4 Karlsruher Zeit»» ^ 287 . Dienstag, 18. Oktober. Expedition: Karl-Friedrichs-Straße Nr. 14 (Telephonanschluß Nr. 154), woselbst auch die Anzeigen in Empfang genommen werden. Vorausbezahlung: vierteljährlich 3 M. 50 Ps.; durch die Post im Gebiete der deutschen Postverwaltung, Briefträgergebühr eingerechnet, 3 M. 85 Ps. Einrückungsgebühr: die gespaltene Petslzeile oder deren Raum 20 Pfennige. Briefe und Gelder frei. 18 S 2 . Nichtamtlicher Thril. Karlsruhe, den 17. Oktober. Eine Depesche aus Koustantmopcl berichtet, daß die Antwort der Pforte auf die letzte russische Note gestern abgesandt worden sei. Ihren Inhalt kennt man einst- weilen noch nicht, doch verlautet, daß sie in versöhnlichem Sinne gehalten sei, und diese Annahme erscheint aus allgemeinen politischen Gründen sehr glaublich. Daß die Pforte ihr Verhalten zu Bulgarien ändern werde, dürfte man in Petersburg kaum annehmen; sie wird aber wohl jn ihrer Antwort die Meinung, daß dieses Verhalten mit dem Rechtsstandpunkte unvereinbar sei, zu zerstreuen gesucht haben. Uebrigens ist daran zu erinnern, daß. wie Graf Kalnoky im Ausschüsse der ungarischen Delegation für die auswärtigen Angelegenheiten ausführte, von einer eigentlichen Note Rußlands nicht die Rede sein kann; der österreichisch-ungarische Minister hob hervor, es handele sich nicht um eine offizielle Note, sondern um eine vsn der russischen Regierung an ihren Vertreter gerichtete und der Pforte mitgetheilte Depesche. Das sei allerdings eine geringfügig scheinende Nuance; allein cs begründe doch einen gewissen Unterschied, da dies eine vertrauliche Form der Mittheilung zwischen zwei Negierungen sei. Die Gerüchte vsn einem angeblich bevorstehenden neuen diplomatischen Schritt Rußlands in Konstantinopel, der insbesondere die russische Forderung nach der Zahlung der rückständigen Kriegskosten betreffen sollte, haben keine Bestätigung erhalten. Der russische Vertreter hat nur, wie erinnerlich, an die Mittheilung der erhaltenen Petersburger Depesche eine mündliche Mahnung hinsichtlich des Kriegskostenrückstandes geknüpft und darauf von türkischer Seite die Versicherung erhalten, daß die Pforte sich die Abtragung der Schuld angelegen sein lasse. Eine weitere diplomatische Aktion in der Angelegenheit hat, so »iel bekannt, nicht stattgefunden. Ob man in Petersburg den bulgarischen Zwischenfall mit der gestern von der Pforte abgesandten Antwort für geschlossen erachtet, muß natürlich abgewartet werden; indessen ist man in der Presse nicht geneigt, dem Vorgänge eine aktuelle politische Bedeutung von größerer Tragweite beizumessen. Deutschland. * Berlin, 16. Okt. Seine Majestät der Kaiser empfing gestern im Marmorpalais den deutschen Botschafter am russischen Hofe, General v. Schweinitz, und zeichnete denselben auch durch eine Einladung zur Mittagstafel aus. Der Botschafter kehrte Abends auf seinen Posten nach Petersburg zurück. Die Gerüchte von einem angeblich beabsichtigten Rücktritt des Generals v. Schweinitz sind bald wieder verstummt; eine thatsächliche Veranlassung für sie soll überhaupt nicht bestanden haben. Uebermorgen, am Dienstag, wird Seine Majestät der Kaiser im Lustgarten dem Infanterieregiment v. Goeben (2. Rheinisches) Nr. 28 eine neue Fahne verleihen. Die Uebersiedelung der Majestäten vom Marmorpalais nach dem Neuen Palais dürfte am 20. d. M. erfolgen. Wie lange Zeit die Majestäten alsdann im Neuen Palais zu rcsidiren gedenken, darüber verlautet bis zur Stunde noch nichts Näheres. Dem Vernehmen nach ist der Finanzminister Miguel erkrankt und hütet das Bett. — Wie die „Kreuz-Ztg." berichtet, hat Seine Majestät der Kaiser dem Wirklichen Oberkonsistorialrath, Generalsuperintendenten und Propst 0. Brückner auf seinen Antrag Sie Entlassung aus den von ihm bisher innegehabten Aemtern als geistlicher Vicepräsident des Evangelischen Oberkirchenraths und als Generalsuperintendent von Berlin, unter Verleihung des Königlichen Kronen- Ordens 1. Klasse, ertheilt und gleichzeitig den Oberkonsistorialrath und Propst v. Frhrn. v. d. Goltz zum geistlichen Vicepräsidenten der gedachten Behörde unter Verleihung des Charakters als Wirklicher Oberkonsistorialrath mit dem Range der Räthe 1. Klasse ernannt. — Die Berufung des Reichstags auf den 22. November soll, wie die „Bert. Polit. Nachr." berichten, bereits feststehen. Die „B. P. N." heben dies hervor, nachdem sich ein hiesiges Börsenblatt in allerlei sensationellen Andeutungen über die Militärvorlage und die Stellung des Reichskanzlers ergangen hatte, welche in der Voraussage gipfelten, die Militärvorlage werde „in der Versenkung verschwinden", die Berufung des Reichstags zu einem viel späteren Termine, als bisher angenommen war, werde diese Enthüllungen erhärten. Diesen Andeutungen gegenüber führen die „B. P. N." den oben angegebenen Tag als Termin der .Reichstagseröffnung an und bezeichnen es als „gewiß", daß dem Reichstag alsbald bei seinem Zusammentritt mit dem Etat auch die Militärvorlage zugehen wird. Was andere Vorlagen an den Reichstag betrifft, so versichert der „Hann. Cour.", es sei beschlossene Sache, das Arbeitspensum des Reichstags neben dem Militärgesetz und dem Etat möglichst knapp zu halten. Es fänden gegenwärtig Erwägungen darüber statt, wie viele verschiedene Gesetzentwürfe, über welche der Bundesrath sich bereits schlüssig gemacht habe, dem Reichstage unterbreitet werden sollen. Beschlüsse seien aber noch Vorbehalten und cs sei daher auch noch nicht zu sagen. ob die Auswahl gerade das Auswanderungsgesetz und den Entwurf über die Einheitszeit treffen möchte. Es bestehe aber allerdings die Absicht, solchen Gegenständen den Vorzug zu geben, bei denen am wenigsten Schwierigkeiten uns besonderer Zeitverlust zu besorgen ist. Bald nach dem Wiederbeginn seiner Sitzungen wird der Reichstag sich mit einigen handelspolitischen Vorlagen zu beschäftigen haben, deren Erledigung vor dem 1. Dezember eine Nothwendigkeit ist. Es sind vorzugsweise die Abmachungen mit Spanien und Rumänien, die nur eine provisorische Giltigkeit, eben bis zu .dem genannten Termin haben. Ferner ist eine neue Regelung der ebenfalls bis zum 1. Dezember reichenden Vollmacht des Bundesraths erforderlich, die ermäßigten Zollsätze der neuen Handelsverträge auch solchen Staaten zu gewähren, die einen Anspruch auf Meistbegünstigung nicht besitzen, lieber einen neuen Handelsvertrag mir Rumänien hört die „N. A. Z.", daß zur Zeit vorbe- ! reitende Besprechungen zwischen dem rumänischen Ge- ! sandten Ghika und den zuständigen deutschen Personen ^ stattfinden. Die eigentlichen Verhandlungen werden erst > Ende des Monats in Berlin eröffnet werden, wobei s einige technische Hilfsarbeiter aus Bukarest Herrn Ghika ' zur Seite stehen sollen. j — Die Kommission für das Bürgerliche Gesetzbuch l hat am 10. Oktober ihre Berathungen wieder aufge- : nommen. Sie erledigte die Bestimmungen über die Leib» s rente und über das Schuldversprechen und das Schuld- ^ anerkenntniß und strich den Titel über den Verpfändungs- ! betrag. i Oesterreich-Ungarn. ^ Wien, 16. Okt. Gestern hielten der Budgetausschuß ^ der österreichischen Delegation