Intim. E Samstag, 1. Juli ! Expedition: Narl-Friedrich-Straße Nr. 14 (Telephonanschluß Nr. 154), woselbst auch die Anzeigen in Empfang genommen werden. Vorausbezahlung: vierteljährlich 3 M. 50 Pf.) durch die Post im Gebiete der deutschen Postverwaltung,Briefträgergcbühr eingerechnet, 3 M. 65 Pf. Einrückungsgebühr: die gespaltene Petitzeile oder deren Raum 25 Pf. Briefe und Gelder frei. Unverlangte Drucksachen und Korrespondenzen jeder Art, sowie Rezensionsexemplare werden nicht zurückgesandt und übernimmt die Redaktion dadurch keinerlei Verpflichtung zu irgendwelcher Vergütung. wos. s .. - F st Abonnements auf die „Karlsruher Zeitung" für das III. Quartal « «Mt jede Poftanstalt entgegen. Die Srpeditio» der „Karlsruher Zeitung". Nmtlicher Teil. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben unterm 24. Juni d. I. gnädigst geruht, den Strafanstaltsarzt a. T. Geheime Hofrat Or. Anton Gutsch in Karlsruhe zum Geheimerat III. Klasse zu ernennen. Mit Entschließung des Evangelischen Oberkirchenrats vom 24. Juni d. I. wurde der mit der einstweiligen Versetzung einer Revidentenstelle bei dieser Behörde betraute Buchhalter Hans Horchler zum Revidenten ernannt. Tie Zolldirektion hat unterm 16. Juni den Hauptamtsassistenten Franz Schädler in Wangen mit der Verwaltung des VI. Grenzaufstchtsbezirks in Erzingen betreut. LuP-Amtlicher Ceü. Das deutsche Volk und die Marokkokrise. Mag in der Marokkoangelegenheit noch manche Schwierigkeit zu überwinden sein, ehe sie endgültig als erledigt anzusehen ist, so darf man doch Wohl sagen, Laß die kritische Zeit, in der Vielen ein Konflikt zwischen Deutschland und Frankreich nicht ausgeschlossen zu sein schien, vorüber ist. Es soll hierüber nicht triumphiert werden, weil einmal die Ausdehnung dieses Erfolges noch nicht festgelegt ist und es zum Zweiten sicherlich der Auffassung unseres leitenden Staatsmannes entspricht, daß es in dieser Angelegenheit weder Sieger noch Besiegte geben soll. Wir wollen es uns aber nicht nehmen lassen, uns über zwei Dinge zu freuen, die mit dem materiellen Erfolge an sich nichts zu tun haben: über das ruhige Vertrauendesdeutschen Volkes zu seiner Armee und über die Einmütigkeit der deutschen Nation. Wenn in der vergangenen Woche in Frankreich eine wahre Panik ausbrach, so war dies nicht der Fall, weil etwa die Franzosen unter allen Umständen friedlich gesinnt wären, sondern, weil ein großer Teil der Nation die Besorgnis hegte, im Ernstfälle würde die Armee versagen. So sahen sich denn die Presse und selbst die Minister genötigt, die angstvollen Gemüter zu beruhigen, bald, indem man die angebliche Ueberlegenheit der französischen Artillerie betonte, bald wieder, indem man auf die gesicherte Verproviantierung des Heeres für den Kriegsfall hinwies. Wie ganz anders in Deutschland l Wohl wurde die Möglichkeit eines Konflikts in einzelnen Zeitungen und in Gesprächen ruhig und ernsthaft erörtert, aber keine Zeitung schrieb, kein Mensch sprach ein Wort von der deutschen Armee. Man hatte eben die ruhige Zuversicht, daß, wenn es sein müßte, die Armee ihre Pflicht tun würde, und man war überzeugt, daß in den langen Jahren des Friedens alles getan worden sei, um die erfolgreiche Durchführung eines Krieges vorzubereiten. Wir glauben, daß diese, lvenn wir so sagen dürfen, verschwiegen-selbstbewußte Haltung Deutschlands in der kritischen Zeit den anderen Nationen mehr imponiert hat, als wenn wir ein unnützes Säbelgerassel vorgenommen hätten. Nicht minder dürfte im Auslande die Einmütigkeit der deutschen öffentlichen Meinung, wenigstens soweit die bürgerliche Presse in Frage kommt, imponiert haben, daß, wenn Deutschland wieder einmal einen nationalen Krieg zu führen hat, das ganze Reich einig dastehen wird. Nur der sozialdemokratischen Presse blieb es Vorbehalten, den Anwalt des Auslandes zu machen, aber selbst inner- chalb dieser Partei regten sich Stimmen, die für die deutsche Politik in der Marokkofrage eintraten. Wir können nur sagen, daß die erfreuliche Haltung der deutschen Nation in dieser Angelegenheit uns mindestens ebenso wertvoll zu sein scheint, wie die materiellen Erfolge, die unsere Diplomatie hoffentlich davontragen wird. Denn mit seiner ernsthaften und würdigen Haltung hat das deutsche Volk das politische Reifezeugnis erbracht, und dies ist von der höchsten Wichtigkeit, wenn einmal eine kritische Situation einen weniger glatten Verlauf nehmen sollte, als die gegenwärtige erwarten läßt. Ter dcntsch-franzvsische Notenwechsel. * Paris, 30. Juni. In den Wandelgängen der Kammer glaubt man, daß die zwischen Deutschland und Frankreich ausgetauschten Noten erst in eini- gerZeitveröfsentlicht werden. Tie Noten gehen in der Tat von verschiedenen Gesichtspunkten aus und die einfache Veröffentlichung ihres Wortlauts könnte ungenaue Anschauungen über die gegenwärtige Lage Hervorrufen. Um die Lage genau festzustellen, müßte die Regierung auch Mitteilungen über die ergänzenden Unterredungen machen, die bei oder nach der Uebergabe der Noten stattfanden und deren freundschaftlicher Ton die Spannung beseitigte und die Möglichkeit einer demnächstigen Verständigung durch- blicken ließ. Ta aber die Besprechungen gegenwärtig noch fortgesetzt werden, liegt es in der Absicht des Ministerpräsidenten, abzuwarten, bis die Verhandlungen eine entschiedene Form angenommen haben, ehe er eine amtliche Mitteilung über die Angelegenheit veröffentlichen läßt. " Paris, 29. Juni. Von zuverlässiger französischer Seite verlautet, daß der Ministerpräsident Rouvier, der durch neuerliche Unterredungen mit dem deutschen Botschafter, Fürsten Radolin, die formelle Ueberzeu- gung gewann, daß Deutschland die berechtigten Interessen Frankreichs in Marokko in keiner Weise beeinträchtigen wolle, den lebhaften Wunsch hege, die Marokkofrage so bald als möglich erledigt zu sehen. * Paris, 30. Juni. Der Ministerrat ist heute morgen im El säe zusammengetreten. Ministerpräsident Rouvier hat über den Stand der Unterhandlungen in der Marokkofrage mitgeteilt, daß sie in zufriedenstellender Weise ihren Fortgang nehme. * Berlin, 30. Juni. Der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge hatte der Reichskanzler Fürst Bülow gestern eine Besprechung mit dem französischen Botschafter. » * * * Tanger, 30. Juni. Auf die Einladung zur Marokkokonferenz hat Dänemark dem Sultan geantwortet, daß es an der Konferenz teilnehme, vorausgesetzt, daß alle beteiligten Großmächte auf derselben vertreten sind. * Fez, 28. Juni, Reuters Bureau meldet: Die Besprechungen in Paris zwischen dem Ministerpräsidenten Rouvier und dem deutschen Botschafter Fürsten Radolin gaben Anlaß zu der Befürchtung, Deutschland könne Marokko seinen Interessen anderswo opfern. Dies veranlaßte den Grasen Takten- b a ch, seine Versicherung zu wiederholen, daß Deutschland für die Unverletzlichkeit und Unabhängigkeit Marokkos einstehe und nicht die Absicht habe, den Sultan im Stich zu lassen. — Eine englische Firma legte Pläne für den Bau eines Hafens in Tanger vor und Lowther bemühlt sich lebhaft, die Behörden zu beeinflussen, sie in wohlwollende Erwägung zu ziehen. Deutscher Kolonialrat. (Telegramm.) * Berlin, 30. Juni. Gestern trat hier der Kolonialrat zu seiner diesjährigen Sommersitzung zusammen. Der Vorsitzende, Kolonialdirektor Dr. St übel, begrüßte die neuernannteu Mitglieder, Wirkl. Geh. Oberbergrat Eskens und Rittmeister a. D. Bugge, und widmete dem Gouverneur von Wißmann einen warmen Nachruf. Der Kolonialrat nahm einen Antrag auf Einsetzung einer Kommission für landeskundliche Erforschung der Schutzgebiete an. Bei der Besprechung des Etats für Südwestafrika führte Dr. Stübel aus, daß nach der dem Reichstage vorgelegten Denkschrift künftig den kommissarischen Beamten die gleichen Vorteile wie den xtatsmäßigen gewährt werden können. Es geschehe alles, den verheirateten Beamten entgegen- zukommen. Konsul Vohsen, dem sich Dr. Scharlach anschließt, vertritt die Bestrebungen der Siedelungsgesellschaft für Südwestafrika. Der Kolonialdirektor erklärt, bezüglich der Siedelungsgesellschaft seien die Arbeitsergebnisse der vom Reichstage beschlossenen