Karlsruher Zeitung. Mittwoch, Mai. U 1«s. Vorausbezahlung: halbjährlich 4 fl., vierteljährlich 2 fl.; durch die Post im Großherzogthum, Briesträgerzebühr eingeschlosjm, 4 fl. 6 kr. ». 2 fl. 3 kr. Einrückungsgebühr.' die gespaltene Petitzeile oder deren Raum 5 kr. Briefe und Gelder frei. Expedition: Karl-Friedrichs-Straße Nr. 14, woselbst auch die Anzeigen in Empfang genommen werden. 187 «. Amtlicher Theil. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben mittelst höchster Entschließung vom 12. d. M. Sich in Gnaden bewogen gefunden, Höchstihren Leibarzt Geheimen Rath vr. Schrickel, auf sein unterthanigstes Ansuchen und in Rücksicht auf seine leidende Gesundheit, unter dem Ausspruche Höchstihrer Zufriedenheit mit seinen langjährigen treuen Diensten, wie unter besonderer Anerkennung seiner stets bewährten aufopfernden Hingebung, in den Ruhestand zu versetzen. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben mittelst höchster Entschließung vom 12. d. M. den seither bei der Hofbibliothek verwendeten Lehramtspraktikanten Or. Alfred Holder zum Hofbibliothekar gnädigst zu ernennen geruht. Seine Königliche Hoheit derGroßherzog haben unterm 28. April d. I. gnädigst geruht, den Amtsrichter Georg Heres in Mosbach zum Kreisgerichtsrath in Lörrach zu ernennen. Nicht-Amtlicher Theil. Telegramme. -f Berlin, 3. Mai. Zollparlament. Tarifvorlage; Eisenzölle. Der Abg. Mendorf beantragt, vor Position 4 einzuschalten: der Eingangszoll für Roheisen aller Art und altes Brucheisen ist pro Zentner auf 2'/s Sgr. festzusetzen. Nach dreistündiger Debatte wurde der Antrag abgelehnt. -f Bukarest, 2. Mai. Das neue Ministerium ist nunmehr definitiv koustituirt wie folgt: Erupeano, Präsidium und Inneres; Pogor, Justiz; Cantauzeno, öffentliche Arbeiten; Lahvvari, Kultus; Manu, Krieg, und Carp, AeußereS. -j-Florenz, 2.Mai. Abgeordnetenkammer. Chiave legt den Finanzausschuß-Bericht vor. Die Debatte über die Finanzgesctz-Entwürfe findet wahrscheinlich zwischen dem 15. und 20. d. Mts. statt. Der Minister des Aeußern, Visconti Venosta, bestätigt die Nachricht von der Ermordung des italienischen Konsuls in Buenos-Ayres. Die Untersuchung, welche über das Verhalten des Konsuls angestellt sei, habe ergeben, daß die gegen den Letzteren vorgebrachten Beschuldigungen verläumderische seien. Der Minister verheißt die Vorlage der Akten über diese Angelegenheit, desgleichen sollen die Akten über die Marathoner Affaire vorgelegt werden. In Beantwortung einer Interpellation erklärt der Ministerpräsident Lanza, daß in Kalabrien das Brigantenwesen im Abnehmen begriffen sei; die dortigen Banden zählten insgesammt höchstens 45 Köpfe. -j-Paris, 3. Mai. Das „Journ. officiel" meldet: Der französische Botschafter in Rom, Marquis v. Banne- ville, hat in einer Depesche vom 28. v. Mts. an den interimistischen Minister des Auswärtigen, Hrn. Ollivier, die Mittheilung gelangen lassen, daß die meisten der zur Zeit in Rom anwesenden französischen Bischöfe ihr Bedauern ausgedrückt hätten, bei der allgemeinen Volksabstimmung ihre Stimme nicht abgeben zu können. Diese Bischöfe, heißt es weiter, würden sich glücklich schätzen, der Regieruug und dem Kaiser inmitten der Bevölkerung ihrer Diözesen ein Beispiel von Vertrauen und Ergebenheit darzubringen, und möchten wenigstens den Gedanken bezeugen, von welchem sie beseelt seien. Sie fragen daher an, ob sie und die Geistlichen, welche sie nach Rom begleitet haben, ihre Stimmen auf der französischen Botschaft abgeben könnten. CernuSchi, der ausgewiestue römische Emigrant, hat der Kasse des demokratischen Komitees die Summe von weiteren 100,OM Franken übermittelt. -f Washington, 1. Mai. Schatzsekretär Boutwell hat für den Monat Mai den Verkauf von 4 Millionen Dollars in Gold sowie den Ankauf von 6 Millionen Bonds angeordnet. ^Washington, 3. Mai. Repräsentantenhaus. Der Republikaner Calmins bringt die Resolution ein: Der Präsident möge dahin wirken, daß für die von der „Alabama" angerichteten Beschädigungen Schadenersatz gewährt werde. Die Resolution wird dem auswärtigen Komitee überwiesen. Deutschland. Karlsruhe, 3. Mai. Der heute erschienene „Staatsanzeiger" Nr. 11 enthält (außer Personalnachrichten): Verfügungen und Bekanntmachungen der Staatsbehörden.' 1) Bekanntmachungen des Ministeriums deSJnnern. s) Die Verleihung des größer» altbadischen Juristenstipendiums betreffend, b) Die Generalagentur des Feuerassekurranzvereins in Altona betreffend. Der von der administrirenden Direktion des genannten Vereins an Stelle des freiwillig zurückgetretenen Kaufmanns Ferdinand Katzenberger in Pforzheim zu ihrem Generalagenten für das Großhcrzogthum Baden ernannte Karl Haager in Mannheim ist als solcher bestätigt worden. 2) Des Finanzministeriums, s) Die erste diesjährige Gewinnziehung des Lottcricanlehens der Effenbahn-Schul- dentilgungs-Kasse zu 14 Millionen Gulden vom Jahr 1845 betreffend, d) Die Aenderungen in der Eintheilung der Forstbezirke Stichlingen und Thiengen betreffend. Die Gemarkungen Brendcn, Bcra», Aichen und Gulenberg werden dem Forstbezirk Stichlingen abgenommen und jenem in Thiengen zngetheilt, Brendcn und Berau bezüglich des landwirthschaftlich genutzten Geländes bei der Domänen- verwaltung Bonndorf belassen, bezüglich der Waldungen aber mit den Gemarkungen Aichen und Gutenberg der Domä- nenverwallung Säckingen zugewiesen. 3) Des Kriegsministeriums. Die Aufstellung einer Trainabtheilung als selbständige Abtheilnng betreffend. 4) Des Obermedizinalraths. Die medizinische Hauptprüfung im Frühjahr 1870 betreffend. Nachgenannte drei Kandidaten der Gcsammtheilkunde, welche sich zu der in diesem Frühjahr stattgehabten Staatsprüfung eingefunden haben, wurden zur Ausübung dieses Berufes in folgender Ordnung für befähigt erklärt, und zwar: Ed. Müller von Etten- heim, Fr. Lammert von Mannheim, O. Görger von Karlsruhe. Karlsruhe, 3. Mai. Das heute erschienene Gesetzesund Verordnungsblatt Nr. 28 enthält das Gesetz: die Vervollständigung des Landstraßen-Netzes betreffend. München, 2. Mai. Hoffmann's Korrespondenz meldet, daß der König den Inspektor des Schullehrerseminars in Speyer, den Priester Hm. Konrad Reither, zum Bischof her Diözese Speyer ernannt hat. ** Dresden, 2. Mai, Nachm. Der Großherzog von Hessen ist heute Mittag, begleitet vom König und der Königin, welche dem Großherzog bis Röderau entgegengefahren waren, von Berlin hier eingetroffen und im Hotel Bellevue abgestiegen. Morgen tritt der Großherzog über Leipzig die Rückreise an. Rudolstadt, 1. Mai. Zum Rudolstädter