Karlsruher Zeitung. Samstag, L August. Vorausbezahlung: vierteljährlich 2 fi., durch die Post im Gebiete der deutschen Postverwaltung, Briefträgergebühr emgeschlossen, 2 st. 7 kr. Einrückungsgebühr: die gehaltene Petitzelle oder deren Raum 6 kr. Briefe und Gelder frei. Expedition: Karl-Friedrichs-Straße Nr. 14, woselbst auch die Anzeigen in Empfang genommen werden. 1872 . Telegramme -j- Rom, 1. Aug. Man versichert, daß Scialoja das Portefeuille des Ministeriums de? Unterrichts angenommen habe. — Der Strike der Maurer in Turin ist beendigt. -s- Konstantinopel, 1. Aug. Midhat Pascha wurde an die Stelle Mahmuds zum Großvezier ernannt. Das ganze Kabinet wird umgestaltct. Die Namen der neuen Minister find ü.deß offiziell noch nicht bekannt. Der Vizekönig von Egypten machte dem Sultan 50,000 Martini-Henry- Gewehre zum Geschenk. j-j-London, 31. Juli. Unterhaus. Auf eine Anfrage Peel's erwiederte Förster, es hätten von drei aus Hamburg eingetroffenen Ladungen mit krankem Vieh zwei aus deutschem Vieh bestanden; es sei somit die Viehseuche in Hamburg, und da Hamburg den Elbherzogthümeru nahe, jo sei er gegen seinen Willen gezwungen, die jüngste Verordnung, welche die Vieheinfuhr aus den Elbherzog- thümern zuließ, zu widerrufen und die Schlachtung des von dort kommenden Viehes in den Landungshafen anzuordnen. Deutschland. * Straßburg, 31. Juli. Ende der laufenden Woche schließen die Vorlesungen unserer Universität.und werden sich Professoren und Studenten dem verdienten Genüsse der Ferien hingeben. Ein Theil der Hörer der Medizin wird die Ferien über an den hiesigen Kliniken jseine Studien fortsetzen. So weit aus den Aeußerungen der Lehrer wie der Schüler der wahre Bestand der Verhältnisse zu entnehmen ist, war die frühzeitige Wiederaufrich- tung der Straßburger Universität ein Akt eminenter Zweckmäßigkeit und zutreffendster Richtigkeit bezüglich der Beur- theilung von Zeit und Umständen. Schon aus den Uranfängen des neugeborenen Instituts läßt sich in erster Reihe erkennen, daß die genannte medizinische Fakultät, deren Blüthe schon vorher eine höchst beachtenswerthe war, sich hier im Laufe weniger Jahre zur rühmlichsten Stufe emporarbeiten wird. Daß in der Frist von wenigen Tagen zu Metz schon der dritte Brand ausbrach (der neueste in den Baracken des Forts Queleu), muß denn doch einigermaßen überraschen. — Die dortige „Zeitung für Lothringen", amtliches Organ, erscheint seit Anfang dieses Monats in je einer deutschen und je einer halb so großen französischen Ausgabe. Die französische Ausgabe unterzeichnet als „Chefredakteur" ein Hr. C. A. Rahlenbeck, die deutsche der Buchdrucker beider Blätter, Hr. W. Groß. X Straßburg, 1. Aug. Wie den Verhandlungen des hiesigen Magistrats zu entnehmen ist, werden die Wiederherstellungsarbeiten der durch das Bombardement 1870 am hiesigen Münster verursachten.Schäden demnächst ernstlicher in Angriff genommen werden. Die Reparaturkosten im Haupt- und in den Nebenschiffen, im Transept sowie im Umkreise der Plattform sind bezüglich der Steinhauerarbeiten auf 83,000 Franken berechnet. Von den zur gänzlichen Wiederherstellung der Orgel bewilligten Entschädi- gungsgeldern von 60,000 Franken weroen demnächst 12,000 Franken für die nöthigste Reinigung, Ausbesserung des Pfeifenwerkes rc. verwendet. Der Neuaufbau des (jetzt noch provisorisch mit Dachpappe gedeckten) Hauptdaches der Kathedrale ist an Zimmermanns-Arbeiten auf 75,000 Fr., an Kupferschmiede-Arbeit auf 50,000 Fr., Schlosserarbeit 15,000 Fr., im Ganzen auf 140,000 Fr. taxirt, genau die Höhe der gewährten staatlichen Entschädigung. Hiezu tritt noch eine Ausgabe von 35,000 Fr. für Wiederherstellung und gleichzeitige Kupferbedachung des Transites und Chores. Der Gedanke des vollen Ausbaues des Münsters durch Vollendung des zweiten Thurmes, wie er auch in der Schrift des vr. Hutzelmann: „Die Angriffe Frankreichs auf Elsaß-Lothringen" angeregt ist, lebt wohl unauslöschlich in zahllosen deutschen Gemüthern fort, dürste jedoch erst bei eingetretener innerer Befestigung der Lage in das Stadium der Ausführbarkeit treten. Auch ist zur Zeit des Nothwendigcn hier so viel zu thun, daß sich die-Luxusbauten, und wären sie vom Standpunkte der Aesthetik und des nationalen Dranges aus die berechtigtsten, wohl noch einige Zeit gedulden können. Der Umstand, daß im hierländischen Geldverkehr bis hinauf zu den öffentlichen und Staatskassen jeder Art die Berechnung im Frankenfuße, bei der Post dagegen streng nur im Thalerfuße stattfindet, bringt für das große Publikum natürlich manche Unbequemlichkeit mit sich. Bedenkt man aber, daß die Hinüberleitung des französischen in das deutsche Münzsystem eine völlig naturgemäße und im unausbleiblichen Einklang mit der Neugestaltung der politischen Verhältnisse stehende Sache ist, so kann auch in diesem Zweige des „Uebergangsstadiums" der deutschen Verwaltung das Prädikat der Milde und Schonung vorhandener Zustände nicht vorenthalten werden. Das hiesige protestantische Gymnasium bleibt steif und fest dabei, seinen internationalen oder, wie es jetzt gar heißt, „kosmopolitischen" Charakter aufrecht erhalten zu wollen. Thatsache ist, baß die Seitens dev Regierung abge- ordnete Prüfungskommission über den wissenschaftlichen und pädagogischen Zustand dieses Institutes einen ungünstigen Bericht erstattet hat. Die Führer der angeblichen „Bewegung, welche die ganze Bevölkerung in Aufregung setzen soll", sagen nun, man hätte diese Prüfung nicht vom deutschen, sondern vom französischen Gesichtspunkte aus vornehmen sollen!! Besagte Führer- hoffen endlich damit, daß sie der deutschen Sprache (au; dem Papiere) einen größeren Spielraum als bisher einräumen zu wollen erklären, über die anderen, grundsätzlichen Anomalien, die dieses kosmopolitische Institut drrbietet, hinwegzuschlüpfen. Es sei doch, meinen diese Herren äußerst naiv, auch in Berlin ein „französisches" Gymnasium. Sie sehen wohl den ,oiroulus viliosu-?, in welchem sich diese ganze Agitation umhertreibt. Die Herren scheinen wahrhaftig noch zu glauben, man durchschaue sie nicht. Aus München wird der „Mg. Ztg." folgender Wortlaut des Handschreibens mitgetheilt, welches der König unterm 24. Juli an den Rektor der Universität richtete: Mein lieber Rektor Magnifikus Nr. v. Döllinger! Es ist MN ein trendiger Gedanke, daß die vierhundectjährige Gedenkfeier der Gründung der Münchener Hochschule in Meine RegierungSzeik fällt, denn stets babe Ich dem Blühen und Gedeihen dieser alrehrwürdigen Stätte der Wissenschaft Mein« «ärmste Theilnahme zugewandt. Gerne nehme Ich Ihre Einladung zur Sakularfeier entgegen, und werde sowohl bei ^ dem Festzuge als bei dem Frckelzuge, welchen Ich Ihnen als dem dcr- ! zeitigen Vertreter der 4Iws Aster dargebrachl wissen will, anwesend sein und das Vergnügen baden. Sie mit dem Prorektor und dem Reichsrath vr. v. Pözl in besonderer Audienz zu empfangen. Schon jetzt spreche Ich dem Festkomite für den regen Eifer, mit welchem sich dasselbe die Würde der Feier angelegen sein läßt, Meine vollste Anerkennung aus. Möge die Münchener Hochschule nach aber hundert Jahren in gleicher Weise eine Zierde de« BayerlandcS sein, wie sie es in dem wechselreichm Laufe von vier Jahrhunderten stets gewesen ist t Ich verbleibe Ihr wohlgeneigter König, Ludwig. * Berlin, 31. Juli. Die „Prov.