Kommission zur Prüfung der Verhältnisse der Gesellschaften im Schutzgebiet abzuwarten. Er könne dem Ergebnis nicht vorgreifen. Bisher seien der Verwaltung keinerlei Tatsachen bekannt geworden, die die gegen die Siedelungsgesellschaft gerichteten Angriffe als berechtigt erscheinen ließen. Am Nachmittag nahm der Kolonialrat einen Antrag Scharlach an: „Der Kolonialrat 'teht nach wie vor auf dem Standpunkt, daß die Voraussetzung für eine gesunde wirtschaftliche Entwicklung des Schutzgebiete^ für die nächste Zeit die ist, daß die Ansiedler für die vo.r ihnen nachgewiesenen Verluste durch die Eingcborenenaufstände voll entschädigt werde n." Keim Kamerunctat gibt Dr. Stübel Auskunft über die llnruhen in Südkamerun, die lokaler Natur feien und keinerlei Einfluß auf andere Teile des Schutzgebietes hätten. Es handle sich um noch nicht unterworfene Stämme, die mit den Weißen bisher kaum in Berührung kamen. Die Regierung sei bemüht, den Gummiraubbau zu unterdrücken. Staih- dinger schlägt vor, an Stelle des Landverkaufes das Pachtsy st e m treten zu lassen. Der Vorsitzende gibt zu, daß das Pachtsysrem vorzuzichen sei, wenn aber die Verwaltung vor die Wahl gestellt werde, Land zu verkaufen, oder auf die Investierung deutschen Kapitals zu verzichten, könne sie sich nicht Wohl für die letztere Alternative entschließen. — Beim Etat für Neuguinea wird die intensivere Erforschung Neuguineas durch Expeditionen gewünscht. Von seiten der Regierung wird darauf hingewicsen, daß die Ausgaben für Expeditionen nur insoweit zu rechtfertigen seien, als bestimmte wirtschaftliche Vorteile für das Schutzgebiet zu erwarten wären. Der Etat der Pal au-, Karolinen-, Mariannen- und Samoa-Inseln gibt keinen Anlaß zu einer Debatte. Die englischen Flotteupläne (Telegramm.) * London, 29. Juni. Unterhaus. Bei der Debatte über den Marineetat hob Edmond Robertson (liberal) hervor, daß England angesichts des Mißerfolges der russischen Flotte und des veränderten Standes der Seestreitkräfte der ganzen Welt seine Flottenpolitik einer nochmaligen Prüfung unterziehen solle. Prethman lParlamentssekretär der Admiralität) erklärte, es sei das Ziel der Admiralität, für eine hinreichende Menge von Schiffen zu sorgen, nicht nur zur Vernichtung des Feindes, sondern auch zum Schutze des Handels in K r i e g sz e i t c n. Er lehnte es ab, Einzelheiten bezüglich der neuen Schlachtschiffe uitd Kreuzer zu geben, da es dem Staatsinteresse zuwider sein würde, diese Details zu veröffentlichen. Dilke sprach seine Befriedigung zu der Ankündigung aus, daß die Admiralität annäbme, daß unter Berücksichtigung der neuen Schlachtschiffe und Kreuzer England imstande sein würde, eher dieFührungder Welt zur See zu übernehmen, als ihr nachzufolgen. Colomb (kons.) verwies ans die veränderte Lage im Stillen Ozean und fragte, ioer diesen künftig beherrschen würde. Im Verlaufe der weiteren Debatte führt Gibson Bowles aus, er dächte, daß Lee, Zivillord der Admiralität, Recht gehabt hätte, als er von der erhöhten Wichtigkeit sprach, die man vom seemännischen Standpunkt aus der Nordsee jetzt widme. Gibson Bowles fügt hinzu, man könne nicht wissen, wie bald man zur Verteidigung eines Bundesgenossen dort würde kämpfen müssen. Prethman verteidigt bezüglich der Unterseeboote das Verhalten der Admiralität, die einzige Verteidigung gegen Unterseeboote seien Unterseeboote. Bezüglich der Frage Colombs über die Herrschaft im Stillen Ozean erklärte Prethman: Wir wünschen in keinem Meere die Herrschaft, vorausgesetzt, daß wir verlangen, daß die englischen Handelsinteressen dort die gleichen- Begünstigungen, wie der Handel anderer Nationen, genießen. Die Schiffe, die wir im Stillen Ozean offiziell erhalten, sind ausreichend, nicht nur zur Wahrnehmung der wirtschaftlichen Interessen für jetzt, sondern auch für längere Zeit. Zur Lage in Rußland. Matrosenmeuterei. (Telegramme.) * Odessa, 29. Juni. Seit gestern abend 10 Uhr brennen die Packhäuser am Hafen, der Pöbel schleppt die Waren fort. Die Verluste betragen viele Millionen. Dichter Rauch hüllt die Stadt ein. Gestern abend wurde am Katharinenplatz in der Nähe des Richelieudenkmals eine Bombe zur Explosion gebracht, wodurch zwei Personen getötet wurden. Während der Nacht ereigneten sich am Hafen einige Explosionen, welche die erbittersten Zusammenstöße zwischen den Truppen und der Volksmenge hervorriefen. Die Toten werden nach Hunderten gezählt, die Krankenhäuser sind von Verwundeten überfüllt, die ärztliche Hilfe ist ungenügend, ! die Läden sind geschlossen. Der Verkehr stockt, die Hauptstraßen ! sind durch Truppen abgesperrt. Viele verlassen Sie Stadt, i An den Zusammenstößen mit den Truppen beteiligen sich die ^ Matrosen des „Knjäs Potemkin". ^ * Odessa, 30. Juni. Drei Schiffe der altrus- > fischen Gesellschaft, welche im Hajen lagen, sind i durch Feuer vernichtet. Die Gebäude der Hafen- i Verwaltung und viele andere Gebäude sind nie- ! dergebrannt. Große Mengen ausgeladener, am ! Quai lagernder Waren st eben in Flammen. Viele Schiffe haben eiligst den Hafen verlassen. Tie Feuer- ^ wehr wird an den Löscharbeiten verhindert. 11 Offiziere, die von den Matrosen des „Potemkin" am Leben gelassen wurden, sind heute an Land gesetzt worden. Eine Abteilung Matrosen hat sich unter Führung des Geistlichen des „Potemkin" zum Militärgouverneur begeben und diesen gebeten, den getöteten Matrosen Omel- tschuck mit militärischen Ehren beerdigen zu dürfen. Die Besatzung des Transportschiffes „W e ch a", das hier aus Nikolajew eingetroffen ist, hat sich dem Vernehmen nach den meuternden Matrosen des „Potemkin" an geschlossen und ihnen den Kapitän und die Offiziere der „Wecha" übergeben. In der Stadt wird fortwährend geschossen. Das Militär schießt in das Publikum, das schreckerfüllt flieht. Die Zahl der Getöteten und Verwundeten soll groß sein. Es verlautet, die in Odessa residierenden Konsuln hätten sich mit der Bitte an ihre Regierungen gewendet, Kriegsschiffe nach Odessa zu entsenden. Die Stadt ist in Belagerungszustand erklärt worden. Heute sollen keine Zeitungen erscheinen. * Odessa, 20. Juni. Heute nachmittag fand die Beerdigung des Matrosen Omelischuck statt. Der Sarg wurde von 8 Matrosen, Kameraden des Verstorbenen, getragen. Voran ging die Geistlichkeit. Eine zahlreiche Menge folgte dem Sarge. Aus dem Wege, den der Zug nahm, sah man weder Polizei, noch Militär. Die Beisetzung erfolgte auf dem Militärsriedhofe. Heute abend wurden in das städtische Hospital mehrere Personen eingeliesert, die bei den Unruhen der letzten Tage verwundet worden waren. * London, 29. Juni. Reuters Bureau meldet aus Odessa: Die Volksmenge richtete im Hafen große Verwüstungen an und zerstörte alle Lagerhäuser. Vier oder fünf russische Dampfer gingen in Flammen auf. Gegen 300 Personen sind getötet, darunter mehrere Kosaken. Das Militär stellte die Ordnung her. Nach einem bei Llopds aus Odessa eingegangenen Privattelegramm, sind- die Hafenanlagen teiüveise niedergebrannl. * St. Petersburg, 30. Juni. Wie es heißt, ist der hier weilende Oberbefehlshaber der Schwarzen-Meerflotte und der Häfen, Admiral Tschuschnin, nach Odessa abgereist. — Nach hier eingetroffenen Meldungen ist der Kreuzer der Freiwilligenflotte „Saratow" im Hafen von Odessa ebenfalls verbrannt worden. * St. Petersburg, 30. Juni. Hier verlautet, Vizeadmiral Krieger sei gestern abend mit 4 Linienschiffen von Sewastopol nach Odessa in See gegangen. Vizeadmiral Krieger habe den Befehl, die Besatzung des „Knjäs Potemkin" aufzufordern, sich zu ergeben, und nötigenfalls das Schiff mit der meuternden Besatzung in den Grund zu bohren und in Odessa die Ruhe wiederherzustellen. * Sewastopol, 30. Juni. Die Schiffe, die gestern abend 8 Uhr von hier nach Odessa abgingen, sind die Linienschiffe „Tri Ävjatitelja", „Dwjenadsat Apoftolow", „Rostislaw" und „Sinope", der Kreuzer „Kasarsky" und einige Torpedoboote. * London, 29. Juni. Unterhaus. Unterstaatssekretär des Aeutzern, Percy, verliest in Beantwortung einer Anfrage ein Telegramm des britischen Konsuls in Odessa, das über die jüngsten Ereignisse Mitteilung macht und fügt hinzu, der Konsul