Karlsruher Zeitung Dienstag, L. Februar. M 2S. Vorausbezahlung: vierteljährlich 2 fl.; durch die Post im Gebiete der deutschen Postverwaltung, Briefträgergebühr eingeschloffen, 2 fl. 7 kr. Einrückungsgebühr: die gespaltene Petitzeile oder deren Raum 6 kr. Briefe und Gelder frei. Expedition: Karl-Friedrichs-Straße Rr. 14, woselbst auch die Anzeigen in Empfang genommen werden. " . > 1873 Amtlicher Weil. Beine Majestät der Kaiser und König haben mittelst Allerhöchster Kabinets-Ordre vom 23. v. MtS. Folgendes Allergnädigst zu bestimmen geruht: Vom Badischen Fuß-Artillerie-Bataillon Nr. 14 wird den Se- condelieutenants Zeroni und Fecht der Abschied mit der gesetzlichen Pension und ausnahmsweise mit der Erlaubniß zum Tragen der Armee.-Uniform mit den für Verabschiedete vorgeschriebenen Abzeichen bewilligt. Uicht-Umtlicher Weil. Telegramme. j- Berlin, 2. Febr. Die Eisenbahn-Kommission des Abgeordnetenhauses genehmigte einstimmig die Erbauung der Mosclbahn Oberlahnsteiu-Trier bis zur Reichsgrenze bei Sierck und den hierfür geforderten Kostenbetrag von 20,750,000 Thalern, wobei in Folge der von den Städten Wittlich, Bernkastel und Trarbach eingereichten Petitionen empfohlen wird, die Staatsregierung aufzufordern, Stichbahnen nach den genannten Orten auszu- führen. Noch wurde ein Antrag eingebracht, welcher auf die Befriedigung der Eisenbahn-Ansprüche der Oftprovinzen abzielt. -j- London, 2. Febr. „Reuters Office" meldet: Der italienische Gesandte in Athen hat die Beziehungen zu dem griechischen Minister des Aeußern wegen unpassend erachteter Stellen in einem Briefe des Letzteren über die Laurion-Arrgelegenheit abgebrochen. Deutschland. * Um zu zeigen, in welchem grundsätzlich maßgebenden Lerhältnitz die deutschen Bischöfe zu dem Papste stehen, theilt die „Allg. Ztg." den Wortlaut des Eides nach dem römischen Pontifikate mit, den dieselben dem Papst geschworen haben. Derselbe lautet: , Ich N., Erwählter der Kirche zu ..., «erde von Stund an in Ankunft treu und gehorsam sein dem heil. Apostel Petrus und der heil, römischen Kirche und unscrm Herrn, dem Hrn. Papst N. und seinen kanonisch eintretenden Nachfolgern. Ich werde nicht durch Rathschlag oder Zustimmung oder That dazu helfen, daß sie d»S Leben oder ein Glied verlieren oder in böswillige Gefangenschaft gerathen. oder daß auf irgend eine Weise gewaltsam Hand an sie gelegt werde oder Unbilden ihnen zugefügt werden, unter was immer für einem Borwand. Ein Vorhaben, das sie mir persönlich oder durch ihre Gesandten oder Schreiben anvertrauen sollten, werde ich zu ihrem Nach- Iheil wissentlich Niemandem offenbare«. Ich werde ihnen dazu Helsen, das römische Papßthum und die weltliche Macht des heil. Petrus zu behalten und, unbeschadet meines Standes, zu verlheidigen gegen Jedermann. Einen Gesandten des apostol. Stuhles werde ich bei seinem Komme» und Gehen ehrenvoll behandeln und in feinen Bedürfnissen unterstützen. Ich werde besorgt sein, die Rechte, die Ehren, Privilegien und die Macht der heil, römischen Kirche, unseres Hrn. Papstes und seiner Nachfolger zu bewahren, zu vertheidigen, zu vermehren und zu steigern. Und ich werde nicht aus Rath oder That oder Vertrag mich rinlafsm, wodurch gegen selbigen unfern Herrn und selbige römische Kirche irgend etwas Nachtheiliges oder VorgreiflicheS an Personen oder an deren Recht, Ehre, Stand unb Macht in- Werk gesetzt werde. Und wenn ich erfahren sollte, daß dergleichen von irgend wem unternommen oder ausgeführt wird, so werde ich Das nach Kräften verhindern und, so schnell ich kann, demselben meinem Herrn oder einem Andern mittheilen, durch welchen es zu seiner Kennmiß gelangen kann. Die Vorschriften der hl. Väter, die apostol. Dekrete, Bestimmungen oder Anordnungen, Vorbehalte, Verleihungen und Befehle werde ich aus allen Kräften beobachten und von Andern beobachten lassen. Die Häretiker, Schismatiker und demselben meinem Herrn und seinen Nachfolger« Widerspenstigen werde ich nach Kräften verfolgen und bekämpfen. Zum Konzil berufen, werde ich kommen, wenn ich nicht durch eine gesetzliche Abhaltung verhindert bin. Die Schwellen der Apostel (zu Rom) werde ich selbst persönlich alle drei Jahre besuchen und unser« Herrn und seinen Nachfolgern Rechenschaft ablegen von meinem ganzen Hirtcnamt und von Allem, was sich auf den Zustand meiner Kirche, aus die Zucht von Klerus und Volk, kurz auf da- Heil der mir anvertrauten Seelen irgendwie bezieht, und werde hinwiederum die apostol. Befehle demüthig in Empfang und mit höchster Sorgfalt vollbringen. (Run folgen einige Worte über die Absendung eines Bevollmächtigten im Verhinderungsfall«, dann der sehr merkwürdige Schluß:) Die zu meinem (bischöflichen) Tisch gehörigen Befitzthümer (Immobilien) werde ich, ohne Genehmigung des Papstes zu Rom, nicht verkaufen, noch verschenken, noch verpfänden, noch neuerdings zu Lehe» geben oder irgendwie veräußern, auch wenn das Kapiicl meiner Kirche einverstanden wäre. Und wenn ich mich zu irgend welcher Veräußerung verleiten lassen sollte, will ich in die in einer diesfälligen Bestimmung verhängten Strafen ohne Weiteres verfallen. Man steht: Für Deutschland, die deutschen Staaten, die deutschen Staatsgesetze hat der Bischofseid keinen Raum. Alles reduzirt sich auf absolut selbstlose Treue, Gehorsam und Loyalität gegen den Papst unter allen und jeden Umständen. Die Konsequenzen liegen auf der Hand. » — Straßburg, 1. Febr. Gestern Nachmittag entgingen die Herren Bezirksprasident v. Ern st Hausen und Kreisdirektor Hasse einer großen Gefahr. Sie fuhren zusammen in einem Wagen über den Broglieplatz, als dieser ihr Wagen an ein anderes Fuhrwerk stieß und die Pferde zum Durchgehen brachte. Der Kreisdirektor sprang unverletzt aus dem Wagen, der dann gleich darauf umstürzte, wobei Präsident v. Ernsthausen herausgeschleudert unt> durch eine Quetschung an der Schulter, zum Glücke nur leicht, verwundet wurde. — Seit Mitte dieser Woche hat sich auch hier eine empfindliche Kälte eingestellt, die ganz entschieden Schnee in Aussicht stellte; derselbe ist denn auch heute, am Lichtmeßtage, jedoch in geringem Maße eingetroffen. ? Straßburg, 2. Febr. Gestern Abend fand bei Sr. Excell. dem Hrn. Oberprästdenten von Elsaß-Lothringen ein Ball statt, zu welchem etwa 150 Gäste aus den höchsten Gesellschaftskreisen der Stadt geladen waren. Dem Vernehmen nach werden sich ähnliche Einladungen noch zweimal wiederholen. Das von Hrn. v. Möller bewohnte Palais am Kleberstaden zunächst dem Central- Bahnhofe bietet, wenn auch nicht sehr große, so doch sehr elegante, dem hohen Range des Bewohners entsprechend ausgestattete Räumlichkeiten. Hr. v. Möller ist bekanntlich unverhcirathet. — Go eben wurde das erste „Adreßbuch der Stadt Straßburg" ausgegeben. Zu französischen Zeiten kannte man dergleichen nicht. Wenn es auch nicht an Klagen über die Mängel dieses Adreßbuches fehlen wird, so erklären sich diese Mängel zum Theil aus den Verhältnissen. Wenigstens ist jetzt einmal der Anfang gemacht; die nächsten Auflagen werden schon besser werden. — Die Vogesenklub-Sektion Straßburg erfreute sich gestern Abend im Akademiegebäudc an dem geistvollen Vortrage des Professors Schi mp er über die geologischen und geognostischen Verhältnisse der Vogesen. Die Mittheilungen des berühmten Geognosten dehnten sich von der landschaftlichen wie geologischen Beschreibung dieses Gebirgszuges zu einem großartigen Gemälde der Erdrevolutionen mit ihrem untergegangenen Thier- und Pflanzenleben aus, in deren Folge das