Kurlsrcher MtW. Donnerstag, L7. Dezember. Zoraus Expedition: Karl Friedrichs-Straße Nr. 14, woselbst auch die Anzeigen in Empfang genommen werden. , oOLD bezahlung: vierteljährlich 3 M. 50 Pf.; durch die Post im Gebiete der deutschen Postverwaltung, Briefträgergebühr eingerechnet, 3 M. 65 Pf. Einrückungsgebühr: die gespaltene Petitzeile oder deren Raum 18 Pfennige- Briefe und Gelder frei- Am 1. Januar beginnt ein neues Abonnement auf die „Karlsruher Zeitung". Wir gestatten uns, zu demselben olle Diejenigen ergebenst einzuiaden, denen daran gelegen ist, ein Blatt zu erhalten, welches vor Allem auf die strengste Zuverlässigkeit seiner Mittheilungeu und «uf eine sachliche Behandlung aller Tagessragen i>aS größte Gewicht legt. Wie bisher, so wird die „Karlsruher Zeitung" auch in Zukunft bestrebt sein, diese Zuverlässigkeit der Berichterstattung durch die sorgfältigste Auswahl in dem vorliegenden Material und durch Korrespondenzen gutunterrichteter Mitarbeiter zu wahren. Was die Raschheit der Berichterstattung betrifft, so glauben wir darauf Hinweisen zu dürfen, daß die telegraphischen Nachrichten der „Karlsruher Zeitung" seit einem Jahre eine Wesentliche Erweiterung durch Privatdepeschen von wohlinformirter Seite erfahren haben und daß seitdem die „Karlsruher Zeitung" den ausgedehntesten Depcschendienst unter allen badischen Blättern hat. Ueber alle Vorkommnisse* im Lande, die ein all- gemeineres Interesse in Anspruch nehmen, wird die „Karlsruher Zeitung" durch zahlreiche Korrespondenten gewissenhaft und rasch informirt. Die Vertheilung der letzteren ist eine solche, daß alle Landestheile gleichmäßig Berücksichtigung finden. Den landwirthschastlichen Angelegenheiten hat die „Karlsruher Zeitung" von jeher besondere Aufmerksamkeit zugewendet und wird dies auch in Zukunft thun. Die Pflege eines guten Feuilletons bildet für die „Karlsruher Zeitung" den Gegenstand besonderer Sorgfalt und kommt in der Wahl spannender Erzählungen und anregender Aufsätze zum Ausdruck. Das Bestreben der „Karlsruher Zeitung" in dieser Richtung geht namentlich dahin, eine gediegene und lautere Familienlektüre, unter Bevorzugung deutscher Schriftsteller, zu bieten. Es ist uns gelungen, den neuesten Roman Rudolf von Gottschalls „Die Tochter Rübezahls" für den Abdruck iu der „Karlsruher Zeitung" zu erwerben und wir werden mit dem letzteren zu Neujahr beginnen. Der Roman spielt in der schlesischen Heimath des rühmlich bekannten Verfassers, zur Zeit der Befreiungskriege und läßt auf historischem Hintergründe eine reichbewegte, in hohem Grade fesselnde Handlung sich abspielen. Der Abonnementspreis der „Karlsruher Zeitung" blerbt unverändert derselbe und beträgt für das Vierteljahr 3 Mark 50 Pfg., bei Bezug durch die Post im Gebiete der deutschen Postverwaltung einschließlich der Zustellungsgebühr 3 Mark 65 Pfg. Verzeichlttß der Agenturen der „Karlsruher Zeitung/' K. Fritz, Kaiserstraße 229 8. Merkte, Kaiserstraße 160. !l. Salzer, Kaiserstraße 140. MIH. Erb, Spitaistraße 32. F. Schmidt, Ritterstraße 4. K. Böll (Herlan) Kaiserstraße 100. C. Malzach es, Lammstr. 5. W. Pseifser, Kreuzstraße 10. iutschlerLPfanz, Belfortstr.7.! I, Vetter, Adlerstraße 6. Lüh Sämann, Sophienstr. 45. i Wilh. Doll, Spitalstraße 25. -- "chomann, Sophienstr. 66. ! H. Nothweiler, Kronenstc. 43. ..l-2ebensbedürfniß-Vereiii, iebensbedurfiiiß-Verein, So phienstr. 27. 1-. Bausback, Amalienstr. 53. Le b ensb cd iirfnitz-Verein, Karlsstraße 3. ^.Maisch, Waldstraße 57 d. s. Dörflinger, Waldstraße 54. Zähringerstraße 49. E. Salzer, Kaiserstraße 69. S. Gang, Kaiserstraße 43. G. Bronner, Wilhelmstraße 1. Lebensbedürsniß-Verein, ..... Schützenstraße 41. A. Herrmann, Waldstraße 5. l C. Bleß, Wilhelmstraße 34. Dir Expedition der „Karlsruher Zeitung". Amtlicher TheiL. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Sich unter dem 19. Dezember d. I. gnädigst bewogen gefunden, dem Geheimerath Professor Or. Bernhard von Windscheid in Leipzig den Stern zu dem innehabenden Kommandeurkreuz 2. Klasse mit Eichenlaub HöchstihreS Ordens vom Zähringer Löwen zu verleihen. Nichtamtlicher Theit. Karlsruhe, den 26. Dezember. Eine Meldung aus Paris bestätigt, daß Boulauger bei der voraussichtlich am 27. Januar stattfindenden Ersatzwahl im Seine-Departement als Bewerber auf- treten wird. Seine Freunde hatten stets versichert, daß er bei der ersten sich darbietenden Gelegenheit in diesem Departement, das für das Herz Frankreichs gilt, kan- didiren werde; der Tod des Abgeordneten Hude hat diese Gelegenheit herbeigeführt und Boulanger muß sie, um seine Freunde nicht zu desavouiren, benutzen, mögen auch im Augenblick die Verhältnisse für den Boulangismus nicht besonders günstig liegen. Die Aufstellung der Kandidatur Boulangers im Seine-Departement hat in diesem Momente die Bedeutung, daß Boulanger den ihm von Challemel-Lacour hingeworfenen Fehdehandschuh auf- nimmt. Indem Boulanger im Mittelpunkte des politischen Frankreichs, wo jeder Sieg oder jede Niederlage doppelt so schwer wiegt wie eine irgendwo an der Peripherie dieses politischen Kreises herbeigeführtes Wahler- gebniß, seine Kandidatur aufstellt, zeigt er, daß er zu einem Entscheidungskampfe bereit ist. Erhält er im Seine-Departement eine starke Stimmenzahl, die nicht zu weit hinter der republikanischen zurückbleibt, so wird dies das Ansehen und den Einfluß des Boulangismus in höherem Grade kräftigen als es sogar ein Sieg Boulangers im Nord oder in der unteren Charente vermag. In der Hand der Republikaner liegt es, Herrn Bon- langer diesen Triumph, der bei den offenkundigen Verbindungen des Generals mit den Orleanisten, wie sie eben erst bei der Wahl in den Ardennen zu Tage getreten sind, einen Triumph über die Republik darstellen würde, zu verschaffen oder ihn zu verhindern. Es kommt darauf an, ob die gemäßigten und die radikalen Republikaner sich zu einigen vermögen. Die eonosiitration republienivs, die sich im Großen trotz der unablässig unternommenen Versuche nicht verwirklichen lassen will, kommt bei einzelnen Wahlen ja leichter zu Stande. Von republikanischer Seite soll, wie man aus Paris schreibt, Herrn Boulanger der bekannte republikanische Politiker Vacquerie als Mitbewerber entgegengestellt werden und diese Kandidatur würde an und für sich keine unglückliche sein. Das englische Parlament hat seine außerordentliche Herbstsession gerade am Weihnachtsabend abgeschlossen und den Mitgliedern des Parlaments bleiben bis zum Beginn der neuen Tagung, der im Februar erfolgt, einige ! Wochen wohlverdienter Rast. Das Ministerium Salis- ! bury vermochte in der nun abgeschlossenen Tagung nicht ; alle seine Wünsche durchzusetzen, so mußte beispielsweise ! das Haftpflichtgesetz zurückgezogen werden; trotzdem darf Theater und Kunst. —k. Karlsruhe, 26. Dez. (Großh. Hoftheater.) Unsere Hofbühnc trachte am Freitag Abend in neuer Einstudirung Glucks bedeutendstes Meisterwerk, „Jphigenia auf Tauris" zur Aufführung. Mit diesem Musikdrama hat der Komponist bekanntlich vor hundert Jahren das siegreiche Wort in dem heiß lodernden Kampfe der herrschenden italienischen gegen die französische Oper, der Piccinistcn gegen die Gluckisten gesprochen. Die schon bei der Alceste kundgegebenen Absichten: »die Musik zu ihrer wahren Bestimmung zurückzuführcn, die darinnen besteht, die Poesie zu unterstützen und den Ausdruck der Leidenschaften, sowie das Interesse der Situationen mehr zu verstärken. ohne die Handlung zu unterbrechen und sic durch überflüssige Verzierungen zu schwächen", sind von dem Meister in keinem seiner Werke mit einer gleich ziclbewußten Konsequenz und genialen Kraft zur Thal gemacht worden, wie in der „Jphigenia aus Tauris". Die Eigenart, welche die Hauptwerke Glucks und zumal die beiden Iphigenien durch die wahrheitsvolle musikalische Verlebendigung antiker Stoffe auszcichnet, sichert ihnen neben den bedeutendsten modernen Musikdramen eine ungeschmälerte Bühnenwirksamkeit. Der echte, in der idealen Sphäre dramatischer Wahrheit seine ureigenste Heimath findende Geist Glucks begrüßt uns schon in der kurzen Ocstercinlcitung zur „Jphigenia auf Tauris". Dieselbe bildet nicht etwa ein für sich bestehender Musikstück, sondern führt uns mit ihrer Schilderung der friedlichen Meeresstille und deS Plötzlich auSbrechcnden Sturmes die Situation vor Augen und leitet direkt in die Handlung hinüber. Mil hinreißender Bestimmtheit und Lebendigkeit sind in dem Verlaufe des DramaS die Gegensätze hcrvorgehoben, mit genialer Unterscheidung ist die Tonsprachc dem eigensten Wesen der verschiedenen Charaktere angepaßt. Ihren Gipfelpunkt erlangt die „Jphigenia