und der Hecresausschuß i der ungarischen Delegation Sitzungen ab. Der Bud- ! getausschuß der österreichischen Delegation ge- ! nehmigte mit allen gegen eine Stimme den Bericht über ^ die Ausgaben für das Ministerium des Auswärtigen. Jn dem Bericht werden die bekannten Erklärungeil des ^ Grafen Kalnoky ihrem Inhalte nach wiedergegeben und : konstatirt, daß die Stimme des böhmischen Delegirten i (des Jungczechen Eim) ganz vereinsamt geblieben und ! von den Vertretern der zwei großen Parteien des Reichs- ^ rathes auf das Entschiedenste zurückgewiesen worden sei. ! Der Minister habe mit Berechtigung darauf Hinweisen ^ können, daß die Motive, welche den erwähnten Delegir- i ten geleitet hätten, mehr lokaler Natur gewesen seien. ! Es sei auch zweifelhaft, ob die Auffassung des Abgeord- j neten die Auffassung des böhmischen Volkes sei. Der > Bericht schließt: „Die Erklärungen des Ministers, welcher ! die guten Beziehungen zu allen Staaten betonen konnte, j haben den Ausschuß in hohem Grade befriedigt und i waren geeignet, das Vertrauen, mit welchem die Dele- ' gationen die Leitung der auswärtigen Angelegenheiten i begleiten, neuerdings zu befestigen und zu kräftigen. Der ! Ausschuß hat angesichts des wenn auch vereinzelten Angriffs, welchem die besonnene und umsichtige Politik des , Ministers hier begegnete — jene Politik, welche, gestützt ^ aus unsere eigene Stärke und die Machtstellung der Mo- : narchie, im Bunde mit treuen, die gleichen friedlichen Ziele verfolgenden Verbündeten den Frieden zu erhalten uno zu befestigen mit Erfolg bestrebt ist —, seinem Ver- ! trauen mit allen gegen eine Stimme Ausdruck verliehen, f Der Heeresausschuß der ungarischen Delegation l nahm das Extraordinarium des Heeresbudgets und die ersten sieben Artikel des Ordinariums an. Im Laufe . der Debatte erklärte sich der Krietzsminister bereit, im s Sinne der Beschlüsse, die der letzte Kongreß der Vereine vom Rothen Kreuz gefaßt hat, das Rothe Kreuz zu den großen Manövern heranzuziehen. Der Minister be- ' gründete ferner die Mehrkosten für die Einberufung der ? Reserveoffiziere zu den Waffenübungen mit der steigen- i den Zahl der Ernennungen, welche sich in den zehn letz- i ten Jahren von 993 auf 2380 erhöhte. Die Gesammt- > zahl der Reserveoffiziere betrug am 1. September 1892 ^ 10 544. Die Erfolge seien, seit die Reserveoffiziere zu - dem eigenen Truppenkörper einrücken müssen, weitaus Nachdruck verdate«. Die Nebernahme der Direktion des Karlsruher i. Hofiheaters durch Eduard Devrient. Ein Gedenktag aus der Geschichte dieser Bühne. Ohne Ideal aber geht eins Kunst verloren wie ein Volk ohne Glauben. Ed. Devrient. L.L. Einen Gedenktag, ernster Beachtung werth, haben die Annalen des Karlsruher Hofrheaters im Oktober d. I. zu verzeichnen. Am 25. Oktober 1892 werden 40 Jahre verflossen sein, seit Eduard Devrient als Direktor an die Spitze der badischen Hof- üdne trat. Mit seinem Direktionsantritt begann jenes Werk der Reorganisation , das die Karlsruher Bühne aus einem Zustande des Verfalls einer neuen glänzenden Aera cntgegenführte, das dieselbe der kunstverständigen und energischen Hand eines hochstreben- den Meisters der deutschen Schauspielkunst zu einem wahren Kunstinstitutc emvorarbeitete und demselben weit hinaus über das Weichbild der badischen Residenz einen ruhmvollen Namen erwarb. Die 18 Jahre der Devrient'schcn Dnektionsführung bedeuten nicht nur einen Höhe- und Glanzpunkt in der Vergangenheit des Karlsruher Hoftheaters, sie bezeichnen zugleich eine Evoche, der in der Theatergeschichte des 19. Jahrhunderts ein ehrmvoller Platz für alle Zeiten gesichert sein wird. Wenn man die Thätigkeit Dcvrients in den ersten Jahren seines Karlsruher Wirkens als ein Werk der „Reorganisation" bezeichnet, so ist dieses Wort in seiner vollen Bedeutung gerechtfertigt durch die Zustände, wie sie Devrient bei seinem Direktions- in Karlsruhe vorfand. Durch eine Reihe widriger Umwände war das Karlsruher Hoflheater einem bedenklichen Vertane entgegengegangen. «eit dem Jahre 1831 war an Stelle deS beratenden künstlerischen Komitö's. an dessen Spitze der auch als fruchtbarer dramatischer Dichter bekannte Frbr. v. Auffenberg gestanden batte, ein Intendant mit summarischer Machtvollkommenheit in der Person des Grälen von Leiningen-Neudenau getreten. Eduard Devrient charakterisier denselben in seiner Geschichte der deutschen Schauspielkunst: „Er war ein kunstsinniger, enthusiastischer junger Kavalier, und was Lust und Eifer eines vornehmen Dilettanten bei der Leitung einer Bühne nützen können, ist der Karlsruher Bühne durch Graf Lciningen zu Theil geworden; seine Intendanz bezeichnet die seitherig beste Periode dieser Bühne." Die Erfolge seiner Wirksamkeit geben sich kund in dem Repertoire, Lessen politischer Gehalt sich zu steigern begann, und in einer theilweise sehr glücklichen Rekrutirung und Erweiterung des Kunstpersonals. Demselben gehörte von 1835—39 Karl Devrient als Darsteller jugendlicher Helden an; die talentvolle junge Luise Reumann, damals in der schönsten Blüthe ihrer künstlerischen Entwicklung' bildete eine Zierde des Personals, dis sie 1839 an die Wiener Hofburg berufen wurde. Jn demselben Jahre trat Graf Leiningen von dem Posten des Intendanten zurück; es folgte ihm von 1810-43 Baron v. Memmingen, ein Sohn des durch sein bürgerliches Schauspiel „Der deutsche Hausvater" bekannten Dichters: von 1844—50 sungirte zum zweitenmale der Frbr. v. Auffenberg. Die italienische Oper und die Wiener Posse begannen in seiner Zeit den Charakter des Repertoires zu bestimmen. Noch immer aber verfügte das Hoftheater über tüchtige Einzelkräfte: in das Fach der jugendlichen Helden war an Karl Devrients Stelle Dcssoic cingekreten und begann in der Folgezeit sein bedeutendes Talent zu entwickeln, bis er 1149 einer Berufung nach Berlin Folge leistete- Frau Haizinger, die spätere Zierde deS Burg- lheaters, schon damals im älteren charakteristischen Fache thätig, gehörte bis 1846 der Großh. Hofbühne an. der tüchtige Schauspieler Demmer bekleidete das Charakterfach, in dem jungen Mayerboser begann sich ein vielversprechendes junges Talent zu entwickeln. Da trat im Februar 1847 jene fürchterliche Katastrophe des Thraterbrandes ein. Die unmittelbare Folge des Unglücks für die Bühne war die schwere materielle Einbuße, die in der Folgezeit nicht wieder gehoben werden konnte in Folge des Umstandes, daß bei den drohenden politischen Beunruhigungen des Landes die Geldvsrwilligungen des Hofes zur Wiederherstellung der Theaterzustände ausblieben. In dem Ocangeriegebäude» der Wiege des Karlsruher Thcaterlsbens, wurde eine Nothbühne aufgeschlagen. An Auffenbergs Stelle war im Jahre 1850 Baron v. Tschudy getreten; derselbe war dem Posten in keiner Weise gewachsen und trug nur dazu bei, die Verwirrung und den Verfall zu beschleunigen. Das Personal erlitt in jener Zeit empfindliche Verluste. Frau Gervais und Labes wurden 1850 pensionirt; Demmer starb, desgleichen der Regisseur des Schauspiels Meyer d. ä. Ein vr. Oldenburg, der darauf von auswäris als Dramaturg und Regisseur berufen wurde, erhielt schon im folgenden