-Korresp." beschäftigt sich heute mit der „Schles. Volkszeiruug", mit Bezug auf welche ihr eine Berichtigung von der fürstbischöfl. Kanzlei in Breslau zugegangen ist, dahin lautend, daß das schlesische Blatt in keiner Beziehung zum Fürstbischof stehe. Nachdem das ministerielle Organ diese Berichtigung abgedruckt, heißt es zum Schluß: Es ist nicht möglich, alle die leichtfertigen und widersinnigen Aeuße- rungcn im Einzelnen hier mitzutheilen, von welchen die Erörterungen des schlesischen Blattes angefüllt sind. Die vorstehenden Auszüge wer- , den genügen, um ein Urtheil über das Maß des sittlichen Ernste«, der Ehrlichkeit und der Wahrheitsliebe zu begründen, welches bei den maßgebenden Blättern der ultramontanen Parteien zu finden ist. Wenn es sich für dieselben in Wahrheit nur um die heiligen Interessen des Glaubens handelte, so würden ste unmöglich zu dem unwürdigen Ton und Wesen Herabfinken können, wie es in jenen Erörterungen der Fall ist. Die geistlichen Oberen aber sollten sich nicht daran genügen lasten, die Beantwortung sür solch srivoles Treiben vor der Oeffent- lichkeit abzulehnen; ihrem unleugbaren und sicher wirkenden Einflüsse würde es wohl gelingen, eine ernstere und würdigere Vertretung der kirchlichen Interessen zu sichern, wenn sie es entschieden wollten. Nack dem der Finanzminister Camphausen die Lokal- servis Zulagen sür die preußischen Beamten angeregt hatte, erklärte, wie die „Magdeb. Ztg." hört, das Reichskanzler-Amt Zug «m Zug, ihm erscheine für die Reichs- be amten ein gleiches Benefizium unerläßlich und es werde ungesäumt zur weitern Besserstellung der Beamten die nö- thigen statistischen Erhebungen vornehmen lasse!:. Diese sind theils schon vor sich gegangen, theils noch in der Vorbereitung. In diesen Tagen ist in einem Breslauer Verlage eine kirchenpolitische Broschüre erschienen, die den Titel führt: „Zulun euiquo. Die Verfassung der Kirche nach ihrer Trennung vom Staate? Die „Sperr. Ztg." ist der Meinung, daß hinter dieser Schrift mehr als eine Privat- ansicht stecke. Die Grundidee des Verfassers ist: die synodale Verfassung, deren Nothwendigkeit er anerkennt, provinziell zu organisiren. Die mit der Trennung von ! Staat und Kirche der letzteren zu gebende Verfassung soll eine ! zunächst mit der selbständigen Provinzalkirche abschließende j sein. Zu diesem Zwecke soll die Staatsregierung im Auf- : trage des Landesherrn als obersten Landesbischofs die Grund- : züge einer Kirchenverfassung entwerfen, welche aber nicht ! dem politischen Landtage, sondern den konstitnirenden Pro- s vinzialsynoden vorzulegen wäre, für deren Zusammensetzung ! der Verfasser damt einige Rathschläge ertheilt. Oesterreichifche Mon«rcb«e. ! ** Wien, 31. Juli. Die „Wien. Ztg." veröffentlicht §rr gute Herr. (Fortsetzung.) Ich konnte nicht mehr lachen bei der Frage. „Wer war der Ermorderte?" fragte ich den Polizeipräsidenten. »Ein Major von Hake." .Und die Umstände der Thal?" Hr theilte mir auch diese mit. Ich erfuhr sie bald nachher noch von anderer Seite, in denselben allgemeinen Umrissen, aber mit Einzelheiten, die in den Akten, die dem Polizeipräsidenten Vorgelegen hatten, nicht enthalten waren, nicht enthalten sein konnten. Ich werde sie bald mit diesen Details erzählen. Wie der Name Dahlheim mir schon unbekannt gewesen war, so hatte ich auch nie von einem Major von Hake und besten Ermordung gehört. Ich muß:e mich also auch geirrt haben, als ich früher meinte, daß :ch de« Herrn von Felsen schon irgend wo gesehen Härte. Aber dann fielen die Persönlichkeiten da hinten im Sihlhos mir wieder ein. War dieser Herr von Dalheim, der gute Herr, ein Mörder, gar ein Raubmörder, was war der Baron Felsen, den ich schon vorher für einen Genossen Dahlheims gehalten hatte? Ein Major von Hake war der Ermordete gewesen. Ich mußte den Namen in Gegenwart des Herrn von Felsen aussprechen, sobald ich ihn wieder sah, und es drängte mich, bald ins Klare zu kommen. Einige Tage mußte ich gleichwohl mich noch gedulden. » Der Polizeirath und sein Vigilant waren noch da, verkehrten noch mit Seidel, hatten unzweifelhaft entweder die Vermuthung, daß der Herr von Dalheim noch in Zürich oder in der Nähe sei, oder die Hoffnung, in irgend einer Weife etwas über ihn zu erfahren. Ich lckbst sah mich von den Menschen beobachtet und wagte deßhalb keinen Besuch im Sihlhofe. ?lrn dritten Tage erfuhr ich, daß Seidel in großem Zorn, in sörm- V/Er Wuih sei. Der Polizeirach, dem er den guten Herrn verrathen verkauft hatte, sei abgereist, ohne ihm den versprochenen Kaus- ! preis zu bezahlen, weil die versprochene Beute nicht überliefert sei. Er schimpfte laut in allen Wirthshäusern über den schnöden gemeinen Geiz, die lumpige Knauserei, den niederträchtigen wortbrüchigen Verrarh. Auf die Gefahr hin, verkannt, selbst als ein Berräther verschrien zu werden, habe er tdelmüchig die ehrenwerthe Flüchtlirgswelt in Zürich von einem gemeinen Raubmörder befreien, der Gerechtigkeit seines undankbaren Vaterlandes einen seiner gefährlichsten Verbrecher züsühren wollen; zum Lohn dafür werde er jetzt betrogen, bestöhle« gar um die Auslagen, die er habe machen müssen. Ein paar Tage mußte ich also noch warten. Die Schimpf.eden Seidel's konnten ein Manöver sein, um den guten Herrn und dessen Freund sicher zu machen. Da erfuhr ich weiter, daß der gemeine Bursch jetzt für sein armes Kind, das von seiner schlechten Mutter verlassen sei, bei seinen Bekannten bettelte. Dann mußten die fremden Polizeibeamten doch fort sein. Ich beschloß, am andern Morgen in den Sitzlhof zu gehen. Gegen Adeno erhielt ich ein Billet, ohne Unterschrift, von einer anscheinend verstellten Handschrift. Es lautete: „Seien Sie heule Abend um 9 Uhr in den Tannen an der Sihl." Vom guten Herrn? Dann konnte nur das Tannenwäldchen vor denl Sihlhofe gemeint sein. Wer anders als er konnte mich dahin bestellen? Aber sollte ich einem Raubmörder ein Rendezvous geben? » Der gute Herr ist der bravste Herr von der Welt! hatte die Frau Hartmann gesagt. Ich ging. Wenn es eine Falle des Herrn Seidel und seiner Polizeibeamten wäre? Aber in welche Falle konnten Sie mich denn locken?- Der gute Herr trat mir in dem Dunkel der Tannen entgegen. ^ „Guten Abend!" sagte er mit einer Stimme, die, wie stet«, so auch jetzt, ruhig und fest war. Sein Gesicht konnte ich in der Dunkelheit nicht sehen, nicht die Farbe, nicht die Züge. l Ich hatte schon auf dem Wege meinen Plan gemacht, i „Ich bin? sagte ich ihm, .Ihrem Rufe hierher gefolgt. Bevor ! Sie mir den Zweck unserer Zusammenkunft mittheilen, gestatten Sie ' mir eine Frage!" - .Fragen Sie!" sagte er. wie früher, aber ooch mit einem andern s Ton der Stimme. ! -Sie kennen mich," fuhr ich fort. „Ich muß wissen, wer Sie find- s .Das ist Ihre Frage?" „Das ist meine Frage." „Eugen von Dahlheim ist mein Name." Er sprach die Worte so ruhig, als wenn er mir die gleichgiltigste ! Sache von der Welt mitkheile. „Wissen Sie," sagte ich, „daß Eugen von Dahlheim als Raubmör- ! der verfolgt wird?" „Ich weiß «S und ich will Ihnen den Raubmord erzählen." j Und er erzählte mir, und ich ließ ihn zu Ende erzählen, ohne ihm ! zu sagen, was ich von dem Züricher Polizeipräsidenten schon gehört : hatte; ich wollte wissen, wie das Eine zu dem Andern stimmte. „Ich war junger Offizier. Wir standen in einer großen Garnisonstadt, die zugleich eine große Handelsstadt und eine Art von Seeplatz war. In solchen Städten treiben sich allerlei dunkle, zweideutige und gefährliche Existenzen umher, und ein junger Mann ist mancherlei Verführung auSgesctzt, doppelt ein junger Leutnant, der nicht« zu thun hat. Zu de« dunklen Existenzen jener Stadt gehörte ein älterer Herr, wie es hieß ein pensionirter süddeutscher Major. Bon Hake war sein Name. Er lebte vom Spiel. Wir wußten das, wir jungen Offiziere. Wir ließen uns dennoch von ihm fangen, spielten mit ihm, wurden von ihm ausgeplündert. Das dauerte Wochen, Monate, einen ganzen Winter hindurch, in den Frühling hinein. Im Sommer wollte er die Bäder besuchen. Unser Spiel fand heimlich statt. In einer wohlbehüteten