ganze jetzige. Rheinbecken mit den weiteren Umgebungen beider Ufer seine gegenwärtige Gestalt erhielt. Mit größter Spannung folgten die Zuhörer den Ausführungen des greisen Gelehrten, die derselbe mir bildlichen wie mineralogischen Darlegungen unterstützte. O Stuttgart, 2. Febr. In der gestrigen Sitzung der Kammer der Abgeordneten wurde der Gesetzentwurf über die Herabsetzung des Alters der Volljährigkeit von 23 auf 21 Jahre im Prinzip angenommen. Nur wurde auf Antrag des ritterschaftt. Abgeordneten Frhrn. v. Ow ein mit 49 gegen 27 Stimmen votirter Zusatzautrag an d« Kommission zur weiteren Berichterstattung verwiesen, der dahin geht, für diejenigen Standesherren eine Ausnahme zu statuiren, welche vermöge Erbrechts in der Kammer der Standesberren sitzen. Diese sollen erst mit dem 23. Lebensjahre das Recht der Standschaft in der Kammer ausüben dürfen. Uebrigens erhob sich eine ziemlich heftige Opposition gegen dieses Gesetz. — In Eisenbahn- Sachen wurde folgende Bitte beschlossen: „Das Retour- billet-System mit ermäßigten Preisen nach Zulassung der sonstigen Eisenbahn-Erträgnisse auch auf kürzere Entfernungen mehr und mehr auSzudehnen." Angenommen mit 46 gegen 35 Stimmen. Der Landtag naht nun seinem Ende; die nächste Sitzung ist erst Donnerstag; doch sollen noch vier kleinere Gesetzentwürfe zur Erledigung einkommen: 1) über Retablissementsgelder, 2) Einlösung der kproz. Staatsobligationen, 3) Verbesserung der Pensionen und 4) über Gerichtsschöffen. Nürnberg, 1. Febr. (Frkf. Z.) Der Schwurgerichtshof zu Augsburg verurtheilte den kathol. Pfarrer Bader von Kleinkötz wegen Preßvergehcn zu einmonatlicher Gefängniß- strafe. x Darmstadt, 2. Febr. Morgen kommt vor dem Kassationshof die vielbesprochene Anklagesache der HH. v. Dal- wigk und Frank gegen vr. H. Blum in Leipzig zur (Schluß?-) Verhandlung. — Unser Kriegsministerium ist nun definitiv aufgelöst Md die noch nicht abgewickelten Geschäfte sind gestern einer besonder«. Kommission übertragen worden. — UnsereFinanzzustände sind die günstigsten; das Budget beziffert die Einnahmen auf rund 10,900,000 fl., die Ausgaben auf 10,288,000 fl. Eine Staatsschuld haben wir nicht mehr. LH Homburg, 1. Febr. Der Gemeindevorstand hat in seiner jüngsten Sitzung (am 30. v. M.) den Vertrag mit der k. Staatsbehörde wegen Ankaufs der mit Ende 1872 dem Fiskus zugefallenen Kurgebäude, .Heilquellen und Anlagen für 80,000 Thlr., ferner wegen Uebcrnahme der Verpflichtung, die von dem Fiskus der Kurhaus-Gesellschaft -ik KM,str. (Fortsetzung aus Nr. 2Z.) Der Inspektor schlug hieraus den Weg nach Fairly eiu, um den von dort zurückkehrende« allen Isaak zu treffen, und thellte ihm sogleich mit, weßhalb er ihn ausgesucht habe. Der arme Mann machte keine Einwendungen und fügte sich den Ansichten des Inspektors. „Sie können solche Dinge bester beurtheilen als ich,' sagte er, »und ich will deßhalb glauben, daß Martha sich wirklich so weit vergessen hat, zu dem Fremden in den Wage« zu steige«. Sir muß jetzt schwer dafür büßen I' »Mer Sie müsse« auch von Ihrem Neffen besser denken, Mr. Walter,' fuhr Elfterer fort, .denn ich habe Grund, ihn für einen ehrlichen und gescheidten jungen Mann zu halten.' .Ich will es thun', erwiederte Isaak mit matter Stimme. »Und ich glaube, »«geachtet dieser fatalen Angelegenheit möchte rr sich gern um die Hand Ihrer Tochter bewerben, die ihm auch nicht abgeneigt ist, wie e« scheint,' fügte der Inspektor hiuzu und erzählte dann dem Altm Alles in Betreff der Uhr und weßhalb Martha sich geweigert Halle, zu sagen, auf welche Weise sie dieselbe erlangt habe. .Wie Gott will!' seufzte Isaak. »Ich darf mich nicht mehr eine« guten und ehrlichen Namens rühmen.' „Oh, allerdings dürfen Sie das, aller Freund, und ich werde dafür sorgen, daß obm, beim Hauptpostamt, Alle« in da« richtige Licht gestellt werde.' »Dank, vielen Dank! ES wäre mir natürlich sehr lieb, wenn ich «ach zwanzig Dienstjahren bei meinen Vorgesetzten gut angeschrieden bleiben könnte', versetzte Isaak, in besten Auge» das Hauptpostamt in London von größerer Bedeutung war, als ganz England. Isaak und sein Neffe schüttelten sich die Hände, und Martha lag so lange in den Armen ihre« Vater«, daß der Inspektor endlich die Geduld verlor. > .Ich werde Sie jetzt verlassen und Ihren Neffen mit mir nehmen,' § sagte er zu« alten Walter. »Kommen Sie, Vetter Tom!' Schnell Abschied nehmend, folgte ihm Tom auf die Straße und schritt eine Zeit lang neben ihm hin, bi« er plötzlich stehen blieb und rief: „Ich glaube, ich habe e«, Herr Inspektor!' Ec theilte dem Letzteren mit, was er gefunden zu haben glaubte, und dieser erachtete die Mittheilung für so wichtig, daß er sich entschloß, sogleich nach London zu reisen, um etwaige unrichtige Maßregeln gegen Martha zu verhindern, und Trm mit besonder» Instruktionen nach Molsby sandte. Worin dieselben bestanden, wird sich später zeigen. Tom mußte dort jedoch länger verweilen, als erwartet worden, weil der Inspektor in London durch Krankheit zurückgehalten wurde, so daß da« schon vorbereitete Verfahren zur Enthüllung de« Diebes erst in der Mitte de« Monats Dezember ins Werk gesetzt werden konnte. W»S Tom auf die richtige Spur geleitet hatte, waren Mittheilungen gewesen, die er in seiner letzten Unterhaltung mit Martha von derselben erhalten hatte. Auf Befragen hatte sie sich nämlich folgender Umstände erinnert. Das Pferd des einspännigen Fuhrwerks, in dem jener Fremde sich befunden, hatte einen weißen Fleck an der Spitze des einen Ohres gehabt, und die Farbe de« Wagenkastens war gelb, die der Räder aber roth gewesen. Ganz dieselben Beschaffenheiten hatten da« Pferd und der Wagen gehabt, welche von dem Inspektor zu seiner Fahrt nach der Wohnung jene« Müller» gemiethet worden waren. Ferner hatte der im Fuhrwerk sitzende Herr einen hellbraunen Ueber- ziehrock mit großen besponnenen Knöpfen von gemischter Farbe getragen, und von ganz derselben Art war der Rock gewesen, dm der Inspektor damals vom ersten Postschreiber erborgt hatte. Die« waren sehr wichtige Indizien, welche nur Scharfblick und Umsicht erheischten, um daraus eine« vollen Beweis gegen den Verbrecher herzustellen. Tom war deßhalb nach MolSby geschickt worden, um das Pferd und dm Wagen, sowie auch den Ueberziehrock im Auge zu behalten, welchen letzteren er täglich als Umhüllung de« nichts ahnenden ersten Postschreibers in das Postgebäude ein- und ausgehen sah. Sobald der Inspektor hergestellt war, begab er sich nach Melsby zu Tom und überzeugte sich, daß alle erforderlichen Vorbereitungen zu dem Schlußakte vollendet waren. Aus dem Tagebuch des EigmthümerS jmes oben beschriebenen Fuhrwerks ergab sich, daß dasselbe an einem gewissen Tage von einem Beamten der Post in Molsby gemiethet worden war, um nach Fairly und zurück zu fahren. - .Das macht dm Beweis vollständig!" rief Tom, al» sie den Fuhrwerksbesitzer verließm. Der Inspektor antwortete nicht und lächelte nur. »Sollte man eS für möglich halten," fuhr Tom fort, »daß ein alter Beamter, wie der erste Postschreiber ist, sich um einer lumpigen Zehn» pfuudnote willen einer solchen Gefahr aussetzm würde?' Der Inspektor antwortete abermals nicht und lächelte nur. „Ich hatte keine Idee davon, daß cs so leicht sei, einem solchen Burschen nachzuspüren. Ein Neuling, wie ich, hat den gescheidten Postschreiber überlistet!' Der Inspektor lächelte wiederum nur und trat dann in einen Gasthof , wo Tom zu seinem nicht geringen Erstaunen seinen Oheim. Muhme Marth» uud Mr. Pearson fand, welcher Letztere