die Andeutung gegeben, daß der Vorsitzende der Veranlag-kommission zur Einschätzung der Einkommensteuer (Hr. v. Madai) gegen politisch mißliebige Persönlichkeiten eine erhöhte Besteuerung beantragt habe. Aehnliches, aber in stärkeren Ausdrücken, hatte die »Allgem. Ztg." in einer Korrespondenz au« Frankfurt gesagt, welche Hr. Slegmann in dem .Beobachter" zum Abdruck brachte. Die Staatsanwaltschaft fand hierin eine Verleumdung de- Polizeipräsidenten in Beziehung auf seinen Beruf und beantragte in der zweiten ^Instanz gegen beide Angeklagte 14 Tage Gcsängniß. Der Gerichtshof entschied, wie oben mitgetheilt, wobei er als strafmildernd annahm, daß ein Gerücht ähnlicher Art, wie das von Hrn. Sonnemann erwähnte, nach Aussage der Zeugen allerding- damalS eristirt habe, und daß der demokratische Verein kein öffentlicher Ort im Sinne des Gesetzes sei. — Köln, 23. Apr. Die .Köln. Ztg." schreibt: Das seil mehreren Tagen umlaufende, gestern erwähnte Gerücht von einem senieren Geständniß in Sachen des Theaterbrande» entbehrt, wie wir hören, jeder thatsächlichen Begründung. ES liegt, dem Vernehmen nach, einstweilen kein anderes Geständniß vor, wie das vielfach varürende der Ursula Schmitz. Die von der Staatsbehörde angeordneten Nachforschungen im Brandschutt des Theater« wurden überaus sorgsam betrieben, indem sämmtlicher Schutt durchgesiebt wurde. Außer der bereits erwähnten Auffindung einer Anzahl von Geldstücken sind noch an bemerkenSwerthen Objekten gesunden worden: ein Stück Schädel, rin Stück Kopfhaut mit den noch daran befindlichen Haaren, Reste eine« Kissenüberzuges mit einem daraus gelegenen kleinen Haarzöpf- chen und sonstige Reste von Stoffen. Einige an solchen Zeugresten bemerkte bräunliche Flecken haben Anlaß gegeben, dieselben durch den Chemiker Or. Lesimple untersuchen zu lassen, um zu ermitteln, ob die Flecken etwa von Blut herrühren. Diese Untersuchung ist noch nicht beendet. — Ko bürg, 21. Apr. (Nürnb. Korr.) Der Vollzug der gegen den Rechl«anwalt Streit erkannten Zuchthausstrafe hat durch ein neue« Gnadengesuch Aufschub erlitten. Diesmal bittet, der Verurteilte selbst, ihn vor dem Strafanlritt auf 6 Monate der Freiheit zurückzugeben, damit er seine äußeren Verhältnisse ordnen könne. — Zu Kiel starb am 20. Apr. der bekannte Balladcnkomponist vr. Karl Löwe. Derselbe war am 30. Nov. 1796 zu Löbejün bei Halle geboren, studirte in Hallt unter Türk'« Leitung Musik, zugleich aber auch Theologie und Philosophie, gewann die Freundschaft K. M. v. Weber'« und ward 1820 als Konigl. Musikdirektor nach Stettin berufen, wo er 46 Jahre lang als Organist und Gymnasiallehrer gewirkt hat. Im Jahr 1866 nahm er seinen Abschied und fiedelte nach Kiel zu seinem Schwiegersohn, dem Kapitän zur Sec, v. Bolhwell, über. Als Vokalkomponist behauptete er ein« der ersten Stellen in der Gegenwart; viele seiner Balladen und Lieder (namentlich Gölhe'sche) sind weltbekannt, ja fast volksthümlich geworden. Auch hat er eine Reihe von Oratorien (Gutcnberg, eherne Schlange, Siebenschläfer rc.) und einige Opernterre von Raupach in Musik gesetzt. Die Zahl der von ihm erschienenen Werke beträgt über hundert. * Paris, 23. Apr. In Folge des günstigen Resultats der Subskription aus die spanische Anleihe haben spanische Fonds einen erheblichen Aufschwung genommen. DaS definitive Resultat der Zeichnungen ist noch nicht bekannt. * Der Beschluß des Senate« der Universität Edinburg, Miß Ser Blake zu den Vorlesungen zuzulassen, ist durch einen allgemeinen Universitätsbeschluß rückgängig gemacht worden, da die Frage, ob Frauenzimmer überhaupt zum Studium der Medizin zugelassen werden sollen, einer reiflichen Erörterung bedürfe, und zudem der Aufnahme der genannten Dame, als einzigen Vertreterin ihres Geschlechtes, zu große Hindernisse im Wege stehen würden. Badische Chronik. * Ultramontaner Kommunismus. (Fortsetzung.) Schon in unseren früheren Artikeln sagten wir, daß Nichts mit größerem Behagen von den Feinden der modernen wirth- schaftlichen Enlwicktung ausgebeutet wird, als die Zustände Englands. Das ist denn auch in den Kapitalsophisten-Arti- keln reichlich der Fall. Die Argumentation unseres ultramontanen Logikers zwar ist so dürftig, wie nur möglich, und seine Versuche, die von uns als Ursache der mannigfach bedauerlichen englischen Zustände angeführten Punkte zu widerlegen, sind einfach lächerlich. Wenn wir