Konflikt bringt das „Dresden. Journ." folgenden offiziösen Beitrag: Gegenwärtig scheint das Bundespräsidium mit gutem Grunde die Politik des Zuwartens zu befolgen, denn es ist durchaus nicht ausgeschlossen , daß es noch zu einer Verständigung zwischen der fürstlich schwarzburg-rudolstädtischen Regierung und dem Landtage des Fürstenthums kommt. DaS Bundespräsidium scheint durchaus nicht geneigt, die Intervention des Bundes in die dortigen Differenzen unndlhiger Weise eintreten zu lassen. Die Frage selbst gilt als eine sehr heikle, man steht von ihr wohl den Anfang, übersieht jedoch nicht alle Konsequenzen nach den verschiedensten Richtungen, und wenn eS daher gelänge, die Streitigkeiten ohne Dazwischrntreten des Bundes aus der Welt zu schaffen, so würde dem gewiß vom Bunde kein Hinderniß in den Weg gelegt werden. Hierzu ist aber die Anknüpfung neuer Verhandlungen zwischen Regierung und Landtag des Fürstenthums ein erster nolhwendiger Schritt, und auf diesen scheint man von hier aus hinzu wirken. ** Berlin, 1. Mai. In der heutigen 16. Sitzung des Bundesralhes führte der Staatsministcr Delbrück in Vertretung des Bundeskanzlers den Vorsitz. ES erfolgten Mittheilungen des Präsidenten des Reichstags s) über ferner eingegangcne Petitionen, betr. die Prüfung der See- fchiffer re.; d) über den vom Reichstage beschlossenen Entwurf eines Gesetzes, betr. die Einführung der Braumalzsteuer in den zum Bunde gehörigen hessischen GebietSthei- lcn; o) über den Beschluß des Reichstags, betr. das Eisenbahnwesen. Die Vorlagen des Präsidiums, betr. s) den Entwurf eines Gesetzes wegen Abänderung des Haushaltsetats für 1870; b) den zu Berlin Unterzeichneten Additionalpostvertrag mit den Vereinigten Staaten von Amerika; o) den zu Berlin Unterzeichneten Postvertrag mit dem Vereinigten Königreich von Großbritannien und Irland; ä) den Entwurf eines Gesetzes über die Aktiengesellschaften; e) den Entwurf eines Gesetzes wegen Ergänzung des § 6 .des Gesetzes über die Verpflichtung zum Kriegsdienst; k) den Abschluß eines Auslieferungövertrags mit Spanien, gingen an die betreffenden Ausschüsse. Sodann wurden Ausschußberichte erstattet über 1) die Flößereiabgaben auf der Saale und Werra; 2) den Elbzoll; 3) die Vorlage Preußens und Sachsens, betr. den Abschluß einer Literarkonvention mit Frankreich, 4) die Beschlüsse des Reichstags zu dem Gesetzentwürfe, betr. die Eheschließung rc. von Bundesangehörigen im Auslande; 5) Petitionen. Mehrere an den BundeSrath gerichtete Eingaben wurden den betreffenden Ausschüssen überwiesen. Vs» -es IöhSmmru. (Schluß aus Nr. 104.) Eine Stelle jenes WaSgaupaffes heißt noch heute „des Herzogs Hand', französisch >s ms in ciu prinee, und an dieselbe knüpft sich eine Sage, welche nur als eine neuere Auffassung jenes berühmten Kampfes erscheint : Zwei Brüder schlugen sich um eine Braut, wobei der Eine die Hand verlor. Uebrigens zeigt die Oertlichkeit des WaSgensteins noch heute, daß ihn Mönch Ekkehard vor neunhundert Zähren in seinem herrlichen lateinischen Gedicht photographisch treu beschrieben. Diese Abschweifung, welche vielleicht manchem unserer Leser nicht unwillkommen war, soll nur zeigen, zu welchen interessanten Punkten eine BLHämmcrjagd führen kann, wenn sie sich nur etwas weiter auS- dehnt, als eine nächtliche Streiferei durch die Peternell und die nächsten Waldberge Bergzabern«. Die Räuber, von denen Ekkehard spricht, und die auch im spätem Mittelalter das Innere des WaSgaueS zu einer wahren Räuberhöhle machten, sind längst verschwunden. Kaum stoßen wir dort auf der französischen Grenze, wo Walther von Wasgenstein kämpfte, auf einen scheuen Schmuggler, desto öfter aber auf französische Douanier» und bayrische Grenzjäger, die in diesem Winkel voll merkwürdiger Burgen, malerischer Felsen und schöner Wälder die Grenzmarkt Deutschlands und Frankreichs begehen. Aus solchen weiten Zügen der Böhämmerschützen kann viel Tausenden von Böhämmern das Lebenslicht ausgeblasen werden. Und wie wir oft vergeblich auf die Rückkehr einer Schwalbe, einer Nachtigall, eine» Rothkehlchen» warten, weil sie jenseits der Alpen aus der Wanderung durch Welschland von den gefühllosen Italienern gefressen worden, — denn die Italiener verschlingen jeden Vogel, — so mag die Lappi» im hohen Norden während ihre« kurzen Sommer» »ielleicht der Rückkehr eines Bergfink«, der vor ihrer rauchigten Hütte nistete und die Oede ihrer Landschaft belebte, jehnlichst harren, indeß er längst schon dem Lehmgeschoß eine« pfälzischen Böhämnmschützen verfallen »nd im Magen eines Bergzaberncrs sein Grab gesunden. Heine'sche Sentimentalität jedoch kommt nicht auf gegen den trefflichen bitterlichen Geschmack gebratener Böh- ämmer. In guten Jahrgängen, wenn die Jagden ergiebig waren, wird sogar mit dem seltenen Leckerbissen ein lebhafter Handel getrieben, und der Böhämmer weithin in die Rheinstädte versandt. Daß dann der seltene Vogel thcuer bezahlt werden muß, versteht sich von selbst, wen» man auch in Bergzabern selbst um wenige Groschen das köstliche Gericht sich zubereiten lassen kann. Jahre vergehen übrigens, bis manchmal ein Böhämmer geschossen wird. Und selbst in guten Jahren können ganze Parthicn von Böhämmerschützen in stürmischen Schneenächten meilenweit den Wald durchstreifen, ohne nur eine Feder zu erbeuten. Wie schon erwähnt, wurden die mündlichen und schriftlichen Berichte über diese wunderliche Jagd für Märlein gehalten, und noch jetzt wird e« Leute geben, welche kaum an das Mitgetheiltc zu glauben sich getrauen. Dennoch ist es buchstäblich wahr. Vielleicht fühlen sich auch anderwärts Jagdsreunde veranlaßt, dem .GLgler' ein besonderes Augenmerk zu schenken und den Bergzabernern die nächtliche Böhämmerjagd nachzuthun. Und sollte die Beute auch noch so gering s-in, so wird doch die Szenerie der Jagd im winlernächttichen Walde den Theilnehmer höchlichst unterhalten und die Motion eine wohlthätige sein. Im Nothfall kann man ja in einem gulen Böhäm- merwinter bei den lebhaften und freundlichen Bewohnern Bergzaberns in die Schule gehen. August Becker. — Münchcn, 1. Mai. (A. Z.) Die von der Gartenbau-Gefellschaft veranstalte Blumenausstellung ist heute Vormittag eröffnet worden. Dieselbe nimmt diesmal fast den ganzen Glaspalast ein; sie ist aber nicht bloS in räumlicher Beziehung, sondern auch in Bezug auf die Zahl, die Schönheit und Seltenheit der ausgestellten Blumen und Pflanzen die großartigste, die wir bisher noch hatten, und sowohl im Einzelnen al) im Ganzen mit großem Geschmack arrangirt; rin Besuch derselben