die elfteren Beiden von Kingston herübergefahren hatte. »Ihr Neffe, Mr. Walter,' sagte der Inspektor zum Alten, »hat Anspruch auf Ihre Dankbarkeit für DaS, was er in dieser Auge» legmheit gethen hat.' (Schluß folgt.) — Frln. Ehnn, von deren Abgang nach Berlin jüngst viel die Rede war, bleibt nun dem Hoftheater in Wien erhalten; wie die dortigen Blätter berichten, haben die Verhandlungen der Direktton mit ihr zu einem günstigen Resultat geführt. abzukrufenden Kurgebäude rc. gegen Entschädigung von 50,000 Thlr. für städtische Rechnung anzukaufen, unterzeichnet. Die Genehmigung des Königs hat der Vertrag bereits am 27. Dez. 1872 erhalte«. ft AuS Kurheffen, 1. Febr. Die k. Regierung hat nachfolgende Verfügung, betreffend die Schulaufsicht über die israelitischen Schulen, erlaffen: Behuf« Regelung der Schulauffichtr-Gesetze hinsichtlich der israelitischen Schulen bestimmen wir hierdurch, daß, insoweit die» seither «och nicht der Fall war , die sür die christlichen Schulen bestellten Lokal- Schulinspektorm in dieser Eigenschaft sortan auch für die israelitischen Schulen zu fungiren haben. Eine Ausnahme hievon ist jedoch zuläs- sig, wen« sich am Orte eine zur Übernahme diese» Amte« geeignete Persönlichkeit mosaischer Religion (z. B. ein Rabbiner) findet, und wolle» wir in solchen Fällen einen bezüglichen Antrag erwarten. Im Uedrigen erleiden die den Provinzial-Borfteherämtern i» Ansehung de» iscael. Schulwesen« eingerSumten Befugnisse hierdurch keine Aende- rung'rc. — K. Regierung, Abtheilung für Kirchen- und Schulwesen. S Berlin, 1. Fehl. Unter dem Vorsitz deS Grafen v. Roon vereinigte sich gestern Mittag das StaatSmini- sterium zu einer Berathung. Als Gegenstände derselben bezeichnet man einige auf den Gang und die Dauer der Landtags-Verhandlungen bezügliche Fragen. Auch sollen über noch einzubringende neue Vorlagen Erörterungen stattgefunden haben. In jüngster Zeit ist von verschiedenen Seiten die öffentliche Aufmerksamkeit den Schäden zugelenkt worden, die in manchen Gegenden das Wild auf den Fluren anrichtet. Dem Vernehmen nach beabsichtigt die Staats- regierung, dem Landtage noch in der gegenwärtigen Session einen Gesetzentwurf vorzulegen, nach desfen Bestimmungen das nicht in festen Gehegen befindliche Schwarzwild ausgerottet werden soll. Der Reichskanzler Fürst v. BiSmarck, der Ministerpräsident Graf v. Roon und der Kulturminister vr. Falk geben heute wieder parlamentarische Diners, zu welchen an zahlreiche Mitglieder des Abgeordenhauses Einladungen ergangen sind. — Gestein hat der deutsche Gesandte am dänischen Hofe, Legationsrath v. Heydebrand und der Laja, die Rückreise auf seinen Posten nach Kopenhagen angetreten. Während seiner hiesigen Anwesenheit wurde derselbe wiederholt vom Kaiser und König, sowie vom Reichskanzler Fürsten Bismarck empfangen. ** Berlin, 1. Febr. Der „Korr. Stern" zufolge wird sich der BundeSratb mit einer Vorlage zu befassen haben, in welcher dem Reichskanzler 68 Mill. Thaler, aus der französischen Kriegskosten-Entschädigung zu entnehmen, behufs Umwandlung verdeutschen Fe stungen ausschließlich derjenigen von Elsaß-Lothringen zur Verfügung gestellt «erden. ES ist nunmehr festgestellt, daß Spandau .erweitert, Küstrin verstärkt werden, Stettin, Mind-n, Erfurt, Wittenberg, Kosel, Graudenz, Kelberg und Stralsund aber — letztere beide ausschließlich der Werke an den Küsten — als Festungen eingehen sollen. Schweiz. **Bern, 1. Febr. Der Bundesrath beantragt bei der Bundesversammlung eine Aenderung des Gesetzes über die Vertheilung der Bundesraths-Departements, und zwar soll das Handels- und Zolldepartement aufgehoben und dafür ein Eisenbahn- und Handelsdepartement errichtet und das Zollwesen an das Finanzdepartement überwiesen werden. Italien. Rom, 28. Jan. (Schw. Gr.-P.) Letzten Sonntag ist hier der Grundstein zur neuen amerikanischen Protest. Kirche gelegt worden. Früher mußten die Protestanten ihren Gottesdienst beim amerikanischen Konsulat feiern, später begingen sie denselben vor dem stadtthor, weil die päpstl. Regierung nur die Errichtung katholischer Kirchen in Rom erlaubte. Mit dem Einzuge der italienischen Regierung hatte dies ein Ende. Im Winter des Jahres 1870 wurden zum Bau einer amerikanischen Kirche 6000 Doll, gesammelt; diese Summe wuchs mit jedem Jahr, bis endlich das nöthige Terrain um 20,000 Doll, gekauft werden konnte. Das war im vergangenen Jahr. Heute ist der Eckstein des Tempels bereits gelegt. Die Kirche wird 750 Personen fassen können und ihre Kosten werden auf 60,000 Doll, kommen, von welchen 33,000 in den Ver. Staaten gesammelt wurden. Frankreich 08. Paris, 2. Febr. Der Architekt des Elysee, Hr. La- croix, ein Milchbruder Napoleons Hl-, ist in Folge eines Eisenbahn-Unfalls, der die Amputation beider Beine nöthig machte, gestorben. — Als Kandidaten für den Fauteuil des jüngst verstorbenen Baron Karl Dupin in der Akademie der moralischen und politischen Wissenschaften nennt man Hrn. Batbie. Seine Kandidatur wird von den Republikanern und den Freunden von Hrn. Thiers in der Akademie lebhaft bekämpft. — Hr. Jules Simon wohnte dem Bankete zur Feier des Festes Karls des Großen im LycLe Corneille bei. — Der spanische Republikaner Emil Castelar ist in Paris angckommen. — Versailles, 1. Febr. Nationalversammlung. Nachdem verschiedene Redner und unter diesen der Herzog ». Audiffret-PaSquier gesprochen, wird die von dem Abg. Paris beantragte Tagesordnung, welche dahin geht, daß die Nationalversammlung, indem sie das revolutionäre Vorgehen, welches zu Lyon angesichts des Feindes die rothe Fahne erhoben, tadelt, den Bericht der Kommission bezüglich der Lieferungsvertrage dem Finanz- und dem Justizminister zur «eiteren Veranlassung überweist, mit 559 gegen 42 Stimmen angenommen, nachdem sie von dem linken Centrum und den Fraktionen der Rechten gutgeheißen worden war. Portugal. — Lissabon, 31. Jan. In Folge eines unter den Maschinisten und Heizern der portugiesischen Eisenbahn ausgebrochenen Strikes ist die Beförderung der Güterzüge eingestellt. Die Kurierzüge kutsiren Wich und werden von den ausländischen Angestellten geführt. Die Regierung wird das Einschreiten der Gerichte gegen die Sinkenden veranlaßen. Die Eisenbahn-Kompagnien wollen noch mehr ausländisches Personal zur Wiederaufnahme des Betriebs heranziehen. A«erik«L ! ** Neu-Aork, 3i. Jan. Ueber die aufständischen Bewegungen unter den Modoc-Jndianern im Oregongebiete wird hierher gemeldet, daß letztere zu Unterhandlungen mit den Behörden der Vereinigten Staaten geneigt find. — In dem BetrugSprozeffe gegen Tweed hat sich die Jury nicht einigen können und da» Verfahren eingestellt. Ueber diesen Ausgang des Prozesses herrscht allgemeine Entrüstung. Badische Chronik. s.il.k. Karlsruhe, 30. Jan. (Sitzung de» Gemeinderath« unter Vorfitz de» Oberbürgermeister« Lauter.) Die Bau» kommissiou, verstärkt durch die städtischen Techniker, hat am 21. d. M. in Folge eine« Auftrag« de« Temeinderath« den Platz in der Augartenvorstadt besichtig,, auf welchem ein FeuerhauS, ein Bet' saal, ein Fröbel'scher Kindergarten und eine Polizeistation errichtet wird. Heute erstattet nun die Kommission über dies« Besichtigung Bericht und werden ihre sämmttiche» Anträge genehmigt. Da» Hauptgebäude ist mit einem Thürmchen versehen und hat nun der Gemeinderalh eine Untersuchung darüber veranlaßt, ob die Konstruktion de« Thürmchen« erlaubt, daß darin eine Glocke angebracht und zum Läuten benützt werden könne; eventuell wurde ein Voranschlag der Kosten der