KllllsMtt Zritina Donnerstag, 7. Dezember. 4 »kpsditt»«: >»rl-Friedrtch-St«ch« «r. »4 (Telephon anschlu^ Rr. 154), woselbst such dir «^et^n st, «mpfang genommen «erd«. »or»u»be»»hl«n,: vierteljährlich 8 M. 50 Pf.) durch dir Post im «ebtete der deutschen Postverwaktung, «riesträgergevühr eingerechnet, 8 «. 84 W. UinrückungSgrbShr: die gespaltene Petitzeile oder deren Raum SS Pf. Briefe und Beider frei. »«vlistmPs vnstksoche» Md «orrrspoudenzen jeder Art, sowie Rezenfionsexemplare »erden nicht zurückgesandt und übernimmt dir Redaktion dadurch keinerlei Verpflichtung zu irgendwelcher Vergütung. LAOS. Umtlicher Teil. Selue Königliche Hoheit der Grotzherzog haben Sich unter dem 3. Dezember d. I. gnädigst bewogen gefunden, dem Königlich Preußischen Obersten von Guretzky - Cornitz, Kommandeur des Königin Augusta Garde-Grenadier-Regiments Nr. 4 das Kommandeurkreuz zweiter Klasse Höchstihres Ordens vom Zähringer Löwen zu verleihen. Seine Königliche Hoheit der Grotzherzog haben Sich gnädigst bewogen gefunden, den Schutzmännern Johann Hiltner und Karl Müller in Mannheim die untertänigst nachgesuchte Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen der ihnen von Seiner Königlichen Hoheit dem Prinz-Regenten von Bayern verliehenen von Höchst- demselben gestifteten Jubiläumsmedaille zu erteilen. Seiue Köuigliche Hoheit der Grotzherzog haben unterm 26. November d. I. gnädigst geruht, den Referendar Leonhard Sonner aus Urloffen zum Notar im Amtsgerichtsbezirk Müllheim zu ernennen. Vom Justizministerium wurde demselben das Notariat Schlierigen zugewiesen. Nicht-NnMcher Teil. Englische Marine. 4« Tie Nachricht über die angeblich von der englischen Marineverwaltung geplante Schaffung eines neuen Geschwaders für die Nordsee entspricht, wie man uns aus London schreibt, nicht den Tatsachen. Zunächst ist zu bemerken, daß die Bildung eines solchen Geschwaders bei der heutigen Fahrtgeschwindigkeit der Panzer unnötig wäre, da die Kanalflotte für den Mobilmachungsfall nicht nach! dem Süden zu detachieren ist, sondern in vorderster Front den Schutz der Heimatsküsten und Operationen in deren Nachbarschaft übernimmt. Sodann würde es aber auch für ein Nordseegeschwader an einer passenden Basis fehlen. Dover erscheint wegen seiner geographischen Lage zu exponiert und für große Werftanlagen keineswegs geeignet. Dover könnte nach Vollendung des Kriegshafens sicher als vorübergehende Basis eines Geschwaders dienen und es soll ferner eine Station für Torpedoboote bilden, das ist jedoch alles. Sheerneß Chatham erscheinen mit ihrem Fahrwasser für große Panzer nicht so geeignet und auch dort sind neben der starken Reservedivision schon starke Schwärme kleiner Kriegsfahrzeuge untergebracht. Die Basen der Kanalflotte sind aber, wie bereits erwähnt, in so geringer Entfernung gelegen, daß sie stets zur Beschützung der Nordsee bereit sein wird. Die Parole der Admiralität ist jetzt: „Konzentrieren und nicht Detachieren." Sonnt gilt es Nicht ein besonderes Geschwader zu bilden, sondern die Hauptflotte der britischen Marine abermals zu verstärken. Hierzu sind fünf Schiffe der „Canopus"-Klassc ausersehen, von denen vier erst kürzlich aus den chinesischen Gewässern abberufen wurden. Die Schiffe der „Canopus"-KIasse haben ein Deplacement von 12 950 Tonnen und eine Geschützarmierung von vier 30 Zentimeter- und zwölf 16 Zentimeter-Geschützen. Sie haben zudeni einen sehr geringen Tiefgang, was sie besonders zur Verwendung in geringeren Wassertiefen der Nord- und der Ostsee verwendbar macht. Den gleichen Vorteil haben auch die beiden von Chile gekauften und der Kanal- flotte zugewiesenen Panzer „Swiftbury" und „Triumph". Außer den genannten gehören zur Kanälflotte noch sechs Schlachtschiffe der „Albemarle"-Klasse (14 000 Tonnen), endlich drei Schiffe des „Majestic"-TyP, so daß sie im ganzen 17 Schlachtschiffe zählen wird. Dazu kommen 6 Panzerkreuzer, 4 gedeckte Kreuzer und 24 Zerstörer, so daß die Kanalflotte die wrmidable Stärke von 23 Panzerschiffen und 61 Fahrzeugen besitzen wird. Unmittelbar zur Verfügung stehen ferner die mit starken Stammbesatzungen zum Auslaufen bereit gehaltenen drei Re servedivisionen; Reservedivision Sheerneß mit 5 Schlachtschiffen und 10 Kreuzern, Reservedivision Portsmouth mit 3 Schlachtschiffen und 8 Kreuzern. Reservedivision Tevonport mit 5 Schlachtschiffen und 8 Kreuzern, so daß die disponible Mobilmachungsmacht in den heimischen Gewässern 30 Schlachtschiffe und 36 Kreuzer betragen wird. (Telegramm.) * London, 6. Dez. Amtlich wird bekannt gegeben, daß die Flotte des Atlantic und die Mittelmeerflotte zusammen mit den drei Kreuzergeschwadern zur Vornahme gemeinsamer Hebungen sich in Lagos (Portugal) Mitte Februar versammeln sollen. Deutscher Weichstag. (Telegraphischer Bericht.) * Berlin, 6. Dezember. Präsident Graf Ballestrem eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 20 Min. Reichskanzler Fürst von Bnlow ergreift das Wort. Ich will die wichtigste und bedeutsamste Vorlage begründen, nämlich die R e i ch s f i n a n z r e f o r m. Von ihr hängt nach Ueberzeugung der Regierungen die Wohlfahrt und Sicherheit des Reiches und der Einzelstaaten ab. Die-Ge- sundung der Reichsfinanzen ist die Grundlage der Entwicklung der sozialen Fürsorge, sowie die Erhaltung und Stärkung der Wehrkraft zu Wasser und zu Lande. Die Finanzverhältnisse des Reiches gestalteten sich im letzten Jahre schon so ungünstig, daß es so nicht weiter gehen kann. (Sehr richtig.) Es ist die Pflicht der Regierung, Mittel zur Beendigung der Misere vorzuschlagen. Ties ist eine undankbare Aufgabe. Denn jede Steuer findet ihre Gegner. Man zahlt weniger aus Patriotismus Steuern, denn aus Zwang. Dazu hat jede Steuer etwas unbeschreiblich unerquickliches an sich. Im Interesse des Reiches nehmen die Regierungen das Odium der Reichsfinanzreform auf sich. Gedient ist nicht mit einer kleinen Finanzreform, sondern nur mit einer solchen, die dauernd Abhilfe schafft. Die Finanzverhält nissewes Reiches bieten ein überaus triibes Bild. Bei uns lebt man von der Hand in den Mund. Tie ordentlichen Ausgaben lassen sich nicht mehr aus den ordentlichen Einnahinen bestreiten. Das Reich darf nicht ein lästiger Kostgänger der Einzelstaaten sein. Heute ist das Reich ein ariner Reisender geworden, der an die Haustüren klopft. (Heiterkeit.) Bisher stellte das Reich die Entlastung der E i n z e l st a a t e n als das Ziel jeder Finanzreform hin. Das Interesse der Einzelstaaten erfordert gebieterisch, daß sich die M a t r i k u I a r b e i t r ä g e in mäßigen und festen Grenzen halten. Die