Jahre seine Entlassung. Ed. Devrient schreibt über diese Zeit: „Als 1851 Baron Tschudy starb und seine Stelle einstweilen dem Rechnungsbeamten übertragen wurde, trat eine vollständige Auflösung ein, in welcher ein Jeder zugriff, um sich eine Stel- lung zu verschaffen, bevor Ordnung uud Zucht wieder enttreten mochten. Im Binchauskonvente wurden die Rollen vertberlt und sonstige Kunstinteressen erledigt und der Ton dieser Ver- Handlungen natürlich in die weitere Bühnentbätigkeit verp'lanzk. Die schwere Erkrankung des Großherzogs Leopold, wie seines Thronerben drängten alle Theaterangelegenheiten in den Hintergrund der Hofinterefsen, und so kam es, daß binnen fünf Jahren ein geachtetes und blühendes Theater äußerlich wie innerlich zu Grunde gerichtet wurde." * Daß diese Schilderung Devrients in der Thai der Wuklichkeit entsprach, lehrt eine aus jener Zeit stammende Veröffentlichung des vorzüglichen Tbeaterkritikers v.. Wilhelm Koffka^ des verdienstvollen Verfassers des theatergeschichtlicheu Baches „Jfflaud und Dalberg. Geschichte der klassischen Theaterzsit Mannheims". (Fortsetzung folgt.) besser als früher. Sodann kündigte der LriegSminister eine Vorlage zur Reform der Militärjustiz an und wiederholte die im österreichischen Ausschuss« abgegebenen Erklärungen betreffs der zweijährigen Dienstzeit. Italien. Rom, 17. Okt. (Tel.) Nach einer amtlichen statistischen Mittheilung wurden in den erste» neun Monaten dieses Jahres nach Italien für 822^/,, Millionen Lire Maaren eingrführt, das heißt für 3'/,« Millionen weniger als in der gleichen Periode des Jahres 1891; exportirt wurden für 691 */,, Millionen, das heißt für 72 Millionen mehr als im gleichen Zeitraum des Jahres 1891. Diese Steigerung der Ausfuhr ist ein für die Hebung der wirthschaftlichen Verhältnisse Italiens günstiges Anzeichen. Frankreich. Paris, 16. Okt. Am Donnerstag werden voraussichtlich in derDeputirtenkammer die Vorgänge von Earm aux zur Sprache kommen. Das Kabinet Loubet dürfte in der Debatte einen schweren Stand haben, da sein bisheriges Verhalten weder bei den Gemäßigten noch bei den Radikalen ungetheilten Beifall gefunden hat. In den Augen der Gemäßigten ist die Regierung gegen die Ruhestörer nicht entschieden genug aufgetreten; die Radikalen greisen ihrerseits das Kabinet heftig an, weil e« das Verbot, das der Präfekt des Tarn-Departements gegen die vorher gestatteten öffentlichen Kundgebungen der Streikenden erlassen hat, nicht zurücknahm. Wenn also die Sache in der Kammer zur Sproche kommt, so hat das Ministerium von keiner Seite eifrige Unterstützung zu erwarten, und in den Zeitungen geht bereits die Rede von der Möglichkeit eines Ministersturzes. So ernst wird die Sache sich indessen wohl nicht gestalten, da das französische Parlament in letzter Zeit doch etwas vorsichtiger mit der Herbeiführung von Ministerkrisen geworden ist. — In Montbeliard fand gestern ein großes Bankett zu Ehren de- französischen Handelsministers statt. Der Minister sagte bezüglich des französisch-schweizerischen Handelsvertrages, er habe in Unterredungen mit Industriellen eine werthvolle Unterstützung für die bevorstehende parlamentarische Schlacht gefunden. Der Senator Gaudy sprach den Wunsch aus, daß der Vertrag zu Stande kommen werde. GroHbrttsnnirn. London. 15. Okt. In England, und zwar in Portsmouth, ist ein neuer Fall von Meuterei vorgekommen. Er ist dem aus Windsor in voriger Woche gemeldeten sehr ähnlich. Die 13. Kompagnie des Traincorps hatte wegen der bevorstehenden Besichtigung Sonderexerzitien zu machen. Da« gefiel den Leuten nicht, und zum Zeichen des Protestes zerschnitten sie das Pferdegeschirr. Die Kompagnie hatte Kasernenarrest bekommen. Englische Blätter trösten das Publikum wegen der wiederholten Fälle militärischer Insubordination mit dem Hinweis, solche seien in der englischen Armee stet- und unbeschadet ihrer kriegerischen Tüchtigkeit üblich gewesen, früher seien derartige Vorgänge nur nicht so regelmäßig und rasch in die Oeffentlichkeit gelangt. Uebrigens scheinen die militärischen Behörden jetzt mit größerer Strenge diesen periodischen Ausbrüchen von Insubordination entgegen- zutreten, die, wenn sie auch als das Werk Einzelner an und für sich wenig bedeuten mögen, doch immerhin ein schlechtes Licht auf die Disziplin und den CorpSgeist der englischen Armee werfen müssen. — In Oberbirma ist neuerdings eine Verlegenheit für die englisch-indische Kolonialverwaltung entstanden. Nachdem schon vor einigen Tagen Meldungen in den englischen Blättern Anzeichen gebracht hatten, daß in Oberbirma neue Schwierigkeiten sich vorbereiten, wird heute berichtet, daß ein großer Aufstand der Tschinstämme ausgebrochen ist, welcher die dortigen Truppen für den Augenblick in eine geradezu gefährliche Lage versetzt. Das Reuter'sche Bnreau meldet aus Rangun: „Infolge eines Aufstandes der Tschinstämme im oberen Birma soll die Lage der dortigen, aus englischen und indischen Truppen bestehenden Garnisonen eine sehr kritische geworden sein. Der Posten in Tiddim, bestehend aus einem englischen Lieutenant und etwa hundert Spahis, ist seit dem 8. Oktober von den TschinS umringt und von jeder telegraphischen Verbindung mit der Umgebung abgeschnitten. Auch das Fort White ist von zahlreichen Aufständischen umschwärmt." — Zwischen Großbritannien und Venezuela bestehen seit längerer Zeit Grenzstreitigkeiten, die nicht nur zum Abbruche der diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern geführt haben, sondern auch die Handelsbeziehungen sichtlich beeinträchtigen. Nachdem nunmehr General Crespo in Venezuela an'S Ruder gelangt ist, erwartet man, daß die Angelegenheit bald geordnet wird. Namentlich scheinen sich die Vereinigten Staaten von Amerika deshalb zu bemühen. Wie aus Washington mitgetheilt ist, wünscht man dort die Sache aus der Welt geschafft und einem Schiedsgerichte zur Entscheidung vorgelegt zu sehen. Man hofft deshalb, General Crespo werde in allernächster Zeit einen Annäherungsversuch machen. (Diese Hoffnung hat allerdings zur Voraussetzung, daß General Crespo sich im Besitze der Herrschaft zu erhalten vermag.) Spanien. Madrid. 