Karlsruher Zeitung Freitag, 28. Juli. M 173. Vorausbezahlung: halbjährlich 4 fl., vierteljährlich 2 fl., durch dir Post im Erotzherzogthum Laden 4 fl. 12 kr. und 2 fl. 8 kr. SinrückungSgebühr: die gespaltene Petitzeile »der deren Raum 5 kr. Briefe und Gelder frei. Expedition: Karl-Friedrichs-Strahe Nr. 14, woselbst auch die Anzeigen in Empfang getrommen werden. 1862 Amtlicher Theit. Erlaubniß zur Annahme fremder Orden. Kein« Königliche Hoheit her Großherzog haben Sich unter dem 8. Juli d. I. gnädigst bewogen gefunden, dem Geh. Hofrath vr. Schürst aper zu Emmeudingen die unterthänigst nachgesuchte Er- laubuiß zu ertheileu, das ihm von Sr. Mas. dem Kaiser von Rußland verliehene Kommandeurkreuz des St.-Stanislaus- OrdenS aozunehmen und zu tragen. Medaillenverleihung. Keine Königliche Hoheit der Großherzog haben Sich unter dem 5. Juli d. I. gnädigst bewogen gefunden, dem israelitischen Hauptlehrer Moses Halle in Gailingen in Anerkennung seines fünfzigjährigen pflichtgetreuen Wirkens die silberne Zivil-Verdienstmedaille zu verleihen. Dienstnachrichten. Karlsruhe, tzen 23. Juli. Keine Königliche Hoheit der Großherzog haben unterm 15. d. M. gnädigst geruht, den Geh. Hofrath Professor vr. Banmgärtuer an der Universität Freiburg auf sein unterthäuigstes Ansuchen und unter Anerkennung seiner langjährigen Neuen Dienstleistungen in den Ruhestand zu versetzen. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben ferner unterm 21. d. M. gnädigst geruht, die Stelle eines KollegialmitgliedS bei der Regierung des Unterrheinkreises dem, dem katholischen Oberkirchenrath beige- gebeneu Regierungsrath Klei», die Stelle eine« Amts- und Amtsgerichts-Arzte- in Donau- eschingen dem Badearzt vr. Eimer in Laugenbrücke«, die Stelle eines Amts- und Amtsgerichts-Arztes in Neckar- bischofsheün dem Assistenzarzt vr. Langsdorff in Schiltach, die Stelle eines Amts- und AmtSgerichiS-Arztes in Adelsheim dem Assistenzarzt Robert AneShänsel in Schönau zu übertragen, sodann dem Privatdozenten in der Juristenfakultät der Universität Heidelberg, vr. Friedrich Bering, den Eharakter als außerordentlicher Professor zu verleihen. Keine Königliche Hoheit der Großherzog haben mittelst höchster Entschließung aus großh. Staatsministerium vom 5. April l. I. auf die Höchstihrem Patronat unterliegende katholische Pfarrei Fuetzeu den Pfarrer Heinrich Mergele zu Oberspitzenbach gnädigst zur ernennen geruht, und wurde derselbe am 17. Juni l. I. kirchlich eingesetzt. Keine Königliche Hoheit der Großherzog haben mittelst höchster Entschließung aus großh. Staatsministerium vom 5. April l. I. auf die Höchstihrem Patronat unterliegende katholische Pfarrei Worblingen de« Pfarrer Johann Baptist Staig er von Riedern gnädigst zu ernennen geruht, und wurde derselbe am 1. Juli l. I. kirchlich eingesetzt. Seine Königliche Hoheit der Groß Herzog haben mittelst höchster Entschließung aus großh. Staatsmimsterium vom 5. April l. I. auf die Höchstihrem Patronat unterstehende katholische Pfarrei Wehr, Dekanats Wiesenthal, den Pfarrver- weser Ernst Ginshofer von Mördingen gnädigst zu ernennen geruht, und ist derselbe am 3. Juni d. I. kirchlich eingesetzt worden. Seme Königliche Hoheit derGrsßherzog haben mittelst höchster Entschließung aus großh. Staatsministerium vom 19. Mai l. I. aus der Zahl der von dem Hrn. Erzbischof der großh. Staatsregierung vorgeschlageoen drei Bewerber den Pfarrverweser Joseph Lender in Kapplenhal auf die katholische Pfarrei Kapplerthal gnädigst zu designiren geruht, und hat derselbe am 30. Juni l. I. die kirchliche Einsetzung erhallen. 8e. Excellenz der Hr. Erzbischof hat dem bisherigen Pfarr- verweser Joseph Knaupp in Eppingen die Pfarrei Spessart, Dekanats Ettlingen, verliehen, und ist derselbe am 30. Juni d. I. kirchlich eingesetzt worden. Ee. Excellenz der Hr. Erzbischof hat dem bisherigen Pfarr« Verweser Kilian Benz in Neckargemünd die Pfarrei Dilöberg, Dekanat- Heidelberg, verliehen, und wurde derselbe am 1. Juli l. I. kirchlich eingesetzt. Nicht-Amtlicher Theit. Ein preußisches Aktenstück. Die „Steruzeitung" theilt die Depesche mit, welche der Minister de-Auswärtige», Graf Bernstor ff, in Erwiederung auf die neuesten Anträge Oesterreichs wegen derZollangelegenheit au den preußischen Gesandten in Wien, Frhru. v. Wertster, gerichtet hat: „Berlin, den 20. Juli 1862. Hochwohlgeborner Freiherr! Graf Karolpi hat mir die abschriftlich anliegende Depesche vom 10. d. M. nebst den darin erwähnten Beilagen mitgetheilt. Der Inhalt dieser Aktenstücke ist ein Gegenstand sorgsamer Erwägung von Seiten der königlichen Regierung gewesen. Das Erzebniß dieser Erwägung beehre ich mich Ew. Ercellenz nachstehend ergebenst mitzutheilen. Nach Inhalt jener Schriftstücke macht Oesterreich den Vorschlag, mit dem Zollverein in ein Vertragsverhältniß zu treten, nach welchem, vom 1. Januar 1865 ab, die Gesetzgebung des Zollvereins über die Besteuerung des Verkehrs mit dem Ausland, soweit nicht Abänderungen derselben vereinbatt werden möchten, in beiden Zollgebieten gleichmäßig zur Anwendung kommen, die Einfuhr und Ausfuhr der Erzeugnisse des einen in das andere Zollgebiet, vorbehaltlich der Gegenstände eines Staatsmonopols oder einer innern Besteuerung und der Surrogate für außereuropäische Verzehrungsgegenstände, sowie der Fabrikate aus letzter» gegenseitig abgabenfrei stattfinden und der in beiden Zollgebieten von gewissen ausländischen Halbfabrikaten und Fabrikaten auskommende Zollertrag, nach einem näher bezeichneten Maßstabe, zwischen beiden getheilt werden soll. Nach Annahme dieses Vorschlags von Seiten des Zollvereins und nach Feststellung der Hauptpositionen des künftigen gemeinschaftlichen Zolltarifs soll eine gegenseitige vorläufige Verständigung über die nothwendigen Abänderungen des zwischen unS und Frankreich am 29. März d. I. paraphirten Handelsvertrags erfolgen und es sollen, auf Grund derselben, gemeinschaftlich von uns und Oesterreich Verhandlungen über einen Handels- und Zvllvettrag mit Frankreich, event. mit Großbritannien einge- leitet werden. Diese Verhandlungen sollen auf die Feststellung nicht von einzelnen Zollsätzen, sondern von mehr oder minder allgemeinen Grundsätzen, z. B. die Nichterhöhung der bestehenden Zollsätze über ein bestimmtes Prozent des Werths der Maaren hinaus, gerichtet sein. In der Depesche, mit welcher der Hr. Graf v. Rechberg dem Hrn. Grafen Ksrolyi diese Vorschläge übersendet, verschweigt derselbe die Bedenken nicht, welche die kais. Regierung vor Mittheilung derselben an uns zu überwinden hatte. Er hebt hervor, daß die Verabredungen, in welche wir uns mit Frankreich eingelassen haben, eine solche Mitthcilung kaum angäng- lich gemacht haben würden, wenn allein unsere Stellung als europäische Macht in Betracht gekommen wäre. Er erblickt indessen in dem Umstande, daß die Vorschläge Oesterreichs an den Zollverein, also an unS nur als Mitglied dieses Vereins, gerichtet sind, und daß sie eine vollständige Veränderung der bisherigen Sachlage mit sich bringen, einen Unterschied, durch welchen die, aus unserem Berhältuiß zu Frankreich hergeleitete« Bedenken gehoben werden. Es hat uns nicht gelingen wollen, diesen Unterschied uns klar zu machen, oder, wenn er vorhanden sein sollte, als wesentlich anzuerkennen. Dem kaiserl. Hrn. Minister der auswärtigen Angelegenheiten ist bekannt, daß wir den Handelsvertrag mit Frankreich nicht in unserm Namen, nicht als europäische Macht, sondern im Aufträge der Zollvereins-Regierungen und als Mitglied des Zollvereins verhandelt haben, also eben in der Eigenschaft, in welcher wir jetzt die Vorschläge Oesterreichs rntgegenzunehmen haben. Wie dem aber auch sei, so vermögen wir gegenüber den Verpflichtungen, welche wir als europäische Macht oder als Mitglied des Zollvereins, im Wege des Vertrages oder durch einseitige Handlungen, übernommen haben, nur einen Gesichtspunkt als leitend auzu- erkennen: das Festhalten am gegebenen Worte. Nach Inhalt des dem Hrn. Grafen v. Rechberg seiner Zeit mitgetheilten Protokolls vom 29. März d. I. besteht zwischen uns und Frankreich ein, wenn auch an eine Suspensivbedingung geknüpftes Vertragsverhältniß. Wir haben unsere Zollverbündeten, mit deren Wissen und Willen wir dieses Verhält- niß eingeleitet haben, eingeladen, dasselbe durch ihre Zustimmung perfekt zu machen. — Mehrere unserer Zollverbündeten haben diese Zustimmung ertheilt, einige mit vorgängiger oder nachträglich erfolgter Genehmigung ihrer Landesvertretungen. Wir selbst haben die Verträge unserm Landtage vorgelegt und erwarten in wenigen Tagen die Abstimmung in dem einen Hause. Ich möchte glauben, daß der kaiserl. österreichische Hr. Minister der auswärtigen Angelegenheiten, wenn er sich diese Thatsachen in ihrem Zusammenhänge vergegenwärtigt hätte, Bedenken getragen haben würde, uns einen Vorschlag zu machen, welcher darauf hinausgeht, daß wir uns den Verpflichtungen einseitig entziehen sollen, welche wir gegen Frankreich