Donnerstag, 14. Juni. 162 Expedition: Karl-Friedrichs-Straße Nr. 14qwoselbst auch die Anzeigen in Empfang genommen werden. Vorausbezahlung: vierteljährlich 3 M. 50 Pf.; durch die Post im Gebiete der deutschen Postvcrwaltung, Briefträgergebühr eingerechnet, 3 M. 65 Pf. Einrückungsgebühr: die gespaltene Petitzeile oder deren Raum 18 Pfennige. Briefe und Gelder frei. 1888 . Nichtamtlicher Thril. t, den 13. Juni. Ueber das Befinden Seiner Majestät des Kaisers ist heute folgendes Bulletin ausgegeben worden: „Bei Seiner Majestät dem Kaiser ist nach guter Nachtruhe das Athmen leicht und ruhig, die Ernährung geht leichter von statten, der Kräftezustand ist besser." Ungeachtet dieser etwas günstiger lautenden ärztlichen Mittheilung muß der Zustand des erlauchten Monarchen infolge der Ernährungsschwierigkeiten als ein ernster betrachtet werden. Vom Wolff'schen Telegraphenbureau ist uns heute Nachmittag folgende Depesche zugegangen: „Da bei der augenblicklichen Lage Seiner Majestät des Kaisers die Einführung der Ernährungssonde mit einiger Gefahr verbunden ist, so hat l)r. Mackenzie seine Zustimmung zur Anwendung des Instrumentes erst gegeben, als von allen Aerzten einstimmig zugegeben wurde, daß die Methode noth- wendig wäre, um das Leben zu verlängern, da Patienten öfters, noch einige Monate'selbst, länger gelebt haben, wenn die Ernährung durch die Sonde erfolgte. Bereits am Samstag Morgen hat Mackenzie eine Tamponkanüle eingesetzt. Die Ernährung Seiner Majestät erfolgt durch Mackenzie mehrmals im Laufe des Tages mit konzen- ckrirter Milch, Sahne. Whisky re." Die gestern in Belgien vorgenommenen Kammerwahlen verändern die Zusammensetzung der Kammern nicht wesentlich. Nach einer uns aus Brüssel zugehenden telegraphischen Meldung werden die Katholiken ihre bisherigen Mandate sämmtlich behaupten und dazu einen Sitz in Virlon (Luxemburg) und einen zweiten in Ostende gewinnen. Die kandidirenden Minister sind sämmtlich wieder gewählt worden. In Brüssel muß zwischen allen Kandidaten der katholischen und der gemäßigt-liberalen Partei Stichwahl stattfinden, doch würde, wie unser Telegramm konstatirt, selbst bei einem den Liberalen günstigen Ausfälle der Stichwahl in Brüssel die ministerielle Mehrheit in der Deputirtenkammer dreißig und im Senate achtzehn Stimmen betragen. Bei der Spaltung der liberalen Partei konnte ein den letzteren günstigeres Wahlresultat kaum erwartet werden. Der Präsident des englischen Lokalverwaltungsamtes, Ritchie, hat, wie schon telegraphisch gemeldet wurde, in der gestrigen Unterhaussitzung erklärt, daß die Regierung die Bestimmungen über die Schankwirthschaften in der Lokalverwaltungsbill fallen lasse. Mit dieser Ankündigung der Regierung verschwindet aus der Lokalverwaltungsbill eine Frage, die nicht nur von der Opposition nach Kräften zur Bekämpfung der Regierung ausgebeutet wurde, sondern auch Zwistigkeiten unter den regierungsfreundlichen Parteien, zwischen den Tories und den liberalen Unionisten hervorzurufen drohte. Die Liberalen, Nicht bloß die zu Gladstone haltenden, sondern auch die Anhänger Lord Hartingtons bekämpfen die Klausel des Lokalverwaltungsgesetzes über die Entschädigung der Schankwirthe, deren Konzession von der künftigen Lokalverwaltung zurückgezogen werden sollte. Die Regierung hatte den Versuch gemacht, die Ansprüche der Temperenzler zu befriedigen, aber auch gleichzeitig beschlossen, den Schankwirthen eine Entschädigung zu gewähren; da der Entschädigungsvorschlag jedoch auf so lebhafte Opposition stieß, riethen einige Freunde der Negierung dazu, die ganze Ausschankfrage fallen zu lassen, und die gestrige Erklärung Ritchies zeigt, daß die Regierung diesem Rathe gefolgt ist. Das Kabinet hat aus dem Entwürfe des Lokalverwaltungsgesetzes nicht bloß die Klausel wegen der Entschädigung der Schankwirthe, sondern auch die Voraussetzung derselben, die Einschränkung der Konzessionen, beseitigt und die ganze difficile Frage verschwindet damit aus der Diskussion. Nachdem dieser Zankapfel aus der Bill einmal verschwunden ist, wird die Annahme derselben bedeutend erleichtert sein. Die Hauptangriffe der Opposition halten sich eben aus die Entschädigungsparagraphen gerichtet, und obgleich noch viele andere Handhaben für die Radikalen übrig bleiben, so haben sich dieselben dennoch zur Annahme der Hauptpunkte mehr oder weniger verpflichtet und dürfte es ihnen schwer fallen, sich dieser Verpflichtung zu entziehen, ohne ihre Stellung zu kompromittiren. Was jedoch der Annahme der Bill besonders zu statten kommen wird, sind einige skandalöse Enthüllungen über die Geschäftsverwaltung des Metropolitan Board of Works, die es jedem Steuerzahler klar machen werden, daß die Lvkalverwaltung, besonders in London, einer gründlichen Revision bedarf. Ueber den Verkehr deutscher Schiffe in schwedischen Häfen im Jahr 1887 wird berichtet, daß in Hernösand 44 deutsche Schiffe, und zwar 16 Dampfer und 28 Segelschiffe, von zusammen ! 13 707,40 Reg.-To., und zwar 11 mit Ladung cinliefen. Alle ! nahmen Holz in Ladung, darunter 24 für deutsche Häfen. In ! Hudiksvall sind 15 deutsche Schiffe (3 Dampfer und 12 Scgel- ! schiffe) von zusammen 4580,77 Reg.-To. eingeganzen. 14 nahmen Holz in Ladung, darunter 3 für deutsche Häfen. In Lulea sind 7 deutsche Schiffe (1 Dampfer und 6 Segelschiffe) von zusammen 2273,12 Neg.-To. eingegangen, 4 nahmen Hslz und Eisen in Ladung. In Neder-Kalix sind 4 deutsche Segelschiffe von zu- sammen 1235,92 Reg.-To. ein-und mit Holz wieder ausgelaufen. ^ In Nyköping haben 2 deutsche Segelschiffe von zusammen 97,40 i Neg.-To. verkehrt. In Oxelösund sind 8 deutsche Dampfer von zusammen 3537,52 Reg.-To. eingclaufen. In Söderhamm haben 33 deutsche Schiffe (8 Dampfer und 25 Segelschiffe) von zusammen 10 654,42 Reg.-To. verkehrt. In Stockholm sind 157 deutsche Schiffe, und zwar lß4 Dampfer und 23 Segelschiffe von zusammen 51498,71 Reg.-To. eingelaufen, 124 derselben kamen aus deutschen Häfen. Den Hasen von Umea haben 8 deutsche Schiffe (2 Dampfer und 6 Segelschiffe) von zusammen 2799,54 Reg.-To. besucht. In Wcsterwik haben 17 deutsche Schiffe von zusammen 2924,95 Reg.-To. verkehrt. Deutschland. * Berlin, 12. Juni. Seine Majestät der Kaiser hat im Laufe des Tages genügende Nahrung zu sich genommen und fühlte sich Nachmittags etwas gestärkt. Der Kaiser verweilte von 64'z bis 7'/, Uhr Abends aus der Terrasse. Um 4 Uhr stattete die Kronprinzessin dem Kaiser einen Besuch ab. Nach 10 Uhr traf Prof. Bardeleben im Schlosse Friedrichskron ein und verblieb während der Nacht daselbst. Auch Leyden und Krause verblieben die Nacht über im Schlosse. Generallieutenant v. Mischke soll in der Umgebung des Kaisers in Friedrichskron verbleiben. — Ueber das Leiden Seiner Majestät des Kaisers schreibt die „Nat.