die industrielle Entwicklung Englands eine einigermaßen künstliche nannten, so meint er dies damit zu erledigen, daß er an dem Worte „Bedingungen" herumnergelt, als welche wir die Erz- und Kohlenlager Englands für seine Jndustrieblüthe bezeichnet hatten; wenn wir die zu späte Entfaltung des Genossenschaftswesens in England bedauerten, so kaut er uns einige Laffallesche Brocken vor, aus denen hervorgehen soll, der Arbeiter könne gar keine Genossenschaften gründen — dies unter spezieller Bezugnahme auf ein Land, wo die Pioniere von Rochdale ihre Wunder genossenschaftlichen Sinnes und genossenschaftlicher Thatkraft in'S Leben gerufen haben, wo schon über 1200 ähnliche Vereinigungen bestehen und Arbeitergenossenschaften anderer Art, wie z. B. die Irsäos Onions, eine so gewaltige, wenn auch nicht immer erfreuliche Rolle spielen! und, wenn wir auf den ungeheuren Grundbesitz des englischen Adels und der Hochkirche als eine Hauptursache davon hinwiesen, daß das Fabrikproletariat fortwährend noch neue und zwar schlechte Nahrung aus den Landbevölkerungen zu saugen vermag, so antwortet er darauf mit einer mattherzigen Vertheidigung des geschlossenen Grundbesitzes und der Fideikommisse. Auf diesen in Wahrheit „urkomischen" Abschluß der blutrothen Theorien unseres kirchlichen Nationalökonomen kommen wir noch zurück. Immerhin ist es leicht, dem allgemein herrschenden Vorurteile von den wenigen ungeheuer Reichen und der Masse ungeheuer Armer in England, wie eö zur Zeit noch fast allenthalben besteht, durch einige abgerissene Mittheilungen, einige Berufungen auf diese und jene „Autorität" und ein bischen seichtes Raisonnement zu Hilfe zu kommen. Die Ausführungen des Kapitalsophisten-Artikels lll., soweit sie Halbwege diesen Namen verdienen, und sich nicht als einfache Schimpfereien oder als die schon erwähnten, religiös sein sollenden Tiraden charaklerisiren, sind zweierlei Art. Für'S Erste sucht er zu zeigen, daß die ganze Richtung des wirtschaftlichen Fortschritts dahin gehe, dem Großkapitale in immer ausgedehnterem Maße zur Herrschaft zu verhelfen, weil, je feiner und leistungsfähiger die Werkzeuge würden (je entwickelter also z. B. die Maschinen), je theurer würden sie auch und könnten zuletzt nur noch vom Großkapital beschafft werden , während die übrige Menschenklafse mehr und mehr zu bloßen, schlecht bezahlten Lohnarbeitern dieses Kapitals herabsinke. Sodann will er an England ein abschreckendes Beispiel statuiren, wohin dies führe, weil England auf der Bahn des modernen Industrialismus, will sagen der Kapitalherrschaft , am weitesten vorgeschritten sei. Betrachten wir zuerst Nummer ein». Wir dürfen sagen, daß wir unfern Augen kaum trouten, als wir dieser wahnwitzigen Behauptung in einer Folge von Artikeln begegneten, welche den Anspruch erheben, ernste Zeitfragen in einer für eine große politische Partei maßgebenden Weise zu behandeln. Es bleibt uns hier wirklich, wenn wir nicht annehmen wollen, daß unser Gegner an „stellenweiser" Narrheit leidet, nichts übrig, als die moralische Ueberzeugung, daß es ihm Angesichts dieses seines eigenen Geistesprodukts ergehen muß, wie den sich begegnenden römischen Auguren. Uncer der Voraussetzung, daß wir es mit einem seiner Sinne und seiner Urtheilskraft mächtigen Manne zu thun haben, können wir in einer solchen Behauptung nur die böswillige Absicht erkennen, einige urtheilslose Menschen zu bethören und einer Menge Anderer wenigstens den Glauben zu erwecken, was mit einem solchen Apparat von „Wissen" und „tiefer Einsicht" und dabei mit so olympischer Grobheit austrcte, müsse wohl im Wesentlichen richtig sein und der nichtswürdige , kirchenfeindliche „Kapitalsophist" fei gehörig abgeführt. In der That aber ist die ganze Sache so unsinnig, daß nur ein geringes Nachdenken selbst des Laien dazu gehören sollte, um dies herauszufinden. Also je mehr die Mittel zur Produktion anwachsen, desto mehr geht die Menschheit in immer weniger ganz Reiche und immer mehr ganz Arme auseinander! Ei, sagen Sie mir doch, Sie scharfsinniger Logiker, für wen produzirt man denn? etwa für den Mann im Mond, oder für die Bewohner des Sirius? oder wird vielleicht von der zunehmenden Produktion zuletzt nur noch Goldbrokat und Champagner erzeugt für die paar, zu Erdengöttern gewordenen Großkapitalisten? Wir hatten bisher gemeint, die Mehrproduktion entspreche der Zeit