MlsMtt JeitllM. Mittwoch, 24. Oktober. ^Expedition: KarbFriedrichs-Straße Nr. 14; woselbst auch die Anzeigen in Empfang genommen werden. Vorausbezahlung: vierteljährlich 3 M- 50 Pf.; durch die Post ich Gebiete der deutschen Postverwaltung, Briefträgergebühr eingerechnet, 3 M. 65 Pf. Einrückungsgebühr: die gespaltene Petitzeile oder deren Raum 18 Pfennige. Briefe und Gelder frei- Nichtamtlicher Theil. Karlsruhe, den S3. Oktober. Die Untersuchung in Sachen Parnells gegen die „Times" ist im Gange und die von der Regierung eingesetzte Kommission hat ihre Verhandlungen begonnen. Die Verhandlungen vermögen bis jetzt kein größeres Interesse zu erregen; bezeichnend jedoch erscheint der Vorgang, daß der irische Parlamentsdeputirte Redmond, dessen Entlassung aus der Haft der Anwalt Parnells verlangte, weil er ein wichtiger Zeuge sei, auf seine Haftentlassung infolge der ihm gestellten Bedingung, während seiner Freilassung an keinen politischen Kundgebungen thellzu- nehmen, verzichtet hat. Die Regierung verhielt sich in dem Falle unzweifelhaft korrekt; sie that das Mögliche, indem sie sich bereit erklärte, Redmond aus der Haft zu entlassen; daß sie dabei die Bedingung stellte, Redmond habe sich, während er auf freiem Fuße sei, der agitatorischen Thätigkeit zu enthalten. war sicherlich keine unbillige Forderung. Eine Verhöhnung des Gesetzes muß die Regierung zu verhindern wissen und eine solche wäre es sicherlich gewesen, wenn Redmond seine Freiheit dazu gemißbraucht hätte, um die aufreizende Thätigkeit, wegen der er zu einer Gefängnißstrafe verurtheilt worden ist, fortzusetzen. Redmonds Auftreten kennzeichnet die Halsstarrigkeit, mit welcher die irische Opposition der englischen Regierung glaubt imponiren zu können. Zum Unglück für die irische Nationalliga verräth aber die Regierung durchaus keine Neigung, sich imponiren zu lassen, und daher dürfte auch Redmonds Opfermuth für die irische Sache schwerlich goldene Früchte tragen. Die Dresdener Handels- und Gewerbekammcr versendet ein Rundschreiben, in welchem sic mit aller Entschiedenheit dafür eintritt, daß deutsche Waare« künftighin nicht mehr mit ausländischen Waarenbezeichnungen versehen, sondern als deutsche Maaren bezeichnet werden. Als Gründe für ihr Vorgehen führt die Dresdener Handelskammer Folgendes an: Die Anbringung ausländischer Waarenbezeichnungen auf deutschen Maaren muß vom allgemein moralischen Standpunkte aus aufs schärfste gemißbilligt werden, da sie geeignet und vielfach sogar bestimmt ist, den Käufer über den Ursprung der Waare zu täuschen. Sie ist insbesondere geeignet, die deutsche Arbeit zu schädigen, indem sic im Auslande vielfach den Glauben erweckt, als seien die fälschlich bezeichneten Maaren, welche zumeist den ausländischen an Güte gleichstehen oder sic übertreffen, that- sächlich ausländischen Ursprungs, indem sie somit ein falsches Bild von der Leistungsfähigkeit der deutschen Industrie gewährt, dadurch aber zum mindesten den für Käufer und Verkäufer, sowie für die deutsche Handelsvermittlung günstigen direkten Bezug deutscher Maaren seitens des Auslandes erschwert. Früher war es zum Theil nothwendig, deutsche Maaren als ausländische zu bezeichnen, weil gewisse ausländische, insbesondere französische und englische Erzeugnisse. den deutschen Fabrikaten entschieden überlegen waren und weil die deutsche Handelsvcrmittelung gegenüber der ausländischen in geringem Maße entwickelt war. Diese Gründe haben durch die Entwickelung der deutschen Industrie und des deutschen Handels und durch den Ruf, welchen sich dieselben überall erworben haben, wesentlich an Geltung verloren. Die neueren französischen und englischen Gesetze, denen sich bald ähnliche in den Bereinigten Staaten von Nordamerika anschlicßcn dürften, verfügen strenge Maßnahmen gegen die Bezeichnung ausländischer Maaren als einheimische. Zuwiderhandelnde Fabrikanten setzen sich also Zusammenstößen mit den ausländischen Zollbehörden und Geldverlusten aus. Die Abstellung jenes Mißbrauchs, welche sie hiervor schützt, erscheint jetzt gerade leichter ausführbar, da der vom Auslande ausgehende allgemeine Zwang die für die bekämpfte Unsitte geltend gemachte Rücksicht auf die Konkurrenz nicht mehr nöthig macht. Die Vorliebe des deutschen Käufers für Maaren mit ausländischer Bezeichnung ist in erfreulicher Weise im Abnehmen begriffen, aber noch immer mehr oder minder vorhanden. Ihr kann am wirksamsten und besser als durch gesetzliche Bestimmungen durch die deutsche Industrie selbst cntgegengetreten werden, indem diese ausnahmslos ihrer Waare deutsche Bezeichnungen gibt. Die allgemeine Durchführbarkeit deutscher Bezeichnungen für deutsche Maaren ist durch das rühmliche Beispiel vieler der größten Firmen und durch das nachahmenswerthe Vorgehen der Vertreter einzelner Industriezweige, so z. B. der deutschen Hutmacher, der Möbelfabrikanten, für den einzelnen sowie für die Gesammtheit nachgewiescn. Deutschland. * Berlin, 22. Okt. Ihre Majestät die Kaiserin beging am heutigen Tage die Feier ihres Geburtstages im Marmorpalais bei Potsdam im engsten Familienkreise. Berlin und Potsdam kleideten sich schon am frühen Morgen in ein festlich Gewand. Die Palais, sowie die Kasernen und die öffentlichen Gebäude in Berlin und Potsdam hatten geflaggt. Auch die Einwohnerschaft beider Residenzstädte betheiligte sich an der Geburtstagsfeier durch reiches Beflaggen der Häuser. In der Frühe gratulirten Seine Majestät der Kaiser mit den Prinzen der hohen Gemahlin und Mutter unter Ueberreichung herrlicher Blumensträuße. Um 9 Uhr wurde gemeinsam das Frühstück eingenommen, die Kapelle des 1. Garderegiments zu Fuß brachte dazu die Morgenmusik. Seit 8 Uhr fuhr Wagen auf Wagen am Marmorpalais vor, wurden Blumenspenden abgegeben von hohen Verwandten, von Korporationen und von einzelnen Personen. Um 11 Uhr fuhr der engere Hof zur Gratulation vor und um 2 Uhr fand ein Familiendiner von 10 Gedecken und eine Marschalltafel von etwa 20 Gedecken statt. Mit den Kaiserlichen Majestäten nahmen an der Familientafel Ihre Königlichen Hoheiten der Prinz und die Prinzessin Albrecht, die Prinzessin Friedrich Karl, der Prinz Friedrich Leopold, der Erbprinz und die Erbprinzessin von Sachsen-Meiningen und der Erbprinz Reuß Theil. Den übrigen Theil des Nachmittags verblieben die Kaiserlichen Majestäten im Marmorpalais. Das Marmorpalais, welches bereits gestern aus Anlaß der Rückkehr Seiner Majestät des Kaisers mit Kränzen und grünen Guirlanden prächtig dekorirt worden war, prangte auch am heutigen Geburtstage der hohen Frau im herrlichsten Pflanzen- und Laubgewindenschmuck. Infolge der noch bestehenden Hoftrauer ward von jeglicher weiteren Festlichkeit abgesehen. Es wurde schon durch ein Privattelegramm erwähnt, daß seit dem frühen Morgen unzählige Gratulationen, Briefe und Depeschen im Marmorpalais einliefen. — Ueber die Uebcrsiedelung Seiner Majestät des Kaisers nebst Familie vom Marmorpalais nach dem hiesigen königlichen Schloß, welche nach hiesigen Blättern am 1. Dezember erfolgen soll, ist bis jetzt, wie die „Post" an kompetenter Stelle erfährt, noch gar nichts bestimmt, da die Fertigstellung der königlichen Gemächer noch geraume Zeit in Anspruch nehmen wird. — Ihre Majestät die Kaiserin Friedrich ist infolge einer Erkältung genöthigt, das Zimmer zu hüten; infolge dessen konnte Allerhöchstdieselbe der Kaiserin Auguste Victoria heute nicht selbst einen Besuch abstatten. Ihre Königlichen Hoheiten die Prinzessinnen Sofie und Margarethe, die sich heute Vormittag nach Potsdam begaben, um Ihrer Majestät