-Ztg.": „Vor etwa vierzehn Tagen hatten die Acrzte des Kaisers die Frage erörtert, wie sich der weitere Verlauf der Krankheit wohl gestalten würde, da angenommen werden mußte, daß das Grund- ^ leiden nicht stillstehen werde. Wie wir erfahren, hatten sie sich i im Allgemeinen dahin verständigt, daß, soweit der damalige ! Kcankheitsbefund ein Urtheil zulasse, das Grundleiden zunächst nicht nach hinten auf die Speiseröhre, sondern eher nach vorn sich ausbreiten werde. Thatsächlich ist letzteres auch eingetreten. Es wuchsen aus der durch die Tracheotomie geschaffenen Luftröhrenöffnung Wucherungen hcrvvr, welche sich etwa fingerbreit wie ein Ring um die Wundränder legten. Um Verletzungen dieser sehr weichen Gewebe nach Möglichkeit zu vermeiden, wurde das Schild der Kanüle immer größer gemacht, damit dasselbe noch auf der äußeren gesunden Haut ruhen könne. Leider scheint die Krankheit nun auch nach anderer Richtung sich fortbewegt und nach hinten übergegriffen zu haben, und es ist die Besorg- niß nicht zu bannen, daß die Wand der Speiseröhre affizirt sei." — Seiner König!. Hoheit dem Erbgroßherzog Ernst Ludwig von Hessen und Seiner Großherzogl. Hoheit dem Prinzen Wilhelm von Hesseil (Bruders des Großherzogs) ist vom Kaiser der Schwarze-Adler-Orden verliehen worden. (Danach ist unsere gestrige irrthümliche Meldung, daß der genannte Orden Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog von Hessen verliehen worden sei, zu berichtigen. Die irrthümliche Nachricht ist uns als Privattelegramm aus Berlin zugegangen und vermuth- lich infolge eines Schreibfehlers bei der Aufgabe des Telegramms „Großherzog" statt „Erbgroßherzog" gemeldet worden.) — Der Bundesrath hat beschlossen, für die Nachwahl eines zweiten Stellvertreters des zweiten von den Berufsgenossenschaftsvorständen aus ihrer Mitte gewählten nichtständigen Mitgliedes des Reichsversicherungsamts hinsichtlich des Stimmenverhältnisses der einzelnen Wahlkörper Folgendes zu bestimmen: 1. Das Stimmen- verhältniß der Berufsgenossenschaftsvorstände und der Ausführungsbehörden regelt sich, abgesehen von den Stimmen des Vorstandes der Tiefbauberufsgenossenschaft und der auf Grund des Bauunfallversicherungsgesetzes vom 11. Juli 1887 errichteten Ausführungsbehörden, ! nach der in der Nachweisung über die gesammten Rechnungsergebnisse für das Jahr 1886, Tabelle 1, allgemeine Uebersicht Spalte 15 angegelenen Zahl der versicherten Personen. 2. Das Stimmenverhältniß des Vorstandes der Tiefbauberufsgenossenschaft und der auf Grund des Bauunfallversicherungsgesetzes errichteten Ausführungsbehörden richtet sich nach der Zahl der am 1. April 1888 in der Berufsgenossenschaft, beziehungsweise in dem Bezirk der einzelnen Ausführungsbehörde vorhandenen versicherten Personen. Ein Beschluß des Bundesraths über Bildung landwirthschaftlicher Berufsgenossenschaften für Elsaß-Lothringen lautet dahin, daß auf Grund des H 18 des Gesetzes betreffend die Unfall- und Krankenverslchernng der in land- und forstwirth- schaftlichen Betrieben beschäftigten Personen vom 5. Mai 1886 für Elsaß-Lothringen drei Berufsgenossenschaften für land- und forstwirthschaftliche Betriebe, und zwar je elsaß und für den Bezirk Lothringen zu bilden seien. — Die Nachricht der „Konservativen Korrespondenz" von der Demission des Jnstizministers v. Friedberg aus Anlaß von Meinungsverschiedenheiten mit dem Reichs- j kanzler wird von den „Berl. Pol. Nachr." als in allen ° ihren Theilen aus der Luft gegriffen bezeichnet. Ebensowenig bewahrheitet sich die Meldung einer Anzahl Blätter, daß der Geh. Oberregierungsrath Freiherr v. Zed- litz-Neukirch, der bekannte Führer der Freikonservativen, zum Nachfolger des Ministers v. Puttkamer ernannt sei. — In der heute stattgehabten Sta dtv erordneten- Ersatzwahl wurde im 14. Wahlkreis Kunert (Arbeiterpartei) gewählt. Im 37. Wahlkreis findet Stichwahl zwischen Gnadt (Sozialist) und Berliner (Liberal), im 24. Wahlkreis eine solche zwischen Tempel und Faster statt. Stuttgart, 12. Juni. Für das neue Landes- gewerbemuseum sind 27 Entwürfe eingelaufen, die seit heute im Königsbau ausgestellt sind. Prämiirt wurden die Entwürfe der Architekten Härtel u. Neckelmann in Leipzig, Preis 7000 M.; Architekten Schmid u. Burkhardt-Stuttgart, 4500 M.; Architekten Giese u. Weidner- Dresden, 2500 M. Die Entwürfe der Architekten Eisenlohr u. Weigle-Stuttgart und des Bauinspektors Dolmetsch Stuttgart sollen angekauft werden. Das Preisgericht kam insofern zu einem negativen Resultat, als keiner der Entwürfe zur ungeänderten Ausführung sich eignet. Die Schwierigkeiten, die sowohl das Areal als der vielseitige Zweck des Gebäudes verursacht, sind in keinem Entwurf völlig überwunden. — In Stuttgart tagt zur Zeit die 28. Jahresversammlung des Deutschen Vereins von Gas- und Wasserfachmännern, auf welcher auch Karlsruhe und Freiburg i. B. vertreten sind. In der Eröffnungssitzung begrüßte Minister von Schmid die Versammlung im Namen des Königs. — Die neue 3'/zprozentige württ. Eisenbahnanleihe von 7 Millionen ist an die Stuttgarter Vereinsbank und die Württembergische Bankanstalt (Pflaum u. Co.) zum Kurs von 102 M. 22 Pf. auf dem Weg der Submission überlassen worden. Der Rest des 4prozentigen Anlchens von 1887, im Betrag von 675 000 M., wurde an dieselben Anstalten zum Kurs von 107 M. 60 Pf. abgegeben. — Aus Oberndorf wird berichtet, daß die Firma Mauser der Pforte erklärt hat, daß sie nicht weiter für sie arbeite, wenn nicht volle Sicherheit für die Zahlungen gewährt werde. Von ihren Forderungen von 2 Millionen türk. Pf. sind bis jetzt 400 000 Pf. bezahlt. 88 Straßburg, 12. Juni. Die Ausführungsbestimmungen zu der Paßverordnung und die Erleichterungen, welche dem Verkehr, soweit angängig, ohne gegen den Zweck der Maßregel zu verstoßen, gewährt worden sind, haben am besten gezeigt, daß es sich hier um nichts weniger als um eine leere Repressalie handelt, sondern um einen Akt der Nothwehr gegen französische Umtriebe im Reichslande. In letzterer Beziehung ist freilich ein energisches Halt geboten worden und der Sanitätskordon, mit dem man Elsaß-Lothringen gegen erneute störende Einschleppungen »us Frankreich umgeben hat, wird sicherlich seine Wirkung nicht verfehlen. Daß solche Maßnahmen nicht ohne Unbequemlichkeiten, ja selbst ohne Schädigungen einiger privater Interessen durchzuführen sind, war von vornherein klar; sie werden eben ertragen werden müssen und nachdem man sich überzeugt hat, daß die Wünsche, das System zu durchlöchern, unerfüllt bleiben, werden sich die Betheiligten gewiß mit aller Macht daran begeben, die erschwerten geschäftlichen Verbindungen mit Frankreich durch solche nach Deutschland zu ersetzen. Das kann freilich nicht im Handumdrehen geschehen, aber ein ernstes und konsequentes, von voller Aufrichtigkeit getragenes Bestreben wird auch hier an das erwünschte Ziel kommen. Was in dieser Beziehung durch geeignetere Eisenbahnverbindungen u. dergl. Fördersamcs geschehen kann, wird sicher nach Anregung an zuständiger Seite erfolgen. Auch unsere Vogesenwirthe werden sich bemühen müssen, den Ausfall an französischer Kundschait durch deutsche zu ersetzen, was ihnen bei Anpassung an die Wünsche deutscher Gäste unschwer erreichbar sein wird. Das Eine ist dazu freilich erforderlich, daß aus der ganzen Haltung der Vogesenwirthe die Erkcnntniß hervorleuchtet, daß in Deutschland, als auch in den deutschen Vogesen, die deutschen Gäste in erster Linie zu stehen haben. Oesterreich-Ungarn. Pest, 12. Juni. Seine Majestät der Kaiser hielt heute eine Revue über die Truppen der Garnison - ab. Das glänzende militärische Schauspiel war vom herrlichsten Wetter begünstigt. Seine Majestät, begleitet von einer gländenden Kalvalkade, erschien 7 Uhr 30 Minuten auf der Generalwiese, nahm die Meldung entgegen, ritt