Karlsruher Minna. Donnerstag, 4. Februar. .-N 35 Karl-FriedrichS-Straße Nr. 1t, woselbst auch die Anzeigen in Empfang genommen werden, im 8 Expedition: Vorausbezahlung: vierteljährlich 3 M. 50 Pf.; durch die Post ini Gebiete der deutschen Postvrrwaltung, Briefträgergcbiihr eingerechnet, 3 M. 65 Pf. EiurückuugSgebühr: die gespaltene Prtitzeile oder deren Raum 20 Pfennige Briefe und Gelder frei. - . - ---- - - - - -- -. 18 SÄ Nichtamtlicher Theil. Karlsruhe, den 3. Februar. Erst am 6. Februar werden die Reichstagswahlen in Nogar« vollkommen zum Abschluß gelangt sein; indessen ist die Zahl der noch zu besetzenden Mandate eine so geringe, daß schon heute ein Urtheil über das Wahl- ergebniß ausgesprochen werden kann, das im Wesentlichen nicht mehr zu modifiziren sein wird. Die liberale Partei, welche am Schlüsse des vorigen Reichstags über 242 Stimmen von 415 verfügte, befindet sich bereits jetzt in sicherem Besitz von 223 Mandaten, und da die noch ausständigen Wahlen zumeist in regierungsfreundlichen Wahlkreisen stattfinden, so dürfte dieselbe so ziemlich in der früheren Stärke in das Abgeordnetenhaus zurückkehren. Zieht man in Betracht, daß die vom kroatisch-slovenischen Landtag in den ungarischen Reichstag entsendeten 40 Abgeordneten, welche oben nicht in Ansatz gebracht sind, in der Regel mit der Regierung gehen, so darf man die künftige Mehrheit auf 80 his 90 Mann anschlagen. Das frühere Stimmenverhältniß wird im neuen Abgeordnetenhaus« demnach fast unverändert bleiben. In England steht das Ergebniß der neulich vorge- nvmmenen Ersatzwahl in Rossendale, dem früheren Wahlkreise des Marquis v. Hartington, noch immer im Vordergründe des politischen Interesses. Auch die konservativen Wochenblätter „Saturday Review" und „Spectator" können nicht umhin, ein ernstes Anzeichen für die Stimmung der Wähler in dem Ergebniß zu sehen. Das letztgenannte Blatt hält es sogar für nicht unwahrscheinlich, daß noch andere Wahlkreise dem Beispiele Rossendale'S bald folgen würden. Bei den Liberalen ist das stürmische Verlangen nach sofortiger Auflösung des Parlaments, welches sich unter dem Jubel über den Sieg von Rossendale geltend machte, mittlerweile kühleren Erwägungen gewichen. Besonnene Liberale halten es gar nicht für möglich, eine Auflösung zu erzwingen. Die Regierung denkt aber zunächst noch nicht an die Auflösung; sie will erst im Parlament den Gesetzentwurf zur Aenderung der irischen Lokalverwaltung durchberathen sehen. Was übrigens Herrn Gladstone betrifft, so wird er zur Parlamentseröffnung nicht in London erscheinen; er hat wegen der noch immer in England herrschenden Influenza seine Rückkehr aus Biarritz um einige Wochen verschoben. Deutschland. * Berlin, 2. Febr. Während der heutigen Morgenstunden fuhr Seine Majestät der Kaiser zum Reichskanzler Grafen v. Caprivi, um einen Bortrag desselben cntgegenzunehmen, und stattete im englichen Botschafterpalais einen Besuch ab. Dann arbeitete der Kaiser mit dem Chef des Militärkabinets und empfing den General der Kavallerie und Generaladjutanten Prinzen zu Hohen- lohe-Jngelfingen, welcher die Orden seines kürzlich verstorbenen Bruders, des Generals der Artillerie Kraft Prinzen zu Hohenlohe-Jngelfingen überbrachte. Ferner ertheilte der Kaiser dem neuernannten Militärattache bei der hiesigen Rumänischen Gesandtschaft, Major Leon Mawrokordato, Audienz. Am Nachmittag empfing der Kaiser den Kommandeur des Grenadierregiments König Friedrich Wilhelm lV. (1. Pommer'sches) Nr. 2, Oberst v. Frankenberg und Proschlitz, welcher das neu bearbeitete Regimentsbuch des g-nanntcn Regiments überreichte. — Der Dankerlaß Seiner Majestät des Kaisers an den Reichskanzler, den wir schon kurz erwähnt, hat nach dem „Reichsanzeiger" folgenden Wortlaut: „Die Feier meines Geburtstags, auf welche leider die jüngsten tiefschmerzlichen Ereignisse in mir nahe verwandten und eng befreundeten Fürstenhäusern ihre Schatten warfen, hat wiederum in den weitesten Kreisen Anlaß gegeben, mir mannigfache Beweise liebevoller Theilnahme darzubringen. Groß ist die Zahl schriftlicher und telegraphischer Glückwünsche, welche mir aus allen Gauen des engeren und weiteren Vaterlandes, sowie von außerhalb lebenden Deutsche« zugegangen sind. Ich bin durch diese Aufmerksamkeiten zu meinem Geburtstage aufs freudigste bewegt, kann ich doch in ihnen den erneuten Ausdruck treuer Gesinnung und zuversichtlichen Vertrauens seitens meines Volkes erblicken, auf dessen Wohlergehen unausgesetzt bedacht zu sein die vornehmste Pflicht meines fürstlichen Berufes ist. Es drängt mich daher, Allen, welche meiner — sei es einzeln, sei es als Mitglieder von Behörden, Korporationen und Vereinen oder als Theilnehmer an festlichen Veranstaltungen — in sinniger Weise gedacht ! haben, hierdurch meinen wärmsten Dank zu erkennen zu geben, und beauftrage ich Sie, diesen Erlaß zur öffentlichen Kenntniß zu bringen. Wilhelm I. k." — Gestern Nachmittag besuchte Seine Majestät der Kais er in Begleitung des Kultusministers Grafen Zedlitz und des Generaldirektors der königlichen Museen, Geh. Rath Schöne, das Atelier des Bildhauers Prof. Schaper in der Buchenstraße, um dort das Modell zum Stand- bilde des Fürsten Blücher, bas zur Erinnerung an den Rheinübergang (in der Nacht zum 1. Januar 1814) in Caub errichtet werden soll, in Augenschein zu nehmen. — Einiges Aufsehen erregt ein im „Vorwärts", dem offiziellen Organ der sozialdemokratischen Partei, veröffentlichter Erlaß, der vom kommandirenden General des Königlich sächsischen Armeecorps, Prinzen Georg ! von Sachsen, ergangen ist. Der Erlaß, datirt vom ! 8. Juni 1891, beschäftigt sich mit mehreren in letzter ^ Zeit vorgekommenen kriegsgerichtlichen Untersuchungen ! wegen körperlicher Mißhandlung Untergebener durch Vor- ! gesetzte; führt eine Reihe solcher Fälle an, welche „auf ^ einen hohen Grad der eingeriffenen rohen Gesinnung i und Gefühllosigkeit schließen lassen"; betont, von welchen j empfindlichen Folgen diese Fälle für die betreffenden ! Unteroffiziere gewesen sind — in 6 Fällen hat das Mi- ' litärgericht auf zusammen 18'/. Jahr Gefängniß erkannt j und dreimal Degradation ausgesprochen! Endlich macht ^ der kommandirende General des sächsischen Armeecorps, - Prinz Georg, den Regiments- re. Kommandeuren zur ! Pflicht, dem hervorgetretenen Mißbrauche mit Aufbietung aller Kräfte zu steuern. Einige Blätter kündigen an, ! daß der Erlaß im Reichstage zur Sprache gebracht werden wird. Dem gegenüber bemerkt die „Nordd" Allg. Ztg.": „Obwohl es außer Zweifel ist, daß diese- offenbar nicht für die Oeffentlichkeit bestimmte Aktenstück nur durch einen Ber» trauensmißbrauch in die Hände der sozialdemokratischen Publizistik gelangt sein kann, so vermögen wir doch nicht abzusehcn, wie man sich dessen Verwendung bei den Verhandlungen des Reichstags über den Militäretat denken mag. Daß jede körperliche Mißhandlung Untergebener ein arger Mißbrauch ist, steht außer jedem Zweifel. Daß dieser Mißbrauch vorkommt, ist gewiß bedauerlich; unzweifelhaft aber verdient cs die höchste Anerkennung » wenn die höheren Truppensührer demselben in jeder ihnen möglichen Weise entgegentreten, waS auch der gedachte Erlaß in hervorragender Weise thut, indem er die Kommandeure zur strengsten Pflichterfüllung anspornt. Sollte man es also einerseits dankend anerkennen, wenn die Militärbehörden in so energischer Weise vorgeben, um Mißbräuchen zu steuern, Mißbräuchen. für welche gerade dort, wo eine große Zahl junger, im kräftigsten Lebensalter stehender Männer in fortdauerndem Persönlichen Kontakt steht» ein Bode» gegeben ist, so läßt doch andererseits auch die Strenge nichts zu wünschen übrig, mit welcher die Militärgerichte den Uebelthätern begegneten. Man vergegenwärtige sich nur, daß, wenn ein Strolch einem harmlosen Passanten auf offener Straße mit der Faust in'S Gesicht schlägt, die Civilgerichte solche Rohheit mit Strafen von wenigen Wochen gebüßt erachten, während das Militärgericht für die in dem Erlaffe angeführten Fälle, bei denen es sich allerdings um Mißbrauch der Amtsgewalt handelt, auf Strafen von 2 bis zu 5 Jahren erkannte." — Der Königliche Gesandte in München, Graf z u Eulenburg, ist von seiner Erkrankung hergestellt und hat die Leitung der Gesandtschaftsgeschäfte wieder übernommen. — Der Präsident des Abgeordnetenhauses, v. Koller, welcher seit zwei Wochen an der Influenza erkrankt war, wird