der Kaiserin zum Geburtstag zu gratuliren, überbrachten die Glückwünsche ihrer erlauchten Mutter. — Der „Kreuzzeitung" wird aus Petersburg als zuverlässig gemeldet, daß Seine Majestät der Kaiser Alexander Mitte November einen Gegenbesuch in Berlin abstatten werde. Kaiser Alexander wünsche unter allen Umständen dem am 15. November dieses Jahres zu feiernden Regierungsjubiläum des Königs von Dänemark beizuwohnen; die Reise nach Kopenhagen werde aber zu dieser Jahreszeit schwerlich noch zur See angetreten werden können und es liege daher in der Absicht des Kaisers, mit der Reise nach der dänischen Hauptstadt einen Besuch in Berlin zu verbinden. Andern Blättern ist von einem so bald bevorstehenden Besuche des Czaren in Berlin nichts bekannt. — Bezüglich der Besetzung von Stellen bei verschiedenen kaiserlichen Disziplinarbehörden hat der Bundesrath beschlossen, für die Mitgliedstelle bei dem Disziplinarhofe den Direktor des Allgemeinen Kriegsdepartements im Königlich preußischen Kriegsministerium, Generallieutenant v. Blume, für die Stelle des Präsidenten der DiSziPlinarkammer in Leipzig den Königlich sächsischen Landgerichtspräsidentcn Priber daselbst, für die Mitgliedstellen bei den Disziplinarkammern in Königsberg i. Ostpr. den Oberpostdirektor Wagenerin Danzig, in Magdeburg den Königlich preußischen Regierungsrath 1)r. OsiuS daselbst, in Oppeln den Königlich preußischen Amtsrichter Schmidt daselbst, in Posen den kommissarischen Oberpostdirektor Postrath Wehlack in Bromberg, in Schleswig den Königlich preußischen Amtsrichter Posselt daselbst, in Straßburg i. E. den Kaiserlichen AmtS- gerichtsrath Hagenauer daselbst zu ernennen. Ferner hat der Bundesrath zu Mitgliedern der Disziplinar- kammer als Ersatz für erledigte Stellen den Forstmeister v. Wetzel und Regierungsrath Cuny, Beide zu Straßburg, gewählt. — Die Arbeiten der Kommission zur Ausarbeitung eines bürgerlichen Gesetzbuches sollen in einem Zeitraum von etwa fünf Monaten zum völlige» Abschluß gelangen. Die Kommission dürfte sich zum 1. April 1889 auflösen. — Der Zollanschluß von Hamburg und Bremen hat auch eine Anordnung auf Grund des Artikels 36 der Verfassung für das Deutsche Reich nothwendig gemacht. In dem Artikel wird bekanntlich bestimmt, daß der Kaiser die Einhaltung des gesetzlichen Verfahrens bei d^r Erhebung und Verwaltung der Zölle und Verbrauchssteuern, deren Ausübung jedem einzelnen Bundesstaate überlassen ist, durch Reichsbeamte überwacht, welche er den Zoll- und Steuerämtern und den Direktiv- behörden der eiüzelnen Staaten, nach Vernehmung des Ausschusses des Bundesraths für Zoll- und Steuerwesen beiordnet. In Ausführung dieses Artikels sind nunmehr, nachdem Hamburg und Bremen seit dem 15. Oktober dem Zollgebiete angehören, von demselben Tage ab der Reichsbevollmächtigte für Zölle und Steuern, Königlich bayerischeOberzollrathMerck in Altona den hamburgischen, der Reichsbevollmächtigte Großherzoglich hessische Geheime Oberfinanzrath Müller in Hannover den bremischen Zolldirektivbehörden, der Stationskontroleur Königlich sächsische Zollrath Ritscher in Hamburg den fünf hamburgischen Hauptzollämtern und der Stationskontroleur Königlich bayerische Zollinspektor Jägerhuber in Bremen den bremischen Hauptzollämtern zu Bremen und Bremerhaven in ihren bezüglichen Eigenschaften bis auf weiteres beigeordnet worden. Stuttgart, 22. Okt. Der Königliche Hof hat aus Anlaß des Ablebens Ihrer Großherzoglichen Hoheit der Prinzessin Marie von Baden, Hezogin von Hamilton, Hoftrauer auf acht Tage angelegt. — Die Regierungsgeschäfte werden während der Abwesenheit Sr. Majestät des Königs wie in früheren Wintern im Vollmachtsnamen vom Prinzen Wilhelm geleitet, in wichtigeren Fällen hat sich der König die'Entscheidung Vorbehalten. — Entgegen anderen Nachrichten wird offiziell bekanntgegeben, daß der Landtag nicht vor dem 15. Nov. einberufen wird. Es verlautet von einem Ueberschuß des Budgets um mehrere Millionen, doch sind die bis jetzt genannten Zahlen Muthmaßung. — Die Vorbereitungen zum Regierungsjubiläum Sr. Majestät des Königs im kommenden Jahre nehmen bereits bestimmtere Gestalt an. Unter Vorsitz des Prinzen von Weimar hat der Verein zur Förderung der Kunst als Einleitung zu den geplanten Festlichkeiten die Veranstaltung eines großen Festspiels mit Vorführungen aus der württembergischen Geschichte beschlossen. — Die Lebensversicherungsund Ersparnißbank in Stuttgart hat am 20. über die Frage der Kriegsversicherung, die schon seit länger schwebte, einen entscheidenden Entschluß gefaßt. Zur Annahme kam ein aus der Mitte der Versammlung gestellter Antrag, welcher die den Kriegsversicherten von Verwaltungsrath und Direktion zugedachten Vortheile um einiges einschränkte. Derselbe, von R.-A. Kraut gestellt, besagt, daß Versicherungen von 1000 bis 20000 M. voll, auf Versicherungen von 20 000 bis 40 009 M. je 20 OM M., auf Versicherungen von mehr als 40 OM M. je die Hälfte der versicherten Summe spätestens 3 Monate nach dem Tode unbedingt und die restirenden Beträge 4 Monate nach Friedensschluß ausbezahlt werden sollen. — Für den weitergehenden Antrag der Direktion war u. a. auch Fabrikant Wittum aus Pforzheim eingetreten. Die Annahme des erwähnten Antrags erfolgte mit 1444 gegen 483 Stimmen. Es ist damit ein Kompromiß erzielt, über den sich auf beiden Seiten Befriedigung äußert. Straßburg, 22. Okt. Die „Nationalzeitung" hatte sich in den letzten Tagen dagegen ausgesprochen, daß eine französische Theatergesellschaft aus Nancy Vorstellungen in Metz geben wolle. Das Blatt hatte nach den Einblicken, welche der Hochvcrrathsprozeß in das Netz der französischen Spionage gewährt hatte, die Niederlassung einer französischen Schauspielergesellschaft an dem bedeutendsten deutschen Waffenplatze nicht unbedenklich gefunden und darauf hingewiesen, daß die deutsche Botschaft in Paris gar nicht in der Lage sein dürfte, Personen Pässe zu bewilligen, die vielfach unbekannt sind und häufig unter anderem Namen auftreten. Die Ansicht des Berliner Blattes scheint in diesem Punkte die richtige gewesen zu sein. Man schreibt der „LandeSzei- tung für Elsaß-Lothringen" aus Metz: „Die Nachricht, welche durch verschiedene Blätter ging, wonach eine Theatertruppe unter Leitung von Direktor Boulanger aus Nancy demnächst zu einer Reihe von Aufführungen in unserem Stadttheater eintreffen soll, hat sich nicht bestätigt. Wie wir hören, sind schon die ersten Schritte in dieser Angelegenheit erfolglos gewesen, weil die Mitglieder der Gesellschaft die nöthigen Pässe nicht erhalten haben." In Metz wird man sich hoffentlich auch ohne die französischen Schauspieler zu unterhalten wissen. Oestrrrrich-Ungarn. Wien, 22. Okt. Seine Königliche Hoheit der Prinx Heinrich von Preußen fuhr heute Vormittag nach dem neuen Burgtheater, um dasselbe zu besichtigen; Höchst- derselbe wurde am Portal des Theaters von dem Obersthofmeister Fürsten Hohenlohe und dem Erbauer de» Theaters, v. Hasenauer, empfangen, die den Prinzen durch die verschiedenen Räumlichkeiten des Prachtbaues führten. Prinz Heinrich besichtigte darauf noch das Rathhaus, stattete dem Kronprinzen Rudolf einen Busuch ab, den Seine Kaiserliche Hoheit alsbald erwiderte, und dejeunirte in der deutschen Botschaft. Abends um 8 Uhr reiste Seine Königliche Hoheit der Prinz Heinrich wieder von hier ab. Die „Extrapost" meldet, das Obersthofmeisteramt habe die Weisung erhalten, die Akten für das Ceremoniell bei der letzten böhmischen Königskrönung aus dem Hofarchiv auszuheben. (Diese Nachricht war uns ohne Angabe der