Beilage M Ur. 281 -er Karlsruher Zeitung. Samstag. SS. Oktober L8SS. Großherzogthum Baden. Karlsruhe» den 21. Oktober. * (Die Großherzogliche Kunstgewerbeschule Karlsruhe) hat vor Kurzem ihr Wintersemester wieder er- Sffnet und der Besuch ist ein so starker, daß in einzelnen Ab- tbeilmigen die verfügbaren Räume überfüllt sind und zahlreiche Aufnahmegesuche abgewiesen werden mußten. Insbesondere ist die Bethciligung in der Dekorations- und in der Winterschule eine sehr starke. Der neue Lehrplan weist verschiedene, theils sehr wichtige Neuerungen auf, die zum Zwecke einer noch bestimmteren fachlichen Ausbildung nach eingehender Prüfung der Bedürfnisse für die Praxis eingeführt wurden. So ist namentlich für den Fachunterricht eine durchgreifende Äenderung dahin eingetreten, daß derselbe nicht wie bisher im dritten, sondern schon im ersten Jahre beginnt, eine Maßnahme, welche im Allgemeinen schon die vorherige Wahl eines bestimmten Berufes durch Absolvirung einer Lehre bedingt. Für die Ausbildung der Zeichenlehrer ist eine besondere, auf vier Jahre ausgedehnte Abtheilung neu eingeführt und für dieselbe durch Berufung eines weiteren Professors eine geeignete Lehrkraft gewonnen worden. Neben dem Hauptstudium des Zeichnens und Modellirens, der Methodik und Kunstgeschichte ist den Schülern dieser Abtheilung auch nunmehr Gelegenheit geboten, sich mehr als bisher auf die durch das Examen bedingten mathematischen Fächer vorbcreiten zu können. Erhöhte Aufmerksamkeit widmet die Schule neuerdings den Naturaufnahmen, insbesondere dem Darstellcn der Pflanzen, sowohl in Bezug auf Form, als auch auf Farbe. Es ist dies eine Strömung, welche sich allenthalben in den meisten größeren Kunstgewerbeschulen fühlbar macht, deren Wirkung erst später klarer zum Ausdruck gelangen wird. Diese Naturstudien erhalten ihre Fortsetzung und praktische Verwerthung durch die in den Lehrplan aufgenommenen Stilisirübungen, in welchen diese Naturformen, für die verschiedenen Gebiete des Kunstgewerbes angepaßt, ihre Verwendung finden. Die ersten Proben dieser Richtung wayen bereits bei der diesjährigen Frühjahrsausstellung der Kunstgewerbeschule vertreten und fanden dort die besondere Beachtung der auswärtigen Fachlehrer. Sehr bemerkbar machte sich bei dieser Ausstellung auch die Benützung der kunstgewerblichen Vorbildersammlung für die Zwecke des Unterrichts, da der Inhalt des Kunstgewerbemuseums in vielseitigster Weise für die Ausbildung der Schüler beigezogen wird. Auch in dem neuen Schuljahr ist wieder eine Studienreise mit Schülern unter Führung eines Professors geplant, da die Ergebnisse der letzten Reise nach Tyrol sehr befriedigende waren. Das hierbei gewonnene Studienmaterial geht in den Besitz der Lehrmittelsammlung über. — Nach dem neuen Schulprogramme ist jetzt die Bezeichnung der aus zwei Vorkursen bestehenden Vorschule in Wegfall gekommen. Die Aufnahmebedingungen wurden verschärft und gliedert sich die Anstalt nunmehr in folgende Fach- abtheilungen: Architekturschule, Bildbauerschule, Ciselirschule, Dekorationsschsle. Zeichenlehrerschulc und Winterschule. Letztere ist hauptsächlich für Dekorationsmaler eingerichtet, welche den Unterricht nur während des Wintersemesters besuchen. Hierzu kommt noch die Abendschule für Gewerbegehilfen und Lehrlinge mit Unterricht im Freihandzeichnen und Modelliren. Der so wünschenswertsten Ausdehnung dieser Fachklaffen für weitere Gebiete, wie Glasmalerei, Keramik, Textile rc. steht vorerst der nicht ausreichende Raum im jetzigen Gebäude hemmend entgegen» doch wird sich die Kunstgewerbeschule für die Dauer der Weiterbildung nicht entziehen können, zumal die Institute unserer Nachbarstaaten bereits solche Fachabtheilungen aufzuweisen haben, die bei uns fehlen, deren Einführung aber aus Interessentenkreisen als sehr wünschenswerth bezeichnet wird. K. Gernsbach» 18. Okt. (Unterrichtskursus im Obstund Gartenbau für Frauen und Mädchen.) Die letzte Abtheilung des vom hiesigen Landwirthschaftlichen Bezirks- verein in Verbindung mit dem Ortsgartenbauverein eingerichteten ! theoretischen und praktischen Kursus im Obst- und Gartenbau für Frauen und Mädchen wurde am 1t). und 11. Oktober mit ie 8 Unterrichtsstunden abgchalten. Die Schülerinnen waren wieder vollzählig erschienen und folgten dem Unterricht mit großem Interesse. Am Nachmittag des zweiten Tages wurde eine Repetition des in den drei Ablheilungcn behandelten Unterrichtsstoffes mit einer gleichzeitigen Prüfung der Schülerinnen vorgenommen. Die präzisen Antworten der Theilrichmerinnen zeigten zur Genüge, daß der Unterricht vom besten Erfolge begleitet war, und die den Unterricht ertheilenden Herren konnten mit den Schülerinnen im Allgemeinen sehr zufrieden sein. Auf den 12. Oktober war der ganze Kursus zu Ihrer Königlichen Hobeit der Großherzogin nach Baden befohlen. Nach eingehender Besichtigung der Großherzoglichen Obstanlagen wurden die Thcilnehmerinnen und Teilnehmer des Ausflugs in das Großherzogliche Schloß geleitet. Alsbald erschien Ihre Königliche Hoheit die Großherzogin in dem Empfangssaale