Killslichkl Zeitma. Dienstag, 24. Januar Expedition: Karl-Friedrich-Siraße Nr. 14 (Telephonanschluß Nr. 154), woselbst auch die Anzeigen in Empfang genommen werden. Vorausbezahlung: vierteljährlich 3 M. 5V Pf.- durch die Post im Gebiete der deutschen Postverwaltung, Briefträgergebühr eingerechnet, 3 M. 6b Pf SinrückungSgebühr: die gespaltene Petitzeile oder deren Raum 25 Pf. Briefe und Gelder frei. Unverlangte Drucksachen und Korrespondenzen jeder Art, sowie Rezensionsexemplare werden nicht zurückgesandt und übernimmt die Redaktion dadurcb keinerlei Verpflichtung zu irgendwelcher Vergütung. >r»<>5. Abonnements auf die „Karlsruher Zeitung" für die Monate Februar und März »immt jede Postanstalt entgegen. Dir Sr-editi«, der „Karlsruher Zeitung". Amtlicher Teil. Seiue Königliche Hoheit der Großherzog haben S i ch unter dem 2. Januar d. I. gnädigst bewogen ge- funden, dem Kriminalschutzmcknn Ferdinand Schwalb o w s k y in Berlin die silberne Verdienstmedaille zu verleihen. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben S i ch unter dem 6. Januar d. I. gnädigst bewogen ge- funden, dem Königlich Württembergischen Kammerherrn und Geheimen Legationsrat im Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten Freiherrn von Linden den Stern zum Kommandeurkreuz und dem Königlich Württembergischen Ministerialrat im Justizministerium Zindel das Kommandenrkreuz II. Klasse HöchstJhres Ordens vom Zähringer Löwen zu verleihen. Seiue Königliche Hoheit der Großherzog haben Sich unter dem 14. Januar d. I. gnädigst bewogen gefunden, dem Vorstand der Bayerischen General-Bergwerks- und Salinen-Administration, General-Administrator von Billing in München, das Kommandeurkreuz zweiter Klasse HöchstJhres Ordens vom Zähringer Löwen zu verleihen. Seiue Königliche Hoheit der Grotzherzog haben Sich unter dem 16. Januar d. I. gnädigst bewogen gesunden, den, Kunstmaler Franz Lederte in Freiburg das Verdien st kreuz vom Zähringer Löwen zu verleihen. ' > > ! s > > Seiue Königliche Hoheit der Großherzog haben Sich gnädigst bewogen gefunden, dem Geheimen Oberregierungsrat Or. Trefzer im Ministerium der Justiz, des Kultus und Unterrichts die untertänigst nachgesuchte Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm verliehenen Komturkreuzes zweiter Klasse des Königlich Württembergischen Friedrichsordens und dem Legationsrat Or. Wilhelm Heintze im Ministerium des Großh. Hauses und der auswärtigen Angelegenheiten die gleiche Erlaubnis für das ihni verliehene Ehrenkreuz des Königlichen Ordens der Württembergischen Krone zu erteilen. Dicht-Amtlicher Teil. Zur Lage in Rußland (Telegramme.) Tie Massendemonstration in St. Petersburg. * St. Petersburg, 23. Jan. Der „Re gi e r u n g s b o te" meldet: DieZahlderGetöteten betrug bis gegen 8 Uhr abends 76, die der Verwundeten 233; unter den elfteren befand sich ein Revieraufseher, unter den letzteren der Gehilfe des Stadtteilaufsehers, ein Schutzmann und Gendarm. Heute sind die gleichen Schutzmaßregeln wie gestern getroffen. * Paris, 23. Jan. Ein Privattelegramm des „Matin" aus St. Petersburg um 3 Uhr nachts besagt: Gegenwärtig werden die Läden in den Vorstadtvierteln geplündert. Man befürchtet. daß die Ruhestörer Feuersbrünste anlegen werden. Nach polizeilichen Mitteilungen sind in St. Petersburg gestern am Narwa-To re 300 Menschen getötet, 500 verwundet, am Moskowsky-Tore in der Nähe des Moskauer Bahnhofs 500 getötet, 700 verwundet, in dem Stadtteil W as s il i - O st r o w 200 g e t ö t e t. 500 verwundet worden. In den übrigen Stadtvierteln -wurden mehrere 100 Menschen getötet und verwundet. * St. Petersburg, 23. Jan. Die Nacht verlief verhältnismäßig ruhig: da gestern abend der Polizei in einigen Stadtteilen bekannt wurde, daß die Arbeiter beschlossen hätten, gruppenweise zu 20 Mann die Häuser zu überfallen, ordnete der LÜadthauptmann an, daß die Hausknechte und die Polizei die Nacht überaus ihren Posten verbleiben. Heute früh durchziehen Arbeiter gruppenweise die Stadt. Die Arbeiterbewegung erstreckt sich hauptsächlich auf entlegene Viertel. Auf der Straße sieht man Militär- Patrouillen. In vielen Läden ini Zentrum und in den Stadtteilen Wassili-Ostrow und Peterburgski-Ostrow sind die Spiegelscheiben zertrümmert worden. * St. Petersburg, 23. Jan. Nach Mitteilungen von Augenzeugen ist der Geistliche GaPon unversehrt. Tie Zahl der Zugteilnehiner nach der Narwa- Trinmphpforte betrug über 15000. Das Bildnis des Kaisers wurde gestern in den Arbeilerklubs unter Beleidigungen zerrissen. Tas Bildnis der Kaiserin ist unversehrt. Heute vormittag ordnete der Minister des Innern die Schließung aller Zweigniederlassungen der Arbeiterklubs an. In der vergangenen Nacht beschloß ein Urbeiterkomitee, die fremde» Botschafter um Einmischung der Mächte a »zu gehen. * St. Petersburg, 23. Jan. In einer in der Nach: ftattge- haüten Versammlung von Redakteuren St. Petersburger Zeitungen wurde beschlossen, an die Zpnsurbehörde folgende Anzeige zu richten: Die Redakteure der St. Petersburger- Zeitungen bringen zur Kemiriiis, daß die Existenz der periodischen Presse nur unter der Bedingung möglich ist. iveiin sie alle Eveignisse des gesellschaftlichen Lebens Mitteilen kann. Infolgedessen halten es die Organe für unmöglich, sich nach dem 'Zensurverbot auf diesem Gebiete zu richten. Die Konferenz beschloß ferner, den letzteren vorzuschlagen, Deputationen zu Verhandlungen mit den Arbeitern zu wählen, um die Wiederaufnahme der typographischen Arbeiten in die Wege zu leiten. * St. Petersburg, 23. Jan. Eine Abordnung der Schriftsteller, unter ihnen Marim Gorki, wandte sich an den Minister des Innern, um den Kaiser geneigt zu machen, die Petition der Arbeiter zu empfangen. Der Minister war abwesend. Sein Gehilfe erklärte, die Petition der Schriftsteller dem Minister unterbreiten zu wollen. Die Abordnung wandte sich sodann an Staatssekretär Witte ohne Erfolg. Der Minister des I n nern empfing die Deputation nicht. Eine stark besuchte Versammlung von Leuten gebildeter Stände beschloß, einKomitee zu bilden zur Sammlung von Spenden für die geschädigten Arbeiter. * St. Petersburg, 23. Jan. (1 Uhr 30 Min. mittags.) Auf dem Newskiprospekt sammelt sich immer mehr Volk an. Auf dem Palaisplatz werden Ansammlungen von der Garde zu Pferde, verhindert. Gestern abend gegen 11 Uhr warfen Arbeiter die Fenster des Palais des Großfürsten) Sergius ein. Auch die Fenster vieler anderer Häuser wurden eingeschlagen. * St. Petersburg, 23. Jan. In Sewastopol stehen die Marinedepots in Flammen. Ihre Majestät die Kaiserin-Mutter hat sich nach Szars- koje Szelo begeben. * St. Petersburg, 22. Fan. Senator Linder wurde zum Staatssekretär von Finland ernannt. Deutschem Weichslag. (Ergänzung de» telegraphischen Bericht».) * Berlin, 21. Januar. Abg. Molkenbuhr (Soz.) geht auf die Darlegungen Beumers ein und sagt: Es sei bewiesen, daß der so viel getadelte Kontraktbruch von Stinnes ausgegangcn sei. Es sei auch zuzn- geben, daß die Prügelstrafe bestehe. Redner geht dann auf die Rede des Reichskanzlers ein. Wenn das Recht zum Arbeiten gegen jeden Terrorismus geschützt werden müsse, warum nicht auch das Recht zum Streiken, welches der Reichskanzler doch selbst als vorhanden anerkenne. Ter Kanzler hätte erklären müssen, wenn die behaupteten Mißständc wahr seien, würde er für gesetzgeberische Maßnahmen zur Abhilfe sorgen; das sei nicht