auf Tauris" im zweiten Akt. Die beiden gegensätzlichen Arien des Orestees und Pyladcs — die eine ganz erfüllt von der düsteren, erbarmungslosen Schicksalsidee, die andere erstrahlend in dem schönen Feuer warmen Freundschaftsgefühls —, das verzweiflungsvolle Recitativ des Orestes, die nachfolgende Arie mit dem „nagenden" Spiele der Bratsche, der finstere, gleichsam aus grauenhafter Tiefe emporsteigende Eumcnidenchor und das sich anschließende, aus tiefster Seele hervorqncllende Zwiegespräch — sind Geisteserzeugnisse, wie sie in einem Jahrhundert nur einmal geschaffen werden und Jahrhunderte überdauern. Die Aufführung der „Jphigenia auf Tauris" besaß in der That den Charakter einer Ncueinstudirung; sie bewegte sich nicht im alltäglichen Geleise, sondern fesselte durch Geist und Lebens- wärmc Die Unzulänglichkeit der gesangskünstlerischen Schule vieler heutigen Sänger und Sängerinnen für eine wahrhaft stilgerechte Wiedergabe Gluck'scher Partien darf als eine bekannte Thatsachc gelten- Das Bedauern hierüber ist um so lebhafter, wenn ausgesprochene dramatische Talente in dieser Richtung hinter den berechtigten Ansprüchen zurückblcibcn. Dies gilt von Fräulein Mailhac als Jphigenia- Die verständnisvolle, durchgeistigte und warmherzige Art, wie sie dem musikalischen Ausdrucke in jedem einzelnen Momente gerecht wird, verdient rückhaltlose Anerkennung. Leider besitzt jedoch ihre Tongebung zu wenig Bestimmtheit und Festigkeit, ihr Gcsangsvortrag zu wenig Ruhe und Ausgeglichenheit, um nicht die edle Plastik der Gluck'- schcn Tonsprachc zu schädigen und den Charakter der edlen Jungfrau und Priesterin in seinem hoheitsvollen Adel zu trüben. Als Orestes feierte Herr Hauser einen berechtigten Triumph. To», Wort und Geberde wirkten bei dem Künstler in durchdachter, beseelter Weise zusammen, das Charakterbild des Orestes in seiner die Regierung mit größerer Befriedigung als die Opposition auf den Verlauf dieser außerordentlichen Session zurückblicken. Auch außerhalb des Parlaments war die Opposition nicht erfolgreich und die beiden zuletzt vorgenommenen Ersatzwahlen zum Unterhause, in Maidstone und Colcester, enttäuschten die Hoffnungen der Gladstoneaner; bei der ersteren blieben die Konservativen, bei der letzteren die liberalen Unionisten siegreich und Glad- stone strengte sich für seinen Schützling in Colcester energisch an, indem er seine Abneigung dagegen, in London öffentlich zu sprechen, überwand und in Lime- house seine bekannte Agitationsrede hielt. Ja, es fehlte nicht viel, so hätten die Gladstoneaner ein Mandat zum Unterhause verloren, in Stockton am Tees, wo ein paar hundert Stimmen den Ausschlag gaben. Die letzten Wahlergebnisse sind daher für die Gladstoneaner, trotzdem diese über einen ausgezeichneten Agitationsmechanismus verfügen, wenig ermuthigend. Vom I. Januar ab können Postpackete ohne Werthangabe bis zum Gewicht von 3 Kg nach der Republik Salvador auch auf dem direkten Seewege über Hamburg abgesandt werden- Für diese Sendungen kommt ein ermäßigtes Porto von 3 M. zur Erhebung. Die für die Beförderung über die Landenge von Panama zu entrichtende Gebühr von 40 Pf. für je 500 gr wird stets vom Empfänger in Salvador cingezogen. An Zoll-Inhaltserklärungen sind auf dem Wege über Hamburg zwei erforderlich. _ Deutschland. * Berlin, 25. Dez. Die Kaiserlichen Majestäten nahmen am Sonntag Nachmittag im hiesigen königlichen Schlosse gemeinsam mit den Großherzoglich badischen Herrschaften das Diner ein und sahen am Abend den Polizeipräsidenten von Potsdam, Wolffgramm, bei sich zum Thee. Im Laufe des gestrigen Vormittages empfing Seine Majestät der Kaiser den Militärbevollmächtigten bei der Botschaft in St. Petersburg, Oberst- lientenant und Flügeladjutant v. Villaume, welcher kürzlich von St. Petersburg hier eintraf, und erledigte bis gegen 1 Uhr Nachmittags Regierungsangelegenheiten. Hierauf statteten beide Kaiserliche Majestäten mit den beiden ältesten Söhnen Ihrer Majestät der Kaiserin August« einen Besuch ab und kehrten gegen halb 2 Uhr ins Schloß zurück. Im Laufe des Nachmittags arbeitete der Kaiser längere Zeit allein und nahm Vorträge entgegen. Um 4 Uhr nahmen Allerhöchst die Kaiserlichen Majestäten mit den Personen ihrer nächsten Umgebung gemeinsam im Schlosse das Diner ein, um 5 Uhr fand bei Allerhöchstdenselben die Weihnachtsbescherung statt. — Zu unseren Nachrichten über den Aufenthalt Seiner Majestät des Kaiser» in Stettin tragen wir noch nach, daß der Kaiser bei dem Diner im Offizierskasino einen Trinkspruch ausbrachte, der nach der „Nordd. Mg. Ztg." folgenden Wortlaut hatte: Als wir im vorigen Herbst zusammen vor Seiner Majestät, Meinem verewigten Großvater, Kaiserrevue hatten, haben wir niemals gedacht, daß so bald sich die Zeit ändern könnte. Ich habe beschlossen, den Truppcntheilen, die Ich durch Allerhöchste Kabinetsordrc zu Lebzeiten Meines Herrn Großvaters geführt habe, die Fahncnbänder zum Andenken an die Zeit zu verleihen. Dieses Regiment gehört zu Meiner großen Freude auch dazu; eit dem Jahre 1869 gehören wir zusammen, und das letztcmal, ' wo wir zusammen Gelegenheit hatten, uns vor Seiner Majestät l vollen Eigenart auszuvrägcn. Mir feinster Unterscheidung, er ! greifender Ausdruckswahrheit wurde der Künstler namentlich in > dem gewaltigen zweiten Akte jeder charakteristischen Wendung, jedem Stimmungswechsel gerecht- Von den Vertreter» der übrigen Partien dürfte vor allem Herr Ro send erg besondere Erwähnung verdienen; derselbe sang insbesondere die Arie deS zweiten Aktes mit großer Weichheit und Wärme. Im allgemeinen dürste die Einschärfung einer deutlicheren Aussprache gerade bei einer Gluck'schcn Oper sehr angebracht sein. Die Chöre ließen hin und wieder zu wünschen übrig; auch könnte dem Feuer der Künstler der Schlaginstrumente eine kleine Abkühlung nichts schaden- —r. Auch das Theater hat seine Weihnachtsfreuden; um die jetzige Zeit werden die Gestalten des Volksmärchens, von dem goldschimmernden Königssohne oder der holdseligen Prinzessin bis zu den kleinen Wichtelmännchen herab auf der Bühne lebendig und die Wunder der Märchenwelt, der Zauber guter und böser Geister stellen sich unserem leiblichen Auge dar. Die Bühne ist dann nicht mehr nur das Spiegelbild unseres beschränkten Erdenlebens; in den Schoß der Erde, wo aus grauem Gesteine schimmernde Goldadern blitzen und langbärtige Zwerge kostbare Schätze hüten, in das Feuerrcich, das schon Jacques Offcnbach m zweiten Ak tc seines „Orpheus" als ein sehr amüsantes Lokal geschildert hat, und in das Sternenreich hinauf, wo hinter dem grauen Wolkenvorhang luftige Geister freundlich walten, führt der Märchcndramatikcr sein Publikum. Das ganze Heer der Wasser-, Feuer-, Erd- und Luftgeistcr darf er mobil machen - keine Unwahrscheinlichkeit dürfen griesgrämige Kritiker chm an- krciden, denn in dem Märchenreichc gibt es nichts Unwahrscheinliches, die drei Einheiten des Aristoteles existiren für ihn nicht; die Schwesterlichste des Theaters, Musik und Tanz sind ihm dem Kaiser zu reisen, war ein denkwürdiger Tag- Die Zeit hat sich geändert und der innige Zusammenhang, der rwischcn dem Regiment und Mir möglich war durch Meine damalige Charge, ist nun leider dahin; nicht so der innere Zusammenhang deS HerzenS. Zur Erinnerung an die Zeit habe Ich dem Regiment die Fahncnbändcr verliehen. Das Regiment ist das letzte ge' wesen, der letzte kruppentheil, den Ich mit dem Degen in der Hand Meinem Großvater vorgeführt hadc, das hiesige Corps ist das letzte gewesen, auf dem seine kriegserprobten Augen ruhten, und daß es sich der allerhöchsten vollkommensten Zufriedenheit er» freute, das wissen die Herren alle, die damals die Endkritik Seiner Majestät angebört haben. So möge denn nun diese Erinnerungsgabe Meinerseits ein neues Band sein, welches uns miteinander verknüpft. Möge es zu gleicher Zeit die Erinnerung sein für die damals im kameradschaftlichen Kreise verlebten Tage; möge es zu gleicher Zeit ein Sporn sein für Sie, den damals ausgesprochenen Worten Meines Großvaters entsprechend, sich zu vervollkommnen und weiter auszubilden; mögen wie alle stets vor Augen haben, daß, was auch kommen möge in Krieg und Frieden, wir unserer Pflicht stets genügen und nie vergessen mögen, daß die Augen, die damals unter uns auf unserer Arbeit weilten, von oben herab auf unser Thun nicderschaucn, ob wir so auch Weiterarbeiten. Daß das Regiment in diesem Sinne weiter leben und wirken wird, ist Meine feste Uebcrzeugung. So fordere Ich Sic denn auf, mir Mir auf das Wohl des Grcna- dierregiments König Friedrich Wilhelm IV. zu trinken, es lebe