Anschaffung einer Glocke und einer Uhr angeordnet. Die Nothwendigkeit, für hiesige Stadl eine Bauordnung fest- zuiellm, ist längst anerkannt und ist nun der Voriiand de« städtischen Wasser- und Stiaßenbau-Amte«, Ingenieur Lang, veranlaßt wordm, »den Entwurf einer solchen auszuarbeiten und »orzulegen. Es werden einige einzekommene Beschwerden »orgelegt über die Anforderung der Umlage auf die Häuserbesitzer wegen Abfuhr von Dünger, Kehricht rc- E« wird aus die öffentliche Bekanntmachung verwiesen, wornach auf Antrag de« Gemeinderalh», der Vertreter der staatsbürgerlichen Einwohner und de« Bürgerausschufse« genehmigt wurde, daß die Subvention der Düngerabnihr-Gesellschafl und de« Unternehmens der Straßenkehricht-Abfuhr als Sozialauflage sämmtlicher hiesiger Haut- eigenthümer behandelt werden soll, wie die« bezüglich der öffentlichen Beleuchtung seit lange der Fall ist. Beide Unternehmungen find in öffentlichem Interesse, und in«besondere in jenen der Gesundheit von Großh. Staatsbehörde angeordnete Maßregeln, deren Kosten nach oem Häusersteuer-Kapital repartirt werde«. Ob Jemand davon mehr oder weniger durch unmittelbare» Gebrauch Vonheile ziehen wollte »der nach Lage seine« Hauses, Berufe« rc. ziehen könne, kann dabei nicht in Betracht kommen. Der Gemeinderath muß daher de» Beschwerdeführern überlasten, wenn sie sich durch diese Miltheilung nicht beruhigen zu können glauben, ihre Beschwerde bei großh. Bezirksamt zu erheben. Übrigen» find schon seit einer Reihe von Jahren die Kosten der Dünger- und HauShaltungSabsall-Absuhr durch die umlagepflichligen Einwohner in der allgemeinen Umlage bezahlt worden und hat man jetzt insbesondere deßhalb die Sache als Soziallast der Hausbesitzer behandelt, weil dadurch leicht die bequeme Gelegenheit gegeben ist, auch die nicht um- lagepflichtigen Einwohner zur Zahlung beizuziehen, indem die Hauseigentümer von ihren Miethern nach Berhältnih des Mierhzin«-Betrag« ihre Auslagen sich wieder ersetzen lasten. » Karlsruhe. 3. Febr. Der Unternehmer der deutschen Generalagentur für oicWienerWelt-AuSstellung, A. George in Berlin, erfaßt mit Eifer und Umficht die Ausführung de« von ihm übernommenen Werk««; ein- seiner nächsten Aufgaben, von deren glücklicher Losung auch zu nicht geringem Theile da« Gelinge» ab- bängt, ist die Gewinnung eine« tüchtigen und sertraueuswürdigen Hilfspersonals, insbesondere jenes, welchem die Vertretung der Agentur in den einzelnen Gruppe« obliegt. Hrn. George ist «S daran gelegen, daß diese« Personal au« Angehörigen der verschiedenen deutschen Staaten zusammengesetzt werde, wodurch auch nach dieser Richtung hin eine Gewähr für eine unparteiische Geschäftsleitung geschaffen werden soll. Geschäftskundigen, strebsamen Männern ist hier eine sehr günstige Gelegenheit zur Erweiterung ihres Wissens und zum Bekanntwerden in größer» Kreisen geboten; die Bedingungen der Ueber- nahme von Hilfsarbeiter-Stellen find sür die Kandidaten sehr vorrheil- haft festgesetzt. 8' Pforzheim, 1. Febr. Wie Ihr Blatt bereits berichtete, hatte der Abgeordnete M. M ül le r von hier auf gestern Abend zu einer Versammlung eingeladen, um über die Reorganisation des Be- steuerungswcsen» Bortrag zu erstatten und geeignete Anträge zu stellen. Hr. M. Müller unterzog die bisherige Art der Besteuerung einer Kritik und gelangte zu dem Schluß, daß dieselbe keine gerechte, die Pflichtigen in gleicher Weise treffende sei. Letztere« werde nur erreicht durch Einführung einer progressive» Einkommensteuer, welche neben der Grund- und Häusersteuer statt der bisherigen andern Steuern zu erheben sei. Der Abgeordnete theilte alsdann einen vollständigen Entwurf eines die Einführung der genannten Steuer betreffenden Gesetze« mit, welcher sowohl die Bestimmungen über die Wichtigkeit zur Lin- kommensteuer, über die Befreiungen von derselben, die Höhe der Steuer, die Feststellung de» die Pflichtigen treffenden Betrags uiid über die Bestrafung unrichtiger Angaben enthält. Eine an den Bortrag sich anknüpsende Diskusston, wobei hauptsächlich der Hr. Abg. Lenz für die bisherige Art der Besteuerung eintrat und die Gründe namhaft machte, welche gegen die schon wiederholt auch in der Ständekammer zur Sprache gebrachte Einkommensteuer geltend gemacht werden, hatte al« «rgebniß, daß eine au« 10 verschiedenen Berus«kreisen (Staat,- und Gemeiudebeamten, Landtag«-Abge»rdnelen und Bürgern) angehö- rendcn Mitgliedern bestehende Kommisston gewählt wurde, welche de» vorgelegteu Entwurf prüfen und einer später wieder einzuberusendm Versammlung Vorschläge machen soll. — Ueber die letzte hiesige B ür- gerauSschuß-Sitzung» über welche die „KarlSr. Zlg.' und zwar betreff« der neuen herzustellmden Wasserleitung bereit« Mitthciluug gemacht hat, trage ich noch nach, daß in der nämliche» Sitzung auch «och die Abänderung eine« früher gefaßten Beschlüsse« betreffs der Aufstellung eine« Bauplanes für den nordwestliche« Stadttheil beschlossen worden ist. Nach dem früheren veschluff« hätten die Grnndeigenthümer da- ;n StraßmaMgen nöthige Gelände unent» geltlich «rzugebm, wogegen aber di« Stadtgemehnde die Herstellung der Straßen auf sich nehmn wollte. Letztere«, welche« einen Aufwand vo« nahezu einer Million Gulden verursachen soll, soll nun nach de« neuen Beschluß von den Srundeigcnthümern übernommen «erden, jedoch wird die Gemeinde bei Uebernahme der Straßen V, der Herstellungskosten ersetze». ^ Heidelberg, 2. Febr. Neben den Bällen der verschiedenen geschloffenen Gesellschaften werde» im großen Styl veranstaltete Privat b L l l e hier immer häufiger Hebung. Kürzlich wurde ein solche« sehr gelungene« Ballfest von dem Chef de« Bankhause« Köster in den Räumen de« Viktonahotel« gegeben, zu welchem weit über 100 Personen geladen waren. — Unserer Theaterdirektion muß man e« zum Ruhme nachsagen, daß ihr keine Mühe zu schwer und kein Aufwand zu groß ist, «epp es sich darum handelt, bm Wünsche« und Ansprüchen de« Publikum« innerhalb dcr Grenzen de« Möglichen gerecht zu werde». Nachdem schon kürzlich eine komische Operette mit eigenen Kräften aufgeführt worden, ging vorgestern .Martha' von Flotow über die Bretter und waren zu diesem Zwecke vier Bühnenmitglieder von Freiburg und Wiesbaden hieher gezogen worden. Die Aufführung dieser Oper ging in einer unter Berücksichtigung erwähnter besonderer Verhältnisse und Schwierigkeiten durchaus befriedigenden Weise von statten und hinterlreß den Wunsch, iu diesem Winter noch öfter solchen Kunstgenuß geboten zu erhalten. — Ueber Theater, Konzerten und Bällen, kurz allen zur geselligen Erheiterung der Abende und Nächte bestimmten Vergnügungen schwebt gegenwärtig ein Damokle«- schwert in Gestalt eitler eigenihüMshea Gefahr. E» ist »irmlich vor einigen Tagen einer der beiden Gasometer der hiesigen GaSfabrik au« seiner Führung geralhen und in Folge dabei erlittener erheblicher Beschädigung aus längere Zeit unbrauchbar geworden, so daß, wenn dem nun noch vorhandenen einzigen Gasometer der leiseste Unsall zustieße, ein plötzliches Versiegen dieser Lichtquelle die unau«bleibliche Folge sein würde. — Bo« der Gasanstalt zur Ultramarinfabrik ist der Weg nicht weit. Schon vor längerer Zeit wurde Ihnen von hier aus angedeutet, daß die Tage diese« durch seine GaSa«Sströmmi- gen der ganzen Umgebung immer lästiger werdenden Etablissement« gezählt sein dürften. Diese Vorausficht hat sich schon jetzt bestätigt, indem da« Areal oer Fabrik verkauft worden iß. Letztere soll tran«- ftrirt werden, dem Vernehmen nach in die Nähe