Deckung des Defizits im Reiche durch Anleihen i st nicht mehr angängig, denn die vorhandene Schuldenlast ist schon übermäßig. Im Jahre 1876 war das Reich schuldenfrei. Jetzt beträgt die Schuldenlast über 3V-2 Milliarden, obwohl wir die größten Virtuosen der Sparsamkeit sind. Die Beseitigung der Schulden ist nicht ohne neue Steuern möglich. Leider haben wir zu wenig Reiche. (Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Deshalb sind die breiten Massen heranzuziehen. Das Verhältnis der direkten und indirekten Steuern ist bei uns noch günstiger, als in anderen Ländern. Der Reichskanzler verweist auf die den breiten Massen zu gute kommende Vermehrung der Ausgaben der Einzelstaaten für das Unterrichtswesen. Er bespricht sodann die Erbschaftssteuer, die bei uns dürftig ausgebildet ist und verweist auf die Darlegungen des Frhrn. v. Stengel. Er bittet den Reichstag, nicht die schwere Verantwortung auf sich zu nehmen, die von dem höchst sachverständigen Schatzsskretär ausgearbeitete Vorlage abzulehnen. Tie Regierung brachte die Vorlage nicht ein wie ein leichtsinniger Student, der bei seinem Vater um Erhöhung des Wechsels nachsucht, sondern im Gefühle der schweren Verantwortung fii reine gedeihlich e Führung der Finanzwirtschaft im Reiche. Durch Annahme 'der Vorlage werden Sie die Verdienste des Reichstages vermehren und eine eminent patriotische Tat begehen. (Beifall.) Hierauf ergreift Reichsschatzsekretär Frhr. v. Stengel das Work. * Berlin, 6. Tez. Dem Reichstag ging der Gesetzentwurf zu, betreffend Erhöhung des Servistarifs und die Klasseneinteilung der Orte. Ferner ging dem Reichstag zu: der Gesetzentwurf, betreffend die Aenderung des Gesetzes über Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden. Darnach soll künftig betragen die Vergütung für die VckSBM»I Naturalverpflegung pro Mann und Tag für volle Tageskost mit Brot 1 M. (ohne Brot 85 Pf.), für Mittagskost 52 Pf. (ohne Brot 47 Pf.). Abendkost 29 bzw. 24 Pf., für Morgenkost 19 bzw. 14 Pf. Das Gesetz soll gleichzeitig mit der Reichsfinanzreform in Kraft treten. * Berlin, 6. Dez. Wie verlautet, ist dem Reichstag ein vom Bundesrat beschlossener, vom 4. d. M. datierter Gesetzentwurf zugegangen, der das Handelsprovisorium vom 31. Dezember für weitere zwei Jahre zu verlängern vorschlägt. Die Wahlrechtsbewegung in Oesterreich - Ungarn (Telegramme.) * Wien, 6. Dez. Abgeordnetenhaus. In der fortgesetzten Beratung der Regierungserklärung ermahnt Abg. Breiter (Ruthene) die Regierung, sich von den Gegnern des allgemeinen Wahlrechts nicht einschüchtern zu lassen. Menger (Deutsche Fortschrittspartei) verkennt nicht die Vorzüge des allgemeinen Stimmrechtes, gleichzeitig müsse jedoch das Verhältnis der Nationalitäten zu einander und zum Staate geregelt werden. Hermansky (Deutsche Volkspartei) tritt für den Schutz des agrarpolitischen Besitzstandes bei der Einführung des allgemeinen gleichen Wahlrechtes ein. Taszynskj (Soz.) widerlegr die im Herrenhause und vom Abg. Disduszhnski gegen das allgemeine Wahlrecht vorgebrachten Bedenken, sowie die gegen die Gefahr einer revolutionären Bewegung, für welche nach der letzten mutigen Rede des Ministerpräsidenten kein Anlaß mehr sei, und appelliert cpi alle im Hause vertretenen Nationen, das polnische Volk nicht abermals der Willkür polnischer Schlächter auszuliefern. Stuerghk (Verfassungstreuer Großgrundbesitz) verweist auf die offenbar durch eine Reihe auswärtiger Momente beeinflußte Sinnesänderung der Regierung in der Wahlrechtsfrage, und hegt schwere Bedenken gegen die unvermittelte Einführung des gleichen Wahlrechts, insbesondere angesichts der ungelösten Nationalitätenfrage, wegen einer eventuell verhängnisvollen Rückwirkung auf die Einhe^ und den Bestand des Gesamtstaates. Er erklärt, seine Partei werde die gegebenen Momente der Wahl- reformsrage vorurteilsfrei prüfen. * Wien, 6. Tez. Zwölf Jnfanteriebataillone in Linz, Krakau und Olmütz, sowie die in der Wiener Neustadt und WelS dislozierten Dragonerregimenter haben gestern nacht, lt. „N. Fr. Pr.", den Befehl erhalten, sich zum Marsche nach Böhmen bereit zu halten. Offiziell wird dieser Befehl als eine notwendige Vorsichtsmaßregel angesichts der in Prag und den nördlichen Teilen Böhmens herrschenden Stimmung bezeichnet, welche Ruhestörungen besorgen lasse. * Prag, 5. Dez. Bei der heutigen Einführung des neuen Rektors, Professors der Theologie, Kristal, an der tschechischen Universität, demonstrierten die tschechisch-freisin- nigen Studenten, indem sie Schmährufe gegen den Rektor und den Klerikalismus ausstießen. * Budapest, 6. Dez. Der leitende Ausschuß der Koalition beschloß ein Manifest an die Nation, worin die Regierung beschuldigt wird, die Setzer der oppositionellen Blätter durch Agenten zum Streik bewogen zu haben, um die regierungsfeindliche Presse dadurch zu terrorisieren. Der leitende Ausschuß erklärt sich mit der angegriffenen Presse solidarisch und fordert die Nation auf, an der nationalen Presse festzuhalten, und den Regierungsblättern jede Unterstützung zu entziehen. (Etwas Törichteres hätte die Koalition nicht behaupten können. D. Red.) * Budapest, 6. Dez. Gestern abend zogen etwa 1900 sozialistische Setzer vor die Redaktion des Organs der Kossuth- partei; sie wurden durch berittene Schutzleute zerstreut. Die internationale Flottendemonstration. (Telegramme.) * Konstantinopel 6. Tez. Das Zollamt und Telegraphenamt auf L e m n o s ist gestern besetzt worden. Heute findet eine lveitere Besprechung der Botschafter über die Antwortnote der Botschafter statt. * Konstantinopel, 4. Dez. Hier und in der Provinz, sowie in Mptilene herrscht völlige Ruhe. Die Gerüchte vom Auslaufen einiger Kriegsschiffe oder einer Vorbereitung hierzu sind darauf zurückzuführen, daß heute früh zwei Küstenfahrzeuge, ivelche kürzlich für das Zollamt gegen den Schmuggel gekauft, dann aber der Kriegsmarine einverleibt wurden, aus dem Kriegshafen ausliesen. Angeblich werden sie nach Jemen abgehen. Zur Lage ia Rußland, fTelegramme.) * Dt. Petersburg, 5. Dez. Nach Angaben der Inspektionen der Fabriken beträgt die Zahl der arbeitslosen Fabrikarbeiter gegenwärtig in St. Petersburg 28 900 Mann. — Wie die Blätter melden, steht die Wiedereröffnung der nach den Januarunruhen geschlossenen Abteilungen der von dem Priester Gast o n organisierten Arbeitervereine und die Rückgabe der beschlagnahmten Summen bevor. — Die sozialrevo- lutionäre Partei erklärte in einer Resolution, daß die von Srruve und Gapon vorgeschlagenen Maßnahmen den Arbeitern nur Unheil bringen könnten. Warum, wird verschwiegen. Wie