melde nickt, daß er eine besondere Gefahr für Re britischen Untertanen besorge. Rollst fragt an, ob die Regierung beabsichtige, irgend welche Vorsichtsmaßregeln zum Schutze des Lebens und Eigentums der britischen Untertanen zu ergresten. Balfour antwortet, es sei sehr schwierig, einzuschen, welche Maßnahmen von der englischen Regierung getroffen werden könnten wegen Unruhen, die sich in einer nicht unter englischer Rechtshoheit stehenden Stadt ereignen. * » * * Libau, 29. Juni. In der letzten Nacht meuter- ten hier die Matrosen des östlichen Kommandos, erbrachen das Zeughaus, eigneten sich die Gewehre an und schossen auf die Wohnungen der Offiziere. Noch in der Nacht erhielt die Artillerie der Garnison den Befehl, nach dem Hafen abzurücken. Heute früh wurden Kosaken und ein Infanterieregiment dorthin berufen. Die Unruhen in Polen. * Warschau, 30. Juni. Aus Lodz wird berichtet: Seit vorgestern finden Massenverhastungen statt. Bisher wurden 243 Juden und 80 Christen, die sich an geheimen Organisationen beteiligten, fest genommen, gestern allein 200 Personen, die Monopolläden plünderten und Barrikaden bauten. * Sosnowice, 30. Juni. Gegenwärtig befinden sich Tausende von Arbeitern aus Dombrowa und Zagorze auf dem Wege nach Sosnowice, wo ihnen Militär entgegengeht. Die Arbeiter tragen rote Fahnen. Es werden Zusammenstöße befürchtet. * St. Petersburg, 30. Juni. Auf Beschluß des Mi - litärrats wird der finländische Militärbezirk aufgelöst, der Posten des Gouverneurs der dortigen Truppen wird aufgehoben, die Festungsund Militäreinrichtungen werden dem Petersburger Militärbezirk einverleibt. Aus den in Fin-Iand stehenden Truppen wird das 22. Armeekorps gebildet. * Moskau. 29. Juni. Der Kongreß der Vertreter der Städte in Moskau nahm folgende Resolution mr: Die Volksvertretung auf konstitutionellen Grundlagen ist eine dringende Notwendigkeit. Der Entwurf Buly- gins, so West er bekannt ist, befriedigt nicht die elementarsten Forderungen der Volksvertretung. Die Ausarbeitung des Entwurfs ohne Beteiligung der Volksvertreter ist un - möglich und die Verzögerung der versprochenen Reformen macht die Lage mit jedem Tage schwieriger. Die Resolution soll zur Kenntnis des Mimsterrats gebracht werden. ruMch-japanisch« Krieg. (Telegramme.) Die Frirdeusfrage. * St. Petersburg, 30. Juni. Der „Regierungsbote" veröffentlicht heute ein kategorisches Dementi des Gerüchts eines Nachrichtenbureaus betreffend die Unterbrechung der Friedensverhandlungen. Die Verhandlungen nehmen ihren Fortgang ohne Verzögerung und keine Mitteilung der Vereinigten Staaten sei unbeantwortet geblieben. Ein vorübergehendes Unwohlsein des Ministers des Aeußern, Grafen Lamsdorff, habe ihn nicht verhindert, sich mit den laufenden Geschäften zu befassen und habe keineswegs die vorher erwähnten Verhandlungen beeinträchtigt. Die Beziehungen zu dem Vertreter der Vereinigten Staaten in Petersburg seien nie unterbrochen worden. * Paris, 30. Juni. Nach Meldungen aus Petersburg wird in Politischen Kreisen erklärt, daß die vorbereitenden Friedensverhandlungen -beendet seien. Tie russischen und die japanischen Bevollmächtigten würden, da ihre Machtbefugnisse bereits bestimmt seien, bald zusammentreten können. * Shanghai, 30. Juni. Japan ernannte den Generalkonsul Otagiri zum Bevollmächtigten für die Friedenskonferenz. * * * Tokio, 30. Juni. Reutermeldung. Das vor Port Arthur gesunkene Linienschiff „Pereswjä t" ist gehoben worden. * Kopenhagen, 29. Juni. Tie hiesige Ostafiatische Kompanie wurde telegraphisch benachrichtigt, daß der Kapitän und die Mannschaft des der Gesellschaft gehörigen Dampfers „Prinzessin Marie" in Batavia eingetroffen sei, und daß der Dampfer, der sich auf einer Reise von Europa nach Singapore, Hongkong, Shanghai und Vokohama befand und keine Kriegskonterbande harte, von dem. russischen Hilfskreuzer „T e r e k" am 22. Juni in dem Chinesischen Meere in den Grund gebohrt wurde. Einzelheiten fehlen. * London, 30. Juni. Wie „Daily Telegraph" hört, beauflagte die japanische Regierung eine Firma in England mit dem Bau weiterer Schlachtschiffe, von denen das eine ein Deplacement von 90 000 Tonnen haben soll. Groszherzogwm Vaden. * Karlsruhe, 30. Juni. Tic Höchsten Herrschaften reiften heute vormittag 8 Uhr 19 Minuten von Baden ab und trafen um 9 Uhr hier ein. Am Bahnhof hier war ^eine Königliche Hoheit der Erbgroßherzog zur Begrüßung anwesend und fuhr mit den Großherzoglichen Herrschaften zum Schloß, nachdem Höchstderfelbe mit Ihrer Königlichen Hoheit der Erbgroßherzogin heute früh 6 Uhr über Ostende, Metz und Straßburg aus England heimgekehrt war. Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfing von 10 Uhr an bis 12 Uhr den Staatsminister I)r. Freiherrn von Dusch zur Vortragserstattung und erteilte sodann dem Finanzrat Ellstätter. Audienz. Hierauf meldeten sich zur Ueberreichung der Monatsrapporte die Kommandeure beziehungsweise Führer des 1. Bad. Leib- Grenadierregiments Nr. 109, des 1. Bad. Feldartillerte- regiments Nr. 14 und des 1. Bad. Leib-Dragonerregiments Nr. 20, ferner Oberst Deininger, Kommandeur des Füsilierregiments von Steinmetz (2. Westpreußischen) Nr. 37, Kapitänleutnant Reiß zur Rückgabe der Orden seines Vaters, des GeheimenKommerzienrats Reiß, sowie seines in Südwestafrika gefallenen Bruders und Hauptmann Freiherr von Rechenberg, Batteriechef im 3. Bad. Feldartillerieregiment Nr. 50, bisher im Großh. Hessischen Feldartillerieregiment Nr. 61. Zur Frühstückstafel um halb 2 Uhr erschienen Ihre Kaiserliche Hoheit Prinzessin Wilhelm und die Erbgroßherzoglichen Herrschaften. Ihre Königliche Hoheit die Großherzogin begab Sich heute vormittag nach Blankenloch, um der Einweihung der neu erbauten Kleinkinderschule anzuwohnen. Höchst- dieselbe wurde am Eingang des Hauses von dem Pfarrer Hofmann, Beirat des Frauenvereins, dem Bürgermeister Mehrhardt und dem Stifter des Hauses, Fabrikdirektor Bensinger aus Mannheim, empfangen. Nachdem Ihre Königliche Hoheit die Anstalt betreten hatte, fand die Einweihungsfeier statt, bei welcher Dekan Roth aus Friedrichsthal die Festpredigt hielt. Hieran schloß sich eine Besichtigung der Räume des Hauses, der Krankenschwesternwohnung und des Volksbades. Nach Entgegennahme der Vorstellung des Gemeinderats und der Vertreter der Nachbargemeinden besuchte Ihre Königliche Hoheit das Pfarrhaus. Die Rückfahrt erfolgte um halb 2 Uhr. Nachmittags hörte Seine Königliche Hoheit der Großherzog die Vorträge des Generaladjutanten Generals der Artillerie von Müller, des Geheimerats Or. Freiherrn von Babo, des Geheimerats Or. Reinhard und des Präsidenten Or. Nicolai. An der Abendtafel werden die Erbgroßherzoglichen Herrschaften teilnehmen. Die Rückkehr Ihrer Königlichen Hoheiten des Großherzogs und der Grotzherzogin nach Baden wird am späteren Abend erfolgen. O (Stadtgartentheater.) Die diesjährige Saison beginnt, wie bereits mitgeteilt, morgen, am Samstag den 1. FM mit der Schwanknovität „Luit i", in welcher das gesamte Schauspielpersonal der diesjährigen Spielzeit sich dem hiesigen Publikum vorstellen wird. Am Sonntag folgt als zweite Vorstellung die erste Operettenaufführung dieser Saison mit der Novität „Madame Sherry" von Felix Hugo. Beide Novitäten haben an allen größeren Bühnen in diesem Winter großen Erfolg gehabt. * (Im Glafergewerbe) kam es, lt. .Volksfreund", zu Differenzen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Letztere reichten gestern die Kündigung ein. 23 (Aus der Sitzung der Strafkammer I vom 24. Juni.) Vorsitzender: Landgerichtsdirektor Frhr. v. Rüdt. Vertreter der Großh. Staatsanwaltschaft: Referendar Becker. — Unter Ausschluß der Leffentlichkeit gelangte die Anklage hier wohnhaften Wirt Wilhelm Gustav Zimmermc medolsheim wegen Sittlichkeitsverbrechens zur Verh, Zimmermann halte sich in den Monaten März und As nn Sinne des ß 176 Ziffer 3 R.St.G.B. verfehlt. T- kautete auf 9 Monate Gefängnis. — Das Tienstmät Eme Christine Zorn aus Gochsheim wurde wegen 2 ststs. o Monaten Gefängnis bestraft. — Auf der Ka hiesigen Großh. Amtsgerichts ließ sich am 19. April lohnerm Karolme Friederike Fink aus Stuttgart, jenem