arlsMer Zritim Dienstag, l!j. Dezember. 4 342 . >wck»8tteSrtch»Stt«He Ar. 14 (Lrlrphonantchluß Nr, 1L4), woselbst auch bte Anjettzen t« Empfang genammen werde». Nertrljichrltch » M. SV Ps.) durch bte Post tm «rbtete der deutschen Poftverwaltung, Brteftrtgergebühr eingerechnet, » M.«» W. « Etnrückuugl gebühr: die gespaltene Petitzetle oder deren Raum SS Pf. Briefe und Beider frei. W.ERR^4Wch >»>d«rb»»gßr D ru ck sa ch e« «ch Karrespaudenzrn jeder Art, sowie Rezensionsexemplare »erden nicht zurückgesandt und übernimmt dt« Redaktion dadurch keinerlei Verpflichtung zu irgendwelcher Vergütung. Amtlicher Teil. Ge1»e «»»tglichr H,heit der Großherzog haben S i ch unter dem 14. November d. I. gnädigst bewogen gefunden, den nachgenannten Königlich Bayerischen Hof- und Staatsbeamten, Offizieren rc. die folgenden Auszeichnungen zu verleihen, und zwar: den Hausorden der Treue: dem Oberststallmeister Karl Grafen Wolffskeel von Reichenberg; kl. vom Orden Berthold des Ersten: 1. die goldene Kette zum Großkreuz: dem Obersthofmarschall Albrecht Grafen von Seinsheim und dem Generaladjutanten, General der Kavallerie, Alfons Grafen von Lerchenfeld-Prenn- berg; 2. das Großkreuz: dem Staatsminister des Königlicher: Hauses und des Aeußern, Vorsitzenden im Ministerrat, Klemens Freiherrn von Podewils-Dürniz: 3. das Kommandeurkreuz zweiter Klaffe: dem rechtskundigen ersten Bürgermeister in Nürnberg, Geheimen Hofrat Or. Georg Ritter vonSchuh; vom Orden vom ZLHringer Löwen: 1. die goldene Kette zum Großkreuz: dem außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister Kurt Freiherrn von derPfordten; 2. das Großkreuz: dem Generalleutnant Theodor von Zwehl, Kommandeur der 6. Division; 3. das Kommandeurkreuz zweiter Klasse: dem Kämmerer, Regierungsrat a. D-, Christoph Freiherrn Tücher von Simmelsdorf, dem Ministerialrat im Staatsministerium des Königlichen Hauses und des Aeußern Friedrich Ritter von Graf und dem Professor an der Akademie der bildenden Künste in München Wilhelm Ritter von Rümann; 4. das Ritterkreuz erster Klasse: dem Rcgierungsrat bei der Eisenbahnbetriebsdirektion Würzburg Wilhelm Schuttes und dein Rat beim Obersthofmarschall - Stab Luitpold Werz; 5. das Ritterkreuz zweiter Klasse mit Eichenlaub: dein Hauptmann Steinmetz, Batteriechef im 1. Feld-Artillerie-Regiment und dem Hauptmann Otto Schulz, Kompaniechef , im 14. Infanterie-Regiment; 6. das Ritterkreuz zweiter Klasse: dem Oberleutnant Heinrich Freiherrn von Pech- mann, sowie den Leutnants Eugen Eidam, Wilhelm, Freiherrn von Iinhoff und Franz Euler im 14. Infanterie-Regiment; j). die silberne Verdienstmedaille: dem Feldwebel Re der im gleichen Regiment. Sei»e Königliche Hoheit der Großherzog haben Sich unter dem 11. Dezember d. I. gnädigst bewogen gefunden, dem Präsidenten des Ministeriums der Finanzen, Geheimen Rat I. Klasse Eugen Becker das Großkreuz Höchstihres Ordens voni Zähringer Löwen zu verleihen. «eine Königliche Hoheit der Grotzherzog haben 'unterm 30. November d. I. gnädigst geruht, den ordentlichen Professor der Geschichte an der Universität Freiburg, Geheimen Hofrat vr. vonBelow, zum ordentlichen Mitglieds der badischen historischen Kommission zu ernennen. Vom Großh. Ministerium der Justiz, des Kultus und Unterrichts wurde unterm 6. Dezember d. I. die Wahl des Großh. Archivassessors Fritz Frankhauser dahier zum außerordentlichen Mitglied, sowie des wissenschaftlichen Hilfsarbeiters am Kaiserlichen Bezirksarchiv in Straßburg i. E., vr. Haus Kaiser, zum korrespondierenden Mitglied der badischen historischen Kommission bestätigt. Get«e Köuigliche Hoheit der Großherzog haben 1. unterm 30. November d. I. gnädigst geruht, den Notar Emil von Litschgi in Freiburg auf sein untertänigstes Ansuchen wegen leidender Gesundheit unter Anerkennung seiner langjährigen und treuen Dienste in den Ruhestand zu versetzen, und den Notar Josef Tilger in Lahr in den Amts- gerichtsbezirk Freiburg zu versetzen: 2. S i ch unterm 2. Dezember d. I. gnädigst bewogen gefunden, dem Notar Emil vonLitschgiin Freiburg das Ritterkreuz erster Klasse mit Eichenlaub Höchstihres Ordens vom Zähringer Löwen zu ver leihen. Das Ministerium der Justiz, des Kultus und Unterrichts hat unterm 9. Dezember d. I. das Notariat Freiburg l dem Notar Gärt n e r , das Notariat Freiburg II dem Notar Dilger und das Notariat Lahr I dem Notar Mehr zugewiesen. Nicht-Amtlicher Geil. Deutsche AuSlaudpolitik. Abgesehen von der trefflichen, den radikalsten Teilen der Sozialdemokratie sehr verständlichen und in ihren Konsequenzen wohl verstandenen Abfertigung derer uni Bebel, hat der Reichskanzler am Samstag im Reichstage nochmals unsere Beziehungen zum Auslande erörtert. Diese Reden des Fürsten Bülow sind überall sehr beachtet worden. In -Oesterreich - Ungarn und in Italien sind Stimmen laut geworden, die die Kundgebungen, sowohl ihren Zielen, wie ihrer Bedeutung nach zu würdigen wissen. Wenn man die gleiche Wahrnehmung an der englischen und der französischen Presse zu machen keine Gelegenheit findet, so beweist dies lediglich, daß man dort noch nicht geneigt ist, den Standpunkt zu wählen, von dem aus allein eine richtige Perspektive auf die Richtung und die Absichten der deutschen Staatskunst zu gewinnen ist. Wir haben cs da fortgesetzt mit der Abneigung zu tim, die deutsche Potilik so zu nehmen, wie sie ist. und mit dem Bestreben, überall Nebenabsichten zu suchen, die sich bald gegen die eine, bald gegen die andere Macht kehren sollen. Jeder Leser der Kanzlerreden hat den Eindruck, daß sie auf einen ernsten Ton gestimmt waren, aber jeder Unbefangene muß ihnen gleichzeitig entnehmen, daß der Reichskanzler weder zu düstere Farben anwandte, noch auch irgend eine Wendung brauchte, die berechtigte Empfindlichkeiten hätte verletzen können. In der Tat gab Fürst von Bülow gerade in dein Marokko betreffenden Teile seiner Rede lediglich eine objektive Darstellung des Verlaufs der marokkanischen Schwierigkeiten, die durch die Verständigung mit Frankreich beseitigt worden sei. Allerdings bleibt der Konferenz in Algeriens noch die endgültige Regelung dieser Angelegenheit unter Berücksichtigung der daran beteiligten internationalen Interessen Vorbehalten. Werden die Verhandlungen der Konferenz von dem Geiste der Versöhnlichkeit und Billigkeit beseelt sein, so ist nicht abzusehen, weshalb sie das von Deutschland ins Auge gefaßte Ziel nicht in einer alle interessierten Mächte befriedigenden Weise erreichen sollten. Voraussetzung dafür ist, daß alle Regierungen mit dem gleichen guten Willen an die Aufgabe herantreten wie die deutsche. Tie Stellungnahme der bürgerlichen Parteien Deutschlands zu den Ausführungen des Reichskanzlers hat eine erfreuliche Einmütigkeit der weit überwiegenden Mehrheit des deutschen Volkes in der Billigung der deutschen Politik erkennen lassen: die Tatsache, daß Herrn Bebel im Auslande für seine Bekämpfung der deutschen Politik Beifall geklatscht wird, kann jene Einmütigkeit nur noch bedeutsamer machen. Tie Rede Bebels bot demjenigen wenig Neues, der die früheren ebenso langen und ebenso selbstgefälligen Etatsreden des sozialdemokratischen Protagonisten noch in Erinnerung bewahrt, höchstens daß man nach der Sprache, die von der Sozialdemokratie neuerdings in Versammlungen und in einem Teil ihrer Presse geführt wird, eigentlich