die Fronten ab, ließ sodann die Truppen defiliren und sprach der Generalität, sowie den Regimentskomman- danten über das Aussehen und die stramme Haltung derselben die vollste Zufriedenheit aus. Seine Majestät wurde von einem zahlreichen Publikum mit stürmischen Eljen-Rufen akklamirt. — Die Ausschüsse der ungarischen Delegation werden bereits in dieser Woche in die meritorische Berathung des gemeinsamen Budgets eintreten. Der Heeresausschuß hält morgen Sitzung und der Ausschuß für Aeußeres wird am Donnerstag zusammentreten. Der Budgetausschuß der österreichischen Delegation wird bekanntlich erst am nächsten Montag seine Verhandlungen ausnehmen. — Fast sämmtliche Blätter besprechen in sympathischen Artikeln den glänzenden enthusiastischen Empfang des Kronprinzenpaares in Agram, heben die staatsrechtliche Wichtigkeit der Ansprachen des Kronprinzen hervor und geben der Ueber- zeugung Ausdruck, daß der dereinstige Träger der Stefanskrone zur Befestigung des brüderlichen Verhältnisses zwischen Ungarn und Kroatien beigetragen habe. Die Freude, der die Worte des Kronprinzen bei uns begegnen, wird noch durch den Umstand erhöht, daß dieselben auch in Kroatien begeistert ausgenommen wurden. — Zu der Ansprache Seiner Majestät des Kaisers an die Präsidenten der Delegationen bringt das „Fremdenblatt" einen Artikel, den es mit folgenden Sätzen schließt: „Die kaiserliche Ansprache unterläßt es nicht, neuerlich jene Grundzüge der Politik der Monarchen zu verkünden, welche aus ihr Elemente des Friedens machen und ihre Stärke zu einer Garantie kür die ruhige Entfaltung Europa's erbeben. Oesterreich-Ungarn zeigt nun neuerlich seine Entschlossenheit, „mit ebenbürtigen Kräften und traditionellem Patriotismus" für die Verteidigung seiner Interessen und jener des allgemeinen Friedens einzustehen. Die Monarchie kann keine anderen Zielpunkte haben und sic will auch keine anderen. Sie appellirt an die Opfcrwilligkeit der Nationen — lediglich um Ausgaben nachzukommen, die ohnehin von Jedermann empfunden und für welche die Hingebung Aller gesichert ist. Sie will nichts als ihre eigenen Interessen und jene des allgemeinen Friedens schützen. Sie will stark sein und stark bleiben für sich sowohl als für den Frieden, an dem alle Völker gleich betheiligt sind. Mit je größerer Entschiedenheit die Völker der Monarchie dieser Aufgabe entgegenkommen, ein je größeres Gewicht sie dem Reiche im Rathe der Nationen leihen, je werthvoller sie dasselbe für seine Bundesgenossen gestalten, je tatkräftiger sie es für alle Möglichkeiten von Ereignissen machen, desto sicherer wird es auch gelingen, drohende Gefahren zu beseitigen und den friedlichen Zustand zu erhalten. Ist doch die Stärke der Friedensmächte sicherlich jene Erwägung, welche alle gegen die Ruhe Europa's gerichteten Agitationen im Zaume hält und allen aufrichtigen Freunden des Friedens in allen Ländern den mächtigsten Stützpunkt leiht. So ist denn die kaiserliche Ansprache an die Delegationen nur eine neue Manifestation jener unwandelbaren Politik der Monarchie, welche ihr Freunde und Vertrauen errungen hat. Sie ist eine Kundgebung unserer klaren und durchaus friedlichen Intentionen, aber auch der Ausdruck unserer Bereitwilligkeit, Alles zu thun, um dieser Politik auch von unserer Seite einen wirksamen Nachdruck zu ertheilen. Wer in Europa den Frieden aufrichtig will, der kann in der Stärke unserer Monarchie nur eine Voraussetzung für diese Verwirklichung des eigenen Wunsches erblicken. Welche Lasten die neuen Kreditvorlagen auch dem Reiche auferlegen, das Bewußtsein, daß unser Reich an Kraft und Ansehen zunimmt und damit auch sein Wort unter den Völkern au Bedeutung gewinnt, ist ein reichlicher Ersatz für die Opfer, die auf dem Altäre des Vaterlandes niedergelegt werden. Haben die bisherigen Bemühungen, die Autorität des Reiches und dessen Machtfülle zu vermehren, wesentlich dazu beigetragen, um die eigenen Interessen und im Vereine mit den Bundesgenossen jene der anderen Völker wirksam wahrzunehmen, so werden die weiteren Anstrengungen hoffentlich diesen Erfolg auch für die Zukunft sichern und uns Alle überdies mit der Gewißheit der redlich gethanen Pflicht erfüllen." Niederlande. Haag, 12. Juni. Der König ernannte eine Kommission von 18 Mitgliedern unter dem Vorsitze des Kriegsministers, die beauftragt ist, über die Grundsätze einer gesetzmäßigen Organisation der Landesvertheidi- gung zu berathen. — Auf Grund der Verfassung wird die Regierung einen Gesetzentwurf einbringen, welcher die gesetzmäßige Bestätigung der internationalen Vereinbarung zur Steuerung des Mißbrauches, der mit dem Branntweinhandel unter den Fischern in der Nordsee getrieben wird, verlangt. Frankreich. Paris, 12. Juni. Der Ministerpräsident Floquet reist am Samstag nach Marseille, um an den dortigen Festlichkeiten thei'lzunehmen. — Der Senat genehmigte heute das zwischen Frankreich und der Schweiz geschlossene Abkommen, wonach in den Grenzorten der Elementarschulbesuch der schulpflichtigen Kinder in den Schulen des Nachbarlandes geregelt und gesichert wird. Darauf wurde im Senat der Bericht des Ausschusses für den Gesetzentwurf, wonach das Finanzjahr künftig am 1. Juli beginnen soll, verlesen. Der von Leon Say erstattete Bericht empfiehlt die Ablehnung der Vorlage und der Senat beschloß, dem Antrag seiner Kommission folgend, nicht in die Berathung des' Gesetzentwurfs einzutreten. Der Senat hat somit die Entscheidung der Deputirten- kammer, welche den Gesetzentwurf angenommen hatte, umgestoßen und das Gesetz verworfen. — Es wird versichert. daß die Wiederaufnahme der Handelsvertragsverhandlungen zwischen Frankreich und Italien in ernstlicher Erwägung stehe. Die auf beiden Seiten in Folge der gegenwärtigen vertragslosen Beziehungen erlittenen Verluste scheinen über zahlreiche Punkte Aufklärung und in Betreff der wichtigsten Artikel eine Uebereinstimmung herbeigeführt zu haben. Wahrscheinlich ist es insbesondere die Weinkrisis, die sich in Italien fühlbar macht, denn der Schmuggel wird durch den Zollkrieg mit Frankreich sehr begünstigt. —Der opportunistische Abgeordnete Emanuel Arene schicktdiesmal dem „Matin" seinen Montagsbericht aus derCbarente, wo er die Kandidatur des Republikaners Lazare Weiller gegen diejenige der Boulangisten Deroullde und Gollibert des Seguins aufrecht erhält. Der witzige Feuilletonist erzählt darin sehr ergötzlich, wie DeroulLde, welcher in Angoutme und Umgebung nicht gleich die nöthige Unterstützung gefunden Hütte, eine ganze Bande mit sich aus Paris brachte, dieselbe, welche schon während der Boulanger- Rundreise im Norden „operirte", etwa sechzig Stück, die aus dem geheimnißvollen Fonds bezahlt werden und durch eine Mütze mit rvtbem Streifen und der Aufschrift „La Lanterne" kenntlich sind. „Diese armen Teufel," sagt Arene, „treiben dieses Handwerk wie sie irgend ein anderes treiben würden. Auf dem Jahrmarkt von La Valette, wo ich gestern mit den republikanischen Kandidaten war, lief einer dieser Kerle hinter uns her, sein Packet „Lanternen" unter dem Arme. Es war heiß und er war durstig. Von Zeit zu Zeit schrie er mit seiner knarrenden Stimme: „La Lanterne, La Lanterne", was ihn noch durstiger machte. Dann kam er zu uns heran und flüsterte vertraulich: »Ihr Geschäft geht gut, Herr