behauptet wird, ist im Lager der Sozialdemokraten eine Spaltung eingetreten. — Die „Handels- und Fndustriezeirung" erfährr aus zuverlässiger Quelle, daß die Regierung dem Projekt des allgemeinen Wahlrechts zustimme. —i Die Stadtduma von Nifhny-Nowgorod erklärte dem Grafen Witte telegraphisch, datz die Resolution des Moskauer Semstwokongresses der Mehrheit der Bevölkerung widerspreche. Die Duma sprach der Regierung ihr Vertrauen aus, datz diese die Reformen durchführen werde. Sie finde es für nötig, datz unverzüglich ein Kongreh der Semstwos und Städtedumas zur Unterstützung bei der beschleunigten Einberufung der Reichsduma einberufen werden müsse. * St. Petersburg, 6. Dez. Der Kommandeur des 7. Armeekorps, General Möller - Sakomelski, teilt, wie „Ruh" erfährt, mit, datz bei der Beschiehung der Kasernen in Sewastopol vier Matrosen und drei Revolutionäre getötet worden sind; 2000 Mann haben sich ergeben, darunter sind 1600 Matrosen und 300 Männ, van denen der größte Teil Agitatoren in Zivil, der Rest Infanteristen sind. Strahenunruhcn sind nicht zu erwarten. Die Meuterer verrieten, trotz ihrer goßen Anzahl und ausgezeichneten Bewaffnung, keine Energie, sondern Ungewandtheit. Aus diesen Gründen sind auch die Menschenverluste geringer, als irgendwo bei Zusammenstößen mit schlecht oder gar nicht bewaffneten Volksmassen. Die Untersuchungskommission hat ihre Arbeit begonnen. Die St. Petersburger Garnison ist in letzter Zeit sehr verstärkt worden. Die Post- und Telegraphenämter und Fabriken werden stark bewacht. Eine Versammlung von P o st - und Telegraphenbeamten wurde durch berittene Polizei und Kosaken, die mit Nagaiken einhieben, verhindert. Der Arbeiterdepu- tiertensenat richtet im „Ruß" einen Aufruf an die Post- u. Telegraphenbeamten, in dem er mitteilt, daß der Stadthaupt- mann erklärt habe, er handle auf höheren Befehl: „Ein Stein- Wurf, ein Schutz". Das Militärbezirksgericht verurteilte die an dem Komplott gegen den General Trepoto beteiligten Personen zu 4 bis 10 Jahren Zwangsarbeit. * St. Petersburg, 6. Dez. Den Blättern zufolge erhebt der Verband für Pretzschutz Einspruch gegen die beabsichtigte Einführung von zeitweiligen Preßvorschrif- ten, weil diese die durch das Manifest vom 30. Oktober gewährte Preßfreiheit entstellen. Ter Verband protestiert energisch gegen den Geist des ganzen Planes, der die Präventivzensur für die Zeitungen beibehalte und dem Minister des Innern und den anderen Verwaltungsbeamten das Recht gebe, nach ihrem Ermessen Blätter zu unterdrücken, sowie die Presse des Rechtes freier Kritik der Regierungsangelegenheiten und der Handlungen von Amtspersonen beraube. Der Verband beschloß, falls der Entwurf Gesetzeskraft erhält, die Preßfreiheit auf den vom Verband gegebenen Grundlagen in die Wirklichkeit umzusetzen. * Si. Petersburg, 6. Dez. Die Zeitung „Ruß" erfährr aus Kiew, daß dort eine Panik herrsche. Die Bevölkerung flüchtet. Ein großer Teil der .Truppen meuterte. Im Polytechnikum fand eine Versammlung von 17 000 Personen statt. Meuternde Soldaten schützten das Gebäude gegen die Polizei. Weiter meldet „Ruß" aus durchaus zuverlässiger Quelle, Durnowo habe ohne Wissen des Kabinetts den Kriegszustand über Kiew verhängt; nur Graf Witte habe darum gewußt. —> Auf dem in Moskau tagenden Gu t s- besitzerkongreß richtete die Mehrzahl der Redner heftige Angriffe gegen Mitte. Er führe Rußland dem Untergang entgegen. Es wurde beantragt, >an den Kaiser die Bitte um Entlassung Wittes zu richten. Der Kongreß beschloß, den Kaiser durch eins Adresse um Wiederherstellung der Ordnung und Ersetzung der gegenwärtigen Regierung durch eine andere zu bitten, weil die gegenwärtige außer Stande sei, die Wirrctzt zu unterdrücken- In betreff der Agrarfrage wurde eine Resolution gefaßt, daß das Landbedürfnis der Bauern durch Krön- und Kommunalländereien zu befriedigen sei. * St. Petersburg, 6. Dez. Die St. Petersb. Telegr.-Agentur meldet: Unter Hinweis darauf, daß die Regierung unbeugsam entschlossen sei, die am 30. Oktober verheißenen Reformen durchzuführen, betont ein Regierungskommunique die Unmöglichkeit, die Bevölkerung und die Verwaltung mit einem Schlage au die durch das Manifest vom 30. Oktober geschaffenen neuen Verhältnisse zu gewöhnen. Bis die Reformen auf gesetzgeberischem Wege durchgeführt seien, müßten die alten Gesetze in Kraft bleiben, soweit sie nicht durch zeitweilige Bestimmungen ersetzt werden. Gegenwärtig seien die Entwürfe temporärer Bestimmungen fertiggestellt über die Preßfreiheit und das Vereinsrecht. Die Beratungen über die Reform des Reichsrates und über die Erweiterung des Wahlrechts näherten sich dem Ende. Die Mahlen zur Reichsduma würden beschleunigt. Gleichzeitig seien Maßnahmen gegen die, die öffentliche Sicherheit gefährdenden Ruhestörungen in Angriff genommen. * Stockholm, 6. Dez. Der Torpedobootszerftörer „Psilander" wird heute nach St. Petersburg abgehen; mit ihm kehrt auch der schwedische Gesandte in St. Petersburg auf feinen Posten zurück. Ein anderer Torpedobootszerstörer soll mit einem Handelsdampfer nach Riga abgehen, um sich dem dortigen schwedischen Konsul zur Verfügung zu stellen. * Paris, 6. Dez. In dem heute vormittag im Elysee abgehaltenen Ministerrate sprach Ministerpräsident Rouvier sich über die Verhältnisse an der Börse aus und über die Unruhe, die sich dort geltend gemacht habe. Nach seiner Meinung sei die Bewegung, die sich auf dem Finanzmarkte geltend mache, nur auf Rechnung des Fehlens von Nachrichten: aus Rußland zu setzen. Rouvier brachte dann zur Kenntnis, was er an Nachrichten über den Zustand des russischen Staatsschatzes besitzt. Er führte hierbei aus, daß nach seinen Informationen allein die russischen Depots bei fremden Bankhäusern den Zinsendienst auf zwei oder drei Jahre sicher- steilen. Die Botschaft des Präsidenten Roosevelt. (Telegramme.) * Washington, 5. Dez. Eine dem Kongreß zugegangene Botschaft des Präsidenten Roosevelt erklärt, die Aufsicht über die großen Gesellschaften, insbesondere die Eisenbahngesellschaften, durch die Regierung sei erforderlich. Für die Eisenbahnen müsse der Maximal- und der Minimaltarif festgesetzt werden. Das Rechnungswesen sei von Bundeswegen zu beaufsichtigen. Auch die Versicherungsgesellschaften seien von der Bundesregierung zu überwachen. Es sollte in Erwägung gezogen werden, ob es nicht wünschenswert sei, datz die Zollgesetzgebung die Anwendung der Minimal- und Maximaltarife gegenüber anderen Nationen gestatte, um gewisse Gegenseitigkeiten zwischen anderen Nationen und Amerika zu ermöglichen. In Hinsicht auf andere als