geschehen. Der Reichskanzler wisse wohl, wie die Gewerkvereine entstanden seien, aber wie sie seien, habe er keine Ahnung. Jeder hätte sehen müssen, daß nicht die sozialistischen, Hirsch-Dunkerschen und die christlichen Gewerkevereine heute Schulter an Schulter mit uns gehen. Er hätte daraus ersehen müssen, daß sie eben die gleichen wirtschaftlichen Interessen vertreten; das hätte dem Reichskanzler zu denken geben sollen. Möge man durch den Erlaß eines Reichsberggesetzes die Willkür solcher Streiks vermeiden, deren Kennzeichen Geldstrafen und Prügel seien. (Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Pohl l fr. Vp.) führt aus: In Oberschlesien sei man besser daran, als im Ruhrrevier. Tos Nullen komme kaum vor, auch das Verhältnis zwischen den Arbeitgebern, und -Nehmern sei ein wohlwollendes. Redner geht dann aus die gestrige Rede des Reichskanzlers ein, der in l«n Fehler verfallen sei, daß er nicht einen Lohnkamps annehme, sondern alles für eine politische Mache halte. Der Redner beleuchtet weiter das Verhältnis der Zechen zu den Arbeitern. Tie Zechen änderten den Vertrag, wie sie wollten; der Arbeiter stehe einfach rechtlos da. Ein Odium falle auf die Unternehmer, die das Elend von Tausenden Wüllen, um gute Geschäfte zu machen. (Beifall links.) Es müsse gesetzlich festgelegt werden, daß die Arbeiter ihre Vertretung haben. Abg. v. Kardorff (Rcichsp.) meint auch, daß ein. Gesetz zu schassen sei, welches die mißbräuchliche Zechenstillegung verbietet. Um dazu zu kommen, werden die Arbeiter gut tun, schleunigst in geordnete Verhältnisse zurückzukehren. Sie würden durch ihre Rückkehr zur Arbeit die Schaffung eines solchen Gesetzes erleichtern. (Beifall.) Abg. Stöcker (Wild) glaubt, der Streik hätte vermieden werden können, Ivenn auf beiden Seiten das Richtige geschehen wäre. Der Streik sei nicht durch Agitation entstanden, sondern durch die Verhältnisse. Wenn die Zechenbesiher in so großen Fragen eine Verständigung ablehnten, so könne er das nicht für angemessen halten. (Sehr richtig!) Nur mit den Belegschaften zu verhandeln, nicht mit den Arbeiterorganisationen, sei nicht sozial. Sollen unsere sozialen Verhältnisse in Frieden auskommen, so muß an Stelle des souveränen Unternehmertums das konstitutionelle treten. Die Hiberniaaffäre habe in Arbeiterkreisen viel böses Blut gemacht. Der Staat sollte alles tun, um den Streik zu beenden, und sollte mit einem guten Berggesetz Vorgehen. Die Hilfe liegt zuletzt in der Organisation der Arbeiter. (Beifall.) Abg. Gothein (Freis. Bgg.) meint, die Weigerung des Bergbaulichen Vereins, an den Verhandlungen teilzunehmen, war von der Herrenmoral diktiert. Der Reichskanzler habe durch seine gestrige Rede die Wirkung seiner Abgeordnetenhausrede bedeutend abgeschwächt. Die bürgerlichen Parteien seien durchaus bereit, die berechtigten Forderungen der gesamten Bergarbeiterschaft zu unterstützen. Seine Freunde beabsichtigten einen Antrag zu § 134 der Gewerbeordnung zu stellen: „in den Fabriken mit über 300 Arbeitern mutz ein Arbeireransschuß von mindestens 3 Köpfen durch geheime Wahl sämtlicher großjähriger Arbeiter bestellt werden". Handelsminister Möller erklärt, er müsse seine Genugtuung ausdrücken, daß die heutigen Verhandlungen so ruhig verlaufen sind; er hofft, dieselben werden ihren Eindruck auf das Ruhrrevier nicht verfehlen und denen, die sich bisher ausgeschlossen hätten, klar machen, daß sie sich der fast geschloffenen öffentlichen Meinung gegenüber befinden und gut tun werden, den früheren politischen Fehler wieder gut zu machen. (Lebhafter Beifall.) Vor allem ist wünschenswert für die Arbeiter, stabile Löhne zu haben. -Darum aber können wir die Löhne nicht sehr hinanf- treibon, damit wir später nicht damit zurückgehen müssen. Denn bei allen sozialpolitischen Maßnahmen ist das wichtigste, nichts zurückzunehmen. Darum sei man vorsichtig im Vorwärtsgehen; denn es gibt niemals ein Rückwärts. (Beifall.) Was nun die gesetzlichen Maßnahmen angeht, so wollen die Gesetze wohl überlegt sein. Aber manches, was hier verlangt wird, ist schon lange in Vorbereitung, und wird, wie ich hofft, noch vor Schluß dieser Session Ihnen zngehen; so das Gesetz über die Rechtsfähigkeit der Berufsvereine und das Gesetz über Arbeitskammern. (Beifall.) Ferner befindet sich in Vorbereitung das Gesetz über dos Stillegen von Zechen. Die Novelle zum Berggesetz ist in meinem Ministerium schon seit drei Jahren fertig; die ausgedehnten .Kritiken machen aber eine Umarbeitung notivendig. Ich bitte Sie, auch weiterhin fortzufahren, sich gemäßigt zu äußern, damit Sie den Brand nicht schüren. (Beifall.) Nach 6 Uhr 30 Minuten vertagt das Hans die Weiter- beratnng auf Montag 1 Uhr. (Telegraphischer Bericht.) * Berlin, 23. Januar. Präsident Graf Ballestrem eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 20 Minuten. In der fortgesetzten Besprechung der Interpellation Auer führt Abg. Brejski (Pole) aus: Tie schauererregenden Vorgänge in S l. Petersburg beweisen, daß die Arbeiterbewegung nicht mißachtet werden dürfe. Um so mehr bedaure ich, daß der Abg. Normann sich am Samstag hinter das Legitimationsprinzip verschanzte. Tie Arbeitgeber haben das Recht zuerst gebrochen, da die Grubenbesitzer sich mit Stinnes solidarisch erklärten und es erreichten, daß die Bergarbeiter anderer Zechen sich mit denen von Zeche „Bruchstraße" solidarisch erklärten. Dev vuMch-japanifche Krieg. * Mit dem Abzüge des größten Teiles der Armee Nogis von Port Arthur nach dem mandschurischen Kriegs- schauplatze ist die lange umstrittene Festung nun scheinbar aus dem Bereiche strategischer Erwägungen für die nächsten Operationen ausgeschieden. Sie hat mit der Kapitulation ihre Rolle gänzlich gewechselt, indem sie aus einem Hauptoperationsobjekt der Japaner zu einem Operationsobjekt derselben für die Fortsetzung des Krieges zu Wasser und zu Lande wurde. In dieser Bedeutung wird sie bezüglich ihrer Wichtigkeit durch die gegenwärtige Lage in zweite Linie gestellt. Als Basispunkt für die eigene Flotte ist sie noch nicht benützbar. Eine Bedrohung zur See kommt vor dem Eintressen der Baltischen Flotte im ostchinefifchen Meere nicht in Betracht, der Eintritt dieses Momentes ist überdies noch von Zeit und Umständen abhängig. Nachdem Admiral Roschdjestwensky erst die Vereinigung mit dem dritten Geschwader abwarten muß, bevor er sich dem engeren Seekriegsschauplatze nähern darf, bleibt seine Tätigkeit mindestens bis zum Monate April ohne Einfluß auf die Kriegsereignisse, was übrigens auch dadurch bedingt wäre, daß er vor dieser Zeit seinen einzigen Basispunkt, Wladiwostok, welchem er vor allem zustreben muß, wegen der Eisverhältnisse vielleicht gar nicht erreichen könnte. Mit dem Erscheinen in den ostasiatischen Gewässern ist aber Port Arthur noch immer nicht bedroht, denn zwischen diesen beiden Momenten liegt noch ein Weitaus wichtigerer, die Seeschlacht, deren Schicksal der Baltischen Flotte erst den Weg zur Seefeslung öffnen oder für immer verschließen wird. Tie Seeseite Port Arthurs wird daher frühestens im Monat April wieder an Wichtigkeit gewinnen. Die Landheere sind von dieser Festung etwa 400 Kilo meter entfernt. Sie stehen einander gegenwärtig in dem einzigen Bestreben gegenüber, Verstärkungen an sich zu ziehen, um für die bevorstehende Schlacht die wichtigste Vorbedingung des Sieges, die Uebcrlegenheit, zu erlangen. Scheinbar