Weiller, ich habe nicht eine einzige verkauft." Wir bezahlten ihm zu trinken für seine drollige Aeuße- ruug. aber des Abends trafen wir ihn wieder in Angoulöme auf dem Platz der Mairie, wo er mit dem übrigen Lanternenvolk heulte und gestikulirtc, wie ein Mann, welcher den ganzen Tag für die heilige Sache gekämpft hat. So sind sie alle einzeln genommen, alle vereint sind sie furchtbar. Sie wiegeln einander gegenseitig auf und sind jeder That fähig, wenn sie sich überwacht fühlen." Nun schildert Arene, wie die Schar Döroulede unterstützt: Durch alle erdenklichen Thierstimmen, welche der Präsident der Patriotenliga selbst, wenn sie einmal im Gange sind, nicht zu Überkönen vermag. Damit begnügen sich die Söldlinge aber noch nicht, sie theilen Püffe und Hiebe aus, wie das vor einigen Tagen in Angouleme und den Abend darauf in Mouthicrs vorkam , wo cs beinahe blutige Köpfe absetzte. So haben wir es im Norden gehalten, sagt das Gefolge Deroulede's, und haut blind drauf los. Döroulede trägt immer rothe Nelken im Knopfloche, seinen bekannten langen Rock und einen gewaltigen Knüppel in der Hand. Nach der Darstellung Aröne's hätte Döroulöde keinerlei Aussicht nächsten Sonntag in der Charente gewählt zu zu werden, und würde sich der Kampf auf Weiller und Gollibert des Seguins beschränken. Cun- o d'Ornano, befragt, wer den Vorzug verdiene, Deroulöde oder Gollibert, soll geantwortet haben: Beide wären Boulangisten, der Eine aber nebenbei noch Republikaner, der Andere Bonavartist, und die letztere „Marke" die bessere. (Bekanntlich haben Aröne und Deroulede einen Zweikampf mit einander gehabt; es ist wohl möglich, daß zu demselben die allerdings etwas boshafte Schilderung im „Matin" die Veranlassung gegeben hat.) Schwei;. Basel, 12. Juni. Der Große Rath beschloß mit Stimmenmehrheit die Einführung unentgeltlicher Abgabe der Lehr mittel für alle Schüler und Schülerinnen der Primär- und Mittelschulen. Italien. Bologna, 12. Juni. Ein aus Professoren, den von den Universitäten delegirten Studenten und den Mitgliedern verschiedener anderer gelehrter Körperschaften Italiens und des Auslandes bestehender Zug setzte sich heule um 9 Uhr Vormittags vom der Universität aus nach dem Erzgymnasium in Bewegung. Die verschiedenen Vereine bildeten Spalier. Der Zug bildete einen imposanten Anblick. Die ganze Stadt ist mit Fahnen geschmückt; die Straßen waren von Menschen überfüllt, alle Fenster dicht besetzt. Im Erzgymnasium wurde von mehreren Rednern die Anwesenheit des Königspaares anläßlich der 800jährigen Universitätsfeier gewürdigt. ^ Großbritannien. London, 12. Juni. Dem Vernehmen nach steht für Anfang des nächsten Monats der Besuch Seiner Königl. Hoheit des Großherzogs von Hessen und der Prinzessin Ludwig von Battenberg in Balmoral, im Hoflager Ihrer Majestät der Königin, zu erwarten. — Vom Unter Hause wurde der Gesetzentwurf, welcher den Weinzoll im Sinne der französisch-englischen Verständigung abändert , in erster Lesung angenommen. Der deutsche Botschafter Graf Hatzfeldt war durch ein rheumatisches Leiden die ganze vorige Woche an's Zimmer gefesselt. Jetzt ist er jedoch wieder im Stande, auszufahren, und hat sich sein Befinden wesentlich gebessert. — Wie schon kurz gemeldet, ist auf seiner Besitzung „Rockingham" in Boyle (in der Grafschaft Roscommon) Oberst King- Harman, der parlamentarische Unterstaatssekretür für Irland, im Alter von 50 Jahren gestorben. Er war erst kürzlich von einer Erholungsreise nach dem Cap der guten Hoffnung zurückgekehrt, allein seine Kräfte waren den Anstrengungen seines Amtes nicht gewachsen. Der Verstorbene hat Sligo, die Grafschaft Dublin und zuletzt die Insel Thanet in Kent im Unterhause vertreten. Dänemark. Kopenhagen, 11. Juni. Der dänische Justizminister hat, wie schon gemeldet, bei dem Verfassungsfest am 5. Juni dem politischen Ausgleich das Wort geredet. Die Verhandlungen mit den, dem Ausgleich geneigten Führern der Opposition werden eifrig fortgesetzt, jedoch sollen noch nicht so viele oppositionelle Folkething- abgeorduete für eine Verständigung auf Grund der von der Regierung gemachten Vorschläge gewonnen sein, daß dieselben im Verein mit den regierungsfreundlichen Abgeordneten die Mehrheit im Folkething gewinnen. Ist letztere gesichert, dann wird, wie es heißt, im September der Reichstag zu einer außerordentlichen Tagung einberufen werden, da es König Christians Wunsch ist, vor seinem 25jährigen Regierungsjubiläum am 15. November d. I. den Konflikt mit dem Folkething beendigt zu sehen. Bulgarien. Sofia, 12. Juni. Dem Reuter'schen Bureau geht von hier folgende Meldung zu: Der mit der Vertretung der Interessen der russischen Unterthanen betraute deutsche Konsul richtete an die bulgarische Regierung eine Note, in welcher er für die auf das Bildniß des Czaren in einem Gasthause von Rustschuk begangenen Insulte Genugthuung verlangte. Die von dem Ministerium des Aeußern angeordnete strenge Untersuchung ergab, daß das Bildniß des Czaren in keinerlei Weise beschädigt, sondern einfach durch das Bildniß eines bulgarischen Helden ersetzt iosrdeu sei. Das Ministerium verfügte die Bestrafung des Schuldigen, eines Zollbeamten in Rnst- schuk. Keinerlei andere Zivil- oder Militärperson nahm weiters an dieser Affaire Theil und betrachtet man den Zwischenfall als geschlossen. — Die Partei Zankoff'sist bestrebt, mit der Regierungspartei in Füblung zu treten, nachdem alle Versuche, unter Kara- welvff und Zankoff ein Kompromiß zu Stande zu bringen, gescheitert sind. Ersierer ist den Zankoffisteu nicht Mann genug, um sich mit ihm vereinigen zu können, außerdem besitzt er einen zu geringen Anhang, d. h. nur eine sogenannte Familienpartei, welche, gleichwie ihr Anführer, beim Volke nichts weniger als beliebt ist. Der Münchener „Allgemeinen Zeitung" wird über die Annäherung der Zankoffislen an die Regierung! Folgendes geschrieben: Ein eifriger Anhänger Zankoff's, und ehemals fein Kollege im Ministerium Balabanoff, unternahm eine Reise nach Konstantinopel, um sich mit seinem Chef bezüglich der zukünftigen politischen Pläne zu berathschlagen. Als er zurückkchrtc, berief er eine Versammlung ein, in welcher er daraus bestand, daß die Zankoffisteu ein eigenes Blatt gründen sollten, da sie einstweilen nur in den Provinzialstädten keine Blätter zu ihrer Verfügung haben, in der Hauptstadt jedoch gar nicht organisirt und vor der Oeffentlichkeit nur schlecht vertreten sind. Sem Antrag wurde aber nicht angenommen, sondern die Majorität zog es vor, vorderhand in der Passivität zu verharren. Inzwischen meldet sich ein Provinziakblatt von der zankoffistischen Färbung, „Napred", in Philippopel und spricht im Namen Zankoff's folgendermaßen : „Hr. Zankoff fühlt kein Bedürfniß, mit irgendeiner oppositionellen Partei ein Kompromiß abzuschließen, und am allerwenigsten mit Karaweloff, weil ja seine eigene Partei (Zankoff's) ohnehin groß genug ist. Ferner kann aus einem Kompromiß der Opposition kein positiver Nutzen für das Land- entstehen. Wenn Zankoff mit Jemand ein Kompromiß abschließen könnte, so wäre es mit Stambuloff, der Macht besitzt und- einflußreich ist; auch könnte aus einem solchen Kompromisse ein. faktischer Nutzen für das Land entstehen." Wenn nun die Regierungspartei diese Winke Zankoff's wird verstehen wollen, so ließe