Tage in einer Klagesache vor dem genannten »rupce als Zeugin vernommen worden war, 1 M. mehr jugen- gebuhren anweisen, als sie beanspruchen konnte. Da « An- Unk gemacht hatte, um fick diesen Votil zu verschaffen, unglaubwürdig erschienen, wurden Erhebun > ge- ergaben, daß die Zeugin in betrügerischei Leise behemdelt hatte. Es wurde daraufhin gegen die weg der- sthledener Straftaten schon 28 mal vorbestrafte Fink »egen Betrugs Anklage erhoben, die heute zu deren Bern lung zu 4 Monaten Gefängnis führte. — Dem Taglöhne, fakob Runk wurde am 12. April in dem Weitzschen Sägwerk 1 c die nnie Hand aoge^agt. Der Unsvll hatte sich dadurch e gnet, datz der rm Sägwerk Angestellte Säger Gottfried Kübl aus Hirsau sich von der von ihm bedienten Zirkularsäge en cnte, ohne dieselbe gemäß ß 26 der Unfallverhütungsvors isten außer Betrieb zu setzen, und gleichzeitig den ihm als Han nger beigegebenen Runk anwies, an der Säge zu arbeiten, wohl derselbe mit der Handhabung der Maschine nicht vertrai war. Dabei wurde der linke Arm des Runk von der Maschi erfaßt und ihm die Hand abgesägt. Kübler hatte sichleute wegen fahrlässiger Körperverletzung zu verantwortend Es wurde gegen den Angeklagten eine Geldstrafe von 50 Miausgesprochen. i X Baden, 29. Juni. Es ging schon seit Tagen das <»ücht um, daß in der hiesigen Ortskrankenkasse bezügl» der Kasfenführung Unregelmäßigkeiten vorgekommen seien. Immer gestern abend stattgehabten Versammlung von Angehörige des Arbeitgeber- und Arbeitnehmerstandes konstatierte der vo der Behörde mit einer außerordentlichen Revision betraute Bsnte, daß ein Defizit von 18 000 M. vorhanden sei. Von Lcher Seite Verfehlungen vorliegen, konnte noch nicht sicher feftcktellt werden, doch wurde von allen Seiten hervorgehoben, dq die Kasfenführung und Revision eine mangelhafte war. Es drcde eine Kommission von sechs Mitgliedern gewählt, welche dilAn- gelegenheit untersuchen und die Schuldigen ermitteln soll. , c>e. Freiburg, 29. Juni. Der „Verband selbständiger iaust leute Badens" hielt heute seinen 9. Verbandstag hier abDerr Weber-Pforzheim referierte über die Erfahrungen ü(4 die Wirkungen und Erfolge der Rabattsparvereins Zu diesem Punkte wurde folgende Resolution angenommen: .Der 9. Verbandstag selbständiger Kaufleute und Gewerbetreitnder Badens empfiehlt die Gründung von Rakott- sparvereinen als wirksames Mittel zur Abschaffuq des Borgunwesens, Anhaltung des Publikums zur Barzahlung Hebung des Standesbswußtseins, Bekämpfung des uinlcvteren Wettbewerbs und als Schutzivehr gegen die überhandnehnenden Warenhäuser usw." Die Herren B u ß e m e r - Baden und Keßler-Mannheim berichten über die Bildung von Platzkommissionen zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs und Ueberwachung des ReklamewesenL Eine Resolution, welche die Bildung solcher Ausschüsse errpfiehlt, wurde nach kurzer Debatte angenommen. Ferner wuchs eine Resolution angenommen, in welcher gegen die Preisgabe des Kilometerheftes zum Zwecke der Tarifgemeinschast snoteftiert wird. Zum Schluß beschloß der Verbandstag, sich der Eingabe anzuschließcn, ivelche der Zentralverband deutscher Krufleute ivegen des Nachschiebens von Waren bei Ausverkäufen an den Staatssekretär des Reichsamis des Innern gerichtet hat. * Kleine Nachrichten aus Baden. Aus Mannheim wird gemeldet: Nach dem Wormser Polizeibericht hat sich der Raubmörder Mogler von Neckargartach in der Nacht vom 21. auf 22. Juni in Sandhofen und Lampertheim umhergetrieben, und zivar in Gesellschaft eines großen kräftigen Bursche», der wie ein Kellner aussieht. — In Sennfeld sollte, lt. „Bauländer Bote", das Wohnhaus des Adolf Neuberger gehoben werden. Die schwierige Arbeit war glücklich bis zu 1,40 Meter Höhe gediehen, als das Gebäude, vermutlich infolge morscher Balken, zusammenstürzte. Es kam niemand zu Schaden. — Dis Fremdenfrequenz in Baden-Baden hat die Zahl 30000 überschritten. -— In Oensbach (A. Ächern) feiern nächsten Montag die August Seiler Eheleute die goldene Hochzei- — In Neustadt i. Schw. wurde bei der gestern stattgehabten Bürgermeisterwahl Sekretär Adolf Schork in Freiburg zum Oberhaupt der Stadt gewählt. — In Schonach (Zinken Ochsenberg) brannte das Anwesen des Landwirts Hettich nieder. Der Schaden beträgt etwa 9000 M. Das Feuer wurde durch einen Knaben verursacht, der ein brennendes Streichholz in das zerstreute Stroh warf. — In seiner Wohnung in Thunnge» (bei Donaueschingen) wurde der Landwirt Erhard Strohm aus Schwenningen tot aufgefunden. Man vermutet ein Verbrechen. — Vom Oberland wird berichtet, daß die seitens der obscbadifchen Zuchtgenossenschaft in München ausgestellteg Tiere (58 Stück) unter Leitung des Zuchtinspektors Müller- Radolfzell im Extrazuge am Dienstag nach München abgegcm- gen sind. — Mit dem gestrigen Tage erhöhte sich bei den Metzgern in St. Blasien der Preis für das Pfund Rindfleisch von 74 auf 80 Pf. Die „St. Blas. Ztg." schreibt hierzu: Begründet wird diese Erhöhung mit dem großen Mangel an Schlachtvieh, da die Landwirte in der Voraussicht einer guten Futterernte ihren Viehstand erhöhen und nur wenig mehr verkaufen. Es ist dies aber nicht bloß im hiesigen Bezirke so, sondern allerwärts im Reiche, weshalb bereits eine Bewegung im Gange ist, die Regierung zu veranlassen, die Einfuhr von Schlachtvieh zu erleichtern. — In Billafingen (Amt Ueberlingen) brannte die Scheune des Landwirts Biller nieder. Ein Pferd und eine Kalbin kamen in den Flammen um. Der Schaden, der über 10 000 M. beträgt, ist nur teilweise durch Versicherung gedeckt. Wie die „Konst. Ztg." meldet, wurde ein herumziehender Bahnarbeiter als der Brandstiftung verdächtig verhaftet. — In Radolfzell wird ab 1. Juli der Acht-Uhr-Lade nZchluß eingesührt. Ausgenommen sind die Friseur- und Barbiergeschäfte. — Zur Arbeitneymer- wahl für die Ortskrankenkasse in Konstanz hatte nur das Ve- werkschaftskartell einen Vorschlag aufgestellt. Auf demselben vereinigten sich sämtliche 637 Stmnnen. — Aus Stüh (lagen wird mitgeteilt: In dem scstveizerffchen Grenzort Hallau (^ Schasfhausen) erschlug der schwer betrunkene A"NmermaM Stamm seine schlafende Ehefrau mit einer schweren, scharftmi- tigen Eisenstange. Nachher schnitt sich der Unhold die Kehle durch. Lt.O.IL Am 30. Juni 1905 waren — soweit Berichte voregen — im Großherzogtum durch euche 10 Amtsbezirke mit 16 Gemeinden verseucht, und zwar: Amtsbezirk Stockach mit 1 Gemeinde, Ernrnendingen (L), sreiburg (1), Waldkirch (3). Offenburg ( 2 ), Achern ^(ij, fforzheim (i). Mannheim (1), Eberbach (2) und Mos- ach (2). Tie Ortsnamen des Kreises Karlsruhe. Im großen Rarhaussaal hielt dieser Tage der Zweigverein Karlsruhe des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins eine Versammlung ab. Nach Begrüßungs- worten des zweiten Vorsitzenden, Oberregicrungsrat Dr. Lange, ergriff Herr Professor L. H e i l i g - Ettlingen das Wort zu einem Vorrrag über die Ortsname ndesKrei- ses Karlsruhe. Wie jedem Erzeugnis volkstümlicher Namengebung wohnt ihnen ein bestimmter Sinne inne, der allerdings im Laufe der Zeit oft verblaßt oder ganz geschwunden ist. Jeder dieser Namen birgt ursprünglich irgend eine Beziehung zum bezeich- neten Gegenstand. Gerade in der Möglichkeit, an der Hand unserer Ortsnamen eine neue Erkenntnis über eine Zeit zu gewinnen, zu der uns andere Mittel der Forschung meist nicht zu führen vermögen, beruht die Bedeutung der Namenforschung. Auck das Volk legt allenthalben diesen Namen einen Sinn unter, dock gewöhnlich aufs Geradewohl hin, ohne Urteil bald mit mehr, bald weniger Fantasie vorgehend. So entstehen Deutungen, wie: Ettlingen aus „Neptun-ingen", Durlach aus „Durch d'Lache" und ähnl. Eine richtige Deutung der Namen kann nur mit Hilfe der ältesten Namenformen und nach Prüfung der geographischen und geschichtlichen Verhältnisse des betreffenden Orts erzielt werden. Eine große Stütze hierfür bieten auch die mundartlichen Namcnformen. — Gemäß den Besiedelungsverhältnissen unseres Landes weist der Karlsruher Kreis Ortsnamen auf, in denen keltisches, römisches und deutsches Sprachgut ruht. Vorkeltische Bestandteile sind wohl vorhanden, aber nicht