hoch! hoch! hoch! — Der Staatsminister Graf Herbert v. Bismarck hat sich nach Friedrichsruh begeben. — Der bekannte Afrikareisende Premierlieutenant Wiß mann hat sich zu seiner Familie nach dem Harz begeben, wo er bis Anfang Januar verweilen wird, um dann die Reise nach Ostafrika anzutreten. Stuttgart, 25. Dez. Die bezeichnendste Erscheinung bei der diesmaligen Wahlbewegung ist die Klärung und Scheidung zwischen den Anhängern der eigentlichen „Volkspartei" und den Vertretern der (gemäßigten parlamentarischen Fraktion der) „Linken". Hatte in dieser früher Herr Karl Mayer dominirt, so war im letzten Landtag die Führung, da die eigentlichen Häupter der Volkspartei kein Mandat errungen hatten, in den Händen des Abg. Probst (Vertreter des katholischen Theils der Fraktion) und der Abgg. Ebner-Ulm und Becher-Besigheim gewesen, früher Mitglieder der Volkspartei, seit Jahren aber aus derselben ausgetreten, weil mit ihrer antinationalen Haltung nicht einverstanden. Während nun bisher die Volkspartei diese Männer als in weiterem Sinn ihr zugehörig betrachtet und bei Schätzung ihrer Parteistärke sich zugezählt hatte, ist jetzt eine bemerkenswerthe Wandlung eingetreten. Der „Beobachter" nimmt gegen dieselben eine sehr säuerliche, in einzelnen Fällen geradezu feindselige, durchweg aber ironische Stellung ein. Die Deutsche Partei dagegen hat aus denselben Gründen, die den „Beobachter" zu dieser Haltung bewogen, ihrerseits diesen Männern ein solches Vertrauen entgegengebracht, daß sie dieselben bei den Wahlen entweder unterstützt oder doch wenigstens ihnen keinen eigenen Kandidaten gegenüberstellt. So hat die Deutsche Partei in Ulm den Abg. Ebner zur Wiederwahl empfohlen, in Besigheim, wo in der Person des Herrn Essich ein deutschparteilicher Gegenkandidat auf eigene Faust aufgetreten war, hat die Partei aus Sympathie für Herrn Becher diesen Kandidaten fallen lassen, in Gerabronn hat sie beschlossen, dem bisherigen Abg. Egelhaaf, gleichfalls der gemüßigten Richtung der Linken angehörig, keinen Gegner zu geben u. s. w. Wollte man dies an sich nicht für eine symptomatische Erscheinung halten, so spricht noch deutlicher der Vorgang im Bezirk Marbach, wo die Deutsche Partei sich des intelligentesten unter den bisherigen volksparteilichen Abgeordneten, Stockmayer, der aber in jüngster Zeit auch seine Beziehungen zur „Beobachterspartei" gelöst hat, diesmal auf's wärmste annimmt, während die Volkspartei selbst ihm in der Person des sozialistisch gefärbten Demokraten R. A. Schickler aus Stuttgart einen Gegner gegenüber stellen will. Ebenso bezeichnend ist ei» Vorgang im Bezirk Vaihingen, wo in den allerletzten Tagen der bisherige Abgeordnete Maurer, der das letzte Mal auf das Programm der Volkspartei gewählt worden war und ihr bis jetzt «nge- hörte, seinen Austritt aus der Partei erklärt hat, worauf alsbald eine Vereinigung von Männern liberaler Richtung, theils der Deutschen, theils früher der Volkspartei angehärig, znsammentrat und die Kandidatur Maurers ohne Gegner proklamirte. Alle diese Erscheinungen sind endlich um so bedeutsamer, als es bis jetzt in der Wahlbewegung von Seiten der sogenannten „unentwegten" Volksparteiler, sonst der eifrigsten Agitatoren, noch gänzlich stille ist. Man will es weder in Eßlingen Wort haben, daß der einstige Vertreter dieses Bezirks, Karl Mayer, wieder auftrete, noch in Tübingen, daß Payer sich bewerbe. Retter, der lange Jahre Heidenheim vertrat, hat den Versuch der Wiedereroberung dort aufgegeben und versucht eine zahme Kandidatur in Ell- wangen-Land. So ist es bis jetzt nur vr. Lipp, der in Heilbronn-Land kandidirt, und R. A. Haußmann für Balingen, die man als Kandidaten der „Volkspartei" bezeichnen kann. In Heilbronn-Stadt müssen sich die Verhältnisse erst noch klären; bis jetzt heißt es, der demokratische Bewerber Härle werde ohne Gegner bleiben. Dies wäre insofern auffallend, als Heilbronn Stadt seitdem durch ein Mitglied der Deutschen Partei vertreten war; allein in Heilbronn spitzt sich zur Zeit alles auf den Zwist mit dem Oberbürgermeister Hegelmaier zu und insofern hat allerdings derjenige Kandidat, dem man die entschiedenste Agitation für Abschaffung der Lebensläng- lichkeit der Ortsvorsteher zutraut, dort die meisten Aussichten. Oesterreich-Ungarn. Wien, 25. Dez. Im „Armeeverordnungsblatte" ist gestern das außerordentliche Avancement veröffentlicht worden, das infolge der von den Delegationen beschlossenen Vermehrung und Neuformirung der Armee eingetreten ist. Der ehemalige Minister Graf Julius An- drassy ist zum General der Kavallerie ernannt worden, Feldmarschalllieutenant Baron Teuchert und Generalstabschef Baron Beck wurden Feldzeugmeister. — Nach Berichten aus Pest wird die Feiertagspause in den Verhandlungen des ungarischen Reichstages seitens der ungarischen Regierung zur Entwickelung einer sehr regen Thätigkeit benützt. Die Angelegenheiten, denen die gegenwärtigen Arbeiten der einzelnen Ministerialressorts gelten, sind: die endgiltige Feststellung der Flußregulirung, die Arbeiterversicherung, die definitive Durchführung der Verstaatlichung der Eisenbahnen. Außerdem wird der Detailplan der im kommenden Jahre am Eisernen Thor in Angriff zu nehmenden Arbeiten fertiggestellt. — Eine Meldung der „Polit. Korresp." aus Sofia bestätigt, daß an Stelle von Natschowitsch und Stoiloff, welche ihre Entlassungsgesuche aufrecht erhielten, das Finanzportefeuille Iwan Sallbascheff, das der Justiz der Kammerpräsident Tontscheff übernommen haben. Um Stambuloff bei der Umbildung des Kabinets nicht zu beeinflussen, hat Prinz Ferdinand von Koburg drei Tage hindurch jeden Empfang politischer Persönlichkeiten abgelehnt. § Frankreich. Paris, 25. Dez. Boulanger hat eine Erklärung erlassen, nach welcher er bei der Ersatzwahl in Paris dem ministeriellen Kandidaten gegenüber als Gegenkandidat auflreten wird. Die republikanischen Blätter fordern alle Republikaner zur Vereinigung für die allein in Betracht kommende Kandidatur Vacquerie's auf, welcher die Kandidatur bereits im Prinzip angenommen habe. Großbritannien. London, 25. Dez. Ueber Stanley sind keine weiteren Nachrichten eingegangen. Winton stellt in einer Zuschrift an die Morgenblätter die vermittelnde Ansicht auf, Emin unterthänig und der Goethe-Freund mag beim Verlassen des Theaters denken, daß gewisse Verse des Theaterdirektors im Vorspiele zum „Faust" sich fast so lesen, als ob Meister Goethe mit seinem Scherdlick im Geiste das dramatisirtc Weihnachtsmärchen vorausgcsehen hätte. Aber es wäre sicherlich ein Jrrthum, zu glauben, daß es ein leichtes Ding sei, ein Märchendrama zu schreiben, weil der Autor von den größten dichterischen Licenzen Gebrauch machen kann. Ludwig Raupps Zaubermärchen „P r i n- zessin Goldhaar" gehört zu den besten unter den neueren Erzeugnissen dieser Art- Es weiß das Phantastische so gut mit dem Bedeutsamen, das Rührende mit dem Komischen zu verbinden und in einer Fülle bunter Scenen und lustiger Einfälle doch den sittlichen Grundgedanken der Märchenerzählung auch für das Kinderauge überall so deutlich hervortreten zu lassen, daß nicht nur die Schaulust, sondern auch das Gcmüth des kleinen Publikums volle Befriedigung findet. Wir finden es darum durchaus berechtigt, daß die Hoftheaterlcitung diesmal aus das vor zwei Jahren mit entschiedenem Erfolge aufgeführte Weihnachtsstück zurückgriff. Eigentliche schauspielerische Aufgaben stellt ein Weihnachtszaubermärchen dieser Art den Darstellern und Darstellerinnen natürlich nicht. Von einer psychologischen Entwicklung oder überhaupt von komplizirten Aufgaben ist selbstverständlich in den Rollen keine Rtde. Zudem kennen solche Stücke zumeist nur eine Hauptfigur, um die sich alles andere gruppirt, denn mit der Rücksicht auf das Fassungsvermögen LeS Kindcrvublikums verträgt sich eine Zersplitterung des Interesses nicht. In Raupps „Prinzessin Goldhaar" ist die Hauptfigur schon durch den Titel des Slückcs bezeichnet. Fräulein Engelhardt weiß durch die Einfachheit der Bewegungen und durch die Innigkeit des weichen, kindlichen Tones, den sie als Prinzessin Goldhaar anschlägt, diese Verkörperung opferfreudiger Kindesliebe und frommen Gottvertrauens sehr sympathisch zu gestalten. Die Darstellerin hat übrigens vor der früheren brünetten Vertreterin dieser Partei den Vortheil, daß sic sich eines der nothwendigsten Requisiten nicht vom Friseur zu verschreiben braucht. Herr Basscrmann spielte den Prinzen Udo, der eigentlich nur der Schatten Goldhaars ist; Fräulein Bruch als gute und Frau Kachel-Bender als böse Fee, HerrKürncr als Beherrscher des Feuer- und Herr Wassermann als Chef