sich eine Einigung mit ihm und seiner Partei leicht herbeiführen; und obwohl ein solcher Kompromiß für die Dauer unhaltbar wäre, so könnte das Land wenigstens unter den gegenwärtigen kritischen Verhältnissen bedeutenden Nutzen daraus ziehen. Radoslawoff und Karaweloff wären sodann, weder jeder für sich noch beite zusammen, im Stande, durch ihre oppositionelle Haltung der Regierung Verlegenheiten zu bereiten. Türkei. Konstantinopel, 12. Juni. Die Pforte zog der „Mit. Korr." zufolge ihren Entwurf für das Uebereinkommen betreffs des Eisenbahnschlusses mit Bulgarien zn- rück und lud den bulgarischen Agenten Vulkowitsch ein, einen Entwurf vorzulegen. Da Letzterer für feinen Entwurf die Genehmigung aus Sofia einholen muß, wurden die Berathungen der beiderseitigen Vertreter bis. zum Eintreffen der Antwort aus Sofia unterbrochen. Griechenland. Athen, 12. Juni. Der König wird sich am 25. Juli nach Petersburg begeben, wo die Königin Olga bekanntlich schon seit einiger Zeit weilt. Zeitungsstlmmrn. Nach einigen zurückhaltenden Aeußerungen über die Ministerkrisis bringt die „Kreuzzeitun g" Herrn v. Puttkamer in folgenden Worten den Zoll ihrer Verehrung dar: „Wo das persönliche Eingreifen des Monarchen in erster Reihe steht, wie hier,, ist diese Zurückhaltung durch innere wie äußere Gründe der wichtigsten Art geboten. Vor der Entschließung Seiner Majestät beugen wir uns nicht nur da, wo es sich um Theorien handelt, sondern auch dann, wenn wir durch die Verwirklichung dieser Theorien selbst betroffen werden. Das aber ist in diesem Augenblicke der Fall. Der Staatsmann, welcher seinen Posten, den er Jahre lang mit Ehren behauptet hat. verläßt, steht uns in jedem Sinne nahe, um so mehr, wo das, was des Königs unantastbares Recht ist, wenn er die Ansichten seines Ministers nicht theilt, von einem Trosse feiger Buben mißbraucht wird, um den gefallenen Minister mit Koth zu bewerfen. Ja, Herr v. Puttkamer war und ist unser Mann, weil er neben seiner glänzenden Befähigung als Staatsmann und Redner die in unseren Augen noch ungleich werthvollere Eigenschaft besitzt, ein Mann und ein Christ zu sein, ein Edelmann im besten Sinne des Wortes, der seinen Ahnen gleich in keiner Lebenslage je vergessen kann, daß er ein Lehnsmann und Vasall der Hohenzollern ist. Es versteht sich von selbst, daß mit diesen flüchtigen Worten nicht erschöpft sein kann und soll, was wir über die Amtsthätigkeit des geschiedenen Ministers denken oder zu sagen haben. Eingehendere Darstellungen behalten wir uns vor. Schon heute aber mußte es den zahlreichen Rattennaturen dieser Tage gegenüber ausgesprochen werden, wir unsererseits bleiben, was wir gewesen sind, wie wir der Ueberzeugung leben, daß Herr v. Puttkamer uns seine Freundschaft bewahren wird. Persönlich würde er an unserer Stellung zwar nie gezweifelt haben, der Oeffentlichkeit gegenüber aber ist es mit einem stillen Händedrucke nicht gethan. Ganz kürzlich erst haben wir — mit Bezug auf Herrn Hobrecht — bemerkt, daß, „wer geht, nicht wieder kommt". Wir können uns denken, daß es Leute gibt, die das jetzt zum Spott reizt. Diesen indessen möchten wir bemerken, daß wir nichts sehnlicher wünschen, als durch die Thalsachen in's Unrecht gesetzt zu werden. Bis jetzt haben wir uns auf dieser Empfindung noch nie ertappt; Herrn v. Puttkamer gegenüber aber läugnen wir sie nicht." In einem Artikel „Kalt Blut" gießt die „Volks-Zeitung" — wie sich die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" ausdrückt — einiges Wasser in den deutschfreisinnigen Jubelwein : sie äußert nämlick: „Die äußeren Anzeichen, insbesondere die Plötzlichkeit und Schnelligkeit des Sturzes v. Puttkamer, sprechen mehr dafür, daß es sich nur um die Person und nicht um das System handelt. Gleichwohl wollen wir die Hoffnung nicht aufgeben, daß diese Anzeichen täuschen. . . Aber wenn wir diese Hoffnung auch nicht aufgeben wollen, so müssen wir doch der Wahrheit gemäß gestehen, daß sie, soweit thatsächliche Umstände einen Schluß zulassen, bisher noch auf sehr schwachem Fuße steht, und wir halten es nicht für angezeigt, laute Sicgeslieder anzustimmen, wenn der Sieg noch nicht einmal in der Ferne erblickt werden kann. . . . Deßhalb mahnen und rathen wir: kalt Blut! . Nur keine Sicgeslieder vor dem Siege! Volksfreundliche Parteien können sich mit dem Sturze Puttkamer's nicht entfernt begnügen ; sie haben denn doch größere Ziele. ... Es würde jenen Parteien sehr schlecht anstehen, wenn sie in unermeßlichen Jubel über den Sturz Puttkamcr's ausbrcchen wollten, über den sich die Freikonscrvativen und Nationallicbcralen, d. h. die größere und verderblichere Hälfte der Kartellsippschaft, mit stillvergnügtem Schmunzeln die Hände reiben. Das „Deutsche Tageblatt" faßt seine Auffassung dahin zusammen: „Unter Entfaltung des Loyalitätsbanners — unter einer Flagge also, die nicht die ihrige ist — bat die grundsätzliche Opposition die Wahlcampagne bereits begonnen ; um sich den Sieg zu sichern, dessen Erringung für sie als eine Existenzbedingung sich darstellt, wird sie den letzten Mann aufbietcn und alle Waffen ihres rcichgefüllten Arsenals in Anwendung bringen. Daß in dem Augenblick, in welchem sie die Feindseligkeiten eröffnet» das Ausscheiden des Herrn v. Puttkamer aus dem Staatsministerium sie von einem gefährlichen und entschlossenen Widersacher befreit, darf sie mit Recht als günstiges Prognostikon begrüßen. Um so dringender tritt an die Kartellparteien somit die Verpflichtung heran, nun auch ihrerseits nicht länger zu säumen. Jede Zögerung erhöht die Chancen des Gegners. Fest entschlossen und geschlossen, stark in dem Bewußtsein, für eine gute Sache einzustehen, mögen sie den Kampf aufnehmen. Der Wind komme woher er wolle, „sei's trüber Tag, sei's Heller Sonnenschein", ihr Banner mit per Inschrift „Vorwärts mit Gott für König und Vaterland!" wird frei in den Lüften flattern; es wird ihnen den Weg der Ehre und — will's Gott — den Weg zum Siege weisen." Von den außerhalb Berlins erscheinenden Blättern, welche den Rücktritt des Herrn v. Puttkamer zum Gegenstände der Betrachtung machen, schreibt der „Hann. Courier": „Der Rücktritt des Herrn v. Puttkamer ist ein für die Entwickelung der inneren Politik Preußens hochbedeutsames Ereigniß, dessen Wirkung auf den Gang unserer Parteiverhältnisse Niemand vorherzusehen vermag. Zunächst betrachten sich die Deutschfreisinnigen als Sieger; Herr Eugen Richter läßt seine Getreuen glauben, daß der Minister des Innern, welcher seit sieben Jahren jedem Angriff standgehalten habe, seinen Keulenschlägen erlegen sei. Und die Getreuen geberden sich unter Führung ihres Häuptlings wie die Irokesen an der Leiche des erschlagenen Feindes. Herr v. Puttkamer war auch unser Gegner und wir sind oft genug gegen ihn in scharfer Weise aufgetreten, aber Niemand wird von uns erwarten, daß wir in das Freudengeschrei einstimmen, welches die Radikalen erheben. Wenn der Rücktritt des Herrn v. Puttkamer einen Sieg des Radikalismus bedeuten sollte, s« würden das preußische und das deutsche Volk alle Ursache haben, ihn zu beklagen; denn der Radikalismus ist die unfruchtbarste und für jedes geordnete Gemeinwesen gefährlichste Rcgierungsform, welche es gibt. Ein Ministerium Richter und Genossen würde den Untergang der preußischen Monarchie