bietet hohen Genuß. Sehr reichlich auSgrstattet ist auch der auf der. Gallerte befindliche Bazar und Glückshafen zum Besten des Vereins für freiwillige Armenpflege. Der Besuch derselben wie der Ausstellung war heute den ganzen Tag hindurch ein sehr zahlreicher, und es ist bereits eine ansehnliche Summe eingegangen. An einem Abend im Laufe der Woche wird eine Beleuchtung der Ausstellung durch zahlreiche Gasflammen statt finden. Die Ausstellung selbst dauert bis zum nächsten Sonntag. — In Berlin geht am 3. Mai auf der Hofbühne Schiller'« „Jungfrau von Orleans" zum 400. Mal in Szene. Die erste Ausführung fand 1802 statt. — Das gräßliche Unglück in der Alt»fener Spiritusraffinerie läßt sich, was den Verlust an Menschenleben betrifft, bereits berechnen. Ein Pesther Korrespondent schreibt dem „Wanderer" darüber: „Neun" unddreißig Arbeiter waren im Keffelhause beschäftigt, wovon nur drei halbtodt aus den Flammen gezogen werden konnten, sechszehn bis zur Unkenntlichkeit verstümmelte Arbeiter find bis heute gefunden. Neunzehn werden noch vermißt und dürsten bis zur Kohle verbrannt sein. Gestern Nachmittag brannte es noch in den Kellern und im Maschinen- hause. Bei der Auffindung eine« Leichnams war ich gegenwärtig. Kopf und Extremitäten fehlten, der Rumpf war schwarz angebrannt, doch fand man Herz, Leber und Rippen." — Paris, 1. Mai. Gestern brach in der Rue Chaptal ein furchtbares Feuer aus. Dasselbe entstaub in dem Hause eines Schreiner« und ergriff bald die anliegenden Häuser, darunter da« Atelier Lapom- merad. Das Atelier son Willem« wurde auch theilweise zerstört. In demselben befand sich ein Bild von Stephens, da« derselbe für 14,000 Franken verkauft hatte. ** Berlin, 2. Mai. Das Zollparlament setzte heute die Berathung der Tarifvorlage bei Abschnitt II., welcher die im Eingangszoll veränderten Gegenstände behandelt, fort. Bei der Berathung der Eisenzölle stellt Hover - beck den Antrag, vor Posit. 4 eine Bestimmung einzuschalten, nach welcher der Eingangszoll auf Roheisen aller Art und altes Bruchcisen bis zum 30. Sept.1873 2*/s Sgr. per Zentner betragen soll, von diesem Termine ab sollen die genannten Artikel zollfrei eingehen dürfen. Meyer (Bremen) beantragt folgende Fassung: Roheisen aller Art und altes Brucheisen sollen beim Eingang vom 1. Jan. 4871 mit 4 Sgr., vom 1. Jan. 1872 mit 3 Sgr., vom 1. Jan. 1873 mit 2 Sgr. und vom 1. Jan. 1874 mit 1 Sgr. verzollt werden. Vom 1. Jan. 1875 ab sind diese Eisensorten zollfrei. Abg. Stumm erklärt sich gegen beide Anträge. Minister Delbrück rechtfertigt die Vorlage und beleuchtet die Anträge Hoverbeck'S und Mcyer's, welche er nicht für annehmbar hält. Unruh will weitere Ermäßigungen. Schließlich wird der Antrag Hoverbcck in namentlicher Abstimmung mit 125 gegen 113 Stimmen angenommen, der Antrag Meyer mit 120 gegen 116 Stimmen verworfen. x) Berlin, 2. Mai. Am Montag den 9. Mai wird Se. Maj. der Kaiser von Rußland auf der Reise nach Ems aus Petersburg in Berlin cintresfen und bis zum 11. hier verbleiben. Zu Ehren des erlauchten Gastes findet hier am 10. eine große Parade statt. An derselben werden außer den Truppen der hiesigen Garnison auch die Potsdamer Gardetruppen, sowie das in Brandenburg gar- nisonirende 6. Kürassierregiment (Kaiser Nikolaus I. von Rußland) und das in Fürstenwalde und Bceskow garni- sonirende 3. Ulanenregiment, dessen Chef bekanntlich der Kaiser Alexander ist, Theil nehmen. In Bezug auf einen Besuch Sr. Maj. des Königs von Bayern am hiesigen Hofe sind noch gar keine Bestimmungen getroffen. Ueberhaupt scheint die Ausführung dieses Vorhabens noch sehr zweifelhaft zu sein. Der König Ludwig II. hat in neuerer Zeit schon wiederholt den Wunsch ausgesprochen, dem König Wilhelm in Berlin einen Besuch abzustatten. Inzwischen sind aber noch keine Schritte geschehen, welche als Einleitungen oder Vorbereitungen dazu gedeutet werden könnten. Die aus Parzin eingehenden Nachrichten über das Befinden des Grafen Bismarck lauten andauernd günstig. Ohne Unterbrechung macht die Wiedergenesung desselben Fortschritte. Wie es heißt, beabsichtigt Graf Bismarck, um die Mitte der nächsten Woche nach der Hauptstadt zurückzukehren. Der am 25. Apr. zwischen dem Norddeutschen Bunde ,und Großbritannien abgeschlossene Po st vertrag zerfällt in drei Abschnitte. Dieselben umfassen den internationalen Verkehr und den Transitverkehr, worauf als dritter Abschnitt eine Reihe von allgemeinen Bestimmungen folgt. Unter der Benennung „Briefpostsendungen" werden in dem Vertrage Briefe und Zeitungen nebst andern gedruckten Sachen sowie Warenproben verstanden.- Die Beförderung von Briespost-Sendungen erfolgt vorzugsweise auf der Route durch Belgien, und zwar in geschlossenen Briefpakcten. Außerdem sollen die in regelmäßigen Fahrten zwischen den Häfen der beiderseitigen Gebiete kursirenden Privat-Dampf- schiffe zur Beförderung solcher Sendungen benützt werden, soweit dies für den Korrespondenzverkehr vortheilhast erscheint. Auf dem Wege durch Frankreich tritt ein regelmäßiger Austausch von geschloffenen Briefpaketen erst dann ein, wenn die bezüglichen Vorbedingungen geregelt sind. Die Kosten des Transits der Briefpakete durch das belgische Postgebiet' werden von beiden Kontrahenten zu gleichen Theilen getragen. Diejenige Postverwaltung, welche in ihren Vereinbarungen mit Belgien die niedrigsten Tarifsätze erlangt hat, soll die Kosten des Transits in beiden Richtungen bezahlen und die Hälfte der verauslagten Sunime von der anderseitigen Postverwaltung wieder erhalten. Breslau, 1. Mai. Man schreibt der „Kreuz.Ztg.": Das hiesige fürstbischöfl. General-Vikariatamt hat nicht nur in einem Zirkular vom 27. April d. I. eine Verordnung des Hrn. Fürstbischofs I)r. Heinr. Foerster vom 8. Jan. 1865 in Erinnerung gebracht, wonach der Kuratklerus für die Anerkennung des Syllabus, der nichts enthalte, was nicht „im Grunde aus der katholischen Glaubenslehre überhaupt zu entnehmen wäre" (!), thätig sein solle, sondern dieselbe Behörde hat auch einen der unbescholtensten und vom religiösen Ernste erfüllten Geistlichen, den ersten Kaplan von Liegnitz, Karl Je nt sch, wegen seines öffentlichen Widerspruchs gegen den Syllabus (s. gestr. „Karlsr. Ztg.") sb oküoio et ab oräms suspendirt. Die „Breslau. Ztg." polemisirt sehr scharf gegen das Zirkular der aus ihrer bisherigen offiziell wenigstens beobachteten Neutralität nun offen herausgetretenen Behörde und konstatirt mit Genug- thung, daß vier andere Geistliche, nämlich der Striegauer Erzpriester Lic. Welz mit seinen