und bewachten Spelunke legte er uns des Abends bi- in die späten Nächte eine Pharaobank auf. (Fortsetzung folgt.) in ihrem amtlichen Theile den Staatsvertrag mit i Deutschland, betreffend die Herstellung einer Eisenbahn- Verbindung zwischen Reichend erg und Görlitz. Italien. Rom, 28. Juli. (Köln. Z.) Die Bulle prseseot« esäsvere iß aller Wahrscheinlichkeit nach in der Gestalt, in welcher sie existiren sollte, ein Mißverständnis;, aber doch auf eine Thatsache begründet, die kaum weniger Bedeutung für die bevorstehende Papstwahl hat, als eine Bulle dieser Art. Unter PiuS Vl. kamen zu den im Wesentlichen aus dem zwölften Jahrhundert stammenden Bestimmungen über die Wahl eines neuen Papstes die zehntägigen Kongregationen der Kardinäle hinzu, welche sich, am dritten Tage nach dem Ableben des alten beginnend, mit den Vorbereitungen für die Wahl beschäftigen sollten. In der ersten sollten der Ring und die Siegel des verstorbenen Pontifer zerbrochen, in den folgenden Bau und Einrichtung des Conclave festgestellt, in der neunten drei Kardinäle gewählt werden, welchen die Führung der materiellen Geschäfte während des Conclave zu übertragen war, in der zehnten sollten die fremden Gesandten und Deputationen aus dem Kirchenstaate erscheinen, um zur Wahl eines würdigen Kirchenoberhauptes zu ermahnen. Dann erst sollte das Kardinalskollegium in den Vatican cder in den Quirinal einziehen, um sich in der Einsamkeit vom heiligen Geiste zur Wahl inspiriren zu lassen. Nach diesen Bestimmungen, die in einer Bulle von 1797 stehen, ist bisher verfahren worden. Doch gibt es eine Bulle Pius' VII. vom 6. Febr. 1807, welche jene Vorschriften Pius' VI. für den Fall, daß politische Wirren (perturbslionsz) eine Beschleunigung der Papstwahl wün- schenswerth erscheinen lassen, bei Seite zu lassen gestattet. Diese neuere Bulle verordnet, daß die zehntägigen vorbereitenden Kongregationen nicht abgehalten zu werden brauchen, wenn auch nur ein Mitglied des Kardinalskollegiums mehr als die Hälfte für Wegfall derselben stimmt. Die außerhalb Roms wohnenden Kardinäle müssen zwar zur Wahl eingeladen, ihr Eintreffen zu derselben aber braucht nicht abgewartet zu werden. Den Ort der Wahl haben der Kardinaldekan, die Capi d'Ordine und der Camerlengo zu wählen. Daß sich mehr als die von dieser Bulle geforderte kleine Majorität für diesen abgekürzten Modus der Papstwahl finden wird, leidet bei dem Charakter der Mehrheit der jetzigen Kardinäle keinen Zweifel. Gestern wurden wieder vier Klöster in dem Innern der Stadt Rom der Expropriation unterworfen. Das Kloster von Santa Croce in Gerusalemme wurde mit Gebäuden und Grundstücken der Militärbehörde und seiner alten Bestimmung zugewiesen, denn innerhalb seiner Mauern steht noch die Hälfte des Circus Castrensts aufrecht. Auch die blauen Augustiner-Nonnen in Via Sforza, das Kloster von S. Martha am Platze des Kollegiums Romanum und, o Gräuel! auch ein Theil des Jesuitenkollegiums am Gesu, die Residenzstätte des Paters Beckx, wurde expropriirt. Frankreich. Pari?, 31. Juli. „Frankreich richtet sich wieder auf durch seinen Kredit!" äußert das Organ des Hrn. Thiers, „Le Bien Public", heute in fortgesetzter gesteigerter Selbstverherrlichung. Diele Regierung und dieser Staatsmann (Tbiers) haben Pfänder der Weisheit, Redlichkeit und F:stigkeit genug gegeben, damit Frankreichs Kredit seine glänzendste und ehrenvollste Bestätigung erhielt.... Erblicken wir übrigens in diesem Erfolge den Beweis, dah Europa Vertrauen zu unserer Weisheit hat, und verdoppeln wir diese Weisheit... Ahmen wir in unserem Benehmen, in unserer Haltung die Klugheit der Regierung des Herrn Thiers, des Herrn de Goulard nach, die nichts dem Zufalle überlassen wollten.... Seien wir klug!... Diesen Selbstverherrlichungen gegenüber äußerte schon gestern ironisch das „Univers": „Wir sind das Volk des Hrn. Thiers!" und die „Union" wiederholt diesen Spott heute, während das „Univers" heute entwickelt: Der Erfolg der An l e i h e ist zu kolossal, zu maßlos, als daß derselbe nicht über den Grund der Dinge Zweifel erwecken sollte. Es geht offenbar mit diesen 42 Milliarden nicht mit rechten Dingen zu. Eine minder hohe Summe würde einen weit ernsteren, solideren Eindruck machen; das hätte der Anleihe einen ächteren, patriotischeren Stempel ausgedrückt. Es geht aus diesen kolossalen Summen hervor: erstens, daß die große Mehrzahl der Zeichnungen nicht ernst gemeint ist, zweitens, daß die Spekulation in der ganzen Angelegenheit domi- nirt, drittens, dah den großen Kreditanstalten und Spekulanten und ausländischen Bankiers besondere Begünstigungen erlheilt wurden.... Man wollte eine prächtige Zeichnung haben, aber man schoß über das Ziel hinaus. Das erlangte Ergebniß zeigt bei den Financiers Lgio- tageprojekie, welche' die Klasfifizirung erschweren werden und in nicht zu ferner Zeit unseren Kredit drücken können. Die Lage wäre weit sicherer, wenn blos vier oder fünf Milliarden gezeichnet worden wärm... Aber es genügt dem Hrn. Thiers nicht, das zur Befreiung nöthige Geld zu finden, er wollte eine Subskription, deren Gesammtsumme den Glanz der famosen Finanzplebiszite des KaiserthumS in Schatten stellen sollte. Diese Genugthuung hat er in einer Weise erlangt, welche bedenklich erscheint/ Rußland und Polen. St. Petersburg, 23. Juli. Nach einer beim Kriegsministerium hier eingegangenen Nachricht ist unter den im Uebungslager bei Wiendzybor in Wolhynien versammelten Truppen die Cholera ausgebrochen und hat bereits zahlreiche Opfer gefordert. In Rußland sind durch ein kürzlich erlassenes Gesetz die bisherigen gerichtlichen Proceduren gegen politische Verbrechen abgeändert und folgende ne« Bestimmungen getroffen worden: Prozesse wegen politischer Verbrechen unterliegen der Entscheidung der ordentlichen Gerichtskammern, wmn das Verbrechen nicht von der Art ist, daß auf Entziehung oder Beschränkung der Standesrechte erkannt werden muß; ist dies letztere der Fall, so gehören sie zur Kompetenz eines besonderen, vom regierenden Senat zu konstituirenden Gerichtshofes. Liegt den politischen Verbrechen eine Verschwörung zu Grunde, die gegen die Obrigkeit, die bestehende Staatsverfassung ustd > die Thronfolge gericht.t ist. so beruft der Kaiser zur Aburtheilung der Angeklagten den obersten Gerichtshof für Strafsachen. Zur Führung der Untersuchung bestimmt der Justizminiöer alljährlich einen Richter der Petersburger oder Moskauer GerichlSkammer, der die Untersuchung in Gemeinschaft mir dem Staalsprokuralor führt. Die unter der Anschuldigung eines politischen Verbrechen« stehenden Personen find im Gesängniß isolirt zu halten. Ist die Untersuchung geschlossen, so werden die Akten, falls die Sache zur Kompetenz deS Senatsgerichts gehört , an dm Justizminister eingereicht, der das Resultat der Untersuchung zu prüfen hat. Findet derselbe die Sache zur weitern gerichtlichen Verfolgung nicht geeignet, so legt er diese Frage dem ersten Departement des Senats zur Entscheidung vor. Zu den bezüglichen Be- rathuugen ist auch der Chef der dritten Abtheilung der kaiserl. Kanzlei und» je nachdem das Verbrechen gegen die innere Behörde gerichtet war oder sich als Hochverralh oder als Verbrechen gegen das Völkerrecht qualifizirt, der Minister des Innern oder der Auswärtigen Angelegenheiten her anzuziehen, doch haben diese nur berathcnde Stimmen. Das Senatsgericht besteht aus dein Präsidenten deS Senats und fünf alljährlich dazu zu designirenden Senatoren, ferner aus dem Gubernial- und Kreis Adelsmarschall, dem Bürgermeister einer der Gubernialstädte des europäischen Rußlands und dem Woyt einer der Gemeinden des Petersburger Gouvernements. Die letztgenannten Mitglieder werden