bedeuten und eine rücksichtslose Reaktion, die bisher von den Feinden des Fürsten Bismarck nur als Schreckbild an die Wand gemalt worden ist, zur nothwcndigen Folge haben. Doch jubeln die Herren von der Linken zu früh und in ihren Freudenbecher mischt sich ein Wcrmuthstropfen; noch harren der Fürst-Reichskanzler und mit ihm die übrigen Minister im Amte aus! Aber wie lange noch? fragen sie höhnisch. Und mit Berrina rufen sie aus: „Wo der Mantel fällt, muß auch der Herzog nach"." Das Blatt fürchtet eine derartige Wendung jedoch nicht. „Darauf," schreibt es, „kann sich das deutsche Volk verlassen, Fürst Bismarck wird, so lange Kaiser Friedrich ihm fein Vertrauen schenkt, einem Kanzler nach dem Herzen der Herren Richter, Rickert und Genossen nicht Platz machen. Wenn allerdings der Monarch ihm sein Vertrauen entziehen sollte, dann würde ihm natürlich die Möglichkeit genommen, dem Deutschen Reiche, welches seiner Stautskunst in erster Linie das Dasein verdankt, noch ferner in amtlicher Stellung zu dienen. Doch diese Möglichkeit scheint vollkommen ausgeschlossen, hat doch der Kaiser in dem Erlaß an den Fürsten offen bekannt: „Ihnen bin ich und bleibt mein Haus zu warmem Dank verpflichtet." Das deutsche Volk hofft und wünscht, daß diese Bande auf keine andere Weise gelöst werden mögen» als durch die, welche der unerbittliche Lauf der Natur mit sich bringt. So werden sich also die Gegner mit dem Rücktritt des Herrn v. Puttkamer trösten müssen über ihr Unvermögen, den Fürsten-Reichskanzler selbst zu stürzen." Großherzogthmn Baden. Karlsruhe, den 13. Juni. Nachdem Herr Karl Model in Karlsruhe zum Konsul der Vereinigten Staaten von Kolumbien daselbst ernannt worden ist, wurde demselben das zur Ausübung der bezüglichen Funktionen erforderliche Exequatur ertheilt. * (Das „Gesetzes- und Verordnungsblatt für die vereinigte evangel.-protest. Kirche des Großherzogthums Baden) Nr. 8 enthält: Dienstnachrichten; Bekanntmachungen: 1. die Abhaltung eines theoretischen Kursus für innere Mission in Stuttgart betr., 2. die Aufnahme des evangel. Pfarrers Königs- Heim von Bonnland (Bayern) unter die Pfarrkandidaten der evangel.-prot. Landeskirche betr.; Versetzung von Pastorationsgeistlichen, Pfarrverwaltern und Vikaren und die Mittheilung von Todesfällen. — Ernannt wurde der von der Kirchengemeinde Korb aus den drei aufgetretenen Bewerbern gewählte und prä- fcntirte Vikar Johann Theodor Schmitt zum Pfarrer in Korb und der Geistliche Verwalter Karl Henrici in Heidelberg unter Verleihung des Titels Oberkirchenrath zum Mitglied des Evang. Oberkirchenraths. Dem Pfarrer Jul. Lindenmeyer in Schlüchtern wurde auf die Dauer von sechs Jahren die zweite evangel. Stadtpfarrei Neckargemünd übertragen. Pfarrer Karl Friedrich Ledderhose in Neckarau wurde auf sein unterthänigstes Ansuchen und unter Anerkennung seiner langjährigen und treu geleisteten Dienste wegen vorgerückten Alters auf 23 Juli d. I. in den Ruhestand versetzt. Pfarrer Königsheim vonBonnland (Bayern) wurde nach ordnungsmäßig bestandenem Kolloquium unter die Pfarrkandidaten der evangel.-protest. Landeskirche ausgenommen und auf die erledigte evangel. Pfarrei Neckargerach kirchenobrigkeitlich bestätigt. § (Die diesjährige Aktuarsprüfung) wird am 8. August ihren Anfang nehmen. * (Zur Erinnerung an den 12. Juni), den Geburtstag Seiner Großherzoglichen Hoheit des so frühe aus dem Leben abgerufenen Prinzen Ludwig Wilhelm, wurden von Ihrer Königlichen Hoheit derGroßberzogin eine Reihe sehr namhafter Geschenke gegeben: dem Diakoniffenhaus und dem Vin- zentiushaus je 1(100 M., dem Waisenhaus 500 M. und der Martbaschule der Diakonissenanstalt, dem Pfründnerhaus und der Kleinkinderbewahranstalt den Betrag von jewcrls 300 M. * (Der Badische Frauenverein), Abtheilung IV „Mädchenfürsorge", erhielt neben anderen beträchtlichen Spenden von Ihrer Kaiserlichen Hoheit der Prinzessin Wilhelm den Betrag von 100 M. und von Ihrer Großherzoglichen Hoheit der Prinzessin Elisabeth einen solchen von 50 M. * (In Sindolsheim) wird am 15. Juni in Vereinigung mit der daselbst bestehenden Postagentur eine Reichstelegraphen- anstalt mit beschränktem Tagesdienst eröffnet werden. M Offenburg, 12. Juni. (Verbandstag unterbadi- cher Genossenschaften. — Spar-und Waisenkasse Gengenbach. — Nachruf.) Am 22., 23. und 24. d. M. findet hier der 20. Verbandstag unterbadischer Genossenschaften (Schulze-Delitzsch) statt, dessen Berathung und Beschlußfassung eine Reihe höchst wichtiger Gegenstände vorlicgt, wie z. B. die durch die Anwaltschaft erstattete Berichterstattung über den Entwurf des neuen Genossenschaftsgesetzes. Um so mehr sieht man einer regen Bethöiligung, auch seitens befreundeter Reichs- und Landtagsabgcordmcter entgegen. — Nach dem aus- gegebenen Rechenschaftsberichte der Spar- und Wsisenkasse Gcngenbach für das Jahr 1887 betrug die Zahl der Einleger am Jahresschlüsse 1618, während sich die Einlagen auf 1460132 M- 60 Pf. beliefen. Rückzahlungen fanden statt im Betrage von 222 027 M. 98 Pf. an Einlagen und von 1738 M. 74 Pf. an Zinsen; das Guthaben der Einleger auf 1. Januar 1888 bestand aus 1236 365 M. 88 Pf. Das reine Vermögen betrug 86 796 M. 65 Pf.; nach voriger Rechnung betrug dasselbe 75556 M. 4Pf. Die Vermehrung beläuft sich demnach auf 11240 M. 60 Pf. — Das frühe Hinscheiden des Herrn Landwirthschaftsinspektors Theodor Nerlinger, Vorstandes der Großh. Obstbauschule, wird auch hier in seiner Vaterstadt Offenburg, in die der Verblichene jeweils gerne zurückkehrte, von Allen, die das Glück hatten, mit dem tüchtigen Fachmann und liebenswürdigen Gesellschafter zu verkehren, schmerzlich empfunden Mit seinem Tode fand ein Leben reich an Arbeiten und Erfahrungen seinen Abschluß. ö Freiburg, 12. Juni. (V er einstag südwestdeutscher Irrenärzte und Neurologen. — Ausflug. — Generalversammlung. — Städtisches.) Die südwestdeutschen Irrenärzte und Neurologen hatten am Samstag und Sonntag hier ihren jährlichen Vereinstag. Die Verhandlungen, die am ersten Tage in der Anatomie und am zweiten in der Jrrenklinik stattfanden, hatten einen ausschließlich fachmännischen Charakter und waren daher nicht für die Oeffentlich- keit bestimmt. Die Universitätsklinik wurde einer eingehenden Besichtigung unterzogen. Für das nächste Jahr wurde Baden- Baden als Versammlungsort gewählt. — Am Sonntag fanden zahlreiche Ausflüge hiesiger Vereine statt. Di» Harmoniegesellschaft nahm ihren Weg in's Elsaß nach den „drei Aehren". Die Tbeilnehmer, über 200 an der Zahl, waren ebensowohl von der prachtvollen Aussicht, die sie auf Bergesböhe genossen, als auch von der Aufnahme befriedigt, die sie im Elsaß fanden. — Gestern Abend tagte eine außerordentliche Generalversammlung des G e- werbevereins im „Wilden Mann". Es handelte sich um die Veranstaltung eines Extrazuges nach München zu der dortigen dreifachen Ausstellung. Es soll bei genügender Betheiligung ein Extrazug veranstaltet werden, woran auch benachbarte Gewerbevereine sich betheiligen können. Die Vereinskaffe wird das Unternehmen mit 600 M. unterstützen» die aber selbstverständlich nur Mitgliedern des hiesigen Vereins zugute kommen sollen. — Aus dem jüngst erschienenen Rechenschaftsbericht über die Finanzen der Stadtgemeinde ist ersichtlich, daß das Gesammtvermögen der Stadt sich