16. Okt. Ein amtliches Bulletin über das Befinden des jugendlichen Königs Alfons besagt, daß das Fieber vermindert sei und die Besserung anhalte. (Der König steht jetzt im siebenten Lebensjahre. Die in der vorigen Nummer d. Bl. mitgetheilte Depesche aus Madrid besagte, die gastrische Störung, an welcher der König leidet, sei wahrscheinlich eine Folge veränderter Lebensweise. Die veränderte Lebensweise steht aber wohl in Zusammenhang mit der Reise, welche die Königin- «egentin mit ihrem Sohne in Südspanien unternommen hat.) — Seit dem 12. Oktober tagte in Madrid ein Freidenker-Kongreß. Man hat zuerst von diesem Kongresse in der Oeffentlichkeit wenig Notiz genommen; die Aufmerksamkeit wird auf ihn jetzt durch den Umstand gelenkt, daß er wegen Verletzung verschiedener gesetzlicher Bestimmungen von der Behörde suspendirt und gegen die Theilnehmer eine gerichtliche Untersuchung eingeleitet worden ist. In seiner letzten Sitzung hatte der Kongreß die Frage erörtert, wie der Katholizismus aus dem modernen Leben wegzuschaffen sei. Ob diese Erörterung den Anlaß zu der Schließung des Kongresses gegeben hat, ist noch nicht bekannt. Zeitungsstimmrn. Anknüpfend an die ColnmbnS-Aeier schreibt die »Nation al- librraie Korrespondenz": Wenn man die Betrachtungen liest, die jetzt so vielfach an die Erinnerungsfeier für die Entdeckung Amerika's angrknüpst werden, fühlt man sich »ersucht. eine Parallele zu der in unfern Tagen vollbrachten oder angebahnten Erschließung des letzten großen Erdtheils, deS afrikanischen, zu ziehen. Es hat damals» wie jetzt, nicht an kleinen engen Geistern gefehlt, welche über die unfruchtbare Abenteuerlust und die nutzlose Vergeudung deS WagemulhcS spottete». Und wenn wir heule aus die folgenreiche Entwicklung zurückblicken, die aus den kühnen Thaten der Seefahrer auS der phrenüischen und apenninischen Halbinsel aufsproß» welche gewaltige Errungenschaft der Kultur, welche unendliche Bereicherung des menschlichen DaseiuS! Wir sind weit entfernt, einen ähnlich großen Gewinn von der Erschließung Afrika's unS zu versprechen. Dem stehen natürliche Verhältnisse des Bodens und Klima's entgegen; eine eigentliche europäische Kalomsation deS Landes, wie in Amerika, kann hier nicht statlfindeu. Aber durchaus verfehlt ist es »sch» auS geringen Erfolgen oder einzelnen Lbela Erfahrungen eines einzige» Jahrzehnts die völlige Nutz- und Werthtosigkeil deS Unternehmens folgern za wollen, den dunkeln Erdtheil dem Verkehr und der Kultur Europa'S zugänglich zu machen. Was die Menschheit an den noch ungehobcnen natürlichen Schätzen dieser reichen Welt gewinnen wird. daS läßt sich nach Verlauf weniger Jahre noch nicht beurtbcilen. Des Schweiße- der Edel» aber ist der Versuch wertd, und unsere Ururenkel mögen wohl auch dermaleinst tue Tage feiern, da kühne, aus- opferungsmutbige Männer ausgezogen sind, ein großes Kulturwerk auszuführen- Unsere Zeit mir den gewaltigen wirlhschast- tichen und sozialen Kämpfen, mit dem täglich schwieriger werdenden Ringen ums Dasein, mit der wachsenden Ueberviilkerung, mit der nährenden Unruhe in allen geistigen, gesellschaftlichen und ökonomischen Verhältnissen ist nicht gemacht, fort und fort allein die alten ausgetretenen Bahnen zu wandelu- Gleich dem Zeitalter der Reformation, mit dem das unselige oft mit Recht verglichen worden, geziemt es uns, neue Wege und Felder für die Bethätigung menschlicher Arbeitskraft und Unternehmungslust aufzusucheo» neue Ziele des Strrdens uud Schaffens aufzustellen." Zu den Erklärungen des Grafen Kalnoky i« Ausschüsse der Ungarischen Delegation schreibt daS Wiener »Fremdenblatt": »Diese Erklärungen tragen zwar selbstverständlicherweise ganz den nämlichen Charakter wie dje Aufschlüsse? die der Minister letzthin iur Ausschüsse der OesterreMifchtn Delegation ectheiltc, sie bereichern jedoch das in denselben gebotene Bild um einige bemerken-iverthe Züge. Insbesondere gilt dies von den Stellen, die dem Dreibunde gewidmet sind. Neder di« durchaus friedliche Tendenz und über die Festigest. desselben ist schon Vieles gesagt worden, was indeß Graf Kalnokv darüber äußerte, läßt die tiefe Intimität» welche die Beziehungen der drei Mächte zu einander auSzeichnet, noch viel deutlicher erkennen als irgend eines der »oraugegavgeneu Urtheile. Es ist richtig, so heißt es in der Rede, daß ein durch Jahrzehnte dauernder Bündnißvertrag nicht im Voraus für alle möglichen Fälle der Zukunft Vorsorge treffen könne; allein der Umstand, daß die Theilnehmer am Dreibunde in steter freundschaftlicher Fühlung stehen» au dem Geiste der Allianz treu fefthalten und sich in diesen völlig eiagelebt haben, sei ein beachtcnswerther Faktor für alle Eventualitäten» und es könne daher auch der Zukunft mit Beruhigung und Vertrauen entgegengesehcn werden. Das ist nun allerdings eine Aeußeruug, die geeignet ist, alle Freunde des Bundes mit größter Zuversicht zu erfüllen. Sie zeigt, daß daS vollste Vertrauen zwischen den drei Verbündeten herrscht, daß jeder von ihnen das gemeinsame Interesse über Alles stellt» weil er eben seine wichtigsten eigenen Interessen der gemeinsamen Wahrung anocrtraut hat, und daß die Festigkeit der Allianz auf mehr als dem Buchstaben des Vertrages, nämlich auf der bereitwilligen Treue der Vertragschließenden beruht. Es war und ist nicht möglich, alle die Fälle vorauszusehen, die das stets bewegliche politische Leben herbeiführen kann; es konnte also nicht in Paragraphen festgestellt werden, was in allen möglichen Fällen zu geschehen habe. Die drei Mächte sind jedoch einerseits in der fortdauernden Fühlung mit einander, daß eine überraschende Anforderung an eine derselben nicht leicht herantreten kann, und sie bringen einander anderseits rin so festes Vertrauen entgegen, daß sie der ruhigen Ueberzeugung sind, keiner der Verbündeten werde seine Stellung oder seine Rechte als Bundesmitglied mißbrauchen, keiner sich seinen Pflichten als Bundesmitglied entziehen wollen. Allerdings kann diesen unschätzbaren Vortheil nur eine Allianz bieten, die auf so natürlichen Grundlagen beruht und so rein defensive Zwecke verfolgt wie eben der Dreibund. Ein Büadniß, dos willkürlich zu irgend einem vorübergehenden, besonderen Zwecke geschloffen worden wäre, bei dem daS Auge des Einen dahin, da« des Andern dorthin beharrlich schielen würde, ein solches Bündmß könnte jene imponirende innere Sickerheil nicht in sich tragen. Die Sicherheit, welche die drei Verbündeten durchdringt, ist somit allein schon ein Beweis dafür, daß — wie der Minister sich ausdrückte — hinter diesem Bündnisse nichts Verstecktes lauert. und obwohl es. wie er eingesteht. noch immer den Gegenstand von Anfeindungen von mancher Seite bildet, so sind dock die Zweifel an seinem durchaus friedlichen Charakter bei allen ernst zu nehmenden Politikern fast ganz geschwunden." Großhrrrogthurn Baden. Karlsruhe, den 17. Oktober. Ihre Königlichen Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin trafen gestern Vormittag nach halb zehn Uhr in Karlsruhe ein, besuchten den Gottesdienst in der Schloßkirche und wohnten sodann dem Hochamte in der hiesigen Liebfrauenkirche bei. Nachmittags empfing Seine Königliche Hoheit der Großherzog den Königlich Preußischen Kreisgerichtsdirektor a. D. Herrn Kaßner, Generaldirektor der Provinzial - Städte Feuer - Societät der Provinz, Sachsen, sowie den Herrn Erzbischof vr. RooS und nahm sodann den Vortrag des Geheimen Raths Frei- Herrn von Ungern - Sternberg entgegen. Nach 5 Uhr kehrten die Höchsten Herrschaften nach Baden zurück. Heule Früh 50 Minuten nach 7 Uhr reiste Ihre Königliche Hoheit die Großherzogin nach Lahr und gedenkt heute Abend mit dem Kurszug 5 Uhr 17 Minuten nach Baden zurückzukehren; Höchstdieselbe war begleitet von der Hofdame Freiin von Gayling, dem Hofmarschall Grafen von Andlaw und dem KabinetSsekretär von Chelius, Seine Königliche Hoheit der Großherzog war genöthigt, wegen Unwohlseins auf den Besuch der Stadt Lahr und der dortigen industriellen Etablissements zu verzichten. Schon vorigen Samstag fühlte Sich Höchstderselbe nicht, wohl, wollte aber dessen ungeachtet der