Quelle gestern als Privattelegramm zugegangen; sie schien uns zu anfechtbar, um sie in dieser Form mit- zutheilen. Indem wir sie vorstehend nun als Meldung der „Extrapost" wiedergeben, bemerken wir, daß anderen Wiener Blättern von der Sache nichts bekannt ist.) — Das Wiener „Fremdenblatt" schreibt: In einer seiner letzten Nummern spricht der „Graschdanin" gegenüber der deutschen Presse, namentlich gegenüber der „Kölnischen Zeitung" die ernste Beschuldigung aus, daß sie über angebliche russische Rüstungen falsche Nachrichten verbreite. „Solche lügnerische Mitthcilungen — bemerkt „Graschdanin" hiebei — seien keine besondere Empfehlung für die deutsche offiziöse Presse, welche wahrscheinlich in der Lage wäre, die Wahrheit auf eine sichere und leichte Art zu erfahren." Wir müssen offen gestehen, daß wir nicht ergründen konnten, auf welche thatsächliche Mittheilungen der „Graschdanin" seine Beschuldigung gegen das Kölner Blatt basircn will, da wir in der „Köln. Ztg." in neuerer Zeit Nachrichten über russische Rüstungen überhaupt nicht auffinden konnten- Auf Grund jener Nachrichten jedoch, welche uns aus den an Oesterreich-Ungarn und Deutschland grenzenden Gouvernements Rußlands über militärische Maßnahmen zukommen, halten wir uns für berechtigt, die vom „Graschdanin" gegen die deutsche Presse erhobene Anschuldigung als durchaus ungerechtfertigt zu bezeichnen. Unseren, wie wir glauben ganz verläßlichen Nachrichten zufolge bereitet man sich nämlich in den westlichen Grenzgouvernements Rußlands gerade in neuester Zeit auf den Empfang sehr beträchtlicher Truppenverschiebungcn vor, welche aus dem Innern Rußlands gegen die österreichisch-deutsche Grenze demnächst vorgeschoben werden sollen. Dem „Graschdanin", welchem sehr einflußreiche Verbindungen zugcschrieben werden und welcher demnach auch leicht in der Lage sein wnd, die Wahrheit in Erfahrung zu bringen, dürfte es nicht schwer fallen, sich darüber zu vergewissern, ob nicht bereits, wie uns gemeldet wurde, eine volle Truppendivision im Begriffe stehe, aus dem Innern Rußlands den Marsch gegen die Westgrenze Rußlands anzutreten — wenn sie ihn nicht schon angetreten hat. Wir hoffen und wünschen, daß der „Graschdanin" möglichst bald in die Lage kommen möge, diese uns aus ganz guter Quelle zu- gehenden Nachrichten kategorisch dementiren zu können. Pest, 22. Okt. Wie wir schon telegraphisch meldeten, wurde die Vereinbarung, betreffend die Konvertirung der ungarischen Staatsschulden zwischen dem Ministerpräsidenten v. Tisza und der Finanzgruppe gestern unterzeichnet und der betreffende Gesetzentwurf wird demnächst dem Reichstage unterbreitet werden. Der „Nemzet" fügt hinzu, daß hiemit der größte Schritt zur definitiven Regelung der ungarischen Kreditverhältnisse geschehen sei. Die „Budapester Korr." meldet über den Abschluß der Vereinbarung folgendes Nähere. „Ministerpräsident v. Tisza hat, wie wir von kompetenter Seite erfahren, gestern nach einer vier Stunden dauernden Berathung mit den Vertretern der Rothschild-Gruppe die bezüglich der Konversion der Staatsanlehen gepflogenen mehrtägigen Berathungen, nachdem hinsichtlich aller Details eine Verständigung erzielt worden ist, beendet und es wurden sodann die auf diese Finanzoperation bezüglichen umfangreichen Vertragsinstrumente unterfertigt. Der Ministerpräsident wird in der allernächsten Zeit einen auf die Durchführung der Konversion bezüglichen Gesetzentwurf dem Reichstage mit dem Ersuchen um rasche Verhandlung unterbreiten, da die Gruppe die Absicht hat, das ganze Geschäft in möglichst kurzer Frist durchzuführen. Die groß angelegte Operation, welche, da es sich um die Einlösung verschiedener Anlehen und um die gleichzeitige Begebung neuer Staatstitres handelt, mehr als eine Milliarde Gulden umfaßt, wird, indem dieselbe ein bedeutendes jährliches Zinsenersparniß involvirt, auf den ungarischen Staatshaushalt voraussichtlich auch schon im Jahre 1889 von bedeutendem vortheilhaftem Einflüsse sein. Die Konversion wird sich auf alle jene amortisir- baren Anlehen erstrecken, deren Einlösung keinerlei Hinderniß im Wege steht. Italien. Rom, 23. Okt. (Tel.) Ministerpräsident Crispi em- pfing gestern den italienischen Botschafter am Berliner Hofe, Grafen Launay, welcher sich in der zweiten Hälfte des nächsten Monats wieder nach Berlin begibt. Die italienischen Botschafter am Wiener und am Madrider Hofe treffen demnächst hier ein, um gleichfalls mit Crispi zu konferiren. — Der „Italic" zufolge würde vr. Ne- razzini sich Ende Oktober nach Massauah begeben, um in besonderer Mission der Regierung nach Abyssinien zu gehen. Frankreich. Paris, 22. Okt. Die vom Ministerrath heute genehmigte Einkommensteuervorlage des Finanzministers Peytral soll demnächst dem Präsidenten Carnot unterbreitet und sodann in der Kammer eingebracht werden. In Deputirtenkreisen scheint, man dem Projekt wenig geneigt. Von den Blättern sprechen sich der „Temps", das „Journal deS Debüts" und andere Organe gegen die Vorlage aus, weil das Einkommen bereits hinreichend besteuert sei. (Die Vorlage Peytrals zerfällt in acht Theile mit zusammen 48 Artikeln. Die Steuer soll von dem Gesammteinkommen entrichtet werden, das der Steuerzahler selbst in einer schriftlichen Erklärung anzugeben hat. Bei denjenigen kheilen des Einkommens, bei denen die neue Steuer im Wege des Abzugs unmittelbar vom Staat erhoben werden kann, soll dies geschehen, also insbesondere bei der Einlösung der Coupons der Staatsrente, sowie in Form eines Zuschlags bei Erhebung der Mobiliarwerthabgabe (Couponsteuer), bei Auszahlung von Gehältern, Ruhegeldern u. s. w. Die auf solche Art von der Finanzverwaltung direkt eingezogenen Beträge der Einkommensteuer sollen dem Steuerzahler von dem ihn treffenden Gesammtbetrage abgerechnet werden. Vermöge dieser direkten Erhebung würde die neue Steuer den Anfang einer Heranziehung der bisher steuerfrei gewesenen Staatsrenten bilden. Die jährliche Verzinsung der Staatsschulden beziffert sich nach dem Haushaltsentwürfe für 1889 auf rund 1.080 Millionen Fr.; anderthalb Prozent dieser Summe würden also allein 16200000 Fr. einbringen. Die 1872 geschaffene, vorerwähnte Abgabe von 3 Proz. auf den Ertrag der Mobiliarwerthe oder die Couponsteuer ist für das nächste Jahr mit rund 49 Millionen veranschlagt; ein Zuschlag von 1'/, Proz. zu derselben würde also etwa 24 Millionen ergeben. Diese beiden Einnahmequellen sind aber bedeutend geringer als die aus Ackerbau, Gewerbe, Grundbesitz rc., auch wenn ein Mindestbetrag von Einkommensteuer frei gelassen wird. Hierauf stützt sich die Annahme des Ministers, daß der Ertrag der neuen Steuer jedenfalls 60 Millionen Francs übersteigen wird.) — Der „TempS" hebt hervor, daß bei einem etwaigen Zusammentreten des Kongresses zur Berathung der Verfassungsrevision die Koalition der Radikalen mit der Rechten den Beschluß einer Einberufung der außerordentlichen konstituirenden Versammlung herbeiführen könne. Es bedürfe, sagt das Blatt, der dreifachen Verblendung, wenn man einer solchen Eventualität die Stirne bieten wolle. — Heute stand in der Deputirtenkam- mer die Eröffnung der Budgetberathung auf der Tagesordnung. Bei der Berathung führte der konservative Abgeordnete Daynaud aus, daß die Finanzlage sehr schlecht sei und große Gefahren berge. Trotz dieser schlechten Lage verlange die Regierung eine Milliarde für außerordentliche Bedürfnisse des Kriegsbudgets. Der Vorsitzende des Budgetausschusses unterbrach hier den Redner und bemerkte, das sei eine Angelegenheit, welche die heiligsten Interessen