auf noch gereiztere Ausfälle und Phrasen gefaßt sein mußte. Wo mit nicht gesagt sein soll, daß die Rede nicht auch diesmal in dem vaterlandsfeindlichen Versuch, die deutsche auswärtige Politik vor dem In- und Auslande herabzusetzen, das Menschenmögliche geleistet habe. Daß die Etatsreden Bebels der Leffentlichkeit, soweit sie nicht sozialdemokratisch immunisiert ist, mehr und mehr auf die Nerven fallen, beweist ein objektiver Ueberblick auf die Urteile, in die seitens der verschiedenen Parteiorgane der Eindruck über die jüngste rhetorische Leistung Bebels zu- sanimengefaßt wird. Das linksliberale „Berliner Tageblatt" meint, „in der Bebelschen Rede waren die kleineil Brillanten in einer Unmasse von leerem Stroh so versteckt, daß sie die allgemeine Ermüdung, von der je länger je mehr der Reichstag ergriffen wurde, nur zeitweilig überwinden konnten". Die fortschrittliche „Vossische Zeitung" erklärt: „Der ganze Unfehlbarkeitsdünkel, der sich neuerdings bei Herrn Bebel mehr und mehr ausgebildet hat, erprobte sich mit Glanz auf dem Gebiete der auswärtigen Politik. Er redete daß die „Times" und der „Figaro" und Herr Delcasse ihre Freude daran haben könnten. Es kann zweifelhaft sein, ob mit Herrn Bebel auch nur seine Frattionsgenossen allesamt einverstanden sind". Scharf spricht sich auch das „Deutsche Reich", das christlich-nationale Arbeiterblatt aus: „In der Tat wirkt Bebels Rede breit, kleinlich und selbstgefällig". Die „Germania" bezeichnet die Kritik Bebels als unehrlich und operetterchaft. Diese Stimmen aus so verschiedener: Parteilagern, unter denen das Gros der mittelparteilichen und rechtsstehenden Organe nicht einmal verteten isst mögen beweisen, daß die Glanzzeiten, in denen die Bebelsche „Generalabrechnung" mit der Regierung auch außerhalb seiner eigentlichen Parteikreise eines gewissen Achtungserfolges sicher war, dahin sind. 'Der Reichskanzler hat beide Male über die Beziehungen zum Auslande gesprochen, so ernst und nachdrücklich wie niemals zuvor. Man entsinnt sich keines Falles, wo ein Leiter der Politik des Deutschen Reichs die Lage so ungünstig dargcstellt hätte, wie Fürst Bülow, cs sei denn, daß mar: auf die Ausführungen des Fürsten Bismarck vom Januar 1887 und Februar 1888 zurückginge. Damals schickte Rußland Tag für Tag neue Truppei: an die preußische Grenze, während das rauchlose Pulver in den Köpfen der Franzosen eine gelinde Verwirrung anrichtete. Fürst Bismarck wandte sich nach Ostei: init der Versicherung, daß das Saldo der Dankbarkeit beglichen sei, und er machte den westlichen Nachbar darauf aufmerksam, daß ein neuer, frivol heranfbeschworener Krieg bis zum miZuer ä blanc dauern würde. Daß Deutschland keine kriegerischen Absichten hegte, hat die Erfahrung gelehrt. Die geharnischten Reden trugen mehr zur Sicherung des Friedens bei. als wenn Fürst Bismarck sich einer Zurückhaltung befleißigt hätte, die den Eindruck der Schwäche machen konnte. Ta Fürst Bülow heute zu ähnlichen Mitteln greift wie ehedem der erste Kanzler, wird die Vermutung nicht unbegründet erscheinen, daß die gegenwärtige Lage der damaligen ähnlich ist. Nur daß es sich um ein Zusammenwirken Frankreichs nicht mehr mit Rußland, sondern mit England handelt. Die Londoner Blätter tun, als ob Deutschland keinerlei Grund zu Mißtrauen habe, als ob dieses Mißtrauen eigentlich beleidigend sei. Mit Recht sagt da die „Vossische Zeitung": Wen will man damit täuschen? Ist es doch bekannt genug, daß der Krieg ausgebrochen wäre, wenn die Republik sich nicht des Herrn Delcasse und seiner Politik entledigt hätte. Herr Bebel schreibt seiner Parte: das Verdienst zu, den Krieg verhindert zu haben. Das ist eine kindliche Vorstellung. Tie Franzosen haben, mit Fug, zu viel Respekt vor der deutschen Wehrkraft, als daß sie sich selbst durch englische Unterstützung zu dein von Herrn Telcasse beabsichtigten Wagnis hätten treiben lassen. Sie wußten gut genug, daß über Sieg oder Niederlage schließlich nicht zu Wasser, sondern zu Lande entschieden wird, und daß möglicherweise die ganzen Kosten des Krieges Frankreich werde tragen müssen, während England immer gewinnen könnte, ob Deutschland oder Frankreich geschlagen wurde. Es läßt sich ernsthaft nicht bestreiten, daß die nachhaltigsten Versuche gemacht worden sind und immer noch gemacht werden, Deutschland zu isolieren, von seinen Bundesgenossen zu trennen, eine Koalition gegen das Deutsche Reich zu stände zu bringen. Bald sucht inan Italien zu ködern, indem man ihm Vorteile auf Kosten Oesterreich-Ungarns in Aussicht stellt: bald bemüht man sich, durch unsaubere Kanäle wieder Oesterreich-Ungams Bündnis mit Deutschland zu untergraben. Man scheut weder vor Versprechungen noch vor Verdächtigungen zurück, weder vor geheimen Anschuldigungen, noch vor offenen Fälschungen. Daß auch Rußland in eine solche Koalition einbezogen werden sollte, wird nicht in Abrede zu stellen sein. Aber haben die Wirren im Zarenreiche einen Strich durch diese Rechnung gemacht, wobei dahingestellt bleibe, ob sie jemals gestimmt hätte, da Rußland sich schwerlich hätte einsangen lassen, so scheint doch der Reichskanzler Anlaß zu der Meinung zu haben, daß eine Gefahr, die vor etlichen Monaten bestanden hat, wieder austauchen kann, zumal da die Verhandlungen in Algeciras unter Umständen unliebsame Ueberraschungen bringen. Und aus diesen Erwägungen wird man die Reden des Fürsten Bülow zu erklären haben. Er weiß, daß man die Gefahr sicherer abwendet, wenn man ihr beherzt entgegentritt, als wenn man furchtsam den Kopf in den Busch steckt. (Telegramm.) * Paris, 10. Dez. Der „Temps" schreib!, die gestrige Rede des Reichskanzlers sei von großem Interesse wegen der lebhaften Angriffe gegen die Sozialdemokratie und wegen der Erklärung über die Reift des Kaisers nach Tanger. Weiter heißt es im „Temps", wenn Deutschland wirklich wolle, daß die Bitterkeit der letzten Monate vergessen werde, warum beharre es so nachdrücklich auf Forderungen, die Repressalien gleichkommen? Warum gib: es sich den Anschein der Obstruktion und widerwilliger übler Laune? Wir stellen diese Frage in aller Aufrichtigkeit. Sobald Deutschland die bei uns hervorgerufene Ueberraschung zerstreut haben wird, wird es ohne Mühe feststellen können, daß seine Interessen in diesem Punkte mit den französischen über in st im men. „Echo de Paris" schreibt: Die. liberalen Katholiken und Sozialisten scheinen mit gleicher Beunruhigung der Polirik BUlows gegenüber zu stehen, die man nur dann begreife, ivenn sie der Ausdruck eines Willens ist, der ausdrücklich eine äußerste Lösung sucht. Deutscher WeicHstcrg. (Ergänzung des telegraphischen Berichts.) * Berlin, 9. Dezember. Abg. Baffermann (narl.) fortfahrend: Dem Grundgedanken der Erbschaftssteuer stehen die Narionalliberalen sympathisch gegenüber. > Ich persönlich habe nichts gegen die Ausdehnung auf Ehegatten und Deszendenten. Die Beseitigung der Soldatenmißhandlungen erhoffe ich von der Besserstellung der Unteroffiziere. Notwendig ist die Vereinheitlichung der Sozialgesetze und die Verbilligung der Verwaltung. Voraussetzung der Sozialreform ist die Sicherung der Stärke des Reiches nach innen und außen. Die Monarchie steht fest, trotz der großen Mittel der Sozialdemokratie. Aber die Monarchie muß die Fehler vermeiden. Man akzeptiert nicht mehr alles, weil cs alt