durch das Protokoll vom 29. März d. I., gegen unsere Zollverbündeten durch die von ihnen angenommene Einladung zum Beitritt, und gegen unser eigenes Land durch den, an die Landesvertretung gerichteten Antrag auf Zustimmung zn den Verträgen eiugegangen find. Wir würden indessen, auch wenn wir durch diese Verpflichtungen nicht gebunden wären, Bedenken tragen müssen, die Vorschläge Oesterreichs anzunehmen. Ich beschränke mich hier darauf, das entscheidendste von diesen Bedenken hervor- zuheben, und kann dabei an eine meiner neuesten, »ach Wien gerichteten Mittheilungen anknüpfen. Die Gesichtspunkte, welche uns bei der Verhandlung unserer Verträge mit Frankreich geleitet haben, find in der von mir unterm 7. April d. I. an Ew. Ercellenz gerichteten Depesche ausgesprochen. So großen Werth wir im Interesse unseres Gewerbfleißes und unseres Handels aus die Theil- nahme an der Versorgung eines großen und reichen, an den Zollverein angrenzenden Marktes zu legen hatten, so würden wir uns doch zu derjenigen Umgestaltung des Zolltarifs, welche der Handelsvertrag mit Frankreich in sich schließt, nicht haben verstehen können, wenn wir nicht überzeugt gewesen wären, daß diese Umgestaltung, ganz abgesehen von allen vertragsmäßigen Aequivalenten, eine durch das eigene Interesse des Zollvereins geborene Nothwendigkeib sei. Es handelte sich für uns nicht blos um einen AK der auswärtigen Handelspolitik, sondern der innern Reform. Der bestehende Vereins-Zolltarif hat sich nach unserer Ueberzeugunz überlebt. Diesen nämlichen Tarif will Oesterreich durch seine Vorschläge bis zum Schluffe deS JahreS 1877 zur Grundlage des Vertragsverhältniffes zwischen dem Zollverein und Oesterreich machen. Die Vorschläge behalten zwar eine Revision desselben vor; es soll jedoch, soweit bei dieser Revision eine Verständigung über Abänderungen nicht erfolgt, beiden bestehenden Bestimmungen verbleiben, und eS soll den im Zollverein bestehenden Grundsätzen gemäß zu jeder Abänderung des Einverständnisses sämmtlicher Vereinsregierungen und Oesterreichs bedürfen. Eine solche Verabredung, ich spreche es offen aus, würden wir nicht «»gehen können, auch wenn Verhandlungen zwischen uns und Frankreich niemals stattgefunden hätten, denn über die mit dem 31. Dezember 1865 ablaufende BereinSperiode hinaus würden wir uns an den bestehenden Vereins-Zolltarif in keinem Falle binden wollen. Wir haben auf die Freiheit unserer Entschließung über diesen wichtigsten Theil der Handelsgesetzgebung einen um so entschiedenem Werth zu legen, als wir die Besorgniß hegen müß- sen, daß wir uns über die Ziele der vorbehaltenen Tarifrevi- sion nicht im Einverständniß mit Oesterreich befinden würden. Die Bedenken, welche die kaiserliche Regierung in früherer wie in neuerer Zeit gegen den Zollvereins-Tarif geltend gemacht hat, und deren Erledigung nach Inhalt der „Motivi- rung" ihrer Vorschläge bei jener Revision Vorbehalten wird, waren vornehmlich gegen das allzu niedrige Ausmaß der Sätze dieses Tarifs für die werth volleren Waareu gerichtet, zielten also auf eine Erhöhung dieser Sätze hin. In der Denkschrift, welche der Depesche des Hrn. Grafen v. Rechberg an den Grafen Chotek vom 7. Mai d. I. beigefügt ist, wird mit Bestimmtheit ausgesprochen, daß die große Mehrzahl der von uns durch den Vertrag mit Frankreich angenommenen Zollsätze von der Art sind, daß Oesterreich, ohne den Untergang vieler Zweige seiner Industrie herbeizuführen, diesen Sätzen selbst nur so weit, als die Aufrechthaltung der bisherigen Zwischcnzölle fordert, nicht zu folgen vermag. Ja der, zu den Vorschlägen Oesterreichs gehörenden „Besondern Verabredung" endlich werden nicht nur Modifikationen des Vertrags mit Frankreich im Allgemeinen als nothwendig vorausgesetzt, sondern es wird die Aufgabe der in Aussicht genommenen spätem Verhandlungen mit Frankreich ausdrücklich dahin präzisirt, daß, an Stelle einzelner Zollsätze, mehr oder minder allgemeine Grundsätze, z. B. die Nichterhöhung der bestehenden Zollsätze über ein gewisses Maß hinaus, zu vereinbaren seien. Es kann nicht meine Absicht sein, die Frage zu diskutiren, ob ein Tarif, wie solcher unserm Vertrag mit Frankreich beigefügt , ist, den wirthschafilichen Interessen Oesterreichs entsprechen würde. Ich darf mich darauf beschränken, zu konsta- tiren, daß auch aus den vorliegenden Schriftstücken die Verneinung dieser Frage hcrvortntt. Die Verschiedenheit unseres Standpunktes von demjenigen Oesterreichs , welche sich aus dieser Verneinung ergibt, können wir aufrichtig beklagen; wir können aber, wo es sich um die höchsten wirthschafilichen Interessen des Landes handelt, den Standpunkt, welchen wir für den richtigen halten, nicht verlassen. Ew. Erc. ersuche ich ergebenst, gegenwärtige Depesche ohne Verzug zur Kenntaiß des Hrn. Grafen v. Rechberg zu bringe» und demselben Abschrift davon mitzutheilen. Empfangen Ew. Ercellenz die Versicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung. ^ (gez.) Bernstorff." des k. Wirkl. Geh. Raths und Gesandten rc. Hrn. Frhrn. v. Werther Ercellenz zu Wien. * Aus dem preußischen Abgeordnetenhause. Der Handelsvertrag mit Frankreich. Berlin, 23. Juli. Das Haus der Abgeordneten beschäftigte sich in seiner heutigen Sitzung mir dem preußisch-französischen Handelsvertrag. Am Ministcrlisch: v. d. Hepvt, Graf Bernstorff, v. Holzbrinck, Graf zur Lippe, und die Regierungskommiffäre Delbrück und Philippsborn. Es sind 6 Redner für den Handelsvertrag eingeschrieben, und zwar die Abzg. v. Rönne (Solingen), Prince- Smüh, Waldeü, Müller (Anclam), Reicheuheim, Faucher, und 5 Redner gegen: die Abgg. Plaßmann, Frhr. v. Gab- lenz, Rcichenspcrgcr (Beckum), Harkort, Lette (Heiterkeit). Berichterstatter Michaelis: Der gegenwärtige Vertrag wurzle in der Gewerbegesetzgebung von 1818. Jene Gesetzgebung habe uns dir Freiheit des Bauernstandes und die Ge- werbefreihcit gebracht. Durch sie und durch den Tarif von 1815 sei der Zollverein entstauben. Nur provisorisch seien Schutzzölle eiugeführt; erst 1849 trat man definitiv nut dem Schutzzoll-System auf, wogegen unter Zustimmung des Landes Brauoschweig protestirte. Seit den neuen Zollverträzen habe Preußen iadeß, wiewohl vergeblich, auf Herabsetzung der Schutzzölle, namentlich für Eiseu, hingewirkt. Die Verhandlungen mit Frankreich in Betreff des Handelsvertrags gewährten zuerst die Möglichkeit einer Tarifveränderung. Der Tarif desselben sei ein Kompromiß zwischen Schutzzoll und Frechandel. Die Anhänger veS Schutzzolls sollen nur ihre Zustimmung zu einer geringen Herabsetzung des Zolles geben. Drei Vertreter des preußischen Handelssystems sehe er im Hause — Hrn. v. d. Heydt, Kühne und v. Rönne — olle Drei seien für den Vertrag. Gegenwärtig, wo für das deutsche VerfaffungSleben nicht zu wirken sei, nehme Preußen für Deutschland die Initiative der Handelsreform in die Hand, und es sei die Pflicht des Hauses, dieses Bestreben zu unterstützen. Die Feinde Preußens haben zur Zntrigue gegriffen; sie seien nach Wien gegangen, um dem Vertrage entgegenzmvir- ken. Es liege chm eine Depesche vor, wornach Oesterreich an die Zollvereins-Regierungen eine Note gerichtet, in der es sage, der Vertrag errichte eine Scheidewand zwischen Oesterreich und dem übrigen Deutschland. Das sei aber keineswegs der Fall; Oesterreich wolle eine Scheidewand errichten. Die österreichische Regierung erkläre ferner, sie wolle Opfer bringen, lasse aber die Zollgrenzen zwischen sich und de» Zollvereins-Staaten bestehen. Das sei in der Thar kein Opfer. Die ganze Bedeutung des österreichischen Planes sei keine Zolleinigung, sondern die Abhängigkeit des Zollvereins von Oesterreich, von der österreichischen Landesverlretung, deren Majorität nicht einmal deutsch sei. Mit diesem Plane muthe Oesterreich Preußen zu, den Vertrag mit Frankreich aufzugeben, sein Wort zu brechen. Preußen sei auf eine liberale Handelspolitik hingewiesen; ginge es auf den österreichischen Plan ein, so würbe eS zu emer schwachen Opposition und zur Ohnmacht verurtheilt. Der Plan sei unannehmbar; er sei also entweder eine Drohung, oder der Versuch, die süddeutschen Staaten an sich zu ziehen. Preußen müsse den Kampf aufnehmeu, nicht nur in seinem, sondern in ganz Deutschlands Interesse. Möge das Haus ein klares Volum geben, an dem keine feindselige Opposition rütteln könne. Mehrere Petitionen hätten Bedingungen bei Annahme des Vertrags vorgeschlageu, besonders im Hinblick auf unsere > Eisenbahn- unv Bergwerksgesetzgebung. Diese Gesetzgebung habe aber mit dem Vertrage nichts gemein, und wenn sie mangelhaft sei, so werde man sie revidiren; daun aber habe der Vertrag den Anstoß zu ihrer Besserung gegeben. Das Votum des Hauses solle nicht blos in Preußen, sondern auch im übrigen Deutschland wirken; darum müsse eS ohne Bedingung, ohne Abänderung möglichst einstimmig abgegeben werden. (Diese Rede war vielfach von allseiligen Beifallsrufen unterbrochen.) Der Minister Graf Bernstorff empfiehlt