Karlsruher Zeitung. Dienstag, LL. März. M ss. Vorausbezahlung: halbjährlich 4 fl., vierteljährlich 2 fl., durch die Post im Großherzogthum Baden 4 fl. 15 kr. und 2 fl. 8 kr. Einrückungsgebühr: die gespaltene Petitzell« oder deren Raum 5 kr. Briefe und Gelder frei. Expedition: Karl-Friedrichs-Straße Skr. 14, woselbst auch die Anzeigen in Empfang genommen werden. 1862 Alle Posterpeditionen nehmen Bestellungen an auf den Monat März der Karlsruher Zeitung. Amtlicher Theit. Dienstnachricht. Karlsruhe, den 10. März. Zeine königliche Hoheit -er Großherzog haben Sich unter dem 24. Februar l. I. gnädigst bewogen gefunden, den von der Gemeinde Dühren aus den drei ihr bezeichneten Bewerbern gewählten und präsentirtenPfarrerFrank zuEschel- bronn zum Pfarrer von Dühren zu ernennen. Nicht-Amtlicher Theit. Np Gehört Hegemonie zum Bundesstaat? So fragt die „Augsburger Allgemeine", zu dieser Frage angeblich veranlaßt durch die jüngste badische Note über die Bundesreform. Erst vor wenigen Tagen haben wir dem ehrenwerthen Blatt eine flagrante Unwahrheit nachgewiesen, so daß sich eigentlich nicht der Mühe verlohnt, zu untersuchen, ob es durch unverständiges oder absichtliches Mißverständnis zu seiner verkehrten Frage veranlaßt wurde. Die Frage selbst ist, wie wir schon wiederholt ausführten, nicht nur unbedenklich mit „Nein" zu beantworten, sondern man muß sogar einen Schritt weiter gehen und behaupten, die hegemonische Führung der verbündeten Staaten durch einen einzelnen derselben ist mit dem Wesen des Bundesstaates geradezu unvereinbar. Denn dieses beruht darin, daß eine Mehrheit von Staaten, deren jeder für sich ein Staat ist und bleibt, einer gemeinsamen, alle umfassenden und vertretenden obersten Gewalt sich unterwerfen. Doch hüten wir uns, dem Augsburger Blatt mit allgemeinen Gegriffen zu kommen; es ist der Gelehrsamkeit nicht geneigt und beweist seine völlige Abkehr von derselben in dem angefochtenen Artikel gründlich genug. So spricht es von bundesstaatlichen Verfassungen, und hat auch einmal gehört, daß die schweizerische und die uordamerikanische Verfassung bundesstaatlicher Art sind; es weiß aber nicht, daß in denselben die Scheidung von ianern und äußern Angelegenheiten, welche ihm so unbegreiflich ist und unthunlich scheint, durchge- führt ist und täglich gehandhabt wird. Seine Logik erlaube ihm, auS dem Satz, die Hegemonie gehöre nicht zum Wesen des Bundesstaats, getrost die Folgerung zu ziehen, also sei das großdeutsche Programm auf den Bundesstaat gerichtet. Ueber diesen Schluß nun mag sich der süddeutsche Korre- spoudent der „Allgemeinen" bei seinem Schulmeister verantworten ; wir acceptiren bestens das Zugeständniß, daß Abhilfe für die deutschen Uebel nur von solchen Einrichtungen zu erwarten ist, welche an die Stelle vertragsmäßiger Ueberein- kunft über gemeinsame Angelegenheiten ein mit staatlicher Gewalt ausgerüstetes Organ der Gesammtheit setze«. Mit diesem Zugeständniß ist Alles entschieden, und wir halten deß- halb den Korrespondenten der „Postzeituug", der sich gleichzeitig mit der „Allgemeinen" gegen die badischen Vorschläge ereiferte, nicht blos für ehrlicher, sondern auch für klüger, wenn er die bundesstaatliche Organisation, als eine übertriebene und unerträgliche Zentralisation, direkt angreift. DaS Bemühen der Großdeutschen, ihre Projekte mit diesem Namen zu decken, ist ein vergebliches. Wir bedürfen eine Regierung, welche dem ganzen Deutschland, nicht de« deutschen Einzelstaaten angehört; gerade dadurch, daß sie eine solche, auf das Ganze sich beziehende Regierung besitzen, zeichnen sich die Schweiz und Nordamerika sehr zu ihrem Bortheil vor dem Deutschen Bunde aus. Zu dieser einheitlichen, sei es von einem Einzelnen, sei eS durch ein Kollegium zu übenden Regierung über das Ganze gelangten aber jene Bundesstaaten nur dadurch, daß sie verfassungsmäßig feststellten, die Regierung müsse Eine und von den Regierungen der Einzelstaaten verschieden sein. Das Programm der Nationalpartei stimmt damit genau überein. Für die Frage der Ausführung, wie das Personal dieser einheitlichen Regierungsgcwalt berufen werden soll, können dagegen für uns in Deutschland die schweizerische und die nordamerikanische Verfassung begreiflich nicht als Vorbild dienen, nicht blos weil wir einen monarchischen, nicht einen republikanischen Bundesstaat wollen, sondern mehr noch, weil die Unterschiede an Macht und Größe zwischen den deutschen Einzelstaaten unvergleichlich viel bedeutender sind, als die unter den Schwei, zer Kantonen oder den einzelnen Republiken Nordamerika's. Preußen ist selbst von dem ihm an Größe nächststchenden Bayern durch die gewaltige Kluft getrennt, welche eine europäische Großmacht von einem zu volle? Selbständigkeit dem unerbittlichen Gesetze der Macht; nach nicht befähigten Mittelstaate scheidet. Wie man sich aber auch das zur Regierung des Ganzen berufene Organ vorstellen mag, jedenfalls darf dasselbe nicht auf einem bloßen Zusammentreten (unmittelbar durch Kommissäre) der Einzelregierungen beruhen. Ein solches stets und nothwendig den betreffenden Einzelstaaten angehöriges Consortium kann möglicher Weise zu deren Vortheil eine Gewalt über das Ganze ausüben: eine Regierung des Ganzen in dessen Interesse kann nie von ihm ausgehen. Es ist deß- halb durchaus weder reaktionär noch pessimistisch, wenn man die jetzige Bundesverfassung der Trias, oder der Siebener- Konferenz , oder welchen Namen sonst das Kindlein haben mag, vorzieht. Geht man von den Einzelstaaten aus, so hat jeder das gleiche Recht, sein Sonderinteresse zur Geltung zu bringen, und der Bundestag, in welchem jeder seine Stimme hat, ist die einzig richtige Organisation. Wir halten aber trotz der identischen Noten, trotz der Drohung mit Olmütz, Bronnzell und Bürgerkrieg an der Ueberzeugung fest, daß unser Volk um seiner Existenz und um seiner Ehre willen entschlossen ist, seine nationale Einheit gegenüber den andern Völkern Europa's politisch zur Geltung zu bringen. „Alle Plane, welche auf die Voraussetzung gegründet sind, daß Deutschland auch auf diesem beschränkten Gebiet keine Einheit der Interessen besitze, daß es sich in den Beziehungen zum Auslande sogar nicht als ein einiges darstellen lasse, zerstören die Idee des einen und einzigen Vaterlandes, und entbehren gerade darum des Charakters, der ihnen allein nationalen Werth und Brauchbarkeit geben könnte." So lange nicht die „Augsburger Allgemeine" diese Ueberzeugung aus dem Herzen unseres Volkes wegzuraisonniren vermag, so lange wirbt sie vergeblich für Trias und alle ähnliche Erfindungen. Halten wir an dem Satze fest, daß wir eine Regierung brauchen, welche Deutschland als solches vertritt, so kann man über die unerläßlichen Folgerungen daraus nicht lange im Zweifel sein. Die prinzipiell richtigste Einrichtung wäre, wie in der Schweiz und in Nordamerika, eine deutsche Regierung , welche mit keinem der Eiuzelstaaten in Zusammenhang steht. Es bedarf aber keines weitern Beweises, daß sie eine Unmöglichkeit ist; denn sie entbehrte des ersten und wesentlichsten Attributes einer jeden Regierung, der Macht; sie würde bedeutungslos in der Luft schweben, während alle organisirte Macht in den Händen der Ängelregieruugeu. läge. Eine außer Zusammenhang mit einem Einzelstaat stehende deutsche Regierung könnte nur in revolutionärem Sturm auf die entfesselten Volkskräste sich stützen, um unter Umsturz alles Bestehenden zum strengen Einheitsstaat oder zu unheilbarer Zersplitterung unserer Nation zu fuhren. Die deutsche Zentratgewalt muß also, um Macht zu erlangen, an einen der bestehenden Einzelstaatcn angelehnt werden, und zwar selbstverständlich an den mächtigsten unter denjenigen, welchen überhaupt eine organische Einfügung in Deutschland möglich ist. Eine engere Verbindung der Mittel- und Kleinstaaten mit der einen unserer Großmächte stellt sich für die Empfindung von Hunderten und Tausenden als ein Loslösen von der andern dar, an