und ererbt ist. In manchen Bundesstaaren ist mehr Entgegenkommen gegenüber den Volkswünschen notwendig. Erwünscht ist ein anderes Vorgehen bei den Stellenbesetzungen, auch eine Durchsicht unserer Diplomaten auf ihre Qualitäten. Der Redner befürwortet sodann eine großzügige Prozeßreform, eine billigere und schnellere Justiz durch Erweiterung der Zuständigkeit des einzelnen Richters bei besserer Besoldung des letzteren, und beklagt den frühzeitigen Schluß des Reichstages im Frühjahr. Er fordert Diäten für den Reichstag. Redner schließt: Vor den inneren Unruhen tvird uns die Opferwilligkeil der Besitzenden und das Verantwortlichkeirsgesühl der Arbeiterklassen bewahren, und sollte es einmal zum Kriege kommen, so wird das deutsche Volk hinter der Regierung stehen. Reichskanzler Fürst Bülow führt aus: Ich danke dem Vorredner für seine patriotischen Ausführungen. Der schwierigste Punkt der gegenwärtigen Lage sind die Verhältnisse in den Kolonien. Zwar ist der Widerstand der Herero und der Witbois gebrochen, aber der Wiederaufbau der südafrikanischen Kolonie ist eine überaus schwierige Aufgabe. Ich hoffe zuversichtlich, daß diese dem neuen Gouverneur gelingen wird und unsere Landsleute ihre Aufgabe ebenso ausdauernd und zäh erfüllen werden, wie unsere Truppen. (Bewegung.) Der Aufstand in Ostafrika ist in allen wichtigen. Punkten unterdrückt. Ein Trost bei den vielen schmerzlichen Verlusten und Menschenverlusten ist uns der Gedanke, daß in unserem Volke noch der alte Soldatengeist lebt. Die Offiziere und Mannschaften zeigten unter den schwierigsten Verhältnissen sich des deutschen Namens würdig. (Bravo!) Das Volk ivird dieser Kämpfe ebenso gedenken, wie jener, die die nationale Einheit hcrbeiführten. Die finanzielle Belastung infolge des Feldzuges ist ungemein schwer. Aber wir müssen durchhalten, wenn wir die Kolonien nichr preisgeben wollen. Ich glaube, daß durch das geflossene Mut die Kolonien mit dem Mutter- lande nur noch inniger verbunden werden. Wir müssen unserer Pflicht uns bewußt werden, die Kolonien in raschem Tempo vor- tvärts zu bringen, und zu einer Stütze unseres Wohlstandes zu machen. Begangene Fehler sind künftig zu vermeiden, namentlich übertriebene Sparsamkeit. Darum empfehlen ich Ihnen die Bahnvorlage Lüderitzbucht—Knbnb. Mein vor einigen Jahren entwickeltes Kolonienprogramm wird vollständig durchgeführt. Ich gebe Fehlgriffe der Kolonialverwaltung her der <ÄeIlenbesetznng zu. Ich bitte, dies aber nicht zu verallge- meiern. Ich hege zu dem neuen Chef der Kolonialverwaltung das Vertrauen, daß er tüchtige Leute in Wasserstiefeln nicht hinter weniger tüchtigeren in Lackstiefeln zurücksetzt. Entgegentreten mutz ich entschieden dem Angriffen gegen General von Trotha, der sich als tüchtiger und ausgezeichneter Heerführer erwiesen hat, und den ihm verliehenen Orden ?our le inerile vollkommen verdient. (Zuruf bei den Sozialdemokraten: Den hat Stöffel auch gekricAl) Trotha schwächte seine vielgenannte Proklamation an die Hereros aö durch de», gleichzeitigen Erlaß an die Truppen. Er wurde gleichwohl sofort von hier angewiesen, die Herero aufzunehmen und sich dabei der guten Dienste der Missionare zu bedienen. Fern vom Schuß ist leicht abzuurteilen I Nie wurde ein Kolonialkrieg mit größerer Menschlichkeit geführt. Die Flottenvorlage, welche das Haus zu meiner Freude günstig aufnahm, kann ich nicht besser begründen, als mit den Erwägungen, mit denen mein verehrter Freund, Herr Fortis, im Sommer die italienische Flottenvorlage begründete; erstens mit der Notwendigkeit der Verteidigung, zweitens mit den schnellen Fortschritten, die das Seewesen überall machte, drittens mit dem Hinweis, daß die Regierung sich auf das un- abweislich notwendige beschränkt, welches für alle Parteien das höchste Ziel sein müsse. Das ist richtig für uns, wie für Italien. Auch Roosevelt bezeichnet« die Flotte als das unentbehrlichste Werkzeug zur Hebung der Wohlfahrt des Landes und zur Aufrechterhaltung des Friedens. Japan hörte mit Recht nicht auf gute Leute, aber schlechte Musikanten, die vor den Flottencmsgaben warnten. Es ist volksfeindlich, zu sagen, der Friede ließe sich aufrecht erhalten ohne die notwendige Wehrkraft. Ein französischer Abgeordneter, ein Republikaner, sagte vor einiger Zeit mit Recht: „Te8 peuple8 korts sont Ie8 penple8 gu on on regpecte". Was die Heeresausgaben betrifft, so hob sich unser Wohlstand nicht trotz, sondern dank unserer Wehrkraft. Die Heeresausgaben steigen auch in anderen Ländern, dort sogar rascher. Trügen wir dem nicht Rechnung, so würden wir Wohlstand und Frieden und die Sicherheit des Landes gefährden. Bebel nannte die Kaiserreise nach Tanger eine „Provokationsreift", auch Bassermann erklärte nicht ganz mit der Reise einverstanden zu sein. Um allen Mißverständnissen vorzubeugen, betone ich, daß ich diesen Besuch, der schon im Februar in Erwägung gezogen war, und zu dem ich, nachdem die Marokkofrage ohne unsere Schuld akutere Gestalt angenommen hatte, geraten habe, mit meiner vollen politischen Verantwortung decke. Der Besuch hat dadurch, daß er den internationalen Charakter der Marokkofrage zum allgemeinen Bewußtsein brachte, nur nützlich gewirkt. Und indem der Kaiser seine Person für die deutschen Interessen und das deutsche Ansehen einfetzte, hat sich nach meiner Ueberzeugung der Kaiser nur um das Land verdient gemacht. In der Jaures-Sache tat die Regierung ihre Pflicht und Schuldigkeit. Die Regierung ließ sich in kritischer Zeit ihre Kreise nichr durch die Sozaldemokraten stören. Wir mußten uns fragen, würde die Anwesenheit Jaures' einen günstigen Eindruck auf Frankreich machen? Andrerseits lag die Gefahr vor, daß die deutsche Sozialdemokratie den Besuch für ihre politischen Zwecke ausschlachte. Die Sozialdemokratie wollte die Legende verbreiten, daß die böse Regierung sich mit Kriegsgedanken trage, durch die Sozialdemokratie aber daran gehindert worden sei. Die Sozialdemokratie wollte sich als Retterin des Kapitols auffpielen. (Gelächter rechts.) Ich werde alle der artige Versuche auch künftig in ihre Schranken zurückweisen. Bebel erklärte in Konstanz, bei einem Kriege zwischen Deutschland und Frankreich könnten Dinge eintreten wie in Rußland, also Revolution und Meuterei. Solche Aeußerungen ermutigen diejenigen, die hinterlistige und gehässige Gedanken gegen ^rs deutsche Volk hegen. Während ferner verständige Leute in England unsere Berechtigung zur Flottenvermeh rung anerkennen, erklärte Bebel vorgestern, diese Bermeh rung richte sich gegen England. Wenn man eine Prämie au' Äußerungen setzen würde, durch welche Mißtrauen zwischen Deutschland und England gesät werde, so würde dieser Mann Anspruch ans eine solche Prämie haben. (Bravo! rechts.) Bebel hat ferner erklärt, die Sozialdemokraten wür den es sich überlegen, ob sie gegebenen Falles das Vaterland verteidigen würden. Wo soll das entschieden iverden, aus einem Parteitag oder in einer Redak non mit ihren Zänkereien? Wo es sich um die Wohlfahrt des Volkes handelt, daß da die Sozialdemokratie es sich überlegen will, ob sie bereir ist zu kämpfen, ob sie also Verrat üben will oder nicht, das kann ich Ihnen (zum Abg. Bebel) raten, solche Tendenzen nicht an den Tag zu legen, wo Sie nicht unter dem Schutze der Immunität stehen! Aus naheliegenden Gründen will ich mich