Kaplänen Nakel und Häßler und der Ortsgeistliche von Schmellwitz Bcrnh. Jaensch ähnliche freimüthige Erklärungen in der „Schles. Ztg." abgegeben haben. Oesterreichische Monarchie. -fff Wien, 1. Mai. Man scheint der russischer Seits erfolgten Kündigung des mit Oesterreich wegen gegenseitiger Auslieferung der Deserteure abgeschlossenen Kartellvertrags eine besondere Bedeutung beilegen zu wollen. Die Thatsache ist einfach die, daß Oesterreich, ganz so wie Preußen, den bisherigen Kartellvertrag nicht erneuert, daß darauf Rußland in Wien, ganz so wie in Berlin, denselben gekündigt und daß man in Wien, ganz so wie in Berlin, die Kündigung einfach angenommen hat. Graz, 1. Mai. (N. Fr. Pr.) Graf Ta affe hat bei seiner Anwesenheit in unserer Stadt mit dem Frhrn. v. KellerSpcrg wegen dessen Eintritt in das Kabinet erfolgreich verhandelt. Kellersperg'S Ernennung zum Minister für Kultus und Unterricht ist unmittelbar bevorstehend. Czernowitz, 2. Mai. Ein neuer Erlaß des rumänischen Ministeriums besagt, daß „Juden und Vagabunden" der Uebertritt über die Grenze nach Rumänien ferner nicht gestattet wird. Italien. * Florenz, 2. Mai. Das Gerücht, welches bezüglich eines angeblichen Gesetzentwurfs, dessen Zweck die Erhöhung der Renten steu er auf 15 Prozent, an der Börse ausgesprengt worden, ist falsch. Man soll den Antrag einbringen wollen, diese Steuer nur auf 13 Proz. festzusetzen. Frankreich. Paris, 1. Mai. (Köln. Ztg.) Neue Verhaftungen haben letzte Nacht stattgefunden. Die Polizei benützt nämlich die Affaire Beaury, um gegen Die einzuschreiten, auf welche sie seit längerer Zeit ihr Augenmerk gerichtet hat, und die Verhaftungen, welche sie seit zwei Tagen vornimmt, haben auf das Attentat, welches nur zu drei oder vier Arresta- tionen Anlaß gab, keinen Bezug. Weder die Bombengeschichte, noch die der Internationale stehen in Beziehung zu dem Attentat. Was die Bomben anbelangt, so hatte die Polizei schon seit mehreren Tagen Kenntniß, daß man in einigen Gießereien von Paris verdächtig erscheinende Gußstücke anfertigen lasse, und da sie in den letzten Tagen weitere Nachrichten erhielt, so war es ihr möglich, gleich nach der Verhaftung Beaury's einige Derer festnehmen zu lassen, die sich mit der Anfertigung von Bomben beschäftigt hatten. Alle Bomben scheint sie jedoch nicht entdeckt zu haben, da deren 800 angefertigt worden sein sollen. Was nun die Internationale anbelangt, so sollte erst nach der Volksabstimmung gegen die Chefs derselben eingeschritten werden. In Folge der Affaire Beaury hielt man es aber nicht für ncthwendig, noch länger zu warten, und schritt sofort ein, indem man zugleich einen Theil derjenigen Persönlichkeiten mitverhaftete, die sich in der letzten Zeit kompromittirt hatten. Die Angelegenheit Beaury scheint vollständig vereinzelt dazustehen, und ungeachtet man ein Schreiben von Gustave Flourens bei Beaury gefunden haben will, so will man doch nicht glauben, daß FlourenL sich wirklich dazu hergegeben hat, sich bei einem Attentat gegen den Kaiser zu betheiligen, und zwar um so weniger, als Beaury nach den offiziellen Angaben selbst ein ganz verworfenes Individuum ist. Wie Dem nun auch sei, einerlei, ob Flourens in die Sache verwickelt ist oder nicht, jedenfalls soll es seststehen, daß die Internationale nichts mit dem Komplott zu schaffen hatte, und daß die Bomben — dieses beweist auch das Einschmuggeln von Waffen aus Belgien — nicht für den Kaiser, sondern für einen Straßenkampf berechnet waren. Uebrigens hat Beaury auch ausgesagt, daß er von den Bomben nichts wisse. Beaury — ein Deserteur — selbst ist ein ganz junger Mensch von 20 bis 22 Jahren, ohne Bart, klein von Gestalt und sieht viel jünger ans, als er ist. Als man ihn verhaftete, trug er einen marengofaxbigen Anzug und einen runden Hut. Derselbe ist in Barcelona von französischen Eltern geboren, kam aber früh nach Frankreich, wo er seine Studien nachte und „Kaebelier-ss-soiknoes" wurde. Ueber seine Eltern wollte er keine Auskunft geben. Er erklärte, er sei Republikaner von seiner Kindheit an, daß er in diesen Ideen groß geworden und sie mit nach dem Regiment gebracht habe. Das Führungszeugniß Beaury's, während er bei der Armee war, lautet für ihn nicht sehr günstig. Er wurde als Korporal des 7. Linienregiments zu sechs Monaten Gefängniß wegen Verschleuderung von militärischen Kleidungsstücken verurtheilt, bei welcher Gelegenheit er ein erstes Mal desertirte. Am 15. August machte er von der Amnestie Gebrauch und trat wieder in die Armee ein. Gegen Ende 1869 wurde er wegen Mißbrauchs des Vertrauens zu zwei Monaten Gefängniß verurtheilt. Nachdem er dieselben abgesessen, mischte er sich in die Agitationen voir Belleville und Lavalette, was für ihn um so leichter war, als sein Regiment in der Kaserne Prince Eugöne lag. Beaury war mit Fayolle und Asmon, welche beide bekanntlich nach den Februarunruhen ebenfalls deser- tirten, sehr liirt. Auch erhielt er damals häufig den Besuch von Gustave Flourens. Am 10. Januar verließ Beaury die Kaserne und desertirte von neuem. Er wohnte dem Leichenbegängniß von Viktor Noir in Uniform an und flüchtete sich dann nach Belgien, von wo er sich mit Fayolle nach England begab. In London trafen beide Gustave Flourens, und wie Beaury aussagt, sei er dort mit Letzterem übereingekommen, den Kaiser zu ermorden. „Ich war entmuthigt" — so sagte er — „ich hatte keine Stellung, keinen Lebensunterhalt in einem Lande, dessen Sprache ich nicht kannte. Die Verzweiflung ergriff mich. Was hatte ich zu erwarten? Nichts. Ich wollte mein Leben aufopfern nnd meiner Partei nützlich sein." Beaury kommt nun über Boulogne nach Paris, wo man ihm in Folge einer Depesche, welche die Worte enthält: „Vouver I'arKknt!" 