alljährlich, ebenso wie ihre doppelten Stellvertreter, vom Kaiser ernannt; sie können aber vom Angeklagten aus triftigen, von ihm anzugebenden Gründen refusirt werden. Ob die Verhandlungen öffentlich oder geheim sein sollen, darüber entscheidet in jedem einzelnen Fall der Gerichtshof selbst. Die Appellations-Instanz ist das Kassationsgericht. Großbritannien. * London, 31. Juli. Der ungeheure Erfolg, welchen Hr. Thiers mit seiner neuesten Anleihe gehabt hat, gibt unfern Blättern heute willkommenen Stoff zu Leitartikeln. Die „Morn. Post", die alte Freundin der Bonaparte, läßt dem Präsidenten für seinen kühnen Finanzplan und dessen geschickte Durchführung alle Ehre widerfahren, fragt aber: Was hätte Thiers wohl zu Wege gebracht, wenn die Grundlage seiner Operationen nicht schon früher gelegt worden wäre? Hätte die jetzt vom Präsidenten bewunderte Handelspolitik während der letzten zwanzig Jahrs in Frankreich zu Kraft bestanden, wäre da wohl Frankreich in der Lage gewesen„ unmittelbar nach einem verwüstenden und kostspieligen Kriege fünf bis 6 Milliarden Franken mit anscheinender Leichtigkeit zu beschaffen? Wohl kaum. Aber dabei wird man doch nicht ganz die Gedanken an Das unterdrücken können, was diese so überaus gelungene Finanzoperation dem Lande für Bürden auferlegt. Nimmt man Iie an Deutschland zu zahlende Entschädigung mit den Kosten der Beschaffung und den Kriegskosten auf französischer Seite zusammen, so ergibt sich mit der früheren französischen Schuld eine Gesammtsumme von weit über achthundert Millionen Sterling, d. h. bedeutend mehr, als die Staatsschuld Englands. Es mag indeß den Franzosen mm Tröste gereichen, daß England mit einer bedeutend kleineren Bevölkerung eine fast eben so schwere Bürde getragen und trotz ihr eine materielle Wohlfahrt ohne Gleichen erlangt hat. Nur sollte das Regiment des Hrn. Thiers aufhören, oder wenigstens seinen Charakter gänzlich ändern, nachdem es ihm gelungen ist, die preußische Okkupation los zu werden, und das Militärsystem auf gesunder Grundlage umznformen. Die „Times" bespricht die Wirkung, welche das Gelingen der Anleihe Wohl auf die Regierung und di§ Institutionen Frankreichs ausüben werde. Zunächst könne man wohl kaum länger daran zweifeln, daß der Krieg die Hilfsquellen Frankreichs fast geradezu unberührt gelasfen habe; die deutsche Armee habe das Eigenthum und sogar den Handelsverkehr der Franzosen so viel als möglich unberührt gelassen. Die Handelsmaschine sei höchstens zum Stillstehen gebracht, nirgendwo aber zerstört worden. Ueberall habe das Geschäft jetzt wieder seinen gewöhnlichen Gang genommen, und der aufs neue zu Tage tretende Gewerbfleiß und di; Sparsamkeit der Franzosen sollte das seit dem Kriege Mode gewordene Philosophiren über das zukünftige Geschick Frankreichs großenteils zu Ende bringen. Eine aus Vernachlässigung der Kriegskunst hervvrgegangene Niederlage sei keineswegs — wie man immer wieder behauptet habe — ein Zeichen von allgemeiner geistiger und moralischer Erniedrigung; im Gegentheil liege unter all der Exzentrizität im französischen politischen Leben eine große soziale Stärke. Frankreich habe ein solches Selbstvertrauen auf sein nationales Leben, daß es fein Geld einem Präsidenten und einer Kammer anvertraue, deren Ursprung unregelmäßig war und deren Ende nicht mehr weit entfernt sein könne. Ein besorgnißerregender Schluß — so fährt der Artikel fort — ist aus dem großartigen Erfolge der Anleihe zu ziehen: Frankreich wird trotz der schweren Steuerlasten auf viele Jahre hinaus nicht durch die Befriedigung der deutschen Forderungen zerdrückt werden, und wird sich daher in seiner europäischen Politik wohl nicht sehr von der ihm auferlegten Geldbuße beeinflussen lassen, nachdem es ihm gelungen ist, seit dem jüngsten Kriege fünf Milliarden mit solcher Leichtigkeit zu beschaffen. Amerika * Reu-Hork. Die diesjährige Prozession der Orangi sten war eine der merkwürdigsten, die jemals gesehen wurde. Nur etwa 300 Orangisten betheiligten sich an derselben, und diese 300 Mann wurden von nicht weniger als 800 Polizisten geschützt, die porn, hinten und an beiden Seiten hergingen und so die Orangisten gänzlich einschlossen. 1000 weitere Polizisten waren zur Hand, ebenso einige Regimenter unter Waffen, um nötigenfalls die Freiheit der Prozession energisch in Schutz zu nehmen. Orangistendemonstrationen fanden außerdem nur noch in Philadelphia und einigen kanadischen Städten statt. Badisch- Ehronik. Karlsruhe, 2. Aug. In der Nummer vom 26. v. M. brachten diese Blätter die Notiz, daß hessische Staatsangehörige, welche in der französischen Fremdenlegion eingereiht Waken, auf Verwendung des Reichs aus dem fremden Kriegsdienste erlöst und mit Geld zur Heimreise « versehen, die dadurch erwachsenen Kosten aber aus öffentli- ! chen Mitteln des Heimathlandes bestritten worden seien. ! Aehnliche Mittheilungen wurden s. Zt. dem Württember- gischen Landtage über die Befreiung in der Fremdenlegion, dienender Württemberger gemacht. , Bei der großen Zahl der Badener, welche sich vor dem französisch-deutschen Krieg in Frankreich aufgehalten hatten, konnte man von vornherein annehmen, daß auch manche badische Landesangehörige bei Ausbruch des Krieges in die französische Fremdenlegion gerathen seien, und eS haben auch in der That seit dem Friedensschlüsse 50 bis 60 in Algier dienende Badener an die Reichs- und LandeSbehör- den Gesuche um Verwendung bei der französischen Regierung für ihre Befreiung aus jenem Dienste gerichtet. Der Mehrzahl dieser Gesuche wurde, und zwar selbst in solchen Fällen entsprochen, in welchen keine Aussicht auf Ersatz der von dem Staate vorzuschießenden Kosten der Heimschaffung vorhanden war. Es blieben nur einige Gesuche solcher Legionäre unberücksichtigt, welche aus deur deutschen Heere desertirt waren oder sich, der Erfahrungen des Kriegsjahres ungeachtet, erst nach dem Friedensschlüsse in den französischen Kriegsdienst hatten anwerben lassen, und für welche ferner weder von ihren Angehörigen noch von der Heimathgemeinde die Mittel für die Heimreise zur Verfügung gestellt wurden. Hinsichtlich der Gesuche der erst nach dem Kriege in Frankreich Angeworbenen kamen auf diese Weise dieselben Grundsätze zur Anwendung, nach welchen ähnliche Gesuche vor Ausbruch des Krieges durch ! eine Reihe von Jahren behandelt worden waren. Bezüglich derjenigen Badener, welche während des Krieges und ohne Verletzung besonderer Pflichten in die französische Fremdenlegion gerathen waren, erschien eine Abweichung von der Regel gerechtfertigt, welche die Verwendung bei der französischen Regierung von oer Sicherung des Ersatzes der Kosten der Heimkehr abhängig, machte. Es haben sich zwar die vor einiger Zeit umlaufenden Gerüchte, als seien viele Deutsche zu Anfang des Krieges geradezu zum Eintritt in die französische Fremdenlegion gezwungen worden, nicht bestätigen lassen, wie ja auch die Behauptung, als würden deutsche Kriegsgefangene in Algier zurückgehalten, sich nach den s. Z,' durch den Fürsten- Reichskanzler dem Reichstage gemachten Eröffnungen als unbegründet erwiesen hat. Immerhin aber mußte die Lage mancher Deutscher, welche von dem Ausbruche des Krieges in Frankreich überrascht wurden, eine peinliche sein. Sie waren einerseits der Möglichkeit beraubt, ihren Lebensunterhalt in Jeindesland ferner in bisheriger Weise zu gewinnen, und allen Verfolgungen und Plackereien ausgesetzt; anderseits bei der in den ersten Wochen des Krieges faktisch vielfach bestehenden Grenzsperre in die Unmöglichkeit versetzt, in die Heimath zurückzukehren, und so mag Mancher, welcher den Weg zu den zur Unterstützung ermächtigten Gesandtschaften und Konsulaten nicht fand, in der äußersten Noth dazu getrieben worden sein, sich durch Eintritt in die Fremdenlegion aus solch verzweifelter Lage zu befreien. Von den meist der letzten Kategorie angehörigen Legionären, für welche eine diplomatische Verwendung ins Mittel trat, sind etwa 30 bereits entlasten und in ihre Heimath zurückbefördert worden. Karlsruhe, 1. Aug. Aus die Eingabe hiesiger Aerztean großh. Ministerium des Innern wegen Ueberbürdung der Schüler des hiesigen Gymnasiums mit Hausaufgaben hat da« Ministerium — inländischen Blättern zufolge — folgenden Bescheid gegeben: „Wir haben über die vorgetragenen Beschwerdepunkte eingehende Erhebungen durch die Ober- schulbehörde machen lassen, welche das Ergebniß lieferten, daß dir Bestimmungen über die an den häuslichen Fleiß der Schüler zu stellenden Ansprüche, wie sie die diesseitige Verordnung vom 2. Okt. 186S (Ges.