nach erst in zweiter Linie einer vermehrten Produktionsfähigkeit, in erster Linie einer gesteigerten Konsumtionsnachfrage; die größere Konsumtion bedeute allgemein gestiegenen Wohlstand, allgemein erhöhte Ansprüche an das Leben; sie gehe der Natur dir Sache nach Hand in Hand mit der Mehrproduktion, weil nur diese die Mittel bitte, jenen erhöhten Ansprüchen wechselseitig gerecht zu werden. Wir dachten, die fruchtbaren Tiefebenen würden erst dann mit Getreide bepflanzt, wenn man es verwerthen kann, selbst wenn es auch im andern Falle an den Werkzeugen und Arbeitskräften nicht gefehlt hätte; ErzlageH würden erst ausgebeutet, wenn ein Bedürfniß nach ihrem Inhalte sich regt; Fabriken und Maschinen würden erst errichtet, wenn die Menschen nach so Ungeheuern Massen des betreffenden Gegenstandes ein Begehr haben, daß die Handarbeit zur Herstellung nicht mehr genügt. Weiter dachten wir, eine ungeheure Steigerung der allgemeinen Kapitalkraft — welche ja nichts Anderes ist als das Maß vorhandener Fähigkeit, der Natur ihre Gaben abzugewinnen und sie möglichst zweckentsprechend zu verwenden — sei untrennbar verbunden mit dieser wechselseitigen Steigerung von Produttion und Konsumtion; denn je mehr ein Mensch verbrauchen wolle, desto mehr müsse er ja erzeugen können und desto mehr Kapital müsse er also haben; eine große Verbrauchssteigerung habe somit die Ausbreitung größeren Kapitals unter einer größeren Vevölkerungs- menge zur nothwendigen Voraussetzung, und wenn es auch sein möge, daß große Reichthümer, d. h. große Kapitalmassen sich in den Händen einer gewissen beschränkten Anzahl von Menschen anhaufen, so sei diese Anhäufung'doch nach allen Gesetzen der Logik geradezu verschwindend gegen die Zunahme des Kapitals unter den Volksmassen — denn nur dadurch sind ja jene großen Kapitalansammlungen möglich! Aber nein: unser scharfsinniger ultramontaner Volkswirt!) belehrt uns ganz ernsthaft, die Reichen wurden um so reicher, je ärmer die Armen — was in Wahrheit nichts Anderes heißt, als daß die Produktion um so größer werde, je geringer die Nachfrage wird! Werfen wir nunmehr einen Blick auf die Art, wie der ultramontane Volkswirth im Bundc mit den Lassalleanern das Verhältuiß zwischen Arbeitgeber und Arbeiter darstellt. Es wird da gethan, als ob so ein Fabrikherr mit der Peitsche in der einen und dem elenden Lohne in der anderen Hand unter die Leute trete und grinsend fordere, daß sie sich jetzt von ihm „ausbeuten" lassen. Der wahre Sachverhalt ist folgender. Wer kein Kapital besitzt, der ist allerdings darauf angewiesen, für Lohn zu arbeiten, und also seine Arbeitskraft gewissermaßen Denen zu opfern, welche vermöge ihres Kapi- talbesitzxs in der Lage sind, diese Arbeitskraft zu produktiven Zwecken verwerthen zu können. Ob der Lohn hoch oder- niedrig ist, das hängt in zweiRichtungen von dem Verhältniß zwischen Angebot und Nachfrage ab: in Betreff des Werths, welcher den prodnzirten Gegenständen innewohnt, und in Betreff der vorhandenen Arbeitermenge. Ist jener Werth ein geringer, so kann der Lohn nicht hoch sein, indem andernfalls die ganze Produktion unmöglich würde; ist er ein bedeutender, so braucht der Lohn allerdings auch nicht hoch zu sein, kann es aber. Bieten sich Arbeitskräfte in großer Menge an , weil wenig Kapital und wenig erlernte Fähigkeit da ist, so ist er trotz Allem niedrig — daran ist nichts zu ändern, und nicht der Arbeitgeber trägt die Schuld an der elenden Lage, welche unter Umständen hiervon die Folge ist. Dasjenige Kapital, welches in einem solchen Falle die Niedrigkeit des Arbeitslohnes benutzt und doch immer einen wenn mich schlechten Lohn gewährt, ist stets ein Wohlthäter; wäre es nicht da-vder würde einem andern Produktionszweige zugewendet, so müßte die Lage nothwendiger Weise eine noch schlimmere sein. Richtig ist, daß ein Zusammenwirken ungünstiger Verhältnisse in einigen Fällen eine vom Großkapital schlechthin abhängige. Bevölkerungsmenge gewissermaßen in's Leben gerufen hat; wir haben diese Verhältnisse seiner Zeit kurz erörtert und verweisen hierauf. Ein Buch können wir aus diesen Artikeln nicht machen und lassen uns daher in weitere Ausführungen hier nicht ein, begnügen uns vielmehr, in zwei Sätzen Dasjenige, was hierüber zu sagen wäre, kurz anzudeutcn. Alle Werthe entspringen aus menschlicher Arbeit. welche um so wirksamer ist, je mehr sie einerseits