auf 3 708 084 M. und nach Abzug des Passivvermögens mit 1870184 M. auf rein 1837 900 M. beziffert. Verschiedenes. -q Stuttgart, 12. Juni. (Todesfälle.) Hier starb heute Professor Christoph Ziegler, als Herausgeber philologischer Werke (Topographie des alten Roms, Theognis u. s. w.) in weiteren Kreisen geschätzt. — Aus Friedrichshafen wird der Tod des in der ganzen Bodeseegegend wohlbekannten württcmbergischen Dampfschifffahrtsinspektors Schaible berichtet. Derselbe starb in Marienbad an einem Herzschlag. * London, 9. Jnni. (F ri s ch e r S ch n e e) ist im nördlichen Schottland während dreier Tage gefallen, was um diese Jahreszeit selbst dort ein unerhörtes Ereigniß sein soll. Ein Eingeborener, der den Ben Nevis, den höchsten Berg Schottlands, bestieg, hat noch bis 8 Fuß Schnee gefunden. — Kopenhagen , 10. Juni. (Nordische Industrie-, Kunst-und Landwirthschaftliche Ausstellung.) Die Sammlung der Gegenstände aus der russischen Hausindustrie wird außerordentlich reichhaltig sich gestalten. Die Ordnung dieser Sammlung ist vom russischen Domänenministerium dem Ingenieur Arsenjef übertrageu und besteht aus Gegenständen von dekorativ-künstlerischem Charakter der einzelnen Gouvernements, besonders fesseln die bereits ausgelegten Tula-Metallwaaren und die vielfältigen Spitzen und Stickereien, tatarische, nordindische und tscherumisische, baschkirische, kirgisische Volkskostüme und Schmucksachen schon jetzt die Aufmerksamkeit aller derjenigen, welche die Ausstellungshallen zu besuchen das Recht haben, und dennoch hebt man die Abtheilung der Jndustrieerzeugnisse des Kaukasus mit Recht hervor, die reich an schönen Waffen, Arbeiten in Knochen und Elfenbein, Inkrustationen in Gold, geschliffenen Steinarten und Arbeiten aus Le^er rc. ist. Turkestan ilt durch Kunstarbeiten aus Kamcel- und Schaafwolle, Metallen und Elfenbein vertreten, kurz es wird die russische Abtheitung einen bedeutenden Platz im internationalen Theil der Ausstellung einnebmen, deren Eingang mit einer national-russischen prachtvollen Facadc geschmückt ist, welche russische Arbeiter in kaum drei Wochen errichtet haben. Die Regsamkeit, welche übrigens zur Zeit in allen Theilen des Ausstetlungsterrains, besonders im Tivoli, dem weltberühmten Bergnügungslokal, herrscht, ist eine rastlose; denn es gilt nunmehr den Inhalt der sich immer mehr anthürmenden Waaren, Kisten und Kasten zu ordnen und auszulcgen, und schon wird in wenig Tagen die erste Generalprobe zum skandinavischen Musikfest, das erst im Juli stattfindet, in der Kuppelhalle des Hauptgebäudes abgehaltcn werden. Man sieht überall, daß es Allen Ernst um die Sache ist, um bis zum 18. d. M. zur Eröffnungsfeier fertig zu sein. Neueste Telegramme. (Nach Schluß der Redaktion eingetroffen.) Potsdam, 13. Juni. Seine Majestät der Kaiser verweilte von 11', Uhr ab einige Zeit auf der Terrasse. Um 2 Uhr 48 Min. traf der Reichskanzler auf Station Wildpark ein rmd fuhr sofort nach Schloß Friedrichskron. Potsdam, 13, Juni. Seine Majestät der Kaiser nahm Vormittags den Vortrag des Wirklichen Geh. Raths v. Wilmowski entgegen. Um 12'/. Uhr wurde der König von Schweden von den Majestäten empfangen. Aller- höchstderselbe fuhr nach einem Aufenthalt von 20 Minuten nach dem Marmorpalais. Zum Diner bei den Majestäten erscheint die Großherzogin von Sachsen- Weimar. Um 3 Uhr nahm der Kaiser einen Vortrag des Fürsten Bismarck entgegen. Potsdam, 13. Juni. Seine Majestät der König von Schweden traf mit dem Gesandten v. Lagerheim und hohem Gefolge Mittags um 12 Uhr 10 Minuten auf Station Wildpark ein, um nach Schloß Friedrichskron zu fahren. Bei dem Kronprinzenpaar findet im Marmorpalais um 1 Uhr Familiendejeuner und Marschalltafel statt. An dem Dejeuner nehmen der König von Schweden, die Großherzogin von Sachsen-Weimar, die Erbprinzessin von Meiningen und das Gefolge des Königs von Schweden, sowie der Herzog und die Herzogin Johann Albrecht von Mecklenburg theil. Von hier wird der König von Schweden mit dem Dampfer „Alexandra" nach Wansee fahren und von dort mittelst Extrazugs nach Berlin zurückkehren. Potsdam, 13. Juni. Fürst Bismarck verließ um 4^/. Uhr Schloß Friedrichskron und fuhr mittelst Wagen nach der Potsdamer Station, sodann mit der Eisenbahn nach Berlin. 4P Berlin, 13. Juni. (Privattelegramm.) Der bei Seiner Majestät dem Kaiser angewandte Apparat ist keineswegs eine Magenpumpe oder Schlundsonde, sondern nur ein kurzes Rohr, das über die erkrankte Stelle der Speiseröhre hinwegreicht, um diese sowie den Kehlkopf von der Mitbewegung beim Akte des Schluckens auszuschließen und in Ruhe zu lassen. Professor Bardeleben blieb die vorige Nacht nicht auf Wunsch Mackenzie's, sondern auf Wunsch der Kaiserin beim Kaiser. In Folge der eingetretenen Besserung kehrten sämmtliche Aerzte, mit Ausnahme der ständig Dienst habenden, nach Berlin zurück. Dieselben hielten eine Abendkonsultation heute für nicht nothwendig. Berlin, 13. Juni. Seine Majestät der König von Schweden gedenkt um 11 '/g Uhr einen Besuch bei den Kaiserlichen Majestäten in Schloß Friedrichskron abzustatten und um 1 Uhr einer Einladung des Kronprinzenpaares nach dem Marmorpalais zu entsprechen. Nachmittags wird der König den Fürsten Bismarck besuchen und um 7 Uhr bei dem Gesandten v. Lagerheim diniren. Zu dem Diner sind der Staatsminister Graf Herbert Bismarck, Oberregierungsrath v. Rottenburg, die Botschafter Graf Launay. Malet, Herbette und Graf Beno- mar, der Oberstlieutenant v. Roth und der Marquis Penafiel geladen. Berlin, 13. Juni. Die Professoren Leyden und Krause sind gegen Mitternacht vom Schloß Friedrichskron hierher Zurückgekehrt, Professsr Bardeleben ist dagegen in Friedrichskron geblieben. Heute begab Fürst Bismarck sich um 2 Uhr zum Kaiser nach Schloß Friedrichskron. (Die neueren Nachrichten über das Befinden Seiner Majestät des Kaisers sind an der Spitze des nichtamtlichen Theils wiedergegeben.) Berlin, 13. Juni. Die „Nordd. Allg. Ztg." ist in der Lage, die Zeitungsmeldung, der Justiznnnister l)r. v. Friedberg habe wegen Meinungsverschiedenheiten mit dem Reichskanzler ein Demissionsgesuch eingereicht, als willkürliche Erfindung zu bezeichnen. Zwischen Herrn v. Friedberg und dem Reichskanzler bestehen keine Meinungsverschiedenheiten, es fehle auch an jedem Terrain dazu; Elfterer habe denn auch kein Abschiedsgesuch eingereicht. (Vergl. die hiermit in der Hauptsache übereinstimmende Nachricht unter „Berlin".) Konstantinopel, 13. Juni. Der Finanzminister Mahmud Pascha ist zum Minister der öffentlichen Arbeiten ernannt und Zihni Pascha, der bisherige Minister der öffentlichen Arbeiten, tritt an Stelle Mahmuds. Verantwortlicher Redakteur: Wilhelm Harder in Karlsruhe. M ittrrungsbroba chlungen der Mrtrsrol. Station Karlsruhe. Juni 12. Nachts 9 N. 13 Mrgs. 7 ll 13. Mirtgs. 2 U Barom Illw Therm. tu 6. «dsoi. Feucht Relative z-uchttg. Wind. Himmel. 746 8 216 10 4 kei: :n ',q 55 E w. bew 747.2 19 8 11.2 65 E klar 746.4 28 3 116 41 SW bew. Wasserstand des Rheins. Maxau, 13. Juni, Mrgs., 5,04 m. Nhcintvafscrwärme 15V? Grad. Uebersicht der Witterung. Das Minimum im Nordwesien bat einen Ausläufer nach Centraleuropa entsendet, wobei über Großbritannien ausgedehnte Regenfälle uattfanden. lieber Deutschland ist bei schwacher, meist südlicher bis westlicher Luftbewegung das Wetter heiter, trocken und warm, nur in den östlichen Gc- bietsheilen liegt die Temperatur unter der normalen, in Königsberg um 5 Grad. Die oberen Wolken ziehen über Deutschland aus West und Südwest. (Deutsche Seewarte.) Frankfurter telegraphische Kursberichte Staalspapirre. 