durchsichtig. Als keltische Namen können Turlach, Mörsch, Malsch, vielleicht auch Ettlingen gelten; romanische sind: Spielberg (zu specula. Warte), Pforzheim (zu lat Porta, porticus). Unter den deutschen Ortsnamen, die, wie zu erwarten ist, die Hauptanzahl stellen, begegnen sogen. Naturnamen, wie: Kronau (— grüne Aue), Grombach (— Grünbach), Schluttenbach (zu mfttelhcchd. slute-Schlamm), Sulzbach (zu sulza-Wildlache). Viele dieser Naturnamen führen auch vor, was an Tieren und Pflanzen einstens zu finden war. So ist Grünwinkel entstanden aus „Krähenwinkel", Hagsfeld aus „Habichtsfeld". Auerbach ist zu Ur-Auerochse, Spessart zu Specht(s) und Hard(wald) zu stellen. Ueber die Kultur der Ansiedler bieten die sogen. Kulturnamen reichlichen Aufschluß; zunächst die Namen der ersten Ansiedler oder Besitzer. So ist Wilferdingen nach einem Wulf- rich, Knielingen nach einem Cnutilo, Oestringen nach einem Austeri, Gochsheim nach einem Gozbod, Neibsheim nach einem Nichbodo, Grünwettersbach nach einem Withari, Ellmendingen nach Alamunt, Rheinsheins nach einem Regini, Gölshausen nach Geltolf, Liedolsheim nach einem Lindolf, Busenbach nach einem Buoso usw. benannt. Die Art und Weise der germanischen Besiedelung wird vor allem durch die Orte auf -ingen und -heim beleuchtet. Erster« vergegenwärtigen im allgemeinen die Zeit, wo die Germanen vor Ausbildung des Sondereigentums sich inmitten der germanischen Feldmark ansiedelten (Knielingen ist also — bei den Ungehörigen, bei der Sippe des Cnutils), die -Heim-Orte gelten dagegen als Herrendieslungen. Die Frage, ob die nördlich der Murg und Oos, d. h. nördlich des alemannischen Grenzgebietes liegende -Heim-Orte fränkische Kolonien, die -ingen-Orte aber altalemannische Siedelungen sind, wie gewöhnlich behauptet wird, muß offen blecken, namentlich angesichts der im Lande zu wenig betriebenen Dialektforschung, die hier am meisten mitsprechen könnte, die es aber noch nicht zu einem „Bad. Idiotikon" gebracht hat. Von wichtigeren Endungen ist noch zu erwähnen: bur-Haus, Wohnung, z. B. in Rüppurr (alt-Rietpuren, also Wohnung im Ried); desgleichen in JtterÄiach (alt-Utilspur, also — Wohnung des Utilo). Sodann die Endung -Weier, die auf althochd. wilari, wahrscheinlich -Herrschaftshaus eines Adeligen, das nach römischem Muster aus Stein gebaut war. oder — Gehöfte, zurückgeht. Es liegt z. B. vor in: Wolfartsweier — W. des Wolfold, Wölfback. Jedenfalls erst nach dem 8. Jahrhundert sind zu setzen die nach dem Roden, Reuten und Schwenden benannten Orte wie: Metzelinschwand (-Schwgnd des Metzelin), Etzenrod (-Rodung des Eberzo), Neureuth, Ruith (bei Breiten). Spätere kulturelle Zustände werden beleuchtet durch Orte wie: Langenbrücken, Bahnbrücken (z, ban-Weg), Mühlhausen, Kürnbach (zu altd. Kurn-Mühle, Kirrlach, alt Kirrloh (-Gehölz, das der Kirche gehört), Marxzell (-Zelle des Hl. Markus), Neuenbürg, Neuburgweier, Weingarten, Stvpfe- rich (-Stut(en)pferg) und andere. Fast jeder Wissenszweig, der auch nur entfernt mit der Geschichte des Landes in Beziehung steht, so: die Sittengeschichte, Kulturgeschichte, Volkswirtschaftskunde, Naturkunde, Geographie und Erdkunde, sogar de Philosophie ziehen Gewinn aus den Ortsnamen. Me weitaus größte Bereicherung erfährt selbstredend die Sprachwissenschaft, die an der Hand der überlieferten Sprachformen altes Sprachgut, namentlich Personennamen, feststellen oder Lautprozesse, wie: Angleichung, Dissimilation, Rundung, oder das Wirken der Analogie und Volksathmologie verfolgen kann. — Lebhafter Beifall der Zuhörerschaft dankte dem Redner für seine hoch belehrenden und spannenden Ausführungen. Sodann berichtete der erste Vorsitzende, Herr Oberschulrat Dr. Waag, über die Hauptversammlung des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins zu Duisburg, der er als Vertreter des hiesigen Ortsvereins ungewohnt hatte. In der Hauptversammlung befand sich eine Anzahl namhafter Gelehrrer, von denen wir folgende Namen hervorheben: Willmanns-Bonn, Behaghel-Gießen, Geh. Oberbaurat Sarazin, Professor Günther-Saalfeld, der an die 200 Zweigvereine begründet hat, Oberlehrer Wappenhaus u. a. m. Der Allgemeine Deutsche Sprachverein zählt etwa 270 Zweigvereine mit zusammen über 26 000 Mitgliedern. Als bedeutendste Beschlüsse der Versammlung sind hervorzuheben, daß eine Fachzeitschrift für deutsche Mundarten in den Verlag des Sprachvereins übernommen worden ist. — Die Sprachecken- Artikel sollen gesammelt werden, ebenso Mustersätze zur Schärfung des deutschen Sprachgefühls. — Fernem soll für eine deutsche Einheitsschreckung gewirkt werden, die für die Fremdwörter schon durchgeführt ist, wobei sich namentlich auch Oberbaurat Sarazin durch sein Wörterbuch Verdienste erworben hat. — Um die Ehre der nächsten Generalversammlung, die in zwei Jahren wieder zur Pfingstzeit statthaben soll, hat sich eine Anzahl von Städten beworben. Unter anderen Reichenberg in Deutsch-Böhmen, Troppau, Thorn. Auch Karlsruhe und Freiburg in Baden traten in die Reihe der Bewerber ein, und ist begründete Hoffnung vorhanden, daß eine dieser beiden, letztgenannten Städte gewählt wird. Nach diesem gleichfalls von lebhaftem Beifall begrüßten Bericht des ersten Vorsitzenden nahm Herr Professor Kahle - Heidelberg die Gelegenheit wahr, namens des badischen Vereins für Volkskunde zu der am folgenden Tag (Sonntag vormittag 10 Uhr) gleichfalls im Rathaussaal abzuhaltenden ersten Mitgliederversammlung des Genannten einzuladen und wmde hierauf die so anregend verlaufene Versammlung geschloffen. XI. ordentlicher StSdtetag der mittleren Städte Badens. * Karlsruhe, 29. Juni. Gestern vormittag halb 10 Uhr wmde der Xl. odentliche Städtetag durch den Vorsitzenden, Bürgermeister Schill- Waldkirch, eröffnet. Vertreten waren 47 Städte. Außerdem waren auf Einladung erschienen: Oberamrmann Dr. Klotz, Dr. Plähn, sowie andere Herren aus Waldkirch und Oberbürgermeister Tr. Winterer- Freiburg. Nach Begrüßungsansprachen des Vorsitzenden, der Herren Dr. Minierer und Dr. Klotz wurde in die Tagesordnung eingetreten. Den Jahresbericht über das Geschäftsjahr 1904/05 erstattete der Vorsitzende des geschäftssührenden Ausschusses, Bürgermeister Dr. Weiß- Eberbach. Derselbe berichiet zunächst über die Ausführung der Beschlüsse des vorigen ordentlichen Sädtetages in Breiten und des außerordentlichen in Achern, und zwar betreffs folgender Gegenstände: Aenderung des H 86 der Gemeindeordnung, Grundbuchwesen, Ausgleichung der Einquarrierungslasten, Submissionswesen, Gesetz über den gewerblichen Fortbildungsunterricht, Gesetz über Gemeindebesteuerung und Allmendgenuß, Vertretung der'Städte in der Ersten Kammer, Sicherung der Skraßenkostenbeiträge, Organisation der Realmittelschulen, Strafbefugnis der Bürgermeister, Aenderung der Verordnung über Verkauf von Bürgergabholz, Versicherung der Lehrer gegen Haftpflicht bei Schulausflügen, Maß- und Gewichtsordnung, Volks sch ulfrage, Schließung gesund-, heitsschädlicher Privatbrunnen. Hinsichtlich derjenigen Gegenstände, die den vorigen Landtag beschäftigten, konstatiert der Bericht mit Befriedigung die Tatsache, daß die Gesetzgebung wichtigen und zum Teil lange ohne Erfolg vertretenen Wünschen der Städte in erfreulicher Weise entgegengekommen ist. Von Gegenständen, die seit dem letzten Städtetag au den geschäftsführenden Ausschuß neu herantraten, erwähnt der Bericht außer solchen, die den heutigen Städtetag beschäftigen, u. a. zwei Gutachten, die dem Großh. Ministerium des Innern auf Anfrage erstattet wurden, nämlich über die auf dem letzten Landtage angeregte Aenderung der Gemeindewahlordnung und über Abänderung der Verordnung wegen Beitreibung und Sicherung der Gemeindeaus stände, ferner gepflogene Erörterungen über die Ausführung der Erlasse des Reichsamts des Innern und des Großh. Ministerium des Innern wegen Bekämpfung der Tuberkulose. Ueber die Frage der Realmittelschulen berichtete Bürgermeister E h r e t - Weiuheim. Nach kurzer Debatte wurde folgender Antrag einstimmig, angenommen: „So lange nicht die dringend notwendige Verbesserung der Volksschule durchgeführt ist und die Gemeinden die aus dieser ihnen