angelegentlich die möglichst einstimmige Annahme des Vertrages. In Bezug auf die von dem Vorredner berührten österreichischen Vorschläge sei bereits gestern in Wien eine Note übergeben, in welcher diese Vorschläge abgelehnt werden. Die Hauptge- sichtspunkte, die die preußische Regierung dabei geleitet haben, seien, daß wir am gegebenen Worte fefthalteu (Bravo!), und daß der jetzige Tarif des Zollvereins sich überlebt hat, daß Preußen nicht daran festhalten will, wozu es aber gcnöthigt wäre, wenn es die österreichischen Vorschläge annähme. (Bravo!) Abg. Plaßmann (gegen den Vertrag): Der Vertrag, sowie der Kommissionsbericht seien keineswegs so ausgezeichnet, daß er jede Konkurrenz ausschließe. Man habe ihn vom politischen wie national-ökonomischen Standpunkt empfohlen. Von beiden Standpunkten müsse er gründlich geprüft werden, und es sei nicht zu fürchten, daß dadurch erne feindselige Agitation entstehen werde. Man müsse fragen, welche Folge der Vertrag für das Rheinland haben werde. Der Vertrag schließe thatsächlich die Rheinstraßeu aus. Frankreich habe in dieser Beziehung kein Zugeständniß gemacht, und deßhalb hätte man „Nein" sagen müssen. Solle man sich die Hauptwasserstraße, den Rhein, von Frankreich mit einem Bann belegen lassen, in einem Augenblick, wo man einen Kanal vom Rhein zur Weser und Elbe pro- jektire? Vertrage es sich mit Deutschlands Ehre, daß durch den Handelsvertrag der Rhein geschlossen werde? Könne man Das vor dem preußischen und deutschen Volk verantworten? Eine zweite Frage erhebe sich durch das 2.Alinea des Art. 31, betreffend daS Nichtverbot der Steinkohle n a u s f u h r. Zwar sage der Bericht, das sei kein Vortheil für Frankreich, da es ähnliche.Verträge mit Belgien und England habe. Es handle sich aber hier bloß um die Saarbrücker Kohle, die Preußen ausführe; der Zollverein führe keine Kohle aus. Es sei also lediglich eine preußische Konzession. Frankreich habe wiederholt erklärt, daß es eine Lebensfrage seiner Marine sei, die Saarbrücker Kohle zu beziehen. Frankreich habe keine Kohlen auszuführen; es sei also die Kvhlen- auöfuhr nach Frankreich eine politische Konzession Preußens an Frankreich. Preußen liefere ihm auf die Dauer des Vertrags Kriegsmaterial. Jene Konzession sei aber bedenklich, weil man das beste Pressionsmiltcl auö der Hand gegeben habe, Frankreich zu Tarifoeränderungeu zu bestimmen. Bedenklich sei die Konzession auch in unserm Berhällniß zu an- der» Staaten. Eia Krieg Frankreichs nut England gehöre z. B. nicht zu den Unmöglichkeiten. Die liberale Partei habe nun wiederholt erklärt, daß Preußen mit England gehen müsse, und doch verpflichte eS sich, Frankreich Kriegsmaterial zu lie- fern. (Oho! links). Auch bei einem etwaigen Krieg mit Oesterreich sei dies der Fall. Und dennoch lasse man trotz dieser Konzession den Rhein schließen! (Unruhe im Hause macht den Redner oft unverständlich.) Die von Frankreich gewährten Zollvergünstigungen, namentlich bei Eisen, seien nicht erheblich ; ebenso bei Blei, Zink. Eine politische Nolh- wendigkeit, auf alle französischcu Forderungen eiuzugeheo, liege picht vor. Dir Ungleichheit sei namentlich bei Eise« groß. Frankreich -rhebc das 40fache wie der Zollverein dafür; dieser einen halben Thaler, jenes bis zu 20 Thaler. Dasselbe sei bei Lederwaaren der Fall. Wir setzen den Tarif von 30 auf 20 Thaler herab, Frankreich erhebe ihn bis zu 200 Thlr. Dieselbe Ungleichheit herrsche im Schifffahrts- Vertrag, und doch hätte man günstigere Bedingungen gewonnen, wenn man mit England einen Vertrag geschlossen hätte. Der Vertrag sei kein Kompromiß zwischen Freihandel und Schutzzoll, oder wenn er es sei, so gestatte Preußen Frankreich den Freihandel, und dieses behielte für sich den Schutzzoll. Frankreich habe die Möglichkeit, seine Waaren bei uns einzuführen, aber schließe durch hohen Zoll die unfern aus. Dieses Verhältniß gestalte sich noch ungünstiger als bisher, und namentlich würden die Wcstproviuze» dadurch betroffen. Der Bericht sage, es sei endlich Zeit, daß der Osten aufhöre, dem Westen Steuern zu zahlen. (Unruhe, Widerspruch.) Der Westen hatte jo lange die Grundsteuer gezahlt, während dies der Osten nicht gethan; der Westen habe dem Osten die Eisenbahnen gebaut. Eine Verschmelzung des Westens und Ostens liege im Interesse des Landes. Die Frage der Eisen-Schutzzölle habe deßhalb ein schweres Gewicht auch für die Ostprovinzen. Die Elsenindustrie sei eine Lebensfrage für Westphalen. England habe trotz seiner liberalen Vertragsgrundsätze immer an einem Grundsatz festgehalten. Es habe sein Eisen und seine Kohle und sein Korn erst der Ausfuhr geöffnet, als es erstarkt war. Eisen, Kohle und Korn seien Bedingungen des nationalen Lebens; ihre unbeschränkte Einfuhr könne nur verderbliche Folgen für die Westprovinzen haben. Nicht nur seien die Einfuhrzölle auf Roheisen, auch auf verarbeitetes Eisen bedeutend ermäßigt. Deßhalb und vor Allem im Interesse der westlichen Provinzen könne er dem Vertrag seine Zustimmung nicht geben. Abg. v. Rönne (Solingen) kann dem Vertrage nurseine Anerkennungszollen, wenn er auch Manches zu wünschen übrig läßt. Das sei aber nicht die Schuld der Männer, die sich der Riesenarbeit unterzogen haben. Die Regierung habe sich ein unläugbares Verdienst damit erworben. Das Hans möge dem deutschen Volke zeigen, daß Preußen stets als leuchtendes Beispiel voranzuaehen entschlossen sei; die deutschen Landesvertretungen mögen sehen, daß das preußische Haus der Abgeordneten dem Fortschritt huldigt. Wenn von der kompromittirten Ehre Preußens die Rede sei, so möge Graf Bernstorff darauf antworten. Oesterreichs Eintritt in den Zollverein sei unmöglich, das zeige klar die Note vom 20. Juli. Der Zollverein und dessen Erneuerung sei auch nicht das Endziel des deutschen Volks; er habe nur Zoll- und Tariffragen zu reguliren. Für Oesterreich handle es sich um etwas ganz Anderes, und das zeigten jetzt die ohnmächtigen Versuche von Konferenzen, die nur ein trauriges Bild des deutschen Partikularismus gewährten. Der Handelsvertrag sei eigentlich nur ein Vertrag über eine ganze Menge noch zu schließender Verträge, denn jeder kleinste Staat könne irgendwelche Tarifabänderung Hintertreiben. Der Handelsvertrag mit Frankreich sei durch den französisch - englischen Vertrag geboten gewesen, da der Zollverein durch denselben vorn französischen Markt ausgeschlossen war. Und mit welchen Schwierigkeiten habe Preußen dabei zu kämpfen! Ein Theil der Zollvereins-Staaten habe noch nicht zugestimmt aus verschiedenen Gründen. Solle man den 'schwerfälligen Mechanismus des Zollvereins durch die Aufnahme Ocsterreichsnoch schwerfälliger machen? Es gebe nur e i nMittel — die politische Einheit Deutschlands, eine Zcntralgewalt, ein Nationalparlament. Hier werden alle Interessen gewahrt werden; eine solche Zentralgewalt werde sich keine abschlägige Antwort vom Auslande holen, wie sic Preußen sich von Japan hat gefallen lassen müssen; dann werden in Siam und China wahrhaft deutfche Konsuln residiren. Die Befriedigung der Bedürfnisse des Volks werde nur durch eine politische Neugestaltung Deutschlands ermöglicht; dann werde man etwas Besseres an die Stelle des Zollvereins setzen können. Die politische Neugestaltung Deutschlands mache sich gerade auf dem Gebiete der materiellen Interessen am meisten geltend, und die Negierung werde sich dieser Aufgabe nicht entziehen können. Möge die Anerkennung Italiens eine Mahnung für die Regierung sein, damit sie nicht durch vollendete That- sachen überrascht werde. Graf Bernstorff: Der vorletzte Hr. Redner hat von politischen Konzessionen gesprochen, welche wir an Frankreich gemacht haben sollen; uns haben keine politischen Motive geleitet, sondern rein materielle, nationalökono- mische. Was die Behauptung betrifft, daß die Ehre Preußens verletzt sei, so kann ich dies nur auf das allerentschiedenste zurückweisen. Abg. Lette will dem Vertrage zwar zustimmen, muß aber mehrere Einzclnheiten tadeln. (Der Redner thut dies unter großer Unaufmerksamkeit des Hauses.) Abg. Prince-Smith: Die Versammlung sei dazu da, den Handelsvertrag, nicht die Mtzlichkeit einer Erweiterung oder Erneuerung des Zollvereins zu prüfen. Die von Frankreich mit England und Belgien abgeschlossenen Verträge können bis jetzt noch nicht hinlänglich segensreich wirken, weil sie einmal von einem zu neuen Datum sind, andererseits aber auch Mißernten in Frankreich und der nordamerikanische Krieg hindernd eingetreten waren. England kann das Getreide nicht so wohlseil produziren, wie andere Länder. Deshalb hieß es früher dort, würden die Kornzölle aufgehoben, dann ginge der Ackerbau und damit auch die Industrie zu Grunde. Die Kornzölle seien dennoch aufgehoben worden, und der Erfolg sei gewesen, daß alle Pachtungen in England um OOpCt. gestiegen sind. So sei es überall mit dem Schutzzoll, er wirke stets nur verderblich. Der unbedingte Freihandel könne uns allein in den Stand setzen, das Volkswohl