rein wirtschaftliche Rücksichten seien nur die Handelsbeziehungen mit anderen Völkern des amerikanischen Kontinents wünschenswert. Die Sparsamkeit sei zu empfehlen, doch seinen Abstriche an der Marine ein Verbrechen gegen die Nation. Der neuen Haager Konferenz wünsche er besten Erfolg. Er werde mit aller Kraft Mitarbeiten und hoffe, daß schließlich mit Hilfe solcher Konferenzen die Scbiedsaerichte einen regelmäßigen Auslrag der inrernalionalen Streitigkeiten herbeiführen würden. Indessen sei, wie die Dinge heute lägen, nur jene Nation für den Frieden gerüstet, welche zu kämpfen verstehe, wenn der Krieg eine Forderung der Moral werde. Betreffs der Monroedoktrin hebt die Botschaft hervor, die Vereinigten Staaten hätten keine Vergrößerungsgelüste, sondern nur das Gedeihen aller Republikaner im Auge. Das Abkommen, tvelches San Domingo vor dem Nnschreiten der Mächte bewahre, liege dem Senat vor. Die Armee und die Flotte seien bei höchster Leistungsfähigkeit zu erhalten. In der Einwanderungsfrage seien schärfere Gesetze erwünscht. Vielleicht sei eine Regelung durch eine internationale Konferenz möglich. Der Zustand auf den Philippinen sei befriedigend. Die Botschaft verlangt zum Schluß die Befestigung von Hawai und Mittel für die laufenden Ausgaben für den Pananiakanal. * Washington, 6. Dez. Der gemeinsame Ausschuß beider Häuser für die H a n de l m a r i n e beschloß, den bereits früher vorgelegten Entwurf, betreffend die Unterstützung des amerikanischen Ueberseehandels mir folgenden Aenderungen wieder einzubringen: Die der Qzeanlinie bewilligte Subvention soll um 217 000 Dollars erhöht werden, die der American- linie bewilligte um 250 000 Dollars. Die Subvention der letztgenannten Linie würde sich mit dieser Erhöhung auf eine Million Dollars belaufen und eine Gegenmaßregel gegen die von England neuerdings bewilligte Unterstützung für die Cu- nardlinie darstellen. Groszherzogtum Baden. * Karlsruhe, 6. Dezember. Seine Königliche Hoheit der Großherzog hörte heute vormittag in Schloß Baden den Vortrag des Präsidenten des Ministeriums des Großherzoglichen Hauses und der auswärtigen Angelegenheiten Geheimerats Freiherrn von Marschall. Ihre Königliche Hoheit die Kronprinzessin von Schweden kehrte heute niittag IL'/H Uhr von Badenweiler nach Baden zurück. ** Bei der Landesversicherungsanstalt Baden sind im Monat November 1805 446 Rentengesuche (27 Alters- und 419 Jl,validen- bzw. Krankenrentengesuche) eingereicht und 383 Renten (24 4- 334 -p 21) bewilligt worden. Es wurden 39 Jnvalidenrentengesuche abgelehnt, 328 (12 4- 316) blieben unerledigt. Außerdem wurden tu, schiedsgerichtlichen Verfahren 6 Invaliden- und 1 Krankenrente zuerkannt. Bis Ende November 1905 sind im ganzen 50 573 Renten (9584 Alters-, 39 619 Invaliden- und 1370 Krankenrenten) bewilligt bzw. zuerkannt worden. Davon kamen wieder in Wegfall: 25 313 (6512 st- 17 616 st- 1185), so daß aus 1. Dezember 1905: 2560 Rentenempfänger vorhanden sind (3072 Alters-, 22 003 Invaliden- und 185 Krankenrenten). Verglichen mit dem 1. November 1905 hat sich die Zahl der Rentenempfänger vermehrt um st- 97 (—23 Alters-, 4- 123 Invaliden- und —3 Krankenrentner). Die Rentenempfänger beziehen Renten im Gesamtjahresbetrage von 3 610 357 M. 85 Pf. (mehr seit 1. November 1905 17 299 M. 29 Pf.). Der Jahresbctrag für die im Monat November bewilligten Renten berechnet sich, und zwar für 24 Altersrenten auf 3821 M., 340 Invalidenrenten auf 54 474 Mark, 22 Krankenrenten auf 3475 M. 20 Pf., somit Durchschnitt für eine Altersrente 159 M. 63 Pf., für eine Invalidenrente 160 M. 22 Pf., für eine Krankenrente 157 M. 96 Pf. Für sämtliche bis 1. Januar 1905 bewilligten Renten betrug der durchschnittliche Jahresbetrag einer Altersrente 136 M. 47 Pf., einer Invalidenrente 141 M. 88 Pf., einer Krankenrente 154 M. 68 Pf. Beitragserstattungen wurden im Monat November 1905 angewiesen infolge Heirat weiblicher Versicherter in 486 Fällen 19 820 M-, infolge Todes versicherter Personen in 71 Fällen 5472 M. » (Personalnachrichten aus dem Ober - Postdirektionsbezirk Karlsruhe.) Angenommen: als Postgehilfen: Peter Höfer in Ladenburg, Albert Springer in Mannheim. Ernannt: zu Postafsistenten: der Telegraphenassistent Adolf Kleber in Bühl (Baden); die Postgehilfen Leo Fischer in Karlsruhe, Adolf Hirtler und Oskar Könninger in Mannheim, Josef Wiber in Pforzheim. Versetzt: die Postafsistenten: Heinrich Auchter von Pforzheim nach Karlsruhe, Anton Diehm von Heidelberg nach Mosbach, Adolf Kleber von Mannheim nach Bühl (Baden), Gustav Leitz von Merchingen (Baden) nach Heidelberg, Ludwig Merz von Durmersheim nach Karlsruhe, Ludwig Mohr von Heidelberg nach Deutsch-Oth, Rudolf Rectanus von Mudau nach Heidelberg, Heinrich Ruder von Baden-Baden nach Pforzheim, Wilhelm Ullrich von Odenheim nach Pforzheim, Roman Weber von Mannheim nach Pforzheim. * (Großherzogliches Hoftheater.) Von der Generaldirektion des Großh. Hoftheaters wird uns zur Veröffentlichung mitgeteilt: Frau Margarete Pix vom Deutschen Theater in Berlin ist behufs Aushilfe im Fache der ernsten Mütter für diese Spielzeit hierher engagiert worden. * (Kaufmännischer Verein Karlsruhe.) Morgen, Donnerstag, abends halb 9 Uhr, hält die gefeierte Vorkämpferin der Weltfriedensbewegung. Bertha v. Suttner, im Eintrachtssaal einen Vortrag über das Thema: „DerKampfum die Organisation des Friedens". Eintrittskarten sind bei Fr. Dvert, Hugo Kuntz und .Hans Schmidt, sowie an der Abendkasse zu haben. k. (Tie Bereinigung für Heimatliche Kunstpflege) veranstaltete am Samstag im Saale des Konservatoriums eine „ Ab e n d m u si k". Das Programm wurde eingeleitet durch eine interessante Komposition „Wvrpswede, Stimmungen aus Niedersachsen" von Paul Scheinpflug. Der instrumentale Teil, für Klavier, Violine und Englisch Horn ist außerordentlich stimmungsvoll und packend; auch die Singstimme, welche allerdings weniger originelle und bedeutende Aufgaben hat, läßt einen Komponisten von feinem und eigenartigem Talent erkennen. Tie Sängerin, Fräulein Martha Fickler aus Heidelberg, trug außer den genannten Liedern noch Kompositionen von Julius Katz, Hugo Wolf und Richard Strauß mit sympathischer, gutgeschulter Stimme und inniger Empfindung vor. Das eine der beiden Katzschen Lieder (Herbstgang), Text von Albert Geiger) wurde soeben in dem Jahrbuch „Badische Kunst 1905" erstmals veröffentlicht. Herr Katz trug selbst am Flügel das „Menuett" aus seiner v-moll-Suite vor. Einer Würdigung dieser Kompositionen enthalten wir uns, da sie in diesem Blatte nicht angemessen erscheint, möchten aber doch den