- und Verordn.-Bl. Nr. 22) festsetzt, von der Direktion und den Lehrern des hiesigen Gymnasiums nicht verletzt wurden. Nur einige wenige Schüler der Unter-Prima, an Zahl weit in der Minderheit innerhalb dieser Klasse, erklärten, eine da« gesetzliche Durchschnittsmaß übersteigend- tägliche Arbeitszeit zur Bewältigung ihrer Hausaufgaben anwendcn zu müssen, wobei jedoch gewiß nicht übersehen werden darf, daß eine derartige Schätzung der Schüler als ein unbedingtes Beweismittel wohl nicht anzusehen ist und außerdem bei der großen individuellen Verschiedenheit der Schüler einzelne Ausnahmen sich immer zeigen werden. Die Direktion und die Lehrer des hiesigen Gymnasiums wünschen selbst die genaue Einhaltung der erwähnten, jede Ueberanstrengung der Zöglinge untersagenden Bestimmung, indem sie solche als den Zielpunkten und Zwecken der Anstalt entsprechend anerkennen und zugleich die große Bedeutung der Pflege der körperlichen Entwicklung zu würdigen wissen. Sollte demnach in einzelnen Fällen eine Außerachtlassung der gezogenen Schranken sich ergeben, so wird die Direktion nach ihrer Verpflichtung (8 56 Abs. 5 der genannten Verordnung) einzuschreiten nicht verfehlen. Ebenso werden selbstverständlich'die Aufsichtsbehörden auch in Zukunft der Einhaltung der erwähnten Bestimmung ihre gewissenhafte Aufmerksamkeit schenken. — Iolly." Bruchsal, 30. Juli. Gestern brach in Schloß Kislau, und zwar in den Oekonomiegebäuden Feuer aus, das die Heuvorräth« verzehrte und bedeulenven Schaden «„richtete. Das Feuer ist durch Kinder entstanden, die sich ein Vergnügen machen wollten und das Heu in Brand steckten. k Heidelberg, 1. Aug. Nach der „Bad. LandeSztg." .soll' vr. Dreyer, Appellralh in Kolmar, zum Rath im Ober-Handels- gericht bestimmt sein. vr. Dreyer weilt gegenwärtig hier und im Kreise seiner vertrautesten Freunde ist von einer solchen Ernennung nichts bekannt. Es liegt nahe, daß derselbe kaum augenehm berührt sein dürfte, Gegenstand eines an äil uno damit begleiteter Lobeserhebungen in öffentlichen Blättern gewesen zu sein. Mannheim. 31. Juli. (Mnnh.J.) Die hiesige Lrhrerkvn- ferenz (Volksschule) beschloß in ihrer gestrigen Sitzung, von einer Wahl in den LandeS-Lehrerausschuß Umgang zu nehmen und den Konferenzen, die für einen badischen Lehrerverein stimmten, beizutreten. Sie wird daher die in Nr. 27 der badischen Schulzeimng veröffentlichten Statuten in der nächsten Sitzung berathen und einen Abgeordneten zu der am 22. August c. in Offenbürg stattfindendcn Lehrer- Versammlung ernennen. T - ubcrbischof »heim. 1. Aug. (Taub.) Gegen, wurde eine ledi« Person von hier gefänglich eingezogen, aus welcher der Verdacht des Lindsmordes laste:. Di- Kindesleiche fand man, verstümmelt, ohne Kops, in einem Gartenzaune liegen. Von der oberen Tauber, 30. Juli, schreibt man der .Tauber' über die Bereitung sogenannter Weinfarbe aus Heidelbeersaft: Welchen Umfang dieses Geschäft gewonnen hat, mag au» der Tatsache hervorgehen, daß bi« heule etwa 180 zweispännige Fuhren diese» Saftes an zwei Geschäfte abgeliefert wurden und die Zufuhr noch etwa 14 Tage währen kann. Di- Fuhre, etwa 8 Ohm, kommt mit Fuhr- lohn auf 80 fl- Ein großer Theil dieser Weinkouleur geht nach Frankreich. Baden, 3l- Juli. (Schw. M.) Seit meiner letzten Berichterstattung babe ich noch manches Schöne und Interessante zu verzeichnen, wovon ich an erster Stelle da» letzte S ai s o n ko n z er t erwähne, in welchem nicht weniger als 5 Künstler und Künstlerinnen auftraten, darunter vorzugsweise die C. Patti und Sivori. Sie hatten beide die rauschendste Aufnahme, sowie einen ungeheuren Erfolg. Auch den Andern, dem Tenor Hrn. Ferenczy, der Altistin Frln. Oppenheimer und der Pianistin Frln. Maurice wurde gebührende Anerkennung zu Lheil. — Auch eine wissenschaftlich sehr interessante Vorlesung halten wir vorstrrn; Hr. Or. Dawis, früher Professor an der Universität -u St. Petersburg, welcher diese Stellung verließ, um in Konstantino- xel die türkische Sprache zu erlernen, sich dann Livingstone anschlvß, krank geworden ihn aber verließ und seine Reise allein fortsetzte, hielt einen höchst interessanten Vortrag über seine Touren in Centralafien, namentlich Turkestan, wo er eine Zeit lang Gefangener war. — Gestern vermählte sich der Sohn des in Konstanz verstorbenen Grafen Bi«marck mit Fräulein Achenbach, Tochter des jetzigen Besitzers der Villa Turgenieff. — Die Kauflust nach Villen ist in stetem Zunehmen; so wurde die Villa Viardot durch Hrn. Bloch au» Berlin für 56,000 fl-, die Villa Barth von einem schon längst hier wohnenden Franzosen, Hrn. Hufson, zu 70,000 fl. angekaust; auch von Hamburg liegen Aufträge zum Ankäufe von Häusern und Villen nach Aufhören des Spiels vor. — Da» Gewitter von vorgestern ist auch bei uns orkanartig ausgetreten und hat in den Waldungen viele Bäume umgerissen. O Kehl, 30. Juli. Die Erkenntnisse für den angemeldeten Schaden für Flüchtling und Bergung von Fahrnissen und auswärtigen Aufenthalt sind von der Kommission zur Ernkiltlung des Kriegsschadens den Bürgermeisterämtern von Stadt und Dorf Kehl dieser Tage zur Vertheilung zugestellt worden. Wenn auch hie und da Klagen der Betheiligten laut werden, so kann man doch bestätigen, daß die Gesammtheit Derjenigen, die entschädigt werden, mit dem zuerkannten Schadenersatz sehr zufrieden ist. Großes Aussehen hat es indessen im Kreise der Betroffenen hervorgerufen, daß die nichtbadischen Keb, ler Einwohner von der Entschädigung ausgeschlossen find, und zwar auf Grund einer neuerlich höher» Orts ergangenen Verfügung. Wir glauben gern, daß man triftige Gründe zum Erlaß dieser Verfügung gehabt hat, können jedoch hier nicht unerwähnt lassen, daß dieselbe diejenigen hiesigen Nichtbadener sehr empfindlich trifft, die seit einer Reihe von Jahren hier ihre Geschäfte betreiben und zum Theil zu den bedemendsten Industriellen des Landes gehören. Wie wir hören, beabsichtigen die Betheiligten sich in dieser Angelegenheit an Großh. Staatsministerium zu wende». Konstanz, 1. Aug. (Konst. Ztg.) Der Vertrag, welcher zwischen der Ministerialkommission und den Gemeindvertretern zu Stande gekommen ist, wirb heute Nachmittag dem Gemeinderathe vorgelegt werden. Soweit der Vertrag die Zustimmung des Bürgerausschusses erfordert, wird dieselbe baldigst einzuholcn sein. — Wie wir vernehmen, ist der Bau der Kaserne für das 2. Bataillon 6. Regiments in Konstanz bereit« vom Kriegsministerium in Berlin beschlossen. — Morgen Abend bringen die hiesigen Gymnasiasten dem xenfionirren Vorstände Hrn. Professor Hoffmann einen Fackcl- zug, auf welchen ein „Kommers" folgt. — Der See, welcher in stetigem Fallen bereits den Pegelstand 6' erreicht hatte, ist seit gestern wieder auf beinahe 5' 6" gestiegen. — Wie die „Konstanz. Ztg.' berichtet, soll die Versammlung der „katholischen Volkspartei' in Weildorf