erwachsenden Schwierigkeiten überwunden haben, ist grundsätzlich jede relative Vermehrung der Lehrerzahl an städtischen Mittelschulen zu vermeiden und der geschäftsführende Ausschuß wird beauftragt, in diesem Sinne bei dem Großh. Ministerium der Justiz, des Kultus und Unterrichts und nötigenfalls bei beiden Kammern der Landstände vorstellig zu werden." Bürgermeister B r ä u n i g - Rastatt berichtet in einem eingehenden Vortrag über die Frage der Revision des Orts- straßengesetzes im Hinblick auf die von den Städteordnungsstädten bereits unternommenen Schritte und kommt zu dem Anträge: „Der Städtetag wolle den geschäftssührenden Ausschuß beauftragen, in tunlichster Fühlung mit den Städteordnungsstädten daraus hinzuwirken, daß bei einer Revision des Ortsstraßengesetzes den Gemeinden eine günstigere Stellung eingeräumt werde, u. a. hinsichtlich der Erwerbung des Straßengeländes ' bei Neueinteilungen und des Beizuges der Anstößer zu den Kosten der Straßen und Gehwege, sowie bezüglich der Zulassung von Bauten außerhalb des Bereiches des Ortsbauplaus und der Genehmigung von Straßenan-lagen Privater und der Einflußnahme auf die Art der Herstellung solcher Straßenanlagen." An der Erörterung beteiligten sich Oberbürgermeister Dr. Winterer, Dr. Braunagel, Dr. Weiß, Bräunig, Wirth, Häsner, worauf der Antrag einstimmig angenommen wurde. Ein von Bürgermeister Dr. Reich ar dt-Durlach vertretener Antrag des Ausschußes hinsichtlich der Fahrnisfeuerversicherung geht dahin, das Großh. Ministerium des Innern zu ersuchen, auf gesetzlichem Wege die Errichtung einer öffentlichen Fahrnisfeuerversicherung für das ganze Großherzogtum und die Zwangsversicherung der Fahrnisse, annalog der Gebäudeversicherung, einzuführen. Der Antrag wird vom Berichterstatter dahin abgeändert, daß zunächst in der Sache nur Fühlung mit den Städteordnungsstädten zu nehmen sei. Herr Oberbürgermeister Dr. Winterer gibt Auskunft über frühere Verhandlungen der Städteordnungsstädte. Herr V o r ti s ch - Lörrach ist gegen den Antrag; für denselben sprechen noch die Herren Häfner und Dr. Braunagel. Darauf wird derselbe angenommen. Bürgermeister Dr. Weiß-Eberbach begründet sodann den Ausschußantrag, der Städtetag wolle den geschäftsführenden Ausschuß ermächtigen, mit einer Versicherungsgesellschaft einen Vertrag abzuschließen, auf Grund dessen die Smote die Mitglieder ihrer Feuerwehren tunlichst vorteilhaft gegen Unfall versichern können, bis eine reichs- oder landes- gefetzliche Regelung der Entschädigung von bei Rettungsw-rken verunglückten Personen zustande kommt. Der Antrag wurde angenommen. Wegen den Ueber stunden an Gewerbeschulen beantragt Bürgermeister H ä f n e r - Ettlingen namens des Ausschusses, bei Großh. Gewerbeschulrat zu erbitten, daß die Ueber- und Vertretungsstunden etatmäßiger Gewerbeschullehrer auf die Staatskasse übernommen werden. Der Antrag wurde angenommen und zugleich der Ausschuß beauftragt, die Schulgeldfrage bei den Gewerbeschulen einer Erwägung zu unterziehen. Ueber die für den nächsten Landtag von der Großh. Regierung in Aussicht gestellte Revision des Fürsorgegesetzes berichtete Bürgermeister Dr. Weiß-Eberbach und begründet den Ansfchußantrag: „Der Städtetag wolle den geschäftsführenden Ausschuß beauftragen, dem Großh. Ministerium des Innern die früher hinsichtlich der Revision des Gesetzes geltend gemachten Wünsche nochmals vorzutragen, und weiter zu erbitten : 1. Daß den aus dem Staatsdienst in den Gemeindedien st übergetreienen Beamten — nötigenfalls unter entsprechenüer Nachzahlung — auch die in außeretats- mäßiger Stellung beim Staate zugebrachte Zeit angerechnet werde. 2. Daß den aus dem Gemeindedienst austretenden Beamten die freiwillige Weiterversicherung gestattet werde, unter der Bedingung, daß sie auch die auf ihre Versicherung entfauende Verbaudsumlage, und, wenn sie Rai- schrecker waren, einen dem für Ratschreiber geleisteten Staats- zuschutz entsprechenden weiteren Beitrag aus eigenen Mitteln entrichten." Der Antrag wurde angenommen. Bürgermeister Dr. Braunagel- Villingen gab einen vorläufigen Ueberblick über die Frage der zu erwartenden Revision der mit der Gemeindeordnung zusammenhängenden Verordnungen. Sein Antrag, die Frage einer eingehenden Prüfung zu unterziehen, wurde gutgeheißen. Me Frage der Ablösung kirchlicher Kompetenzen behandelte namens des Ausschusses Bürgermeister Dr. Reichardt- Durlach; er kam zu dem Anträge: „Das Ministerium ist zu ersuchen, die auf Beseitigung der alten Pfarrkom- petenzen gerichteten Bestrebungen der Gemeinden zu unterstützen und eventuell durch ein Gesetz die Ablösung mit Geld zu ermöglichen." Der Antrag wurde angenommen. Sodann wird die Aufstellung über die Geschäftsunkosten des abgelaufenen Geschäftsjahres genehmigt und wieder eine Verbandsumlage von 20 M. pro Stadt beschlossen. Als Ort für den nächsten Städtetag wird Schwetzingen bestimmt. In den geschäftsführenden Ausschuß für 1905/08 werden gewählt die seitherigen Mitglieder und an Stelle des verstorbenen Herrn Wrrhum, Herr S ch i l l - Waldkirch. Neueste Nachrichten nrrö Tekegverrnrne. Die Kieler Woche. * Kiel» 30. Juni. Das Kaiserpaar besuchte gestern nachmittag das Gartenfest beim Prinzenpaar Heinrich im Kgl. Schloß. Sodann begab sich der Kaiser nach dem. Jagdschloß. verteilte dort die Preise für die Wettfahrt der „Kieler Woche" und nahm am Herrenabend teil. * Kiel, 30. Juni. Bei der gestrigen vierten und letzten Wettfahrt der Jachten in der Sonderklasse segelten die Sieger der drei ersten Rennen: Georg, Wannsee 5 und Tillh 7 um den Samoapokal des Kaisers. Wannsee 5 wurde erster. * Kiel, 30. Juni. Seine Majestät der Kaiser begab sich um 8 Uhr vormittags an Bord seiner Facht „Meteor" zur Wettfahrt nach Travemünde. * Kiel, 30. Juni. Me „Hoh en zolle rn" mit Ihrer Majestät der Kaiserin an Bord ist um 1 Uhr 60 Minuten von hier nach Travemünde abgegangen. * Bremen, 29. Juni. Der Bremer „Vulkan" inVege - sack entließ heute nachmittag 6 Uhr alle Arbeiter mit Ausnahme derjenigen, die dem aus Meistern und Vorarbeitern und einigen nichtsozialdemokratischen Arbeitern zusammengesetzten „A r b e i t e r b u n d" angehören, da die Differenzett der Kesselschmiede bei Quebeck und Tecklenberg, Geestemünde, noch nicht beigelegt sind. * Stettin, 30. Juni. Gestern nachmittag 4 Uhr traf van Berlin kommend Ihre Königliche Hoheit die Krönst r i n z e ss i n v o n S chw e den und Norwegen ein. Sie begab sich an Bord der Dampfjacht „Drott", um über Swinemünde nach Stockholm weiterzufahren. * Paris, 30. Juni. Der Ministerrat hat endgültige Maßnahmen für den Empfang der Abordnungen des amerikanischen und englischen Geschwaders in Cherbourg. Brest und Paris getroffen. * Kattowitz, 30. Juni. Di Maurer des Stadt- und Landkreises haben für Montag den allgemeinen Aus st and beschlossen. * Fünfkirchen, 30. Juni. In der Ortschaft Felsö Jrey kam es gestern zu einem Zusammenstoß zwischen ISO ausständigen Feldarbeitern und Gendarmen; letztere mußten von der Waffe Gebrauch machen; zwei Personen wurden schwer verletzt, von denen eine alsbald starb. 