und unterhielt sich zuerst in eingehender Weise mit den Unterricht ertheilenden Herren, denen Höchstdieselbe den wärmsten Dank für das Zustandekommen des Kursus aussprach. Darnach ließ sich die hohe Frau die sämmtlichen Theilnehmerinnen vorstellen und sprach mit jeder einzelnen in der liebenswürdigsten Weise, immer hervorbebend, wie sie sich freue, daß der Gernsbacher Kursus so vielen Anklang gefunden habe. Den Damen und Herren des Kursus wird dieser Ausflug nach Baden stets in der angenehmsten Erinnerung bleiben. »Lahr, 18. Okt. (Die Landesversammlung des Badischen Frauenvereins), welche am 17. d. M in der Aula unserer Luisen-Schule stattfand, war von hier und auswärts außerordentlich zahlreich besucht und es war in hohem Maße erfreulich, zu sehen, wie selbst die entferntesten Bezirke unseres engeren Heimathlandes bei dieser Berathuag über die gemeinsame Liebesthätigkeit der badischen Frauen und Jungfrauen vertreten waren. Vor der Ankunft Ihrer Königlichen Hoheit der Großherzogin gab der Generalsekretär des Vereins, Herr Geh. Rath Sachs, welcher in der Versammlung den Vorsitz führte und dieselbe mit feinem Takt und großer Umsicht leitete, einen Ueberblick über die reichhaltige Tagesordnung und machte einige Mittbeilungen in Bezug auf den Gang der Verhandlungen. Er erstattete ferner den Rechenschaftsbericht über die Einnahmen und Ausgaben der Centralverwaltung, des Dispositionsfonds und des Ortsvereins Karlsruhe. Kurz vor 10 Uhr erschien Ihre Königliche Hoheit die Gro b- Herzogin in der Versammlung. Herr Stadtpfarrer Wachs brachte der hohen Frau in überaus warmen, herzlichen Worten den Dank der Versammelten und des Lahrer Ortsvereins für Höchstihr Erscheinen und begrüßte dann die auswärtigen Vertreterinnen und Vertreter namens der Lahrer Vereinsmitglieder. Der Vorsitzende, Herr Geh. Rath Sachs, brachte der Versammlung den Willkommgruß der Centralleitung und sprach dem Lahrer Frauenverein besten Dank aus für seine erfolgreiche Thätigkeit auf allen Gebieten des Frauenvercinswesens und besonders auch für seine Bemühungen für den schönen Verlauf der Hauptversammlung und den glänzenden Empfang der Gäste. Sofort wurde nun in die Tagesordnung eingetretcn und der wichtigste und umfangreichste Punkt derselben, „Beratbung desEntwurfs der v or g ek chl a g e n e n Statutenänderung". zur Behandlung gebracht. In eingehender, klarer Darstellung gab der Vorsitzende die Gründe der Aenderungsvor- schläge, die in erster Linie die Möglichkeit schaffen sollen» den einzelnen Zweigvereinen Körpcrschaftsrechte zu sichern und sie damit zur Erwerbung von Liegenschaften und zur Annahme von Vermächtnissen zu befähigen. Nach dem Statutcnentwurf zahlen ferner alle Zweigvereine einen, wenn auch unbeträchtlichen Beitrag zum Centralverein, erhalten dafür aber auch ausuahmSlo die Stimmberechtigung bei allen Vereinsverhandlungen, womit denn auch die seitherigen Ungleichheiten in deu Berechtigungen der einzelnen Vereine aufgehoben sind. Der Entwurf hatte vor der Landesversammlung allen Zweigvereinen zur Begutachtung Vorgelegen und wurde mit einzelnen kleinen Aenderungen einstimmig angenommen. Interessant war der hierauf von dem Vorsitzenden erstattete Bericht über die vielseitige und umfangreiche, von Jahr zu Jahr sich erweiternde Vereinsthätigkeit. Wir müssen leider an dieser Stelle auf eine nähere Darstellung verzichten und auf den 32. Jahresbericht verweisen, aus dem wir erst kürzlich einen längeren Auszug mitgetheilt haben. Nach Beendigung des allseitig mit Dank und Anerkennung aufgenommenen Berichtes trat eine halbstündige Pause ein. Ihre Königliche Hobeit benutzte dieselbe, um die im anstoßenden Saale arrangirte Ausstellung unserer Frauenarbeitsschule zu besichtigen, während die übrigen Theilnehmer an der Versammlung in einem andern Nebensaale die von der Stadt Lahr gebotenen Erfrischungen einnahmen. Zur Wiedereröffnung der Tagesarbeit erhielt Herr Stadtpfarrer Wachs, der Beirath des hiesigen Ortsvercins, das Wort zum Bericht über die Thätigkeit des letzteren. Er gab einen kurzen Ueberblick über die Geschichte desselben und forderte dazu auf, nicht nur willige Hände zu bethätigen. sondern auch selbst die Stätten des Jammers aufzusuchen. In unserer Zeit, in der die Unzufriedenheit sich förmlich organisirt habe, müsse auch die Liebe sich organisiren, um körperliches, geistiges und sittliches Elend zu bekämpfen. Eine solche Organisation zur Betbätigung der Barmherzigkeit sei vor allein der Frauenverein, der unter dem reichgesegneten Schutze seiner hohen Protcktorin eine unversiegbare Oueüe von Liebeswerken geworden sei. Auch der hiesige Zweigverein stehe hierin den Schwestervereinen des Landes nicht nach. Er habe in seiner Abtheilung für Armenwesen 100 arme Kranke unterstützt, an Weihnachten in 64 Familien Gaben ver- theilt, 6 kränkliche Kinder zur Kräftigung nach Dürrheim gesandt. Die Abtbeilung für Schulwesen hat jeder hiesigen Ar- beitslehrerin eine Vorstandsdame zugetheilt, welche den Jndustric- unterricht der Volks- und Höheren Töchterschule überwachen helfen- Die Kockschule