zu fördern und der Industrie den höchstmöglichen Aufschwung zu geben. Der Tarif, der zur Annahme vorgelegt worden, sei aber noch lange nicht auf ein wahrhaftes Frer- handelssystem gegründet; er (Redner) würde ihn auch nicht empfehlen , wenn er nicht hoffte, daß sich aus demselben noch andere weitergreifende Fragen entwickeln würden. Abg. v. Mallinkrodt gegen den Vertrag. Derselbe enthalte die Bestimmung, er solle nur in Kraft treten, wenn der Zollverein i,m Jahr 1866 weiter fortbestehe. Das setze voraus, daß alleZollvereinS-Staatenihre Zustimmung gaben. In jüngster Zeit habe verlautet, die Regierung beabsichtige unmittelbar nach Zustimmung des Landtags ihn selbständig zu ratifiziren. Wenn nun nicht alle Zollvereins-Staaten zustimmten, dann stehe die Auflösung des Zollvereins in Aussicht. Man habe zu wählen zwischen dieser Eventualität und dem Vertrage. In diesem Fall würde man sich doch für den Zollverein aussprecheu. Redner kommt, wie der Abg. Plaßmann, auf den Art. 31 zu sprechen. Die Schwierigkeiten, welche sich einer Zolleinigung mit Oesterreich entgegenstellen, zu beseitigen, möge allerdings eher Sache Oesterreichs als des Zollvereins sein. Es würde ihm zur Beruhigung dienen, wenn Oesterreich von dem Anschlüsse an den Handelsvertrag nicht ausgeschlossen wäre, wenn die ZolleinigungS- Frage eine offene bliebe. Regierungskommissär Delbrück: Durch die Bestimmung der Dauer sollte und konnte der Frage wegen Erneuerung der Zollvereins-Verträge nicht vorgegrissen werden; man mutzte also im Vertrage Vorkehrungen treffen, es mußte auch durch "besondere Protokoll Preußen seinerseits sich für 12 Jahre verpflichten. Ueberhaupt habe durch den Handelsvertrag mit Frankreich der Erneuerung und Erweiterung des Zollvereins nicht vorgegriffen werden sollen. Preußen bliebe an denselben auch gebunden, wenn der Zollverein sich inzwischen ausivse. Der Redner widerlegt dann die Einwendungen des Abg. Platz- mann. Derselbe habe aus dem Ehrenpunkt heraus gegen den Vertrag argumentirend, habe denVater Rhein vor Fesseln schützenwollen u. s. w. Auf die Ehrenfrage in einer an sich trockenen materiellen Sache will ich nicht Gewicht legen; aber gerade auf diesem Gebiete kann man für den Vertrag stimmen. Hätten wir den französischen Tarif saus pkrns« angenommen, dann könne man einen Ehrenpunkt darin suchen, nicht aber wenn man den eigenen Tarif billiger behält. Sucht man darin die Ehre, wenn man die Fehler Anderer nachmacht; ist das ein Fehler, daß wir den seit 1818 bestehenden Baumwollenzoll auf 15 Sgr. aufrecht erhalten? Bezüglich des Kohlenhandels werden 2 Nationen die Thorheit nicht begehen, daß sie mit großen Kosten einen Kanal bauen, um sich die Ausfuhr der Kohlen nachher zu verbieten. Das sl. 2 deS Art. 31 wäre also eigentlich ganz unnütz gewesen. England sei durch die Steinkohle ebenfalls in ein inniges Allianzverhältniß mit Frankreich getreten. Wie solle also ein Krieg stattfinden ? Was nun den Vater Rhein betrifft, so bestehe der auf demselben lastende Bann, von welchem der erste Redner gesprochen, bereits jetzt, und er werde nicht von dem Kaiser Napoleon bezweckt, sondern die Eisenbahnen hätten ihn hervorgebracht; Manufakturwaaren gingen nicht auf dem Rhein, sondern über Belgien, welches dieselben Begünstigungen besitze, wie der Vertrag sie gewähre; die Niederlande haben zur Zeit noch keinen Vertrag. Wahrscheinlich werden aber auch die durch die Niederlande gehenden Artikel den Bestimmungen des Vertrags unterworfen werden. Auf die Bemerkungen des ersten Hrn. Redners wolle er jetzt nicht eingehen, da dies bei den betreffenden Vertragsartikeln geschehen werde. (Die Eingangsworte des Redners sind hier offenbar zu lückenhaft wiedergegeben; wir gedenken darauf zurückzukommen. — D. R.j Abg. Reichenheim glaubt im Namen der gesammten Industrie der Staatsregierung für Abschluß des Vertrages danken zu müssen, denn wenn auch mancher Industrieller jetzt noch mit einer gewissen Aengstlichkeit auf denselben blicke, so geschehe dies nur, weil er fürchte, daß die Tarifsätze noch weiter herabgesetzt werden möchten. Eine Zolleinigung mit Oesterreich sei nicht möglich in Folge seines Tabaksmonopols und anderer ungünstigen Verhältnisse. Oesterreich habe Alles versucht, um unter den Industriellen des Zollvereins eine Agitation gegen den Vertrag herbeizuführen. Er fordere die Regierung auf, fest zu bleiben. Die preußische Industrie würde bedauern, wenn der Zollverein gesprengt werden sollte; sie würde es aber noch viel mehr bedauern, wenn die Regierung der Agitation nachgäbe. Es sei zu wünschen, daß sie dieselbe gänzlich unberücksichtigt lasse. Abg. Harckort kann dem Vertrag nicht durchweg zustim-- men, und vermißt namentlich Gegenseitigkeit; er null jedoch bei der Spezialdebatte auf diese Einzelheiten zurückkomme n. Abg. Wal deck: Die freiheitliche Entwicklung in. der Politik stehe mit der gewerblichen uud handelspolitischen in vollständigstem Zusammenhänge. In allen Staaten habe sich in neuerer Zeit die gewerbliche Entwicklung in -erhöhtem Maße kund gegeben. Nicht in spezifisch-preußischem, sondern in echt deutschem Sinne und im Sinne des Fortschritts werde das Haus handeln, wenn es dem Handelsvevtrage seine Zustimmung gebe. — Abg. v. Gab lenz: Der vorliegende Vertrag werde namentlich nachtheilig auf die schlesischen Spinnereien einwirken; für Schlesien könne nur ein Handelsvertrag mit Rußland segensreich sein, weßhalb er den auswärtigen Minister ersuche, nach Kräften für die Herstellung eines solchen Vertrags zu wirken. Bei alle Dem werde er für den Vertrag stimmen. Regierungskommissär Delbrück: Der Vorredner habe den Verfall der schlesischen Leinenindustrie aus einem englisch-spanischen Vertrage hergeleitct; ein solcher existire aber gar nicht. Die Ursache jenes Rückschrittes entspringe vielmehr daraus, daß Schlesien sich nicht zur rechten Zeit der Maschinenspinnerei zugewandt habe. Daß die Zollerhöhung an der polnischen Grenze für Schlesien eine Kalamität geworden, sei richtig; aber die Wiener Vertrage seien durch die Erhöhung nicht verlebt. — Abg. Reichensperger (Beckum): Nicht der Gegensatz von Schutzzoll und Freihandel bilde den Haupteinwand gegen den Vertrag; auf beiden Seiten stehen ausgezeichnete Männer, und es sei noch gar nicht so ausgemacht, wer Recht hat. Aber durch den ganzen Vertrag geht der Gedanke einer Begünstigung und Bevorzugung der französischen Arbeit vor der deutschen. Wir können jetzt schon von Arbcitcrnoth sprechen; ich befürchte, diese Noch wird sich durch den Vertrag noch vermehren. Ich achte e» für gleichgiltig, ob der Arbeiter ein Paar Handschuhe oder dgl. um einen oder zwei Silbergroschen wohlfeiler kaufen kann als jetzt. Redner spricht schließlich die Meinung aus, Laß Oesterreich einen bessern Markt für Preußen bilden würde, als das in seiner Industrie so vorgeschrittene Frankreich. Reg.-Komm. Delbrück: Der wirthschastliche Theil des Vortrags des Vorredners steht im Widerspruch mit dem politischen Theil. Denn wenn man uns hat ködern wollen, so würden wir doch in materieller Beziehung nicht schlechter gestellt sein, als Frankreich, wie dies der Vorredner behauptet. In Fragen, wie in den vorliegenden, haben auch in England keine Expertisen stattgefunden; die preußische Regierung hat auch erst nach ernstlicher Erwägung und obgleich sie sich der Verantwortlichkeit bewußt war, die sie übernahm, sich von der Unausführbarkeit der Enquete überzeugt. Das Resultat einer Enquete ist immer, daß man verschiedene sich gegenüberstehende Ansichten erhält, und dann bei den Verhandlungen mit anderen Staaten in eine üble Lage kommt, denn die Regierung hat dann die Hände gebunden. Es wäre aber doch möglich gewesen, Ermittlungen eintrrten zu lassen, wenn man Frankreichs Forderungen vorher gekannt hätte. Aber auch dann hätten sich Unzuträglichkeiten herausgestellt. Bezüglich der Werthzölle, so sind sie in dem französischen Tarif nicht wegen ihrer Zweckmäßigkeit ausgenommen, sondern weil sie Frankreich von England aufgedrungen worden sind. In keinem Zollverbande sind die Werthzvlle eine angenehme Sache, aber Preußen konnte unter den obwaltenden Umständen mit der Absicht, die Werthzölle in spezifische umzuwandeln, nicht durchdringen. Je wohlfeiler übrigens eine Maare, desto höher ist für sie der spezifische, desto mäßiger der Werthzoll. Ein Antrag auf Vertagung wird angenommen. Der Abg. Plaßmann verwahrt sich gegen die Annahme, als habe er gesagt, die Ehre Preußens sei verletzt; er habe nur gesagt, es sei eine Ehrenfrage. Er beklagt sich auch über die scherzhafte Art der Entgegnung des Regierungskommissärs. Schluß der Sitzung. Morgen Fortsetzung der Generaldebatte, zu der noch mehrere Redner eingeschrieben sind. Deutschland. Karlsruhe, 24. Juli. Das heute erschienene Regierungs blatt Nr. 33 enthält (außer Persooalnachrichten): I. Verfügungen und Bekanntmachungen der Ministerien. 