jeden Urteils über russische Verhältnisse enthalten aber die Verhältnisse in Deutschland liegen Ivesentlich anders als in Rußland. Wenn aber die Sozialdemokratie versuchen sollte, bei uns Plünderung und Meuchelmord und den Generalstreik einzubürgern, so würden solche Versuche zerschellen an der Festigkeit der Institutionen, an dem gesunden >Ann des deutschen Volkes, das sich nicht das Joch der Sozialdemokrat^ auferlegen lassen wird. (Lebhafter Beifall.) Abg. Dr. Müller-Sagan (fr. Vp.): Der Reichskanzler hat sich leider über die Frage der Tagegelder wieder völlig ausgeschwiegen. Wir arbeiten doch hier nicht pour le roi cke ?rÜ8se I Der Scbatzsckretär sollte doch, endlich einmal eine Reform der Bramowcinsicner in Angriff nehmen und die Liebesgaben für die Brenne r beseitigen. Die Matrikularbeiträge dür fen wir nicht anfgcücn, schon aus erzieherischen Gründen, und um nicht das Einnahmebcwilligungsrecht des Reichstages in Frage zu stellen. Die Reichserbschaftssteuer nehmen wir lieber als eine indirekte Steuer, obgleich uns eine Reichsvermöge ns st euer angenehmer wäre. Wie kann nur der Staatssekretär des Reichspostamtes einer Vorlage zustimmen, die den Pnketverkchr um 20 Proz. verteuert, und den P o st a n w e i s n n g s v e r k e h r erschwert. Er wäre ja der reine Anri-Srephan, und Herr v. Podbielski dagegen ein wahrer Postpionier. Abg. v. Kardorff (Reichsp.i billigt das Vorgeben des Reichs kanzlers gegen Jaures und gegen die Sozialdemokraten. Es ist ja möglich, daß ähnliche Ereignisse wie jetzt in Rußland auch bei uns eintreten können. Sie werden dann aber tvenigstens in einigen östlichen Landesteilen den Charakter von Judenverfolgungen tragen. Denken Sie an Könitz. Bebel hat Preußen als den'reaktionärsten Staat bezeichnet. Nun, welches große Land, mit Ausnahme von Norwegen, kann sich denn mit Preußen messen? Kein europäischer Staat kann sich rühmen, bessere Verivaltungsbeamte zu besitzen, als Deutschland. Darnach vertagt sich das Haus. Nächste Sitzung: Montag, nachmittags 1 Uhr. Tagesordnung: Kleinere Vorlagen und Fortsetzung der heutigen Beratung. —> Schluß gegen 6 Uhr. (Telegraphischer Bericht.) * Berlin, 11. Dezember. Präsident Graf Ballestrem eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 20 Min. Der Gesetzentwurf betreffend die Verlängerung der Gültigkeitsdauer des Gesetzes der militärischen Strafrechtspflege im Kiautschougebiete bis auf 1. Januar 1912 wird debattelos angenom- m e n und die Beratung des Handelsvertrags mit Bulgarien fortgesetzt. Abg. Graf Reventlow (Wirtsch. Vergg.) will diesen Vertrag, sowie das Handelsprovisoriuni mit England nur von einem beschlußfähigen Reichstage erledigen lassen. Abg. Kämpf (freist Vpt.) erkennt an, daß die deutschen Unterhändler sich bei den Verhandlungen große Mühe gegeben haben, um die sich aus der bulgarischen Gesetzgebung für den deutschen Handel ergebenden Schwierigkeiten aus dem Wege zu räumen. Abg. Bachem (Zentr.) beantragt angesichts der Ankündigung des Grafen Reventlow Ueberweisung des Vertrages an die Budgetkommission. Abg. Graf Kanitz (kons.) äußert, er würde sich diesem Vertrage gegenüber nicht ohne Weiteres ablehnend verhalten. Staatssekretär Graf v. Posadowsky wirft einen historischen Rückblick auf die Entwicklung der Politischen Verhältnisse in Bulgarien und das wirtschaftliche Verhältnis zu den Vertragsstaaten des Berliner Vertrages. Die Ein- und Ausfuhr nach Bulgarien habe ungefähr einen Wert von 28 Millionen Frank. Der Abschluß eines Tarifvertrages sei deshalb geboten. Unterstaatssekretär Wermuth betont, daß durch den Vertrag die deutschen Interessen nicht geschädigt werden und bittet um seine möglichst schnelle Bewilligung. Abg. Bernstein (Soz.) bezeichnet den Handelsvertrag als unannehmbar. Nach weiteren Ausführungen des Staatssekretärs von Posadowsky und der Abgg. Paasche (natl.) und Potthoff (steif. Vgg.) Wolfs (Wirtsch. Vergg.) und Gothein (freis. Vgg.), wird der Vertrag an die Bndgetkommission überwiesen. Es folgt die Beratung des Gesetzentwurfs betreffend das Handelsprovisorium mit England bei Gewährung des Meistbegünstigungsrechts bis zum 31. Dezember 1907. Zur Lage i» Rußland. (Telegramme.) * St. Petersburg, 11. Dez. Auf dem Privatwege aus Riga hier eingegangene Meldungen berichten, daß am Freitag abend eine Versammlung von Eisenbahnbeamten mit Waffengewalt aufgelöst wurde. Hierbei gelangten auch Maschinengewehre zur Anwendung; die Zahl der Getöteten soll bedeutend sein. In den Straßen sind die Maschinengewehre aufgefahven. Der Bahnberkehr von Riga nach St. Petersburg ist einge- stellt. — Ein Tagesbefehl des Ministers Durnowo vom 9. erklärt kategorisch: Der Verband der Post- und Telegraphenbeamten wird unter keinen Umständen gestattet werden. Diejenigen Beamten, die den Ausstand fortfttzen, werden unbedingt vom Dienst ausgeschloffen. * St. Petersburg, 11. Dez. Die Bauernunruhen nehmen einen immer drohenderen Charakter an. Die Bauern zünden Landsitze an und bedrohen die Stationen der Moskau—-Kursier Bahn. Nur die Einberufung der Duma wird als Mittel zur Beruhigung der Gemüter angesehen. Graf Witte stellte den Zusammentritt der Duma in baldige Aussicht. * Königsberg i. Pr., 10. Dez. Amtliche Meldung. Der Personenverkehr mit Rußland über. Grajewo ist wieder eröffnet. GroMerzogtum Baden. Karlsruhe, 11. Dezember. Gestern, Sonntag, vormittag besuchten die Großh. Herrschaften mit Ihrer Königlichen Hoheit der Kronprinzessin von Schweden den Gottesdienst in der Schloßkirche, wobei Hofprediger Fischer die Predigt hielt. Nach dem Gottesdienst empfing Seine Königliche Hoheit der Großherzog den Major von Mutius. Darnach erteilten Ihre Königlichen Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin gemeinsam den nachgenannten Personen Audienz: dem Staatsminister Or. Freiherrn von Tusch mit Gemahlin, Tochter und deren Bräutigam, Preußischen Referendar Löwis of Menar, dem Legationssekretär Freiherrn Böcklin von Böcklinsau mit Gemahlin, sowie Herrn und Fräulein Scipio. An der um 1 Uhr stattfindenden Familientafel nahmen Seine Großherzogliche Hoheit der Prinz und Ihre Königliche Hoheit die Prinzessin Mar, Seine Großherzogliche Hoheit Prinz Karl und Gemahlin Gräfin Rhena teil. Gestern abend besuchten die Großherzoglichen Herrschaften mit Ihrer Königlichen Hoheit der Kronprinzessin von Schweden die Oper im Großherzoglichen Hoftheater. Heute vormitag 11 Uhr empfing Seine Kö nigliche Hoheit der Großherzog den Staatsminister Or. Freiherrn von Dusch zur Vortragserstattung. Von 12 Uhr an meldeten sich folgende Offiziere: Generalarzt ä la suite des Sanitätskorps Geheimer Hofrat Professor Or. Kmske, Oberst von Bötticher, Kommandeur des Infanterie-Regiments Markgraf Karl (7. Brandenburgischen) Nr. 60 und Leutnant Kürner Won demselben Regiment zur Ueberreichung der Offizierstammliste des Regiments, Major Grabert, Kommandant des 2. Gendarmeriedistrikts in Freiburg, bisher in gleicher Eigenschaft in Mannheim, Major Faller, Kommandant des 4. Gendarmeriedistrikts in Mannheim, bisher Bezirksoffizier beim Landwehrbezirk Frankfurt a. M„ Hauptmann Ritterhaus, Batteriechef im 2. Badischen Feldartillerie-Regiment Nr. 30, bisher Oberleutnant im Feldartillerie-Regiment Nr. 8 und Leutnant Klauprecht im Badischen Trainbataillon Nr. 14. Darnach empfing Seine Königliche Hoheit den Kammerherrn