von Friedkichsfeld, wo jede erforderliche Vergrößerurig und Erweiterung de« Betriebs möglich wäre ohne irgend eine Verletzung enrgegenstehender fremder Interessen. Gegenüber de» unerfreulichen Ergebnissen früherer Jahre hat diese« Aktienunternehmen in dcr jüngsten Zeit schöne Dividenden abgeworfen. Mannheim, 31. Jan. (Mnnh. Anz.) Wiederum standen heute wegen unerlaubter Entziehung der Wehrpflicht durch Auswanderung sechs Individuen unter Anklage, wenn auch nicht auf der Anklagebank. Der Gerichtshof verurtheilte drei davon im Kon- lumazialverfahren zu je fünfzig Thalcrn Geldbuße, sprach indcß die drei Andern aus verschiedene» Gründen frei. ErwähnenSwerth ist der etwas problematische Lebenslauf des Einen der Letzter«, wie er sich aus den amtlichen Erhebungen ergeben hat, des Georg Strunz, dessen Barer, ein Schauspieler, unter dem angenommenen Namen Duponl auftrak. Ja Zürich, Nürnberg uüd Amsterdam will mau den Spuren de« Angeklagten gefolgt sein, bis er auf Nimmerwiedersehen verschwand. Nach den amtlichen Erklärungen der in Amsterdam »och lebenden Mutter wäre aber dieser ihr ältester Sohn schon in den frühesten Kinderjahren verstorben, ohne daß sie wegen ihre« unstSrcn Lebens einen Todtenschein hätte erlangen können. Da nun, wie der Gerichtshof ausführte, die Staatsanwaltschaft die Existenz de« Angeklagten nicht genügend nachgewiesen habe, sei derselbe — ver- murhlich nicht mehr unter den Lebenden Weilende — von Strafe und Kosten freigefprochen. — In der Hofapolheke de- Hrn. Henking hier- selbst hatte sich der Pharmazeut Gustav Schmittsdorf von Dahme fortgesetzte Unterschlagungen von Geld und Maaren im Betrage von etwa 190 fl. zu Schulden kommen kaffen. Hr. Henking hatte inzwischen den ursprünglich gestellten Strafantrag, der nach dem Reichs-Strafgesetz zur Erhebung der Anklage erforderlich war, zurückgezogen, und es fragt« sich nun. wer die Kosten der begonnenen Untersuchung zu tragen haben werde. Da die eventuelle Anklage eine uuker Zustimmung de» Angeklagte« begründete gewesen sein würde, so entschied der Gerichtshof nach kurzer Berathung der gesetz. lichen Bestimmung gemäß und auf den Antrag der Staatsanwaltschaft, die Kosten de« begonnenen Verfahren« dem Angeklagten zur Last zu legen. Wir erinnern hiebei an eine, in den letzten Sitzungen de« preußischen Abgeordnetenhause« vom Abg. Reichensperger-Olpe er» wähnte Thalsache, daß in dm Rheinprovinzen sich Gesellschaften gebildet HSttm, deren Mitglieder sich gegenseitig wegen Thätlichkeiten de- nunzirlen, um dann al» Zeugen zu fungiren und nach Einstreichung der Zeugengebühren und unter Zurückziehung der bezüglichen Strafanträge die Gerichte autzulacheri. In Erwägung solcher Borkcmm- nisse erscheint da« Borgehen der Staat*»nwaltchast, unterstützt von de» neuen reichsstrafgesetzlichen Bestimmungen in Betreff der Kostentragung, allerdings gerechtfertigt. A Mannheim, 1. Febr. Eine vom allgemeinen deutschen Arbeiterverein auf den Gambri»uskeller berufene Volksversammlung bot vorgestern ein lehrreiches Bild Dessen, wa« bei weiterem Fortschreiten jener umsturzlustigen Verbindung zu erwarten ist. Zuerst gab e« eine große Zänkerei zwischen dm Anhängern jene« Vereins u id einer zahlreich erschienenen Gegenfraktion, welche anch Theil an der Leitung der Versammlung haben wollte. Al« dieser Punkt geordnet war. wurde in raffinirter Weise gegen die Besitzenden aufgehetzt, namentlich gegen einen sehr geachtete» hiesigen Tapetmfabrikanten. Dabei hörte man von einer neum Einiheilung der Stände; bi-her war von dm drei Ständen (Adel, Geistlichkeit und Bürger) und dem vierten Stand, den Arbeitern, die Rede; ein Hr. Lefser au« Berlin m«chl einen kühnen Strich durch den Bürgerstand und klasfffizirt: Adelige, Psaffm, Juden schast und Arbeiter, letztere angeblich 96 Pro,, der Bevölkerung. Ein gewisser Riehl aber konstatirte d«S WachSthum des allgemeinen deutschen Arbeiterverein«, der von 9000 Mann im Jahr 1869 bereit« auf 19,000 angewachsm sei; wenn er einmal 100,000 Mann stark sei, dann-. Wir vermögen nicht zu sagm, wie die Phantasie de« Redner« sich diese« .dann' au-zumalen beliebt. Dann aber wird dafür gesorgt werden, daß die Bäume nicht in de» Himmel wachst«. Mannheim, 1. Febr. (Mnnh. Berk.) Dem im hiesigen Rh ein - Hafen jüngst schwer beschädigten Arbeiter Kunz mußte gestern der Arm abgenommen werden; hmte erlag derselbe seinen Leidm. H Mannheim, 2. Febr. In der heutigen Generalversam«- lung de» hiesigen BezirktvereinS der Deutsche« Jnvaliden- Hiftung gab der Vorsitzende, Hr. I. Schneider. zunächst einen Ueberdlick über die Verhältnisse de» Scsammt- und de« S»nde«verein«, woraus Bericht über die Thätigkeit de» BezirkSvereinS erstattet wurde. Dnselde besitzt ein verzinslich angelegte» Vermöge» von etwa 117,000 fl. und außerdem etwa 1500 fl. regelmäßige Jahresbeiträge. Von dem Teiammteinkommen von 7000 fl. wurden 1000 fl. an die «affe de« Lande-verein« abgeführt, 3(00 fl. theil« an regelmäßigen Pensionen, theil« an einmaligen Unterstützungen verabreicht. An de» Jahresbeiträgen sind nur 25 fl. «rggesallen, die Aufgaben übersteige« die Einnahmen um 46 fl. Die Versammlung genehmigte den Wirth- schaf:«r>Ian für 1873, ««mach abermal» 4000—4500 fl. an dm Lan- drsvrrnn, der diese« Zuschufft« bedarf, um den zahlreichen Anforderungen genügen zu können, und auch an die Centralkasse einen Beitrag zu liefern, abgegeben und 3000 fl. an Pensionen und Unterstützungen verwendet werden sollen, «»bei der Vorstand ermächtigt ist, nSrhigmiall« den Kapitalstock um einen kleinen Betrag in Anspruch zu »ehmen. Die durch da« Loo« ausgeschiedenen Vorstandsmitglieder wurden wieder gewählr. Wern heim, 30. Jan. (Heid. Z.) Sonntag findet hier nach laooer Unterbrechung eine Versammlung de- hiesigen Protestan- tc-. verein« statt. Wir freuen uu» über dieses Lebenszeichen. — I» Sleinbach (A. Bühl) hatte der dortige Gemeinderath den RaihhauSsaal zur Abhaltung eines VorlragS de« Prof. Miche - 1, s für lehren Freitag bewilligt; von klerikaler Seite in Szene gesetzte Volk« anhäusungen jedoch, die besonder« von benachbarten Landrnm Zufluß erhalten hatten, machten die Benützung des Rathhause« zu obigem Zwecke unmöglich. ^-Vom Oberrh ein, 1. Febr. Nachdem mit Ablauf der vierjährigen LmtSdauer de» ärztlichen Ausschusses zu Ende he« vofjgen Jahre« eim Neuwahl nothwendig geworden und vom Ministerium de« Innern im .Staat s-Anz." Nr. 45 eine allgemeine Wahl durch sämvttliche Aerzte auf die Zeit vom 14. bis 28. Dez. v. I. »ngeordnü worden war, hat am 25. Jan. d. I. unter Theilnahme von 2 Berzten als Urkundspersonen die Eröffnung der Wahlzelle! und Zusqmnseustellung der Stimmen stattgefunden. Den »Aerztl. Milt«.' zufolge erhielten von 311 Abstimmenden die meisten Stimmen und wurden somit al« Mitglieder de« Ausschusses erklärt die HH.. 1. Vr. Hoffmann, Generalarzt a. D. in, Karlsruhe, 275; 2. vr. Schneider; Bezirksarzt in Oberkirch, 267 ; 3. vr. Stephan,, Bezirksarzt in Mannheim, 259; 4. Leopold Rosenfel b, Arzt in TaubttbischosSheim, 179; 5. Ty. Wagner, Arzt in Mühlburg. 