gestrigen Kirchen- einweihungsfeier anwohnen. Nach Baden zurückgekehrt, mußte der Großherzog Sich sofort zu Bett legen, mir den starken Erkältungszustand zu pflegen. Heute ist daS Befinden Seiner Königlichen Hoheit zwar besser, doch muß Höchstderselbe auf ärztlichen Rath das Betb hüten. Seine Königliche Hoheit hofft aber bei fortgesetzter Pflege bald wieder hergestellt zu werden. » Die beide» Schiffer, welche im Jsolirraum des hiesigen Krankenhauses zur Beobachtung untergebracht waren, sind gestern nach Umlauf der erforderlichen Beobachtungszeit gesund entlassen worden. Der Gesundheitszustand der Bevölkerung in Leopoldshafen ist durchaus befriedigend. Bei der bakteriologischen Untersuchung des Wassers aus dem Kielraum des Schiffes, auf welchem Schiffer Kühnle an Cholera gestorben ist, sowie des Wassers aus dem Hafen von Leopoldshafen haben sich keine Cholerabakterien vorgefunden. Mit Rücksicht auf letzteres Ergebniß ist beabsichtigt, die Sperre des bezeichneten Hafens ans» zuheben; eine ärztliche Kontrole wird daselbst eingerichtet. * (Kirckenwe ibe.) Für dir Katholiken der Südstadt «ai^ gestern ein festlicher Tag; sollte doch die schon seit Jahresfrist in Gebrauch genommene neuerbaute katholische Kirche durch den Herrn Erzbischof v»n Freiburg ihre feierliche Weihe erhalten. Der ganze Stadtheil prangte im reichsten Festgewandr. Die Häuser, auch solche von Nichtkatholiken, waren mit Fahnen und Guirlanden geschmückt und ein prächtiges, sonnenklares Herbstwetter begrüßte die Feier. Schon früh um halb 9 Uhr sollte die kirchliche Feier ihren Anfang nehmen und um diese Zeit traf Herr Erzbischof vr. RooS in Begleitung des Herrn Dekan Benz in einem Vierspänner mit Spitzenreitern am Ettlingec Bahnübergang zur Südstadt ein, wo ihn eine Abtheilung Fest- reiter und daS Fcstkomitö zu Wagen empfing, um ihm das Geleite zur Kirche zu geben. Die Kirche war für die Gemeinde noch bis nach Beendigung verschiedener Weihen verschlossen- Unterdefsen hielt auf dem Kirchplatz für die äußerst zahlreiche Festgemeinde Herr Pfarrverwalter Brand hu der-Pforzheim die etwa eine Stunde währende Festpredigt. Als später die Kirchenpforten sich aufthaten, wurde das Gotteshaus alsbald bis auf den letzten Platz besetzt und auf den Straßen und dem Kirchenplatz harrten noch viele, die keinen Platz mehr erhalt r» konnten. Zur Theilnahme an dem noch vor 12 Uhr beginnenden Festgottesdienst war die Ankunft der Großherzoglichen Herrschaften angekündigt und Höchstdiesetben trafen, eingeholt durch die Festreiter, kurz nach halb 12 Uhr bei der Kirche em. In höchstihrem Gefolge bemerkten wir Herrn Oberstlammer- herrn Frhrn. v. Gemmin gen, die Frau Obersthofmeisterin v. Holzing, die Hofdamen Frrifränlein ». Schönau und Freifräulein o. Gatzting, Herrn Hofmarschall Graf Andlaw, die Flügeladjutanten Herrn Oberstlieutenant Müller und Major Frbrn. v. Schönau und Herrn KabinetSsekretär v. Chelins. Unter den zum Gottesdienst in der Kirche Erschienenen befanden sich die Herren Staatsminister Vr. Turban , Ministerialpräsident Geh. Rath vr. Nokk, Obersckulraths- direklor Geh. Rath vr. Zoos, Geh. Oberregierungsrath vr. v. Iagemann, Prälat V. Doll, Präsident Geh. Nach v. Re genau er, Archivdirektor vr. v. Weech, Geh. Oder- regierungSrath ». Pr een, Oberbürgermeister Sch netzt er» die Bürgermeister Krämer und Siegrist, sowie eine Anzahl Stadträthe, der gesammte StistungSrath, der Erbauer der Kirche, Architekt Franz I. S ch mitt u. A. Ihre König!. Hoheiten der Großherzog und die Groß. Herzogin wurden am Portal der Kirche von Herrn Deka« Benz im Ornat, sowie von Mitgliedern des Fcstkomile's und des LliftungsralheS empfangen und zu dem für Höchstdirselben rechts vom Altar bereiteten Platze geleitet, dem gegenüber der Erzbischof seinen Platz batte. Alsbald begann das von Herrn Pfarrkurat Brettle unter Pontifikalassistenz obgebaltene fei r» liche Hochamt, an dessen Schluß der Herr Erzbischof den Segen spendete. Ein ?o ckeum beschloß die feierliche Handlung. Herr Dekan Benz geleitete die Großherzsglicken Herrschaften wiederum auS der Kirche zu den bereit stehenden Wagen, woHerrDrinne- brrg eia begeistert aufgenommeae- Hoch auf Höchstdiesetben ausdrachte. Bald darnach kehrte auch der Bischof zu ^ Wagen nach seinem Absteigequartier bei Herrn Dekan Benz zuruck. Auf Abends 8 Uhr war ein Festbankett im großen Frsthalle- saal anberaumt» zu dem der Zndrang ein so großer war, daß kaum alle Erschienenen Platz finden konnten. Als Solisten wirkten Fräulein Pauline Zeller und Herr Beschle mit, die recht schöne Stimmmittel entfalteten, und der Vereinigte Sängerchor hiesiger kath. Vereine trug unter Leitung des Herrn Hauvt- lehrer Käser mehrere Lieder mit gutem Erfolge vor. Den musikalischen Theil hatte eine Abtheilung des Leib Grenadier- regiments unter der Leitung des Chorführers Wirth übernommen. Die Begrüßungsansprache hielt der Vorsitzende des Festausschusses» Herr Drinneberg, indem er für das zahlreiche Erscheinen herzlich dankte. Den ersten Toast brachte Herr Buchhalter Nerlinger auf Erzbischof vr. RooS aus. Ihm folgte Herr Kaplan Popp, der in warmempfundener Rede unser erlauchte- Fürstrnpaar feierte und mit Worten des Danieder Theilnahme der Großherzoglichen Herrschaften am Feste, wie insbesondere der durch den Großherzog erfolgten Spendung eine» herrlichen Kelche- gedachte. Das von dem Redner auf Ihre Königlichen Hoheiten auSgebrachte Hoch fand herzliche Erwiderung. Einer Dankespflicht hatte sich in der Folge der Seelsorger de- BahnhofstadttheilS, Herr Pfarrkurat Brettle, r» entledigen. Nebst Gott, der die Kirche entstehen ließ, sagte er vor Allem Dank unserm Fürstenpaar für das dem Kirchenban bekundete Interesse. Auch er gedachte der beiden »o» Ihren Königlichen Hoheiten gespendete» reichen Gaben, «m dann der aoaen Reibe aller derer zu danken, die »u der endlichen Bollen- duna der Kirche beigetragen. so namentlich dem Bonifazinsver- dem Sliftungsrath in Forbach. Herrn Dekan Benz. dem Lirchenbauverein und nicht an letzter Stelle dem Erbauer der »ircke. Herrn Architekten Schmitt. Er dankte ferner den Ao- -ebörigen anderer Konfessionen für die Forderung des Festes, insbesondere durch Ausschmückung und Beflaggung ihrer Häuser. Redner Inh seine Danksagung mit der Bitte ausklingea, ferner tzazu beizusteuern. daß nunmehr die Kirche auch innen einen würdigen Schmuck erhalten könne. Herr Revisar Auer brachte einen freudig aulgenommeuen Toast aus Kaiser und Papst auS und der Hofkavlan de« Erzbischof«, Herr vr. Werth mann, forderte zu einem Hoch auf die Zukunft der kathol. Gemeinde auf. Den Dank an die Sänger stattete Herr Kaplan Mußlrr mit ,i>em Hock auf dieselben und auf da« Kirchenlied ab. So verlief der Abend in reicher Abwechslung des Gebotenen und bildete einen wohlgelungenen Abschluß des schönen Festtags. L (Neuer Komet.) Wiederum wurde ein neuer Komet entdeckt, und zwar am 12. Oktober auf der Sternwarte de« Mount Hamilton von Professor Barnard auf photographischem Wege. Das Telegramm, welches diese Nachricht nach hier Übermittelte, trug in Bezug auf die Helligkeit de- Kometen den Vermerk .sehr schwach". Am