hat in den 2Vr Jahren ihres Bestehens 150 erwachseneMädchen, worunter etwa die Hälfte Fabrikarbeiterinnen, unterrichtet: die gleichzeitig laufenden Kinderkochkurse haben 105 Kindern Gelegenheit gegeben, sich die elementaren Kochkenntniffe und -Fertigkeiten anzueignen. Die Frauenarbeitsschule bat z. Zt. in ihren drei Abtheilungen 81 Schülerinnen; die am Versammlungstage veranstaltete Ausstellung gab ein erfreuliches Bild ihrer Thätigkeit. Die drei Krankenpflegerinnen werden in den hiesigen Familien sehr geschätzt. Ihre Zahl wird wohl in Bälde vermehrt werden müssen. Die Volksküche hat in den 10 Monaten seit ihrer Gründung 22000 Portionen Speisen abgegeben. Endlich wird in den nächsten Tagen ein Kurs in kaufmännischen Fächern errichtet, in welchem der Rektor der städtischen Handelsschule nebst einem anderen Lehrer und dem Rechner der hiesigen Sparkasse Unterricht geben werden. 21 junge Damen sind für den Kurs bereits angemeldet So durfte der Herr Redner seinen Bericht mit der Hoffnung schließen. der Lahrer Ortsverein, der sich ja des wiederholten Besuches Ihrer Königlichen Hoheit der Großherzogin erfreuen durfte und dadurch zu rastlosem Weiterschaffen angeregt wurde» werde mit Gottes Hilfe ein immergrüner Zweig am großen Baume des Badischen FrauenvereinS bleiben. Nachdem der Herr Vorsitzende dem Berichterstatter den Herz- licksten Dank für seine lichtvollen und geistreichen Ausführungen ausgesprochen hatte, erhielt Kreisschulrath Wehgoldt von Karlsruhe daS Wort zu einem Vortrag über «Haushal- tungsunterricht und Schule". In einer von gründ- lichem Studium der einschlägigen Frage zeugenden Rede be- Nachdruck verholen. Die Nebernahme der Direktion des Karlsruher s. Hoftheaters durch Eduard Devrient. (Schluß.) In dem Allem trat eine entschiedene Wendung ein. Gluck wurde alsbald mit „Armita" in das Repertoire ausgenommen; im Lauf der folgenden Jahre gesellten sich dazu vier weitere Werke des Meisters. Sechs Mozart'schc Werke, Beethovens, Webers. Spohrs, Marschners, Meyerbecrs, Wagners Werke bildeten den Grundstock des Opernrepertoires. Auch im Schauspiel wurden die Grundlage des Repertoires die Klassiker, unter ihnen vor Allem Der, dessen Pflege und Wiedergabe nach Devrients Meinung den zuverlässigsten Maßstab abgab für die Leistungen eines wahren Kunstinstituts: Sbakspeare. In Karlsruhe galt es recht eigentlich, den ersten aller Dramatiker erst für die Bühne zu erobern. Schritt für Schritt, in systematischem, planvollem Schaffen wurde der Boden gewonnen und bearbeitet. In sorgfältigen Einrichtungen aus der Hand des Direktors, in wohlvorbereiteten Aufsübrungen wurde Stück für Stück dem Repertoire einverleibt. Als Devrient feine 18jährige Direktionsführung abschloß, hatte er im Ganzen 20 verschiedene Stücke des Meisters zur Ausführung gebracht. Schon am 31. Dezember 1854 zeigte eine Uebersicht der vom 17- Mai 1853 bis zu diesem Zeitpunkt gegebenen Vorstellungen ^0 Aufführungen von 7 Sbakspearc'schen Stücken. In demselben Zeiträume war Goethe mit 5, Sckiller mit 13, Lessing unt 3 Aufführungen vertreten. An Novitäten gelangten inner- dA» dieser ersten beiden Jahre 14 Stücke (darunter Ludwigs »Makkabäer", Mosentbals „Sonnwendhof"), sämmtlich Original- Aerke deutscher Autoren, zur Aufführung. Koffka schreibt vierüber: nicht allein, daß die hiesige Bühne sie gegeben, sondern °"ch wie sie sie gegeben, verdient mit besonderer Anerkennung ^vorgehoben zu werden. Mit einer Liebe, einem Fleiß» einer "^stf^lnkrit widmet sich Devrient den Einstudirungen der Er- kön^e * unserer modernen Dramatiker» die nicht größer sein ibn» ^un den eigenen gälte. Wahrlich, er vertritt an *"Een Sinne des Worte- Vaterstelle; so mancher > ^ucht sein Geist Leben und Kraft ein, vor so manchem wanken und Straucheln bewahrt seine kräftige, sichere Hand." »Hbä»,"»' uptaugenmeck richtete Devrient von Beginn seiner "uf die Erzielung vornehmer und künstlerisch abgerundeter Vorstellungen. Mit den jungen, zum großen Theil neu , engagirten Kräften, die der Führung der kundigen Hand ver- ^ trauensvvll folgten, begann er in rastloser Arbeit darnach zu ^ ringen, ein tüchtiges, stilvolles und abgerundetes Ensemble in's ^ Leben zu rufen. In der vollen und ovferungSfreudigen Hin- ! gäbe des Einzelnen an das Ganze, in der strengen Vermeidung alles effekthaschenden Virtuosenthums erkannte Devrient das höchste Ziel der Schauspielkunst. Man erzählt uns von Devrients hervorragendem Lehrtatent, das ihm ermöglichte, durch unausgesetzte Beschäftigung mit dem Einzelnen auf der Probe und zu Hause, auch mittelmäßige Talente zur Uedernahme schwieriger Aufgaben heranzudilden und dadurch selbst die rollenreichsten Stücke mit Erfolg zur Aufführung zu bringen. Schon 1855 weiß Koffka das tüchtige, theilweise vorzügliche Ensemble zu rühmen, das Vorstellungen wie „Tartüffe". „Journalisten", „Viel Lärmen um Nichts", „Komödie der Irrungen" u. a. cigenthüm- lich war. Durch häufige Wiederholongen, die Gelegenheit zur immer feineren Ausarbeitung der einzelnen Leistungen gaben, wurde dies Ensemble befestigt. Das Publikum allerdings