171; 6. G. Elchbacher, Arzt in Freiburg, 164; 7. R.Roß- wog. Arzt in Schliengen, 162. Es war die» die dritte Wahl seit dem Bestehen de« Ausschüsse». Bei der ersten im Jahr 1864 bethei- ligten sich von 605 Aerzten 441 oder 72,8 Prozent; bei der zweiten im Jahr 1868 von 539 Aerzten 383 oder 65,3 Proz.; bet der letzten von 1872 von der Gesammtzahl von 555 Aerzten 341 oder 62,4 Proz. — I» der letzten Dekade de« vorigen Monats ist auch bei uns der längst ersehnte Winter einzetreten und die nächsten Tage dürlen reichliche« Schnee fall mit voraussichtlich geraume Zeit andauernder kaltes Lnitgrömung herbeiführen. Douaneschingen, 31. Jan. (Koast. Z.) E» Ischeint al- «b die Wildsauen, welche so arge Verwüstungen in der Land- und Forstwirtschaft »«richten, wieder Sitz in unserem Schwär walde nehmen wollten, in welchem seit mehr denn dreißig Jahren Ruhe vor ihnen war. Au« verschiedenen Gegenden hört man von Jagden, die auf sie ««gestellt werden; «ine solche hatte bei uns am Dienstag den 28. v. M. gewünschten Erfolg. Es wurde von einem Wolterdinger Schützen ein 1*/, Zentner schwerer Keiler im Donaueschingcr Gemeindewald Oberholz bei Mistelbrunn erlegt. * Konstanz, 1. Febr. Heute findet nach der .Konst. Ztg." wieder «im vom JnttiativksmitL berufene Katholikenversammlung im .Falken" statt. — Da« Wasser der Wasserleitung wird in einer Reihe von Häusern schon heute zum Kochen und Trinken benutzt. — Der Platz sür da« Sie>e»denkm«l ist jetzt bestimmt: es soll an die Stelle des MerkurbrunnenS kommen, welcher seinerseits den Jupiterbrunnen ersetzen soll. Bis auf den Guß find alle Theile des Denkmals fertig. — Der OberstistnugSrath hat die Uebergabe der Monika Fohmann'schen Stiftung von der Pfarrei St. Stefan an die Gemeinde ausgesprochen. Die Stiftung ist zu Stipendien für Handwerke erlernend« Knaben bestimmt, hat also einen rein weltlichen Zweck. — Die HH. Schachleiter, Edelmann, Werber find auf den 6. Febr. nach Radolfzell »orgeladen, um vom Untersuchungsrichter das Resultat der Untersuchung zu vernehmen und allenfallflge Entlastungszeugen vorzuschlagen. — Am Sonntag Abend versammeln sich in Sto- tkach eine Anzahl Veteranen zur Gründung eine« Vereins, welcher sich die Statuten schon bestehender Kriegervereine zur Grundlage machen wird. — Eben daselbst ist ein provisorischer Ausschuß zur Gründung einer Gewerbebank zusammenzetreten und wird am nächsten Montag eine Versammlung der Gewerbetreibenden stattfinden. Vermischte Nachrichten. -Mülhausen,!. Febr. In der .N. Mülh. Ztg." wird heute bereit« da« 41. Verzeichuiß der von der Kreisdirektion Mülhausen für ungillig erklärten Optionen milgethrilt. Die Zahl derselben beträgt hiernach für die Gemeinde Mülhausen mit Dörnach bi- jetzt 3515. ^ Zabern (Elsaß), 30. Jan. Die Jagdausbeute im Elsaß ist fortwähreud eine reichliche, interessante. Jüngst wurden in dem benachbarten Revier Lützelstein ein schwarzer Fuchs und eine Wildkatze Von seltener Größe geschossen, welche beide bestimmt find, auf der Wiener Welt-Ausstellung in au-gestopftem Zustande zu stguriren. Äußerstem gelang e», in einem im gleichen Revier prebeweise angelegte» .Saufange" kürzlich eines schweren Keilers habhaft z« werden, der (wir bereits erwähnt) lebendig über den Rhein und zwar in den Wildpark de« Herzog« von Koburg transportirt wurde. Berlin, 1. Febr. Nach der .Voss. Ztg." ist eine Anzahl von etwa 30 Männern, angesehenen Bürgern Berlin-, meist Repräsentanten der verschiedensten Korporationen der Stadt, sowie Vertreter dir Studirenden der Universität und der Berliner Akademie zu einem Körnst« zusammeagetreten, welche- die Vorbereitungen zu einem festlichen Empfang? des Kronprinzen bei seiner Rückkehr nach der Hauptstadt in die Hand genommen hat. Vorläufig hat man sich über die allgemeinen Gesichtspunkte de» zu entwerfenden Festprogramms ge- rmigt. Der Kronprinz soll mit Gesang und Musik auf dem Bahnhof empfangen werden. Bis zu seinem Palais hin sollen die Studirenden, die Sänger, Turner und Gewerke, fall» eine solche allgemeine Betheiligung zu erz elen ist — ein s-ftliche« Spalier bilden. An die Bürgerschaft soll die Aufforderung zu einer allgemeinen Illumination der Stadt ergehen; hie Studirenden beabsichtigen dem Kronvrinze» einen Fackelzug zu dringen. Vom Provinzial-Schulkollezium gedenkt man den Ausfall de« Schulunterricht« an diesem Tag« zu erlangen. Au« dem Ertrag einer Sammlung soll dem Kronprinzen ein bleibende« Andenken an seine Genesunz gestiftet werden. — Magdeburg, 1. Febr. In Folge de« einge'retenen starken Froste« der letzten Tage ist die alte Elb« zum Stehen gekommen, während di« Strsmeld- stark mit Ei« treibt. — St. Gallen. Eine ansehnliche Versammlung liberaler Katholiken der Stadt St. Gallen hat letzten Mittwoch beschlossen. einen Verein liberaler Katholiken der S'adt St. Gallen zu gründen. Der Verein bildet «ach den von der .St. Gallcr Ztg." mitge- theillen Slatutm eine Sektion de« schweizerischen Vereins freisinniger Katholiken. Die Mitglieder verwerfen da« Dogma der Unfehlbarkeit und de« Syllabu« und die Aufgabe des Verein« ist: ». auf dem Wege geselliger Besprechung wie durch Anordnung größerer Versammlungen dahin zu wirken, über kirchlich-politische Fragen Aufklärung zu suchen und solche zu verbreiten; b. durch geeignete Schritte daraus zu dringen, daß die Unfehlbarkeit«,Lehre vom Unterricht der Jugend ausgeschlossen bleibe; e. die Bestrebungen im Kanton wie »n der übrigen Schweiz zu fördern, welche dahin zielen, eine infallibilistische Geistlichkeit fern zu halten von dem Seelsorger-Amte; ck. überhaupt den von Seilen der römischen Kurie immer mehr drehenden Eingriffen in bas bürgerliche Leben entgegenzutretcn, in der katholischen Kirche bas Laienthum zu wahren und den konfessionellen Frieden mit andern Glaubensgenossenschaften zu fördern und zu schützen. Die lausenden Geschäfte werden von einem Konnte, bestehend au« Präsident, Aktuar und Kassier, besorgt. — Mo S kau, 27. Jan. Die Cholera, die bereits anfgehört hatte, ist wieder erschienen. Die „M. Z." meldet, daß zum 24. Jan. > vier Kranke vorhanden waren, überhaupt seit dem 17. Jan. fünf Per- ! sonen erkrankt find und eine gestorben ist. ! "London, 31. Jan. Der Dampfer .Munüo", welcher da« ! AuSwant ererschiff „Nortfleeth" niedergebrannt hat, ist als s p a n i s ch e« ! Schiff eingetragen, und ist es deßhald noch zweifelhaft, ob eine Be- ! strasung desselben zu erzielen ist; man hofft jedoch den Nachweis füh- ! ren zu können, daß die Eitwulhümer Engländer sind, in welchem Falle - sie von den englischen Gerichten zur Rechenschaft gezogen werden könn- ! ten. — Für den unschuldig verkästet gewesenen deutschen Geistlichen ! vr. Hessel gibt sich in den hiesigen Zeitungen die größte Theilnahme i kund. Bon vielen Seiten weiden Aufrufe zu seinen Gunsten erlassen ^ und Geldzeichnungen empfohlen, um denselben wenigstens finanziell für ^ die von ihn, erlittene Hast schadlos zu halten. — Die gegen die hiesigen GaSarberter erkannte Gefängnißstrafe von einem Jahre ! ist vom Minister des Innern, Bruce, auf vier Monate herabgesetzt. Nachschrift. ! ff Wien, 1. Febr. Die heutige „Wien. Ztg." veröffentlicht in ihrem amtlichen Theile die nachfolgenden kaiserl. Verordnungen: 1) daß der Kaiser dem ungarischen Ministerpräsidenten Szlavy die GehcimrathSwürde verliehen habe, 2) daß der Kaiser die Errichtung einer selbständige« ^ Metrcpolie sür die griechisch-orientalischen Bisthümer in der Bukowina und in Dalmatien, sowie die Erhebung der bischöflichen Kirche der Bukowina zur Metropoli- tankirche genehmigt und den griechischen Bischof in der Bukowina, Eugen Hackmann, zum Erzbischof-Metropolitan für die griechiich-orientalischen Bisthümer der Bukowina und Dalmatiens ernannt habe. Wien, 1. Febr. Die „Welt-Ausstellungs-Korresp." macht die Miltheilung, daß heute Nachmittag in Gegenwart des Generaldirektors, des Vorstandes und der Mitglieder des Ingenieur-Bureaus die Auflage des Daches der Rotunde aufgeschlagen worden sei, daß der