1) Bekanntmachungen des grvßh. Ministeriums des Innern: s) Die Genehmigung von Stiftungen betreffend. b) Staatsgenehml'gung von Stiftungen im Seekreise betref send, o) Die Vergebung eines Stipendiums aus der Friedrich Christiane-Luisen-Stiftung betreffend, ä) Die Apothekerlizenz des Ludwig Eisenlohr von Pforzheim betreffend. 2) Bekanntmachung de« großh. Handelsministeriums: Die Errichtung einer Poststallmeisterei in Mosbach betreffend. H. Todesfälle. Gestorben sind: Am 10. April d. I der peusionirte Bezirksförster Baumann in Watterdingen; am 4. v. M. der peusionirte Bezirksbaumelster Lnmpp in Freibnrg; am 6. v> M. der peusionirte Bezirksförster Roth m Freiburg; am 3. d. M. der peusionirte Amtmann MaLutz ard in Freiburg; am 5. d. M. der peusionirte Kanzleirath Doll in Freiburg; am 19. d. M. der Kriegskommiffär Lembke zu Karlsruhe. 2 Mmmheim, 23. Juli. An dem Besuche des Königs Ludwig von Bayern, dessen Ihr heutiges Blatt erwähnt, dürste neben der die Jüngern wahrhaft beschämenden Ausdauer vorzüglich die Heiterkeit hervorzuheben sein, welche der greise Fürst über seine ganze Umgebung zu verbreiten wußte. — Heute früh gegen 3 Uhr hatten wir Feuerlärm; es brannte in der Baffermaon-Herschel'scheu Fabrik an der Stelle des ehemaligen Schlosses Eicholzheim ein Magazingebäude ab, ohne indessen die Fabrik zu beschädigen oder den Betrieb zu unterbreche». — Aus München sind günstigere Nachrichten über das Schillerstandbild eingelaufen. Dasselbe soll in nicht ferner Zeit gußfertig sein, und es steht zu hoffe«, daß, wenn der Guß gelingt, das Werk doch bis zum 10, Nvvbr. ausgestellt werden kann. Das Defizit des Fonds für dS« Standbild wird sich voraussichtlich auf 1000 fl. belaufen, welche mau durch eine musikalische und theatralische Auffahrung, nölhigenfalls durch eine zweite Sammlung zu decken gedenkt. Nachschrift. <§9 eben lauft die Nachricht ein, daß der Guß in der Nacht des 19. Juli auf's glücklichste vollendet worden sei. L Rippoldsau, 22. Juli. Die vorgestern Nachmittags dahier stattgehabte Verlobung Ihrer Großh. Hoheit her Prinzessin Leopoldine von Baden mit Sr. Durchlaucht dem Fürsten Hoheulohe-Langenburg erregte unter sämmt- lichen anwesenden Kurgästen die freudigste Theilnahme und gab sich außer den vielfachen Beglückwünschungen namentlich gestern Abend in den, dem hohen Brautpaar dargebrachtcn Festlichkeiten kund. Mit eiubrechender Dämmerung riefen aufsteigeude Raketen die dahier sehr zahlreich versammelten Kurgäste in de» Hofraum, wo Hr. Badiuhaber Göringer zu Ehren des Tages ein glänzendes Feuerwerk veranstaltet hatte. Während die Badmusik paffende Stücke ausführte, blitzte» die Raketen, Sterne, Schwärmerund Feuerräder in das Dunkel der Nacht. Drei Jungstauen, die in vorherrschender Zahl hier anwesenden Nationen Frankreich, Schweiz und Deutschland vertretend, überreichten unterdessen der hohen Verlobten mü sinniger Ansprache im Namen der Damen ein großes Bluwenbouquet. Bo» sämmtlichen in- und ausländischen Kurgästen wurde mit lebhaftem Hoch und mit dem einmülhig- sten Wunsche für das Glück des hohen Brautpaares der von de« Hofgerichts-Direktor Nestler ausgebrachte warme Fest- tvast ausgenommen. Mit schönen Worten und in herzlicher Weise dankte der durchlauchtige Bräutigam vom Balkon der markgräflichen Wohnung der Badgesellschaft für das Fest und die dargebrachtcn Glückwünsche. Es ertönte nun die Volks- tzpmne während der zugleich in den verschiedensten Farben- lönen wechselnden Beleuchtung der ehrwürdig alten Lindenalle. Die schließlich von sämmtlichen Kurgästen ausgeführle, bis in späte Stunden danernde Illumination der garrzea Badanstall hatte eiue wahrhaft brillante Wirkung und erhöhte den eigey- thümlichen Reiz des festlich geschmückten Kurortes. In frohem Zuge begab man sich in dm Kvnversationssaal, um den schönen Abend durch eiaen heitern Ball zu schtießcu. Kassel, 22. Juli. (Sch. M.) Die Berfaffungspartei hatte im Allgemeinen den Grundsatz ausgestellt, daß bei den bevorstehenden Wahlen nach dem Wahlgesetze von 1849 dieselben Männer wieder zu wählen seien, welche zur Zweiten Kammer in den letzten Jahren entsandt worden waren. Abgesehen von der verschiedentlich geltend gemachten Pflicht der Dankbarkeit mag dabei hauptsächlich das wiederholte Versprechen der Zweiten Kammer in Betracht gekommen sein, zu nothwendigen und zweckmäßigen Verfassung«- und Wahlgesey- änderungen bereitwillig die Hand bieten zu wollen. Auch muß es natürlich als ein Zeichen der konservativen Natur des Gesetzes erscheinen, wenn darnach dieselben Männer aus den Wahlen hervorgehen, als nach der verrufenen überkonservativen Wahlordnung der HH. Haffmpflug und Genossen. Im Ganzen wird die ausgegebene Losung auch trotz aller Einwendungen in Hanau und Marburg befolgt werden. Doch fehlt es auch nicht an Abweichungen, obwohl dabei meist Verzichtleistungen der früheren Abgeordneten zu Grunde liegen. So wird z. B. in den Diemelstädtcn Hofgeismar, Grebenstein rc. nicht der letzte Vertreter Heimsvth, sondern der vormalige Abgeordnete Henkel dahier, welcher zugleich das einzige noch berechtigte Mitglied des alten Sländeausschuffes ist, gewählt werden. Ebenso hat ein Hr. Nödwig zu Oberellenbach verzichtet und seinen Platz dem Obergerichtsanwalt v. Mülvner zu Rotenburg überlassen. Leipzig, 22. Juli. Nach der „D. Allg. Ztg." hat in der Buchhandlung des Hrn. E. Keil hier eine polizeiliche Nach- suchung nach dem Manuskript des in der „Gartenlaube" abgcdruckten Aussatzes über den Untergang des preußische» Schiffes „Amazone" stattgefunden. Diese Nachsuchung wurde in der humansten Weise ausgeführt. Außerdem kann das genannte Blatt als beglaubigt hinzufügen, daß Hr. Keil den Verfasser des erwähnten Artikels der Behörde genannt, wie auch, daß Hr. Keil zur Verschweigung des Namens gar nicht veranlaßt gewesen war. * Wien, 23. Juli. Die,,Scharf. Korresp." schreibt: „Die von der offiziösen „Allg. Preuß. Ztg." am 22. Juli veröffentlichte Depesche des Grafen Bernstvrfs, in Erwiederung der Anträge Oesterreichs wegen einer Zolleinigung, ist am nämlichen Tage (gestern) hier übergeben worden. Die rasche Veröffentlichung erspart eine Analyse jener Note, deren Tragweite noch kaum zu berechnen ist. So viel aber steht schon jetzt fest: Der eigentliche Beginn einer neuen handelspolitischen Aera für Deutschland und Oesterreich datirt von jener am 20. Juli erlassenen Erklärung des preußischen Ministers der auswärtigen Angelegenheiten." Franrretctz. K Paris, 23. Juli. Nachrichten aus Turin zufolge war dort die Rede davon, daß Garibaldi nach einem unbekannten Ziele abgereist sei; man wollte wisse«, daß er einen Schlag gegen — Rom beabsichtige. Jedenfalls ist sicher, daß er neuerdings die politische und finanzielle Gesellschaft in Spannung hält und sogar den Kaiser veranlaßte, „vorsichtshalber" Instruktionen an den General Montebello und Hrn. v. Laval- lette zu ercheileo. Garibaldi erhielt mittlerweile, wie Briefe aus Genua versichern, beträchtliche Geldsummen von seinen Freunden aus England, und aus dem Bergamesischen sowie aus andern Provinzen der Lombardei gehen täglich junge Leute, in Gruppen von 3—5, imGeheimen nach denGaridaldischenSam« melorteu ab. Garibaldi verfügt in diesem Augenblick über 6- bis 7000 Mann. Belgien. Brüssel, 21. Juli. (Köln. Ztg.) Kaiser Napoleon arbeitet gegenwärtig dahin, Oesterreich dazu zu bestimmen, dem Beispiele Rußlands und Preußens folgend, das Königreich Italien anzuerkennen. Frankreich hofft dann den seit lange gewünschten Kongreß der europäischen Mächte zu Stande zu dringen und auf diesem die römische Frage ihrer Lösung ent« gegeuzuführen. Rußland. Riga, Dienstag 22. Juli. Gestern hielten II. MM. der Kaiser Alerauder ll. und die Kaiserin Maria Ale- randrowna unter nicht enden wollendem Jubel ihren Einzug. Die Stadt prangte in reichem Festschmuck. Heute geht der Kaiser nach Milan, kehrt Abends zurück, und begibt sich am Freitag den 25. Juli per Dampfschiff nach Liban, von wo II. Majestäten direkt nach St. Petersburg zurückkehren. Amerika. * London, 21. Juli. Nach amerikanischen Blättern sind die Generale Heintzelmann, Sumuer, Keys und Fitz-John Porter für die im Felde bewiesene Tapferkeit zu Brigadegeneralen in der regulären Armee und zu Generalmajoren der Freiwilligen befördert worden. — General M'Clellan hat einen Armeebefehl erlassen, der nach den letzten, für die föderalistischen Waffen nichts weniger als günstigen Ereignissen ziemlich auffallend klingt. So heißt es darin u. A.: Es ist Euch gelungen, Eure Operationsbasis durch eine Flankenbewegung zu ändern; ein militärische« Hilfsmittel, welches stets zu den gewagtesten gerechnet worden ist. Ihr habt all Euer Material, Wagen und Kanonen, einige wenige in der Schlacht verlorene ausgenommen, gerettet und dafür dem Feinde Kanonen und Fahnen abgenommen. Aui Eurem Marfch feid ihr Tag für Tag von Leuten derfelben Abstammung und Nation, die mit Geschick geführt und angehäuft waren, mit verzweifelter Wuth angegriffen wvrden. Trotz aller Rachtheile der Zahl und Stellung habt