machte Devrient daraus einen Borwurf, ohne zu ahnen, daß das Publi- um, das sich gegen die Wiederholungen guter Vorstellungen sträubt, weil es die Stücke schon kennt, „so ziemlich auf der untersten Stufe der Kunstanschauung" steht. Auch Gustav Freytag, der während der Zeit der Devrient'schen Direktionsführung des öfteren nach Karlsruhe kam und Vorstellungen des Hoftheaters beiwohnte, weiß nicht genug des Rühmlichen von der Tüchtigkeit derselben zu erzählen. „Die Befriedigung. welche seine Bühne gewährte. war die beste, welche gegenwärtig in einer mittleren Stadt zu erreichen ist. Es war zuerst die Abwesenheit grober Fehler und eine beharrliche Bändigung der dramatischen Rohheiten, durch welche der Schauspieler für sich Beifall sucht, indem er liebertreibungen der Posse in das Lustspiel mischt» seine Wirkungen auf Kosten der Mitspielcnden aufbläht u. s. w. Man war immer sicher» in guter Gesellschaft zu sein, auch bei gewagten und possenhaften Momenten vermißte man nicht das Zartgefühl guter Sitte. Dazu kam als besonderer Reiz die Einheit des dramatischen Stils in sämmtlichen Rollen, die Zuvorkommenheit, mit welcher die Wirkungen durch einen Darsteller dem andern vermittelt wurden, vor allem die warme Achtung des Bühnenleiters und seiner Künstler gegenüber den Tcxtworten und den beabsichtigten Wirkungen des Dichters." Den häufig gegen Devrient erhobenen Borwurf, daß sein Verfahren die Mittelmäßigkeit in der Kunst begünstigt, dagen starke künstlerische Individualitäten in ihrer Entwicklung eher gehemmt als gefördert habe, diesen Vorwurf weist Gustav Freytag als unbegründet zurück. Ec führt aus, daß Devrient bei den br. scheidenen Mitteln der Karlsruher Bühne in erster Linie darauf angewiesen war. mäßige Begabungen zu einem tüchtigen Ensemble heranzuziehcn, bezeugt aber zugleich, daß D-vrient den reicheren und ersten Talenten, die er zu erwerben das Glück hatte, freien Spielraum gelassen habe. Es soll indessen nicht Aufgabe dieser Zeilen sein, den Versuch zu wagen, in so engem Rahmen ein Bild der vielumfaffenden Thätigkeit Devrients in der Zeit seiner Th-aterleitung zu geben; dieselben sollten vielmehr nur die Erinnerung an den vor nunmehr 40 Jahren liegenden Beginn jener Epoche wecken und dasjenige in'S Gedächtniß rufen, was dieser Epoche der Karlsruher Theatergeschichte ihre charakteristische Eigenart verlieb und sie zu einer Glanzzeit im besten Sinne des Wortes in der Geschichte des Institutes stempelte. Daß Devrient mit seinen Bestrebungen sehr langsam in Karlsruhe festen Fuß fassen konnte, daß er im Kampfe mit zahllosen Widersachern nnd Feinden sehr allmäblig erst die Anerkennung sich errang, die seinen Leistungen gebührte, ist allbekannt und leicht erklärlich bei einer so rücksichtslos für seine Ideale und seine künstlerische Ueberzeugung arbeitenden Natur, wie die Devrients es gewesen ist. Um so mehr verdient es andererseits hervorgehoben zu werden, daß es von Anfang an auch nicht an Stimmen fehlte, die mit wärmster Antheilnahme und hingebender Begeisterung für die Sache Devrients Partei ergriffen und in klarer Erkenntniß von der Bedeutung des Mannes die neue glanzvolle Aera des Hoftheaters zu würdigen wußten. Eine solche Stimme ließ sich schon Anfang der 50r Jahre in den Leipziger Jahrbüchern vernehmen und schilderte den Lesern derselben in liebevollster Werse das Wirken Devrients als Direktor. Mit den Schlußworten dieses Aufsatzes, als der Aeußerung eines Zeitgenossen aus den ersten Jahren der Devrient'schen Thätigkeit, mögen auch diese Zeilen ihren Abschluß finden: „Daß eine Persönlichkeit wie Eduard Devrient viele Neider und Feinde hat, ist begreiflich; wie nicht minder, daß sein Streben von Vielen verkannt wird. Aber die Anfeindungen und Verdächtigungen gegen ihn, den besten» wohlwollendsten, redlichsten Mann, verhallen vor dem ihn beglückenden Vertrauen und den Auszeichnungen seine- Fürsten und der Besseren und Besten des Publikums, sowie in der Verehrung und Liebe, die das Kuustpersonal ihm zollt." leuchtete der Sprecher die Nothweudigkeit deS HauShaltungS- unterrichts, schilderte die hierauf bezüglichen Einrichtungen in anderen Ländern und begründete die Ansicht» der Hausbaltungs- unterricht werde am zweckmäßigsten mit der Fortbildungsschule« nicht aber mit der Elementarschule verbunden. Er gab dann noch trefflicke Fingerzeige über die praltische Einrichtung der Haushaltungsschulen. Auch diesem Redner wurde vom Vorsitzenden der allgemeine Daul ausgesprochen und dann Herrn Medizinalrath Kroell von Lahr das Wort erthcilt zu seinem Vortrag über „Kinderpflege und -Ernährung in den ersten Lebens- jahren. In eingehender, mit manchen Beispielen aus eigener Erfahrung belegter Vortragsweise gab der Redner ein Bild der vielfach herrschenden Mißstände in Kinderernährung und Kinderpflege und schloß daran eine Reibe beachtenswerther Weisungen über die richtige Behandlung dieses so überaus wichtigen Gegenstandes. Herr Geh. Rath Sachs sprach dem Herrn Medi- zinalrath ebenfalls den Dank der Versammelten aus, legte dann »och dis Entlastung der