morgen im Abgeordnetenhause wieder erscheinen. — Major v. Wiß mann hat Kairo verlassen und sich nach Oberegypten begeben. Seine Gesundheit war in letzter Zeit besser, aber noch schwankend. Die von Wiß- mann für die ostafrikanische Schutztruppe angeworbenen 300 Sudanesen sind in Dar-es-Salaam eingetroffen. Ihre körperliche Beschaffenheit läßt nichts zu wünschen übrig. Es werden aber vorläufig noch 300 Zulus gewünscht, zu deren Anwerbung Oberführer Schmidt und Oberarzt vr. Becker sich nach Mozambique und Juhambane begeben haben. Eine weitere Anwerbung von 200 Zulusoll später stattfinden. — Die Budgetkommission des Reichstags wird morgen die Berathung über das Extraordinarium de- Militäretats beginnen. Aus der ersten Sitzung ist hervorzuheben, daß nach der Erledigung des Ordinariums verschiedene bei Beginn der Berathung gestellte Anfragen resp. Anträge diskutirt wurden. Wir stellen darüber folgende Mittheilungen zusammen: Aba. Gröber beantragte, den Reichskanzler zu ersuchen, die Veröffentlichung einer Statistik der von den Militärgerichten erledigten Strafsachen zu veranlassen. General v. Spitz erklärte, er könne keine bestimmte Zusage machen. Zur Zeit sei keine bestimmte Behörde für diese Arbeit vorhanden. Abg. Gröber erwiderte, er könne die Reffortschwierigkeiten nicht anerkennen. Der Antrag Gröber wurde mit König Heinrich V. - r. Der Spielplan der Großh. Hofbübne kündigt sür nächsten Freitag „König Heinrich V." an. „König Heinrich V." ist das vierte Stück in der Reihe der acht unmittelbar auf einander folgenden Historien Shakspeare's. Er beendigt also die erste Hälfte des ganzen Historiencyklus. Es ist aber nicht willkürlich, von einer ersten und einer zweiten Hälfte des Historiencykus zu reden- vjelmehr ist diese Unterscheidung aus inneren Gründen wahlberechtigt. Die acht Dramen von „König Richard II." bis „König Richard Hl." sind bekanntlich von Shakspeare nicht in der Reihenfolge gedichtet worden, in der die Zeitverhältniffe spielen; wohl aber sind je vier von ihnen im Zusammenhänge und in unmittelbarer Aufeinanderfolge entstanden. Die letzte Hälfte der Königsdramen - Reibe (die drei Theile „Heinrichs VI." und „Richard lll." umfassend) war früher da als die erste („Richard H.", „Heinrich IV." und „Heinrich V."). Shakspeare hat von Haus aus nicht die Absicht gehabt, die ganze englische Geschichte von 1398 bis 1485» die den Inhalt feiner Königsdramen bildet» zu dramalisiren. Er fing, noch in jungen Jahren, mit „Heinrich VI." an und schrieb gleich darauf „Richard III ". Erst darnach gelangte der Dichter dazu, auch die Geschichte der vorangegangeneu Könige von „Richard II " bis zu „Heinrich V." gleichfalls zu dramatisiren. Man spricht deßhalb auch von zwei gesonderten Theilen der Königsdramen, indem man zwischen der Lancaster- Tetralogie» die mit „Heinrich V." ihr Ende erreicht, und der Aork- Tetralogie unterscheidet. Die Lancaster - Tetralogie zeigt uns den Dichter auf einer viel bedeutenderen Höhe seiner Kunst und seiner Menschenkenntniß als die N°rk-Tetralogie. Sie ist auch auf der Bühne heimischer geworden. „Richard II." und die beide» Theile „Heinrichs IV." lassen sich öfters auf dem Theater sehe». Bon der Aork-Tetralogie wird dagegen „Heinrich VI." nur daun aufgeführt, wenn es gar nicht zu umgehen ist» d. h. wenn die Historien in ihrem Zusammenhang dargestellt «erdeo, und selbst dann zieht man das fünfzehnaktige Werk in zehn oder gar in fünf Akte zusammen. Nur „Richard III " hat von den . Stücken der Aork-Tetralogie Bürgerrecht auf der Bühne erlangt. ? Er verdankt das der gewaltigen Figur Richards» an die von ^ jeher die größten Schauspieler Englands und Deutschlands ihr ganzes künstlerisches Können gesetzt haben. Aber es ist un- . zweifelhaft, daß der gereifte Shakspeare niemals eine Figur von i der übertriebenen Einseitigkeit Richards III. geschaffen haben ^ würde. l Mit der für nächsten Freitag angesetzten Aufführung von ^ „König Heinrich V." rückt somit die Darstellung der Shakspeare'- ! scheu Königsdramen an unserer Buhne bis zum letzten Stück der l Lancaster-Tetralogie vor. Man darf wohl annehmen, daß sich § diesem Drama die lebhafte Theilnahme unseres Publikums zu- j wenden wird, nachdem wir zuvor diejenigen beiden Stücke gesehen z haben, in denen die Charakterenlwicklung Heinrichs V. geschildert ist. Mit besonderer Vorliebe bat Shakspeare bei dem Bilde Heinrichs V. geweilt. Ec hat dieses Bild mit der größten Sorgfalt, der liebevollsten Aufmerksamkeit gemalt. Wie Heinrich V. aus einem Jüngling, der die Gesellschaft Falstaffs genoß, zu einem wahrhaft königlichen Mann beranreiste und wie alle edlen Keime seiner Natur sich allmählig zu einer großartigen Blüthe entfalteten, das führt uns Shakspeare mit einer Gewissenhaftigkeit vor, die gerade in den Historien nicht viele Seitenstücke hat- In den beiden Theilen „Heinrichs IV." ist der Entwicklung des späteren Heinrich V. ein außerordentlich breiter Raum gewährt. Der letzte Theil von „König Heinrich IV." schließt damit ab, daß wir den neuen König Heinrich V. im Moment seiner Krönung, in seinen ersten weisen und besonnenen Regicrungsmaß. regeln sehen. Zur Entfaltung des Charakters Heinrichs V. konnte Shakspearz jetzt nichts mehr thun; es handelte sich in dem Drama, das den Nomen dieses Königs trägt, lediglich darum, Heinrich in der Bethätigung seiner wahrhaft königlichen Eigenschaften zu zeigen. Und das gelingt dem Dichter, wenn wir von ein paar Einzelheiten absehen, die zu dem leuchtenden Wesen und dem glorreichen Thun des König- Heinrich V. nicht recht paffen wollen, in vollendeter Weise. Was uns die Freude an der Ge" stalt Heinrichs V. einigermaßen stört, das ist einerseits eine stellenweise hervortretende Ruhm- und Schönrednerei, die mit dem bescheidenen und männlichen Wesen Heinrichs nicht in Einklang zu bringen ist, und andererseits der Befehl Heinrichs in der Schlacht von Azincourt. die Kriegsgefangenen zu tödten. ein Befehl, der aus den Charakter Heinrichs ein häßliches Licht wirft, weil er durch die militärische Lage nicht hinreichend gerechtfertigt wird. In der zwar kriegerischen und leidenschaftlichen, aber von üppigem Bilderschmuck überwucherten Ansprache Heinrichs an seine Soldaten vor dem Angriffe auf Harfleur, und ebenso in der Rede Heinrichs an die Bürger von Harfleur, die zur Unterhandlung auf den Mauern dieser Stadt erscheinen, erkennt man den König kaum wieder. Hier ist die Gedanken- und Bilderfülle deS Dichters so weit gegangen, daß die Grundlinien des Charakters vorübergehend unkenntlich werden. Es ist auch sehr die Frage, ob ein so hochsinniger und edler Fürst, wie Heinrich V.. überhaupt so eingehend bei den Schreckbildern bestialischer soldatischer Ausschreitungen verweilen und sich mit solcher überschwänglicher Phantasie in die Vorstellungen der schlimmsten Gräuel vertiefen wird, wie cs in der Ansprache Heinrichs an den Befehlshaber und die Bürger von Harfleur geschieht. Schlimmere- noch thut Shakspeare seinem „Heinrich V." an, indem er ihn den erwähnten Befehl zur Ermordung der Kriegsgefangenen erlheilen läßt- Daß der Befehl erging, ist freilich eine geschichtliche Thatsache. Sache des Dichters wäre es aber gewesen, ihn so zu motiviren, daß er dem Charakterbild! seine- Helden keinen Eintrag thut. Statt dessen hat Shakspeare gerade diejenigen geschichtlichen Umstände, die zur Entlastung des Königs Heinrich dienen, unbeachtet gelassen und der Mordbefebl erscheint in dem dichterischen Werke viel barbarischer als in der Geschichte. In Wirklichkeit gab Heinrich V. den Befehl, als ein Tumult im englischen Lager die Meinung wachrief, der Feind habe die Truppen Heinrich» im Rücken angegriffen und die Befürchtung nahe lag, der einmal in da- Lager eingebrochene Feind könne durch die Kriegsge» großer Mehrheit angenommen. Auf eine Anfrage des Grafen v. Behr über Beränberungcn der Ausrüstung und llniformirung theilte General v. Funck mit. mit neuen Helmen seien Bersucde gemacht, aber noch nicht abgeschlossen. Die Militärverwaltung sei au< wirthschaftlichen Gründen gegen eine radikale Umgestaltung. DieTruppenabzeichen dürfen nicht gänzlich beseitigt werden, da sonst die Gefahr vorläge, daß die Truppen sich selbst beschießen, zumal Nachtgefechte in Zukunft häufiger sein würden. General v. Goßler theilte mit, daß die neu eingeführten Sättel befriedigen. Die neuen Lanzen haben sich durchaus bewährt und seien eine