Ihr in jedem Kampf den Feind mit ungeheurem Verlust seinerseits zurückgefchlageu. Euer Benehmen stellt Euch in die Reihe der berühmten Heere der Weltgeschichte. Jeder von Euch darf unfraglich mit Stolz aus- rufm: „Ich gehöre zur Potomac-Armee." Ihr habt die neue Basis in vollkommener Organisation und mit ungebrochenem Muth erreicht. Der Feind mag Euch jeden Augenblick angreifen; wir sind bereit, ihn zu empfange». Ich habe persönlich Eure Linien festgcßellt; der Feind möge kommen, und wir werden seinen zurückgeschlagenen Angriff in eine entscheidende Niederlage verwandeln. Eure Regierung kräftigt Euch mit den Hilfsmitteln eines großen Volke«. Heute, am Geburtstag unserer Nation, erklären wir unfern Feinden, die in Empörung gegen die besten Interessen der Menschheit begriffen sind, daß dieje Armee in die Hauptstadt der sogenannten Konsöveration einzichrn soll, daß unsere nationale Verfassung obsiegen wird, und daß die Union, die allein jedem einzelnen Staat Frieden im Innern und Sicherheit gegen außen verschaffen kann, um jeden Preis von Zeit, Gut und Blut auirecht erhalten werden muß und soll. * Neu-Bork, 8. Juli. Man schreibt der Londoner „Times": „Die blutigen und bis jetzt noch ungetansten Schlachten voriger Woche werden ohne Zweifel den Sommerfeldzug beschließen. Die Listen der unionistifchea Verluste sind noch nicht bestimmt, aber die Meinung urtheilsfähiger Offiziere, die den Kampf mitgcmacht haben, ist, daß General M'Clellan's Verlust mehr als 25,000 Mann betragen wird. Die Südlichen werden ohne Zweifel die Größe ihrer Verluste zu verhehlen suchen, aber nach allem Zeugniß lebender Zuschauer und nach der stummen Sprache des Schlachtfeldes war ihr Verlust mindestens eben so groß, wie der ihrer Gegner. Sie weigern sich, Parlamentäre zu empfangen, die sich nach dem Schicksal vermeintlich getödteter, verwundeter oder gefangener Unionsoffiziere erkundigen wollen, und verrathen auch auf andere Weise den Entschluß, ihre Geheimnisse für sich zu behalten. General Stonewall Jackson war bei der Gelegenheit ihr großer Anführer, und obgleich tobt gesagt, ist er noch immer frisch und gesund; daß General Mag rüder in Gefangenschaft gerathen sei, bestätigt sich auch nicht. General Beauregard war zugegen, und spielte in allen Schlachten der vorigen Woche eine thätige Rolle. Die Niederlagen M'Clellan's, deren Ursachen und Folgen man in Washington recht gut versteht, werden aller Wahrscheinlichkeit nach zu Veränderungen im Personal der Verwaltung führen. Der Kriegssekretär Stanton war niemals populär, aber Hr. Lincoln ist ein gutherziger Mann, und falls er dem Druck der öffentlichen Meinung, die sich in diesem Fall sehr tief und laut ausspricht, nachgeben sollte, so wird Hr. Stanton vor dem Anbruch des Winters sich auf irgend einem behaglichen ausländischen Gesandtenposten befinden. Vermischte Nachrichten. * Karlsruhe, 24. Juli. Wir erhalten von EichterSheim eine Zuschrift, welche unS über den in der Preisliste des deutschen Schützenfestes v»m 19. d. aufgesührten kvrrumpirten Ortsnamen „Lichtenstein" bei Sinsheim ausklärt. Es soll eben EichterSheim heißen; der Preisträger istGeorgDLrr, Gastwirth daselbst. Deutsche« Schützenfest. 4. L. Frankfurt, 22. Juli. An Tagesgeldern wurden bis heute früh 36,000 fl. eingenommen. Die Einnahmen für die Abonnements- und Schützenkarten stellen sich beträchtlich hoher, wie der Voranschlag angenommen hat; jedoch müssen wir Wiederholt daraus aufmerksam machen, daß auch die Ausgaben bedeutend über den Voranschlag hinauSgehen. — Ueber die Gesammteinnahme können wir noch keinen zuverlässigen Bericht geben, da z. B. dar W.irthschasiskomitee noch keine Zusammenstellung machen konnte. — An Schießgeld ging ein 68,000 fl.; für Festscheiben 23,000 fl. ES wird demnach beim Schießfond ein Verdienst von nahe an 40,000 fl. übrig bleiben. Die Stichkarten für Stand- sestscheiben betrugen ca. 2356 fl. Die Stechkarten für Feldsestscheiben c». 1963 fl. Die Stichkartcn für Standfestscheiben zum Auflegen ca. 1165 fl. An Thalerprämien wurden erlheilt 5200 Rthlr.; hiervon kommen Vs auf Standkehr und Vs auf Feldkehr, und für Standkehr zum Auslegen 51 Thlr. — An TageSprämien wurden bis jetzt 350 Thlr. vertheiit, an Bechern 900. — Frankfurt, 23. Juli. Die gestrige Preisverkündigung fand von der östlichen Estrade des Gabentempels aus statt, wo Hr. Bürgermeister Neuburg, Senator vr. Müller, die Festjungsrauen und Bouquetknaben, sowie die Mitglieder des GesammtsestauSschusseS versammelt waren. Die Turner bildeten Spalier. Dar Komitee zog zunächst mit Musikbegleitung, von einer Abtheilung hiesiger Schützen und Turner geleitet, von der Festhalle um den Festplatz herum zum Gabentempel, wo aus Aufforderung von vr. Sigmund Müller der Sekretär deSSchieß- komitee's, Hr. Reinhard, die bereits mitzetheilten Preise verlas. Der Name jedes ersten Siegers von jeder Festscheibe wurde mit Tusch und vier Kanonenschüssen begrüßt, und die Festjungsrauen zeigten die gewonnenen Preise. Sodann hielt Hr. vr. Müller die offizielle Schlußrede. Zum Schluß überreichte ein Schleswig-Holsteiner de» Festjungsraum einen prachtvollen Blumenstrauß mit einigen Dankesworten, Eine der Damen erwiederte diese Aufmerksamkeit mit einem Hoch auf Deutschland. Hieraus zog das Komitee mit den Festjungsrauen, Musik voran, um den Festplatz durch die Festhalle. Die Tyroler und Bayern reihtm sich diesem Zuge an, der sodann durch die Stadt nach dem Hanauer Bahnhof sich bewegte, um den scheidenden bayrischen und österreichischen Gästen das Ehrengeleit zu geben. Dort angekommen, sprach Hr. vr. Müller einige herzliche Worte des Abschieds, welche die bewegte Stimmung, in der sich die abzichenden Gäste befanden, zu dm rührendsten Ausdrücken der Dankbarkeit für die gastfreie Ausnahme und des Schmerzes über die Trennung steigerten. Das Jauchzen, Händedrücken, Umarmen und Küssen wollte kein Ende nehmen, während die Thränen über die gebräunten Wangen rollten. Am vorigen Sonntag wurden für 9000 fl. Eintrittskarten zu 30 kr. gelöst, der Festplatz also von mehr als 18,000 Nichtabonnmtm besucht. Am vergangenen Montag hat ein Tyroler in 4 bis 5 Stunden mit einem Gewehre SO Schwarz geschossen. In der vorigen Woche schoß ein Schweizer aus der Standkchrscheibe in einem Tage 328 Schwarz, jedoch mit mehreren Stutzen. Ans den Feldkehrscheibm zeichneten sich gestern besonders auS: de Leuw aus Düsseldorf, welcher 137, und Schonherr aus Innsbruck, der 206 Punkte schoß. Ueberhaupt machten in der zweiten Hälfte des Schießen» die deutschen Schützen den Schweizern immer mehr den Rang streitig. Vorgestern gab der bayrische Bundestags-Gesandte, Hr. v. d.Pfordten» den hier anwesenden bayrischen und rheinpsälzijchm Schlitzen ein glänzendes Diner. Hr. Paul Vetzer au« Frankfurt, Mitglied des hiesigen Schützm- vereinS, hat als vierten Preis aus die Scheibe .Deulschland' dir Münchener Fahne gewonnen. Verantwortlicher Redakteur: vr. J.Hmn. Krotnlrin, Z.m.435. Salzburg. Tiefbetrübt OMbbnngeu wir auswärtigen Freunden und I Bekannten zur Anzeige, daß eS Gott ge- I fiel, unseren lieben Gatten und Vater, Wilhelm Klett, »ach mehrjährigem Herzleiden gestern Abend gegen 10 Uhr anS diesem Leben abzurufen. Sulzburg, den 24. Juli 1862. Jda Klett, geb. Preu. Amalie Klett. _Anna Klett._ Z.m.429. Nr. 464. Karlsruhe. Wohnungsanzeige. Von heute an befindet sich dar topographische Bureau und das Kartendepot des Generalstabs im Hause Nr. 219 der Langenstraße. Karlsruhe, den 24. Juli 1862. Topographische Abtheilung des Generalstabs. - Mr Leidende! Auf die Heilung der aus gewissen geschlechtlichen Verfehlungen entstandenen Folgen und Schwächezustände bin ich durch viele Erfahrungen in ausgezeichneter Weise eingeübt und offerire mich zu Hilfeleistungen. Äuf Verlangen erhält Patient eine Druckschrift zugesandt, woraus er alle nothige Aufklärung schöpfen und meine Befähigung als Spezialarzt erkmnen kann. Briefe unter der Adresse: vr. di Cent« in Schwäb. Hall Z.m.427. Ein junger Mann von achtbarer Familie aus dem Oberlande, welcher merkantilisch gebildet ist und gut französisch spricht, wünscht in einer Lu-xros-Handlung eine Stelle als Volontär zu erhalten. Näheres unter II. 0. in Karlsruhe bei der Erpedition dieses Blattes. Z.m.80. Ein welcher in allen Branchen bewandert ist, wird auf IS. August gesucht. Wo? ist bei der Spedition diese« Blattes zu erfragen. __ Z.m.398. Durlach. Jahrmärkte. Nächsten Kirchweihmarkt werden die Standplätze der Verkäufer wieder auf ein Jahr durch öffentliche Steigerung in Bestand gegeben. Es werden daher die Pachtliebhaber eingeladen, Dienstag den 12. August, früh 7 Uhr, hier auf dem Marktplatze zu erscheinen und der Steigerung anzuwohnen. Durlach, dm 23. Juli 1862. Gemeinderath. Wahrer. vilt. Siegrist. Verkauf eines Ritterguts. Z.m.341. In angenehmer Gegend des bad. Mittelrheinkreises ist zu verkaufen: Ein Rittergut, bestehend, außer den guterhaltenen Gebäuden, in ca. 400 Morgen Acker, Wiesen, Garten, Wald, Bosch, Rmt