Rechnungsprüfung der Centralverwaltung zur Annahme vor. die auch einstimmig erfolgte, und sprach dann m einem warmen Schlußworte allen Versammelten für ihre rege Theilnahme und der Stadt Lahr für die freundliche Ausnahme der Versammlung innigsten Dank aus mit dem Ausdruck der Hoffnung, auck diese Berathungen möchten der Entwickelung des Badischen Frauenvercins zu glücklicher Förderung gereichen. Ihre Königliche Hoheit hatte die Gnade, sich die Herren Stadtpfarrer Wachs, Kreisschulrath Weygoldt und Medi- ! zinalrath Kroell Vorsteven zu kaffen, ihnen Ihren allrrch-chsiru Dank auszusprechen und sich deS Näheren mit ihnen über die einschlägigen Fragen zu besprechen. Wir sind überzeugt, daß den reichen Belehrungen und Aa- ! regungen dieses Tage-, wie auch dem gegenseitigen Austausch ! der auf dem Felde der Wohlthätigkeit gemachten Erfahrungen i ein Born des Segens für viele Bedrängte entquellen wird, und > wünschen mit Herrn Stadlvfarrer Wachs, es möchte bald dir I selige goldene Zeit kommen, in welcher jeder Unglückliche seinen : barmherzigen Samariter sinket. Literatur. ! Am 22. Oktober 1892 werden cS hundert Jahre, daß die ! Festung Mainz nach kurzer Belagerung von den Truppen der französischen Republik besetzt wurde. Diese Besitznahme eines ! der Hauptbollwcrke der Sicherheit Deutschlands durch die Fran- ! zosen und was derselben unmittelbar voranging und nachfolgte, ' schildert unser Landsmann Professor Karl Heinrich Schaible ! in einer vor Kurzem im Verlag der G. Braun'schcn Hof- ! buchhandlung erschienenen Schrift: „Deutschland vor hundert ! Jahre«. Die Einnahme von Mainz im Jahre 1792 und die ^ Mainzer Jakobiner", und zwar an der Hand der betreffenden Abschnitte des fast gleichzeitig mit diesen Ereignissen im Buchhandel erschienenen Werkes des Schweizers vr. Christoph Gir- i tanner: „Historische Nachrichten über die französische Revolution". ! Bei feiner Arbeit war Professor Schaible in erster Reihe von dem Wunsche geleitet, dem auch heute »och vielfach geglaubten Jrrthom entgegenzutreten, daß die Rheinlande sich vor hunder Jahren mit revolutionärer Begeisterung in die Arme Frankreichs geworfen hätten. Er wollte nicht minder durch diese authentische Darstellung eine Parallele ziehen zwischen der Behandlung der Deutschland treuen Einwohner von Mainz seitens der Franzosen im Jahre 1792 und derjenigen, welche Deutschland nach 1870 den Franzosenfreunden in dem wicdergewonnenen Reichslande angedeihen läßt. Die Schrift ist nicht nur interessant durch die geschichtliche Darstellung einer denkwürdigen Episode aus der Zeit der großen Umwälzung, die dem ganzen Welttheil eine neue Gestalt gab» sondern auch durch die eingehenden von der wärmsten Vaterlandsliebe erfüllten Betrachtungen, die der Verfasser an die Schilderung jener Ereignisse anreiht. Daß ein Mann, der jahrelang im Ausland eine zweite Heimath gefunden und dessen Blick sich dadurch erweitert hat, nicht in engherziger und ausschließlicher Weise seinen Patriotismus aufsaßt, versteht sich von selbst. Es ist daher auch begreiflich, daß Professor Schaible von dem Wunsche beseelt ist, es möge die im Interesse der Kultur be- klagenswerthe Entfremdung zwischen Deutschland und Frankreich keine dauernde bleiben. Aber er wird sich selbst kaum verhehlen, wie wenig Aussicht auf Verwirklichung die hierauf bezüglichen Wünsche haben, mit deren Darlegung er sein hiemit unseren Lesern bestens empfohlenes Schriftchen abschließt. Verantwortlicher Redakteur: Wilhelm Harder in Karlsruhe. i-, , «rdukü-uiivrrtziiltutge! t Tüte. — — 1» «Mk.. t «Vld-N W. -- I Rmk. 7 Gllldr» sitds. Md holliiu». » Rml., i Franc — so Pfg. Frankfurter Kurse vom 20 Oktober 1682 . » Ara -- so Pf,., t Pst. - ,s Sim!.. i Dollar - t Rmk. es Pfg rubrl — » Rmk. »0 » Mark Bant» — l Rmt. « P °slw« g- Ätsutspsvioee Badro 4 Obligat. fl. 102 29 . 4 . M. 123.70 . 4 Obl. v. 1886 M. 122 72 B »sern 4 Obligat. M. 107." Drutschl. MeichSanl. M. 127 10 . Z'st . M. 122.20 .3 . M- 8'82 Preußen 4 EousolS M. 106 SO . S'/z . M. 100 52 .3 . M. 86.82 Wtbg.4Obl. o. 1879 M. - .— . 4 Obl. v. 75/80 M. 10410 Ö sterreich 4 Goldrentr fl. 87 82 . 4*/, Silberr. fl. 8182 , 4^/x Papierr. fl. 82. — „ KPapierr.v.1831 85 22 Ungar« 4 Goldreute fl. 94.80 I allen 5 Rente Fr. 9170 Rumänien 5 Am.-R. Fr. 97 20 RMand 6 Goldanl. R. 103 90 . SU Orientaul. BR. 64 SO . Sw . PR. «5 40 94 42 Porr- 4'stAnl. v. 1888 M. , 3 Ausländ. Lstr. Serbien 5 Goldrente Lstr. Schweden 4 Oblig, M. Span. 4 Ausländ. P. Berner 3*/» Obligat. Fr. Egypten 4 ums. Obl. Lstr. . 3^ Privil. Lstr. Argmt.kJnu. Goldaul. P. 44.— Bauk-Nktt«. 3'/Z Deutsche R.-Bank M. 119.80 4 Badische Bank Thlr. 113 50 5 Basler Bankverein Fr. 125 52 4 Berlin. Handelsges. M. 133 — 4 Darmstädter Baak fl. — 4 Deutsche Bank M. 159 30 4 Deutsche Bereinsb. M. 104.50 4 Deuts che Unioubank M. 82 — 4 Disk.-Komm.-Ä. Thlr- 18410 5 Oest. Kredit ö. fl. 262',. 4 Rhein. Kreditbank Thlr. 122 22 4 D. Effektenb. 52°/ Thlr. 11110 4D.Hhv.-Bk. Wr. 50°/, 103.40 lS-Bahn Thlr. 113 60 72. - 4'/° Pfalz.Max-Bahn fl. 142 30 123 IS 4 Pfälz. Nordsah-, fl. 114 - 64 32 4 Gotthardbahn Fr. 153 50 23.90 Hess. Ludwigs ..Ma 99 62 5 Böhm. Westbahn fl. 99 — 5 Gal. Karl-Ludw.