des Sternenreiches, Fräulein Berg (die recht natürlich und mit Wärme sprach) als freundliche Wassernixe machten ihren hohen Stellungen in der Geisteraristokratie alle Ehre; eine etwas größere Ausgabe fiel Herrn W. Beyer als des Ritters Knappe zu und der Darsteller entwickelte in dieser Rolle ein frisches, temperamentvolles, der komischen Momente nicht entbehrendes Spiel. Der Vorgänger des Herrn Beyer kehrte den Komiker zu stark hervor, während Herr Beyer die Rolle leichter, ungezwungener nahm und damit eine entschieden bessere Wirkung erzielte. Frau Harlacher erfreute als schmuck aussehender Ariel durch sehr ansprechende Gesangsvorträge. Auch Fräulein Boch als Winncfloß und Fräulein Wabel als alte Kräuter- suchcrin machten sich um die Aufführung verdient. Sehr hübsch waren die von Herrn Ballctmeister Bcauval arrangirten Tänze und Gruppirungen. Verschiedenes. Is Berlin, 24. Dez. (In der Dezembcrsitzung des Elektrotechnischen Vereins) hielt Herr A. d u Bois- Reymonü einen Vortrag „Ueber die Schwierigkeiten, welche der Arbeitsübertragung durch Wechselstrom im Wege stehen". Bekanntlich spaltet sich augenblicklich die elektrotechnische Welt m zwei Lager: die Vertreter des Wechselstroms und die Vertreter des Gleichstroms. Das direkte Vertheilungssystcm durch Gleichstrom, wie es beispielsweise hier in Berlin zur Anwendung kommt, bietet den Vorzug großer Betriebssicherheit und außer anderen Vortheilen auch die Möglichkeit der Verwendung von Kleinmotoren. Die Vertheidiger der Wcchselstromverthcilung heben dagegen hervor, daß ihre Symsteme eine günstigere Verzinsung des Anlagekapitals gestatten und die Möglichkeit gewähren, auf größere Entfernungen hin Licht zu liefern. Der Hauptmangel der Wechsclstromvertheilung besteht darin, daß es bis jetzt noch nicht gelungen ist, brauchbare Wechselstrommotoren zur Kraftübertragung herzustellen. Der Vortragende suchte auS theoretischen Gründen die Unmöglichkeit abzulcitcn, daß je Wechselstrommotoren gebaut werden würden, welche cs mit den Gleichstrommotoren würden aufnehmcn können. Pascha sei beim Herannahen der Mahdisten südwestwärts Stanley nachgefolgt, habe unterwegs Stanley, der vom Kongo zurückkehrte, angetroffen, worauf beide vereint nach dem Kongo abzogen; dagegen fei wahrscheinlich Casati, welchen Emin Pascha von Wadelai behufs Einziehung der nördlichen Besatzungen nach Lado und anderen Punkten abgesandt habe, von den Mahdisten abgefangen^worden. Rußland. St. Petersburg, 24. Dez. Dem „Daily Telegraph" zufolge hat die russische Regierung entschieden und amtlich erklärt, daß sie nie ernstlich daran gedacht habe, Rußland bei der Pariser Weltausstellung offiziell vertreten zu lassen. Man sei den Artikeln der Presse und sonstigen Bestrebungen wegen einer Betheiligung russischer Privaten an der Ausstellung nur deßhalb nicht entgegengetreten, weil man die Empfindlichkeit der Franzosen schonen wollte, ehe der Erfolg der neuen russischen Anleihe gesichert war. Die Blätter sollen ersucht worden sein, die Ausstellungsfrage in Zukunft ruhen zu lassen, sich jedes Rathes an Private wegen Theilnahme an der Ausstellung zu enthalten und überhaupt nichts zu thun, was zu einem Erfolge derselben beitragen könnte. — Im russischen Wegebau-Ministerium ist ein Bericht über die Ergebnisse der russischen Eisenbahnen im Jahre 1887 ausgearbeitet worben, aus dem der „Hamb. Korresp." Folgendes mittheilt: In finanzieller Beziehung gipfelt die Zusammenstellung in der Behauptung, daß die Reineinnahme 108,5 Millionen Rubel, das heißt 25 Mill. Rubel mehr als im Vorjahre betragen hat. Angaben über den Prozentsatz, nach welchem sich das Anlagekapital hiernach verzinst hat, fehlen in dem Bericht. Im Rechenschaftsbericht für 1886 tbeilte der Reichskontro- lcur mit. daß daS Anlagekapital für die russischen Eisenbahnen bis einschließlich 1886 betragen habe: 1439^ Millionen Metallrubel und 408 Mill. Kreditrubcl, also, die Mctallrubel zum Satze von 170 Kopeken Kredit umgerechnet, 2 855 200824 Rubel Kredit. Eine Reineinnahme von 108,5 Millionen würde einer Verzinsung dieses Kapitals zu 3,8 Proz. gleichkommcn. Dieser Prozentsatz ist aber ein zu hoher, da das Anlagekapital sich im Jahre 1887 erheblich vergrößert hat. Abgesehen von denjenigen Summen, die aus Mitteln des Kriegsministeriums für den Bau von Bahnen aufgewcndet wurden, hat das russische Reich im Jahre 1887 für Eiscnbahnbauten 45 Mill. Rubel verausgabt. Nach dem vorliegenden Bericht des Wegebau-Ministeriums betrug die Gesammt- längc aller russischen Bahnen Ende 1887: Werst 25246. Im Jahre 1886 soll nach dem nämlichen Bericht die Gesammtlänge 24 508 Werst betragen haben. Es wären also im Jahre 1887 zusammen 738 Werst neu angelegt worden. Die Länge der in obigen Ziffern mit Angegriffenen Staatseisenbahnen soll von Werst 3 410 im Jahre 1886 auf Werst 4 491 im Jahre 1887 gestiegen sein und mithin um 1801 Werst zugenommen haben. Die Nichtübereinstimmung dieser Ziffer mit der Zahl, welche die Zunahme aller Bahnen ausdrückt, läßt sich vielleicht durch den Umstand erklären, daß im Laufe des Jahres 1887 Privateisenbahnen in Staatsverwaltung übergegangen find. Der Reichskontroleur gibt übrigens den Bestand aller Bahnen pro 1886 auf 24 216 Werst (nicht 24 »08) und den Bestand der Staatsbahn auf 3198 Werst (nicht 3410) an Einen etwas klaren Einblick in die finanzielle Sachlage gewinnt man durch folgende Berechnung, welche Ziffern aus dem Bericht des Reichskontröleurs Pro 1886 (die Ziffern pro 1887 fehlen noch) zu Grunde gelegt sind- Aus dem Betrieb der Eisenbahnen war pro 1886 eine Einnahme garantirt von 65 021831,81 Metallrubel und 20 244 292,17 Krcditrubcln. Nicht garantirte Zinsen und Amortisationsbcträgc waren im nämlichen Jahre aufzubringcn in Höbe von 1973 253,84 Mctallrubel. Rechnet man den Mctallrubel zu 170 Kopeken, so waren im Ganzen 134,1 Millionen Kreditrubcl für Zinsen und Amortisation aufzubringcn. Da die Nettoeinnahmen im Jahre 1887 nur 108,5 Millionen Rubel betrug, so würde für den Fall, daß im Jahre 1887 an Zinsen und Amortisation eben so viel als im Jahre 1886 zu zahlen gewesen wäre, das Eisenbahndefizit 25,6 Millionen Rubel betragen haben. In Wahrheit ist das Defizit größer gewesen, da der zu leistende Betrag an Zinsen und Amortisation erheblich größer im Jahre 1887 als im Jahre 1886 war. Um ihren Verpflichtungen in Betreff der Zinsen und Amortisationen gerecht zu werden, hätten die Staatsbahnen im Jahre 1886 netto 13 Millionen bringen müssen. Obschon sich diese Anforderungen schon mit Rücksicht auf die erhebliche Ausdehnung hes Staatsbahnbctricbs pro 1887 wesentlich erhöht haben müssen, haben die Staatsbahncn im Jahre 1887 einen Reinertrag von nur 5(', Millionen geliefert. Rumänien. Bukarest, 25. Dez. Die Kammer beschloß, die Vorlage zur Eröffnung eines Kredits von 26 Millionen, welcher der Zurückziehung der Hypothekenbillets der Nationalbank dienen soll, in Erwägung zu ziehen. Serbien. Belgrad, 25. Dez. Der radikale Klub wählte aus jedem Bezirke zwei Delegirte, welche über die Annahme des Verfassungsentwurfs berathen sollen. Eine Mittheilung der „Polit. Korresp." aus Belgrad tritt den auswärts verbreiteten beunruhigenden Gerüchten mit der Versicherung entgegen, daß im ganzen Lande die vollste Ruhe und Ordnung herrsche. Die Annahme des Verfassungsentwurfs scheine jetzt schon gesichert, die Eröffnung der Skupschtina solle aber erst dann erfolgen, wenn die Enblocannahme des Verfassungsentwurfs ganz zweifellos sei. Das loyale Verhalten der Führer der Radikalen lasse eine günstige Lösung der noch schwebenden Fragen in kürzester Frist erwarten. Zeitungsstimmen. Nunmehr ist auch das Einführungsgesetz zum bürgerliche« Gesetzbnche der Ocffentlichkeit übergeben worden (bei I. Gutten- tag—D. Collin in Berlin in amtlicher Ausgabe erschienen). Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" begleitet die Veröffentlichung mit der folgenden informircndcn Besprechung: Das Gesetz „regelt in 129 Artikeln, in denen zunächst allgemeine Vorschriften gegeben werden, das Verhältniß des bürgerlichen Gesetzbuchs zu den Reichsgesetzen, ferner zu den Landcsgcsetzen, und gibt schließlich ausführliche Uebcrgangsvorschriften. Wir wollen in Nachstehendem eine kurze Uebersicht des Gesetzentwurfes geben, aus welcher sich der mit dem Inkrafttreten des bürgerlichen Gesetzbuches entstehende Rechtszustand in allgemeinen Umrissen ergeben wird. Soweit in dem Gesetzbuch oder in dem Einführungsgesetz die Regelung den Landesgesetzcn Vorbehalten oder bestimmt ist, daß die Landesgesetze unberührt bleiben oder daß landesgesetzliche Vorschriften erlassen werden können, ist selbstverständlich die Landesgesetzgebung in ihrer Bewegung nicht ge- ^ hemmt. Dagegen kann ein neben dem bürgerlichen Gesetzbuche in Kraft bleibendes Reichsgcsetz nur reichsgesctzlich aufgeboben werden. Sehr wichtig erscheint das Verhältnis des bürgerlichen Gesetzbuches zu den Rcichsgesetzen. Dieselben bleiben grundsätzlich in Kraft und treten nur insoweit außer Kraft, als ihre Aufhebung sich aus dem Gesetzbuche ergibt. Man hat es vermieden' eine Aufzählung aller aufgehobenen Bestimmungen der Reichs. > gesetze vorzunehmen, weil dieselben zu zahlreich sind und weil die j Möglichkeit der Unvollständigkeit eine zu große gewesen wäre. ^ Somit ist es im Wesentlichen Sache der Auslegung, die Bestim- ! mung im einzelnen Falle zur Anwendung zu bringen. Das ^ Einführungsgcsetz entscheidet übrigens selbst eine größere Zahl ! von Zwcifelsfällen ausdrücklich und erleichtert dadurch die oben bczcichnctc Aufgabe wesentlich, und man darf unserer Rechtsprechung das Zutrauen schenken, daß sie das Verhältniß des bürgerlichen Gesetzbuches zu den Rcichsgesetzen dem Sinne des Gesetzgebers gemäß in der Praxis feststellen wird. Es ist natür- lich, daß die Civilprozeßordnung am meisten durch das bürgerliche Gesetzbuch in Mitleidenschaft gezogen wird. Das Einführungs- gesetz führt alle Paragraphen der Civilprozeßordnung auf, welche durch das bürgerliche Gesetzbuch abgcändcrt oder ergänzt werden. Es sind deren nicht weniger als 80 theils verändert, theils neu hinzugefügt worden. In dieser Hinsicht ist also völlige Klarheit geschaffen worden. Desgleichen wird die Konkursordnung durch das bürgerliche Gesetzbuch berührt; auch hier hat der Gesetzgeber selbst die sich nothwendig machenden Abänderungen rc. festgestellt. Auch das Strafgesetzbuch wird in Mitleidenschaft gezogen. L>o ist der 8 55, welcher die Straflosigkeit von Kindern unter 12 Jahren feststellt, dahin erweitert worden, daß gegen solche Kinder nach Maßgabe der landesgesetzlichen Vorschriften die zur Besse- rung und Beaufsichtigung geeigneten Maßregeln nach Maßgabe der Landesgesetzgebung getroffen werden können. Die Unterbringung in einer Familie, Erzichungs- oder Besserungsanstalt kann jedoch nur erfolgen, wenn durch Beschluß des Vormundschaftsgerichts die Begehung der Handlung festgcstcllt und die Unterbringung für zulässig erklärt, ist. Die anderen Abänderungen sind mehr formeller Naturi Desgleichen sind die Ergänzungen der Gewerbeordnung wenig einschneidend. Während das Gesetz betreffend die vertragsmäßigen Zinsen vom 14. November 1867 mit Rücksicht auf die Zinsvorschriften des bürgerlichen Gesetzbuches ausdrücklich aufgehoben wird, erwähnen die Motive noch besonders, daß das Wuchergesctz bestehen bleibt. Auf dasselbe ist übrigens auch im bürgerlichen Gesetzbuch besonders Bezug genommen. Als ein privatrechtliche Normen enthaltendes Reichsgesetz charakterisirt sich das Gesetz betreffend die Verbindlichkeit zum Schadenersatz für die bei dem Betriebe von Eisenbahnen, Bergwerken rc. herbeigeführten Tödtungen und Körperverletzungen vom 7. Juni 1871, das sogenannte Haftpflichtgesetz. Das Einführungsgesetz hat verschiedene Abänderungen vorgcnommen, um die Vorschriften des bürgerlichen Gesetzbuches mit demselben in Einklang zu bringen. Das Gesetz über die Beurkundung des Personenstandes und die Eheschließung hat mehrere Abänderungen erlitten, um das Eberecht des bürgerlichen Gesetzbuches auch in diesem die formelle Anordnung desselben regelnden Gesetze durchzuführen. Diese sich etwa ergebenden Streitfragen hat das Einführungsgesctz also ausdrücklich entschieden. Die noch verbleibenden Fragen über die fernere Geltung von Reichsgesetzen neben dem bürgerlichen Gesetzbuch sind von der Wissenschaft zu beantworten. Es ist noch zu erwähnen, daß die durch das bürgerliche Gesetzbuch nöthig werdenden Abänderungen der Wechselordnung und des Handelsgesetzbuches, sowie verschiedener, mit diesen in Zusammenhang stehender Reichsgesetzc nach Beschlüssen des Bundesraths einer besonderen Revision Vorbehalten sind. Aus diesem Grunde erklärt es sich' daß das Einführungsgcsetz hinsichtlich derselben schweigt." Die „Deutsche Volks wirthschaftliche Korrespondenz" äußert: „Alle Parteien, die ihr Interesse an dem Windthorst'schen Antrag an den Tag gelegt haben — und nur die berufsmäßigen Kolonialnörgler, mit Herrn Ur. Bam- berger an der Spitze, verhielten sich kalt und passiv — haben die internationale Grundlage dieses Antrages hervorgchoben, so die Herren Woermann, v. Helldorff und v. Kardorff. Allein jeden warmfühlenden Patrioten hat es mit Genugthuung erfüllt, daß eben diese Redner begeistert für die Ehre des deutschen Namens, für die Wiederherstellung der deutschen Autorität in Ostafrika eingetreten sind, daß sie — auch das Zentrum kann das nicht mit scheelen Augen ansehen — den „internationalen" Standpunkt ein wenig verlassen und sich kräftig auf den Standpunkt der „nationalen" Kolonialpolitik gestellt haben. Nimmt man alles in allem, so ist wohl kein Zweifel, daß jene Erwartung in Erfüllung geben wird, welcher Staatssekretär Graf v. Bismarck am Schluffe seiner Rede Ausdruck verlieh, der Erwartung, daß nach einigen Wochen der Reichstag eine Vorlage der Regierung mit möglichst allseitig«! Zustimmung annehmen wird, „die Nutzen bringe» und der deutschen Regierung und dem deutschen Reichstage einen Ehrennamen für alle Zeiten sichern wird". GroMerzogthum Baden. Karlsruhe, den 26. Dezember. *(Das „Verordnungsblatt des Großh. Oberschulraths") Nr. 16 enthält Landesherrliche Entschließungen; Bekanntmachungen des Großh. Oberschulraths betr. das Mitführen von Kindern beim Gewerbebetrieb im Umherzichen, die Rcallehrerprüfung für das Jahr 1888, die Besetzung der Hausvaterstelle an der Zwangserziehungsanstalt zu Flehingen und die Empfehlung von Lehrmitteln, sowie Dienstnachrichten und Dienst- crledigungen. — Der diesjährigen Rcallehrerprüfung haben sich unterzogen und sind nach Maßgabe der Verordnung Großh. Ministeriums der Justiz, des Kultus und Unterrichts vom 20. Mai 1881, die Prüfung und Anstellung der Rcallehrer betr-, zur Ertheilung von höherem Unterricht an Realmittelschulen für- befähigt erklärt worden: 1- Sprachliche Abtheilung. Ernst Bischofs von Kiesclbronn, Hugo Heß von Bestenheid, Andreas Höchst von Unterbalbach, Julius Lederle von Neckargcmünd, Konrad Pferrer von Daxlandcn ; 2. Mathematisch - naturwissenschaftliche Abtheilung: Ludwig Bcrthold Pfeiffcnber- ger von Mudau, Jakob Ziegler von Steinbach. I (Postalisches.) Beim Herannahen des Jahreswechsels ist wiederum darauf aufmerksam zu machen, wie cs sich dringend empfiehlt, den Einkauf der Freimarken für Neujahrsbriefe nicht bis zum 31. Dezember zu verschieben, sondern schon früher zu bewirken, damit zur Zeit des Nenjahrsverkehrs un» nöthige Erschwernisse in der Abfertigung des Publikums an den Vsstschaltern vermieden werden. Ebenso ist es im eigenen Jn- reffe des Publikums in hohem Grade wünschenswerth, daß dr; Neujahrsbriefe früh zeitig zur Absendung gelangen und daß auch auf Briefen nach Mittelstädten die Wohnung des Empfängers angegeben werde. lü (Für die evangelischen Volksschulkinder) war am letzten Sonntag in der evangelischen Stadtkirche eine Weihnachtsfeier veranstaltet worden, die unter der Leitung des Herrn Professor Albrecht Thoma einen recht erhebenden schönen Verlauf nahm. Der großen Kinderzahl wegen mußte die Feier in zwei Abtheilungen abgehalten werden, die erste nach 11 Uhr Vormittags für die Schüler und Schülerinnen der einfachen Bürger-, Vor- und Töchterschule, die zweite am Nachmittag für jene der erweiterten Volksschule. Außer den Kindern nahmen auch Erwachsene in großer Zahl an dem Gottesdienste Theil, der als Anfang von nunmehr regelmäßig abzuhaltenden Sonntags-Kindcrgottcsdiensten zu betrachten ist. An Sonntag Nachmittagen sollen, vom kommenden Sonntag beginnend, für die Kinder paffende Gottesdienste gehalten werden, die dem Verständnis der Kleinen entsprechen und so ihnen den Kirchcn- besuch anregender gestalten, als es bisher oft der Fall war, da dieselben insbesondere meist nur auf die schlechteren Plätze gewiesen waren. Die am Sonntag stattgehabtc Weihnachtsfeier, bei der im Vordergründe ein großer Weihnachtsbaum in Lichtern erstrahlte, hat damit einen schönen Anfang gemacht und auch die nach Beendigung der Feier an die Kinder vertheilten beiden Weih- nachtsgcschichten von A. Thoma in Verbindung mit der „Kinder- Weihnachtsfcicr für Schule, Kirche und Haus in Stadt und Dorf", wie sie vom gleichen Verfasser zusammengestcllt wurde» wrrden sicher nicht verfehlen, das kindliche Gemüth zu erheben