und Weid. Ausgebot 75,000 fl- Die Erpedition diese« Blattes gibt die Adresse. Z.m.299. Stvllhosen, Oberamt« , Rastatt. >Haus- u. Ladenverkauf. Unterzeichneter verkauft wegen Wegzug unter vor- theilhaften Bedingungen sein dahier an der Haupt- straße gelegenes Wohnhaus mit Laden und Einrichtung, worin schon seit 20 Jahren eine Ellen-, Spezerei- und Eisenwaarenhandlung mit bestem Erfolge betrieben wurde. Auch befinden sich Oekonomiegebäude und Gärten dabei. Leopold GernSbacher. Z.m.424. Nr. 963. Lahr. Vergebung der Herstellung einer eisernen Brückenkonstruktion über die Kinzig zu Wolfach. Der eiserne Oberbau zu besagter Brücke von 92 Fuß Lichtweite, im ungefähren Gesammtgewichl von 750 Ztnr., soll im Soumissionswege vergeben werden. Bedingungen und Pläne find sowohl aus dem technischen Bureau der großh. Oberdirektion d«S Wasser- und Straßenbaues zu Karlsruhe, als auch aus dem Baubüreau zu Wolfach aufgelegt, und können jeden Tag daselbst eingesehen werden. Die SvumissionSangebote müssen längstens bis zum 12. August d. I. versiegelt auf dem Baubureau zu Wolfach portofrei eingereicht werden und die Aufschrift erhalten: „Soumisfion für die eiserne Brücke z» Wolfach." Die Eröffnung der Angebote erfolgt sodann am 12. August, Vormittags 10 Uhr, nach welcher Zeit kein weiteres Gebot mehr angmvmmen wird. Lahr, dm 22. Juli 1862.' Großh. bad. Wasser- und Straßenbau-Inspektion. G r e i n«r. Z.m.423. Nr.7127. Staufen. (Aufforderung.) Die Wittwe des Schneidermeister« Anton Schwab, Agatha, geb. Bavoni, zu Staufen bat anher die Bitte gestellt, sie in dm Besitz und die Gewähr der Verlasienschaft ihres Ehemannes zu setzen. Di^es wird mit der Aufforderung bekannt gemacht, etwaige Einwmdungm gegm da« Gesuch binnen 8 Wochen dahier vorzutragen, widrigens solchem entsprochen wer- dm soll. Staufen, dm 12. Juli 1862. Großh. bad. Amtsgericht. Wolfinger. vät. Weiß. » Z.m.378. Nr. 4001. Wiesloch. (AuSschluß- erkenntniß.) Die Gläubiger, welche in der Gant gegm Löb Hirsch von WieSloch ihre Forderungen heute nicht angemeldrt haben, werden hiermit von der vorhandenen Masse ausgeschlossen. Wiesloch, den 17. Juli 1862. Großh. bad. Amtsgericht. H a u r y. Z.m.405. Mannheim. Guano. Bei herannahender Saatzeit empfehlen wir unser Lager von Prima Per» Guano (13 bi« 14 V«Stickstoff) und von Baker-Guano (ca. 80V« phosphorsauren Kalk), welch letzterer als Ersatz für Knochenmehl und wegen seiner nachhaltigen Wirkung ebenfalls alle Beachtung der Herren Landwirthe verdient. — Secuuda oder sonstige geringe Sorten Guano führen wir grundsätzlich gar nicht. Die Preise stellen wir so billig, als wirklich beste Qualität nur geliefert wer d m kann. ftp. La«; 8L tzn MmLicheiik. Z.m.332. Nr. 7567. Durlach. (Ausforde- rung.) Andreas Ehrler's Wwe., Katharina, geb. Jordan, von Grötzingm hat unter Berufung auf Akten und Urkunden vorgetragen: Am 23. v. M. sei durch öffentliche Schenkungsurkunde in der Theilungsverhandlung auf Ableben ihrer Mutter, Georg Jakob Jordan's Wwe., Magdalma, geb. Do Pf, von ihren zwei Schwestern, Dorothea Jordan, verehelichte Roth in Eggenstein, und Karoline Jordan, verehelichte En dl e, in Eggenstein, mit Ermächtigung ihrer Ehemänner ihr da- freie und ausschließliche Eiamthum an einem im Nachlaß der Georg Jakob Jordan'« Wwe., Magdalena, geb. Dopf, befindlichen Grundstück 1'/, Ruthen alter oder 3 Ruthen 30 Fuß neues Maß Garten in den Hartmannsgärten in der Gemarkung Grötzingm, neben Christoph Stolzenberger und Christoph Wagner, angeschlagen zu 13 fl., übertragen wordm, und sie habe die Schenkung am gleichen Tage angmommm. Eine Erwerbsurkunde der Erblasserin bezüglich dieses Grundstücks sei nicht aufzufindm, weßhalb das Ge- währgericht die Gewährung verweigere. E« werden nunmehr auf Antrag der Andreas Ehrler's Wwe., Kathanna, geb. Jordan, alle Diejenigen, welche an dem bezeichneten Grundstück in dm Grund t^und Pfandbüchern nicht eingetragene, auch sonst nicht bekannte dingliche Rechte oder lehenrechtliche oder fideikommissarische Ansprüche haben »der zu haben glauben, aufgefordert, ihre Ansprüche binnen 2 Monaten dahier geltend zu machen, widrigenfalls diese Ansprüche im Verhältniß zu der neuen Erwerberin, Andreas Ehrler's Wwe., Katharina, geb. Jordan, sür erloschen erklärt würden. Durlach, den 15. Juli 1862. Großh. bad. Amtsgericht. Baumstark. Z.m.431. Nr. 5444. Kenzingen. (Vorladung.) Karl Frvhle von Endingm hat heute dahier klagend vorgetragen: Er habe von seinem Vater, Zimmermeister Fröhle daselbst, 9 Mannshauet Acker bei der Burkhardenherz in der Gemarkung Endingm, nebm Jakob Storz und Bürgermeister Kmebühler, ererbt, auf welche» zu Gunsten de« Wilhelm Huz alt, Ochsmwirth von Endingm, im Grundbuch Band 6 Folio 12 unter dem 11, November 1822 das Vorzugsrecht des Verkäufer« sür die Kaufschillingsfordr- rung von 562 fl. eingetragen sei. Diese Forderung sei längst bezahlt. Er bitte dehhak, die unbekannten RechtSfvlger des ff Wilhelm Hug öffentlich vorzuladen und sie zu verurtheilm, dm Strich de« bezeichne- tm Eintrags im Grundbuch zu Endingm geschehen zu lassm. Beschluß. Tagfahrt zur mündlichen Verhandlung über die Klage wird angeordnet auf Freitag den 12. September 1862, Vormittags 9 Uhr, wozu die beklagten unbekannten Rechtsfolger d«S Wilhelm Hug alt, Ochsmwirth von Endingm, bei Vermeidung de« RechtsnachthcilS anher vorgcladen werben, daß die Thatsachm der Klage für zugeßsndm in- cnommen und sie mit etwaigen Schutzredm ausge- loffm würden. Dieselben haben bis zur Tagfahrt einen gemeinschaftlichen, dahier wohnenden Gewalthaber zum Empfang aller Einhändigungen, welche nach den Gesetzen der Parthie selbst oder an ihrem wirklichen Wohnorte geschehen sollen, in öffentlicher Urkunde anher namhaft zu machen, widrigens alle weiterm Verfügungen nur an die diesseitige GerichtStafel angeschlagen würdm. Kenzingen, dm 22. Juli 1862. Großh. bad. Amtsgericht. Himmel. Z.m.397. Nr.4684. Villingen. (Schuldrn- liq uidation.) Gegm den Pulverfabrikanten Johann Liesenbera von Niedereschach haben wir Gant erkannt, dm Tag des Ausbruch« des Zahlungsunver- mögen- auf den 15. Oktober 1861 festgesetzt, und wird nun Tagfahrt zum RichligstellungS- und Vorzugsverfahren auf Montag den 11. August d. I., Morgen« 7 Uhr, anberaumt. Wer nun aus was immer für einem Grund einen Anspruch an diesen Schuldner zu machen hat, hat solchen in genannter Tagfahrt bei Vermeidung des Ausschlusses von der Masse, schriftlich oder mündlich, persönlich oder durch gehörig Bevollmächtigte dahier auzumeldm, die etwaigm Vorzugs- oder Unter- pfandSrechte zu bezeichnen und zugleich die ihm zu Gebot stehenden Beweise sowohl hinsichtlich der Richtigkeit als auch wegen des Vorzugsrechtes der Forderung anzutreten. tzz Auch wird an diesem Tage ein Borg- oder Nachlaßvergleich versucht, dann ein Massenpfleger und ein Gläubigerausschuß ernannt, und sollen hinsichtlich de« Borgvergleich«, der Aufstellung des Maffepflegers und GläubigerauSschusse« die Nichterscheinmdm als der Mehrheit der Erschienenen beitretend angesehm, hinsichtlich des Nachlaßvergleichs aber die H.R.S. 218— 220 beobachtet werden. Im Auslande wohnende Gläubiger haben mit dem ersten Vortrag einen hier wohnenden Gewalthaber für den Empfang aller Einhändigungen, welche nach den Gesetzen der Partei selbst oder in dem wirklichen Wohnsitze derselben geschehen sollen, in öffentlicher Urkunde oder zu Protokoll namhaft zu machen, widrigenfalls die Ausfertigungen mit der gleichen Wirkung, wie wenn sie eröffnet »der eingehändigt wären, nur an der Gerichtstasel angeschlagen würden. Villingen, dm 21. Juli 1662. Großh. bad. Amtsgericht. Schupp. Z.m.421. Nr. 6067. Ladenburg. (Schulden- liguidation.) lieber den Nachlaß de« Schneidermeisters Georg Beck von Ladenburg haben wir Gant erkannt und wird Tagfahrt zum Richtigstellungs - und Vorzugsverfahren auf Samstag den 9. August d. I., Vormittag» 8 Uhr, anberaumt. Wer nun aus was immer.sür einem Grund einen Anspruch an diese Gantmasse machen will, hat solchen in genannter Tagfahrt, bei Vermeidung des Ausschluffes von der Gant, persönlich oder durch einen gehörig Bevollmächtigten, schriftlich oder mündlich dahier auzumeldm, und zugleich die etwaigen Borzugs- vder Unterpfandsrechte zu bezeichnen, die er geltend machen will, mit gleichzeitiger Vorlegung der Bewcis- urkunden oder Antretung des Beweises mit andern Beweismitteln. Auch wird in dieser Tagfahrt ein Masscpfleger und ein Gläubigerausschuß ernannt, und ein Borg- und Nachlaßvergleich versucht. Hiebei wird bemerkt, daß in Bezug auf den Borgvergleich und Ernennung des Maffepflegers und des Gläubigerausschusses die Nichterscheinenden als der Mehrheit der Erschienenen beitretend angesehm werden sollen. Zugleich wird den im Auslande wohnhaften Gläubigem aufgegeben, rinm im Orte des Gerichts wohnenden Gewalthaber für Empfangnahme aller Einhändigungen längstens bis zur Tagfahrt in öffentlicher Urkunde zu bestellen, ansonst alle weiterm Verfügungen oder Erkenntnisse