ganze Rotundenbau nunmehr vollständig aus seinen Beton-Fundamenten ruhe und bis ans einige unwesentliche Ergänzungsarbeiten glücklich vollendet sei. Bukarest, 2. Febr. Der Finarzminister Mavrogeni hat der Abgeordnetenkammer einen Gesetzentwurf, betreffend die von- rumänischen Großgrundbesitzern beabsichtigte Gründung eines nationalen Bodenkredit-Instituts vorgelegt und dabei die Erklärung abgegeben, daß die von auswärtigen Finanznotabilitäten ausgehenden konkurriren- den Projekte der Kammer nur als Material zur'Information mitgetheilt würden. Von der Kammer wurden diese Eröffnungen mit lebhaftem Beifall begrüßt. -j-s Rorn, 1. Febr. „Voce della veritü" veröffentlicht einen an den Ministerpräsidenten Lanza gerichteten Protest der Rektoren der fremden Kollegien in Rom gegen die Besitznahme des römischen Kollegs, in welchem behauptet wird, daß das Kolleg ein internationales sei. Eine Abschrift des Protestes wurde »n die fremden Gesandten ! und an die Bischöfe der betreffenden Nationen gesandt. > 's Rom, 2. Febr. Die „Agencra Stefan!" dementirt dieNachricht, daß der itrlienische Gesandte in Athen i die Beziehungen zu der griechischen Regierung abgebrochen ! habe. Der Gesandte erhielt nur die Instruktion, sich bis. zur Lösung der Laurivn-Frage im offiziellen Verkehr große ! Reserve aufzuerlegen. ! -s London, 3. Febr. Die Morgenzeitungen dementiren i die Nachricht von einem aggressiven Vorgehen Abdul Rah manS in Afghanistan. Im Gegentheil Bokhara und Umgegend find vollkommen ruhig. * Karlsruhe, 3. Febr. (Großh. Hoftheater.) Der gestrige Abend brachte uns den Verdi'schen „Troubadour" mit Hrn. § Wachtel als Manrico und Frau Scubert-Hausen von Mann- i heim als Azucen» als Gästen. Zu ihnen gesellten sich einige der ! ersten Mitglieder der hiesigen Bühn«, namentlich Frln. Rudolfs ! (Lconore) und Hr. Hauser (Graf Luna). Bei der Bereinigung ! solcher trefflichen GesangSkräste in allen Hauptrollen des ganz auf die ' GesangSwirkung gestellten Werke- konnte der Erfolg nicht auSbleibm. In der That übertraf die Boiftellung alle gehegten Erwartungen und gestaltete sich zu einem wahren theatralischen Festabend- Mehr noch al« in den beide« vorhergehenden Gastrollen hatte Hr. Wachtel Gelegenheit, »cn vollen Glan, de« Organ« leuchten zu lassen, den ihm die gütige Natur in bi« Wiege, oder richsizer, in die Keble gelegt, und auch die geehrte Gastsängerin von Mannheim füllte ihren Post« rühmlich »u«, sowohl was Ges»ng«kimst al« wa« Darstellung anbelangt, mochte auch die Mitgift der Natur — wenigsten« in Bezug auf die dynamischen Verhältnisse der Stimme — nicht gnade verschwenderisch, wie bei Wachtel, ihr zu Theil geworden sei«. Sehnliche« gilt von Frln. Rudolfs, während Hr. Hauser seinerseits den Rahmen seiner Aufgabe intensiv wie erteastv vollkommen aus üllte. Die Ge- sammtleistnng war eine eminente, und in Bezug daraus unterlassen wir es, kleine Unvollkommenheiten und Schwächen im Einzelnen zu betvnen. Da» Hau» war bl« auf den letzten Winkel gefüllt, und sch»» Tage lang vorher war kein Billet mehr käuflich zu erlangen. Die Zuhörerschaft folgte der Vorstellung mit steigender Spannung und ergoß sich mitunter in einen Beifallsjubel, wie er hier nur selten vorkommt; am meisten am Schluß de» 3 Akte», nach d r großen Arie Manrico'». Hr. Wachtel verstand sich dazu, den Allegrosatz der Arie mit dem ganzen gesanglichen Brillant-Feuerwerk, womit er denselben ausgestatiet, zu wiederholen. Auch alle Vorgenannten '-heilten sich reichlich in die Beifallssalven, die außerdem den ganzen Abend losbrachen. Hr. Wachtel ist, wie wir hören, heute abgereist, um anderweitigen Verpflichtungen gerecht zu werden, wir» »der nach acht Tagen wieder zurückkehren, um seinen bisherigen Gastrollen (am 11. und 13. d.) noch zwei «eitere, .Raoul" (Hugenotten) und .Postillon von Lonjumcau" beiznfügen- Für die sturmbeschaditzten Ostfeeufer-Bewohner ist weiter bei un» eingegangen: von Partikulier Rausche 35 fl., durch Pfarrer Stern in Leiselheim, Beiträge von mehreren Gliedern der GS« meinde Königschaffhausen, 17 fl. 30 kr., durch Bermitilung de« Gemeinderaths und Dekan Kürzel in Renchen 135 fl.; zusammen 5800 fl. 18 kr. Zur Empfangnahme weiterer Geldbeiträge find wir gerne berci:. Karlsruhe, den 3. Februar 1873. Ervedition der Karlsruher Zeitung. Frankfurter Kurszettel vom 3. Februar. StaatSpapiere. Deutschland 5°/„ Buni-eSoblig. 100 Preußen 4'/,"/, Obligation. 103'/„ Baden 5"/, Obligationen 103"/, . . 99',. . 4°/« . »3-/, . 3'/,'/» Oblig. v. 1342 87"/, Bayerns"/» Obligationen 101"/, . 4-/r"<, . 100'/, . 4°/o . 93'/, Württemberg 5°/» Obligation. — . 4',//« . 99'/, . 4°/, . 93'/, Nassau 4'/,"/, Obligationen 100"/, - 4°/« . 94'/, Sachsen 5"/, Obligationen 105'/, Gr. Hessen 5"/, Obligation. — . 4"/, . 98»/« Oesterreich 5°/g Silberrcntr Zins 4'/,°/, 67", Oesterreich 5°/, Papierrente Zins 4'/,°/« 63"/, Lurem- 4°/„Obl. i. Fr. ü 28 kr. 89'/, bürg 4°/» . i.Thlrär105kr.89'/, Rußland :>"/» Oblig. v. 1870 4 L 12. 90»/. . 5»/« dto. v. 1871 89'/, Belgien 4'/,"/, Obligationen 101'/, Schweden 4'/,«/, dto. i. Thlr. 97"/, Schweiz 4'/,«/, Eid. Oblig. 101"/, . 4'/,°/°Bern.SttSobl. 93'/, ic.-Amerika Bond» 1882r von 1862 96"/, . 6°/, dto. 1885r von 1865 97"/, . 5»/, dto. I904r ('°/,i,r v. 1864 96 3'/, Spanische 26"/, Bolle franz. Rente 86"/, 1872 . . 89»/, Aktien «nv Prioritäten. Badische Bank .... 115 Franks. Bank t 500fl. 3<7« 141'/, . Bankverein ü Thlr. 100 152'/, Deutsche VereiuSbank 134 Darmstädter Bank 485 Oesterr. Nationaldank 1043 Oesterr. Crcdit-Aktien 360'/, Rheinische Ercdithank 125 Pfälzer Bank 101'/, Stuttgarter Bank-Aktien 110 Oesterr.-deutsche Bank 120'/, 4'/,"/»bayr.Ostb.L20Sfl. 130'/, i'/r"/upsälz-Maibshn 500 st. — 4"/aHeff.Ludwig«bahn 174'/, 3'/,V°Oberhess. Eisnb. 350 fl. 77'/, S'/oöstr.Frz.StaarSb. 358"/, 5«/, . SL>.Lmb^St.-E.-A. 211"/, 5'/, . Nordwestb.-A.i.Fr. 234 5°/o«lisab.-Eisnb.ü200fl. 270'/, 5»/.Md.Eisnb.2.E.200fl. 183»/. 5"/vBSHm.Westb.-A.200fl. 256"/, 5°/oFrz.Jos.E,snb.fteuerfri 238'/, 5°/aHess.Ludwigsb.Pr.i.Thlr. 103'/, 5"/oBöhm.Westb.°Pr.i.Srlb. 84'/, 5°/Misab.B.-Pr.i.S. U «m. — 5"/o dto. „ ». «m. — S'/i dto. steuern, neue , 91'/, 5°/„ dto. (Neumm kt-Ricü) 92"/, 5°/oFrz.-Jos.-Prior. steuecfr. 92"/, 5°/aKronpr.Rud.-Pr. v. 67/68 86"/, 5"/oKrvnpr.Rudols-Pr.v.1s69 86"/, i)"/„Lstr. Nord«estb.-Pr. i. S. 91'/, Vorarlberger — 5°/Mg. Ostb.-Prior. i. S. 70'/, 5Mngar.Nordostb.-Pnor. 76"/, Ungar.-Galiz. 80 Ungar. Eis.-Anl. 76'/, 5>-/oSstr.Süd.-Lomb.-Pr.i.FcS. 86'/, .... 50'/, 3"/,osterr.Ltaatsb.Prior. 59"/, HoLivornes.Pr., uu. o. v »o/, 37"/, 5"/<, Rheinische Hypothekenbank- Pfandbriefe — 6°/, Pacific Central 86'/, 60/o South Missouri 67'/, BulrhenSloosr und Prämienanleihe». Bahr. 4"/o Prämien-An!. 116'/° Badische 4"/, dto. 112'/, . 35-fl.-Lvose . . 70'/, Braunschw. 20-Thlr.-Loose — Großh. Hessische 50-fl.-Loose 206'/, . . 25-fl.- - An«bach-Gunzenhausen.Looje 14'/, Oestr.4«/o2k,0-fl.-Loosev.1854 S4>/, . 5»/„500-fl.- . v.1860 97'/. . 100-fl.-L«vse von 1864 166'/, Schwedische lO-Thlr.-Loosc — Finnländer lO-Thlr.-Loose — Meininger ß. 7. 8'/, 3°/» Oldenburger Thlr.-4t>-L. — Wechselkurse, Gold und Silber. Amsterdam 100 fl. 4'/,'/» k.S. 98'/« Berlin 60 Thlr., 4°/a . 105 Bremen M. 300 3'/,°/„ . 175'/, Hamburg 100M.-B. 5 "/ . 87 London lOPf. St. 3'/-'/c . 118»/, Paris 200 Fc«. 8°/« . 92'/, WienlOOfl.östr.W.6"/, . 10?"/, Preug-FriedrichSd'orfl. 9.57—53 Pistolen .... 9.39—41 Holländ. 10-st.Sl. . 9.51—53 Duralen .... 5.31—33 20-FrancS-Stücke . 9.20"/,-21'/, Engl. Sovereigns , 11.47—48 Russische Imperial . 