vergangenen Samstag erlaubte das Wetter an der Stelle, wo der Komet stehen sollte, nachzusuchen, aber obgleich der Ort desselben genau bekannt war, wurde er mit dem hiesigen SrchSzöller doch nicht erblickt, ein Beweis, daß wir es mit einem sehr kleinen Objekte zu tbun haben, da der Komet der Erde vcrhältnißmäßig nahe stehen muß. Der am 28. August entdeckte Brooks'scheKomet hat seither an Giiiße stark zugenommen. da er der Erde immer näher kommt, indeß ist er noch nicht mit bloßem Auge sichtbar» dürfte rS aber, da er seine Annäherung noch fvrtsetzt, vielleicht werden. * (Kunstnotiz) Mit aufrichtigem Bedauern vernehmen die zahlreichen Freunde unsere« Landsmannes, des bekannten Historienmalers Wilhelm Emelä, daß dieser sich wegen eines hartnäckigen Augenleidens veranlaßt sieht, seine künstlerische Thätigkeit gänzlich zu beschließen. Seine umfangreiche Atelier- lliisrüstung, bestehend in 217 Gemälden, Studien und Skizzen, ist seit Sonntag den 16. o. M. im Kunstverein in München zum Verkauf ausgestellt. Seine vortrefflichen Pferde- und Militärstudien sind den Kunstfreunden besonders vortheilhaft bekannt. iv. Mannheim» 17. Okt. (Verhaftung.) Die .Neue Bad. Landesztg." meldet: Unter dem Verdachte, den Mord an dem Fabrikanten Herz in Billigheim ausgeführt zu haben, sind die Frau des Ermordeten und dessen Buchhalter verhaftet worden. * Bade«, 16. Okt. (Die diesjährige Gemäldeausstellung im Künstlerhause), welche auch in der verflossenen Saison sich eines regen Besuches erfreute, wird am Mittwoch geschloffen. Unter den zur Zeit noch ausgestellten Gemälden finden sich neben einer großen Anzahl Meisterwerken ersten Ranges zwei hochinteressante Bilder, und zwar: das von Professor v. Lenbach in früheren Jahren gemalte Portrait Seiner Königlichen Hoheit des GroßderzogS von Baden und eine holländische Landschaft von der Hand des Karlsruher Professors Gustav Schöuleder. Verschiedenes. * Karlsruhe, 17. Okt. (Chsleranachrichten.) Den ärztlichen Bericht über die in Hamburg vom Samstag Mittag bis zum Sonntag Mittag vorgekommenen Cholerafälle haben wir schon in der heute Vormittag ausgcgebenen Nummer dieses Blattes mitgetheilt. Er läßt erkennen, daß die Steigerung »er Krankheitsziffer, die am Samstag konstatirt werden mußte, wieder überwunden ist. Freilich läßt sich annebmen, daß gestern wieder eine Zunahme der Erkrankungen eivgetreten ist, da dies erfahrungs- mäßig an Sonntagen der Fall ist; dock haben diese Schwankungen der Krankheitsziffer keine allgemeinere Bedeutung für den Gesundheitszustand in Hamburg, der sich fortgesetzt bessert. Bemerkens- werlh ist auch, daß die Epidemie jetzt in Hamburg milder auftritt und das Verhältnis der Todesfälle zu den Erkrankungen günstiger geworden ist. Aus Berlin wird gemeldet, daß das Krankenhaus Maabit zur Zeit keinen an asiatischer Cholera Leidenden beherbergt. Am Samstag wurden wieder ö Personen entlassen, unter ihnen die letzten drei Arbeitskäusler aus Rummelsburg. Eingelicfert wurden nur zwei Kinder, die an Brechdurchfall leiden. Der Bestand auf der Cholerastation war am Samstag auf 25 Personen reüuzirt. Das Krankenhauskuratorium gedenkt daher, in dieser Woche das Krankenhaus als Cholerahospital zu schließen und es seiner Bestimmung als allgemeines Krankenhaus zurückzugeben. Selbstverständlich wird der Wiedereröffnung der Anstatt eine in allen Tkeilcn sorgfältig durckgeführrc Desinfektion sämmtlicher von Cholerakranken benutzten Räume, Geräthe und Einrichtungen vorausgehen, die mehrere Tage in Anspruch nehmen wird. Indessen sollen von den LO Krankenbaracken vier zu je 30 Betten zur Aufnahme von etwa noch angehenden Cholerakranken und Cboleraverdächkigen bereit gehalten werden. Eine jüngst erbaute Einfahrt soll auch fernerhin nur von Cholerakranken benutzt werden, während der alte Eingang für die übrigen Kranken verbleibt. Wie hier, wird auch in den übrigen Einrichtungen des Krankenhauses eine strenge Jsolirung der Cbolerakranken von den übrigen Kranken burchgeführt. In Frankfurt a. M. sind zwei vereinzelte, üuf dem Wasserweg eingeschlepptc Cholerafälle konstatirt worden. Das Kind eines aus DuiSburg gekommenen Schiffers starb auf dem Schiffe unter choleraverdächtigen Erscheinungen, ein füns- zehnjähriger Sohn des Schiffers erkrankte am Samstag ebenfalls und auch bei ihm nahm die Krankheit einen tödtlichen Verlauf. 3n beiden Fällen ist, wie die „Franks- Ztg." hört. astatische Cholera festgeftellt worden. Die gesammte Familie des Schiffers >st zur Beobachtung im Krankenhaus, lieber den Stand der Cholera in Pest wird von dort gemeldet, daß vom Samstag Abend 6 Uhr bis zur gleichen Stunde des gestrigen Tages 23 Erkrankungen und 10 Todesfälle gemeldet wurden. Diese 2'ffern und niedriger als am Tage vorher. In mehreren anderen Orten Ungarns kommen sporadische Fälle vor, welche sich aber durch- auf Zugereiste aus der Hauptstadt beziehen. Sa ist in Szegedin in der Nacht vom Samstag zum Sonnta« ein cholera- verdächtiger Todesfall eingetreten. InMarseille stad gestern ö?" verdächtige Todesfälle vorgekommen. Wie au- Metz de» nchtet wird, wurden aus Houdreville bei Nancy bisher zwanzig Erkrankungen und sieben Todesfälle gemeldet. In Metzer ärztlichen Kreisen herrscht jedoch die Ueberzeugung» es bestehe dort eine heftige Ruhr- und keine Chaleraepidewie. In Brüssel kNolgte am Freitag ein Sterbefall an Cholera, in der Vorstadt noerlecht kamen drei Erkrankungen und zwei Todesfälle vor. sl". DK»bermeffe ist insalge dessen anfgegeben. An« PariS WM«» die Nachrichten fortgesetzt sehr befriedigend. Eh„,,ilenb«r«, 16. Okt. (Der Schlachtenmaler *rvf. Be»rg Blerbtreu), Mitglied der Akademie der Künste, ist heute Mittag gestorben. (Bleibtreu war am 27. März 1828 in kanten geboren und ein Schüler der Tüffeldarfer Akademie. Seine Hauptwerke stellen distorische Vorgänge auS dem Befreiungskriege» aus dem Feldzug vom Jadre 1866 und dem deutsch französischen Kriege von 1870 und 1871 dar.) * Lausanne, >6. Okt. (Der Untergang des „M ont- blanc" vor Gericht.) Vor den hiesigen Assisen beginnt morgen der Prozeß in Sachen der Keffelexvlosian, die sich auf dem Dampfer „Montblanc" im Hafen von Ouchy am 9. Juli d. I. ereignete. Angeklagt sind der Direktor Rochat und die Maschinenmeister Fornerod und 8>PS. Die Verhandlungen dürften einige Tage dauern. Neueste Telegramme. (Nach Schluß der Rebaktinn eingetroffen.) Berlin, 17. Okt. Der „Staatsanzeiger" bestätigt, daß die beiden Häuser des preußischen Landtags auf den 9. November einberufen sind. Berlin, 17. Okt. Der „Reichsanzeiger" melvet, daß Finsnjminister Miguel am Samstag an UnterleibSrnt- zündung erkrankt ist und das Bett hüten muß. Berlin, 17. Okt. Nach dem amtlichen Cholerabericht sind in Altona in den letzten 24 Stunden 3 Personen gestorben, im Hafen von Frankfurt am Main sind seit dem 13. Oktober 3 tödtlich verlaufene Eckrarkungen vorgekommen. Von den am 14. Oktober auS Hamburg gemeldeten Choleraerkrankungen haben vier nicht auf asiatischer Cholera beruht. Hamburg, 17. Okt. Von gestern Mittag bis heute Mittag wurden 6 Erkrankungen und 1 Todesfall in Folge von Cholera gemeldet. Sowohl die Erkrankungen wie