eine geschulte und ausgebildete ist, andererseits die Ersparnisse der Vergangenheit, verwandelt in irgend einen für die Weiterproduktion dienlichen Gegenstand, zur Verfügung hat; die Gesammtheit der vorhandenen Produktionsmittel nennt man Kapital, und insofern ist allerdings auch die Arbeitskraft des Einzelnen „Kapital". Diese verschiedenen Faktoren der Weiterproduk- lion oder diese verschiedenen Kapitalformen nun stehen nicht im Kriege miteinander, sondern sie befruchten sich gegenseitig; je mehr Ersparnißkapital da ist, desto mehr und desto bessere und reichlichere Produktion ist ermöglicht, und je besser die Qualität der Arbeiter ist, desto höher steigt der Ertrag jenes Kapitals, so daß letzteres keineswegs ein Interesse daran hat, stumpfsinnige, verkommene Massen um sich her zu sehen, sondern das allergrößte Interesse, Zustände dieser Art allmälig zu beseitigen — was wiederum nur möglich ist durch Kapitalvermehrung einerseits und durch Arbeit an der intellektuellen und sittlichen Hebung der Arbeiter andererseits. — Ganz anders unser ullramvntaner Volkswirth. Ihm stellt sich das Kapital in Form eines Strudels vor, welcher die unglücklichen Arbeiter, die ihm zu nahe kommen, in seinen Schlund hinabreißt und als Leichen wieder an den Strand wirft. Man malt den Arbeitern ihr eigenes Elend und das Wohlleben der Kapitalisten in grellen Farben vor, und gibt sich ganz besondere Mühe, die Vorstellung zu erwecken, als gäbe es eine scharfe Grenze zwischen einer Klaffe weltbeherrschendcr Kapitalmenschen (Mastbürger, Geldburschhiesen) auf der einen nnd wehrloser, von der Hand in len Mund lebender und ohnmächtig an ihren Ketten rüttelnder Arbeiter auf der andern Seite. Wie bodenlos unwahr dies ist, wie die menschliche« Verhältnisse von oben bis unten eine bunt gemischte Stufenreihe bilden, braucht wohl nicht erst bewiesen zu werden. Aber das Elend der Arbeiter! Der Druck der Konkurrenz! Das Verschwinden des Mittelstandes! Ja — wenn nicht etwas daran wäre, wenn es nicht hie und da traurige, be- weinenswerthe Dinge gäbe, so müßten solche Klagen den Humor herausfordern. Vor Menschenaltern waren andere Dächer als Strohdächer auf dem Lande in den meisten Theilen Deutschlands noch eine Seltenheit, Tuchröcke wo möglich eine noch größere; in den Städten galten tapezierte Zimmer und gewichste Böden schon für einen besonder» Luxus; Fleisch kannten große Massen der untern Volksklasse nur vom Hörensagen. Man sagt nicht zu viel damit, daß unsere geringen Arbeiter sich besser stehen als vor Jahrhunderten viele Kleinbürger (wer sich darüber unterrichten will, der lese den Hans Sachs!), und eine zweifellose Thatsache ist es, daß das ärgste Arbeiterelend unserer Zeit ein Kinderspiel genannt werden darf im Vergleich mit den Nöthen, welche früher unter fast regelmäßiger, nicht allzu seltener Wiederkehr über ganze Länder dahingingen. Doch suchen wir bestimmte Thalsachen zur Vergleichung zu gewinnen, und gehen zu diesem Behufe frischweg nach England. Im Jahre 1300 war Colchester die zehnte Stadt Englands; sie galt schon für eine Industriestadt und für nichts weniger a!s dürftig. Zu jener Zeit wurde der gesammte bewegliche Werth in der Stadt auf etwas mehr als 500 Psd. St. veranschlagt; allerdings war der damalige Metallwerth um ein Ziemliches höher, doch aber nicht in dem Grade wie man oft anzunehmen Pflegt. Die Geringfügigkeit dieser Summe wird uns erklärlich, wenn wir erfahren, daß kaum ein einziges Haus in mehrere Gelasse getheilt war oder einen Kamin besaß; die Wände der Häuser waren mit Zweigen verbunden und mit Lehm übertüncht; eine Matratze aus Schafwolle und ein Wollsack, und gar ein Tuchrock galten schon für einen Reichthum; Möbel nach unseren Begriffen gab es fast keine; die Werkzeuge und Vorräthe, welche uns aufgezählt werden, waren so ärmlich, daß man sich in jenen Zustand von Bedürsnißlosigkeit kaum zurückzudenkcn vermag. Der Adel war wenig besser daran. In seinen Schlössern saß man auf Kisten; Glas war ein überaus seltener und kostbarer Luxusartikel; wer recht reich war. sah sich im Stande die Ritzen der Wände mit Tapeten zu verhängen. Der Graf von Northum- berland brauchte jährlich für seinen Haushalt zwar 160 Gallonen Senf, aber nur 70 Ellen Leinwand! — Und heute? Wenn man die Schilderungen der Kapitalsophisten-Artikel liest, so sollte man meinen, dieses stolze, herrliche England