bedeutende Verbesserung gegen früher. Borkommende Mängel erklären sich durch noch mangelnde Ucbung in der Handhabung, wogegen Abhilfe geschaffen werde. Die Versuche mit Aluminiumfeldflaschen versprechen Erfolg und dieses leichte Metall würde auch für andere Thrile der Ausrüstung versucht werden. Die neue Farbe für Mäntel sei zunächst nur ein Versuch, da die bisherige Farbe sich als nicht dauerhaft genug erwiesen habe. Unsere Ausrüstung müsse wesentlich derartig sein, daß sie eventuell für Winter- und Sommerfcldzug sich eigne. Abg. Or. Kammacher bemängelte die große Belastung der Infanteristen, indem er sich auf einen von Major Klein verfaßten Artikel stützte. General ». Funck erwiderte, die Militärverwaltung sei bestrebt, möglichst Erleichterungen zu schaffen, das lasse sich aber nicht so leicht durchführen, wie es die Schriftsteller darstellen. Abg. Buhl konkatirte die vielfachen Bedenken gegen die Ausrüstung der ganzen Armee mit Zelten und gegen die stehenden Kragen bei der Infanterie. General v. Funck erwiderte, die Zeltfrage sei schwierig, schon wegen der Kosten; auch sachliche Bedenken seien geltend gemacht worden. Die Frage sei aber nicht vom grünen Tisch aus zu lösen. Di« Truppen haben sich durchweg dafür ausgesprochen wegen der großen Vortheile für die Nachtruhe und der Verminderung der Krankheiten. Stehende Aragen seien nothwendig wegen eines eventuellen Winterfeldzuges. Graf v. Ballestrem führte aus, die Zelte seien in erster Linie bestimmt, gegen die Niederschläge zu schützen, weniger gegen die Kälte, sie seien sehr nützlich und durchaus zu empfehlen. Abg. Lingens erbat Auskunft wegen der Sonntagsruhe beim Militär. General v. Goßler erwidert: Kein Soldat solle Sonntags am Besuch des Gottesdienstes verhindert sein, abgesehen vom Wachdienst Auf Fragen des Abg. Lingens wegen deS Gottesdienste- der Truppen im Manöver erklärt General v. Goßler, daß im Manöver entweder allgemeiner Gottesdienst für alle Truppen veranstalet werde, oder den Truppen zum Besuch der Kirche sreigegeben sei. Eine Statistik der Selbstmorde vorzulegen sagte General v- Spitz zu. Ein allgemeines Verbot des Besuchs der Wirthichaftrn mit weiblicher Bedienung erklärte General v. Goßler für unmöglich: im Allgemeinen werde der Besuch von Lokalen, in denen die Moral gefährdet erscheine, untersagt. Abg. Richter erbat Auskunft wegen des neuen Kasernirungsplans. General v. Funck antwortete: Ein neuer Kasernirungsplan sei nothwendig, es sei aber zur Zeit nicht möglich, ihn aufzustellen wegen der zahlreichen Trupvenverschiebungen» welche in den letzten Jahren stattgefunden haben. Einleitungen seien getroffen, zu ermitteln, welche Vergütungen zu zahlen seien für Bürgerquartiere rc. Der Neubau von Kasernen richte sich nach den Vorschriften von 1388, deren wesentliche Neuerungen dem Reichstag mitgetheilt worden seien. Es seien nur wenige Neuerungen bezüglich der Montirungskammern und der Unterbringung der verheiratbeten Unteroffiziere in besonderen getrennten Abthei- lungen. Tbeilweise seien die Wohn- und Schlafräume in der Kaserne getrennt worden. Man habe damit nicht ungünstige Erfahrungen gemacht. Die dadurch veraulaßten Mehrkosten seien nicht erheblich. — Im vorigen Jahre ist ein Reichsgesetz erlassen worden, das sich auf die Prüfung der Läufe und Verschlüsse der Handfeuerwaffen bezieht. Dieses vom 19. April 1891 datirte Gesetz bestimmt, daß seine Inkraftsetzung durch eine Verordnung des Bundesraths bewirkt werden soll. Eine solche Vorschrift war nothwendig, weil in 8 1 des Gesetzes festgesetzt ist, daß Handfeuerwaffen jeder Art nur dann fellgehalten oder in den Verkehr gebracht werden dürfen, wenn ihre Läufe und Verschlüsse nach den Vorschriften des Gesetzes in amtlichen Prüfungsanstalten geprüft und mit Prüfungszeichen versehen sind. Das Gesetz kann demnach seinem vollen Umfange nach nur in Kraft treten, wenn Prüfungs- anstaltcn in der erforderlichen Anzahl durch die Landesregierungen, denen hierzu durch den einzigen bisher schon zur Geltung gelangten ß 8 des Gesetzes dre Befugniß übertragen ist, errichtet sein werden. Wie man hört. fsngenen Verstärkung erlangen. Shakspeare's Heinrich V. er- theilt den grausamen Befehl ober schon auf die Wahrnehmung hin, daß der Feind sich wieder sammele : „Horcht, was ist das sür ein neu Getümmel? Der Feind bat sein zerstreutes Volk verstärkt; so tödte Jeder seine Kriegsgefangenen. Gebt weiter den Befehl." Daß hinterher eine andere Auslegung des Mordbefehls zur Sprache kommt, verbessert die Sache nicht; wir halten uns berechtigter Maßen an das, was wir mit eigenen Augen gesehen haben, unb darnach bat Heinrich ohne zwingende Nvthwendigkeit den Befehl gegeben, den nur die äußerste Noth- lage ihm hätte entreißen dürfen. Krepssig hat Recht: man Kat es hier mit einem „Riß in der Entwicklung dieses so wunderbar tief angelegten und sonst mit so seltener Konsequenz durchgesührten Charakters" zu thun, mit einem Riß, der „durch keine Auslege- kunst zu bemänteln" ist. Aber setzt man sich über diese Bedenken hinweg, so kann man nur mit vollster Bewunderung der prachtvollen Charakterschilderung folgen. Es ist meisterhaft» wie Heinrich V. ,n dem nach ihm genannten Stück sich gleich im ersten Akte kennzeichnet. Noch bildet cs das Erstaunen Englands, wie der Prinz, der die Schenke zu Eastcheao dem königlichen Hose und die Gesellschaft Falstaffs dem Umgang der Großen vorzog, mit einem Ruck sich zu majestätischer Würde aufrichtete; in Frankreich spottet man noch des lustigen lungen Königs und der Dauphin schickt ihm höhnend eine Kiste Spielbälle; aber schon die erste Scene zeigt den König auf der Höhe seiner Stellung. Erst prüft er, ehe er stch in den Krieg mit Frankreich einläßt, seine Rechtsansprüche: eindringlich mahnt er den Erzbischof von Canterbury, genau zu untersuchen und frei darüber zu sprechen, „ob uns das salische Gesetz in Frankreich von unserem Anspruch ausschließt oder nicht." Selbst nach der langen (und für die Bühne sogar viel zu langen) Auseinandersetzung des Erzbischofs wiederholt er die Frage: „Kann ich nach Pflicht und Recht die Forderung thun?" Als alle Stimmen ihn zu dem Krieg mit Frankreich aufsordern, bringt er das Bedenke» vor, daß während seines Kriegszugs nach Frankreich die Schotten io das Land eiofallen könnten. Und erst nachsind nun die Verhandlungen über die Errichtung solcher Prüfungsanstalten innerhalb der verschiedensten Landesregierungen im Gange. Es soll sich dabei herausgestellt haben, daß für verschiedene Bundesstaaten eine gemeinsame Anstalt genügen würde, wie einerseits für solche Staaten, in welchen die Waffenindustrie größer ist, mehr als eine Anstalt ins Auge gefaßt ist. Was Preußen betrifft, so darf es ja als selbstverständlich gelten, daß Suhl eine Prüfungsanstalt erhält, jedoch sollen auch an anderen Orten, wo sich ein Bedürfniß dazu gezeigt hat, Anstalten errichtet werden. Sobald die Frage der Errichtung der Prüfungsanstalten entschieden sein wird, wird man sich auch mit derjenigen beschäftigen müssen, ob den sür die Spitze der Anstalten in Aussicht genommenen Staatsbeamten auch Beiräthe aus den Inhabern von Gewehrfabriken, Kleinmeistern rc. beizugeben sind. Man hofft, daß diese Fragen bald überall werden zur Entscheidung gelangen können, so daß in nicht zu ferner Zeit die im Gesetze vorgesehene Verordnung des Bundesraths über das völlige Inkrafttreten wird erlassen werden können. — Das Schiedsgericht in Sachen der Del agoa-Bai trat laut telegraphischer Mittheilung aus Bern gestern unter Theilnahme sämmtlicher Mitglieder zu einer Sitzung zusammen und stellte endgilkig die Bestimmungen für das einzuschlagende Prozeßverfahren fest. Die Beschlüsse wurden sofort den Parteien zugestellt. München, 2. Febr. Einige Blätter bringen wieder Nachrichten über eine im Krankheitszustand Seiner Ma- jestät des Königs eingetretene Verschlimmerung. Auf Grund eingeholter Informationen können wir, so sagt die „Allg. Ztg.", mittheilen, daß diese Nachrichten unbegründet sind. Bei Krankheiten dieser Art sind Schwankungen im Befinden der Patienten selbstverständlich, ohne daß aus ihnen Schlüsse auf akute Verschlimmerung gezogen werden können, wenngleich andererseits der Krankheitsprozeß an sich ein zwar langsames und kaum bemerkbares, aber doch fortschreitendes Zerstören des Ge- sammtorganismus ist. Straßburg, 2. Febr. Im Landesausschuß erörterte heute bei der