E. A. Freiherrn von Göler und den Hofpredigcr Fischer. Abends 6 Uhr nahm Seine Königliche Hoheit den Vortrag des Legationsrats Or. Seyb entgegen. j) (Großherzogliches Hoftheater.) Mag in Kaibels Aus- ührung und Ergänzung des Schillerschen Demetriusentwurfes auch manches mit gar zu leichter Hand hin- geworfen, anderes wieder unter der rasch dahingleitenden Feder (wir wissen, daß das Merk in kürzester Frist entstanden ist) zu sehr in die Breite gegangen sein, mag auch das im allgemeinen überraschend gelungene Bestreben, die pomphafte Wucht der Sprache des Schillerschen Vorspiels in der Neudichtung auf möglichst gleicher Höhe zu halten, nicht immer geglückt sein, im ganzen geht doch ein imponierend kraftvoller, großer Zug durch die Kaibelsche Arbeit, die jedenfalls volles Interesse verdient und es am Samstag bei der Uraufführung an unserer Hofbühne auch in erfreulich reichem Maße gefunden hat. Die Aufführung fesselte sichtlich und wirkte fortdauernd eine gehobene klassische Stimmung. Trotz der 31h Stunden, die die vier Akte und das Vorspiel beanspruchen, ließ bei der reich bewegten Handlung die Spannung nicht nach, auf jeden Aktschluß folgten unmittelbare lebhafte, herzliche Beifallskundgebungen des sehr zahlreichen Publikums und dem wiederholt erscheinenden Autor wurden viele prächtige Kranzspenden überreicht. Kurz, es fehlte auch nicht an all den mehr oder weniger äußeren Zeichen eines schönen, starken Erfolges, zu dem wir dem jungen Dichter und Kollegen aufrichtig Glück wünschen, in der Ueberzeugung, daß er halten wird, was sein Demetrius verspricht. — Bei Erscheinen des Buches (E. Piersons Verlag, Dresden) zu Anfang dieses Jahres ist der Schiller-Kaibelsche Demetrius eingehend in der „Karlsruher Zeitung" besprochen worden und vor wenigen Tagen hat Dr. Karl Wollf unseren Lesern in einem Feuilleton eine orientierende Ueberstcht über das Demetriusstagment und seine Fortsetzungen gegeben. Wir wollen daher hier nur in Kürze rekapitulieren, daß Franz Kaibels Demetrius zunächst mehr als andere ähnliche Versuche, besonders der von Laube, dem Vorbild, das der große Dichter uns in seinen Entwürfen gegeben hat, pietätvoll treu bleibt. Kcn- bel läßt, um das wichtigste Merkmal gleich hervorzuheben, nne k dies in Schillers Plan lag, den Helden der Tragödie auch noch der ''' (rrkemunis der Täuschung seine Laufbahn vollenden, das heißt tvagr es, den Berrüger zur tragischen Persönlichkeit zu erheben. Und wie in der Charakterschilderung der Hauptperson, so hält er sich in der der übrigen Personen und in der Führung per Handlung init glücklicher Genauigkeit an den bekannten Sckillerschen Entwurf. —> Es handelt sich bei Kaibel um die bekannte Äörnersche Niatermlzusamrnenstellung, die später durch eine vollständigere von Goedet? ergänzt worden ist. — Auch in den Einzelheiten kann man ein treues Eingehen auf Schillers Jntensionen heratissühlen. Schillers Wort, wo dieser bereits die Dichtung ausgesührr hat, blecht mit verschwindenden Ausnahmen gewahrt. Ergänzungen in den von Schiller ausgeführten Szenen sind fast ausschließlich nur dort eingeschoben, Nw der Zusammenhang oder eine, von Schiller im Mrnuskripl durch Gedankenstriche selbst gekennzeichnete Lücke, sie entscbnld- bar oder erforderlich erscheinen läßt. Die vom Bearbeiter angebrachten Striche sind auch dort, wo man sie vielleicht bedauern mag, meist auf erkenitbare Gründe zurückzuführen. Das Gleiche läßt sich behaupten von den am Fragment vorgenammenen Szenenverschiebungen mü> den Abweichungen, die Kaibels Ausführung von dem Szenarium Schillers aufweist. Auch Schiller würde wohl im Verlaufe seiner dichterischen Arbeit manche derartige Aenderungen noch vorgenommen haben. Freilich aber ist es zweifellos, daß er, wie im Entwurf, so auch in der endgültigen Redaktion uns im Gegensatz zu seinem jüngsten Ergänze! über das Schicksal der Marina und ihrer Polen nicht im Unklaren gelassen hätte. Auch ein Eingehen auf den von Schiller in dem pläneschmiedenden Kosaken eröffneten Ausblick in die dem Tode des Demetrius durch neue Usurpatoren folgenden Wirren hat Kaibel leider unterlassen. Das ist zu bedauern, da durch den Tod des Demetrius, mit dem Kachel schließt, die Situation völlig ungeklärt blecht. Irgend ein in dramische Form gekleideter Hinweis auf die schweren Zeiten, die im Anschluß an die Fülle von Unräten und Verbrechen über das Russenvolk und den Zarenthron hereinbrachen, würde dem Stück einen klareren Abschluß und auch eine gewisse historische Abwendung geben. —> Das Schillersche Vorspiel ließ uns wieder das gewaltige Fundament des geplanten Riesenbaues bewundern. Herr Herz als Dimitrb führte sich glänzend ein. Fürst Sapieha hat die schwere Ausgabe, sich trotz des Tobens der Landboten und Wojewoden zur Geltung zu bringen; das ge- larrg Herrn Höcker nicht ganz. Im übrigen bot sich uns das Bild des polnischen Reichstages zu Krakau in gewohnter lebendiger Frische. Die Inszenierung ist teilweise neu, gefällt uns aber weniger als die alte, bei der die Edelleute durch eine Schrank«, die sie nachher durchbrechen, von den Wojewoden und Bischöfen getrennt sind. Bei der neuen Inszenierung stehen all die Schlachzizen (polnische Edelleute) auf der zu einem oberen Saal führenden breiten Treppe, was nicht sehr natürlich aussiehl. (Störend wirkte der aufgerollte Läufer vor dem cberen Saal.) Im ersten Akr setzt Kaibel die Schillersche Kloster- szene durch eine Bolksszene sehr geschickt fort, die zwar etwas oberflächlich behandelt ist und unnütze Derbheiten enthält, jedoch in einem ernsten Dialoge zwischen Märfa und einem Bauern recht wirksam ausklingt. Dann folgt die Lagerszene an der polnisch-russischen Grenze, die, wie die Volksszene, auch noch einige Schillersche Bruchstücke aufweist. Vom zweiten Akt, der uns ein kraftvoll gezeichnetes Bild vom Zaren Doris Go- dunow und der Lage in Mdskau gibt, ist alles Kaibelsche Dichtung, in erwähnter Anlehnung an den Schillerschen Entwurf. Der dritte Akt führt uns die Erkenntnis Dimitris von seiner Unechtheit, den entscheidenden Schritt durch die Ermordung Glebes und die Ueberredung Marfas, den als falsch erkannten Dimitri doch als Sohn anzuerkcnnen, vor. In dieser letzteren Szene, die durch Schönheit der Sprache besonders ausgezeichnet ist, erreicht das Stück Wohl seinen inneren Höhepunkt. Fm letzten Akt treten die äußeren Momente, der Einzug Dimi- sris in Moskau, die Verschwürungsszene und die Ermordung Kmitris, ganz in den Vordergrund. Der Behandlung und ^Motivierung der inneren Vorgänge — der erwachenden Liebe zu Axinia und des unseligen Eingehens Dimitris auf die Pläne der ehrgeizigen verbrecherischen Marina — fehlt es an Vertiefung. Wenn dadurch auch der Schluß etwas abfällt, so bleibt doch ein durchaus befriedigender künstlerischer Gesamteindruck zurück mch wir empfinden, daß aus dem neuen Demetrius ein starkes aussichtsvolles Talent zu uns gesprochen hat. —> Von der großen Zahl der Rollen ist außer Herrn Herz' packendem, den Hörer unwiderstehlich mit sich schweißenden Dimitri vor allem Herrn Baumbachs Boris Godunow hervorzuheben; es war eine ganz wunderbar klare und wahre Charakterisieung, die uns das wandelbare Wesen des Despoten scharf und sicher zeichnete. Fräulein Mahn war eine stolze, kalte Marina und Fräulein Ermarth eine anmutige, gemütvolle Axinia. Sehr wirksam