bestehe bald nur noch aus einigen Hundert überfressenen Geldprotzen und Millionen hohläugiger Bettler. Wie anders ist das Bild, welches uns die Wirklichkeit bietet! Eine Steuerlast von gegen 10Ü0 Millionen Gulden wird ohne Beschwer getragen , und die Steuererträge sind der Art in fortwährendem Steigen, daß stets Aufhebungen und Herabsetzungen erfolgen können. Immer noch ist England, mit seiner kolossalen Produktion , sein eigener bester Kunde; der Begehr nach allen Luxusartikeln und nach den Artikeln des soliden, die Arbeitskraft erhaltenden und erhöhenden Verbrauchs ist ein so Massenhafter, daß wir uns dagegen als ein traurig armes Land Vorkommen müssen; u. A. verbraucht England verhältnißmäßig dreimal so viel Fleischnahrung wie Frankreich, und immernoch erheblich mehr als wir. Die gewerbliche Blüthe, nicht nur die der Großindustrie, ist eine ungeheure. Daß der Mittelstand verschwinde oder schon verschwunden sei, ist eine freche Lüge; der Mittelstand findet sich nur auf einer höheren Stufe wieder, er besteht jetzt nicht niehr aus beschränkten, nothdürstig vorwärts kommenden oder, wie der Amerikaner sagt, „ihr Leben machenden" Kleinbürgern, sondern eben aus solchen „Mastbürgern" wie sie unfern Schwarzen so verhaßt sind, und die Zahl dieser Mastbürger ist mindestens eben so groß als die des früheren kleingewerblichen Mittelstandes. Ihnen nachgerückt ist eine überaus zahlreiche Klasse, welche allerdings nicht in gleichem Umfange wirthschaftlich selbständig ist, aber mindestens eben so hohe, in vielen Dingen höhere Lebensansprüche stellt wie unser Mittelstand. Der Arbeiterstand bietet im Großen und Ganzen ein nicht minder erfreuliches Bild. Zum Belege dessen einige Zahlen. Die lllsnvliester Unitzr ot Olä keliow8 zählte 1868: 387,000 Mitglieder, besaß einen Reservefond von 2 Mill. Psd. St. und hatte im abgelaufenen Geschäftsjahre 64,500 Psd. St. an Lebensversicherungs-Prämien ausbezahlt. Die binnen Oräer vl korostors zählte 1863: 240,000 Mitglieder, und ihre jährlichen Kranken-Beisteuern betrugen 220,000 Psd. St. Den Reservesond der sämmt- lichen krwllälz- sooistios schätzte man im Jahre 1862 auf 20 Mill. Psd. St., die Mitgliederzahl auf mehr als 3 Millionen, die jährlichen Beisteuern aus 5 Millionen Psd. St. Allein die Penny-Sparbank für die Grafschaft Äorkshire empfing im Jahr 1860 von 25,000 Einlegern 24,000 Psd. St. und zahlte nur 6000 Psd. zurück. Vereine zur Beschaffung von Grundeigenthum und eigenen Häusern gibt es an 2000, welche schon an 10 Mill. Psd. St. zur Verwendung gebracht haben; der Verein für Birmingham hatte 1867: lO.OOOMitglieder, darunter 90 Proz. Arbeiter mit 7—20 fl. Wochenlohn, nahm jährlich 150,000 Psd. St. ein und hatte schon 8- bis 9000 Häuser gebaut; in der Grafschaft Sunderland war die Zahl dieser Vereine von 1859 — 66 von 40 aus 60 gestiegen, "mit 13,500 Mitgliedern — fast lauter Arbeitern — und einem Kapital von 1,800,000 Psd. St. Das find Zahlen, welche Gottlob geeignet sind, das Herz des Menschenfreundes beim Anblicke Englands trotz Allem mit Muth und Hoffnung zu erfüllen. — lieber das Verhältniß der Besitzer von Klein- und von Großkapital haben wir leider nur eine ältere Angabe. Im Jahre 1832 betrug die Zahl Derer, welche aus Aktien eine Rente von mehr als 100 Psd. bezogen, etwa 20,000; die Zahl Derer, welche 10 —100 Psd. bezogen, betrug 125,000; und 130,000 bezogen noch kleinere Beträge. Wenn wir uns nun vergegenwärtigen, daß gerade jene Zeit nichts weniger als besonders günstig war; daß fast alle die oben angeführten großartigen Schöpfungen, eben so "ie jene gewaltigen Konsum- und Produktionsvereine nach Muster der Pioniere von Rochdale, erst seit jener Zeit in's Leben traten, jedenfalls alle bis dahin von verschwindender Unbedeutendheit waren: so wird man unsere Annahme gerechtfertigt finden, daß das Verhältniß seitdem noch viel, viel günstiger geworden sei. Und dennoch das „Unerquickliche" der englischen Zustände, dennoch jene erschreckende Zunahme des Pauperismus? Das ist ein betrübtes Blatt, und es ließe sich darüber allerdings noch Manches sagen, auch außer den Punkten, welche wir als die Ursachen der harten und schlimmen Thalsache, die uns hier eutgegentritt, angeführt haben. Indessen ergibt sich aus dem Vorhergehenden, daß es kompletter Unsinn ist, von einem Untergehen des Mittelstandes im Pauperismus zu sprechen. Vor Allem ist