absorbiert diese Sorge beide Feld- Herrn derart gänzlich, daß die nächsten Operatiouspläne jede Rücksicht auf das ferne, tote Port Arthur wohl außer acht lassen? — Keineswegs. Wenn die Schlacht mit dein Rückzuge der Russen endet, dann ändert sich an der Lage Port Arthurs nichls; der Punkt bleibt ein Operationssubjekt der Japaner, Jedoch gesetzt den Fall, Oyama würde dem entscheidenden Schlage unterliegen, wie stünde es dann um die Festung? Sie würde dann zum nächsten Operationsobjekt Kurovalkins werden. Damit muß die beiderseitige Heeresleitung in dem Plane für die bevorstehende Schlacht jetzt schon rechnen, denn wenn das Bild des Kriegsschauplatzes Port Arthur momentan auch nicht ins Auge springen läßt, dauert dessen strategische Bedeutung für die Erwägungen der beiden Feldherrn doch ungeschwächt'fort. Kuropatkln muß in seinem Plane zur Schlacht daraus abzieleu, die Vorrückung nach Port Arthur frei zu bekommen, den Gegner daher von dieser Linie abzudrängen. Gelingt ihm dies, so trennt er die Japaner zugleich von ihrer Hauptnachschubslinie, welche mit dem Falle Port Arthurs die volle Bedeutung erlangt hat. Diese Rücksichten müßten Kuropatkin, falls er den Angriff beabsichtigt, zur Verwendung seiner Hauptkraft am rechten (westlichen) Flügel bestimmen. Es ist sehr wahrscheinlich, daß in einer Schlacht am Schaho die beiderseitigen Hauptkräfte sich an den westlichen Flügeln begegnen werden. (Telegramme.) Port Arthur. * Tschifu, 22. Jan. Die erste Dschunke mit Zivilisten aus Port Arthur ist hier eingetroffen. Die Leute erzählten, daß noch 22 weitere Dschunken mit 600 Nichtkombattanten unterwegs seiem Verschiedene Tampfbootc fuhren sofort aus, um den Dschunken zu helfen. Die Flüchtlinge teilen mit, daß sie an der Taubenbucht ohne Obdach auf die Ankunft eines Dampfers gewartet hätten, und als keiner kam, Härten die Japaner die Erlaubnis zur Benutzung von Dschunken gegeben. Abgesehen von den ersten Tagen nach der Kapitulation, kamen in Port Arthur keine Plünderungen vor. Die japanischen Beamten gingen mit den Plünderern sehr energisch ins Gericht. Die japanischen Soldaten nahmen übrigens im allgemeinen nur kleine Sachen, die sie wahrscheinlich als Andenken an Port Archur zu behalten gedachten. Die Chinesen aber plünderten in schlimmer Weise. Die Zivilisten erklären, daß die russischen Soldaten sich nach der Kapitulation bemerkenswert gut betragen hätten, wenn man Vergleiche mit früheren Kapitulationen anstelle. In Port Arthur seien etwa 200 Zivilisten umgekommen. Die Flüchtlinge scheinen im allgemeinen durch knappe Kost in Port Arthur nicht gelitten zu haben. * Tokio, 23. Jan. In Japan sind bis jetzt von Port Arthur 309 russische Offiziere und 17 511 andere Gefangene eingetroffen. Das Baltische Geschwader. * Durban, 22. Jan. Der Kohlendampfer „Gatto n", der von Madagaskar zurückkehrte, wohin er für die Baltische Flotte Kohlen gebracht hatte, teilt mit, die Flotte sei am 14. Januar mit unbekanntem Bestimmungsorte abgesegelt. Das Gerücht von der Strandung des Flaggschiffes war falsch. Am 13. Januar machten die Schiffe der Baltischen Flotte klar zum Gefechte infolge der Nachricht von einer Annäherung der Japaner. Die Torpedonetze wurden heruntergelassen und den Kohlenschiffen wurde befohlen, sich aus der Nähe der Kriegsschiffe zu entfernen. Tie russischen Mannschaften sollen immer noch nicht ausgebildet sein. * * * * Tokio, 23. Jan. Admiral Kanimura verließ heute Schimbaschi, um wieder zur Flotte zu stoßen. Es heißt neuerdings, das Wladiwostokgeschwader habe seine Ausbesserung beendet und könne jeden Augenblick ausiaufen. Die Flotte bereitet sich mit Nachdruck auf die zweite Periode des Krieges vor. finanzielle Wunöschcru. -o- Frankfurt, 21. Januar. Die Zuteilungen auf di« neue 4Zhprozentige russische Anleihe waren reichlicher als man erwartet hatte, so daß ^ der Kurs dadurch etwas beeinträchtigt wurde. Doch schenkte man den Vorgängen finanzieller Natur in der vergangenen » a Ungarische Goldrente 13. Jan. 20. Jan. 10195 101.95 89.95 89.80 101.85 10190 9010 89.85 100.- 10010 90.90 9095 100 25 100.25 89.80 89.80 10510 105.10 100.- 100.— 98.70 98.55 49.30 49.65 32.90 33.— 102.80 103.— 213.60 213.30 194.25 193.10 139.- 138.80 17.45 1750 256.50 258.- 238.40 238.10 219.20 220 — 209.70 210.20 458 — 442.- 131 — 131 — ' Woche geringere Beachtung. Der Ausbruch des großen Streiks im Ruhrrevier absorbiert augenblicklich die volle Aufmerksamkeit der Börse. Einen Streik von ähnlicher Größe hat man in Deutschland noch nicht gesehen. Etwa 200 000 Arbeiter sind in Ausstand getreten. Vielfach herrscht die Ansicht, daß die Arbeitseinstellung nur eine ganz vorübergehende sein werde, und im Vertrauen hierauf ist die Börse mit staunenswertem Gleichmut an dem ganzen Vorfall bisher vor- übergegangrn. Es ist aber auch möglich, daß man sich in diesem Urteil täuschen ivird. Schwierigkeiten zur Beilegung der Wirren bestehen jedenfalls darin, daß die Zechenbesrtzer vorläufig noch jede Bereitwilligkeit zu Verhandlungen cchgelehnt haben. Dadurch wird auch die Vermittlungstätigkeit per Re- aierunjcsorgaLce erschwert. Jedenfalls Muß man im Auge behalte», daß durch die Arbeitseinstellung das Nationalvermögen in höherem Grade geschädigt werden wird. Ein Glück ist es ferner, daß bisher jede Störung der öffentlichen Ordnung vermieden werden konnte. Ae Besitzer von Kohlenaktien zeigen sich keineswegs ängstlich. Man wartet vielmehr auf eine Senkung der Preise, um die Bestände mischen zu können. Man stützt sich auch darauf, daß in dem jetzigen Kampf die Zechenbesrtzer jedenfalls den größeren Vorteil auf ihrer Seite haben, wenigstens vorläufig. Denn es ist im Auge zu behalten, daß das Kohlensyndikal über enorme Vorräte verfügt, die bei dieser Gelegenheit endlich einmal geräumt werden können. Daraus ist zu erklären, daß die Äohlenpreise im Inland eigentlich noch gar nicht angezogen haben, obgleich Hundertausende von Händen die Arbeit eingestellt haben. Ta die Spekulation vergeblich auf hierabgleitcnde Preise der Kohlcnaktien wartete, griff sie schließlich doch in die Aktion ein, so daß Kohlenpapiere ihren Preis erhöh e n konnten. Auch Hüttenakticn, die vorher viel stärker gelitten harten, als Kohlenpapiere, iveil einige Hüttenwerke den Betrieb zum Teil einstvllen mußten, konnten schließlich wieder anziehen. Dabei wurden die ober- schlesischen Gattungen mehr bevorzugt, als rheinisch-westfälische, Iveil man von der Annahme ausgeht, daß das streikfreie Oberschlesien auf Kosten von Rheinland-Westfalen Vorteile ziehen wird. ^ er übrige Judusrriemarkt bleibt recht fest gestimmt. Ins- ! besondere wäre i Elektrizitätsaktien, von denen i c in e n s, T ch n ck c r l, Lahmeper, Edison stärkere Avancen erzielten, am ganzen Markte führend. Man weist jetzt ans das Zukunflsprojekr der Stadtbahnen hin, worunter man elektrische Schnellbahnen versteht, die verkehrsreiche Städte miteinander verbinden sollen. Es ist möglich, daß in diesem Zn- sammcnhgug der Elektrizitätsindnstrie ein großer Aufschwung ' bevorslehen Ivird. Aber diese Chance liegt doch noch in einer . ziemlich fernen Zukunfd, und in welchem Tempo schließlich die ; Stadtbahnen erstellt werden, hängt doch zum guten Teil davon , av, welche Hairung die preußische Eisenbahnverwaltung dazu ' einnehmcn wird. Natürlich geht man von der Ansicht aus, daß i die Stadtbahnen zunächst nur der privatwirtschaftlichen Jnitia- ! live zufallen werden. i Von ch e ni i s ch e n Aktie n tvaren Albert und Ver - > einigte. 