-B. fl. 285 l82^/, 151 85°« 178 193'/» 5 Oest- Lokalbahn fl- 5 Oest. Südbahn (Lmb.) st 5 Oest. Nordwest fl. 5 « „ lür. 8. fl. Mseubatzu-PrisMÄtt« 4 Elisabeth steuerfrei M. 121 42 5 Mähr. Greazbahn fl 79.62 5 Oest. Nordwest v. 74 M. 127.40 5 . „ Uit. L. fl. 9111 S . . lüt. 8. fl. 89.62 3Raad-Oed--Ebeuf. M. 63.3: i 4 Rudolf fl. 81 SO 4 , Salzkgut.Mr. M. 12-280 4 Vorarlberger fl. 3 Jtal. gar. E.-B. kl. Fr. öS 4 Gotthard IV. S. Fr. 123 90 97 61 1038) 123 42 Fr. 3'/» Jura-Bern-Luz. Fr. 4 Schweizer Central Fr. 4 dto. Nordast 85-87 Fr. 5 Südbahn steuerfrei 4 dto. 3 dto. 5Oest.-U.St.-B.7S-74 fl. 107 20 3 dto. l.-V1!I. Km. Fr. 79 82 3 Livors. 6. v. u. 11/3 Fr. 6392 STosca». Cemral Fr- 122 62 5 Westflc.E.-B. 82 stfr. -tz. 95 — 8 South. Paris. Tal. !-M. 110.72 Pfemdbriefe. 4 Pfälz. Hyp. u-18)8 R- 122.42 4 Pr.B.-K.-A.V1t-!LThlr.101 42 4 Preuß. Le»tr.-Bos.-Kred.- G. 35 ü 100 Thlr. 10121 4 Rh. Hvv. S. 43-49 M 121. - 4 dto. uuküadb. 18SS-S7 123.10 3'/, dto. M. 95 82 BrsziuSllchr rlsssr« 3^ Preuß. Präm. Thlr- 179.- 4 Badische Präm. Thlr- 138.— Tdlr. 141 32/Äieu Thlr. 138 70 Dollars »n Gold 4 Bagnsche Präm 4 Mria. Pr.-Pfb. 3 Oldenburger Thlr. 123 52 22 Franken-Stück 124 624 Oestsrc. v. 1854 fl. 123 - Engl- SoverergnS »232 4 . v. 1362 fl. 124.42iQviiL«tisur« «ss 63 62 4 Stuhlw.Raad-Gc-Thlr. 103.12 NMes. UuvrrztuSlichs ' fl. 120 172 22 4.15 1« 17 M-33 ZrWuRsi«- 41 32 22 72 104.32 19.32 28 - 323 - 329 82 253'20 per Stück in M. AuSbach-Guuzenh. fl. Augsburger fl. Brauaschwergsr Thlr. Freiburger Fr. «urhesfische Thlr. Mailänder Fr- 12 Meininger fl. Österreicher v. 1864 fl. dto. Kredit v. 1853 fl. Schwedische Üngar. Staats Wechsel »«» Gsrie«. Amsterdam fl. ISS 168 65 London Lstr. 1 32.37 Paris Fr. 100 82 90 3'/, Freiburg o. 1883 M.- 3 Karlsruhe v-1886 M. 87.90 Ettlinger Spinnerei «1. 102.— Aarlsruh. Mas chmsnf. W- 144.— Bad. Zuckers. Wagh. fl. 55.70 3 Deutsch. Phönix 30 7» E. 316 — Rheinische Hypotheken» Bank 72'/, Thlr. 134- 5 Westeregrln-Alkalr-W- 122 20 5 Dortmund, Union M- 11152 4'/r Alpine Montan abgest. 95 90 4 dto. Ser. U-Vlll Ar, 82.20 TtuuseSyrrrl. Aul-cheu. Büdingen fl. 10190 '--Birstem 87 M 87.— Sdaak-Dlscoat 37, Frankfurter Bauk-DiSeoul 3'/» «ürgerkche Rechtspflege. Orffentliche Anstellung. W 646-1. Nr-15,485- Mannheim. Die Ehefrau des Kaufmanns Gustav Baumstark, Babette, geb. Höfer, zu Hockenheim, vertreten durch Rechtsanwalt vr. Köhler in Mannheim, klagt gegen ihren genannten Ehemann von Hockenheim, zur Zeit an unbekannten Orten» wegen Ehebruchs des Beklagten, harter Mißhandlung und grober Verunglimpfung der Klägerin durch den Beklagten, mit dem Anträge auf Scheidung der zwischen den Streitlheilcn am 23. Januar 1889 in Pforzheim geschlossenen Ehe, und ladet den Beklagten zur mündlichen Verhandlung deS Rechtsstreits vor die 1. Civilkammer des Gr. Landgerichts zu Mannheim auf Samstag den 24. Dezember 1892, Vormittags 10 Uhr, mit der Aufforderung, einen bei dem gedachten Gerichte zugelaffenen Anwalt zu bestellen. Zum Zwecke der öffentlichen Zustellung wird dieser Auszug der Klage bekannt gemacht. Mannheim, den 15- Oktober 1892- Schulz, Gerichtsschreiber des Gc Landgerichts. W 685-1. Nr. 15,837. Rastatt. Die Firma Gebrüder Schropp, Schuhgeschäft in Rastatt, vertreten durchRechls- anwalt Reinhard hier, klagt gegen den Hermann Wallenfels von Frankfurt a. M., zur Zeit an unbekannten Orten abwesend, aus Kauf von Schuhwaaren und Ersatz von Pcozeßkosten, mit dem Anträge, den Beklagten durch ein für vorläufig vollstreckbar zu erklärendes Urtheil zur Zahlung von 92 M. 60 Pf. nebst 5 °/, Verzugszinsen vom Klagzustellungstage an zu verurtheilen und ladet den Beklagten zur mündlichen Verhandlung des Rechtsstreits vor das Großh. Amtsgericht zu Rastatt, dessen Zuständigkeit auf § 29 C.P.O. gestützt wird, auf Dienstag den 6. Dzember 1892, Vormittags 9 Uhr. Zum Zwecke der öffentlichen Zustellung wird dieser Auszug der Klage bekannt gemacht. Rastatt, den 19. Oktober 1892. Zirkel, Gerichtssckreiber des Gr- Amtsgerichts. W6861. Nr. 27,336. Frerburg. Der Ferdinand Karrer in Thuns el klagt gegen den Ludwig Stamm, Milchhändler in Freiburg, z. Zt. an unbekannten Orten, aus Milchlieserung von den Monaten Juli, August, September 1892, mit dem Anträge auf Ver- urtheilnng des Beklagten zur Zahlung von 134 M. 88 Pf, und ladet den Beklagten zur mündlichen Verhandlung des Rechtsstreits vor das Gr. Amtsgericht zu Freiburg auf Dienstag den 29. November 1892, Vormittags 9 Uhr. Zum Zwecke der öffentlichen Zustellung wird dieser Auszug der Klage bekannr gemacht. Freiburg, den 7. Oktober 1892. Frey, Gerichtsschreiber des Gr. Amtsgerichts. W 689.1. Nr- 9515- Konstanz. Orchestrioiifabrikant L- P- Schönstem in Villingen, vertreten durch Rechtsanwalt Heilmann in Villingen, klagt gegen d.Musikwcrkmacher EmilS ch m id von Böhrenbach, zur Zeit an unbekannten Orten abwesend, aus Waarenkauf, mit dem Anträge, den Beklagten für schuldig zu erklären, dem Kläger 1234 Mark nebst 5 °/« Zins vom Klagezustellungstage zu bezahlen und die Kosten des Rechtsstreits zu tragen, und ladet den Beklagten zur mündlichen Verhandlung des Rechtsstreits vor die ll- Civilkammer des Großh. Landgerichts zu Konstanz auf Donnerstag den 5. Janyar 1893, Vormittags 9 Uhr, mit der Aufforderung, einen bei dem gedachten Gerichte zugelaffenen Rechtsanwalt zu bestellen. Zum Zwecke der öffentlichen Zustellung wird dieser Auszug der Klage bekannt gemacht. Konstanz, den 19. Oktober 1892. Der Gerichtsschreider Gr. Landgerichts: 1)r. Bcrnauer. Aufgebot. W-597-3. N. 34,722. Karlsruhe. Die Marie Josefine Kniebühler, jetzt Ehefrau des Martin Sch wehr, Wein- prodaccut zu Endingen aui Kaiserstnhl, sowie Karl Heinrich Louis Kober, König!