es hier erforderlich, den Begriff des Pauperismus sestzustellen. Nicht das Vorhandensein einer größeren Menge besitzloser Arbeiter bezeichnet man als Pauperismus, sondern das Vorhandensein jener traurigen, aus die öffentliche Mildthätigkeit, auf allerhand erbärmliche Erwerbsarten, und endlich aus Laster und Verbrechen angewiesenen Massen, wie sic allerdings in London und in einigen Fabrikdistrikten sich vorfinden und leider in letzter Zeit nicht ab-, sondern noch bedenklich zunahmen. Mit dem Arbeiterstand als solchem haben, wie man leicht erkennt, diese Massen weiter nichts zu schaffen, als daß sie durchweg aus ihm (und nicht aus dem Mittelstände, wie unser ultramontaner Volkswirth faselt!) hervorgcgangen sind und sich jetzt noch rekrutiren. Wir haben es hier wesentlich mit einem Uebel zu tynn, welches schon als Frucht früherer sozialer Mißstände aufgefaßt werden muß. Wo einmal Theile einer Arbeitergeneration physisch und moralisch verkommen sind, da hat der entsprechende Theil der nachfolgenden Generation die Tendenz, noch tiefer zu sinken, und nicht minder haben diese Massen, in denen alle die beschränkenden Motive der bürgerlichen Gesellschaft erloschen sind, eine Tendenz, auch aus sich heraus sehr rasch zu wachsen; wozu dann der nach Lage der Dinge immer noch nicht zu beseitigende Zufluß solcher Arbeiter kommt, welche durch die Schwankungen einer nicht überall auf ganz gesunden Grundlagen ruhenden Industrie brodlos werden. Nichts liegt uns ferner, als diese Thatsache läugnen oder verkleinern zu wollen. Aber wir wiederholen: nicht die Industrie als solche, sondern verschiedene, mit ihrer plötzlichen gewaltsamen Entsaltung zusammenhängende Gründe, sowie die Zustände in Irland und unter der Masse des besitzlosen eirglischen Landvolkes haben dieses Uebel verschuldet. Die Besserung ist hier eine schwere Sache, und es darf nicht verhehlt werden, daß zur Zeit noch wenig für sie geschehen ist. Mindestens insofern aber, als man diesen traurigen und unheimlichen Massen des Pauperismus den weiteren Zufluß abzuschneiden trachtet, läßt sich immerhin von Erfolgen reden; die oben angeführten Zahlen sind kräftige Zeugnisse in diesem Sinne. Wird aber die allgemeine Lage eine so durchgreifende Besserung erfahren haben, wie es als in Allssicht stehend bezeichnet werden darf; wird die Frucht aller jener großartigen Nenschöpfungen da sein in einer Lage des Arbeiterstandes, welche keinen erheblichen Anlaß mehr zu Klagen und Beschwerden bietet: dann, so dürfen wir hoffen, wird auch der Pauperismus dahinschmelzen wie Schnee vor der Frühliugssonne. Einstweilen hören wir, im Gegensätze zu dem Rabcngekrächz des nltramontanen Englandhassers, einige Sätze über die Umwandlungen, welche in den letzten 30 Jahren mit den Arbeitern der Fabrikdistrikte vorge- gangeu sind. (Ludlow und Jones.) „Es ist seit 1832 eine Bruttozunahme an Arbeitern von 92 Proz. vorhanden; die Zunahme der weiblichen Arbeiterinnen beträgt 131 Proz.; Kinder sind beinahe eben so viele, wie früher waren (jedoch nur für halbtägige Arbeit, da jetzt streng darauf gesehen wird, daß jedes Kind unter 13 Jahren 3 Stunden lang die Schule besucht); und doch sind alle die Krankheiten, welche spezifisch der Fabrikarbeit eigen waren, beinahe ganz verschwunden. Die Gesichter der Leute sind von rothcr frischer Farbe; ihre Formen sind abgerundet; ihr ganzes Aussehen ist ein erfreuliches. — Was die Mäßigkeit angelst, so haben sich ohne Zweifel die Arbeiter bedeutend vervollkommnet; obwohl wir eine furchtbare Anzahl voll Wirthshäusern haben, so sind sie doch jetzt meistens von den Märkten und von der Landkundschaft abhängig. — Im Allgemeinen gesprochen, haben die Arbeiter sich sehr gehoben; sie sind gegen Religion weniger feindlich gesinnt, weniger »illoyal, weniger brutal, mehr empfänglich für freundliche Belehrungen und guten Rath. Die Führer des Volkes in der Refvrmbewegung sind verschieden von den alten Chartisten-Führern; gemäßigter, billiger, gesitteter, weniger heftig in Temperament und Sprache. Das Wirthshaus ist jetzt der Feind." Das Beste aber ist: die Schranken zwischen den Ständen sind niedergerissen; die Erkenntniß ist eine allgemeine geworden, daß der ganze Leib leidet, wenn ein Glied krank ist, und daß die Bürgschaft des Gedeihens in dessen Wechselseitigkeit liegt. Und mit diesem tröstlichen Schlußworte dürfen wir von England