spielte auch Fräulein Frauendorfer die anspruchsvolle Rolle der Marfa, ferner zeichneien sich die Herren Nesseltäger, Höcker, Kempf, Wassermann und Soot als Bojaren, Herr Mark als Hiob und die Herren Jlliger, Haßkerl, Kranes und Heinzel als polnische Edelleute besonders aus. Auch der Leitung des Herrn Schcsrcmek sei mit aller Anerkennung gedacht. — Unsere Hofoper absolvierte am gestrigen Sonntag vor nahezu ausverkauftem Hause die dritte „Tri st an und Isolde"- Aufführung in dieser Spielzeit. Neues brachte die Besetzung der Hauptrollen nicht, außer der Darstellung des „Tristan" durch Herrn Carlen vom Hof- und Nationaltheater in Mannheim. Der Gast, welcher über eine wirklich schöne Stimme von warmem, echtem Tenorklang verfügt, die auch in der hohen Lage sich frei zu entfalten und durch ihre metallische Kraft den Wogen des Orchesters siegreich standzuhalten vermag, führte die Parne gesanglich wie musikalisch sehr dankenswert durch. Einige Trübungen brachte nur der hier und da vortretende Mangel an Reinheit der Vokalisation, wodurch die Deutlichkeit der Aussprache einige Einbuße erlitt, ferner die Darstellungsweise, welche noch allzusehr an der Schablone klebt, immerhin aber neben nicht ganz der hierorts erstrebten Stilfeinheit entsprechendem, auch manches verdienstvolle aufzuweisen hatte. Hervorragend gut beivältigte Herr Carlen die Riesenanforderungen an stimmliche Ausdauer, welche der dritte Akt dem Sänger stellt. Tie Leistung entfesselte lebhaften und wohlverdienten Beifall. * („Gesellige Bereinigung des Hoforchesters.") lieber die erste Veranstaltung der Vereinigung wird uns geschrieben: Des Interessanten und Lehrreichen viel bot der am 7. Dezember im Lokal der „Liederhalle" stattgehabte erste gesellige Abend der Mitglieder des Großh. Hoforchesters. Den äußerst zahlreich Erschienenen, unter denen sich auch die Herren Rat Rup- Pert, Hofkapellmeister Balling, Konzertmeister Deecke und Musikdirektor Gerlach befanden, während sich Herr Geh. Hofrat Tr. Bassermann, sowie Herr Hofkapellmeister Lorentz entschuldigen ließen, wurde durch Herrn Klebe ein herzliches Willkommen entboten. Der Redner wies auf die Bedeutung und den Zweck dieser Abende, welche die Kollegialität pflegen sollen, hin und l gab seiner Freude für das diesen Abenden entgegengebrachte / rege Interesse Ausdruck mit dem Wunsche, daß sich dasselbe für die kommenden Veranstaltungen erhalten möge. Die Herren , Kämpfe (Oboe), Richter (Engl. Horn) und Klupp (Klarinette) T cröffneten hierauf den Abend mit einem selten gehörten Trio ML von Beethoven. Die Wiedergabe dieses an Klangschönheiten von ganz intimen Reizen prangenden Werkes war durch die Herren eine in jeder Beziehung künstlerisch vollendete und durften sie hierfür wohlverdienten und herzlichen Beifall ent- Den Mittelpunkt des Abends bildete ein Vor- trag des Herrn Hauptlehrer Kneucker über die Erlebnisse seiner in den Fahren 1902 und 1904 unternommenen Sinai-Reisen. Die hocinnleressaiiten und lehrreichen, von Humor durch- würzten Ausführungen fesselten die Anwesenden bis zum Schluß des fast zweistündigen Vortrags. Herr Tolletscheck, der bewährte Meister der Projeklionskunst, führte die herrlichen Lichtbilder mit rühmlichst bekannter Präzision vor. Nach längerem Verweilen in anregender Unterhaltung trennt? man sich in dem Belvußlsein, einen schönen, genußreichend Abend verlebt zu haben. * (Tie Sektion Karlsruhe des Berbandes reisender Kaufleute Deutschlands) begeht in diesem Jahre die Feier ihres 10 jährigen B e st e h c n s. Das Jubiläum wird durch ein Fest- b a n k e r t im großen Saale der Eintracht am Samstag den 16. Dezember eingeleirer iverden, dem ein Festakt am Sonntag den 17. Dezember, vormittags 11 Uhr, im großen Rathaussaale folgen wird. Wie wir hören, sind Vertreter des Präsidiums aus Leipzig, des Aufsichtsrates, sowie eine größer« Anzahl auswärtiger Verbandsangehöriger, besonders der süddeutschen Sektionen, zu dem Feste angemelder. Aus dem reichhaltigen Programm heben wir besonders die Vorträge des Verbandsdirektors, V. H. Mueller - Leipzig, über „Deutschlands Handel und Anteil am Güterverkehr des Welthandels" und „Leistungen und Aufgaben des Verbandes reisender Kaufleute Deutschlands" hervor, die jedenfalls allgemeines Interesse erwecken werden. * (Professor Tr. Otto Rordenskjoeld) wird in seidem Vontrag: „Zwei Jahre im Eise des Südpols" am Samstag den 16. d. M. im Museumsaale die interessanten Erlebnisse während der Jahre 1902 und 1903, als es ihm, dem Führer der schwedischen Expedition, gelang, am weitesten in ungekannte Regionen des Südpols vorzudringen, behandeln. Die Schilderungen über die Erfolge und Entehrungen der Expedition aus dem eigenen Mund: des Professors Nordenskjoeld anhören zu können, wird auch hier das größte Interesse erwecken. Der Vortrag wird durch gegen 100 Originalphotographien, als Lichtbilder produziert, illustriert werden. Karten im Vorverkauf sind in der Hofmusikalienhandlung von Hugo Kuntz, Kaiser- strahe 114, zu haben. 1* (Deutscher Verein für Bolkshygiene und Gesellschaft zur Bekämpfung des Kurpfuschertums.) Der nächste Vortrag, der letzte in diesem Jahr, findet am Donnerstag den 14. Dezember, abends halb 9 Uhr im großen Rathaussaale statt. Herr Professor Dr. v. K r e h l - Straßburg wird über die „Hygiene des Herzens" sprechen. In der ersten Hälfte des Januars 1906 werden die Vortragsabende wieder beginnen. * Mauer, bei Heidelberg, 11. Dez. Wie der „Pfälzer Bote" meldet, glitt Frhr. Bernhard v. Göler auf der Jagd aus, wobei sich das Gewehr entlud. Der Schutz ging durch das Herz. Der Tod trat sofort ein. Frhr. v. Göler stand im 36. Lebensjahr. * Baden-Baden, 9. Dez. Unter dem Vorsitze des Oberbürgermeisters Tr. Gönner fand heute eine Konferenz der S ädtevertreter statt, in welcher sämtliche Städteordnungsstädte durch-ihre Oberbürgermeister vertreten waren. Als wichtigster Punkt der Tagesordnung stand der Entwurf der neuen Vermögenssteuer zur Beratung. 0 Lahr, 10. Dez. Der Singverein Lahr brachte in seinem gestrigen Konzert das herrliche und tiefsinnige Chorwerk Schicksalslied von Joh. Brahms und das an poetischem Zauber überreiche Märchen Der Rose Pilgerfahrt von Rob. Schumann zur Aufführung und bekundete dadurch abermals sein erfolgreiches Streben und seine hohe musikalische Leistungsfähigkeit. Die Sologesänge der Fräulein Elisabeth Knittel-Karlsruhe, der Frau Marie Schäfer-Karlsruhe, der Fräulein Henriette Swalue-Haag, sowie der Herren K o h ma n n - Frankfurt und Karl W äldi n-Lahr fügten sich den von Herrn Dr. Nowak kunstverständig «ungeübten Chören in würdiger Weise ein und gestalteten so die gesamte Darbietung zu einer außerordentlich schönen und genußreichen. aus High Engländers, Little Engländers, Liberalen, Imperialisten und Anhängern der Homerule zusammensetzt, mit Er folg und mit Stetigkeit die auswärtige Politik fortsühren könne. Zum Schluß gab Balfour kund, daß er die Absicht habe, die Führung der konservativen Partei fort- zusetzen, die nun Oppositionspartei sein werde. Wer-srHieL>enes. f Berlin, 11. Dez. (Telegr.) Gestern abend ist der General der Artillerie v. Hoffbauer rin 70. Lebensjahre gestorben. 