- Eisendaho-Hauptkaffenbnchhal- ler zu Halle a. S-, beide vertreten durch August Fischer hier, haben das Aufgebot, und zwar: a Martin Schwebr Ehefrau: des Rcntenscheins der Allgemeinen Versorgungsanstalt dahier Nr. 1351 der Jahresgesellschaft 1845 Klasse la vom 21. September 1871 über 220 Gulden auf den Namen von Marie Josefine Kniebühler von Endingen; b. Karl Heinrich Louis Kober: des Lebensverficherungsvertrags mit der Allgemeinen Bersorgungsanstait im Großherzogthum Baden, dahier, Nr. 8724, vom 2l. Mai 1872 lautend auf den Namen und das Leben von Karl Heinrich Louis Koder, damals Eisenbahn- Diätar zu Kassel, über ein Kapital von 1520 Tbalern, zahlbar an dessen Rechtsnachfolger, beantragt. Auf der unter V. erwähnten Urkunde befinden sich Nachträge vom 9. Juli 1873, 9. September 1878 und 6. April 1883 wegen Aende- rungen hinsichtlich der Empfangsberechtigung und der Prämiencntrichkung. Die Inhaber der Urkunden werden aufgefordert, spätestens in dem auf Dienstag den 23. Mai 1893, Vormittags 9 Uhr, vor dem Großh. Amtsgericht Hierselbst» Akademiestraße 2, HI- Stock, Zimmer Nr. 22, anderaumten Termine ihre Rechte anznmelden und die Urkunden vorzulegea» widrigenfalls die Kraftlos- erklärung derselben erfolgen wird. Karlsruhe, den 8. Oktober 1892. W. Frank, : Gerichtsschreiber des Gr. Amtsgerichts. W 589.2. Nr- 24,059. Mosbach. Karl Friedrich und Ernst Wilhelm Barth, minderjährig, von Hüffenhardt, besitzen auf dortiger Gemarkung in un- gctheilter Gemeinschaft ungefähr 15 Ruthen Wiesen im Brühl, neben Salo- mon Eisenmann und Karl Üble, worüber der Erwerb durch einen Eintrag im Grundbuche nicht nachgewiesen werden kann. Auf Antrag des Vormunds der Betheiligten werden alle Diejenigen, welche an diesemGrundstückin denGrund und Pfandbüchern nicht eingetragene, auch sonst nicht bekannte dingliche oder auf einem Stammguts- oder Familien- verbande beruhende Reckte zu haben glauben, aufgeforderk, solche spätestens in dem auf Freitag den 23. Dezember 1892, Vormittags 10 Uhr, bestimmten Aufgebotstermin anzumeldeu, widrigenfalls die nicht angemeldeten Ansprüche für erloschen erklärt würden. Mosbach» den 13. Oktober 1892. Gcvßd. Amtsgericht, (gez.) Oesterle. DieS veröffentlicht: Der Gerichtsschreiber Gr. Amtsgerichts: Heber. W 590.2 Nr. 15,504. Lahr. Fräulein Aldertine Köchlin von Lahr besitzt folgende von ihrer Mutter, der Frau Pfarrer Köchlin Witwe von Schmie- Heim, ererbte Liegenschaften der Gemarkung Dinglingen, über deren Erwerb ein Eintrag im Grundbuche nicht besteht : Lagerbuch Nr. 2822 : 23 Ar 58 Mtr. Wiesen auf der Wüstmatt, neben Otto Schulz, Jakob Siefeit-Weis und Jakob Schmidt, im Anschläge von 600 M. Lagerbuch Nr. 4127: 64 Ar 35 Mtr. Wiesen auf der Hurstmattc, neben Andreas Gehler, Jakob Schell und Martha Emma Fischer, im Anschläge von 1200 M. Auf Antrag der Albertine Köchlin werden alle Diejenigen, welche in den Grund- und Pfandbüchern nicht eingetragene, auch sonst nickt bekannte dingliche oder auf einest, Stamm- oder Fa- miliengutsverdav.de beruhende Rechte haben oder zu haben glauben, hiermit aufgesordert, solche in dem auf Samstag den 24. Dezember d. I., Vormittags 10 Uhr, bestimmten Termine anzumelden, widrigenfalls düse Ansprüche der Anfgebots- klägerin gegenüber für erloschen erklärt werden. Lahr, den 12. Oktober 1892. (gez.) Mündel. Dies veröffentlicht Der Gerichtsschreiber Gr. Amtsgerichts: Eggler. Konkursverfahren. W678. Nr. 40,774. Pforzheim. Ueber das Vermögen der Frau Frieda Schmitz, Pntzgkschäft in Pforzheim, wurde heute, am 19. Oktober 1892, Nachmittags 4 Uhr, das Konkursverfahren eröffnet und Rechtsagent Eis en- hüt dahier zum Konkursverwalter ernannt. Konkursforderungen find bis zum ' 1. Dezember 1892 bei dem Gerichte ! anzumelden. ! Es ist zur Beschlußfassung über die ! Wahl eines andern Verwalters, sowie > über die Bestellung eines Gläubigcraus- : schuffes und eintretendcn Falls über . die in 8 122 der Konkursordmmg be- ! zeichneten Gegenstände auf Donnerstag, 10. November 1892, Vormittags 12 Uhr» j und zur Prüfung der angemeldeten Forderungen auf Donnerstag den29. Dezember 1892, Vormittags 10V- Uhr, vor dem Unterzeichneten Gerichte, Zim- § mer Nr. 2, Termin anberaumt, j Allen Personen, welche eine zur Kon- ! kursmasse gehörige Sache in Besitz ! haben oder zur Konkursmasse etwas : schuldig sind, ist aufgegeben, nichts an den Gemeinschuldner zu verabfolgen , oder zu leisten, auch die Verpflichtung i auferlegt, von dem Besitze der Sache und von den Forderungen, für welche sie aus der Sache abgesonderte Befriedigung in Anspruch nehmen, dem Konkursverwalter dis zum 1. Dezember 1892 Anzeige zu machen. „ Heiß, Gerichtsschreiber Großh. Amtsgerichts. W681. Nr-11,779. Säckingen. Ueber das Vermögen des Müllers Karl Gäng von Kleintaufenburg wurde auf Antrag des Gläubigers Max Gut, Getreidehäudler in Leutkirch, da der Gemeinschuldner seine Zahlungsunfähigkeit eingeräumt hat, heute am 19. Oktober 1892, Vormittags V-10 Uhr, das Konkursverfahren eröffnet. Herr Rathschreiber Probst zu Klein- laufenburg wird zum Konkursverwalter ernannt. Konkursforderungen sind bis zum 5- Dezember 1892 bei dem Gerichte anzumelden. Es wird zur Beschlußfassung über die Wahl eines anderen Verwalters, sowie über die Bestellung eines Gläu- bigerausschuffes und eintretendenfalls über die in 8 120 der Konkursordnung bezeichnten Gegenstände aus Montag den 14. November 1892, Vormittags ',s10 Uhr, und zur Prüfung der angemeldeten Forderungen aus Montag den 9. Januar 1893, Vormittags V-10 Uhr, vor dem Unterzeichneten Gerichte Termin anberaumt. Allen Personen, welche eine zur Konkursmasse gehörige Sache in Besitz haben oder zur Konkursmasse etwas schuldig find» wird ausgegeben, nichts an den Gemeinschuldner zu verabfolgen oder zu leisten, auch die Verpflichtung auferlegt, von dem Besitze der Sache und von den Forderungen, für welche sie aus der Sache abgesonderte Befriedigung in Anspruch nehmen, dem Konkursverwalter bis zum 5. Dezember 1892 Anzeige zu machen. Säckingen, 19. Oktober 1892. Gerichtsschrciberei Gr. Amtsgerichts. R. Brandncr. W626.2. Nr. 14.856. Radolfzell. Ueber den Nachlaß des verstorbenen Malers Rudolf Eichenberger dahier wurde heute das Konkursverfahren eröffnet. Zum Konkursverwalter wurde Gr. Notar Knecht dahier ernannt. Offener Arrest mit Anzeigefrist bis 3 Dezember d. I. Konkursforderungen sind bis zum 3. : Dezember d. I. bei dem Gerichte an- : zumelden. ^ Wahltermin und allgemeiner Prüfungstermin am: ! Samstag den 17. Dezember 1892, Vormittags 9 Uhr. Dies veröffentlicht: Radolfzell, den 17. Oktober 1892. Großh. bad. Amtsgericht. Der Gerichtsschreiber: I. V. Bruttel. W.677. Nr. 13,048. Wies loch. In dem Konkursverfahren über Las Vermögen des C'garrenmachers und Händlers Martin Schneiderin Walldorf ist io Folge eines von dem Ge- ^ meinschuldner gemachten Vorschlags zu , einem Zwangsvergleiche Vergleichstermin auf Samstag den 5. November 1892, Vormittags 9 Uhr, vor dem Großh. Amtsgericht hierselbst anberaumt. Wiesloch, den 18. Oktober 1892. Kumpf» Gerichtsschreiber des Gr. Amtsgerichts, «ermögrusabsos-erung. W688. Nr. 6125. Wald sh nt. Die Ehefrau des Gerbers Joseph K ai- ser, Marie, geb. Metzger, in Schönau wurde durch Urtheil des diesseitige« Landgerichts vom 1. Oktober 1892, Nr. 5978, für berechtigt erklärt, ihr Vermögen von demjenigen ihres Ehemannes ab/msondern. Dies wird andurch zur Kenntniß- nahme der Gläubiger gebracht. Waldshut, 18. Oktober 1892. Gerichtsschrciberei Großh. Landgericht-. Gräser. W 674. Nr- 390. Emmeudiuge». Bekanntmachung. Zur Fortführung der Vermeffnngs- werke und der Lagerbücher nachbeschric- bener Gemarkungen ist im Einverständ- niß mit den Gemcinderäthen der betheiligten Gemeinden Tagfahrt jeweils auf dem Rachhause der betreffenden Gemeinde anberaumt, und zwar für die Gemarkung: Emmendiugeu auf Mittwoch den 9. November d. Js , Vormittags 8 Uhr; Heimdach auf Donnerstag den 10. November d. I., Vorm. 9Uhr; Köudriugen mit Landeck auf Freitag den 11. November d. I., Vormittags 8 Ubr; Malterdingen auf Montag den 14. November d. I, Vorm. 9 Uhr; Mundingen auf Mittwoch den 16. November d. I., Vorm. 8Uhr; Nimburg auf Donnerstag den 17. November d. I., Vorm. 9 Uhr; Theningen auf Freitag den 18. November d. I., Vorm. 8 Uhr. Die Grundeigenthümer werden hievon mit dem Anfügen in Kenntniß gesetzt, daß das Verzeichniß der seit der letzten Fortführung cingetretencn, dem Ge- meioderath bekannt gewordenen Veränderungen im Grundeigenthum während 8 Ta^en vor dem Fortführungstermin zur Einircht der Betheiligten auf dem Rathhause aufliegt; etwaige Einwendungen gegen die in dem Verzeichniß vorgemerkten Veränderungen in dem Grundeigenthum und deren Beurkundung iw Lagerbuch sind dem Fortführungsbeamten in der Tagfahrt vorzutragen. Die Grundeigenthümer werden gleick- ! zeitig aufgefordert, die seit der letzten : Fortführung in ihrem Grundeigenthuw ^ eingetretenen, aus dem Grundbuch nicht ersichtlichen Veränderungen dem Fort- sührungsbeamten in der bezeichnet«» Tagfahrt anzumelden. Ueber die in der Form der Grundstücke eingetretenen Veränderungen sind die vorgeschriebeneo Handrisse und Mcßurkunden vor der ! Tagfahrt bei dem Gemeinderath oder >» i der Tagfahrt bei dem Fortführungsbeaw- ten abzugeben, widrigenfalls dieselben ! auf Kosten der Betheiligten von AmtS- > wegen beschafft werden müßten > Emmendingen, t4. Oktober 1892. , Der Fortsührungsbeamte: I I. Greder, Bezirksgeomeler. Druck und Verlag der irauu'schen Hosbuchdruckrrei.