der Todesfall kommen auf den gestrigen Tag. Trans- portirt wurden gestern 6 Kranke und 1 Leiche. (AuS der Depesche geht hervor, daß während de- ganzen Vormittags heute keine neue Erkrankung vorgekommen ist. Das ist zum ersten Male, seit die Cholera in Hamburg ihren Höhepunkt überschritten hat, zu verzeichnen.) Nach einer amtlichen Statistik sind dis zum 15. Oktober in Hamburg insgesammt 17 962 Personen an der Cholera erkrankt und 7598 Personen daran gestorben. Dirschan, 17. Okt. Nach den hier vorliegenden Nachrichten ist in der Lazarethbaracke von Schiln» an der Weichsel ein choleraverdächtiger Todesfall vvrgckommen. Leipzig, 17. Okt. Das Reichsgericht verwarf die Revision des sozialdemokratischen Neichstagsabgeprdneten Kuvert-Breslau, welcher von dem Magdeburger Landgericht am 18. Juni zu eiumouatlicher Gefängnißstrafe wegen Verletzung des Sozialistengesetzes verurtheüt worden war. erhalten, sich zum Abmarsch nach Carmaux bereit zu halten. London, 17. Okt. Das Regiment der Gardes du Corps, das in Windsor garnisonirte. ist wegen der kürzlich im Regiment vorgekommenen Insubordination nach Shorn- cliffe versetzt worden. Athen, 17. Okt. Von unterrichteter Seite wird gemeldet, daß die griechische Regierung beschlossen habe, wegen der Haltung Rumäniens in der Angelegenheit der Hinter- lassenschaft Zappe's. welcher längere Jahre in Rumänien gelebt, über sein Vermögen jedoch zu Gunsten Griechen- lands Bestimmug getroffen hatte, die diplomatischen Beziehungen zu Rumänien abzubrechen. Der griechische Gesandte in Bukarest sei vorgestern angewiesen worden, abzureisen. Ebenso würden sämmtliche Kosularvertreter Griechenlands abreisen und den Schutz der griechischen Unterthanen den diplomatischen Vertretern Rußlands über- tragen. Hongkong, 17. Okt. Der englische Dampfer „Bokhara", welcher Shanghai am 8. Oktober verlassen hatte, ist bei den Fjscher-Jnseln gescheitert. Der Kapitän und der größte Theil ver Besatzung kamen um, 23 Personen find gerettet. Grohherzoglichrs Hostheatrr. Dienst»,, 18. Okt. Hl. Ab.-V,rstellung: „Die Trojaner" II. Tbeil: „Die Trojaner in Karthago", Oper in b Aufzügen von Sektor Berlioz. Deutsche Bearbeitung von Otto Neitzel. Anfang '/,7 Uhr- I» Bade«. Mittwoch. 19. Okt. 3. Ab -Vorst.: Zum ersten- male: „Im falschen Rollenfach" , Lustspiel in 3 Akten von Wilhelm Harder. Anfang 7 Uhr. Familirnnachrichten. Karlsruhe. Ausxug ans de« Ktandrsbuch-Kegister. Geburten. 9. Okt. Maria Rosa, B.: Josef Birkhofer» Tapezier. — 12. Okt. Alice Charlette. V.: Otto Lasiprecht, Trompeter. — Elise Hedwig, B.: Christof Siegel. Diener. — Anna Karoline, V : Georg Falk, Schreiner. — Rosa Emilie» B.: Santo Pizzartim, Steinhauer. — 13. Okt. Luise Elise, B.: Ludwig Kämmerer, Fuhrunternehmer. — 14. Okt. Marie, V.: Nikolaus ChristeScn, Student. — Therese Karoline, V.: Valentin Rührig, Schneider. - 15. Okt. Oskar Friedrich, B : Anton Kunz, Kutscher. — 16. Okt Otto Adolf, V.: Friedrich Holye, Scbloffer. — Luise, V,: Christian Jauß, Blechner. — 17. Okt. Fritz Ignatz, V.: Julius Leon, Kaufmann. Todesfälle. 14. Okr. Clemenz Schleif, Ehemann» Privatier, 58 I. Georg Gerhard, Witwer, Reg-erungs- rath a. D-, 90 I. - 15. Okt. Friedrich, 1 I. 4 M. 1 T. B.: Jakob FundiS, Schmied.— Karl, 2 M. 12 T> V. : Banvolomä Strobel, Fabrikant. — Emilie, Ehefrau von Philips Nagel, Kaufmann, 45 I. — 16. Okt. Franz Bischofs, Ehemann» Marmorschleifer, 34 I. —Martha, 1 I 5 M. 8 T., V.: Karl Stradinger, Bäckermeister. Stuttgart, 17. Okt. Das heutige Bulletin über das Befinden Ihrer Majestät der Königin-Witwe Olga konstatirt, daß der Zustand dxr Patientin unverändert ist; in der verflossenen Nacht hatte die Königin etwa- Ruhe. Ein von vr. Stiegele und von vr. v. Sick Unterzeichneter Bericht über bie Entwicklung der Krankheit Ihrer Majestät besagt: „Dir bei Ihrer Majestät der Königin-Witwe Anfangs der vorletzten Woche aufgetreten« akute Brust- affcktion, welche die damals vorhandene unmittelbare Lebensgefahr bedingte, hat sich im Laufe der letzten Woche in dem Maße gebessert, daß jetzt nur noch eine für den Gesammtzustand wenig erhebliche linksseitige pleuritische Ausschwitzung von mäßigem Umfange vorhanden ist. Trotz dieses Rückgangs de« genannten örtlichen KrankheitSzustandeS ist die allgemeine Schwäche unter vorübergehenden allerdings sehr bedeutenden Schwankungen nahezu die gleiche, wie in den vorhergehenden Wochen, auch hat sich die Nahrungsaufnahme bei Ihrer Majestät kaum gehoben. Die unverändert fortbestehenden chronischen Krankheitszustände erschweren die Rückwirkung jener günstigen Aenderung auf den Allgemeinzustand, der durch Schwäche.mit nervösen Erregungszustünven wechselnd, sowie durch mangelhafte VerdauungSthätigkeit vielfach ein sehr peinlicher ist." Paris. 17. Okt. Das „Petit Journal" meldet aus Carcassonne, zwei Schwadronen Dragoner hätten Befehl ! Wtttrriwrodeobaqrsnse» der Wrtrarot. Ktattsn »arloruiie. !B«r»m? Therm. Oktober — in o. 15. Nachts S--U. j 747.3 4- 8 2 16. Mrgs.7--U.') 744 8 4- 4.0 IK.Mittgs.2--M. j 742.5 4-14-4 16. Nachts 9" U.-) 741.8-j- 9.8 17. Mrzs.7--U.') 74t.2>4- 9-5 17.Mittgs.2--U. l 744-6 -i- 9.6 «bsol. Relative Keucht. Feucht,,- Win». Himmel. keit in 7.7 94 NE sehr wolkig 5.9 97 „ w. wolkig 8-5 70 C bedeckt 8-6 95 85 96 SW 74 84 NL » s ') Reuen — 1,0 mm der letzten 24 Stunden. — 2) Regen. — ) Regen — 2,8 mm der letzten 24 Stunden. W«ffertta»» de» M»ara», 16. Okt.» Mrg«., 4.50 w, gefallen 17 cm. — 17 Okt., Mrg«., 4.45 m, gefallen 5 cm. Wetterbericht vom 17. Oktober 1892. Ein barometrisches Maximum bedeckt heute den Nordwesten Europa'«, während sich vom Nordosten au» über die Ostsee und Deutschland hinweg bis gegen Oberitalien hin eine Furche niedrigen Druckes erstreckt, in welcher verschiedene flache Miuima zu erkennen sind. unter deren Einfluß das Wetter trüb und regnerisch geblieben ist. Da das OrtLbaromrter in raschem Sinsen begriffen ist, so scheint sich da« Gebiet niedrigen Druckes ostwärts zu verlegen; demnach stünde bessere« Wetter in Aussicht. In ganz Westenrova wehen nördliche Winde, welche auf den Britischen Inseln, sowie im Nordteegebiet erhedliibe Abkühlung verursacht haben; dieselbe dürfte sich auch bald über Deutschland auSdreiten. Verantwortlicher Redakteur: Wilhelm Harder in Karlsruhe Wetterkarte vom 17. Oktober, Morgens 8 Uhr. Frankfurter telegraphische Kursberichte vom 17. Oktober 18SS. Ltaat-v apiere- j Baynaktt,«. ^ichsanl. 86.90 Schwz. Nordostb. 108.20 ^»A-Ne'chSanl.107.l5! Centralb. 119.70 ! 4»/v Preuß. Koni. lOtt.Oo Gotthard 4"/o Baden in fl. 102.20 Lombarden 4/y „in M. 103,70 Ungarn Oeflerr. Goldrente 98.20 Elbkhal e, A'AHesi. LudwigSb. 4"/«Ungar. Goldr. 1880r Russen j 11. Orientanleihe ! Italiener campt. ! Egypter Spanier Zoll-Türken Baske«. Kreditaktien , DiSt.-Kowma«dit184 30 DarmstädterBank 134.90 95.50 96.70 65.20 92.- 99/0 6L.90 94.20 153 90 86.40 19510 U3.60 284', Wechsel »»» Tnrre». Wechsel a. Amstd.I68 57 London 20 34 Paris 80.92 . . Wien 170.50 NapoleonSd'or 16.20 PrivaldiSkonto 2'/, N a ch b S e s e. Kreditaktien 264'/, Diskonto-Kom. 184.30 1SZ — StaatSbahu — 159.1üLombarden 86,*, 14130! Ten denz: matt. Berlin. Staatsbahn 28920 Oest. Kreditakt. 