des Vaterlandes und der nationalen Vertheidigung berühre. (Beifall links.) Amagat, unabhängiger Republikaner, wandte sich nach einer kritischen Besprechung des Budgets gegen den Plan, eine Einkommensteuer einzuführen, da dieselbe den Reichthum zur Auswanderung veranlassen werde. d'Aillibres, Rechte, sprach gegen das Budget. Auf seine Bemerkung, das Budget für 1888 werde das letzte sein, das zur Berathung gelange, erklärte der Finanzminister Peytral, die Regierung halte dasselbe keineswegs für das letzte, das die gegenwärtige Kammer genehmigen solle. — In der Angelegenheit der Entwendung des Schildes vom deutschen Konsulate in Havre wird anerkannt, daß die französischen Behörden, sobald der Fall zu ihrer Kennt- niß kam, sich durchaus angemessen verhielten. Es wäre indessen zu wünschen, daß die Regierung sich nicht auf die Verfolgung der Uebelthäter beschränkt, sondern ihre Aufmerksamkeit auch der aufreizenden Thätigkeit jener Blätter zuwendet, die mit ihren Agitationen solche Gewaltthaten Hervorrufen. Schon seit einiger Zeit wurde aus Havre berichtet, daß sich dortige Blätter mit beson- derm Eifer der Deutschenhetze hingäben. In dem vorliegenden Falle ist es also ganz klar, wo man die eigentlichen Urheber zu suchen hat, die, wenn nicht die materielle, so doch sicher die moralische Schuld tragen. Die hiesige Polizei hat gestern auf Befehl des Ministers des Innern bei allen Journalhändlern wie in den Bureaux des Blattes die letzte Nummer des „Grelot" mit Beschlag belegt und dadurch dem Skandale ein Ende gemacht, daß eine gemeine Karrikatur über den Aufenthalt des Deutschen Kaisers in Rom seit Freitag in allen Journalkiosken öffentlich ausgehängt war. Es könnte nichts schaden, wenn die Regierung auch einige andere Blätter an die Pflichten des Anstandes erinnerte, über die man in manchen journalistischen Kreisen Frankreichs ganz absonderliche Ansichten zu hegen scheint. Belgien. Brüssel, 22. Okt. Die dem Wolff'schen Telegraphenbureau entstammende Nachricht, daß bei der heutigen Ersatzwahl zur Deputirtenkammer der Liberale Graux gewählt worden sei, scheint nicht zutreffend zu sein. Der „Köln. Ztg." meldet man von hier: Da bei der heutigen Deputirtenersatzwahl Graux (liberal) 5 349, Powis (klerikal) 5108, Feron (radikal) 2 384 und Vanbunnen (unabhängig) 526 Stimmen erhielten, also keiner die erforderte Mehrheit erlangt hat, findet am nächsten Montag Stichwahl zwischen Graux und Powis statt. Großbritannien. London, 22. Okt. Wie in Kürze schon gemeldet, hat heute die Kommission zur Untersuchung der von den „Times" gegen Parnell und andere Mitglieder der irischen Nationalliga gerichteten Beschuldigungen ihre Thätigkeit begonnen. In der heutigen Verhandlung beantragte der Vertreter der Parnelliten, Ruffel, die Freilassung des Deputirten Redmond, der wegen Aufreizung zum Widerstand seit dem 14. September in Haft behalten werde, weil Redmond ein wichtiger.Zeuge sei. Der Vorsitzende der Kommission erklärte sich mit der Freilassung einverstanden, stellte aber die Bedingung, daß Redmond während seiner Entlassung aus der Haft an keiner öffentlichen Kundgebung theilnehme. Ruffel erwiderte, Redmond wolle diese Bedingung nicht annehmen und werde darum in Haft bleiben müssen. Der Vertreter der „Times", Attorney General Webster, gab ein sehr langes, aber nichts Neues enthaltendes Expos«; und erklärte, er werde, um dem Gerichtshöfe die Entscheidung über die Authentizität der Briefe Parnells zu ermöglichen, weitere Zeugnisse beibringen. — Wie jetzt bestimmt ist, wird die große Versammlung der liberalen Föderation in Birmingham, auf welcher Gladstone, Sir W. Harcourt, John Moley und Lord Roseberry Ansprachen halten werden, am 7. November stattfinden. Es werden 4 500 Delegirte zu der Versammlung erwartet. — John Morley ist in der Agitation unermüdlich. Anläßlich einer großen liberalen Kundgebung in Dumfries hielt Morley eine Ansprache, in deren Verlaufe er in Entgegnung auf die jüngsten Auslassungen Lord Hartingtons und Balfours hervorhob, daß bei der Vereinigung zwischen England und Schottland die schottische Nation«- lität aufrecht erhalten wurde, während bei der Vereinigung zwischen England und Irland die irische Nationalität geopfert wurde. Irland leide an einer ernsten politischen Krankheit, zu deren Heilung viele Mittel erfolglos angewendet worden seien. Home-Rule werde nicht nur Irland glücklich, sondern Großbritannien stark machen. Lord Hartington, über dessen erste in Belfast gehaltene Ansprache wir schon berichteten, hielt in der Ulster Hall in Belfast eine zweite große politische Rede. Er behauptete, daß die ministerielle Politik bereits eine große Besserung in der Lage Irlands bewerkstelligt hätte. Durch Citate aus Reden Dillons und anderer Führer der irischen Partei suchte Lord Hartington den Nachweis zu führen, daß es unmöglich sei, die irischen Forderungen innerhalb der in Gladstone's Homerule-Plan gesteckten Grenzen zu halten. Nationale Unabhängigkeit wäre nach wie vor das Ziel der gegenwärtigen Agitation in Irland. Unter den vorhandenen Umständen gäbe es keinen Raum für einen Kompromiß. Eine Lösung der irischen Bodenfrage, welche die Inanspruchnahme englischen Kapitals und Kredits in sich schließe, sollte verschoben werden, bis die Aufrechthaltung von Gesetz und Ordnung in Irland, so- wie die getreue Erfüllung von eingegangenen Verbindlichkeiten besser gesichert sei. Was die Regierung aber inzwischen thun könnte, wäre eine Entwickelung der industriellen Hilfsquellen Irlands. Ehe Homerule als letztes Heilmittel angewendet werde, sollte dem angedeuteten Werke eine gerechte Probe gegönnt werden. Serbien. Belgrad, 22. Okt. Der Führer der serbischen Fortschrittspartei, der vormalige Ministerpräsident Gar tisch an in, ist bekanntlich infolge der scharfen Aeußerungen, die König Milan in einer Unterredung mit einem Wiener Redakteur über ihn gethan, vom politischen Schau- Platze zurückgetreten. König Milan hat nun alsbald nach seiner Rückkehr nach Belgrad Veranlassung genommen, mehrere hervorragende Mitglieder der Fortschrittspartei zu sich zu rufen und ihnen auseinanderzusetzen, daß er zwischen Herrn Garaschanin und der Fortschrittspartei sehr wohl zu unterscheiden wisse; seine Gesinnungen in BezuA auf Garaschanin verhinderten ihn nicht, sein Wohlwollen der Fortschrittspartei unverändert zu erhalten. Nfrika. Suakim, 19. Okt. Während der letzten Nacht stellte der Feind einige Feldgeschütze in einer Entfernung von 600 Aards von dem linken Wasserfort auf und bom- bardirte es. Drei Granaten fielen in das Fort. Eine traf eine Schildwache. Die Granaten platzten jedoch nicht und richteten daher sehr wenig Schaden im Fort, an. Die Araber schießen immer genauer und sind gut mit Munition versehen. Zeitungsstimmen. Zur Rückkehr des Kaisers schreibt die „P o st": „Der Kaiser Wilhelm kehrt in seine Heimath zurück nach Triumphen, wie sie einem Fürsten, der als friedlicher Besucher zu einer befreundeten Nation kam, wohl noch nie zu Theil geworden sind. Diese wunderbare Aufnahme war durch die Eigenthümlichkeit der Welt- vcrhältnisse vorbereitet, aber sie erreichte ihren Glanz und ihre Freudigkeit durch die Persönlichkeit des Fürsten, der als Freund kam, dessen Freundschaft man ehren und erwidern wollte. Die eigene Heimath freut sich nun doppelt dieses Fürsten, den die Fremde so ehren konnte, weil seine Persönlichkeit zur freien und freudigen Ehrerbietung zu zwingen verstand. Die Stadt Berlin trägt dem heimkehrenden Kaiser durch die Herstellung, eines herrlichen Kunstwerkes das würdigste Willkommen