1! l t r a m o n t a nj höher, während Badische - Anilin ans Realisierungen nachlichgn. Die Gerüchte, daß die Höchster Farbwerke ein neues Farbstoffpatent erworben Härten, werden als -gegenstandslos bezeichnet. ! Unter den Maschinenfabriken waren Wittener i gebessert, ebenso R ö h r e n k e s s e l Dürr, wogeWM Dürr- ! kopp und Gritzncr nackigeben mußten. j Als wesentlich höher sind Westdeutsche Jute und ^ Deutsche V e r l a g s a k t i e n zu nennen. Dann konnten ! sich Kunstseide erholen; festere Haltung gab sich auch für Zement- und Zuckerakricn, für Glas- und Terrainwerte kund. Eine hervorragende Rolle siel den Schifsahrtsaktien j zu, von denen Paket auf den glänzenden Abschluß etwa 11 Proz. . anzogen. Ebenso schnellten Norddeutsche Llohd an- j sehnlich empor, wobei Gerüchte über neue Schiffsverkäufe maßgebend waren. Der Bahnenmarkt verhielt sich im ganzen ruhig. Heimische Sorten, wie Große Berliner und Kasseler Straßenbahn, gaben etwas nach. Auch Gotthard sind schwächer. Italienische Aktien ganz regungslos. Feste Tendenz bildete sich für österreichische Staatsbahn und Lombarden heraus. Dann ist die starke Steigerung der Zprozeitigen lombardischen Prioritäten hervorzuheben, die damit zusammenhängt, daß das von Paris vor längerer Zeit abgestoßene Material allmählich gute Klassierung gesicnden hat. Auf dem Gebiete der Bankaktien sind keine belangreichen Variationen hervorzuheben. Gebessert sind Dresdner Bagk und Schaaff Hausen scher Bankverein, wobei für crstere Dividendengerüchte angeführt wurden. Auch Darmstädter zogen auf Dividendennachrichten an. Diskonto Kommandtt und Deutsche Bank sind nur unerheblich geändert. Größeres Interesse gab sich für österreichische Bankaktien kund, vornehmlich für Kredit und Länderbank. Zugleich lenkte sich auch auf Wiener Bankverein erhöhte Aufmerksamkeit. Geld befindet sich in fortschreitender Verbilligung, so daß der Rentcnmarkt im ganzen gutes Gepräge behielt. Hobler waren Griechen, Türken, Mexikaner, Chinesen, Spanier und Portugiesen. Zuletzt jedoch trat auf schwächeres Paris wieder esne Abschwächung in den einzelnen Papieren ein. Für österreich-ungarische Renten bleibt die Haltung eine günstige. Privatdiskont: 2zh Prozent. Nachstehend unsere Tabelle: Deutsche Retchsanlethe 3°-„ Deutsche Retchsanlethe Preußische Konsols 3°/« Preußische Konsols Bad. Obl. abgestempelt 3"/, Badische Obligationen 3-/,°/» Bayern 3»/, Bayern 4"/o Italiener 4°/, Ungarische Staatsrente 5"/, Silber-Mexikaner 3°/, Silber-Mexikaner 5°/, Gold-Mexikaner Oesterreichtsche Kreditaktten Dtskonto-Kommanditanteile Oejterr. Staatsbahn-Aktien Oesterr. Lombardische Aktien Laurahütte-Aktien Bochumer Bergbauaktien Gelsenktrcher Bergbauaktien Harpener Bergbauaktien Badische Anilin Türkenlose hier ein und wurden am Bahnhof von Ihrer Königlichen Hoheit der Erbgroßherzogin begrüßt. Um 10 Uhr nahmen Ihre Königlichen Hoheiten die Großherzogin, die Krön- Prinzessin Viktoria, der Erbgroßherzog und die Erbgroßherzogin an dem Gottesdienst in der Schloßkirche teil. Zur Frühstückstafel erschienen Ihre Kaiserliche Hoheit Prinzessin Wilhelm und Ihre Königliche Hoheit Prinzessin Marie Luise. Abends 6 Uhr sahen die Höchsten Herrschaften bei Ihrer Königlichen Hoheit der Kronprinzessin Viktoria Frau Cosima Wagner zur Verabschiedung vor deren Abreise. Später nahmen Ihre Königliche Hoheit die Kronprinzessin von Schweden und Norwegen, die Erbgroßherzoglichen Herrschaften, Seine Großherzogliche Hoheit der Prinz und Ihre Königliche Hoheit die Prinzessin Max an der Opernvorstellung im Hoftheater teil. Heute vormittag 11 Uhr nahm Seine Königliche Hoheit der Großherzog den Vortrag des Ministers Or. Freiherrn von Dusch entgegen. Mittags halb 1 Uhr trafen zum Besuch bei den Höchsten Herrschaften Ihre Königlichen Hoheiten Prinz Johann Georg von Sachsen und Herzog Albrecht von Württemberg aus Stuttgart ein. Seine Königliche Hoheit der Erbgrotzherzog empfing den Hohen Besuch am Bahnhof und geleitete denselben in das Schloß, wo Ihre Königlichen Hoheiten von den Großherzoglichen Herrschaften begrüßt und in Höchstihre Appartements geführt wurden. Die Prinzen nahmen an der Frühstückstafel teil, zu welcher auch die Erbgroßherzoglichen Herrschaften kamen. Ihre Königliche Hoheit die Großherzogin geleitete Seine Königliche Hoheit den Prinzen Johann Georg von Sachsen auf Höchstseinen Wunsch zu Galeriedirektor Professor I)r. Thoma und zum Besuch der Kunsthalle. Seine Königliche Hoheit der Herzog Albrecht von Württemberg besuchte den Kommandierenden General der Infanterie von Bock und Polach und machte noch andere Besuche. — Darnach > vereinigten Sich die Höchsten Herrschaften zum Tee bei ^ Ihren Königlichen Hoheiten dem Erbgroßherzog und der ^ Erbgroßherzogin. Die Hohen Gäste kamen dann in das Großherzogliche Schloß zurück, um Sich bei Seiner Kömglichen Hoheit dem Großherzog zu verabschieden und traten nach 6 Uhr die Heimreise nach Stuttgart an. Seine Königliche Hoheit der Großherzog hörte am Abend noch die Vorträge des Geheimerats Ör. Freiherrn von Babo und des Legationsrats Or. Seyb. Großherzogturn Vadrn. * Karlsruhe, 23. Januar. Gestern Sonntag früh 9 Uhr trafen Ihre Königlichen Hoheiten die Großherzogin und der Erbgroßherzog wieder * (Heinrich Reiff P) Es ist gerade ein Jahr vergangen, daß Heinrich Reiff das Jubiläum 25jähriger erfolgreicher Knnst- arbeit an unserer Hosbühne feiern konnte. Am 26. Januar 1904 gab eine ihm zu Ehren veranstaltete Vorstellung der „Großstadtluft", wobei Herr Reiff noch in voller Schaffenskraft auf seinem eigensten Gebiet (als Dr. Crusius) mitwirkte, dem Publikum Gelegenheit, dem Künstler zu zeigen, wie sehr es in den langen Jahren seine erfrischende Kunst zu schätzen gelernt habe. Herrn Retff wurden die herzlichsten Ovationen dargebracht, und die Kollegen feierten ihn in einem schönen Festakt. Nur ein kurzes Fahr hat Herr Retff diesen Festtag überlebt. Schon seit Beginn der Saison von einem hartnäckigen Hals- letde-n befallen, ist er heute Nacht halb 2 Uhr von einer cckuten Herzlähmung unerwartet rasch dahtngerafft worden. Alle dir Taufende, denen er während seiner langen Bühnentätigkeit ungezählte heitere, anregende Stunden bereitet hat, werden sein frühes Htnscheiden, das einen außerordentlich schweren Verlust für unsere Hosbühne bedeutet, mit aufrichtiger Teilnahme vernehmen, und ihm ein dankbares, freundliches Andenken bewahren. Sein liebenswürdiges Talent Ivird uns sehr fehlen und nur schwer Ersatz finden. Geboren am 26. Oktober 1864 zu Schopsheim, im Wiesental, war Heinrich Reiff ursprünglich für den Bankicrsberuf bestimmt, doch führte ihn sein Interesse ^ wie sein Talent bereits als 25 Jährigen zur Bühne. Am 1. Ja- nuar 1879 erfolgte seine Verpflichtung als Eleve für das Großh. ^ Hoftheatcr zu Karlsruhe, dem er trotz manchen ehrenvollen r Rufes nun bis zu seinem Tode treu geblieben ist. 7 tz (Grotzherzogliches Hoftheater.) Oskar Blumenthals j „Fee Caprice", die sich hier Freitag im Rahmen einer 4 vortrefflichen Aufführung inj ihrer liebenswürdigen, klugcü § Gracie sehr vorteilhaft einführte, ist ein Salonlnstspiel, in dem! die kunstvoll, zierliche Versform der Ton ist, der die Musik tz macht. Die Stimmung, der Humor, die Komik, kurz fast die f ganze Wirkung des Stückes steckt in