großen Erfolg feststellen, den der Komponist errang. Auch die / 1 -äur-Sonate von Mozart wurde vortrefflich von Herrn Otto Selig, Direktor des Konservatoriums Heidelberg (Klavier) und Herrn Dr. Emil Jordan, Heidelberg (Violine) zu Gehör gebracht. Diese beiden Herren, wie auch Herr Hofmusikus Friedrich Richter (Englisch Horn), dessen ausgezeichneter Leistung ein gut Teil der Wirkung der Worpstveder Stimmungsbilder zu danken war, fanden reichem und verdienten Beifall. r. (Landesverband städtischer Beamten des Grotzherzogtumr Baden.) Das Bestreben lokaler Berufsvereine, sich zu Landesverbänden zusammenzuschließen, Hai auch bei den Beamtenvereinen der Städreordnungsstädte unseres Landes Nachahmung gefunden. Am 3. Dezember traten zahlreiche Delegierte der Vereine aus Konstanz, Freiburg i. B„ Baden, Karlsruhe, Bruchsal, Pforzheim, Heidelberg und Mannheim in Mannheim zu einer Beratung zusammen, welche die einstimmige Beschlußfassung zur Gründung eines „Landesverbandes städtischer Beamten des Großherzogtums Baden" zum Ergebnis hatte. Die von einer vorbereitenden Kommission aus- gearbeireten Verbandssatzungen wurden nach eingehender Erörterung genehmigt, 'woraus die Wahl des Verbandsvorstaitdes erfolgte. Es wurden gewählt: als 1. Vorsitzender: Revisor Wann er - Mannheim, als 2. Vorsitzender: Oberstadtfekretär Lacher - Karlsruhe, als Schriftführer: Tiefbausekretär Schweighard - Mannheim, als Kassier: Leihhausvorstand Egetmeyer - Heidelberg, als Beisitzer: Ratschreiber Ham » minger - Bruchsal, Gaswerksverwalter Kaiser - Pforzheim und Sradtratssekretär Schemenau - Baden-Baden. Der Verband zählt heute 1085 Mitglieder, welche Zahl nach weiterem Ausbau auf etwa 1400 anwachsen wird. An den geschäftlichen Teil schloß sich ein gemeinsames Mittagessen, bei ivelchem Direktor Schm sicher - Mannheim einen Toast auf Seine Königliche Hoheit den Großherzog ausbrachte. Nach dem Essen fand eine Rundfahrt durch die Stadt, sowie eine Besichtigung des Rosengartens und ein Besuch des Böttgekonzertes statt. Die ganze Veranstaltung verlief auf das harmonischste. * (Ter neue Führer durch Karlsruhe.) In neuer, geschmackvoller Ausstattung und in vollständig neuer Bearbeitung des Textes ist vor kurzem der große Führer durch die Haupt- und Residenzstadt Karlsruhe erschienen, verfaßt im Aufträge des Stadtrats von Professor Franz Sales Meyer, der nicht nur einen übersichtlichen, leicht orientierenden Fremdenführer, sondern vor allem auch ein Werk, das durch dir Reichhaltigkeit seines h i st o r i s ch e n und kulturgeschichtlichen Inhalts ausgezeichnet ist, geschaffen hat. Was das Buch ferner besonders beachtenswert macht, das sind die künstlerisch ausgeführten zahlreichen Abbildungen der Sehenswürdigkeiten der Stadt, die auch für manchen Einheimischen Neues bieten dürften und von Neuem die Tatsache beweisen, daß der Einheimische oft recht wenig Bescheid weiß in seiner Heimatsstadt. In der Einleitung konnte der Verfasser darauf Hinweisen, daß Karlsruhe zu den gesündesten Städten des Reiches sich rechnen darf, denn der Prozentsatz der Sterbefälle gehört mit zu den niedrigsten in Deutschland. Tie Zahl der Todesfälle betrug in den letzten Jahren 18 von 1000. Der Verfasser gibt sodann in fesselnder Form einen knappen geschichtlichen Rückblick auf die Gründung und Entwicklung der Stadt, deren Geschichte am 17. Juni 1715 mit der Grundsteinlegung zum achteckigen Schloßturme ihren Anfang nimmt. Zu den interessantesten Kapiteln des Werkes gehört dasjenige über die Baugeschichte. Wir werden in diesem Kapitel mit den Baudenkmälern der Stadt in Wort und Bild bekannt gemacht und in die verschiedenen Bauperioden eingeführt, die der Verfasser wie folgt bezeichnet: 1. die Zeit der Gründung; 2. die Erneuerung der Stadt von 1750 ab; 3. die Weinbrenner-Periode; 4. die Periode der Romantiker; 5. die Zeit von 1870—1895 und 6. die moderne Periode. Ein weiteres Kapitel macht uns mit den Denkmälern der Stadt bekannt. Ein Gang durch unsere öffentlichen Gärten und Anlagen zeigt unsere Residenz als eine Stadt im Grünen. Ferner führt uns der Verfasser des Führers durch die zahlreichen Sammlungen von Kunst, Natur und Wissenschaft von der Gemäldegalerie hinüber zu dem eigenen Haus des Kunstvereins und zu den sonstigen zahlreichen Sammlungen, die uns auf allen Gebieten der Kunst, des kunstgewerblichen wie werktägigen Lebens geboten werden. Dabei ist es dem Verfasser vortrefflich gelungen, eine sinngemäße Zusammenstellung der einzelnen Sammlungen in ihren einzelnen Abteilungen und in ihrer Bedeutung zu finden und so den Besuch wesentlich zu erleichtern. Weiter gewinnt der Leser ein getreues Bild des hocherfreulichen Schulwesens unserer Stadt. Ein weiteres Kapitel ist dem geistigen und geselligen Leben gewidmet, das schon unter dem gelehrten und geistreichen Fürsten Karl Friedrich zu schöner Blüte gelangte und den Namen Karlsruhe in den deutschen Gauen bekannt machte. Der Verfasser zeigt dann, wie auch auf dem Gebiete der Oper und des Schauspiels, sowie des Konzertwesens Karlsruhe einen wohlbekannten Namen in der Geschichte der schöngeistigen Künste einnimmt. Endlich ist der „bildenden Kunst und dem K u n st g e w e r b e", das in Karlsruhe eine bekannte Heimstätte gefunden, ein eingehendes Kapitel gewidmet, auch Handel, Industrie und Verkehr finden gebührende Berücksichtigung. Weiterhin enthält der Führer eine Reihe von Spaziergängen und Ausflügen in die nähere und weitere Umgebung der Stadt und erweist sich auch nach dieser Richtung als ein nützliches Buch, nicht nur in der Hand des Fremden, sondern Wohl auch vielfach des einheimischen Bürgers. Möge dies Büchlein, mit dessen zweckdienlicher Verbreitung der Stadtrat den hiesigen Verkehrsverein betraut hat, in seinem neuen Kleid mit seinem reichen Inhalt dem Fremden ein freundlicher Führer durch Badens schöne Residenz sein und derselben zugleich neue Freunde zu den alten hinzu gewinnen. ü (Im Apollotheater) erfreuen sich die reichhaltigen Vorstellungen eines guten Besuchs und vielen Beifalls. Das Programm dieser Vorstellungsserie (bis Mitte Dezember) weist Wiele originelle und sehenswerte Nummerjn auf. Da ist vor allem der bekannte Bauchredner Paul Carro, der mit seiner täuschenden Kunst eine ganze Puppengesellschaft unterhaltend belebt und beredt macht. Erstaunliches bietet die graziöse Gelenkphan'tastin Miß Leona; sehr gewandt ist auch die Jongleuse auf dem schlappen Drahtseil, Mjiß Elly. Tüchtige Turner am Trapez sind die 3 Orions, deren Gymnastikakt ebne durchaus eigenartige Leistung darstellt. Ferner sind zu nennen: die fesche Wiener Soubrette Girardi, das Kunstgesangsquartett „Melodia", sowie die Gebirgsszene des Komikers Seppl Mauermeier und der Burleskakt der beiden Beirottes, der, wie auch die Gebirgsszene, viel Heiterkeit erregt uüd einen wirksamen Abschluß der Vorstellung bildet. 