entgegen. In der ganzen deutschen Nation ergreift die Freude dieses Willkommens alle Herzen." Durch das auf der Katholikenversammlung zu Münster erfolgte Eintreten des Frciherrn v. Schorlemer-Alft für die weltliche Macht des Papstes sicht sich die „Kölnische Zeitung" zu folgender Aeußerung veranlaßt: „Herr v. Schorlemer hat sich nun bisher völlig ausgeschlviegen über die Wege, welche er verfolgt wissen will, um Rom dem Papste znrückzustellen. Da er doch unmöglich so naiv sein kann, anzunchmcn, daß Italien je freiwillig in die Herausgabe Roms an den Papst cinwilligen. könne, so wenig, wie je Preußen in die Rückgabe Hannovers an den Herzog von Cumberland, wie je das Deutsche Reich in die Rückgabe der Reichslande an Frankreich einwilligen wird, und da wir ebensowenig Herrn v. Schorlemer die verbrecherische Absicht zutrauen, er wolle, daß das Deutsche Reich oder daß Preußen Italien, seinen Bundesgenossen, zur Bewahrung des europäischen Friedens kriegerisch überfalle und zur Herausgabe RomS zwinge, ein Plan, dessen Ausführung unvermeidlich den Ausbruch des blutigsten und allgemeinsten Krieges in Europa zur Folge haben müßte, so fragen wir, wie denkt sich Herr v. Schorlemer die Verwirklichung der Herausgabe Roms, und was bezweckt er mit dieser gefährlichen Agitation? Er weiß, mit welcher Mühe der Dreibund zu Stande gebracht wurde und welche europäischen Gefahren dieser Dreibund zu bannen die Aufgabe hat. Er weiß, daß dieser Fricdensbund auf der gegenfeitigen Gewährleistung des Besitzstandes der drei Reiche und auf dem vollen gegenseitigen Vertrauen beruht, daß diese drei Reiche sich im Falle der Noth diese Gewähr auch unverbrüchlich leisten werden. Was kann nun diese Agitation anders erzielen, als Italiens Vertrauen zu seinem Bundesgenoffen zu untergraben, die deutsche Friedenspolitik zu durchkreuzen, die italienischen Staatsmänner zu veranlassen, sich nach neuen, zuverläfsigeren und Deutschland gefährlichen Bundesgenossen umzusehcn? Herr v. Schorlemer erklärt, Rom gehöre dem Papste; er hat doch sonst den Muth, seiner Meinung vollen Ausdruck zu geben und die nothwendigen Folgerungen daraus zu ziehen; warum stellt er dann jetzt nicht die Forderung auf, Hannover den Welfen, das Elsaß den Franzosen herauszugeben? Er sollte doch — einmal die Richtigkeit seiner seltsamen völkerrechtlichen Voraussetzungen zugegeben — lieber den Splitter im Auge Italiens übersehen und dem Balken im Auge Deutschlands zunächst seine hohe staalsmännische Weisheit widmen. Dann würden erst seine — mit der hohen Politik weniger vertrauten — Wähler deutlich erkennen, welche lieblichen Wege er zum Heile Deutschlands wandeln will." ! In Bezug auf die Bestrebungen der Gesellschaft zur Verbreitung von Volksbildung führt — wie wir dp „N. A. Z" entnehmen - das „P o s c n er T a g e b l at t" aus: »Gründliche Kenner unserer wirthschaftlichen und sozialen Zustände, Männer, in deren Brust allgemein zugcstandener Weise ein warmes Herz für des Volkes geistiges und materielles Wohl schlägt, zögern nicht, es auszusprechen, daß unsere Zeit an einem Uebermaß von Bildung krankt. Dem Freisinn hingegen ist unser Volk noch lange ^ nicht gebildet genug. Jene machen den jetzt im Schwange gehenden Erzichungs- und Bildungsmethoden den Vorwurf, daß sie > den Schein statt des Seins, die Form statt der Sache, die Schale ! statt des Kerns geben, daß sie folgerichtiger Weise ganz schiefe ^ Lebensanschauungen und Lebensgrundsätze verbreiten, die Unzu- ^ friedenheit des einzelnen Bildungsbeflisscncn mit dem, was das I Leben ihm bietet, steigern und ihn doch nicht in den Stand setzen, > aus sich heraus etwas Besseres zu leisten, etwas Höheres zu werden. Gerade diese Unzufriedenheit, diese innere Hohlheit, dies Zerfallcnscin mit sich und der Welt ist das eigentliche Lebenselement der nörgelnden Opposition des Freisinns und der Sozialdemokratie. Bildung, nur immer mehr Bildung! predigen sie, i thut dem Volke noch, dann findet sich alles übrige ganz von selbst. Wie gesagt: der Bildungstricb ist dem deutschen Volke angeboren. Er gereicht ihm zur höchsten Ehre, und es wäre kaum ein frivoleres Beginnen denkbar, als ihn aus der Volksseele aus- rvtten zu wolle», denn damit ginge unscrm Volk eines der wichtigsten Hebel seiner idealen Spannkraft verlustig, die das Geheimnis unserer seit Jahrtausenden den schwersten Wechselfällen der Geschichte trotzenden Lebensfähigkeit und Lebensfreudigkeit bildet. Wohl aber muß jeder, der sich als Volksfreund geriet, die Pflicht anerkennen und üben: dem Volke gegenüber ehrlich zu sein. Unehrlich aber ist es gehandelt, wenn man sich in Jemandes Vertrauen einschleicht und ihn hinterher auf Abwege führt. Das tbut der Freisinn mit seinem Bildungsspuk. Er fälscht den Begriff, indem er an Stelle der wahren Bildung, die allein dem Volke praktisch nützen kann, einen Bastard setzt. Das, was unser Volk braucht, ist die größtmögliche Steigerung seiner Fähigkeiten, den immer schwerer werdenden Kampf um's Dasein siegreich zu bestehen. Dieses Ziel wird am sichersten erreicht, wenn jeder in der ihm von Natur, von den intellektuellen Verhältnissen und Fähigkeiten angewiesenen Sphäre bleibt und innerhalb seiner Be- rufsgrenzcn sich die möglichst umfangreichen theoretischen und praktischen Kenntnisse aneignet. Wirkliche Genies und Talent brechen sich unter allen Umständen die Bahn nach aufwärts, uni/ sind übrigens ebenso selten als hoffnungslose Dummköpfe. Das Schlimmste aber, was man der großen Masse der Durschnitts, menschen auf ihren Lebensweg mitgeben kann, ist die Halbbildung, die von Allem etwas, nichts gründlich weiß, aber in ihrem hohlen Dünkel, wie sic's doch so herrlich weit gebracht habe, jede bessere Erkenntniß von ihre Schwelle scheucht." Grotzherzogthum Baden. Karlsruhe, den 23. Oktober. Gestern Mittag trafen mit Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog von Hessen noch in Baden-Baden ein: Seine Großherzogliche Hoheit ver Prinz Wilhelm von Hessen und Seine Durchlaucht der Prinz Ludwig von Battenberg. Außerdem trafen daselbst ein, um an der Beisetzungsfeier theilzunehmen: Ihre Großherzoglichen Hoheiten die Prinzen Wilhelm, Karl und Max von Baden aus Karlsruhe und Seine Hoheit der Prinz Hermann von Sachsen-Weimar aus Stuttgart. Nachmittags Uhr begaben Sich Ihre Königlichen Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin in das Trauerhaus, wo bald darauf sämmtliche Höchsten und Hohen Herrschaften Sich versammelten. Ihre Majestät die Kaiserin und Königin Mutter erschien daselbst gegen 2 Uhr. Nachdem durch den Oberstkammerherrn Freiherrn von Gemmingen die Anwesenheit des Herrn Erzbischof von Freiburg in dem Trauersaal gemeldet ward, begab Sich Ihre Majestät die Kaiserin, von Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog geführt, in diesen Saal, wo die sümmtlichen Höchsten Herrschaften der Einsegnung anwohnten. Nachdem dieser feierliche Akt durch den Herrn Erzbischof vollzogen war, verließ derselbe mit der assistirenden Geistlichkeit den Saal und Ihre Majestät die Kaiserin mit allen Höchsten und Hohen Anwesenden zogen Sich in ein Nebenzimmer zurück. Ihre Majestät die Kaiserin verließ hierauf das Trauerhaus und kehrte in Allerhöchstihre Wohnung zurück. Bald darauf meldete der Oberststallmeister von Holzing die Bereitschaft des Trauerkonduktes, welcher sich nun nach Maßgabe des Programmes in Bewegung setzte und nach Lichtenthal zog. Ihre Majestät die Königin von Sachsen, Ihre Königliche Hoheit die Großherzogin, die Fürstin von Hohen- zollern, die Gräfin von Flandern, die Prinzessin