diesen leicht und genial r hingeworfenen Versen, die sich je nach Bedarf auf dem Niveau 1 von Knittel- und Schüttelreimen bewegen oder auch tiefer f poetisch klingende Saiten anschlagen. Daß uns Blumenthal t auch reichlich Situationskomik gibt, und daß er es auch an! guten Gedanken nicht fehlen läßt, ist selbstverständlich. Die l Handlung ist höchst einfach. Der junge Graf Cornel, der seiner etwas capriciöse Gattin Marion (daher der Name des Stückes) 1 auf einige Wochen verlassen muß, ist beunruhigt Ivegen des recht r bedenklichen Interesses, das Frau Marion einem tief tragischen, L angeblich aus seiner Heimat verbannten Dichrer Rolf Eber-K hard entgegenbringt, der seinerseits der Dame energisch den'^ Hof macht. Sein erfahrener Freund Baron Lothar macht ihms klar, daß so gefährlich e i n Verehrer, so ungefährlich ihrer zweiA sind. Ein anderer Anbeter Frau Marions, der mehr hitzig«^ als witzige Herr v. Frick, wird zu diesem Zweck herangezogen > und mit dem ehrenvollen Auftrag betraut, ans den Dichter k Eberhard ein wachsames Auge zu haben und die Gräfin vorI ihm zu schützen. Dieses Arrangement bewährt sich aufs bestes denn als Graf Cornel zurückkommt findet er die beiden Ver-Z ehrer im Begriff, sich zu duellieren, und seine Gattin so lieber voll und entgegenkommend wie nie zuvor. Das Duell ver-/ läuft günstig, der Dichter wird seines Glorienscheins, u. durch die Enthüllung, daß er verheiratet ist und sieben Kinder» hat, etwas beraubt, und zum Schluß herrscht eitel Wohlge-/ fallen, das noch dadurch erhöht wirb, daß der kluge Barow' Lothar die Moral der ganzen Geschichte in einige lehrreich« Verse zusammensaßt. Wie schon gesagt, war die Ausführung was bei Versspielen auch unbedingt notwendig, sehr gründlich durchgearbeitet, und aufs angemessenste ausgestattet. Der Herr Intendant hat als Leiter der Aufführung sehr zugunsten der Gesamtwirkung auch in allen Details die peinlichste Sorgfalt walten lassen. Das Kunststück, die beständig von Person zu Person hinübergleitenden Reime ohne Stocken, leicht und ungezwungen heranszubringen, haben Fräulein Müller und die Herren Jlliger, Herz, Höcker, Baumbach, sowie auch die Vertreter der kleineren Rollen mit bewunderungswürdigem Gescbick fertig gebracht. Durch elegantes, sicheres Spiel zerchneteu sich Fräulein Müller (Marion), Herr Jlliger (Cornel) und Herr HA (Lothar) besonders aus. Herr Höcker (Frick) wirkte dm«' schlagend durch Komik, Herr Baumbach (Eberhard) durch sin' voll durchgeführres, tragikomisches Pathos. Bon den Vertretern -er kleineren Rollen verdienen noch Herr Wassermann als voesicloser Finanzbeamter Menk und Fräulein Genker als nette Kammerzofe Erwähnung. Das Publikum nahm das hübsche Versspiel sehr freundlich auf. und bekundete durch mehrfachen Hervorruf auch der Darstellung feine Anerkennung. Tie gestrige Wiederholung von Siegfried Wagners Kobold" nahm unter persönlicher Leitung des Komponisten einen ausgezeichneten Verlauf. Siegfried Wagner dirigierte sein Werk mit Ruhe und Sicherheit, ohne es am geeigneten Blähe an aufmunterndem Schwünge mangeln zu lassen. Die Schönheiten des Werkes erschienen in dieser Uebertragung seiner schöpferischen Absichten in bestem Licht, und wurden rn ihrem Stimmungsgehalt auch erschöpfend wiedergegeben. Das Hoforchester leistete wieder ganz vorzügliches. Auch das Publikum bereitete insbesondere der interessanten, zum Teil sehr wirkungsvollen musikalischen Ausrüstung der Oper eine freundliche Aufnahme, und ries den Komponisten wie auch die Hauptdarsteller, wiederholt vor die Rampen. Die Partie der „Verena" wurde diesmal von Frau von Westhoven gegeben, deren anmutige, eindrucksvolle Darstellung und schön ausgearbeitete Gesangsleistung volles Lob verdient. * Von der Generaldirektion des Großh. Hoftheaters wird uns zur Veröffentlichung mitgeteilt: Infolge eines Irrtums bei der Abschrift des Spielplanes enthält die Veröffentlichung des Wochenrepertoires bezüglich der Abonnementsabteilung 8. insofern einen Fehler, als es heißen muß: Dienstag den 24. Ja nuar. Abt. 8. 32. Ab.-Vorst. „Fee Caprice". Sonntag den 29. Januar. Abt. 8. 31. Ab.-Borst. „Die Meistersinger von Nürnberg". Der ungeraden Tour der Abteilung 8. gebührt sowohl eine Sonntag-, als auch eine Opern- vorstcllung. da die gerade Tour 8. um zwei Sonntage bzw. Feiertage voraus ist, schon 5 Opernvorstellungen hinter einander, im ganzen aber 9 Opernvorstellungen gehabt hat und der ungeraden Tour zurzeit um 3 Opernvorstellungen voraus ist. — Bezüglich der Zuteilung der Wagnerschen Musikdramen besteht die Absicht, die einzelnen Touren möglichst gleichmäßig zu bedenken. » «Kaufmännischer Verein Karlsruhe.) Morgen, Dienstag, den 24. Januar, abends halb 9 Uhr, wird Herr Geh. Rat Dr. H. T h o d e - Heidelberg im großen Eintrachtssaale über „Die tragische Bühne von Bayreuth" sprechen. ^ «Freiwillige Feuerwehr.) Zu Ehren der Anwesenheit des Präsidenten und der Ausschußmitgli-eder des Badischen Landesfeuerwehrvereins, die zu einer Sitzung hier versammelt waren, fand im Saal III der Brauerei Schrempp seitens des hiesigen Korps ein Bankett statt, das sich eures zahlreichen Besuches zu erfreuen hatte. Nach einem einleitenden Musikstück seitens der Feuerwehrkapelle begrüßte Kommandant Schlachter die anwesenden Ausschußmitglieder und kommandierte nach einer kurzen Ansprache einen Feuerwehrsalamander auf dieselben. Herr Kommerzienrat Bally dankte namens des Ausschusses für die heutige Veranstaltung und verbreitete fick) über die Ausgaben des Ausschusses, welchem man durch die Wiederwahl der seitherigen Ausschußmitglieder das beste Vertrauen entgegengebracht habe. In dankbaren Worten gedachte Adjutant Schumann Ihrer Königlichen Hoheiten des Groß Herzogs und des Erbgroßherz st gs, welche den badischen Feuerwehren stets reges Interesse entgegen bringen. Die Verdienste des Präsidenten Bally feierte Herr Ki nz e l-Wemhcim und auf das badische Land und seine Feuerwehren toastete Herr H e ß n e r - Lörrach. Herr Konsul Menzer - Neckargemünd verbreitete sich in ausführlicher Weise über den Fortschritt der freiwilligen Feuerwehren in Baden, wo aber noch sehr viel zu tun sei, um es dahin zu bringen, daß in jeder Gemeinde eine Feuerwehr sei. Der Redner brachte darauf in poetischer Form einen Damentoast aus. Außer Männerchören seitens der Sängerabteilung der 3. Kompanie und Deklamationen des Herrn Hunkler, bildete eine Glanznummer des Programms die kinematographischen Vorführungen des Kameraden Barthel. Hauptmann Kohlbecker dankte dem Kommandanten Schlachter für die heutige Veranstaltung. In anerkennenden Worten der treuen Mitarbeit am badischen Feuerwehrwesen gedachte Herr lionsul Menzer des Adjutanten Schumann, mit dem Hinweise, daß es zu wünschen wäre, daß jedem Kommandanten solche Kraft zur Seite stünde. Mit seinen Dankesworten für die Anerkennung, welche ihm gezollt wurde, feierte Adjutant Schumann die Feuerwehrsache in Baden, die erst weit es in seinen Kräften liege, stets unterstützen tverdr. In angenehmer Weise wurden die Pausen durch die Feuerwehrkapelle unter Leitung des derzeitigen Korpsführers, Herrn Hellmuth, ausgefüllt; allgemein wurden die Leistungen derselben anerkannt und auch von Obmann Metzger die Anerkennung zum Ausdruck gebracht. Die ganze Veranstaltung nahm einen schönen Verlauf, und es rief allgemeine Befriedigung unter den Mitgliedern hervor, daß es ihnen ermöglicht