welche sie durch die ältesten Bande des Bluts sich gefesselt fühlen. Jene Empfindung beruht auf einer Täuschung; es ist nicht einzusehen, warum nicht eben so gut die verbundenen, wie die isolirten deutschen Einzelstaaten der nicht zu ihrem engern Verein gehörigen deutschen Großmacht verbrüdert sein können. Nur der Unterschied würde eintre- ten, daß sie durch ihre Verbindung zu einer Macht werden, was sie jetzt nicht sind. So tief ist aber hoffentlich der politische Instinkt in unserem Volke noch nicht gesunken, daß es sich wie vor einem Abfall von sich selber davor fürchtet, eine Macht zu werden. Wir müssen uns entscheiden, eines von beiden, Hammer oder Ambos zu sein. Die engere Verbindung mit einer unserer Großmächte ist nicht Abfall von der andern; sie ist mit beiden zugleich nicht möglich, weil Oesterreich sich so wenig durch Preußen, wie dieses durch jenes sich regieren läßt. Die Wahl muß also getroffen werden, und denjenigen, den sein „Herz" verhindert, sich zu entscheiden, trifft mit Recht der Vorwurf schwachmüthiger und unverständiger Sentimentalität. Eine engere Verbindung ist aber einzig nur mit Preußen denkbar; der Schwerpunkt österreichischer Macht und östereichischer Jnterressen liegt außerhalb Deutschlands. Selbst wenn es wollte, kann Oesterreich nicht einer Verbindung mit Deutschland zu lieb seinen eigenen Bestand zerreißen, und wenn es dies wollte und könnte, wäre ihm und uns gleich schlecht damit gedient; es hörte damit auf, das zu sein, was wir ihm wünschen und was wir suchen und bedürfen, eine Macht, es zerfiele damit in völlige Desorganisation. Also wollt Ihr doch die preußische Hegemonie, die Ihr zum Beginn so keck verläugnet habt? Fragt die „Augsburger Allgemeine" durch ihren süddeutschen Korrespondenten. Mit Nichten; wir wünschen die preußische Krone zur Trägerin der deutschen Zentralgewalt zu machen; das Organ für deren Ausübung soll aber rin deutsches Ministerium sein, unter Kontrole eines deutschen Parlaments, welchen die preußische Landesregierung und die preußischen Kammern gerade so wie die der andern Einzelstaaten in allen gemeinsam gemachten Angelegenheiten untergeordnet wären. Preußen hat für die „vereinigten Staaten Deutschlands" den größten Einsatz zu liefern; es hat eine, freilich unsichere und stets gefährdete selbständige europäische Existenz dem größern Ganzen hinzugeben; es empfängt dagegen, indem sein König Träger der Zentralgewalt wird, die Gewißheit, daß diese nie gegen es selbst gekehrt werden kann; es gewinnt die ihm jetzt fehlenden Garantien des Fortbestandes und der Weiterentwicklung. Für das deutsche Zentralministerium ist aber ohne Selbstmord eine andere als eine deutsche Politik eine Unmöglichkeit. Wäre erst einmal der deutsche Bundesstaat unter preußischer Krone zu Stande gekommen, so bietet der mächtigste Trieb der Selbsterhaltung jede Garantie gegen jeden Versuch, die deutschen Kräfte zu partikularistisch preußischen Zwecken auszubeuten. Die Noth der Selbsterhaltung hat in England die hannoversche Dynastie mit allen Konsequenzen des konstitutionellen Systems befreundet; sie würde den Beschlüssen eines deutschen Parlaments nicht minder williges Gehör verschaffen. Deutschland. ft Karlsruhe, 10. März. In der heutigen Sitzung der ErstenKammer wurde das Gesetz über die Aufhebung des LehenverbandeS mit Stimmenmehrheit nach der Vorlage der Negierung angenommen, mit Ausnahme der §Z. 3 und 7, welche die von der Kommission beantragte Fassung erhielten. Den ausführlicheren Bericht werden wir nachtrageil. Karlsruhe, 10. März. Das heute erschienene Verordnungsblatt f. d. Ver. evangel.-protest. Kirche des Großh. Baden enthält: 1) Verordnung des evangel. Oberkirchcn- raths, das Verfahren bei der Besetzung der Pfarreien und bei der Pfarrwahl betreffend. 2) Bekanntmachung, die Vertheilung der Oberländer Kirchen-und Pfarrhausbaukollekte betreffend. 3) Diensterledigungen: die evang. Pfarrei Grombach, Diözese Neckarbischossheim, mit einem zu 955 fl. berechneten Einkommen; die evangel. Pfarrei Eschelbronn, Dekanats «Sinsheim, mit der binirtcn Pfarrei, mit einem zu 1306 fl. berechneten Einkommen. 4) Todesfall. Gestorben ist am 4. d. M. der evangel. Pfarrer Frank zu Helmstadt. Z* Pforzheim, 8. März. In der vorgestrigen Monatsversammlung der hiesigen Mitglieder deS Nationalvereins machte der Vorsitzende Hr. Fr. Ehrismann die Anwesenden zunächst mit den Beschlüssen der jüngsten Karlsruher Versammlung von Mitgliedern des Nationalvereins bekannt und lud die Versammlung ein, denselben ihre nachträgliche Zustimmung zu geben, waS dann auch geschah. Hierauf wurde einePetitiou für die Gleichstellung der Juden vorgelescn und den Anwesenden mitgetheilt, daß solche zur Unterzeichnung aufliege. Es wurde dabei von dem Vorsitzenden hervorgchobe«, daß dieselbe nicht gerade als von den NativnalvereinSmitgliedern ausgehend anzusehen sei, sondern daß die Unterschrift Jedermann freistehe. Alsdann sprach Hr. Bergrath Walchner von Karlsruhe über die Flotte, für die es einer besondern Staatssteuer bedürfe. Hr. M. Müller brachte dann die Bildung eines Vereins für Herausgabe von Flugschriften in Anregung, welcher den Zweck haben soll, gehaltene Vorträge und Aufsätze verschiedenen Inhalt- unter das größere Publikum zu bringen. Der Gegenstand soll in einer der nächsten Sitzungen einer näher« Bera- thung unterzogen werden. Zuletzt stellte Hr. C. Denniseinen schon wiederholt vorgebrachten Antrag, daß von Seite der Nationalvereinsmitglieder eine Petition an die Kammer behufs der Abänderung der Vereins- und Preßgesetze eingereicht werde. Nach einigen Debatten wurde die Abfassung einer solchen Petition beschlossen. Einem weitern Antrag des Hrn. C. Dennig bezüglich der Verwendung um Gewährung einer allgemeinen Amnestie wurde keine Folge gegeben. Im Laufe dieser Woche war Hr. Oberkircheuraths-Affeffor Doll hier und nahm eine außerordentliche Prüfung der hiesigen höher» Töchterschule vor. Bei dessen Hiersein wurde die Stellung der betreffenden Anstalt, welche bisher den Charakter einer Gemeindeanstalt hatte, in der Art festgesetzt, daß die Schule in allen Beziehungen als eine öffentliche gelten soll und die Anstellung der Lehrer künftighin von Seite des Staats geschieht, wobei aber der Gemeinde das Wahl- beziehungsweise das Vorschlagsrecht zugestanden wurde. Im gegenwärtigen Winter haben wir hier nun schon di« dritte Schauspielergesellschaft. Nachdem Jak. Win- ter, der seit vielen Jahren die Wintersaison hier zubrachte und der jüngst in Heilbronu sein 60jähriges Schauspielerjubiläum feierte, dieses Mal frühzeitig dorthin abzog, gab Schauspieldirektor Lurz von Bruchsal mit seinen Leuten hier mehrere Vorstellungen. Seit einiger Zeit ist nun Hr. Aug. Faber, Direktor der bisher in Konstanz gewesenen Gesellschaft, mit letzterer hier. S Mannheim, 9. März. Endlich ist die Bestätigung des neu ernannten Hoftheater-Komitee-Mitglieds Dr. Gentil eingetrossen. Derselbe wurde gestern in Gegenwart des Oberbürgermeisters verpflichtet und sofort die Wahl des Präsiden- ten durch das nun vollständige Komitee vorgenommcn. Sie siel auf den Musikalienhändler Heckel d. ä. Das Institut Verliert wahrscheinlich in dem nach Rotterdam berufenen Musikdirektor Levy einen ausgezeichneten Klaviervirtnose«, Dirigenten und Lehrer. Gestern Abend hielt bei noch andauernder Unpäßlichkeit des Hrn. Direktors Devrient Hr, Hofrath Kilian, der wackere Veteran des hiesigen Lyceums, als Stellvertreter einen eben so sorgfältig abgefaßten, als vom Geist der reinsten Humanität getragenen Vortrag über die Entdeckungsreisen in Afrika, vorzüglich in Sudan, welches jetzt durch die Erttdeckungs- crpcdition unter v. Heuglin doppelt interessant geworden ist. Nicht nur das Institut und dessen Hilfsverein, sondern der große Hörerkreis fühlte sich dem wackern Gelehrten, der bei der Wärme seines Vortrags sich ungewohnten Anstrengungen unterzog, zu lebhaftem Dank verpflichtet. In dieser Fastenzeit soll noch der