9^0—41 Dollar« in Gold . 2.24—25 vollarcoupon... — Sünstigst. DiScontr.I.S. 4"/o Stimmring: Berliner Börse. 3. Febr. Kredit 206, Staat«bahn 205'/, Lombarden 120'/,, 82er Amerikaner 97'/,, Rumänier —, 60er Loose —. Wiener Börse. 3. Febr. Kredit 333.75, Staatsbabn 332.—, Lom- barden 195.75, Papierrente —. Napoleonsd'or 8.66, Aualobank« aktien 303.50. Galizier 229.50. Unionb. 248.50. DM" Weitere HandetSnachrichten in der Beilage ll. Seit«. Verantwortlicher Redakteur: vr. I. Herm. Kroenlein. Großherzoglichcs Hoftheater. Dienstag 4 Febr. f. Quartal. 18. Abonnementsvorstellung. Adelaide, Genrebild in 1 Akt, von Hugo Müller. Orpheus und Euridice, Oper in 1 Akt, von Gluck. „Orpheus" — Fräul. Kindermann vom königl. Hoftheater in München als Gast. Anfang */,7 Uhr. S.372. 3. kr08p6vtU8. Subscription 7500 Aktie« im Heidelberg-Speyerer Eisenbahn-Grscllschast, die Actie zu 100 Thaler, im Gesammtbetvage von 730 EV00 Thalev. Auf Grund des Staatsvertrages zwischen der Großherzoglich Badischen und der Königlich Bayerischen Regierung vom 23. November 1871, sowie, aus Grund der von der Großherzoglich Badischen Regierung rn Gemäßheit des Gesetzes vom 2. Februar 1870 ertheilten Concession vom 3. April 1872 ist die Heidelberg-Speyerer Eisenbahn-Gesellschaft am 22. August 1872 mit dem Sitze in Heidelberg errichtet worden. Die Eisenbahn führt von Heidelberg über die Schwetzinger Alleestraße an Eppelheim und Plankstadt vorbei nach Schwetzingen und von da zwischen Hockenheim und Ketsch nach Speyer vermittelst der bereits bestehenden Schiffbrücke, welche zu diesem Zwecke auf gemeinschaftliche Kosten von den Pfälzi schen Bahnen in eine Eisenbahn-Schiffbrücke, ähnlich wie bei Maxau, umgewandelt wird. Durch den Anschluß in Schwetzingen an die Rheinthal-Bahn und in Speyer an die Pfälzischen Bahnen ist ein ganz bedeutender Personen- wie Güterverkehr zu gewärtigen; außerdem verspricht die Heidelberg-Speyerer Bahn, indem sie nach Vollendung der bereits in Angriff genommenen Linien Landau- Zweibrücken und Zweibrücken-St.-Jngbert-Saarbrücken eine Abkürzung von drei und eine halbe Meilen gegen den bisherigen Weg über Ludwigshafen herstellt, eine Kohlenbahn ersten Ranges zu werden. " " " Die Länge der Bahn aus Badischem Gebiete beträgt 2,9 und auf Bayerischem Gebiete bis Speyer 0,5 geogr. Meilen, im Ganzen 3,4 geogr. Meilen. Das Gelände ist aus der ganzen Bahnlänge für eine zweispurige Anlage angekauft; der Oberbau wird vorerst einspurig ausgeführt. Der Bau der Bahn hat im Monat September vorigen Jahres unter der bewährten Leitung des Oberingenieurs Bürklin begonnen. Die Hochbauten find fast sämmtlich unter Dach. Die Gelände-Erwerbuna ist für den größten Theil auf gütlichem Wege vollzogen. Die Planirungsarbeiten zwischen Schwetzingen^rnd Speyer find in vollem Gange; die Erdarbeiten zwischen Heidelberg und Schwetzingen erfordern in Folge der zur freien Benutzung überlassenen Schwetzrnger Alleestraße so geringen Zeitaufwand, daß die Fertigstellung der Bahn bis Schwetzingen im Monat Juni, bis Speyer im Monat Juli sicher erwartet werden darf. Die Verträge über die Schienen- und Schwellen-Lieferung find noch zu günstiger Zeit abgeschlossen; die Ablieferungen haben bereits stattgefunden. Fast alle Arbeiten sind in Accord vergeben, so daß eine Ueberschreitung der Bausumme nicht nur nicht zu befürchten, sondern vielmehr eine nicht unbedeutende Ersparniß zu erwarten ist. Während der Bauzeit werden die Einzahlungen aus dem Baufond mit 4 "/<, verzinst. Das Actiencapital, einschließlich eines Reservefonds von Thlr. 20,000. — und 4 A Bauzinsen auf ein Jahr berechnet, ist auf Thlr. 750,000 festgesetzt; die geographische Meile kostet somit nur ca. Thlr. 240,000, während auf die einspurig angelegten Strecken der Badischen Staatsbahnen, welche zu weit günstigeren Zeiten gebaut wurden, ca. Thlr. 320,OM per Meile entfallen. Diese besonders billige Herstellung der Bahnlinie ist theils der außerordentlich günstigen Terrainbeschaffenheit, theils der bereits erwähnten unentgeltlichen Ueberlassung der Schwetzinger Alleestraße, theils auch der Kosten- erfparung für Anlage von Bahnhöfen, welche die Regierung zur Benutzung überläßt, zuzuschreiben. . Nach genauer Prüfung der einschlägigen Verhältnisse, sowie auf Grund der Ausweise der BadischenDtaatsbahnen ist eineMerzinsung von mindestens 11^ schon in den ersten Jahren des Betriebs zu erwarten. Laut Concession participirt der Staat an dem Reinerträgniffe über 5 °/g zur Hälfte, wogegen derselbe den Betrieb und die Unterhaltung lediglich gegen Verrechnung seiner eigenen Auslagen übernimmt. Die Concession ist auf 80 Jahre verliehen; der Staat ist berechtigt, nach Ablauf von 10 Jahren , vom Beginn des Betriebs an gerechnet, die Bahn anzukaufen gegen Vergütung des zwanzigfachen Betrages des durchschnittlichen Reinerträgnisses der jeweilig letzten fünf Betriebsjahre. Die Vergütung soll aber nie weniger betragen, als das Anlagekapital nach Abzug des Minderwerthes der einer Abnützung oder Fäulniß unterworfenen Theile. Erfolgt der Ankauf nach Ablauf von 25 Jahren oder beim Erlöschen der Concession, scHwird das Anlagekapital nach Abzug des Minderwerthes der einer Abnützung oder Fäulniß unterworfenen Theile als Kaufsumme vergütet. Dev Vevwaltungsvath besteht aus: Herrn Carl Anderst in Heidelberg. „ Heinrich Hohenemser, Director der Deutschen Vereinsbank inWrankfurtßa. M. „ Josef Jäger in Heidelberg. „ vr. A. von Ploos van Ämstel, Chef der Firma: Gebrüder ZimmernZinßHeidelberg. „ Philipp Zimmermann in Heidelberg. Vorstand: Herren Gebrüder Zimmern. 8ubscriMon8 RebingMgen. Obige 7500 Actien werden in auf den Inhaber lautenden mit 40°/« Einzahlung liberirten Jnterimsscheinen zur öffentlichen Subskription aufgelegt. Die restliche Einzahlung von 60°/« kann nur in Raten von höchstens 30°/« nach Maßgabe der Baubedürfnisfe und in einem Zwischenräume von mindestens vier Woche« eingefordert werden'. Die Zinsen der Jnterimsscheine laufen mit 4 > vom 1. Februar 1873 an und werden bei der letzten Einzahlung verrechnet. Die Subscription findet gleichzeitig bei den folgenden Stellen: in LkrM'FsI'rsHs bei Herrn R in Frankfurt a. M. bei der Deutschen Vereinsbank, in Freiburg bei der Freiburger Gewerbebank, in Heidelberg bei'Herren Gebrüder Zimmern, in Mauuheim bei Herren Gebrüder Zimmern, „ „ „ „ H. L. Hohenemser St Söhne, in München bei Herren Guggenhekmer St Cie., in Speyer bei Herren I. F. Haid, ans L und S Februar - I., »ährend der üblichen Geschaftsstunden statt. (Anmeldungs-Formulare find bei den Zeichnungsstellen zu haben.) Zm Falle einer Ueberzeichnung tritt Reduction in den Zutheilungen ein. . ^ Der Subskriptionspreis ist auf LOO/- Proeent, zuzüglich Stückzinsen zu 4°/o auf 40°/« Etuzahluug vom 1. Februar d. I. festgesetzt. Bei der Subscription ist eine Caution von 10°/« des Nominalbetrages in Baar oder in börsengängigen Effekten zu erlegen. Die Bekanntmachung über die Zutheilung wird sobald als möglich, spätestens vier Tage nach Schluß der Subscriptton, erfolgen. Im Falle der Reduction wird die überschießcnde Caution alsbald zurückgegeben. . ,,. . . ^ ^ , Vom 15. Februar «. o. ab kann, gegen Zahlung des Bettags, die Abnahme der zugetheilten Stucke geschehen, jedoch muß dieselbe spätestens am 28. Februar o. erfolgen, widrigenfalls die geleistete Caution verfällt. Frankfurt a.M., Heidelberg L Mauuheim, tm Januar 1873. VervtiiMiiIi. kvbrNer Liwaivril. Druck uud Verlag der K. Braun'schen Ho fbu chd r uckerei. (Mit einer BeLqe.)