wurde, einmal sämtliche Ausschußmitglieder des Landesfeuer- wchrvereins kennen zu lernen. In,' der im Rathaussaal stattgjefundenen Sitzung des Landesausschusses des Badischen Landesfeuerwehrvereins wurde zum Präsidenten einstimmig Herr Kommerzienrat Bally gewählt. Ferner wurde gewählt zum stellvertretenden Präsidenten Herr A. Müller- Tegler ; als Sekretär Herr I. Lüthy und als Kassier Herr Othmar Broglie, sämtliche in Säckingen. Nach den Verhandlungen fand ein gemeinsames Mittagsmahl bei Kamerad Weiß im „Darmstädter Hof" statt. «Aus der Sitzung der Strafkammer I vom 19. Februar.) Vorsitzender: Landgerichtsdirektor Freiherr von Rüdt. Vertreter der Großh. Staatsanwaltschaft: Duffner. — Eine Liebestragödie, die sich am 2«). September v. I. in hiesiger Stadt abspielte, fand heute vor der Strafkammer ihren gerichtlichen Abschluß. An dem genannten Tage wurde Nachmittags in einem Fremdenzimmer des Hotels „Monopol" eine 21jährige Kontoristin von ihrem Geliebten, einem 19 Jahre alten Kanzleigehilfen, erschossen, der nach dieser schrecklichen Tat die Waffe gegen sich selbst richtete und sich drei Schüsse beibrachte, die aber nicht tätlich waren. Er stand heute vor der Strafkammer unter der Anklage des Vergehens gegen § 216 R.St.G.B. Er war angeschuldigt, die Kontoristin auf deren ausdrückliches und ernstliches Verlangen getötet zu haben. Der Angeklagte, der heute vollständig hergestellt ist, war geständig. Er wurde zu 3 Jahren und 3 Monaten Gefängnis verurteilt und sofort in Hast genommen. ^ «Aus dem Polizeibericht.) Ein 69jähriger pensionierter lediger Oberbuchhalter stürzte sich gestern nachmittag infolge geistiger Umnachtung aus dem Fenster seiner in der Kaiser- straße gelegenen Wohnung in den Hof und war sofort tot. * Mannheim, 22. Jan. Hier scheint eine kleine Steigerung der Kohlenpreise im Detailhandel bevorzustehen, ^-ie vereinigten Kohlenhändler berieten gestern über eine Preiserhöhung von 10 bis Io Pf. pro Zentner. Sollte der Streik andauern, dürste eine weitere Erhöhung der Preise eintreten. V Heidelberg, 23. Jan. Der National-soziale Verein hat am Freitag einen hochinteressanten Amerika-Äbend veranstaltet, in dem u. A. Professor Troeltsch, Marianne Weber und Professor Dr. Cohnheim fesselnde Vorträge hielten. — In dem letzten Solistenkonzert hat auch hier der neun- lahrige Geiger Kun Arpad Triumphe gefeiert. Neben ihm erwies sich Fräulein Rosenbaum aus Frankfurt a. M. als bedeutende Pianistin. X Baden, 23. Jan. Der vor einigen Wochen in Berlin verstorbene Herr Großh. Baurat Stroh, welcher sich im benachbarten Lichtenthal schon vor Jahren eine prächtige Villa erbaute, hat der Stadtgemeinde Baden durch letztwillige Verfügung als Grundstock zu einer Strohschen Stiftung den Betrag von 100 000 Mark vermacht. Alljährlich am Todestage des Stifters sollen drei Viertel der Zinsen an bedürftige Leute, welche keine Armenunterstützung beziehen, in Baden, ein Viertel an solche in Lichtenthal zur Verteilung gelangen. Der Stadtrat hat beschlossen, dieses Vermächtnis anzunehmen. — Des weiteren hat der Stadtrat beschlossen, anläßlich des hundertjährigen Todestages Schillers eine allgemeine H'chillerfeier zu veranstalten; eine bereits ernannte Kommission wird die hierzu nötigen Vorbereitungen treffen. G- Vom Bodensee, 28. Jan. Im vierten Quartal 1904 sind im Amtsbezirk Stockach insgesamt 89 Personen gestorben. Hierbei waren. 6 Todesfälle an Lungenschwindsucht und 12 Todesfälle an Krebs. In der Stadt Konstanz wurden im vierten Quartal 1904 106 Todesfälle verzeichnet; davon waren 26 von Kindern unter einem Jahr und 18 bei Kindern zwischen 1—15 Jahren, 7 an Lungenschwindsucht, 4 an Krebs und 4 gewaltsame Todesfälle. — Die Ausführung des von der Stadt Stockach der Firma Franke aus Bremen übertragenen Gaswerks geht der baldigen Fertigstellung entgegen, so daß die Eröffnung des Betriebs spätestens in der zweiten Februarhälfte d. I. erwartet Iverden darf. — Das baufällig gewordene, frühere A m t s g e f ä n g n i s in Stockach wurde niedergelegt und an dessen Stelle ein hübscher Garten errichtet, der mit dem angrenzenden Garten des Domänenverwaltungsgebäudes vereinigt worden ist. * Kleine Nachrichten aus Baden. Der Stadtrat in Heidelberg hat zur Herstellung eines Volkseislaufplatzes 1000 M. in den Voranschlag für 1905 eingestellt. — Der Monteur Hochstetter von Karlsruhe, der für die Sie mens- Schuckert-Werke in Pforzheim elektrische Lampen im Neubau des Gymnasiums anbringen sollte, hatte das Unglück, 3 Meter hoch herabzu stürzen. Er brach beide Unterschenkel und mußte schwer verletzt ins städtische Krankenhaus gebracht werden. —, Die diesjährige ordentliche Generalversammlung des Internationalen Klubs in Baden-Baden findet am 30. Januar unter dem Vorsitze des Präsidenten Grasen F ü r st e n b c r g - Herdingen statt. — Im Güterbahnhof Achcrn geriet der 59 Jahre alte Bahnbedicnstete Anton Riegelsberger beim Rangieren mit dem Kopfe zwischen die Wagen. Der Tod trat sofort ein. — Infolge seiner freiwilligen Meldung während seiner aktiven Dienstzeit beim Regiment 112 in Mülhausen erhielt dieser Tage der Reservist Schreiner Schreyer in Emmendingen von hier plötzlich Ordre zur Schutztruppe in S ü d we st a f r i k a. Ferner wurde Wärter Meier von der hiesigen Heil- nnd Pflegeanstalt als Sanitätsunteroffizier eingezogen. Damit stellt Emmendingen sechs Kombattanten für Südwestafrika. — Vor dem Freiburger Schwurgerichte wird am 26. d. M. die Anklage gegen den Karl Laubach aus Freiburg wegen Mords und Sittlichkeitsverbrechens verhandelt. — In Billingen wird eine höhere Mädchenschule errichtet. — Das Wohnhaus und die Ziegelhütte des Zieglers Johann Heine in Bräunlingen (Amt Donaueschingen) brannte vorgestern morgen nieder. Die Ursache des Feuers ist unbekannt. — In Konstanz ist ein Komitee in Bildung begriffen, welches die Errichtung eines Denkmals für den verstorbenen königl. Musikdirektor Handloser in die Wege leiten soll. — In Neberlingen wurde Glasermeister und Gemeinderat Baptist Heberle, als er im Kreise der Mitglieder des Bürgermuseums weilte, plötzlich vom Schlag getroffen und war sofort tot. standsetzung der schwierig zu behandelnden Apparate unterzogen hat und er gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Großh. Regierung die Bestrebungen des Vereins durch Gewährung von Mitteln für die Unterhaltung der Stationen, für welche das Bohmsche Vermächtnis nicht mehr ausreiche, unterstützen werde, wobei er auf das Beispiel Preußens, das ausschließlich aus Staatsmitteln vier Erdbebenstationen errichte, hinwies. Werteste WachvichLerr urrö Geregvcm-m«. * Paris, 23. Jan. In dem heutigen ersten Mini st errat des neuen Kabinetts soll auch die Frage der Amnestie erörtert werden. Was die Denunziationsangelegenheit anlangt, so heißt es, wird das Ministerium angeblich beschließen, den Kommandierenden des 9. Armeekorps von Tours, General Peigne, und die Majore Begnicourt, Pasquier und Bon- quero zu maßregeln. Falls die Nationalisten ihre Treibereien trotzdem nicht lassen sollten, so werde das Ministerium jede Interpellation Wer die Angebereiangelcgenheit einfach ablehnen. Von dem neuen Ministerium gehören Rouvier, Po in care und Du puh der republikanischen Vereinigung des Senates an, Delcasse, Etienne und Thomson der demokratischen Vereinigung, Ru au, Dessaigne der radikalen Linken. Berteaux der sozialistisch-radikalen