Privatlehrer H. Goll in Worms, ein gcborner Mannheimer, und ein Advokat aus Köln, I)r. Hartung, Vorlesungen halten, jener über ästhetische Gegenstände, dieser über Fragen des Handelsrechts. Stuttgart, 7. März. (Fr. I.) Der Landtag soll nun wirklich im Mai, doch nur auf kurze Zeit, berufen werden. X Frankfurt, 8. März. Die am vergangenen Donnerstag ausgefallene Bundestags-Sitzung wurde heute nachgeholt. Das Wichtigste aus derselben ist der von Oesterreich und Preußen gemeinschaftlich eingebrachte Antrag, die Verfaffungsangelegenheit des Kurfürstenthums Hessen betreffend. Derselbe lautet: Oesterreich und Preußen. Die kaiserl. österreichische und die k. preußische Regierung, in der Erwägung: daß die hohe Bundesversammlung sich ihre schließlich« Erklärung über die Erledigung der VerfassungSangclegenheit d>s Kurfürsten thumS Hessen Vorbehalten hat, — daß aus der Grundlage der VersasjungSurkunden vom 13. April 1852 und vom 30. Mai 1860 ein Einverftändniß zwischen der kursürstlichen Regierung und dem Lande nicht hat erzielt werden können, — daß der Bmrdesbeschluß vom 27. März 1852, wenn gleich er die bundeöwidrigen Bestimmungen der früheren BersassungSgeseye nicht im Einzelnen bezeichnet hat, grundsätzlich doch nur eine Revision dieser Gesetze nach bundeSrcchtlichen Gesichtspunkten bezweckte, — daß die endliche Herstellung eines gesicherten und allseitig anerkannten Rechtszustandes in Kurhesjen im dringenden Interesse des Landes wie des gesammten Deutschlands liegt, — tragen darauf an, die hohe Bundesversammlung möge die kurfürstliche Negierung auffordern: unter Berücksichtigung der bundesrechtlich verbürgten Standschaftsrechte der Mediatisirten und der ReichSritterschast geeignete Einleitung zu treffen, damit die im Jahr 1852 außer Wirksamkeit gesetzte Verfassung vom 5. Januar 1831, vorbehaltlich derjenigen zunächst auf verfassungsmäßigem Wege zu vereinbarenden Abänderungen, welche zur Herstellung der llcbereinstimmung mit den Bundesgesetzen ersorderlich sind, wieder in Wirksamkeit trete. Der Antrag wurde dem kurhessischen Ausschuß zugewicsen. — Die bekannten Anträge des Militärausschusses wegen Niedersetzung einer Kommission in Hamburg für Küstenschutz wurden zum Beschluß erhoben. — Oesterreich erstattete die Anzeige, daß eS dem königl. sächsischen Antrag auf Erlaß eines Gesetzes gegen den Nachdruck zustimme und die Vorlage eines bezüglichen Entwurfs, entsprechend dem Leipziger, mache. — Von Seite Preußens wurde angezeigt, es sei geneigt, seinen Ständen ein Gesetz wegen Einführung der Zusätze zur Wechselordnung vorzulegen, wenn die anderen Bundesstaaten das Gleiche thäten. Sonst Privateingaben, Einreichung von Standeslisten, Vorträge über Fcstungsangelegenheiten re. Schließlich wurde die Formirung des bernburgischen Kontingents in drei Kompagnien genehmigt. — Kurheffen vertrat heute abermals das Großherzogthum Hessen, Nassau, Mecklenburg. Kassel, 7. März. Wie aus der Haltung des Organs der Verfassungspartei, der „Hess. Morgen-Ztg.", zu ersehen, ist diese Partei keineswegs mit den österreichisch-preußisch e n P r o p o s i t i o n e n zufrieden. Sie verlangt ein- für allemal das 1849er Verfassungsgesetz. Kammern, nach dem 1831er Wahlgesetz berufen, würden sich unter allen Umständen wiederum (zum vierten Mal) für inkompetent erklären. Kassel , 8. März. Die „Kassel. Ztg." widerlegt heute ebenfalls die durch ein Telegramm verbreitete Nachricht, Hr. v. Göddäus sei mit der Bildung eines neuen Ministeriums beauftragt, und fügt dann hinzu: Den Erfindungen und Gerüchten gegenüber, durch welche sich bieBcsorg- niß um das Wahlgesetz von 1849 ermulhigen zu wollen scheint (denn, so unklar die Nachrichten über die preußisch-österreichische Einigung auch noch sind, das Wahlgesetz von 1849 und damit die verfassungstreue Partei selbst, ist daran gegeben), müssen wir überhaupt daraus aufmerksam machen, daß eine Einigung Preußens und Oesterreichs über einen am Bunde zu stellenden Antrag, welchen Inhalts derselbe auch sei, weder rechtlich noch thatsächlich irgend das Mindeste an der derzeitigen Sachlage ändert. Koburg, 7. März. Der Kassabestand der Expedition der „Wochenschr. des Nationalvereins" an Beiträgen für die deutsche Flotte betrug am 3. d. über 63,684 fl. Gotha, 7. März. Der Herzog und die Herzogin sind den 6. d. in Alexandrien glücklich angekommcn. Die Fahrt wurde bei fortdauernd widrigem Wind zurückgelegt. Von Alexandrien werden sich die Herrschaften alsbald nach Cairo begeben. * Berlin, 8. März. Die Frankfurter „Zeit" nennt den Anlaß zu der Ministerkri s iS „eine prinzipiell ganz untergeordnete, eine simple finanzielle Verwaltungsfrage", und gewiß sehen Viele die Sache ebenso an. Zn den maßgebenden Kreisen scheint man derselben jedoch schon von vor» herein eine sehr große Bedeutung beigelegt zu haben. Bereits in der Debatte bemerkte der Finanzminister v. Patow, es frage sich, „ob nach Annahme der Hagcn'schen Vorschläge es noch möglich ist, zu regieren und die Verantwortung für die Leitung der Geschäfte zu übernehmen, ob darin nicht ein Eingriff in die Exekutive liegt." Hr. v. Patow hat diese, wie uns dünkt, einer Erläuterung sehr bedürftige Aeußerung nicht näher erläutert; wie man aber in gewissen Kreisen über diesen Fall denken maa, dafür glauben wir eine Bemerkung der Berliner „Kamm.-Korresp." jitiren zu sollen. „Der Beschluß ist deßwegen von großer Wichtigkeit — sagt das lithographirte Blatt — weil er hauptsächlich auf den Militäretat zielt und mit seiner Ausführung künftig die ganze innere Organisation und Verwaltung der Armee unter die Kontrolle des Abgeordnetenhauses gestellt würde. Der Beschluß ist deßhalb auch als Vorläufer der Verweigerung für die neue Militärorganisation anzusehen." Die „Kreuzzeitung" unterläßt es natürlich nicht, in dieser Richtung hin weiter das Ihrige zu thun. Sie erklärt den Kammecbeschluß nicht blos als einen Eingriff in die „Exekutive", sondern in die Prärogative der „Krone" — besonders des obersten Kriegsherrn, der „unnennbare Titel!" Die „Berlin. Allg. Ztg." sagt in ihrem gestrigen Blatte über den Anlaß der Kabinetskrisis u. A.: Die Annahme des Hagen'schen Antrags stellt die Majorität des Hauseö der Abgeordneten in einen entschiedenen Widerspruch gegen die Regierung. Es hat aus die schneidendste Weise, die man sich verstellen kann, sein Mißtrauen gegen die Fähigkeit und Zuverlässigkeit gerade desjenigen TheilS der Regierung ausgesprochen, den man als den liberalen bezeichnet. Im Herrenhaus findet das Ministerium keine Stütze; cs hat sich jetzt herausgestellt, daß eS ans M ajoritä t im Hanse der Abgeordneten eben so wenig rechnen kann. Aber ma??^fur den Fall, daß die Regierung über den gegenwärtigen Punkt hinwcgzugehen gedenkt, ist die Krisis doch nur vertagt. Die Landesvertreter, die Wähler, die Parteien werden sich aus alle Fälle aus diese Eventualität vorzubereiten haben. Ob das Ministerium, sobald es den Augenblick gekommen glaubt, definitiv abtreten oder an das Land appellireu wird, darüber haben wir keine Ahnung; eben so wenig über Das, was kommen soll, wenn es sich zum Ersten entschließt. Ueber den äußern Verlauf der Krisis tragen wir noch Folgendes nach: Heute Mittag sollte eine Sitzung des Abgeordnetenhauses statlfinden. Diese ist laut Dekret des Präsidenten Grabow aufgehoben und auf Dienstag den 11. verlegt worden auf Veranlassung des folgenden an ihn ringegangenen Schreibens des Staatsministers v. d. Heydt: Das Staatsministerium ist mit wichtigen Berathungen, welche eS den Mitgliedern desselben unmöglich machen, der auf morgen angesetzten Plenarsitzung des Abgeordnetenhauses beizuwvhnen, beschästigt. Ew. Hochwohlgeboren ersuche ich daher — im Namen des Staatsministeriums — ganz ergebenst, diese Sitzung gefälligst um einige Tage verlegen zu wollen. Berlin, 7. März 1862. Nachdem gestern bereits eine Ministerkonferenz stattgefunden, wurde heute Mittag ein Ministerrath im königl. Palais gehalten. Der Gegenstand der Bcrathung war die Haltung und die Maßregeln der Regierung gegenüber der Niederlage des Ministeriums im Abgeordnetenhause bei der Debatte der Anträge auf Spezialisirung der Etats. Die „Kamm.