400 Franken LUszahlt. Dieses Telegramm trug ein Pseudonym, mit dem das Schreiben, welches Beaury bei seiner Verhaftung mit sich trug, auch unterzeichnet ist. Eine zweite Summe Geldes wurde Beaury am 29. April Morgens eingehändigt. Es waren 140 Franken. Außer dem Briefe von Flourens fand man auch noch bei Beaury das Konzept eines Schreibens, das er an Elfteren gerichtet und worin er 140 Franken von ihm verlangt. In diesem Schreiben heißt eS: „Die Amputation wird am 29. April, Nachmittags zwischen 2 und 4 Uhr, vorgenommen werden. Ich bin bereit." Die Zahl der Personen, welche als direkt beim Attentat gegen den Kaiser betheiligt verhaftet wurden, beträgt sieben. Dieselben sollen alle von Beaury desiznirt worden sein. Bei einer derselben soll man ein Londoner Schreiben vorgefunden haben, worin die sofortige Ermordung des Kaisers befohlen wird. Ob dies begründet, muß dahin gestellt bleiben. » Was die übrigen gestern und heute eingezogenen Personen — man schätzt ihre Zahl auf 80 — anbetrifft, so soll die Anklage auf Theilnahme an einer geheimen Gesellschaft lauten. Bestimmtes darüber erfährt man jedoch nicht. Unter den verhafteten Personen befindet sich auch der Advokat Protat. Derselbe wurde heute Morgen festgenommen. Während der Polizeikommissar in seiner Wohnung Nachsuchung hielt, gelang cs ihm, aus dem Zimmer zu entkommen. Er sprang die Treppe herunter. Der Polizei- kommiffär sandte ihm eine Kugel nach, ohne Ihn jedoch zu treffen. Es gelang ihm jedoch, ihn schließlich, obgleich mehrere Personen dem Flüchtigen zu Hilfe eilten, zu ergreifen und nach Mazas zu bringen. Das Gerücht, daß Pro tat aus den Polizeikommissär geschossen habe, beruht auf einer Verwechselung. * Paris, 2. Mai. Die „Patrie" bringt heute einige Enthüllungen über das famose Komplott. Man habe jetzt die Entdeckung gemacht, daß die Bomben bei einem Eisengießer in der Straße St. Maur angefertigt worden seien. Derselbe habe die Abbildung dieser schrecklichen Mordwerkzeuge in den Blättern gesehen und sofort der Behörde die Anzeige gemacht, daß am 14. April ein Individuum ihm diese Bomben abverlangt habe unter dem Vorwände, daß sie zu einer neuen Konstruktion von Velo- cipedes verwendet würden. Es wurden 150 Bomben bestellt, und zwischen dem 16. und 19. April lieferte der Eisengießer 22. Wäre der Strike der Gießer nicht dazwischen gekommen, so wären alle 150 Bomben, deren wirklicher Zweck dem Gießer natürlich ganz fremd war, abgeliefert worden. — Dasselbe Blatt veröffentlicht die Namen der fünfzehn verhafteten Mitglieder der „Internationale", die seit gestern nach dem MazaS-Gefängniß gebracht worden sind. Lauter völlig unbekannte Namen. Die offiziösen Abendblätter kündigen das demnächstige Erscheinen einer Broschüre des Vicomte v. Lagucron- niere, betitelt: „Das Votum vom 8. Mai", an. — Das Komitee der Linken und der demokratischen Presse hat gegen die Ausweisung Cernus chi's Protest erhoben. Derselbe ist indeß gestern Morgen nach der Schweiz abgereist und bereits wird seine Ankunft in Genf telegraphisch gemeldet. — Das Plebiszit-Komitee, an dessen Spitze der Herzog v. Albufcra steht, läßt den „Figaro" mit der Abbildung der Bomben in 100,000 Exemplaren in ganz Frankreich verbreiten. — Börse: rückgängige Bewegung in Folge der Komplott-Vorfälle. Rente 74.10, Cred. mob. 235, Ostb. 613. Großbritannien. London, 30. Apr. Auf jener Seite des irischen Kanals hat der Beschluß, die Klöster einer Besichtigung zu unterziehen, eine noch stärkere Aufregung hervorgerufen als hier, trotzdem die Untersuchung sich nicht auf Irland ausdehnen, sondern rein auf die Klöster in England beschränken soll. Di.e Gemeindebehörden der Insel beschäftigen sich eifrigst mit der Angelegenheit; der Dubliner Stadtrath hat einen Protest gegen den Beschluß angenommen, und in zahlreichen Volksversammlungen werden die katholischen Brüder in England ermahnt, sich einen solchen „Schimpf und Angriff" nicht gefallen zu lassen. Ueber- morgen wird das Unterhaus sich mit. der Wahl des Untersuchungsausschusses beschäftigen, und wer weiß, ob die ganze Maßregel nicht noch bei dieser Gelegenheit zu Falle gebracht wird. Egypten * Suez, 1. Mai. Mit dem ohne die Frauen und Kinder 700 Manu zählenden 77. englischen Infanterieregiment an Bord ist hier gestern der „Jumma" angelangt. Das Schiff wird vermuthlich morgen den Kanal einlaufen. In Port-Salb ist der französische Postpaketdampfer „le Tigre", dessen Tiefgang 20 Fuß beträgt, gestern angelangt. Amerika. * Washington, 2. Mai. Wie gerüchtweise verlautet, treffen die Mormonen insgeheim Anstalteir, um mit den Waffen in der Hand sich der Anwendung der Ver.-Staaten- 'Gesetze gegen die Vielweiberei auf dem Utahgebiet zu wi- dersetzen. * New-Aork, 1. Mai. Nachrichten aus authentischer Quelle melden, daß General Jordan, Ober-Kommandant der Insurgenten von Cuba, seine Demission gegeben hat. Er hat sich nach der Insel St. Thomas geflüchtet, wo er erklärt hat, daß der Erfolg der Insurrektion unmöglich sei in Folge des Mangels an MannSzucht und der Zwistigkeiten, die zwischen den Führern der Insurgenten bestehen. Vermischte Nachrichten. — Mittwoch, 4. Mai soll in Freiburg im Kaffeehau« .Zum Kops' eine Feier des Jahrestags seines hundertjährigen Bestehenstattfinden. Die eigentliche Säkularfeier soll erst im Hochsommer stattfinden, indem dann auch der Garten Abends benützt werden kann. (Frb. Ztg.) Badische Chronik. Karlsruhe, I. Mai. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben mit höchster Entschließung aus Großh. Staatsministerium vom 29. Januar d. I. ans die Höchstihrcm Patronat unterliegende katholische Pfarrei Ottenau, Dekanats Gernsbach, de» Pfarrer VitnS Nofitz e r in Schonach gnädigst zu ernennen geruht und ist derselbe am 22. März d. I. kirchlich eingesetzt worden. Der Hr. BiSthumSvcrweser hat die katholische Pfarrei Werbachhau- sen, Dekanats Tauberbischofsheim, dem Pfarrer Franz Joseph Nie» in Hettingenbeuern verliehen, und ist derselbe am S. April d. I. kirchlich eingesetzt worden. /X Karlsruhe, 2. Mai. Gestern wurde die Versammlung des auf Anregung des badischen Frauenvcrcin» gegründeten .Sonntagsvereins' in feierlicher Weise durch Gesang der anwesenden Mädchen und entsprechende Ansprachen des Hrn. Verwaltungsgericht- rath Wielanbt att derzeitigen Präsidenten, und de« Hrn. Hofprediger D»ll eröffnet. ES will dieser Verein in gewissem Sinne sür die durch da« neue Schulgesetz in Ausfall gekommenen Sonntagrund Fortbildungsschulen einen Ersatz bieten, aber nicht in der Form einer Schule, sondern in der Weise eine« freien Vereins. Zu diesem Zwecke theilt sich der Verein in ordentliche und außerordentliche Mitglieder; ersten find diejenigen schulentlassenen Mädchen, welche sich verpflichten, durch Einzeichnung in den Verein an seinen Versammlungen an den Sonntagnachmittagen möglichst regelmäßig Theil zu nehme». Die außerordentlichen Mitglieder, bestehend aus Männern und Frauen, die sich dem Verein anschließen, übernehmen die Leitung des Vereins, doch werden in den au« 9 Personen bestehenden Vorstand auch 4 Mitglieder aus der Zahl der theilnehmmden Mädchen durch freie Wahl derselben ausgenommen. Die Zeit der Versammlungen, die sonntäglich den Sommer über von 2—6 im Industries»»! der zweiten Stadtschule stattstnden, wird zur Hälfte mit Unterricht, zu dem sich die hiesigen Lehrer bereit erklärten, zur Hälfte mit belehrenden Mittheilungm und geselligen Unterhaltungen au-gefüllt, zu deren Ueberuahme sich eine Anzahl Herren und Damen vereinigten. Die Kosten werden durch freiwillige Gaben aufgebracht. ES verdient dieses Werk i>ex Verbreitung belehrender Kenntnisse und der Förderung gesitteter Unterhaltung in den Mädchenkreisen der östlichen StadttheilS vielseitige Unterstützung und Theilnahme und e« wäre nur zu wünschen, daß die schulentlassenen Knaben der beiden Schulen in jenem Stadttheile, die, wenn sie nicht zufällig die Gewerbeschule besuchen, nach ihrer Schulentlassung keine weitere Anregung haben, auch Gelegenheit zur Erhaltung und Weiterbildung ihrer Schulkenntnisse erhalten werden. Der Eröffnungsfeier wohnte auch die hohe Protektorin de« Frauenvcreins, sowie die Prinzessinnen Wilhelm und Elisabeth und die Frau Fürstin von Hohenlohe-Langenburg an. Bruchsal. 