mit der gleichen Wirkung, wie wenn sie ihnen eröffnet oder emgehändigt wärm, nur an der Gerichtstafel angeschlagen würdm. Ladcnburg, dm 21. Juli 1862. Großh. bad. Amtsgericht. Bender. Z.m.368. Nr. 10,302. Mannheim. (Aus- schlußerkenntniß.) Die Gant des verstorbenen Zimmermeisters Gallus Bungert dahier bctr. Beschluß. Diejenigen Gläubiger, welche ihre Forderungen und Vorzugsrechte in der heutigen Liquidativnstagsahrt nicht angemeldet habm, werden hiemit von der Masse ausgeschlossen. V. R. W. Mannheim, dm 4. Juli 1862. Großh. bad. Amtsgericht. C h e l i u s. Z.m.345. A.Nr. 5425. Ettenheim. (Aufforderung.) Der ledige Karl Mutschler von Grafenhansm ist schon viele Jahre von Hause abwesend und dessen gegenwärtiger Aufenthalt unbekannt. Derselbe wird hiermit aufgefordert, seinen Wohnort hieher anzuzeigm und binnen Jahresfrist über sein Hierlands besitzendes Vermögen von 200 fl. zu verfügen, andernfalls er für verschollen erklärt und dieses sein Vermögen an seine nächsten Anverwandten gegen Kautionsleistung in fürsorglichen Besitz ausgefolgt werden wird. Ettenheim, den 18. Juli 1862. Großh. bad. Bezirksamt. Pfister. Z.m.329. Nr. 6110. Ofseuburg. (Verschollenheitserklärung.) Da Valmtln Schäfer von Goldscheuer der amtlichen Aufforderung vom 23. April v. I., Nr. 3996, nicht entsprochen, so wird derselbe für verschollen erklärt und dessen Vermögen seinen nächsten erbberechtigten Verwandten gegm Sicherheitsleistung in fürsorglichen Besitz überwiesen. Offmburg, dm 19. Juli 1862. Großh. bad. Oberamt. ». Fab er. Z.m.428. Nr. 8103. Rastatt, rung.) Gmofeva, geborne Uhri Bierbrauer« Ludwig Schäfer von i um Einweisung in Besitz und Gewähr der Verlassen schast ihres Ehemannes gebeten. Diesem Gesuche wird stattgegebcn, wenn nicht innerhalb 4 Woche» Einsprache dagegen erhoben wird. Rastatt, dm 22. Juli 1862. Großh. bad. Amtsgericht. Bassermann. Z.m.389. Nr. 12,534. Pforzheim. (Auf (Aufsorde- a, Wittwe des Ettersdorf, hat sorderung und Fahndung.) Rosine Hafner von Hirschau, königl. württemb. Oberamtsgerichts Calw, steht dahier wegen mehrerer Diebstähle, im Ge- sammtbetrage von 6 fl. 23 kr., in Untersuchung. Dieselbe hat sich von ihrem seitherigen Aufmthaltsorte Diüstein entfernt, ohne daß ihr jetziger diesseits bekannt geworden wäre. Die Rosine Hafner wird daher aufgefordert, sich binnen 14 Tagen dahier zu stellen, widrigenfalls das Erkmntniß nach Lage der Akten gegm sie ergehen würde. Zugleich bittm wir, auf di« Genannte zu fahnden und sie im Betretungsfalle gefänglich anher ablicfern zu lassen. Pforzheim, dm 19. Juli 1862. Großh. bad. Amtsgericht, vr. Gerst» er. Z.m.395. Nr. 5400. Neckargemünd. (Aufforderung.) Am 26. v. M. wurde zwischen hiesiger Stadt und Heidelberg auf der Staatsstraße ein Brief aufgefundm und sammt dessen in 3 Frankfurter 10-fl.-Scheine bestehendem Inhalte unterschlagen. Da der angebliche Adressat N. Wolf bei Lehrer Gassert in Nürnberg am Weißen Thurm bi» jetzt nicht ermittelt werden konnte, so steht man sich veranlaßt, auf diesem Wege Diejenigen, welche über diese« Schreiben Auskunft geben können, insbesondere dm Absender desselben und wirklichen Adressaten, hiermit aufzufordern, dem Unterzeichneten Gerichte die geeigneten Mit- theilungen zu machen. Neckargemünd, den 19. Juli 1362. Großh. bad. Amtsgericht. Thilo. Z.m^93. Nr. 7361. Staufe». (Erkennt- niß.) I. U. S. gegm Anton Gutmann von Feldkirch, wegen Diebstahls. Die Untersuchung wird bis zum Betreten des Angeschuldigten eingestellt. Dies wird dem flüchtigen Angeschuldigtm hiermit verkündet. Staufen, den 17. Juli 1862. Großh. bad. Amtsgericht. Wolfinger. vät. F. Knecht. Z.m.422. Nr. 7155. Lörrach. , (Aufforderung.) Friedrich Schäulin von Tannenkirch hat sich vor 4 Wochen von Hause unter Umständen entfernt , welche auf eine heimliche Auswanderung nach Amerika schließen lassen. Derselbe wird ausgefordert, sich innerhalb 6 Wochen über feine unerlaubte Entfernung dahier zu rechtfertigen, widrigenfalls er des Staats- und Ort«bürger- rechtS verlustig erklärt, in die gesetzliche VermigmS- buße und in die Kosten verfällt würde. Dessen Vermögen wird mit Beschlag belegt. Lörrach, den 19. Juli 1862. Großh. bad. Bezirksamt, v. Preen. Z.m.404. Nr. 15,375. Waldshut. (Aufforderung.) Katharina Widmer von Dogern, welche sich vor etwa acht Jahrm im Auslande, ohne die Absicht zurückzukehren, niedergelassen hat und hierzu die diesseitige Staatserlaubniß nicht erhielt, wird ausgefordert, sich binnen drei Monaten dahier zu stellen, widrigenfalls sie de« Staats-und OrtsbürgcrrcchtS für verlustig erklärt und in die gesetzliche Bermögmsstrafe verfällt würde. Ihr noch im Jnlande befindliche« Vermögen wird zugleich mit Beschlag belegt. Waldshut, den 12. Juli 1862. Großh. bad. Bezirksamt. N o a d t. Z.m.320. Nr. 5967. (Gehilfenstelle in Illen au.) Die durch den Austritt de« seitherigen Buchhalters erledigte Stelle soll nach Erlaß des großh. Ministeriums des Innern vom 4. Kusus, Nr. 8214, mit einem im Staatsrechnungswesen bewanderten, unverheiratheten Verrechnungsgehilsen besetzt werde». Der damit verbundene Gehalt ist aus 6-bi» 700 fl. festgesetzt. Die Bewerber wollen sich mit ihrm Zeugnissen bis spätestens 5. August bei uns melden. Jllmau, dm 19. Juli 1862. Direktion der großh. bad. Heil- und Pfleaeanstalt. Roller. Bret 1 le. Frankfurt, 23. Juli 1862. Staatspapiere. Oestr. Preuß. Bayern Wrtbg. 5"/« Met. i.S.b.R. 5V» do. in holl. St. 5"/» do. 1852i.Lst. 5«/o do. 1859 . . 5°/»Lomb.i.S.b.R. 5»/oVenet.C.b.R.V, 50 /, Nat.-Anl. 1854 5»/, Met.-Obligat. 5°/<> do. 1852C.H.R. 4'/-"/. Met.-Oblig. 4-/» dto. 5«/o Oblig. b. Rth. 4'///. dt». 4»/ö dto. 3'/,"/« Staatssch. 5°/o 4. Emission 4'/-"/° Ijährig 4'/-V° '/-jährig 4-/g Ilährig 4°/« '/.jährig 4»/o Ablös.-Rente 3'/-°/. 4'/,°/o Obl. b. Rth. 4"/, ditto 3V,»/o ditto 79'/» P. 79'/» P. 76-/« G. 73 b. 85'/. P- 76'/»b.G. 63'/« G. 54V« G. 54'/- G. 49'/. P. 44'/» P. 108'/» G. 102-/.G. 100 P. 90 G. 101V« G- 103'/» P. 103V« G. 101V, P- 101V, P- 101'/- G. 105'/. P. 104'/« P. 99 G. Badm G.Hess. Nassau Brschw. Lurbg. Franks. Span. Belgim Schwd. Schwz. N-Am. 4'/-"/« Obligation. 4"/, dto. 3'/,°/° dto. v. 1842 5°/« Obligation. 4V« dto. 3'/?/« dto. 5°/. Oblig. b. Rth. 4'/-°/» dto. 4"/, dto. 3'/-°/» dto. 3'/-"/oO.b.R.L105 4"/^>.Fr.L28kr.b.E. 3V-V, Obligation. 3"/, dto. 3'/° ml. Schuld 2»/, Schuld 4'/,V.O.i.Fr.L28kr. 4'/?» Obligation. 4'/."/oPfbf.b.B.LE. 4'/-"/oE.O.Fr.ä28k. 4V,V»Bern.St.-O. 4»/« dto. 5V„Gf.St.O.Fr.28 6«/,St.i.D.Lfl.2.30 5°/, do. 1871 u. 74 101P. 101'/» P. 96'/» G. 104 P. 101'/» G 98 P. 103 >/»G. 102V« P. 101P. 34'/, G. S3V. P- 95 P. 99'/, P. S3V.P- 48'/, G. 44'/, G. 100'/« P. 100V« G. 99'/, P. 101V« G. 102'/, P. 96 G. 99-/, P. Diverse Aktien, Eisenbahn-Aktie« nnd Prioritäten. 3"/« Frankfurter Bank 3°/« Oesterr. Bank-Aktien 5»/» , Cred.A.i.O.W. 30 /« Bayr. Bank ü fl. 500 4«/o Darmst.B.-A. ü fl. 250 4"/« Weimar. Bank-Aktim 4VaMitteld.Cr.-A. L100TH. 40 / Nordd. Credit-Aktim 4°/o Luremb. Bank-Aktim Span. H. u. Jnd. Fr. 5MÜ28 TamruSbahn-Akt. L fl. 250 3>/,V,FrankfHan.Esnb.-A. 5VoOesterr.Staats-Esnb.-A. 5»/oElisab-B.fl.200pr.St.V- Rhein-Nahe-Bahn 4V, Ldwh.-Berb. Eisenbahn 4 /,»/oPf.Mar-Esb.-A.b.R. 4' -VoBahcr.Ostbahn-Aktim 4°/« Heft- Ludwigsbahn 123V« G. 745 P. 199 b.G. 219'/, G. 82'/« P. 90'/, G. 99'/, G. 500 P. 330 G. 73'/« G. 228 G. 120'/, G. 32 G. 136'/» G. 111V« P. 107'/- P- 126'/« G. Friedr.-Wilh.-Nvrdb.-Akt. 5°/,Liv.-Flor.420Fr.L28kr. 30 /« Oest. St.-Eismb.-Prior. 3V,O«st.Süd.St. u.Lom.EB 5°/, Elisabethbahn-Prior. V, 5°/aBöh.W.-B.P.i.S.b.R«/, !4-/,°/o Hess. LdwgSb.-Prior. 5°/»Ocst.Lld.1.Pr.-O.i.Silb. 2 . 5VaLdwh."-Berb.Prior.-ObI. V': 1 - 4v'v°Rhein-Naheb.Pr.O. 4V-VaFrkft.-Han.Prior.O. 4VaSüdd.Bnk.-A.30VaEinz. Span.Cr.b.Prreire70'/a . 4'/,»/» Bayer. Ostb.30Va . 3VaDmtsch.Phönir20V. . 4"/,Frkf.Providmt. 10V» . 54V» P. 33'/» P. 80'/. P. 78 G. 101V« P. 100'/, G. 102'/, G. 101V« b. 250 P. 500 P. 106'/, P. 147V» G. IMP. BnleheuS-Loose. Oest.250fl.b.R1839 . 250 , . 1854 . 1M.Pr.L.18b8 . 500 „v. 1860V, 3'/-'/,Preuß.Pr.A. Schwed.Rthlr. 10L. Bad. LO-fl.-L«ose , 35- . . Kurh.40Thl.L.b.R. Gr.Hess.50fl.L.b.R. 25 Nass". 25 fl. L.b. R. Sch.-Lippe25Thl.L. Sard.36Fr. L.b.B. Mail. 45 Fr. L.b.R. 2V-Lütt.Pr.-O.b.G Vcrem«-S.»10 fl. AnSb.-Gunzmh. L. Wechsel-Kurse. IM P. 71V. P. 121V, G. 73'/, P. 123 G. SV«P. 100-/, G. 55-/° P. 57 P. 132V« P. 38 P. 37'/. P. 31-/« P. 52-/. P. S4HP. 37 P. 9V-G. iiy.G. Amsterdam k.S. Antwerpen , Augsbg.-ffl.1M. Berlin , Breme» , Brüssel . Cöln Hamburg , Leipzig London , Maild.i.Fr.2M, München . Pari« , Wim . DiSconto. 100V« B. S3V.G. IM B. 105'/« B. 96'/» B. 93V» G. 105'/, B. 83b/, B. 105-/, B. 118V» B. WV,- S3V« G. 93'/, b. 3°/a G. Gold und Silber. Pistolen Preuß. Friedrd'or. Holl. st. 10 Stücke Rand-Ducaten 20-Frankmstücke Engl. Sovereign« Gold pr. Zollpfund Hochh.Silb. P.Zpfd. Preuß. C-ffsmfth. Dollar« in Gold fl. 9 37 9 56-/, 946 5 33-/. 9 24'/, 1155 803—8 52 30 145'/, 226 Druck und Verlag der G. Braun'schen Hofbuchdruckerei. (Mit einer Beilage.)