-Korr." spricht wiederholt davon, daß der Herzog vonUjest zum Ministerpräsidenten ausersehen sei. Heute fügt sie bei, daß die Nachricht sich bestätige und daß ihm bereits gratulirt werde. — Die „Sternzeituug" widerlegt das Zeitungsgerücht von einer Wendung in der auswärtigen Politik der preußischen Negierung, welche angeblich durch ein Schreiben des Kaisers von Oesterreich herbeigcführt worden sein soll. Beides sei unbegründet. — Der dem Abgeordncten- >hause vorgelegte Entwurf eines neuen Paßgesetzes heb( für alle preußische Staatsangehörigen bei Reisen im Znlande und nach dem Auslande den Paßzwang auf. Auch von Ausländern soll weder beim Eintritt über die Grenze, noch bei Reisen im Znland ein Paß gefordert werden. Dagegen werden auf Antrag Pässe oder sonstige polizeiliche Legitimationen ertheilt. Verpflichtung zur Visirung der Pässe findet nicht statt. Inländer wie Ausländer bleiben verpflichtet, sich auf amtliches Erfordern über ihre Person und ihre Eristenzmittel genügend auszuweisen. Die Pässe kosten einschließlich der Stempel 1 Thlr. für das Ausland, 15 Slbgr. für das Znland. In Zeiten gefahrdrohender Ereignisse kann die Paßpflichtigkeit vorübergehend wieder eingeführt werden. Berlin, 9. März. Die „Sternzeitung" veröffentlicht heute folgenden Artikel: Es liegt uns heute die ernste Pflicht ob, unfern Lesern ein Ereigniß von tief greifender Bedeutung mitzutheilen. In Folge der Annahme des Hagen'schen Antrags in der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 6. März hat das Staatsministerium gestern bei Sr. Maj. dem König seine Demission eingereicht. Dieser Entschluß, so folgenschwer er ist, wird für Diejenigen nicht unerwartet kommen, welche der Situation ihre Ausmerksamkeii geschenkt haben, in die das Ministerium durch den Ausgang der Abstimmung in jener Sitzung versetzt worden war. Die Majorität des Hauses hatte es verschmäht, das Entgegenkommen der Regierung mit entsprechender Gesinnung zu erwiedern, mithin war das Ministerium in die moralische Notbwcndizkeit versetzt, die Konsequenzen zu ziehen, welche sich aus jener Thatsache für seine Stellung ergaben. Der Verlauf der gewichtigen Frage, der den Konflikt zwischen der Negierung und dem Abgeordnetenhaus« herbeigeführt hat, ist unsern Lesern bekannt. Nur an di« Hauptmomente wollen wir in aller Kürze erinnern. Die Disserenz zwischen der Regierung und dem Hause ist nicht durch die Frage entstanden, ob unser Etat einer Verbesserung und systematischen Vervollständigung sähig sei. Die Regierung hatte dies« Verbesserung als zulässig anerkannt, sie hatte sich bereit erklärt, dieselbe herbeizusühren; nach ihrem Wunsch sollte die gegenwärtige Session von der LandeSvertre- tung dazu benützt werden, angemessene Vorschläge zur Vervollständigung des Etats zu machen, und sie hatte die moralisch« Verpflichtung übernommen, sür die Ausführung dieser Vorschläge im nächsten Jahre in jeder möglichen Weise Sorge zu tragen. Aus Gründen der Zweckmäßigkeit, die wir heute nicht wiederholen wollen, Halle sie lediglich die Bitte ausgesprochen, von der Umgestaltung deö bereits vorgclegten Etats sür das Jahr 1862 Abstand zu nehmen. So beschränkte sich der Streit auf den'.in jedem Falle nahen Ze it- punkt der Verwirklichung eines zugestandencn Prinzips. Es handelte sich, wie der Abg. Kühne eS auSdtzückt, lediglich darum, daß die Beschleunigung einer an sich zweckmäßigen Sache nicht aus Kosten der Ordnung und um den Preis der Verwirrung angestrebt werde. Der Ralh dieses altbewährten Finanzmannes wurde von der Mehrheit des Hauses nicht beachtet; sein vermittelnder und von dem.Frhrn. v. Patow später acccp- tirter Antrag, der eine theilwcise Spezialisirung des Etats schon sür das Jahr 1862 in Aussicht stellte, fand keinen Anklang. Die wiederholte Erklärung deS Hrn. FinanzministerS, daß die StaatSregierung über die Tragweite des amendirten Hagen'schen Antrags in Berathung treten und sich über dieselbe vor dem Hause bestimmt erklären könne, wenn ihr nur Zeit zu dieser Bcrathung gegönnt, wenn ihr nicht zugemuthet werde, heute schon einen Entschluß zu fassen, rief keinen Wunsch zur Vertagung einer so wichtigen Entscheidung hervor. Selbst in der obigen Begrenzung erschien der Streitpunkt der Mehrheit des Hauses wichtig genug, um das freundliche Entgegenkommen des Ministeriums mit der unfreundlichsten Rücksichtslosigkeit zu erwiedern. War die Tragweite eines solchen Verfahrens den Freunden deS Hagen'schen Antrags verborgen? Wer den Rednern der Majorität mit Aufmerksamkeit gefolgt ist, kann über die Entscheidung dieser Frage im Allgemeinen nicht zweifelhaft sein. Man hob es mit scharfem Tadel hervor, daß frühere Landesvertretungen die an sie herantretenden Fragen, statt sie zu losen, vertagt hätte». Man sah den Konflikt voraus ; aber man verurlheilte es als eine Schwäche, nach den Annäherungsversuchen der Negierung sich zu entsprechenden versöhnlichen Schritten herbeizulassen. Ans diesem Verfahren konnte das Ministerium für sich selbst nur den Schluß ziehen, den es gezogen hat. Es mußte sich gestehen, daß ihm bei der Mehrheit deS Abgeordnetenhauses die Bedingungen des Vertrauens und der Bereitwilligkeit zur gegenseitigen Verständigung fehlen, ohne welche ein fruchtbares Zusammenwirken sür die obersten Faktoren des Staatslebens unmöglich ist. ES konnte nach jener ernsten Erfahrung sich die Thatsache nicht länger verhehlen, daß es seinerseits außer Stande sei, aus dem Wege der Verständigung mit der gegenwärtigen Landesvertreiung die bedeutsamen und mannigfachen Ausgaben zu lösen, welche unserer Legislaturperiode Vorbehalten sind. Der Einsicht in diese unabweisliche Thatsache haben die Minister ihrer Pflicht gemäß in ihrer Gesammtheit Folge gegeben. Ihr Entlassungs- gcsuch liegt Sr. Majestät dem König vor. O Berlin, 9. März. Die Ministerkrisis ist nunmehr zum vollen Ausbruch gekommen. Sämmtliche Staats- minister haben gleich nach dem Kabinetsrath, zu dem sie gestern Mittag von Sr. Maj. dem König berufen worden waren, ihre Entlassungsgesuche eingereichl. Bis jetzt ist höchsten Orts noch keine Entscheidung erfolgt. Sonst wohlorientirte Personen wollen heute behaupten: es sei alle Aussicht vorhanden, daß die Minister auf ihren Posten verbleiben würden. Damit wäre denn die Frage wegen des Verhaltens der Regierung zum Abgeordnetenhause mehr in den Vordergrund gedrängt. Schon will man von eingänglichen Erörterungen über eine Auflösung oder eine Vertagung des Hauses sprechen. Welcher Beschluß in dieser Beziehung gefaßt werden dürste, läßt sich noch nicht absehen. Von vielen Seiten sind Ausgleichungsbemühungen im Gange. Zn manchen Kreisen hält man an der Meinung fest, die ganze jetzige Krisis werde ohne einen ernsten Bruch wieder beseitigt werden. Eine solche Beseitigung wäre aber wohl nur eine bloße Vertagung der eigentlichen Entscheidungsfrage. — Gei dem feierlichen Leichenbegängniß Ihrer Königl. Hoheit der verewigten Frau Großherzogin von Mecklenburg-Schwerin wird der König durch den Oberjägermeister Graf Eberhard zu Slollberg vertreten werden. Der Graf begibt sich heute nach Schwerin. Dorthin «gehen zu der Trauerfeierlichkeit auch die hiesigen Vertreter fremder Regierungen, welche zugleich bei dem mecklenburgischen Hofe beglaubigt sind. — Zum ersten preußischen Kommissär für die Londoner Ausstellung ist der Geh. Nath Hoene aus dem Handelsministerium ernannt worden. Derselbe reist am 18. d. M. nach London ab. Bereits zu Anfang der vergangenen Woche hat sich der zweite diesseitige Kommissär, Landbaumeister Altgelt, nach England begeben. * Berlin, 9. März. Welchen Ausganz die Ministcr- krisiS nehmen wird, ist noch nicht zn sagen. Wie der „Köln. Ztg." und andern Blättern gemeldet wird, sieht man in Abgeordnetenkreisen die Auflösung des Hauseö als