30. Apr. (B. L.-Ztg.) Wilhelm Deuschler von Burgberg, von großh. Schwurgerichtshof Freiburg wegen Raubs zum Lode verurlheilt und von Sr. Königl. Hoheit dem Großherzog zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe begnadigt, wurde heute Mittag mit dem Gefangenenwagen hieher verbracht und in die Strafanstalt abgeliefert. Heidelberg, 30. Apr. (Heidelb. Zlg.) Bei der heutigen ersten Immatrikulation wurden inskribirt: Theologen 9, Juristen 100, Mediziner 19, Chemiker 12, Philologen und Philosophen 21, zusammen 161. Vorgemerkt sind 86. Heidelberg, 2. Mai. (Heidelb. I.) Von sämmtlichen hiesigen Bierbrauern wurden 3900 Fuder Bier gebraut. Im vorigen Jahr 3015 Fuder, stellt sich also für diese« Jahr ein Mehr von 485 Fuder heraus. Mannheim, 2. Mai. (Mannh. I.) Der gestrige erste Tag der Mannheimer Rennen schien vom Wetter nicht begünstigt werden zu wollen, schwarze Wolken zogen Vormittags am Firmament vorüber, di« dehfallsigen Befürchtungen fanden jedoch keine Bestätigung, da, einige leichte Regenschauer abgerechnet, der Nachmittag ziemlich günstig ablief. Der Verlaus der Rennen war im Ganzen ein brillanter, das Flachrennen Nr. 3, die Steeple-Chas« Nr. 7 ausgezeichnet. Bei dem Trabreiten sür Landwirthe waren am Pfosten 9 Pferde angemeldet worden, au« denen ihren Besitzern, Landwirth Bender von Mannheim den ersten Preis mit 50 fl., Landwirth Kaltreuther von ebenda den zweiten mit 30 fl., Landwirth Kaltreuther von da den dritten mit 20 fl. errangen. Zum Eröffnungsrennen, Flachrennen, Herrenreiten, waren 6 Pferde angemeldet worden, von denen 4 liefen, wovon die braune Stute Lalla Rookh übrigen« nur mitstartete; The Martyr des Hrn. Schawel jun. au« Wie«, von Hrn. Graf Esterhazy geritten, führte von Anfang bis zu Ende und gewann leicht (Preis 250 fl.), Relic wurde Zweiter, vier Pferdelängen darnach kam Luxemburg an. Da« zweite Rennen, Flachrennen, Herrenreiten, doppelte Distanz wie da« vorige, hatte in Folge seiner bedeutenden Nennungen großes Interesse erregt. Von 8 angemeldeten Pferden liefen 5. Anfang« führte Ve- lunteer, dann folgten The Malbyr und Banker, Typhon und Leapfrog wurden absichtlich hinten gehalten, gingen aber dann vor, beim zweiten Umlauf siegte der braune Hengst Typhon des Hrn. Espenschied au« Mannheim, geritten von Hrn. Mossner, (Preis der Stadt Baden, 100 Friedrich«d'or«), The Martyr folgte als Zweiter, Leapfrog als Dritter. Rennen Nr. 5, Offiziers-Hürdenrennen, geritten von Offizieren auf Dienstpserden, Ehrenpreis Sr. Großh. Hoh. de« Prinzen Wilhelm von Baden und 300 fl. baar vom Verein. Hierzu waren 10 Pferde angemeldet, von denen 6 auf der Bahn erschienen. Bei diesem Rennen kamen einige Unfälle vor, die glücklicher Weise keine »achtheiligen Folgen hatten. Die Fuchsstute Lose de« Hrn. Grafen zu Isenburg au» Darmstadt, von ihrem Besitzer geritten, galoppirte allein durch« Ziel, nach einiger Zeit kamen Roulette und Tome «in. Zum Jagdrennen, Herrenreilen, Staatspreis 400 fl., Distanz 2400 Meter mit 12 Hindernissen, waren ^ Pferde «ngemeldet, von denen 2 zurücktraten. Bei diesen« Rennen liefen zuerst nur zwei Pferde, Anna und Spork, da Fanny nur mit startete. Nach einem ziemlich heftigen Sturz von Fanny, welche übrigen« durch ihren entschlossenen Reiter alsbald wieder bestiegen wurde, nahmen beid: Pferde sämmtliche Hindernisse, der braune Wallach Spork de» Hrn. Maier-Ehalt, von diesem selbst geritten, kam zuerst ein, Fanny warb Zweite und erhielt dieselbe lebhaften Applau«. Da» nun folgende Rennen 6, Hürdenrennen, geritten von badischen Offizieren, Distanz 1600 Meter, 6 Hürden, Preis 400 fl., gestiftet von II. GG. HH. Frau Fürstin Leiningen und Prinz Karl von Baden, und S. D. Fürst Hohenlohe-Langenburg, hatte drei Nennungen am Pfosten. Die drei Pferde, welche liefen, sprangen sehr gut und kamen in folgender Reihenfolge ein: Percy, br. Wallach de« Hrn. v. Degenfeld, Vesuv, br. Wallach des Hrn. Geniol; die letzte war Anna. Den Beschluß machte die Steeple-Chase, Distanz 4800 Meter, 22 Hindernisse, Preis der Stadt Mannheim, Ehrenpreis in Silber im Werth von 300 fl. und 500 fl. baar vom Verein. Von 13 «»gemeldeten Pferden liefen 7. Dieses Rennen war unstreitig ba« glänzendste und erregte durch seinen glücklichen Verlauf, durch das schneidige Reiten ba« höchste Interesse. Vom Start ab führte The Nip des Hrn. Gras Mar Wolfs-Metternich, geritten von Hrn. Gras Ferd. Metternich, und gelang e« auch dieser Stute, welche gestern eine enorme Leistungsfähigkeit an den Tag legte, den schönen Prei« der Stadt Mannheim zu erringen. Zweiter wurde Royal Vale, Fuchs- Wallach de- Hrn. Grafen Fürstenberg; diesem folgten die übrigen Pferde, zum Theile von ihren Reitern angehalten, weil sie den ersten Platz nicht mehr zu erringen hoffen konnten, und zwar in folgender Reihenfolge, Bardou«, Demo», der braune Wallach vom Cornerstone, Black Susan, Hamilton. Mannheim, 2. Mai. (Mnnh. I.) Von hohen Fremden, welche dem gestrigen Rennen anwohnten, nennen wir: Se. Großh. Hoheit Prinz Wilhelm von Baben, II. HH. die Prinzen von Weimar und von Meiningen, Se. Durchl. Fürst Salm. Die zu den Rennen gestifteten Ehrenpreise, welche ausgestellt waren, sind prachtvoll; der von Sr. König!. Hoheit de« Großherzog gegebene besteht in einem sehr schönen silbernen Tafelaüssatze, mit meisterhaft cisclnten Gemsen, und «erregte die Bewunderung aller Beschauer. Die von Sr. Großh. Hoheit Prinz Wilhelm von Baden gestifteten zwei Preise sind superb, ebenso derjenige der Stadt Mannheim. Der Rennplatz hak gegen die früheren Jahre eine bedeutende Verbesserung durch Erbauung eines «as- fioen Pavillons erhalten, welcher durch die Beiträge etlicher SporlS- liebhaber gegründet wurde. In der gestern Abend stattgehablen Generalversammlung des badischen Rennverein« führte Hr. General v. Laroche den Vorsitz. Die sieben nach dem Loose austretenden Mitglieder de« Direktoriums und die drei früheren Rechnungsrevisore» wurden wieder gewählt. 