scheiden. (Schluß folgt.) X. Karlsruhe, 21. Apr. Der badische Hauptverein der evangelischen Gustav-Advls-Stistung hat so eben seinen Bericht der 24. Jahresversammlung ausgegeben. Indem wir demselben einige Zahlen und Thatsache» entnehmen, schicken wir einige Vorbemerkungen voraus. Den verschiedentlich« Male angegriffenen Namen verdankt der Verein weder einer antikatholischen »och einer antinationalen Tendenz, sondern einfach der 2(>0jährigen TodeSseier Gustav Adolfs am 6. Nov. 1832. Dieselbe fand auch in Leipzig Anklang und gab zu einer Feier am Lützener Stein Anlaß, wo die Herstellung eines kleinen eisernen Denkmals über dem „Lützenstein", in dessen Nähe Gustav Adolf fiel, beschlossen wurde. Aber ein Leipziger Geistlicher, Domherr Großmann, meinte, ein noch würdigeres Denkmal wäre eine Stiftung, welche den in katholischen Gegenden zerstreuten Protestanten hilfreiche Hand böte, zur Ausübung ihres evangelischen Gottesdienstes zu gelange». So entstand die bis 1841 außerhalb Sachsens wenig bekannte Gustav-Adolf- Stistung. 1842 ging von Darmstadt und Basel (Prälat Zimmermann und Pfarrer Legrand) ein neuer Aufruf zu einem solche» protestantischen Hilfsverein aus, der sich an den sächsischen Verein an- schloß und dessen Namen anuahm. Seil seinem Bestehen hat dieser Verein im Ganzen 2,642,387 Thlr. gesammelt und an ungefähr 1800 Gemeinden verwendet; davon fallen 653 Gemeinden mit 1,144,000 Thlr. auf da- jetzige Königreich Preußen und 531 Gemeinden mit 763,000 Thlr. auf Oesterreich. Der badische Theil des Vereins hieß bis 1868 „Heidelberger Hauptverein" und sein Vorstand hatte statutengemäß in Heidelberg seinen Sitz. Das Präsidium führte dort zuerst der jetzige Obcrhos- prediger vr. Dittenderger in Weimar und dann Dekan vr. Zittel. Auf der letzten Jahresversammlung erlitten die Statuten eine Umgestaltung, der Verein erhielt den Namen „badischer Hauptvcrein", und daS Bureau desselben wurde, unter Wahl de« Hrn. Hofprediger Doll zum Vorsitzenden, nach Karlsruhe verlegt. Der jetzige Vorstand besteht aus den weiteren Karlsruher Mitgliedern Domänendireklor v. Böckh (Kassier), Seminardireklor Leutz (Sekretär) und den HH. Dekan vr. Zittel in Heidelberg, Skadtpsarrer vr. Schellen- berg in Mannheim, Stadlpsarrer Kaiser in Konstanz und Do- mänenverwalter Rau in Pforzheim. Bis 1847 stieg die jährliche Vcreinseinnahme auf 3000 fl., 1348 und 1849 brachten einen Ausfall und bis 1853 stieg die Einnahme nicht mehr über 2000 fl., dann aber ziemlich stetig und zwar bis 1866. Nämlich 1862 ungefähr 9000 fl., 1863 11,OM fl., 1864 10,OM fl., 1865 10,800 fl. Ein Rückgang trat ein im Jahr 1866 7600 fl., 1867 8000 fl. und nun 1868 wieder 9927 st. Von der Gesammtsumme der Einnahmen pflegt an badische Gemeinden, '/o an den Zentralverein und '/z direkt an autzerbadische Genwinden vergeben zu werden. Im Jahr 1868 wurden von badischen Gemeinden unterstützt: Ach er», Durmersheim, Furtwangen, Gengcnbach, Langenbrücken, MeerSdurg, Bkeßkirch, Oberkirch, Ossenburg, Renchen, Säckingen, Singen, Slockach, Sulzbach, Tauberbischofsheim, Ueberlingen, Un- lergimpcrn, Villingen, Waldkirch, Waldshul, Psüllendorf und Philippsburg. Die diesjährige Jahresversammlung wird im Juli in Offenburg statlftnden, in einem wesentlich durch die Hilfe de« Verein« erbauten Gotteshause. Karlsruhe, 23. Apr. (B. L.) Die kiesige freie Lehrerkon- scre » z hat gestern unter dem Vorsitz des Hrn. Oberlehrers Peter beschlossen, die bisherige, als sehr zweckmäßig erprobte Organisation des Lehrerstandcs beizubchalten und die Wahl der Mitglieder des Ausschusses in nächster Konferenz vorzunehmen. — Freiburg, 22. Apr. Bei der heutigen freien Lehrerkonferenz de« Stadt- und Landbezirks Freiburg wurde auf die Gründung eines LchrervereinS verzichtet, dagegen die Beibehaltung der erprobten Organisation mit einem Lehrer- ausschnß einstimmig beschlossen. Karlsruhe, 24. Apr. Heule sind es 50 Jahre, daß der Leiter des hiesigen Großh. Hoflheaters, Hr. vr. Eduard Devrient, zum ersten Mal die Bühne betrat. Dies gab zu einer Reihe von Jubi- läumssestlichkeiten Veranlassung, die gestern ihren Anfang genommen haben. Es wurde nämlich auf Allerhöchsten Befehl des Jubilars beliebtes Schauspiel „Verirrungen" aufgeführt. Das zahlreich herbeige- strömle Publikum nahm die Gelegenheit wahr, dem vielverdienten Chef der Großh. Hofbühne — den zu verlieren in jüngster Zeit