Generaldebatte über den Etat der Unterstaatssekretär Schraut die günstige Finanzlage. Er schilderte im Ferneren die Grünvzüge der projektirten Steuerreform und hob hervor, oaß ungeachtet der großen und zahlreichen Unternehmungen namentlich zu Gunsten der Landeskultur der Reservefond höher sei als die laufenden Verpflichtungen. Orsterreich-Nngarn. Wien, 2. Febr. Heute fand hier die Taufe der Tochter des Erzherzogs Franz Salvator und der Erzherzogin Marie Valerie statt. Der Feier wohnten Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin, der Erzherzog Franz Salvator, sämmtliche in Wien weilenden Mitglieder des Kaiserlichen Hauses, Prinz Leopold, Prinzessin Gisela von Bayern mit ihren Töchtern, Ministerpräsident Graf Taaffe, der Minister des Aeußern, Graf Kalnoky, der Minister am Hoflager des Königs von Ungarn, v. Szögyenyi, und die obersten Hoschargen bei. Die Kaiserin war Taufpathin. Die Prinzessin erhielt die Namen Elisabeth Maria Franziska Karolina Jgnatia. — Bei den Reichstagswahlen in Ungarn hat die liberale Partei gestern wieder mehrere Sitze gewonnen. Die Gesammtzahl der liberalen Mandate beläuft sich nun auf 236 und dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach am heutigen Wahltage 241 erreichen. Es ist nach dem jetzigen Stande fast mit Bestimmtheit vorauszusehen, daß nach Schluß der Wahlen die Liberalen in der gleichen Stärke wie im früheren Reichstage vertreten sein werden, da die Differenz zwischen den verlorenen Mandaten und den gewonnenen immer mehr zusammenschrumpft. Gestern wurde Staatssekretär Zulawsky zum zweiten Mal gewählt, womit die Regierungspartei die vierte Doppel-' Wahl zu verzeichnen hat. Die Entscheidung bezüglich der Doppelwahlen wird erst in vierzehn Tagen erfolgen, da erst nach Eröffnung des Reichstages eine Option für das dem Alles wohl überlegt ist, sagt er das Wort: .Wir sind entschlossen", und er fügt die Worte hinzu, die zugleich seinen Hel- denmuth, aber auch die Sucht nach Wortgepränge in diesem Drama kennzeichnen: „Wenn die Geschichte nicht mit vollem Mund kühn meine Thaten spricht, so sei mein Grab gleich einem türk'schen Stummen ohne Zunge". Gerecht, besonnen und muthig zeigt König Heinrich V. sich sofort in dieser unvergleichlichen Eingangsscene. Nicht minder scharf wird Heinrich durch den Verlauf seiner SKne im zweiten Akt beleuchtet; er sucht den gegen ihn Verschworenen ein Wort der Milde über eine Majestäts- beleidiguug zu entlocken, die ein armer Schelm sich zu Schulden komme» ließ, und als sie hart und mitlndslos bleiben, packt er sie. die so viel Schlimmeres begangen haben, bei ihren eigenen Worten. Die Wahrheitsliebe, Geradheit und fromme Zuversicht Heinrichs offenbart in der Antwort des Königs an Montjohe (Akt 3, Sc. 6) sich vortrefflich. Heinrichs Scenen im Lager bei Azincourt (4. Akt) sind ein vielbewundertes Meisterstück des Dichters; hier haben wir Heinrich in der ganzen Größe und Echtheit seiner liebenswürdigen Natur. Mit dem heiteren Gleich- muth seiner Seele, den ihm Gottvertrauen und das Bewußtsein des eigenen Wertbes geben, wandelt er unerkannt durch das Lager; Ernst und Scherz verbinden sich in ihm zu voller Harmonie, wie auch in den Scenen selbst Ernst und Scherz sich mit einander verbinden und unmittelbar an das lustige Zwiegespräch zwischen König Heinrich und dem Soldaten Williams sich der großartige Monolog Heinrichs: „Nur aus den König I" anschließt. Die Schlichtheit bei so viel natürlicher Würde und die Leutseligkeit Heinrichs spricht sich in den folgenden Scenen des Königs mit Fluellen und Williams in der gefälligsten Weise aus und in der reizenden Scene des Königs mit der Prinzeisin Katharina sehen wir den einstigen Uebermuth und die lustige Laune des tollen Prinzen Heinrich veredelt und verklärt wieder. Dieses Zusammentreffen deS Königs mit Katharina und die anmulhige Figur der Katharina überhaupt hatte Shakspeare schon im Sinne, als er den zweiten Theil „Heinrichs IV." auf die Bühue brachte; wir wissen das aus dem Epilog zu „Heiaeine oder andere Mandat und die Ausschreibung der Neuwahlen stattfinden kann. Frankreich. Paris, 2. Febr. Daß Frankreich seit dem gestrigen Tage unter der Herrschaft des neuen Zolltarifs steht, merkt die Bevölkerung an der Preissteigerung zahlreicher Verbrauchsartikel. Es war ja vorauszusehen, daß die Preise zahlreicher Maaren und namentlich vieler Lebensmittel wie Wein und Fleisch sich steigern würden; aber die Preissteigerung ist für den Augenblick viel größer als man befürchtet hatte, und ganz Paris jammert heute über die Preiserhöhungen. Dieselben sind eine natürliche Folge des erhöhten Zolltarifs und werden sich voraussichtlich in der Zukunft noch mehr bemerkbar machen, wenn auch zugestanden werden muß, daß ein Theil der Preissteigerungen völlig unberechtigt und nur in dem Wunsche der Kaufleute begründet ist, ihren Verdienst zu vermehren. Die Maaren sind ja in der That zum Theil theurer geworden, aber nicht in einem Verhältniß, welches die vorgenommenen Preiserhöhungen berechtigen würde. Jndeß die Pariser Kaufleute verstehen die Kunst des „nach oben Abrundens" ganz meisterhaft, und wenn sie z. B. auf ein halbes Kilo Waare einen Centim mehr zu bezahlen haben, so stellen sie das unter dem Vorwände der Üntheilbarkeit der Sous ihren Kunden mit fünf Centimens in Rechnung, so daß ihnen also aus dem neuen Zolltarif ein Reingewinn von vier Centimes erwachsen würde. Das ist aber nur eine mäßige Erhöhung resp. Uebervortheilung, und es geschehen auch ganz phantastische Dinge, im höchsten Grade willkürliche Erhöhungen, die dem neuen Zolltarif auf seinen breiten Rücken geschrieben werden. Einige Bierwirthschaften nehmen jetzt für r/i Liter (den gewöhnlichen Schoppen) 35o, für einen halben Liter 60e und für den ganzen Liter 1,20kr, während die Preise bisher 30. 50c und lkr waren. Außerdem sind die Preise für Schinken, Würste, Käse und andere aus dem Auslande bezogene Lebensmittel' gesteigert worden. Die Weinhändler und Weinwirthe verkaufen noch zu den alten Preisen; obgleich eine Unmasse spanischen Weins über die Grenze geschafft worden ist, werden auch sie ihre Preise voraussichtlich bald erhöhen. Das wird für die weniger bemittelten Familien, die sich bisher bei ihren Mahlzeiten den üblichen Roth- weiu mit Wasser leisten konnten, ein harter Schlag sein, zumal auch die Fleisch- und Brodpreise in die Höhe gehen. Einige Metzger haben bereits gesteigert. Im Allgemeinen steht das Fleisch noch auf den alten Sätzen, die übrigens in der letzten Zeit schon so hoch waren, daß es fast wohlfeiler war, Geflügel zu essen als anderes Fleisch. Zum Theil kommt das daher, daß in den letzten Wochen die Viehmärkte der Billette viel weniger beschickt wurden, da die Züchter und Händler ihre Sendungen einschränkten, um die Hammel und Ochsen später zu den höhern Preisen anbringen zu können. Die Waarenge- schäfte verkaufen vorläufig noch zu den alten Preisen; aber auch hier sieht man die Steigerung schon voraus. In parlamentarischen Kreisen zeigt man sich sehr be- troffen über die ersten Ergebnisse der Anwendung des Generaltarifs auf Fleisch und Mehl. Es stehen Anfragen über diesen Gegenstand im Parlament in Aussicht. Auch im Publikum und besonders in den Arbeitervierteln wird die Wein-, Brod- gild Fleischfrage mit Lebhaftigkeit erörtert und und es ist eine begreifliche Erregung erkennbar. Die freihündlerischen Blätter verfehlen natürlich nicht, darauf hinzuweisen, daß sie das vorausgesagt haben, und thun das ihrige, um die Unzufriedenheit zn schüren; das wird ihnen um so leichter, als das Publikum in diesem seinen Geldbeutel betreffenden Punkte gar keinen Spaß versteht. Die ersten Erfahrungen, die man in Frankreich mit dem neuen Zollsystem macht, sind also recht wenig befriedigende; ob der von den extremen Schutzzöllnern versprochene Segen des neuen Zollregimes Nachkommen wird, müssen die Franzosen abwarten. Belgien. Brüssel, 2. Febr. Die Kammer begann heute die rich IV." Dieser Epilog zeigt aber auch, daß Shakspeare in einer anderen Richtung von dem ursprünglichen Plane zu „Heinrich V." abgewichen ist. Es ist hier eine der außerordentlich seltenen Gelegenheiten, die uns geboten sind, in die geistige Werkstatt des Dichters zn schauen. So wenig wir sonst darüber wissen, wie Shakspeare arbeitete, hier ist dafür ein außerordentlich interessanter Fingerzeig gegeben. In dem Epilog zum zweiten Theil „Heinrichs