56 Arbeiter wurden verhaftet. Auf dem Gute des Erzherzogs Friedrich streiken 1000 Feldarbeiter. * Cherbourg, 30. Juni. Das amerikanische Geschwader unter Admiral Sigslace, das ausgesandt ist, um die Gebeine des Admirals Johns überzuführen, ist unter Abgabe des Saluts hier eingelaufeu. * Stockholm, 29. Juni. Me liberale Partei bildete einen Ausschuß, welcher die Aufgabe hat, in Verbindung mit dem Sonderausschuß zu stehen und über dessen Beratungen zu verhandeln. Auch die anderen Parteien sind bestrebt, ein Zusammenwirken zwischen ihren Parteien und dem Ausschuß herbeizuführen. st Berlin, 28. Juni. Der Repräsentantenausschuß des deutschen Automobilklubs beschloß in seiner heutigen Sitzung, vorbehaltlich der Genehmigung der Regierung, inr Jahre 1906 ein internationales Straßenrennen in Deutschland abzuhalten. st Gelsenkirchen, 30. Juni. Von den auf der Zeche „Holland" am 28. Juni verunglückten sechs Bergleuten sind die letzten vier in der vergangenen Nacht hack 12 Uhr als Leichen geborgen worden, so daß, da der Schwerverletzte inzwischen gestorben ist, alle Veunglückten Inns Leben gekommen sind. st Wiesbaden» 30. Juni. Hier starb der Wirkl. Geh. Oberregierungsrat a. D. v. Tepper-Laski. st Würzburg, 30. Juni. Me Konferenz des Verbandes deutscher Gewerbegerichte findet in diesem Jahre zum ersten Male unter Teilnahine der neu errichteten deutschen Kaufmannsgerichte am 18. und 19. September in Würz bürg statt. Wetterbericht der deutschen Seewartr in Hamburg vom 30. Juni 1905. Ein barometrisches Maximum bedeckt heute Lappland, während eine Depression über der Kanalgegend zu erkennen ist; die Luftdruckwerte weisen im allgemeinen nur ganz geringe Unterschiede auf. Im Nord- und Südosten Deutschlands sind gestern Gewitter zum Ausbruch gekommen, die vielfach von Regenfällen begleitet waren. Die Temperaturen liegen ziemlich hoch und der Himmel ist meist heiter. Weiteres Anhalten des warmen Wetters mit zunehmender Bewölkung ist zu erwarten. Wetter nachrichte« aus dem Süden vom 30. Juni 1905, früh. Lugano hackbedeckt 23 Grad; Biarritz bedeckt 15 Grad; Nizza heiter 24 Grad; Triest wolkenlos 23 Grad; Florenz wolkenlos 23 Grad; Rom wolkenlos 23 Grad; Cagliari wolkenlos 23 Grad; Brindisi Hefter 22 Grad. WitternngSbeedachtrrnge« der Meteeroleg. Statt»« Karlsruhe Juni Larom. Therm. in 0. Mol. Keuchl. Fruchtigkeit u> Pro». Wind Himmel 29. NachtS S-U. 744 7 23.7 163 75 NE bedeckt 30. MrgS. 7«U. 745.2 22 2 13 I «6 „ heiler SO.MtttgS. 2-U. 745.1 32.7 17 0 46 bedeckt Höchste Temperatur am 29 Juni: 30 6 niedrigste w der darauffolgenden Nacht 17.8. Niederschlagsmenge des 29. Juni 0.0 mm Wasserstaus des RheiuS. Maxau. 30. Juni: 4 69 o, gefallen 5 ow. Verantwortlicher NSokteur: Juli»« Ratz i» Karlsruhe Druck «ck V«rl>>: ». »rauusch« Hafbuchdruckerrt in Karlsruhe 8 p«-c1»I-^»drUe»t klli» »LUtSt»-»»>i«Ir«i-. Dölttsoks 8 ol 86 k 3 fl 8 - 2 ig 3 ff 6 milde angenehme OualitStsmarke. Probezehntel Mk. 3.8«. Mnsterkistcheu gegen Mk. 1.—, auch in Briefmarken. D. I?. LllSlLS, 6l-088k. ttofUsfei-gnt Usnlsnuk«, Kaiserstratze 215. O 600 .Z 0 vis 'Wsind.snülll.ns de^ ver.^loibonev «8 NN ^RLlLALS ttOSvlL gillZ mit Heutigem aut miek über uu<1 werde iel> die- 8elde unten gleioksr finms Julius ^osek weiterkükren. leb bitte das dem trüberen Inbnber der Idrma in 8v reickem Nasse evtgegengebracbte Vertrauen aucl> aut micb übertragen rm weilen. Die kezokälleloltaliirten werden ab I. lull on. naek 'WslÜSl^LSSS 1^0. 6 verlegt, wäbrend die sssupt- klislloi'Isge wie biaber ^Valüslrasss 41 verbleibt. ^uk'lUS ^ 06 Ql< ««^^74." Inhaber: /. A. Ltinisimsnn, ^eingut8b68itr:er. K tiuligastk^ N limtsr 2 Mrtsrulik. Sonntag, den 2. Juli 1905: >. Operettenvoretellung! Zum ersten Male! Novität! Novität! kilSÜLMK LKkI-N^ Operette in 3 Akten von M. Ordonneau. Musik von Hugo Felix. Operettenpreise Anfang acht Uhr. Lehrling gesucht. Auf unserem kaufmännischen Bureau kann ein junger Mann aus guter Familie auf 1. Oktober unter günstigen Bedingungen ale Lehrling euitrele». Nnr solche Beweiber können berücksichtigt werden, welche die Berechtigung zum Emj.-Freiw Militärdienst haben Kedr. Mmmelbebsr, Möbel- und Parkeltboden-Fabrik Karlsruhe. T.414.2 O. " ^ Kofkilchilruckem Mil Verlag, Karlsrulle. Gm Gang llarlli llie " " . ltkr Karssmsier KniMaHe. 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April 1906 mit einem auch im Wirtschaftswesen erfahrenen Heilstättenarzt neu zu besetzen. Die Heilstätten liegen 840 m hoch und ca. (4 Stunde von kleiner ländlicher Ortschaft und 2 Stunden von Badenwei- ler, Friedrichsheim hat 170 Kran- kenbe'ttgn für Männer, Luisenkcim 130 Betten für Frauen. T.437.2. Der Direktor hat die wirtschaftliche Leitung beider Heilstätten und die medizinische für eine zu Wernehmen, für die selbständige medizinische Leitung der andern Heilstätte ist ein Oberarzt angestellt. Vereinbarung über Gehalt, Pensionsberechtigung und Hinterbliebenenversorgung wird Vorbehalten. Als Grundlage der Verhandlungen dient das Badische Beamtengesetz (Gehaltsordnung Abteilung L — Vorstände der Heil- und Pflegeanstalten — ordentliche Zulage 400 Mark nach je 2 Jahren bis zu Höchstgehalt von 6200 Mark, wozu noch Dienstzulage kommen kann). Es ist erwünscht, wenn die Ansprüche wegen des Anfangsgehaltes bei der Bewerbung gelteno gemacht werden. Besonderes Arzthaus mit elektrischem Licht und Garten, unentgeltliche Benützung der Wäscheeinrichtung, Bezug von Nahrungsmitteln, Getränken, Brennmaterialien aus den Vorräten der Heilstätten gegen Ersatz der Selbstkosten, Mitbenutzung des Anstaltsfuhrwerks u. dgl. Bewerbungen mit Approbation, Lebenslauf und Zeugnissen wollen spätestens bis 1. August eingereicht werden. Landesversicheruugsanstalt Bade» in Karlsruhe. — Kaiserallee Nr. 8. — Bekanntmachung. Karlsruhe. T.427. In das Vereinsregister wurde heute zu Band II O.-Z. 19 Seite 145/6 der Christliche Verein junger Männer, Karlsruhe, eingetragen. Karlsruhe, den 27. Juni 1905. Grotzh. Amtsgericht III. ^ vvrdvväen mH kouslouLt. ? LLvsrlberxstsiSS d,o. ü.j Nutzholz-Verkauf. Das Gr. Forstamt Bonndorf und die Gemeinde Bonndorf verkaufen am Freitag den 14. Juli l. I., vormittags 9 Uhr, in der „Sonne" in Bonndorf etwa 13 500 Festmeter Nutzholz, und zwar: T 449. 15 000 Nadelholzstämme, Klötze und Abschnitte aller Klassen (meist Fichten, etwas Tannen, wenig Forlen), einig? Buchen, Eichen u. Ahorne, etwa 2000 Baustangen, einige Hundert Hopfenstangen und Rebstecken und 250 Ster Papierholz. Auszüge durch das Forstamt und das Bürgermeisteramt Bonndorf. Bürgerliche Rechtsstreite. Aufgebotsverfahren. T.451.3.2.1. Nr. 6533 II. Karlsruhe. Das Grotzh. Amtsgericht Hierselbst erließ unterm 26. d. M. I. Aufgebot: Der Bankier Josef Werber in Furt- Wangen, vertreten durch Rechtsanwalt Trunk in Karlsruhe, hat das Aufgebot der zuletzt von dem Taglöhner Emanuel Eschle in Rohrbach innegehabten 3fLprozentigen badischen Eisenbahnobligation vom Jahre 1862/64, Lit. L Nr. 12 997 zu 500 Gulden, beantragt. Der Inhaber der Urkunde wird aufgefordert, spätestens in dem auf Donnerstag den 5. April 1906, vormittags 10 Uhr, vor dem diesseitigen Gerichte, 2. Stock, Zimmer 10/12, Akademiestratze 2 anberaumten Aufgebotstermine seine Rechte anzumelden und die Urkunde vorzulegen, widrigenfalls die Kraftloserklärung der Urkunde erfolgen wird. II. Zahlungssperre: Der Grotzh. Bad. Staatsschulden- verwaltung in Karlsruhe wird verboten, aus der 31Lprozentigen badischen Eisenbahnobligation vom Jahre 1862/64, Lit. 8 Nr. 12 997 zu 600 Gulden, an den Inhaber des Papiers eine Leistung zu bewirken, insbesondere neue Zins-, Renten- oder Gewinnanteilscheine oder einen Erneuerungsschein auszugeben. Karlsruhe, den 28. Juni 1905. Thum, Gerichtsschreiber Gr. Amtsgerichts. T.455.2.1. Nr. 13 000. Gr. Amtsgericht hier hat heute fol- gcndes Aufgebot erlassen:- ! Die Elisabetha geb. Kühner, Ehe- > frau des verschollenen Johann Georg Hartmann in Un-terschefflenz, hat be- > antragt, den verschollenen Johann Georg Hartmann, geb. am 23. September 1856 in Unterschefflenz, Sohn > des Bürgers und Landwirts Jakob! Hartmann und dessen Ehefrau, Karo- ! line geb. Aumüller, zuletzt wohnhaft! in Unterschefflenz, für, tot zu er- > klären. Der bezeichnete Verschollene! wird aufgefordert, sich spätestens in ^ dem auf: Dienstag den 20. März 1906, vormittags 10 Nhr, vor dem! Unterzeichneten Gericht anberaumten Aufgebotstermine zu melden, wrdri-! genfalls die Todeserklärung erfolgen! wird. An alle, welche Auskunft über ^ Leben oder Tod des Verschollenen zu ^ ertchlen vermögen, ergeht die Aich-, Forderung, spätestens im Aufgebots- tcrmine dem Gericht Anzeige zu ^ machen. Mosbachs den 27. Juni 1905. Gerichtsschreiber Gr. Amtsgerichts. Heber, Gr. Amtsgerichtssekretär. Aufgebot. T.405.2. Nr. 8919. Emmendingcn. Der Hofbauer Göttlich Sillmann von Freiamt-Brettenthal und die tzof- bauer Matthias Zimmermann Ehefrau, Anna Maria geb. Sillmann, von Freiamt-Reichenbach haben als einzige, rechtmäßige Geschwister des Verschollenen den Antrag gestellt, den am 4. Dezember 1863 zu Frelamt-Bret- tenthal als Sohn des Landwirts Gott- lieb Sillmann und seiner Ehefrau, Katharina Elisabeth geb. Kölblin. in Brettenthal