7 Berlin, 11. Dez. (Telegr.) Der Reichsbankdiskont ist auf 6, der Lombardzinsfuß auf 7 Proz. erhöht worden. st Kiel, 10. Dez. (Telegr.) Der Maschinistenmaat Pelikan und der Torpedoheizer Wünnenberg vom Torpedoboot „6 109", die wegen Beteiligung cm meuterischem Aufruhr und Angriffs auf Vorgesetzte am 10. November kriegsgerichtlich zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden waren, sind auf ihre Berufung hin vom Oberkriegsgericht der Ostseestation freigesprochen worden. Stand der Badischen Bank am 7. Dezember 1905 Aktiva. Metallbestand.... 8085 277 M. Retchskaflenschetne . . . 53 260 § - Noten anderer Banken . . 2331 700 Wechselbestand ... » 52 Lombardforderungen . > Effekten. . . 1267 208 - 28 Sonstige Aktiva .... . . 2 662811 . 41 44 754 109 M. 21 Pf. Passiva. Grundkapital. 9000000 M. — Reservefond. 2 091 778 » so Umlaufende Noten. 20293 100 Sonstige täglich fällige Verbindlichkeiten . 12 364 518 « 02 An eine Kündigungsfrist gebundene Verbindlichkeiten. Sonstige Passiva. 1004 712 » 39 44754109 M. 21 Pf. Verbindlichkeiten auS weiter begebenen, im Jnlande zahlbaren Wechseln 556 806 M. 52 Pf Die Direktion der Badischen Bank HroßherzogtiHss Aosthsater. Im Hoftheater Karlsruhe. Dienstag, 12. Dez. Abt. L. 26. Ab.-Vorst. „Demetrius", Tragödie in 1 Vorspiel und 4 Akten, das Schillersche Fragment für die deutsche Bühne, bearbeitet und ergänzt von Franz Kaibel. Anfang halb 7 Uhr, Ende 10 Uhr. Donnerstag, 14. Dez. Abt. O. 26. Ab.-Vorst. „Der Kompagnon", Lustspiel in 4 Akten von Adolf L'Arronge. Anfang 7 Uhr, Ende halb 10 Uhr. Im Theater in Baden. Mittwoch, 13. Dez. 12. Ab.-Vorst. „Der Compagnon", Lustspiel in 4 Akten von Adolf L'Arronge. Anfang halb 7 Uhr, Ende 9 Uhr. * Kleine Nachrichten aus Baden. In Mannheim wurde letzte Woche das Maurer-Ehepaar Veith wegen Erpressung, begangen an einem pfälzischen Geistlichen, verhaftet. Tie Frau machte gestern im Gefängnis in Ludwigshafen ihrem Leben durch Erhängen ein Ende. — Als der Kaufmann Karl Herr in Mannheim in der Nacht zum. Sonntag einige Angetrunkene, die an seiner Hausglocke fortgesetzt läuteten, zurückwtes, wurde er von einem derselben überfallen und mit dem Messer fürchterlich zugerichtet. Ter Nacken wurde ihm von einem Ohr zum anderen aufgerissen, außerdem erhielt er einen Stich in den rechten Oberarm. Schwer verletzt wurde Herr (der aus Rust bei Ettenheim stammt), nach dem Krankenhause gebracht. — In Rittersbach bei Mosbach wurde das Wohnhaus und die Scheuer des Zieglers Karl Niedling ein Raub der Flammen. — Ter Zimmermann Jul. Rudolf in Grimmelshosen siel in der Dunkelheit in die Wutach und ertrank. — In Brunnadern (Amt Waldshut) brannte das Anwesen des Landwirts Karl Kaiser nieder. Wetterbericht des Zentralbureaus für Meteorologie und Hpdr vom 11. Dezember 1905. Ein Hochdruckgebiet, in dem Barometerstände von 784 Millimeter verzeichnet werden, hat sich über Mitteleuropa festgesetzt; in seinem Bereich herrscht bei Temperaturen, die um den Gefrierpunkt schwanken, teils heiteres, teils nebliges Wetter. Im Gebiet des Golfstromes ist es dabei sehr mild. Heitere oder neblige Witterung mit leichtem Frost ist zu erwarten. Wetternachrichte« aus dem Süden vom 11. Dezember 1905, früh. Lugano wolkenlos 1 Grad; Biarritz heiter 3 Grad; Nizza wolkig 11 Grad; Triest wolkenlos 6 Grad; Florenz bedeckt 9 Grad; Rom wolkig 10 Grad; Cagliari Regen 12 Grad; Brin- disie halbbedeckt 11 Grad. Witterungsbeobachtungen der Meteorolog. Station Karlsruhe Weueste Wcrchvichlen irnö Getegvernrnre. * Breslau, 11. Dez. Hier ist gestern vom Rektor der Universität, Professor Kauffmann, ein Aufruf zur Anbahnung besserer Beziehungen zwischen Deutschland und England in Umlauf gefetzt worden. Unterzeichnet ist der Ausruf von Professor Kauffmann, Oberbürgermeister Bender und Kardinal Kopp. * Stuttgart, 11. Dez. Seine Majestät der König von Sachsen ist heute zum Besuch des hiesigen Hofes hier ein-- getroffen und von Seiner Majestät dem König von Württemberg zum Chef des Infanterieregiments Nr. 121 in Ludwigsburg ernannt worden. * Rom, 10. Dez. Deputiertenkammer. Schatzminister Carcano gab gestern ein Expose über die Finanzlage des Staates. Hiernach beträgt der Uebersckuß aus dem Finanzjahre 1904/05 75 Millionen Lire, von denen 13 Millionen für Eisenbahnbauten und 15 Millionen für Schuldenamortisation verwendet wurden, so daß ein endgültiger Ueberschuß von 47 Millionen verbleibt. Erzielt wurde dieses Ergebnis durch die gute Entwicklung der hauptsächlichsten Einnahmequellen. Das Budget für 1905/06 weist einen Ueberschuß von 6 Millionen und der Voranschlag für 1906/07 einen solchen von 4 Millionen auf. Ta die Einnahmen des laufenden Budgets indessen schon für die ersten fünf Monate die : Einnahmen des vorjährigen Budgets um 26 Millionen über- ! schritten haben, wird das endgültige Ergebnis der Finanzjahre > 1905/06 und 1906/07 noch viel besser sein, als vorgesehen. ! Der Minister geht dann aus die Lage des Schatzes über und - erklärt, daß der Bestand des Schatzes infolge der guten Budgetergebnisse um fast 200 Millionen gestiegen ist. In der Kasse befindet sich ein Bestand von 415 Millionen. * London, 10. Dez. In einer Rede in Manchester erklärte Balfour, die Homerule stehe immer noch im Vordergrund der liberalen Politik. Er hoffe, die Liberalen werden : die auswärtige Politik der unionistischen Regierung fortsetzen. Wenn die unioniftische Regierung in der auswärtigen Politik erfolgreich gewesen sei, so sei der Grund dafür der, daß das unioniftische Kabinett diese großen Fragen von einem einzigen Gesichtspunkt aus und mit einem einzigen Ideal betrachtete; er wisse aber nicht, wie «ine Regierung, die sich Dezember Barom. mm Therm. in 6. Absol. Feucht. Feuchtigkeit in Proz Wind S Nachts 9-"U. 7570 5.1 59 90 NE lO.Mrgs. 7"U. 762.6 3.9 55 90 // 10. Mittgs. 2'» U. 765.6 6.3 4.8 68 /k 10. Nachts 9«U. 768.2 -1-2.1 4.4 82 11. Mrgs. 7-« U. 769.8 -03 4.0 89 11. Mitlgs.2" U. 769.7 -H4.5 4.3 68 § ' Reif. Himmez bedeckt heiter bedeckt heiter ' bedeckt Höchste Temperatur am 9. Dezember: 10.7: niedrigste w to- darauffolgenden Nacht 2.1. Niederschlagsmenge des 9. Dezember: 14.1 mm Höchste Temperatur am 10. Dezember: -j-6.5; niedrigste in de-, darauffolgenden Nacht : —08. Niederschlagsmenge des 10. Dezember: 0.0 mm Wasferstand deS Rheins. Maxau» 10. Dezember: 3 90 m, gestiegen 11 om. — 11. Dezember: 4.13 m, gestiegen 23 om. Verantwortlicher Redakteur: Julius Katz in Karlsruhe. Druck und Verlag: G. Braunsche Hofbuchdruckerei in Karlsruhe. „ttennebeng-Lsicis" V. m. I.IO ad — 1-olllroi! Nnstor an lleciermann! öliir rlirekt v. Loiäonkadrlkt. Uonnekeeg, Lvnivl». I»K^LISIO«S in LLlt« unckVVLrme reguliert, soll lladreu vloikaod erprobt ^nsvadlsoucknnAon nacd »nsvärts bersitvilliASt. v. SdHAtDI-Xarlsrude, Xslserstr. 154. »M» —- — - - 841 m über Neer 8näi daä Sekvarrvalck. I Ou alllllll« Liselldaimstatioo tVsür. VkinlenMlsdivn kün k>ko>ung»decküettigS unS Sportliedksd«^, 6rosss Lisbadn. Oeiegeodeit rn 8K1- mul Leblitteokadren. tllls Ltadüssemeuts ollen. 4uskunÜ »nll Prospekt naentgsltliod änrcd cken Nurvenein DockdiRioo», O. V. Oott dem ^ilmäciitiAen Kat es ZekaUsii, unssrn iviiisstßsiisdtell, trenftesorAten Kalten und Vater, Zeinvager, Onstel und Vetter prlini. koäerieli v. 8eIi«il»u-MIlr Königl. preusa. oberst a. 0., Kitter bobvr Orden deute abend 6 Ilbr naest langem mit grosser 6eduid ertragenen beiden sankt und gottergeben, verseben mit den Tröstungen unserer dl. R-eligion im ^Iter von 66 dadreo ru sied ru ruksv. k'reidurg i. It, den 10. Dezember 1905. Die tiektrausrndsn Liutsrdiisdsusn: Lertd» Vreikrau von 8edöu»u-VVedr, ged. kxäün von Hennin. Hies I'rvii» von 8eköo«u->V«dr. klar» kreiin vo« 8odöu»u->Vvdr. ttngnste I'rviia von 8c;döll»u->Vedr. Oie Beerdigung lindst am Dienstag um 3 Lkr naok- mittags von der priedkokkapslie aus statt. W 768 I.ucl«ig kegelt . - ^ofju^olioi' ... Keiserstr. 