IV." heißt es: „Wenn Ihr nicht allzu sehr von fettem Fleische gesättigt seid, so denkt unser Verfasser die'Geschichte fortzusetzen, und zwar mit Sir John darin und Euch mit der schönen Katharina von Frankreich zu ergötzen; darin soll, so viel ich davon weiß, Falstaff sich zu Tode schwitzen, wenn ihn nicht zuvor schon Euer hartes Unheil um's Leben gebracht hat" Falstaff tritt indessen in „Heinrich V." nicht mehr auf. Der Dichter erkannte, daß sür den dicken Sir John kein Raum mehr in der Anlage seines Stückes, wie sie sich bei reiferer Prüfung des Planes in ihm gestaltete, vo> Händen war und er verzichtete auf die Wetterführung dieser Figur. Welches Opfer er damit seiner eigenen künstlerischen Intention brachte, vermag man wohl zn würdigen. Er verzichtete auf das fernere Auftreten einer Figur, welche die größte humoristische Gestalt der Weltliteratur und eine der genialsten Schöpfungen Sbak- speare's ist, einer Figur, die schon den Jubel der Zeitgenossen Shakspeare's erregte und Gegenstand der uneingeschränktesten Bewunderung aller Zeiten sein wird. Wenn wir gerade in den Königsdramen öfter als sonst Zugeständnisse des Dichters an das Publikum seiner Zeit in Kauf nehmen müssen, die uns des großen Poeten unwürdig erscheinen, so darf mit um so gi ößerem Nachdruck auf ein Beispiel hingewiesen werden, wie Shakspeare seinen künstlerischen Absichten das größte Opfer bringen konnte. Nur Falstaffs wohlbekannte Freunde Pistol, Bardolph, Falstaff- Page finden auch in „Heinrich V." ihren Platz und zu ihnen kommt eine Fülle neuer Figuren, in denen der ganze Reichihum der eminenten Gestaltungskraft Shakspeare's sich dem staunenden Auge offenbart. Gerade in diesem Drama, mit welchem Shakspeare die Reihe Erörterung über den von Jansen, dem Führer der fort- kckrittlichen Liberalen, eingebrachten Antrag, die Revision der Verfassung betreffend. Mimsterpräsident Beernaert führte aus, die Revision könne nur stattfinden, wenn in den Kammern eine bestimmte Richtung deutlich rum Ausdruck komme und eine zuverlässige Majorität ?ür eine bestimmte Reform vorhanden ser. Er verlange «ickt daß man sich über eine bestimmte Vorlage einige, «ur daß über die Grundzüge der Reform eine Einigung errielt werde. Woeste. Fröre-Orban und Jansen ersuchten den Minister Beernaert. die Pläne der Regierung r» entwickeln. Beernaert erwiderte, die Revision betreffe zehn Artikel, darunter die Wahlgesetze, die Proportionelle Vertretung der Minoritäten, die Diäten der Deputaten, die Thronfolge und die Heirathen der Prinzen des Königlichen Hauses, sowie das Referendum des Königs. Woeste bekämpfte die Proportionelle Vertretung der Minoritäten und das Referendum. Ministerpräsident Beernaert erklärte. die Kammer werde freie Hand haben, die Anträge der Regierung entweder ganz oder theilweise anzunehmen; die Berathung sämmtlicher Anträge der Regierung muffe jedoch zu derselben Zeit statthaben. Die Kammer verwies die Anträge der Regierung betreffend die Verfaffungs- revision einstimmig an die Sektionen. Lutzland. St. Petersburg, 2. Febr. Mit dem Wechsel in der Leitung des russischen Verkehrsministeriums soll auch eine Aenderung in der Organisation dieses Ministeriums verbunden werden. Das Wolff'sche Bureau läßt sich von hier melden: „Dem Vernehmen nach ist es beabsichtigt, das Tarifwesen der Kroneisenbahnen und Pn- vatbahnen nach dem erfolgten Rücktritt des Ministers Hübbenet von dem Verkehrsministerium an das Finanzministerium übergehen zu lassen." Zur Erläuterung dieser Nachricht mag bemerkt sein, daß es während der Amtszeit Hübbenets zwischen diesem und dem Finanzminister Wyschnegradsky sehr häufig zu Differenzen kam, namentlich in Bezug auf Tariffragen, in denen der Chef des Verkehrsministeriums anderen Auffassungen folgte als der Finanzminister. Wenn jetzt das Tarifwesen der Eisenbahnen vom Verkehrsministerium abgezweigt und zum Finanzministerium geschlagen wird, so dürfte damit die Veranlassung zu ähnlichen Differenzen zwischen dem Nachfolger Hübbenets und dem Finanzminister Wyschnegradsky künftig wegfallen. Griechenland. Athen, 2. Febr. Prinz Georg ist an der Influenza erkrankt. (Prinz Georg, geb. zu Corfu am 24. Juni 1869, ist der zweite Sohn der griechischen Majestäten). Egypten. Kairo, 1. Febr. Die finanzielle Lage Egyptens erscheint beim Regierungsantritt des neuen Khedive in entschieden günstigem Lichte. Den englischen Blättern wird zu der bereits erwähnten Herabsetzung des Salzpreises und der Abschaffung der Gewerbesteuer aus Kairo gemeldet: Beide Erlasse finden allgemeinen Anklang, besonders jedoch der letztere, welcher eine von den ärmeren Europäern schwer empfundene Last entfernt. Die Steuer war wenig geschickt vertheilt und brachte im ganzen Jahr sowohl von Eingeborenen wie Europäern nur 50000 Pfd. Sterl. Die Herabsetzung des Salzpreises wird dem unerlaubten Handel in Salz voraussichtlich e n Ende bereiten. Die Generalversammlung der Notabeln ist zur Erörterung der Erlasse einberufen worden, wird jedoch zwei so volksthümlichen Maßnahmen keinerlei Widerstand entgegensetzen. Die Mächte haben einer Erhöhung der Verwaltungskosten der Regierung um 150000 Pfd. Sterl. pro Jahr ihre Zustimmung ertheilt. Diese Summe deckt den Ausfall in den Einnahmen, welcher durch die gänzliche Abschaffung des Frohndienstes entsteht. Badischer Landtag. * Karlsruhe, 3. Febr. 22. öffentliche Sitzung der Zweiten Kammer unter dem Vorsitz des Präsidenten Geh. Rath Lamey. Am Regierungstisch: Ministerialpräsident Geheimerath Nokk, die Ministerialräthe Heß, v. Jagemann, Dor- ner, Becherer und Oberamtsrichter Trefzer. Ziff. 1 und 2 der heutigen Tagesordnung fanden ihre Erledigung durch Bekanntgabe verschiedener neuer Einläufe und die Berathung des Berichts der Budgetkommission über das Budget des Großh. Ministeriums der Justiz, des Kultus und Unterrichts für 1892/93 Titel I seiner Königsdramen abschloß, wurde es dem Dichter freilich am klarsten, daß die dramatische Form dem Inhalt widerstrebte. Episches und Dramatisches stößt hier unausgesetzt aufeinander und der Dichter mußte das Stück gleich damit beginnen, im „Chorus" sein Publikum um Entschuldigung dafür zu bitten, daß der Stoff seines Werkes die dramatische Form sprengt. Ein Bühnenwerk nach den Gesetzen der Dramaturgie ist „Heinrich V " nicht, sondern, wie Bulihaupt es richtig ausdrückt, „ein englisches nationales Epos in dramatischer Form". Bon diesem Gesichtspunkte aus, das Werk als eia nationales Epos in dramatischer Form betrachtet, erscheint auch die bis zum Chauvinismus gesteigerte Verherrlichung des Engländerthums allein begreiflich. Aber was auch die Kritik gegen „Heinrich V." einzuwenden vermag, so bleibt das Stück ein kostbares Juwel in der Reihe der Königsdramen» und da vorhin der Name Kreyssigs genannt worden ist, so mag diese kurze Betrachtung über das am Freitag bei uns zur Ausführung kommende Werk auch mit den Worten geschloffen werden, in denen Kceyssig fein Urtheil resnmirl: „Wir sind weit entfernt, „Heinrich V." in Form und Inhalt für das ästhetisch einwandfreie Muster eines Dramas zu halten; wir geben einen Theil der komischen Scenen als Gefälligkeiten gegen einen nichts weniger als idealen Zeitgeschmack ohne weiteres Preis. Aber der großartige geschichtliche und poetische Gehalt dieses merkwürdigen Gedichts, der Zug einer hohen poetischen Vaterlandsliebe, die plastische Gestaltungskraft, diese Vorzüge des Ganzen können kaum überschätzt werden." bis VI, XI, XII der Ausgabe und Titel I der Einnahme wobei die sämmtlichen Positionen nach längerer Debatte angenommen wurden. An der Diskussion über die einzelnen Positionen betheiligten sich die Abgg. Muser, Kiefer, Venedey, Birkenmayer, Lohr, Friderich, Gesell, Weber, Rüdt, Fieser, Strübe, Wilckens, Bassermann, Kriechle, Wittum, Dreesbach; von Seiten der Regierung Geheimerath Nokk, die Ministerialräthe tz. Jagemann und Dorn er sowie Oberamtsrichter Trefzer. Die Sitzung wurde um 1 Uhr geschloffen. Die nächste Sitzung findet statt am Freitag den 5. d. M.. Vormittags 9 Uhr. T Karlsruhe, 3. Febr. j 23. öffentliche Sitzung der Zweiten Kammer. Tagesordnung auf Freitag den 5. Februar, Vormittags 9 Uhr: 1. Anzeige neuer Eingaben. 2. Berathung des Berichts der Petitionskommission über die Petition des Deutschen Frauenvereins „Reform" zu Weimar um Errichtung eines Mädchengymnasiums oder Zulassung deS weiblichen Geschlechts zur Ablegung des Maturitätsexamens; Berichterstatter: Abg. Schlusser. 