und zur richtigen Fcstesstimmung vorzubereitcn. * (Vicefeldwebel), die sich zur Wahl als Reserve- oder Landwehroffizicrc stellen wollten, brauchten bisher nur eine einmalige achtwöchige Uebung bei ihrem Regimcnte abzuleisten. Nach einer jetzt ergangenen Verordnung kann kein Vicefeldwebel sich zur Wahl als Reserve- oder Landwehrlieutenant mehr stellen, der nicht wenigstens zwei achtwöchige militärische Ucbungen ausgeführt hat. Die Einstellung als Reserve- oder Landwchroffizier wird demnach künftig» da man in einem Jahre nicht zweimal zur Uebung cingezogcn wird, um ein Jahr später erreicht werden, als früher. - Heidelberg, 24. Dez. (Bürgerausschuß. — Weihnachtszeit.) In seiner Sitzung vom vorigen Freitag genehmigte der Bürgerausschuß, wie nickt zweifelhaft war, die Zusammenlegung der drei hiesigen Oriskrankenkafsen zu einer einzigen. Ferner genehmigte er formell für Schlachthausbauzwecke und zur Uebernahme des Abfuhrwesens eine Kapitalaufnahme von etwa 190 000 M. Die materielle Bewilligung war schon früher erthcilt worden. Die für Schlachthausbauzwccke bewilligten 45 000 M. repräsentiren nur einen Theil der Gesammt- summe für den geplanten Neubau. Die Hauptforderung in diesem Betreff wird erst im nächsten Frühjahr vor den Bürgerausschuß kommen. Ein Plan für den Neubau ist durch Hrn. Architekt Lender und Herrn Mctzgermeister Geiser nahezu fertiggestcllt. — In der Zeit kurz vor Weihnachten pflegt das Publikum auf Anerbietungen von Kunstgenüssen nur schwach einzugehen. So fand Herr Rezitator Fried kürzlich hier kaum zwei Dutzend Zuhörer und im Theater blieben bei der Vorstellung von „Ein Glas Wasser" die Logen leer, obgleich die Direktion einen Gast mit bestem Rufe, Herrn Schauspieler Schönfeld aus Frankfurt, aufgeboten hatte. Alle Welt hat mit den Weihnachten zu thuu. Das Weihnachtsgeschäft scheint nicht übel zu floriren, auch thun die Kaufleutc alles, um das Publikum anzulocken. Die Dekoration der Schaufenster, die in Berlin schon zu einer Art von Spezialkunst geworden ist, entwickelt sich auch hier mehr und mehr. An manchen Läden kommt selbst der Gleichmüthigste schwer vorbei, ohne einen längeren Blick hineinzunerfcn. G Offenburg, 24. Dez. (Konzerte. — Gefälschtes Geld. — Tabakgcschäft) Die beiden im Laufe der letzten Woche veranstalteten Konzerte unter Leitung des Musikdirektors Herrn A. Pfeiffer, des Männcrgesangvcreins Konkordia und des Cäcilienvereins, leiteten die hiesigen Wintervergnügungcn würdig ein. Bei letzterem kam zunächst eine Tondichtung zum Vorträge, welche der schwer erkrankte Tondichter C. Jscnmann dem Cäcilienvereins Offenburg gewidmet hatte: „Gebet aus Len Wassern", Gedicht von Strachwitz, für gemischten Chor mit Begleitung des Pianoforte; erfreut wurden wir sodann durch ein mit bekannter Meisterschaft vorgetragenes Spiel des Herrn Direktors Pfeiffer und des Fräulein Dillinger auf dem Pianoforte; den Schluß bildete eine Symphoniekantatc von gewaltiger Wirkung: „Lobgesang nach Worten der heiligen Schrift" für Soli und Chor von Felix Mendelssohn-Bartholdy. — In den Dörfern Neumühl und Legclshurst sind nach einer amtlichen Bekanntmachung des Bezirksamtes Kehl in der letzten Zeit falsche preußische Thalcrstücke mit der Jahreszahl 1859 und falsche bayerische Thalcrstückc mit der Jahreszahl 1860 zur Verausgabung gelangt. — Uebereinstimmend mit den Gemeinden des Bezirkes Lahr haben auch sämmtliche Gemeinden des Bezirkes Offenburg beschlossen, daß künftig ein sogenanntes Gutgewicht beim Tabak- wicgcn nicht mehr gewährt, sondern vielmehr auf Bezahlung des vollen Gewichtes bestanden werden soll. n. Vom Kaiserstuhl, 24. Dez-- (Ein seltenes F est) begingen am gestrigen Tage die Eheleute Weber Jakob Gerber in Bahlingen, welchen es vergönnt war, in noch voller Rüstigkeit die diamantene Hochzeit zu feiern. In Anwesenheit einer zahlreichen Festgemeinde, darunter Söhne, Töchter, Enkel und Urenkel des Jubelpaares, wurde die kirchliche Feier durch Herrn Pfarrer Hermann vollzogen, worauf sich die Fcsttheilnehmer von der Kirche in den Rathbaussaal verfügten, wo im Auftrag des Herrn Amtsvorstandcs Herr Bürgermeister Schmidt den Jubilaren das ihnen von Sr. Königl-Hoheit dem Großhcrzog zugedachtc Gnadengeschenk im Betrage von 60 M überreichte; auch von der Gemeinde wurde ein Geldgeschenk gegeben. Ein Hoch auf den allgcliebten Landeshcrrn schloß die schöne Feier- Am Abend wurde dem Jubelpaare vom Gesangverein des Ortes ein wohlgelungencs Ständchen dargebracht. Vom vodensee, 24. Dez. (Umsätze in Cerealien. — Masernepidcmie.) Der vorwöchentliche Verkehr auf unfern Getreideschranncn war außergewöhnlich lebhaft, und de» beträchtlichen Zufuhren entsprechend fanden namhafte Umsätze in allen Fruchtgattungen statt. In Hilzingen verkaufte man 412 Doppelzentner Weizen zum Msttelpreis von 19 M. 70 Pf. per 100 Kilo, sowie 367 Dzkr. Gerste (mittlerer Preis 14 M.). JnPfullendorf belief sich der Umsatz in Korn auf 510 Doppelzentner (höchster Preis 23 Mark). in Weizen auf 57 Doppelzentner (Mittelpreis 18 M. 22 Pf.), i» Gerste auf 226 Doppelzentner (Preis 13 M. 42 Pf.) und endlich in Hafer auf 442 Dztr. (Preis 12 M. 78 Pf.). — Am Schluffe des letzten Quartals d. I. sind die Masern in einigen Orten des Amtsbezirks Stockach epidemisch ausgetreten und in der Gemeinde Nenzingen bereits 6 Kinder (im 1.-12. Lebensjahre) dieser Krankheit zum Opfer gefallen, was eine im Verhältnisse zur Zahl der Erkrankungen ziemlich hohe Ziffer von Todesfällen rc- präsentirt. Als Todesursache wurden zumeist Komplikationen angegeben, nämlich Lungenentzündung, Croup und akute Miliartuberkulose. Letztere pflegt der Regel nach einen raschen, stürmischen Verlauf zu nehmen. Neueste Telegramme. Pari-, 26. Dez. Ein Telegramm der Polizei in Mar- tigny (Schweiz) meldet ohne weitere Angaben den Tod des flüchtig gewordenen Pariser Börsenmaklers Bex. St. Petersburg, 26. Dez. Aus Teheran wird gemeldet: Ein Haufen wüthende Perser verbrannte unlängst auf der Bahnstrecke zwischen Teheran und Schah-Azim einen Passagirzug, in dem sich hauptsächlich Frauen und Kinder befanden. Die Ursache war die Tödtung eines Persers, der durch den Bahnzug überfahren wurde. Die Wuth des Volkes war so groß, daß eine allgemeine Empörung befürchtet wurde. Die persische Regierung zahlte dem Vertreter der belgischen Gesellschaft für die verbrannten Waggons die Summe von 100 000 Francs. Verantwortlicher Redakteur: Wilhelm Harder in Karlsruhe. Aufruf zur Gründung eines Lehrerinnen-Heims. Die Lage so mancher Lehrerin, die treu ihrem schweren und aufreibenden Berufe lange Jahre oblag und dann stellenlos und gealtert oder erholungsbedürftig häufig nicht weiß, wo und wie sie mit ihren kleinen Mitteln Kraft und Gesundheit wieder gewinnen soll, hat in vielen Lehrerinnen Badens den Wunsch rege gemacht, durch eine That der Selbsthilfe sowohl, wie der werk- thätigen Beihilfe Anderer Rath zu schaffen. Die Lehrerinnen Badens haben sich daher zum Zweck der Errichtung eines Lehrerinnen-Hcims, in welchem erholungsbedürftige, kranke und arbeitsunfähige Lehrerinnen Aufenthalt und Verpflegung finden, zusammcngcschloffen und den „Verein badischer Lehrerinnen" gegründet. Ihre Kaiserliche Hoheit die Frau Prinzessin Wilhelm von Baden bat gnädigst geruht, das Protektorat über den Verein zu übernehmen. Die Statuten sind am 29. Juni l. I. von der ersten Generalversammlung genehmigt worben. Die Mittel, welche dem Verein aus den Beiträgen der ordentlichen und außerordentlichen Mitglieder zufließen, find nicht genügend zur Erreichung des Zweckes. Der Verein wendet sich daher an alle Freunde der Sache, an alle edeldenkenden Menschen, die ein warmes Herz haben für die selbstlose Arbeit der Lehrerin, mit der herzlichen Bitte, als außerordentliche Mitglieder selbstbestimmte Beiträge zu leisten oder durch einmalige Gaben zur Förderung des Unternehmens bcizutragen. Möge unsere gute Sache viele Freunde finden! Wir sind überzeugt, daß wir uns namentlich nicht vergeblich an bas Herz der Eltern wenden, deren Kinder der treuen Arbeit der Lehrerinnen so viel Gutes verdanken. Karlsruhe, im Dezember 1888. Der Vorstand: I.UU v. V2, L ll n a 1.. a. ^ Die Unterzeichneten unterstützen den Aufruf auf's wärmste un erklären sich bereit, Beiträge in Empfang zu nehmen: Albert, Geistlicher Lehrer am Gymnasium; vc.Battlehner Geheimer Rath; Benz. Dekan; Berber ich. Divisions Pfarrer: Brückner, Stadtpfarrer; De. Doll, Prälat Eisenlobr, Geheimer Rath und General-Direktor; Frai Finanzminister Ellstätter; Fingado, Militäroberpfarrcr Frau Oberst v. Froben; Hclbing, Hofprediger; Frai Direktor Ho ns el l; vr. v. Ia g em ann, Ministerialrath De. Iolly, Präsident der Oberrcchnungskammer; vr. Iust Hofrath: Kamm,Oberlandesgerichtsrath; A.Kaufmann Bankdircktor; vanberKors, Bankdirektor; Kahser! Pfarrer: Längin. Stadtpfarrcr; Le Pique, Zolldirektor lir Lählcin, Direktor der Höheren Mädchenschule; Frar Geheime Rath Nokk; vr. Oeser, Direktor des Leh rerinnenseminars; v- Pr een. Geheimer Rcgicrungsrath vr. Schellenberg, Geheimer Kirchenrath; Schnetzle, Bürgermeister; Schmidt, Stadtpfarrer; Vr. Schwarz Stadtrabbiner; v. Tel den eck (Mühlburg); Specht Elor; v. Stoesscr, Geheimer Rath; Frau Geheim Rath Tenn er; Willi ard, Baurath; Frau Präsiden Winnefeld; Ziktel, Dekan. Ferner sind bereit Beiträge anzunehmcn: A. Biclefeld's Hol buchhandlung (Liebermann L Cie.), G. Braun'schc Hofbuchhanii sung. Buchhandlung, Müller L Gräff's Buchhanb lung (Zahringer- u. Seminarstraße). CH. Ulrici's Buchhandlung sowie die Expedition des Blattes. " GroMzerzogliches Hosthraker. Mittwoch, 26. Dez. 9. Vorst, außer Ab.: „Undine", r.man- tische Zauberopcr in 4 Aufzügen. Nach Fouqus's Erzählung frei bearbeitet. Musik von Albert Lortzing. Anfang 6 Uhr. Donnerstag, 27. Dez. 143. Ab.