ein Nachspiel erhalten. Dem Hrn. De. Hansjakob soll in jener Versammlung die Aeuße- rung entschlüpft sein, er habe einer Prämiirung von Fohlen in Offenburg beigewohnt und gehört, wie der dortige Thierarzt Bell jeweils zum Landstallmeister v. Röder gesagt habe, da» ist ein „rother", das ist ein „schwarzer" Bauer. Wegen dieser Aussage sei nuiy vr. Hansjakob der Beleidigung der Genannten angeklagt und soll der Antrag auf 6 Monate Festung lauten. Vermischte Nachrichten. ISlraßburg, 31. Juli. An Unglücksfälle n durch Ertrinken sind in und um Straßburg jeden Tag wenigstens einer oder zwei zu verzeichnen. So fand man heute früh zunächst der Schleuße 85 des Rhein-Rhone-Kanals oberhalb der Stadt die Leiche eines ertrunkenen Soldaten vom 47. prcuß. Infanterieregiment. — Angesichts de« glänzenden Erfolges der französischen Anleihe stecken hier die französisch Gesinnten die Köpfe wieder fleißiger zusammen. Man thut wohl am besten, das Räuschchen ruhig vorübergehen zu lasten und nach ein paar Wochen oder Monaten wieder nachzufiagen. — Es ist nunmehr definitiv bestimmt, daß die Grundsteinlegung zur Protestantischen Kirche in Fröschweiler, welcher der Name .Friedenskirche" beigelegt wordm, am 6. August d. I., Vormittags 10 Uhr, stallfindet. Die Feier soll eine lediglich kirchliche sein, wird aber voraussichtlich bei günstiger Witterung eine große Zahl Theilnehmer aus nah und fern herbeiziehen. Auch der Bauplan zur katholischen Kirche hat bereits die Genehmigung erhalten, so daß sich in Fröschweiler durch den gleichzeitigen Bau zweier Kirchen bald ein reges Leben entfalten wird. — Auf dem weiten Schlachtfelde von Wörth erhebt sich ein Denkmal nach dem andern. So werden am 6. August wieder zwei neue Monumente auf dem Herrenberg und bei Elsaßhausen enthüllt, die von deutschen Regimentern chren gefallenen Kameraden errichtet sind. - München, 31. Juli. (Südd. Pr.) Heute Mittag 12 Uhr mnd in der kleinen Aula der Universität dieBegrüßung der Deputationen zum Jubiläum durch dm Rektor vr. v. Döl- mger statt. L>Smm:liche deutsche Universitäten waren vertreten, außer- em hatten die bayrischen Lycecn, Gymnasien und die Studentenschaft re elendere Vertretung geschickt. Von außerdeutschen Universitären Holland, Schweden und England (durch 3- °k. Mar Müller au« Orfvrd) vertreten. Minister Luz theilte der hohen Versammlung die hochherzigen Entschlüsse mit, die Se. Maj. der König anläßlich des Jubiläum« gefaßt, worauf vr. v. Döllinger für die hohe Huld den tiefgefühltesten Dank der Universität aussprach. Bürgermeister Erhardt brachte der Universität die Grüße der Stadt, Rektor v. Döllinger lud hierauf di« Gäste ein, sich hier, wenn gleich fremd, wahrhaft als Bürger zu fühlen. Prof. vr. v. Sybel gedachte der Kämpfe, die die deutschen Universitären durchfechten muhten, und des Siege-, den sie endlich errungen, und erinnerte dann dankbar an den Aufschwung, den namentlich dre Universität München durch den edlen König Maximilian II. errungen hat. vr. v. Döllinger erwie» derte mit der herzlichen Mahnung, sich bei allen Bestrebungen nur von der Liebe zum deutschen Vaterlands und vom Strebm nach der Erkenntniß der Wahrheit bestimmen zu lassen. — Bonn, 31. Juli. (Fr. I.) Vor längerer Zeit wurde die hiesige „Deutsche ReichSztg.' vom Zuchtxolizeigericht in einem Preßprozeß zu „einem Tahler" Geldbuße verurtheilt. Das öffentliche Ministerium hat s. Z. gegen dieses Urtheil Berufung erheben, und e» fand deßhalb vorgestern eine neue Verhandlung des Prozesses statt, welche damit endete, daß der Redakteur zu 200 Thlrn., der Verleger aber zu 20 Thlrn. Geldbuße verurtheilt wurde. Die beiden Verur- theillcn werden gegen diese» Erkennmiß Einspruch erheben. — Hildeshrim, 30. Juli. Wie vor einigen Tagen Bvlan - den's „Kelle und Kreuz", so ist auch desselben Verfassers „Der neue Gott" in einer hiesigen Buchhandlung mit Beschlag belegt und der Vertrieb de» Buches untersagt. 5) Dem preußischen Finanzministerium sind Anerbietungen von Privatleuten aus dem Nassauischen zugegangen, welche beabsichtigen, den berühmten Sauerbrunnen Geilnau im Lahnthal im Amte Dietz zu erwerben. Wenn auch der genannte Ort nicht bedeutend ist, so versendet derselbe doch jährlich über 200,000 Krüge. Das Finanzministerium soll übrigens aus prinzipiellen Gründen gegen jede Veräußerung sein, durch welche diese wichtige Quelle in Privatbesitz übergehen würde. — Posen, 29. Juli. Auch in der kiesigen Garnison wurden in vergangener Woche die Soldaten des katholischen Bez kennlnisseS von den Feldwebeln kompagnieweise versammelt und befragt, ob sie Alt- oder Neukatholcken seien; die Antworten fielen, wie der „Kuryer pozn." erfährt, verschieden aus. Ein großer Theil der Mannschaften bekannte sich offen zum Altkatholizismus; Andere, größlentheils Oberschlesier, erklärten, sie glaubten Dasselbe, was der Pfarrer Kaminski in Kattowitz lehre; „doch gab es auch Viele, welche offen den Glauben an den Papst bekennen". Kalte die Kommission dafür, daß Erklärungen in öffentlicher Sitzung zwecklos geworden seien. Die Versammlung nahm hierauf den Vertagungs-Gesetzentwurf an, nach welchem die Nationalversammlung am 4. Aug. geschloffen und am 11. Nov. wieder zusammentreten wird. -s- London, 1. Aug. Das Bankhaus Raphael emit- tirt am 6. August 9proz. türkische Schatzbons im Nominalbetrag von 11,126,000 Pf. St. zu 98 'V. Die Anleihe ist in drei Serien getheilt und rückzahlbar im Juli 1876, 77 und 1878 oder convertirbar in Oproz. türkische Rente zum Kurse von 55 im Juni 1873, 74 und 1875. Die Verzinsung beginnt am 13. Juli und die Einzahlung von je 10 Pfd. St. findet bei einer Zeichnung von 30 Pfd. St. am 26. August und 26. September und 28. Oktober statt. Die Anleihe wird durch eine Spezialrevenue von 3 Millionen Pfd. St. jährlich garantirt. Der Emissionspreis reduzirt sich durch Zinsengenuß auf 97'/«, in Folge dessen der Konversionspreis der ReMe sich 53 Vr stellt. -j- London, 1. Aug. Ein Telegramm der „Times" aus Santander vom 31. Juli meldet, die Regierung beabsichtige den Cortes ein Anleiheprojekt von 80 Millionen Piaster vorzulegen, um die kubanischen Finanzen aufzubessern. Die kubanische Finanzverwaltung würde nach demselben zu zwei Emissionen 8prozentiger Schatzanwei- snngen sl pari ermächtigt. 7 London, 2. Aug. DieEdinburger Universität verlieh Döllinger den Doktorgrad. — Ein Telegramm aus Havanna meldet, daß Salvadorianische Truppen Omoa (Honduras) besetzt haben. Man fürchtet Plünderung. Der französische und englische Konsul lassen Kriegsschiffe kommen, um ihre Landsleute zu schützen. " Wien, 1. Aug. Bei her heule stattgefnndenen Serienzichung der 1860r Loose wurden nachfolgende Serien gezogen: 42 329 588 1002 1140 1230 1418 1433 2080 2350 2640 3250 3508 3969 4257 4459 4463 4596 4915 5022 5043 5553 5751 5878 6315 6430 6470 6520 6678 6735 7377 7421 7437 7450 8049 8247 8422 8733 8812 8940 10108 10111 10154 10318 10624 10662 10971 11187 11235 11925 12524 12544 13298 13528 13879 14162 14181 14464 14592 14803 15495 15788 15842 16367 16745 16955 17646 17653 18170 18830 18942 19175 19681 19787 19988. Nachschrift. l) Berlin, 1. Aug. Aus zuverlässiger Quelle erfahren wir, daß der Kaiser Alexander mit dem Großfürsten- Thronfolger und zwei anderen Großfürsten und größtem Gefolge Berlin im September besuchen wird; Kaiser Wilhelm hat bereits vorgestern den österreichischen Kaiser durch ein Handschreiben von den Absichten des Czaren in Kenntniß gesetzt und wird wohl spätestens morgen die Antwort des Kaisers Franz Josef erhalten. j-j- Breslau, 1. Aug. In Folge der Einführung des neuen Polizeireglements hat heute ein allgemeiner Strike der hiesigen Droschkenbesitzer begonnen. j- München, 1. Aug. Bei dem