23 (Sitzung der Strafkammer II vom 5. Dezember.) Vorsitzender: Landgerichtsdirektor Dr. Eller. Vertreter der Großh. Staatsanwaltschaft: Staatsanwalt Dr. Rudmann. — Die Mehrzahl der heute zur Verhandlung stehenden Fälle waren Berufungen. — Von der Anklage wegen Ueber- tretung der Baupolizeiordnung wurden der Architekt Kart Faller und der Fabrikant Theodor Dengle aus Pforzheim freigesprochen. — Eine rohe Tat führte den Steinbrecher Josef Baumann aus Sacca vor die Strafkammer. Der Angeklagte hatte mit dem Steinbrecher Josef Tautz aus geringfügiger Ursache Streit bekommen, in dessen Verlaufener seinem Gegner mit einem eisernen, etwa 1 Meter langen Steinbohrer zwei wuchtige Hiebe auf den Kopf und einen Hieb auf den linken Arm versetzte. Tautz war lange Zeit besinnungslos. Das Gericht erkannte gegen Baumann wegen erschwerter Körperverletzung auf 1 Jahr 9 Monate Gefängnis, abzüglich 3 Monate Untersuchungshaft. ^ c, Mannheim, 0. Dez. Die Volkszählung ergab hier 162 607 anwesende Personen, gegen 141 113 im Jahre 1900. V Heidelberg, 6, Dez. Im Kunstoerein ist zurzeit eine Se- parataussrellung von Landschaften der hier lebenden Malerin Frau F e i st e l - R o m e de r veranstaltet, welche allgemeines Interesse sinder. —> Im Stadttheater gelangte am Montag Ibsens „Gabriel Borkmann" zum erstenmal zur Aufführung. Ihm wird „Hedda Gabler" folgen. — Einen wie bedeutende« Aufschwung der Gesangverein „Liedertafel" genommen har, bewies das große Konzert, das dieser am letzten Sonntag in der Stadrhalle gegeben har, P Vom Oberland, 6. Dez. Für die neu geschaffene Stelle eines Kurkommissärs in Badenweiler ist Herr Schriftsteller Stege mann, welcher bisher in der Redaktion der „Basler Nachrichten" tätig war, gewonnen. Herr Stegemann wird seinen neuen Posten, welcher mit einem Einkommen von 4000 M. und freier Wohnung verbunden ist, am 1. März k. I. antretcn. — Der zurzeit dem Reichstag vorliegende Etat enthält, wie milgetcilt, weitere Raten für den Kasernen- bau in Müllheim, Mit den Bauten ist bereits seit dem vergangenen Frühjahr begonnen worden ; dieselben befinden sich auf dem nördlichen Gemarkungsteil außerhalb der Stadt und wachsen bereits umfangreich aus dem Boden heraus, H Vom Bodensee, 3. Dez. Ter Kur- undVerkehrs-- verein Konstanz hielt dieser Tage tm Hotel „Schönebeck" seine Generalversammlung' ab, Der Kassenbericht balanciert in Einnahme und Ausgabe mit einer Summe von 18 610 M. Nach dem Jahresbericht nahmen in Konstanz Wohnung 41 109 Deutsche, 4542 Schweizer, 1303 Franzosen, 1188 Engländer, 530 Holländer, 872 Italiener, 180 Spanier, 530 Russen, 1103 Amerikaner, 667 Oesterreicher, 415 Belgier und 363 Angehörige anderer Nationen. Der Gesamtfremdenzufluß zu den Hotels betrug 65 000, gegen 51 000 im Vorjahr. — Wie wir hören, verarbeitet die neu eingerichtete Käserei zu Stockach allwöchentlich 2700 Liter Milch, von welchem Quantum an Werktagen regelmäßig 400 Liter von auswärtigen Stationen per Bahn geliefert werden. Die Käserei vergütet den Milchproduzenten 12 Ps. pro Liter, — Das neue Kurhotel im Stadtwald bei Villingen, Gemarkung Unterkirnach, das Burghotel, wurde von dem Besitzer Jörger um den Preis von 310 000 M. an die Herren Gebe. L. und A, Kienast, bisher Direktoren des Hotels Quirinal in Rom und du Louvre in Mentone verkauft. Die Käufer stammen aus Hochstetten bei Haslach, sind also Schwarzwälder. Tic Uebernahme erfolgt am 1. Mai 1906. * Kleine Nachrichten anS Baden. In Leutershausen (Amt Weinheim) spielte das fünfjährige Söhnchen des Taglöhners Adam Gräf am Herdfeuer. Seine Kleider gerieten in Brand und der Kleine erlitt fürchterliche Brandwunden. Er dürfte kaum mit dem Leben davonkommen. In der Försterschen Brauerei geriet der 16 Jahre alte Michael Kanzler in die Transmission, Er verletzte sich so schwer, daß alsbald der Tod eintrat. — Zum Zwecke der Herstellung guter und billiger Wohnungen für die Arbeiterschaft wurde in Furtwangen ein Bauverein gegründet. — Für den Triberger Bezirk wurde ein Trachtcnverein gegründet. Solche Vereine bestehen für die Bezirke Kehl, Oberkirch, Offenburg, Waldkirch und Wol- fach. — Die neue Bahnlinie Mimmenhausen—Frickingen wurde in feierlicher Weise eröffnet. An der Extrafahrt nach Ueberlingen nahmen gegen 900 Schulkinder und 100 Erwachsene teil. — Der Reichshaushalts e tat für 1906 enthält eine Forderung von 43 850 M. zum Zwecke der Errichtung einer D ra ch e n sta t i o n am Bodensee zur Erforschung der oberen Luftschichten. Zum vorläufigen Betrieb der meteorologischen Drachenstation hat die württem- bergische Regierung schon wiederholt Beiträge geleistet. — Der Kur- und Verkehrsverein in Konstanz bewilligte für die Ho hentwielfe st spiele einen Beitrag von 1000 M. — Ter landwirtschaftliche Bezirksverein in Eber bach hat beschlossen, um eine ausgeglichene Zucht zu schaffen, an Stelle des jetzt vorhandenen ungleich gezüchteten Edel- schweins, eine Anzahl Tiere des veredelten westfälischen unv Marschen-Schweines im Gesamtbeträge von etwa 5000 M, aus berühmten norddeutschen Zuchten einzuführen, — Für die Opfer des russischen Massenmordes gingen in Mannheim 109 212 M. ein, — Die acht Jahre alte Volksschülerin Helena Eichhorn in Mannheim wollte aus ein in der Fahrt befindliches Lastfuhrwerk klettern. Das Mädchen kam zu Fall, wurde überfahren und so schwer verletzt, daß es nach wenigen Stunden starb. — Aus Wiesloch wird gemeldet: Am Samstag abend wurde beim Durchfahren des Schnellzuges der Ablöser Weigel von Maischenberg überfahren. >— In Schwetzingen wurden bei der städtischen Sparkasse im November eingelegt 182 373 M., rückerhoben 97 931 M. —' Dem Bürger ausschuß in Freiburg ging eine stadträtltche Vorlage, betreffend Erbauung eines Kr a f t w e r k e s a m R h e rn zu. Es wird ein Kredit bis zu 20 000 M, angefordert, teils zur Deckung der Kosten für die Ausarbeitung eines Projektes, teils als Honorar für den damit betrauten Ingenieur. — In Freiburg schlug der Brotpreis pro Pfund um 1 Pf. auf. — Die Pläne zur Restauration des Münsters in Billingen sind eingetrosfen, Ter Kostenvoranschlag sieht laut „Vill. Volksbl." 