-Vorst.: „Czar «nd Zimmermann", komische Oper in 8 Aufzügen. Musik von Albert Lortzing. Anfang '/»7 Uhr. Samstag, 29. Dez. 144. Abonnement-Vorstellung: „Prinzessin Goldhaar", Zaubermärchen mit Gesang und Tanz, in fünf Bildern und einem Vorspiel, von Ludwig Raupp. Musik von Gustav v. Rößler. Anfang 6 Uhr. — Bei dieser Vorstellung ist es gestattet, daß eine erwachsene Person mit einem Kinde — oder zwei Kinder einen Platz benützen. — Vormerkungen auf diese Vorstellung nimmt die Hoftheatervcrwaltung entgegen- Erfolg Annoncen zweckmäßig abgefaßt und typographisch angemessen ausgestattet sind, ferner die durch Aunoucell wird. Um dies zu erreichen, wende man sich an die Annoncen-Expedition Nuäoll »irre, Frankfurt a-M. (Vertreter in Karlsruhe: vurtsv feoome. Mühlburger Allee 31); von dieser Firma werden die zur Erzielung eines Erfolges erforderlichen Auskünfte kostenfrei erthcilt, sowie Jnseralen-Entwürfc zur Ansicht geliefert. Berechnet werden lediglich die Original-Zeilcnpreise der Zeitungen unter Bewilligung höchster Rabatte bei größeren Aufträgen, so daß durch Benutzung dieses Institutes neben den sonstigen großen Vortheilen eine Ersparviß an Jnsertionskosten erreicht wird. Todesanzeige. Haltingen. Schmerz- rrfüllt theilen wir mit, daß unser theurer Bruder und Schwager Max Beck am Morgen des 22. Dezember in Santander im 33. Lebensjahre ver> schieden ist. Er erlag nach wenig Tagen einem Typhusanfall. Haltingen, 23. Dezbr. 1888. Im Namen der trauernden Familie: Beck._ Mrim-HaiMelmdb in Mlälsäsr, ^ llald unck Aann g Aslasolit. In 8süL8e8l.sßer. ^ ÜLsclie Ltb's^llserliAUllz. llsiulscliiili. ^rskli-tiirtslt, 8 OsKI, Lrirlsvulis, ^ 4t Orossd. Lo5Us1'.:rLQt. 116 Laissrstr. ^ V Ä ^ wit 2 lluöpken. ksar N. 2.— R 8 ^ainasetitzii 8 ^ in T'ueb u. Prieotstosi. ^ ^ 8o86n1r'äA6r ß oj aller Systeme. R844.10^ (Arlsoliisolis Mvlns. ü.624.51. Vorrügliebe 2LL2" ü.LiLvksil" vsms. 1 Kiste mit 12 grossen klssvden in 12 8orten IS Mark I. V. M«i»L«r, 8velcargvmünlj. NM Ses LLl. llklöliü. MöseMliM. Frankfurter Bratwürste, per Dutzend M. 1,30, Wiener Würstchen, per Dutzend M. —,72, a prima Qualität, versendet gegen Nachnahme i.712.4. L. ILrippet«. Karlsruhe, Waldstraße 47. eliloltzer iflist / L^nlweroei schoellr Fährte», gute Berpslegung. billigste Preiie. AuSbmit erthelleu von äoe Vevko L ISarsIlzk, Antverpon t»h. kelstonbsegse, blarievstr. 17 I.. PH. Vrvosol, 78 LLkrinxersti. V. kutokunot, ^kaäewiostrasso IS Seono Xossmann, Zirkel 24 8. llonraö, 8t.tzjll8tig.sso 2 Karl voetkolil, ^älerstrasse 19 ködert Kogelill lLarleenke-ttüdldueg Ditz Lais. Lass. Sssanäbsoliakt deülläet sied liier AIoItIi« 8 tr« 88 « LL ullä ist geöllnet rin v on Vltri- 8»n» r»»»ck R«1«r»»e« zr«nel»l«88«i». R 918 » Dw Imitation M vermeiäon, verlange man ausärüelrlicb: LVüssvIÄorL^r ^u»L8«I»8^roi»V E sodann ^6.am R-osäsr, Nofli«f«r»nt 8r. hiss. ll»s König» von s'rsussen R.328.4. 8LALM0-L«lLKILLXI868L ?L6LL7rEI-L67ILri - W8LI.I.8c!Mr^. virsot« Uerrtselrs vosUtLiup kseviü'Lliit n UsmKuNg llgtzir UvNssZfO«lK zsUeii >lti»o»» uuct Lo»»t»», ollUsV « v nmL DI V N» ^ oI» Ir Zsäsir ln»»»isg, ouTtvIRin nod DIvAUZfonIr »Ns 1. r»xs, on Hsmdueg u ilVestinriien !202s.l.IL6dl 4 mal, oHsmkung n a d Dflexivo woi>»iIIoN 1 mul. vis rost-vLMpkckIStz ,, lisissjrsle^sniieit »ovoM Nie 0»jüt,- vis r«l»v>>ooilsi»e«. XLders ^aslrunkt ertdeilt UIr!»»i» 8«I»mit1, LnrlsriRki«»; S. Immer, i « 8elriv»evmuinr, Lei»!; ovie äesseu ^«ent Ned. l8tr«I»m»I«i7, L»i»I«r«I»e, llerrenstrasse 8. _ K.633.26. K.I33.117. Karlsruhe. 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Amtsgerichts: Tröndle. BermügenSabsonderungeu. S.345. Nr. 9592. Freiburg. Die Ehefrau des Gehrlfcn Adolf Mangler, Agatha, gcb. Albrecht in Ebnet, hat gegen ihren Ehemann Klage aus Vermögensabsonderung bei der I. Civil- kammcr des Großh. Landgerichts Freiburg erhoben und ist der Termin zur Verhandlung dieser Klage auf: Dienstag den 5. Februar 1889, Vormittags 8'/- Uhr, bestimmt. Freiburg, den 22. Dezember 1888 Der Gerichtsschreibcr des Großh. bad. Landgerichts: Werrlein. S.339. Nr. 5909. Walds Hut. Die Ehefrau des Landwirths Franz Taver Berger in Waldshut, Theresia, . .. . . _ geb. Hilpert, bat durch Rechtsanwalt Fell- bewäbrte Kraft beigetriebcn. Kosten! meth in Waldshut gegen ihren Eheentstehen nicht. Offerte an IV. 235! ' mann von da Klage auf Vermögensab- B er lin Postamt 37. _S.179.3 sonderung erhoben , zu deren Berhand- gebrauchten Briefmarken kauft, lung vor Großh.Landgericht Waldshut, Alle R.82S.3. fortwährend, Prospekt gratis, G. Zechmeyer, Nürnberg. Civilkammer I, Termin aut Donnerstag den 14. Februar 1889, Vormittags 9 Uhr, anberaumt ist, was zur Kenntnißnahme der Gläubiger öffentlich bekannt gemacht wird. Waldshut, den 22. Dezember 1888. Gerichtsschreiberei Großh. Landgerichts. Merkel. Bürgerliche Rechtspflege. Ocffentliche Zustellung: S.318.2. Nr. 18,861. Mannheim.! Der Gemeinderath Christian Back zu! Feudenheim, vertreten durch Rechtsanwalt Bass ermann, klagt gegen den Rath- Verbeiständung, schreibergehülfen Nicolaus Reinhardt! S.312. Nr. 18,709. Lörrach. Durch von da, zur Zeit an unbekannten Orten diesseitige Verfügung vom 10. v. M., ^ abwesend, wegen Forderung mit dem! Nr. 16,801, wurde dem Korbmacher! FEung von 450 Mark Johann Brunner von Thumringen! nebst 50 /» Zinsen vom Klagzustcllungs- wegen Geistesschwäche verboten, ohne tage an, und ladet den Beklagten zu^ Bciwirkung des ihm als Beistand er- mündlrchen Verhandlung des Rechts- nannten Altbürgermeisters Joh. Jakob streits vor die III Civilkammer des Greiner von dort für die Zukunft Großh. Landgerichts zu Mannheim auf Vergleiche zu schließen. Anlehen aufzu- Dienstag, den 19. Februar 1889, ! nehmen, angrcifliche Kapitalien zu er- Gesnchtk^Z« S.346.1. I» einer Wcinhandlung wird ein junger Mann zum sofortigen Eintritt gesucht für Reise und Comptoirarbeiten zu besorgen. Offerten zu richten 8. U postlag. Freiburg i/B. re- 81 arLm Käthe Stern Linie 1U»i^ vel,. Poftdampfer von Vormittags 9 Uhr, mit der Aufforderung, einen bei dem gedachten Gerichte zugelassenen Anwalt zu bestellen. Zum Zwecke der öffentlichen Zustellung wird dieser Auszug der Klage ^ bekannt gemacht. ! Mannheim, den 20. Dezbr. 1888. > heben, darüber Empfangsscheine zu geben, Güter zu veräußern, zu verpfänden und hierüber zu rechten. Lörrach, den 14. Dezember 1888. Großh. bad. Amtsgericht. Dufner. Erbvorladuugeu. R.922.1. Breisach. Wilhelm -^Er, lMößner von Jhringcn ist am Nach- Gerichtsschrnber des Gr. Landgerichts, laß der Barbara, gcborne Hccklingcr, Koulursverfshren. Witwe des Webers Georg Hecklinger S.347. Waldshut. lieber das Ver- in Jhringen, kraft Gesetzes miterbbe- mögen des Kunibert Morath, Land- rechtigt. Derselbe ist vermißt und wird wirth von Wutöschingen, wurde heute zu den Theilungsverhandlungcn und zur Nachmittag 4 Uhr das Konkursver- - Empfangnahme der Erbschaft mit Frist fahren eröffnet. von Waisenrichter Th. Bornhauser hier drei Monaten wurde zum Konkursverwalter ernannt, und dem Bedeuten geladen, daß er nicht Konkursfordcrungcn sind bis zum berücksichtigt wird, wenn er in der an- 21. Januar 1889 bei dem Gerichte anzumelden. Es wurde zur Beschlußfassung über die Wahl eines anderen Verwalters, sowie über die Bestellung eines Gläu- digcrausschusses und eintretenden Falls über die in 8 120 der Konkursordnung bezcichneten Gegenstände, ferner zur Prüfung auf Samstag den 2. Februar 1889, Vormittags S Uhr, vor Gr. Amtsgericht Waldshut Termin anberaumt. Allen Personen, welche eine zur Konkursmasse gehörige Sache in Besitz gegebenen Zeit sich nicht meldet. Breisach, den 19. Dezember 1888. Großh. Notar Kury. R.921. Baden. Die zu Göggingen geborne, unbekannt wo sich aufhaltende Maria Theresia Schmitt, Tochter des , . . . . Jakob Schmitt und der Theresia, geb. der angemcldctcn Forderungen Hirschmann, ist betbeiligt am Nachlaß der zu Baden-Baden verstorbenen Matthäus Hofmann Witwe, Veronika, gcb. Schmitt zu Baden. Die Genannte oder deren Rechtsnachfolger werde» andurch wit dem Bedeuten zu den zu pflegenden Nochlaßverbandlungen vorgeladcn, daß wenn sie haben oder zur Konkursmasse etwas sich nicht binnen schuldig sind, wird aufgegebcn, nichts an! 3Monaten den Gcmeinschuldner zu verabfolgen hierher melden, die Verlafsenschaft «der zu leisten, auch die Verpflichtung Denen zugctheilt wird, welchen sie zu- käme, wenn die Vorgeladenen den Erbanfall nicht erlebt hätten. Baden, den 21. Dezember 1888. Der Großh. Notar: Ehehalt. Strafrechtspflege. Ladungen. R.924.1. Nr. 53,826. Heidelberg. 