heutigen Universi- tätsfestmahl, welchem auch Prinz Ludwig, Herzog Karl Theodor und sämmtliche Minister beiwohnten, brachte Rektor v. Döllinger den ersten Toast auf den Köniz von Bayern und das köni gliche Haus aus, welcher mit Jubel ausgenommen wurde. Hierauf sprach Kultusminister v. Lutz: „Der Vorredner hat ein Hoch vorgeschlagen, das lauten Widerhall fand, zumal in den Herzen der Bayern. Noch einmal werfe ich den Blick zurück nach dem Gefeierten. Nicht um das Gehörte weiter anszuführen und mehr seines Lobes zu bringen — nein! — um von Ihm, wie von einem leuchtenden Vorbild zu loben, was uns ziemt. Vor kurzer Frist waren Deutschlands Grenzen vom Erbfeinde bedroht. Er hat unverweilt die Sohne seines Landes entsendet, um mitzukämpfen und mitzusiegen. Das in ernster Noth geschlossene Bündniß der deutschen Völker konnte unmöglich nach Hebung der Gefahr wieder aufgelöst werden. Er hat als der ersten Einer die entschiedensten Schritte gethan, dem Bündnisse bleibende Gestaltung und die Vorbedingungen der Dauer zu geben. Er hat sein Volk gelehrt, daß der Deutsche, weß Landes Kind er auch sei, ein zweites, großes und mächtiges Vaterland hat, das Allen dieses Namens gemeinsam ist. Er hat durch sein Beispiel gezeigt, daß wir dieses gemeinsame Vaterland lieben dürfen und sollen, mit Wort und That. Und wie? Wir lieben unser herrliches Deutschland, Fürst wie Volk, mit der ganzen Kraft unserer Seele. Wir freuen uns, daß Das, was seit dem Verfall der alten Kaiserherrlichkeit von Geschlecht zu Geschlecht ersehnt worden, nun in prächtiger Vollendung vor uns steht. Die des deutschen Volkes tiefste Erniedrigung erlebt, die den Donner der Leipziger Völkerschlacht gehört, die später unter Mühen und Leiden für Deutschlands politische Entwicklung gestritten, die Jünglinge namentlich an den Hochschulen, die nachmals unsere Väter geworden, — Alle haben gehofft und gerungen, um die Erfüllung zu schauen. Aber wir, wir, das glückliche lebende Geschlecht, wir haben es errungen und gewonnen, ein einiges Peutschland. Unsere Liebe zum gemeinsamen Vaterland, unsere Freude und Hoffnung, sie mögen ausströmen in dem Rufe: Hoch Deutschland! Hoch Deutschlands sieg- und ruhlyge- krönter Kaiser! Hoch das Deutsche Reich!" j- Straßburg, 1. Aug. Zum Rektor der hiesigen Universität wurde de Vary, Professor der Botanik, gewählt. j- Versailles, 1. Aug. Nationalversammlung. Der Bericht St. Marc-Girardins konstatirt, daß die Erklärungen von Lhiers für die Konsecvativen befriedigend lauteten. Thiers habe erklärt, cs sei sein Wille, das ihm anvertraute Gut der Republik unversehrt zu erhalten, indem er ausdrücklich die Zukunft und die konftituirende Gewalt der Nationalversammlung Vorbehalte. Indem der Pakt von Bordeaux aufs genaueste aufrecht erhalten bleibe, Frankfurter Kursierte! von 2 August. Etaatspapiere. Deutschland 5'^Bundesoblig. 100 V „ SVa Schatzscheine - Preußen 4-//V Obligation. 103-/, Baden 5Vn Obligationen 103'. - 4'/-°/° . 99-/2 » 4V, 93V- SV-VKMg.v.1842 88-/, Bayern 5°//, Obligationen IM-/, „ 4-/„°V i. 100-/, , 4-7 . 95 Württemberg5'VoObligation. 103V, 4V-V- - 99'/, 4"p . 93b/, Rerrau Obliga-io.ien 99V. . -IV, . 92V. Sachsen 5°/o Obl. 105 S.-GochadVb . — Gr. Hessen 5«/g Obligation 101'/, „ 4°/g „ 98 Oesierreich d'Vo Silbrrrcme Zins 4-/// 65V Oesterreich 4"/g Papierrent: Zins 4'/?/, 60'/« Lmnn- 4V« Ob!, i. Fcs. L 28 kr. — bürg 4°/odto.i.Thlr.s105K.S1-/z Rußland SVg Oblig. v. 1870 ^ s 12. 90-/. 5Vo dto. v. 1871 90 Belgien 4-/?/° Obligauon. 100-/« Schweden 4-/,Vo dto i. Thlr. 96-/. ichwch 4-//, Eid. Oblig. 101 . r^?VBe:n.Stt«sbr 100V« N.»Amerika 6 V Bonds 18Wr von 1862 W-/» dto. 1885r ion1?65 96V« 5E, st». 1S04r 3Hg Spanische Volle lranz. Ren: Leere v. 18S4 94-/« 29 85 S9V. Aktie« imd NxV'Viiaken. Badische Bon? . . 115 Franks. BankL 500 fl. 3°/« 141 , Bankverein »Thlr. 100, Emz. Deutsche Vereinsbank 40 V« Darmstädter Bank Oest. Nationalbank Oesterr. Ccedit-Aktien Stuttgarter Bank'Akncn 4-/r°/°bavrLstb.s200fl. 4V-VovfLlz.Maibhn.S00k. 4V,Ludwigsh.-Berb.50vfl. 4VoHeff.Ludwigsbahn 3-:,°V.Oberhefi.Eisnb.350fl. 5Vllöflr.Frz.Staa:«b.i.Fr. dVo „ Süd.Lrnb.-St.-E.'A. 5°/g , Nordwestb.-Aii.Fr. 5"/gElisab.-Eisnb.L200si. O'VzGaliz. Earl-Ludwigsb. 5V.Rud.EisnbL.EL00st. 5°/sBSHm.Westb.-A. 200fl. 5V,Frz.Jos.Eisnb.steuerfr. 5°/,Alföld-Kium.Wnb. V- 145-/. 136V, 486 898 355'/, 118V. 138-/, 199-/q 82 351V. 218V. 232V» 264-/. 257'/. 192V« 266-/- 232 182-/. 84- /- 85- /« 84-/, 94 93'/« 92 5°/gS-ff.Ludwigsb.Pr.i.Thlr 102-/, Vorarlberger 91 5V,Böhm. Westb.-Pr. i. Silb. 5V«Esisab.B.-Pr.i.C r E«. 5V, dto. „ r. s». 5Ve dw. steuerft. neue , 5"/- „ (Nurmarkt-Ried) bVo Frz.-Jos.-Prisr. steuersr. a°/Mrnpr.R»d Br. v. 67/68 89-/« 5VoKronpr.RudolsPr.v.1869 39 SVgöstr.Nordwcstb.-Pr. i. S. 91-/, 5VgUng.Ostb.-Pr. i. S. 74 V. 5V« Ungar. NsrdoSb.-Prwr. 81 V« 3Vo östr.Süd.-Lcmb.-Pr. i.FcS. 5IV« ° ' - . . 86V« 3V,östr.Staalsb.-Vrior. . — 3°,,Livvrnes.Pr., i-u. 0 , vew/r 39V« 5V- rreuß. Bodenkredit-Eenira:» Pfandbriefe ?Vo New-Vor?-Ci::- 3 I" der Uot-':;:'ch'eie:: «- ich-ei> : Touristenkarre des unteren badischen u württewber- gischen Schwarzwaldes. Maßstab 1:100,000. Preis Ist., in Etui auf Leinen 1 fl. 30 kr. Die Karte umfaßt die Gegend von Bruchsal bis Achein und zu den Renrbbidern einerseits, und Lauterburg bis Pforzbcim und Wildbad-Calw anderseits. Durch ihren Maßstab von 1:100,000, genau nach den Karten des G'otzb. Topsgrapb. BureauS angefertigt, empfiehlt sic sich hauptsächlich zum Gebrauch bei Tsurrn in den unteren Schwarzwaid Karlsruhe. G. Braun ictie Hofbuchhandlg M.M3. F n r wangen. Aufruf. M806 § ! u t i q a c i. M.805. Karleruhe. Kellnerstelle-Gesuch. Ein gewandter Kellner, dem sehr gute Zeugnisse zur Seite stehen, sucht eine Stelle. Eintritt sogleich. Näheres Gasthof zur Sonnet. 6.K. >1.787. In unserem Verlasse ist erschienen uncl in ror- rttdix in vn irnrll I^c1nrt-3kputl>elcen, Ülspvnstr- iiirtt Mlmvrslvmsuvr ^ssckslt«», - unä 2nm Kedrsueh für Vleäirloslbeamte, gerrte, /zpotdeker uns Kewerdlreidencke. 48^/, Kögen, gr. 8. Kedeftet 4 li. 57 kr. berlio, luU 1872. LSniglieds Kedsiws Dder-Sokdaedsrllcksrsi ist. v Ssoksr). M.799. In der Herder'schea Verlagshandlung in Freiburg iß so eben erschienen und durch aüe Buchhandlungen zu beziehe«: Karte der Landschaft Freiburg im Breisgau, 6 Stunden im Umkreis- Neustieh von 1872, mit Angabe der Höhen in Metern. Maßstab 1:100000. Größe: 44 auf 52 Centimeter. Preis Unaufgezogen: 48 kr.; auf Leinwand gezogen: 1 fl. 18 kr. K.367. 5. IsIlßlO. Wöchentlich zweimal Pafiagier- und Post-Beförderung von: via laivolstool naeti Mit den vorrüglichen Damptein obiger Lm e: 8l«skr»sl»«, Ooloruck«, Mvvsck«, «baut 1866, 1867, 1867. 1868. 1669, deiltlio, HP^vmilnx, dd>8cvl,8ln, Mont»»«, »»Koda, erbaut 1869, . 1870, . 1870, . 1871, . 