320 000 M. vor. — Der Preis des Schweinefleisches ging in Billingen um 5 Pf. zurück. — Die Frau des Fabrikarbeiters Schwendemann in Zell a. H. wurde von einer Kuh derart getreten, daß sie nach kurzer Zeit den erlittenen Verletzungen erlag. — In Enzberg (Amt Pforzheim) brannten das Anwesen des Landwirts M. Siegel und die Scheune des Wirts Hessel- schwerdt nieder. Der Schaden beträgt etwa 14000 M. Man vermutet Brandstiftung. — Ilm Sonntag den 10. d. M. findet in der Michelhalle in Offenburg eine Landesversammlung der Gemeinde- und Krankentassenrechner in Baden behufs Gründung eines Landesverbandes statt. Dieser konstituierenden Versammlung wird in den betreffenden Kreisen mit Interesse entgegengesehen. — Bei der Ortskrankenkassenwahl in Offenburg siegten die christlichen Arbeiter. — Die Schokoladenfabrik PH. Suchard in Lörrach erläßt an die im Grotzherzogtum Baden wohnhaften Architekten ein Preisausschreiben zu einem Planwettbewerb für Arbeiterhäuser von einer und zwei Wohnungen. Schluß der Einsendungen ist am 31. Januar n. I. Es sind drei Preise von 600, 400 und 300 M. ausgesetzt. — Im Alter von 63 Jahren starb in Schopfheim Herr Postmeister a. T. Josef Fischer infolge Blutvergiftung. Derselbe stand nahezu 25 Jahre an der Spitze der dortigen Postverwaltung. — Aus Konstanz wird gemeldet: Im Stadtteil Petershausen lvird gegenwärtig ein Postgebäude erbaut. Weiter soll dort ein neues Volks schulhaus erstellt werden. Die Stadt stellte für den Bau einer katholischen Kirche den Platz kostenlos zur Verfügung. Unsere Stadt zählt jetzt 25 000 Einwohner. Die Nachbargemeinde Singen a. H. hat 5100 Einwohner. — Vom Bodensee wird gemeldet: In zwei Tagen wurden rd. 8000 Stück Blaufelchender Konstanzer Kschgroß- handlung Gebrüder Einhart, Hoflieferanten, von ihren Fischern geliefert. Diese Massenfänge ermöglichen, daß die gesuchten und beliebten Blaufelchen zum Preise von 50 bis 60 Pf. per Stück verkauft werden können. — Ihre Königliche Hoheit die Groß Herzogin verlieh der Margarete Schreckenberger, seit 50 Jahren bei Herrn Bäckermeister Laumann in Neckarhausen bedienstet, das goldene Ehrenkreuz. — Das zweijährige Söhnchen eines Postboten in Mannheim verfrühte sich derart mit kochendem Kaffee, daß der Tod nach wenigen Tagen eintrat. — In Bruchsal wurde ein Grund- und Hausbesitzerverein gegründet, dem bereits 200 Mitglieder beitraten. — Wie der „Ortenauer Bote" meldet, findet die Landesversammlung der jungliberalen Vereine Badens am 10. und 11. März in Pforzheim statt. - Am 9. Dezember tagt in Baden-Baden eine Konferenz der Oberbürgermeister des Landes. — Zu dem Konkurs des Lahrer Bankvereins meldet die „Lahrer Zeitung" : Nach dem Bericht des Konkursverwalters ist die Aftiv- masse auf 702 000 M. festgesetzt, wovon nach Abzug von 218 000 M. bevorrechtigten Forderungen 484 000 M. verfügbar sind. Demgegenüber betragen die Passiva 1 562 000 M., so daß eine Quote von 35V- Proz. in Aussicht steht. — Ihre Königliche Hoheit die Grotzherzogin verlieh dem „Bad. Beob." zufolge der Frau Kunigunde Bieg von Ober- säckingen, die bei der Gesellschaft für Bandfabrikation hier beschäftigt ist, das goldene Kreuz für 60jährige Arbeitszeit. — In Oberochsenbach (Amt Pfullendorf) brannte das Anwesen des Landwirts I. Keller nieder. Das Feuer entstand durch Selbstentzündung des Oehmds. Der Schaden beträgt mehrere 1000 M. Der Beschädigte ist versichert. —. Der 35 Jahre alte, in Mannheim von seiner Frau getrennt lebende Taglöhner Alois Scherer aus Sulzweier bei Offenburg wurde verhaftet, weil er sein uneheliches, anderthalb Jahre altes Töchterchen derart mißhandelte, daß es einen Schädelbruch und mehrere Rippenbrüche erlitt und bald darauf st a r b. Neueste Nachrichten unö Telegramme. * Berlin, 6. Dez. Ter Kommandant des Kreuzers „Thetis" meldet vom 4. aus Dar-es-Salaam: Oberleutnant zur See Sommerfeldt hat einen Heber- fall ausgeführt und ein aufständisches Dorf zerstört: der Feind hatte Tote und Verwundete. Der Gesundheitszustand ist befriedigend. * Dresden, 5. Dez. Seine Königliche Hoheit Herzog Eduard von Sachfen-Koburg-Gotha ist heute zum Besuche Seiner Majestät des Königs hier eftigetroffen. Der Herzog wurde vom König ä lu suite des Ulanenregiments Nr. 18 gestellt. V VHM * Bern, 6. Dez. Der Bundesrat unterbreitete der am 4. Dezember erüsfneten Bundesversammlung als dringlich einen sofort in Kraft zu setzenden Bundesbeschluß, durch welchen die Ableitung elektrischer Energie, welche aus inländischer Wasserkraft gewonnen wird, ins Ausland von der Erteilung der bundesrätlichen Bewilligung abhängig gemacht wird. * Paris, 6. Dez. Der Senat nahm in der gestrigen Sitzung sämtliche noch unerledigte Artikel der Vorlage, betreffend Trennung von Kirche und Staat an, die in der Kammer bereits angenommen worden Waren. Im Laufe der Verhandlungen erhob Legrand im Namen der liberalen Republikaner Einspruch gegen das Gesetz, und erklärte dasselbe für unpolitisch, ungeeignet, unausführbar und gefährlich. Chamaillard protestierte heftig gegen die Kündigung des Konkordates ohne vorhergehende Verhandlungen mit dem Vatikan. Die Abstimmung über die Vorlage im ganzen erfolgt heute, * London, 6. Dez, Campbell Bannerman ha: Seiner Majestät dem König mitgeteilt, daß es ihm nicht möglich sei, die Liste der neuen Mitglieder des Kabinetts vor Montag zu unterbreiten. * Madrid, 6. Dez. Die „Epoca" kommt auf die von auswärtigen Blättern wiederholte Mitteilung zurück, Deutschland sehe seine Beziehungen zu Spanien als korrekt, aber nicht als freundschaftlich an, weil der Plan einer Verheiratung des Königs mit einer deutschen Prinzessin zurückgewiesen worden sei. Das Blatt dementiert in formeller Weise, daß Deutschland jemals auf die Heiratspläne oes Königs einen Einfluß ausgeübt habe, und daß die Herzlichkeit der deutsch - spanisch e n B e z i e h u n g e n in Frage gestellt war. Die „Epoca" versichert, die Beziehungen zwischen beiden Ländern hätten im Gegenteil den Charakter von Herzlichkeit und Vertrauen, wozu sich Spanien Glück wünschen müsse. * Tsingtau, 6. Dez, Das neue Zusatzabkommen zur deutsch-chinesischen Zollvereinbarung über das Kiautschougebiet, das, wie gemeldet, vom deutschen Gesandten in Peking, Freiherrn Mumm von Schwarzenstein, und dem Direktor der chinesischen Seezölle, Sir Robert Hart, unterzeichnet und das deutscherseits auf Wunsch der Tsingtauer Kaufmannschaft und nach Anhörung der chinesischen und der deutschen Interessenvertretungen abgeschlossen ist, bestimmt, daß fortan ein beschränktes Freihafen gebiet geschaffen und der übrige Teil des deutschen Schutzgebietes an das chinesische Zollgebiet angegliedert werde. * Tokio, 5. Dez. Wiegen einer starken Meinungsverschiedenheit zwischen dem Unterrichtsminister und der kaiserlichen Universität reichten achtProfessoren heute ihre Entlassung