ziemlich gewiß an. Mehrere Mitglieder sollen ihren Familien ihre Ankunft in der Heimath für die nächsten Tage als sehr wahrscheinlich angezeigt haben. Nach der „Korresp. Stern" halten andere Abgeordnete eine vorläufige Vertagung, und zwar auf höchstens 4 Wochen, für wahrscheinlich. Das neue Ministerium werde unterdessen in Erwägung ziehen, ob und in wie weit eine Verständigung möglich sei und je nach Befinden eventuell daS Abgeordnetenhaus auflösen. In diesem Fall müßten nach Art. 51 der Verfassung innerhalb eines Zeitraums von 60 Tagen die Wähler, und innerhalb eines Zeitraums von 90 Tagen nach der Auflösung die neuen Kammern versammelt werden. — Wird die Demission des Ministeriums angenommen — schreibt ein Korrespondent der „Köln. Ztg." —, so gilt die Ernennung des Grafen Bernstorff zum Gesandten in Paris für wahrscheinlich. Ein Ausgang, der einen Theil der Minister in ein neues Ministerium übergehen ließe, ist allerdings noch keineswegs ausgeschlossen. Der Abgeordnete, Apellationsgerichtsrath Lene aus Köln ist dem Ausschuß des deutschen Nationalvereins als Mitglied beigetreten. Breslau, 7. März. Die „Schles. Ztg." meldet, die in Glogau in Haft gehaltenen Leutnante Sobbe und Putzki seien von der Festung entflohen. * Wien, 8. März. Der Kaiserist heute Morgen nach Venedig abgereist. Vorher hatte er noch den Feldmarschall. Fürsten Windlschgrätz und den General der Kavallerie Grafen Wallmoden, Beide schwer erkrankt, besucht. Wien, 8. März. Wie man dem „Schw. Mrk." schreibt, bereiten Oesterreich und Preußen einen Antrag beim Bunde vor, dahin gehend, daß die Bundesversammlung gegen die Verletzung vertragsmäßiger Rechte der Herzogthümer und speziell gegen die Inkorporation Schleswigs Verwahrung einlege, nachdem Oesterreich und Preußen ihre darauf bezüglichen Proteste in Kopenhagen bereits übergeben haben. Die Verwahrung der Bundesversammlung wird dem dänischen Bevollmächtigten beim Bunde übermittelt. — Im Finanz« j aussch « ß hat man bezüglich der italienischen Gesandtschaf« j ten mit Elnverständniß der Regierung den Etat für jene Posten, die vor der Hand zu besetzen keine Aussicht vorhanden ist, fallen gelassen. Dahin gehören nicht bloß jene von Parma, Modena und Toskana, sondern auch jene von Turin. Hingegen hat man den Posten für Neapel behalten, da bis jetzt ein diplomatischer Agent bei der Person Franz H. in Rom attachirt ist, aber das Erforderniß auf ein Minimum re- duzirt. — Der österr. Gesandte am kurhessischen Hofe, Graf Karniki, soll einem Gerücht zufolge einen andern Posten erhalten. Der Nachfolger desselben ist noch nicht bekannt. Italien. Turin, 7. März. An die Stelle Cordova' s, welcher seine Demission eingereicht hat, ist der Senator Poggi zum Minister der Justiz ernannt worden. Man glaubt, Ratazzi würde das Ministerium des Aeußern Hrn. Durando anbieten. Scialoja bleibt Generalsekretär. Mehrere Deputate der Majorität hatten heute Morgen eine vorbereitende Versammlung, um sich zu verständigen. * Turin, 8. März. Es heißt, Marquis v. Billama - rina werde das Portefeuille des Auswärtigen übernehmen. Die Majorität wird sich heute Abend versammeln, um über das Benehmen, welches dem neuen Kabinet gegenüber beobachtet werden soll, zu berathen. — Die „Italic" versichert, daß die Konferenz Garibaldi's mit Ratazzi sehr wichtige Resultate gehabt habe, die der Art seien, einen großen Einfluß auf die Schicksale des Landes auszuüben. Turin, 8. März. Der „Movimento" dementirt die neuen Gerüchte über eine Anwerbung im Namen Garibaldi's. Der General empfiehlt einzig und allein die Ausbreitung der nationalen Schützenvereine (extension äu lir national). Turin, 8. März. Cordova, welcher nach der „Opi- nione" seine Entlassung eingereicht haben sollte, hatte in der heutigen Sitzung des Parlam euts seinen Sitz auf der Ministerbank eingenommen. Ratazzi hielt folgende Ansprache an das Parlament: „Unsere vergangene Politik bürgt für die zukünftige Führung der Angelegenheiten dieses Landes. Ich will indeß weder die Schwierigkeiten, noch die Verantwortlichkeit der Lage verbergen. Unsere Aufgabe ist, die Provinzen zu organisiren und zu vereinigen, welche bis jetzt ge- theilt waren, und diejenigen italienischen Provinzen zu befreien, welche noch nicht einen integri- renden Theil deS Königreichs bilden. In den auswärtigen Beziehungen werden wir mit den anderen Nationen in freundlicher Beziehung zu bleiben suchen. Eine ifolirte Politik ist unmöglich; wir werden daher alle Kräfte aufbieten und uns an allen Ereignissen betheiligen, welche einen Einfluß auf die Geschicke Italiens ausüben können. In Bezug auf Frankreich werden wir nie vergessen, daß wir ihm zum großen Theil unsere Wiederauferstehung verdanken. Wir werden auch nicht vergessen, daß England stets unsere Freundin war. In unseren Beziehungen mit den übrigen Mächten werden wir stets unsere Würde und Unabhängigkeit zu wahren suchen. Wollen wir die Freundschaft der anderen Nationen, so müssen wir sie durch die Weisheit unseres Verhaltens erwerben. Wir werden ihnen zeigen, daß wir nicht gewillt sind, den Frieden der Welt wegen der römischen Frage zu kom- promittiren. Wir werden nur moralische und diplomatische Mittel zur Lösung dieser Frage anwenden, welche seit zwei Jahren so bedeutende Fortschritte, besonders in Frankreich, gemacht hat. In Bezug auf die inneren Angelegenheiten bittet der Minister um den aufrichtigen Beistand aller Kapazitäten des Landes. Er verspricht dann die Ausführung des Gesetzes über die Nationalbewaffnung, verbunden mit der größten Ockonomie in allen Zweigen der Verwaltung, ausgenommen die Rüstungen. Ratazzi endigt seine Rede, indem er zur Versöhnung der Parteien auffordert. Lanza ergreift darauf das Wort und verlangt Aufklärung über die ministerielle Krisis, welche außerhalb der Einwirkung des Parlaments stattgefunden habe. Ri ca soll antwortete: Trotz der gestrigen Abstimmungen in den Kammern eristirten gewisse Spaltungen. Das Ministerium habe sich nicht sicher gefühlt, das Vertrauen der Kammern und die auf dieses Vertrauen beruhende Autorität zu besitzen. Um daher eine equi- voke Situation zu vermeiden, habe das Ministerium seine Entlassung gegeben, und trotz des Wunsches des Königs, ein Votum des Parlaments abzuwarten, auf der Entlassung bestanden. Ratazzi spricht dann mit großer Anerkennung über die Aufrichtigkeit der von Ricasvli gegebenen Erklärungen. Turin, 9. März. (Mannh. I.) Garibaldi präsidirte einer Generalversammlung der Vorsorgcvereine in Genua. Er sagte dabei: er schätze sich glücklich, der Versammlung der Repräsentanten Italiens zu präsidiren. Er bedauert die Abwesenheit der noch in Sklaverei befindlichen Provinzen, schwört, dieselben zu befreien, und ermahnt zur Eintracht und Einigkeit; dann werde man jede Tyrannei besiegen und die Befreiung auf jedes unterdrückte Volk außerhalb der Halbinsel ausdchnen. Frankreich. K Paris, 8. März. In der gestrigen Sitzung des Gesetzgeb. Körpers erhob sich Marquis de Pierre gegen den Mißbrauch, für Alles den Kaiser verantwortlich zu machen, was die Weisungen des Ministers des Innern und der von ihm abhängigen Beamten verschulden. Es gibt einen Minister — sagt er u. A. —, welcher über die ungeheure Gewalt verfügt, ganz Frankreich im Allgemeinen und Jedem insbesondere Stillschweigen aufznerlegen; Dank diesem Rechte empfängt er natürlich! jeden Morgen ein schmeichelhaftes Zeichen der unabhängigen Dankbarkeit. (Man lacht.) Auch über die auswärtige Politik der Regierung und deren Manie, sich überall zum Protektor aufzuwerfen, macht der Redner sich lustig. „Im Italien haben wir eine Schwester, die uns viele Sorgen bereitet, und doch werden wir einen andern kleinen Bruder in Mexiko haben, der zu befreien und zu beschützen ist (Heiterkeit), und China und Syrien? Wie weit wird unsere Familie gehen? (Allgemeines Gelächter) während wir in Afrika so viel zu thuu hätten...." — Nach dem Schloß der allgemeinen Adreßdisknssion hob der Präsident die Schling nicht —wie erwartet worden war.