1871. Diese Dampfichiffe baden, da Sämmtliche in een letzten Jahren erbaut wurden, den Bortheil, daß sie aus die neueste Art construirt und a, f das B-q iemste eingerichtet find, was von allen Reisenden lobend erwähnt wirk. Nähere Auskunft erlheilt die Di ec ien OuLon L Ois., Antwerpen, und die General-Agentur von Mich. Wirfching m Mannheim. M.760.2. Bern. Der Gewerbeverein zu Furtwangen (bad. Schwarzwald) veranstaltet bei Gelegenheit des „200Mrigkll Zubilaams drr Schwaywälder Nhrrnmdllkrie" zum Besten oer Erbauung einer: ..Schwarzwalder Gewerbehalle iu Furtwangen" eine Verloosung von Schwarzwälder Judustriegegenständen, bestehend in: Elegantesten Salonuhren, PenduleS, Jäher«-, Monat-, 8 Tag- und gewöhnlichen Regulatoren, Trompeter-, Kukuk- und Wachteluhren, Spielwerken, Reiseuhren, goldmen und silbernen Ankeruhren rc. im Gesammtwerthe von: ca 12,«vv Gulden. (Hauptgewinn ein Orchestriou.) Wir laden hiedurch alle Freunde und Gönner unserer Schwarzwäld« Industrie freundlichst ein, durch recht zahlreiche Betheiligung uns behülflich zu sein, hier eine Stätte der Kunst erbauen zu können, worin ein Theil unserer nationalen Kunstindustrie immer neue Anregung und eine gedeihliche Entwicklung und Fortbildung finden wird. Die Lotterie besteht aus 40,000 Loosen, das Loos ö 35 kr. (10 Sgr.). Bei Abnahme größerer Parthien (resp. Wiederverkäusern) gewähren wir auf je 10 Loose 1 Freiloos. Die Ziehung erfolgt unter Aufsicht und Leitung eines Großh. Kommissärs in Furtwangen. — Das Resultat der Ziehung wird unmittelbar nach derselben entsprechend veröffentlicht, die Ziehungsliste in Druck gelegt und allenthalben verbreitet werden. Loose sind zu beziehen durch das Verwaltungsrathsmitglied Herrn Adolph Hummel in Furtwangen, ferner in Karlsruhe: durch die 8. vranu'sche Hosbuch- handlung und die W. Ereuzbaurr'sche Buch- und Kunsthandlung. Der Vorstand des Gewerbevereins zu Furtwangen Allen Kranken Kraft und Gesundheit ohne Med rein und ohne Kosten. „kevaleEl'e v» kari^ von Izvnävu." Die deükaie Heilnabrang Revsleseiere lin, 178 Friedrichsstratze, und in ollen Städten bei guten Apothekern, D oguen-, Spree,«- und Diiicatesftnhändftin. Baden-Baden: F. H. Schlund Earlsruhe: Tb. Brugier, Louis Dörle, Hoflieferant. Tonaueschingeu : Franz Gerst Freiburgi.Baden : Emil Notzinger. Offeuburg i Bade» : Freu;Timm!er. Pforzheim: Wm. Salzer. Rastatt: A. Fischer. Waldshut: G-dr. Philipp. M.255. 1. /ür Auswanderer. Stellen-Äusschreibung. Ingenieurs, Geometer und Zeichner finden Anstellung bei den definiiiven .Vorarbeiten der Bern-Luzern-Bahn durch'S Entlebuch. Offerten nebst Ausweis über Befähigung und bisherige Leistungen sind ein- zusmden an den Oberingenieur der Berr.-Luz-rn-Bahn, Scha»plotzgaffe Nr. 233, Bern. _(N 689 V) M.793. St. Gallen und Karlsruhe. Schweizerische Feuer - stcherung s-Gesellschaft in St G allen. Vollständig begebenes Grundkapital: 10 Millionen Franken. Wir beehre» uns hiermit zur öffentlichen Ken«tniß zu bnngen. daß, nachdem Herr G. Lederke in Mannheim die General Agentur unsetec Gesellschaft aus Ursache der Ueberhäufung mit anderweitigen Geschäften niedergeleg: hat, wir von heute an den Herrn Lv »van in llLarLsruI»« mit der Fortführung unserer General-Agentur für das Großherzogtbum Baden betraut und denselben ermächtigt haben, im Namen und für Rechnung nnicier Gesell fchaft Versicherungen g-gen Feuer sch od-n , Blitzschlag, Ga« - und Dampferolofion ob- zuschließen. St. Galle«, den 31. Juli 1873. „Helvetia", Schweizerische Feuer-Verficherungs-VeseUschast. C. Baerlocher Jacob Großwann Unter Bezugnahme auf vorstehende Bekanntmachung «lande ich mir obige Gesellschaft zum Abschlüsse von Feuervcrsichttungen aller Art' zu den günstigsten Bedingungen und Prämien bestens zu empfehlen. ' Der ergebenst Unterzeichnete, sowie die Special-Agenten der Gesellschaft sind jederzeit bereit, die gewünschten Aufschlüffe zu ertheilen. unentgeltlich die Antragsformulare abzugeben, und für Aufnahme der Versicheiungen, AuSftrtigung der Policen und Erfüllung der gesetzlichen Vorschriften besorgt zu sein. Karlsruhe, den 31. Juli 1872. Der Generat-Ägeut: vsrL Le veai» Nach Nord- und Süd-Amerika und anderen überseeischen Ländern befördert die Unterzeichnete, seit 1852 concessionirte, Hauptagentur über alle bekannten Seehäfen mit Dampf- und Segelschiffen Auswanderer und Reisende zu den billigsten Preisen. Die Vezirksagenten. Mich. Wirfching in Mannheim. C. Schmit, Kommissionär, Karlsruhe. C. F. Hofheinz in Spöck M.756. 2. Mannheim. Ruhr. Grubenkühlen für Maschinen-, Kessel- und Herdfeuerung empfieblt ins arima Qualität Mannheim. HVLIIllvIl»» «RlLIllK. M.783.2. Mannheim. Gakhofs- Empfehlung. Ich «laude mir, die Anzeige zu machen, daß ich den FottbetOeb meine« Gasthofes zum Pfälzer Hof hier Miin-n beioen Söynen Fra«z und Robert unter der Firma Freytag Söhne überg den habe Bitte das mir bisher geschenkte Zutrauen auf dieselben übertragen zu wollen. Mannheim, den 1. August 1872. KecliLh Keeytcltz zum pfälzrr Hof. Köchin-Gesuch. Auf «in Gut in der Nähe von Aschaffenburg wird bis Mitte September sür di, herrschaftliche Küche eine perftkte Köchin gesucht die auch da« Einwachen gut versteht. Dieselbe uiuß schon einen größeren herrschaftlichen Haushalt geführt haben u„» gute Zeugniff« anfweisen können. Hüter Lohn wird zugcflcher:. Gesuche mit Zeug, niffen find zu richten an 8. Beihwrnger, _ Königskraße 4 8 K»*»«. Sselkavtt»«r«sN«ttzL«--,. M.792. Karlsruhe. Bekanntmachung. Am 6. «agnst er., Varmittags s Uhr, sollen aus dem Hose des hiesigen Postgedän- deS einige a>te Meubel öffentlich meistbietend gegen Baarzahiung verßeig-rt werden. Karlsruhe, dm 31. Juli 1872. Der Kaiserliche Ober-Poßdirektor. _ Vabl. _ M 797. 1. Karlsruhe. Versteigerung. Die Unterzeichnete Stelle bringt am l4. August d. I», Morgens 8 Uhr anfangmd, ansrangirlr Fahrzeuge, GewiL e vo» Eisen und Messivg, Lazareth-Utensilwii, alS: Drillichjacken, Unteihosen, Nachleimer mit Gestellen, Bellpfannen, blecherne PortisnS» schusseln, kupferne Kessel, ««schieden? sonstige Kächen-Einrichtungen, Tra«,bahren» Räderdahrm, Gabeln, Messer. Löffel u.s.w. zur öffentlichen Versteigerung Karlsruhe, den 1. August 1872. Kön gliche« Train-Depot Nr '4. "M.802. Ria st alt. ' Haus- unv Bierbrauerei- Versteigerung in Rastatt. Die zur B rlaffen- schastSmasse -es verstorbenen Johann Kolb, Bürger und Bierbrauer von hi«, gehörigen Liegenschaften, nämlich: 1. Ein zweistöckige« Wohnhaus, daranstoßende Bierbrauerei, abgesonderte Scheuer, Stallung und Küferwerk- Aätie; 54 Ruthen Hofraithe und 50,6 Ruthen Garten Hau« Nr. 196 in der Engelstraße, neben Anton Frank und Anton Kolb Wittwe, vorn Engelstraße, hinten Slenien- gaffe; einschließlich der Gesammt« Bierbrauerei- nnd WirthschaftS- Eiurichtnng. 2. Eine Sommerwirthschaft mit Bierhalle, Faßremise, Gartenhaus, Lagerbier- und Eiskeller nebst 68 Ruthen Hofraithe und 74 Ruthen Garten Haus Nr. 111 in der Engelstraße, neben Eduard Thibaut und der Gaffe, vorn Engelstraße, hinten Weg, eiu- fchlirßlich der dazu gehörigeu Lager- bierfäfser, 40 Stück, im Durch» schuitt 6 Oh« haltrud, werden am Montag den 26. August d. I., Nachmittags 3 Uhr, auf dem Rathhause dahier der Untheil- barkeit wegen, nochmals öffentlich zu Eigenthum versteigert, wozu die Liebhaber ein- geladen werden. Hievon erhalten zugleich etwaige unbekannte Vorzugs- und Unter- pfandsglärrbiger auf diesem Wege Nachricht. Rastatt, den 1. August 1872. Das Waiscngcricht. de Haan. vstt. Wilde mann, Ratbschreiber. M.801.1. Nr. 1578. T r i b e r g. Badischer Schwarz- wald-Bahuba«. Nachsolaende Arbeiten vergeben wir im Wege schriftlichen Angebots: 1. DieNbgrabungvon^ ca. 15 000 Kbmet. Erde und steinigen Boden, nebstTran« Port desselben in das Skationsplanum St. Georgen, veranschlagt zu . . 6811 fl. 38 kr. 2. Die Au'mauerurig eines Theils de« 1. SeelenweldtunnelS. Gemarkung Grem- melsbach, wozu die Großh. Bauver- waliung die Bausteine lief«!, mit Ausführung von Mineurarbeiten, veranschlagt für 118 lsd. Meter zu . . 22.478 fl. — kr. Bewerber um diese Arbeiten ladm wir ein, ihre Angebote längstens bis Donnerstag Le« 8. Angust» Vormittags II Uhr, portofrei, versiegelt und mit entsprechender Aufschrift versehen, nach Prozenten des Voranschlages gestellt, bei uns einzureichen, bis wohin daselb't auch letztere, sowie Be- dingnißhefle und Plane zur Einsicht auf- liegm. D« Inspektion unbekannte Bewerber haben sich durch Zeugnisse üb« Leistungsund Gewährfähigkeit auszuweisen. Triberg, den 30. Juli 1872. Großh. bad. Eisenbahnbau-Jnspektion. _ Grab enbArf e r. (Mit ein« Beilage.) Druck und Berlog drr 8 . Braun'sche« Hofbuchdruckerei