8 25 der Statuten wurde dahin abgcändert, daß künftig die zum Besten der Vcreinskasse von den Gewinnen ab- zuziehenden 5 Prozent einschl. der Einsätze und Reugelder zu verstehen sind. Mannheim, 2. Mai. Da» vielbesprochene Mai-Rennen ist gestern begonnen und heute zu Ende geführt worden. Man schätzte die Anzahl der Zuschauer aus wenigstens 5000, wovon etwa 400 in Equipage» zum Rennplätze fuhren. Von fürstlichen Personen bemerkte man Se. Großh. Hoheit den Prinzen Wilhelm und Se. Hoheit den Prinzen Bernhard von Sachsen-Weimar. Die ersten Preise erhielten die Pferde der HH. Espenschied (Stadt Baden mit 100 Friedrichsd'or) und Graf Metternich (Ehrengeschenk der Stadt Mannheim). Denjenigen des Offiziers-Hürdenrennen« Gras Isenburg, des Jagdrennens Leutnant Ehalt, im sechsten Nennen Leutnant v. Degenfeld. Im Bauern-Rennen Halle den ersten Preis Oekonom Bender von hier. Leider ist das Rennen nicht ganz ohne Unfall abgelaufen. Einer der Reiter stürzte und überwarf sich mit dem Pferde, raffte sich aber so schnell wieder auf, daß er unter Jubel als der Zweite am Ziel ankam. Unglücklicher war Gras Hirschberg, der das Schlüsselbein brach und wohl einige Wochen zur Kur nothwendig haben wird. Von zwei aus der Bahn bei den Hürden ausgebrochenen Rennern wurden Fabrikant Wahl mit seinem Söhnchen und Hr. Müller aus Chicago zu Boden geworfen, erlitten aber glücklicher Weise nur leichte Kontusionen. Se. Königl. Hoheit der Großherzog traf um die Mittagsstunde hier ei», stieg im Großh. Schlosse ab und fuhr kurz vor 3 Uhr auf den Rennplatz. — Gestern wohnten die anwesenden hohen Herrschaften der Aufführung der .Jüdin" in der Großh. Hosloge an. Heule findet die Aufführung der .Karlsschüler' statt (Hr. Herzfcld: Schiller, Hr. Jakobi: Herzog Karl). Auch heute ist der Besuch der Stadt ein ansehnlicher Mannheim, 3. Mai. (N. B. Ldsztg.) Der Maschinen- markt erfreut sich allgemeiner Anerkennung nnd zahlreichen Besuchs. Der Markt ist gut beschickt; die Anordnungen durchaus zweckmäßig, und das Interesse, da« ein Besuch bietet, allseitig. Gestern früh wurde der Markt von dem Handelsminister v. Dusch, dem Hrn. Geh. Rath vr. Dieb und dem Hrn. NegierungSrath Rau eingehend besichtigt; gestern Abend, nach dem Rennen, auch noch durch einen Besuch Sr. Königl. Hoh. de« Grobherzog« ausgezeichnet. De: Pferde- und Rindmiehmarkt wird heute erst seinen Höhepunkt erreichen. Wenn da« Wetter, La« im Ganzen den ersten Maitagen wenig Ehre macht, nur einigermaßen sich gut anläßt, wird da« Marktleben ein reiche», allseitig befriedigende« werden. — Au« Durmersheim geht uns die Mittheilung zu, daß dort am 2. d. M. der Abschluß der ersten Civilehe stattgefunden hat, und zwar in feierlicher Weise, begleitet von Böllerschüssen. * Baden, 2. Mai. Die gestern eröffnetc Fremdenliste zählt bereits 1378 Personen. Hierunter befinden sich an Fremden von Auszeichnung: der Fürst und die Fürstin'Mar, die Prinzen Mar Egon und Karl Emil zu Fürstenberg, die Fürstin Helene von Rohan, Fürst NikolaS Labanoff de Rostofs au« Rußland, Prinz Moritz von von Hanau, Fürst Lieven aus Kurland. Breisach, 28. Apr. (Breisg. Ztg.) Heute war Hr. Professor Baumeister von Karlsruhe, bauleitender Ingenieur der Bahnlinie Freiburg-Breisach, hier und verhandelte mit einem größeren Theil der Besitzer der auf der Gemarkung Breisach in die Bahnlinie fallenden Grundstücke über die Ertheilung der Einwilligung, die Arbeiten sür den Bahnbau aus den betreffenden Liegenschaften, vor Festsetzung des Kaufpreises derselben, in Angriff nehmen zu dürfen. Erfreulicher Weise kann berichtet werden, daß sämmtliche bei der Verhandlung anwesende Grundeigenlhümer in richtiger Erkenntniß, daß die möglichste Förderung des Bahnballes im Interesse unserer ganzen Bevölkerung liege, einstimmig die geforderte Einwilligung eltheilten. Wie Hr. Poof. Baumeister mittheilte, wird die Begebung der Bahn- arbciten demnächst öffentlich ausgeschrieben werden. Es ist deßhalb um so wünschcnSwerther, daß auch die betheiligten Nachbargemeinden dem hier gegebenen Beispiele folgen und der Bahngesellschaft eben so bereitwillig ihre Grundstücke vor Festsetzung des Kaufpreise» zur Verfügung stellen, wie dies hier geschehen ist. Ein Entgegenkommen in dieser Richtung dürfte sich uni so mehr empfehlen, als durch Erthei- lung der Einwilligung kein Grundbesitzer auf irgend ein Recht bei Feststellung des Kaufpreises verzichtet, die Bahngesellschast aber dadurch in die Lage gebracht werden würde, den Bahnbau, den Wünschen und Interessen aller an der Linie liegenden Gemeinden entsprechend, wesentlich beschleunigen zu können. — Die Nachricht, daß rS der Gemeinde Hohenthengen bei Jestetten durch ihre energische Einsprache gegen die ihr zugedachte Jesuitenmission gelungen sei, dieselbe von sich abzuwenden, mochte zu der Zeit, als sie gegeben worden, vollkommen begründet scheinen, hat sich jedoch nachträglich nicht bestätigt. Der Ultramonta- nismn« läßt sich so leicht nicht impsniren und den VolkSwillcn erkennt er nur da an, wo er ihn zu seinen eigenen Zwecken als Hebel benützen kann. Die Geistlichkeit bestand darauf, daß die einmal beschlossene Mission abgehalten werde, und zwar jetzt erst recht. Die Gemeinde wendete sich wiederholt an das Pfarramt und selbst in einer mit zahlreichen Unterschriften versehenen Vorstellung an die erzbisch. Kurie in Freiburg. Vergebens: die Mission findet statt — das war der unabänderliche Entschluß ihrer Arrangeure und der 1. Mai wurde zum Beginn derselben ausersehen. Nunmehr wurde in der Gemeinde (der .B. Lds.