3. Desgleichen der Budgetkommission über das Budget des Großh. Ministeriums der Justiz re. für 1892/93: Tit. VII der Ausgabe, Tit. II der Einnahme; Berichterstatter: Abg. Wittum. 4. Berathung des Kommissionsberichts über den Gesetzentwurf die Dienstaufsicht über die Gewerbegerichte betr.; Berichterstatter: Abg. Kiefer. Grotzherzogthum Baden. Karlsruhe, den 3. Februar. Heute Vormittag hörte Seine Königliche Hoheit der Großherzog den Vortrag des Geheimeraths Freiherrn von Ungern-Sternberg und ertheilte dem Militär-Ober- pfarrer Fingado Audienz. Darnach empfing Höchstder- selbe den kommandirenden General des 14. Armeecorps, General der Infanterie von Schlichting. Nachmittags nahm Seine Königliche Hoheit verschiedene Vorträge entgegen, darunter denjenigen des Legationsraths I)r. Freiherrn von Babo. » (Die Weserschifffahrt) zwischen Bremen und Geestemünde-Bremerhafen ist wieder ausgenommen. "(Den Nachlaß der Grundsteuer wegen außerordentlicher Unglücksfälle) bezweckt ein zunächst der Zweiten Kammer der Ständeversammlung vorgelegter Regierungsentwurf. Es soll darnach ein Nachlaß an der Grundsteuer statifinden, wenn landwirthschastlich benütztes Gelände durch Hagelschlag, Wolkenbruch oder Uebersckwemmung derart beschädigt wird, daß mindestens der dritte Theil der Ernte der betroffenen Grundstücke als zerstört anzusehen ist. Der Nachlaß beträgt bei einer Beschädigung von einem Drittel und darüber, aber unter zwei Dritteln °/,o, bei einer solchen von zwei Dritteln und dar» über der Grundsteuer. Soweit es sich um Rebgelände handelt, wird die Steuer bei einer Beschädigung von einem Drittel und darüber, aber unter zwei Drittcln zu bei einer solchen von zwei Dritteln und darüber ganz nachgelassen. Diese Nachlaßsumme wird an diejenigen beschädigten Steuerpflichtigen, welche ihren Anspruch binnen 8 Tagen nach Eintritt des schädigenden Ereignisses geltend machen, nach Verhältnis des von ihnen erlittenen und von der Gemeinde anerkannten Schadens vrrtheilt, ohne daß gegen die Beschlüsse des Gemeinderaths in dieser Richtung eine Berufung zulässig wäre. Das Gesetz soll bereits am I. April 1892 in Kraft treten. * (Dem kürzlich verstorbenen Obersten Karl Weizel), Abtheilungschef im Königl. Kriegsministerium, widmet das „Miliiärvereinsblatt" folgenden Nachruf: Sonntag den 3. Januar d. I. wurde in Karlsruhe die irdische Hülle des zu Berlin verstorbenen Oberst Karl Weizel der Erde übergeben. Der Verewigte, Sohn des 4 Großh. Badischen Staatsraths Weizel, war 1839 geboren und halte sich ursprünglich dem Jn- genieurfach gewidmet, war aber bei der Kriegsbedrobung in, Jahr 1859 als Freiwilliger beim Großherzoglichen Armeecorps- erngetrcten und demnächst zum Lieutenant im Festungs Artillerie bataillon in Rastatt ernannt worden. Im Jahre 1862 erfolgte seine Versetzung zum Feldartillerieregiment und im Jahr 1868 seine Beförderung zum Premierlieutenant und bald darauf die Ernennung zum Adjutanten der Artilleriebrigade. Bei der Mobilmachung 18',0 zunächst mit dem Kommando der ersten Ar» tillcrie-Munitionskolonne betraut, wurde er später als Adjutant des Artilleriekommandeurs des Ir. Armeecorps zu dem Generalkommando befehligt. Bei der Uebernahme in den Verband der preußischen Armee. 1871 verblieb er in der Stellung als Adjutant der 14. Feldartilleriebrigade und wurde 1872 als Komvagnie- chef in das Rheinische Fußartillerieregiment Nr. 8 in Koblenz versetzt. Vom Jahr 187b bis 1880 bekleidete er die Stelle als Vorstand des Artilleriedepots in Karlsruhe. wurde im Jahr 1-80 als Major in das Fußartillerieregiment Nr. 1b in Straßburg versetzt, 1882 zum Kommandeur d s Badischen Fußartilleriebataillons Nr 14 ernannt und kehrte 1«3t als erster Artillerieoffizier vom Platz abermals nach Straßburg zurück, als welcher er im Jahr 1887 zum Oberstlieutenant befördert wurde. Im darauffolgenden Jahr erhielt er seine Ernennung zum Kommandeur des Fußarlillerieregiments Nr. 4 in Magdeburg, von wo er» inzwischen zum Oberst befördert, 1889 als Abtheilungschef in das Königliche Kriegsministerium nach Berlin berufen wurde. In dieser Stellung beschloß am 29. Dezember v. I. ein Herzschlag mit feinem Leben seine an Arbeit und Mühe, aber auch an Erfolg reiche militärische Dienstlaufbahn. Sein offener schlichter Sinn, seine Berufsfreudigkeil und Pflichttreue werde» ihm im Kreise seiner Angehörigen, Freunde und Berufsgenoffen ein freundliches und ehrenvolles Andenken sichern. * (Bei d e m M as kenb al l e), der am nächsten Samstag in der Festhalle staltfindet, sind für die schönsten und originellsten Kostüme 6 Herren- und 10 Damenpreise im Werthbetrag von 450 Mark, sodann für Gruppen 3 Preise in Baarbe- trägen von 209 M.< ISO M. und 50 M. ausgesetzt. Die Ball- mustk kommt zur Ausführung durch die vollständigen Kapellen des 1. Badischen Leib Grenadierregiments und des 1. Badischen Feld-Artillerieregiments, welche sich in das aus 34 Nummern bestehende, die beliebtesten Tänze aufweisende Programm thcilen. Nummerirte Balkonplätze wurden eine beschränkte Anzahl zur Besichtigung des Balles eingerichtet, so daß auch denjenigen Rechnung getragen ist, welche das KarnevalStreiben eine- Maskenballes gerne in bequemer Weise besichtigen möchten. * Lahr, 2. Febr. (Todesfall) Der als Dichter weithin bekannte Großh Oberamtsrichter Ludwig Eichrodt ist beute Nachmittag nach langer Krankheit gestorben. Eichrodt wurde geboren zu Durlach am 2 Februar 1827, seit 1871 war er in Lahr als Amtsrichter tbätig. Der jetzt Verstorbene erfreute sich hier einer außerordentlichen Beliebtheit und die Theilaahme an seinem Hinscheiden ist eine allgemeine. Neueste Telegramme. (Nach Schluß der Redaktion eingetroffen.) Berlin, 3. Febr. Der Reichstag nahm die partielle Verlängerung de« Handelsvertrags mit Spanien in erster und zweiter Lesung ohne Debatte an und begann dann die erste Lesung des Heimstättengesetzes. Graf Doenhoff (kons.) befürwortete den Gesetzentwurf, Abg. v. Bar (freis.) bekämpfte die Vorlage, Graf Ballestrem beantragte die Verweisung an eine Kommission. Gamp (Reichsp.) sprach für die Vorlage, v. Bennigsen erklärte, seine Partei stehe dem Entwürfe wohlwollend gegenüber, obschon derselbe in vielen Punkten einer Abänderung bedürfe. Auch er empfahl Sommissionsberathung. Menzer und Liebermann von Sonneberg sprachen für das Gesetz. Berlin, 3. Febr. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht die vom Bundesrath genehmigten Bestimmungen betreffend die Ursprungszeugnisse für die aus Ländern, welche die Meistbegünstigung genießen, eingehenden Maaren. Ferner publizirt er die Ausführungsbestimmungen zu dem Gesetz über die Anwendung der vertragsmäßigen Zollsätze auf Getreide, Holz und Wein. Madrid, 3. Febr. Nach einer Meldung der Blätter erörtert die Regierung die Kündigung des spanisch-französischen Vertrags über das literarische Eigenthum. Madrid, 3. Febr. An der gestrigen Börse machten sich Liquidationsschwierigkeiten geltend. Es fanden fünf Fallissements statt. Die Liquidation wurde indessen um fünf Uhr ohne weitere Zwischenfälle beendet. London, 3. Febr. Bei dem gestrigen konservativen Meeting in Exeter besprach der Premierminister Lord Salisbury die politische Lage. Er bezeichnete den verstorbenen Khedive als einen begabten und klugen Bundesgenossen der Engländer, welcher einsichtig und loyal die britische Erfahrung uud Geschicklichkeit aufnahm, die, vereint mit türkischer Zähigkeit und englischer Kraft, die beispiellose finanzielle und soziale Erhebung Egyptens erzielt hätten. Bei den nächsten Wahlen sei die brennende Frage die irische. Das Oberhaus halte die Union aus gutem Grunde aufrecht. Was würde Europa sagen, wenn Frankreich von dem Aufgeben der Bretagne spräche oder das protestantische freihändlerische England dazu geführt würde, ein unabhängiges katholisches und schutzzöllneri- sches Irland zu schaffen. Washington, 3. Febr. Präsident Harrison erließ eine Proklamation, in welcher die mit Deutschland vereinbarte Gegenseitigkeitskonvention mitgetheilt wird. Zugleich wird ein Schriftstück bekannt gegeben, die Bedingungen enthaltend, unter welchen amerikanische Produkte und Fabrikate künftig in Deutschland zuzulassen sind. Grotzherrogliches Hostheaker. Donnerstag, 4. Febr. 19. Ab.-Vorst.: „Franeesca vo» Rimini", Over in 3 Aufzügen. Text und Musik von Hermann Götz. Anfang '/z7 Uhr. Familiennachrlchten. Geburten. 