ernstliche Gefahr vorhanden war — verschiedene Ovationen zu bereiten. Namentlich wurde derselbe unter reichlichen Blumcnspenden nach dem 2. Akt und am Schlüsse stürmisch gerufen. Nach der Vorstellung brachte der Liederkranz dem Jubilar vor dessen Wohnung ein Ständchen. Ein anderes brachte das Personal des Großh. Hoflheaters demselben heule Morgen 7 Uhr. Heute Nachmittag 5 Uhr und heule Abend werden noch andere Festlichkeiten folgen. Mannheim, 23. Apr. (Mannh. I.) Der F e uer w e h r t a g badischer Feuerwehren findet dahier am 8. August statt. Mannheim, 24. Apr. Da« „Mannh. Journ." schreibt: .Die von Freiburg auS verbreitete Nachricht über da« obcrhofgerichtliche Erkenntniß in der Bischof Kübel' schm Anklagesache ist, wie wir erfahren, zum mindeste» verfrüht. Die Entscheidung des obersten Gerichtshofes ist bis jetzt noch nach keiner Seile hin bekannt gegeben worden, und kann somit di- Bestätigung des Freiburger Telegramms zum mindesten eben so gut ausbleiben als eintreten. Es wird an unserem Bischofsitze bekanntlich viel in falschen Nachrichten gemacht." Mosbach, 22. Apr. (Warte.) Im Lauf der letzten Wochen hielt Hr. Prof. Onken aus Heidelberg dahier vor einer sehr zahlreichen Zuhörerschaft drei Geschichtsvorträge, am 10. Apr. über Scharnhorst und Gneisenau, 17. Apr. über York, und gestern Abend, 19. Apr., über Blücher. Durch den fesselnden Inhalt, die gewählte Sprache und den fließenden Vortrag gewann der Redner den allgemeinsten Beifall, und sprach man sich nach Beendigung der Vorträge auf allen Seiten mit großer Befriedigung darüber aus. — Am 21. Morgens früh brannte in der Gemeinde Schön ach, A. Tribcrg, ein einzeln stehendes Bauernhaus sammt Scheune vollständig nieder. Man vermuthet Brandstiftung, ohne jedoch bestimmte Anhaltspunkte zu haben. Hamburg, 18. Apr. Das Hambura-Neu-Aorker Post-Dampfschiff „Allemannia", Kapitän Bardua, welches am 31. März von hier und am 3. April von Southampton abgegangen, ist nach einer Reise von 12 Tagen 11 Stunden am 16. April wohlbehalten in Neu-Jork angekommen. Frankfurt, 24. Apr., — Uhr — Min. 'Nachm. Ocsterr. Krebil- aktien 287Vr, StaatSbahn-Aklien 325^, National —, Steuerfreie —, l6vt»r boote 82, Oesterr. Valuta 96'/^, 4 proz. bad. Loose 103V», Amerikaner 87Vb, Gold —. WitteriingSbevbachtuugen der meteorologischen Zentralstation Karlsruhe. 23. Apr. Mrgs. 7 Uhr 'UtrgS. 2 „ Rocht« 8 . B«rourtter. 27'11,4"' 27-10,7'" 27"10,7'" Thermo. Meter. i- 8,4 -15,6 -s-10.2 keil m Pro- 0°41 0,54 0,59 Wind. N.O. OSO. N.O. Himmel. klar klar klar Witterung. Snsch.wndg.,frisch > sehr warm hell, warm Verantwortlicher Redakteur: vr. I. Herm. Kroenlei n. GroßderzvglicheÄ.Hoftheater Sonntag 25. Apr. 2. Quartal. 49. Abonnementsvor- stellung. Faust, Tragödie in 5 Akten, von Göthe, mit Musik. ' Für die Bühne eingerichtet von Ed. Devrient. Anfang 6 Uhr. ^ Ende 10 Uhr. , Dienstag 27. Apr. 2. Quartal. 50. Abonnementsvor- steünng. Uriek Acosta, Trauerspiel in 5 Akten, von vr. K. ! Gutzkow. Anfang (»7 Uhr. Ende gegen ^10 Uhr. Mannheimer Majchinenumrkt Mffmmg: 25 . April. Schluß: k Mai 1888 . Oie reicde Ausstellung umfasst: Hasodlnsn kür InnävIrittsLliLttllattsil nreä xsvsrvllolisll Sstrlsd, kür illaua- dLltnriKso. , kür Sartsubsu, so vis Sartsuwöbsl, Lsnsüsltiiossssrätüs sto. killtrittspreise am 25. -(M, 8ollllta» 2. und Novtaz 3. Mi 24 kl., av allen ildnzell lazeo 12 kr. ?er8onalkLltell verden ein8olilie88livk eilles Nai-Nalkt8-I.oo8e8 iin ^Veltke von 1 ur sckl, wenn feiler 7opk mit Outersckrift «ler Uerren ^rolkv8Svrv»» varon ^ vai» LiIsklK und Ilr H. von I'ettvulioter verseken. »st«U-I?rvl8v kür 8»nr Iteut cliluiial. l engl, ?kd.-7opk '/- enssl- k».-lopk Va ^S>. Lfd.-lopk V« engl. Lfd.-Iopf » a. 5. 33 kr. s o. r. 54 kr. » ll. 1. 3« kr. » 54 kr. L» In «I«n N»«l8l«N H»N«II»N8«N III»«I ^pvlllvllt n Z.r.341. In der ^ ^ von Kart AtökNhv^ll in Douaueschingen ist so eben erschienen: Hejangschule für vre Volksschule nach Pestalozzischen Grundsätzen bearbeitet von Jung, Kreisschulrath in Vellingen, und üinz , Seminaroberlehrer in Ettlingen, gr. 8°. 10 Bozen. Preis 1 fl. 36 kr. Die hiezu gehörenden Gesangheste für die Hand des Sch ü lerS in 4 Weise» sind im Drucke begriffen. _ LMsxtisoks Lrämxte ^k!) keilt der Specialsrrt für Lpilepsie vr. O.LiUisck in 8erlin, fetrt Hittolstrasss 80. k. — ^us- u Artige briellick. 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