— auf, sondern eröffuete die Spezialdebatte über §. 1 der Adresse und gab Hrn. Pi- card das Wort. Obgleich nicht vorbereitet, tummelte er tüchtig sein bekanntes oratorisches Roß auf pem Felde der Preß- und der Finanzverwaltung. Was letztere betrifft, so nennt Hr. Picard die vorgeuommene Konversion der Rente im Hinblick auf gewisse zu Hilfe gerufene Maßregeln „ein pekuniäres 1793". In seiner Schilderung über die Preß- zustände machte namentlich die Aeußerung Aufsehen: „Der Eigenthümer einer Zeitung ist unbekannt und einer der hier anwesenden Minister (Billault) wurde einige Zeit für einen der Inhaber eines der verbreitetsten Oppositionsblätter (Siecke) gehalten. Er ist es ohne Zweifel nicht, aber ich würde ihn auffordern, zu beweisen, daß er es nicht ist." Am Schluffe der Sitzung erhob sich Hr. Billault mit dem Bemerken, daß drei Minister gegenwärtig seien und alle drei die von Hrn. Picard vorgebrachte Behauptung in Abrede stellen. — In der heutigen Sitzung sprach Hr. Picard weiter. — In einer Mittheilung des „Moniteurs" aus Vera-Cruz wird dem General Prim eine unbegreifliche Langsamkeit vorgeworfen, da er, anstatt laut mit dem Feinde zu sprechen, parlamentire und unterhandle, daß die spanische Armee selbst unzufrieden sei u. s. w. Von England ist im Berichte des offiziellen Blattes fast gar nicht die Rede. — Der „Cvurr. du Dimanche" zeigt an der Spitze seiner heutigen Nummer die im Nedaktions- bureau Montag stattgehabte Verhaftung des Hrn. Ganesco mit dem Bemerken an, daß der Grund dieser Verhaftung bis heute unbekannt sei. — Der Kaiser, nur von einem Adjutanten begleitet, ging vorgestern durch einige Straßen deS Faubourg St. Antoine. — An der heutigen Börse stieg Rente auf 70.25, Mobilier auf 772.50, Südbahn auf 765, und Orleans auf 1390. Plötzlich trat eine Reaktion ein, wozu die Baisse der Orleans auf 1360 den Anstoß gab. Man sagt: Der Staatsrath habe die Emission von neuen Aktien dieser Gesellschaft, welche Hr. Fould zugesagt hatte, verweigert. Rente wurde auf 69.90, Mob. auf 760, Südbahn auf 753 mit hinabgezogen. * Paris, 8. März. Die Abgg. Pouyer-Quertier, Jules Braun, v. Wendel, Randoing, Quesne, Le Clerc d'Osman- ville, Kvlb-Bernard und Marquis v. Bloffeville haben zu §. 11 des Adreßentwurfs folgendes Amendement ringe- bracht: Ew. Majestät kennt die großen Leiden, welche unsere hauptsächlichsten Fabrikstädte so schwer heimsuchen. Sie sucht durch die hochherzigsten Gaben sie zu lindern. Aber ernste Geister schreiben diese bedauerliche Lage zum größten Theil der Anwendung der englisch-französischen und französisch-belgischen Handelsverträge zu, und die Kammer lenkt deßhalb respektvoll die Ausmerksamkeit und die Sorge deS Kaisers auf diese ernste Frage. Sie bittet Ew. Majestät, eine Untersuchung über die wirklichen Resultate dieser Verträge anzuordnen, damit die Ungewißheit und die Besorgnisse unserer arbeitenden Bevölkerung, wenn sie nicht begründet sind, amhören. Wie aus Lyon gemeldet wird, ist Dumollard heute Morgen 8 Uhr in Montluel, im Beisein einer Ungeheuern Menschenmenge, hingcrichtet worden. Er blieb bis an sein Ende gleichgiltig und hat keine Geständnisse gemacht. — In Marseille sind der General Fanti, Hr. Nanfredo und der Gesandtschaftssekretär Marquis v. Pienne, aus Italien kommend, eingetrvffen. * Paris, 9. März. Die gestrige Sitzung des Gesetz- geb. Körpers war im höchsten Grad erregt. Picard fuhr in seiner am Tage vorher unterbrochenen Rede fort und unterwarf das jetzige Regiment mit seiner administrativen Allgewalt dem energischsten Tadel. Wieder war es die Presse, an der er den absoluten Mangel aller Freiheit nachzuweisen suchte, ferner die Wahlen, die Gemeinde- ordnung u. s. w. Auch die Sicherheitsgesetze ließ Redner nicht unberührt. Gegen den Schluß seiner Rede geräth Picard noch in eine lebhafte Diskussion mit dem Präsidenten Morny über die Schwierigkeit, auf die man bei der Beurtheilung gewisser Regierungsaktc des Kaisers stoßen würde, so verantwortlich und folglich so „diskutabel" er auch gemäß der Verfassung sein möge. Der Präsident entgegnet, daß es allerdings gewisse Schranken gebe. Picard: Ich weiß wohl, daß es gewisse Schranken gibt, und deßhalb fange ich lieber nicht an. (Gelächter und Lärm.) Präsident: Warum, Hr. Picard, behaupten Sie und Ihre Partei? Picard: Es gibt hier keine Parteien, sondern nur Meinungen. Präsident: Warum beanspruchen Sie, die öffentliche Meinung zu vertreten? Picard: Jeder, Hr. Präsident, beansprucht sie von seinem Standpunkt aus zu vertreten. Sie selber, im Augenblick beanspruchen cs. Von allen Seiten: Und zwar mit Recht! Wir sind die Majorität. Präsident (auf die Kammer hindeutend): Da ist sie, die öffentliche Meinung! Emil Ollivier: Ja wohl, wenn Sie die Wahlen frei geben! Picard: Das ist es ja, was wir behaupten. (Unterbrechung verschiedener Art.) Präs.: Die Diskussion ist unmöglich! Picard: Sie haben Recht! Präs.: Die Theorien, die man über die öffentliche Meinung vorbringt, nehmen kein Ende.... Picard: Ganz richtig! Präs.: DaS Einzige, was ich sagen kann, ist, daß, als Sie über die ganze Freiheit des Landes disponirten.... Picard: Ich stand nie an der Spitze der Negierung! Eine Stimme: Und das ist ein Glück! Präs.: ...Damals erhob sich die heftigste Reaktion gegen Sie und Sie mußten die Macht niederlegen ; wohlverstanden, ich sage nicht Sie persönlich, sondern Ihr Prinzip, Ihre Partei.... Ollivier: ...und die Ihrige auch, Hr. Präsident, und das erste Kaiserreich auch! Der Präsident schließt diesen Wortwechsel endlich mit dem Vorwurf ab, daß man die Regierung, je mehr sie entwaffne, um so heftiger angreife, anstatt mit Mäßigung die dem Lande bewilligten Freiheiten zu genießen. Man könnte wirklich alle Lust verlieren, deren noch mehr zu geben. (Ja wohl, ja wobl!) Pi card schließt endlich, nachdem er nochmals kurz die verschiedenen Beschwerdepunkte berührt, mit der Hinweisung auf dieselben Fehler, durch welche die früheren Regierungen gefallen seien. Wolle man eine freie Station sein, oder eine Station, deren Presse, wie Hr. v. B ourqueney gesagt, nicht so frei, als die Oesterreichs sei? Eben so sei es mit derDiskus- sivnsfreiheit. Schließlich warnt der Redner die Negierung, ihre Politik neige sich dem Systeme der Trennung, der Aufreizung, der Denunziation der einzelnen Klassen unter einander, und nicht dem der Freiheit zu, welche für sie selber und das Land das Heil sei. Minister Barsche sucht die Angriffe des Vorredners dadurch zu entkräftet:, daß er ihm die geringe Stärke seiner Partei statistisch nachweist, und verschiedenen Anschuldigungen, z. B. in Betreff der Unterdrückung der Wahlfreiheit, entschiedenen Widerspruch entgegensetzt. Auch die Preßfreiheit findet Redner in hohem Grade vorhanden. Ueberdies müsse man die Gesetze über die öffentliche Sicherheit, Presse u. s. w. als Gesetze anerkennet: und über alle Frage und Diskussion stellen. Das nämliche Thema und zwar in dem nämlichen Sinn wie Picard besprach dann ZulesFavre. Auch zwischen ihm und dem Präsidenten kam cs zu einer lebhaften Zwischendebatte. Er schließt mit den Worten: „Wenn die Regierung widersteht (gegen die Zurückkehr zur Gesetzlichkeit), so soll sie den Muth für ihr System besitzen; sie soll dann sagen, daß sie die Prinzipien von 89 in eine Gegend verwiesen hat, wo sie mit der Handhabung der menschlichen Dinge nichts mehr gemein haben. DieHH.Minister sollen dann anerkennen, daß sie nicht aus der glorreichen Zeit der Emanzipation des Menschengeistes herstammen,sondern daß sie die großen Erscheinungen der erloschenen Monarchien wieder in's Dasein rufen. Seid immerhin, rufe ich ihnen schließlich zu, Richelieus und Col- berts, aber verzichtet auf die Ehre, ein freies Volk zu regieren!" (Geräuschvolle und lange Aufregung.) Nach einer kurzen Entgegnung des Hrn. Baroche, die jedoch kein prinzipielles Interesse bot, wird die Sitzung geschlossen. Spanien. - * Cadix, 7. März. Miramon ist