Wilhelm und Mary und die Gräfin Festetics begaben Sich zu Wagen direkt nach dem Kloster Lichtenthal und erwarteten dort die Ankunft des Trauerkonduktes. Seine Majestät der König von Sachsen mit Ihren Königlichen Hoheiten dem Großherzog von Baden und dem Großherzog von Hessen, sowie sämmtliche Fürstlichen Personen folgten dem Leichenwagen zu Fuß, während der Herr Erzbischof von Freiburg mit zahlreicher Geistlichkeit den Vortritt vor dem Leichenwagen nahmen. In Lichtenthal vor der Fürstenkapelle angelangt, nahmen sämmtliche Theilnehmer an dem Trauerzug in der Kapelle Platz und wurde der Sarg mit der sterblichen Hülle Ihrer Großherzoglichen Hoheit der Prinzessin Marie von Baden in der Mitte des Schiffes der Kirche an der Stelle deponirt, wo fortan die provisorische Ruhestätte stattfinden soll. Die Aebtissin und der Konvent des Klosters empfingen die hohe Leiche am Eingang der Kapelle und nahmen dann mit Gesang an dem kirchlichen Akte theil, den der Herr Erzbischof von Freiburg unter Assistenz zahlreicher Geistlichkeit vollzog. Nach der Einsegnung verließ der Erzbischof in feierlichem Zug die Kapelle und Seine Königliche Hoheit der Großherzog führte Seine Majestät den König von Sachsen, sowie alle übrigen Höchsten Herrschaften in den Empfangssaal des Klosters, wo auch die Fürstlichen Damen Sich versammelten. Nach kurzem Aufenthalt daselbst kehrten sämmtliche Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften in Hofwagen nach Baden zurück. Ihre Königlichen Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin begaben Sich zu Ihrer Majestät der Kaiserin. Seine Königliche Hoheit der Großherzog von Hessen besuchte die Höchsten Herrschaften noch vor Höchstseiner Rückreise nach Darmstadt, welche um 6 Uhr erfolgte. Ihre Großherzoglichen Hoheiten die Prinzen Wilhelm, Karl und Max von Baden kehrten ebenfalls nach Karlsruhe zurück. : Die in Baden anwesenden Vertreter fremder Souveräne und Fürsten waren zur Großherzoglichen Hoftafel geladen. O Mannheim, 21. Okt. (Bürgermeisterwahl. — Bürge rausschuß. — Hochherzige Spenden unseres Großherzogs und der Kaiserin Augusta.) Gestern von Vormittag 11 bis Mittag 1 Uhr fand die Wahl eines ersten Bürgermeisters an Stelle des von seinem Amt rurücktretenden seitherigen Bürgermeisters, Herrn Löwcnh aupt, statt. Von 120 Wahlberechtigten gaben 94 ihre Stimmen ab. Hiervon entfielen 89 Stimmen auf den einzigen ausgestellten Kandidaten, den seitherigen zweiten Beigeordneten Herrn Bürgermeister Bräunig. 5 abgegebene Zettel waren weiß. Herr Bräunig ist somit mit großer Majorität gewählt worden. In der gestern Abend stattgefundenen Sitzung unseres Stadtraths theilte Herr Oberbürgermeister Moll den Mitgliedern des Kollegiums das Resultat der Wahl mit, indem er zugleich den anwesenden Herrn Bürgermeister Bräunig zu seiner Beförderung beglückwünschte, den Wunsch anknüpfend, daß es Herrn Bräunig noch recht lange Zeit vergönnt sein möge, seine Kraft unserer Stadt zu widmen. Herr Bräunig dankte hieraus für die ihm zu Theil gewordene Ehre und das ihm durch die Wahl bewiesene Vertrauen. Sodann ergriff Herr Stadtrath tir. Diffenö das Wort. Derselbe sprach dem scheidenden Herrn Bürgermeister Löwenhaupt im Namen des Stadlraths den Dank für seine langjährigen treuen, unserer Stadt geleisteten Dienste aus. Er fühle sich glücklich, der hohen Werthschätzung dieses so tüchtigen, charaktervollen Mannes bei dieser Gelegenheit Ausdruck verleihen zu können. Die Stadtrathsmit- gliedcr hätten bereits unter sich den Beschluß gefaßt, diese Gefühle der Dankbarkeit und Hochschätzung durch eine größere, Herrn Bürgermeister Löwenhaupt darzubringendc Ovation zu bekunden, deren nähere Einzelnheiten schon in den nächsten Tagen festgestellt werden sollten. Der Stadtrath habe sich um so mehr hierzu entschließen können, als er der gleichen Gesinnung und der Zustimmung der Bürgerausschußmitglieder sich versichert halten könne. Herr Diffene nahm sodann noch Veranlassung, an Herrn Löwenhaupt die Bitte zu richten, bis zur Neubesetzung der durch die Wahl des Herrn Bräunig zum ersten Bürgermeister erledigten Stelle eines zweiten Beigeordneten hiesiger Stadt im Amte zu bleiben, damit in der Erledigung der Geschäfte keine Störung eintrcte. Herr Löwenhaupt willigte gern in die Erfüllung dieser Bitte ein, indem er zugleich nochmals seinem großen Bedauern Ausdruck gab, daß er sich in Folge seines leidenden Gesundheitszustandes veranlaßt gesehen, von seinem Amte zurückzutreten. — In der nächsten, kommenden Mittwoch stattfindcndcn Sitzung unseres Bürgerausschusses wird u. A. die Frage der Anlegung eines botanischen Schulgartens ihre Erledigung finden. Die erste Anregung zu dieser Frage hat das jüngst verstorbene Mitglied unseres Stadtverordneten-Kollegiums, Herr Realgymuasiums- direktor Bogelgesang, gegeben. Den überaus günstigen Einfluß, den die Anlage eines solchen Gartens auf den botanischen Unterricht der Schulkinder ausüben würde, näher darzulegen ist wohl überflüssig; derselbe wird jedem Freund der Schule cinleuchten. Die übrigen Punkte der ziemlich umfangreichen Tagesordnung der nächsten Bürgcrausschußsitzung betreffen die Bewilligung eines Kredits für die Abfuhranstalt, die Anlage einer Brückenwaage auf dem Jungbuschc, die thcilweise Wiederanlage von Kaufschillingsgeldern in Liegenschaften, ein sehr wichtiger Punkt, den Verkauf städtischen Geländes, die Herstellung der Kepplcrstraße, die Herstellung eines Kanals in der Kepplerstraße rc. — Seine Königliche Hoheit der Gr «ßh erzog hat als Beitrag zu den Beschaffungskosten des Glockengeläutes für die neuerbaute evangelische Kirche in Feudenheim die Summe von 1000 M. gespendet. Hierbei soll zugleich noch erwähnt werden, daß Ihre Majestät die Kaiserin Augusta der gleichen Kirche zur Anschaffung eines Kruzifixes für den Altar 100 M. gestiftet hat. O Mannheim, 22. Okt. (Die diesjährige Herbstmesse) hat unserer Stadt eine Einnahme von insgesammt 10 305 M. gebracht. Gewiß ein hoch erfreuliches Ergebniß. — Heidelberg, 22. Okt. (DankJhrcr Königlichen Hoheiten des Erbgroßherzogs und der Erbgroß h c r z o g i n.) In der Stadtrathssitzung machte der Vorsitzende die Mittheilung, daß Ihre Königlichen Hoheiten der Erbgroßherzoq und die Erbgroßherzogin für den warmen Empfang in hiesiger Stadt, sowie für die getroffenen festlichen Veranstaltungen wiederholt Höchstihren herzlichsten Dank ausgesprochen und unsere Stadt unter dem Ausdruck freundlichster Anerkennung mit der Zusage verlassen haben, Heidelberg bald länger zu besuchen- ( Baden, 23. Okt. (Beisetzung Ihrer Großherzog« lichcn Hoheit der Prinzessin Marie von Baden, Hcrzoginvon Hamilton.) An der Gemarkungsgrenze wurde der Lcichenkondukt von dem Bürgermeister, dem Gemeinderath, der Feuerwehr und den Vereinen Lichtenthals erwartet. Als die Spitze des Zuges in dem Klosterhof anlangte, spielte das dortselbst ausgestellte städtische Kurorchester einen Choral. In der Fürstenkapelle fand noch eine kurze kirchliche Zeremonie statt, worauf sich die Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften zu Wagen in die Stadt zurückbegaben. Heute Vormittag 10 Uhr fand in der kath. Stiftskirche der vom Erzbischof von Frciburg zelebrirte Trauergottesdienst f ür die hohe Verblichene statt. Verschiedenes. IV Rom , 23. Okt. (Tel.) (Die Rcttungsarbeitrn bei Potenz«), wo bekanntlich infolge einer Zugentgleisung viele verschüttet sind, werden andauernd durch starken Schneefall gestört. Die Telegrapbcnlcitung ist zerstört. Die Zahl der Passagiere, welche sich im verunglückten Zuge befanden, wird auf 350 bis 380 