165.50 Lombarden 98.70 , Staatsbahn —.— Ungarn 112.60 Lombarden 42.20 Marknote» 58.75 HandelSgrsellsch. 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Ertheilung der Entlastung an Vorstand und Aufsichtsrath. 4. Wahl eines Revisors für 1892/93. 5. Neuwahl deS Aussicdtsrathes. Zur Theilnahme an der Generalversammlung find dieienigen Aktionäre berechnst, deren Aktien spätestens am dritten Werktage vor der Versammlung bei der Gesellschaftskaffe in Grünwinkcl oder bei dem Bankdausc G. Müller und Cons. in Karlsruhe und Baden-Baden hinterlegt find. Karlsruhe, den 17. Oktober 1892. W.60O _ Der Auffichtsrath. _ Die Wein- L Hbstweinhandlung von c. uiWl.cn t» vuni./lcn bringt ihr wohlgeordnetes, rein gehaltenes, großentheils selbstgekeltertes wsinla-Asr ... von 40 Pfennig pro Liter in empfehlende Erinnerung. W.62.5. 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Die Marie Jssesine Kniedühlcr, jetzt Ehefrau des Martin Schwehr, Wein- producent zu Endingen am Kaiscrstuhl, sowie Karl Heinrich Louis Kober, König!- Eisenbahn-Hauvtkaffenbuchhal- ter zu Halle a. S., beide vertreten durch August Fischer hier, haben das Aufgebot, und zwar: a. Martin Sch wehr Ehefrau: deS Rentenscheins der Allgemeinen Bersor- gungsanstalt dahier Nr. 1351 der Iah- reSgesellschaft 1845 Klaffe la vom 21. September 1871 über 200 Gulden auf den Namen von Marie Josefine Knie- bühlrr von Endingen; d. Karl Heinrich Louis Kober: deS Lebensverfichernngsvertrags mit der Allgemeinen Versorgungsanstatt im Groß- herzogthum Baden, dahier, Nr. 8724, vom 2l. Mai 1872 lautend auf den Namen und das Leben von Karl Heinrich Louis Kober, damals Eisenbahn- Diätar zu Kassel, über ein Kapital von 1500 Thalern^zahlbar an dessen Rechtsnachfolger, beantragt. Auf der unter b. erwähnten Urkunde befinden sich Nachträge vom 9. Juli 1873, 9. September 1878 und 6. April 1883 wegen Aende- rungen hinsichtlich der Empfangsberech- ligung und der Prämiencntrichtung. Die Inhaber der Urkunden werden aufgefordert, spätestens in dem auf Dienstag den 23. Mai 1893, Vormittags 9 Uhr, vor dem Großh. Amtsgericht Hierselbst, Akademiestraße 2, 111. Stock, Zimmer Nr. 22, anberaumten Termine ihre Rechte anzumelden und die Urkunden vorzulegen, widrigenfalls die Krastlos- erklärung derselben erfolgen wird. Karlsruhe, den 8. Oktober 1892. W. Frank, Gerichtsschreiber des Gr. Amtsgerichts. W.512.2. Nr. 18,210. Lörrach. Jonathan Wenk und Otto Wenk von Riehen besitzen auf der Gemarkung Jnzlingen die Liegenschaft Lagerbuch Nr. 4631 15 Ar Wald im Echelberg, neben Friedrich Kränzlin Witwe und Friedrich Göttisheim, dessen Gewähr wegen Mangels eines Eintrags in die Grundbücher verweigert wird. Aus Antrag des Jonathan und Otto Wenk, vertreten durch Nikolaus Löliger- Vombrunn in Riehen, werden nun diejenigen, welche an dem beschriebenen Grundstücke in den Grund- und Unter- pfandsbüchern nicht eingetragene und auch sonst nicht bekannte dingliche oder ! auf einem Stammguis- oder Familien- ! gutsverbande beruhende Rechte haben, aufgefordert, solche spätestens indem aus i Freitag den 9. Dezember 1892, ! Vormittags ^9 Uhr, ! bestimmten Termin anzumelden, widri- ^ genfalls die nicht angemeldeten Ansprüche für erloschen erklärt würden. Lörrach, den 8. Oktober 1892. Großh. bad. Amtsgericht, gez. Sviegelhalter. > Dies veröffentlicht: j Der Gcrichtsschreiber Gr. Amtsgerichts: ! Appel. Konkursverfahren- ! W.582. Nr. 7478. Philippsburg. ! lieber das Vermögen der Ziegler Christian Rech Ehefrau, Luise, geborene Schuppert in Äheinhausen, wird heute, " am 15. Oktober 1892, Nachmittags 4 " Uhr, daS Konkursvcrsahren eröffnet. ! Herr Waisenrichter Futterer in Phi- lippsburg wird zum Konkursverwalter ernannt. Konkurssordcrungen sind bis zum 7. November 1892 bei dem Gerichte anznmcldcn. Es wird zur Beschlußfassung und über die Wahl eines andern Verwalters, sowie über die Bestellung eines Gläubi- gerausschuffes und eintrctrnden Falls über die in 8 120 der Konkursordnung bezeichnten Gegenstände und zur Prüfung der angemeldeten Forderungen ans den lö. November 1892, Vormittags 9 Uhr, vor dem Unterzeichneten Gerichte Termin anberaumt. Allen Personen, welche eine zur Konkursmasse gehörige Sache in Besitz haben oder zur Konkursmasse etwas schuldig find, wird aufgegeben, nichts an den Gemeinschuldncr zu verabfolgen oder zu leisten, auch die Verpflichtung auferlegt, von dem Besitze der Sache und von den Forderungen, für welche sie ans der Sache abgesonderte Befriedigung in Anspruch nehmen, dem Konkursverwalter bis zum 7. November 1892. Anzeige zu machen. Phitippsburg, 15. Oktober 1892. Gerichtsschr-ibereidesGr. Amtsgerichts. Reich. Erbetowrisuugrn. W4952. Nr. 7809. Gernsbach. Das Großh Amtsgericht Gernsbach hat heute verfügt: Die Witwe des Fabrikarbeiters Valentin Heck, Maria, geb. Standinger von Ottenau, hat um Einsetzung in Besitz und Gewähr des Nachlasses ihres Ehemannes nachgesucht. Etwaige Einwendungen sind binnen 3 Wochen hier anzubringen. Gernsbach, 27. September 1892. Ter Gerichtsschreiber Gr- Amtsgerichts: Neuer. W 516.2. Nr-15,180. Rastatt. Die Witwe des am 5- Februar d- Js. zu Rothenfcls verstorbenen Steinhauers Wilhelm Fütterer hat um Einsetzung in die Gewähr des Nachlasses ihres Ehemannes nachgesucht Dem Antrag wird stattgegeben, wenn keine Einsprache innerhalb 3 Wochen bei uns erhoben wird. Rastatt, den 8- Oktober 1892. Großh- bad. Amtsgericht, gez. vr. Seidenadel. Dies veröffentlicht Der Gerichtsschreiber: _ Zirkel. _ W601I. Karlsruhe. Großh. Bad. Staats- Eisenbahnen. Wir verdingen öffentlich die Lieferung von Radreifen, und zwar: 118 Stück aus Tiegelgußftahl, 4L0 „ » Martinkabl, 1680 „ „ Martinflußeisen. Angebote sind schriftlich mit der Aufschrift »Radreifen" versehen spätestens am 7. November 1892, Vormittags 11 Uhr, bei uns einzureichen. Die Lieferungsbedingungen werden auf portofreie Anfrage von uns abgegeben. Zuschlagssrist 3 Worden. Karlsruhe, den 14. Oktober 1892. Großherzogl. Hauptverwaltung der Eisenbahnmagazine. Holzversteigerung. W 592.1. Nr. 1136. Von Gr. Be- zirksforstci Freiburg werden am Freitag den 2l. Oktober 1892, Mittags 12 Uhr beginnend, im Gastbaus zu den Zwei Tauben in Falkensteig aus dem Domänenwald-Listrikt „Höllthalwald" mit unverzinslicher Borgfcist versteigert: 131 lannene Sägklötze 1-, H- u. IH- Klaffe, 1 Ahorn; 110 Ster buchenes, 256 Ster tann. und gemischtes Scheitholz in zwei Klaffen, sowie 51 Ster meist tanneneS Prügelhoiz und 2 Loose Abfallre-.s. — Das Holz, welches im Engrdach, Lanbbrunnendobel, bei der Kehre und am Hirschsprung fitzt, wird auf Verlangen non Waldhüter Tritsch- ler in Falkensteig vorgezeigt. "W 593.1^ Emmenqnigenl Offene Stelle. In diesseitiger Anstalt ist die Stelle eines BerwaltungSgehilfe« mit einer Jahresvergütung von 1100—1200 Mk. in Bälde zu besetzen. Bewerber aus der Zabl der Verwal- tsngsaktuare und Jncipienten mit gefälliger und geläufiger Handschrift sind eingeladen, sich unter Beischluß ihrer Zeugnisse bis längstens 24. d. M- dahier zu melden. Emmendingen, 16. Oktober 1892. Großh. Heil- und Pflegeanstalt. Druck und Verlag der G. Braun'schen Hosbuchdruckerei.