ein. Man hält es für wahrscheinlich, daß die mit dieser Angelegenheit in Verbindung stehende Erregung um sich greifen und die. Stellung des Kabinetts erschüttern werde. Nevfchieöenes. i Berlin, 5. Dez. Nach einer kaiserlichen Kabinettsordre legen sämtliche Mitglieder des Sanftärsoffizierkorps für den verstorbenen Generalstabsarzt Leuthold dreitägige Trauer an. f- Breslau, 6. Dez. Eine Nummer der „Volkswacht" mit einem Wahlrechtsaufrufe wurde konfisziert. In den Geschäftsräumen wurde eine Haussuchung abgehalten. —> Der Domäneinfiskus kaufte von der Landbank die 8500 Morgen große Herrschaft Schwieben behufs Umwandlung in eine königliche Do man«. p Stuttgart, 6. Dez. Seine Majestät der König hat zum gestrigen Jubiläum des Dragonerregiments „König" den Generalleutnant z. D, Grafen v. Zeppelin, der durch feinen kühnen Erkundigungsritt im Anfang des deutsch-französischen Krieges und neuerdings durch seine Luftschiffbersuche bekannt ist, den Charakrer als General der Kavallerie verliehen. — Nach der gestrigen Parade fand in der Gewerbehalle für 3500 aktive und frühere Mannschaften ein Festmahl statt, dem auch der König, die Prinzen und die gesamte Generalität beiwohnten. Der König brachte einen Trinkspruch auf Seine Majestät den Kaiser ans. i Stuttgart, 6. Dez. Das Kultusministerium hat, wie der „Staatsanzeiger" berichtet, angeordnet, daß reichsangehörige weibliche Personen unter den gleichen Bedingungen und in der gleichen Weise an der Technischen Hochschule zu Stuttgart als ordentliche Studierende ausgenommen werden. -f London, 6. Dez. Ein Teil des Dachgewölbes der Eisenbahnstatton Charing-Croß stürzte gestern nachmittag mit furchtbarem Krach zusammen. Die größten eisernen Dachsparren fielen auf die darunter befindlichen Züge und Gleise, die dadurch zeitweise vollständig gesperrt wurden. Man befürchtet, daß mehrere Arbeiter getötet sind; Reisende find, soweit bekannt, nicht verletzt. — Ein später eingerrvffenes Telegramm meldet: Von den bei dem Einsturz auf dem Bahnhofe Charing-Croß Verunglückten sind 28 Personen in das Hospital verbracht worden. Bisher sind vier Tote ermittelt worden; vermißt werden sieben Personen. Es ist aber unmöglich, die Zahl der Toten und Verletzten festzustellen, die sich noch unrer den großen Trümmermassen befinden. Es sind auch einige der vor dem Bahnhofe haltenden Droschken zertrümmert, sowie mehrere Droschkenkutscher verletzt und zwei Droschksn- pferde getötet worden. Die herabfallenden Dachsparren haben ferner das Dach des „Avenue-Theaters" beschädigt. Ein Festlandszug wurde vor der Station angehalten, unmittelbar bevor sich der Einsturz ereignete. f Halifax, 6. Dez. Montag früh trieb im Schneesturm der Dampfer „Lunenburg" bei Neu-Schottland auf Grund. Der Eigentümer des Schiffes, der Mitglied des Parlaments von Quebec ist, und 10 Mann der Besatzung sind ertrunken. Sechs Mann konnten gerettet werden. Wetterbericht des Zentralbureaus für Meteorologie und Hvdr. vom 6. Dezember 1905. Der Luftdruck nimmt heute von einem Maximum, das Osteuropa bedeckt, bis zu einer Depression ab, die nördlich von Schottland liegt. In Deutschland ist das Wetter trüb mit Regen- und Schneesällen. In Mitteleuropa sind nunmehr südwestliche Winde vorherrschend geworden, welche in Frankreich schon am Morgen Erwärmung gebracht hatten. Wärmeres Wetter mit Niederschlägen ist zu erwarten. Wetternachrichten aus dem Süden vom 6, Dezember 1905, früh. Lugano wolkenlos —2 Grad; Biarritz bedeckt 11 Grad; Nizza heiter 6 Grad; Triest wolkenlos 5 Grad; Florenz bedeckt 7 Grad; Rom bedeckt 9 Grad; Cagliari heiter 13 Grad; Brindisi bedeckt 12 Grad. WitterungSbeobachtunge« der Mrteorolog. Statt»« Karlsruhe. Dezember Barom. Thenn, in 0 . «bsol. Zeucht. Feuchtigkeit m Pro,. Wind Himmel 5. Nachts S«U. 754.8 0,5 3.6 75 SW bedeckt 6,Mrgs. 7-U. 753,3 15 3.8 74 6-Mittgs. 2«N. 752.4 4.1 5,1 84 L ' Regen. Höchste Temperatur am 5. Dezember: 1.4; niedrigste in der darauffolgenden Nacht: 0.0. Niederschlagsmenge des 5. Dezember: 0.0 mm, Wasserstand des Rheins. Maxa». 6, Dezember: 3.88 m, gefallen 2 om. Sammlung für unsere Truppen in Südwestafrika. Mit größtem Heldenmut, unter schwersten Entbehrungen aller Art, mit übermenschlicher Anstrengung kämpfen und bluten unsere wackern deutschen Krieger fern der Heimat. Gegen einen zähen Feind, unter den ungünstigsten Verhältnissen leisten sie, des Landes und dessen wechselvoller Natur ungewohnt, in deutscher Pflichterfüllung das Höchste. Deutsche, gedenkt Eurer kämpfenden Brüder! Gebt rasch und reichlich! Die Hälfte des eingegangenen Geldes wird für die aus Afrika heimkehrenden stellenlosen Krieger zurückbehalten, der Rest der Sammlung dem Badischen Roten Kreuz zu sofortiger Verwendung zugewiesen. Zur Entgegennahme von Beiträgen haben sich freundlichst bereit erklärt: Rheinische Kreditbank, Waldstraße 1, Filiale der Badischen Bank, Friedrichsplatz 12. Bankier Hecht (in Firma Heinrich Müller), Markgrafenstraße 51. Bieleseldsche Hofbuchhandlung» Marktplatz, nnd Buchhandlung von Willer und Grass, in den drei Geschäften: Kaiserstraße 80a, Seminarstraße 6 und Westendstrahe 63. Auch die Expedition der „Karlsruher Zeitung" ist gerne bereit. Gaben in Empfang zu nehmen. vr. Theodor Liingin, Vorsitzender des Deutschen Schulvereins, Ortsgruppe Karlsruhe, vr. Ernst Boefser, Vorsitzender des Alldeutschen Verbandes, Ortsgruppe Karlsruhe, vr. A. von Oechelhaeuser, Vorsitzender der Abt. Karlsruhe der Deutschen Kolomalgesellschaft. cantwortlicher Redakteur: Julius Katz in Karlsruhe. Druck und Verlag: Braunsche Hofbuchdrnckerei in Karlsruhe. vre neuen Mei veuttckesMacheMch ir.vs. veuttctm stnabeilblicb,<>. «an« Jahrbücher der Unterhaltung, Belehrung«. Beschäftigung für Mädchen, andern» teil» «naben von ls-is Jahren. Stattliche Seschenlbände von je 110 Setten mit über 2SV schwarzen und farbigen Bildern in festlichem Sindand. Drei« je M. S.dv lMädchenbnch g/IO Bd., Knabenbuch 1S/1S Bd, zu herabgesetzte» Preise«) strick rn allen Huebbsucklunaen vorrntta. ir. Okienemanns Verlag in StutteraM. kini'slimungsn IQ svirlsn USlLsri» und Llasss Ligeve Usristätts LleNr. öetrikd L. 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Es ist zur Beschlußfassung über die Wahl eines andern Verwalters, sowie über die Bestellung eines Gläubigerausschusses und eintretendenfalls über die in 8 132 der Konkursordnung be- zeichneten Gegenstände und zur Prüfung der angemeldeten Forderungen a>4 Mittwoch den 3. Januar 1906, vormittags 9 Uhr, vor dem diesseitigen Gerichte, Made- >VMlMllt8-LlI88t8lIlII1g 8!^08 I Xaissrstrasse 8r. 104, Uerrenstrasoe koke. j