geschätzt. Die Zahl der Geretteten ist schwer festzu« stellen, weil viele die Unglücksstätte eiligst verließen. Neueste Telegramme. (Nach Schluß der Redaktion eingetroffen.) Berlin, 23. Okt. Die „Post" sagt, die russische Truppenverschiebung (über welche das „Fremdenblatt" gestern in einem, vorstehend unter „Wien" mitgetheilten Artikel berichtete, seien bereits im Frühjahr angekündigt worden. Daß Rußland sich gegenwärtig mit Vorbereitungen zu einer kriegerischen Aktion nach Westen hin beschäftige, erscheine durch die europäische Gesammtlage ausgeschlossen. Seit dem Besuch unseres Kaisers in Petersburg seien die Beziehungen mit Deutschland fortdauernd gute und freundschaftliche geblieben, das Publikum thue deßhalb gut, zur Zeit sich aller Besorgnisse zu erwehren. Das „Berliner Tageblatt" erklärt alle Gerüchte über eine bevorstehende Vermählung der Prinzessin Äictoria mit dem Prinzen von Battenberg für völlig unbegründet. Nürnberg, 23. Okt. Die Reichstagswahl in Ansbach- Schwabach endete ohne definitives Resultat; es hat Stichwahl zwischen Lerchenfeld (freikonservativ) und Kröber (Volkspartei) stattzufinden. Berantworrlicher Redakteur: Wilhelm Harder in Karlsruhe Fannlirnnartzri chten. Karlsruhe. Auszug aus dem Staudesbuch-Rrgister. T odefälle. 21. Okt. Katharina, 1 I. 1 M. 16 T., V.: Leonhard Max, Schreiner. — Emilie, 10 M- 14 T-, V. : Josef Rohmer, Bürstenmacher- — Otto Lober, Ehem., Hofgärtner a. D. 65 I. — Karolinc, 5 M. 8 T., V. : Karl Kasper, Dreher. — Sofie, Ehefr. von Kaufmann Martin Goldstein, 36 I. — Rosalie Friedländer, ledig, Jnstitutsvorsteherin, 56 I. — 22. Okt. Sofie, Wittwe, von Hofgärtnrr Philipp Hüttisch 79 I. — Apollonia, Ehefr. von Händler Johann Trump, 71 I. — Otto, 3 M. 3 T-, V : Johann Merkte, Schneidermeister. — Franz Gästlc, Ehem., Oberbuchhalter, 53 I. — 23. Okt. Ernst» 11 M. 3 T-, V.: Emil Müller, Mechaniker. — Magdalena. Wittwe des Fabrikanten Wilh. Schade, 53 I. — Marie Heres, ledig, Privatiere 71 I. WiUerungsbesbachtuilgr« der Mrtrsrol. Station Karlsruhe. Oktober Barom ! IHM Thenn. ! in 6. ^ A'ucht. Aelativr Feuchtijr- keii n "V Wind. Himmel. 22 Nachts 9 U. ! 7611 -i- 15, 4°S 91 NE w. bewölkt 23 Mrgs. 7 U -) 760.1 - 1 2 40 96 „ klar 23. Mittag 2 U ,758.1 » 10 4 ! 50 53 i) Reif- l Wrürrkarlr vom 23. Oktober, Morgens 8 Uhr. Frankfurter telegraphische Kursberichte vom 23. Oktober 1888. Staat-Papiere. «ahnattien. 4°/oDcutsche Reichs- Staatsbahn 206°/i anleih- 108.— Lombarde» 88°-, 4°/, Preuß. Kons. 107.70 Galizier 175.60 4 /, Baden in fl. 103.— Elbthal 167°/, 4"s » inM. 105.20 Mecklenburger 158.20 Oesterr. Goldrente 92.20 Mainzer —.— , Silberr. 63.60 Lübeck-Büch.-Hb. 173.20 4" , Ungar. Goldr. 84 50 Gotthard 129.20 1S77r Russen 99.80 Wechfel und Sorte». 1880r » 85.20 Wechsel a. Amstd. 168.65 ll. Orientanleihc 63.70 . . London 20.49 Italiener 95.90 » » Paris 80.52 Egtzpter 82.90 » » Wien 167.60 Spanier 73.50 Napolconsd'or 16.14 Serben 82 30 Privatdiskonto 3'/« Baaken. Bad. Zuckerfabrik 102.— Kreditaktien 26094 Alkali Westereg. —.— Diskonto-Kom- Rachbörse mandit 827.80 Kreditaktien 259°/, Basler Bankver. 165.20 Staatsbahn 206°/, DarmstädterBank 161.50 Lombarde» 88°/, 5°„Serb. Htzp. Ob. 85.— Tendenz: matt. Berlin» Oest. Kreditakt. 163. » Staatsbahn 104. Lombarden 44 Disk.-Kommand. 227 Laurahütte 133 Dortmunder 92 Marienburger 91 Böhm. Rordbah» —, Te»dmz: —. Wie«. 20 Kreditaktien 311.80 — Marknote» 59.65 .60 Ungarn 101.05 .60 Tendenz: unentschieden. Paris. .50,3"° Rente 82.42 .20 Spanier 73°/, Egtzpter 422 — Ottomane 535.— Tendenz: —. Uebersicht der Witter«»«. Während die Depression im Nordosten mit abnehmend^ Tiefe noch weiter besteht, ist eine neue >r der norwegischen Küste erschienen. Der hohe Druck hat sich auf das westliche Mittel-Europa verlegt. In semem Bereiche ist is Wetter meist heiter oder neblig, im ganzen Osten und im nördlichen Deutschland dagegen unter cyklonalem Einflüsse vorwiegend üb Die Demveraturen baben keine wesentliche Aenderung erfahren. Todesanzeige. R.349. Karlsruhe. Heute Mittag 12 Uhr ent- __ schlief sauft nach längerem Leiden Marie Hcres, unsere liebe Schwester, Schwägerin und Tante. Karlsruhe, 22. Oktober 1888. Die trauernden Hinterbliebenen. Todesanzeige. R.343. Bruchsal. Theilnehmenden Bekann- MW» ten geben wir hiermit Nachricht, daß unser lieber Gatte und Vater Karl Kißling, «nßh. Oberförster, heute Morgen 7 Uhr nach kurzem schweren Leiden saust entschlafen ist. Bruchsal, 22. Oktober 1888. Frau Anna Kißling, geb. Göhringer. Karl Kißling. Klara Kißling. Helene Kißling. Emma Kißling. Die Beerdigung findet Mittwoch, 24. Oktober, Nachmittags 3 Uhr, statt. R.338. Karlsruhe. Unseren lieben 6. 11. und i. a. L. i. ». L. sowie Freunden der Verbindung theilen wir hierdurch mit. daß das 20jährige Stiftungsfest am Samstag Sem 3. November stattfindet. Karlsruhe, den 22. Okt. 1888. I. A. d. A.C. der Ilorstvelbmduug ttuberlls _ F. Cadenbach. Q. 624.3. In einem gemischten Waarengeschäst im badischen Oberlande findet ein angehender sofort Stelle als Verkäufer; derselbe muß aber seine Lehre in einem Ellen- waaren-Geschäfte bestanden haben. Offertbriefe 0. Ir. 4. befördert die Ex- pedition dieses Blattes. MMe mmdN Iisckvem. 0 liier Lrsat? kür Llosol. 1 mit 20 Krossvll Unseden in 4 8ortvo "O IVl r iL. ^ I'. K.625.41. XeelrnrKvmünä. R.335.1. Für Volontär oder angehenden Commis ist in einem hiesigen frequenten Kolonial- und Delikatefsen- Geschäft Stelle zu sofortiger Besetzung frei. Branchekcnntnih erwünscht ; freie Station im Hause- Gefl. Offerten be- sorgt die Expcd. d. Bl. unter Nr. L K.133.100. Karlsruhe. Feuer-, Fall-«. riubruch- fichkreGM-, Köcher-m- Dokumruten-Schränke empfiehlt Will,. W8IS8 ^ _K arlsruhe, Erbvrinzenfir.24 R.310.3. Karlsruhe. Vergebung von SLeinhauer-Arbeiten. Die Steinhauerarbcit (rother Sandstein) für das südliche Widerlager der Hirschstraßenbrücke in Karlsruhe, veranschlagt zu circa 21,700 Mark, ist zu vergeben. Bedingungen, Pläne und Voranschläge liegen auf dem Bureau des städtischen Wasser- und Straßen- bauamts Karlsruhe zur Einsicht auf. Angebote sind bis zum 3V. Oktober, Vormittags S Uhr, zu welchem Termin die Eröffnung der eingelaufencn Angebote erfolgt, einzusenden. Karlsruhe, den 19. Oktober 1888. Städt. Wasser- und Straßenbauamt. jVeizen-Verkauf. Q.668. Am Donnerstag dem S5. Oktober, Nachmittags 3 Uhr, wird am Brandplatzc der Kranß'schen Mühle zu Willftätt bei Kork eine Partie Weizen (circa 1000 Sack), der durch Feuer beschädigt und zur Mchl- fabrikation untauglich ist, gegen sofortige Baarzahlung versteigert werden. llkkgek'selie ök-uieiei - I-esellrckLst ln Die Aktionäre werden hierdurch zur Theilnahme an der ordentlichen Generalversammlung eingeladen, welche 8clM8l3g l!kn 17. Coverndes I. j., 11 llkr. zu Worms in dem Geschästslokale der Gesellschaft stattfinden wird. Hages-Ordnung: 1. Bericht der Direktion über oas*fich vom 1. Oktober 1887 bis 30. Septbr. 