geborenen, verschollenen Metzger Johann Georg Sillmann, ! welcher im Mai des Jahres 1881 aus ! seiner Stelle in Freiburg nach Amerika auswanderte und sich zutolge seiner letzten Nachricht vom 27. April 1894 in New-Dork aufhielt, für tot ^zu erklären. ! Der bezeichnete Verschollene wird ' aufgefordert, sich spätestens inl dem auf: Donnerstag den 15. März 1906, ! vormittags halb 10 Uhr, bestimmten Aufgebotstermin bei dem ! Unterzeichneten Gericht zu melden, widrigenfalls seine Todeserklärung erfolgen wird. , Zugleich ergeht an alle, die Aus- ! kunft Wer Leben oder Tod des Verschollenen zu erteilen vermögen, die Aufforderung, spätestens im Aufgebotstermine dem Unterzeichneten Ge- ! richt Anzeige zu machen, i Emmendingen, 15. Juni 1905. Grotzh. Amtsgericht. j Aufgebot. T.438.2. Nr. 6022. Gengenbach. Der Seiler Josef Heinrich Bollmar in Zell a H. hat beantragt, den verschollenen Schneider Symphorian Bollmar, zuletzt wohnhaft in Zell a. H., für tot zu erklären. Der bezeichnete Verschollene wird ausgefordert, sich spätestens in dem auf Donnerstag den 10. März 1906, vormittags 9 Uhr, vor dem Unterzeichneten Gericht an- beraumten Aufgebotstermine zu melden, widrigenfalls die Todeserklärung erfolgen wird. An alle, welche Auskunft Wer Leben oder Tod des Verschollenen zu erteilen vermögen, ergeht die Aufforderung, spätestens im Aufgebotstermine dem Gericht Anzeige zu machen. Gengenbach, den 27. Juni 1906. Gerichtsschreiber Gr. Amtsgerichts. Willi, Amtsgerichtssekrctär. Aufgebot. T.456.2.1. Nr. 28 987. Pforzheim. Christian Link, Weber in Kiesekbronm, als Nachlatzpfleger in dem Nacklatz des entmündigten Feldarbeiters Karl Linge in Kieselbronn und Karl Ludwig Schwager, Goldarbeiter, Ehefrau, Katharine geb. Linge, in Kieselbronn, haben beantragt, den am 21. Septem- her 1852 zu Kieselbronn geborenen Wilhelm Friedrich Linge, zuletzt wohnhaft gewesen in Kieselbronn, für tot zu erklären. Der Verschollene wird aufgefordert, sich spätestens im Aufgebotstermin zu melden, der auf Dienstag den 20. März 1906, vormittags 10 Uhr, 2. Stock, Zimmer Nr. 15 festgesetzt ist, widrigenfalls die Todeserklärung erfolgen wird. Alle, die Auskunft über Leben oder Tod des Verschollenen zu geben vermögen, werden aufgefordert, spätestens im Aufgebotstermine dem Gerichte Anzeige zu machen. Pforzheim, den 23. Juni 1905. Lohrer, Gerichtsschreiber Gr. Amtsgerichts. Konkursverfahren. T.462. Nr. 7789. Mannheim, lieber das Vermögen des Kaufmanns Julius Mann in Sandhofen wurde heute nachmittag halb 7 Uhr das Konkursverfahren eröffnet. Zum Konkursverwalter ist ernannt: Rechtsanwalt Or. Gustav Kaufmann hier. ! Konkursforderungen sind bis zum 31. Juli 1905 bei dem Gerichte anzumelden. Zugleich ist zur Beschlußfassung über die Wahl, eines definitiven Verwalters, über die Bestellung eines Gläubigerausschusses und eintretenden Falles über die in K 132 der Konkursordnung bezeichneten Gegenstände auf Mittwoch den 19. Juli 1905, vormittags 11 Uhr, sowie zur Prüfung der angemeldeten Forderungen auf Samstag den 19. August 1905, vormittags 10 Uhr, vor dem Gr. Amtsgerichte Abteil. 6, 2. Stock, Zimmer Nr. 112, Sitzungssaal 8, Termin anberaumt. j Allen Personen, welche eine zur Konkursmasse gehörige Sache in Besitz haben oder zur .Konkursmasse etwas schuldig sind, wird aufgegeben, nichts an den Gemeinschuldner zu verabfolgen oder zu leisten, auch die Verpflichtung auferlegt, von dem Besitze der Sache und von den Forderungen, für welche sie aus der Sache abgesonderte Befriedigung in Anspruch nehmen, dem Konkursverwalter bis zum 31. Juli 1905 Anzeige zu machen. Mannheim, den 28. Juni 1905. Gcrichtsschreiber Gr. Amtsgerichts 6: Mohr. Lgb. Nr. 1653, Grundbuch Bd. 83, Heft 5, Flächeninhalt 1 a 76 qm Hof- reite; hierauf steht a. ein dreistöckiges Wohnhaus, b. ein dreistöckiger Anbau an 3., in der Waldhornstrasre 32, amtlich geschätzt zu 50 000 M. Fünfzigtausend Mark. Der Versteigerungsvermerk ist am 27. Mai 1905 in das Grundbuch eingetragen worden. Die Einsicht der Mitteilungen des Oirunobuchamrs, sowie der übrigen die Grundstücks betreffenden Nachweisungen, insbesondere der Schätzungsur- ^ jedermann gestattet, c O'?, k.sgeht Aufforderung, Rechte, soweit, sie Zurzeit der Eintragung des Veriteigcrungsvcrinerkes aus dem Grundbuch nicht ersichtlich waren, spä- teslens im Versteigerungstermine vor der Aufforderung zur Abgabe von Ge- ,^n linzumelden und, wenn der Gläubiger widerspricht, glaubhaft zu machen, widrigenfalls sie bei der Fest- sicllung des geringsten Gebotes nicht berücksichtigt und bei der Verteilung des Vcrsteigeruugserlöses dem Ansprüche des Gläubigers und den übrigen Rechten nachgesetzt werden Diejenigen, welche ein der Versteigerung enigegcnstehendes Recht haben, tvcrden aufgefordcrt, vor der Erteilung des Zuschlags die Aufhebung oder einstweilige Einstellung des Verfahrens herbeizuführen, widrigenfalls für das Recht der Versteigerungserlös an die Stelle des versteigerten Gegenstandes tritt. Karlsruhe, den 26. Juni 1905. Grotzh. Notariat V als Vollstreckungsgericht. Beck. Freiwillige Gerichtsbarkeit. Bekanntmachung. T.444.2.1. Nr. 2910. Karlsruhe. Die Gläubiger der am 6. Juni 1905 dahier, Kriegstraße 87, verstorbenen, ledigen Privatiere Elsa Kaiser werden hiermit aufgefordert, ihre Forderungen bei dem Unterzeichneten Nachlatzgerichi. Amalienstratze 19 II, bis längstens Freitag den 14. Juli 1905 unter Angabe des Gegenstandes und des Grundes der Forderung anzumelden. Karlsruhe, den 28. Juni 1905. Grotzh. Notariat V. Beck. Strafrechtspflege. Ladung. T.434.3.2.1. Kehl. Der am 2. März 1874 zu Offenburg geborene, zuletzt dahier wohnhaft gewesene, jetzt an unbekannten Orten abwesende Karl Ludwig Fleischmann, wird beschuldigt, als Ersatzreservist ohne Erlaubnis ausgewandert zu sein. Uebertretung gegen Z 860 Nr. 3 des Strafgesetzbuchs, in Verbindung mit 8 11 des Reichsgesetzes vom 11. Februar 1988. Derselbe wird auf Anordnung des Grotzh. Amtsgerichts auf: ^ Samstag den 26. August 1905, vormittags halb 9 Uhr, vor das Gr. Schöffengericht in Kehl zur Hauptverhandlung geladen. Bei unentschuldigtem Ausbleiben wird derselbe auf Grund der nach 8 472 der Strafvrozeßordnung von dem König!. Bezirkskommando Offenburg ausgestellten Erklärung verurteilt werden. Kehl, den 28. Juni 1905. Gcrichtsschreiber Gr. Amtsgerichts: Maurer. T.445. Nr. 2858. Karlsruhe. Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die in Karlsruhe belegenen, im Grundbuche von Karlsruhe zurzeit der Eintragung dcs VersteigerungZver- merkes auf den Namen des Schreiners Johann Göb und besten Ehefrau, Rosine geb. Schäfer, in Karlsruhe eingetragenen, nachstehend beschriebenen Grundstücke am Dienstag den 12. September 1905, vormittags 9 Uhr, durch das unterzeichnet« Notariat V in dessen Diensträumen in Karlsruhe, Amalienstratze 19II, versteigert werden: Lgb. Nr. 1652, Grundbuch Bd. 83, Heft 4, Flächeninhalt 2 a 01 qm Hofreite mit daraufstehendem vierstöckigen Wohnhaus in der Waldhorn- stratze 30, amtlich geschätzt zu 66 000 M. Scchsundfechzigtausend Mark. T.375.2 Karlsruhe. Grotzh. Bad. Staats- Eisenbahnen. Wir versteigern am Dienstag, de« 4. Juli d. I., im Gerätschaftcn- magazin (Eingang am Rüppurer Eiserr- bahnübergong), vormittags halb S Uhr, öffentlich gegen Barzahlung: Bersch edcne abgängige Geräte, als: AbsteckstSbe, Aufstetglritte, Bänke, Bettstellen, Decken, Erdstöße!, Fahnen, Karrcn, Kasten, Kisten, Körbe, Kübel, Lampen, Ledertaichen, Lcderfutterale, Leitern, Matratzen, Meßlatten, Sägen, Stempelsiöcke, Stühle, Schäfte, Tische, Ueberzüge, Udren, Vorhänge, Dezimal- wagen, Wafferwagen, Winden usw., sowie 500 Jlluminationslämpchen, 564 Trockenelemente und einen Badeofen mit Badewanne nedst Rohrleitung. Karlsruhe, den 26. Juni 1905. Gr Verwaltung der Eisenbahnmagazine. T.458. Karlsruhe. Grotzh. Bad. Staat* Eisenbahnen. Mit Gültigkeit vom 1. Juli 1905 wird die belgische Station k'sx Lv oiooUsr» mit direkten Frachtsätzen in den belgisch-Baseler Kohlen- ausnahmetaris vom 1. No> ember 1900 einbezogen. Nähere Auskunft erteilt die Güterverwaltung Basel und daS Berkehrsburcau. Karlsruhe, den 29. Juni 1905. Gr. Generaivtreklion. 7 !