so eben gelandet und nach Madrid weitergereist. Großbritannien. London, 8. März. In der gestrigen Sitzung des Oberhauses widersprach der Marquis von Norm anby den neulichen Versicherungen Earl Russell's, daß in Sardinien Preßfreiheit herrsche; er erzählt ferner, unter Berufung auf die legitimistische „Union", daß im Neapolitanischen vier Frauen erschossen worden seien, weil man bei ihnen Vorräthe von Brod gefunden habe, und zeigt an, daß er in der nächsten Woche die Vorlegung von Papieren, die sich auf die italienischen Angelegenheiten beziehen, beantragen werde. Im Unterhause beantragte Gregory die Vorlegung der in Betreff der Blokade gewechselten Korrespondenz und sprach gegen die Anerkennung der Blokade. Mehrere Redner ergriffen für und gegen seine Auffassung das Wort. Der Solicitor General suchte den Beweis zu führen, daß England das Völkerrecht streng beobachte. Der Antrag ward schließlich abgelchnt. Griechenland. Athen, 22. Febr. (Südd. Ztg.) Ueber die Tendenz derAufständischen kann kaum ein Zweifel obwalten: sie ist, was man in Griechenland „die große Idee" nennt, und die der König nicht zu der seinigen machen will. „Diejenigen — heißt es in dem Privatbriefe eines Griechen — sind von einem großmächtigen Jrrthum befangen, die, durch das Jahr 1854 getäuscht, sich der Hoffnung hingcben, daß König Otto's Geist je die große Idee habe fassen gelernt oder habe fassen können. Der Zweck, den König Otto Anno 54 und vielleicht noch heute verfolgte, war wohl Erweiterung seiner Grenzen, aber niemals hat er an ein großes byzantinisches Reich mit der Hauptstadt Konstantinopel gedacht, und nur darunter versteht man die große Idee." Amerika. * Neu-Bork, 21. Febr. Die vielfachen und zum Theil sehr bedeutenden Waffenerfolge, welche die Bundesar- mee errungen, haben die Stimmung im Norden sehr gehoben. Die Zuversicht geht bei Dielen so weit, daß sie meinen, die Hauptsache fei bereits geschehen und die baldige Wiederherstellung der Union so gut wie ausgemacht. Auch auf den Geldmarkt übt diese Stimmung einen günstigen Einfluß. — General Halleck sagt in seinem Tagsbefehle, der den Truppen seinen Dank für die am Cumbcrland-und Tenncsseeflusse erfochtenen Siege ausspricht: „Der Krieg ist noch nicht zu Ende. Bereitet Euch auf neue Kämpfe und Siege vor. Von allen Richtungen werden Truppen zusammengezogen. Bald werden wir eine unwiderstehliche Armee beisammen haben. Die Uniousflagge muß allerorten wieder entfaltet und die unterdrückte Unionspartei im. Süden erlöst werden. Die Soldaten und Matrosen des großen Westens sind zur Lösung dieser Aufgabe bereit. Zeit und Ort sind festbestimmt. Den Tapfern erwarten Sieg und Ruhm!" — Hr. Wilson wird im Kongreß den Antrag stellen, allen Freiwilligen, die sich während des Krieges auszeichnen, im Namen des Kongresses eine silberne Medaille zu votiren. — Am 22. wird Washington beleuchtet sein. — Der südstaatliche General Buck ner, der im Fort Dvnnelson gefangen wurde, ist als Hochverräthcr in Gewahrsam genommen worden. Die Süd- staatlichen haben Clarksville geräumt und konzentriren sich, wie verlautet, bei Nashville, um dort einen abermaligen Widerstand zu versuchen. Auch Kolumbus soll von ihnen aufgegeben sein. — Ein Sohn des Präsidenten Lincoln ist gestorben. ^ Zn Folge dieses Trauerfalles vertagten sich beide Kongreßhäuser nach sehr kurzer Sitzung. Das Begräbniß sollte am Montag den 24. Febr. stattfindcn. In Elerksville haben die Nordstaatlichen Vorräthe für die ganze Armee aus 20 Tage gesunden. Nach südstaatlichcn Blättern herrscht in Savannah und Charleston lebhafte Angst vor dem Anmarsch der Unionstruppen. — Laut Bericht, des Generals Halleck aus St. Louis, 20. Febr., würde General Price bei Sugar Creek nach kurzem Gefecht geschlagen. Eine Menge Waffen, die seine Soldaten im Fliehen wegwarfen, und viele Gefangene sind den Unionstruppen in die Hände gefallen. Verantwortlicher Redakteur: vr. I. HemuKroenleta. H Z.H.70. Altbreisach. Tiefbctrübt ^V^erthcilen wir auswärligen Verwandten I und Freunden die schmerzliche Nachricht, 4M» daß unser innigft geliebter Gatte, Vater und Schwiegervater, der großh. Hauptamts- Verwalter Johann Jakob Serauer dahier gestern Abend 10 Uhr in Folge eines Schlaganfalls schnell und unerwartet im Alter von 50 Jahren in das bessere Jenseits abgerufen worden ist, und bitten nm stille Theilnahme. Altbreisach und Kehl, den 8. März 1862. Im Namen der Hinterbliebenen. Die Wittwe: _ Barbara Serauer, geb. Mayer. L Z.H.74. Herbolzheim. Wir er- ^V^süllen hiemit eine heilige Pflicht, indem I wir unfern entfernten Freunden und De- kannten die schmerzliche Nachricht mit- theilen, daß cS dem Allmächtigen gefallen hat, unfern Vater, Hauptlehrer Bernhard Mayer von Herbolzheim, nach längerm Leiden von dieser Welt abzurufen. Wir bitten um stille Theilnahme. Herbolzheim, den 9. März 1862. Die Hinterbliebenen. Weitester Woinan von A W. Kackländerl >48. Im Verlage von Edvard Halluerger in Stuttgart ist so eben erschienen und durch i zu beziehen: Der Wechsel des Lebens. Von Z.H.88. Karlsruhe. Bekanntmachung. Den direkten Güterverkehr im Rheinischen Eisenbahnverband betr. Vom t. März d. I. ab werden die Lieferzeiten, welche auf Seile 24 und 2b des Tarifs für den direkten Güterverkehr im Rheinischen Eisenbahnvcrbande vom 10. Oktober 1860 veröffentlicht sind, für den Verkehr zlvischen den diesseitigen Stationen und jenen der Rheinischen Eisenbahn um je 2 Tage, d. h. um den Betrag der bisher giltigen Respekttage, verlängert; was hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht wird. Karlsruhe, den 8. März 1862. Direktion der großh. Verkehrsanstalten. B. V. d. D. E b er I i n. Salzmann. F. W. Hackländer. 3 Bde. 8. eleg. drosch. Preis: 5 fl. 1b kr. Der berühmte Verfasser entwickelt in diesem seinem ersten biographischen Romane aufs Neue jenes außerordentliche Talent, wegen dessen er von der gesammten deutschen Leserwelt als einer ihrer gefeiertsten Lieblinge verehrt wird. Wir unterlassen cs , dem Werke hier weitere Worte der Empfehlung beizufügen, da der Name Hackländer sie am vollgültigsten bietet. Früher erschien in gleichem Verlage: ^ ^ ^ <^7 M Tag und Nacht. Eive Geschichte iu vierundzwanzig Stunden Mit Illustrationen von Prof. Schenken. Zweite Auslage. 2 Bde. 8. eleg. drosch. Preis: 5 fl. 15 kr. ls'^v Roderich. Eine Hof- und Räubergeschichte. Zweite Auflage. 2 Bde. 8. eleg. drosch. Preis: b fl. 1b kr. ^ . in AcrrVtzriche durch die 18». Hvfbuchhandlimtz, A. Biele selb s Hofbuchhandlung,W. Creuzbauer, Geßner'sche Buchhandlung, Th. Ulrici. A.H.90. Karlsruhe. Bekanntmachung. Die Einführung eine« neuen VereinS- Güter-ReglemcntS betreffend. Mit dem 1. d. Mt«, ist für den DereinS-Güter- Berkehr aus den Bahnen des Verein« Deutscher Ei- l senbahn-Verwaltungen (Verkehr von Bahn zu Bahn) an Stelle des seit 1. Dezember 1856 eingeführten bisherigen Reglements ein neues TranSport-Regle- meiit in Wirksamkeit getreten, dessen Bestimmungen jedoch vorerst auf den diesseitigen inneren Güterverkehr, sowie aus den sämmtlichen direkten Verkehr der großh. Staats-Eisenbahn mit andern Bahnen keine Anwendung finden. Wir bringen dies zur öffentlichen Kenntniß mit dem Ansügen, daß von den gleichzeitig cingeführten neuen Bereins-Frachtbrief-Formularen bei den großh. Gütererpeditionen vorräthig sind und daß bei eben denselben von dem neuen Vereins-Reglement selbst in kürzester Zeit einzelne Eremplare gegen Ersatz der AnschafsungSkosten werden abgegeben werden. Da endlich in Folge des neuen Handelsgesetzes in dem neuen Vereins-Reglement die Aufnahme von Respekttagen nicht zulässig war, so werden für den Bereinsverkrhr sämmtliche Lieferzeiten des diesseitigen internen Verkehrs um 2 Tage erhöht. Karlsruhe, den 8. März 1862. Direktion der großh. Verkehrsanstalten. B. V. d. D. E b e r l i n. _Salzmann. Z.g.979. Karlsruhe. 