Gruppe der Kammer an. Seitens der Presst findet das neue Kabinett im allgemeinen vorläufig keine günstige Aufnahme. Jauräs schreibt in der „Humanste", er wolle die Erklärungen und Taten des neuen Ministeriums abwarten. " Tanger, 23. Jan. Der Mini st er des Aeuhern richtete an die fremden Vertreter ein Zirkular des Inhalts, daß der Sultan ein Armeekorps zur Wiederherstellung der Ordnung und zur Bestrafung der Räubereien in den T a n g e r d i st r i kt e n abgesandt habe. Die fremden Vertreter werden gleichzeitig ersucht, ihre Schützlinge aufzufordern, bis zur Wiederherstellung der Ruhe ihr Eigentum aus diesen Distrikten zu entfernen. Naturwissenschaftlicher Verein Karlsruhe. Hst In der Sitzung vom 13. Januar begrüßte der Vorsitzende, Herr Geheimerat Tr. Engler, Seine Königliche Hoheit den Erbgroß Herzog, wobei er ihm den ehrerbietigsten Tank des Vereins für fein Erscheinen und das damit bekundete Interesse an den Bestrebungen des Vereins aussprach; Seine Königliche Hoheit dankte für die Begrüßung und gab seiner Freude darüber, daß es ihm vergönnt sei, an den Sitzungen des Vereins teilnehmen zu können, Ausdruck. Der Vorsitzende bewill- kommnete sodann den als Gast anwesenden Bürgermeister der Nachbarstadt Durlach, Herrn Reichardt, und sprach ihm den Dank des Vereins für seine tatkräftige Unterstützung bei dem Ausbau der Erdbebenstation aus, welche auf Durlacher Gemarkung am Fuße des Turmberges erstellt worden ist, und er gedachte schließlich mit pietätvollen Worten des verstorbenen Ehepaares Bohm, dessen letztwilligen Verfügungen der Verein die reichen Mittel zur Errichtung zweier Erdbebenstationen gewährt haben. Herr Geh. Hofrat Dr. Haid hielt sodann den angekündigten Vortrag über „die Erdbebenstation in Durlach und ihre Einrichtung". Nach einem kurzen Rückblick über den gegenwärtigen Stand der Erdbebenkunde und über v. Rebeurs Bestrebungen, denen der hiesige Verein in ihren ersten Anfängen nahestand, behandelte der Vortragende den Gang der Erdbebenwellen durch den Erdkörper sowie entlang seiner Oberfläche und wies auf die Störungen hin, welche die Wellen bei ihrem Durchgang durch die geschichteten Bildungen der festen Erdkruste erleiden. Es wurde iveiter dargelegt, wie durch zahlreiche Beobachtungen eines Erdbebens an der Erdoberfläche Aufschluß über die physikalische Beschaffenheit des Erdinnern erlangt werden kann. Hierzu ist der Zusammenschluß der bezüglichen Arbeiten aller Kulturvölker nötig. Letzterer soll durch die internationale staatliche Vereinigung mit dem Zentralbureau in Straßburg i. E. erreicht werden. Auch für das Deutsche Reich ist eine Organisation geschaffen, und sind in den meisten deutschen Staaten bereits Stationen zur Beobachtung der Erdbeben errichtet oder ist deren Errichtung im Gang. Außer den auf der Heidelberger Sternwarte angestellten diesbezüglichen Beobachtungen sollen vom naturwissenschaftlichen Verein in Turlach und in Freiburg Beobachtungsstationen erstellt werden. An diesen beiden Orten werden gleichartige Instrumente, Horizontalpendel nach Konstruktion von Prof. Hecker in Potsdam, zur Aufstellung gelangen. Der Vortragende erklärst an dem einen bereits gelieferten Apparate, welcher im Saale aufgestellt war, die Wirkungsweise der Pendel und die photographische Aufzeichnung ihrer Bewegungen, woraus man die Phasen eines Erdbebens und die Zeiten ihres «Eintretens erkennen kann. So konnten schon aus der bislang provisorischen Aufstellung im Aulagebäude der Technischen Hochschule die Registrierung zweier Erdbeben, das eine am 6. November v. I. von der Insel Formosa und das andere mit 3 Stößen am 9. Januar von der andalusischen Küste gezeigt werden, ferner auch die Registrierung der Bodenbewegungen infolge des Sturmes am 5. Dezember und infolge des Temperatursturzes in der Neujahrsnacht, sowie auch jene infolge einer von Herrin Geh. Rat Engler veranlaßten Explosion im Hofe des Polytechnikums. An Hand von Plänen wurde die bereits fertige bauliche Einrichtung der Durlacher Station in einem unterirdischen Gang im Turmberg besprochen. Nach dem Vortrag dankte der Vorsitzende dem Redner sowohl für seine Ausführungen, als auch für seine erfolgreiche Tätigkeit an der Spitze der Erdbebenstation des Vereins und er ! gedachte noch besonders der Verdienste des Herrn Pro- i feffor Leutz, der sich der mühevollen Arbeit der Jn- Werlchieöenes. st Berlin, 21. Jan. Nachdem der Bundesrat am 6. Oktober 1904 beschlossen hatte, daß neue Fünfzigpfennigstücke mit der Wertangabe „V- Mark" und schärfere Riffelung des Randes im Betrage von etwa 100 Millionen Mark ausgeprägt werden, ist zunächst mit der Ausmünzung von zehn Millionen vorgegangen worden, deren Ausgabe demnächst ihren Anfang nehmen soll. st Darmstadl, 23. Jam Der ordentliche Professor der Medizin Dr. Friedrich Moritz, derzeit Direktor der medizinischen Universitätsklinik in Greifswald, wurde zum Direktor der me- i dizinischen Klinik der Lcmdesuniversität in Gießen ernannt. ! st Saarbrücken, 23. Jan. 10 000 Bergleute des Saar- ! reviers brachten gestern abend dem in Privatdstnst eintretenden « Vorsitzenden der Königl. Bergwerksdirektion, «Zeh. Rat Hil - ^ ger, einen Lampionzug. Ein Bergmann und ein Schachtmei- : ster feierten die bleibenden Verdienste Hilgers um die Arbeiter i und die Kohlengruben. Diester dankte tiefbewegt und meinte § u. a., daß ihm alle Neider und Hasser ein Verdienst nicht rauben i könnten, nämlich, daß er seine Arbeiter in schlechten Zeiten vor , Feierschichten, vor Förderungseinschränkungen und Lohnherab- , setzurigen bewahrt habe, und daß es ihm gelungen sei, die So- j zialdemokratie von ihnen fernzuhalten. ! st London, 23. Jan. Die Admiralität hat die General- srdee für die nächsten Manöver veröffentlicht, deren ! Zweck sein soll, die Wirkung der neuen Flotteneintei- , lung festzustellen. Es wird darin der baldige Ausbruch eines i Krieges angenommen, von welchem sämtliche Stationen dvr ; englischen Flotte berührt würden. ! st London, 23. Jan. «Sestern morgen starb Lord Kin- roh, Lordgeneralantvalt von Schottland und Lordsekretär des Sektionsgerichtshofes. ! st Athen, 23. Jan. (Telegr.) Mehrere Dörfer in der Umgebung von Aghia irr Thessalien sind infolge der Erdbeben, dre noch andauern, vollkommen zerstört, andrerseits bedroht das Anschwellen des Peneau die niedrig gelegenen Stadtteile von L ari s s a. Der strenge Winter macht die Lage ganz besonders schwierig. KvoßHevzogttches KofiHecrtev. Im Hostheater Karlsruhe: Dienstag, 24. Jan. Abt. 8. 32. Ab.-Vorst. „Die Fee Caprice", Lustspiel in 3 Akten von Oskar Blumenthal. Anfang 7 Uhr, Ende 9 Uhr. Wetterbericht des Zentralbureaus für Meteorologie und Hydr. vom 23. Januar 1905. Während eine Depression im hohen Nordwesten dem Golfstrom folgt, wird Mitteleuropa von einem barometrischen Maximum bedeckt, das einen Kern über dem Osten aufweist; in seinem Bereich herrscht heiteres oder nebliges und ziemlich strenges Frostwetter. Tie tiefste Morgcntemperatur wird aus Krakau mit —16 Grad gemeldet. Eine wesentliche Witterungsänderung ist vorerst nicht zu erwarten. Wetternachrichten ans dem Süden vom 23. Januar, früh. Lugano bedeckt 0 Grad; Biarritz halbbedeckt 8 Grad; Nizza heiter —1 Grad; Triest wolkenlos 0 Grad; Florenz wolkenlos 8 Grad; Rom bedeckt 3 Grad; Cagliari wolkig 10 Grad; Brindisi wolkenlos 8 Grad. Witterungsbeobachtungen der Meteor,log. Statt,« «»rlsruhe. Januar Barom. «Therm. 