1888 erstreckende Geschäftsjahr, 2. Bericht des Aufsichtsrathes, 3. Antrag auf Genehmigung der Bilanz und Beschlußfassung über die Gewinnvertheilung, sowie über Entlastung der Direktion und des Aufsichtsraths, 4. Beschlußfassung über die dem ersten Aufsichtsrath für seine Thätigkeit zu gewährende Vergütung, 5. Neuwahlen zum Aufsichtsrath. Diejenigen Aktionäre, welche an der Generalversammlung theilnehmen wollen, haben gemäß tz 27 der Statuten ihre Aktien spätestens am 14. November l. I. vor 6 Uhr Abends bei einer der »ach- benannten Stellen zu hinterlegen: in Worms bei der Gesellschaftsrasse, in Mnnkfurt a. M. bei der Deutschen Effecten- Wechselbank, in Karlsruhe bei dem Bankhause Veit L. Hamburger, in Mannheim bei dem Bankhause W. H. Ladenburg sf Söhne, und erhalten hiergegen die zur Theilnahme an der Generalversammlung legitimirende Bescheinigung. neben Jakob Kugel's Witwe und; Adolf Grell. vorn die StraL» hinten Josef Schindler. Da,u gehören: ein einstöckiges Wobn bans mit Magazin, Einfakrt Dachzimmer und Balkenkeller, em zweistöckiger Seitenbau links un» Magazin, einstöckiger Mittelbau mit Magazin, einstöckiger Seitenbau rechts mit Magazin und Waschküche, einstöckiger Zwischen- bau mit Zimmer; Schätzungspreis 9500 Mk 2. (L.B. Nr. 300) 26 Ar 64 Meter Hausplatz und Hosraithc, Haus Nr. 113 an der Rhcinaucrstraße neben Reinhard Braun und Karl Wagner's Witwe, vorn Straße hinten städtische Baumschule, wozu gehören: ein zweistöckiges Wohn- Haus mit Balkenkellcr, Scheuer Stall, Remise, Ziegelhütte, Schür- küche, Trockenschuppen, Materiallager» Brennofen, Anhangschup- pen, einstöckiges Wohnhaus mit Schicncnkellcr, Trockenschuppen, Lagerschuppen und Holzremise. Schätzungspreis . 20000 Mk 3. (L.B. Nr. 2302 und 2303) 46 Ar 26 Meter Acker in den Röttern, Schätzungspreis . 620 Mk. Rastatt, den 12. September 1888. Großh. Gerichtsnotar Stoll. Verm. Bekanntmachungen. R.347. Nr. 14,161. Stock ach. Bekanntmachung. Die Handhabung der Baupolizei betreffend. . ..^.... ...»..y ..9.......^..^ „Die Stelle eines Baukontroleurs ist Die Vorlagen an die Generalversammlung werden in den letzten 2 Wochen vor derselben in dem A^lwzirk Stockach mir Wirk- Geschäftslokale der Gesellschaft zur Einsicht der Aktionäre offen liegen. Un ^°"uar k- r» »e- Worms, 20. Oktober 1888. R.345. Die Direktion: Julcksi' L kuk-Okön kerwüiieiltdreMer mit Iki'eL-f'eiistelii uiick ssärme-lürelllüti«». a.uck's kelnsto rexullrdar, «tu vvrLNxltvI»«» I^»1»r!Ir»t, in 7 Orösseu uuck vsrsobisckeusu ! boi kiZengikssepei in Ksklbnuhk, Laäsn. VollstSniligo Larsntis «ieii gslsistot. 2V,V«V 8tü«lL 1»» 6vt»ra»»«I». ?rstslj8t6n unä 2ousnisss xratts unü knanoo. SS Wir empfehlen für die gegenwärtige Jahreszeit Wollene Hettdelken in weiß, bunt und roth, in bekannter größter Auswahl. Besonders machen wir auf eine Anzahl Bettdecken, mit kleinen, unbedeutenden Fabrikfehlern behaftet, aufmerksam, die wir außerordentlich billig abgeben können. Schöne rothe Decken, 150 cm breit, ^05 cm lang, per Stück M. 7.— Auf Verlangen Auswahlsendung. «U H S R.210.3. _Wünsterpknh, Ireiburg i. 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Vormittags halb 10 Uhr, im alten die Hälfte von ungefähr 5 Viertel Rathhanse zu Villingen, aus Do- Matten im großen Eschholz, neben i mänenwald „Harzerwald" bei Ober- Erzbischof Hermann Kohlcr-Stiftung eschach mit Halbjähriger Borgfrist: und Kaspar Weber, zu Eigenthum besitzt, ohne daß der Er werbstitel im Grundbuche der Stadt geht das Aufgebot an diejenigen Personen, welche in den Grund- u. Unterpfandsbüchern nicht eingetragene dingliche oder auf einem Stammguts- oder Familiengutsverbande beruhende Rechte an der Liegenschaft besitzen, solche zum Termin vom: Montag, 10. Dezember d. I., Vormittags 9 Uhr, anzumeldcn, widrigenfalls die nicht an- gemeldetcn Ansprüche'für erloschen erklärt würden. Freiburg, den 20. Oktober 1888. Der Gerichtsschreiber Gr. Amtsgerichts: Dirrler. 2 Nadelholzstämme 1., 22 II., 156 m., 748 IV., 296 V. Klaffe und 24 . . __ ... _ Nadelholzklötze. — Domänenwaldhüter Freiburg nachgewicsen werden kann, er- Ficig in Kavvel zeigt das Holz vor. R.341. Tauberbischofsheim. Einladung. I. S. der Gebrüder Müller in Königshofen gegen Franz Anton Schürer, Bäcker dort. I. Zur Publikation der Erlösverweisung ist Tagfahrt angcordnct auf: Donnerstag, 15. November 1888, Vormittags 8 Uhr, im Geschäftszimmer des Unterzeichneten Notars. II. Hierzu wird August Schürer aus Königshofen. z. Z. in Amerika unbekannt wo, mit dem Anfügen eingeladen , daß ihm in der Zwischenzeit die Einsicht der Verweisung gestattet ist und Einwendungen dagegen in der Tagfahrt, oder schriftlich vor derselben anher vorzubringen. sind, ansonst die Verweisung als von ihm genehmigt betrachtet und ausgefcrtigt wird. Tauberbischofshcnn, 22. Okt. 1888. Der Vollstrcckungsbeamte: A. Weindel, Notar. Zwanasversteigeruna. R.273.2. Rastatt. FK Liegenschafts Versteigerung. Donnerstag den 8. November1888, Nachmittags 3 Uhr, werden im hiesigen Rathhause dem Maurermeister Gustav Schneider in Rastatt die nachbeschriebcnen Liegenschaften infolge richterlicher Verfügung einer öffentlichen Versteigerung ausgesetzt und als Eigenthum endgiltig zugeschlagen, wenn wenigstens der Schätzungspreis erreicht wird, nämlich: Gemarkung Rastatt: 1. (L B. Nr. 629) 3 Ar 90 Meter Hausplatz und Hosraithc, Haus Nr. 74 in der Augustenvorstadt, cwerber, insbesondere geprüfte Werkmeister, wollen sich unter Anschluß ihrer ! Zeugnisse bis spätestens den 4. November d. I. dahier schriftlich an- ^ melden. Stockach, den 17. Oktober 1888. Großh. bad. Bezirksamt. _ Becker. Q.658. Nr. 206. Ep Pin gen. Bekanntmachung. Zur Fortführung der Vermeffungs- werke und der Lagerbüchcr nachfolgender ! Gemarkungen ist im Einverständniß mit den Gemeinderäthen der bethciligten Gemeinden Tagfahrt jeweils auf dem j Nachhause der betreffenden Gemeinde anberaumt, für die Gemarkung: Eppingen, Montag, 5. November, Vormittags 8 Uhr, Elsenz» Mittwoch, 7. November» Vormittags 9 Uhr, Schlüchtern, Freitag, 9. November, Vormittags 9 Uhr. Die Grundeiaenthümer werden hiervon mit dem Anfügen in KenntmK gesetzt, daß das Verzeichniß der seit der letzten Fortführung cingctretenen, dem Gemeindcrath bekannt gewordenen Veränderungen nn Grundeigenthum während 8 Tagen vor dem Fortsührungs» termin zur Einsicht der Becheiligten auf dem Rathhause aufliegt; etwaige Einwendungen gegen die m dem Verzeichniß vorgemerkten Aenderungen in dem Grundergenthum und deren Beurkundung im Lagerbuch sind dem Fortführungsbeamten in der Tagfahrt vorzutragen. Die Grundeigenthümcr werden gleichzeitig aufgcfordert, die seit der letzte» Fortführung in ihrem Grundcigenthum cingetretenen, aus dem Grundbuche nicht ersichtlichen Veränderungen dem Fortführungsbeamten in der bezeichnete» Tagfahrt anzumelden. Ueber die in der Form der Grundstücke eingetretenen Veränderungen sind die vorgcschriebcnen Handrisse und Meßurkunden vor der Tagfahrt bei dem Gemeinderath oder in der Tagfahrt bei dem Fortführungs- beamten abzugcben, widrigenfalls dieselben auf Kosten der Bethciligten von Amtswegen beschafft werden müßten. Eppingen, den 22. Oktober 1888. Der Bczirksgeometcr: ^ ^ Heck er. O.669. Wolf ach. Bekanntmachung. Mit höherer Ermächtigung wird zur Aufstellung des Lagerbuches der Gemarkung Schnellmgen Tafahrt auf Mittwoch de« 31. Oktober» von Vormittags S Uhr an, in das Rathszimmer zu Schnellingen anberaumt. Die Grundeigenthümcr dieser Gemarkung werden hievon in Kenntniß gesetzt und bezugnehmend auf Art. 7 der Landesherrlichen Verordnung vom 11. September 1883 aufgefordert, dir zu Gunsten ihrer Liegenschaften etwa bestehenden Grunddienstbarkeiten unter Anführung ihrer Rcchtsurkunden dem Unterzeichneten Lagerbuchsbeamten zum Eintrag in das Lagcrbuch anzumelden. Wolfach, den 22. Oktober 1888. Der Bezirksgeometer: Duffner. _ ikontursverjayre». Q-661. Nr. 21,464. Freiburg- Das Konkursverfahren über das Vermögen der Händlerin Karoline Heitz- mann Witwe von hier wird, da eine Konkursmasse nicht vorhanden ist, gemäß § 190 Konk.Ord. eingestellt. Freiburg, den 19. Oktober 1888. Der Gerichtsschreiber Gr. Amtsgerichts: _ Dirrler. (Mit einer Beilaae.) Druck und Verlag scr G. Brann'schen Hcfbuchdruckerei.