-Ztg." zufolge) nachstehender Aufruf vertheilt: .Mitbürger und Gesinnungsgenossen! Wie Euch bekannt, findet in Hohenthengen in den nächsten Tagen die längst beabsichtigte Jesuitenmisfion statt. Vergebens habe» wir sowohl bei dem Ortsgeifllichen, als bei der bischöflichen Kurie alle Schritte versucht, welche geeignet waren, diese un« gegen unfern Willen ausgedrängte Radikalkur abzuwenden. Ihr selbst habt durch mafsenhaste Unterschriften, welche wir der bischöflichen Kurie zur Kennt» ißnah me vorlegten, erklärt, baß die überwie gende Mehrheit der Bewohner de» Rheinthal- von der Mission nicht» wissen will. Da dieselbe trotzdem stattfindet. so liegt e« klar zu Tage, welche Achtung die Kirchengewalt dem unverfälschtesten Ausdrücke eine« unzweideutigen VolkSwillcn« widerfahren läßt. Die derzeitige Gesetzgebung gewährt keine Handhabe, die in der That un« ausgedrängte Mission zu verhindern und als loyale Staatsbürger verschmähen wir e», zu den Mitteln thätlicher Gewalt zu greifen. Aber doch gibt cs »och ein Mittel zur Vereitelung der Mission, da» ebenso wirksam, als erlaubt ist : Am Sonntag.. den 1. Mai, früh Morgen« um 7 Uhr, vor Beginn der Mission, wollen wir uns möglichst zahlreich am Pfarrhaus in Hohenthengen versammeln. Eine Abordnung wird die HH. Patres ersuchen, die Mission zn unterlassen. Euer Erscheinen soll da» Einverständniß mit der Abordnung bekunden. Bleibt dieser Schritt ohne den gewünschten Ersolg, zeigen der Ort-geistliche und die fremden Herren, daß ihnen der Wille der Mehrheit der Bürger für nicht» gilt, dann erübrigt nur — da von jedem thätliche» Widerstand abge- aesehen werden soll, daß Ihr Euch und Eure Angehörigen von der Mission ferne haltet. Da« iß e», was wir Euch an's Herz legen, und wa« Ihr Euch selbst, al« Männer von Ehre und Charakter, schuldig seyd. Als, kommt, kommt Alle, die mit un« einverstanden sind, kommt Alle am Sonntag, den 1. Mai, früh 7 Uhr, »ach Hohenthengen!" — Die HH. Lande«k»mmiffär Sach« und Oberamtmann Grosch sind in Hohenthengen anwesend. j-j- Hohenthengen, 2. Mai. Gestern Vormittag nach 8 Uhr versammelten sich, der vorher ergangenen Aufforderung (s. o.) entsprechend , ungefähr 100 Gegner der Mission vor dem Pfarrhause. Eine Deputation begab sich in da« Pfarrhaus, in dessen Nähe etwa 30 Freunde der Mission sich versammelt hatten. Auch diese schickten gleichzeitig eine Deputation. Beide gaben ihre Erklärungen gegen und sür die bereit« anwesenden PalreS ab. Letztere erklärten, auf ihrem Vorhaben zu bestehen, da nur wenig Gegner da seien. Die Misfionspredigten nahmen dann in der That sofort ihren Anfang, ohne daß — Dank den Bemühungen der die Opposition leitenden Persönlichkeiten — Störungen erfolgten. Vom Heuberg, 30. Apr. (Konst. Ztg.) Wie in den meisten Gemeinden de« Hcuberg», so ist auch in Kre en h ei n st et ten das Bedürfniß vorhanden, die jetzige Feldeintheilung zu verbessern und sür die Anlage von brauchbaren Feldwegen zu sorgen. Zu diesem Zweck wurden schon vor zwei Jahren vom Gemeinderath die nöthigen Schritte eingeleitet. Bei der erstmaligen Abstimmung konnte die gesetzlich erforderliche Mehrheit sür da« Unternehmen nicht erreicht werden, und es schien damals, als ob in Kreenheinstettcn trotz der Kata- stervermessung Alles beim Alten bleiben solle. Die nächste Folge diese« Beschlusses wäre nun die AuSsteinung und Vermessung nach dem alten Besitzstände gewesen. Ehe man aber hiemit anfing, wurde, um den drohenden Schaden von der Gemeinde abzuwenden, die Sache vom Bezirksamt nochmal» ausgegriffen. Am 29. April kam da» Unternehmen zur Abstimmung, und da» Resultat derselben ist die beinahe einstimmige Annahme des Projekt« für die ganze Gemarkung. ES ist erfreulich, daß sich die gute Einsicht noch zu rechter Zeit Geltung verschafft hat. Hoffen wir, daß sich die noch rückständigen Heuberger Gemeinden hievon ein Beispiel nehmen. Konstanz, 2. Mai. (Konst. Z.) Gestern Mittag 2 Uhr bewegte sich, vom herrlichsten Maienwetter begünstigt, eine Prozession unter Anwohnung von 7 Geistlichen vom Münster nach dem neuen Kirchhof, der hierauf feierlich eingcweiht wurde. Frankfurter Kurszettel vom 2. Mai. Staatspapiere. Preußen Nassau Bayern Sachsen S.-Gotha Württbg. Baden Gr.Hessen Ocstreich Lurembg. Rußland Belgien Schweden Schweiz N.-Amrk. 4V-°/oOblig.i.Thlr. 4'/,Vo Obligationen 4°'o dto. 3'/-°/° dto. 5Va Obligat. 4VrVa dto. Ijährig 4'/r°/a dto. '/, „ 4°, dto. Ijährig 4V° dto. Vr . 4Vo Ablös. Rente 5°/°Oblig.Thlr.L105 5"/, dto. dto. 4Vr°/a Obligationen 4° o dto. 3'/,«/o dto. 5Vo Obligationen 4'/,Vo dto. L105 4°/a dto. . . 3Vr°/o Obl. v. 1842 5" o Obligationen 4»/, dto. 3V-°/° dto. 50/oEinh.SttSsch. i.S 5°/° ,. „ i.P. 5Va . „ » 5VoUng.Eis.Anl. i.S 4VaOblig.Fr.ü28kr. 4Vo dkd. Thtc.ü lOä 5V°Oblig.i.L.üfl.12 4VrVa Obligationen. 4V,Vo Oblig.i. Thlr. 4V-V°Eidgen.Oblig. 4VrVoBern.St.-Obl. 5V« Genf. Stts.-Obl, 6VoBd«.188lrv. 61 6V° 6Vo 6Vo 6V« 5°o 5°/o 1881rv.64 1882rv.62 1885r v. 65 1887r v. 67 1871rv.61 1874r V.LS/Ö9 92-/r P. 91'/» G. 84 P. 83VgP. 101'/« G. 91'/sb.G. 92'/, G. 85'/, G. 85'/» P. 86 P. 101V, G. 100 P. 91-/. G. 84'/. P. 82 P. 99'/, G. 92'/, G. 87'/rb.G. 82'/. G. >02>/.P. 92'/. G. 87'/. G. 57'/, G. 49 V, b.G. 49'/. G. 75'/, P. 84'/, P. 84'/, P. 84'/. P. 104'/, G. 88'/. P. 101'/, G. 100'/, P. 102'/, P. ^V-b.G. 3'/-V»Pr.Präm.A. Brschw.20-Thlr.-L. Bayr.4V,Präm.A. Bad. 35-fl.-Loose „ 4°/,Präm.-A. Ansb.-Gunzenh.L. Gr. Hess. 50-fl.-L. dto. 25-fl.-L. Oestr.250-fl. v. 39 . 4°/,250-fl.v.54 . 5V»500-fl.v.60 . 100-fl.v.64HW „ Crd.100-fl.v.58 Schwed.Thlr.10-L. Finnl. Thlr. 10-L. AalehraSloasr u. Prämienanleihen. 18 G. 106'/, P. 53 P. 104'/. G. 12V, P- 175bz.G. 45'/. P- 72 b-z. 78>/,bez. 112'/. P. 12'/, P. 8-/.P. Wechsel-Snrse. Amsterdam k.S. Berlin Bremen Cöln Hamburg London ' Paris FrS. Wien öst. W. ' Bankdisconto 100'/, bz. 105'/, B. 97'/, B. 105'/, B. 83'/, P- 119V. bz- 94'/.bez. 95-/.bez., 3'/-Va G. Sald und Silber. Preuß.K»ffsch.fl.144V,-45'/, Friedrchsd., 958-59 Pistolen „ 947-49 Holl. 10-fl.St. . 954-56 Ducaten „ 5 36-38 20-Frc«.-St. . 928V,-29'/r Engl.Sover. ,1155-59 Ruff.Jmper. . 947-49 Doll, in Gold .228-29 Frankfurt, 3. Mai, Nachm. Oesterr. Kreditaktien 255'/,, StaatSbahn-Aklien 367'/,, Silberrente 57'/., I860r Loose 78'/«, Amerikaner 95'/,, Gold —. München, 2. Mai. Prämienziehung der vierprozentigen Prämienanleihe: 70,000 fl. gewinnt die Obligationsnummer 4473. 28.000 fl. Nr. 125,274, 10.500 fl. Nr. 53,796, 2800 fl. Nr. 156,75t, je 1400 fl. Nr. 53,777, 82,958, 125,269, 21,195. Verantwortlicher Redakteur: vr. I. Herm. Kroenlein. Theater in Baden. Mittwoch 4. Mai. Romeo und Julie, große Oper mit Ballet in 5 Akten, von Gounod. U P.70. Karlsruhe. Entfern teil «»-'Verwandten und Freunden die traurige § Nachricht, daß unsere liebe Mutter und Großmutter, Waldburga, Wittwe des Oberforstmeisters Velten, nach langen schweren Leiden Montag den 2. Mai sanft verschieden ist. Die Hinterbliebenen. P 63. Bei A«g. Reichling in Waldkirch ist erschienen : ManMkuiwe Ferd Leutz, Vorstand de« Schullehrerseminars in Karlsruhe. Preis 36 kr. Durch Erlaß Großh. Oberschulralh« ist derGebrauch dieses weiteren LehrhülfSmittelS denjenigen Schulanstalten, wo ein besonderes Bedürfniß dazu auftritt, zum Gebrauch empfohlen. In Karlsruhe zu haben in der