757.2 - 0.7 7596 - 80 760 5 - 1.4 761 8 - 4.2 763.0 — 8 8 23. Mittgs. 2" U. 762.9 -s 0 3 21. Nachts S-»U. 22. Mrgs. 7" U. 22 Mittgs. 2-» U. 22 Nachts 9- U. 23. Mrgs. 7«>U. Sbsol. Fruchtig- ! Feucht. teil in «tut Pro,. 42 96 NE ! 2.2 91 i 3 5 84 SW ! 3 2 97 NE > 2.0 90 ! 3.9 83 S heiter Höchste Temperatur am 21. Januar: ff-1.0; niedrigste in der darauffolgenden Nacht: —8.2. Niederschlagsmenge des 16. Januar: 0.0 nun. Schneehöhe: 0.5 em. Höchste Temperatur am 22. Januar: ff-1.0- niedrigste in der darauffolgenden Nacht: —88. Niederschlagsmenge des 22. Januar: 0.0 mw. Schneehöhe: Boden Schneefrei. W aff erstand des Rheins. Maxa«. 22. Januar: 2.90 w, gefallen 2 am. — 23. Januar: 2.87 w, gefallen 3 o«. Verantwortlicher Redakteur: Julius Katz in Karlsruhe. Druck und Verlag: IN. Brannsche Hofbuchdruckerei in Karlsruhe. Ikk-Klum Kaisei-stn. 209 1°slspkon 267. Verließen 8ie IN61Q6 lioolikeins I 86 -Ü/Ii 8 etiung Versanck uaed »ns- vLrts von 5 kkck. »ll krank« IV ir Asbsn Iiiemit die ersvtiütternds (krauer- kunde, dass unssrs Aule, trsudssorAts, liebe Llutter, Lebvvester, 8oltrväAsriii und laute flrsu Xsroüne Lugsnriein V«s. gvd. loengsn naoli kurzem, eeb^versm leiäsu uusrvartet soduell beute trüb um */r5 Ildr, vergeben mit den tsiliZen sterbsakramenten, sankt versobieden ist. Im Rainen der tiektrausrndsn Hinterbliebenen: kandZeriebtsrat ür. ^.UKvnstvin. OkkenburZ, den 21. danuar 1905. P.735 H«§s^§/>«§§S KS^» »«^»saLMrsr. ^svorr/s-isnaks» -Aa//-H§/5§/k F? Zum Zwecke der öffentlichen Zustel-! lung wird dieser Auszug der Klage! bekannt gemacht. Mannheim, den 19. Januar 1905.! Gerichtsschreiber Gr. Landgerichts. ! Brandner. i Konkursverfahren. P.702. Nr. 543. Karlsruhe, lieber das Vermögen des Spezereihändlers ' Johann Ganzenniüller in Karlsruhe, llhlandstraße Nr. 20, wurde am 20. Januar 1905, nachmittags 4 Uhr, das Konkursverfahren eröffnet. Herr Kaufmann Franz Geuer hier, wurde zum Konkursverwalter ernannt. Konkursfvrderuugen sind bis zum 21. Februar 1905 bei dem Gerichte cmzumeldeu. Es ist zur Beschlußfassung über die Wahl eines andern Verwalters, sowie über die Bestellung eines Gläubiger- ausschusses und eintretendenfalls über die in 8 192 der Konkursvrdnung be- zeichnetcn Gegenstände ans Dienstag den 21. Februar 1905, vormittags 11V» Uhr, und Konkursverfahren. P.709. Nr. 767. Emmendingen. In dem Konkursverfahren über den Nachlaß des Zimmermanns Georg Friedrich Rutsch von Denzlingen ist Termin zur Abnahme der Schlußrechnung, zur Erhebung von Einwendungen gegen das Schlußverzeichnis und zur Beschlußfassung der Gläubiger über die nicl t verwertbaren Vermögensstücke bestimmt worden auf: Dienstag, den 14. Februar 1905, vormittags 11 Uhr. Emmendingen, 19. Januar 1905. Gerichtsschreiber Gr. Amtsgerichts. Bruch. Konkursverfahren. P.710. Nr. 768. Emmendingen. I» dem Konkursverfahren über das Vcrrnögeu des Johann Georg Kaufmann, Zimmermanns Sohn, Landwirt in Bahlingen, ist Termin zur Abnahme der Schlußrechnung, zur Erhebung von Einwendungen gegen das Schlußver- zeichuis und zur Beschlußfassung det Gläubiger über die nicht verwertbaren Vermögensstücke bestimmt worden auf: Dienstag den 14. Februar 1905, vormittags 10 Uhr. Emmendingen, 18. Januar 1905. Gcrichtsschreiber Gr. Amtsgerichts. Bruch. Konkursverfahren. P.733. Heidelberg. In dem Konkurs über das Vermögen des Zimmermeisters Johann Paule, Heidelberg, wird die Schlußverteilung erfolgen. Dazu sind zirka M. 7350.— verfügbar. Nach dem auf der Gerichtsschreiberei Abteilung I. Großh. Amtsge '«d P-Üfm-S ang-m-ld-.cn ^^g-«?'ve^N " - ' auf sind dabei M. 13426.21 nicht bevor- amstag den 4. Marz 190o, Forderungen zu berücksichtigen. vormittags halb 12 Uhr, vvr dem diesseitigen Gerichte, Akademiestraße 2 8, 3. Stock, Zimmer Nr. 49, Termin anberaumt. Allen Personen, welche eine zur Konkursmasse gehörige Sache in Besitz haben oder zur Konkursmasse etwas schuldig sind, ist aufgegeben, nichts an den Gemeinschuldner zu verabfolgen oder zu leisten, auch die Verpflichtung auferlegt, von dem Besitze der Sache und von den Forderungen, für welche Heidelberg, 20. Januar 1905. Winter, Konkursverwalter. P.734. Straßburg. Reichs-Eisenbahnen in Elsaß- Lothringen. Verdingung der Lieferung von 1800 Haarbesen» 1800 Schrubbern, 1600 Scheuerbürsten, 4600 Handfegern, 600 Kohlen- körbeu, 2600 Axt- und Platthackenstielen, 1200 Beilstielen, 6200 Hammerstielen, 3500 Haarbesen- und Wageubürstenstielen, 27 000 Kreuz- nnd Stopfhackenstielen, 3000 Harken- und Schlammkratzenstielen sowie 13 000 Schaufelstielen, findet am 15. Februar 1905, vormittags 10 Uhr, in dem Verwaltungsgebäude der Kaiserlichen Generaldirektion hier statt. Zn- schlagsfrist 4 Wochen. Die maßgebenden Bedingungen liegen in den Sta- ticnsbureäus zu Mülhausen, Straßburg, Metz und Luxemburg zur Einsicht auf und können von der Unterzeichneten Dienstabteilung gegen kostenfreie Einsendmtg von 70 Pfg. für eine Ausfertigung bezogen werden. Straßburg, den 18. Januar 1906. Materialienburea«. P.737. Karlsruhe. Großh. Bad. Staats- Eisenbahnen. Mit Gültigkeit vorn 1. Februar 1905 wird zum Gütertarif Badische Staatsbahnen — Badische Nebenbahnen im Privatbetrieb der Nachtrag Xl ausgegeben. Er enthält ermäßigte Srations- frachtsätze für die Beförderung von Steinen der Ausuahmetarif 5a und 5b zivischeu Friedrichsfcld Bad. B. sowie den badischen Stationen der Main- Neckarbahn einerseits und Krozingen Kycmisiercmstalt sowie den Stationen der Nebenbahnen Biberach—Oberharmersbach und Mosbach—Mudau. Die Frachtsätze für die Stationen der Nebenbahn Mosbach—Mudau treten erst mit dem Tag der Eröffnung dieser Stationen für den Güterverkehr in Kraft. Die in den Nachtrag aufgenommene zusätzliche Bestimmung zur Berkehrsordnung ist gemäß den Vorschriften unter Ziffer V genehmigt worden. Nähere Auskunft erteilen die Dienststellen. Karlsruhe, den 21. Januar 1905. Großh. Generaldirektion. Schlußtermin. P.704. Nr. 2372. Freiburg. Das Konkursverfahren über das Vermögen des Kaufmanns Max K-l-le hier betreffend. „ , . Zur Abnahme der Schlußrechnung ,le aus der Sache abgesonderte Bestie- j des Verwalters, zur Erhebung von digung rn Anspruch nehmen, dem Kon- Einwendungen gegen das Schlußver- kursverwalter bis zum 20. Februar > zeichnis der bei der Verteilung zu be- 1905 Anzeige zu machen. ! rücksichtigenden Forderungen tst der Karlsruhe, den 20. "Januar 1905. Schlußtermin bestimmt auf Gcrichtsschreiber Gr. Amtsgerichts. ' Freitag den 17. Februar 1,-M, Thum. j vormittags 9V. Uhr, Die Arbeiten für die Erstellung einer neuen Schirmhülle auf Station Rickelshausen habe ich im Wege öffentlicher Verdingung zu vergeben, und Sivar: P.738.2.1 1. Grab- und Maurerarbeit, 2. Granitlieferung, 3. Zimmerarbeit, 4. Blechnerarbeit, 5. Anstreicherarbeit. Die Pläne und Bedingungen liegen auf dem Hochbaubureau der Unterzeichneten Dienststelle zur Einsicht aus, woselbst auch die Angebotsformular- zum Einsetzen der Einzelpreise erhaben werden können. Zusendmig von Bedingungen, Zeichnungen und Angebotsformularen nach auswärts findet nicht statt. Die Angebote sind vollständig ausgefüllt, ausgerechnet und unterschrieben spätestens bis Dienstag, den 31. Januar 1905, vormittags 11 Uhr, verschlossen und portofrei mit der Auf- scbrist „Angebot auf Hochbauarbeiten" versehen, anher einzureichen. Zuschlagsfrist 14 Tage. Singen, den 17. Januar 1905. Der Großh. Bahnbaninsprktor.