165 lelspkon!47S Xükl.8NUN? WvrltstLtls im kause dringt sein rsiodksitiges, mit den Ivtrtvn kieukeiten eusgeetatlvtss dager 1L iMslön, Kolli- und 8ilbsr«sron in empkediende Brinnernng Sei ^nsvadissndnngsn naed ausvLrts ungekaiire Preisangabe und Nekerenren erdeten vkioago peSmIIeet: Ltrassburg ^tn den Sonntagen vor Weiknacdten bis 7 Dbr x-eätlnct Verein für Volkshygiene «nd Gesellschaft zur Bekämpfung des Kurpfuschertums (Ortsgruppe« Karlsruhe). Donnerstag. de« 14. Dezember 1SVS, abeuds 8'/, Uhr, im großen Rathaussaale W.785 'Voi'ti'Sl.Zf des Herrn Professor vr. von Krehl-Stratzbnrg: „Oio HzkNL6H6 Lss 1161*2:«US." Eintritt frei für jedermann. Auch die Damen find freundltchst eingeladen. Ar» ^sasssi»§ai» oscki oir eKasse^ttL^r. 4t. I^attsct^stitaüett, Ai^erLrait- A'äeirer, ,rro§or,»o A^ssclVsrr, d^cr^s- ^«Ht»44 4444 t rvro9srvrevl Ä44^tä44^sL44, S^oko- A'crr»ritisr»L»1v»r»cv», Äoevie-, Aa^s- 4444 A AciskL-«Siiclse^ Äsl-erl s^rrcrrtss «A(c»issrskr«»SLL ^cire krasse Kikler Knsben-^nrüge lange und Kurse Losen, unüdertrokksne tznaiitLt ULmmSlIiSvSi» L Visi» Ve!epk»u lI56 l7l Usiuurulrs»«« l7l Veispkon 1156 ^Ul_I08 l^O^OX o o o Q Ink.: .1. Ldti'stmann 2 0 0 2 lVoingutsdssitrsr und Weinkandiung Xatlsruks » ^/sldstrasss 6 ilervorrsgenllk Üualitäl8veine, Ltiampagnep und eetits -au8länliisells l.i!röre - 141 s n V s I-1 s n s s pnaisllsts Der Kaufmann Karl Burger hier ist zum Konkursverwalter ernannt. Konkursfordcrungen sind dis zum 2. Januar 1906 bei dem Gerichte anzumelden. Es ist zur Beschlußfassung über die Wahl eines andern Verwalters, sowie über die Bestellung eines Gläubigerausschusses und eintretendenfalls über die in 132 der Konkursordnung be- zeichneten Gegenstände, soime zur Prüfung der angemeldcten Forderungen auf: Mittwoch den 10. Januar 1906, vormittags 11 Uhr, vor dem diesseitigen Gerichte, Akade- unesträhe 2 3. Stock, Zimmer Nr. 17, Termin anberaumt. Allen Personen, welche eine zur Konkursmasse gehörige Sache in Besitz haben oder zur Konkursmasse et- ! was schuldig sind, ist aufgegeben, nichts ! an den Gemeinschuldner zu verabfol- ! gen oder zu leisten, auch die Verpflich-- ! tung auferlegt, von dem Besitze der ! Sache und von den Forderungen, für welche sie aus der Sache abgesonderte Befriedigung tu Anspruch nehmen, dem Konkursverwalter bis zum 2. Januar 1906 Anzeige zu machen. Karlsruhe, den 9. Dez. 1905. Thum, Gerichtsschreiber Gr. Amtsgerichts» Asbraunt und rob Irankt man am vortvtlbaktsston bei öiio k^svksi' k^icisiitas-vnossr-is L»r1»1r«a«>s 74 vis-L-vis der Brauerei Lebrsmpp Telephon 37 - Telepboa 37 Mtslisd des Labatt-Lvarvereins. TGTGSGGGGTGE Lazarus Bär Wwe- Zirkel » Ecke der lu Waldhornstraste empfiehlt ihr reichhaltiges Lager in kWlelten Wohmiilgs-Nllichtiiiigei i und übernimmt die Anfertigung nach den «euesteu Zeichnung««. Eine größere Anzahl Möbel welche sich als sehr praktische «. billige Weihnachtsgeschenke eignen, find tn einem besonderen Lokale, das jedoch im Dezember anderweitiger Vermietung wegen geräumt werben muß, aufgestellt und werden dieselben daher wegen Platzmangel z« jedem annehmbare« Gebot abgegeben. W787 FSr die Güte der Möbel wird Garantie geleistet. Pa88snäe VlisilmLoiilZgLbe! f. 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In dem Konkursverfahren über das Vermögen des Gipsermeisters Josef Wehrte in Frci- burg ist zur Abnahme der Schlußrechnung des Verwalters, zur Erhebung von Einloendungeu gegen das Schlußverzeichnis der bei der Verteilung zu berücksichtigenden Forderungen und zur Beschlußfassung der Gläubiger über die nicht verwertbaren Vermögeusstücke der Schlußtermin aus Freitag den 29. Dezember 1905, vormittags 10 Uhr, vor dem Großh. Amtsgericht Hierselbst — Zimmer Nr. 8 — bestimmt. Freiburg, den 9. Dezember 1905. Hofmann, Gerichtsschreiber Gr. Amtsgerichts. nach, daß bei der Schlutzvcrteilung in der Konkurssache gegen Bankier Wilhelm Euntz, Inhabers des Bankgeschäfts unter der Firma Wilhelm ^ Cuntz L Comp, dahier, weiter zu be- ! rücksichtigen sind nicht bevorrechtigte Forderungen von 1 184 666,65 M„ welche mit ihrer auf 355 400 Dt. sich beziffernden Konkursquore auf ihre Geschäftsanteile au der Papierfabrik Treueubrietzen, G. m. b. H., vorm. W. Seebold L Comv. in Treueubrietzen, verwiesen find. .Heidelberg, den 9. Dez. 1906. Winter, Konkursverwalter. Konkursverfahren. W.783. Heidelberg. Meiner Bekanntmachung vom 6. d. M. trage ich Konkursverfahren. W.780. Nr. 8061 1. Karlsruhe, lieber das Vermögen des Kaufmanns Eduard Hasler, Inhaber der Firma C. Hasler, Herrenkonfektionsgeschäft, hier, Kaisers«. Nr. 100, wnvde am 9. Dezember 1905, vormittags '/.12 Uhr, das Konkursverfahren eröffnet. Konkurseröffnung. W.781. Nr. 27 431. Konstanz. Ueber das Vermögen des Schreiners Peter Roth in Dettingen wurde heutr am 7. Dezember 1905, nachmittags 6 Uhr, das Konkursverfahren eröffnet, da die Zahlungsunfähigkeit eingeräumt ist. Der Gemeindewaisenrat Kleiner in Konstanz wurde zum Konkursverwalter ernannt. ^ Koukursforderungen sind bis zuu« 27. Dezember 1905 bei dem Gericht« anzumelden. 1 Es wurde Termin anberaumt vor dem diesseitigen Gerichte zur Beschlußfassung über die Beibehaltung des ernannten oder die Wahl eines anderen Verwalters, sowie über die Bestellung eines Gläubigerausschusses und eintretendenfalls über die in H 132 der Konkursordnung bezeichneten Gegenstände, ebenso zur Prüfung der angemeldeten Forderungen auf Freitag den 5. Januar 1906, vormittags 9 Uhr. Allen Personen, welche eine zur Konkursmasse gehörige Sache in Besitz haben oder zur Konkursmasse etwas schuldig sind, wird aufgegeben, nichts an den Gemeinschuldner zu verabfolgen oder zu leisten, auch die Verpflichtung auferlegt, von dem Besitze der Sache und von den Forderungen, für welche sie aus der Sache abgesonderte Befriedigung in Anspruch nehmen, dem Konkursverwalter bis zum 20. Dezember 1905 Anzeige zu machen. Konstanz, den 7. Dezember 1906. Gerichtsschrciber Gr. Amtsgerichts. Besonderer Prüfungstermin. W.782. Nr. 11 666. Oberkirch. Das Konkursverfahren über das Vermögen des Jagdaufsehers Karl Ktlchling von Ocdsbach betreffend. Zur Prüfung der nachträglich anK-I meldeten Forderung ist Termin mibe-^ räumt auf Donnerstag den 21. Dezember 1905,' vormittags 11 Mir, vor dem Amtsgericht hier. Oberkirch, den 6. Dezember 1905. Großh. Amtsgericht, (ßerichtsschreiberci: Schneider. Großh. Bad. Staat» Eisenbahnen. Wir haben öffentlich zu verdingen die Lieferung von: W.709.2.1 Telegraphenstangen von verschiedener Länge und Ticke. Angebote sind schriftlich, verschlossen und mit der Aufschrift: „Verdingung 27. Dezember 1905, Telegraphenstangen" versehen, spätestens Mittwoch den 27. Dezember 1905, nachmittags 3 Nhr, bei uns einzureichcn. Die Lieferungsbedingungen und der Angebotsbogcn werden auf portofreie Anfrage von uns abgegeben. Die Zuschlagsfrist ist auf 3 Woche« festgesetzt. Karlsruhe, den 5. Dezember 190c>. Gr. Verwaltung der Eisenbahn Magazine.