1. Der am 20. September 1866 zu Handschuchsbeim geborene, zuletzt daselbst wohnhafte ledige Bierbrauer Friedrich Reinhard und 2. der am 4. September 1863 zu Handschuchsbeim geborene, zuletzt daselbst wohnhafte ledige Landwirth Johann Heinrich Filsinger, werden beschuldigt, zu Nr. 2 als beurlaubter Reservist ohne Erlaubniß ausgewandert zu sein, zu Nr. 1 als Ersatzreservist erster Klaffe ausgewandert zu sein, ohne von der bevorstehenden Auswanderung der Militärbehörde Anzeige erstattet zu haben. Uebcrtretung gegen i 360 Nr. 3 dcS Strafgesetzbuches. Dieselben werden auf Anordnung des Großh. Amtsgericht» hierselbst auf Montag, den 18. Februar 1889, Vormittags 9 Uhr, vor das Großh. Schöffengericht Heidelberg hur Hauptverhandlung geladen. Bei unentschuldigtem Ausbleiben werden dieselben auf Grund der nach 8 472 der Strafprozeßordnung von dem Kgl. Bezirks-Kommando zu Heidelberg ausgestellten Erklärungen verurtheiltwerden. Heidelberg, den 22. Dezember 1888. Fabian, Gerichtsschreiber des Gr. Amtsgerichts. R925.1. Nr. 17,903. Baden. Der am 7. Dezember 1859 in Rinklingen geborene, zuletzt hier wohnhafte Bäcker Jakob Sch lehr wird beschuldigt, als Ersatzrcservist erster Klasse ausgewandert zu sein, ohne von der bevorstehenden Auswanderung der Militärbehörde Anzeige erstattet zu haben. Uebertrctung gegen 8 360 Nr. 3 des Strafgesetzbuches. Derselbe wird auf Anordnung des Großh. Amtsgerichts hierselbst auf Dienstag, den 5. Februar 1889, Vormittags 9 Uhr, vor das Großh. Schöffengericht Baden (im Rathhaus) zur Hauptvcrhandlung geladen. Bei unentschuldigtem Ausbleiben wird derselbe auf Grund der nach 8 472 der Strafprozeßordnung von dem Königl. Landwehr - Bezirks - Kommando zu Rastatt ausgestellten Erklärung ver- urtheilt werden. Baden, den 21. Dezember 1888. Lutz, Gerichksschreiber des Gr. Amtsgerichts. R.890.2. Nr. 13,931. Durlach. 1 . Landwirth Josef Fabry, geb. am 26. Avril 1862 zu Jöhlingcn, zuletzt wohnhaft daselbst, 2. Blechner Friedrich Laubscher, geb. am 3. März 1861 zu Weingarten, zuletzt wohnhaft daselbst, 3. Schreiner Jakob Kratt, geb. am 6s März 1853 zu Königsbach, zuletzt wohnhaft daselbst, 4. Taglöhner Michael Geißert, geb. am 6. Januar 1858 zu Bellheim, zuletzt wohnhaft in Durlach, werden beschuldigt, und zwar: 1. Fabrh und Laubscher, daß sie als beurlaubte Reservisten ohne Er- laubniß ausgewandcrt sind, 2. Kratt, daß er als Wehrmann der Landwehr ohne Erlaubniß ausgewandcrt ist, 3. Geistert, daß er als Ersatzrcservist ausgewandert ist. ohne von der bevorstehenden Auswanderung der Militärbehörde Anzeige erstattet zu haben. Uebertretung des 8 360^ R.St.G.B. Dieselben werden auf Anordnung des Gr. Amtsgerichts hierselbst auf Montag» den 4. Februar 1889, Vormittags 9 Uhr, vor das Gr. Schöffengericht Durlach zur Hauptverhandlung geladen. Bei unentschuldigtem Ausbleiben werden dieselben auf Grund der nach 8 472 St.P.O. von dem Bezirkskom- mando zu Karlsruhe unterm 23./26. November und 11. Dezember 1888 ausgestellten Erklärungen verurtheilt werden. Durlach, den 15. Dezember 1888. Gerichtsschreiberei Gr. Amtsgerichts. Frank- Vorladung. R.904. J.Nr. 2231. Rastatt. Wider den Musketier des 1. Rheinischen Infanterie-Regiments Nr. 25 Anton Küster von St. Amarin, Kreis Thann, ist der förmliche Desertionsprozcß im KontumacialVersahren cröffnetworden. Derselbe wird hiermit aufgefordcrt, sich innerhalb 3 Monaten, spätestens aber in dem auf Samstag, den 4. Mai 1888, Vormittags 10 Uhr, im hiesigen Kommandanturgerichtslokal (Militärarrcstbaus) anbcraumten Termin zu gestellen, widrigenfalls er nach Abschluß der Untersuchung in comu- maoi-rm für fahnenflüchtig erklärt und in eine Geldstrafe von 150—3000 M. verurtheilt werden wird. Rastatt, den 19. Dezember 1888. Königliches Kommandantur-Gericht. Bern». Bekanntmachungen. Holzversteigerung. R.909.1. Nr. 408. Aus Gr. Hardtwald werden versteigert: Montag, de« 7. Januar, aus verschiedenen Abtheilnngen: 79 Stämme Eichen II., III., IV. K(„ 10 „ Forlen und 1 Rothbuche, 5 Ster eichenes Scheit- und Prügelholz und 430 Ster eichenes Stockholz. Dienstag, den 8. Januar, Abth. Heckcrechtsuhl, Schöneichen, Jagen und Hasenzipfcl: 315 Stämme Eichen I., II., III., IV. Kl., 6 Fichten, 6 Pappeln und 10 Buchen. Donnerstag, den LU. Januar, > Abth. Heckcrechtsuhl, Schöncichen, Jagen und Hasenzipfel: 26 Ster eichenes Scheitholz II.,III. Kl., 120 „ buchenes Prügelholz, ,879 „ eichenes Stockholz» 2875 Stück buchene Wellen und 8 Loos Schlagraum. Freitag, den II. Januar, Abth. Forlacker und Knäulstock: 332 Ster dürres forlenes Prügelholz. Die Zusammenkunft ist am 7. früh halb 11 Uhr am Leopoldshafener Parkthor ; am 8. und 10 früh halb 10 Uhr auf der Fricdrichsthalcr Allee am Blankenloch—Leopoldshafcncr Weg; um 11. früh 11 Uhr auf der Grabener Allee am Linkendeimer—Friedrickstbalcr Weg. Karlsruhe, den 14. Dezember 1888. Groß. Hofforst- und Jagdamt Fricdrichsthal. von Mcrhart. ! R.905.1. Karlsruhe. Holzversteigerung aus Gr. Hardtwald in mehreren Ab- > theilungen: Freitag den 4. Januar k. I. 113 Eichen, 52 Forlen, Nutzholzstämme I.. II.» III. Klaffe. , Samstag den 5. Januar k. I. 40 Eichen, 102 Forlen, 4 Tannen, , Nutzholzstämme I., II., III. Kl., ' 6 Ster eichen Scheit- I., 105 Ster III. Klaffe. 400 Ster eichen Stockholz. > Zusammenkunft am 1. Tag am Hirsch- ! thor dahier, am 2. Tag auf der Fric- drichsthaler Allee am Hagsfeld-Eggensteiner Weg, jedesmal früh 9 Uhr. Karlsruhe, den 20. Dezember 1888. Großh. Hofforst- u. Jagdamt. R.933. Karlsruhe. Großh. Bad. Staats- Eisenbahnen. Mit Bezug auf die diesseitige Bekanntmachung vom 13. d. M. wird weiter mitgethcilt, daß die für Cigar- rcntransporte ab Brissago nach Südamerika bezüglich der Strecke Gor- dola (Gotthardbahn) — Basel Bad. Bahnhof transit auf dem Rückvergütungswege zugestandenc Ausnahmetaxe von Frs. 32.46 per Tonne auch dann gewährt wird, wenn die Sendungen über einen holländischen Seehafen zur Verschiffung gelangen. Karlsruhe, den 24. Dezember 1888. ^ General-Direktion . _ R.932. Karlsruhe. Großh. Bad. Staats- Eisenbahnen. Zum Tarif für den Mährisch - Böh- misch-Mannheim-Ludwigshafencr Güterverkehr ist mit Giltigkeit vom 1. Januar 1889 ein Nachtrag III erschienen, welche, Frachtsätze zu verschiedenen Äus- nahmetarifen enthält. Exemplare des Nachtrags sind unentgeltlich zu beziehen. Karlsruhe, den 24. Dezember 1883. General-Direktion. RPML?" Karlsruhe. Großh. Bad. Staats- Eisenbahnen. Wir bedürfen für die nachstehenden Magazine: Mannheim Heidelberg Lauda Karlsruhe Offcnburg Freiburg Basel Waldshut Konstanz Villingen ferner für Heidelberg 30 und für Konstanz 120 Ster buchen Scheiterholz. Die Lieferung dieser Materialien soll im Submissionsweg vergeben werden und sind Angebote schriftlich, verschlossen und mit der Aufschrift „Brennmaterial" versehen bis längstens Donnerstag de« 3. Januar k. I., Vormittags 10 Uhr, bei uns cinzureichen. Die Lieferungsbedingungen werden auf portofreie Anfrage von uns abgegeben. Karlsruhe, den 19. Dezember 1888. Gr- Hauptverwaltung der Eisenbahn- magazine. R.934. Nr. 3390. Konstanz. Aushilfe. Bei Großh. Steuereinnchmerei hier fällt eine Geschäftsaushilfe voraussichtlich für einige Wochen nöthig, wofür eine Tagcsgebühr von 2 Mk. 50 Pfg,. (bei Finanzgehilfcn) bezw. 3 Mk. (bei Militäranwärtern) ausgcworfen ist. Bewerber wollen sich sofort bei uns melden. Konstanz, den 24. Dezember 1888. Großh. Hauptsteueramt. Schwörer. . --—-—-- Holzkohlen Tannenholz 250 Ster 130 ebm 250 „ 60 500 .. 910 900 „ 130 200 „ 60 300 „ 60 200 — „ 150 .. 90 300 „ 60 250 .. Druck und Verlag der G- Braun scheu HLfbnchdruckerei-