28. Jan. Friedrich Karl, V.: Georg Ludwig Schmidt, Schauspieler. — 31. Jan. Hedwig, V-: August Wolf, Maschinenmeister. — 1. Febr. Karl Friedrich, B.: Jakob Fried. Koch, Taglöhner. Todesfälle. 2. Febr. Lisette, Ebefr. von Karl Mangold, Bierbrauer, 37 I. — Frieda, Ehest- von 0,-. Josef Dienger» Professor, 67 I. — Margaretha, Wwe. von Karl Rapp, Kleider- macher, e6 I. — Ludwig v. Friedeburg, Eben,., Major a. D., 64 I- — Jokob Koch Ehem., Postschaffner, 59 I Witterungsvrobachtuilgrn der Mrtr-r-l. Station Karlsruhe. Februar Barom-! Therm. WM ^ in v. Ablol. Feucht. Relativ« S-uchtig. k-it in Wind. Himmel. 2 Nachts 9 U 738.0! -j-4.4 4.8 77 ! SW bedeckt 3 Mrgs. 7 U. 733.8 st 2.1 4.1 77 ! 3. Mittgs.2U. 733.2 st-3.4 4.4 75 ! l - - Wafferftaud des Rheins. Maxau. 3. Febr., Mrgs., 4.37 w, gefallen 9 om. lieber sicht der Witterung vom 3. Februar. Während im hohen Norden noch die gestern erwähnte Depression zu erkennen ist, ist eine neue über der Nordsee erschienen, unter deren Herrschaft das Wetter trüb und zu Niederschlägen geneigt geblieben ist. Die gestern im Westen eingelrctene Abkühlung bat sich über fast ganz Mitteleuropa ansgebreitet. so daß hier die Temperaturen nur wenig über dem Gestiervurikt liegen. Da das Ortsbaromeler noch nicht im Steigen begriffen ist, so ist vorerst auch eine wesentliche Aenderung des Wetters nicht zu erwarten. Frankfurter telegraphische Kursberichte vom 3. Februar 1892. GtaatSPLPtere. > Dresdener Bank 188.74 S^/.D-ReichSanleihe . 84.85 ^ LLnverbank 182.74 4»/, dto. 106.8a! Vahn-Nle«. 4-/,Preuß. Aonsol ivs.so Schweiz. Nordostbahn 109.40 4'/oBaden tu fl. los L5 Lombardes 8i'„ 4°/o „ „ M. 104.90 Galizier § Oesterr. Goldrente 96.70 Elbthal ! Silberrente ss.so Hess. 4*/sÜugar. Goldrente 94 to>GottI 98.80 SS.— 91.90 SS. «8 10 87.70 88 .- issor Russen ll. Orientanlethr. Italiener comptant Egypter Spanier Zoll-Türke» »'/, Serben Sänke». «redttattien »71», « » chbörtr. Diskonto Koummdt. iss io Lreditaktien 870'fl vaSler Bankverein irs.to,Dlskonto-Som«andtt iss io Darmstädter Bank iLü.-jStaatsbatzr, »ss',. Handelsgesellschaft 18 « 80 Lombarden 817/, Deutsch« Bank 147.»o! Tendenz', schwächer. LndwigSbahs ns so otthard 189.10 Wechsel L»d Verte», el a. Wechsel a. Amsterd » » London » „ Paris » » Wien NapoleonSd'or Privatdiskonto Badts. ' 168.75 S0.8S 81.0S 17SL0 16.81 N,« iche Zuckerfabrik ss.so Verli». Oesterr. Aredttaktiev 174 »8 . StaatSbahv ins SS Lombarden 44 2 » Dtskovto-Aommand. iss so Marieaburger so «8 Dortmunder »8.70 Laurahütte 108.7» Tendenz: —. »ie». Ikredttakttes Marktraten Ungarn StaatSbah» Tendenz: fest. Anriß. »°/g Rente Svaster Türke» Ottomane »i» so »7.87 10» »VS 87 »S.7» 18 7» «8 — Lerantworlltcher Redakteur: Wlhelm Harder m Karlsnchr. Todesanzeige R.108. Karlsruhe« Verwandten, Freunden und Bekannten die schmerzliche Nachricht, daß heute Abend 7 Uhr unser lieber Gatte und Vater, Herr Ludwig von Iriedeburg, Major a. I., nach längerm, schwerem Leiden sanft entschlafen ist. Nnna von Iriedeburg, geb. Luschka. Friedrich von Friedeburg, Prem.-Lieut. im Infanterie-Regiment „Markgraf Ludwig Wilhelm" (3. Badisches) Nr. 111. Ludwig von Iriedeburg, Prem.-Lieut. im 2. Westfäl. Feldartillerie-Regiment Nr. 22. Emy Von Beck, geb. von Friededurg. Nrnalie von Iriedeburg, geb. Riemann. Karl von Neck, Prem.-Lieut. im 1. Badischen Leib-Grenadicr-Regiment Nr. 109, kom- mandirt als Adjutant der 37. Jnsanterie- , Brigade. Karlsruhe, den 2. Februar 1892. Beerdigung: Freitag 11'/, Uhr Vormittags, vom Trauer- Hause, Friedensstraße Nr. 1. 3 "o preußische Gonlols o Emissionscours 83 . 60 » ! Das Unterzeichnete Bankhaus nimmt von heute ab Anmeldungen ans obige Anleihen zu den Bedingungen des Prospeetus entgegen. R.112. 8 t» »»»8 «L Otv. Todesanzeige. R ill. Lade. Heute Mittag, an seinem 66. Geburtstage, verschied sanft nach langen Leiden unser lieber Gatte, Vater und Großvater, Ludwig Eichrodt, Großh. Oberamtsrichter. ' Lahr, den 2. Februar 1892. Die trauernden Hinterbliebene«. Soeben erschienen: R.107. DaS Zeichen, dem widersprochen wird. Predigr über Luk. 2, 34, 3S, gehalten am 3. Januar 1892 im llniversitätsgottesdienü in der Providenzkirche zu Heidelberg von 1>r. Ludwig Lemme, o. ö Professor der Theologie, gr. 8'. Geb. 40 Pf. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und gegen E nsendung des Betrages von Earl Winter's Uni- verfitiitSbuchhandlnng in Heidelberg. Zu Festlichkeiten empfiehlt Q538.9. als vorzüglichen sraWMkk EhWWM zu Originalpreisen. »er Flasche Mk. 4 - Mk. 4 SV, Mk. S-. ILnrI »NUINÄNII, Wein- und Theegeschäft, Akademiestratze 2V. Gröbere Bestellungen erbitte rechtzeitig . Für Raucher! 20000 St. Cigarre« u. Cigarrette» feinerer u. mittlerer Qualität mit 20°» Rabatt. Ausverkauf bei R'10.2 Waldstr.. Eingang nächst Kaiserpaffage . Bürgerliche Rechtspflege. Orffestliche Zustellung. R-212. Nr- 1021- Freiburg. Die Jsak Sommer Ehefrau, Maria, geb. Pollack in Freiburg, vertrete» durch Rechtsanwalt Sinauer in Freibura, klagt gegen ihren Ehemann, zur Zeit unbekannten Aufenthalts, auf Grund behaupteter zerrütteter Vermögenslage mit dem Anträge, Urtbeil dahin zu erlaffen: drr Klägerin sei berechtigt, ihr Vermögen von demjenigen ihres Ehemannes abzusondern, und ladet den Beklagten zur mündlichen Verhandlung des Rechtsstreits vor die IV. Civilkam- mer deS Großh. Landgerichts zu Freiburg auf Mittwoch den 13. April 1892, Vormittags 8 Uhr, mit der Aufforderung, einen bei dem gedachten Gerichte zugelaffenen Anwalt zu bestellen. Zum Zweck der öffentlichen Zustellung wird drescr Auszug der Klage bekannt gemacht. Freibnrg, den 24. Januar 1892. Werrlrin, Gerichtsschreiber des Gr. Landgerichts. Aufgebot. R 821. Nr-1211. Lahr. Zur Erb- schaft der am 7. September 1891 verstorbenen Johann StiPPich Witwe, Maria Anna, geb. Rößler von Sulz, gehören folgende im Grundbuch nicht eingetragene Liegenschaften der Gemarkung Sulz: 1. Lagerbnch Nr. 1203. 10 a 87 w Acker auf dem Höfleacker, neben Jakob Wilhelm Springmanu und Albert Becherer- 2. Lagerbuch Nr. 1733. II a 76 w Ackerim Schwarzhanseuthalhaltea, neben Jakob Fleiq, Weber, und Albert Herzog, Schriftsetzer. 3 Laqerduch Nr. 3t80. 2 » 51 m Ackerland im Hagenberg, neben Wilhelm Kovp. lcdia, und Johann Wilhelm Witwe. Barbara, geb. Wacker von Sulz. Auf Antrag der Eibbetheiligten, vertreten durch deren Bevollmächtiaten. Maurer Geora Stippich von Sulz» werden alle Diejenigen, welche in den Grund- und Pfandbüchcrn nicht eingetragene und auch sonst nicht bekannte, dingliche oder aus einem Stamm- oder Familie.: gutsverbande beruhende Reckte haben oder zu haben glauben, aufgefordert, solche in dem auf Montag den 21. März 1892, Vormittags 9 Ubr, bestimmten Termin anzumelden, widri- genfallsdie nicht angemcldeten Ansprüche den Aufgebotsklägern gegenüber für erloschen erklärt werden. Lahr, den 20. Januar 1892. Großh. bad. Amtsgericht, gez. Gut. Dies veröffentlicht der Gerichtsschreiber: Eggler. BermögraSadsouderuoge«. R.65.s Nr. 1169. Karlsruhe. Die Ehefrau des Kaufmanns Heinrich van Benrooh, Anna, geb. Dietrich in Karlsruhe, vertreten durch Rechtsanwalt 1>c. R. Süpfle daselbst, klagt gegen ihren genannten Ehemann mit dem Anträge, sie für berechtigt zu erklären, ihr Vermögen von dem ihres Ehemannes abznsondern. Termin zur Verhandlung des Rechtsstreits vor Großh. Landgericht dahier, Civilkammer lV, ist bestimmt aus: Montag den 14. März 1892, Vormittags 8'/s Uhr. Dies wird hiermit zur Kenntniß- nahme der Gläubiger bekannt gemacht. Karlsruhe, den 30. Januar 1892. Gerichtsschreiberei des Großh. bad. Landgerichts. Sternberg R'72. Nr. 1507. Mannheim. Die Ehefrau des Fabrikarbeiters Ludwig Christoph Schwarz, Katharina Luise, geb. Streik, in Mannheim hat gegen ihren Ehemann bei diesseitigem Landgerichte eine Klage mit dem Begehren eingereicht, sie für berechtigt zu erklären, ihr Vermögen von dem ihres Ehemannes abzusondern. Termin zur Verhandlung hierüber ist auf: Dienstag den 8. März 1892, Vormittags 9 Uhr, bestimmt. Dies wird zur Kenntnißnahme der Gläubiger andurch veröffentlicht. Mannheim, den 29. Januar 1892. Gerichtsschreiberei Großh. Landgerichts. Bolze. R80. Nr. 1010. Gengenbach. Die Ehefrau des Metzgers Karl Walter jung von Gengenbach, Karo ine. geb Ronecker von da, wurde durch Urtheil des Großh. Amtsgerichts dahier vom 29. d. M. für berechtigt erklärt, ihr Vermögen von dem ihres Ehemannes abzusondern. Gengenbach. 