47-°/o Aulehe« -er Stadt Genf. Die Unterzeichneten nehmen Subskriptionen auf dieser Anlehen entgegen zum Cours von 98". o, inclusive der Zinsen vom 3l. Dezember 1861. Prospekte find auf deren Bureau zu haben. Karlsruhe, den 4. MLrz 1862. _ G Müller Sk Conf. Zch.86. Karlsruhe. ' Circus Suhr H Hüttemann auf dem Schloßplatz in Karlsruhe. Heute Dienstag den 11. März: Große außerordentliche Vorstellung in der HLHern Reitkunst, noch nie gesehener Gymnastik und besonderer Pferdedressur. Aus vielseitiges Verlangen wiederholt: Eine Nacht in Peking, oder hier, dort, oben, unten, links, rechts, in der Mitte, in der Luft und überall auf einmal in «ehr al« 400 verschiedenen Arten ausgesührt von 40 Personen der Gesellschaft. Da am Sonntag noch bereits die Hälfte der Loose unvertheilt blieben und die Ziehung wie bestimmt war stattfand , sich aber Niemand zu dem Gewinnst meldete, so wird heute, Dienstag, du Verlvosung fortgesetzt, und zwar auf folgende Weise: Jeder Besucher de« Circus erhält wie zuvor für einen Logensitz 5 Nr. gratis, für einen Parquetplatz 4 Nr. gratis, für einen ersten Platz 3 Nr. gratis, für einen zweiten Platz 2 Sir. gratis, für einen dritten Platz 1 Nr. gratis, und haben die bis jetzt unterm Publikum vertheilten Loose zu dieser Ziehung ihre volle Giltigkeit ; im Fall die Loose zu dieser Vorstellung nicht alle ausgegeben sind, so wird der noch übrige Theil im EircuS an das anwesende Publikum verrheilt, und wird so lange gezogen, bis das Pferd gewonnen ist. Morgen Mittwoch zum ersten Male: Der Berggeist oder Clothildens Rand, schottische Sage, große Spektakel-Pantomime mit brillantem Waffentanz, Evolutionen, Gefecht und Tableaur, ausgeführt von 120 Personen und sämmtlichen Pferden mit ganz neuer Garderobe und Dekoration, endet mit eurem brillanten Feuerwerk. _ TommisMe-Vesuch. Z.H.31. Ein junger Mann, der seine dreijährige Lehre in einem Kolvnialwaaren- und Delikatessen-Geschäft in Ulm erstand , sucht unter bescheidenen Ansprüchen eine Stelle als Commis. Gefällige Anträge befördert unter Chiffre l.. st. die Expedition dieses Blattes. Z.c.989. Bad Gleisweiler. Eisenbahn- und Telegraphcnstation Land an in der Rheinpfalz. Kaltwasserkur, Dampfbäder, ElectrogalvaniSmus, Gymnastik. Klimatische Vorzüge (geschützte, milde und trockene, anerkannt gesunde Lage) und zweckmäßige innere Einrichtungen erhalten Bad Gleiswciler auch während der Wintermonate stets besucht. Die reduzirten Kurpreise gelten vom November bis Ende Mai. 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MtS., Nachmittags 2 Uhr, werden wir im Gasthause zum Ochsen in Hüfingen, vorbehaltlich höherer Gcneh- Nliqung, das herrschaftliche GefangmfchaftSgebäude allda öffentlich versteigern. Dieses Gebäude liegt in der sog. Sennhvfgaffe, hat einen Hausplatz von 30 Ruthen, einen Hofraum von 17 Ruthen, worin sich das besonders stehende Kellerhaus mit gewölbtem Keller befindet, ist zweistöckig, massiv von Stein gebaut, enthält 2 heizbare Zimmer und mehrere Kammern, 7 Gefangenschaftszellen, eine Koch- und eine Waschküche, Stallung und große Räumlichkeiten zu gewerblichen Einrichtungen, sowie zur Aufbewahrung von Holz, Futter und andern Felderzeugnissen. Donaueschingcn, den 8. März 1862. Fürstlich Fürstenberg'fches Rentamt. Z.H.22.'"B r u ch s a l. Verkaufs-Anzeige. Blumenwirth Mai in Bruchsal läßt am 22. März d. I., Nachmittags 2 Uhr, in seinem Wirtschaft«- lokal folgendes Taugenholz, ganz oder auch theilweise, einer öffentlichen Versteigerung auSsetzen : ca. 500 Stück 4 Fuß ) - 6000 - 2 - ! Länge, - 2000 - von 14 —18Zolls nebst dem hiezu erforderlichen Bodenholz. Die Einsicht davon kann nach Belieben auch vor der Steigerung genommen werden. Z.g.985. Nr. 804. Sinsheim. Pferde-Lersteigeruug. In Folge Verfügung großh. Kriegsministeriums werden Donnerstag den 13. März l. I., Vormittags 10 Uhr, auf dem Platze vor dem Obereinnehmereigebäude dahier 15 bisher verstellt gewesene Mililärpferde — 8 Wallachen und 7 Stuten — gegen baare Bezahlung einer Versteigcrnng ausgesetzl; wozu Kaufliedhaber eingeladen werden. Sinsheim, den 5. März 1862. Großh. Obereinnehmerei. E ck a r d t. Z.H.35. Nr. 455. Stockach. Pferdeverfteiqerilng. Dienstag den 18. d. M., Nachmittags 2 Uhr, werden vor dem DomänenverwaltungS- gebäude dahier 12 verstellte Militärpferde gegen Baar- zahlung versteigert. Stockach, den 6. MLrz 1862. Großh. Domänenverwaltung. Welte. Z.H.58. Freiburg. Holzversteigernng. Aus dem Adelhauser Forste bei Haslach, an der Opfinger Straße, werden nn Schlage Nr. 21 Montag den 17. d. M., Vormittag« 9 Uhr, 35 Eichenstämme (Holländer- und Nutzholz), öffentlich versteigert. Freiburg, den 8. März 1862. Verwaltung des Lehrinstituts Adclhausen. W i n g l « r. Z.H.8. Wiesenbach. (Holzversteigerung.) Aus den DomSnenwaldungcn des Forstbezirks Miesenbach werden versteigert, Samstag den 15. d. M., aus dem Distrikt HeidcnwaldII.7 nächst Langenzell: 8'/, Klafter aspenes Scheitholz, 1 Klafter gemischte» Prügelholz und 14,600 Stück gemischte Dnrchfor- stungsweUen; Montag den 17. d. M., aus dem Distrikt Hollmuth nächst Wicsenbach: 215 eichene Bau- und Nutzholzklötze; 23 V, Klafier buchenes, 16'/» Klafter eichenes, 5'/» Klafter birkenes Scheitholz; 611/-Klafter gemischtes Prügclhol;; 6'/» Klafter buchenes und 3'/, Klafter eichene« Klotzholz; 13,550 Stück gemischte Wellen und 1 LooS Schlagabraum. IN an versammelt sich am 15. Vormittags halb 11 Uhr in Langenzell, ani 17. Vormittag« 9 Uhr im Gasthaus zunr Badischen Hof (Post) hier. An dem letztem Tage beginnt die Versteigerung mit dem Brennholz, worauf Mittags 12 Uhr da« Bau- und Nutzholz folgt. Wiesendach, den 6. März 1862. Großh. bad. Bezirksforstei. K r u t i n a. Z.H.64. Karlsruhe. (Holzversteige- run g.) In großh. Hardtwald werden aus mehreren Abtheilungen am 13. d. M. versteigert: 15 tannene Bauholzstämme, 24 Traubenkirschen, 42 Akazien-Nutzholzstämmchcn; 43 tamrene Sprieß- und Gerüststangen, 90 tan- nene Leiter-, Hopfen- und Rebstangen; 33 Klstr. eichene-, 21 Klftr. forlene« und gemischtes Prügelholz; 6000 eichene, forlene und gemischte Wellen. Zusammenkunft früh 9 Uhr auf dem HagSselder- Eggensteiner Weg an der Stutenseer Allee. Karlsruhe, dm 7. März 1862. Großh. bad. Bezirksforstei Eggenstein, v. Kleiser. Z.H.76. R.C.Nr. 1336. Rastatt. (Aufforderung und Fahndung.) Der eine« zum Nachtheil des Georg Zirkel verübten Diebstahl- verdächtige und geständige Soldat Georg Wohlfart von Dlstelhansen, dessen Signalement unten beifvlgt, sollte noch wegen eines weitern, zur Anzeige gekommenen Diebstahl- auf diesseitige Requisition durch großh. Amtsgericht Tauberbischofsheim einvernommen werden. Da dessen Aufenthalt jedoch zur Zeit unbekannt ist, wird derselbe gemäß H. 128 de« Einf.-GesetzeS aufgefordert, binnen 3 Wochen zu seiner Einvernahme bei seinem Vorgesetzten Kommando sich zu stellen, indem sonst, abgesehen von der alsdann nothwen- dig fallenden Einleitung des AbwcsenheitSversahren«, nach dem Ergebnisse der Untersuchung das Erkenntlich würde gefällt werden. Zugleich werden die Behörden ersucht, auf den An- geschuldiglen zu fahnden und denselben im Betre- tungsfall mit Laufpaß anher zu weisen. Signalement: Alter, 26 Jahre; Größe, 5' 4" 3"'; Körperbau, untersetzt; Gesichtsfarbe, gesund; Augen, braun; Haare, hellbraun; Nase, gewöhnlich. Rastatt, den 9. März 1862. Das Kommando de- großh. 3. Infanterieregiments. v. Villiez, Oberstlieut. Z.H.18. Nr. 2075. Bühl. (Berichtigung.) In dem diesseitigen Ausschreiben vom 23. Januar d. I., Nr. 1072, ist der Druckfehler eingeschlichen, daß das dort bezeichnete Grundstück als in der Ehristen- bühne gelegm bezeichnet wird, während es in dem Gewann Theißenbühne liegt. Hiernach wird jene« AuS- schreiben berichtigt. Bühl, den 1. März 1862. Großh. bad. Amtsgericht. Fischler. . Z.g.999. Nr. 1874. Schwetzinge.n. (Erledigte Aktuarsstelle.) Bei diesseitigem Gerichte ist eine AktuarSstelle mit einem Einkommen von 400 st. sogleich zu besetzen. Schwetzingen, den 7. MLrz 1862. Großh. bad. Amtsgericht. Ried. (Mit eine Beilage.) Druck und Verlag der S. Vraun'schen Hofbuchdruckerel^