4"/»Deutsche Reichsanleihe 107.70 4»/gPreuß. Konsol , ios.8o 4-/oBadeu in fl. 1> 3.95 4"/y „ „ M. 105.15 Oesterr. Goldrente 88.50 „ Silberrente 65 — 4°/« Ungar. Goldrente 79. nusien 97.60 79.30 53.10 96.60 80.4S 70.30 80.50 1877x 1880r II. Orientanleihe Italiener comptant Egypter Spanier 5"/, Serben Banken. Kreditaktien Diskonto Kommndt. BaSler Bankverein Darmstädter Vau! ö'/, Serb. Hypoth. Obligationen SS.SO LS7 - 1SL.S0 148.S0 144.60 vom 13. Jnni 1888. ! Babiiatiicn. 'Staatsbahn isi's, Lombarden «s. — 'Galizier ist.— Elbthal iss>>, Mecklenburger ist NO Hess. Ludwigsbahn l»o.«o i Lübeck Büchen-Hamb. tos.so . Gotthard 130.30 Wechsel IM» Serie». ! Wechsel a. Amfterd. tss.so ! , „ London 29.S7 j „ „ Pari- so.so , . Wie» iss.s» Naholeonsd'or ts.,2 Privatdiskonto v/. Badische Zuckerfabrik S 2 . - Mali Westereaeln R » chd, rIe. jkreditakticn rs«^/, Staatsbahn ist'., Lombarden SS.— Tendenz: matt. Berlin. Oesterr. Krcditaktien . Stantsbahn Lombarden Diskonto-Konunand. Lanrahütte Dortmunder Marienburger Tendenz: —. ItS.S» 90.7» St.L» 192 70 I92.S0 SS — SL.70 Sie». ikreditaktien Marknaten Ungarn Tendenz: matt. Part». s'/o Rente ! Spanier Eghpter j Ottomane , Tendenz: —. S9S s» S2.— »s.ss «s.ss 7->V. 40i — SIS.— K.633.12, Karlsruhe. — Städt. Metzplatz (bei der Festhalle). Lireus Nsgenbeclc. Unwiderruflich nur 4 Hage. Bau Samtzag den 23. Juni bis einschließlich Dienstag den 26. Juni. Vorläufige Anzeige! Beehre mich, den hochgeehrten Bewohnern der Stadt Karlsruhe und deren Umgebung die höfliche Anzeige zu machen, daß ich mit meiner >PV,,8- bestehend aus 150 Personen, darunter die ersten und besten Specialitäten in Gymnastik und Kunstreiterci, sowie einem Marstall von über 50 der edelsten Race Pferde nebst gML -10 indischen kressirten Elephanten^Mg mittelst Extrazuges aus 30 Eisendahn-Waggons von Heide!« be.g hier eintreffen werde, um in meinem Circus auf dem Städt. Meßplatz am Samstag den 23. Juni 1888, Abends 8 Uhr, mit den Vorstellungen zu beginnen. Hochachtungsvoll IL«K« ndr «k. Direktor. Alles Weitere durch Anuouceu uud Plakate. O.270.1. dlilckos, varslniuss Lliws. 1200 Bieter ü. >1. Mittlers Nsioovteinperatur 13°. Üobsl L ksnsion Lrosi. Arrangements tür k'amllieo. — krospeete gratis und fraveo. M.785.15. M 5732 _ K g. n''inmer: SILLvr. «v 04 r-» r^LLL'rrE'r-Lvrnnr - vL8Li.i.80^rr. vlrsets Ssutsoks kostäLMxksokiSkkrt von Usmkui'g naod »v«rZf0N>L Zsäen »ttvosli UV« Sinnt»!, voHsVnv n»od H s «k Zfonk Zsaen vi»n»t»i, vonTIvtllN nach >1 v Hkk Zf o n alle 14 ^a§6, voll Usnikung n d WestiniiHvn MvuLtUcli 4 mal, voll Uamkung ll ll ÜRexivo monaMoN 1 msl. vis vosi-vLMpLokiad SM vsseUsok-M Nisten vei »«»»srolotinsls,' Vsipil»^«,», vnii«,»vl>, Nslssxslsxsnkslt «rvoM wr Vsjlit,- vis r«I,°l>snüsv^»-p»»»»l,Is^L Miisrs ^usknntr srrbviit V» 4 sli. V . ZLvvNv V, S. ü^el»vvuri«n>ui»i», livtil; vvis ckesson ^zellt Nell» 8tr«I» «» »lei». Nsrnsnutrasss 8. _ Mseneonftrrretion. P.95. Großh. Waffer- und Straßenbau-Inspektion Lörrach vergibt nachstehende Eisenarbeiten: 1. Lieferung. Montirung und fertige Aufstellung der Eisenconstruction für die Wiefenbrücke bei Utzenfeld, 15,0 Km von der Bahnstation Zell i. W., einschließlich eines Brückchens über den dortigen Gewerbskanal, zusammen im Gewichte von ... . 29,400 kg Schmiedeisen u. 600 KZ Gußeisen, 2. Lieferung der Eiseutheile zum Umbau einer Kanalbrücke in Pausen, franco Bahnstation Hausen, rund . . . _ 1,900 „ zusammen 31,300 Kg Schmiedeisen u. 600 kg Gußeisen, im Submisfionswege. Die Angebote sind detaillirt, für Position 1 pro 100 Kg fertige Aufstellung von Schmiedeisen und pro 100 Kg fertige Aufstellung in Gußeisen und für Position 2 pro 100 kg Lieferung von Schmiedeis-ntheilen zu stellen und können sowohl auf das Ganze, als auch auf einzelne der zwei obigen Positionen erfolgen. Dieselben sind schriftlich, verschlossen und mit der Aufschrift „Eisenarbeit" versehen, bis Tonnerstag den 28. Jnni d. I., Vormittags 11 Uhr, hier cinzureichen. Pläne, Bedingungen und Eisenverzeichuiß liegen zur Einsicht aus. 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November 1865 zu Bötzingen, Amt Emmendingen, katholisch, Land- wirth, in den Militärdienst getreten am 7. November 1885, und der Dragoner Friedrich Schwämmlein des Kurmärkischen Dragoner-Regiments Nr. 14. geboren am 27. März 1864 zu Jverden m der Schweiz, beheimathct in Nürnberg, evangelisch, Schlosser, in den Militärdienst getreten am 3. Oktober 1887, sind wegen Fahnenflucht zur Untersuchung gezogen. Dieselben werden nunmehr aufgefordert» sich sofort, spätestens aber zu dem auf Samstag den 29. September 1888, Vormittags 11 Uhr, im hiesigen Divisionsgerichtslokal stattfindenden Ediktaltcrmin zu gestellen, widrigenfalls sie in ihrer Abwesenheit für fahnenflüchtig erklärt und zu einer Geldbuße von 150—3000 Mark verurtheilt werden würden. Freiburg i. V., den 9. Juni 1888. Königl. Gericht der 29. Division. P.97. Nr. 15,456. Frei bürg. Bekanntmachung. Am 28. Mai l. I. wurde auf dem Roßkopfe die Leiche eines unbekannten Mannes gefunden, der sich offenbar erschossen hatte; mochte etwa 30 Jahre alt gewesen sein, etwas korpulent, hatte braunes Haar, blondes Schnurrbärtchen, trug ziemlich neue Huppe, Hose und Weste von brannkarrirtem Stoff, weißes Hemd mit Stehkragen, braunen» gelb getupften Slivs, braunen, steifen Filzhut mit wcißseidencm Futter (Firma Wilh. Mösch, Stuttgart) ; 2 weiße Taschentücher, rolh und blau gestreift, gezeichnet 1'.; Cigarrenetuis von Stroh; Portemonnaies von rothbrau- nem Juchtenleder; an der linken Hand einen schmalen Goldreif mit braunem Stein. Ich bitte um Mittheilung von Anhaltspunkten zur Feststellung der Persönlichkeit. Freiburg, den 11. Juni 1888. Der Großh. Staatsanwalt: _Gageur._ O.216.2. G ernsbach. Liegenschafts - Versteigerung. Die Erben des verstor- ^ denen Kunstmalers Max --> Petsch von Karlsruhe lassen am Samstag dem 23. Juni l. I., Vormittags 11 Uhr, auf dem Rathhause zu Gernsbach öffentlich zu Eigenthum versteigern: 13 n 85 g»> Hofr.,ithe und Hausgarten im Ortsetter zu Gernsbach mit einem im Neubau noch unvollendeten zweistöckigen Wohnhaus mit Veranda und Balkenkeller, neben mehreren Anstößern; taxirt zu ... . 6,000 Mk. Gernsbach, den 7. Juni 1888. Das Bürgermeisteramt. Abel. vckr. Schneider. " P.92?' Nr7 58887"Weinbeim? Bekanntmachung. Bei der Unterzeichneten Stelle sind die vorhandenen, bis Ende des Jahres 1856 erwachsenen Akten über bürgerliche Recklsstreitigkeiten der in 8 5° der Veroronung Großh. Justizministeriums vom 8. April 1853 Gezeichneten Arten zur Vertilgung ausgeschieden. Den Äetbcingten steht es nun frei, innerhalb 4 Wochen uni Rückgabe der von ihnen oder ihren Rechtsvorfahren zu dergleichen Akten gegebenen Beweisurkunden nachzusuchen. Weinheim, den 8. Juni 1888. Großh. bad Amtsgericht. v. B odman. Notariatsgehilfe, ein solider u. geschäftsgewandter, findet dauernde Stellung. Offerten an die Expedition dieses Bl. Nr. 999. O.180.2. Druck und Verlag de: G. Brann'schen Hosdnchdruckrrei (Mit sine: Beilage.)