30. Januar 1892. Der Gerichtsschreiber Gr. Amtsgerichts: Stall. Bekauutmachuug. R'37. Nr. 655. Philippsburg. Die von Großh. Amtsgericht Bruchsal mit Beschluß vom 5. Januar 1880, Nr. Nr. 613, wegen Geisteskrankheit erkannte Entmündigung der Gärtner Adolf Zi m- mermanu Ehefrau, Jda, geb. Him- melstem von Philippsburg, wurde mit diesseitigem Beschluß vom 22. d. Mts., Nr. 576, wieder aufgehoben. Philippsburg, 28. Januar 1892. Großh. bad. Amtsgericht. Mittermaier. Erbriaweisuugr«. R15.2. Nr.889. NeckarbischofS- heim. Das Gr. Amtsgericht dahier hat heute verfügt: Die Witwe des Ochscnwirths Friedrich Franz Dirtz von Epfrnbach, Ka- rolinc, geb. Horn» hat um Einweisung in Besitz und Gewähr des Nachlasses ihres am 29. Oftober v: I. daselbst vrr- Anzeige und Empfehlung. Einer tit. hiesigen Einwovnerschast sowie der ganzen Umgegend der Residenzstadt Karlsruhe zur gefälligen Kenntnißnahme, daß ich das bisher inne- gehabte, altrenommirte Q 900.2- ^ LUIU LouiK von kr6U886N l auch fernerhin im Betrieb behalten werde. ! 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A^ AE voIIstänäiKtzr Denkmäler D 54? wir I»8e1»rltt, unä 54L -rd in ointiwbstor vio reicdslor Lustübruoz. O.476.10. cid AE6rv8868 l-SZki- fertiger IVlonumentk unl! krabplaiten AE A^ io «lvuweliün uni! ituslLoäisoliou Llarmor-, Orsnit- ui-,6 Lxeuitsorten. A^ ^ ««4 Llulvürt« Irontswkrvl. storbenen Ehemannes gebeten und wird diesem Gesuche diesseits stattgegeben werden, wenn nicht bis zum 7. März d. I. Einsprachen dahier einkommen. Ncckarbijchofsheim, 28. Januar 1892. Die Gerichtsschreiberei des Großh. bad. Amtsgerichts. Henninger. Q-959-3. Nr. 866 Dur lack. Die Witwe des Güterbestätters Heinrich Krebs, Karolitte, geb. Jung dabier, hat um Einweisung rn Besitz und Gewähr des Nachlasses ihres verstorbenen Ehemannes gebeten. Etwaige Einsprachen hiergegen sind binnen vier Wochen dahier anzubringen» andernfalls dem Gesuche entsprochen werden würde. Durlach, den 23. Januar 1892. Großh. bad Amtsgericht. (gez) Diez. Dies veröffentlicht Der Gerichtsschreiber- Frank. R83-1- Nr. iltO. Boxberg. Die Witwe des Maklers Johann Georg Messinger, Jakobine, geb. Knörzer von Schwabhausen, hat um Einweisung in Besitz und Gewähr der Verlaffen- schaft ihres f Ehemannes gebeten. Diesem Gesuch wird stattgcgeben, wenn nicht binnen vier Wochen Einsprache dagegen erhoben wird. Boxberg, den 30. Januar 1892. Großh. bad. Amtsgericht, gez. Keltere r. Dies veröffentlicht Drr Gerichtsschreiber Gr. Amtsgerichts: S P e ck n e r. R'14.2. Nr. 394. Staufen. Das Großh. Amtsgericht Staufen hat heute beschlossen: Aufforderung. Bäcker Fridolin Dörflinger in Hausen a/M. hat um Einsetzung in die Gewähr des Nachlasses seiner verstorbenen Ehefrau, Barbara, geb. Huber, gebeten. Diesem Gesuch wird stattge- gegeben, wenn nicht binnen 4 Wochen Einsprache dagegen erhoben wird. Staufen, den 29. Januar 1892. Der Gerichtsschreibrr Gr. Amtsgerichts: Dufner. Q.958.3. Nr. 1934. Walds Hut. Dir Witwe des Zimmermanns Albert Meier, Beata, geborene Müller von § Hohenthengen, hat bei Großh. Amts- ! gericht hier um Einweisung in Besitz ! und Gewähr des Nachlasses ihres ver- ! storbenen Ehemannes nachgesucht. Diesem Gesuche wird entsprochen wer- l den, wenn nicht innerhalb 4 Wochen Einwendungen dagegen erhoben werden. ! Waldshut, den 21. Januar 1892. ! Der Gcrichtsschreiber Gr. Amtsgerichts: Mohr. Erbvorladuug. R56- Graben. Die vermißte Ci- i garrenmacher Heinrich Bleier Evr- ! scau, Sofia, geb. Kubach, von Liedols- heim, nach Amerika (New-Uork) vor Jahren ausgewandert, ist zur Erbschaft an dem Vermögensnachlaffe ihrer Mutter, Landwirth Johannes Kubach 11. Witwe, Christine. ged.Seitz von Liedols- ! heim, berufen. Zum Zweck des Beizugs ! bei dcrVerlassenfchaftsverhandlung wird ! diese Erbinlereffentin und dezw. deren j Kinder und Rechtsnachfolger andurch ! aafgefordert, binnen Frist von sechs ! Wochen ä ämo Nachricht von sich an i den Unterfertigten gelangen zu lassen. ! Graben, den 24. Januar 1892. Der Großh- Notar: Eiermann- Strafrechtspflege. Ladung. R' 50.1. Nr. 948. Konstanz. Nachstehend bezeichnete Person: Josef Eine, geboren den 15. Dezember 1867 in Untermettingen, l-diger Dienstknecht» zuletzt wohnhaft in Konstanz, wird beschuldigt, als beurlaubter Reservist ohne Erlaubniß ausgewandert zu sein, Uebertretuna gegen 8 360 Nr. 3 des Strafgesetzbuchs. Derselbe wird auf Anordnung des Großh. Amtsgerichts hiersclbst auf Samstag den 2. April d. I.» Vormittags 9 Uhr, vor daS Großh. Schöffengericht zur Hauptverhandlung geladen. Bei unemschuldrgtem Ausbleiben wird ! derselbe auf Grund der nach 8 472 der! Strafprozeßordnung von dem König!. Bezirkskommando zu Lörrach ausgestellten Erklärung verurthcilt werden, j Konstanz» den 28. Januar 1892. z Burger, Gerichtssckreiber des Gr. Amtsgerichts, i Berm« Betanntmachunge«. R110- Karlsruhe. Großh. Bad. Staats- ! Eisenbahnen. Der Bundesrath bat in seiner Sitzung l vom 7. Januar d. I. Beschlüsse gefaßt, ^ durch welche die Beitimmungen in 8 48 ! des Bctriebsreglements für die Eisen- ^ bahnen Deutschlands und der Anlage 1> j hiezu über die Beförderung nackstehen- > der Artikel abgcändert und ergänzt wur- j den: ! Würfelpulver iPulver aus warm ab- ^ gepreßter Sprenggelatine): Gemische ^ aus Salpeter, Harz, Naphtalin und ! rohen Tbeerölen: Streichhölzer, deren ! Zündköpfchen Phosphor und chlorsaures ! Kali enthalten: Präparate, welche aus Terpentinöl oder Spiritus einerseits und Harz andererseits bereitet sind, wie SvirituslackeundSikkative; Ruß; frische ! Kälbermagen. I Nähere Auskunft ecthrilcn unsere ! Stationen. > i Karlsruhe, den 2. Februar 1892- G eneraldirektion. R 105.1. Nr. 642. 'Offenburg. Großh. Bad. Staats- Eisenbahnen. DicHerstellung einer eisernen Straßenbrücke über die Oos bei dem Bahnhofe in Baden soll im Submissionsweg vergeben werden und beträgt das Gewicht der neuen Brücke: in Schmiedeisen .... 309800 kg in Gußeisen, Lagerplatten 5250 kx in Gußeisen, eis. Geländer 6160 kg Das Gewicht der Eiicntheile der vorhandenen Brücke, welche der Lieferant abzubrechen und als Eigenthum zu über» nehmen bat, beträgt: in Sckmiedcisen ca. . 24650 kg in Gußeisen ca. . . - 8050 kg Die Pläne und das Bedingungsheft mit Gewichtsverzeichniß liegen auf dem Bauburcau in Baden (Lange Straße Nr. 90) zur Einfichtsnahme auf. l Die Angebote, welche längstens bis zum LV. Februar d. I , Abends, versiegelt und portofrei mit der Aufschrift: „Angebot für Herstellung einer eisernen Brücke in Baden" hier einzu- reichen sind, baden die Preise für 100 kg Schmiedeisen, Gußeisen und das Geländer der neuen, sowie für Uebernahme der bestehenden Brücke besonders zu enthalten. Offrnburg, den 2. Februar 1892. Großh. Bahubauinspektor 1. i Äi.113.1. Nr. 591. Konstanz. Großh. Bad. Staats Eisenbahnen. > Die zur Herstellung von drei Stell- > wcrksgcbciudeu aus dem Bahnhofe ! Singen erforderlichen Erd-, Maurer-, ^ Steinhauer-. Zimmer. Glaser,- Flasch- ! ner- und Anstreicherar'veiten sollen im ! Wege des öffentlichen Angebots ver- ! geben werden. — Pläne, Bedingungen und Arbeitsverzeichnisse liegen auf ! meiner Kanzlei (Bahnhofplatz 2t) zur E nsicht auf und können daselbst auch ! die Formulare für die auf Einzelpreise ^ zu stellenden Angebote in Empfang > genommen werden. Die Angebote sind spätestens ! Mittwoch, den 1v. Februar l. I, Nachmittags 3 Uhr, ^ verschlossen, Portofrei und mit Aufschrift: „Angebot auf Stellwerks- ! gebäude" anher einzurcichen. Konstanz, den S. Februar 1892. Der Großh. Bahnbauinspektor Nutzholzversteigerung. R 104.1. Nr. 191. Die Großh. Be« zirksforstei Graben in Brucksal versteigert am Samstag, 13. Februar d. I.» Vormittags 11 Uhr beginnend, im Rathhaussaale in Graben aus dem Distrikt Kammerforst: 1 Rothbuche, 282 Eichen, 3 Eschen, 1 Rothulme, 1 Weißulme. 6 Linden, 18 Forlen, 16 Ster eichenes Nutzscheitholz, sowie 29 Ster eichene und 6 Ster hainbuchene Rollen; aus dem Distrikt Büchenauer Haardt: 2 Rothbuchen, 2 Hainbuchen, 37 Eichen, 1 Rothulme, 28 eschene Wagnerstangen, 20 Forlen, 19 Ster eichenes Nutzscheitholz, sowie 14 Ster hainbuchene und 18 Ster erlene Rollen. Die Waldhüter Heneka in Neuthard und Kistner in Nendorf bei Graben zeigen das Holz im Kammerforst, die Waldhüter Rebstock in Büchenau und Held in Neuthard jenes iu der Büchenauer Haardt vor und fertigen auf Verlangen Auszüge auS den Aufnahmslisten. Druck und Verlag der G. Brau »'scheu Hofbuchdruckerei. (Mit einer Beilage.)